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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Rotes Wien</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Kampf um die Stadt. Politik, Kunst und Alltag um 1930</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 11:26:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 11]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Austromarxismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Rezension: Sonderausstellung des Wien Museums, 19. Nov. 2009 – 28. M&#228;rz 2010

Das Wien Museum am Karlsplatz widmete sich vom 19. November bis zum 28. M&#228;rz 2010 in einer seiner bisher umfangreichsten Ausstellungen der gesellschaftlichen und politischen Situation in Wien um 1930. Im Zentrum standen dabei das Rote Wien der Sozialdemokratie und das Aufkommen der reaktion&#228;ren und faschistischen Bewegungen im Kontext [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Sonderausstellung des Wien Museums, 19. Nov. 2009 – 28. M&#228;rz 2010<br />
<span id="more-1586"></span><br />
Das <em>Wien Museum</em> am Karlsplatz widmete sich vom 19. November bis zum 28. M&#228;rz 2010 in einer seiner bisher umfangreichsten Ausstellungen der gesellschaftlichen und politischen Situation in Wien um 1930. Im Zentrum standen dabei das Rote Wien der Sozialdemokratie und das Aufkommen der reaktion&#228;ren und faschistischen Bewegungen im Kontext von Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und Armut.  Die Ausstellung faszinierte vor allem durch eine Vielzahl von Originalen aus den 1930er Jahren. Eine unglaubliche F&#252;lle an Plakaten und Photos, aber auch einiger f&#252;r die damalige Zeit typischer oder neuartiger Gegenst&#228;nde wie Zapfs&#228;ulen, Leuchtreklamen oder Radios vermittelte der/m BesucherIn das Gef&#252;hl, in die Wiener 1930er Jahre einzutauchen.<br />
Wie so oft jedoch, wenn politische Inhalte in einem b&#252;rgerlichen Rahmen vermittelt werden, war dies f&#252;r ein politisch „vorbelastetes“ Publikum auch im vorliegenden Fall mit einigen Abstrichen verbunden. Am besten war die Ausstellung zu genie&#223;en, wenn man m&#246;glichst alle politischen Erwartungen und Ansichten hinten anstellte und sich „einfach“ unvermittelt auf das Pr&#228;sentierte einlie&#223; – was bei diesem Thema zugegeben nicht so einfach ist.<br />
Den historischer Rahmen der Ausstellung stellte einerseits das Rote Wien mit den bekannten Bildern von Massenaufm&#228;rschen, wehenden roten Fahnen und Menschen voller Hoffnung auf eine neue Zeit dar. Anderseits wurde die zunehmende Macht der Konservativen, Katholiken, des Adels, der Heimwehren und der Nazis thematisiert, also all jener, die vom „Weg in den Sozialismus“ nichts wissen wollten bzw. alles dagegen unternahmen, dass dieser eingeschlagen w&#252;rde. Deren regelm&#228;&#223;ige Aufm&#228;rsche und Kr&#228;ftedemonstrationen sowie die Provokationen der Heimwehren brachten damals zwar die sozialdemokratische Basis zum Kochen, wurden seitens der sozialdemokratischen F&#252;hrung jedoch nur mit Z&#246;gern und Ignoranz beantwortet. Auseinandersetzungen mit Schwerverletzten und Toten standen auf der Tagesordnung.<br />
F&#252;r politisch Interessierte hielt diese Darstellung der Ereignisse der damaligen Zeit keine Neuigkeiten bereit. Die Ausstellung fokussierte jedoch ohnehin eher auf die Menge sozialer und technischer Ver&#228;nderungen, in welche die K&#228;mpfe zwischen Rot und Schwarz beziehungsweise Braun eingebettet waren. Der gesamte &#246;ffentliche Raum wurde rund um 1930 neu gestaltet und belebt. Der sich stark ver&#228;ndernde und rasant zunehmende Verkehr sorgte f&#252;r eine vollkommene Umgestaltung des Lebens auf der Stra&#223;e. Das Tempo erh&#246;hte sich und in Konsequenz auch die Gefahren; der L&#228;rm und der Geruch nahmen zu. Auch brachte etwa der neuartige Einsatz von Leuchtreklamen und den – gerade erst aufgekommenen – &#246;ffentlichen Lautsprechern gro&#223;e Ver&#228;nderungen des Alltags der damals lebenden Menschen mit sich.<br />
Bei vielen R&#252;ckblicken auf die 1930er Jahre werden diese tiefgreifenden Ver&#228;nderungen h&#228;ufig kaum bedacht. Diese Auslassung leistete sich<em> Kampf um die Stadt</em> nicht – vielmehr stand das Alltagsleben im Wien der 1930er Jahre im Zentrum der Ausstellung. Durch diesen Fokus wurde angenehmerweise auch der in der Geschichtsschreibung verbreitete Fehler vermieden, nur die Geschichte der Herrschenden zu erz&#228;hlen.<br />
Gerade weil aber der behandelte Zeitraum derart von Widerspr&#252;chen und K&#228;mpfen gepr&#228;gt war, h&#228;ngt die Darstellung des Alltags sehr wohl auch davon ab, auf welcher „Seite“ man stand. Da es nicht im Interesse der KuratorInnen sein konnte, die subjektive Lebenssituation der aufkommenden Nazis oder des an Bedeutung schwindenden Adels nachvollziehbar zu machen, w&#228;re es naheliegend gewesen, die Ereignisse aus den Augen eines/r gl&#252;henden Sozialdemokraten/in nachzuzeichnen. Eine Ahnung von der massiven Aufbruchsstimmung bekam man in der Ausstellung aber nur durch den Anblick der sozialdemokratischen (Wahl-)Plakate. Die angebotenen, von einem gelangweilten Ton getragenen F&#252;hrungen durch die Ausstellung arbeiteten demgegen&#252;ber einer emphatischen Betrachtung der Ereignisse eher entgegen. Sie f&#252;gten sich durch entpolitisierte Ausf&#252;hrungen und den Erz&#228;hlstil des „Experten“ nur zu gut in das gesamte Muster der Ausstellung.<br />
Besonders deutlich war dies anhand einer Installation zu sehen, bei der in einem etwas verdunkelten Raum kurze Ausschnitte aus zeitgen&#246;ssischen politischen Reden im Originalton zu h&#246;ren waren. Dabei sollten die verschiedenen Redestile von Politikern anschaulich gemacht und gegen&#252;ber gestellt werden: der alte, die Massen &#252;berschreiende Stil im Gegensatz zum neuen, ruhig ins gerade erst aufkommende Mikrophon Sprechende. Dies ist zwar kein uninteressantes Ph&#228;nomen, jedoch war der „technische“ Fokus allein auf den Redestil gelegt – es wurde nicht thematisiert, ob der Redner „Tod allen Juden!“ oder „Es lebe das Proletariat!“ schreit. Ein weiteres Beispiel f&#252;r die entpolitisierte Herangehensweise der KuratorInnen. Insgesamt vermittelten die Darstellung und Aufbereitung der Themen und Ereignisse den Eindruck, als w&#228;re zwischen den reaktion&#228;r-faschistischen und den linken und antifaschistischen Kr&#228;ften kein Unterschied zu machen.<br />
Auch der Versuch, die gesellschaftlichen Entwicklungen in einzelne, sauber von einander getrennte Themenbereiche und Ausstellungsr&#228;ume zu unterteilen, wirkte aus einer politischen Perspektive nicht gegl&#252;ckt, lassen sich doch gerade in einer so bewegten Zeit gesellschaftliche Themen nicht isoliert voneinander betrachten. Zudem herrschte die bedenkliche Tendenz vor, die Sozialdemokratie und die konservativ-reaktion&#228;ren Kr&#228;fte in diesen R&#228;umen anhand eines Schlagwortes auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen – um sie dann erst innerhalb dieses vage vorgegebenen Rahmens auf ihre Unterschiede hin zu untersuchen. Nat&#252;rlich musste in der Gestaltung der Ausstellung wohl ein Kompromiss zwischen der detaillierten Darstellung der K&#228;mpfe – auch in ihren Widerspr&#252;chen – und einer massentauglichen Aufbereitung der Inhalte gefunden werden.<br />
Trotzdem war es bei der F&#252;hrung manchmal zuviel des Guten: So endete diese im Raum zur „politischen Gewalt“.  Als der Experte, der durch die Ausstellung f&#252;hrte, schlie&#223;lich bei der Schilderung der Ereignisse rund um den Brand des Justizpalastes anmerkte, dass dies wohl die gewaltt&#228;tigste Aktion „bis dato“ war, sank die Lust, den Ausf&#252;hrungen weiter zu lauschen, stark ab: „War da nicht kurz vorher ein Weltkrieg?“ Noch eine kurze Geschichte zu einem Einschussloch in einem Pokal musste man &#252;ber sich ergehen lassen, und es war &#252;berstanden. Im kurzen Schlagabtausch mit einer anderen Besucherin dar&#252;ber, ob und wie entpolitisiert man diese Ereignisse darstellen darf/kann, bzw. wie sehr BesucherInnen mit gewissen Darstellungsweisen „indoktriniert“ oder doch eher nur „konfrontiert“ werden, wurde indes klar, dass die gew&#228;hlte Darstellungsweise der Ausstellung durchaus auch ihr Publikum hat.<br />
Das Buch zur Ausstellung hingegen ist jeder/m nur w&#228;rmstens zu empfehlen. Darin enthalten sind nicht nur die Fotos aller(!) Ausstellungsst&#252;cke – was besonders aufgrund der gro&#223;en Anzahl von Plakaten und Fotos imponiert – sondern auch eine Menge an Text in Form von Erkl&#228;rungen, Erz&#228;hlungen, Berichten und Statistiken. Auf knapp 600 Hochglanzseiten findet die/der Interessierte eine Unmenge an Material zum gem&#252;tlichen Schm&#246;kern, Studieren und Wundern vom Sofa aus&#8230; ganz ohne langweilige Expertisen, im Weg stehende Menschen und Rauchverbot. Nicht zuletzt wird hier auch abseits aller politischen Nivellierungen der Ausstellung die bremsende und kalmierende Rolle der sozialdemokratischen F&#252;hrung im Kampf gegen die aufkommenden FaschistInnen aktiv thematisiert. </p>
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		<title>Release-Veranstaltung Perspektiven Nr. 11</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/05/05/release-veranstaltung-perspektiven-nr-11/</link>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 12:57:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Austromarxismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rotes Wien]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Mittwoch den <strong>12.5.2010</strong> findet anl&#228;sslich des Releases der 11. Ausgabe des Magazins Perspektiven eine Diskussion zum Schwerpunkt "Das rote Wien" statt. Es diskutieren die Autoren des Artikels <i>Sozialismus in einer Stadt</i>, erschienen in Perspektiven Nr. 11.

Der „kommunale Sozialismus“ des Roten Wien gilt als eines der faszinierendsten Experimente der neueren europ&#228;ischen Geschichte, das bis heute nachwirkt: sowohl als ideeller Bezugspunkt der sozialdemokratischen Linken als auch materiell, etwa in Form der Gemeindebauten.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/05/p11flyerweb.jpg"><img class="size-medium wp-image-824  aligncenter" title="p11flyerweb" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/05/p11flyerweb-220x300.jpg" alt="" width="220" height="300" /></a></p>
<p><strong>Es war einmal&#8230; das Rote Wien<br />
Theorie und Praxis des Austromarxismus</strong></p>
<p>Diskussionsveranstaltung im Rahmen des Erscheinens von Perspektiven Nr. 11. Mit den Autoren des Artikels <a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/05/04/sozialismus-in-einer-stadt/">Sozialismus in einer Stadt</a>, erschienen in Perspektiven Nr. 11.</p>
<p><strong> Mittwoch, 12. Mai 2010, 19 Uhr<br />
Universit&#228;t Wien, NIG, HS 3 &#8211; Universit&#228;tsstra&#223;e 7, 1010 Wien</strong></p>
<p>Der „kommunale Sozialismus“ des Roten Wien gilt als eines der faszinierendsten Experimente der neueren europ&#228;ischen Geschichte, das bis heute nachwirkt: sowohl als ideeller Bezugspunkt der sozialdemokratischen Linken als auch materiell, etwa in Form der Gemeindebauten.</p>
<p>Was das Rote Wien von anderen wohlfahrtsstaatlich orientierten Kommunalpolitiken der Zwischenkriegszeit unterscheidet, war die spezifische Verflechtung sozialreformerischer Intentionen mit einer gro&#223; angelegten kulturellen Erziehungsstrategie. Diese zielte darauf, in der Hauptstadt der Republik wesentliche Elemente einer sozialistischen Zukunft bereits in der urbanen Gegenwart vorwegzunehmen, und „den Arbeiter“ in moralischer Hinsicht f&#252;r seine Rolle in dieser Zukunft vorzubereiten. Dreh- und Angelpunkt dieses Projekts war die Heranbildung „Neuer Menschen“. &#220;ber ein weitverzweigtes, engmaschiges Geflecht aus Kultur- und Sportorganisationen sollten die ArbeiterInnen emotional, politisch und kulturell an sozialistische Werthaltungen herangef&#252;hrt und mittels kulturpolitischer Initiativen (Zeitungen, Theater, Konzerte, Bibliotheken) im Geiste des Sozialismus erzogen werden. Ebenso sollten die Gemeindebauten mehr sein als sozialer Wohnbau, n&#228;mlich durchstrukturierte „sozial&#246;kologische Umwelten“, die der Herausbildung „ordentlicher Arbeiterfamilien“ f&#246;rderlich w&#228;ren.</p>
<p>In der Diskussionsveranstaltung sollen die theoretischen Grundlagen dieses Projekts im Austromarxismus skizziert sowie die praktischen Spannungen des Roten Wien zwischen emanzipatorischen Zielen und paternalistischer P&#228;dagogik diskutiert werden.</p>
<p><strong>Hinkommen, mitdiskutieren, Perspektiven Nr. 11 holen!</strong></p>
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		<item>
		<title>Out now: Perspektiven Nr. 11</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/05/04/out-now-perspektiven-nr-11/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 16:54:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Austromarxismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>
		<category><![CDATA[Klassenkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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		<category><![CDATA[Sozialdemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Stadt]]></category>

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		<description><![CDATA[Schwerpunkt: Wie Rot ist Wien?


Die brandneue Perspektiven ist da!
Im Schwerpunkt:
Gruppe Perspektiven: Thesen zur Wien-Wahl 2010 – Veronika Duma, Katherina Kinzel, Fanny M&#252;ller-Uri und Tobias Zortea: Aufstand in der Vorstadt: Wiens verborgene Klassenk&#228;mpfe um 1900 – Benjamin Opratko und Stefan Probst: Sozialismus in einer Stadt? Austromarxismus und das Rote Wien – Assimina Gouma, Petra Neuhold, Paul Scheibelhofer und Gerd Valchars [KriMi]: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Schwerpunkt: Wie Rot ist Wien?</h3>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.perspektiven-online.at/category/ausgaben/perspektiven-nr-11/"><img class="size-medium wp-image-807 aligncenter" title="p11cover" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/05/p11cover-212x300.jpg" alt="" width="212" height="300" /></a></p>
<p style="text-align: center;">
<p><a><strong>Die brandneue Perspektiven ist da!</strong></a></p>
<p>Im Schwerpunkt:</p>
<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/05/09/thesen-zur-wien-wahl-2010/">Gruppe Perspektiven: Thesen zur Wien-Wahl 2010</a> – Veronika Duma, Katherina Kinzel, Fanny M&#252;ller-Uri und Tobias Zortea: Aufstand in der Vorstadt: Wiens verborgene Klassenk&#228;mpfe um 1900 – <a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/05/04/sozialismus-in-einer-stadt/">Benjamin Opratko und Stefan Probst: Sozialismus in einer Stadt? Austromarxismus und das Rote Wien</a> – Assimina Gouma, Petra Neuhold, Paul Scheibelhofer und Gerd Valchars [KriMi]: Migration &#8211; Fangfragen f&#252;r das „rote“ Wien – Interview mit Jakob Weingartner: Sanfte Verdr&#228;ngung: Gentrifizierung in Wien – Florian Reiter: Wiens Salzamt: Neoliberalismus und der Fonds Soziales Wien</p>
<p>Au&#223;erhalb des Schwerkpunkts:</p>
<p>Interview mit Ashraf Cassiem, Mncedisi Twalo, Romin Khan, Alexander Kleider und Daniela Michel: Anti-R&#228;umungskampagne: soziale K&#228;mpfe in S&#252;dafrika – <a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/05/04/die-beauty-queen-der-finanzmaerkte/">Fabio De Masi: Die Beauty-Queen der Finanzm&#228;rkte: Zur Krise in Griechenland </a>- Rezensionen und Rosinenpicken</p>
<p><strong>Jetzt <a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/05/04/editorial-9/">Editorial lesen</a>! Perspektiven Nr. 11 <a href="http://www.perspektiven-online.at/kontakt/">bestellen</a>! <a href="http://www.perspektiven-online.at/abo/">Abo holen!</a></strong></p>
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		<item>
		<title>Sozialismus in einer Stadt?</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/05/04/sozialismus-in-einer-stadt/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 16:40:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 11]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Rotes Wien]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialdemokratie]]></category>

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		<description><![CDATA[Bis heute sind das Rote Wien der Zwischenkriegszeit und die damit verbundenen austromarxistischen Positionen emphatische Bezugspunkte der Sozialdemokratie. Benjamin Opratko und Stefan Probst stellen den „roten Traum“ in Frage, indem sie die historischen Bedingungen der Politik des Roten Wien sowie die theoretischen Pr&#228;missen des Austromarxismus offenlegen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Bis heute sind das Rote Wien der Zwischenkriegszeit und die damit verbundenen austromarxistischen Positionen emphatische Bezugspunkte der Sozialdemokratie. </em>Benjamin Opratko<em> und </em>Stefan Probst <em>stellen den „roten Traum“ in Frage, indem sie die historischen Bedingungen der Politik des Roten Wien sowie die theoretischen Pr&#228;missen des Austromarxismus offenlegen.</em><br />
<span id="more-798"></span></p>
<p>Zwischen 19. und 26. April 1931 war das neu errichtete Wiener Prater-Stadion Schauplatz einer gigantischen Inszenierung sozialdemokratischer Symbolpolitik. Anl&#228;sslich der zweiten Internationalen Arbeiterolympiade waren mehrere zehntausend ArbeitersportlerInnen aus 19 L&#228;ndern der Sozialistischen Arbeitersport-Internationalen nach Wien gepilgert, um die Hauptstadt der Republik in eine Manifestation proletarischer Kollektivit&#228;t und St&#228;rke zu verwandeln. W&#228;hrend der Aufmarsch von 100.000 disziplinierten ArbeiterInnen &#252;ber die Ringstra&#223;e zum Stadion offensichtlich den Charakter einer Milit&#228;rparade annahm, der die Entschlossenheit des Wiener Proletariats bezeugen sollte, bildete ein gigantomanisches historisches Spektakel den H&#246;hepunkt des begleitenden Kulturprogramms. Dabei eigneten sich insgesamt 4.000 sozialdemokratische TurnerInnen, MusikerInnen, S&#228;ngerInnen und AktivistInnen der Roten Falken und der Sozialdemokratischen Arbeiterjugend in Blauhemden das Spielfeld als riesige Theaterb&#252;hne an, um in einer guten Stunde die Geschichte der arbeitenden Massen und ihrer K&#228;mpfe vom Mittelalter bis zum Industriekapitalismus samt Soundeffekten und Requisiten nachzuspielen. Die Choreographie m&#252;ndete schlie&#223;lich in den symbolischen Sturz einer vergoldeten Statue, die den Kapitalismus repr&#228;sentierte, und einen Eid, in dem zehntausende ZuseherInnen ihre Loyalit&#228;t zu den Idealen des Sozialismus einer Lautsprecherstimme nachbeteten.<br />
In den &#220;berlegungen sozialdemokratischer Parteif&#252;hrer verfolgten Massenspektakel dieser Art in erster Linie den Zweck, den Massen ein Gef&#252;hl symbolischer St&#228;rke und Solidarit&#228;t zu injizieren und sie emotional st&#228;rker an Partei und Bewegung zu binden. So sehr sich die sozialdemokratische Presse dementsprechend von der Symbolwirkung der proletarischen Festspiele begeistert zeigte, so sehr t&#228;uschte die Inszenierung jedoch dar&#252;ber hinweg, wie stark sozialdemokratische Politik in den sp&#228;ten 1920ern und fr&#252;hen 1930ern bereits auf ein hohles Schattentheater reduziert worden war.<br />
Zwei Monate zuvor hatten die steirischen Heimwehren unter Walter Pfrimer ihren ersten Putschversuch gestartet, der zwar an internen Uneinigkeiten scheiterte, aber als deutliches Zeichen zunehmender St&#228;rke faschistischer Bewegungen ernst genommen werden musste. Angesichts dessen war die Inszenierung im Wiener Prater kaum mehr als ein gro&#223; angelegtes Theater der Illusionen, in dem, in den Worten des Historikers Helmut Gruber, „die Macht, den kapitalistischen G&#246;tzen zu st&#252;rzen, nichts anderes war als ein magisches Blendwerk innerhalb der gesch&#252;tzten Betonmauern des Wiener Stadions.“<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> Ohne realpolitische Strategien in konkreten K&#228;mpfen konnten Massenaufm&#228;rsche, Feste und Beschw&#246;rungen proletarischer Einheit wenig mehr sein als ritualisierte Bezeugungen symbolischer St&#228;rke, die abstrakte Heilsversprechen einer besseren Zukunft mobilisierten, politisch aber inhaltsleer blieben und letztlich allein zur &#196;sthetisierung der Politik und Kontrolle der Massen beitrugen. Das Spektakel des Juli 1931, in dem Pr&#228;senz durch Fahnen, Slogans, Blauhemden usw. demonstriert wurde, verdeckt die Paralyse und strategische Sackgasse sozialdemokratischer Politik und markiert somit auch das Scheitern eines der faszinierendsten Experimente eines „kommunalen Sozialismus“ in der neueren europ&#228;ischen Geschichte.</p>
<p>Im Folgenden soll zun&#228;chst gezeigt werden, dass die Kultur- und Bildungspolitik der Wiener Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit als gro&#223;angelegte Erziehungsstrategie und spezifische Version eines b&#252;rgerlichen Modernisierungsprojekts gedeutet werden kann. Zweitens schlagen wir vor, dieses Experiment, das als Rotes Wien zeitgen&#246;ssische BeobachterInnen begeisterte und bis heute in der sozialdemokratischen Linken romantisiert wird, als Produkt einer historischen Niederlage zu verstehen. Die Politik des Roten Wien gr&#252;ndete auf einer besonderen Lesart marxistischer Theorie, die wir in einem weiteren Schritt kritisch darstellen. Zuletzt fragen wir, was vom Austromarxismus als Theorie und dem Roten Wien als politisch-praktischem Projekt &#252;brig bleibt.</p>
<p><strong>&#8220;Antizipatorischer Sozialismus&#8221;</strong><br />
Arbeitersport und Massenfeste bildeten nur einen – und beileibe nicht den wichtigsten – Teil des umfassenden kulturpolitischen Projekts der Wiener Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit, das im Roten Wien den „Sozialismus in einer Stadt“ zu verwirklichen suchte, als Vorwegnahme einer besseren Zukunft und Konkretisierung einer kulturellen Utopie. Dreh- und Angelpunkt dieses Projekts war die Heranbildung „Neuer Menschen“.<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> &#220;ber ein weitverzweigtes, engmaschiges Geflecht aus Kultur- und Sportorganisationen sollten die ArbeiterInnen emotional, politisch und kulturell an sozialistische Werthaltungen herangef&#252;hrt und mittels kulturpolitischer Initiativen (Zeitungen, Theater, Konzerte, Bibliotheken) im Geiste des Sozialismus erzogen werden. 1931/32 waren mehr als 400.000 Menschen in diesem Netzwerk sozialdemokratischer Kulturvereine organisiert.<br />
Bisweilen trieben diese Anstrengungen recht seltsame Bl&#252;ten. Der Beitrag der 2.000 im Zentralverband der Arbeiter-Mandolinenorchester organisierten WienerInnen zum zivilisatorischen Projekt der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei d&#252;rfte jedenfalls als ebenso gering zu veranschlagen sein wie jener des Bunds der Arbeiter-Alpinen, Trachtenerhaltungs- und Volkst&#228;nzervereine oder des Arbeiter-Feuerbestattungsvereins „Die Flamme“.<br />
Zentral f&#252;r die sozialdemokratische Erziehungsmission war aber die Verschmelzung wohlfahrtsstaatlicher und p&#228;dagogischer Initiativen zu einem gro&#223;angelegten Projekt des <em>social engineering</em><a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a>.  So dienten etwa die neu errichteten Gemeindebauten nie allein der Linderung der akuten Wohnungsnot, sondern sollten zugleich als architektonische Verwirklichung p&#228;dagogischer und zivilisatorischer Ideale, als „materieller Ausdruck der politischen wie (massen-)kulturellen Intentionen der sozialdemokratischen Gemeindeverwaltung“<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> fungieren. Der physische Kontext einer bestimmten Form des Wohnens spielte im kulturpolitischen Projekt eine organisierende Rolle zur Herausbildung „ordentlicher Arbeiterfamilien“: „Die ‚Volkswohnpal&#228;ste‘ sollten von Beginn an mehr sein als bessere Wohnungen. Sie sollten jene Umwelt bereiten, in denen die proletarische Familie als ordentlich sozialisiert und durch die entstehende Parteikultur in Richtung ‚Neuer Menschen‘ erzogen w&#252;rde.“<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a><br />
Dementsprechend streng reglementiert gestaltete sich das proletarische Leben im Gemeindebau. Die Hausverwaltung bestimmte, wann und wo Teppiche geklopft und Abfall entsorgt werden durfte, wo und wie Kinder im Hof spielen durften, kontrollierte den Zutritt zu den Waschr&#228;umen, &#252;berwachte die Ordnung in G&#228;ngen, Kellern und Balkonen und inspizierte die Sauberkeit der Wohnungen. &#220;berall und jederzeit waren die MieterInnen der Gemeindewohnungen mit Strukturen, R&#228;umen, Einrichtungen und Regeln konfrontiert, die „f&#252;r sie“ entworfen waren, deren Ausgestaltung aber von den Betroffenen selbst kaum beeinflusst werden konnte.<br />
&#196;hnlich paternalistische &#220;berzeugungen waren dem st&#228;dtischen F&#252;rsorgewesen eingeschrieben, das mit den Mitteln moderner Sozialtechnologie m&#246;glichst optimale Sozialisationsbedingungen organisieren sollte. Ein dichtes Netz f&#252;rsorgerischer Institutionen und Ma&#223;nahmen sicherte den erzieherischen Zugriff auf das Proletariat. &#220;ber Hausbesuche von F&#252;rsorgerInnen wurden die „ordentlichen“ Verh&#228;ltnisse im ArbeiterInnenhaushalt (sanit&#228;re Standards, elterliches Erziehungsverhalten) &#252;berwacht. Dass solche Initiativen &#252;berwiegend familienbezogen waren und auf die Hebung der Geburtenrate zielten, sei hier ebenso nur am Rande erw&#228;hnt wie die damit verbundenen sozialeugenischen Visionen etwa des Stadtrats f&#252;r Wohlfahrtspflege Julius Tandler.</p>
<p><strong>B&#252;rgerliche Sozialreform</strong><br />
Gerade in diesen p&#228;dagogischen und kulturpolitischen Dimensionen, die das Rote Wien von anderen wohlfahrtsstaatlich inspirierten Kommunalpolitiken abhebt, &#228;hnelt das sozialdemokratische Experiment der Zwischenkriegszeit nun aber jenen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts weitverbreiteten Rezepten b&#252;rgerlicher Sozialreform, die in erster Linie um die soziale Stabilisierung einer urbanen und industriellen ArbeiterInnenschaft bem&#252;ht waren. Zentrale Gemeinsamkeit war die „Verbindung von F&#252;rsorge- und Wohlfahrtsintentionen mit Funktionen der Domestizierung und &#220;berwachung“ – eine Strategie, in der die ArbeiterInnen zuallererst als Objekte thematisiert wurden. In diesem Sinn handelt es sich beim Wiener „Kommunalsozialismus“ der 1920er Jahre mit Wolfgang Maderthaner wohl um ein „exemplarisches Unternehmen der Sp&#228;taufkl&#228;rung“<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a>, das „auf Zivilisierung, Kulturalisierung und Hygienisierung der Massen, also auf die umfassende Hebung ihrer lebensweltlichen und sozialen, vor allem aber kulturellen Standards abzielte.“<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a><br />
Tats&#228;chlich konnte sich das p&#228;dagogische Experiment der Wiener Sozialdemokratie vielfach auf bereits um die Jahrhundertwende gegr&#252;ndete Kulturorganisationen st&#252;tzen. Die Sozialdemokratie der Vorkriegsjahre hatte es verstanden, „in Hochburgen wie in den Wiener Vorst&#228;dten kleinnetzige, aus vormodernen Traditionen herr&#252;hrende soziale Beziehungsgeflechte ehemals d&#246;rflicher Formationen in die Zellen- und Sektionsstruktur einer modernen Parteiorganisation &#252;berzuf&#252;hren.“<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a> Entscheidendes Vehikel in diesem Organisationskonzept bildeten Volksbildungseinrichtungen, Sportvereine, Kultur- und Bildungsorganisationen und lebensreformerische Vereinigungen, sowie ein ritualisierter Kanon von Festen und Feiern (bestes Beispiel: 1. Mai), denen gerade unter den schwierigen Bedingungen der Habsburgermonarchie ein besonderer Stellenwert im Parteiaufbau zukam. Das Verbot politischer Organisierung konnte gerade dadurch umgangen werden, dass der kulturelle und p&#228;dagogische Charakter der Bewegung betont wurde. Victor Adler, der Gr&#252;ndungsvater der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie, theoretisierte diesen emotionalisierenden, &#228;sthetisierenden und kulturalisierenden Zugriff auf politische Fragen in der Strategie der „Revolutionierung der Gehirne“ als eigentliche Aufgabe und Ziel der Bewegung.<br />
Die austromarxistischen TheoretikerInnen und PraktikerInnen des Roten Wien griffen diese &#220;berlegungen auf, indem sie den Aufbau eines gegenkulturellen Netzwerks zum zentralen Angelpunkt ihrer Konzeption eines „antizipatorischen Sozialismus“ ausbauten und die Kulturorganisationen als Massenerziehungsmittel funktionalisierten.<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a> Ziel war es erstens, wesentliche Elemente einer sozialistischen Zukunft bereits in der urbanen Gegenwart vorwegzunehmen, und zweitens „den Arbeiter“ in moralischer Hinsicht f&#252;r seine Rolle in dieser Zukunft vorzubereiten.<br />
Den notwendigen Spielraum f&#252;r diese vorbereitende Strategie, so argumentierte der sozialdemokratische Parteif&#252;hrer Otto Bauer, schuf die spezifische Situation im Nachkriegs&#246;sterreich, die von einem „Gleichgewicht der Klassenkr&#228;fte“ gepr&#228;gt gewesen sei, in dem „die au&#223;erparlamentarische Macht des Proletariats … die parlamentarische Mehrheit der Bourgeoisie hinderte, ihre Klassenherrschaft aufzurichten.“<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> Weil keine gesellschaftliche Klasse ohne die (stillschweigende) Teilnahme der gegnerischen Klasse herrschen k&#246;nnte, der Kampf um die politische Macht somit auf eine unbestimmte Zukunft vertagt war, entst&#252;nden Freir&#228;ume zum schrittweisen Aufbau einer sozialistischen Infrastruktur, ohne Risiko des B&#252;rgerkriegs. „Aus diesem Grund konnte sich Bauer auf das austromarxistische Engagement der Vorkriegszeit f&#252;r kulturelle Entwicklung und Bildung berufen, um der Rolle der sozialistischen Bewegung bei der Vorwegnahme einer neuen Gesellschaft innerhalb des alten Systems gro&#223;e Bedeutung zuzuschreiben.“<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a></p>
<p><strong>Der „Wille zur Ohnmacht“</strong><br />
Je st&#228;rker sich nun aber die tats&#228;chlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse im Laufe der 1920er Jahre zuungunsten der ArbeiterInnenbewegung verschoben, desto mehr kompensatorische Funktionen fielen der Wiener Stadtpolitik zu. Sukzessive &#252;bernahm die kulturpolitische Konzentration auf das Rote Wien den Charakter eines Substituts f&#252;r weitergehende Perspektiven politischer Transformation.<br />
Wie der Historiker Anson Rabinbach richtig betont, resultierte der Wiener Kommunalsozialismus letztlich „aus einer stillschweigenden Anerkennung einer entscheidenden politischen Niederlage“ 1918/19.<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a> Schon w&#228;hrend der Welle wilder Streiks im Juni 1917 war die &#246;sterreichische Sozialdemokratie in erster Linie als Stabilisierungsfaktor und Ordnungsmacht in Erscheinung getreten. In der sozialrevolution&#228;ren Situation ab dem Fr&#252;hjahr 1918, als sich aus Streikversammlungen heraus ArbeiterInnenr&#228;te<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> bildeten, der alte Staat zerfiel und die Macht f&#246;rmlich auf der Stra&#223;e lag, transformierte sie die revolution&#228;ren Energien in eine Strategie zur Eroberung der parlamentarischen Demokratie und der umfassenden sozialen Reform. Damit verschaffte sie nicht zuletzt den desorganisierten konservativen Kr&#228;ften ausreichend Zeit zur Neuformierung.<br />
Sozialdemokratischen Parteigranden wie Friedrich Adler war sehr wohl bewusst, dass es 1918/19 „wohl keinen anderen Staat [gab], wo es … f&#252;r die Arbeiterklasse so leicht m&#246;glich gewesen w&#228;re, die ganze Macht an sich zu rei&#223;en, wie gerade in Deutsch&#246;sterreich.“<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a> Die Entscheidung zur „Selbstbeschr&#228;nkung“<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a> der Revolution kann daher nicht auf vermeintlich „objektive“ Bedingungen abgew&#228;lzt werden. Erst auf Grundlage dieser strategischen Weichenstellung wird die Konzentration auf Kultur- und Bildungspolitik verst&#228;ndlich, die infolge als Rechtfertigung daf&#252;r herhalten musste, jeder „verfr&#252;hten“ politischen Auseinandersetzung auszuweichen, um eben den Zusammenbruch des „Aufbauwerks“, auf das sich die p&#228;dagogische „Vorbereitungsstrategie“ st&#252;tzte, nicht zu riskieren.<br />
Die fatale Zirkularit&#228;t sozialdemokratischer Politik gr&#252;ndet darin, dass dieselben &#220;berzeugungen, welche die Bedingungen politischer Defensive produzierten, auch den R&#252;ckzug in die Wiener Kulturenklave legitimierten. Zun&#228;chst lenkte die Sozialdemokratie die revolution&#228;re Dynamik der Jahre 1918/19 in die Bahnen des b&#252;rgerlichen Republikanismus, um schlie&#223;lich ihre politischen Ambitionen in die Kultur der Hauptstadt zu kanalisieren<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a> Gewisserma&#223;en wiederholt sich hier die Geschichte des &#246;sterreichischen Liberalismus als Farce. Dieser hatte in den 1890ern seine politische Schw&#228;che durch die Kulturpolitik im Wien des <em>fin de siècle</em> kompensiert. Als selbsternannte Erbin des gescheiterten liberalen Modernisierungsprojekts adaptierte die SDAP nun dessen „Programm der kulturellen Erneuerung unter dem Banner des Konstitutionalismus“.<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a></p>
<p>Mit der Entscheidung, 1918/19 nicht auf die revolution&#228;re R&#228;tebewegung zu setzen, wurde eine Dynamik in Gang gesetzt, die eine Situation selbstgew&#228;hlter Ohnmacht produzierte. Solange sich die Konservativen vor der Macht&#252;bernahme der ArbeiterInnen f&#252;rchten mussten, konnte die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) weitreichende soziale Reformen – vom bezahlten Urlaub bis zum Betriebsr&#228;tegesetz – durchsetzen. Sobald die SDAP aber die R&#228;tebewegung in ein Mittel zur Bindung und Disziplinierung des Proletariats verwandelt hatte, erwiesen sich die Illusionen in den b&#252;rgerlichen Staat als verheerende Sackgasse. Die reaktion&#228;re Christlichsoziale Partei und ihre faschistischen Verb&#252;ndeten (Heimwehr, Landbund) gewannen an Initiative und wurden in weiten, vor allem l&#228;ndlichen Teilen &#214;sterreichs hegemonial, w&#228;hrend sich die Sozialdemokratie auf ihre Hochburgen in Wien, Linz und der Obersteiermark konzentrierte.</p>
<p><strong>Orientierungspunkte</strong><br />
Die entscheidenden Stichworte f&#252;r diese Strategie wurden von den TheoretikerInnen des Austromarxismus formuliert. Dennoch l&#228;sst sich die Politik des „Sozialismus in einer Stadt“ nicht als einfache „&#220;bersetzung“ einer austromarxistischen Theorie in die sozialdemokratische Praxis verstehen. Dies w&#252;rde den gewichtigen Aspekt der Pragmatik in der konkreten Politik der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie nach dem Ersten Weltkrieg unterschlagen. In mancher Hinsicht ist die austromarxistische Theoriearbeit besser als nachtr&#228;gliche oder begleitende Rechtfertigung politischer Entscheidungen zu verstehen, die selbst eher auf Basis aktueller M&#246;glichkeiten und Notwendigkeiten – oder was die SozialdemokratInnen daf&#252;r hielten – getroffen wurden. Zugleich spielten theoretische Erw&#228;gungen der f&#252;hrenden Intellektuellen der SDAP nat&#252;rlich eine Rolle f&#252;r die Politik des Roten Wien – nicht zuletzt f&#252;r die Einsch&#228;tzung, welche Strategien eben als (un-)m&#246;glich oder notwendig angesehen wurden. Die sozialdemokratischen Stadt- und KommunalpolitikerInnen, die Obleute der zahlreichen Arbeitervereine sowie die ArchitektInnen der Gemeindebauten und die F&#252;hrer des Schutzbundes setzten nicht einfach in die Tat um, was Otto Bauer im „Kampf“, dem zentralen Theorieorgan der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie, schrieb; sie erhielten durch die austromarxistische Theorie jedoch eine Grundanschauung, eine „Reihe von <a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a>, die das Experiment des Roten Wien pr&#228;gten. Zwar hat eine inhaltlich koh&#228;rente theoretische „Schule“, die so unterschiedliche Pers&#246;nlichkeiten wie Max Adler und Karl Renner, Otto Leichter und Otto Bauer umfasst h&#228;tte, so nie existiert. Darauf verweisen schon die von den oben genannten „Austromarxisten“ in den Publikationen der Sozialdemokratie teils scharf polemisch gef&#252;hrten Debatten. Im Folgenden soll jedoch dargestellt werden, was &#252;ber alle Differenzen innerhalb der F&#252;hrungsriege der SDAP hinweg als gemeinsame &#220;berzeugungen ausgemacht werden kann, die es letztlich doch erlauben, vom „Austromarxismus“ zwar nicht als einheitliche theoretische Schule, jedoch als ein Set von „Leitideen“ zu sprechen. Diese waren f&#252;r den Alltagsverstand sozialdemokratischer Funktion&#228;rInnen und zahlreicher ArbeiterInnen in der Zwischenkriegszeit absolut pr&#228;gend – und tats&#228;chlich hat wohl erst der politische und orientierende Effekt der theoretischen Positionen eine Einheit des Austromarxismus hergestellt, die in der Theorie selbst so gar nicht vorhanden war.</p>
<p><strong>Determinismus</strong><br />
Die wichtigste Grundlage austromarxistischer Theorien ist &#252;beraus simpel. Sie zu benennen, fordert jedoch unweigerlich einen hartn&#228;ckigen Mythos heraus, der die Selbstverortung des Austromarxismus „zwischen Bolschewismus und Revisionismus“ f&#252;r bare M&#252;nze nimmt. In dieser Darstellung h&#228;tte der „Dritte Weg“ zwischen der revolution&#228;ren Strategie Lenins und der offen parlamentarisch-reformistischen Eduard Bernsteins in der SPD die &#246;sterreichische Sozialdemokratie auch vor den Gefahren des „Determinismus“ bewahrt, der f&#252;r die Geschichtsauffassung der sozialdemokratischen Zweiten Internationale so charakteristisch war. Damit ist die Vorstellung gemeint, dass die immanenten Widerspr&#252;che der kapitalistischen Gesellschaft unweigerlich in den Sozialismus f&#252;hren. Die angeblich von Marx entdeckten und von Engels popularisierten ehernen Gesetze der Geschichte w&#252;rden dies beweisen: die &#220;berwindung des Kapitalismus erg&#228;be sich aus der historischen „Dialektik“ von Produktionsverh&#228;ltnissen und Produktivkraftentwicklung; Aufgabe der Sozialdemokratie w&#228;re demnach „der Aufbau ihrer Organisation, die Verst&#228;rkung ihres Stimmenanteils und das Vermeiden von Abenteuern, w&#228;hrend sie geduldig darauf wartete, dass die &#246;konomische Entwicklung ihre Arbeit leistete“.<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a> Dass die &#246;sterreichische Sozialdemokratie, die der Bildungs-, Erziehungs- und Kulturarbeit so viel Wert beima&#223; – also ja gerade auf die „subjektiven“ Aspekte der Geschichte einwirken wollte – einer solchen „objektivistischen“, sprich den „objektiven Gesetzm&#228;&#223;igkeiten“ vertrauenden Auffassung anhing, scheint nur auf den ersten Blick paradox. Dass sie es tat, l&#228;sst sich an allen Ecke und Enden austromarxistischer Publizistik ablesen – nicht nur bei den „rechten“, offen revisionistischen Sozialdemokraten wie Karl Renner, sondern auch bei Otto Bauer selbst, der ohne &#220;bertreibung als F&#252;hrer und wichtigster Theoretiker der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie der Zwischenkriegszeit bezeichnet werden kann.<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> Er schloss etwa seinen programmatischen Aufsatz „Der Weg zum Sozialismus“ mit den Worten: „Der Sozialismus ist zur geschichtlichen Notwendigkeit geworden; kommen wird er auf jeden Fall. Fraglich ist nur, auf welchem Weg er kommen soll.“<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a> In der popul&#228;ren sozialdemokratischen Tagespresse wurde dieselbe &#220;berzeugung mit etwas mehr Poesie ausgedr&#252;ckt. Nach dem Sieg der SDAP bei den Wiener Gemeinderatswahlen schrieb die „Arbeiterzeitung“ am 5. Mai 1919: „Rot flammt es am Horizont und k&#252;ndigt den herrlichen, unwiderruflichen Sieg des Sozialismus an.“<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a></p>
<p><strong>Kartell-Sozialismus</strong><br />
Der geschichtsphilosophische Determinismus der AustromarxistInnen wurde polit&#246;konomisch unterf&#252;ttert von der These des „organisierten Kapitalismus“. Diese st&#252;tzte sich ma&#223;geblich auf die Untersuchungen von Rudolf Hilferding, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts Teil der Gruppe um Otto Bauer und Max Adler war (mit letzterem gab er bis 1925 die „Marx-Studien“ heraus). Hilferding hatte in seinem 1910 erschienenen Werk „Das Finanzkapital“ argumentiert, dass der Kapitalismus im „Zeitalter des Imperialismus“ von der „Aufhebung der freien Konkurrenz durch die Bildung von Kartellen und Trusts“ gekennzeichnet w&#228;re. Durch Konzentrations- und Monopolisierungstendenzen sowie durch die zunehmende Integration von Bank- und Industriekapital entst&#252;nde eine Form kapitalistischer Wirtschaft, in der das anarchisch-freie Spiel der Marktkr&#228;fte in eine Art Planwirtschaft des Finanzkapitals umschlage. Diese These hat bedeutsame politische Konsequenzen, wie Hilferding noch 1931 festhielt:<br />
„Indem aber das Finanzkapital die kapitalistische Wirtschaft immer st&#228;rker organisiert, schafft es die M&#246;glichkeit der Kontrolle dieser Organisation. Denn Organisation hei&#223;t nichts anderes als die Zusammenfassung bisher zersplitterter Kr&#228;fte unter einer einzigen Leitung. Erst damit kann sich diesem Bewu&#223;tsein, diesem Willen der Leitung unter Umst&#228;nden ein anderes Bewu&#223;tsein, ein anderer Wille entgegensetzen. Dem rein wirtschaftlichen Willen und seinen wirtschaftlichen Motiven, dem Streben nach Rentabilit&#228;t und Steigerung der Profitrate kann sich ein anderes organisiertes Bewu&#223;tsein, ein anders motivierter Wille, das politische, das staatliche Bewu&#223;tsein entgegensetzen.“<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a> Der &#220;bergang zum Sozialismus im Bereich der &#214;konomie wird so als &#220;bernahme der Kommandopositionen in den Trusts und Kartellen konzipiert. In Hilferdings Worten: „Die Diktatur der Kapitalmagnaten (schl&#228;gt) um in die Diktatur des Proletariats“.<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a> F&#252;r austromarxistische Theorien und Praxis dienten Hilferdings Thesen als Grundlage; sie wurden weiterentwickelt zur Theorie des „organisierten Kapitalismus“, der als „letzte Phase des Kapitalismus“ verstanden wurde. In ihr w&#252;rden sich die Plan- und Leitungselemente in der Wirtschaft zunehmend verst&#228;rken, was als „Ansatz zur Emanzipation von der ‚freien’ kapitalistischen Marktwirtschaft, ein Ansatz zu organisierter Wirtschaft“ verstanden wurde.<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a> Auf dieser &#220;berzeugung basierte auch Otto Bauers Politik der „Sozialisierung“, durch die jene Industriezweige, in denen der Konzentrations- und Integrationsprozess besonders weit fortgeschritten war – etwa in der Montan- und Schwerindustrie – der Privatwirtschaft entzogen werden sollte. Wohlweislich sah dieses Konzept keine Kontrolle der Produktionseinheiten durch die ArbeiterInnen vor – die „sozialisierten“ Betriebe h&#228;tten von Gremien aus GewerkschafterInnen, KonsumentInnenverb&#228;nden und Staatsbeamten geleitet werden sollen.<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a> Diese Perspektive eines „Kartell-Sozialismus“, der mit Formen proletarischer Wirtschaftsdemokratie nur wenig zu tun hatte, wurde auch von den „linken“ TheoretikerInnen des Austromarxismus geteilt. So schreibt Otto Leichter: „Die Entwicklungselemente einer sozialistischen Ordnung sind zumindest der Tendenz nach vorhanden: schon innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft wird der Beweis f&#252;r die M&#246;glichkeit einer gemeinwirtschaftlichen Regelung der Produktion erbracht, aber das Proletariat mu&#223; erst die politische Macht erobern, um die Elemente der sozialistischen Gesellschaft freisetzen zu k&#246;nnen.“<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a></p>
<p><strong>Staat als Instrument</strong><br />
Damit sind wir bei einer Frage angekommen, deren Beantwortung f&#252;r die Charakterisierung des austromarxistischen Projekts entscheidend ist. Alle TheoretikerInnen der SDAP, vom „rechten“ Karl Renner bis zum „linken“ Max Adler, waren sich darin einig, dass es darum ging, die „politische Macht zu erobern“. Doch was soll darunter verstanden werden? Die Antwort der AustromarxistInnen lautete unisono: die &#220;bernahme des Staates, der nicht mehr wie im Kommunistischen Manifest als „Ausschu&#223;, der die gemeinschaftlichen Gesch&#228;fte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet“<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a> verstanden wurde, sondern als „Instrument“, das den H&#228;nden der KapitalistInnen entrissen werden m&#252;sse, um es zum Aufbau des Sozialismus zu nutzen. Max Adler hat daf&#252;r eine einpr&#228;gsame Metapher gew&#228;hlt: „So wie man auf einer Druckmaschine ebenso reaktion&#228;re wie revolution&#228;re Schriften drucken kann, so kann der Staatsapparat an sich jeder beliebigen Staatsordnung die Rechtsform geben.“<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a> Zwar wandte er gegen Karl Renner ein, dass man nicht davon ausgehen d&#252;rfe, die „Besetzung von staatlichen Machtpositionen durch das Proletariat bedeute schon eine &#196;nderung des b&#252;rgerlichen Staates“; der entscheidende Faktor f&#252;r Adler war jedoch jener des Bewusstseins: „Denn nicht darauf kommt es an, da&#223; die Machtpositionen besetzt werden, sondern <em>welchen Geistes und Willens das Proletariat ist, das dies tut</em>.“<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a> Wir werden noch darauf zur&#252;ck kommen, dass diese Adler’sche Konzeption sich passgenau in die politische Praxis der SDAP und deren Konzentration auf Bildungsarbeit und „Bewusstseinsreform“ einf&#252;gte. Wichtig ist festzuhalten, dass auch f&#252;r den „linken“ Adler die politische Macht&#252;bernahme nur als Eroberung des b&#252;rgerliche Staatsapparats denkbar war, der dann in den Dienst des Sozialismus gestellt werden sollte. Nicht-staatliche, autonome Formen proletarischer Selbstverwaltung konnten in diesem Konzept bestenfalls eine erg&#228;nzende Rolle spielen. So befand Adler 1919, dass die ArbeiterInnenr&#228;te in Deutschland und &#214;sterreich zwar legitime Kampfmittel seien, sie d&#252;rften aber keinesfalls als „dauernde Gestaltungsprinzipien eine[r] neuen Gesellschaft“ gelten.<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> Letztlich dienten die R&#228;te in Adlers Konzeption als „Verwaltungsinstrumente des friedlichen Hineinwachsens in den Sozialismus, dazu noch verfassungsm&#228;&#223;ig abgesichert“.<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a><br />
Otto Bauer teilte den instrumentalistischen Staatsbegriff seiner GenossInnen, integrierte ihn jedoch in eine als Theorie ausgegebene Zeitdiagnose vom „Gleichgewicht der Klassenkr&#228;fte“. Demnach w&#228;re die politische Situation in Europa nach dem Ersten Weltkrieg von einer Pattsituation der Klassen gepr&#228;gt, die sich in &#214;sterreich in einem Zustand ausdr&#252;ckte, „in dem zwar das Proletariat noch nicht zu herrschen vermag, in dem aber die Bourgeoisie nicht mehr imstande ist, dem Proletariat zu diktieren und daher mit dem Proletariat paktieren mu&#223;“.<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a> Diese Konstellation wurde von Bauer als „&#220;bergangsphase“ interpretiert: „Wie die Bourgeoisie durch die Periode des Gleichgewichtes zwischen Grundaristokratie und Bourgeoisie hindurchgehen mu&#223;te, ehe sie die Staatsgewalt erobern und die ganze Rechtsordnung dem Kapitalismus anpassen konnte, so wird das Proletariat durch die Periode des Gleichgewichts zwischen Bourgeoisie und Proletariat nur hindurchgehen, um schlie&#223;lich die Staatsgewalt zu erobern und die sozialistische Gesellschaftsordnung zu verwirklichen.“  Diese Analogisierung von b&#252;rgerlicher und proletarischer Revolution wurde bereits von Bauers Parteigenossen Otto Leichter einer treffenden Kritik unterzogen. Schlie&#223;lich hat die ArbeiterInnenklasse „keine &#246;konomische Macht in dem Sinne, wie etwa bereits die Bourgeoisie bereits am Beginn der Revolution &#246;konomisch m&#228;chtig war. [...] Die b&#252;rgerliche Revolution wird von einer &#246;konomisch m&#228;chtige Klasse, die proletarische Revolution von den &#246;konomisch im individuellen Sinne Machtlosen durchgef&#252;hrt.“<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a> Dieser Einwand ist wichtig, die Folgerung, dass die proletarische Revolution eine zuvorderst politische sein muss, ebenso. Der entscheidende Fehler war jedoch die von keinem der austromarxistischen TheoretikerInnen hinterfragte Grundannahme, dass die politische Revolution die &#220;bernahme der b&#252;rgerlichen Staatsapparate bedeutet. Letztlich zielte die austromarxistische Strategie auf jenes friedliche „Hineinwachsen“ in den Sozialismus, das Otto Bauer 1924 so pr&#228;gnant auf den Punkt brachte: „Wir k&#246;nnen binnen weniger Jahre mit dem Stimmzettel die Mehrheit im Parlament erobern <em>und damit die Macht ergreifen</em>“.<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a></p>
<p><strong>Das glatte Band der Geschichte</strong><br />
Die Kombination aus deterministischer Geschichtsphilosophie, wirtschaftspolitischer Orientierung auf einen „Kartell-Sozialismus“ und konsequenter Staatsfixierung lie&#223; der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie wenig konzeptionellen Spielraum f&#252;r eingreifendes, politisches Handeln. Dennoch waren die austromarxistischen Positionen nicht blo&#223; Rechtfertigung f&#252;r politische Passivit&#228;t. Vielmehr f&#252;hrten sie dazu, die Anstrengungen der Partei in &#252;berw&#228;ltigendem Ma&#223;e auf den Aspekt der Bildungs- und Kulturpolitik zu lenken. In welchem Ma&#223;e es sich beim Austromarxismus um die Theoretisierung einer politischen Praxis handelt, die mehr auf die Entstehungsgeschichte der SDAP und den konkreten M&#246;glichkeitsrahmen einer de facto auf die Stadt Wien reduzierten sozialistischen Partei zur&#252;ck zu f&#252;hren ist, kann hier nicht weiter er&#246;rtert werden. Jedenfalls aber haben die beschriebenen theoretischen Grundlagen die Politik des Roten Wien pr&#228;zise erg&#228;nzt. Denn wenn die &#214;konomie ohnehin ihren ehernen Gesetzen folgt und der Staat mit dem Stimmzettel erobert werden kann, bleibt f&#252;r sozialistische Politik vor allem eine Aufgabe: „Nicht die K&#246;pfe einschlagen, die K&#246;pfe gewinnen!“, wie Otto Bauer es formuliert hatte. Was zwischen dem Jetzt und der zuk&#252;nftigen sozialistischen Gesellschaft steht, ist demnach das falsche Bewusstsein der ProletarierInnen. Den Arbeiter gilt es zum „Neuen Menschen“ zu erziehen; die praktisch-politische Umw&#228;lzung wird als Ergebnis des ver&#228;nderten Bewusstseins erwartet. Dies wird besonders deutlich bei Max Adler, der den Klassenkampf in erster Linie als „Umgestaltung der Ideologie durch die Theorie“, als „<em>Reform des Bewu&#223;tseins</em>“ verstand.<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a> Das Experiment des Roten Wien als gigantisches Erziehungsprojekt hat hier seine theoretische Entsprechung. Ziel war es nicht nur, Wien als „Werbearbeit f&#252;r den Sozialismus“ (so der Wiener Landtagspr&#228;sident Robert Danneberg) heraus zu stellen, sondern auch und vor allem, die ArbeiterInnen „aus aller b&#252;rgerlich-demokratischen Ideologie herauszurei&#223;en“, wie dies Max Adler gefordert hatte.<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a><br />
Der Lauf der Geschichte erschien den AustromarxistInnen als glattes Band, das unaufh&#246;rlich dem Sozialismus entgegen ratterte; die einzige &#214;se, in die sich Politik einhaken konnte, um den Verlauf der Geschichte offenbar doch zu beeinflussen, war die „Bewusstseinsarbeit“ und hier vor allem die Bildungs- und Kulturpolitik. Politik und &#214;konomie w&#228;ren f&#252;r den Marxismus Gegenst&#228;nde der Erkl&#228;rung, so Max Adler; die sozialistische Erziehung hingegen entspr&#228;che dem Prinzip des Handelns.<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a> Die austromarxistische Bearbeitung des Widerspruchs zwischen objektivem Geschichtsprozess und subjektiver Bewusstseinsbildung war eben jener „antizipatorische Sozialismus“ des Roten Wien. Es galt, die ArbeiterInnen f&#252;r eine Zukunft aufzubereiten, deren Ankunft ohnehin unvermeidlich war. Der von der SDAP-F&#252;hrung erhoffte Sozialismus war schlie&#223;lich auf ein diszipliniertes, geschultes und aufgekl&#228;rtes Proletariat angewiesen, das schon im Heute geschaffen werden sollte.</p>
<p><strong>Mythos Rotes Wien</strong><br />
Mit der Zerschlagung der &#246;sterreichischen ArbeiterInnenbewegung durch den Austrofaschismus im Februar 1934 wurde die historische Niederlage des Austromarxismus, die sich bereits mehrere Jahre davor abgezeichnet hatte, gewaltsam besiegelt. Die Politik der Erziehung zum Sozialismus und die Strategie der symbolischen St&#228;rkung des Proletariats erwiesen sich nicht nur als unzureichend im Kampf f&#252;r den Sozialismus, sondern konnten auch dem Aufstieg des st&#228;ndestaatlichen und sp&#228;ter des nationalsozialistischen Faschismus nichts entgegen halten. Trotzdem blieben das Rote Wien als beeindruckendes Experiment des „kommunalen Sozialismus“ und der Austromarxismus als „Dritter Weg“ zwischen sowjetischer Diktatur und sozialdemokratischem Kapitulantentum f&#252;r die Teile der europ&#228;ischen Linken noch lange mythische Bezugspunkte. Interessant ist hier etwa die kleine „Bauer-Renaissance“ im Zuge der Debatten um „Eurokommunismus“ und Linkssozialismus Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre, als versucht wurde, Bauer als Kronzeugen f&#252;r eine Ann&#228;herung post-stalinistischer und sozialdemokratischer Parteien aufzurufen.<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a><br />
Tats&#228;chlich setzt die Betonung von Alltagskultur und Alltagsbewusstsein als wichtiger Einsatzpunkt sozialistischer Politik den Austromarxismus von anderen zeitgen&#246;ssischen linken Positionen ab. Aber hier fangen die Probleme auch schon an. Denn erstens wurde im Projekt des Roten Wien diese Orientierung auf den Alltagsverstand in das Projekt einer paternalistischen Zivilisierungsmission &#252;berf&#252;hrt. Real existierende ArbeiterInnenkulturen wurden als unzivilisiert und undiszipliniert denunziert und die Widerspr&#252;chlichkeit des Alltagsverstands gerade nicht als Ankn&#252;pfungspunkt begriffen. Und zweitens war die Kultur- und Bildungspolitik eingebettet in eine Transformationsstrategie, die jeder Konfrontation auswich und auf Machtergreifung durch die Stimmzettel setze. Dass ausgefochtene K&#228;mpfe und konkrete Erfahrungen der Selbstorganisierung den besten Beitrag zur „Revolutionierung der Gehirne“ leisten k&#246;nnen, kam den AustromarxistInnen nicht in den Sinn.</p>
<p><strong>Anmerkung</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Gruber, Helmut: Red Vienna. Experiment in Working Class Culture 1919-1934, Oxford 1991, S.110<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> vgl. Adler, Max: Neue Menschen. Gedanken &#252;ber sozialistische Erziehung, Berlin 1924<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Social engineering bezeichnet soziale Ordnungstechniken, die das Verhalten der Bev&#246;lkerung  regulieren sollen. Um 1900 wurde social engineering zur Leitidee unterschiedlichster politischer Projekte, links wie rechts. Zum Begriff vgl. Etzem&#252;ller, Thomas (Hg.): Die Ordnung der Moderne. Social Engineering im 20. Jahrhundert, Bielefeld 2009. Siehe auch die Rezension des Buchs in diesem Heft.<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Maderthaner, Wolfgang: Von der Zeit um 1860 bis zum Jahr 1945, in: Csendes, Peter/Opll, Ferdinand (Hg.): Wien. Geschichte einer Stadt, Bd. 3: Von 1790 bis zur Gegenwart, Wien 2006, S.383<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Gruber, Helmut 1991, a.a.O., S.63<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Maderthaner, Wolfgang 2006, a.a.O., S.362<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> Ebenda, S.390<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_1">8</a> Ebenda, S.338<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> vgl. ebenda, S.366, S.392<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> Bauer, Otto: Die &#246;sterreichische Revolution, Wien 1923<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Rabinbach, Anson: Vom Roten Wien zum B&#252;rgerkrieg, Wien 1989, S.460<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> Ebenda, S.30<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> Zur &#246;sterreichischen R&#228;tebewegung (und zur sozialdemokratischen Transformation derselben in einen politischen Konsolidierungsfaktor) vgl. Hautmann, Hans: Geschichte der R&#228;tebewegung in &#214;sterreich, 1918-1924, Wien, Z&#252;rich 1987<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> Adler, Friedrich: Machtfragen und Formfragen in: Der Kampf 5 (1919), S. 242. Zit. nach: Butterwegge, Christoph: Austromarxismus und Staat. Politiktheorie und Praxis der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie zwischen den beiden Weltkriegen, Marburg 1991, S.223<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> Bauer, Otto 1923, a.a.O.<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> Rabinbach, Anson 1989, a.a.O., S.31<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_1">17</a> Ebenda, S.7<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> Gruber, Helmut 1991, a.a.O., S. 34<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Molineux, John: Is Marxism deterministic? in: International Socialism Journal 68, Autumn 1995, S. 37-73<br />
<a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> Max Adler stellt hier in gewisser Hinsicht eine Ausnahme dar. Er kritisierte 1931, als die deterministische Theorie Bauers die Partei im Angesicht der faschistischen Bedrohung auf fatale Weise l&#228;hmte, die Darstellung des Sozialismus als „unvermeidlich“ und argumentierte, dass der Kapitalismus „sich immer wieder auf Kosten des Massenelends rekonstruieren“ k&#246;nne und in diesem Sinne „endlos“ sei: „Vielmehr h&#228;ngt es vom revolution&#228;ren Aktivismus des Proletariats ab, was die Arbeiterklasse aus der Krise des Kapitalismus selbst machen kann.“ (Adler, Max: Endlosigkeit oder Beendigung der kapitalistischen Widerspr&#252;che? in: Mozetic, Gerald (Hg.): Austromarxistische Positionen, Wien 1983, S.363) Diese &#220;berzeugung wurde von Adler, der nie eine leitende Funktion in der Partei aus&#252;bte, jedoch letztlich dem Dogma der Parteieinheit untergeordnet und blieb, wie Trotzki in einem Brief bissig bemerkte, „Literaturkritik“ (Rabinbach, Anson, 1989, a.a.O., S. 92-94).<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Bauer, Otto: Der Weg zum Sozialismus. In: ders.: Werkausgabe, Bd. 2, Wien 1976, S.131<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> Frei, Alfred Georg: Rotes Wien. Austromarxismus und Arbeiterkultur. Sozialdemokratische Wohnungs- und Kommunalpolitik 1919 – 1934, Berlin 1984, S. 52<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> Hilferding, Rudolf: Die Eigengesetzlichkeit der kapitalistischen Entwicklung, in: Mozetic, Gerald 1983, a.a.O., S.417-418<br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> Hilferding, Rudolf: Das Finanzkapital, Hamburg 1974, S.507<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Leichter, Otto: Der organisierte Kapitalismus und seine Dialektik, in: Mozetic, Gerald 1983, a.a.O., S. 339<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> vgl. M&#228;rz, Eduard/Weber, Fritz: Otto Bauer und die Sozialisierung, in: Albers, Detlev/Hindels, Josef/Lombardo Radice, Lucio (Hg.): Otto Bauer und der „Dritte“ Weg. Die Wiederentdeckung des Austromarxismus durch Linkssozialisten und Eurokommunisten, Frankfurt/M. und New York 1979, S. 74-98<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> Ebenda S. 345, S.348<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> Marx, Karl/Engels, Friedrich: Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4, Berlin 1961, S.464<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> Adler, Max: Praktischer und unpraktischer Klassenkampf, in: Mozeti&#196;, Gerald 1983, a.a.O., S.61<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> Ebenda, S.62<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> Adler, Max: Demokratie und R&#228;tesystem, zitiert nach: L&#246;w, Raimund: Theorie und Praxis des Austromarxismus, in: Ders./Mattl, Siegfried/Pfabigan, Alfred: Der Austromarxismus – eine Autopsie. Drei Studien, Frankfurt/Main 1986, S.70<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> Kulemann, Peter: Am Beispiel des Austromarxismus. Sozialdemokratische Arbeiterbewegung in &#214;sterreich von Hainfeld bis zur Dollfu&#223;-Diktatur, Hamburg 1979, S.252<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> Bauer, Otto: Das Gleichgewicht der Klassenkr&#228;fte, in: Mozeti&#196;, Gerald 1983, a.a.O., S.223<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> Ebenda, S.231<br />
<a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> Leichter, Otto: Zum Problem der sozialen Gleichgewichtszust&#228;nde, 1924, in: Mozetic, Gerald 1983, a.a.O., S.232-233<br />
<a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> Bauer, Otto: Der Kampf um die Macht, zit. nach: Kulemann, Peter 1979, a.a.O., S.334<br />
<a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> Adler, Max: Praktischer und unpraktischer Klassenkampf, a.a.O., S. 54<br />
<a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> Robert Danneberg 1930, zit. nach: Kulemann, Peter 1979, a.a.O., S.344; Adler, Max: Praktischer und unpraktischer Klassenkampf, a.a.O., S. 55<br />
<a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> Ebenda, S.55<br />
<a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> vgl. Albers, Detlev: Versuch &#252;ber Otto Bauer und Antonio Gramsci. Zur politischen Theorie des Marxismus, Berlin 1983</p>
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		<title>Editorial</title>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 16:04:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 11]]></category>
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		<category><![CDATA[Rotes Wien]]></category>
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		<description><![CDATA[P&#252;nktlich zum 1. Mai stellt Perspektiven Nr. 11, akkurat und handlich wie immer, die Frage: „Wie rot ist Wien?“ Debatten dar&#252;ber, welchen politischen Anstrich Wien historisch hatte, entzieht sich die Stadt l&#228;ngst erfolgreich. Das Rote Wien der Zwischenkriegszeit ist nicht nur in Form der gebauten Umwelt, etwa dem Karl-Marx-Hof, allgegenw&#228;rtig. Als mythisch &#252;berh&#246;htes Idealbild eines „Sozialismus in einer Stadt“ bildet es bis heute auch einen zentralen identit&#228;ren Bezugspunkt der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie. 
Einer solchen Romantisierung entgegen zu arbeiten, halten wir deshalb politisch f&#252;r wichtig, weil der Verweis auf das Rote Wien f&#252;r die SP&#214; in doppelter Hinsicht eine entlastende Funktion hat:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>P&#252;nktlich zum 1. Mai stellt Perspektiven Nr. 11, akkurat und handlich wie immer, die Frage: „Wie rot ist Wien?“ Debatten dar&#252;ber, welchen politischen Anstrich Wien historisch hatte, entzieht sich die Stadt l&#228;ngst erfolgreich. Das Rote Wien der Zwischenkriegszeit ist nicht nur in Form der gebauten Umwelt, etwa dem Karl-Marx-Hof, allgegenw&#228;rtig. Als mythisch &#252;berh&#246;htes Idealbild eines „Sozialismus in einer Stadt“ bildet es bis heute auch einen zentralen identit&#228;ren Bezugspunkt der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie.<br />
Einer solchen Romantisierung entgegen zu arbeiten, halten wir deshalb politisch f&#252;r wichtig, weil der Verweis auf das Rote Wien f&#252;r die SP&#214; in doppelter Hinsicht eine entlastende Funktion hat: Zum einen lassen die sozialpolitischen Errungenschaften des Roten Wiens die politisch-theoretischen Fehleinsch&#228;tzungen der Sozialdemokratie in der Zwischenkriegszeit in den Hintergrund treten. Und zum anderen suggeriert die Konstruktion einer Kontinuit&#228;t vom historischen Roten Wien bis in das SP&#214;-regierte Wien der Gegenwart das Fortbestehen politischer Inhalte aus einer Phase, in der die Sozialdemokratie ihre Politik zumindest noch an den kurzfristigen Interessen ihrer sozialen Basis ausrichtete. </p>
<p>Dass sich die SP&#214; entgegen dieser Selbstdarstellung l&#228;ngst meilenweit von den Interessen der ArbeiterInnenklasse entfernt hat, ist nicht zuletzt eine wichtige Ursache f&#252;r den Aufstieg der extremen Rechten in den letzten 20 Jahren. Gerade vor dem Hintergrund der Wiener Gemeinderatswahl im Oktober dieses Jahres und der angek&#252;ndigten (stadt-)politischen Offensive der rechtsextremen FP&#214; ist die Frage „Wie rot ist Wien?“ daher auch die Frage nach den Perspektiven der (radikalen) Linken. </p>
<p>Daher er&#246;ffnen wir den Schwerpunkt dieser Ausgabe mit unserem Thesenpapier zur Wien-Wahl. Darin stellen wir zur Diskussion, wie sich die politische Situation im Vorfeld der Wahl unseres Erachtens darstellt und worin wir die zentralen Herausforderungen f&#252;r linke Politik in den kommenden Monaten sehen.<br />
Daran anschlie&#223;end zeigen <em>Veronika Duma, Katharina Kinzel, Fanny M&#252;ller-Uri</em> und <em>Tobias Zortea </em>anhand der Aufst&#228;nde in den Wiener Vorst&#228;dten um die Jahrhundertwende, dass Klassenk&#228;mpfe auch im „gem&#252;tlichen“ Wien durchaus eine lange, aber verborgene Tradition haben. Dabei wird unter anderem deutlich, wie sehr die Sozialdemokratie bereits in ihren Anf&#228;ngen mit den widerst&#228;ndigen Praxen ihrer eigenen sozialen Basis zu k&#228;mpfen hatte.<br />
Dass nicht nur ihre Praxis, sondern auch ihre Theorie alles andere als widerspruchsfrei und progressiv ist, wird durch das Label &#8220;Austromarxismus&#8221; allzu oft kaschiert. <em>Benjamin Opratko</em> und <em>Stefan Probst</em> argumentieren, dass der Austromarxismus vor allem als Produkt einer historischen Niederlage und das Rote Wien als eine gro&#223; angelegte Erziehungsstrategie und spezifische Version eines b&#252;rgerlichen Modernisierungsprojektes anzusehen ist.<br />
Obwohl also schon das historische Rote Wien keineswegs nur Anlass zum Jubeln gibt, lebt sein Mythos bis heute unvermindert fort. Um wie viel weniger „rot“ demgegen&#252;ber erst das heutige Wien ist, zeigen wir exemplarisch anhand dreier Beispiele. Zun&#228;chst befragen <em>Assimina Gouma, Petra Neuhold, Paul Scheibelhofer </em>und <em>Gerd Valchars</em> die Stadt Wien aus der Perspektive der Migration auf ihre soziopolitische und antirassistische „Integrationsf&#228;higkeit“. Dann gibt <em>Jakob Weingartner </em>im Interview mit <em>Katharina Hajek</em> und <em>Felix Wiegand</em> am Beispiel des Brunnenviertels dar&#252;ber Auskunft, warum in Wien trotz – oder gerade wegen – des Instruments der „Sanften Stadterneuerung“ Gentrifzierung stattfindet. Und schlie&#223;lich r&#228;umt <em>Florian Reiter</em> anhand des Fonds Soziales Wien mit der Vorstellung auf, die Sozialpolitik der Stadt Wien w&#228;re noch immer in „roter“ Hand. </p>
<p>Au&#223;erhalb des Schwerpunkts verlassen wir Wien: Anl&#228;sslich der Filmpremiere des Dokumentarfilms When the Mountain meets its Shadow (dt.: Im Schatten des Tafelbergs) sprach <em>Franziskus Forster</em> mit den FilmemacherInnen und zwei Protagonisten &#252;ber den t&#228;glichen &#220;berlebenskampf in den Armenvierteln von Kapstadt und &#252;ber Formen solidarischen Widerstands.<br />
Und: Wer ist eigentlich Schuld an der Krise in Griechenland? Antworten auf diese Frage hat <em>Fabio de Masi</em> bei einem Vortrag in Berlin gegeben. Auch wenn seine Ausf&#252;hrungen recht deutschlandspezifisch sind und wir seine politischen Schlussfolgerungen kontrovers diskutiert haben, finden wir es wichtig, seine pr&#228;zise Analyse der polit-&#246;konomischen Ursachen der Krise in dieser Ausgabe zug&#228;nglich zu machen.</p>
<p>Passend zum Heftschwerpunkt startet der Rezensionsteil diesmal mit einem Rundgang durch die Ausstellung <em>Kampf um die Stadt</em> im <em>Wien Museum</em>. Ebenfalls nicht ohne Bezug zum Roten Wien: Thomas Etzem&#252;llers Buch zu <em>social engineering</em>. Au&#223;erdem stellt <em>Maria Asenbaum</em> eine Einf&#252;hrung in die Kritische Psychologie vor und <em>Mario Becksteiner</em> argumentiert gegen die AutorInnen des (fast) gleichnamigen Buches, dass WissensarbeiterINNEN durchaus organisierbar sind. Zum Abschluss gibt’s wie immer Rosinen zum Picken. </p>
<p>Auf dass Wien (und der Rest) irgendwann tats&#228;chlich richtig „rot“ wird!<br />
Eure <em>Perspektiven</em>-Redaktion</p>
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