<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Klimawandel</title>
	<atom:link href="http://www.perspektiven-online.at/tag/klimawandel/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.perspektiven-online.at</link>
	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
	<lastBuildDate>Mon, 10 Mar 2014 08:48:09 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Perspektiven Nr. 7 (Fr&#252;hling 2009) erschienen!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2009/02/12/perspektiven-nr-7-fruehling-2009-erschienen/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2009/02/12/perspektiven-nr-7-fruehling-2009-erschienen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2009 15:08:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 7]]></category>
		<category><![CDATA[Energiepolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=348</guid>
		<description><![CDATA[
Schwerpunkt: Naturverh&#228;ltnisse und &#246;kologische Krise


Aus dem Inhalt:
Philipp Probst: Grenzen des Wachstums – Kolya Abramsky: Energie und Arbeitsk&#228;mpfe – Franziskus Forster und Michael Botka: Linke Klimadebatten – Carlo Morelli: Nahrungsmittelkrise – Interview mit Camila Moreno: Geopolitik der Agrartreibstoffe – Owen Hatherley: Fr&#252;hes Sowjetkino – Interview mit Roger Heacock: Krieg gegen Gaza – Rezensionen
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/category/ausgaben/perspektiven-nr-7/"><br />
<h3>Schwerpunkt: Naturverh&#228;ltnisse und &#246;kologische Krise</h3>
<p></a><br />
<a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/category/ausgaben/perspektiven-nr-7/"><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/02/perspektiven-7cover_web-300x237.jpg" alt="perspektiven-7cover_web" title="perspektiven-7cover_web" width="300" height="237" class="alignnone size-medium wp-image-349" /></a></p>
<p><strong>Aus dem Inhalt:</strong><br />
<a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/grenzen-des-wachstums-ja-natuerlich/">Philipp Probst: Grenzen des Wachstums</a> – <a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/energie-arbeit-und-gesellschaftliche-reproduktion/">Kolya Abramsky: Energie und Arbeitsk&#228;mpfe</a> –<a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/fuer-ein-ganz-anderes-klima/"> Franziskus Forster und Michael Botka: Linke Klimadebatten</a> – <a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/hintergruende-der-welternaehrungskrise/">Carlo Morelli: Nahrungsmittelkrise</a> – <a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/zuckerrohr-und-peitsche/">Interview mit Camila Moreno: Geopolitik der Agrartreibstoffe</a> – <a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/die-revolution-traeumen-sowjetisches-kino-1924-1934/">Owen Hatherley: Fr&#252;hes Sowjetkino</a> – <a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/das-sind-die-verdammten-dieser-erde/">Interview mit Roger Heacock: Krieg gegen Gaza</a> – <a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/category/rezensionen/">Rezensionen</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2009/02/12/perspektiven-nr-7-fruehling-2009-erschienen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>F&#252;r ein ganz anderes Klima!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2009/02/07/fuer-ein-ganz-anderes-klima/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2009/02/07/fuer-ein-ganz-anderes-klima/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 07 Feb 2009 11:12:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 7]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung(skritik)]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Naturverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=276</guid>
		<description><![CDATA[<em>Franziskus Forster</em> und <em>Michael Botka</em> kritisieren die herrschenden Deutungen und Bearbeitungsformen des Klimawandels, reflektieren &#252;ber M&#246;glichkeiten eines „Green New Deal“ und pl&#228;dieren f&#252;r eine klimapolitische Offensive „von unten“.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Franziskus Forster</em> und <em>Michael Botka</em> kritisieren die herrschenden Deutungen und Bearbeitungsformen des Klimawandels, reflektieren &#252;ber M&#246;glichkeiten eines „Green New Deal“ und pl&#228;dieren f&#252;r eine klimapolitische Offensive „von unten“.<br />
<span id="more-276"></span><br />
Auch wenn &#252;ber die G&#252;ltigkeit und Genauigkeit von Prognosen zu den Auswirkungen seit Jahrzehnten gestritten wird, so ist doch mittlerweile klar, dass durch den Klimawandel fundamentale Ver&#228;nderungen der menschlichen Lebensbedingungen zu erwarten sind. Klimawandel ist zu einem „globalen Problem der Menschheit“ geworden. Neben absehbaren D&#252;rren, &#220;berschwemmungen und dem Ansteigen des Meeresspiegels werden auch die Ressourcenkonflikte um Wasser, Land und Rohstoffe rasant zunehmen. Aus der „Vermehrung von Risiken, die alle Gesellschaften betreffen“, werden daraus „gemeinsame Interessen an Sicherheit, wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung sowie globaler Umweltpolitik“<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> abgeleitet. Entsprechend erschlie&#223;en sich die Debatten um den Klimawandel gegenw&#228;rtig in neuen Anrufungen an den Staat und die internationale Staatengemeinschaft und gehen gleichzeitig eine Verbindung mit technologisch-marktf&#246;rmigen L&#246;sungen ein, was klimapolitisch insbesondere im Kyoto-Protokoll als „richtiger“ Antwort auf das Klimaproblem Ausdruck findet. Erg&#228;nzt und umgesetzt soll dieses mit weiteren Instrumenten werden, welche von gesetzlichen Emissionsgrenzwerten &#252;ber &#214;kosteuern und Subventionen f&#252;r erneuerbare Energien bis zur Verankerung von Klimaschutz und Anpassung in der kommunalen Planung reichen.</p>
<p>Klimapolitische Debatten und Aktivit&#228;ten beginnen aber auch in der Linken an Bedeutung zu gewinnen. Hier wird insbesondere kritisiert, dass die dominante Perspektive auf das Problem Klima und die daraus folgenden L&#246;sungen verk&#252;rzt sind und die tieferen Ursachen und Probleme ignoriert werden. Es geht darum, auf die global ungleich verteilten und tief in die kapitalistische Produktions- und Konsumtionsweise eingelassenen Ursachen und die daraus folgenden „gesellschaftlichen Naturverh&#228;ltnisse“ hinzuweisen.</p>
<p>„Klimawandel“ wird dabei heute zum ernstzunehmenden Problem (auch) f&#252;r „den Kapitalismus“ selbst. Der Kapitalismus ist nicht in der Lage, die Klimakrise zu bew&#228;ltigen, vielmehr zeichnet sich eine permanente Vertiefung der Krise ab. Und genau hier k&#246;nnte ein „M&#246;glichkeitsfenster“ der Linken liegen. &#220;ber das Ansetzen an diesen tiefgreifenden Widerspr&#252;chen lie&#223;e sich die „Systemfrage“ in neuer Weise stellen.</p>
<p>In diesem Artikel soll versucht werden, n&#228;her zu bestimmen, was dies f&#252;r die Linke bedeutet oder bedeuten kann. In einem ersten Schritt versuchen wir, im Kontext der gegenw&#228;rtigen Krisen, zu einer kritischen Einsch&#228;tzung des dominanten Klimadiskurses sowie der aktuellen Akteurskonstellationen zu gelangen. Daran ankn&#252;pfend soll, zweitens, gefragt werden, welche herrschenden Formen der Problembearbeitung daraus resultieren. In einem dritten Schritt wollen wir dann nach m&#246;glichen Implikationen f&#252;r die radikale Linke fragen. Ist die Zeit reif f&#252;r eine klimapolitische Offensive „von unten“? Welche linken Positionen zeichnen sich ab? Und wo werden Interventionsm&#246;glichkeiten gesehen?</p>
<h3>Kritik des dominanten Klimadiskurses</h3>
<p>Vielfach wird das Klimaproblem als ein wahrliches „Menschheitsproblem“ konstruiert. „Alle sitzen im gleichen Boot!“, hei&#223;t es da. Dies stimmt in gewissem Ma&#223;e auch, sind doch alle irgendwie vom Klimawandel betroffen. Jedoch wird aus dieser Sicht sowohl die h&#246;chst ungleiche Betroffenheit als auch der ungleiche Anteil an der Verursachung des Klimawandels &#252;bergangen. Ebenso die ungleiche M&#246;glichkeit, auf all dies Einfluss zu nehmen und/oder von Zerst&#246;rungen zu profitieren. So steht die Lastenverteilung von Klimaschutz in einem engen Zusammenhang mit Verteilungs- und Machtasymmetrien: Alleine die G8-Staaten sind mit ihrem Anteil von ca. 13 Prozent der Weltbev&#246;lkerung f&#252;r 50 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich – Fragen globaler Nord-S&#252;d-Verh&#228;ltnisse werden damit aufgeworfen. Weiters veranschaulicht jeder Wirbelsturm die Klassenspezifik der Vulnerabilit&#228;t von Menschen: Armut zwingt oft dazu, in &#246;kologischen Risikolagen zu siedeln. Anhand der Auswirkungen von Ressourcenverknappung und D&#252;rren auf den Zugang und die Nutzung von nat&#252;rlichen Ressourcen treten Fragen der Geschlechtergerechtigkeit stark hervor. Der gesellschaftliche Umgang mit „Klimafl&#252;chtlingen“ verdeutlicht schlie&#223;lich die rassistischen Dimensionen des Klimawandels.</p>
<p>Hier wird sichtbar, dass es sich beim Klimawandel nicht „nur“ um ein &#246;kologisches Problem handelt, das sich durch „richtige“ Umweltpolitik l&#246;sen lie&#223;e, sondern nur im Zusammenhang der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse begriffen werden kann. Genauso wie Klimawandel menschengemacht ist<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a>, wirkt umgekehrt „der Klimawandel“ auf die Gesellschaft zur&#252;ck. Klimawandel hat soziale Auswirkungen und ist selbst ein soziales Problem. Kurzum: Macht- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse m&#252;ssen grundlegend in der Auseinandersetzung sein, soziale und &#246;kologische Herrschaft sind nicht zu trennen, sondern gemeinsam zu diskutieren. Es l&#228;sst sich in dieser Hinsicht feststellen, dass es in Zukunft zu einer weiteren Versch&#228;rfung des Zusammenhangs zwischen Armut und ung&#252;nstigen &#246;kologischen Bedingungen kommen wird – was in verst&#228;rkten sozialen und &#246;kologischen Konflikten ihren Ausdruck finden wird. Das Problem stellt sich jedoch global h&#246;chst unterschiedlich: zugespitzt formuliert, reichen die Dimensionen von der richtigen Einstellung der Klimaanlage im Auto bis zum Verhungern von Menschen durch D&#252;rre oder Agrartreibstoffproduktion.</p>
<p>Trotz dieser Entwicklungstendenzen ist der Klimawandel nicht die „ultimative Katastrophe“, auf die die Menschheit zusteuert. Es handelt sich vielmehr um eine – wenn auch sehr weitreichende – Versch&#228;rfung von bereits l&#228;nger existierenden Problemen. Eine entscheidende Rolle spielt hier die – herrschaftlich verfasste – Problem<em>konstitution</em>, die die Interessensartikulation der verschiedensten betroffenen Akteure einrahmt und bestimmte Politiken legitimiert. Entscheidend ist hierbei, wer auf diesen Prozess Einfluss hat („ExpertInnen“, Eliten, …) und wer nicht (z.B. B&#228;uerInnen in Afrika). Ein weiterer – nicht zu untersch&#228;tzender – Punkt liegt in der alarmistischen Problemkonstitution in Sinne von: „Wir haben keine Zeit mehr!“ Diese Argumentation kann sehr gut mit der Forderung nach m&#246;glichst schnell umsetzbaren („realistischen“) Probleml&#246;sungsma&#223;nahmen verkn&#252;pft werden. &#220;ber die Moralisierung von Politik einerseits und das Erfordernis der Planbarkeit andererseits k&#246;nnen elit&#228;r-technokratische, ebenso wie autorit&#228;re und populistische Politik- und Herrschaftsformen hergestellt, reproduziert und legitimiert werden. Damit soll nicht in Abrede gestellt werden, dass es sich beim Klimawandel sehr wohl um dr&#228;ngende Probleme handelt. Was jedoch angesichts fehlender Zeit an Ma&#223;nahmen folgen sollte, ist h&#246;chst strittig. Die Frage ist, wer die Definitionsmacht besitzt, welche AkteurInnen auf dem umk&#228;mpften Feld der Klimapolitik durch „&#252;berlegene Antworten auf die dr&#228;ngenden Probleme“ Hegemonie erringen k&#246;nnen. Ob Emissionshandel nun als eine dem Klimaproblem angemessene Antwort gilt, oder selbst als Zeitverschwendung gesehen wird, ist Teil des Kampfes. Dabei wird schnell deutlich, dass das Problem Klimawandel selbst Ausdruck von Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen ist. Klimawandel ist also ein „Konfliktterrain, auf dem um die Problemdeutung und den ‚richtigen‘ Fahrplan zur Probleml&#246;sung gerungen wird.“<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a></p>
<h3>Herrschende Formen der Problemdeutung und -bearbeitung</h3>
<p>Der L&#246;sungshorizont der Klimakrise ist aktuell klar abgesteckt: der Staat soll‘s richten, darin besteht weitgehender gesellschaftlicher Konsens. Die dominanten Strategien setzen vor allem auf eine „Effizienzrevolution“, auf „&#246;kologische Modernisierung“ und „Global Environmental Governance“. Klimapolitik hat sich so in den letzten Jahren zu einem der &#246;ffentlich pr&#228;sentesten Politikfelder entwickelt. Gegenw&#228;rtig ist festzustellen, dass der Klimadiskurs fast ausschlie&#223;lich von gesellschaftlichen Eliten gepr&#228;gt ist, abgesichtert durch NGOs, die sich vom „Sand im Getriebe“ zunehmend zu „&#214;l im Getriebe“ entwickelt haben.<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> Zentrale Momente dieses Diskurses sind:</p>
<p><em>Stern-Report &amp; IPCC</em></p>
<p>In den vergangenen Jahren mehrten sich offizielle Studien, die die Bedeutung des Klimawandels hervorhoben. Dabei ist einerseits der IPCC-Report (<em>Intergovernmental Panel on Climate Change</em>) hervorzuheben, in dem sich die wissenschaftlich „unwiderlegbare“ Erkenntnis durchsetzte, dass der Klimawandel menschenverursacht ist. Andererseits ist der „Stern-Report“ von gro&#223;er Bedeutung, der im Oktober 2006 ver&#246;ffentlicht wurde.<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> Der Bericht befasst sich vor allem mit den finanziellen Kosten und &#246;konomischen Auswirkungen des Klimawandels. Stern berechnet darin, dass der Anstieg des Emissionsaussto&#223;es innerhalb der n&#228;chsten 15 Jahre gestoppt und danach um zwei Prozent pro Jahr gesenkt werden m&#252;sste. Dies w&#252;rde nach seinen Berechnungen ca. ein Prozent des globalen BIP kosten. W&#252;rden derartige Ma&#223;nahmen nicht gesetzt, entst&#252;nden Kosten in der H&#246;he von mindestens f&#252;nf Prozent des globalen BIP, die – f&#252;r die einzelnen L&#228;nder allerdings in unterschiedlichem Ausma&#223; – sogar auf bis zu zwanzig Prozent anwachsen k&#246;nnten. Die Schlussfolgerung legt nahe, dass sich Investitionen zum jetzigen Zeitpunkt um bis zu zwanzig mal st&#228;rker auswirken als zu sp&#228;teren Zeitpunkten. Der Bericht erregte gro&#223;e Aufmerksamkeit und trug wesentlich dazu bei, das Thema Klima in der &#246;ffentlichen Debatte zu verankern.</p>
<p><em>Kyoto-Protokoll</em></p>
<p>Auf internationaler Ebene ist v.a. das Kyoto-Protokoll zu einem Schl&#252;sselinstrument zur Bek&#228;mpfung des Klimawandels avanciert. In diesem Abkommen haben sich die Regierungen vor allem auf Anreizsysteme des Marktes festgelegt. Die wesentlichen Elemente sind dabei der Emissionshandel, der „Clean Development Mechanism“ (CDM) und „Joint Implementation“. Beim Emissionshandel k&#246;nnen Verschmutzungsrechte zugekauft werden, statt selbst Reduktionsma&#223;nahmen durchzuf&#252;hren. Der CDM erm&#246;glicht es Industriel&#228;ndern, in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsl&#228;ndern zu investieren und sich den positiven CO2-Effekt selbst anrechnen zu lassen. Joint Implementation bezeichnet einen &#228;hnlichen Mechanismus f&#252;r Transaktionen zwischen Industriel&#228;ndern. Eine wesentliche Kritik daran ist, dass mit der Inwertsetzung der Verschmutzungsrechte erst die direkte Verwertung der Atmosph&#228;re erm&#246;glicht wird. Weiters wird kritisiert, dass &#252;ber diese Mechanismen Nord-S&#252;d-Ungleichheiten festgeschrieben werden. Kyoto und sein Nachfolgeprozess, der im Dezember 2009 in Kopenhagen fixiert werden soll, versuchen nicht, das Klima zu sch&#252;tzen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes die Folgen des Klimawandels beherrschbar zu machen. Dabei geht es vor allem um die Schaffung neuer M&#228;rkte; laut Sch&#228;tzungen bel&#228;uft sich der Wert der M&#228;rkte f&#252;r „gr&#252;ne Technologien“ bis 2020 auf 2.200 Mrd. Euro.<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a></p>
<p><em>EU-Klimastrategie: Wettbewerbsf&#228;higkeit &amp; Sicherheitspolitik</em></p>
<p>Die „20 und 20 bis 2020“-Strategie der EU, das neue Klima- und Energiepaket, setzt auf eine „klimafreundliche“ Politik, die als wesentlicher Motor f&#252;r Wachstum, Besch&#228;ftigung und wirtschaftliche Transformation angesehen wird.<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> Die EU reklamiert in dieser Strategie eine ehrgeizige globale Vorreiterrolle, die letztlich – weil ja klimafreundlich – der ganzen Welt zugute kommen w&#252;rde. Gleichzeitig wird diese Strategie in das Ziel einer wachstumsbasierten und konkurrenzf&#228;higen Wirtschaft eingef&#252;gt. Die Vorreiterrolle birgt auch Wettbewerbsvorteile in sich, es gilt, Patente auf Technologien zu sichern. Einerseits geht es also um technologische Innovationen, andererseits um die Ausweitung von marktbasierten Instrumenten zur Emissionsreduzierung. Gleichzeitig wird jedoch – neben der Wettbewerbslogik und der Technologiegl&#228;ubigkeit – der Zugriff auf strategische Ressourcen der Entwicklungsl&#228;nder als wesentliches Ziel formuliert. Sollten dabei unvorhergesehene „Probleme“ auftreten (Migrationsdruck, Lieferausf&#228;lle, Instabilit&#228;ten in „fragilen Staaten“, Verknappungen), so werden in der Strategie auch „sicherheitspolitische“ Ma&#223;nahmen nicht ausgeschlossen. „Klimaschutz“ und die Militarisierung der EU werden so auf perfide Weise verkn&#252;pft. „Die Ziele entschlossener Energie-, Klima- und Sicherheitspolitik und damit verbunden die Entwicklung einer auf Wachstum zielenden und konkurrenzf&#228;higen Wirtschaftszone sind aus Sicht der EU keine Widerspr&#252;che – vielmehr werden die Ziele strategisch unter dem Primat der &#214;konomie integriert. (…) So schafft die EU-Kommission die Grundlagen f&#252;r einen Klima-Kapitalismus, ohne die Vorz&#252;ge eines fossilen kapitalistischen Gesellschaftssystems aufgeben zu m&#252;ssen.“<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a></p>
<p><em>Gr&#252;ner Kapitalismus &amp; „Green New Deal“?</em></p>
<p>In der aktuellen Diskussion um den Zusammenhang zwischen Finanz- und &#246;kologischer Krise und die Zukunft des neoliberalen Kapitalismus wird vermehrt ein „Green New Deal“ als m&#246;gliches Projekt angef&#252;hrt – in Analogie zum „New Deal“ in der Entstehungsphase des Fordismus. Damals sah sich der Kapitalismus der Gefahr einer starken ArbeiterInnenbewegung gegen&#252;ber. &#220;ber den fordistischen Wohlfahrtsstaat konnte diese integriert werden, wodurch eine neue stabile Wachstumsphase eingeleitet wurde. Heute ist der Kapitalismus mit der &#246;kologischen Krise sowie der Finanzkrise konfrontiert. Als „Green New Deal“ wird nun die M&#246;glichkeit einer neuen gr&#252;nen, &#246;kologisch orientierten Kapitalinnovationsstrategie diskutiert, &#252;ber die eine neue stabile Wachstumsphase eingeleitet werden k&#246;nnte. Entsprechend wird ein neues internationales Programm f&#252;r massive Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz wie auch in die Bildung gefordert. Das w&#252;rde Millionen neuer Jobs schaffen, den Klimawandel bek&#228;mpfen und die Wirtschaftskrise abmildern.</p>
<p>Von Obama &#252;ber bestimmte Kapitalfraktionen bis zu den Gr&#252;nen und linkskeynesianischen Intellektuellen beziehen sich viele Akteure auf einen „Green New Deal“ und fordern einen „neuen Gesellschaftsvertrag“ entlang dieser Idee.<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a> Auch in der Weltbank l&#228;sst sich in den letzten Jahren eine Umorientierung in diese Richtung erkennen.<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> Mit einem „Green New Deal“ sollen durch die &#246;kologische Modernisierung von Schl&#252;sselsektoren (Energie, Automobilindustrie, „Life Sciences“ etc.) neue Gewinne erzielt werden: Erneuerbare Energien, Gen- und Biotechnologie („Life Sciences Industry“) und &#246;kologisch modernisierte, „effizienzrevolutionierte“ Produktionsmethoden und Produkte (z.B. das 3-Liter- Auto) w&#228;ren elementarer Bestandteil solcher Strategien. Die Bedeutung geistiger Eigentumsrechte w&#252;rde dabei ebenso zunehmen wie jene der neuen M&#228;rkte f&#252;r Emissionszertifikate. So k&#246;nnte sich das auf den Finanzm&#228;rkten &#252;berakkumulierte Kapital neue Anlagesph&#228;ren erschlie&#223;en und die Krise – zumindest f&#252;r einen bestimmten Zeitraum – &#252;berwunden werden. F&#252;r ein solches Projekt kommt der Kyoto- Nachfolgekonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 ein entscheidender Stellenwert zu. Hier k&#246;nnte ein „Green New Deal“ eingeleitet werden, der – so die These – angesichts des zunehmend diskreditierten neoliberalen Kapitalismus in der Lage w&#228;re, neuen Konsens zu stiften und die aktive und passive Zustimmung zu einem neuen Akkumulationsregime zu organisieren.</p>
<p>Obwohl es gewisse Tendenzen in Richtung eines „Green New Deal“ gibt, h&#228;ngt dessen tats&#228;chliche Durchsetzung einerseits von der weiteren Entwicklung der Finanzkrise sowie andererseits von der Durchsetzungsf&#228;higkeit jener Kapitalfraktionen ab, deren Interessen dadurch gef&#228;hrdet w&#228;ren. Und nicht zuletzt ist auch die Dynamik von sozialen K&#228;mpfen zu betonen.<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a></p>
<p>Gleichzeitig gibt es starke Argumente gegen einen „Green New Deal“<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a>, da dieser nicht imstande ist, die zugrunde liegenden Probleme der &#246;kologischen Krise zu l&#246;sen. Vielmehr w&#252;rden gerade die Verursacher der Krise profitieren, wodurch sich diese nur versch&#228;rfen w&#252;rde. So stellen mittlerweile die mit den „L&#246;sungen“ einhergehenden Ma&#223;nahmen zunehmend eine gr&#246;&#223;ere Bedrohung f&#252;r die Betroffenen dar als der Klimawandel selbst (Agrartreibstoffe sind ein pr&#228;gnantes Beispiel daf&#252;r, vgl. das Interview mit Camila Moreno in diesem Heft). Versch&#228;rfte soziale Konflikte sind deshalb absehbar. Diese erfordern einen autorit&#228;ren „gr&#252;n-kapitalistischen“ Staat, der wahrscheinlich massive Probleme h&#228;tte, Konsens f&#252;r einen breit getragenen, zustimmungsf&#228;higen „Green New Deal“ zu sichern. Zugleich beweisen auch die bereits implementierten Politiken, z.B. das Kyoto-Protokoll, seit Jahren ihre Wirkungslosigkeit. Und ein weiteres, &#228;u&#223;erst gewichtiges Argument ist hier anzuf&#252;hren: Peak Oil.</p>
<p><em>Peak Oil</em></p>
<p>Erd&#246;l ist der zentrale Rohstoff der modernen Industriegesellschaft – und er geht zur Neige. Die fossilen Stoffe decken heute rund 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs und sind zentrale Grundlage der Wirtschaft insgesamt. Exner und andere argumentieren: „Ein angeblich ‚&#246;kologischer‘ Umbau des Kapitalismus ist nur m&#246;glich, wenn es Profit und Wachstum gibt. Doch wird f&#228;lschlich angenommen, dass das Kapital von selbst auf die ‚Erneuerbaren’ switcht, wenn die Preise der ‚Fossilen’ steigen. Demgegen&#252;ber wird nun sichtbar, dass mit steigenden Energiepreisen alle Preise steigen. Die ‚Erneuerbaren’ werden nicht von selbst attraktiv, und in einer allgemeinen Rezession verschwinden auch die investiven Mittel f&#252;r den ‚&#246;kologischen’ Umbau.“<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> Sie verweisen dar&#252;ber hinaus auch auf die tief in kapitalistischen Gesellschaften verankerte Abh&#228;ngigkeit vom Erd&#246;l und die gerade dadurch zunehmend schwindende stofflich-energetische M&#246;glichkeit eines Umbaus bei gleichzeitiger Gew&#228;hrleistung von Wachstum und Profit. Die Krise reicht so bis an die Basis des Kapitalismus selbst, es ist alles andere als klar, wie in Zukunft Wachstum und die energetische Versorgung des Kapitalismus gew&#228;hrleistet sein sollen. <em>Peak Oil</em> wird zum Epochenbruch f&#252;hren, so die starke These. Auch Elmar Altvater konstatiert das „Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen“. Dabei ist Klimawandel f&#252;r Altvater eng mit der Entstehung des „fossilistischen Kapitalismus“ verkn&#252;pft. Dieser ist durch die „historisch einmalige ‚Dreifaltigkeit’ von europ&#228;ischer Rationalit&#228;t, die in der modernen Industrie materielle Gestalt annimmt, den fossilen Energietr&#228;gern, die ihr Treibstoff sind, und der kapitalistischen Gesellschaftsformation mit ihrer durch Profit und Konkurrenz stimulierten Dynamik“<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a> gekennzeichnet. Altvater sieht im &#220;bergang zur „solaren Gesellschaft“ die m&#246;gliche Alternative.<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a></p>
<p>Insgesamt ist die Frage, ob nun ein „Green New Deal“ oder ein „grundlegender Epochenbruch“ zu erwarten ist, auch in der Linken h&#246;chst umstritten. Festzuhalten ist aber, dass die Br&#252;chigkeit der gegenw&#228;rtigen Konstellation historisch neue Chancen f&#252;r linke Interventionen er&#246;ffnet.</p>
<h3>Perspektiven linker Klimapolitik</h3>
<p>Die Debatten und Aktivit&#228;ten um „die“ &#246;kologische Krise und insbesondere das Thema Klimawandel haben in den letzten Jahren in der Linken zugenommen. Ausgangspunkt war f&#252;r viele an den G8-Protesten in Heiligendamm beteiligte Bewegungsspektren das Ziel, die „K-Frage“ nach Krise, Krieg, Klimawandel und Kapitalismus offensiv zu stellen. Dies bedeutet, Zusammenh&#228;nge herzustellen, Themen zu verkn&#252;pfen und die verschiedenen K&#228;mpfe, in denen die radikale Linke involviert ist, zu verbinden. Dabei wird immer deutlicher, dass „Klimawandel“ eine geeignete inhaltlich-politische Klammer sein k&#246;nnte, um viele Linke zu vereinen. „Ziel ist es nicht, auf den fahrenden Zug der Eliten aufzuspringen und lediglich die drohende Apokalypse an die Wand zu malen (um dann mit Angst Politik zu machen), sondern im Klimawandel einen weiteren, nicht zu untersch&#228;tzenden Ausdruck der kapitalistischen Systemlogik zu identifizieren und anzuprangern.“<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a> An welchen Punkten treffen also Klimawandel und Kapitalismus aufeinander? Olaf Bernau bringt den Zusammenhang folgenderma&#223;en auf den Punkt: „Klimawandel und Kapitalismus sind auf das Allerengste verzahnt: Erstens &#252;ber das auf fossilen Brennstoffen basierende Energiesystem, zweitens &#252;ber das absolute Warenlevel (Stichwort: &#220;berproduktion und -konsumption), drittens &#252;ber die Zunahme weltweiter Logistik-Dienstleistungen – nicht nur durch wachsende Handelsraten, sondern auchals Folge dezentral organisierter Produktionsketten, viertens &#252;ber die zunehmende, durch brutale Konkurrenz erzwungene Industrialisierung der Landwirtschaft und f&#252;nftens &#252;ber ein im Laufe der b&#252;rgerlichen Gesellschaft herausgebildetes Naturverst&#228;ndnis, wonach Natur wahlweise verdinglicht, monetarisiert oder zum Ressourcen-Steinbruch erkl&#228;rt, nicht jedoch in ihrer systemischen Eigenlogik ernst genommen wurde.“<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a></p>
<p>Eine linke Strategie w&#252;rde grunds&#228;tzlich erfordern, in die Konstitution eines neuen, gr&#252;nen Kapitalismus (Stichwort: Kopenhagen 2009) zu intervenieren und R&#228;ume f&#252;r emanzipatorische Alternativen zu &#246;ffnen, indem die Widerspr&#252;che eines derartigen Projekts verdeutlicht und gesellschaftlich zur Sprache gebracht werden. Die Rolle der Linken besteht dabei <em>erstens </em>darin, die &#246;kologische Frage um ihre sozialen Dimensionen zu erweitern und diesen Zusammenhang jeweils konkret zu benennen. <em>Zweitens </em>geht es darum, auf den zentralen Stellenwert der kapitalistischen Produktions- und Konsumtionsweise als wesentliche Krisenursache zu verweisen und hier neuralgische Punkte zu identifizieren. Linke Klimapolitik erschlie&#223;t sich nicht in effektiver technologisch-technokratischer Bearbeitung eines aus dem Lot geratenen &#214;kosystems, sondern stellt kapitalistische Gesellschaft als solche in Frage. Soziale Herrschaftsverh&#228;ltnisse treten dann im Kern hervor, gleichzeitig stehen Fragen gesellschaftlicher Naturverh&#228;ltnisse und Naturbeherrschung mit auf der Agenda.</p>
<p>&#220;ber die Thematisierung dieser Zusammenh&#228;nge k&#246;nnte das Thema Klimawandel die M&#246;glichkeit bieten, politisch zu intervenieren, die K&#228;mpfe zu verbreitern und internationalistische Perspektiven zu verst&#228;rken. Alle diese Vorhaben und Anspr&#252;che stehen erst am Anfang. Die radikale Linke befindet sich selbst noch im Suchprozess nach konkreten Ansatzpunkten. Im Folgenden sollen hierzu – in aller Vorl&#228;ufigkeit – einige Thesen formuliert werden. Es wird Aufgabe weiterer, vertiefender Diskussionen sein, diese zu konkretisieren. Zentral w&#228;re <em>erstens</em>, an konkreten lokalen Konfliktkonstellationen (vom Widerstand gegen ein Stra&#223;enbauprojekt bis zu Protesten gegen den Bau eines neuen Kohlekraftwerks) anzukn&#252;pfen und diese mit gr&#246;&#223;eren Zusammenh&#228;ngen und Fragen zu verbinden. Klimawandel findet in vielen lokalen Auseinandersetzungen und in den Alltags- und Lebensverh&#228;ltnissen der Menschen seinen Ausdruck und versch&#228;rft Konflikte in Bereichen wie z.B. Migration, Geschlechterverh&#228;ltnisse, Ern&#228;hrung, Biodiversit&#228;t, Wasser oder Gesundheit. Klimapolitik ist also immer zugleich umfassende Gesellschaftspolitik.</p>
<p><em>Zweitens</em> geht es darum, konkret bei den VerursacherInnen der Krise anzusetzen (z.B. in den Bereichen Energie, Verkehr, industrielle Landwirtschaft) und zu beginnen, diese offensiv zum Thema zu machen. Dadurch k&#246;nnten R&#228;ume f&#252;r eine antikapitalistische Politik – einschlie&#223;lich grundlegender Wachstumskritik – ge&#246;ffnet werden.</p>
<p><em>Drittens </em>m&#252;ssen dem Gerede der selbsternannten KlimaretterInnen unbequeme Fragen entgegengehalten werden. Dies w&#228;re in die jeweils laufende politische Arbeit zu integrieren. Es ginge dabei um die Neudefinition des Begriffs „Klimawandel“, in Richtung einer Erweiterung auf die bestehenden sozialen Verh&#228;ltnisse.</p>
<p><em>Viertens</em> geht es um verst&#228;rkte Allianzen und Kontakte mit sozialen Bewegungen des Globalen S&#252;dens. Erst durch diese wird emanzipatorische Praxis m&#246;glich: „Von ihrer Seite muss formuliert werden, welche Forderungen sich aus den rassistischen Aspekten des Klimawandels ableiten.“<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a></p>
<p><em>F&#252;nftens</em> w&#228;re gleichzeitig der Bezug zu den globalen Klima-Gro&#223;ereignissen (Kopenhagen, G8, etc.) herzustellen, ohne in ein blo&#223;es „Gipfel-Hopping“ ohne lokale kontinuierliche Verankerung zu verfallen.</p>
<p><em>Sechstens </em>w&#228;ren in der Diskussion um Alternativen die Inhalte mit Fragen von Demokratisierung, globaler Bewegungsfreiheit, der Verf&#252;gung &#252;ber Land und Eigentum, Globalen Sozialen Rechten und dem „guten Leben“ zu verkn&#252;pfen.</p>
<p>Das „alarmistisch-moralisierende Gerede“ von oben eignet sich sehr gut f&#252;r Werbung und pers&#246;nliche Profilierung von PolitikerInnen – solange keine Taten folgen m&#252;ssen, die den gesellschaftlichen Eliten und den f&#252;hrenden Konzernen wehtun. In dieser Konstellation w&#252;rden durchaus M&#246;glichkeiten bestehen, die Kluft zwischen Klima-Rhetorik und tats&#228;chlichen Taten herauszustreichen und durch linke Interventionen zu politisieren: „[W]ir halten eine unabh&#228;ngige politische Mobilisierung von unten (…) f&#252;r notwendig, und sogar f&#252;r eine politische Chance, die wir nicht von vornherein vertun sollten. Denn wenn uns eine gewisse Mobilisierung von unten her gelingt, sollte uns die vordergr&#252;ndige Popularit&#228;t des Themas letztlich mehr nutzen als schaden.“<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a></p>
<h3>Klimacamp und radikale Klimapolitik</h3>
<p>Abschlie&#223;end soll exemplarisch dargestellt werden, wie eine radikale Klimapolitik in Konturen aussehen k&#246;nnte. Dabei wollen wir uns auf das Klima- und Antirassismuscamp im August 2008 in Hamburg beziehen. Dieses war ein erster gro&#223;er Kulminationspunkt f&#252;r eine neue Klimabewegung und erhob den Anspruch, der herrschenden „Klimaschutzpolitik“ radikale kapitalismuskritische Positionen entgegenzusetzen, Impulse f&#252;r eine neue Klimabewegung zu liefern und von hier aus in konkrete Konflikte zu intervenieren. Dieser Anspruch konnte – zumindest ansatzweise – verwirklicht werden. &#220;ber verschiedenste Aktionen, Besetzungen und Demonstrationen konnten Inhalte auf die Stra&#223;e getragen und gleichzeitig  Spektren&#252;bergreifend verkn&#252;pft werden. Die Aktionsformen reichten dementsprechend von einer Supermarktblockade &#252;ber die Blockade des weltgr&#246;&#223;ten Agrartreibstoff-Werks des Konzerns ADM und eine Flughafenblockade („Fluten 3.0“) bis hin zur Besetzung der Baustelle eines neuen Kohlekraftwerks.<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> Begleitet wurde dies von Veranstaltungen, Workshops und intensiven Debatten am Camp selbst. Insgesamt war das Camp eine &#228;u&#223;erst vielversprechende und produktive Form linksradikaler Vernetzung und Intervention. Die Supermarktblockade wollen wir dabei exemplarisch hervorheben: „Hier sollte der Supermarkt als materieller Kulminationspunkt einer Reihe von Themen dienen: der Impact von Supermarktpolitiken auf die Zerst&#246;rung klein strukturierter und die Etablierung industrieller Landwirtschaft, Umwelt- und Klimafragen entlang des gesamten Produktionsprozesses, Zusammenh&#228;nge von Industrialisierungsprozessen und Migration, von Rassismus und Arbeitsrecht, von Armut und dem Recht auf gute Nahrung. So wurde nicht nur &#246;ffentlichkeitswirksam und auf kreative Weise eine Plattform f&#252;r Forderungen geschaffen, sondern auch innerhalb der linken Bewegung ein Punkt gesetzt, von dem aus Diskussionsprozesse beginnen.“<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a> Die vielen K&#228;mpfe entlang der Wertsch&#246;pfungskette konnten so konkret und anschaulich verkn&#252;pft werden. Auf dieser Basis k&#246;nnen neue spektren&#252;bergreifende Allianzen und Perspektiven entstehen.</p>
<p>Abschlie&#223;end ist festzuhalten, dass enorm viele offene Fragen und Herausforderungen existieren. Diese Themen werden uns noch lange begleiten – wir stehen erst am Anfang. Durch die Klimafrage er&#246;ffnen sich neue Perspektiven und Chancen, die „K-Frage“ offensiv auf die Agenda zu setzen. 2009 bietet daf&#252;r einige M&#246;glichkeiten: Die NATO-Proteste in Strassburg k&#246;nnten aufgegriffen und (auch) mit klimapolitischen Fragen verkn&#252;pft werden, etwa anhand der gegenw&#228;rtigen und zuk&#252;nftigen Rolle der NATO in der milit&#228;rischen Absicherung des fossilistischen Kapitalismus. Und im Dezember 2009 findet sich in Kopenhagen die internationale klimapolitische Elite zusammen. Bereits jetzt zeichnet sich eine breite, sich radikalisierende Gegenmobilisierung ab. In diesem Sinne: Forget Kyoto! Shut down Kopenhagen!</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Messner, Dirk/ Nuscheler, Franz: Global Governance. Herausforderungen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Policy Paper 2 der Stiftung Entwicklung und Frieden (Bonn 1996)<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> IPCC: Intergovernmental Panel on Climate Change: Climate Change 2007: Synthesis Report<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Brunnengr&#228;ber, Achim: Umwelt- oder Gesellschaftskrise? Zur politischen &#214;konomie des Klimas; in: Brand, Ulrich/ G&#246;rg, Christoph: Mythen globalen Umweltmanagements (M&#252;nster 2002)<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Beispielhaft sei hier die Einbindung von Entwicklungs-NGOs erw&#228;hnt. Diese k&#246;nnen sich neue Finanzierungsquellen &#252;ber die Beteiligung an sog. „nachhaltigen Projekten“ sichern. Ein anderes Beispiel w&#228;re die Unterst&#252;tzung von Umwelt-NGOs f&#252;r „Nachhaltigkeitszertifikate“ in der Werbung.<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Stern, Nicholas: The Economics of Climate Change: The Stern Review. Summary of Conclusions (2006)<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Bundesministerium f&#252;r Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Umweltwirtschaftsbericht 2009, S. 86, http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/umweltwirtschaftsbericht_2009.pdf. F&#252;r weiterf&#252;hrende Kritik am Kyoto-Protokoll vgl. Brunnengr&#228;ber, a.a.O. sowie Altvater, Elmar/ Brunnengr&#228;ber, Achim (Hg.): Ablasshandel gegen Klimwandel? (Hamburg 2008)<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> EU-Kommission: Mitteilung der Kommission: 20 und 20 bis 2020. Chancen Europas im Klimawandel. KOM(2008) 30 (Br&#252;ssel 2008)<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> Brunnengr&#228;ber, Achim/ Dietz, Kristina/ Wolf, Simon: Klima-Kapitalismus der EU. Klimaschutz als Wettbewerbspolitik; in: <em>Widerspruch </em>54 (2008), S. 50<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> Siehe die Zusammenstellung „Green New Deal?“ unter http://www.labournet.de/news/2009/donnerstag1501.html<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> Goldman, Michael: Imperial Nature. The World Bank and Struggles for Social Justice in the Age of Globalization (New Haven/London 2005)<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Karl Heinz Roth verweist in diesem Zusammenhang auf die entscheidende Rolle Chinas: Es wird zu einem Zyklus neuer K&#228;mpfe kommen; in: <em>analyse &amp; kritik</em> 534 (2008)<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> M&#252;ller, Tadzio/ Passadakis, Alexis: 20 Thesen gegen gr&#252;nen Kapitalismus (2008), http://www.prager-fruehling-magazin.de/serveDocument.php?id=22&amp;file=0/2/87a.pdf<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> Exner, Andreas/ Lauk, Christian/ Kulterer, Konstantin: Ressourcenkrise als Formationsbruch; in:<em> analyse &amp; kritik</em> 530 (2008)<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> Altvater, Elmar: Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen (M&#252;nster 2007), S. 72<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> Zur Kritik an dieser These vgl. Walkenhorst, Oliver: Stichwort „Klimapolitik“; in: Historisch-kritisches W&#246;rterbuch des Marxismus, Band 7/I (Berlin/Hamburg 2008), S. 1045<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> AntiRassismusB&#252;ro Bremen (2007): Warum Al Gore den Nobelpreis nicht verdient hat; in: BUKO (2008): Wie gr&#252;n sollen Linke sein? Reader, http://www.buko.info/fileadmin/user_upload/doc/reader/reader_naturverhaeltnis.pdf<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> Bernau, Olaf: In der Diskursfalle; in: <em>analyse &amp; kritik</em> 532 (2008)<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> AntiRassismusB&#252;ro Bremen, a.a.O.<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Ebd.<br />
<a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> http://www.klimacamp08.net/ bzw. http://camp08.antira.info/<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Behr, Dieter / Bolyos, Lisa (2008): Schlafende Riesen? Kritik des kritischen Konsums und Thesen zu Br&#252;chigkeiten in der Wertsch&#246;pfungskette; in: <em>Kurswechsel </em>3 (2008), S. 77f.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2009/02/07/fuer-ein-ganz-anderes-klima/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Alle reden &#252;bers Wetter</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2007/12/07/alle-reden-uebers-wetter/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2007/12/07/alle-reden-uebers-wetter/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 07 Dec 2007 05:30:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>stefan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 3]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Naturverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.com/artikel/alle-reden-uebers-wetter/</guid>
		<description><![CDATA[Rezension: Tim Flannery: Wir Wettermacher. Frankfurt/M.: Fischer 2007. 10,30 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Tim Flannery: Wir Wettermacher. Frankfurt/M.: Fischer 2007. 10,30 €</p>
<p><span id="more-20"></span></p>
<p>Noch vor wenigen Jahren sprachen nur „Eingeweihte und Freaks“ &#252;ber Erderw&#228;rmung und Klimawandel. Inzwischen vergeht kein Tag, an dem nicht in beinahe jedem Medium zumindest eine Bemerkung dazu f&#228;llt. Mit dem steigenden Medieninteresse beginnt sich ein immer gr&#246;&#223;er werdender Kreis f&#252;r die Hintergr&#252;nde zu interessieren. Da wirtschaftliche Interessen raschen Gegenma&#223;nahmen klar gegen&#252;ber stehen, gibt es auch eine wachsende GegnerInnenschaft. Konzerngruppen, pseudowissenschaftliche Marketingallianzen und Regierungen, alle mit starker Anbindung an die &#214;l-, Kohle- bzw. Energiewirtschaft, tun ihr Bestes, um zu verheimlichen, leugnen und denunzieren und noch ein bis zwei Jahrzehnte fette Gewinne einstecken zu k&#246;nnen.<br />
Wer diesen „Alles nur Panikmache”-Argumenten etwas entgegenstellen will, sollte „Wir Wettermacher“ von Tim Flannery lesen.<br />
Das Buch f&#228;ngt damit an, ausf&#252;hrlich die wichtigsten Klimavorg&#228;nge zu erkl&#228;ren und zu untersuchen. Flannery st&#252;tzt sich dabei auch auf aktuelle Erkenntnisse von Eiskernbohrungen, erdgeschichtlichen Klimaabl&#228;ufen und &#228;hnlichen Quellen der Klimaforschung.  Wegen der verwendeten Fachbegriffe ist ein gewisses Vorwissen an Biologie, Physik und Chemie beim Lesen hilfreich.<br />
Ausgehend von genaueren Betrachtungen der Mechanismen historischer Abl&#228;ufe und aktueller Ver&#228;nderungen und der Rolle des Menschen in diesen Prozessen, behandelt Flannery die konkreten Auswirkungen von Schadstoffemissionen und die M&#246;glichkeiten deren Vermeidung und R&#252;ckgewinnung. Er berichtet und erkl&#228;rt Unmengen an gro&#223;en Studien und Forschungsergebnissen rund um das Thema. Die Untersuchung der Lebensgewohnheiten von &#252;ber 1700 Tier- und Pflanzenarten durch die beiden Forscherinnen Parmesan und Yohe zum Beispiel zeigten, dass seit den 50er Jahren eine enorme Verschiebung der Lebensrhythmen stattfindet, sei es durch die durchschnittliche Ausdehnung des Fr&#252;hlings um 2,3 Tage pro Jahrzehnt oder die um bis zu vier Tage pro Jahrzehnt verfr&#252;hte R&#252;ckkehr der Zugv&#246;gel. Das Problem ist dabei eigentlich nicht die Ver&#228;nderung an sich, sondern eher deren Geschwindigkeit. Eine Vielzahl von Abl&#228;ufen in der Nahrungskette ist auf wenige Tage, teilweise sogar Stunden genau aufeinander abgestimmt. Daher k&#246;nnen kleine &#196;nderungen an einer Stelle schnell zu unabsch&#228;tzbaren Auswirkungen an v&#246;llig anderen Stellen f&#252;hren. Durch die Geschwindigkeit, in der die Ver&#228;nderungen im Moment stattfinden, k&#246;nnen sich die einzelnen Tier- und Pflanzenarten nicht anpassen.<br />
Diese Komplexit&#228;t von nat&#252;rlichen und meteorologischen Prozessen macht pr&#228;zise Vorhersagen &#252;ber das genaue Ausma&#223; des Klimawandels und dessen Auswirkungen schwierig. Je globaler und langfristiger diese Vorhersagen jedoch sind, desto richtiger werden sie. So gilt als ziemlich sicher, dass bei anhaltender Luft- und Wassererw&#228;rmung der Golfstrom abrei&#223;t, mit weitreichenden Konsequenzen f&#252;r das Klima.<br />
Obwohl ich das Buch nicht als politisches Buch bezeichnen w&#252;rde, finden sich dennoch wichtige politische Argumente.<br />
Einerseits, schreibt Flannery, bilden Solar- und Windenergie nicht nur technisch gesehen sinnvolle Alternativen zu fossilen Brennstoffen oder Atomkraft, sondern geben auch die M&#246;glichkeit einer dezentraleren Verteilung von Energie. &#220;ber viele H&#228;user verteilte Solarzellen w&#252;rden so eine Unabh&#228;ngigkeit und Losl&#246;sung von zentralen Verteilern und Energiekonzernen erm&#246;glichen. Allerdings setzt das enorme staatliche Subventionen f&#252;r alternative Energiequellen voraus, damit gew&#228;hrleistet ist, dass sich auch jede/r diese Solarzellen leisten kann.<br />
Spannend sind seine Ausf&#252;hrungen &#252;ber erfolgreiche Klimaschutzprojekte, wie das FCKW-Verbot und den damit verbundenen Sieg &#252;ber den gr&#246;&#223;ten Produzenten <em>duPont</em>. Aus Sicht des Autors hat diese Kampagne gezeigt, dass es durchaus m&#246;glich ist, im globalen Ma&#223;stab gegen Konzerne, die den Planeten zerst&#246;ren, vorzugehen. Das Ozonloch regeneriert sich seitdem langsam wieder und <em>duPont</em> ist aus der, inzwischen aufgel&#246;sten, <em>Global Climate Coalition</em> ausgestiegen – einer Institution zur Leugnung von anthropogenen Ursachen des Klimawandels.<br />
Die dringendste Aufgabe ist, laut Flannery, die Reduktion von CO2-Emissionen, dem wichtigsten Treibhausgas. Die durch die Industrialisierung ausgel&#246;ste Erh&#246;hung von pr&#228;industriellen 250 ppm um etwa 100 ppm k&#246;nnen riesige „feedback cycles“ starten. So f&#252;hren das Austrocknen der Regenw&#228;lder, das Auftauen riesiger Speicher an Methaneis am Meeresboden (Methan ist noch wirkungsvoller als CO2) und Gletscherschmelze zu einer erh&#246;hten CO2-Konzentration in der Atmosph&#228;re und einer weiteren Beschleunigung der Erderw&#228;rmung. Die Auswirkungen dieser Erw&#228;rmung werden vor allem die Armen in den Slums und St&#228;dten der „Dritten Welt“ treffen. Wie abh&#228;ngig unsere Zivilisation vom Klima ist, zeigt schon die Tatsache, dass Sesshaftwerdung und Ackerbau erst durch den langen „milden Sommer“ seit der letzen Eiszeit erm&#246;glicht wurde. Der Ressourcenmangel und die daraus resultierenden Versorgungsprobleme gro&#223;er Ballungszentren werden die Menschheit vor gro&#223;e Probleme stellen. Wenn man bedenkt, wie unf&#228;hig Kapitalismus ist, Verteilung von Ressourcen gerecht zu gestalten, wird mir Angst und Bang bei der Vorstellung von Wasserknappheit in Millionenst&#228;dten oder der Notwendigkeit, Landwirtschaft weltweit umzuorganisieren.<br />
Das Buch endet mit einer umfassenden Abhandlung dar&#252;ber, was global zu tun ist. Zuallererst gilt es ein emissionsfreies Stromnetz zu schaffen, d.h. alle Kohle-, &#214;l- und Gaskraftwerke abzudrehen und durch vom Staat gef&#246;rderte Solaranlagen auf Wohnh&#228;usern sowie Windkraftanlagen zu ersetzen. Zus&#228;tzlich muss der Transport und Verkehr umgestellt werden, so dass bis 2050 nahezu keine k&#252;nstlichen CO2-Emissionen mehr von Menschen erzeugt werden.<br />
Bisher hat mir bei diesem apokalyptischen Thema besonders Kopfzerbrechen bereitet, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass eine derart gro&#223;e und geplante Ver&#228;nderung im Kapitalismus m&#246;glich ist. Mit dem besseren Verst&#228;ndnis und tieferen Einblick in die Materie, besonders auch Flannerys Beschreibung der M&#246;glichkeiten und Zusammenh&#228;nge, sind zumindest einige Ver&#228;nderungen f&#252;r mich greifbarer und konkreter geworden. Gegen Ende spricht Tim Flannery noch eine Warnung vor <em>top-down</em> Prozessen wie dem Kyoto-Protokoll aus. Weil eine solche Kommission im Laufe der Jahre oder Jahrzehnte immer mehr Bereiche kontrollieren m&#252;sste, beginnend bei CO2-Aussto&#223;, Energie und Transport, &#252;ber Landwirtschaft und Wohnen, besteht die Gefahr, dass sie sich in eine Art Orwellsche „1984“-Organisation verwandelt, die jede/n und alles kontrolliert. Viel besser und wirkungsvoller im Kampf gegen den Klimawandel ist, diese Ver&#228;nderung von unten zu organisieren.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2007/12/07/alle-reden-uebers-wetter/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&#214;kologie der Zerst&#246;rung</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2007/11/01/oekologie-der-zerstoerung/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2007/11/01/oekologie-der-zerstoerung/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 Nov 2007 14:34:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 2]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Naturverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.com/artikel/oekologie-der-zerstoerung/</guid>
		<description><![CDATA[Mit den Debatten um Klimawandel und Naturkatastrophen sind &#246;kologische Themen wieder ganz oben auf die politische Tagesordnung ger&#252;ckt. Dass die Zerst&#246;rung unseres Planeten nicht durch kosmetische Eingriffe zu verhindern ist, argumentiert <em>John Bellamy Foster</em>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit den Debatten um Klimawandel und Naturkatastrophen sind &#246;kologische Themen wieder ganz oben auf die politische Tagesordnung ger&#252;ckt. Dass die Zerst&#246;rung unseres Planeten nicht durch kosmetische Eingriffe zu verhindern ist, argumentiert <em>John Bellamy Foster</em>.</p>
<p><span id="more-34"></span></p>
<p>Ich m&#246;chte meine Analyse dessen, was ich die „&#214;kologie der Zerst&#246;rung“ nenne, mit einem Verweis of Gillo Pontecorvos Film „Burn!“ beginnen<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a>. Pontecorvos epischer Film kann als politische und &#246;kologische Allegorie f&#252;r unsere Zeit gesehen werden. Er spielt im fr&#252;hen neunzehnten Jahrhundert auf einer imagin&#228;ren karibischen Insel, genannt „Burn“. Burn ist eine portugiesische Sklavenkolonie mit einer Zuckerrohr-Monokultur, abh&#228;ngig vom Export des Zuckers als „cash crop“<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a> auf dem Weltmarkt. In der Er&#246;ffnungssszene erfahren wir, dass die Insel ihren Namen erhielt, weil der einzige Weg f&#252;r die portugiesischen Kolonialherrscher, die indigene Bev&#246;lkerung zu besiegen, bedeutete, die ganze Insel anzuz&#252;nden und jeden Menschen darauf zu t&#246;ten. Danach wurden Sklaven aus Afrika importiert, um das neu gepflanzte Zuckerrohr zu schneiden.<br />
Sir William Walker (gespielt von Marlon Brando), ein britischer Agent des neunzehnten Jahrhunderts, wird geschickt, um die portugiesischen Herrscher der Insel zu st&#252;rzen. Er stiftet eine Revolte unter den zahlreichen schwarzen Sklaven an und arrangiert zur selben Zeit einen Aufstand der kleinen Klasse wei&#223;er Plantagenbesitzer, die nach Unabh&#228;ngigkeit von der portugiesischen Krone streben. Das Ziel ist es, die Sklavenrevolte zu nutzen, um Portugal zu besiegen, aber die eigentliche Macht den wei&#223;en Plantagenbesitzer zuzuspielen, die dann dem britischen Imperialismus als Kompradorenklasse dienen. Walker bew&#228;ltigt seine Aufgabe hervorragend. Er &#252;berredet die siegreiche Armee fr&#252;herer Sklaven und ihren Anf&#252;hrer, José Dolores, ihre Waffen niederzulegen, nachdem die Portugiesen besiegt wurden. Das Ergebnis ist eine Neokolonie, dominiert von wei&#223;en Plantagenbesitzern – aber eine in denen die de facto Herrscher, in &#220;bereinstimmung mit den Gesetzen des internationalen freien Handels, die britischen Zuckerunternehmen sind. Walker reist dann ab, um andere Spionageaufgaben f&#252;r die Briten durchzuf&#252;hren – diesmal an einem Ort namens Indochina. Zehn Jahre sp&#228;ter, 1848, f&#228;hrt der Film fort. Wieder ist eine Revolution unter der F&#252;hrung von José Dolores auf der Insel Burn ausgebrochen. Sir William Walker wird aus England als milit&#228;rischer Berater zur&#252;ckgeholt, aber diesmal als Angestellter der „Antilles Royal Sugar Company“, autorisiert von der Regierung Ihrer Majest&#228;t. Seine Aufgabe besteht darin, den neuerlichen Aufstand der ehemaligen Sklaven niederzuschlagen. Die herrschende Oligarchie der Insel sagt ihm, dass dies kein Problem darstellen sollte, da nur zehn Jahre vergangen sind und die Situation dieselbe sei. Er antwortet, dass die Situation vielleicht dieselbe sei, das Problem aber ein anderes. Mit Worten die an Karl Marx erinnern verk&#252;ndet er: „Zwischen einer historischen Epoche und der n&#228;chsten k&#246;nnen zehn Jahre sehr oft pl&#246;tzlich genug sein, um die Widerspr&#252;che eines ganzen Jahrhunderts zu enth&#252;llen.“ Britische Truppen werden hinzugezogen, um die Aufst&#228;ndischen zu bek&#228;mpfen, die einen erbitterten Guerillakampf f&#252;hren. Um sie zu besiegen, befiehlt Walker alle Plantagen der Insel niederzubrennen. Als die lokalen Vertreter der britischen Zuckerinteressen Einw&#228;nde erheben, erkl&#228;rt Walker: „Dies ist die Logik des Profits… Einer baut auf, um Geld zu machen, und um weiter Geld zu machen, oder mehr Geld zu machen, ist es manchmal n&#246;tig zu zerst&#246;ren“ Daher, erinnert er seinen Gespr&#228;chspartner, bekam die Insel Burn ihren Namen. Die Natur der Insel muss zerst&#246;rt werden, damit auf ihr Arbeitskr&#228;fte f&#252;r weitere hunderte Jahre ausgebeutet werden k&#246;nnen.</p>
<p>Meine Intention ist hier nat&#252;rlich nicht, Pontecorvos au&#223;ergew&#246;hnlichen Film nachzuerz&#228;hlen, sondern einige wichtige Grunds&#228;tze dieser Allegorie herauszustreichen, die uns helfen, die Beziehung des Kapitalismus zur Natur zu verstehen. Joseph Schumpeter lobte einmal den Kapitalismus f&#252;r seine „kreative Zerst&#246;rung“<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a>. Doch dies k&#246;nnte besser als die zerst&#246;rerische Kreativit&#228;t des Systems bezeichnet werden. Das st&#228;ndige Streben des Kapitals nach neuen Absatzgebieten f&#252;r klassenbasierte Akkumulation ben&#246;tigt f&#252;r deren kontinuierliche Fortf&#252;hrung die Zerst&#246;rung, sowohl von vorher existierenden Naturbedingungen als auch von fr&#252;heren sozialen Beziehungen. Klassenausbeutung, Imperialismus, Krieg und &#246;kologische Zerst&#246;rung sind keine von einander unabh&#228;ngige Unf&#228;lle der Geschichte, sondern miteinander verbundene, immanente Eigenschaften der kapitalistischen Entwicklung. Dar&#252;ber hinaus bestand immer die Gefahr, dass die zerst&#246;rerische Kreativit&#228;t dazu wird, was István Mészáros die „zerst&#246;rerische Unkontrollierbarkeit“ genannt hat, die das ultimative Schicksal des Kapitalismus ist. Die in die Profitlogik eingebaute Zerst&#246;rung w&#252;rde dann &#220;berhand nehmen und vorherrschen, und nicht nur die Bedingungen der Produktion, sondern die Bedingungen des Lebens selbst untergraben. Heute ist klar, dass solch eine zerst&#246;rerische Unkontrollierbarkeit die gesamte kapitalistische Weltwirtschaft charakterisiert, und den Planeten als Ganzen umgreift.<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a></p>
<h3>Die Zerst&#246;rung des Planeten</h3>
<p>Heute, in einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten f&#252;r imperialistische Kontrolle in der &#246;lreichsten Region der Welt k&#228;mpfen, erf&#228;hrt die &#214;kologie einen rapiden Verfall, am deutlichsten erkennbar an der globalen Erderw&#228;rmung. Indes untergr&#228;bt die neoliberale wirtschaftliche Umstrukturierung, ausgehend vom Monopol-Finanzkapital, nicht nur den &#246;konomischen Wohlstand eines Gro&#223;teils der Menschheit, sondern beseitigt in manchen Regionen die grundlegenden &#246;kologischen Bedingungen menschlicher Existenz, wie Zugang zu sauberer Luft, Trinkwasser und ausreichender Nahrung. &#214;kologInnen, die einmal vor der M&#246;glichkeit einer zuk&#252;nftigen Apokalypse warnten, bestehen jetzt darauf, dass das Desaster schon vor unserer T&#252;r steht.<br />
Bill McKibben, Autor von <em>The End of Nature</em>, erkl&#228;rte in seinem Artikel „The Debate is over“ in der <em>Rolling Stone</em>-Ausgabe vom 17. November 2005, dass wir jetzt in die „Oh, Shit“-&#196;ra der globalen Erw&#228;rmung eintreten. Zuerst, schreibt er, gab es die „Ich frag mich was passieren wird“-&#196;ra. Dann kam die „Kann das wirklich wahr sein?“-&#196;ra. Jetzt sind wir in der „Oh Shit“-&#196;ra. Wir wissen jetzt, dass es zu sp&#228;t ist die globale Erw&#228;rmung g&#228;nzlich abzuwenden. Alles was wir tun k&#246;nnen, ist das Ausma&#223; und die Intensit&#228;t einzuschr&#228;nken. Viele der Unsicherheiten haben damit zu tun, dass „die Welt…einige Fallt&#252;ren besitzt – Mechanismen, die nicht in einfacher Art funktionieren, sondern stattdessen schlimme Kettenreaktionen ausl&#246;sen.“<a href="#anm5" title="anm_5" name="anm_5"><sup>5</sup></a></p>
<p>In seinem Buch, <em>The Revenge of Gaia</em>, ver&#246;ffentlichete der einflussreiche Wissenschaftler James Lovelock, bekannt als Begr&#252;nder der Gaia-Hypothese, eine trostlose Einsch&#228;tzung der Aussichten angesichts solcher Kettenreaktionen.<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a> Lovelock &#228;u&#223;ert die Sorgen vieler Wissenschaftler, indem er Positive-Feedback-Mechanismen hervorhebt, die die Tendenz zur globalen Erw&#228;rmung beschleunigen k&#246;nnten – und seiner Meinung nach ziemlich sicher werden. Der zerst&#246;rerische Effekt der zunehmenden globalen Erw&#228;rmung auf Meeresalgen und tropische W&#228;lder (zus&#228;tzlich zur direkten Abholzung) wird, so wird bef&#252;rchtet, die Kapazit&#228;t der Meere und W&#228;lder zur CO<sub>2</sub>-Absorbtion vermindern und damit die globale Temperatur weiter erh&#246;hen. Das Freiwerden von Methangasen (einem Treibhausgas, 24-mal so wirksam wie CO<sub>2</sub>) durch das Auftauen des Dauerfrostbodens in der arktischen Tundra, ausgel&#246;st durch die globale Erw&#228;rmung, stellt eine weitere solche teuflische Spirale dar. Ebenso unheilvoll ist die verringerte Reflektivit&#228;t der Erde, wenn wei&#223;e Polkappen blauem Meereswasser weichen und die weltweiten Temperaturen weiter anheizen.<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a><br />
Lovelocks unheilvoller Ansicht nach hat die Erde wahrscheinlich schon den „point of no return“ &#252;berschritten, und die Temperaturen werden schlussendlich in gem&#228;&#223;igten Zonen um bis zu 8˚C steigen. Die menschliche Spezies wird auf die eine oder andere Weise &#252;berleben, versichert er uns. Nichtsdestotrotz weist er auf „einen drohender Klimawandel hin, der zu einem Klima f&#252;hren kann, das leicht als H&#246;lle bezeichnet werden kann: so hei&#223;, so t&#246;dlich, dass nur eine Handvoll der Milliarden heute Lebender &#252;berleben werden.“<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a> Er bietet als einzigen Teilausweg einen massiven technologischen Einsatz an: ein globales Programm zur weltweiten Ausbreitung von Atomkraftwerken als vor&#252;bergehenden Ersatz f&#252;r die auf CO2-aussto&#223;enden fossilen Brennstoffen basierende Wirtschaft. Der Gedanke, dass solch ein Faustscher Handel sich seinen eigenen Weg in die H&#246;lle bahnen k&#246;nnte, scheint ihm kaum in den Sinn gekommen zu sein.<br />
Lovelocks &#196;ngste sind nicht leicht abzutun. James Hansen, der so viel getan hat, um das Problem der Erderw&#228;rmung in die &#246;ffentliche Aufmerksamkeit zu bringen, hat k&#252;rzlich seine eigenen Warnungen ver&#246;ffentlicht. In seinem Artikel „The Threat to the Planet“ (New York Review of Books, 13.Juli, 2006) betont Hanson die weltweite tierische und pflanzliche Artenmigration in Reaktion auf die globale Erw&#228;rmung – obwohl nicht schnell genug im Vergleich zum Wandel ihrer Umwelt – und dass alpine Arten vom „Planeten verdr&#228;ngt“ werden. Wir, so stellt er fest, stehen vor der M&#246;glichkeit eines Massenaussterbens auf Grund der steigenden globalen Temperaturen, vergleichbar mit fr&#252;heren Perioden der Erdgeschichte in denen 50 bis 90% der damals lebenden Arten ausgestorben sind.<br />
Die gr&#246;&#223;te unmittelbare Bedrohung f&#252;r die Menschheit durch den Klimawandel, argumentiert Hanson, ist verbunden mit der Destabilisierung der Eisdecke in Gr&#246;nland und der Antarktis. Ein wenig mehr als 1˚C unterscheidet das heutige Klima von den w&#228;rmsten zwischeneiszeitlichen Perioden in den letzten 500.000 Jahren, als der Meeresspiegel um 4,8 Meter h&#246;her war. Weiters k&#246;nnten Temperaturanstiege in diesem Jahrhundert um die 2,8˚C bei „business as usual“ zu einem nachhaltigen Anstieg des Meeresspiegels von bis zu 24 Meter f&#252;hren, gemessen daran was das letzte Mal geschah, als die Erdtemperatur solche Werte erreichte – vor 3 Millionen Jahren. „Wir haben“, sagt Hansen „h&#246;chstens zehn Jahre – nicht zehn Jahre, um zu entscheiden ob wir handeln, sondern zehn Jahre um die Entwicklungsrichtung von Treibhausgasemissionen zu &#228;ndern – wenn wir diese verheerenden Auswirkungen verhindern wollen bevor sie unausweichlich werden. In anderen Worten, eine entscheidende Dekade trennt uns von unwiderruflichen Ver&#228;nderungen, die eine sehr ver&#228;nderte Welt erschaffen w&#252;rden. Die Widerspr&#252;che des gesamten Holoz&#228;ns – die geologische Epoche in denen sich die menschliche Zivilisation entwickelt hat – treten pl&#246;tzlich zum Vorschein.<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a><br />
In der „Oh Shit“-&#196;ra ist die Debatte vorbei, sagt McKibben. Es steht nicht mehr l&#228;nger in Zweifel, dass globale Erw&#228;rmung eine Krise von globalem Ausma&#223; darstellt. Doch es ist absolut essentiell zu verstehen, dass dies nur ein Teil von dem ist was wir <em>die</em> &#246;kologische Krise nennen. Die globale &#246;kologische Gefahr als Ganzes besteht aus einer Vielzahl von miteinander verbundenen Krisen und Problemen, die uns gleichzeitig konfrontieren. In meinem 1994 erschienenen Buch, „The Vulnerable Planet“, beginne ich mit einer kurzen Aufz&#228;hlung derselben, zu denen noch einige weitere hinzugef&#252;gt werden k&#246;nnten: &#220;berpopulation, Zerst&#246;rung der Ozonschicht, globale Erw&#228;rmung, Aussterben von Arten, Verlust an genetischer Diversit&#228;t, saurer Regen, radioaktive Verseuchung, tropische Abforstung, die Zerst&#246;rung von Bergw&#228;ldern und Moorl&#228;ndern, Bodenabtragung, W&#252;stenbildung, Fluten, D&#252;rren, Hungersnot, Austrocknung von Seen, Str&#246;men und Fl&#252;ssen, das Absinken und die Kontamination von Grundwasser, die Verschmutzung von K&#252;stengew&#228;ssern und Flussm&#252;ndungen, die Zerst&#246;rung von Korallenriffen, &#214;lkatastrophen, &#220;berfischung, gr&#246;&#223;er werdende Deponien, toxischer Abfall, die giftigen Effekte von Insektiziden und Herbiziden, Gefahrenaussetzung am Arbeitsplatz, urbane &#220;berbev&#246;lkerung, und die Ersch&#246;pfung nicht-erneuerbarer Ressourcen.<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a><br />
Der Punkt ist, dass nicht nur die globale Erw&#228;rmung, sondern auch all die anderen Probleme zur globalen &#246;kologischen Krise beitragen. Heute befindet sich jedes gr&#246;&#223;ere &#214;kosystem der Erde im Verfall. Die Themen der Umweltgerechtigkeit werden immer wichtiger und dringender, wohin wir auch blicken. Dem liegt die Tatsache zugrunde, dass der Krieg der Klassen und Imperien, der den Kapitalismus als Weltsystem definiert und sein Akkumulationssystem bestimmt, ein Moloch ist, der keine Grenzen kennt. In diesem t&#246;dlichen Konflikt wird die nat&#252;rliche Welt als blo&#223;es Instrument f&#252;r die soziale Weltherrschaft gesehen. Damit erzwingt das Kapital durch seine eigene Logik eine Politik der verbrannten Erde. Die weltweite &#246;kologische Krise ist zunehmend allumfassend, ein Produkt der zerst&#246;rerischen Unkontrollierbarkeit der sich rasch globalisierenden kapitalistischen Wirtschaft, die keine Gesetze kennt als ihren Drang nach exponentialer Expansion.</p>
<h3>Jenseits von „business as usual“</h3>
<p>Die meisten Klimawissenschaftler, darunter Lovelock und Hansen, folgen dem IPCC (Inter-Governmental Panel on Climate Change) und basieren ihre Grundvorhersagen zur Erderw&#228;rmung auf ein sozio&#246;konomisches Szenario, das als „business as usual“ bezeichnet wird. Die beschriebenen Trends st&#252;tzen sich darauf, dass unsere fundamentalen &#246;konomischen und technologischen Entwicklungen und unser Grundverh&#228;ltnis zur Natur dieselben bleiben. Die Frage, die wir uns stellen m&#252;ssen, ist, was das „business as usual“ eigentlich ist? Was kann ver&#228;ndert werden und wie schnell? Da die Zeit davon l&#228;uft ist die Schlussfolgerung, dass es notwendig ist das „business as usual“ radikal zu ver&#228;ndern, um die Katastrophe abzuwenden oder zu mindern.<br />
Jedoch, die vorherrschende L&#246;sung – mit der herrschenden Ideologie, also der Ideologie der herrschenden Klasse verbunden – betont minimale Ver&#228;nderungen des „business as usual“, die uns irgendwie aus der Gefahrenzone bringen sollen. Nachdem wir auf die zunehmenden planetaren Bedrohungen durch Erderw&#228;rmung und das Artensterben aufmerksam gemacht werden, wird uns gesagt, dass die Antwort in geringerem Benzinverbrauch und besseren Emissionsstandards, der Einf&#252;hrung von wasserstoffbetriebenen Autos, dem Auffangen und Abscheiden von CO <sup>2</sup>, verbesserter Energiekonservierung und im freiwilligen Verzicht auf Konsum liege. Umweltbewusste PolitikwissenschafterInnen spezialisieren sich auf neue &#246;kologische Politiken, die staatliche und marktwirtschaftliche Regulierungen beinhalten. Umwelt&#246;konomInnen sprechen von handelbaren Verschmutzungszertifikaten und der Eingliederung aller Umweltfaktoren in den Markt, um deren effizienten Gebrauch zu sichern. Einige UmweltsoziologInnen (mein eigenes Feld) sprechen von &#246;kologischer Modernisierung: einem ganzen Spektrum an gr&#252;nen Steuern, gr&#252;nen Regulierungen und gr&#252;nen Technologien, sogar vom Begr&#252;nen des Kapitalismus selbst. ZukunftsforscherInnen beschreiben eine neue technologische Welt, in der das Gewicht der Nationen auf die Erde auf magische Weise leichter wird, als Ergebnis einer digitalen „Dematerialisierung“ der &#214;konomie. In all diesen Ansichten gibt es jedoch eine Konstante: der fundamentale Charakter des „business as usual“ wird nicht herausgefordert.<br />
Die Tatsache, der all diese Analysen absichtlich ausweichen, ist, dass „business as usual“ im grundlegenden Sinn kapitalistische &#214;konomie bedeutet – eine &#214;konomie, getrieben durch die Logik von Profit und Akkumulation. Dar&#252;ber hinaus wird selten erkannt oder auch nur wahrgenommen, dass der Hobbes’sche Krieg Jedes gegen Jeden, der den Kaptialismus charakterisiert, f&#252;r seine Erf&#252;llung einen universalen Krieg gegen die Natur ben&#246;tigt. In diesem Sinn k&#246;nnen neue Technologien das Problem nicht l&#246;sen, weil sie unausweichlich daf&#252;r verwendet werden, den Klassenkampf fortzusetzen und das Wachstum der Wirtschaft und dadurch die Ausbeutung der Umwelt, zu steigern. Immer dann, wenn die Produktion abflaut oder sozialer Widerstand die Expansion des Kapitals behindert, hei&#223;t die Antwort immer neue Wege zu finden, um die Natur noch intensiver auszubeuten. Um aus Pontecorvos „Burn“ zu zitieren: „das ist die Logik des Profits… Einer baut auf, um Geld zu machen, und um weiter Geld zu machen, oder mehr Geld zu machen, ist es manchmal n&#246;tig zu zerst&#246;ren.“<br />
Ironischerweise wurde das zerst&#246;rerische Verh&#228;ltnis des Kapitalismus zur Umwelt im 19.Jahrhundert wahrscheinlich besser verstanden – zu einer Zeit, als sich die AnalytikerInnen der Gesellschaft bewusst waren, dass revolution&#228;re Ver&#228;nderungen in der Produktionsweise stattfanden und wie diese das Verh&#228;ltnis des Menschen zur Natur transformierten. Darum beziehen sich UmweltsoziologInnen vom radikaleren Schlag in den Vereinigten Staaten, wo die Widerspr&#252;che zwischen &#214;konomie und &#214;kologie heute besonders akut sind, stark auf drei miteinander verbundene Ideen, die auf Marx und die Kritik der politischen &#214;konomie aus dem 19.Jahrhundert zur&#252;ckgehen: (1.) die Tretm&#252;hle der Produktion, (2.) den zweiten Widerspruch des Kapitalismus und (3.) den metabolischen Spalt.<br />
Die <em>Tretm&#252;hle der Produktion</em> beschreibt den Kapitalismus als unaufhaltsame, sich beschleunigende Tretm&#252;hle, die st&#228;ndig das Ausma&#223; an verbrauchter Energie und Rohmaterialen in ihrem Drang nach Profit und Akkumulation erh&#246;ht, und dabei an die Grenzen der Absorptionsf&#228;higkeit der Erde st&#246;&#223;t. „Akkumuliert, akkumuliert!“ schrieb Marx, „Das ist Moses und die Propheten!“ f&#252;r das Kapital.<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a><br />
Der zweite Begriff, der <em>zweite Widerspruch des Kapitalismus</em>, ist die Idee, dass der Kapitalismus, zus&#228;tzlich zu seinem prim&#228;ren &#246;konomischen Widerspruch, der aus der Klassenungleichheit in der Produktion und Distribution herr&#252;hrt, auch die menschlichen und nat&#252;rlichen Bedingungen (d.h. Umweltbedingungen) der Produktion, auf denen der &#246;konomische Fortschritt letztendlich beruht, untergr&#228;bt. Zum Beispiel legen wir durch systematisches Abholzen von W&#228;ldern den Grundstock f&#252;r erh&#246;hte Knappheit in dieser Region – umso mehr als die Globalisierung diesen Widerspruch universal macht. Dies vergr&#246;&#223;ert die allgemeinen Kosten der &#246;konomischen Entwicklung und schafft eine &#246;konomische Krise, die auf der Einschr&#228;nkung der Produktion auf der Angebotsseite beruht.<a href="#anm12" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a></p>
<p>Der dritte Begriff, der <em>metabolische Spalt</em> (<em>metabolic rift</em>), weist darauf hin, dass die Logik der Kapitalakkumulation einen Spalt in den Stoffwechsel zwischen Gesellschaft und Natur schl&#228;gt, und damit grundlegende Prozesse der nat&#252;rlichen Reproduktion durchtrennt. Das wirft das Problem der nachhaltigen Entwicklung auf – nicht blo&#223; in Verbindung mit dem Ausma&#223; der &#214;konomie, sondern, noch wichtiger, auch in Form und Intensit&#228;t der Interaktionen zwischen Natur und Gesellschaft im Kapitalismus.<br />
Ich werde mich auf den dritten Begriff konzentrieren, den metabolischen Spalt, weil dieser der komplexeste der drei sozio-&#246;konomischen Konzepte ist und Fokus meiner eigenen Forschung in diesem Gebiet, besonders in meinem Buch <em>Marx’s Ecology</em>. Marx war stark durch die Arbeit des f&#252;hrenden agrarischen Chemikers seiner Zeit, Justus von Liebig, beeinflusst. Liebig hatte eine Analyse der &#246;kologischen Widerspr&#252;che der industriellen kapitalistischen Agrarwirtschaft entwickelt. Er argumentierte, dass solch eine industrialisierte Landwirtschaft, am weitesten fortgeschritten im England des 19. Jahrhunderts, ein r&#228;uberisches System war, das den Boden ersch&#246;pfte. Nahrung und Textilfasern wurden hunderte – in manchen F&#228;llen sogar tausende – Meilen weit vom Land in die Stadt transportiert. Das bedeutete, dass essentielle Bodenn&#228;hrstoffe, wie Stickstoff, Phosphor und Kalium ebenso wegtransportiert wurden. Anstatt wieder auf das Feld zur&#252;ckgef&#252;hrt zu werden, verschmutzten diese essentiellen N&#228;hrstoffe die Stadt und f&#252;hrten etwa zur Verschmutzung der Themse in London<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a>. Die nat&#252;rlichen Bedingungen f&#252;r die Reproduktion des Bodens wurden daher zerst&#246;rt.<br />
Um den daraus folgenden Verlust an Fruchtbarkeit des Bodens zu kompensieren, pl&#252;nderten die Briten die Schlachtfelder der napoleonischen Kriege und die europ&#228;ischen Katakomben, um Knochen zum D&#252;ngen der englischen B&#246;den zu erhalten. Sie begannen, in gro&#223;en Mengen Guano<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a> von den Inseln vor der K&#252;ste Perus zu importieren, gefolgt von Stickstoffimporten aus Chile (nach dem Pazifikkrieg in denen Chile Teile von Bolivien und Peru einnahm, die reich an Nitrat und Guano waren). Die Vereinigten Staaten sandten Schiffe aus, um weltweit nach Guano zu suchen, und nahmen schlie&#223;lich, zwischen 1856, als der Guano Island Act erlassen wurde, und 1903, 94 Inseln, Felsen und Archipele ein. 66 dieser Inseln wurden offiziell an die USA angeschlossen, von denen sich neun noch heute in Besitz der Vereinigten Staaten befinden.<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a> Das spiegelte eine gro&#223;e Krise der kapitalistischen Agrarwirtschaft des 19. Jahrhunderts wider, die nur zum Teil durch die Erfindung synthetischer D&#252;ngemittel Anfang des 20. Jahrhunderts gel&#246;st wurde – und die schlie&#223;lich zur &#220;berd&#252;ngung mit stickstoffhaltigen D&#252;ngemitteln f&#252;hrte, was selbst zu einem gro&#223;en Umweltproblem wurde.<br />
Marx reflektierte &#252;ber diese Krise der kapitalistischen Agrarwirtschaft und &#252;bernahm das Konzept des Stoffwechsels (oder Metabolismus, A. d. &#220;.), das im 19.Jahrhunderts von Biologen und Chemikern, einschlie&#223;lich Liebig, eingef&#252;hrt wurde und wandte es auf sozio&#246;kologische Beziehungen an. Jedes Leben basiert auf metabolischen Prozessen zwischen Organismen und deren Umwelt. Organismen f&#252;hren einen Austausch von Energie und Materie mit ihrer Umgebung durch, der integriert ist mit ihren eigenen internen Lebensprozessen. Es ist nicht weit hergeholt zu sagen, dass ein Vogelnest Teil des metabolischen Prozesses eines Vogels ist. Marx definierte ausdr&#252;cklich den Arbeitsprozess als „Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur“<a href="#anm16" title="anm_16" name="anm_16"><sup>16</sup></a>. In Bezug auf das &#246;kologische Problem sprach er von einem irreparablen Spalt in den Prozessen des gesellschaftlichen Stoffwechsels, wobei die Bedingungen f&#252;r die notwenige Reproduktion des Bodens andauernd aufgel&#246;st werden, und damit der metabolische Kreislauf gebrochen wird. „Die kapitalistische Produktion“, schreibt er, „entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergr&#228;bt: die Erde und den Arbeiter.“<a href="#anm17" title="anm_17" name="anm_17"><sup>17</sup></a><br />
Marx sah diesen Spalt nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch in Bezug auf den Imperialismus. Er schrieb: „[Man] vergesse […] nicht, da&#223; England seit 1 1/2 Jahrhunderten den Boden von Irland indirekt exportiert hat, ohne seinen Bebauern auch nur die Mittel zum Ersatz der Bodenbestandteile zu g&#246;nnen.“<a href="#anm18" title="anm_18" name="anm_18"><sup>18</sup></a><br />
Dieses Prinzip des metabolischen Spalts hat nat&#252;rlich sehr vielf&#228;ltige Anwendungen und wurde von UmweltsoziologInnen in den letzten Jahren auf Probleme wie die globale Erw&#228;rmung und den &#246;kologischen Verfall der Weltmeere angewandt.<a href="#anm19" title="anm_19" name="anm_19"><sup>19</sup></a> Was selten erkannt wird ist jedoch, dass Marx unmittelbar von einer Konzeption des metabolischen Spalts zur Notwendigkeit einer <em>metabolischen Wiederherstellung</em> &#252;berging: „Aber [die kapitalistische Produktionsweise] zwingt zugleich durch die Zerst&#246;rung der blo&#223; naturw&#252;chsig entstandnen Umst&#228;nde jenes Stoffwechsels, ihn systematisch als regelndes Gesetz der gesellschaftlichen Produktion und in einer der vollen menschlichen Entwicklung ad&#228;quaten Form herzustellen.“<a href="#anm20" title="anm_20" name="anm_20"><sup>20</sup></a> Die Realit&#228;t des metabolischen Spalts zeigt auf die Notwendigkeit der Restauration der Natur durch nachhaltige Produktion.<br />
Es ist dieses dialektische Verst&#228;ndnis des sozio&#246;kologischen Problems, das Marx zu der vielleicht radikalsten Konzeption von sozio&#246;kologischer Nachhaltigkeit f&#252;hrte. So schrieb er im „Kapital“: „Vom Standpunkt einer h&#246;hern &#246;konomischen Gesellschaftsformation wird das Privateigentum einzelner Individuen am Erdball ganz so abgeschmackt erscheinen wie das Privateigentum eines Menschen an einem andern Menschen. Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigent&#252;mer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznie&#223;er, und haben sie als boni patres familias [gute Familienv&#228;ter] den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.“<a href="#anm21" title="anm_21" name="anm_21"><sup>21</sup></a><br />
In anderen Worten konnte f&#252;r Marx das aktuelle Verh&#228;ltnis der Menschen zur Erde unter privater Akkumulation mit Sklaverei verglichen werden. So wie „das Privateigentum eines Menschen an einem andern Menschen“ nicht l&#228;nger als akzeptabel erachtet wird, so muss Privateigentum von Menschen (oder ganzen L&#228;ndern) an der Erde/Natur &#252;berwunden werden. Das Verh&#228;ltnis des Menschen zur Natur muss reguliert werden, um es „den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.“ Sein Bezug zum Begriff des „guten Familienvaters (Haushaltsvorstand)“ geht auf den alten griechischen Begriff f&#252;r Haushalt, <em>oikos</em>, zur&#252;ck, aus dem sowohl „&#214;konomie“ (oikonomia, oder Haushaltsmanagment) und „&#214;kologie“ (von oikologia oder Haushaltsstudie) hervorgehen. Marx wies auf die Notwendigkeit einer radikaleren, nachhaltigeren Beziehung zwischen Menschen und der Produktion hin, in &#220;bereinstimmung mit Auffassungen, die wir heute eher als &#246;kologisch denn als &#246;konomisch betrachten w&#252;rden. „Freiheit in diesem Gebiet“, dem Bereich der nat&#252;rlichen Notwendigkeiten, „kann nur darin bestehen, da&#223; der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen […] ihn mit dem geringsten Kraftaufwand […] vollziehen“.<a href="#anm22" title="anm_22" name="anm_22"><sup>22</sup></a><br />
Die zerst&#246;rerische Unkontrollierbarkeit des Kapitalismus, die von dem dualen Charakter des Systems als Klassenausbeutung/imperialistischer Ausbeutung und als Versklaver/Zerst&#246;rer der Erde selbst ausgeht, wurde von Marx gut verstanden. In Bezug auf den Film <em>Burn!</em> sahen wir wie die Ausbeutung menschlicher Wesen in enger Verbindung mit der Zerst&#246;rung der Erde stand. Beziehungen der Dominanz hatten sich ge&#228;ndert, doch die Antwort blieb dieselbe: die Insel niederzubrennen, um den Klassenkampf/imperialen Krieg zu gewinnen. Heute geh&#246;rt ein paar hundert Personen zusammengenommen mehr Reichtum als das Einkommen von Milliarden von Menschen. Um dieses System der globalen Ungerechtigkeit aufrechtzuerhalten, wurde ein System der Repression entwickelt und dauerhaft in Bewegung gesetzt. Und mit ihm haben sich eine Reihe neuer Systeme der zerst&#246;rerischen Ausbeutung der Umwelt entwickelt, wie das moderne Agrarbusiness.</p>
<h3>Soziale Revolution und Metabolische Wiederherstellung</h3>
<p>Pontecorvos Film <em>Burn!</em> &#252;ber die Revolution in der Karibik erreicht ihren H&#246;hepunkt im Jahr 1848, einem revolution&#228;ren Jahr in der realen Weltgeschichte. 1848 bemerkte Marx in seiner ber&#252;hmten Rede &#252;ber den freien Handel: „Sie glauben vielleicht, meine Herren, da&#223; die Produktion von Kaffee und Zucker die nat&#252;rliche Bestimmung von Westindien sei. Vor zwei Jahrhunderten hatte die Natur, die sich nicht um den Handel k&#252;mmert, dort weder Kaffeeb&#228;ume noch Zuckerrohr gepflanzt.“<a href="#anm23" title="anm_23" name="anm_23"><sup>23</sup></a> Vieles, was wir als nat&#252;rlich hinnehmen ist ein Produkt des Kapitalismus. Tats&#228;chlich werden wir im Glauben erzogen, kapitalistische Marktbeziehungen w&#228;ren nat&#252;rlicher, unanfechtbarer als irgendetwas in der Natur. Es ist diese Art zu denken mit der wir brechen m&#252;ssen, wenn wir unsere Beziehung zur Erde wiederherstellen wollen: wenn wir den metabolischen Spalt umkehren m&#246;chten. Die einzige Antwort auf die &#214;kologie der Zerst&#246;rung im Kapitalismus ist, die Produktionsverh&#228;ltnisse so zu revolutionieren, dass eine metabolische Wiederherstellung m&#246;glich wird. Das erfordert einen Bruch mit dem kapitalistischen System der „soziometabolischen Reproduktion“, d.h. der Profitlogik.<a href="#anm24" title="anm_24" name="anm_24"><sup>24</sup></a><br />
Solch ein revolution&#228;rer Bruch mit dem heutigen „business as usual“ ist nat&#252;rlich keine Garantie, sondern nur die M&#246;glichkeit f&#252;r eine soziale und &#246;kologische Transformation durch das Entstehen einer nachhaltigen, egalit&#228;ren (und sozialistischen) Gesellschaft. Lovelocks „Rache der Gaia“ – was Friedrich Engels im 19. Jahrhundert die „Rache“ der Natur nannte, jetzt in globalem Ausma&#223; – wird nicht automatisch allein durch einen Bruch mit der Logik des existierenden Systems abgewendet werden.<a href="#anm25" title="anm_25" name="anm_25"><sup>25</sup></a> Doch dieser Bruch ist der erste notwendige Schritt jedes rationalen Versuchs, die menschliche Zivilisation zu retten und voranzubringen. „Burn“ ist nicht l&#228;nger eine Insel; sie steht f&#252;r die gesamte Welt, die sich vor unseren Augen aufheizt.<br />
Am Ende des Films von Pontecorvo wird José Dolores get&#246;tet, aber sein revolution&#228;rer Geist lebt weiter. Die Strategie der Zerst&#246;rung von Natur, um die Menschen zu versklaven, wird nicht f&#252;r immer funktionieren. Heute erwacht in Lateinamerika der revolution&#228;re Geist von Bolívar und Ché – ein Geist der nie verschwand. Aber wir wissen jetzt – was wir selten zuvor verstanden haben – dass eine revolution&#228;re Transformation der Gesellschaft auch eine revolution&#228;re Widerherstellung unseres metabolischen Verh&#228;ltnisses zur Natur sein muss: Gleichheit und Nachhaltigkeit m&#252;ssen sich zusammen entwickeln, wenn eines der beiden erfolgreich sein will. Und wenn wir &#252;berleben wollen.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a>Der verstorbene italienische Filmemacher Gillo Pontecorvo (1919–2006) war Marxist und Antiimperialist; er wurde ber&#252;hmt als Regisseur des klassischen Films des revolution&#228;ren Aufstands, „Die Schlacht von Algier“ (1966). „Burn!“ wurde als Antwort auf Vietnam und als Allegorie auf den Krieg gedreht – doch eine, die zu einer Kritik des Kapitalismus selbst ausgebaut wurde.<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a>„Cash Crop“ bezeichnet Agrarprodukte, die f&#252;r den Export bestimmt sind und meist in Monokulturen angebaut werden. Sie werden vor allem in den ehemaligen Koloniall&#228;ndern S&#252;damerikas und Afrikas angebaut und dienen nicht der Selbstversorgung (<em>Food Crops</em>) des Landes. (A. d. &#220;.)<br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a>Schumpeter, Joseph A.: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Stuttgart 2005 (1942).<br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a>Mészáros, István: Socialism or Barbarism, New York 2001.<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a>McKibben, Bill: The Debate is Over, in: <em>Rolling Stone</em>, 17. November 2005, S. 79-82.<br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a>Die quasi-religi&#246;se Gaia-Hypothese, die behauptete, dass das Leben auf der Erde die Oberfl&#228;chenbedingungen des Planeten immer g&#252;nstig f&#252;r das Ensemble der Organismen h&#228;lt, widerspricht der Darwinschen Evolution und wurde in ihrer urspr&#252;nglichen Form inzwischen auch von Lovelock selbst verworfen. Sie inspirierte jedoch die Entwicklung einer mehr holistisch angelegten Wissenschaft vom Erdsystem durch eine Reihe von WissenschafterInnen, die versucht, die Erde als ein einzelnes selbstregulierendes System zu verstehen, in dem Biosph&#228;re und Geosph&#228;re eine dialektische Einheit bilden. Lovelock vertritt nun die von ihm so genannte „Gaia-Theorie“, die mit den wesentlichen Grunds&#228;tzen der Wissenschaft vom Erdsystem &#252;bereinstimmt, aber trotzdem teleologisch an der Idee festh&#228;lt, dass das „Ziel“ der kontinuierlichen Reproduktion von g&#252;nstigen Bedingungen des Lebens irgendwie eine „emergente“ Eigenschaft des lebenden Erdsystems ist. Die „Rache der Gaia“ ist eine Rache an der Zivilisation, die bedroht ist, wenn Gaia pl&#246;tzlich in ein neues Gleichgewicht kippt, in Reaktion auf von Menschen erzeugte Erderw&#228;rmung. Vgl. Lovelock, James: The Revenge of Gaia, New York 2006, S. 23-25, 147, 162.<br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a>Lovelock: a.a.O., S. 34-35; Atcheson, John: Ticking Time Bomb, in: <em>Baltimore Sun</em>, 15. Dezember 2004.<br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a>Lovelock: a.a.O., S. 55-59, 147; McKibben, Bill: How Close to Catastrophe?, in: <em>New York Review of Books</em>, 16. November 2006, S. 23-25.<br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a>Hansen, Jim: The Threat to the Planet, in: <em>New York Review of Books</em>, 13. Juli 2006, S. 12-16; Goddard Institute for Space Studies: NASA Study Finds World Warmth Edging Ancient Levels, 25. September 2006, www.giss.nasa.gov<br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a>Foster, John Bellamy: The Vulnerable Planet, New York 1994, S. 11.<br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a>MEW 23 (Das Kapital Bd. I), S. 621. Die Theorie der „Tretm&#252;hle der Produktion“ wurde im Werk von Allan Schnaiberg entwickelt. Vgl. Schnaiberg, Allan: The Environment. From Surplus to Scarcity, Oxford 1980; Foster, John Bellamy: The Treadmill of Accumulation, in: <em>Organization &amp; Environment</em> 18:1 (M&#228;rz 2005), S. 7-18.<br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a>Die Theorie des zweiten Widerspruchs geht auf den marxistischen Polit&#246;konomen James O’Connor zur&#252;ck. Vgl. O’Connor, James: Natural Causes, New York 1998. F&#252;r einige Grenzen dieses Begriffs vgl. Foster, John Bellamy: Marx’s Ecology: Materialism and Nature, New York 2000; vgl. auch Burkett, Paul: Marxism and Ecological Economics, Boston 2006, S. 204-207, 292-293.<br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a>Vgl. MEW 25 (Das Kapital Bd. III), S. 110.<br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a>D&#252;ngemittel, meist aus Exkrementen von Seev&#246;geln hergestellt (A. d. &#220;.)<br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a>Skaggs, Jimmy M.: The Great Guano Rush, New York 1994.<br />
<a href="#anm_16" title="anm1" name="anm1">16</a>„Die Arbeit ist zun&#228;chst ein Proze&#223; zwischen Mensch und Natur, ein Proze&#223;, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert.“ (MEW 23, S. 192) (A. d. &#220;.)<br />
<a href="#anm_17" title="anm17" name="anm17">17</a>MEW 23, S. 529f. (A. d. &#220;.)<br />
<a href="#anm_18" title="anm18" name="anm18">18</a>MEW 23, S. 730. (A. d. &#220;.)<br />
<a href="#anm_19" title="anm19" name="anm19">19</a>Clark, Brett/ York, Richard: Carbon Metabolism: Global Capitalism, Climate Change and the Biospheric Rift, in: <em>Theory and Society</em> 34:4 (2005), S. 392-428; Clausen, Rebecca/ Clark, Brett: The Metabolic Rift and Marine Ecology: An Analysis of the Oceanic Crisis within Capitalist Production, in: <em>Organization &amp; Environment</em> 18:4 (2005), S. 422-444.<br />
<a href="#anm_20" title="anm20" name="anm20">20</a>MEW 23, S. 528. (A. d. &#220;.)<br />
<a href="#anm_21" title="anm21" name="anm21">21</a>MEW 23, S. 784. (A. d. &#220;.)<br />
<a href="#anm_22" title="anm22" name="anm22">22</a>MEW 25, S. 828.<br />
<a href="#anm_23" title="anm23" name="anm23">23</a>Marx, Karl: Rede &#252;ber die Frage des Freihandels, MEW 4, S. 456.<br />
<a href="#anm_24" title="anm24" name="anm24">24</a>Die Analyse des Kapitals als System „sozio-metabolischer Reproduktion“ wurde entwickelt in Mészáros, István: Beyond Capital, New York 1955, S. 39-71.<br />
<a href="#anm_25" title="anm25" name="anm25">25</a> „Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen &#252;ber die Natur. F&#252;r jeden solchen Sieg r&#228;cht sie sich an uns.“ Engels, Friedrich: Dialektik der Natur, MEW 20, S. 452.</p>
<p><em>Erstmals erschienen in Monthly Review Vol 58:8 (Februar 2007)</em><br />
<em>&#220;bersetzung: Philipp Probst<br />
</em><em>Mit freundlicher Genehmigung von Monthly Review</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2007/11/01/oekologie-der-zerstoerung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Kapitalismus in der hei&#223;en Phase</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/01/kapitalismus-in-der-heissen-phase/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/01/kapitalismus-in-der-heissen-phase/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 22:17:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 0]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Naturverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökologie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.com/artikel/kapitalismus-in-der-heissen-phase/</guid>
		<description><![CDATA[Rezension: Helga Kromp-Kolb, Herbert Formayer: Schwarzbuch Klimawandel, Salzburg: Verlag ecowin 2005, 19,90 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Helga Kromp-Kolb, Herbert Formayer: Schwarzbuch Klimawandel, Salzburg: Verlag ecowin 2005, 19,90 €<br />
<span id="more-81"></span><br />
Nachrichten &#252;ber katastrophale &#220;berschwemmungen, Erw&#228;rmung der Weltmeere und extreme Wetterlagen begleiten unser Leben. Als Ursache und Bedrohung wird der globale Klimawandel ausgemacht. Das „Schwarzbuch Klimawandel“ stellt sich in diesem Kontext die Aufgabe, globale Erw&#228;rmung und deren dramatische Konsequenzen naturwissenschaftlich zu erl&#228;utern. Die VerfasserInnen gehen dabei davon aus, dass die jetzt feststellbare globale Erw&#228;rmung ihre Ursachen in der Industrialisierung hat und damit auf den Einfluss des Menschen zur&#252;ckzuf&#252;hren ist. Diese Feststellung er&#246;ffnet die M&#246;glichkeit, die Handlungsf&#228;higkeit des Menschen im Interesse des eigenen &#220;berlebens in der heutigen Gesellschaft zu betrachten. Obwohl im Vorwort wird explizit darauf hingewiesen wird, dass hier ein wissenschaftlicher und kein politischer Zugang gew&#228;hlt wurde, ist Politik hier nicht auszuklammern. &#220;ber Fakten und Erkl&#228;rungen werden die LeserInnen davon &#252;berzeugt, dass die globale Erw&#228;rmung auch mit gr&#246;&#223;ten Anstrengungen nicht in wenigen Jahren r&#252;ckg&#228;ngig gemacht werden kann, sondern daf&#252;r eine langfristige L&#246;sung notwendig ist.<br />
Das Kapitel „Wir sitzen nicht alle im gleichen Boot – Auswirkungen des Klimawandels“ macht auf ungleiche Entwicklung aufmerksam. Auf der einen Seite die Industriel&#228;nder, die sich an Klimawandel anpassen k&#246;nnen. Aber was passiert in &#228;rmeren L&#228;ndern, wo sich extreme Wetterlagen, Wassermangel usw. st&#228;rker auswirken? Neue Konflikte entstehen. Vor allem die Kontrolle &#252;ber Wasser wird eine der am heftigsten umk&#228;mpften Ressourcen der Zukunft sein.<br />
Auf Grundlage dieser Erkenntnisse befassen sich gleich mehrere Kapitel damit, was getan werden m&#252;sste. Einerseits wird die Verantwortung bei den KonsumentInnen gesucht, die auf individueller Ebene mehr Umweltschutz beitragen k&#246;nnten. Andererseits soll Politik darauf hinwirken, dass Emission und Konzentration von Treibhausgasen stabilisiert wird. Marktwirtschaftliche Beeinflussung wie Steuerbevorzugung f&#252;r umweltfreundliche Technologien, Wettbewerb f&#252;r Umwelttechnologien und Handelsschranken nach Bedarf der Umwelt werden als Beispiele angef&#252;hrt. Hier wird auf Mechanismen verwiesen, wie sie die Marktwirtschaft verwendet. Die Umwelt zu einem Gesch&#228;ft zu machen, wird aber die globale Erw&#228;rmung nicht aufhalten. Trotzdem ist das Buch sehr gut, um zu verstehen was Klimawandel bedeutet – nicht nur rein naturwissenschaftlich, sondern auch im Zusammenhang mit Konflikten, wie sie innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft entstehen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/01/kapitalismus-in-der-heissen-phase/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
