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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Faschismus</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Workshop: Hinter dem Faschismus steht…?</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/11/03/nachmittagsworkshop-hinter-dem-faschismus-steht/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Nov 2010 17:53:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 12]]></category>
		<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Workshop]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Aktualit&#228;t von Faschismustheorien
So 28.11. 13.00 &#8211; 16.00, Amerlinghaus
„Nazi, Faschist, faschistisch, faschistoid,…“ sind bedeutungsvolle Begriffe, die h&#228;ufig verwendet werden, &#252;ber Definitionen und Hintergr&#252;nde wird aber leider selten gesprochen. W&#228;hrend in b&#252;rgerlichen Diskursen &#252;ber eine potentielle faschistische Gefahr lieber geschwiegen wird, weiten andere den Faschismusbegriff auf ein zu weites Spektrum autorit&#228;rer und rechter Politiken aus.

Die aktuellen Umtriebe (neo-)faschistischer Parteien in Europa [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zur Aktualit&#228;t von Faschismustheorien</strong><br />
<strong>So 28.11. 13.00 &#8211; 16.00, Amerlinghaus</strong></p>
<p>„Nazi, Faschist, faschistisch, faschistoid,…“ sind bedeutungsvolle Begriffe, die h&#228;ufig verwendet werden, &#252;ber Definitionen und Hintergr&#252;nde wird aber leider selten gesprochen. W&#228;hrend in b&#252;rgerlichen Diskursen &#252;ber eine potentielle faschistische Gefahr lieber geschwiegen wird, weiten andere den Faschismusbegriff auf ein zu weites Spektrum autorit&#228;rer und rechter Politiken aus.<br />
<span id="more-1664"></span></p>
<p>Die aktuellen Umtriebe (neo-)faschistischer Parteien in Europa erinnern daran, dass es sich leider keineswegs nur um ein l&#228;ngst &#252;berwundenes Ph&#228;nomen der Vergangenheit handelt. Stimmen f&#252;r eine faschistische Ordnung der Gesellschaft sind auch aktuell immer wieder offen oder versteckt zu vernehmen und sto&#223;en weiterhin durchaus auf Zustimmung. Auch hierzulande k&#246;nnen sich FP&#214;-PolitikerInnen wie Rosenkranz, Graf und Gudenus trotz ihrer N&#228;he zum Nationalsozialismus immer wieder in aller &#214;ffentlichkeit darstellen.</p>
<p>Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Faschismus, jenseits von Verharmlosung oder inflation&#228;rem Gebrauch, bleibt deshalb eine Notwendigkeit. Wir wollen in diesem Workshop die Geschichte faschistischer Bewegungen, die Bedingungen ihres Aufstiegs und ihre konflikthafte Zusammensetzung erl&#228;utern. Auf dieser Basis k&#246;nnen im zweiten Teil der Veranstaltung Ph&#228;nomene und Parteien des rechtsextremen Rands in &#214;sterreich diskutiert werden. </p>
<p><strong>Komm hin und diskutier mit!</strong></p>
<p>Zur Vorbereitung empfehlen wir unseren Artikel zu Faschismustheorien in Perspektiven Nr.12: <a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/11/03/hinter-dem-faschismus-steht/">Hinter dem Faschismus steht&#8230;?</a></p>
<p>Um Anmeldung wird gebeten, unter perspektiven.veranstaltung@gmail.com</p>
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		<title>Hinter dem Faschismus steht&#8230;?</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Nov 2010 17:46:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 12]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Marxistischer Faschismusanalyse wird h&#228;ufig eine &#246;konomistische und funktionalistische
Perspektive vorgeworfen. Hanna Lichtenberger, Veronika Duma und Tobias Boos zeigen, dass sich jedoch bereits in den Anf&#228;ngen der Faschismustheorien brauchbare Ans&#228;tze finden, die, verbunden mit neueren Erkenntnissen, dabei helfen k&#246;nnen, den Faschismus als autorit&#228;re Krisenbearbeitungsstrategie besser zu verstehen.

Der Aufstieg und die Machtergreifung faschistischer Bewegungen und Parteien im Europa der 1920er und -30er Jahre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Marxistischer Faschismusanalyse wird h&#228;ufig eine &#246;konomistische und funktionalistische<br />
Perspektive vorgeworfen. <em>Hanna Lichtenberger</em>, <em>Veronika Duma</em> und <em>Tobias Boos</em> zeigen, dass sich jedoch bereits in den Anf&#228;ngen der Faschismustheorien brauchbare Ans&#228;tze finden, die, verbunden mit neueren Erkenntnissen, dabei helfen k&#246;nnen, den Faschismus als autorit&#228;re Krisenbearbeitungsstrategie besser zu verstehen.<br />
<span id="more-1661"></span><br />
Der Aufstieg und die Machtergreifung faschistischer Bewegungen und Parteien im Europa der 1920er und -30er Jahre stellt <em>das </em>historische Beispiel rechter und autorit&#228;rer Krisenbearbeitung dar. Die aktuellen Umtriebe (neo-)faschistischer Parteien in Europa erinnern daran, dass es sich keineswegs dabei um ein l&#228;ngst &#252;berwundenes Ph&#228;nomen der Vergangenheit handelt. Stimmen f&#252;r eine faschistische Ordnung der Gesellschaft sind auch aktuell immer wieder zu vernehmen und sto&#223;en weiterhin durchaus auf Zustimmung. W&#228;hrend in gegenw&#228;rtigen, b&#252;rgerlichen Debatten mit Bezug auf die &#246;konomische Krise h&#228;ufig Parallelen zu jener Periode und insbesondere zur Weltwirtschaftskrise von 1929/30 gezogen werden, wird &#252;ber die damaligen politischen Entwicklungen jedoch kaum gesprochen.<br />
Um eventuellen Vermutungen, in diesem Artikel werde nun in allen Farben der Teufel an die Wand gemalt, zuvorzukommen: Nein, wir behaupten nicht, dass der n&#228;chste Faschismus unmittelbar vor der T&#252;r steht. Es geht jedoch darum, sich ein theoretisches R&#252;stzeug zuzulegen – nicht nur um auf die Option des Faschismus als Form m&#246;glicher, autorit&#228;rer Krisenbearbeitungsstrategie hinzuweisen. W&#228;hrend einerseits, wie oben angemerkt, im b&#252;rgerlichen politischen Diskurs &#252;ber eine potentielle faschistische Gefahr lieber geschwiegen wird, gibt es andererseits auf der Linken eine Tendenz zur inflation&#228;ren Verwendung des Faschismusbegriffs, also einen Hang zur Ausweitung des Begriffs auf ein zu breites Spektrum autorit&#228;rer und rechter Politiken. Ein differenziertes, theoretisch fundiertes Verst&#228;ndnis des Faschismusbegriffs und – damit untrennbar verbunden – des historischen Faschismus ist jedoch wesentlich f&#252;r die Entwicklung aktueller, linker Strategien.</p>
<p><strong>Theorie und Praxis von Links</strong><br />
Im Gegensatz zu all jenen Ans&#228;tzen, die Faschismus mit einer Liste von (ideal-)typischen Merkmalen zu fassen versuchen und folglich zwangsweise von einem statischen, nicht erkl&#228;renden, sondern blo&#223; beschreibenden Modell ausgehen<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a>, fassen wir faschistische Bewegungen als aktive Kraft in der Gesellschaft, als spezifische Form einer reaktion&#228;ren Massenbewegung auf. Dieser Zugang ist keinesfalls neu. Er kn&#252;pft an Debatten an, die so alt sind, wie der Faschismus selbst. Gef&#252;hrt wurden sie von all jenen ArbeiterInnen, GewerkschafterInnen und AntifaschistInnen, KommunistInnen oder SozialdemokratInnen, die sich in Opposition zu den anwachsenden faschistischen Bewegungen jener Zeit befanden.<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> Ihre unterschiedlichen Wege, den Faschismus zu analysieren, sind folglich immer vor dem Hintergrund der damals verfolgten politischen Strategien zur Verhinderung oder &#220;berwindung des Faschismus zu verstehen.<br />
Um unseren Zugang einzubetten, sollen zuerst die Debatten dieser linken Kr&#228;fte in den 1920er, 1930er und 1940er Jahren skizziert werden. Die Diskussionen beziehen sich auf jene L&#228;nder, in denen faschistische Bewegungen zuerst entstanden und auch (im Gegensatz zu anderen L&#228;ndern) an die Macht gelangten, also v.a. auf Italien und Deutschland. Bei allen Parallelen und gemeinsamen Elementen zwischen den Entwicklungen in den beiden L&#228;ndern, stellt der Nationalsozialismus jedoch einen Sonderfall des Faschismus dar.<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> Da der Holocaust nicht mit den Auswirkungen des italienischen Faschismus vergleichbar ist, werden wir dem deutschen Faschismus in diesem Artikel auch zum Schluss etwas mehr Platz einr&#228;umen.</p>
<p><strong>„Ultralinke“ vs. „Rechte“ Ans&#228;tze</strong><br />
Seit dem Aufkommen der faschistischen Bewegungen nach dem Ersten Weltkrieg gab es verschiedene, sich auf Marx berufende Theorien, die sich mit dem Ph&#228;nomen des Faschismus auseinandersetzten. Die Debatten zur Einsch&#228;tzung der faschistischen Bewegung wurden vor allem entlang der (offiziellen) Positionen der Sozialdemokratischen und Kommunistischen Parteien der einzelnen L&#228;ndern sowie der jeweiligen Internationalen gef&#252;hrt. Der britische Historiker Dave Renton fasst die unterschiedlichen Ans&#228;tze innerhalb der Linken in drei Str&#228;ngen zusammen. Er unterscheidet einen „ultralinken“, einen „rechten“ und einen „dialektischen“ Interpretationszugang.<br />
Bei den „ultralinken“ Ans&#228;tzen stand v.a. die Frage nach dem Zweck und der Funktion des Faschismus im Vordergrund. Diese wurde aber oftmals verk&#252;rzt beantwortet. Der Faschismus wurde blo&#223; als eine Konterrevolution unter vielen verstanden, als ein Instrument in den H&#228;nden der herrschenden kapitalistischen Klassen, mit dem Ziel, die ArbeiterInnenschaft zu zerschlagen.<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> Diese Position wurde etwa von den italienischen und deutschen KPs in den 1920er und fr&#252;hen 1930er Jahren vertreten<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> und setzte sich mit der Durchsetzung der stalinistischen Konterrevolution seit Ende der 1920er Jahre auch in der Kommunistischen Internationalen (KI)<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a> durch.<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> Ein Ausdruck „ultralinker“ Ans&#228;tze war die so genannte Sozialfaschismusthese, nach der die Sozialdemokratie den linken Fl&#252;gel des Faschismus darstellt. Eine Folge dieser Position war die strikte Ablehnung der Zusammenarbeit mit (der F&#252;hrungsriege) der Sozialdemokratie, da diese, genauso wie der Faschismus, als ein „Kampfesmittel der gro&#223;kapitalistischen Diktatur“ bezeichnet wurde.<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a><br />
Die von Renton als „rechte“ Erkl&#228;rungen des Faschismus bezeichneten Ans&#228;tze hingegen ignorierten den Aufstieg und die Funktion des Faschismus. Sie fokussierten stattdessen auf den Massencharakter und die Ideologie der faschistischen Bewegungen.<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a> Dabei wurde der Faschismus als eine vom Kleinb&#252;rgerInnentum dominierte Massenbewegung, die v&#246;llig unabh&#228;ngig von kapitalistischen Kr&#228;ften agierte, verstanden.<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> All jene, die diese Interpretation teilten, charakterisierten den Faschismus als exotisches, teils sogar pathologisches Ph&#228;nomen, als Bedrohung f&#252;r die kapitalistische Gesellschaftsordnung. Dementsprechend wurde ein funktionierender, reformierter Kapitalismus als Bollwerk gegen den Faschismus begriffen. Diese Position wurde zumeist in den SPs sowie in der KI nach deren strategischer Wende um 1934/35 vertreten.<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a><br />
Beide Ans&#228;tze untersch&#228;tzten auf Grund ihrer Analyse die faschistische Gefahr und bereiteten zudem die Grundlagedaf&#252;r, dass sich die Zusammenarbeit der SPs und KPs &#228;u&#223;erst schwierig bis unm&#246;glich gestaltete.<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a></p>
<p><strong>„Dialektische“ Ans&#228;tze</strong><br />
Der dritte, „dialektisch“ genannte Zugang kombinierte die Erkenntnisse der anderen beiden Ans&#228;tze. Indem er deren Unterschiede auf Widerspr&#252;che innerhalb der faschistischen<br />
Bewegung bzw. des Faschismus an der Macht zur&#252;ckf&#252;hrte, lieferte er die Basis f&#252;r ein komplexeres und vielschichtigeres Verst&#228;ndnis des Faschismus.<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> Vor der stalinistischen Konterrevolution in der Sowjetunion fanden auf Kongressen der KI in den Jahren 1922 und 1923 Diskussionen dar&#252;ber statt, dass der Faschismus als eine anti-proletarische Bewegung mit Verbindungen zu kapitalistischen Kr&#228;ften und zugleich als eine Massenbewegung mit eigener Logik gesehen werden sollte.<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a> Das Spannungsverh&#228;ltnis zwischen der prokapitalistischen sozialen Funktion – als „Rasierklinge der herrschenden Klasse“ – und der kleinb&#252;rgerlich dominierten sozialen Basis des Faschismus stand im Zentrum der Diskussionen.<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a> Ein Ausgangspunkt f&#252;r diesen Ansatz bildete der Sieg Mussolinis in Italien und die Einsicht, dass andere Strategien zur Bek&#228;mpfung des Faschismus n&#246;tig gewesen w&#228;ren. Aber nicht nur innerhalb der KI, auch in den linken Fl&#252;geln der SPs wurde, v.a. in den 1930er Jahren, teilweise auf Basis des „dialektischen“ Zugangs argumentiert.<br />
Ein bekanntes Beispiel f&#252;r die Verbindung der „linken“ und „rechten“ Argumentationslinien ist die Rede Clara Zetkins, einer revolution&#228;ren Feministin innerhalb der SP, vor dem Exekutivkomitee der KI im Jahre 1923<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a>: „Linke“ und „rechte“ Ans&#228;tze kritisierend, bezeichnet sie den Faschismus als eine Massenbewegung mit sozialen Wurzeln, hebt aber ebenso dessen Verbindungen zu kapitalistischen Kr&#228;ften und infolgedessen den Terror gegen die organisierte ArbeiterInnenklasse hervor: „[D]er Tr&#228;ger des Faschismus ist nicht eine kleine Kaste, sondern es sind breite soziale Schichten, die selbst bis in das Proletariat hineinreichen. […] Wir werden ihn nicht auf milit&#228;rischem Wege allein &#252;berwinden […], wir m&#252;ssen ihn auch politisch und ideologisch niederringen“. <a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a> „[…] Zwei Wesensz&#252;ge sind [dem Faschismus] in allen L&#228;ndern einig: ein scheinrevolution&#228;res Programm, das au&#223;erordentlich geschickt an die Stimmungen, Interessen und Forderungen breitester sozialer Massen ankn&#252;pft, dazu die Anwendung des brutalsten, gewaltt&#228;tigsten Terrors.“<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a> Zetkin betont den sozio&#246;konomischen Kontext, der das Wachstum faschistischer Kr&#228;fte erm&#246;glichte: die Krise der kapitalistischen Wirtschaft, die Auswirkungen des Krieges und der „Stillstand der Weltrevolution“.<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a><br />
Auch die Argumentation von Leo Trotzki ist ein Beispiel f&#252;r ein „dialektisches“ Verst&#228;ndnis des Faschismus. Wie Zetkin hebt er die Konflikthaftigkeit und Widerspr&#252;chlichkeit innerhalb der faschistischen Bewegung hervor und beschreibt die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Entwicklungen. Trotzki betont die Verbindung zwischen Faschismus und Kapital, w&#228;hrend er die faschistische Bewegung als Bewegung von Kleinb&#252;rgerInnen und der neuen Mittelklasse beschreibt: „In der durch Krieg, Niederlage, Reparationen, Inflation, Ruhrbesetzung, Krise, Not und Erbitterung &#252;berhitzten Atmosph&#228;re erhob sich das Kleinb&#252;rgertum gegen alle Parteien, die es betrogen hatten. Die schwere Frustration der Kleineigent&#252;mer, die aus dem Bankrott nicht herauskamen, ihre studierten S&#246;hne ohne Stellung und Klienten, ihre T&#246;chter ohne Aussteuer und Freier, verlangten nach Ordnung und nach einer eisernen Hand“.<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> Und weiter: „Der deutsche wie der italienische Faschismus stiegen zur Macht &#252;ber den R&#252;cken des Kleinb&#252;rgertums, das sie zu einem Rammbock gegen die Arbeiterklasse und die Einrichtungen der Demokratie zusammenpressten. Aber der Faschismus, einmal an der Macht, ist alles andere als eine Regierung des Kleinb&#252;rgertums“.<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a><br />
Insgesamt hilft uns dieser „dialektische“ Ansatz also dabei, die internen Widerspr&#252;che zwischen den Anspr&#252;chen und Erwartungen der Massenbasis und den reaktion&#228;ren Zielen der Bewegung in den Blick zu bekommen. Dar&#252;ber hinaus k&#246;nnen, daran anschlie&#223;end, die Dominanz spezifischer Klassenfraktionen im Faschismus an der Macht gekennzeichnet und die Dynamiken der verschiedenen Phasen des Faschismus analysiert werden.<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a> Eine differenzierte, marxistische Analyse sollte daher bei den „dialektischen“ Zug&#228;ngen ansetzen und Elemente der „rechten“ und „linken“ Ans&#228;tze zusammenf&#252;hren sowie erweitern.<br />
In diesem Artikel werden wir deshalb f&#252;r die Analyse des Faschismus auf folgende Fragen n&#228;her eingehen: (1) Was waren die Konstitutionsbedingungen f&#252;r den Aufstieg des Faschismus? (2) Wie setzte sich die soziale Basis der faschistischen Bewegungen und Parteien zusammen? (3) Worin bestand die soziale Funktion des Faschismus? (4) Welche Dynamiken und Widerspr&#252;chlichkeiten waren in den verschiedenen zeitlichen Etappen bei der Entwicklung des Faschismus (Faschismus als Bewegung, Faschismus an der Macht) wesentlich, und (5) welche Klassenfraktionen waren wann im Faschismus an der Macht relevant? Die hier aufgez&#228;hlten Fragen werden am besten nicht durch eine abstrakte, theoretische Abhandlung beantwortet, sondern durch eine – wenn auch sehr &#252;berblicksm&#228;&#223;ige – Nachzeichnung der verschiedenen Entwicklungsphasen, hier exemplarisch am Beispiel von Italien und Deutschland.</p>
<p><strong>Der Aufstieg des Faschismus</strong><br />
Die Gesellschaften in Deutschland und Italien waren wesentlich von den Erfahrungen der Jahre 1914–1918 gepr&#228;gt. Eine entscheidende Rolle f&#252;r die Ausbildung der faschistischen Ideologie und der sp&#228;teren Organisationen faschistischer Milizen spielten daher die nach dem ersten Weltkrieg zur&#252;ckgekehrten Offiziere. Nationalismus, die im Krieg verinnerlichten Vorstellungen von Disziplin und hierarchischer Befehlsordnung sowie heroische und martialische Lebensvorstellungen mischten sich mit dem Hass auf die (&#246;konomischen) „GewinnerInnen“ des Krieges. Die Kriegsr&#252;ckkehrer f&#252;hlten sich von der b&#252;rgerlichen Gesellschaft verraten und versto&#223;en. Dar&#252;ber hinaus legte der Friedensvertrag von Versailles den Abbau eines Gro&#223;teils der Berufsarmee fest, der besonders die Offiziere betraf.<br />
Otto Bauer, F&#252;hrer der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie jener Zeit, schilderte, wie diese Ansichten in einer Art von rechtem „Antikapitalismus“ geb&#252;ndelt wurden. Dieser richtete sich einerseits gegen die Gro&#223;bourgeoisie und – so die antisemitische Bezeichnung – das „raffende“ Kapital, andererseits gegen das (organisierte) Proletariat. Vor allem in Deutschland paarte sich diese Haltung noch mit dem Gef&#252;hl der Niederlage, die gen&#228;hrt wurde durch die “Dolchsto&#223;legende“. So wurden &#228;u&#223;ere Feinde beschworen, zu deren Abwehr es der nationalen Einheit bed&#252;rfe.<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a> Sowohl in Italien als auch in Deutschland, wo nach dem Ersten Weltkrieg in einigen St&#228;dten Fabriken von bewaffneten ArbeiterInnen besetzt oder R&#228;terepubliken ausgerufen wurden, erwiesen sich diese Kr&#228;fte als Basis einer anti-proletarischen Reaktion.<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a><br />
In Italien wuchs die faschistische Bewegung sehr schnell. Aus verschiedenen (zum Teil auch konkurrierenden) Gruppierungen bestehend, die sowohl am Land als auch in den St&#228;dten systematische und oft t&#246;dliche Angriffe gegen ArbeiterInnen und deren Infrastruktur durchf&#252;hrten, vereinigten sich die FaschistInnen<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a> im November 1921 zum Partito Nazionale Fascista (PNF). Nach dem so genannten „Marsch auf Rom“, bei dem tausende FaschistInnen auf die Hauptstadt zusteuerten, beauftragte der italienische K&#246;nig den faschistischen F&#252;hrer Mussolini schlie&#223;lich mit der Bildung einer neuen Regierung. Mussolini versprach eine starke Regierung, ein Ende der vermeintlichen „Gesetzlosigkeit“ sowie die „Wiederherstellung des italienischen Nationalstolzes“.<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a><br />
Auch in Deutschland erwuchs die faschistische Bewegung aus dem Milieu nationalistischer und antisozialistischer Offiziere und Soldaten die sich in sogenannten Freikorps organisierten. Die Stra&#223;en-Schl&#228;gertrupps fanden sich in der bald gegr&#252;ndeten SA wieder, die NSDAP zog w&#228;hrenddessen in die Parlamente ein. Erst zehn Jahre sp&#228;ter als in Italien, wurde Hitler – nachdem die b&#252;rgerlichen Parteien es nicht schafften, eine stabile Regierung zu bilden und nachdem mehrere Gespr&#228;che mit Pr&#228;sident Hindenburg, f&#252;hrenden Gener&#228;len und UnternehmerInnen stattfanden – im J&#228;nner 1933 zum Reichskanzler ernannt.<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a></p>
<p><strong>Zur sozialen Zusammensetzung</strong><br />
W&#228;hrend in beiden L&#228;ndern Offiziere und Soldaten f&#252;r die Entstehung faschistischer Bewegungen eine entscheidende Rolle spielten, trugen Personen aus den verschiedensten sozialen Zusammenh&#228;ngen<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a> zur Ausbreitung dieser Massenbewegungen bei. Die soziale Basis des Faschismus war demnach „nicht eine kleine Kaste, sondern [...] breite soziale Schichten, gro&#223;e Massen, die selbst bis in das Proletariat hineinreichen.“<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a> Diese Einsch&#228;tzung Zetkins aus dem Jahre 1923 nimmt bereits vieles von dem vorweg, was sp&#228;ter oftmals im Rahmen der so genannten <em>Mittelstandsthese</em><a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a> diskutiert wurde. Wichtig scheint in diesem Zusammenhang jedoch, dass sich die soziale Zusammensetzung im Laufe der Zeit ver&#228;nderte und sich der aktivistische Kern der Partei von deren W&#228;hlerInnen sozial durchaus unterschied.<br />
Blickt man etwa auf die Aufstiegsphase des Nationalsozialismus, so l&#228;sst sich in Bezug auf die Mitgliederzahlen der NSDAP eine Dominanz des „Mittelstandes“ bzw. des Kleinb&#252;rgerInnentums, also von HandwerkerInnen, Kaufleuten, KleinunternehmerInnen, Angestellten und BeamtInnen, feststellen. Das betrifft v.a. den aktivistischen Kern der Organisation, der die lokalen Strukturen der SA bildete und ausbaute. Wie Zetkin anmerkt, schlossen sich auch ArbeiterInnen den faschistischen Bewegungen an, waren jedoch im Verh&#228;ltnis zur Gesamtbev&#246;lkerung in der NSDAP deutlich unterrepr&#228;sentiert.<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> In der Endphase der Weimarer Republik und v.a. nach der Macht&#252;bernahme traten vermehrt AkademikerInnen und Mitglieder der herrschenden Klasse in die Partei ein.<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a> Innerhalb der W&#228;hlerInnenschaft der NSDAP &#252;berwog jedoch das kleinb&#252;rgerliche Element.<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a> Die Unterschiede hinsichtlich der Bereitschaft, sich ganz der faschistischen Idee zu verschreiben, zeigt auch die hohe Differenz zwischen den W&#228;hlerInnenstimmen und den tats&#228;chlichen Mitgliederzahlen bis 1933. „Im Gegensatz zu dem ,harten Kern‘ der NS-Aktivisten, die ihre b&#252;rgerliche Existenz weitgehend hingeworfen und sich der Hitler-Bewegung ganz verschrieben hatten, waren die Millionen W&#228;hler, die die immer mehr mittelst&#228;ndische, ,b&#252;rgerliche‘ Massenbasis der NSDAP ausmachten, keineswegs so ohne weiteres gewillt, ihre elementaren Interessen aufzugeben. Ihr Engagement f&#252;r die Hitler-Partei war nicht unbedingt.“<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a> Die zu verbuchenden Erfolge und Versprechungen zogen jedoch immer neue SympathisantInnen an. Auch in Italien kamen FaschistInnen aus unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft. Dort war das Kleinb&#252;rgerInnentum jedoch ebenso &#252;berdurchschnittlich vertreten.<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a> Um die Bedeutung des Kleinb&#252;rgerInnentums f&#252;r den Aufstieg des Faschismus besser fassen zu k&#246;nnen, muss daher im Folgenden deren Situation nach dem Ersten Weltkrieg genauer betrachtet werden.</p>
<p><strong>„Demagogischer Antikapitalismus“</strong><br />
Die Unruhen der letzten Jahrzehnte und der wirtschaftliche Niedergang, unter dem das Kleinb&#252;rgerInnentum mehr noch als das Gro&#223;kapital zu leiden hatte, bildeten die Grundlage f&#252;r eine doppelte Ablehnungshaltung nach oben und nach unten. Das Kleinb&#252;rgerInnentum verlor durch die steigende Inflation und die &#246;konomische Krise zunehmend seine Ersparnisse. Gleichzeitig musste es miterleben, wie Teile der Bourgeoisie Gewinne aus der Krise zogen oder dieser zumindest besser standhielten. „Aufgerieben zwischen der ArbeiterInnenklasse auf der einen und der KapitalistInnenklasse auf der anderen Seite, wandte sich das Kleinb&#252;rgerInnentum in seiner Mehrzahl dem Faschismus zu. Der r&#252;ckw&#228;rtsgewandte ,Antikapitalismus‘ der Nazis, der gegen ,das gro&#223;e Geld‘ und gleichzeitig gegen den ,j&#252;dischen Bolschewismus‘ polemisierte und selektiv vorindustrielle Zust&#228;nde romantisierte, kam da gerade Recht.“<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a><br />
Ideologisch gesehen konvergierten die Ansichten der Kleinb&#252;rgerInnen mit den Weltanschauungen der Ex-Offiziere und Soldaten. Der britische Marxist Alex Callinicos beschrieb diese Ideologie, ankn&#252;pfend an Daniel Guerin, als „demagogischen Antikapitalismus“: Die Idee einer Volksgemeinschaft, welche die Vers&#246;hnung aller Klassen Deutschlands auf „Rassenbasis“ versprach. Diese „rassistische, pseudorevolution&#228;re Ideologie bildete den Zement des Nationalsozialismus als Massenbasis“.<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a> Nicht den inneren Kampf zwischen Kapital und Arbeit gelte es demnach auszufechten, sondern sich dem „j&#252;dischen Finanzkapital“ und der &#228;u&#223;eren Bedrohung durch „minderwertige Rassen“ zu erwehren, wobei diese Argumente in Deutschland hervorragend an gro&#223;deutsche Phantasien der vorangegangen Jahrzehnte ankn&#252;pfen konnten. Gest&#252;tzt wird diese These nicht zuletzt durch die Rhetorik Hitlers, der den Kampf „Volksdeutschland gegen Parteideutschland” heraufbeschwor oder in seinen Reden immer wieder davon sprach, dass „[a]us Parteimenschen, aus Standes- und Klassenzugeh&#246;rigen [...] Deutsche werden [m&#252;ssen].“<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a><br />
Oft wird zu Recht argumentiert, dass der Antisemitismus in Italien eine andere Rolle spielte als in Deutschland. Tats&#228;chlich hat Mussolini in den 20er Jahren behauptet, dass der „echte“ Faschismus durch den Antisemitismus kompromittiert werde. Die Tatsache, dass zumindest anf&#228;nglich Antisemitismus weniger „offizielles Programm“ war als in Deutschland, hei&#223;t aber nicht, dass Italien kein rassistischer Staat gewesen w&#228;re. In Italien wurden 1938 die rassistischen Gesetze von Nazi-Deutschland &#252;bernommen, und tausende J&#252;dInnen wurden unter dem italienischen Faschismus deportiert und ermordet.<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a> Au&#223;erdem spielte ein tief verankerter Rassismus bei Italiens Angriffen auf &#196;thiopien und Tunesien, bei denen zahlreiche Menschen durch Giftgaseins&#228;tze ermordet wurden, eine wesentliche Rolle.<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a> Rassismus und Antisemitismus nahmen zwar eine unterschiedliche Stellung ein, waren aber in beiden L&#228;ndern Teil der faschistischen Ideologie. Der in beiden L&#228;ndern rhetorisch propagierte „Antikapitalismus“ entsprach auf &#246;konomischer Ebene keinesfalls dem tats&#228;chlichen Programm des Faschismus. Dies zeigte sich deutlich bei dessen Machtergreifung und der damit einhergehenden inneren Kr&#228;fteverschiebung. Die an die Bed&#252;rfnisse seiner Basis angebiederten Forderungen des Faschismus erwiesen sich als leere Worth&#252;lsen. So fragt etwa Clara Zetkin mit Blick auf Italien: „Was hatte der Faschismus politisch versprochen, als er mit wild wehendem Lockenhaar wie Simon herbeist&#252;rmte?“ Weder die beteuerte Reform des Wahlrechts, die Einf&#252;hrung des Frauenwahlrechts, die Schaffung eines Wirtschaftsparlaments oder eine Alters- und Invalidenversicherung – um nur einige Beispiele zu nennen – wurden nach der Eroberung der Staatsmacht verwirklicht. „Es ist der krasseste Widerspruch vorhanden zwischen dem, was der Faschismus verhei&#223;en hat, und dem, was er den Massen bringt. Gleich einer Seifenblase ist in der Luft der Wirklichkeit das Gerede zerstoben, dass im faschistischen Staat das Interesse der Nation &#252;ber allem steht“.<a title="anm_41" name="anm_41" href="#anm41"><sup>41</sup></a> Diese nicht erf&#252;llten Versprechungen sowie die inneren Widerspr&#252;che des Faschismus zwischen seiner Massenbasis und den Interessen der Herrschenden lassen sich am besten mit Blick auf die spezifische Konstellation der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse erkl&#228;ren. Dabei ist es wichtig, die Klassenverh&#228;ltnisse sowohl auf vertikaler als auch auf horizontaler Ebene unter die Lupe zu nehmen: Der Fokus soll also sowohl auf das Verh&#228;ltnis zwischen ArbeiterInnenklasse und Bourgeoisie, als auch auf die Auseinandersetzungen innerhalb der b&#252;rgerlichen Klassenfraktionen gelegt werden. Nur so k&#246;nnen die Lage der ArbeiterInnenklasse einerseits und die folgenschweren „Zweckehen“ und Interessenskonvergenzen zwischen einzelnen Kapitalfraktionen und Faschismus andererseits erkl&#228;rt werden.</p>
<p><strong>Kr&#228;fteverh&#228;ltnis vertikal: Gleichgewichtsthese oder Pattsituation?</strong><br />
Vielen Faschismustheorien ist gemeinsam, dass sie in der Schw&#228;che der ArbeiterInnenklasse – auf Grund der vorausgegangenen K&#228;mpfe und Niederlagen – eine zentrale Konstitutionsbedingung des Faschismus sehen. Grundlage vieler marxistischer Interpretationen des Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses zwischen ArbeiterInnenklasse und Bourgeoisie ist Karl Marx‘ Analyse der Entwicklungen der franz&#246;sischen Revolution und des napoleonischen Staatsstreiches am 18. Brumaire, die 1852 erstmals ver&#246;ffentlicht wurde. Darin besch&#228;ftigt sich Marx nicht nur mit den Klassengegens&#228;tzen, sondern auch mit den Widerspr&#252;chen innerhalb der herrschenden Klasse, die sie in die Handlungsunf&#228;higkeit man&#246;vrieren und schlie&#223;lich zu einer Verselbstst&#228;ndigung der Exekutive f&#252;hren. In „B&#252;rgerkrieg in Frankreich“ beschreibt Marx das f&#252;r den „Bonapartismus“ &#8211; die Herrschaft Louis Napoleons &#8211; charakteristische „Gleichgewicht“ der Klassen: „In Wirklichkeit war es die einzige m&#246;gliche Regierungsform zu einer Zeit, wo die Bourgeoisie die F&#228;higkeit, die Nation zu beherrschen, schon verloren und wo die Arbeiterklasse diese F&#228;higkeit noch nicht erworben hatte.“<a title="anm_42" name="anm_42" href="#anm42"><sup>42</sup></a><br />
Trotzki verstand das Verh&#228;ltnis der Kr&#228;fte im Faschisierungsprozess im Sinne eines Gleichgewichts der Klassen: „Setzt man eine Kugel auf die Spitze einer Pyramide, so kann ein geringer Ansto&#223; sie nach links oder rechts hinab rollen lassen. Das ist die Lage, der sich Deutschland mit jeder Stunde n&#228;hert“.<a title="anm_43" name="anm_43" href="#anm43"><sup>43</sup></a> Und weiter schreibt er: „Die Faschisten wachsen sehr schnell. Die Kommunisten wachsen gleichfalls, aber bedeutend langsamer. Das Wachstum der &#228;u&#223;ersten Pole beweist, da&#223; sich die Kugel auf der Pyramidenspitze nicht halten kann. Das rasche Anwachsen der Faschisten bringt die Gefahr, da&#223; die Kugel nach rechts hinab rollen kann. Das ist eine gewaltige Gefahr.“<a title="anm_44" name="anm_44" href="#anm44"><sup>44</sup></a> Auch Otto Bauer &#252;bernahm Marx’ Analyse der Verselbstst&#228;ndigung der Exekutive f&#252;r den Nationalsozialismus: „Die Bourgeoisie hatte nur noch die Wahl, die faschistische Privatarmee, die sie finanziert und bewaffnet hatte, gewaltsam zu zerschmettern und damit das niedergeworfene Proletariat zu entfesseln oder der Privatarmee des Faschismus die Staatsmacht zu &#252;bergeben. In dieser Situation lie&#223; die Bourgeoisie ihre eigenen Vertreter in der Regierung und im Parlament im Stich, sie zog die &#220;bergabe der Staatsmacht an den Faschismus vor[…]“.<a title="anm_45" name="anm_45" href="#anm45"><sup>45</sup></a><br />
Die ArbeiterInnenklasse hatte nach dem Ersten Weltkrieg zahlreiche Niederlagen hinnehmen m&#252;ssen. Es sind die Nachwehen dieser Niederlagenserie, welche die Situation der ArbeiterInnenklasse w&#228;hrend des Faschisierungsprozesses charakterisieren. Zugleich war die Bourgeoisie zu diesem Zeitpunkt zu schwach, um ihre Interessen mittels der demokratischen politischen Institutionen durchzusetzen, aber stark genug um mit Hilfe der FaschistInnen die ArbeiterInnenklasse gewaltsam zu bek&#228;mpfen.<a title="anm_46" name="anm_46" href="#anm46"><sup>46</sup></a> Mit dem Blick auf die zahlreichen Niederlagen der ArbeiterInnenklasse kann kaum von einem Gleichgewicht der Kr&#228;fte gesprochen werden. Vielmehr handelte es sich um eine Patt-Situation, in der weder ArbeiterInnenklasse noch die herrschenden, b&#252;rgerlichen Klassen die Kraft f&#252;r eine offensive Taktik hatten.</p>
<p><strong>Zerschlagung der ArbeiterInnenklasse</strong><br />
Die These, dass der Faschismus letztendlich nur ein Instrument der Bourgeoisie war, ist weiter oben als verk&#252;rzt bzw. einseitig kritisiert worden. Dies kann jedoch auf keinen Fall bedeuten, die eindeutige Interessenskonvergenz zwischen Industriellen, UnternehmerInnen etc. und den FaschistInnen zu verneinen. Wie Alex Callinicos feststellt, trafen sich „die Interessen der Nazis […] im Ziel der Zerschlagung der organisierten Arbeiterklasse mit denen vieler f&#252;hrender Industrieller, Bankiers, Gener&#228;le und Gro&#223;grundbesitzer.“<a title="anm_47" name="anm_47" href="#anm47"><sup>47</sup></a> Ebenso wurden in Italien die faschistischen Milizen zur Zerschlagung der ArbeiterInnenklasse durchaus bewusst eingesetzt, bzw. lie&#223; man sie ohne Eingriff des staatlichen Gewaltapparats walten.<br />
So zeichnete sich die erste Phase bzw. Welle<a title="anm_48" name="anm_48" href="#anm48"><sup>48</sup></a> der faschistischen Bewegung in Italien durch &#220;berf&#228;lle auf und Stra&#223;enk&#228;mpfe mit organisierten ArbeiterInnen aus. Einer der ersten gezielten gro&#223;en &#220;bergriffe auf die ArbeiterInnenbewegung und deren Strukturen ereignete sich in Mailand, wo die FaschistInnen ihre gr&#246;&#223;te Basis hatten. 1919 griffen ca. 300 bewaffnete FaschistInnen das B&#252;ro von Avanti!, der Tageszeitung des PSI (Partito Socialista Italiano) an. Die zweite Welle fand am Land statt und stand gr&#246;&#223;tenteils nicht unter der Kontrolle Mussolinis bzw. der Bewegungen in den St&#228;dten. Allerdings waren die Ereignisse in den l&#228;ndlichen Regionen von Beginn an durch ihre Kooperationsform zwischen FaschistInnen und Gro&#223;grundbesitzerInnen wegweisend: Direkt nach dem Krieg wurde das Land von Streikwellen und Fabrikbesetzungen durchzogen. Die Gro&#223;grundbesitzerInnen sahen ihre Besitzt&#252;mer zunehmend bedroht. Einerseits hatte die Regierung nach dem Krieg gro&#223;e Agrarreformen durchgef&#252;hrt, andererseits fielen die Erntepreise rapide. Zudem begannen die LandarbeiterInnen sich zu organisieren und besetzten immer &#246;fters L&#228;ndereien und Betriebe. In den Jahren 1920 und 1921 griffen die Gro&#223;grundbesitzerInnen erstmal gezielt auf die vagabundierenden faschistischen Milizen zur&#252;ck, um mit deren Hilfe die sich organisierenden LandarbeiterInnen niederzuschlagen. Diese Entwicklungen vollzogen sich zu Beginn unabh&#228;ngig von den Parteistrukturen, die Mussolini vor allem in den St&#228;dten zu etablieren begann. Nachdem sich allerdings diese Art der Zusammenarbeit als sehr erfolgreich erwiesen hatte, begannen auch immer mehr st&#228;dtische Industrielle sie zur Durchsetzung ihrer Interessen zu nutzen. Abgebildet wird dieses unheilvolle B&#252;ndnis auch in der massiven Finanzierung der faschistischen Partei durch das Kapital in den Jahren 1921-24.<a title="anm_49" name="anm_49" href="#anm49"><sup>49</sup></a> Die Attacken gegen die organisierte ArbeiterInnenklasse wurden zudem bald gesetzlich legitimiert: Sobald die faschistischen Bewegungen an die Macht kamen, wurden die sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien und deren Vereine sowie die Gewerkschaften aufgel&#246;st und verboten.<a title="anm_50" name="anm_50" href="#anm50"><sup>50</sup></a><br />
Auch f&#252;r Deutschland stellt der Historiker Ian Kershaw fest, dass sich strukturelle Zusammenh&#228;nge zwischen kapitalistischen Kr&#228;ften und dem Aufstieg des Nationalsozialismus aufzeigen lassen: „Erstens ist klar, da&#223; bei einflussreichen Teilen der industriellen Elite schon lange vor dem politischen Durchbruch der Nazis eine zunehmende Bereitschaft bestand, die Weimarer Republik zugunsten einer attraktiveren autorit&#228;reren L&#246;sung fallenzulassen, die dann als erstes durch die Unterdr&#252;ckung der Arbeiterschaft die Profitabilit&#228;t wieder herstellen w&#252;rde“.<a title="anm_51" name="anm_51" href="#anm51"><sup>51</sup></a> Zweitens habe im industriellen Sektor, der durch die Wirtschaftskrise gespalten und von der sich versch&#228;rfenden Rezession betroffen war, die Bereitschaft zugenommen, eine Regierungsbeteiligung der Nazis zu akzeptieren. Auch wenn nicht alle Teile den Nazis wohlgesonnen waren, sollte so der politische Rahmen erhalten bleiben, in dem sich das kapitalistische System wieder erholen k&#246;nne.<a title="anm_52" name="anm_52" href="#anm52"><sup>52</sup></a></p>
<p><strong>Die zweifache Krise der Bourgeoisie</strong><br />
Nachdem eben die vertikale Ebene, also die Auseinandersetzung zwischen organisierter ArbeiterInnenklasse und Bourgeoisie behandelt wurde, soll sich der Blick nun auf die horizontale Ebene, auf die Konflikte zwischen den herrschenden Klassenfraktionen richten. Autoren wie Nicos Poulantzas<a title="anm_53" name="anm_53" href="#anm53"><sup>53</sup></a> haben darauf hingewiesen, dass am Beginn der Faschisierung eine tiefe Krise der Bourgeoisie stand, die diese auf Grund ihrer gro&#223;en Heterogenit&#228;t nicht bearbeiten konnte und die ihren Ausdruck u.a. in einer gro&#223;en Instabilit&#228;t der b&#252;rgerlichen Regierungen fand. Zwei wesentliche Faktoren sind hier relevant: zum einen die Krise der Parteienvertretung des „Blocks an der Macht“<a title="anm_54" name="anm_54" href="#anm54"><sup>54</sup></a> und zum anderen die Widerspr&#252;che innerhalb der herrschenden Klasse.<br />
Bei der Krise der Parteienvertretung des Blocks an der Macht handelt es sich um eine „Repr&#228;sentationskrise“: „An einem bestimmen Punkt ihres geschichtlichen Lebens l&#246;sen sich die gesellschaftlichen Gruppen von ihren traditionellen Parteien, das hei&#223;t, die traditionellen Parteien in dieser Organisationsform, […] werden von ihrer Klasse oder Klassenfraktionen<br />
nicht mehr als ihr Ausdruck anerkannt“.<a title="anm_55" name="anm_55" href="#anm55"><sup>55</sup></a> Aus der Perspektive gesellschaftlicher Stabilit&#228;t ist dies „heikel und gef&#228;hrlich, weil das Feld frei ist f&#252;r die Gewaltl&#246;sungen, f&#252;r die Aktivit&#228;t obskurer M&#228;chte“.<a title="anm_56" name="anm_56" href="#anm56"><sup>56</sup></a> In einer solchen Phase der politischen Orientierungslosigkeit der einzelnen Klassenfraktionen des Blocks an der Macht gelang es dem Faschismus, die L&#252;cke, die entstanden war, zu f&#252;llen.<a title="anm_57" name="anm_57" href="#anm57"><sup>57</sup></a> So konnte der Bruch zwischen den herrschenden Klassenfraktionen und ihren politischen Parteien innerhalb des staatlichen Systems zeitweise &#252;berwunden werden.<br />
Der andere Faktor der Krise des Blocks an der Macht besteht in der Art ihrer eigenen Organisation. Der Faschisierungsprozess stellt eine Situation dar, in der sich die Widerspr&#252;che innerhalb des Blocks an der Macht immer drastischer zuspitzen und die Organisation der Interessen der Herrschenden durch den Staat nicht mehr wie gew&#246;hnlich funktioniert. W&#228;hrend der Faschisierung ist keine Klassenfraktion mehr in der Lage, innerhalb des Blocks an der Macht hegemonial zu werden – weder mit eigenen politisch-organisatorischen Mitteln noch &#252;ber den Umweg der b&#252;rgerlich-parlamentarischen Demokratie.<a title="anm_58" name="anm_58" href="#anm58"><sup>58</sup></a> In dieser Situation ist der Block an der Macht zersplittert, was zu gro&#223;en strukturellen Ver&#228;nderungen in Wirtschaft und Gesellschaft f&#252;hrt.<a title="anm_59" name="anm_59" href="#anm59"><sup>59</sup></a></p>
<p><strong>Ein effektives aber instabiles B&#252;ndnis</strong><br />
Diese Ver&#228;nderungen werden an jenem, von Poulantzas etwas ungl&#252;cklich als „Point of No Return“<a title="anm_60" name="anm_60" href="#anm60"><sup>60</sup></a> bezeichneten Zeitpunkt schlagend, an dem die faschistische Partei die Unterst&#252;tzung der Klassenfraktion des Gro&#223;kapitals gewinnt. Dieser Punkt war in Deutschland mit der Regierung Br&#252;ning erreicht. Hier musste zum einen die faschistische Partei dem Gro&#223;kapital Zugest&#228;ndnisse machen, die ihrer antikapitalistischen Rhetorik widersprachen.<a title="anm_61" name="anm_61" href="#anm61"><sup>61</sup></a> Zum anderen drang das Kleinb&#252;rgerInnentum als Staatspersonal in die Staatsapparate ein und wurde &#252;ber das B&#252;ndnis der Klassenfraktionen teilweise in den Block an der Macht integriert. Nach der Ernennung Hitlers zum Kanzler kam es zwischen Nazis und Gro&#223;kapital zu Spannungen. Letztere wollten die NationalsozialistInnen lediglich als JuniorpartnerInnen in die Regierung holen und so die Bewegung unter Kontrolle halten.<a title="anm_62" name="anm_62" href="#anm62"><sup>62</sup></a> Jedoch konnte das Gro&#223;kapital auch in diesem neuen B&#252;ndnis nicht hegemonial werden, „[d]enn allein Hitler und die riesige, wenn auch potenziell instabile, Massenbewegung, die er anf&#252;hrte, vermochten die Stra&#223;en zu beherrschen“.<a title="anm_63" name="anm_63" href="#anm63"><sup>63</sup></a> Als diese Massenbewegung mit wachsender Zahl und Schlagkraft Anspr&#252;che auf die Staatsmacht erhob, musste die Bourgeoisie sich entscheiden: Entweder sie verzichtete auf die Staatsmacht oder sie verteidigte den b&#252;rgerlichen Staat gegen die FaschistInnen. Zumindest auf milit&#228;rischer Ebene war letzteres weder f&#252;r Deutschland noch f&#252;r Italien eine rein hypothetische M&#246;glichkeit. So war die staatliche Exekutive in Italien in den Jahren 1919–1922 quantitativ bedeutend verst&#228;rkt worden und den organisierten FaschistInnen durchaus gewachsen. Die Verteidigung des b&#252;rgerlichen Staates gegen die FaschistInnen h&#228;tte jedoch vermutlich ein Wiedererstarken der ArbeiterInnenbewegung bedeutet, was die Herrschenden keinesfalls in Kauf nehmen wollten. Anstatt sich den FaschistInnen entgegen zu stellen, unterst&#252;tzte die Bourgeoisie diese deshalb h&#228;ufig indirekt oder direkt, etwa durch Waffenlieferungen, bei Angriffen auf die ArbeiterInnenklasse.<a title="anm_64" name="anm_64" href="#anm64"><sup>64</sup></a> Um ihre &#246;konomische Macht zu erhalten, geben die b&#252;rgerlichen Parteien schlie&#223;lich auch die politische Macht an die FaschistInnen ab – in der Hoffnung, diese L&#246;sung sei eine vor&#252;bergehende. In Poulantzas Worten: Zur Stabilisierung der &#246;konomischen Hegemonie musste das Gro&#223;kapital letztendlich die politische Macht aufgeben, wodurch es zur Ausformung der speziellen relativen Autonomie des Faschismus gegen&#252;ber der &#246;konomisch hegemonialen Klassenfraktion kam. Es enstand ein „effektives B&#252;ndnis“, das jedoch unglaublich heterogen und instabil war.<a title="anm_65" name="anm_65" href="#anm65"><sup>65</sup></a></p>
<p><strong>„Primat der Politik“?</strong><br />
Die Auseinandersetzung mit dem Verh&#228;ltnis zwischen den Klassen und Klassenfraktionen, mit der Funktion, den Dynamiken und Widerspr&#252;chlichkeiten des Faschismus, wirft die Frage danach auf, inwieweit die faschistische Politik von wirtschaftlichen &#220;berlegungen gepr&#228;gt wurde, oder, anders formuliert: welchen Grad der politischen Autonomie, der auf ein Primat der ideologischen und politischen Ziele &#252;ber die &#246;konomischen Interessen hinauslief, erreichten die faschistischen Regime?<a title="anm_66" name="anm_66" href="#anm66"><sup>66</sup></a> Mit Blick auf diese Frage, die vor allem in Bezug auf den deutschen Faschismus diskutiert wird, liefert der Historiker Timothy Mason mit seiner These vom „Primat der Politik“ einen zentralen Beitrag f&#252;r die marxistische Interpretation des Verh&#228;ltnisses von Nationalsozialismus und den herrschenden &#246;konomischen Klassen. Er kritisiert sowohl die b&#252;rgerliche Interpretation des Nationalsozialismus, die das Verh&#228;ltnis von Politik und &#214;konomie nicht hinterfragt bzw. von einer allgemeinen Trennung der beiden Bereiche ausgeht, als auch jene Position, die von HistorikerInnen der DDR vertreten wurde, welche die Existenz eines autonomen politisch-ideologischen Bereichs verneint.<a title="anm_67" name="anm_67" href="#anm67"><sup>67</sup></a><br />
Masons zentrales Argument ist, dass „die Innen- und Au&#223;enpolitik der nationalsozialistischen Staatsf&#252;hrung ab 1936 in zunehmendem Ma&#223;e von der Bestimmung durch die &#246;konomisch herrschenden Klassen unabh&#228;ngig wurde, ihren Interessen sogar in wesentlichen Punkten zuwiderlief“.<a title="anm_68" name="anm_68" href="#anm68"><sup>68</sup></a> Schwerwiegende Strukturver&#228;nderungen in Wirtschaft und Gesellschaft h&#228;tten die Verselbstst&#228;ndigung des nationalsozialistischen Staatsapparats, das „Primat der Politik“, erm&#246;glicht. Zur Erl&#228;uterung seiner These z&#228;hlt Mason eine Reihe verschiedener Aspekte auf: die weitgehende Ausschaltung von VertreterInnen der Industrie an direkten Entscheidungsprozessen, die wirtschaftliche Rolle des Staates als Auftraggeber oder auch den schwindenden Einfluss wirtschaftlicher Interessensverb&#228;nde auf die staatliche Politik.<a title="anm_69" name="anm_69" href="#anm69"><sup>69</sup></a><br />
Zu Recht kritisieren sowohl Kershaw als auch Callinicos<a title="anm_70" name="anm_70" href="#anm70"><sup>70</sup></a>, dass die analytische Trennung von wirtschaftlichen und politischen Interessen einer zu starke Vereinfachung der kompexen strukturellen Wechselwirkung zwischen den beiden Bereichen gleichkommt, die erneut von einer kruden Dichotomie von Politik und Wirtschaft, Staat und Gesellschaft ausgeht.<a title="anm_71" name="anm_71" href="#anm71"><sup>71</sup></a> „Zweifellos bestand das durch Aufr&#252;stungs- und Expansionsprogramm zementierte B&#252;ndnis zwischen Nazif&#252;hrung und dem milit&#228;risch-industriellen Komplex bis in die Endphase des Dritten Reiches hinein, und beide Seiten sahen sich dabei immer st&#228;rker an die Logik der von ihnen in Gang gesetzten Entwicklungen gebunden. Dennoch k&#246;nnte man sagen, da&#223; sich das Gewicht innerhalb dieses ,B&#252;ndnisses‘ langsam, aber unaufhaltsam zugunsten der Nazif&#252;hrung verschob […].“<a title="anm_72" name="anm_72" href="#anm72"><sup>72</sup></a> Anders formuliert bot der ideologische Wahnsinn der Nazis den Rahmen, in dem wirtschaftliche Interessen zum Zug kamen.</p>
<p><strong>Erkl&#228;rbarkeit des Unerkl&#228;rbaren?</strong><br />
Ebenfalls zu Recht wird der Ansatz des „Primats der Politik“ meist dann ins Feld gef&#252;hrt, wenn die Frage nach der unvorstellbaren Vernichtungslogik und dem Holocaust im Raum steht.<a title="anm_73" name="anm_73" href="#anm73"><sup>73</sup></a> So hebt Callinicos, der von einer „konfliktgeladenen Partnerschaft“ zwischen Nationalsozialismus und dem deutschen Kapital ausgeht<a title="anm_74" name="anm_74" href="#anm74"><sup>74</sup></a>, hervor: „Mason geb&#252;hrt das bedeutende Verdienst, jedem vulg&#228;rmarxistischen Versuch, den Holocaust und andere Naziverbrechen auf die wirtschaftlichen Bed&#252;rfnisse des deutschen Kapitals zu beschr&#228;nken, den Weg zu versperren.“<a title="anm_75" name="anm_75" href="#anm75"><sup>75</sup></a> Callinicos selbst versucht mit Hilfe einer nicht-reduktionistischen marxistischen Analyse zur Erkl&#228;rung der Dynamiken beizutragen, die zum Holocaust gef&#252;hrt haben. Er bezeichnet die Entwicklungen ab 1937/1938 – mit Mommsen und Broszat argumentierend – als eine „kumulative Radikalisierungsspirale“, wobei dieser Begriff auf die Vielschichtigkeit der Entwicklungen verweist und monokausale Erkl&#228;rungsmuster ausschlie&#223;t.<a title="anm_76" name="anm_76" href="#anm76"><sup>76</sup></a> In Opposition zu personalisierenden Ans&#228;tzen argumentiert er gegen die Auffassung, die Vernichtung der Juden entstand auf Grund durchdachter Pl&#228;ne Hitlers.<a title="anm_77" name="anm_77" href="#anm77"><sup>77</sup></a> Stattdessen m&#252;sse, so argumentiert auch Kershaw, „im Dritten Reich die Erkl&#228;rung im eigent&#252;mlich aufgesplitterten Entscheidungsproze&#223; gesucht werden, der zu improvisierten b&#252;rokratischen Initiativen mit ihrer immanenten Eigendynamik gef&#252;hrt und einen dynamischen kumulativen Radikalisierungsprozess gef&#246;rdert“ habe.<a title="anm_78" name="anm_78" href="#anm78"><sup>78</sup></a> Callinicos verweist darauf, dass der Massenmord an den J&#252;dInnen nicht die einzige Option darstellte, die von nationalsozialistischen Entscheidungstr&#228;gerInnen diskutiert wurde („Madagaskarplan“), und argumentiert, dass der &#220;berfall auf die Sowjetunion den Rahmen geschaffen h&#228;tte, in dem es zur „Endl&#246;sung“ kam. Erst im Zuge dieses Vernichtungsfeldzuges fanden jene Verbrechen wie die Massenerschie&#223;ungen von Juden statt, die im Allgemeinen als Anfang des Holocausts bezeichnet werden. Au&#223;erdem m&#252;sse, wie erw&#228;hnt, als Grundlage jeder Interpretation des Nationalsozialismus nicht Hitlers pers&#246;nliche Rolle, sondern die Spezifika des Nationalsozialismus als besondere Art der Massenbewegung herangezogen werden.<a title="anm_79" name="anm_79" href="#anm79"><sup>79</sup></a> Schlie&#223;lich war die aktive und passive ideologische Zustimmung gro&#223;er Teile der Bev&#246;lkerung bis hin zur aktiven Beteiligung am Massenmord ein wesentlicher Faktor, eine grundlegende Dimension der Vielschichtigkeit des Radikalisierungsprozesses. Wesentlich f&#252;r diese Entwicklungen, so Callinicos, sei die – h&#228;ufig nur indirekte – Rolle, die der biologische Rassismus spielte, indem er den Bezugsrahmen der Debatte und die Grundlage zur Begr&#252;ndung von Entscheidungen bildete.<a title="anm_80" name="anm_80" href="#anm80"><sup>80</sup></a> „Der Vorrang der Naziideologie bei der Entwicklung zum Holocaust ist entscheidend, um zu begreifen, dass die Vernichtung der Juden nicht in &#246;konomischen Begriffen erkl&#228;rt werden kann. Antisemitismus war […] erforderlich, um die Juden in das objektgewordene Andere zu verwandeln, gegen das die t&#246;dliche Ideologie berechtigt ausgelebt werden konnte“.<a title="anm_81" name="anm_81" href="#anm81"><sup>81</sup></a> Anstatt jedoch Rassismus und Antisemitismus als „brutales Faktum“ zu behandeln, das selbst keiner Erkl&#228;rung bed&#252;rfe, pl&#228;diert Callinicos f&#252;r einen Versuch, die Gr&#252;nde f&#252;r die bedeutende Rolle von Rassismus und Antisemitismus f&#252;r den Nationalsozialismus zu analysieren.</p>
<p><strong>„Kumulative Radikalisierungsspirale“</Strong><br />
Daf&#252;r m&#252;sse der Holocaust in Verbindung mit weiteren Entwicklungen des nationalsozialistischen Regimes begriffenwerden. Der wichtigste Beitrag hierzu wurde laut Callinicos von Martin Broszat geleistet, der die Radikalisierung des Regimes mit dem Scheitern der Nazis verband, die deutsche Gesellschaft zu erneuern. „Die mehr oder weniger korporatistischen Ideale des Nationalsozialismus, die Verfolgung einer umfassenden neuen Ordnung f&#252;r die Agrarwirtschaft, […] die Ideen zur Reformierung des Reiches […], des Staatsdienstes und der Rechtspflege – nichts davon konnte erreicht werden. […] Je weniger jedoch die Aussicht bestand, das ideologische Dogma des Nationalsozialismus den Aufgaben einer konstruktiven Reorganisation anzupassen, desto ausschlie&#223;licher konzentrierte sich diese ideologische Politik auf die negativen Aspekte und Ziele […]. Da jedoch die praktische (im Gegensatz zur propagandistischen) Aktivit&#228;t der ideologischen Bewegung fast ausschlie&#223;lich auf negative Ziele gerichtet war, lag die einzig vorstellbare weitere Entwicklung in einer st&#228;ndigen Intensivierung der Ma&#223;nahmen gegen die Juden, die ,Geisteskranken‘ und ,asozialen Elemente‘.“<a title="anm_82" name="anm_82" href="#anm82"><sup>82</sup></a><br />
W&#228;hrend der Faschismus seine Anh&#228;ngerInnen zur Unterst&#252;tzung dieses konterrevolution&#228;ren Projekts mobilisierte, versprach er eine vermeintlich revolution&#228;re Version einer Volksgemeinschaft bzw. eine rassische Utopie, aus der Klassenkonflikt und „fremde Rassen“ (beides der nationalsozialistische Ideologie zufolge in der Figur des/der Juden/J&#252;din vereint) verbannt sein w&#252;rden.<a title="anm_83" name="anm_83" href="#anm83"><sup>83</sup></a> Als dem Naziradikalismus bei Hitlers Machtantritt die Erf&#252;llung in Form einer echten Neugestaltung der Gesellschaft misslang, „wurde er auf die j&#252;dische Frage verlagert. Die Energien der Bewegung konnten sich schadlos auf die „negativen Aspekte“, wie Broszat es nennt, der nationalsozialistischen Ideologie richten – den Drang, das Andere auszurotten“.<a title="anm_84" name="anm_84" href="#anm84"><sup>84</sup></a> Die „kumulative Radikalisierung“ des Naziregimes war somit weder eine blo&#223;e Folge der eigenen inneren Zerrissenheit, noch eine die lediglich aus Hitlers pers&#246;nlichem Einfluss resultierte. „Sie spiegelte die strukturelle Unf&#228;higkeit des Nationalsozialismus, ,bis ans Ende zu gehen‘ – die sozialen Widerspr&#252;che aufzuheben, auf die er eine Reaktion war und die er Heilung versprochen hatte“.<a title="anm_85" name="anm_85" href="#anm85"><sup>85</sup></a><br />
“Dass [zwar] einfach keine Erkl&#228;rung der Vernichtung der Juden wirklich befriedigend sein kann, nicht weil die Erkl&#228;rung notwendigerweise falsch sein muss, sondern wegen der Ungeheuerlichkeit des Ereignisses, das begreifbar gemacht werden soll“<a title="anm_86" name="anm_86" href="#anm86"><sup>86</sup></a>, ist die eine Seite. Der Versuch, den Holocaust sowie den Nationalsozialismus zu verstehen, um f&#252;r die Parole der antifaschistischen Bewegung „NIE WIEDER“ zu k&#228;mpfen, die andere.</p>
<p><em>Tobias Boos</em> studiert Internationale Entwicklung und Politikwissenschaft in Wien und ist aktiv bei <em>Perspektiven</em>.</p>
<p><em>Veronika Duma</em> studiert Geschichte in Wien und ist aktiv bei <em>Perspektiven</em>.</p>
<p><em>Hanna Lichtenberger</em> studiert Politikwissenschaft in Wien.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> vgl. z.B. Stanley Paynes Idealtypen, beschrieben in: Renton, Dave: Fascism:<br />
theory and pratice, London 1999, S. 19–29<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 3<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> vgl. Kershaw, Ian: Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen<br />
im &#220;berblick, Hamburg 1994, S. 392<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 55<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> vgl. ebd., S. 3<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> vgl. ebd., S. 60<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> vgl. Perspektiven Nr. 6 (2008): Sowjetmacht vs. Parteidiktatur, S. 48-57<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> vgl. Wippermann, Wolfgang: Faschismustheorien. Die Entwicklung der Diskussion von den Anf&#228;ngen bis heute, Darmstadt 1997 S. 17<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 3f.<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> vgl. ebd., S. 57<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Im Jahre 1935 wurde die Sozialfaschismusthese in der KI verworfen und der Faschismus nun offiziell als „offene terroristische Diktatur der reaktion&#228;rsten, chauvinistischsten und imperialistischsten Elemente des Finanzkapitals“ bezeichnet. Die Basis des Faschismus auf diesem Wege auf ein Minimum<br />
verkleinert, erweiterte die Schichten potentieller antifaschistischer Kr&#228;fte. In Zusammenhang mit dieser neuen Einsch&#228;tzung wurde ab 1935 von der KI offiziell die Volksfrontstrategie vertreten, die auf ein B&#252;ndnis mit allen verf&#252;gbaren b&#252;rgerlichen Kr&#228;ften abzielte, eine revolution&#228;re Umgestaltung der Verh&#228;ltnisse jedoch verwarf (vgl. Renton 1999, a.a.O, S. 78).<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> Die von Trotzki explizit formulierte, aber auch von Clara Zetkin und anderen vertretene Taktik der Einheitsfront, in der sich die gesamten Kr&#228;fte der ArbeiterInnenklasse – v.a. die kommunistischen und sozialdemokratischen Parteien – trotz Differenzen vereinen und gegen den Faschismus<br />
k&#228;mpfen sollten, ist nach wie vor als Vorbild zu nehmen, wurde aber in der Praxis nur informell – also ohne offizielle Einigung der gro&#223;e linken Parteien – und auf lokaler Ebene verwirklicht.<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 6<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> vgl. ebd., S. 58<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> vgl. Wippermann 1997, a.a.O., S. 14<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 58<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> Zetkin, Clara: Der Kampf gegen den Faschismus. Bericht aus dem erweiterten Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, Hamburg 1923, unter: http://www.marxists.org/deutsch/archiv/zetkin/1923/06/faschism.htm<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> Zetkin 1923, a.a.O.<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Renton 1999, a.a.O., S. 58<br />
<a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> Trotzki, Leo: Portr&#228;t des Nationalsozialismus, 1933, unter: http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1933/06/natsoz.htm<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Trotzki 1933, a.a.O.<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 75<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> vgl. Bauer, Otto: Der Faschismus, in: Ders.: Zwischen Zwei Weltkriegen? Die Krise der Weltwirtschaft, der Demokratie und des Sozialismus, Bratislava 1936, unter: http://www.marxists.org/deutsch/archiv/bauer/1936/zwischen/faschismus.html<br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 30<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Da es nat&#252;rlich auch Faschistinnen gab, verwenden wir die gendersensible Schreibweise, allerdings m&#246;chten wir darauf hinweisen, dass gerade die aktivistischen Kerne der faschistischen Organisationen m&#228;nnlich dominiert<br />
waren (s. auch Fu&#223;note 28)<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> Behan, Tom: The Resistible Rise of Benito Mussolini, London 2003, S. 39<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 37<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> Neben starken regionalen und  konfessionellen Unterschieden ist v.a. auf die geschlechterspezifischen Unterschiede hinzuweisen. Die NSDAP war eine vorwiegend m&#228;nnliche dominierte Organisation (vgl. Kater, Michael H.: Zur Soziographie der fr&#252;hen NSDAP, in: Vierteljahreshefte f&#252;r Zeitgeschichte, 19 (1971), S. 124–160).<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> Zetkin 1923, a.a.O.<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> Zur genaueren Diskussion der Mittelstandsthese und weiterf&#252;hrender Literatur vgl. Wipperman 1989, a.a.O., S. 71–76. Allerdings legt Wippermann unserer Einsch&#228;tzung nach keine schl&#252;ssige Argumentation f&#252;r<br />
seine Interpretation der Daten vor. Sein Argument, dass die Partei nicht ausschlie&#223;lich aus Personen des Mittelstandes bestand, bedeutet nicht, dass diese nicht doch zu einem gewissen Zeitpunkt dominant gewesen sein k&#246;nnen, wie er schlussfolgert. Zu genaueren (mittelst&#228;ndischen) Motiven vgl. Broszat, Martin: Die Struktur der NS-Massenbewegung, in: Vierteljahreshefte f&#252;r Zeitgeschichte, 31 (1983), S. 52–77<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> vgl. Revolution&#228;r Sozialistische Organisation (RSO): „Antikapitalismus“ von Rechts. Von SA bis NPD: Geschichte, Politik, Theorie und Elend des „nationalen Sozialismus“, Wien 2007<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> vgl. Wippermann 1997, a.a.O., S. 72f.<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> vgl. ebd., S. 74<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> Broszat 1983, a.a.O., S. 69<br />
<a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 32<br />
<a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> RSO 2007, a.a.O.<br />
<a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> Callinicos, Alex: Ausloten der Abgr&#252;nde. Marxismus und der Holocaust, in: sozial.geschichte.extra (2006), S. 15, unter: http://www.stiftungsozialgeschichte.de/ZeitschriftOnline/pdfs/10.01.07.pdf<br />
<a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> Nieders&#228;chsischer Beobachter 1932, zit. n. Broszat 1983, a.a.O., S. 70<br />
<a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 33<br />
<a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> vgl. ebd., S. 33<br />
<a title="anm41" name="anm41" href="#anm_41">41</a> Zetkin, a.a.O., S. 19<br />
<a title="anm42" name="anm42" href="#anm_42">42</a> Marx, Karl/Engels, Friedrich: Der B&#252;rgerkrieg in Frankreich, MEW 17, Berlin 1962, S. 338<br />
<a title="anm43" name="anm43" href="#anm_43">43</a> Trotzki, Leo: Wie wird der Nationalsozialismus geschlagen? Brief an einen deutschen Arbeiter-Kommunisten, Mitglied der KPD, 1931, unter: http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1931/12/schlagen.htm<br />
<a title="anm44" name="anm44" href="#anm_44">44</a> Trotzki 1931, a.a.O.<br />
<a title="anm45" name="anm45" href="#anm_45">45</a> Bauer 1936, a.a.O.<br />
<a title="anm46" name="anm46" href="#anm_46">46</a> vgl. Bauer 1936, a.a.O.<br />
<a title="anm47" name="anm47" href="#anm_47">47</a> Callinicos 2006, a.a.O., S.13f.<br />
<a title="anm48" name="anm48" href="#anm_48">48</a> Wir folgen in unserer Beschreibung weitestgehend den Ausf&#252;hrungen Behans, der den Aufstieg des Faschismus in den Jahren 1919 bis 1922 in drei Wellen einteilt (vgl. Behan 2003, a.a.O., S. 39–53).<br />
<a title="anm49" name="anm49" href="#anm_49">49</a> Die faschistische Partei wurde in den Jahren 1921–1924 zu 64% von Industriellen und Gesch&#228;ftsleuten finanziert. Die restlichen Beitr&#228;ge entfielen zu 25% auf Einzelpersonen und zu 10% auf Banken und Versicherungen<br />
(vgl. De Felice 1966, zit. n. Behan 2003, a.a.O., S. 41).<br />
<a title="anm50" name="anm50" href="#anm_50">50</a> vgl. Renton 1999, a.a.O., S. 37<br />
<a title="anm51" name="anm51" href="#anm_51">51</a> Kershaw, Ian: Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im &#220;berblick, Hamburg 1994, S. 81<br />
<a title="anm52" name="anm52" href="#anm_52">52</a> vgl. ebd., S. 81<br />
<a title="anm53" name="anm53" href="#anm_53">53</a> Die empirische Genauigkeit einzelner Ausf&#252;hrungen Poulantzas ist von verschiedenen AutorInnen bem&#228;ngelt worden. Auch wenn diese Kritik zutrifft, halten wir die Begrifflichkeiten und Unterteilungen, die Poulantzas<br />
macht, auf der Ebene der Theoretisierung f&#252;r hilfreich (vgl. Caplan, Jane: Theories of Fascism: Nicos Poulantzas as Historian, in: History Workshop. A Journal of Socialist Historians, 3 (1977), S. 83–100).<br />
<a title="anm54" name="anm54" href="#anm_54">54</a> Auch unter anderen Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen „organisiert [der Staat] das langfristige Interesse des Blockes an der Macht“ (Poulantzas, Nicos: Staatstheorie. Polititischer &#220;berbau, Ideologie, autorit&#228;rer Etatismus, Hamburg 2002, S. 157), der sich aus den verschiedenen Fraktionen der b&#252;rgerlichen<br />
und somit der herrschenden Klasse zusammensetzt, die „Bourgeoisie ist in Klassenfraktionen gespalten“ (ebd., S. 158). Die Funktion, die der Faschismus f&#252;r den Block an der Macht aus&#252;bt, ist die ganz bestimmte Reorganisation des Blocks an der Macht.<br />
<a title="anm55" name="anm55" href="#anm_55">55</a> Gramsci, Antonio: Gef&#228;ngnishefte, Hamburg 1991ff., S. 1578<br />
<a title="anm56" name="anm56" href="#anm_56">56</a> ebd., S. 1578<br />
<a title="anm57" name="anm57" href="#anm_57">57</a> vgl. Poulantzas, Nicos: Faschismus und Diktatur. Die Kommunistische Internationale und der Faschismus, M&#252;nchen 1973, S. 74<br />
<a title="anm58" name="anm58" href="#anm_58">58</a> vgl. ebd., S. 72<br />
<a title="anm59" name="anm59" href="#anm_59">59</a> vgl. Mason, Tim: Der Primat der Politik. Politik und Wirtschaft im Nationalsozialismus, in: Das Argument 41 (1966), S. 473–494<br />
<a title="anm60" name="anm60" href="#anm_60">60</a> „Point of No Return“ bedeutet keinen Automatismus zum Holocaust und negiert auch Widerstand nicht, vielmehr geht es um die Konstituierung des Blocks an der Macht.<br />
<a title="anm61" name="anm61" href="#anm_61">61</a> Mit der Regierung Br&#252;ning gingen 1931 die K&#252;ndigungen von 295 000 ArbeiterInnen im Ruhrgebiet einher, sp&#228;ter wurden sie unter schlechteren Bedingungen und zu niedrigeren L&#246;hnen wieder eingestellt. Ebenfalls am<br />
15. J&#228;nner 1931 kommt es zu einer f&#252;nfprozentigen Lohnk&#252;rzung beim Staatspersonal (vgl. Chronik der deutschen Sozialdemokratie: Daten, Fakten, Hintergr&#252;nde 1, S. 351). Bereits 1929 kam es zur Monopolisierung der Banken durch die Fusion der Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und einigen mittelgro&#223;en anderen Banken zur DiDe-Gesellschaft (vgl.</p>
<p>http://www.bankgeschichte.de/index_03_03.html).</p>
<p><a title="anm62" name="anm62" href="#anm_62">62</a> vgl. Callinicos 2006, a.a.O., S.17<br />
<a title="anm63" name="anm63" href="#anm_63">63</a> Kershaw, Ian: Hitler 1889-1936, New York 2000, zit. n. Callinicos 2006, a.a.O., S. 17<br />
<a title="anm64" name="anm64" href="#anm_64">64</a> vgl. Behan 2003, a.a.O., S. 46f.<br />
<a title="anm65" name="anm65" href="#anm_65">65</a> Poulantzas 1973, a.a.O., S. 89<br />
<a title="anm66" name="anm66" href="#anm_66">66</a> vgl. ebd., S. 82.<br />
<a title="anm67" name="anm67" href="#anm_67">67</a> vgl. ebd., S. 83.<br />
<a title="anm68" name="anm68" href="#anm_68">68</a> Mason 1966, a.a.O., S. 474<br />
<a title="anm69" name="anm69" href="#anm_69">69</a> vgl. Kershaw 2006, a.a.O., S. 84<br />
<a title="anm70" name="anm70" href="#anm_70">70</a> vgl. Callinicos 2006, a.a.O., S. 19<br />
<a title="anm71" name="anm71" href="#anm_71">71</a> vgl. Kershaw 2006, a.a.O., S. 93<br />
<a title="anm72" name="anm72" href="#anm_72">72</a> ebd., S. 95<br />
<a title="anm73" name="anm73" href="#anm_73">73</a> F&#252;r einen &#220;berblick &#252;ber unterschiedliche Erkl&#228;rungsversuche, vgl. Kershaw 2006, a.a.O., S. 106. Die Ans&#228;tze reichen hierbei von Personalisierungen, wie etwa bei Dawidowicz oder Toland, bis hin zur Argumentation<br />
der Unerkl&#228;rbarkeit, vgl. Kershaw 2006, a.a.O., S. 152f<br />
<a title="anm74" name="anm74" href="#anm_74">74</a> Callinicos 2006, a.a.O., S. 16<br />
<a title="anm75" name="anm75" href="#anm_75">75</a> ebd., S. 18<br />
<a title="anm76" name="anm76" href="#anm_76">76</a> Ein wesentliches Merkmal der „Radikalisierung des Regimes“ h&#228;tte in der Entwicklung des Staates zur unabh&#228;ngigen Quelle wirtschaftlicher Macht bestanden. Die nationalsozialistische F&#252;hrung errichtet sich eigene<br />
konkurrenzf&#228;hige &#246;konomische Staatsapparate wie etwa die Reichswerke (z.B. G&#246;ring-Werke in Linz, heute V&#214;EST) unter der Leitung von Reichsmarschall G&#246;ring. Au&#223;erdem wurden durch die territoriale Ausdehnung im Osten weitere Produktionsanlagen verf&#252;gbar gemacht, welche die nationalsozialistischen &#246;konomischen Staatsapparate gemeinsam mit den Vorgaben f&#252;r die Privatwirtschaft konkurrenzf&#228;hig gemacht haben (vgl. Callinicos 2006, a.a.O., S. 19).<br />
<a title="anm77" name="anm77" href="#anm_77">77</a> vgl. Kershaw 2006, a.a.O., S. 156<br />
<a title="anm78" name="anm78" href="#anm_78">78</a> ebd., S. 156<br />
<a title="anm79" name="anm79" href="#anm_79">79</a> vgl. Callinicos 2006, a.a.O., S. 30<br />
<a title="anm80" name="anm80" href="#anm_80">80</a> vgl. ebd., S. 25<br />
<a title="anm81" name="anm81" href="#anm_81">81</a> ebd., S. 26<br />
<a title="anm82" name="anm82" href="#anm_82">82</a> Broszat 1969, a.a.O., zit. n. Callinicos 2006, a.a.O., S. 28<br />
<a title="anm83" name="anm83" href="#anm_83">83</a> vgl. Callinicos 2006, a.a.O., S. 30<br />
<a title="anm84" name="anm84" href="#anm_84">84</a> ebd., S. 30<br />
<a title="anm85" name="anm85" href="#anm_85">85</a> ebd., S. 31<br />
<a title="anm86" name="anm86" href="#anm_86">86</a> ebd., S. 32</p>
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		<title>Out Now: Perspektiven Nr.12</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Oct 2010 18:53:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
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		<description><![CDATA[Perspektiven Nr.12 ist erschienen – Schwerpunkt: &#8220;Autorit&#228;re Antworten auf die Krise&#8221;


Der Inhalt in Kurzform:
Im Schwerpunkt:
Nicolas Schlitz und Felix Wiegand: Die FP&#214;. Nutznie&#223;erin der Krise? – Bonn Juego und Johannes Dragsbaek Schmidt: Die globale Krise und der Angriff auf die Demokratie – Interview zur Situation in Osteuropa: Im Osten nichts Neues – Hanna Lichtenberger, Veronika Duma und Tobias Boos: Hinter dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><em>Perspektiven</em> Nr.12 ist erschienen – Schwerpunkt: &#8220;Autorit&#228;re Antworten auf die Krise&#8221;</h3>
<p><span id="more-1627"></span><br />
<a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/10/p12end.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1617" title="p12end" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/10/p12end-211x300.jpg" alt="" width="211" height="300" /></a><br />
<strong>Der Inhalt in Kurzform</strong>:</p>
<p>Im Schwerpunkt:<br />
<a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/10/15/die-fpoe-nutzniesserin-der-krise/">Nicolas Schlitz und Felix Wiegand: Die FP&#214;. Nutznie&#223;erin der Krise?</a> – Bonn Juego und Johannes Dragsbaek Schmidt: Die globale Krise und der Angriff auf die Demokratie – Interview zur Situation in Osteuropa: Im Osten nichts Neues – Hanna Lichtenberger, Veronika Duma und Tobias Boos: Hinter dem Faschismus steht…?</p>
<p>Au&#223;erhalb des Schwerpunkts:<br />
Peter Hallward: Haiti. Von der Flut zum Beben – Paul Pop: Zehn Filme, die man vor der Revolution gesehen haben muss – Philipp Probst: Vom Aufstieg und Fall der Profitrate – Rezensionen und Rosinenpicken</p>
<p>Jetzt <a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/10/15/editorial-10/">Editorial</a> lesen! <a href="http://www.perspektiven-online.at/ausgaben/perspektiven-nr-12/">Perspektiven Nr. 12</a> bestellen! <a href="http://www.perspektiven-online.at/abo/">Abo </a>holen!</p>
<p>Wir w&#252;nschen interessante Lekt&#252;re, W&#252;nsche, Anregungen und Kritik sind wie immer herzlich willkommen und ausdr&#252;cklich erw&#252;nscht, am einfachsten per Mail an <a href="redaktion@perspektiven-online.at">redaktion@perspektiven-online.a</a>t !</p>
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		<title>Kampf um die Stadt. Politik, Kunst und Alltag um 1930</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 11:26:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 11]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Austromarxismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Rezension: Sonderausstellung des Wien Museums, 19. Nov. 2009 – 28. M&#228;rz 2010

Das Wien Museum am Karlsplatz widmete sich vom 19. November bis zum 28. M&#228;rz 2010 in einer seiner bisher umfangreichsten Ausstellungen der gesellschaftlichen und politischen Situation in Wien um 1930. Im Zentrum standen dabei das Rote Wien der Sozialdemokratie und das Aufkommen der reaktion&#228;ren und faschistischen Bewegungen im Kontext [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Sonderausstellung des Wien Museums, 19. Nov. 2009 – 28. M&#228;rz 2010<br />
<span id="more-1586"></span><br />
Das <em>Wien Museum</em> am Karlsplatz widmete sich vom 19. November bis zum 28. M&#228;rz 2010 in einer seiner bisher umfangreichsten Ausstellungen der gesellschaftlichen und politischen Situation in Wien um 1930. Im Zentrum standen dabei das Rote Wien der Sozialdemokratie und das Aufkommen der reaktion&#228;ren und faschistischen Bewegungen im Kontext von Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und Armut.  Die Ausstellung faszinierte vor allem durch eine Vielzahl von Originalen aus den 1930er Jahren. Eine unglaubliche F&#252;lle an Plakaten und Photos, aber auch einiger f&#252;r die damalige Zeit typischer oder neuartiger Gegenst&#228;nde wie Zapfs&#228;ulen, Leuchtreklamen oder Radios vermittelte der/m BesucherIn das Gef&#252;hl, in die Wiener 1930er Jahre einzutauchen.<br />
Wie so oft jedoch, wenn politische Inhalte in einem b&#252;rgerlichen Rahmen vermittelt werden, war dies f&#252;r ein politisch „vorbelastetes“ Publikum auch im vorliegenden Fall mit einigen Abstrichen verbunden. Am besten war die Ausstellung zu genie&#223;en, wenn man m&#246;glichst alle politischen Erwartungen und Ansichten hinten anstellte und sich „einfach“ unvermittelt auf das Pr&#228;sentierte einlie&#223; – was bei diesem Thema zugegeben nicht so einfach ist.<br />
Den historischer Rahmen der Ausstellung stellte einerseits das Rote Wien mit den bekannten Bildern von Massenaufm&#228;rschen, wehenden roten Fahnen und Menschen voller Hoffnung auf eine neue Zeit dar. Anderseits wurde die zunehmende Macht der Konservativen, Katholiken, des Adels, der Heimwehren und der Nazis thematisiert, also all jener, die vom „Weg in den Sozialismus“ nichts wissen wollten bzw. alles dagegen unternahmen, dass dieser eingeschlagen w&#252;rde. Deren regelm&#228;&#223;ige Aufm&#228;rsche und Kr&#228;ftedemonstrationen sowie die Provokationen der Heimwehren brachten damals zwar die sozialdemokratische Basis zum Kochen, wurden seitens der sozialdemokratischen F&#252;hrung jedoch nur mit Z&#246;gern und Ignoranz beantwortet. Auseinandersetzungen mit Schwerverletzten und Toten standen auf der Tagesordnung.<br />
F&#252;r politisch Interessierte hielt diese Darstellung der Ereignisse der damaligen Zeit keine Neuigkeiten bereit. Die Ausstellung fokussierte jedoch ohnehin eher auf die Menge sozialer und technischer Ver&#228;nderungen, in welche die K&#228;mpfe zwischen Rot und Schwarz beziehungsweise Braun eingebettet waren. Der gesamte &#246;ffentliche Raum wurde rund um 1930 neu gestaltet und belebt. Der sich stark ver&#228;ndernde und rasant zunehmende Verkehr sorgte f&#252;r eine vollkommene Umgestaltung des Lebens auf der Stra&#223;e. Das Tempo erh&#246;hte sich und in Konsequenz auch die Gefahren; der L&#228;rm und der Geruch nahmen zu. Auch brachte etwa der neuartige Einsatz von Leuchtreklamen und den – gerade erst aufgekommenen – &#246;ffentlichen Lautsprechern gro&#223;e Ver&#228;nderungen des Alltags der damals lebenden Menschen mit sich.<br />
Bei vielen R&#252;ckblicken auf die 1930er Jahre werden diese tiefgreifenden Ver&#228;nderungen h&#228;ufig kaum bedacht. Diese Auslassung leistete sich<em> Kampf um die Stadt</em> nicht – vielmehr stand das Alltagsleben im Wien der 1930er Jahre im Zentrum der Ausstellung. Durch diesen Fokus wurde angenehmerweise auch der in der Geschichtsschreibung verbreitete Fehler vermieden, nur die Geschichte der Herrschenden zu erz&#228;hlen.<br />
Gerade weil aber der behandelte Zeitraum derart von Widerspr&#252;chen und K&#228;mpfen gepr&#228;gt war, h&#228;ngt die Darstellung des Alltags sehr wohl auch davon ab, auf welcher „Seite“ man stand. Da es nicht im Interesse der KuratorInnen sein konnte, die subjektive Lebenssituation der aufkommenden Nazis oder des an Bedeutung schwindenden Adels nachvollziehbar zu machen, w&#228;re es naheliegend gewesen, die Ereignisse aus den Augen eines/r gl&#252;henden Sozialdemokraten/in nachzuzeichnen. Eine Ahnung von der massiven Aufbruchsstimmung bekam man in der Ausstellung aber nur durch den Anblick der sozialdemokratischen (Wahl-)Plakate. Die angebotenen, von einem gelangweilten Ton getragenen F&#252;hrungen durch die Ausstellung arbeiteten demgegen&#252;ber einer emphatischen Betrachtung der Ereignisse eher entgegen. Sie f&#252;gten sich durch entpolitisierte Ausf&#252;hrungen und den Erz&#228;hlstil des „Experten“ nur zu gut in das gesamte Muster der Ausstellung.<br />
Besonders deutlich war dies anhand einer Installation zu sehen, bei der in einem etwas verdunkelten Raum kurze Ausschnitte aus zeitgen&#246;ssischen politischen Reden im Originalton zu h&#246;ren waren. Dabei sollten die verschiedenen Redestile von Politikern anschaulich gemacht und gegen&#252;ber gestellt werden: der alte, die Massen &#252;berschreiende Stil im Gegensatz zum neuen, ruhig ins gerade erst aufkommende Mikrophon Sprechende. Dies ist zwar kein uninteressantes Ph&#228;nomen, jedoch war der „technische“ Fokus allein auf den Redestil gelegt – es wurde nicht thematisiert, ob der Redner „Tod allen Juden!“ oder „Es lebe das Proletariat!“ schreit. Ein weiteres Beispiel f&#252;r die entpolitisierte Herangehensweise der KuratorInnen. Insgesamt vermittelten die Darstellung und Aufbereitung der Themen und Ereignisse den Eindruck, als w&#228;re zwischen den reaktion&#228;r-faschistischen und den linken und antifaschistischen Kr&#228;ften kein Unterschied zu machen.<br />
Auch der Versuch, die gesellschaftlichen Entwicklungen in einzelne, sauber von einander getrennte Themenbereiche und Ausstellungsr&#228;ume zu unterteilen, wirkte aus einer politischen Perspektive nicht gegl&#252;ckt, lassen sich doch gerade in einer so bewegten Zeit gesellschaftliche Themen nicht isoliert voneinander betrachten. Zudem herrschte die bedenkliche Tendenz vor, die Sozialdemokratie und die konservativ-reaktion&#228;ren Kr&#228;fte in diesen R&#228;umen anhand eines Schlagwortes auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen – um sie dann erst innerhalb dieses vage vorgegebenen Rahmens auf ihre Unterschiede hin zu untersuchen. Nat&#252;rlich musste in der Gestaltung der Ausstellung wohl ein Kompromiss zwischen der detaillierten Darstellung der K&#228;mpfe – auch in ihren Widerspr&#252;chen – und einer massentauglichen Aufbereitung der Inhalte gefunden werden.<br />
Trotzdem war es bei der F&#252;hrung manchmal zuviel des Guten: So endete diese im Raum zur „politischen Gewalt“.  Als der Experte, der durch die Ausstellung f&#252;hrte, schlie&#223;lich bei der Schilderung der Ereignisse rund um den Brand des Justizpalastes anmerkte, dass dies wohl die gewaltt&#228;tigste Aktion „bis dato“ war, sank die Lust, den Ausf&#252;hrungen weiter zu lauschen, stark ab: „War da nicht kurz vorher ein Weltkrieg?“ Noch eine kurze Geschichte zu einem Einschussloch in einem Pokal musste man &#252;ber sich ergehen lassen, und es war &#252;berstanden. Im kurzen Schlagabtausch mit einer anderen Besucherin dar&#252;ber, ob und wie entpolitisiert man diese Ereignisse darstellen darf/kann, bzw. wie sehr BesucherInnen mit gewissen Darstellungsweisen „indoktriniert“ oder doch eher nur „konfrontiert“ werden, wurde indes klar, dass die gew&#228;hlte Darstellungsweise der Ausstellung durchaus auch ihr Publikum hat.<br />
Das Buch zur Ausstellung hingegen ist jeder/m nur w&#228;rmstens zu empfehlen. Darin enthalten sind nicht nur die Fotos aller(!) Ausstellungsst&#252;cke – was besonders aufgrund der gro&#223;en Anzahl von Plakaten und Fotos imponiert – sondern auch eine Menge an Text in Form von Erkl&#228;rungen, Erz&#228;hlungen, Berichten und Statistiken. Auf knapp 600 Hochglanzseiten findet die/der Interessierte eine Unmenge an Material zum gem&#252;tlichen Schm&#246;kern, Studieren und Wundern vom Sofa aus&#8230; ganz ohne langweilige Expertisen, im Weg stehende Menschen und Rauchverbot. Nicht zuletzt wird hier auch abseits aller politischen Nivellierungen der Ausstellung die bremsende und kalmierende Rolle der sozialdemokratischen F&#252;hrung im Kampf gegen die aufkommenden FaschistInnen aktiv thematisiert. </p>
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		</item>
		<item>
		<title>21.12. &#8211; Diskussionsveranstaltung: Ungarn 1989</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 12:45:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>

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		<description><![CDATA[1989 &#8211; Konterrevolution gegen Konterrevolution
Vortrag und Diskussion mit G. M. Tamás
21. 12. 2009, 18:30 Uhr
Ost-Klub, Schwarzenbergplatz 10, 1040 Wien
Organisiert von grundrisse, Streifz&#252;ge und Perspektiven



G. M. Tamás war w&#228;hrend der Wende Dissident, von 1990 bis 1994 Abgeordneter im ungarischen Parlament und ist heute ein bekannter linker Intellektueller. An diesem Abend spricht G. M. Tamás &#252;ber den Charakter der Proteste von 1989, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><span lang="DE">1989 &#8211; Konterrevolution gegen Konterrevolution</span></h3>
<p><strong><span lang="DE">Vortrag und Diskussion mit G. M. Tamás</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span lang="DE">21. 12. 2009</span><span lang="DE">, 18:30 Uhr</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span lang="DE">Ost-Klub, Schwarzenbergplatz 10, 1040 Wien</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span lang="DE">Organisiert von <a href="http://www.grundrisse.net" target="_blank">grundrisse</a>, <a href="http://www.streifzuege.org/" target="_blank">Streifz&#252;ge </a>und Perspektiven<br />
</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span lang="DE"><a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/12/ungarn89.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-629" title="Dalos_Vorhang2.indd" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/12/ungarn89-300x244.jpg" alt="Dalos_Vorhang2.indd" width="300" height="244" /></a><br />
</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">G. M. Tamás war w&#228;hrend der Wende Dissident, von 1990 bis 1994 Abgeordneter im ungarischen Parlament und ist heute ein bekannter linker Intellektueller. An diesem Abend spricht G. M. Tamás &#252;ber den Charakter der Proteste von 1989, &#252;ber die auf den Regimewechsel folgende neoliberale „Schocktherapie“ sowie deren wirtschaftliche und politische Folgen in den L&#228;ndern des ehemaligen „real existierenden Sozialismus“. Dabei zeigt er, dass es bis heute vor allem die extreme Rechte ist, die mit nationalistischer und faschistischer Rhetorik die Widerst&#228;nde gegen die neoliberalen Reformregierungen in Osteuropa f&#252;r sich vereinnahmt und so die politische Landschaft entscheidend pr&#228;gt.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE">Lekt&#252;re-Tipp: <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=474" target="_self">G. M. Tamás zum Neofaschismus in Ungarn</a>, erschienen in <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=561" target="_self">Perspektiven Nr. 8</a>.<br />
</span></p>
<p class="MsoNormal">
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		</item>
		<item>
		<title>„Dreiviertel-faschistisches Klima“</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2009/06/13/dreiviertel-faschistisches-klima/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 12:40:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 8]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>

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		<description><![CDATA[W&#228;hrend die Medien hierzulande meist auf nicht n&#228;her beschriebene Regierungsproteste fokussieren, zeichnet <em>G. M. Tamás</em> ein ganz anderes Bild des derzeitigen gesellschaftspolitischen Klimas in Ungarn. <em>Veronika Duma</em> und <em>Julia Hartung</em> sprachen mit dem in Ungarn lebenden linken Intellektuellen &#252;ber offen faschistisch auftretende Truppen in den Stra&#223;en Budapests, weit verbreiteten Antiziganismus in der Bev&#246;lkerung und wieso es so schwierig ist, sich im politischen Spektrum Ungarns als links und zugleich gegen die NATO zu positionieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>W&#228;hrend die Medien hierzulande meist auf nicht n&#228;her beschriebene Regierungsproteste fokussieren, zeichnet <em>G. M. Tamás</em> ein ganz anderes Bild des derzeitigen gesellschaftspolitischen Klimas in Ungarn. <em>Veronika Duma</em> und <em>Julia Hartung</em> sprachen mit dem in Ungarn lebenden linken Intellektuellen &#252;ber offen faschistisch auftretende Truppen in den Stra&#223;en Budapests, weit verbreiteten Antiziganismus in der Bev&#246;lkerung und wieso es so schwierig ist, sich im politischen Spektrum Ungarns als links und zugleich gegen die NATO zu positionieren.<br />
<span id="more-474"></span><br />
<em>Die Lage im Nachbarland Ungarn ist in der &#246;sterreichischen &#214;ffentlichkeit wenig pr&#228;sent. Neben Nachrichten &#252;ber die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und Auseinandersetzungen in der (noch) von den Sozialdemokraten dominierten Regierung erreichen uns nur vereinzelt erschreckende Meldungen &#252;ber die pogromhafte Stimmung gegen Roma sowie durch die Stra&#223;en marschierende, faschistoide Gruppierungen. Die extreme Rechte l&#228;sst vollmundig verlautbaren, ihr Ziel sei es, die „linksliberale“ Regierung zu st&#252;rzen. Kannst du eine kurze Situationsbeschreibung geben? Was tut sich zurzeit am rechten Rand in Ungarn?</em></p>
<p>Ich denke, es herrscht wirklich eine rechtsextreme Stimmung im Land. Diese wird vor allem vom jungen Mittelstand getragen: von Intellektuellen, BeamtInnen, StudentInnen, LehrerInnen, &#196;rztInnen usw. Diese Stimmung ist aber auch stark in den D&#246;rfern zu sp&#252;ren, wo die Roma-Bev&#246;lkerung lebt.<br />
Das hat unter anderem viel mit dem Scheitern der Politik der letzten Jahre zu tun. Die so genannte linksliberale sozialdemokratische Regierung hat eine konsequent neoliberale Wirtschafts- und neokonservative Sozialpolitik betrieben – dagegen gab und gibt es gro&#223;en Widerstand.<br />
Au&#223;erdem werden in Ungarn alte Feindbilder heraufbeschworen, wenn es darum geht, Verantwortliche f&#252;r die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes zu finden. So ist etwa von „Judobolschewisten“, also von ehemaligen Kommunisten, die jetzt Milliard&#228;re sein sollen, die Rede; von „den Juden“ – den „Agenten des kosmopolitischen Weltkapitalismus“ – und von den Roma, die in der rechten Presse als „genetische Sch&#228;dlinge“ bezeichnet werden. Und nat&#252;rlich auch vom Ausland, von „dem Westen“. Es kann durchaus von einem dreiviertel-faschistischen Klima gesprochen werden. Gewalttaten sind keine Seltenheit: haupts&#228;chlich wird – noch – psychischer Terror ausge&#252;bt, aber es gab auch schon Attentate, Serienmorde an Roma. Sozialistische und liberale PolitikerInnen werden bespuckt, verpr&#252;gelt usw. Ein neofaschistisches Terrorkommando aus Ungarn wurde j&#252;ngst in Bolivien enttarnt und gefangen genommen. Sie waren im Dienste der wei&#223;-suprematistischen Kr&#228;fte in der Region Santa Cruz, wo sie gegen das linkssozialistische Regime Evo Morales’ gewaltt&#228;tig vorgehen sollten. Die Stimmung in Ungarn ist wirklich sehr angespannt.<br />
Das angeblich so fortschrittliche Regierungslager verliert gerade den letzten Rest an Popularit&#228;t. In dieser Lage entstehen nat&#252;rlich auch neue Str&#246;mungen. Unter diesen sind auch ein paar wenige linkgerichtete Kr&#228;fte zu fi nden, aber vor allem gibt es eine aus rechter Sicht viel versprechende, junge faschistische Partei mit dem Namen <em>Jobbik</em>, was „die Bessere“ oder auch „die Rechte“ hei&#223;t – das ist ein Wortspiel. Diese Partei verf&#252;gt auch &#252;ber paramilit&#228;rische Truppen, die „Ungarischen Garden“, die in den faschistischen Uniformen der Pfeilkreuzler<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> aus den drei&#223;iger Jahren auf und ab marschieren und in Sch&#252;tzenvereinen den Umgang mit Waffeen trainieren.<br />
Das k&#252;ndigen sie &#252;brigens auch ganz offen an. Diese paramilit&#228;rischen Einheiten werden gemeinsam mit den so genannten B&#252;rgerwachen (halbamtlichen „Vigilanten“) in einigen Gebieten Ungarns von gro&#223;en Teilen der Bev&#246;lkerung als Aufrechterhalter der &#246;ff entlichen Ordnung anerkannt und sogar von B&#252;rgermeistern pers&#246;nlich gebeten, durch die Stra&#223;en zu patrouillieren und Pr&#228;senz zu zeigen. Das ist wirklich schlimm.<br />
Es gibt kaum kritische Reflexionen oder Analysen der derzeitigen Situation. Moderate Kr&#228;fte, Linksliberale oder SozialdemokratInnen schreien zwar ab und zu etwas von Weimar und Faschismus, eine fundierte Analyse der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse bleibt jedoch aus.</p>
<p><em>Welche Verbindungen bestehen zwischen der parlamentarischen Rechten und den offen auftretenden neofaschistischen Bewegungen?</em></p>
<p>Sie sind Rivalen, sie sind Feinde und sie sind Verb&#252;ndete. Nat&#252;rlich m&#246;chte die parlamentarische Rechte nicht ihre Stimmen verlieren.<br />
Allgemein kann gesagt werden, dass das ganze politische Spektrum sich stark nach Rechts verschoben hat. Die militante und rechtsextreme Basis tr&#228;gt auch ihren Teil dazu bei, dass die parlamentarische Rechte immer weiter nach Rechts r&#252;ckt. Die Rechten, Konservativen und Nationalisten im Parlament m&#252;ssen also ein bisschen mit diesen Positionen jonglieren. Einige konservative PolitikerInnen stehen den Rechtsextremen n&#228;her, andere wieder weniger.<br />
Die Rivalit&#228;t ist wie gesagt stark, und rechte PolitikerInnen achten sehr darauf, taktisch vorzugehen. Ein Beispiel: In Ungarn gibt es eine Zeitung, <em>Magyar Hirlap</em>, die einzige nationalsozialistische Tageszeitung in Europa, die ohne Bedenken und Probleme off en rassistische, antisemitische und hetzerische Artikel ver&#246;ff entlichen kann. Fr&#252;her war diese Zeitung liberal, und ich habe selbst darin geschrieben. Heute gibt es einen neuen Eigent&#252;mer, einen Milliard&#228;r und Rechtsextremen. Diese Zeitung unterst&#252;tzt jetzt wahlpolitisch die parlamentarische Rechte. Konservative Politiker geben in dieser Zeitung Interviews und niemand protestiert! Die Grenzen zwischen der parlamentarischen Rechten und den Rechten auf der Stra&#223;e sind also kaum noch vorhanden. Es gibt schon seit langem keine Ber&#252;hrungs&#228;ngste mehr. Antisemitische, rassistische und homophobe PolitikerInnen und bekannte Intellektuelle vertreten ihre Ansichten &#246;ffentlich in Talkshows und in den diversen Medien, und niemand versucht, sie zu delegitimieren.</p>
<p><em>Rechtextreme bzw. neofaschistische Parteien und Gruppierungen gibt es in ganz Europa – und sie scheinen sich im Aufwind zu befi nden. Trotzdem bestehen gro&#223;e nationale Unterschiede in Ausrichtung und Auftreten. Inwiefern lassen sich die St&#228;rke und der besondere Charakter der ungarischen Rechten aus der spezifischen historischen Entwicklung Ungarns erkl&#228;ren?</em></p>
<p>Ich denke, der Aufstieg der Rechten in Ungarn ist gar nicht so spezifi sch, wie es scheint. So existieren z.B. verbl&#252;ffende &#196;hnlichkeiten mit Italien und anderen L&#228;ndern in Europa. Selbst in solchen mit einer langen liberalen Tradition, wie den Niederlanden oder D&#228;nemark, besteht eine gewisse Legitimit&#228;t f&#252;r rassistische Kr&#228;fte, die teilweise ja sogar in Regierungen vertreten sind.<br />
Es gibt nat&#252;rlich schon Unterschiede, aber eben auch viele &#196;hnlichkeiten. Eine davon ist, dass es in all diesen L&#228;ndern eine sehr hohe Zahl an staatsabh&#228;ngigen Bev&#246;lkerungsgruppen gibt: RentnerInnen, BeamtInnen, Intellektuelle usw. Die lange Krise, die Ende der 1970er Jahre einsetzte, hat dazu gef&#252;hrt, dass sich die Ressourcen des Wohlfahrtsstaates stark verringert haben. Folglich herrscht ein immer gr&#246;&#223;erer Wettbewerb um eben diese staatlichen Ressourcen zwischen verschiedenen Bev&#246;lkerungsgruppen. Es scheint lediglich die Wahl zwischen zwei, vermeintlich gegens&#228;tzlichen Alternativen zu bestehen: entweder, die „ehrliche, hart arbeitende“ Mittelschicht wird die Unterst&#252;tzung des Staates erhalten, oder die Unterschicht, d.h. die Armen, die MigrantInnen usw. Die zweite M&#246;glichkeit st&#246;&#223;t momentan nicht gerade auf Zustimmung. Den &#196;rmsten die staatliche Unterst&#252;tzung zu entziehen, bedarf nat&#252;rlich einer Legitimation. Genau das ist in Ungarn gerade zu beobachten. Die untersten Klassen werden kriminalisiert und als zweitrangige „Rasse“ bezeichnet. Es kann von einer Politik der „non-deserving poor“ gesprochen werden. Die Armen, die ArbeiterInnenklasse, die Arbeitslosen usw. werden von vornherein kriminalisiert, verdammt und ideologisch delegitimiert. In Ungarn wie in anderen osteurop&#228;ischen L&#228;ndern auch gibt es z.B. eine Stimmung gegen RentnerInnen. Das ist wirklich scheu&#223;lich. Alte Leute sollen auf den M&#252;ll, die sind nicht mehr aktiv, nicht mehr Wert schaff end usw. Dieser Konflikt zwischen den Mittelschichten und den so genannten Inaktiven, also den RentnerInnen, Arbeitslosen, MigrantInnen, und nat&#252;rlich den Roma usw. spielt zur Zeit eine prominente Rolle im politischen Leben und in der &#214;ffentlichkeit. Das ist wirklich vergleichbar mit einer Strafexpedition gegen die &#196;rmsten, also gegen jene Leute, die am abh&#228;ngigsten von der staatlichen Sozialpolitik sind. Der Staat wird so umgebaut, dass dieser die &#196;rmsten ausschlie&#223;t und in erster Linie zu einem militanten Vertreter der Mittelschicht wird. Das war immer die Taktik des Faschismus. Nat&#252;rlich gibt es einige Ver&#228;nderungen: im Faschismus herrschte ein Wettbewerb um staatliche Ressourcen auch zwischen und innerhalb des Mittelstandes – es gab ja schlie&#223;lich auch einen j&#252;dischen Mittelstand. Und im „klassischen“ Faschismus gab es die Strategie der vorbeugenden Konterrevolution gegen die damals noch revolution&#228;ren (und im Falle von Rotfront, Schutzbund und Reichsbanner teilweise auch bewaffneten) „marxistischen“ Massenparteien, die es jetzt nicht mehr gibt. Was es jedoch noch gibt, ist der Klassenkampf von oben. Rassismus, Angst vor Kriminalit&#228;t oder die Sicherheitshysterie k&#246;nnen demzufolge als Elemente der Strategie eines B&#252;ndnisses zwischen Gro&#223;kapital und den nicht Mehrwert produzierenden, staatsabh&#228;ngigen Mittelschichten verstanden werden. Das ist ein Klassenkampf von oben nach unten, ein einseitiger Klassenkampf, ein Klassenkampf der Bourgeoisie.</p>
<p><em>Da paart sich die kapitalistische Logik der Bewertung der Menschen nach &#246;konomischen Gesichtspunkten mit einem antihumanistischen, menschenverachtenden Diskurs.</em></p>
<p>Ja, das geht sehr sch&#246;n zusammen. Diese radikalisierten Mittelschichten suchen nach Gruppen, die man von staatlicher Sozialpolitik ausschlie&#223;en k&#246;nnte. Sie sind gegen Schwule und Lesben, gegen J&#252;dInnen, gegen Ausl&#228;nderInnen, gegen Roma, gegen Linke, gegen Liberale und sie sind nat&#252;rlich auch frauenfeindlich. Die neuen Sozialreformen bringen zum Beispiel sehr viele Nachteile f&#252;r junge M&#252;tter mit sich. In der Krise sollen als erstes Frauen entlassen werden, denn die geh&#246;ren zur&#252;ck in die Familie usw. Die Rechte besteht vor allem aus wei&#223;en, heterosexuellen, maskulinistischen jungen M&#228;nnern.<br />
Zudem herrscht hier eine Stimmung, die amerikanische Sozialpsychologen als Moralpanik bezeichnet haben. &#220;berall ist die Rede von der angeblich &#252;berhand nehmenden „Zigeunerkriminalit&#228;t“. Tats&#228;chlich ist die Kriminalit&#228;tsrate in Ungarn nat&#252;rlich nicht h&#246;her als fr&#252;her. Die rechte Presse sagt dazu einfach: die Statistik l&#252;gt.<br />
Die Feindschaft gegen&#252;ber Roma und Sinti steigt. Die Rechten konnten diese Situation gut ausnutzen. Auch und besonders in den D&#246;rfern findet die extreme Rechte einen starken R&#252;ckhalt. Warum ist das so? Die D&#246;rfer sind ja bettelarm. Es gibt kaum mehr ungarische Landwirtschaft, denn die wurde in den 1990er Jahren zerst&#246;rt. Die DorfbewohnerInnen k&#246;nnen also nicht mehr von der Landwirtschaft leben. In den armen D&#246;rfern leben au&#223;erdem viele Roma und Sinti. Auch das kann erkl&#228;rt werden. In den letzten zwei Jahrzehnten des Staatskapitalismus sowjetischen Typs bestand in der Industrie – speziell in der Bergbau- und Bauindustrie – ein gro&#223;er Bedarf an ungelernten Arbeitskr&#228;ften. Diesen Bedarf deckten damals vor allem die in diesen Industriezweigen arbeitenden Roma und Sinti. Die Bergbau- und Bauindustrie wurde ma&#223;geblich von Roma und Sinti getragen. Diese waren immer PendelarbeiterInnen. Sie wohnten nicht in den St&#228;dten, in denen sie arbeiteten, sondern in den D&#246;rfern. Als diese Industrien jedoch Pleite gingen, waren die ArbeiterInnen gezwungen, in die D&#246;rfer zur&#252;ckzukehren. Dort gab es keine Arbeit, man konnte und kann auch heute nur von der Sozialhilfe leben. Eine andere M&#246;glichkeit gibt es nicht. Die Lage ist verzweifelt.</p>
<p><em>Du hast bereits angedeutet, dass auch in Ungarn einzig die Rechte die soziale Frage aufgegriff en hat. Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem neoliberalen Kahlschlag nach 1989 und dem Erfolg der Rechten?</em></p>
<p>Es besteht nat&#252;rlich ein direkter Zusammenhang. Nach der Wende konnte der bis dahin gut verteidigte Binnenmarkt der „sozialistischen“ L&#228;nder dem internationalen Wettbewerb nicht standhalten. Mit dem Ende der Sowjetunion gingen binnen k&#252;rzester Zeit etwa zwei Millionen Arbeitspl&#228;tze verloren – und das in einem Land mit insgesamt zehn Millionen EinwohnerInnen. In der Politik, in den politischen und kulturellen Eliten in ganz Osteuropa – nicht nur in Ungarn – wurde dieser Tatsache jedoch kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dar&#252;ber diskutierte man ganz einfach nicht. Das Th ema wurde behandelt, als w&#252;rde es sich um eine exotische Erscheinung irgendwo in der Ferne handeln. Nur die Rechte hat w&#228;hrend der langen Jahre der so genannten sozial-liberalen Herrschaft gelernt, dass ein Auftreten gegen soziale Abbauma&#223;nahmen oder die K&#252;rzungen der Sozialausgaben in der Bev&#246;lkerung auf gro&#223;e Zustimmung st&#246;&#223;t. Die Rechten haben dieses Terrain sehr moderat besetzt, nat&#252;rlich ohne etwas Konkretes vorzuschlagen. Die sind wirklich sehr schlau. Sie n&#252;tzen sehr selektiv einige Elemente dieser diff usen sozialen Unzufriedenheit.<br />
Die Wende war damals mit gro&#223;en politischen und kulturellen Hoffnungen, mit Ideen der Freiheit und der individuellen Rechte verkn&#252;pft. Ich selbst z&#228;hlte zu den Bef&#252;rwortern der Wende als ein ehemaliger „Andersdenkender“ unter Berufsverbot, ich hielt Reden auf Demonstrationen und wurde sp&#228;ter Parlamentsabgeordneter. Ich war ein Liberaler und in der Opposition. Ich habe meine politischen Ansichten gr&#252;ndlich ver&#228;ndert. Heute bin ich, seit, sagen wir etwa zehn Jahren, Marxist. Das ist ziemlich selten, die Leute gehen diesen Weg sonst immer in die andere Richtung. Als jemand, der eine gewisse Rolle bei der Gr&#252;ndung dieser Republik gespielt hat, habe ich eine bestimmte Autorit&#228;t. Meine Situation ist eine seltsame Ausnahme. Trotzdem: Wenn ich heute in meinen Schriften oder bei &#246;ff entlichen Auftritten das Wort „Arbeiter“ erw&#228;hne, dann lachen die Leute. Auch wenn ich „Gewerkschaften“ sage, lacht das Publikum immer. Das ganze Vokabular der linken Tradition ist einfach verschwunden, die Leute sind nicht mehr daran gew&#246;hnt. Es ist vergessen, nach 40 Jahren angeblich „marxistisch-leninistischer“ Indoktrinierung.<br />
Die aktuelle politische Lage stellt sich f&#252;r die meisten Leute als ein Konflikt zwischen Liberalen und Autorit&#228;ren, zwischen ModernisiererInnen und NationalistInnen, zwischen Leuten aus dem imagin&#228;ren Westen und solchen aus dem erfundenen Osten dar. Dass es ein soziales Problem gibt, wird im Allgemeinen nicht beachtet. Das ist in ganz Osteuropa &#228;hnlich. Auch wird das politische Spektrum auf eine ganz spezielle Art und Weise wahrgenommen. Links sein bedeutet hier antirassistisch, feministisch, nicht nationalistisch und antiautorit&#228;r zu sein, aber eben auch pro-amerikanisch, wirtschaftsliberal und okzidentalisch. Quasi ein amerikanischer Liberaler in Osteuropa. Ich wurde einmal gefragt: „Sie sind ein Linker und sind gegen die Nato? Wie geht das zusammen?“ In der vorherrschenden &#246;ff entlichen Meinung geh&#246;ren Menschenrechte, Feminismus, Rechte f&#252;r Homosexuelle, Rechte f&#252;r Einwanderer, f&#252;r Minderheiten und der Neoliberalismus zusammen. Wenn wir in der „Gr&#252;nen Linken“ als eine neue linke Kraft sagen, dass wir feministisch sind, gegen Diskriminierung usw., dann bekommen wir oft zu h&#246;ren: „Ach, ihr seid wie die Liberalen.“ Dieser Umstand muss unbedingt mitbedacht werden, wenn man &#252;ber das politische Spektrum in Osteuropa spricht. Als Linke in Ungarn m&#252;ssen wir an diesem Schema r&#252;tteln. Nat&#252;rlich m&#252;ssen wir einige der Inhalte, die hier als liberal gelten, trotzdem verteidigen. Das verstehen sehr wenige Leute – das ist verwirrend! Die Liberalen sagen: „Der Herr Tamás ist sehr anst&#228;ndig, er ist gegen die Faschisten, aber er hat da diese Vorurteile gegen den Kapitalismus“. Und die Rechten sagen: „Ja ja, er ist gegen die Neoliberalen, das ist gut, aber er ist doch ‚fremdherzig’, kein wirklicher Ungar.“ Das ist verr&#252;ckt! Ich denke, mit der Zeit werden die klassischen Fronten wieder hergestellt werden. Aber f&#252;r den Moment besteht eine Verwirrung.</p>
<p><em>Wir w&#252;rden nun gerne noch einmal genauer auf die offen neofaschistischen Kr&#228;fte zu sprechen kommen. Immer wieder tauchen Bilder, insbesondere von den „Ungarischen Garden“ in den Medien auf, die schockieren. Kannst du deren Auftreten schildern?</em></p>
<p>Die „Ungarische Garde“ ist nur eine von mehreren paramilit&#228;rischen Gruppierungen. Es gibt andere, die noch viel schlimmer sind. Diese Truppen zeugen von der St&#228;rke der Rechten. Sie &#252;ben – zumindest im Moment – psychologischen Terror aus. Physischer Terror ist noch verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig selten, trotzdem gibt es schon Tote. Sie haben Rituale der Weihe, marschieren in Reih und Glied durch die Stra&#223;en und sie f&#252;hren dabei die Fahne der Pfeilkreuzler, also offen faschistische Symbole, mit sich. In ihren Reden sprechen sie immer von der Vernichtung und dem Ausschluss der „Fremdherzigen“ oder Fremden. Dabei sind die paramilit&#228;rischen Einheiten sehr darauf bedacht, nicht gegen das Strafgesetzbuch zu versto&#223;en. Manchmal kommt das nat&#252;rlich trotzdem vor. Letzte Woche fand z.B. ein Ritual am Grab eines jungen M&#228;dchens statt, das im 19. Jahrhundert verstarb. Damals wurden Juden in einem antisemitischen Prozess angeklagt, Blutschande und Ritualmord begangen zu haben. Die Rechtsextremen halten an dem antisemitischen Mythos des „j&#252;dischen Ritualmords“ fest und bewahren das Andenken an dieses M&#228;dchen. An dem Grab gab es eine Kundgebung, bei der einer der Leiter einer kleineren rechtsau&#223;en Organisation folgendes gesagt hat: „Unsere Vorahnen haben die Turbane der T&#252;rken, gegen die wir gek&#228;mpft haben, mit N&#228;geln an ihren K&#246;pfen befestigt. Sollen wir das mit der Kippa auch tun?“ Und die Anwesenden gr&#246;lten: „Ja!“. Ein weiteres Beispiel: vor einigen Tagen gab es eine Kundgebung der „Ungarischen Garde“ gegen die „Holocaustl&#252;ge“ im Budapester Burgpalast. Der Genozid an den Juden, so einer der Redner, h&#228;tte nie stattgefunden und es waren Transparente mit Parolen wie „Das Dritte Reich schl&#228;gt zur&#252;ck“ und „White Power“ und &#228;hnliches zu sehen.</p>
<p><em>Gibt es keinen Paragraphen gegen Volksverhetzung?</em></p>
<p>Theoretisch schon. Aber kein Gericht wagt es zur Zeit, solche Verurteilungen vorzunehmen. Das ist wie in Weimar der 1930er. Ich gebe euch ein Beispiel: die „Ungarische Nationalfront“ hat gerade einen Prozess gegen die Polizei gewonnen. Der „Nationalfront“ wurde vorgeworfen, zur Ermordung von PolizistInnen aufzurufen. Das war aber nicht der Fall – sie riefen „nur“ zur Ermordung des Premierministers auf! Die Polizei musste eine halbe Million Forint zahlen und sich &#246;ff entlich, also in der Presse, entschuldigen. Das haben sie dann auch tats&#228;chlich getan. Sie haben sich entschuldigt. In der Presse!<br />
Neben ganz off en antisemitischen, antiziganistischen und rassistischen &#196;u&#223;erungen in der (rechten) Presse gibt es auch genug implizite Zeichen, die von der hohen Akzeptanz rechtsextremen Gedankenguts zeugen. Ein Beispiel ist die Rehabilitierung des einstigen Reichsverweser und k. u. k. Vizeadmirals Nikolaus von Horthy, der ein Verb&#252;ndeter Nazi-Deutschlands war und offen antisemitisch agierte<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a>. Er war hauptverantwortlich f&#252;r den Wei&#223;en Terror in der Zeit von 1919-20, f&#252;r die <em>numerus clausus</em>-Gesetze in den 1920er Jahren und f&#252;r die antij&#252;dischen „Rassengesetze“ von 1938. Er war derjenige, der nach der deutschen Besatzung im M&#228;rz 1944 die Kollaborationsregierung ernannt hat und die Verschleppung und Ermordung von sechshunderttausend ungarischen Juden und J&#252;dinnen verordnet und t&#252;chtig vollstreckt hat. Heute gibt es Statuen von ihm, und einige Fresken, auf denen er als Befreier erscheint, wurden restauriert. Einen weiteren Fall stellt der ebenfalls rehabilitierte Graf von Teleki dar, unter dessen Wirken als Premierminister antisemitische Gesetze verabschiedet wurden. Seine Reden werden von einem gro&#223;en Universit&#228;tsverlag ver&#246;ff entlicht – nicht etwa von kleinen faschistischen Organisationen. Bei all dem ist es wichtig zu verstehen, dass die Situation in allen osteurop&#228;ischen L&#228;ndern &#228;hnlich ist. Aber auch in Italien und anderen westeurop&#228;ischen L&#228;ndern gibt es vergleichbare Ph&#228;nomene.</p>
<p><em>Neofaschistische Gewalt&#228;terInnen m&#252;ssen also von Seiten des Staates nicht mit Repression rechnen?</em></p>
<p>Nein.</p>
<p><em>Es gab ja Prozesse zu den &#220;berf&#228;llen auf Sinti und Roma, bei denen es auch zu Todesf&#228;llen gekommen ist. Mussten sich die T&#228;terInnen nicht zumindest vor Gericht verantworten?</em></p>
<p>Die T&#228;terInnen sind nicht gefasst worden. In dem Dorf Tatárszentgy&#246;rgy wurde, wie ihr wahrscheinlich geh&#246;rt habt, das Haus einer Familie angez&#252;ndet und anschlie&#223;end der fliehende Vater zusammen mit seinem f&#252;nfj&#228;hrigen Sohn erschossen. Die T&#228;terInnen wurden bis heute nicht ausfindig gemacht. In demselben Dorf wurde auch die Wohnung der Vorsitzenden des lokalen Rats der Roma und Sinti angez&#252;ndet – ebenfalls keine T&#228;ter. Daf&#252;r hat die Polizei schon w&#228;hrend den laufenden Ermittlungen verk&#252;ndet, dass sie die Roma selbst hinter diesen Attentaten vermutet. Solche Erkl&#228;rungen sind eigentlich streng verboten. Sie haben kein Recht, dar&#252;ber zu sprechen. Seit etwa 15 Jahren gibt es verst&#228;rkt Judenhetze und rassistische &#220;bergriffe – und kein einziges Urteil dagegen.<br />
Ein weiteres Beispiel: f&#252;r den Posten des Premierministers, der von der sozialistischen Partei gestellt werden sollte, war der bekannte Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Pr&#228;sident der Nationalbank Dr. Gy&#246;rgy Surányi im Gespr&#228;ch. Eine rechte Zeitung ist daraufhin mit gelbem Davidstern auf dem Titelblatt erschienen. Es gab eine Demonstration vor dem Haus von Dr. Surányi, bei der dieser sich „Saujud“ und andere Beschimpfungen anh&#246;ren musste. Herr Surányi ist daraufhin zu der rechtskonservativen Partei im Parlament gegangen – diese sollte ihn gegen die antisemitischen Attacken verteidigen. Sie lehnte ab.</p>
<p><em>Die neofaschistische Propaganda bedient sich verschiedener Feindbilder. Sie hetzt gegen Roma, J&#252;dinnen und Juden und sozial Schwache. Welche Versatzst&#252;cke des neofaschisischen Weltbilds sind au&#223;erdem zu beobachten?</em></p>
<p>Antikommunismus spielt nat&#252;rlich eine bedeutende Rolle. Es gibt zwei Spitzen dieser Offensive. Kommunisten sind nach dieser Logik alle, die eine Rolle in der ehemaligen Staatspartei gespielt haben. Die meisten von denen sind heute in Wirklichkeit arme Rentner, altmodische Leute, sagen wir leninistische Konservative. Ich habe damals gegen sie gek&#228;mpft, als sie noch keine Rentner waren. Manche von ihnen sind heute meine politischen Verb&#252;ndeten.<br />
Es herrscht die Meinung vor, dass Leute, die Teil dieser Eliten waren, kein Recht haben, reich zu sein oder Einfluss zu haben. Es gibt hier eine populistische Tendenz der Abgrenzung gegen die alten, aber auch gegen die neuen „Eliten“. Das ist die eine Sache. Und das vermischt sich aktuell auch mit Propaganda gegen aktuelle, fortschrittlichere Tendenzen. Die Neokonservativen sagen, das „Social Engineering“ der Linken f&#252;hre immer zum Gulag, die Nationalkonservativen sagen, wir w&#228;ren Internationalisten und keine Ungarn.<br />
Zugleich wird hochoffiziell f&#252;r eine Art Kastensystem pl&#228;diert. Bekannte Intellektuelle sind &#246;ffentlich gegen das allgemeine Wahlrecht eingetreten. Menschen, die nicht selbst verdienen, sondern Sozialhilfe und staatliche Unterst&#252;tzung erhalten, sollen nicht w&#228;hlen d&#252;rfen. Auch in Rum&#228;nien hat man vorgeschlagen, dass RentnerInnen nicht mehr w&#228;hlen d&#252;rfen sollten. Und kein Skandal! Obwohl diese Forderung von ber&#252;hmten und anerkannten Personen verlautbart wurde.</p>
<p><em>Welche Reaktionen kommen von der Sozialistischen Partei?</em></p>
<p>Sie steuert all dem nicht gerade entgegen. Sie tritt zwar rhetorisch gegen Rassismus an, hat jedoch vor nicht allzu langer Zeit selbst eine rassistische Gesetzgebung verabschiedet. Sozialhilfe soll von der Bereitschaft zu arbeiten abh&#228;ngig gemacht werden: „Arbeit statt Sozialhilfe“, so hei&#223;t das offiziell. Sie haben sich dieses Programm von Blair und Clinton abgeschaut. In Ungarn, in den kleinen D&#246;rfern, in denen die Roma und Sinti leben, wo es keine Arbeitsm&#246;glichkeiten gibt, bedeutet das den Hungertod. Und so etwas hat die sozialistische Regierung verabschiedet! Ich habe darauf geantwortet: das bedeutet Knast statt Sozialhilfe. In Wirklichkeit propagieren dieses Programm nicht nur die Sozialisten. Es kommt ebenso rechtsextremen Forderungen und B&#252;rgerInnenbewegungen in einigen Kleinst&#228;dten entgegen. In hetzerischer Art und Weise wird allzu oft von diversen Kr&#228;ften in der &#214;ffentlichkeit verlautbart, dass man nicht f&#252;r die „Zigeuner“ zahlen wolle, die nichts t&#228;ten au&#223;er zu rauben, zu stehlen, zu morden usw.<br />
Es gab einen ber&#252;hmten Fall, von dem ich euch gerne erz&#228;hlen m&#246;chte. In einem Dorf hat ein Bauer seinen Garten mit elektrischem Draht umz&#228;unt. Dieser sollte Diebe davon abhalten, seine Gurken zu stehlen. Die Folge: ein Roma ist gestorben, und ein anderer f&#252;r den Rest seines Lebens gel&#228;hmt. Der Bauer wurde verhaftet, doch kurz danach wieder entlassen. Der B&#252;rgermeister aus dem Nachbardorf hat ihm daraufhin die Ehrenb&#252;rgerschaft und eine staatliche Wohnung angeboten. Er wurde in der ganzen rechten Presse als anst&#228;ndiger, guter Ungar gefeiert. Ich habe einen Artikel geschrieben und argumentiert, dass f&#252;r die rechte Presse die Gurken einiger wertvoller sind als das Leben anderer. Die zweitgr&#246;&#223;te Zeitung Ungarns, die konservative <em>Magyar Nemzet</em>, hat mir in Form eines Leitartikels geantwortet, in dem sie betonte, die ganze Redaktion teile feierlich und geeint dieselbe Position: „Wir sind gegen Diebe und preisen deshalb diesen anst&#228;ndigen und guten Ungarn. Wir sind nur f&#252;r Gerechtigkeit und Ordnung! Und wir w&#252;rden diesen Standpunkt auch vertreten, wenn der T&#228;ter ein wei&#223;er Ungar w&#228;re.“ Ich habe in einem zweiten Artikel geschrieben, dass Sie also offensichtlich Eigentum dem Leben vorziehen und damit offiziell beweisen, dass der Kapitalismus eine Kultur des Todes sei. Tats&#228;chlich erschien ein weiterer Leitartikel als Antwort. Pl&#246;tzlich waren nicht mehr die Diebe, sondern ich der Hauptangeklagte. Als ich daraufhin meine Stammkneipe besuchte, haben die Leute mich nicht mehr gegr&#252;&#223;t – weil ich gegen Mord war! Es ist ersch&#252;tternd. Dabei ist das nun beileibe keine besonders radikale Position.</p>
<p><em>Gibt es keinen Hoffnungsschimmer? Welche gesellschaftlichen Kr&#228;fte gibt es, die sich diesem Rechtsruck in der Gesellschaft entgegenstellen?</em></p>
<p>Das Problem ist, dass es gegen diesen extremen Rechtsruck kaum bis keine sozialen Proteste gibt. Die sind die sozialen Proteste. Die einzigen sozialen Proteste werden von diesen jungen Rechtsextremen angetrieben. Das ist daf&#252;r eine Massenbewegung.<br />
Aber es gibt auch langsam einige Gruppen von progressiven Leuten, die nicht nur denken, sondern auch k&#228;mpfen wollen. Es gibt neue Zeitschriften, die politisch nicht besonders k&#252;hn sind, aber trotzdem gutes Material zum nachdenken liefern.<br />
Was uns betrifft: wir haben diese kleine Wahlkoalition, die „Gr&#252;ne Linke“, gegr&#252;ndet aus AltkommunistInnen, Neuen Linken, Gr&#252;nen, &#214;komarxistInnen, FeministInnen, AntirassistInnen… lauter Kleingruppen. Die Idee war, dass wir vielleicht meine Ber&#252;hmtheit, genauer: Ber&#252;chtigtheit, ein bisschen ausnutzen k&#246;nnen. Das ist mein einziges Kapital. Wir haben kein Geld, absolut keinen Pfennig. Wir werden nat&#252;rlich keinen Wahlerfolg haben, damit rechne ich nicht angesichts der herrschenden Stimmung. Aber trotzdem: es wird hoffentlich etwas Aufsehen erregen, sodass zumindest in der &#214;ffentlichkeit dar&#252;ber gesprochen wird. Es soll ein bisschen dar&#252;ber nachgedacht werden, was Sozialismus, was eine Linke, was Emanzipation und was Klassenkampf heute wirklich bedeuten kann. Wir hoffen, damit ein bisschen was bewegen zu k&#246;nnen.</p>
<p><em>In so einer Situation ist ein Moment der Irritation bzw. eine marginale Diskursverschiebung ja schon ein gro&#223;er Schritt.</em></p>
<p>Das glaube ich auch. Eines ist dabei besonders wichtig zu verstehen: der so genannte „real existierende Sozialismus“, der sowjetische Staatskapitalismus, stellt ein schwieriges Erbe f&#252;r uns dar. Die offiziellen KommunistInnen haben die ArbeiterInnenbewegung vernichtet. Die „sozialistische“ Vergangenheit erscheint den Leuten heute entweder l&#228;cherlich oder h&#228;sslich – Stichwort: Gulag, Terror, Diktatur.<br />
Die Geschichte der ArbeiterInnenbewegung ist in Ungarn unbekannt. Auch unter jenen, die sich als Linke verstehen. F&#252;r viele ist die Vergangenheit der ArbeiterInnenbewegung gleich Stalin. Das ist alles, was sie kennen. Die Gewerkschaften waren in den „realsozialistischen“ Gesellschaften auf blo&#223;e Erholungsorganisationen reduziert. Sie haben die Urlaube der ArbeiterInnen sehr gut organisiert, Bibliotheken f&#252;r Betriebe betreut usw., aber sie spielten nicht mehr die Rolle einer Interessenvertretung. Streiks waren verboten, es gab keinen Geist des Widerstandes. Die Gewerkschaften waren Staatsbeh&#246;rden. Die GewerkschaftsleiterInnen sind teilweise dieselben Leute wie damals. Sie haben versucht, sich zu ver&#228;ndern, aber das ist sehr schwierig.<br />
Auch der Widerstand gegen den Stalinismus wird von der breiten &#214;ffentlichkeit immer nur als liberal-konservativer gedacht. Dass es eine nicht-stalinistische Linke, und viele weitere inner-linke Debatten gab und gibt, kommt im &#246;ffentlichen Bewusstsein kaum vor. In der Theorie wissen vielleicht einige davon, aber das spielt in der tats&#228;chlichen Situation keine Rolle.</p>
<p><em>Wie kann eine Zusammenarbeit zwischen ungarischen und &#246;sterreichischen AntifaschistInnen angesichts dieser Situation aussehen?</em></p>
<p>Ich glaube, dass wir sehr bescheiden sein m&#252;ssen. Nat&#252;rlich w&#228;re es erst einmal wichtig, &#246;fter nach Ungarn und in andere osteurop&#228;ische L&#228;nder zu fahren. Und nat&#252;rlich gibt es auch einige Parallelen zwischen &#214;sterreich und Ungarn.<br />
Was AntifaschistInnen und Linke in Ungarn brauchen, sind B&#252;cher. Man muss sich vergewissern, dass es eine linke Tradition gab und gibt, dass marxistisches Denken nicht aufgeh&#246;rt hat, die Geister zu bewegen. Der vorherrschenden &#246;ffentlichen Vorstellung zufolge findet ein Todeskampf zwischen Liberalen und FaschistInnen statt. Linke Positionen kommen in dieser Art und Weise, das politische Spektrum wahrzunehmen, einfach nicht vor. Besonders deutlich wird dies z.B. auch, wie in der ungarischen Presse das politische Geschehen in anderen L&#228;ndern analysiert wird. Parteien, die nicht in das Bild dieser vermeintlich zentralen Auseinandersetzung zwischen liberal und rechts eingeordnet werden k&#246;nnen, werden einfach ignoriert. Man glaubt einfach nicht, dass Leute wie Olivier Besancenot und seine NPA<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> eine Rolle spielen k&#246;nnten, und darum kann man solche Entwicklungen einfach nicht erw&#228;hnen. Lateinamerikanische Linkspopulisten werden als stalinistische Tyrannen in spe betrachtet. Die neuen sozialen Bewegungen, die globalisierungskritischen Kr&#228;fte sind f&#252;r ungarischen ZeitungsleserInnen nichts als von gewissenslosen Aufwieglern ausgenutzte junge Leute, die naiv und unwissend eine R&#252;ckkehr zur Sowjetunion bef&#252;rworten und die Demokratie hassen. Es geht darum, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es auch andere politische Entw&#252;rfe gibt.</p>
<p><em>Danke f&#252;r das Interview.</em></p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Pfeilkreuzler bezeichnete die nationalsozialistische Partei Ungarns. 1937 gegr&#252;ndet, f&#252;hrte sie 1944-45 das Kollaborationsregime Nazi-Deutschlands an und war ma&#223;geblich an der Planung und Durchf&#252;hrung des ungarischen Holocaust beteiligt (Anm. d. Red.).</p>
<p><a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> Mit „Wei&#223;er Terror“ wird der kontrarevolution&#228;re Terror gegen die kurzlebige ungarische R&#228;terepublik bezeichnet. Das numerus clausus-Gesetz von 1920 sah eine Beschr&#228;nkung der Zahl j&#252;discher Studierender an Hochschulen auf 6% vor (Anm. d. Red.).</p>
<p><a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> NPA (Nouveau Parti Anticapitaliste, zu dt. Neue Antikapitalistische Partei) bezeichnet die 2009 gegr&#252;ndete linksradikale Partei in Frankreich. Olivier Besancenot fungiert als ihr Vorsitzender (Anm. d. Red.).</p>
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