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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; StudentInnenbewegung</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Ernten der Krise. Zu den K&#228;mpfen um die &#8220;Internationale Entwicklung&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 19:01:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nico</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<description><![CDATA[Das &#252;bergriffige Potenzial einer „Anomal-IE“ – das Linke Hochschulnetz &#252;ber die Internationale Entwicklung als Beispiel widerst&#228;ndiger Bewegungen gegen die neoliberale Umstrukturierung der Universit&#228;t.

Am 13. April unterbrach eine Masse von mehreren hundert Studierenden eine unter dem Motto „Bachelor, was nun?“ laufende geschlossene Veranstaltung, zu der die Uni Wien u.a. die Wirtschaftskammer und den OMV-Vorstand auf das Podium geladen hatte. „Master f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das &#252;bergriffige Potenzial einer „Anomal-IE“ – das <em>Linke Hochschulnetz</em> &#252;ber die Internationale Entwicklung als Beispiel widerst&#228;ndiger Bewegungen gegen die neoliberale Umstrukturierung der Universit&#228;t.<br />
<span id="more-2351"></span><br />
<em>Am 13. April unterbrach eine Masse von mehreren hundert Studierenden eine unter dem Motto „Bachelor, was nun?“ laufende geschlossene Veranstaltung, zu der die Uni Wien u.a. die Wirtschaftskammer und den OMV-Vorstand auf das Podium geladen hatte. „Master f&#252;r Alle!“, war die Antwort an eine Unileitung, die (sich) daran gew&#246;hnen will, Entscheidungen &#252;ber die K&#246;pfe der Universit&#228;tsangeh&#246;rigen hinweg zu treffen, und sich nur mit ausgew&#228;hltem Publikum und fragw&#252;rdigen „ExpertInnen“ zu konfrontieren. Die Aktionen am „Bachelor-Day“, an dem auch die Lehre an der Internationale Entwicklung (IE) ausgesetzt wurde, markieren einen vorl&#228;ufigen H&#246;hepunkt dieses inneruniversit&#228;ren Konfliktes. Was war passiert?</em></p>
<p>Zu Beginn des Sommersemesters &#252;berraschte der scheidende Rektor der Universit&#228;t Wien Georg Winckler mit der Neuauflage einer altbekannten Auseinandersetzung: Der f&#252;r das kommende Wintersemester vorgesehene Start des Masterstudiums IE wird im letzten Moment mit dem Argument der Unfinanzierbarkeit zuerst relativiert und wenig sp&#228;ter auf Grund „inhaltlicher M&#228;ngel“ &#252;berhaupt in Frage gestellt. Dies obwohl der Senat bereits im J&#228;nner 2011 seine Zustimmung f&#252;r einen von Lehrenden und Studierenden ausgearbeiteten Studienplan gegeben hat. Seither wird au&#223;erdem auch mehr oder weniger offen &#252;ber die Beendigung des Bachelors IE nachgedacht. Entsprechend aufgebracht sind nicht nur die Studierenden &#252;ber die wiederholt gebrochenen Versprechen. Ernst bleibt auch die Lage von Lehrenden und administrativem Personal: an der IE sind fast alle prek&#228;r angestellt und nun vom Verlust ihres Arbeitsplatzes bedroht.</p>
<p>Die Vorstellung des Rektorats ist ein englischsprachiger und zugangsbeschr&#228;nkter Eliten-Master der „Development Studies“, der die Motiviertesten und F&#228;higsten aus aller Welt rekrutiert und zu den morgigen TechnokratInnen internationaler Organisationen ausbildet. Dies w&#228;re nichts anderes als die Abschaffung der IE durch die Verkehrung ihrer Anspr&#252;che und Ziele.</p>
<p><strong>1. Die IE ist anders — kurze Geschichte einer Anomal-IE</strong><br />
Der Fokus des Studiums „Internationale Entwicklung“ liegt auf einem transdisziplin&#228;ren Zugang, der sich in einer Verbindung politikwissenschaftlicher, soziologischer, kultur-, wirtschafts- und geo-wissenschaftlicher Ans&#228;tze in der Erforschung globaler Zusammenh&#228;nge und des Ph&#228;nomens „Entwicklung” widerspiegelt. Ein solches transdisziplin&#228;res Vorgehen erm&#246;glicht anwendungs- und problemgeleitete Forschung auf Basis einer kritischen Analyse gegenw&#228;rtiger Gesellschaftsformationen. Diese Herangehensweise scheint angesichts der verschiedenen Krisen unserer Zeit (Wirtschaft, &#214;kologie, Ern&#228;hrung&#8230;) und ihrer gegenseitigen Verstrickung notwendiger denn je. Damit ist die IE innerhalb der deutschsprachigen Universit&#228;tslandschaft ein einzigartiges Studium. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sich noch im Rahmen der &#246;ffentlichen Massenuniversit&#228;t entwickelte, als der neoliberale Umbau der Universit&#228;ten schon begonnen hatte.</p>
<p>Die Situation des Projekts gestaltete sich aufgrund fehlender Ressourcen h&#246;chst prek&#228;r. W&#228;hrend die Unsicherheit und fehlende Ausstattung mit Ressourcen mitunter darin begr&#252;ndet liegt, dass das Projekt von der Universit&#228;tsleitung stets nur geduldet, aber eigentlich nicht gewollt war, fand der individuelle Diplomstudiengang IE allergr&#246;&#223;ten Zuspruch von Seiten der Studierenden. Die Inskriptionszahlen explodierten und machten den Studiengang innerhalb weniger Semester zu einem Massenstudium. Bei anhaltendem Zustrom interessierter Studierender f&#252;hrte die Politik der Aushungerung seitens der Unileitung zu untragbaren Zust&#228;nden: die Lehrveranstaltungen waren &#252;berf&#252;llt, es fehlten R&#228;umlichkeiten, der Betrieb wurde bald nur noch durch die Aufopferung bzw. Selbstausbeutung von schlecht bezahlten Lehrenden mit kurzfristigen Arbeitsvertr&#228;gen sowie durch das Engagement von Studierenden aufrechterhalten. Andererseits entstand daraus eine besondere Situation selbstbestimmter Lehre. Das Massenstudium IE war ohne die enge und relativ gleichberechtigte Zusammenarbeit von Lehrenden und Studierenden schlichtweg nicht zu administrieren. Durch den starken R&#252;ckgriff auf studentische TutorInnen, die Gestaltung und Betreuung des Lehrveranstaltungs-Anmeldesystems durch die organisierte Studierendenschaft, ihre Beteiligung an der Lehre, der Ausarbeitung der Studienpl&#228;ne und deren inhaltlicher Schwerpunktsetzung, konnten die negativen Auswirkungen des unterfinanzierten Massenstudiums teilweise abgefedert werden.</p>
<p>Dadurch war es m&#246;glich, der disziplinierenden und vereinheitlichenden Zurichtung des Studiums im Zuge der Bologna-Implementierung zumindest graduell und im Sinne der Erhaltung von individuellen Gestaltungsspielr&#228;umen entgegenzuwirken. Absurderweise trug die Vorgehensweise der Universit&#228;tsleitung zu den Voraussetzungen f&#252;r selbstbestimmte kritische Lehre und auf l&#228;ngere Sicht auch zur Formierung einer widerst&#228;ndigen politischen Praxis bei. Das Rektorat sah sich einem rasch anwachsenden, selbstbewussten Kollektiv gegen&#252;ber.</p>
<p><strong>2. Der Umbau der Hochschulen&#8230;</strong><br />
Aber warum sitzen Wirtschaftskammer und OMV am Podium, wenn es darum geht, den neuen Bachelor-Studienplan zu evaluieren? Begriffe wie „&#214;konomisierung der Bildung“ oder „neoliberale Umstrukturierung“ versuchen einen gesellschaftlichen Prozess zu bezeichnen, der sich in den letzten Jahren beschleunigt hat. Allerdings geht es nicht einfach nur um Bildung, die zu einer Ware f&#252;r den Markt werden soll. Im Mittelpunkt stehen die Studierenden, welche direkt in der kapitalistischen Produktion und deren institutionellen Rahmenbedingungen arbeiten sollen. In den Worten der <a href="http://portal.wko.at/wk/dok_detail_file.wk?angid=1&#038;docid=1367496&#038;conid=482444&#038;stid=557158">Wirtschaftskammer</a> hei&#223;t das etwa, dass das Hochschulstudium als Berufsausbildung und nicht als „akademisch“ oder „wissenschaftlich“ verstanden werden muss und an die Erfordernisse des Arbeitsmarkts angepasst werden soll. Bachelorstudien „sollen klare Bez&#252;ge zu beruflichen Aufgaben in der Wirtschaft aufweisen. Die weiterf&#252;hrenden Studien (Master- bzw. Doktoratsstudium) sollen entweder die erworbene Anwendungsorientierung fortf&#252;hren oder als wissenschafts- bzw. forschungszentrierte Programme gef&#252;hrt werden“. F&#252;r den wissenschaftlichen Nachwuchs soll eine hochselektive „Exzellenzstrategie“ forciert werden und die Privatwirtschaft soll sich durch „Hochschul-Sponsoring“ und „Hochschulstiftungen“ leichter direkt einbringen k&#246;nnen (WK&#214; 2010: 35ff).</p>
<p>F&#252;r eine Wirtschaft zu arbeiten, die im Namen des Standorts st&#228;ndig neue Opfer verlangt und ein gutes und sicheres Leben immer in ferner Zukunft verortet, ist wohl f&#252;r die meisten in unserer Gesellschaft eine leidvolle Erfahrung. Das Interesse der Wirtschaftskammer f&#252;r die Strukturen der Universit&#228;t und ihre Abwertung des „Akademischen“ offenbart, was sich hinter dem Gerede von „Berufsausbildung“/„Employability“ und „Anwendungsorientierung“ versteckt: Menschliche Arbeitskraft ist im Kapitalismus die wichtigste Ware, um die sich alles dreht. Sie muss m&#246;glichst billig, abh&#228;ngig, f&#252;gsam, erpressbar, jederzeit verf&#252;gbar und austauschbar sein – kurz: prek&#228;r. Die Geschichte der „Hochschulreformen“ des letzten Jahrzehnts ist f&#252;r uns Studierende ein Prozess der Zurichtung und Enteignung, der uns auf entfremdete Arbeit vorbereiten soll:</p>
<p>Enteignung jeglichen eigenen Anspruchs an das Studium: was, wozu, wie lange studiert wird, wird uns „von oben“ auferlegt – jede T&#228;tigkeit, die uns nicht dazu ausbildet, in vorgegebenen Berufsbildern zu funktionieren, wird delegitimiert. Jede andere gesellschaftliche Rolle der Massenuni soll undenkbar werden. Selbst die freie Wahl des Studiums soll uns aus den H&#228;nden genommen werden.</p>
<p>Enteignung von Wissen (Dequalifizierung): an die Stelle einer m&#246;glichst umfassenden Ausbildung tritt die enge fachliche Spezialisierung, die nicht nur schneller und billiger ist, sondern uns auch gegen&#252;ber dem/der einzelnen ArbeitgeberIn abh&#228;ngiger macht. Je nach dem, was gerade von uns gebraucht wird, sollen wir uns dann um- oder weiterbilden („Lifelong learning“).</p>
<p>Enteignung von Mitbestimmungs- und Gestaltungsm&#246;glichkeiten („Verschulung“): Studieren ist das m&#246;glichst schnelle Aneignen vorgegebener Wissenshappen in straff organisierten und standardisierten Studienpl&#228;nen. Die „Mindeststudienzeit“ ist schon l&#228;ngst Regelstudienzeit. Verlieren wir Zeit mit Herumschweifen, Vertiefen und eigenwilliger Gestaltung, ist bald die „Toleranz“ vorbei und wir verlieren Beihilfen, Beg&#252;nstigungen und zahlen Studiengeb&#252;hren. Die Vorstellungen und Bestrebungen der Auszubildenden sind potentielle Hindernisse f&#252;r die zielgerechte Ausbildung: Lieber unverbindliche KundInnenbefragungen als demokratische Entscheidungsprozesse! Die Ideologie der „Dienstleistungsuniversit&#228;t“, die Universit&#228;t als Unternehmen und Ausbildung als kaufbares Produkt darstellt, mystifiziert diese autorit&#228;re Umgestaltung, indem sie es &#252;berhaupt erst als selbstverst&#228;ndlich erscheinen l&#228;sst, dass wir als KonsumentInnen kein Recht darauf haben, mitzubestimmen, wie das Produkt ausschauen soll oder gar wie der ganze Betrieb zu funktionieren hat.</p>
<p>Enteignung finanzieller Mittel: die Erzeugung materieller Armut in einem der reichsten L&#228;nder der Welt soll unseren Eigensinn einschr&#228;nken und uns zur Fremdbestimmung disziplinieren. Studierende haben keinen Anspruch auf Mindestsicherung. Studiengeb&#252;hren und andere Belastungen h&#228;ngen &#252;ber unseren K&#246;pfen, sobald wir vorgegebene Bahnen verlassen wollen. Der allgegenw&#228;rtige Mangel soll uns zur Entsolidarisierung und zur Konkurrenz erziehen: unsere Mitstudierenden werden zu FeindInnen und die „Masse“ zur Ursache aller Missst&#228;nde, wie fehlende Seminarpl&#228;tze, knapp verf&#252;gbare Lehrb&#252;cher usw.</p>
<p>Angesichts dieser umfassenden kontinuierlichen Enteignung greift die Debatte um den Finanzierungsnotstand der Universit&#228;ten zu kurz. Der Mangel an Mitteln ist nicht Vernachl&#228;ssigung von Studierenden und ihrer Bildung. Dieser erm&#246;glicht im Gegenteil erst — durch Bezugnahme auf so genannte finanzielle Sachzw&#228;nge — die neoliberale Umstrukturierung der Massenuniversit&#228;ten. Damit versteckt sich hinter der angeblichen Zentralit&#228;t des Themas Bildung im Mund von PolitikerInnen, InteressenvertreterInnen, „ExpertInnen“ und liberalen MeinungsmacherInnen de facto der gewaltf&#246;rmige Umbau der &#246;ffentlichen Massenuniversit&#228;t „von oben“.</p>
<p>Paradebeispiel f&#252;r den Zusammenhang zwischen Unterfinanzierung und Umbau ist die Debatte um Zugangsbeschr&#228;nkungen. Die planm&#228;&#223;ige Ausbildung von ausbeutbarer Arbeitskraft erfordert die „Lenkung der Studierendenstr&#246;me“, wie sie etwa die <a href="http://www.industriellenvereinigung.at/b2318m103">Industriellenvereinigung</a> fordert. Dem steht der freie Hochschulzugang im Weg. An dessen Stelle tritt die „Studienplatzbewirtschaftung“ und das „Zugangsmanagement“. Das schlagende Argument daf&#252;r: freier Hochschulzugang sei nicht finanzierbar. Die von den Studierendenprotesten erzeugte Aufmerksamkeit rund um die fehlende Finanzierung der Hochschulen wird von Regierung und RektorInnen zur Durchsetzung der eigenen Vorstellungen genutzt. Die freie Wahl des eigenen Studiums muss aufh&#246;ren, ein Recht zu sein. Das Studium wird zur Konzession, die man sich verdienen muss und dankbar in Empfang nimmt, nachdem man den Kampf um den Studienplatz gegen die eigenen KollegInnen gewonnen hat.</p>
<p>Am Beispiel der Aushebelung des freien Hochschulzugangs wird sichtbar, dass Unterfinanzierung Strategie ist. Ziel ist eine regierbare Hochschule. Der Angriff im Sinne einer Umstrukturierung der &#246;ffentlichen Massenuniversit&#228;t ist ein Zugriff auf diejenigen, die in ihr studieren und arbeiten. Er zielt darauf ab, Bildung zur Produktion von prek&#228;rer, unterworfener, herrschaftskonformer Arbeitskraft zu machen. Die Ausbildung bereitet dabei auf die Arbeit vor, indem sie selbst schon deren Eigenschaften annimmt: fremdbestimmtes, unm&#252;ndiges T&#228;tigsein unter Zeitdruck. Studieren erleben wir zunehmend als Ausbildungsarbeit, um im neoliberalen System funktionieren zu k&#246;nnen.</p>
<p><strong>3. &#8230; ist krisenhaft!</strong><br />
Die Ware sind schon l&#228;ngst wir selbst! Allerdings sind wir nicht einfach tote Gegenst&#228;nde. Wir sind eine au&#223;erordentlich lebendige Ware! Wir sollen funktionieren. Das System lebt von unserem Tun und will es vorbestimmen. Aber wir k&#246;nnen auch anders! Im Eigensinn der lebendigen Arbeit steckt die Grenze des Kapitalismus.</p>
<p>Das Hindernis sind wir selbst. Unsere intellektuelle Neugier, die &#252;ber einzelne Disziplinen und spezifische Berufsausbildungen hinausgeht. Unsere solidarische Haltung gegen&#252;ber unseren Mitmenschen, der Gesellschaft und der Natur, die die normative Vorstellung des egoistischen, Nutzen maximierenden „homo oeconomicus“ und den Imperativ der Konkurrenz untergr&#228;bt; unsere Scheu vor sinnloser, entfremdeter Arbeit; unsere F&#228;higkeit, zu kritisieren.</p>
<p>Die Jahre der „Hochschulreformen“, der Enteignungen und der Einf&#252;hrung neuer Zw&#228;nge, sind auch die Jahre, in denen die StudentInnenrevolten in ganz Europa an die Tagesordnung zur&#252;ckgekehrt sind: Frankreich, Italien, Spanien, D&#228;nemark, Griechenland, Kroatien, Polen, &#214;sterreich, Niederlande, Deutschland, Gro&#223;britannien&#8230; in welchem Land wurden in den letzten Jahren nicht Universit&#228;ten besetzt, bestreikt oder auf der Stra&#223;e demonstriert? Die Massenmobilisierungen auf Unis und Schulen erreichten an manchen Orten noch nie da gewesene Ausma&#223;e und haben immer wieder Angriffe „von oben“ entschleunigt oder gar r&#252;ckg&#228;ngig gemacht. Prominentes Beispiel ist die R&#252;cknahme eines prekarisierenden Besch&#228;ftigungsgesetzes f&#252;r junge Arbeitende in Frankreich 2006, zu dem die Regierung durch den monatelangen Stillstand der Universit&#228;ten und schlie&#223;lich die Mobilisierung der Gewerkschaften gezwungen wurde. Diese Erfahrung sagt auch viel &#252;ber das neue Verh&#228;ltnis zwischen Studium und Arbeit und deren verschwimmende Grenzen aus. Die Universit&#228;t ist l&#228;ngst nicht mehr der abgekapselte Raum, der er einmal war. Die Auseinandersetzung mit unserer eigenen spezifischen Lage zwingt uns zum Einschreiten ins gesellschaftliche und politische Geschehen, wie neuestens in Spanien, wo die „emp&#246;rte“ Jugend sich die &#246;ffentlichen Pl&#228;tze aneignete und versuchte, Politik anders zu praktizieren. Die Dynamik dieser Konflikte ist ein Wechselspiel von pl&#246;tzlichem Ausbruch massenhaften Ungehorsams und dem R&#252;ckzug ins Private, die nach Vorstellungskraft, politischer Zielrichtung und entsprechender Organisierung schreit. Zentrale Herausforderungen f&#252;r die StudentInnenbewegung sind sowohl der Zusammenschluss mit anderen gesellschaftlichen Kr&#228;ften als auch, die Universit&#228;t als Institution, in der Wissen geschaffen wird, in diesen verallgemeinerten Kampf miteinzubeziehen.</p>
<p>Jedenfalls entpuppt sich der herrschaftsf&#246;rmige Umbau der Hochschulen auch abseits gro&#223;er Zuspitzungen und Revolten keineswegs als gschmeidiges Unterfangen. Die &#246;ffentliche Massenuniversit&#228;t bleibt ein t&#228;glich umk&#228;mpftes Feld: Universit&#228;t wird immer wieder anders gemacht, als sie von den Regierenden gedacht wird. Bei der IE handelt es sich um eine solche Abweichung. „Anomalie“ im Hochschulsystem findet sich &#252;berall dort, wo gelebte Demokratie, studentische Selbst- und Mitbestimmung sowie kritische Wissenschaft und die Aushebelung von Selektionsmechanismen m&#246;glich bleiben. Zentral und konstitutiv f&#252;r den Charakter der IE war dabei immer wieder die direkte Einmischung der Studierenden. Was w&#228;re die IE, wenn sie nicht erk&#228;mpft worden w&#228;re? Indem wir den strukturellen Umbau der Massenuniversit&#228;t undurchf&#252;hrbar machen, k&#246;nnen wir die gesellschaftliche Funktion der Universit&#228;ten umkehren und dazu beitragen, die herrschende Ordnung zu destabilisieren. Wir sind ihre Krise!</p>
<p><strong>4. Die Anomalie ist die Wiege der Krise</strong><br />
Warum die Figur der „Anomalie“? Weil sie uns die Widerspr&#252;chlichkeit der IE erfassen l&#228;sst. Weil sie gleichzeitig ein emanzipatorisches Ver&#228;nderungspotential, als auch Beschr&#228;nktheit und prek&#228;re Existenz ausdr&#252;ckt. Die Anomalie zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Nische, eine Abweichung und nicht die Regel ist. Sie ist nicht das „radikal Andere“, sondern etwas Anderes innerhalb bestimmter systemischer Grenzen. Was bedeutet etwa <a href="http://www.perspektiven-online.at/2009/06/13/kritisch-studieren-an-oesterreichs-universitaeten/">&#8220;kritisches Studieren&#8221;</a> in einer Institution wie der Universit&#228;t, die historisch der Reproduktion von Eliten sowie der Legitimation von Herrschaft gedient hat? Bei der Diskussion um dessen emanzipatorische Wirkungsm&#228;chtigkeit sollte mitbedacht werden, dass – verallgemeinernd ausgedr&#252;ckt – das Studium der IE auch in Zeiten des freien Hochschulzugangs von einer kleinen Minderheit der Gesellschaft in Anspruch genommen wird, die sich gro&#223;teils aus „bildungsb&#252;rgerlichen Schichten“ rekrutiert. Emanzipation erfordert auch den Ausbruch aus einem selbstbez&#252;glichen akademischen Milieu.</p>
<p>Weiters unterliegt die Anomalie immer strengen inneruniversit&#228;ren Grenzen. So handelt es sich bei der IE um ein regul&#228;res Studium, an dessen Ende ein Titel vergeben wird, der sozialen Aufstieg und Privilegien bedeutet. Die IE kann immer nur bis zu einem gewissen Grad aus der etablierten Logik universit&#228;rer Lehre ausbrechen und kritische Freir&#228;ume f&#252;r emanzipatorische Bildung schaffen. Dabei handelt es sich oftmals um einen zeitlich begrenzten Bruch mit und innerhalb der herrschenden Ordnung. Die Anomalie zeichnet sich durch ihre prek&#228;re Existenz aus: sie droht vom System aufgefressen zu werden. Entweder durch frontalen Angriff und schlagartige Beseitigung – wie im Falle der Nicht-Einf&#252;hrung des IE-Masters – oder aber durch langsame Normalisierung und Institutionalisierung. Ein Kampf, der sich auf die blo&#223;e Erhaltung einer Anomalie beschr&#228;nkt, kann daher nicht gewonnen werden; immer wieder aufs Neue droht die Anomalie in den Sog gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen gezogen zu werden und sich darin aufzul&#246;sen.</p>
<p>Mit dem ausklingenden Wintersemester 2010 und nach langj&#228;hrigen Studi-Protesten schienen sich die Verh&#228;ltnisse an der IE normalisiert zu haben. Mit der Einf&#252;hrung des Bachelors war ein stetiger Zufluss von Ressourcen, eine schrittweise Institutionalisierung als befristete „Forschungs- und Lehrplattform“ und eine entsprechende Planbarkeit verbunden – es musste nicht mehr jedes Semester aufs Neue um die n&#246;tigen Mittel f&#252;r die Fortsetzung der Lehre gebangt werden. Diese Ver&#228;nderungen blieben nicht ohne Konsequenzen f&#252;r die innere Zusammensetzung des Studiengangs und f&#252;hrten unter anderem zu einer Einschr&#228;nkung der Gestaltungsspielr&#228;ume f&#252;r die Studierendenschaft – der selbstverwaltete Charakter der Lehre litt unter dem Prozess der Institutionalisierung.</p>
<p>Vor allem aber kann sich die IE als einzelnes Studium nicht zur G&#228;nze den Angriffen entziehen, die in Form von Universit&#228;tgesetz-Novellierungen oder europaweit konzertierter Bildungspolitik daherkommen. Das Diplomstudium wurde zwangsweise aufgelassen. Die neue zugangsbeschr&#228;nkende Studieneingangsphase (STEOP) macht seit diesem Herbst auch vor der IE nicht halt. Diese sieht am Anfang des Studiums alles entscheidende Modulpr&#252;fungen vor, die den Leistungsdruck auf Erstsemestrige extrem erh&#246;hen und Doppelstudien praktisch verunm&#246;glichen.</p>
<p>In dieser Situation der normalisierenden Institutionalisierung und der vermeintlichen Sicherheit schlug die Nicht-Finanzierung des IE-Masters ein wie eine Bombe. Die daraus resultierende existenzielle Bedrohung des gesamten Studiengangs verdeutlicht nicht nur den immer prek&#228;ren Charakter der Anomalie. Sie erinnert auch an die Zeit vor der schrittweisen Institutionalisierung und daran, dass schon um die Etablierung des Individuellen Diplomstudiengangs gek&#228;mpft werden musste; dass die Anomalie selbst das Ergebnis von K&#228;mpfen ist und Ausgangspunkt neuer K&#228;mpfe werden kann: Sp&#228;testens ab 2007 formierte sich offener studentischer Protest gegen die Politik der Aushungerung von Seiten der Universit&#228;tsleitung. &#220;ber den eingeengten institutionellen Handlungsspielraum der Basisgruppe IE hinaus radikalisierte sich der Protest im <em>Café IE</em>. Dessen widerst&#228;ndige politische Praxis erlebte durch den Zusammenschluss mit Studierenden verschiedener anderer Studienrichtungen im <em>Widerstandscafé</em> eine erste Verallgemeinerung. Die urspr&#252;nglich partikularen Forderungen der Internationalen Entwicklung bekamen eine gesamtuniversit&#228;re Dimension. Das <em>Widerstandscafé</em> wurde in den folgenden zwei Jahren zu einer treibenden Kraft politischer K&#228;mpfe an der Universit&#228;t Wien, bis es im Herbst 2009 in der Besetzungsbewegung aufging. Der Zusammenhang zwischen „Partikularit&#228;t“ und „Verallgemeinerung“, bzw. zwischen „Anomalie“ und „Bewegung“ wurde damals besonders deutlich: ein wichtiger Teil der Studierenden, die am 22. Oktober 2009 das Audimax besetzten und damit die gr&#246;&#223;te Unibewegung seit Jahren ausl&#246;sten, waren IE-Studierende, die um ihr Studium k&#228;mpften und kurz zuvor eine entsprechende Vollversammlung abgehalten hatten. Die „allgemeine Ersch&#252;tterung“ von <a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/die-explosion-eines-politischen-unbehagens/"><em>unibrennt</em></a> wirkte damals positiv auf die Verh&#228;ltnisse an der IE zur&#252;ck.</p>
<p>Es geht also um diesen Sprung im Kampfzyklus, der aus dem Kampf der Anomalie um ihre eigene Existenz entstanden ist. Die Verallgemeinerung der K&#228;mpfe bedeutet dabei nichts als die konsequente Antwort auf den Umbau der Massenuniversit&#228;t; sie wird zur Notwendigkeit. Wir brauchen den Zusammenschluss mit allen, die vom Umbau in und au&#223;erhalb der Universit&#228;ten betroffen sind!</p>
<p>Der Kampf um die Anomalie ist nicht nur um ihrer selbst Willen wichtig. Vielmehr bietet sie ein Terrain f&#252;r die Formierung widerst&#228;ndiger Subjekte, die sich wiederum nur in der Anbindung an gr&#246;&#223;ere gesellschaftliche K&#228;mpfe und im Anschluss an politische Kampfzyklen wirklich konstituieren k&#246;nnen. Das ist, was die Anomalie so interessant und wichtig macht. Der Kampf der Anomalie um ihre Existenz kann und soll &#252;ber die Verteidigung des Bestehenden hinausgehen. Die IE zeigt, dass der Umbau der Massenuniversit&#228;t sich keineswegs reibungslos vollzieht, sondern eine politische Durchsetzung ben&#246;tigt. Ansonsten ger&#228;t der Umbau in die Krise. Wir wollen seine Krise! Die Anomalie tr&#228;gt den Keim dieser Krise in sich.</p>
<p><strong>5. Was passiert innerhalb der Uni Wien?</strong><br />
Die Rolle der Unileitung muss im Kontext des strukturellen Umbaus der Massenuniversit&#228;t gesehen werden. Die Verwandlung der Hochschule in eine Produktionsst&#228;tte f&#252;gsamer Arbeitskraft kann n&#228;mlich nicht ohne Ver&#228;nderung inneruniversit&#228;rer Machtverh&#228;ltnisse vonstatten gehen: wer nie etwas mitentscheiden durfte, wird auch im sp&#228;teren Leben keinen Anspruch darauf erheben. Demokratische Mitbestimmung ist im Sinne eines „effizienten Entscheidungsprozesses“ ein Hindernis. Das ideologische Gewand dieser autorit&#228;ren Umstrukturierung ist jenes der „Dienstleistungsuniversit&#228;t“. Die Universit&#228;t soll ausschauen wie ein Unternehmen. Und Demokratie h&#246;rt bekanntlich an der T&#252;rschwelle aller Unternehmen auf. An der Spitze der Universit&#228;t stehen jetzt ein Management (Rektorat) und ein Aufsichtsrat (Unirat) – von den &#252;blichen konservativen Seilschaften besetzt. Die „Universit&#228;tsreformen“ verleihen der alten Unihierarchie mehr Macht &#252;ber die Universit&#228;tsangeh&#246;rigen und machen sie gleichzeitig zu einer gewichtigen Akteurin des Umbaus.</p>
<p>Seit der UG-Novelle 2009 besitzt der Rektor etwa die alleinige Kompetenz &#252;ber Finanzierungsfragen. Am Beispiel der IE wird ersichtlich, dass ihm dies weit mehr erlaubt: das gewaltsame Eingreifen in die inhaltliche Ausgestaltung der Studienpl&#228;ne &#252;ber die K&#246;pfe der Kollegialorgane hinweg, welche nicht ohne seine finanzielle Zusicherungen arbeiten k&#246;nnen. Monokratische Entscheidungsstrukturen zu Gunsten des Rektors werden durch die bewusste Logik der gegenseitigen Ausspielung verschiedener Universit&#228;tsebenen und Fakult&#228;ten nach dem Prinzip des „Teile und Herrsche“ abgesichert. Wird irgendwo Kohle frei, weil das Management beschlossen hat, etwas nicht zu finanzieren, erhoffen sich alle anderen davon Vorteile.</p>
<p>Es besteht insofern auch kein Interessensgegensatz zwischen Regierung und Unileitung. Eher haben wir es mit einer integrierten Doppelherrschaft zu tun, die es den Instanzen erlaubt, jeweils die Verantwortung von sich zu schieben: Das Ministerium verteidigt die eigenen Angriffe als Reformen, die an sich gut, aber von den „autonomen“ Universit&#228;ten schlecht umgesetzt w&#228;ren (wie bei der Debatte rund um die Bologna-Architektur). Die RektorInnen und DekanInnen wollen ihre gezielten Ma&#223;nahmen gegen freies Studieren, selbstverwaltete R&#228;ume und demokratische Mitbestimmung mit dem Argument der Ressourcennot durchsetzen, f&#252;r die doch leider die Regierung verantwortlich sei (und diese jammern sie periodisch in &#246;ffentlichen Briefen und Auftritten an). Die gesellschaftlichen Machtverh&#228;ltnisse st&#252;tzen sich auf inneruniversit&#228;re Machtverh&#228;ltnisse (und umgekehrt). Die Universit&#228;tshierarchie fungiert als Agentin von Entdemokratisierung und kapitalistischem Zugriff auf die Universit&#228;t und ihre Subjekte. Dadurch werden gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse (an)greifbar. Dr&#228;ngen wir die Diktatur des Rektorats zur&#252;ck! Erobern wir R&#228;ume und M&#246;glichkeiten zur autonomen Gestaltung der Universit&#228;t und brechen wir die Grenzen zwischen Universit&#228;t und anderen gesellschaftlichen Bereichen auf!</p>
<p><strong>S&#228;en wir die Krise,<br />
seien wir die Krise!</strong><br />
Sonst k&#246;nnen wir alle sehen, wo wir bleiben&#8230;</p>
<p>Es handelt sich bei diesem Artikel um Ausschnitte aus der gleichnamigen <a href="http://linkeshochschulnetz.at/index.php?site=180&#038;subsite=156">Brosch&#252;re</a> des <em>Linken Hochschulnetz</em>.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Diskussionsveranstaltung mit edu-factory im Audimax</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 10:36:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[StudentInnenbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

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		<description><![CDATA[
Die Unis brennen! Die gr&#246;&#223;te, kreativste und spannendste Studierendenbewegung in &#214;sterreich seit Jahrzehnten geht bereits in die zweite Woche.
Wir wollen als Teil dieser Bewegung nicht nur weiterhin praktische Organisationsarbeit leisten, sondern auch inhaltliche Debatten ansto&#223;en, um den Raum, den wir uns erk&#228;mpft haben, f&#252;r Diskussion und Reflexion zu nutzen.
So etwa im Rahmen dieser Diskussionsveranstaltung, zu der wir euch herzlich einladen:
Toward [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/10/besetzt.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-596" title="besetzt" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/10/besetzt.jpg" alt="besetzt" width="300" height="200" /></a></p>
<p>Die <a href="http://unsereuni.at" target="_blank">Unis brennen</a>! Die gr&#246;&#223;te, kreativste und spannendste Studierendenbewegung in &#214;sterreich seit Jahrzehnten geht bereits in die zweite Woche.</p>
<p>Wir wollen als Teil dieser Bewegung nicht nur weiterhin praktische Organisationsarbeit leisten, sondern auch inhaltliche Debatten ansto&#223;en, um den Raum, den wir uns erk&#228;mpft haben, f&#252;r Diskussion und Reflexion zu nutzen.</p>
<p>So etwa im Rahmen dieser Diskussionsveranstaltung, zu der wir euch herzlich einladen:</p>
<p><strong>Toward a Global Autonomous University: Cognitive Labor, The Production of Knowledge, and Exodus from the Education Factory</strong></p>
<p>Diskussionsveranstaltung mit Mitgliedern des <a href="http://edu-factory.org" target="_blank">edu-factory collective</a> aus Italien.</p>
<p><strong>Dienstag 03.11.2009<br />
17 Uhr<br />
Audimax Wien</strong></p>
<p>As was the factory, so now is the university. Where once the factory was a paradigmatic site of struggle between workers and capitalists, so now the university is a key space of conflict, where the ownership of knowledge, the reproduction of the labour force, and the creation of social and cultural stratifications are all at stake. This is to say the university is not just another institution subject to sovereign and governmental controls, but a crucial site in which wider social struggles are won and lost.</p>
<p>The invited guests have just published a <a href="http://www.autonomedia.org/node/92" target="_blank">book on the topic</a> and will speak about their experiences. This discussion will contribute to situate the ongoing struggles in Vienna within a broader transnational context of struggles.</p>
<p>(zuletzt bearbeitet am 1.Nov. 16:06)</p>
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		<title>Theorien einer Revolte</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 15:15:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 6]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[1968]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Kämpfe]]></category>
		<category><![CDATA[StudentInnenbewegung]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Hecken, Thomas: 1968. Von Texten und Theorien aus einer Zeit euphorischer Kritik. Bielefeld: transcript 2008, 18,80 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Hecken, Thomas: 1968. Von Texten und Theorien aus einer Zeit euphorischer Kritik. Bielefeld: transcript 2008, 18,80 €<br />
<span id="more-126"></span><br />
Die ganz gro&#223;e Aufregung rund um das vierzigj&#228;hrige Jubil&#228;um von „1968“ hat sich – den Sommermonaten sei Dank – inzwischen gelegt. F&#252;r diejenigen, die trotz des medialen und publizistischen Wirbels im Fr&#252;hjahr noch immer nicht genug bekommen k&#246;nnen, bieten daher die kommenden Monate Gelegenheit, das Ph&#228;nomen „1968“ abseits der ausgetretenen Pfade – zumeist die Nacherz&#228;hlung bekannter Ereignisse, Stichwort Pariser Mai – unter neuartigen Perspektiven zu betrachten. Eine von vielen M&#246;glichkeiten f&#252;r eine solche Ann&#228;herung stellt das B&#252;chlein <em>1968. Von Texten und Theorien aus einer Zeit euphorischer Kritik</em> von Thomas Hecken dar, erhebt dieser Essay doch bewusst den Anspruch, „&#252;ber ein teilweise unbekanntes, wieder vergessenes 1968 zu sprechen“. Wie bereits aus dem Titel ersichtlich, sind es in erster Linie die rund um „1968“ einflussreichen Schriften, Abhandlungen, Theorien und Diskussionen – kurz, intellektuelle Erzeugnisse aller Art – die der rund 180 Seiten umfassende Band ins Ged&#228;chtnis der LeserInnen zur&#252;ckrufen m&#246;chte. Zu diesem Zweck unternimmt der Autor in dem ersten und umfangreichsten von insgesamt drei Kapiteln unter der &#220;berschrift „Politisch-&#246;konomische Kritik“ zun&#228;chst den Versuch, wichtige Argumente der sogenannten Neuen Linken vorzustellen und dabei die vielf&#228;ltigen Zusammenh&#228;nge der einzelnen Themenfelder nachzuzeichnen, indem er zentrale Texte und Reden der Zeit diskutiert. Ausgehend von dem f&#252;r die Neue Linke namensgebenden Artikel des amerikanischen Soziologen C. Wright Mills im <em>New Left Review</em> und ersten Statements des US-amerikanischen SDS (<em>Students f&#252;r a Democratic Society</em>) zu Beginn der 1960er Jahre spannt Hecken im Folgenden einen weiten Bogen &#252;ber demokratie- und kapitalismustheoretische Texte von Herbert Marcuse und J&#252;rgen Habermas oder die antikolonialen Schriften von Frantz Fanon bis hin zu konkreteren, aktivistisch motivierten Beitr&#228;gen &#252;ber feministischen Protest oder die Legitimit&#228;t von Guerillataktik und bewaffnetem Widerstand vom Ende des Jahrzehnts. Wenngleich ob dieser F&#252;lle unterschiedlicher Ans&#228;tze und der Vielzahl der vorgestellten AutorInnen manche Feinheit unter den Tisch f&#228;llt, gelingt es dem Autor in seiner am historischen Verlauf der Proteste und Revolten orientierten Darstellung nicht nur, zentrale Begriffe und Denkfiguren wie „Entfremdung“, „Fokustheorie“ oder „antiautorit&#228;res Verhalten“ verst&#228;ndlich zu machen, sondern auch und besonders, die Wechselwirkung zwischen dem dynamischen Verlauf der realen K&#228;mpfe und den theoretischen Debatten aufzuzeigen. Gerade weil Hecken keine reine Ideengeschichte betreibt, werden hier die &#220;berlegungen und Theoreme der ProtagonistInnen der sp&#228;ten 1960er Jahre in ihrer inneren Logik und handlungsleitenden Funktion ebenso plastisch nachvollziehbar wie praktische und theoretische Radikalisierungstendenzen.<br />
Zugleich f&#252;hrt diese Form der Beschr&#228;nkung auf Texte und Theorien der sogenannten Neuen Linken jedoch auch zu gewissen Verengungen. Denn obwohl der Autor eingangs die beiden Begriffe „Alte“ und „Neue“ Linke problematisiert, erweckt er im Verlauf seiner Darstellung doch manchmal den Eindruck, als handelte es sich bei letzterer um ein geschlossenes, klar definiertes Programm und als w&#228;re allein diese Neue Linke „1968“ einflussreich gewesen. Infolgedessen &#252;berrascht es nicht, dass Hecken etwa die K&#228;mpfe der ArbeiterInnenklasse, die sich im Rahmen widerspr&#252;chlicher Auseinandersetzungen z. T. durchaus innerhalb der Zentren der sogenannten Alten Linken, d. h. der Gewerkschaften sowie der sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien, formierten und eigene, auch theoretische Konzepte hervorbrachten – z. B. das der „Arbeiterselbstverwaltung“ –, praktisch unber&#252;cksichtigt l&#228;sst. Ebenso scheint „1968“ f&#252;r den Autor lediglich in den USA und Mitteleuropa stattgefunden zu haben, erfahren andere L&#228;nder oder Weltregionen und transnationale Vernetzungen in <em>Von Texten und Theorien aus einer Zeit euphorischer Kritik</em> doch keinerlei Aufmerksamkeit. Diese Reproduktion der ohnehin bereits dominanten Bilder von „1968“ setzt sich leider im zweiten Teil des Buches weitgehend fort. Unter dem Titel „Lebensformen“ widmet sich Hecken hier den verschiedenen gegenund jugendkulturellen Str&#246;mungen der sp&#228;ten 1960er Jahre – z. B. Hippies, KommunardInnen, Rockfans oder K&#252;nstlerInnen – sowie deren theoretisch-intellektuellen Bezugspunkten von Wilhelm Reich bis zur Situationistischen Internationale. Dass letztlich auch dieses Kapitel trotz seines vor allem geographisch (zu) engen Fokus lesenswert ist, verdankt es dem Bem&#252;hen des Autors, den LeserInnen einen Einblick in das konfliktbehaftete und zugleich von gro&#223;en inhaltlichen und personellen &#220;berschneidungen gepr&#228;gte Verh&#228;ltnis der gegenkulturellen Bewegungen zu den explizit politisch orientierten Gruppierungen der Neuen Linken zu gew&#228;hren. Wenngleich dabei manches, das bereits aus dem ersten Kapitel bekannt ist, eine Wiederholung findet, macht es sich grade hier bezahlt, dass Hecken konsequent die ProtagonistInnen jener Zeit durch ihre damals ver&#246;ff entlichten Texte und Pamphlete selbst sprechen l&#228;sst. Ebenfalls positiv hervorzuheben ist der Versuch des Autors, der Frage nach einer Vereinnahmung gegenkultureller Lebensformen und somit nach einer m&#246;glichen Verantwortung der „68er-Bewegung“ f&#252;r gegenw&#228;rtige (neo-)liberale Zust&#228;nde nachzugehen. Denn obwohl der These Heckens, diese Bewegung w&#228;re ihrer Intention nach anti-liberal gewesen und k&#246;nnte daher kaum liberalisierende Effekte gehabt haben, nicht zuzustimmen ist, &#246;ffnet diese Fragestellung doch den Blick daf&#252;r, dass die K&#228;mpfe von „1968“ gerade wegen ihrer m&#246;glichen Folgen f&#252;r die Gegenwart ein derart vieldiskutiertes Thema sind.<br />
Speziell aus dieser Perspektive hochinteressant ist schlie&#223;lich auch das Schlusskapitel des Essays, in dem der zeitgen&#246;ssischen „Kritik an der 68er-Bewegung“ nachgegangen wird. Dabei zeigt der Autor, dass wesentliche Argumente gegenw&#228;rtiger Debatten &#252;ber „1968“ nicht unbedingt neu sind, sondern bereits in den sp&#228;ten 1960ern und fr&#252;hen 1970ern als Kritik von konservativen, liberalen, aber auch linken Intellektuellen – von Habermas bis Hobsbawm – ge&#228;u&#223;ert wurden. Die meisten der von Hecken zusammengetragenen Beitr&#228;ge erscheinen folglich zwar ob ihres teilweise alarmistischen Grundtons &#252;bertrieben und zum Teil skurril, wirken in ihrer inhaltlichen Sto&#223;richtung aber gleichzeitig doch seltsam vertraut. Insofern diese zeitgen&#246;ssischen Einsch&#228;tzungen von „1968“ in der gegenw&#228;rtigen Debatte bisher kaum wahrgenommen wurden, l&#246;st der Autor mit dem Schlusskapitel seines Buches tats&#228;chlich den eigenen Anspruch ein, „&#252;ber ein teilweise unbekanntes, wieder vergessenes 1968 zu sprechen“.<br />
Wenngleich dies f&#252;r den Rest des Buches nur bedingt gilt und <em>Von Texten und Theorien aus einer Zeit euphorischer Kritik</em> an mancher Stelle droht, redundant zu werden, ist die Lekt&#252;re des gut lesbaren Essays doch lohnenswert. Dies gilt insbesondere f&#252;r jene, die sich in knapper Form der theoretischen Seite von „1968“ n&#228;hern m&#246;chten und dabei auf eine klare Sprache, Verst&#228;ndlichkeit und Nachvollziehbarkeit Wert legen. Wer dar&#252;ber hinaus ein umfassenderes Bild erhalten und die auch in Heckens Buch angelegte Reduzierung von „1968“ auf eine jugendliche und studentische Revolte in Mitteleuropa und Nordamerika umgehen m&#246;chte, der/die sei z. B. auf die in <a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/dimensionen-der-rebellionen/"><em>Perspektiven</em> Nr. 5</a> rezensierten Sammelb&#228;nde <em>Weltwende 1968</em> von Jens Kastner und David Mayer und <em>1968 und die Arbeiter</em> von Bernd Gehrke und Gerd-Rainer Horn verwiesen.</p>
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		<title>Perspektiven Nr. 5 (Sommer 2008) erschienen!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2008/07/23/perspektiven-nr-5-sommer-2008-erschienen/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2008/07/23/perspektiven-nr-5-sommer-2008-erschienen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 23 Jul 2008 11:17:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>clemens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Schwerpunkt: 1968 &#8211; Dimensionen der Rebellionen
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="Apple-style-span" style="font-family: Verdana; font-size: 14px; font-weight: bold; line-height: normal"><a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/category/ausgaben/perspektiven-nr5/" style="color: #666666; text-decoration: none; padding: 0px; margin: 0px">Schwerpunkt: 1968 &#8211; Dimensionen der Rebellionen</a></span></p>
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		<item>
		<title>Editorial</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2008/05/05/editorial-5/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2008 10:59:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 5]]></category>
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		<category><![CDATA[StudentInnenbewegung]]></category>

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		<description><![CDATA[1968 war ein gutes Jahr.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1968 war ein gutes Jahr.</p>
<p><span id="more-102"></span></p>
<p>Wer hat sie nicht schon mal gesehen, die Geburtstagskarten, die zumeist vor Trafiken (f&#252;r unsere deutschen LeserInnen: Tabakl&#228;den) ausgestellt sind und das immer gleiche von jeder m&#246;glichen Jahreszahl behaupten. Die Jubilarin oder der Jubilar darf sich dann freuen und im Inneren des Billets lesen, welche gro&#223;en Ereignisse neben ihrem oder seinem Erscheinen in der Welt dieser noch ihren Stempel aufgedr&#252;ckt haben. Das Jahr 1968 war da so gut wie jedes andere. Dass dem nicht so ist, zeigt die Tatsache, dass heuer das Jahr selbst Geburtstag feiern darf – welchem anderen ist das schon verg&#246;nnt – und die Gl&#252;ckwunschkarten liegen als Bild- und Sammelb&#228;nde, Monografien und Memoiren in Buchl&#228;den auf, Nostalgierunden in Funk und Fernsehen begleiten die Feierlichkeiten. Doch auch abgerechnet wird mit 1968, alles B&#246;se auf der Welt vom islamischen Terrorismus bis quengelnden Kleinkindern ist seine Schuld und die der Brut, die das Jahr hervorgebracht hat: die „68er“.</p>
<p>Die vorliegende Ausgabe von <em>Perspektiven</em> will mit all dem m&#246;glichst wenig zu tun haben. Nichts mit den nostalgischen Veteranentreffen (seltener kommen auch Veteraninnen zu Wort), in denen von 1968 gesprochen wird wie von aufregenden Jugendsp&#228;&#223;en im Sommercamp. Und auch sicher nichts mit den wehleidigen Abrechnungen mit der eigenen Vergangenheit, derer man sich angesichts der konformistischen Gegenwartsexistenz glaubt sch&#228;men zu m&#252;ssen. Stattdessen sollen Schlaglichter auf die Revolte geworfen werden, die ein Verst&#228;ndnis der vielf&#228;ltigen Dimensionen der Rebellionen erm&#246;glichen und die unter dem Berg von Erinnerungsm&#252;ll versch&#252;ttete Vielfalt des gro&#223;en Aufbegehrens gegen den globalen Kapitalismus diskutierbar machen.</p>
<p>Dass es mehr als eine Studierendenrevolte war, betont das einleitende Interview mit <em>Chris Harman</em>; gest&#252;tzt und ausgef&#252;hrt wird diese These von <em>Marcel van der Linden</em>. <em>Veronika Duma </em>sprach mit dem Sozialhistoriker &#252;ber das <em>R&#228;tsel der Gleichzeitigkeit</em>, dem simultanen Aufbruch in so vielen unterschiedlichen Weltregionen, von Berkeley bis Berlin, von Prag bis Mexiko-Stadt. In Deutschland tobt derweil die Debatte um den angeblich undemokratischen Charakter der Studierendenbewegung von 1968 und ihrer zentralen Organisationsstruktur, dem SDS. <em>Alex Demirovic </em>h&#228;lt dem entgegen, dass Selbstreflexivit&#228;t und demokratisches Potential nicht im Gegensatz zur Wiederentdeckung sozialistischer Traditionen standen und stehen, sondern sich im Gegenteil wechselseitig beding(t)en. Aus dem Berg von Neuerscheinungen zum Thema hat <em>Felix Wiegand </em>sich zwei der interessantesten Sammelb&#228;nde herausgegriffen und diskutiert „Weltwende 1968?“ und „1968 und die Arbeiter“, die das Scheinwerferlicht auf den weltumspannenden Zusammenhang sowie die proletarischen, klassenk&#228;mpferischen Aspekte der Revolten richten.<em> Philipp Probst</em> schlie&#223;lich erz&#228;hlt die Geschichte von MC5, der vielleicht aufregendsten Band der US-amerikanischen <em>counter culture </em>der 1960er Jahre, im Spannungsfeld von LSD, <em>black power</em> und Kulturrevolution.</p>
<p>Au&#223;erhalb des Schwerpunkts gibt es Teil zwei der Serie <em>zum politischen Erbe der russischen Revolution</em>: <em>Benjamin Opratko </em>nimmt sich „Zeit f&#252;r Lenin“ und fragt, was eine undogmatische Linke heute noch von diesem toten Hund der marxistischen Theorie lernen kann. Die globale Finanzkrise, ausgel&#246;st vom Platzen der Spekulationsblase<br />
rund um Immobilienhypotheken in den USA, wird vom US-amerikanischen Wirtschaftshistoriker Robert Brenner analysiert.</p>
<p>Zu guter Letzt gibt es Rezensionen zur feministischen Intersektionalit&#228;tsforschung, transnationalen Arbeitskonflikten und David Harveys „kleiner Geschichte des Neoliberalismus“.</p>
<p>Viel Freude bei der Lekt&#252;re, und schafft zwei, drei viele 1968!</p>
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		</item>
		<item>
		<title>1968 oder Der Konflikt um die Demokratie</title>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2008 10:55:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 5]]></category>
		<category><![CDATA[1968]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[StudentInnenbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Alex Demirovic </em>&#252;ber den demokratischen Charakter der Studierendenbewegung in Westdeutschland 1968 und die falschen Vorw&#252;rfe, die ihr vierzig Jahre sp&#228;ter gemacht werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Alex Demirovic </em>&#252;ber den demokratischen Charakter der Studierendenbewegung in Westdeutschland 1968 und die falschen Vorw&#252;rfe, die ihr vierzig Jahre sp&#228;ter gemacht werden.<br />
<span id="more-105"></span><br />
Vierzig Jahre nach 1968 gibt es erneut einen Streit um die politische Bedeutung der Protestbewegung der sp&#228;ten 1960er Jahre. G&#246;tz Aly, selbst aus der damals sich wieder formierenden radikalen Linken kommend und mittlerweile ein angesehener Historiker des Nationalsozialismus, geht, wie andere vor ihm, auf Distanz zu seiner Geschichte, indem er in seinem j&#252;ngsten Buch, in Artikeln und Interviews nahegelegt, dass es zwischen der studentischen Protestbewegung und dem Nationalsozialismus eine intergenerationelle Gemeinsamkeit gegeben habe. Diese Gemeinsamkeit sieht er in der Kritik am System, in der politischen Form der Bewegung, im Antiamerikanismus, im Antisemitismus. Die Reaktion auf Alys Provokation f&#228;llt angemessen aus, der Mangel an Seriosit&#228;t dieser formalen Analogien wird zurecht zur&#252;ckgewiesen. Doch bedeutend an dem Vorgang ist, dass die „Ideen von 1968“, wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten, wieder einmal Gegenstand einer geschichtspolitischen Auseinandersetzung geworden sind und dass es nicht gelingt, diese Jahre Vergangenheit sein zu lassen. Darin besteht tats&#228;chlich mehr als eine Analogie: wie der Nationalsozialismus verlangt auch „1968“, historisch und gesellschaftspolitisch Position zu beziehen &#8211; und dies ist der Fall, weil sie in einem inneren Zusammenhang stehen. „1968“ war der Gegensatz zum Nationalsozialismus. Dieses Schl&#252;sseljahr steht f&#252;r die gesellschaftspolitische Alternative: nachdem der Nationalsozialismus die sozialistische Linke in Deutschland vernichtet hatte, entstand sie „1968“ von innen und auf der H&#246;he der Zeit wieder neu. Das lie&#223; sie manchmal triumphalistisch und moralisierend-autorit&#228;r werden, so als k&#246;nne sie nachtr&#228;glich die tiefe Niederlage der deutschen und europ&#228;ischen Linken, so als k&#246;nne sie die Barbarei des millionenfachen Mordes durch den deutschen Staat die Protestbewegung aus der Geschichte streichen. Aber sie machte erfahrbar, dass die Normalit&#228;t des Kapitalismus, dass auch der Nationalsozialismus und seine Verbrechen politisch hergestellt war und es Entwicklungsperspektiven jenseits des Bestehenden gibt. Den Konflikt um „1968“ muss die Linke austragen, aber die Vorw&#252;rfe, die Aly erhebt, kann sie gelassen zur Kenntnis nehmen, denn kein einziger ist neu und wird durch Wiederholung nicht wahrer. Sie wurden innerhalb der Linken &#252;ber viele Jahre immer wieder diskutiert, die Zeitschrift „links“ des Sozialistischen B&#252;ros ver&#246;ffentlichte seit den 1970er Jahren viele Artikel zu diesem Problemkontext. Schon w&#228;hrend der Jahre der Protestbewegung gab es unter den akademischen Lehrern der Protestierenden diese Vorbehalte: Horkheimer sah in der Kritik am US-amerikanisch gef&#252;hrten Krieg in Vietnam Antiamerikanismus, der an die Stelle des offiziell verbotenen Antisemitismus getreten war, Habermas warf den Sprechern der Proteste angesichts ihres laxen Verh&#228;ltnisses zur Gewalt als Propagandamittel Linksfaschismus vor, Adorno beklagte sich, dass die Protestierer mit ihren Protestmethoden die Wissenschaftsfreiheit einschr&#228;nkten.</p>
<h3>Selbstaufkl&#228;rung und Selbsreflexivit&#228;t</h3>
<p>Man mu&#223; solche Kritiken ernst nehmen und die Geschichte und Gegenwart der Linken wieder und immer wieder auf autorit&#228;re Tendenzen pr&#252;fen. Das ist im Interesse der (sozialistischen) Linken selbst und ihres Projektes. Sie will die Gesellschaft emanzipieren und ver&#228;ndern; es geh&#246;rt zu ihrem Anspruch, f&#252;r ihre Ziele und ihr Handeln wissenschaftliche, also &#252;berpr&#252;fbare, allgemein einsehbare, kritische, verwerfbare Argumente zu haben. Doch was w&#228;re, wenn die, die f&#252;r Emanzipation eintreten, selbst autorit&#228;r sind? Es geh&#246;rt zu den bitteren Erfahrungen der Kritischen Theorie in den 1930er Jahren, da&#223; viele derjenigen, die aufgrund ihrer Parteimitgliedschaft als Sozialisten oder Kommunisten gelten konnten, autorit&#228;r orientiert und Mitl&#228;ufer der Macht egal welcher Richtung waren. Der sich aus einem solchen Wissen ergebende, selbstaufkl&#228;rerische Impuls, diese reflexive Wendung auf die eigene politische und theoretische Praxis sollten nicht aufgegeben werden. Sie sind ein ganz wesentliches Element, das die Protestbewegung der bundesdeutschen Linken erschlossen hat – diese sollte sich durch die Dummheit manipulatorischer Geschichtspolitiker die Praxis der Selbstaufkl&#228;rung nicht enteignen und dumm machen lassen. Selbstverst&#228;ndlich mu&#223; die Linke sich misstrauisch pr&#252;fen, ob in ihr autorit&#228;re Tendenzen enthalten sind. Das war 1968, in den proletarisch gewendeten Organisationen der Neuen Linken, den Gr&#252;nen der Fall: es gab Antisemitismus, es gab politischen Kadavergehorsam, es gab Wendeh&#228;lse – aber es gab auch reale Aufkl&#228;rungs- und Emanzipationsprozesse. Es gab die Befreiungsversuche hin zu einer radikalen Alltagskultur in den Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, zwischen den Geschlechtern, eine Zur&#252;ckweisung des Heterosexismus und der Homophobie, Kritik an der Zerst&#246;rung der Natur und der sinnlosen Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft; Schule, Hochschule, Geschlechterverh&#228;ltnis sollten emanzipiert und demokratisiert werden. Wenn G&#246;tz Aly sagen will, da&#223; die Kr&#228;fte dieser Emanzipation noch zu sehr der Geschichte verhaftet blieben, noch zu wenig radikal waren, manches immer noch zu autorit&#228;r war, dann mu&#223; man sagen: recht hat er. Es hat nicht ausgereicht. Aber seine Kritik diskreditiert nicht das, was geleistet wurde, sondern die Kr&#228;fte und Verh&#228;ltnisse, die verhindert haben, dass nicht mehr erreicht wurde.</p>
<h3>Demokratisches Potential und sozialistische Traditionen</h3>
<p>Mit der parlamentarischen Demokratie arrangierten sich die Besiegten, die nur widerwillig Befreite sein wollten; auf vielen verantwortlichen Positionen der Politik, der Wirtschaft, der Justiz waren weiterhin fr&#252;here Nazi-Funktion&#228;re aktiv, die nun absurderweise in Anspruch nehmen durften zu definieren, was Demokratie sei. Das Verst&#228;ndnis von Demokratie blieb paternalistisch, formal, konventionell und autorit&#228;r. Die Protestbewegung machte mit der Demokratie Ernst. Unter den Studierenden hatten nach einer Studie, die J&#252;rgen Habermas und Ludwig von Friedeburg Ende der 1950er Jahre am Institut f&#252;r Sozialforschung durchgef&#252;hrt hatten, gerade einmal neun Prozent ein definitiv demokratisches Potential, 16 Prozent aber ein definitiv autorit&#228;res Potential, der Rest von 66 Prozent erwies sich als mehr oder weniger unprofiliert, war also empf&#228;nglich f&#252;r gesellschaftliche Ver&#228;nderungen in die eine oder andere Richtung. In einem solchen als Restauration erfahrenen Klima verbot 1961 die SPD ihren Parteimitgliedern, im SDS oder seiner F&#246;rderergesellschaft Mitglied zu sein. Mit der Einschr&#228;nkung der innerparteilichen Demokratie wollte man nach der Godesberger Wende der Partei den unbequemen Studentenverband und die sozialistischen und marxistisch orientierten Mitglieder der Partei loswerden. Gerade durch den Unvereinbarkeitsbeschlu&#223; jedoch wurde der SDS in den 1960er Jahren das Zentrum der gesellschaftlichen Opposition. Denn er bot einen politischen und Erkenntniszusammenhang, der es erm&#246;glichte, sich Marx, die Erfahrungen der sozialistischen Bewegung wieder anzueignen, also jene Tradition, die das deutsche B&#252;rgertum zu vernichten versucht hatte. Kritische Intellektuelle wie Georg Lukács, Leo Kofler, Ernst Bloch, Max Horkheimer, Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno konnten hier auf &#252;berraschende Weise Resonanz f&#252;r ihre Probleme und Argumente finden. Von b&#252;rgerlicher Seite wurde der Verdacht ge&#228;u&#223;ert, dass der SDS eine Organisation sei, die dem &#246;stlichen Totalitarismus zuarbeiten w&#252;rde. Doch selbst der CDU zuneigende Wissenschafter wie Rudolf Wildenmann und Max Kaase mussten als Ergebnis einer 1968 durchgef&#252;hrten Befragung feststellen, dass keine Gruppe der westdeutschen Gesellschaft so genau die Prinzipien der Demokratie verstand und so entschieden f&#252;r sie eintrat wie die Mitglieder des SDS. Dieser hatte seine demokratische Haltung schon l&#228;ngst bewiesen mit seiner Kampagne gegen die Notstandsgesetze, die ihn mit der IG-Metall unter Otto Brenner und mit linken Liberalen in einem B&#252;ndnis zur Verteidigung der Demokratie gegen ihre angeblichen Repr&#228;sentanten zusammenbrachte. Ein erster H&#246;hepunkt war der in Frankfurt im Oktober 1966 durchgef&#252;hrte Kongress „Notstand der Demokratie”, der das Ziel hatte, den bef&#252;rchteten Anf&#228;ngen zu wehren. An der Abschlusskundgebung nahmen 25.000 Menschen teil. Die gro&#223;e Koalition unter dem fr&#252;heren Nazi-Funktion&#228;r Kissinger l&#246;ste als eine zweifelhafte Allianz, von der bef&#252;rchtet wurde, dass sie hinter der parlamentarischen Fassade die Demokratie abwickeln w&#252;rde, Proteste aus: „Notstandsgesetze: Kapitalismus f&#252;hrt zum Faschismus” war eine der Parolen. Demokratie, so hie&#223; es in einem Flugblatt gegen die verbreitete Hetze gegen die Protestbewegung, hei&#223;e nicht Friedhofsruhe. Am 11. Mai 1968, in der Hochphase der weltweiten Protestbewegung, kam es in Bonn anl&#228;sslich der bevorstehenden dritten parlamentarischen Lesung der Notstandsgesetze zu einem Sternmarsch, an dem sich 60.000 Demonstranten beteiligten. In den folgenden Tagen fanden bundesweit Proteste, Kundgebungen, Demonstrationen, teach-ins, Universit&#228;tsbesetzungen statt. Erkl&#228;rt wurde, dass ein Staat zu bek&#228;mpfen sei, der die Demokratie beseitigen wolle. Diese Demonstrationen, die Sensibilisierung f&#252;r Gef&#228;hrdung demokratischer Prozesse und Verfahren, die Entstehung gegenkultureller Zusammenh&#228;nge und Alltagsgewohnheiten – das alles hat dazu beigetragen, dass sich mehr Menschen in den Parteien und Gewerkschaften organisierten und neue demokratische Beteiligungsformen etabliert wurden; die sozialen Bewegungen haben in den folgenden Jahrzehnten Millionen Menschen in den demokratischen Prozess hineingezogen.</p>
<h3>Wider die Denunziation</h3>
<p>Unter den Studierenden der 1990er Jahre war die Gruppe der Autorit&#228;ren nicht kleiner als Ende der 1950er Jahre, aber der Anteil der demokratisch Studierenden hatte deutlich auf ein Viertel zugenommen; und die am entschiedensten demokratisch Orientierten sahen sich auch am deutlichsten auf der linken Seite des politischen Spektrums. Dabei wird man sich nicht beruhigen k&#246;nnen, der Zugang zu gesellschaftlichen Machtpositionen, die sich aus Prozessen der Gesellschaftsver&#228;nderung im Namen der Freiheit ergeben, kann autorit&#228;re Anwandlungen beg&#252;nstigen. Doch die Linke und die politische Form der Bewegung umstandslos als autorit&#228;r und nationalsozialistisch zu denunzieren – davon zu sprechen, der Nationalsozialismus sei eine Bewegung gewesen, sitzt selbst schon der Nazi-Propaganda auf –, schw&#228;cht nicht nur die Praxis demokratischer Ver&#228;nderung, sondern auch die darin enthaltenen M&#246;glichkeiten selbstkritischer &#220;berpr&#252;fung und Korrektur.</p>
<p>Alex Demirovic lehrt Politikwissenschaft an der TU Berlin. Zuletzt ist von ihm erschienen: <em>Demokratie in der Wirtschaft. Positionen &#8211; Probleme &#8211; Perspektiven</em>, M&#252;nster 2007 sowie <em>Nicos Poulantzas. Aktualit&#228;t und Probleme materialistischer Staatstheorie</em>, M&#252;nster 2007.</p>
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		<title>Aufruhr im Netz</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Sep 2007 02:30:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 1]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
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		<description><![CDATA[Rezension: Nasrin Alavi: Wir sind der Iran. Aufstand gegen die Mullahs - die junge persische Weblog-Szene. K&#246;ln: Kiepenheuer &#38; Wirtsch 2005.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Nasrin Alavi: Wir sind der Iran. Aufstand gegen die Mullahs &#8211; die junge persische Weblog-Szene. K&#246;ln: Kiepenheuer &amp; Wirtsch 2005.<br />
<span id="more-93"></span><br />
Der Iran ist in der internationalen Medienlandschaft ein viel behandeltes Land. Der Atomkonflikt, Attacken gegen Israel, diktatorische Mullahs und Bilder von schwarz umh&#252;llten Frauen pr&#228;gen das Iranbild vieler Menschen im Westen. Nasrin Alavi zeigt in ihrem Buch &#252;ber die iranische Weblogszene einen anderen Iran.<br />
Das Internet hat sich aufgrund einer repressiven Pressezensur in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Medien f&#252;r freie Meinungs&#228;u&#223;erung und Protest gegen die Mullah-Diktatur entwickelt. Es gibt ca. 64.000 iranische Weglogs. Farsi (die offizielle iranische Landessprache) ist somit die vierth&#228;ufigste Sprache, in der Internettageb&#252;cher geschrieben werden. Die meist jungen Web-AutorInnen sprechen „mit viel Witz, Poesie und Zorn &#252;ber ihre Konflikte mit dem Gesetz, die Situation der Frauen, diskutieren &#252;ber Repression und Widerstand, Religion und Medien, &#252;ber Musik und Partys, erz&#228;hlen von der Liebe und der Trauer &#252;ber verschwundene [politische] Helden.“<br />
Durch viele Zitate aus Weblogs zeichnet Alavi ein dynamisches Bild der iranischen Gesellschaft im Wandel. Im Zentrum stehen dabei die W&#252;nsche, Hoffnungen und &#196;ngste junger IranerInnen die im allt&#228;glichen Widerspruch zur offiziellen politischen und ideologischen Realit&#228;t der Islamischen Republik leben. Die Br&#252;chigkeit der Herrschaft der Mullahs kommt in diesem Spannungsfeld zum Vorschein. Oppositionelle Geistliche, JournalistInnen, politische AktivistInnen formulieren durch ihre Weblogs Kritik am Regime. Viele von ihnen werden in Alavis Buch vorgestellt und ihre Kommentare sowie Huldigungen an ber&#252;hmte Oppositionelle abgedruckt.</p>
<p>Die Tradition des Widerstandes ist ein wichtiger Bestandteil der Diskussionen in den Weblogs und eine Anleitung f&#252;r den Widerstand heute. So ist z.B. die Rolle der USA in der Unterdr&#252;ckung der iranischen Bev&#246;lkerung noch lange nicht vergessen, ebenso wie die Erfahrungen fr&#252;herer demokratischer Bewegungen und K&#228;mpfe, die Menschen immer noch inspirieren. Zum Todestag des demokratisch gew&#228;hlten Nationalisten Mohammad Mossadegh, der durch einen Putsch des Shahs und der CIA gest&#252;rzt wurde, erschienen zum Beispiel Weblogs, die an ihn erinnern:</p>
<p>5. M&#228;rz 2003<br />
Heute ist der Todestag des einflussreichsten demokratischen Staatsoberhaupts der iranischen neueren Geschichte… Heute behauptet Amerika, es wolle dem gesamten Planeten die Demokratie bringen. Die &#196;ra Mossadegh beweist, dass solche Behauptungen nur eine einzige gro&#223;e L&#252;ge sind. In ehrenvollem Andenken an Dr. Mossadegh, einen Mann, der sein Volk nie verriet…</p>
<p>http://www.shabah.org</p>
<p>Ebenso ist die Erinnerung an die ungerechte Herrschaft des Shahs vor der Revolution 1979 als auch an die Revolution selbst nicht verblasst:</p>
<p>15. Februar 2004<br />
Die islamische Herrschaft hat so viel Elend &#252;ber uns gebracht, dass die F&#252;rsprecher der Monarchie unsere gegenw&#228;rtige schlimme Lage schon als Argument heranziehen, wenn sie die Schahzeit als eine &#196;ra der Zivilisation bezeichnen… Doch das Ged&#228;chtnis unseres Volkes ist nicht so schlecht, dass es jenen Sumpf vergessen h&#228;tte oder auch die Tatsache, dass die Islamische Revolution aus jenem Sumpf heraus erwachsen ist.<br />
In unserem Land sind alle Arten repressiver Herrschaft ausprobiert worden&#8230; Doch diesmal wollen alle vorrangig Demokratie und Freiheit. Die Iranische Revolution lebt, sie ist ewig und geht immer weiter&#8230; Lang lebe die Iranische Revolution!</p>
<p>http://siprisk.blogspot.com</p>
<p>Dass die IranerInnen nicht sehns&#252;chtig auf die US-Panzer in Teherans Stra&#223;en warten um die Diktatur zu st&#252;rzen, zeigt sich in der abneigenden Haltung vieler Blogger gegen&#252;ber der aggressiven Politik der USA im Atomstreit:</p>
<p>1. Februar 2005<br />
Ich hasse Krieg. Ich hasse die Soldaten, die uns befreien sollen und unseren Boden, unser Heim, Jung und Alt unter ihren Stiefeln zertrampeln. Glaubt mir, ich liebe die Freiheit. Aber ich glaube, dass man sich selbst befreien muss. Niemand sonst kann das tun.</p>
<p>http://shargi.blogspot.com</p>
<p>W&#228;hrend der StudentInnenunruhen spielte die Kommunikation &#252;ber das Internet eine wichtige Rolle. Informationen und Erlebnisse konnten auf diesem Weg schnell und relativ ungef&#228;hrlich ausgetauscht werden. Dies ist ein Erlebnisbericht eines Webloggers &#252;ber die StudentInnenunruhen im Juni 2003:</p>
<p>13. Juni 2003<br />
Viele Leute, viele „B&#228;rte“ [Slang Ausdruck f&#252;r die Basiji Milizen], viele Motorr&#228;der…<br />
Und wo war ich? 17. Stra&#223;e, Amir Abad, vor den Wohnheimen der Jungs!<br />
W&#228;hrend der Revolution war bestimmt alles viel einfacher. Wenigstens konnte man einem Soldaten eine Blume in den Gewehrlauf stecken. Aber wie um alles in der Welt soll man eine Blume an einem elektrischen Schlagstock befestigen? Drei&#223;ig Minuten sp&#228;ter… Kurdistan Allee! Stellt euch eine Rotte Neandertaler vor, die euch jagen wie eine Herde Esel mit Chilischoten im Arsch!<br />
Drei&#223;ig Minuten sp&#228;ter, Amir Abad Highway! Tausende feiern eine Party und hupen!<br />
Zwei Uhr nachts: Kurdistan Allee… Stellt euch 40 oder 50 „B&#228;rte“ auf Motorr&#228;dern vor. Jetzt sind auch die speziellen Sicherheitstruppen im Einsatz. Das merkt man an ihrem ranzigen Gestank, der die Luft verpestet!<br />
Stellt euch folgendes vor: Die Basiji schlagen Leute zu Brei… Stellt euch vor: den Kn&#252;ppel mit dem der Basiji auf die Leute einschl&#228;gt… Stellt euch vor: Ein Polizeibeamter haut einem Basiji eine runter und wird von ihm verflucht… Stellt euch vor: Eine Gro&#223;mutter sucht nach ihrem Enkel, der von ihr getrennt wurde… Stellt euch vor: Die Basiji skandieren: „Oberster F&#252;hrer, wir sind bereit, wir sind bereit!“… Stellt euch vor: Ein Junge und ein M&#228;dchen lernen sich besser kennen… Den Gestank von Tr&#228;nengas…. abgeh&#246;rte Handys&#8230;<br />
Stellt euch vor, wie die Tore der Universit&#228;t von der Menge eingerissen werden, und wie die Basiji fluchen&#8230;</p>
<p>Nasrin Alavis Buch tr&#228;gt dazu bei, die komplexen Vorg&#228;nge im Iran besser zu verstehen. Sie behandelt Ausschnitte der iranischen Gesellschaft, Geschichte und Politik und f&#252;gt zu diesen Themen Berichte und Kommentare aus der Bloggerszene hinzu. Dadurch werden Diskussionen und Standpunkte der IranerInnen aus erster Hand erfahrbar.<br />
Eine Kritik, die trotz der gro&#223;teils interessanten Lekt&#252;re nicht fehlen darf: Die in der Bloggerszene vertretenen Meinungen d&#252;rfen nicht 1:1 auf die gesamte Gesellschaft &#252;bertragen werden. Schlie&#223;lich hat nur eine bestimmte Gesellschaftsschicht Zugang zum Internet als Kommunikationsplattform. Der Gro&#223;teil der iranischen Armen und ArbeiterInnen kann in dem Sinn nicht gleichwertig zu Wort kommen. Im Internet haben die verschiedensten Meinungen Platz und so muss dieses Medium sowie auch die Inhalte der im Buch geschilderten Weblogs nat&#252;rlich mit Vorsicht genossen werden. Gerade deshalb ist dieses Buch ein Zeugnis f&#252;r die Vielfalt der im Iran pr&#228;senten Meinungen und Ideen und bricht ein statisches und konservatives Iran-Image auf, w&#228;hrend gleichzeitig eine gnadenlose Abrechnung mit dem Iranischen Regime gemacht wird.</p>
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