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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; WanderarbeiterInnen</title>
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		<title>Geschichten des Widerstands</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 15:17:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 6]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskämpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
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		<description><![CDATA[Rezension: Pun, Ngai/Li, Wanwei: dagongmei. Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erz&#228;hlen, Berlin/Hamburg: Assoziation A 2008, 18 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Pun, Ngai/Li, Wanwei: dagongmei. Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erz&#228;hlen, Berlin/Hamburg: Assoziation A 2008, 18 €<br />
<span id="more-130"></span><br />
Der Transformationsprozess der Volksrepublik China ist gekennzeichnet von in ihrem Ausma&#223; beispiellosen Wanderungsbewegungen der l&#228;ndlichen Bev&#246;lkerung in die K&#252;stenregionen und Sonderwirtschaftszonen des Landes. Mit der Dekollektivierung der chinesischen Landwirtschaft in den sp&#228;ten 1970er Jahren und beg&#252;nstigt durch die schrittweise Aufweichung vormals rigider Migrationskontrollen seit Mitte der 1980er Jahre, wurde es transnationalen Konzernen m&#246;glich, ihre Mehrwertsch&#246;pfung an die Ausbeutung der Arbeitskraft eines Heeres chinesischer WanderarbeiterInnen zu koppeln. Aktuell wird die Zahl der ArbeitsmigrantInnen auf insgesamt 150 bis 200 Millionen gesch&#228;tzt, wobei es in den Fabrikshallen der Export-orientierten Industrie seit Anfang der 1990er Jahre vor allem junge Frauen – im Chinesischen als <em>dagongmei</em> bezeichnet – sind, deren Mehrarbeit vom Produktionsapparat abgepresst wird. Gleichzeitig stehen diese jedoch auch im Zentrum des zunehmenden Widerstands der WanderarbeiterInnen gegen deren Ausbeutung.<br />
Um die gro&#223;teils 18- bis 25-j&#228;hrigen Frauen in ihren Auseinandersetzungen zu unterst&#252;tzen, gr&#252;ndete Pun Ngai, Professorin am <em>Social Work Research Center</em> der <em>Peking University</em> und an der <em>Hong Kong Polytechnic University</em>, 1996 in der im s&#252;dchinesischen Perflussdelta gelegenen Stadt Shenzhen das <em>Chinese Working Women Network</em> (CWWN). Gemeinsam mit Li Wanwei, Mitarbeiterin der Hongkonger NGO <em>Industrial Relations Institute</em>, ver&#246;ffentlichte sie im Jahr 2006 die Ergebnisse eines vom Arbeiterinnen-Netzwerk in Shenzhen durchgef&#252;hrten Interviewprojektes mit Fabrikarbeiterinnen. Unter dem Titel <em>dagongmei. Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erz&#228;hlen</em> liegen diese Aufzeichnungen nun auch in deutscher Sprache vor.<br />
Im Vorwort des Buches wird der/die Leser/in an eine der zentralen Thesen in den Arbeiten Pun Ngais herangef&#252;hrt. F&#252;r sie deutet die Bezeichnung <em>dagongmei </em>auf die Entstehung neuer proletarischer Subjekte in China, die in einem deutlichen Gegensatz zu den <em>gongren </em>(„ArbeiterInnen“) der Mao-&#196;ra stehen. W&#228;hrend letztere von der einstigen Propaganda gefeiert und in den staatlichen Arbeitseinheiten mit lebenslangen, materiellen Privilegien versehen wurden, verweist der im chinesischen Sprachgebrauch seit etwa 20 Jahren g&#228;ngige Begriff dagong („f&#252;r den Boss arbeiten“) auf die Ausdehnung kapitalistischer Arbeitsbeziehungen. Der Zusatz <em>mei </em>(„kleine Schwester“) kennzeichnet &#252;berdies den geschlechtspezifischen Charakter des Proletarisierungsprozesses. Das auf den <em>dagongmei </em>lastende Ausbeutungsverh&#228;ltnis sieht Pun Ngai in einer „dreifachen Unterdr&#252;ckung“ (12) durch das globale Kapital, den chinesischen Staat und patriarchaler Gesellschaftsstrukturen charakterisiert. Despotische Arbeits- und Wohnbedingungen, die Verhinderung eines l&#228;ngerfristigen Verbleibens in den St&#228;dten und einer unabh&#228;ngigen, gewerkschaftlichen Organisierung sowie der Zwang zur Unterordnung unter ein traditionelles Frauenbild sind dabei miteinander verschr&#228;nkt.<br />
Das Ziel der Ver&#246;ffentlichung von zw&#246;lf biographischen Geschichten in <em>dagongmei. Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erz&#228;hlen</em> ist es, so erfahren wir ebenfalls im Vorwort, einen „subjektiven Blick der Arbeiterinnen“ (16) auf die in diesem spezifischen Kontext zu verortenden Arbeits- und Lebensverh&#228;ltnisse zu bieten. Pun Ngai begreift die Erz&#228;hlungen &#252;berdies als ein „Sub-Genre des Widerstands“ (13); die zitierten Erz&#228;hlungen, die anhand vier thematischer Schwerpunkte gegliedert und von Erl&#228;uterungen der Interviewerinnen begleitet werden, sollen insbesondere auch die unterschiedlichen Widerstandspraktiken der <em>dagongmei </em>dokumentieren, die im hegemonialen Diskurs der „Modernisierung“ Chinas ausgeblendet bleiben.<br />
Der Fokus der ersten drei Erz&#228;hlungen liegt auf den Motiven der <em>dagongmei</em>, ihre l&#228;ndliche Heimat meist sofort nach dem Schulabschluss zu verlassen. Durch die pers&#246;nlichen Geschichten wird deutlich, dass die Entscheidungen f&#252;r ein vor&#252;bergehendes Leben als Fabrikarbeiterin auf mehr als blo&#223; &#246;konomischen Zw&#228;ngen beruhen. Das Ausbrechen aus einer von der Gewaltt&#228;tigkeit des Vaters &#252;berschatteten Familiensituation tritt in den Ausf&#252;hrungen der jungen Frauen bspw. ebenso in den Vordergrund, wie die Suche nach neuen Herausforderungen und beruflichen Aufstiegsm&#246;glichkeiten abseits der als anstrengend und eint&#246;nig empfundenen Arbeit in der Landwirtschaft. Die Stadt wird dabei zur Projektionsfl&#228;che von W&#252;nschen nach einem „modernen Leben“ und Konsum. Obwohl die jungen Frauen durch Berichte von ins Dorf zur&#252;ck kommenden <em>dagongmei </em>&#252;ber die st&#228;dtischen Arbeitsbedingungen informiert sind, werden diese W&#252;nsche durch den Anblick der geschminkten und neu eingekleideten Heimkehrerinnen gleichwohl verst&#228;rkt. Die Erz&#228;hlungen vermitteln dar&#252;ber hinaus einen Einblick in die Gef&#252;hlslage der <em>dagongmei</em>, zwischen zwei unterschiedlichen Welten hin und her gerissen zu sein. Die Ausbeutung in den Fabriken und h&#228;ufiges Heimweh f&#252;hren dazu, dass sie in Zeiten v&#246;lliger Ersch&#246;pfung in die l&#228;ndliche Heimat zur&#252;ckkehren. Da sie ihre Zukunftsperspektiven jedoch weiterhin an eine Arbeit in der Stadt gebunden sehen, dauert es oft nicht lange, bis sie den Entschluss fassen, erneut in die Industriezonen zu wandern.<br />
Die biographischen Geschichten im zweiten Kapitel lenken den Blick auf die patriarchalen Gesellschaftsstrukturen in den l&#228;ndlichen Regionen Chinas. Die interviewten <em>dagongmei </em>erz&#228;hlen dabei u.a. von erzwungenen Schulabbr&#252;chen, der elterlichen Entscheidungsgewalt &#252;ber den Zeitpunkt der Heirat sowie dem Druck, sich einer traditionellen Rolle als Ehefrau unterzuordnen, welche ihr weiteres Leben auf das Geb&#228;ren und Erziehen der Kinder, die Arbeit im Haushalt und landwirtschaftliche T&#228;tigkeiten beschr&#228;nkt sieht. Die Erz&#228;hlungen des zweiten Kapitels zeigen jedoch auch den gegen diese Formen der Unterdr&#252;ckung gerichteten Widerstand der Frauen auf. Das Verlassen des Dorfes und die Lohnarbeit in den st&#228;dtischen Fabriken stellen f&#252;r sie hart errungene Versuche dar, ihre W&#252;nsche nach finanzieller Unabh&#228;ngigkeit und einem selbst bestimmten Leben zu verwirklichen. Obwohl es neben dem staatlichen Haushaltsregistrierungssystem insbesondere erzwungene Heiraten sind, welche die durchschnittliche Dauer des Aufenthalts von <em>dagongmei </em>in den St&#228;dten auf etwa 4-5 Jahre beschr&#228;nken, verdeutlicht bspw. die Geschichte der 50-j&#228;hrigen Cuiyi, dass sich die Frauen Wege erk&#228;mpfen, aus diesem vorgezeichneten Leben auszubrechen. Durch die Arbeit in der Fabrik fand Cuiyi nicht nur zu einem gest&#228;rkten Selbstbewusstsein, sondern widersetzte sich auch erfolgreich der traditionellen Rollenverteilung in der Familie. Nach einigen Jahren der Lohnarbeit zeigt sie sich stolz dar&#252;ber, nun selbst f&#252;r das famili&#228;re Einkommen sorgen zu k&#246;nnen und ob ihrer Hartn&#228;ckigkeit von den Frauen im Heimatdorf bewundert zu werden.<br />
Im Zentrum der im dritten Kapitel unter dem Titel <em>Bittere Wanderarbeit</em> gesammelten Erz&#228;hlungen stehen die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in den Weltmarktfabriken. Neben wiederholten F&#228;llen ausstehender L&#246;hne und der regelm&#228;&#223;igen Ausdehnung der Arbeitszeiten ohne R&#252;cksicht auf gesetzlich festgelegte Standards berichten die Arbeiterinnen vor allem von ihren pers&#246;nlichen Erfahrungen mit Berufskrankheiten und Arbeitsunf&#228;llen. Die Gefahr von Verletzungen in den Fabriken ist durch veraltete Produktionsmaschinen und fehlende Informationen &#252;ber notwendige Sicherheitsvorkehrungen gro&#223;. Wie die Geschichte der knapp 40-j&#228;hrigen A’lan, die sich bei der Arbeit in einer Schuhfabrik mit hoch konzentriertem Klebstoff vergiftete und zwei Jahre im Krankenhaus verbringen musste, zeigt, bleiben an die Firmenleitung gestellte Forderungen der <em>dagongmei </em>nach gesundheitlichen Schutzma&#223;nahmen h&#228;ufig ohne Reaktionen. Dar&#252;ber hinaus ist es f&#252;r die Arbeiterinnen im Falle von Krankheiten und Verletzungen schwer, entsprechende Entsch&#228;digungen ausbezahlt zu kommen. Die gesetzlich verankerte Sozialversicherung f&#252;r WanderarbeiterInnen erm&#246;glicht bisher wenig R&#252;ckhalt, da die Firmen nur selten Sozialversicherungsbeitr&#228;ge abf&#252;hren. Deutlich wird durch die Erz&#228;hlungen auch, dass die Einschaltung der lokalen Arbeitsbeh&#246;rde ohne gleichzeitigen medialen Druck nur begrenzt Unterst&#252;tzung bietet bzw. deren geringe Entsch&#228;digungszahlungen an Stelle der Firmen akzeptiert werden m&#252;ssen. Denn im Wissen &#252;ber die Schwierigkeit der <em>dagongmei</em>, auf sich alleine gestellt Gerichtsprozesse zu f&#252;hren, bleiben die Beh&#246;rden in erster Linie daran interessiert, direkte Konfrontationen mit den Unternehmen zu vermeiden.<br />
Der Widerstand der <em>dagongmei </em>gegen die Arbeits- und Lebensbedingungen, welcher im Mittelpunkt des vierten und abschlie&#223;enden Teils der biographischen Geschichten steht, nimmt nichtsdestotrotz stetig zu. Die Erz&#228;hlungen dokumentieren, wie sich die Arbeiterinnen u.a. gegen zu niedrige L&#246;hne, regelm&#228;&#223;ige &#220;berstunden, Verlegungen der Fabrikstandorte und miserable Wohnverh&#228;ltnisse zur Wehr setzen. Die systematische Unterbringung von Arbeitsmigrantinnen in Wohnheimen direkt auf dem Fabrikgel&#228;nde oder in dessen unmittelbarer N&#228;he, die Pun Ngai als f&#252;r die Industriezonen Chinas charakteristisch betrachtet und mit dem Begriff „Wohnheim-Arbeitsregime“ (11; siehe auch Pun Ngais Artikel in <a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/schlafsaalkapitalismus-in-shenzhen/"><em>Perspektiven </em>Nr. 3</a>) fasst, offenbart dabei ihren doppelten Charakter. Einerseits erm&#246;glicht sie den Unternehmen, die Reproduktionskosten der Arbeitskraft niedrig zu halten, die Arbeiterinnen Tag und Nacht zu kontrollieren sowie deren st&#228;ndige Abrufbarkeit sicherzustellen. Andererseits werden die Wohnheime und Schlafs&#228;le zu Orten, an denen sich die Arbeiterinnen &#252;ber ihre Erfahrungen austauschen und f&#252;r gemeinsame K&#228;mpfe vernetzen k&#246;nnen. Die <em>dagongmei </em>erz&#228;hlen von ihren Erfolgen, gemeinsam an Firmenleitung und Arbeitsbeh&#246;rde gerichtete Beschwerdebriefe zu verfassen, sowie in den Wohnheimen f&#252;r Unterschriften und Streiks zu mobilisieren. Doch auch Unstimmigkeiten &#252;ber die Ziele der Auseinandersetzungen und Gegenma&#223;nahmen des Managements werden beschrieben. Neben der Abschreckung durch Entlassungen oder Beurlaubungen von R&#228;delsf&#252;hrerinnen bestehen die dargestellten Strategien der Gesch&#228;ftsleitung u.a. darin, mit Teilzugest&#228;ndnissen eine Spaltung unter den Arbeiterinnen herbeizuf&#252;hren. Schlie&#223;lich verweisen die Erz&#228;hlungen in diesem Kapitel ebenso darauf, dass die <em>dagongmei </em>&#252;ber ihre Erfahrungen in K&#228;mpfen sowohl die wichtige Rolle der Kenntnis von Arbeitsgesetzen und des kollektiven Widerstands erkennen, als auch ein zunehmend starkes Klassenbewusstsein entwickeln.<br />
Im Anschluss an die Geschichten der <em>dagongmei </em>finden sich in der deutschen Ausgabe des Buches zwei Texte, die gegen&#252;ber dem chinesischen Original erg&#228;nzt wurden. In den <em>Nachbetrachtungen von Li Wanwei</em> reflektiert diese &#252;ber die Beweggr&#252;nde f&#252;r die Beteiligung am Interviewprojekt sowie &#252;ber die Bedeutung der Interviews f&#252;r die Beziehung zwischen ihr und den Fabrikarbeiterinnen. Daf&#252;r beschreibt sie ihre Politisierung in Hong Kong und das daraus erwachsende Interesse an der Unterst&#252;tzung der neuen ArbeiterInnenklasse in den Industriezonen des angrenzenden Perflussdeltas. Die Zusammenarbeit mit den <em>dagongmei </em>charakterisiert Li als „gemeinsamen Lernprozess“ (196), wobei sie den gegenseitigen Erfahrungsaustausch unter den Arbeiterinnen als einen zentralen Aspekt im Verlauf der Interviews hervorhebt. Die sich hinsichtlich der Ver&#246;ffentlichung der Interviewaufzeichnungen stellende Frage nach dem Verh&#228;ltnis zwischen (kommentierenden/ &#252;berleitenden) Interviewerinnen und (zitierten) Fabrikarbeiterinnen wird von ihr jedoch nicht thematisiert. Den Abschluss der Publikation bildet das &#252;bersetzte Kapitel <em>Sozialer K&#246;rper, Kunst der Disziplin und Widerstand</em> aus dem im Jahr 2005 erschienen Buch <em>Made in China. Women Factory Workers in a Global Workplace </em>von Pun Ngai, f&#252;r dessen Erstellung sie selbst acht Monate in einer Elektronikfabrik in Shenzhen arbeitete. Pun Ngai setzt ihre ethnographischen Aufzeichnungen in Bezug zum foucaultschen Konzept der Disziplinarmacht und pr&#228;sentiert eine ebenso detaillierte wie aufschlussreiche Analyse der auf die weiblichen K&#246;rper gerichteten Disziplinartechniken des Produktionsregimes. Dar&#252;ber hinaus dokumentiert sie den allt&#228;glichen Widerstand der <em>dagongmei </em>gegen die tayloristischen Arbeitsbedingungen und zeigt dessen M&#246;glichkeiten und Grenzen innerhalb der Machtbeziehungen an konkreten Beispielen auf.<br />
Hinsichtlich bisheriger Publikationen zur Lage chinesischer WanderarbeiterInnen stellt der auf die biographischen Geschichten fokussierte Ansatz des vorliegenden Buchs eine Ausnahme dar. Die Besonderheit dieser Herangehensweise ist dabei insgesamt betrachtet gleichsam dessen gro&#223;e St&#228;rke. Mittels der subjektiven Erz&#228;hlungen gelingt es zum einen, die spezifische Situation der <em>dagongmei </em>aus deren eigenem Blickwinkel begreifbar zu machen, ohne gleichzeitig die Heterogenit&#228;t der Arbeiterinnen in Frage zu stellen. Zum anderen k&#246;nnen die biographischen Geschichten die den <em>dagongmei </em>im hegemonialen Diskurs zugeschriebene Passivit&#228;t widerlegen und ihre unterschiedlichen Perspektiven auf emanzipatorische Ver&#228;nderungen aufzeigen. Des Weiteren ist positiv festzuhalten, dass die Lekt&#252;re keinerlei Vorkenntnisse voraussetzt, was neben den Ausf&#252;hrungen im Vorwort vor allem auch einem umfangreichen Glossar mit grundlegenden Begriffskl&#228;rungen zu verdanken ist. Das Buch ist somit ein sehr wichtiger Beitrag f&#252;r eine kritische, an Vorstellungen und Erfahrungen der ArbeiterInnen ankn&#252;pfende Auseinandersetzung der deutschsprachigen Linken mit den sozialen Umw&#228;lzungsprozessen in China.</p>
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		<title>Veranstaltung: dagongmei &#8211; Arbeiterinnen aus Chinas Weltmarktfabriken erz&#228;hlen</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Oct 2008 16:03:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>clemens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Buchvorstellung und Diskussion mit Pun Ngai]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2008/10/image_preview.jpeg" alt="dagongmei" /><br />
<h3>Buchvorstellung und Diskussion mit Pun Ngai<br/>am 14.Oktober um 19 Uhr im <a href="http://www.wuk.at" target="_blank">WUK</a></h3>
<p>Im Zuge der Reformpolitik der letzten drei&#223;ig Jahre wurde China zum „Flie&#223;band der Welt“. Es beruht auf einer spezifischen Form der Ausbeutung und Unterbringung von Millionen junger Frauen und M&#228;nner, die vom Land in die industrialisierten St&#228;dte und Sonderwirtschaftszonen wandern. Durch die Kombination von Fabrik und Wohnheim auf einem Gel&#228;nde, das „Wohnheim-Arbeitsregime“ (Pun Ngai), werden die Produktion und die Reproduktion der migrantischen Arbeitskraft im Sinne der Vernutzung durch das globale Kapital neu gestaltet. Die Wohnheime sind aber nicht nur Ort der Kontrolle und Disziplinierung, sie bilden auch das Terrain der  widerst&#228;ndigen Organisierung der Wanderarbeiterinnen. Anhand ihrer Untersuchungen in Elektronikfabriken in S&#252;dchina analysiert Pun Ngai die besondere, vergeschlechtlichte (gendered) Form des Gebrauchs von Arbeitskraft in China sowie die K&#228;mpfe der neuen Klasse der <em>dagongmei.</em></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="font-size: 10px">Pun Ngai ist Professorin am Social Work Research Center der Peking University und der Hong Kong Polytechnic University. 1996 gr&#252;ndete sie in Hongkong das Chinese Working Women Network (www.cwwn.org), das Wanderarbeiterinnen in einer Industriezone im Perlflussdelta unterst&#252;tzt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Arbeits- und Lebensbedingungen von WanderarbeiterInnen und die Herausbildung einer neuen ArbeiterInnenbewegung in China.</span></p>
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		<title>Veranstaltung: Unruhen in China</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2008/07/20/veranstaltung-unruhen-in-china/</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Jul 2008 11:33:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>clemens</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Diskussion und Film zum Sonderheft der Wildcat (hier zurRezension)am 17. M&#228;rz 2008, 20 Uhr, Amerlinghaus.
In Kooperation mit grundrisse und Welt in Umw&#228;lzung.


  
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: Verdana; font-size: 14px; line-height: normal" class="Apple-style-span"></span><br />
<h3 style="margin-top: 0px; margin-right: 0px; margin-left: 0px; margin-bottom: 0.5em; padding: 0px" align="left"><span style="font-size: 14px" class="Apple-style-span">Diskussion und Film zum <a href="http://www.wildcat-www.de/dossiers/china/index.html" style="color: #666666; text-decoration: none; padding: 0px; margin: 0px" target="_blank">Sonderheft der </a><em style="padding: 0px; margin: 0px"><a href="http://www.wildcat-www.de/dossiers/china/index.html" style="color: #666666; text-decoration: none; padding: 0px; margin: 0px" target="_blank">Wildcat</a> </em>(<a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/nao-steht-fuer-unruhe/" style="color: #666666; text-decoration: none; padding: 0px; margin: 0px">hier zur<em style="padding: 0px; margin: 0px">Rezension</em></a>)am 17. M&#228;rz 2008, 20 Uhr, Amerlinghaus.</span></h3>
<p style="padding-top: 0px; padding-right: 0px; padding-left: 0px; padding-bottom: 1em; text-align: justify; font-size: 90%; line-height: 135%; margin: 0px">In Kooperation mit <em style="padding: 0px; margin: 0px"><a href="http://www.grundrisse.net/" style="color: #666666; text-decoration: none; padding: 0px; margin: 0px" target="_blank">grundrisse</a></em> und <em style="padding: 0px; margin: 0px"><a href="http://www.umwaelzung.de/" style="color: #666666; text-decoration: none; padding: 0px; margin: 0px" target="_blank">Welt in Umw&#228;lzung</a></em>.</p>
<p style="padding-top: 0px; padding-right: 0px; padding-left: 0px; padding-bottom: 1em; text-align: justify; font-size: 90%; line-height: 135%; margin: 0px"><a href="http://www.perspektiven-online.com/wp-content/uploads/2008/03/plakat_china5.jpg" style="color: #666666; text-decoration: none; padding: 0px; margin: 0px" title="plakat_china5.jpg"></a></p>
<p style="padding-top: 0px; padding-right: 0px; padding-left: 0px; padding-bottom: 1em; text-align: justify; font-size: 90%; line-height: 135%; margin: 0px"><a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2008/03/plakat_china5.jpg" style="color: #666666; text-decoration: none; padding: 0px; margin: 0px" title="plakat_china5.jpg"><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2008/03/plakat_china5.jpg" style="border-width: initial; border-color: initial; width: 254px; height: 353px; border-style: none; padding: 12px; margin: 0px" width="254" height="353" alt="plakat_china5.jpg" title="plakat_china5.jpg" /></a></p>
<p>  </p>
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		<title>nao steht f&#252;r Unruhe</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2008/02/22/nao-steht-fuer-unruhe/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Feb 2008 22:47:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 4]]></category>
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		<category><![CDATA[Arbeitskämpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[WanderarbeiterInnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Unruhen in China. Beilage der Wildcat #80, Dezember 2007, 4,50 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span>Rezension: Unruhen in China. Beilage der Wildcat #80, Dezember 2007, 4,50 €<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span id="more-64"></span><span><o></o>Der Blick auf China l&#228;sst staunen. Zu vielf&#228;ltig und widerspr&#252;chlich sind die medial vermittelten Bilder, die wir Europ&#228;erInnen &#252;blicherweise geboten bekommen: Billiglohnland f&#252;r Spielzeug und Kleidung, Austragungsort der olympischen Spiele, neue Weltmacht (meist mit Fragezeichen), Lokomotive der Weltkonjunktur, Turbokapitalismus mit sozialistischem Antlitz, Megainvestor in Afrika und Lateinamerika („bald auch bei uns?“, fragt dann die hiesige Wirtschaftspresse nerv&#246;s), B&#246;rsenjongleur und Dollaraufk&#228;ufer, Atmosph&#228;renverschmutzer, verdammt viele sind sie – und was passiert erst, wenn die alle Auto fahren wollen? Es ist den HerausgeberInnen und AutorInnen dieses Hefts hoch anzurechnen, dass sie sich auf den 80 A4-Seiten nicht in diesen und noch viel mehr Fragen verheddert haben, sondern einen beeindruckend informierten und hoch interessanten Einblick in die Auseinandersetzungen liefern, die in China selbst die Entwicklung bestimmen. Nicht zuf&#228;llig prangt das </span><em>nao</em><span> am Cover, das Zeichen f&#252;r Unruhe, L&#228;rm und Tumult, wie wir auf der R&#252;ckseite erfahren. Es geht vor allem um die K&#228;mpfe der drei „gef&#228;hrlichen Klassen“, von deren Ausbeutung und Ruhigstellung das chinesische Regime abh&#228;ngt, deren Unzufriedenheit aber zugleich dessen gr&#246;&#223;te Bedrohung darstellt. Da w&#228;ren zun&#228;chst die Bauern und B&#228;uerinnen, die mit rund 700 Millionen noch immer den gr&#246;&#223;ten Bev&#246;lkerungsanteil stellen (zum Vergleich: die EU hat rund 500 Millionen EinwohnerInnen) und die von massiver Enteignung durch den Staat betroffen sind. Die boomende Wirtschaft braucht Platz und den bekommt sie – f&#252;r Industrieprojekte und rasant wachsende St&#228;dte – h&#228;ufig, indem der Staat schlicht Landraub begeht. Viele tausende Proteste, von friedlichen Petitionen bis zu gewaltsamen Aufst&#228;nden, sind Ausdruck des Widerstands dieser ihrer Subsistenzgrundlage beraubten Bauern und B&#228;uerinnen. <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span>Dann gibt es die „alte“ industrielle ArbeiterInnenklasse, </span><em>gongren</em><span>, die im maoistischen China als St&#252;tze des Staates galt und in kollektiven Arbeitseinheiten, </span><em>danwei</em><span>, besch&#228;ftigt war. Mit lebenslanger sozialer Absicherung – der so genannten „eisernen Reissch&#252;ssel“ – ausgestattet, hatten sie gewisse Privilegien genossen, die sie jedoch mit rigider politischer &#220;berwachung und Kontrolle bezahlen mussten. Doch sp&#228;testens seit den Reformen der 1990er Jahre wurden die </span><em>gongren</em><span> zu einem weiteren Unruheherd. Die meisten </span><em>danwei</em><span> wurden umstrukturiert, viele geschlossen oder privatisiert, w&#228;hrend den ArbeiterInnen die „eiserne Reissch&#252;ssel“ entzogen wurde und (meist befristete) Arbeitsvertr&#228;ge die lebenslange Zugeh&#246;rigkeit zu einer Arbeitseinheit abl&#246;sten. Der darauf folgende soziale Abstieg eines gro&#223;en Teils der gongren lie&#223; auch hier die Unzufriedenheit steigen und das traditionelle Band zwischen der st&#228;dtischen ArbeiterInnenklasse und der herrschenden KP locker werden. <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span>Und schlie&#223;lich sind die WanderarbeiterInnen, als dynamischste gesellschaftliche Kraft Chinas, die vielleicht „gef&#228;hrlichste aller Klassen“. Sie, die </span><em>mingong</em><span> – „Bauern-die-Arbeiter-wurden“ – arbeiten in den Sonderwirtschaftszonen, produzieren die chinesischen Exportschlager der Spielzeug- und Textilindustrie, bauen die Fabriken und Wohnsilos oder bieten einfache Dienstleistungen in den wachsenden Megast&#228;dten an. Sie sind jung, &#252;berwiegend weiblich und wehren sich gegen niedrige L&#246;hne, Lohnbetrug, schlechte Arbeitsbedingungen, fehlende soziale Absicherung oder miserable Wohnverh&#228;ltnisse (vgl. den Artikel von Pun Ngai in Perspektiven Nr. 3) . <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span>Den AutorInnen gelingt es, diese groben Linien der gegenw&#228;rtigen Klassenlandschaft in China nahe zu bringen, ohne holzschnittartig zu werden. &#220;ber Widerspr&#252;che innerhalb und zwischen den einzelnen Klassen wird nicht hinweggegangen, die spezifischen Situationen etwa von Frauen, sowohl von Wanderarbeiterinnen als auch von „traditionellen“ </span><em>gongren</em><span> und B&#228;uerinnen, werden behandelt. So wird in einem Beitrag gezeigt, dass die „ungl&#252;ckliche Generation“, die die Jahrg&#228;nge von ca. 1945 bis 1960 umfasst, nicht nur insgesamt von Hungersn&#246;ten, den Gewaltexzessen der „Kulturrevolution“ und den neoliberalen Umstrukturierungen der 1980er und 90er Jahre gepr&#228;gt ist, sondern spezifische Unterdr&#252;ckungs- und Ausbeutungsformen Frauen in allen historischen Phasen zu doppelt Benachteiligten machten. Ob in den kollektivierten Landwirtschaftsbetrieben, den „Roten Garden“ der Kulturrevolution oder dem Kontrollregime des </span><em>danwei</em><span>, traditionelle, patriarchale Strukturen schrieben sich stets in den neuen Formen der gesellschaftlichen Organisation fort. <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span>Der Blick aufs Konkrete, die Lebensverh&#228;ltnisse und Auseinandersetzungen der neuen chinesischen ProletarierInnen, macht die Qualit&#228;t des Hefts aus. Vor allem aber zeigt er, was die Probleme und Grenzen der aktuellen K&#228;mpfe sind. Denn diese bleiben in aller Regel sehr begrenzt, richten sich gegen den Boss oder korrupte lokale Verwaltungen. Die Verbindung der K&#228;mpfe bleibt zumeist aus und der Zentralstaat organisiert sich derma&#223;en geschickt, dass er, indem er Kompetenzen an die lokalen Staatseinheiten abgibt, den Zorn von sich ablenken und als neutraler Vermittler oder oberste Instanz f&#252;r Protestierende auftreten kann. Doch dass dies so weiter geht, ist keineswegs ausgemacht, und die Sprengkraft, die die Verkn&#252;pfung der K&#228;mpfe verschiedener ArbeiterInnenklassen erzeugen k&#246;nnte, l&#228;sst sich in den Beitr&#228;gen des Hefts erahnen. Leider verschwindet hinter der lebendigen Beschreibung der vielf&#228;ltigen &#246;konomischen Kampfformen etwas die Frage, welche Form einer politischen, &#252;ber die konkreten Interessen der protestierenden ArbeiterInnen hinaus reichenden Organisierung unter den besonderen Bedingungen der chinesischen Entwicklungsdiktatur &#252;berhaupt denkbar ist. Auch die teilweise etwas unscharfen Begrifflichkeiten m&#246;gen manche(n) LeserIn etwas stutzen lassen – in der theoretischen Einsch&#228;tzung und historischen Einordnung des maoistischen China sind sich die AutorInnen offensichtlich nicht so sicher. So wird an manchen Stellen von der „Kommodifizierung“ der Arbeitskraft durch die Privatisierung ehemals staatlicher Industrien in den 1990ern gesprochen (36), was nahe legt, dass diese davor keine Ware gewesen w&#228;re. Anderswo leisten Frauen jedoch schon w&#228;hrend der 1950er Jahre, zur Zeit des „Gro&#223;en Sprungs nach vorne“, „Lohnarbeit“ etwa in der Textilindustrie (43). Und vollends verwirrend wird es, wenn die </span><em>danwei</em><span> als Orte der „sozialistischen Akkumulation von Kapital“ tituliert werden (35). Dass die notwendige Debatte um ad&#228;quate theoretisch Begriffe (die selbst eine eminent politische ist) hier nicht gef&#252;hrt wird, soll den Beitrag des Hefts jedoch nicht schm&#228;lern. Der Blick auf das breite Spektrum der lebendigen K&#228;mpfe, auf randalierende WanderarbeiterInnen, streikende Proletarier im „Rostg&#252;rtel“ des Nordostens, Bauernaufst&#228;nde, aber auch k&#252;nstlerische Protestformen, die sich etwa in einem Boom „unbequemer Filme“ ausdr&#252;cken, ist umso wertvoller. Die deutschsprachige Linke wird, so sie die Entwicklungen in der dynamischsten Wirtschafsmacht der Welt nicht verschlafen will, an dieser Publikation nicht vorbei kommen.<o></o></span></p>
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		<title>Schlafsaalkapitalismus in Shenzhen</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Dec 2007 09:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>stefan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 3]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskämpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Prekarisierung]]></category>
		<category><![CDATA[WanderarbeiterInnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das chinesische “Wirtschaftswunder” beruht auch auf neuen, intensiven Formen der Ausbeutung junger, binnenmigrantischer Arbeiterinnen in den Zonen der Exportindustrie. <em>Pun Ngai</em>, Professorin f&#252;r Sozialwissenschaften an der <em>Hong Kong University of Science and Technology</em> und Pr&#228;sidentin des <em>Chinese Working Women Network</em> beschreibt die Arbeitsbedingungen und Organisationsversuche in den Fabriken und Schlafs&#228;len der Textilindustrie S&#252;dchinas.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das chinesische “Wirtschaftswunder” beruht auch auf neuen, intensiven Formen der Ausbeutung junger, binnenmigrantischer Arbeiterinnen in den Zonen der Exportindustrie. <em>Pun Ngai</em>, Professorin f&#252;r Sozialwissenschaften an der <em>Hong Kong University of Science and Technology</em> und Pr&#228;sidentin des <em>Chinese Working Women Network</em> beschreibt die Arbeitsbedingungen und Organisationsversuche in den Fabriken und Schlafs&#228;len der Textilindustrie S&#252;dchinas.</p>
<p><span id="more-14"></span></p>
<p>Die Reformen der sp&#228;ten 1970er Jahre haben eine bisher beispiellose Fluchtbewegung aus den l&#228;ndlichen in die st&#228;dtischen Gebiete Chinas bewirkt. Der anhaltende Migrationsstrom wurde von der Ankunft transnationaler Konzerne (TNK) aus allen L&#228;ndern, vor allem aus Hong Kong, Taiwan, Japan, USA und Westeuropa begleitet. Eine neue Generation von Binnenfl&#252;chtlingen oder WanderarbeiterInnen hat begonnen f&#252;r diese TNKs zu arbeiten, entweder direkt bei Joint-Ventures gro&#223;er amerikanischer oder europ&#228;ischer Unternehmen oder bei chinesischen Unternehmen und deren Unterh&#228;ndlern in den St&#228;dten der Exportproduktionszone des Landes.<br />
Die Zahl dieser WanderarbeiterInnen wurde im Jahr 2000 von der F&#252;nften Volksz&#228;hlung in China auf 120 Millionen gesch&#228;tzt. Diese fl&#252;chteten aus den inneren Provinzen, wie Hunan, Hubei, Guizhou, Sichuan, Jianxi und Anhui in die s&#252;dlichen K&#252;stenprovinzen, wo Special Economic Zones (SEZ) errichtet wurden. Diese BinnenmigrantInnen zogen f&#252;r eine kurze oder l&#228;ngere Zeit von ihrem registrierten Wohnort weg, ohne einen dementsprechenden Wechsel des eingetragenen st&#228;ndigen Wohnsitzes, auch <em>hukou</em> genannt. Das bewirkte, dass sie, anders als registrierte BewohnerInnen der St&#228;dte, von subventionierter Unterst&#252;tzung f&#252;r Wohnung, Bildung, Ausbildung, Gesundheitssystem und Sozialhilfe in den St&#228;dten ausgeschlossen wurden.<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a> WanderarbeiterInnen, vor allem Frauen, arbeiten haupts&#228;chlich in der arbeitsintensiven verarbeitenden Leichtindustrie, wie der Kleidungs-, Elektronik-, Schuh- und Spielzeugindustrie und im unteren Dienstleistungssektor.<br />
Der Aufstieg Chinas zur „Weltfabrik“ kennzeichnet au&#223;erdem ein neues Jahrhundert, in dem Mehrarbeit aus den l&#228;ndlichen Gebieten Chinas die globale Wirtschaft anheizt.<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a> Nicht nur im chinesischen K&#252;stengebiet, sondern viel mehr im ganzen Land haben st&#228;dtische Industriezentren zu boomen begonnen. Der Beitritt Chinas zur WTO setzte das Einflie&#223;en von Kapitalien aus der Produktionsindustrie, den High-Tech-Sektoren und den Finanzm&#228;rkten fort, begleitet von der Kritik des Westens, dass die chinesischen ArbeiterInnen den ArbeiterInnen im Westen die Arbeitspl&#228;tze mehr und mehr wegnehmen w&#252;rden. In Wahrheit jedoch leiden beide ArbeiterInnenklassen – die westliche wie die &#246;stliche – am globalen Preiskampf, dem Unterbieten von Umweltschutzbedingungen und der Verschlechterung der Arbeits- und Wohnstandards. Trotz vermehrter Reformen des Arbeitsrechts seitens der Zentralregierung und der Einf&#252;hrung von Verhaltenskodizes f&#252;r Unternehmen in den letzten Jahren, hindern die Globalisierung und die Einf&#252;hrung von Just-in-Time-Produktion internationaler Konzerne die Verbesserung der Arbeitsverh&#228;ltnisse in China. Stattdessen setzen Dormitory-Labour-St&#228;tten ihren Siegeszug fort und schaffen hiermit hochgradig ausbeuterische Verh&#228;ltnisse, vor allem f&#252;r chinesische Arbeiterinnen, w&#228;hrend sie gleichzeitig eine neue gesellschaftliche Kraft hervorbringen, die stillschweigend den neuen Kapital-Arbeits-Beziehungen Widerstand leistet. Wir werden zuerst diese neue <em>Dagong</em>-Klasse [<em>dagong</em> bedeutet „f&#252;r den Boss arbeiten“ und steht im Gegensatz zu <em>gangren</em> (ArbeiterIn); Anm. d. &#220;.] der WanderarbeiterInnen und das Aufkommen eines speziellen Dormitory-Labour-Regimes f&#252;r diese neuen, vor allem weiblichen, ArbeiterInnen in S&#252;dchina analysieren.</p>
<h3>Die neue <em>Dagong</em>-Klasse</h3>
<p>Chinas Reformen der letzten zwei Jahrzehnte setzten ein globales Produktionssystem in Kraft, das die sozialistischen Arbeitsbeziehungen ver&#228;ndert und zur Schaffung einer neuen chinesischen ArbeiterInnenklasse beigetragen hat. Gleichzeitig mit der Privatisierung oder dem Bankrott des Staates und der kollektiven Wirtschaft Mitte der 1990er Jahre gruppieren sich private, ausl&#228;ndische und Joint-Venture-Unternehmen nicht nur um die K&#252;stenregion, sondern auch in fast allen Industriest&#228;dten Chinas im Inland zusammen. Eine neue ArbeiterInnenklasse von l&#228;ndlichen WanderarbeiterInnen, die <em>Dagong</em>-Klasse,<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a> im Gegensatz zur Maoistischen ArbeiterInnenklasse, ist im heutigen China entstanden. Seit den sp&#228;ten 1970er Jahren hat die Dekollektivierung einen massiven &#220;berfluss an l&#228;ndlichen Arbeitskr&#228;ften produziert. Zur gleichen Zeit, hat die Zentralregierung die Migration vom Land in die Stadt durch die Lockerung des <em>hukou</em>-Systems<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a> erleichtert. Die meisten transnationalen Konzerne und ihre chinesischen Unterh&#228;ndler rekrutierten Millionen von BauernmigrantInnen f&#252;r die Export-orientierte Industrie. Bis in die fr&#252;hen 1990er lag die akzeptierte Zahl der WanderarbeiterInnen bei 70 Millionen f&#252;r ganz China. W&#228;hrend den fr&#252;hen Jahren nach dem Jahrtausendwechsel schnellte die offizielle Zahl auf 120 Millionen WanderarbeiterInnen hoch, wobei Sch&#228;tzungen von bis zu 200 Millionen ausgehen.<a href="#anm5" title="anm_5" name="anm_5"><sup>5</sup></a> Frauen sind f&#252;r die Formierung dieser in privaten oder ausl&#228;ndischen Unternehmen ausgebeuteten neuen ArbeiterInnenklasse zentral, speziell in der Exportproduktionszone. Die Entwicklung dieser SEZs &#252;ber ganz China basierte, &#228;hnlich der Entwicklung dementsprechender Einrichtungen in den meisten anderen sich entwickelnden Wirtschaften, auf einer massiven Nutzbarmachung junger ArbeiterInnen, vor allem unverheirateter und j&#252;ngst verheirateter Frauen.<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a> Im Jahr 2000 machten Arbeiterinnen ungef&#228;hr 47,5 Prozent aller chinesischen WanderarbeiterInnen Chinas aus.  In der K&#252;stenregion Chinas sind sogar 65,6 Prozent aller WanderarbeiterInnen Frauen.<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a><br />
Diese neugeformte ArbeiterInnenklasse oder <em>Dagong</em>-Klasse wird daran gehindert, sich in den St&#228;dten niederzulassen, also an den Orten, an denen sie Arbeitspl&#228;tze zugeordnet bekamen. Schlimmer noch, das <em>hukou</em>-System, gemeinsam mit Arbeitskontrollen, ist entscheidend f&#252;r die Produktion einer verschwommenen, unklaren Identit&#228;t l&#228;ndlicher WanderarbeiterInnen, indem sie gleichzeitig die Ausbeutung dieses gro&#223;en Teils der Bev&#246;lkerung versch&#228;rft und verbirgt. WanderarbeiterInnen gelten nicht als vollwertige B&#252;rgerInnen vor dem Gesetz; mehr noch, den Familienangeh&#246;rigen der WanderarbeiterInnen ist es nicht erlaubt, in der jeweiligen Industriestadt zu leben, wenn sie dort nicht ebenfalls einen Arbeitsplatz finden und damit den Status eines Zeitarbeiters/einer Zeitarbeiterin erwerben. W&#228;hrend Lokalregierungen und ausl&#228;ndische Unternehmen von der Arbeit der WanderarbeiterInnen profitieren, k&#246;nnen sie gleichzeitig wohlfahrtsstaatliche Ausgaben vermeiden, die ArbeiterInnen rechtlich zustehen w&#252;rden.</p>
<h3>Arbeitskontrolle unter dem „Dormitory-Labour“-Regime</h3>
<p>Weil offizielle und inoffizielle Strukturen verhindern, dass diese neue <em>Dagong</em>-Klasse ihre eigenen Communities in den St&#228;dten aufbauen kann, liegt die Verantwortung kontinuierlich die ben&#246;tigte Arbeitskraft sicherzustellen, und damit die t&#228;gliche Reproduktion der Arbeitskraft, alleine bei der Industrie. Diese Verschiebung der Verantwortung vom Staat hin zum privaten Sektor schafft das, was wir „Dormitory Labour Regimes“ nennen, was zur Entstehung eines besonders ausbeuterischen Systems im Kontext der internationalen Arbeitsteilung beitr&#228;gt. W&#228;hrend Millionen von WanderarbeiterInnen in die Industriest&#228;dte str&#246;men, bleibt die Bereitstellung von Schlafr&#228;umen (engl. Dormitory) eine chinesische Besonderheit globaler Produktionsprozesse. Unabh&#228;ngig von der Industriebranche, vom Ort oder der Herkunft des Kapitals werden chinesische WanderarbeiterInnen – weiblich oder m&#228;nnlich, verheiratet oder nicht –  in Schlafs&#228;len untergebracht, die sich in der N&#228;he oder auf dem Fabrikgel&#228;nde selbst befinden. Wir bezeichnen dieses Ph&#228;nomen als „Dormitory Labour Regime“, um die R&#252;ckkehr einer Verbindung von Schlafs&#228;len und Fabriken als hybridem Auswuchs des globalen Kapitalismus einerseits und des Erbes des Staatssozialismus zu fassen.<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a> Wir hoffen dieses Dormitory Labour Regime nicht nur als Form des Arbeitsmanagement, sondern auch als Ort f&#252;r ArbeiterInnensolidarit&#228;t und Arbeitsk&#228;mpfe betrachten zu k&#246;nnen. W&#228;hrend diese Art der Verwendung von „dormitory labour“ spezifisch f&#252;r das heutige China ist, ist ihre Auswirkung auf die globale Produktion, besonders im Hinblick auf Arbeitskontrolle und Widerstand, weitreichend.<br />
Bemerkenswert ist die systematische Bereitstellung von Schlafs&#228;len durch Unternehmern f&#252;r ihre ArbeiterInnenschaft, die mit der &#214;ffnung Chinas f&#252;r die globalen Produktionsprozesse, beginnend mit der Shenzhen SEZ 1981, einhergeht. Das wurde zur Norm und wurde auf die Mehrheit der ProduktionsarbeiterInnen ausgedehnt. Diese Schlafs&#228;le in China passen weder zum westlichen Vorurteil einer angeblich paternalistischen Form, noch zum „Managerfamiliarismus“ Japans, noch zum Betrieb als „ganzheitlicher Organisation“ der vor-reformierten chinesischen Staatswirtschaft.<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a> Der Grund liegt darin, dass die gegenw&#228;rtigen Schlafs&#228;le nicht als langfristige Einrichtungen, sondern haupts&#228;chlich als kurzfristige Unterkunft f&#252;r WanderarbeiterInnen dienen. Diese Schlafs&#228;le schlie&#223;en ein l&#228;ngeres Verh&#228;ltnis zwischen der einzelnen Firma und dem/der einzelnen ArbeiterIn aus. Dieses Schlafsaal-System wird in den verschiedensten Betrieben angewandt, unabh&#228;ngig von unterschiedlichen Produktionscharakteristika, Saison oder Standort.<br />
Wichtig ist, dass in China nicht die Unternehmen Unterk&#252;nfte f&#252;r ArbeiterInnen bereitstellen, um die Loyalit&#228;t des/der ArbeiterIn oder knappe F&#228;higkeiten [Skills; d.&#220;.] zu sichern, sondern um die kurzfristige Verf&#252;gbarkeit der WanderarbeiterInnen zu gew&#228;hrleisten und den Gebrauch dieser Arbeitskraft w&#228;hrend des Arbeitstages zu maximieren. Die so gesicherte Beute repr&#228;sentiert eine neue Produktionsart, die sowohl dem &#220;berfluss an l&#228;ndlichen ArbeiterInnen als auch der &#246;konomischen Integration Chinas in das globale Flie&#223;band Rechnung tr&#228;gt.<br />
Die offensichtliche R&#252;ckkehr dieser alten Form der Arbeitskraftverwendung ist das hybride Ergebnis des globalen Kapitalismus und des Staatssozialismus, neu belebt von den transnationalen Konzernen und den Lokalwirtschaften im Kontext der Globalisierung. Praktisch alle ausl&#228;ndischen Unternehmen nutzen Schlafs&#228;le, die sie entweder von lokalen Beh&#246;rden mieten oder selber zu Verf&#252;gung stellen. Jeder dieser Konzerne strebt die Sicherung jugendlicher WanderarbeiterInnen, speziell Arbeiterinnen, f&#252;r kurze Arbeitsdauer im Betrieb an. So verfestigt sich eine Infrastruktur, die die unsicheren chinesischen Arbeitsverh&#228;ltnisse aufrechterh&#228;lt.<br />
Die Schlafs&#228;le f&#252;r FabriksarbeiterInnen geh&#246;ren zum oder grenzen an das Fabrikgel&#228;nde. Sie sind kommunale Hochh&#228;user, die einige hundert ArbeiterInnen beherbergen, mit in der Regel acht bis zwanzig ArbeiterInnen pro Raum. Wasch- und Toiletteinrichtungen sind gemeinschaftlich und zwischen den R&#228;umen, Etagen oder ganzen Einheiten gelegen. Dies macht den Lebensraum extrem kollektiv, ohne M&#246;glichkeit auf Privatsph&#228;re, au&#223;er hinter den geschlossenen Vorh&#228;ngen einer Schlafkoje. Diese materiellen Umst&#228;nde erkl&#228;ren jedoch nicht die Rolle der Schlafs&#228;le als Form der Unterbringung – als Leben-bei-der-Arbeitsst&#228;tte. Zentral f&#252;r diese Schlafsaalform ist eine politische &#214;konomie, die das Zusammenkommen typischerweise junger weiblicher Arbeiterinnen regelt. Getrennt von ihren Familien, ihrer Heimat und ihrer normalen Routine, leben diese Menschen konzentriert am Arbeitsplatz und den herrschenden Gesetzen unterworfen, die ihre Pers&#246;nlichkeiten vollst&#228;ndig unterjochen und sie zu Instrumenten der Produktion degradieren. Weil das vertragliche Arbeitsverh&#228;ltnis &#228;u&#223;erst kurz gehalten ist, &#252;bersteigt die Entfremdung der Individuen den Mangel an Besitz von Produktionmitteln oder die Kontrolle &#252;ber den Produktionsprozess. ArbeiterInnen in Schlafs&#228;len leben in einem System, das sie von ihrer Vergangenheit entfremdet und das allt&#228;gliche Umfeld durch die Fabrik, dominiert von ungew&#246;hnlicher Sprache, Essen, Produktionsmethoden und Produkten ersetzt.<br />
Die doppelte Entfremdung, die von diesen WanderarbeiterInnen erlebt wird, wird durch die Kontrolle &#252;ber die ArbeiterInnenschaft durch Dormitory Labour Regimes illustriert. Das f&#252;hrt zu einer absoluten Verl&#228;ngerung des Arbeitstages und zur R&#252;ckkehr zu einer absoluten Mehrwertproduktion. Auf Grund dieses leichten Zugangs zur Arbeitskraft w&#228;hrend des Arbeitstages ist ein Just-in-Time-Arbeitssystem f&#252;r die Just-in-Time-Produktion m&#246;glich geworden. Die Dormitory Labour Regimes bedeuten ebenso Kontrolle &#252;ber die t&#228;gliche Reproduktion der Arbeitskraft innerhalb der Fabrik. Unterkunft, Essen, Reisen, Soziales und Freizeit – alles geschieht innerhalb einer Produktionseinheit. Wir k&#246;nnen deshalb eine Verdichtung des „Arbeitslebens“ durch &#252;berlange Arbeitszeiten und den produktionsbasierten Gebrauch junger Arbeitskr&#228;fte erwarten.</p>
<h3>Arbeitsschutz und Verhaltenskodizes der Konzerne</h3>
<p>Die Arbeitsbedingungen von ArbeiterInnen in der Textilindustrie sind ein gutes Beispiel. Die Guangdongprovinz in S&#252;dchina ist das gr&#246;&#223;te Produktionsgebiet chinesischer Textilexporte. Wir f&#252;hrten 2003-2004 eine Untersuchung in zehn kleinen bis mittelgro&#223;en Bekleidungsfabriken in Shenzen durch. Die Ergebnisse bez&#252;glich Bezahlung von Arbeiterinnen, Arbeitszeiten und Gesundheit zeigten Arbeitsbedingungen, die disziplinierend und ausbeuterisch sind. Von den 50 bis 200 ArbeiterInnen einer jeden Fabrik sind &#252;ber 70 Prozent Frauen, verantwortlich f&#252;rs N&#228;hen – junge M&#228;dchen und Frauen mittleren Alters. Die kleineren Fabriken geh&#246;ren haupts&#228;chlich kleinen Subunternehmern. Die gr&#246;&#223;eren Betriebe, die internationale Marken beliefern, sind von Investoren aus Hong Kong und Taiwan finanziert.<br />
Das chinesischen Arbeitsrecht, welches seit 1. J&#228;nner 1995 in Kraft ist, legt f&#252;r die Arbeitszeit fest, dass eine F&#252;nf-Tage-Woche nicht mehr als 40 Arbeitsstunden umfasst und dass &#220;berstunden im Monat auf 36 Stunden begrenzt sind. Trotzdem ignorieren nahezu alle Unternehmen diese Gesetze und der durchschnittliche Arbeitstag betr&#228;gt oft 12 oder 13 Stunden – sechs bis sieben Tage die Woche. R&#252;ckt die Deadline f&#252;r eine Produktion n&#228;her, k&#252;rzt das Management oft die Essens- und die Zwischenpausen auf nur 30 Minuten. Um mit der immer h&#228;ufiger werdenden Just-in-Time-Produktion fertig zu werden, fordert das Management oft das Durcharbeiten bis in die fr&#252;hen Morgenstunden. In den extremsten F&#228;llen werden ArbeiterInnen gezwungen, 48 Stunden durchzuarbeiten. Die totale Arbeitszeit pro Woche erh&#246;ht sich so oft auf 90 bis 110 Stunden.<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a> Selbstverst&#228;ndlich spielen bei solchen Arbeitsbedingungen betriebsinterne Schlafr&#228;ume eine essentielle Rolle, um eine Verf&#252;gbarkeit von ArbeiterInnen rund um die Uhr zu gew&#228;hrleisten.<br />
Unter solchen Druck gestellt leiden Arbeiterinnen an einer ganze Reihe beruflich bedingter Krankheiten, wie Menstruationsst&#246;rungen, R&#252;cken- und Kopfschmerzen, verschlechterter Sehkraft, M&#252;digkeit und Atembeschwerden. Die Situation wird durch die schlechte Bel&#252;ftung des Arbeitsplatzes noch verschlimmert. Schw&#228;chere Arbeiterinnen fallen am Arbeitsplatz, vor allem w&#228;hrend der hei&#223;en Sommermonate, manchmal in Ohnmacht. Bei den meisten Unternehmen gibt es keinen bezahlten Krankenstand. Bezahlte Karenz, ebenfalls durch ein Gesetz „gesichert“, wird teilweise ignoriert, obwohl dies als Grundrecht gilt.<br />
Das gr&#246;&#223;te Problem aller interviewten ArbeiterInnen der Textilindustrie war die illegale (Unter-)Bezahlung unter dem Subsistenzniveau. Zwischen dem 1. Mai 2004 und 2005 betrug der Mindestlohn in Shenzhen SEZ 610 Yuan (d. s. ca. 58 Euro). Der Stundenlohn betr&#228;gt so 3,51 Yuan (33 Cent). &#220;berstunden sollten mit 5,30 Yuan (50 Cent) wochentags und 7,01 Yuan (66 Cent) am Wochenende bezahlt werden. Durchschnittliche ArbeiterInnen in Shenzhen, die 13 Stunden am Tag arbeiten m&#252;ssen, m&#252;ssten f&#252;r 400 Stunden pro Monat 1.916 Yuan (180 Euro) verdienen. Selten verdienen die ArbeiterInnen aber mehr als 500-800 Yuan (47-75 Euro) pro Monat. Es gibt zwei Hauptgr&#252;nde daf&#252;r: Erstens sind die anstelle eines Monatslohns erhaltenen St&#252;ckl&#246;hne extrem niedrig, zweitens wird der St&#252;cklohn f&#252;r ArbeiterInnen niemals transparent gemacht. Am Lohnzettel scheint nur ein Pauschalbetrag auf, ohne auf einzelne Komponenten einzugehen, w&#228;hrend Geldstrafen und Abz&#252;ge wie f&#252;r Essen und Unterkunft klar aufgelistet werden und 150-200 Yuan (14-18 Euro) pro Monat betragen k&#246;nnen. ArbeiterInnen k&#246;nnen sich kaum das Leben in Gro&#223;st&#228;dten wie Shenzhen leisten.<br />
Die Mehrheit der befragten TextilarbeiterInnen in den kleineren privat gef&#252;hrten Unternehmen, haben noch nicht einmal einen Arbeitsvertrag – ein klarer Versto&#223; gegen das chinesische Arbeitsrecht. Ohne legales Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnis haben die ArbeiterInnen auch keinen Anspruch auf staatlich geregelte Versicherungen. Leiden ArbeiterInnen unter arbeitsbedingten  Krankheiten oder Verletzungen haben sie gro&#223;e Schwierigkeiten, medizinische Hilfe zu erhalten.<br />
Auf die lokalen Regierungen kann offensichtlich nicht gez&#228;hlt werden, wenn es darum geht, Arbeitsrechte durchzusetzen. Um &#246;konomisches Wachstum zu forcieren und um f&#252;r ausl&#228;ndisches Kapital attraktiv zu werden, gehen lokale Regierungen mit Absicht sehr locker mit dem Arbeitsrecht um und bekommen so im Gegenzug gro&#223;e Steuereinnahmen von den Unternehmensgewinnen, und Boni von prosperierenden Konzernen. Oft sind lokale Beamte gleichzeitig selbst Investoren in gr&#246;&#223;ere Unternehmen und nehmen manchmal Bestechungsgelder von kleineren Fabriken an, um Zertifikate f&#252;r Sicherheitsbestimmungen auszustellen.<br />
Andrerseits beklagen FabriksbesitzerInnen und ManagerInnen den Druck von transnationalen Konzernen. Ein Manager einer gro&#223;en Textilfabrik in Dongguan in der Provinz Guangdong beschreibt in der <em>Financial Times</em> diesen Druck: „Wir stehen unter gro&#223;em Stress, Kunden bestellen oft sehr kurzfristig, &#228;ndern ihre Bestellung, w&#228;hrend die Produktion schon l&#228;uft und zahlen ihre Rechnungen sp&#228;t. Zur gleichen Zeit verlangen sie eine bessere Ausbildung unseres Personals, bessere Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen. Wir k&#246;nnen nicht alles gleichzeitig erf&#252;llen.“<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a><br />
F&#252;r TNKs, wie beispielsweise Levi Strauss, Nike, Reebok, The Gap und andere sind Konzernkodizes zum Trend geworden. Die Einf&#252;hrung solcher Kodizes wurde Teil deren Unternehmensstrategie, um den Verkauf ihrer Waren und Dienstleistungen am globalen Markt sicher zu stellen. Interne &#220;berpr&#252;fungen von Subunternehmen oder Zulieferern durch Konzernvertreter sind normalerweise der Fall, obwohl manchmal unabh&#228;ngige Pr&#252;ferInnen, wie zum Beispiel AkademikerInnen, AutorInnen und/oder NGOs eingeladen werden, um die Glaubw&#252;rdigkeit zu erh&#246;hen.<br />
Konzerneigene Kodizes m&#252;ssen in den gr&#246;&#223;eren &#246;konomischen Zonen der Deltas des Pearl- und des Yangtze-Flusses im S&#252;den Chinas erst vollst&#228;ndig implementiert werden. Korruption, Falschaussagen und Verschleierungen sind an der Tagesordnung. Der chinesische Manager einer gro&#223;en Zuliefererfabrik f&#252;r die Textilindustrie im Pearl-Fluss-Delta in Guangdong berichtete in der <em>Financial Times</em>, dass die Zeitkarten der ArbeiterInnen und die Verkaufszahlen gef&#228;lscht waren, um die Anforderungen der Kodizes zu erf&#252;llen. Ein Team von sechs Angestellten wurde beauftragt die Dokumente vorzubereiten, so dass sie perfekt in die W&#252;nsche ausl&#228;ndischer Investoren passen w&#252;rden. Das ist nur ein Beispiel unter Tausenden. Wichtiger jedoch ist, dass das die Beschr&#228;nkungen konzerninterner Pr&#252;fung klar zeigt. ArbeiterInnen wurde unter schwerer Strafe verboten, nicht vorgegebene Antworten zu geben und wurden f&#252;r „richtige“ Antworten belohnt. Zum Beispiel, wenn InspektorInnen nach den Arbeitszeiten fragen, m&#252;ssen die ArbeiterInnen antworten, dass sie einen Standard-Arbeitstag von acht Stunden haben, mit h&#246;chstens drei &#220;berstunden pro Tag.</p>
<h3>Versuche der Organisierung</h3>
<p>Die Abwesenheit oder Ineffizienz der staatlichen Rolle, als auch der Unternehmenskodizes, im Schutz der ArbeiterInnen-Rechte, schaffen ein Bed&#252;rfnis nach alternativen zivilen Organisationen. Wir erleben einen Boom an ArbeiterInnen-NGOs im Pearl-Fluss-Delta der sp&#228;ten 1990er und 2000er Jahre, die um ihr Dasein k&#228;mpfen, w&#228;hrend eine Zivilgesellschaft noch nicht entstanden ist. Durch den geringen politischen, legalen und organisatorischen Raum, den solche ArbeiterInnen-NGOs haben, haben sie keine andere Wahl als eine Taktik anzunehmen, die diese als „NGOs of Chinese characteristics“ formen. Einige von ihnen unterhielten eine enge Verbindung mit sozialen Organisationen oder Stiftungen in Hong Kong, wie beispielsweise das „Chinese Working Women Network“ (CWWN) oder „Workers’ Empowerment“. Andere wurden von chinesischen Anw&#228;ltInnen und JournalistInnen gegr&#252;ndet, wie das „Institute of Contemporary Observations“ (ICO). Viele wurden von WanderarbeiterInnen gegr&#252;ndet, wie beispielsweise die „Migrant Workers’ Association“. Ohne Zivilgesellschaft, ohne &#246;ffentliche Teilnahme mussten sich diese Organisationen gro&#223;en Herausforderungen stellen, um langfristig Raum f&#252;r die Organisierung von ArbeiterInnen oder deren St&#228;rkung zu schaffen. W&#228;hrend einige von ihnen einen „bevormundenden“ Partner, wie beispielsweise die lokale ACFTU (All Chinese Federation of Trade Unions), die „Youth League“ oder das Gesundheitsminsterium finden, um einen legalen Status zu erlangen, sind einige auch einfach als Wirtschaftseinheiten gegr&#252;ndet worden, wie bspw. das ICO. Der Rest dieser NGOs operiert einfach ohne Registrierung.<br />
Nehmen wir das CWWN als Beispiel, um die Organisierung und Arbeit von ArbeiterInnen-NGOs im Pearl-Fluss-Delta zu illustrieren. Als NGO aus Hong Kong wurde sie bereits 1996 in der Industriezone S&#252;dchinas ins Leben gerufen und organisiert seither Fabriksarbeiterinnen in Shenzhen, der ersten SEZ Chinas. Sie k&#228;mpft f&#252;r die Anerkennung und die Aufrechterhaltung von Arbeits- und Genderrechten und unterst&#252;tzt Grassroots-Netzwerke und soziale Gerechtigkeit in China. Wegen der gro&#223;en Schwierigkeiten, WanderarbeiterInnen direkt am Arbeitsplatz zu organisieren, ist das CWWN in den WanderarbeiterInnen-Communities verwurzelt und f&#246;rdert verschiedene Projekte, um ArbeiterInnen au&#223;erhalb der traditionellen Gewerkschaften zu st&#228;rken. Um eine Basis in China zu sichern, organisiert das CWWN nicht nur ArbeiterInnen, sondern arbeitet auch mit lokalen Staatsbeamten zusammen, die ebenfalls die missliche Lage von Wanderarbeiterinnen kritisieren und bereit sind gangbare Projekte zu unterst&#252;tzen. So war es dem CWWN seit mehr als zehn Jahren m&#246;glich, verschiedene Grassrootnetwork Projekte im Zentrum der Guangdong-Provinz aufzubauen, die sich mit Arbeitsrechten, Gesundheits- und Sicherheitsthemen, Gendergleichheit und nachhaltiger Entwicklung besch&#228;ftigen. Das CWWN startete auch Initiativen zur Organisierung in den Fabriksschlafst&#228;tten, gr&#252;ndete Kooperativen f&#252;r Arbeiterinnen und veranstaltete Trainingsworkshops zu Arbeits- und Genderrechten, um die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu verbessern und chinesische Arbeiterinnen Empowerment-Programme anzubieten. Es organisiert ebenso kulturelle und bildungstechnische Aktivit&#228;ten, um das soziale Leben von Arbeiterinnen zu bereichern und ermutigt zu Solidarit&#228;t. Zus&#228;tzlich zu diesen Projekten organisiert das CWWN Arbeitsplatz-Trainings, Informations- und Erfahrungsaustausch unter den verschiedenen Gruppen.<br />
Ein einzigartiges Programm des CWWN war das Mobile-Van-Projekt, wo ein „Women Health Express (WHE)“ die verschiedenen Dormitory-Industriezentren anf&#228;hrt, um Wanderarbeiterinnen zu erreichen, die in Teilen Chinas leben, wo das Netzwerk keine feste Basis hat. Ein adaptierter Minibus beinhaltet medizinische Ausr&#252;stung, B&#252;cher, TV und VCDs sowie Lausprecher f&#252;r Bildungsveramstaltungen im Freien. Dieser Van funktioniert als ein mobiles Service-Center f&#252;r die Verbreitung von Information zu Gesundheits- und Sicherheitsthemen, genauso wie zur Information und Schulung grundlegender Arbeitsrechte. Der WHE begann seine Arbeit am 8. M&#228;rz 2000 im Industriegebiet des Pearl-Fluss-Deltas und beendete sie im M&#228;rz 2002. Dieses Projekt erreichte &#252;ber 80.000 Arbeiterinnen. Trotz dieses Erfolges konnte das Projekt aufgrund seiner mobilen Konzeption keine dauerhaft organisierten Gruppen von ArbeiterInnen aufbauen und &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum aufrecht erhalten.<br />
Das CWWN hat versucht die Integration von lokalen Arbeiterinnen in ihre Programme zu beschleunigen, damit sie eine gr&#246;&#223;ere Rolle in der Planung und Organisierung von Projekten einnehmen k&#246;nnen. Zus&#228;tzlich zur Arbeit mit Wanderarbeiterinnen S&#252;dchinas unterh&#228;lt das CWWN ein Arbeiterinnen-Zentrum, eine Gruppe f&#252;r verletzte Arbeiterinnen und ein Gemeindezentrum f&#252;r eine professionelle Gesundheitsausbildung. Auf dem WHE basierend bildete das CWWN ein Team von lokalen OrganizerInnen in China aus, um die selbstst&#228;ndige Organisierung verletzter Arbeiterinnen zu unterst&#252;tzen und ein &#246;ffentliches Bewusstsein zu erzeugen, das berufsbedingte Krankheiten nicht ignoriert.<br />
In aller K&#252;rze betreffen die Hauptprobleme der Arbeiterinnen im Pearl-Fluss-Delta vor allem drei Bereiche: Arbeitsrechte, Berufskrankheiten und Sicherheit am Arbeitsplatz, und Frauenrechte bez&#252;glich &#246;konomischer Unabh&#228;ngigkeit. Diese Hauptthemen werden von der Arbeit des CWWN abgedeckt.</p>
<h3>Training am Arbeitsplatz</h3>
<p>Zus&#228;tzlich zu den Trainings in den Communities versuchen die ArbeiterInnen-NGOs ebenfalls, ArbeiterInnen am Arbeitsplatz zu organisieren. 2004 schuf das CWWN, gemeinsam mit zwei Partner-Organisationen, ArbeiterInnen-Komitees in zwei Betrieben, um die Demokratie am Arbeitsplatz durch ein von den ArbeiterInnen ausgehendes Monitoring-Systems zu f&#246;rdern. Die Gr&#246;&#223;e der Komitees variiert mit der Anzahl der ArbeiterInnen in der Fabrik, ist jedoch zwischen 12 und 14 Personen gro&#223;, eine Relation von einem Mitglied des Komitees zu 30 ArbeiterInnen. Der Bennungs- und Wahlprozess ist offen und demokratisch, wo jedeR ArbeiterIn einen geheimen Stimmzettel w&#228;hrend der Arbeitszeit abgibt.<br />
Die ArbeiterInnen wissen &#252;ber ihre Rechte Bescheid und, wie die Umsetzung des Verhaltenskodex am Arbeitsplatz &#252;berwacht werden kann. Die ArbeiterInnen f&#252;hren fabriksweite Wahlen durch und bestimmen so ihre eigenen Repr&#228;sentantInnen im Komitee. Diese Komitees untersuchen, ob die Arbeitsbedingungen dem Gesetz entsprechen oder dem Verhaltenskodex. Sie verstehen sich als Alternative zum top-down organisierten offiziellen Gewerkschaftsbund ACFTU.<br />
Die gr&#246;&#223;te Herausforderung f&#252;r dieses Projekt liegt in der langfristigen Unterst&#252;tzung der Komitees. ArbeiterInnen-NGOs bemerken, dass ArbeiterInnen noch nicht an wichtigen Entscheidungsprozessen, die sie direkt betreffen, wie Arbeitszeit und &#220;berstundenbezahlung, beteiligt sind. Die Verhandlungsposition gegen&#252;ber dem Management in t&#228;glichen Entscheidungen muss gest&#228;rkt werden. Der Versuch, die Demokratie am Arbeitsplatz zu f&#246;rdern, scheint noch immer im Anfangsstadium und es wird definitiv noch ein langer Weg zu bestreiten sein.</p>
<h3>Schlussfolgerung</h3>
<p>China ist eine „Weltwerkstatt“ geworden, die im Zusammenhang mit Dormitory-Labour-Regime organisiert ist. Ein gro&#223;er Pool an billigen WanderarbeiterInnen wurde geschaffen, um den Bed&#252;rfnissen globaler Produktionsprozesse in der internationalen Arbeitsteilung zu gen&#252;gen. Mit dem Aufstieg Chinas zur Weltfabrik ist auch eine neue soziale Kraft – der <em>Dagong</em>-Klasse – entstanden. Die ArbeiterInnen-NGOs streben danach einen gesellschaftlichen Raum von unten f&#252;r Millionen von WanderarbeiterInnen zu schaffen, die das R&#252;ckgrat der boomenden Exportwirtschaft Chinas darstellen, indem sie ArbeiterInnen und lokale OrganizerInnen ausbilden und Solidarit&#228;t aufzubauen. In einem „Brief an die FreundInnen der WanderarbeiterInnen“, ruft die „Migrant Workers’ Association“ ArbeiterInnen  zur Unterst&#252;tzung auf:<br />
„Nur wenn wir organisiert sind und uns gegenseitig solidarisch unterst&#252;tzen, wird diese neue Klasse an WanderarbeiterInnen, diese gro&#223;e benachteiligte Gruppe, sich nicht „wie Sand zerstreuen“ und kein Opfer willk&#252;rlicher Tyranneien werden. Nur wenn wir organisiert sind, k&#246;nnen wir die Aufmerksamkeit der Regierung erreichen und k&#246;nnen wir effektive Wege finden, die unsere Probleme zu reflektieren. Nur wenn wir organisiert sind, k&#246;nnen wir WanderarbeiterInnen eine h&#246;rbare Stimme haben, und kommunikative Mechanismen f&#252;r einen st&#228;ndigen und effektiven Austausch mit Regierung und Gesellschaft aufbauen, um unsere Arbeitsbedingungen zu verbessern. Nur wenn wir organisiert sind, k&#246;nnen arbeitsrechtliche Bestimmungen und unser institutioneller Schutz gesichert werden.“</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a>  Solinger, Dorothy J.: Contesting Citizenship in Urban China. Berkeley 1999<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a>  Chan, Anita: China’s Workers Under Assault. The Exploitation of Labor in a Globalizing Economy, New York 2001; Lee, Ching Kwan: Gender and the South China Miracle. Two Worlds of Factory Women, Berkeley 1998; Pun, Ngai: Made in China. Women Factory Workers in a Global Workplace, Durham/ Hong Kong 2005<br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a>  Pun: Made in China, a.a.O.<br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a>  Das <em>Hokou</em>-System („eingetragener st&#228;ndiger Wohnsitz“ oder „Anzahl der Haushalte und der Gesamtbev&#246;lkerung“), das den Aufenthaltsort an einen zugewiesenen Ort band. Der Aufenthalt am zugeordneten Wohnort war Voraussetzung f&#252;r jede Art von Besch&#228;ftigung und die Vergabe von Essen und anderen wichtigen Konsumg&#252;tern.<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a>  Lavely, William: First Impressions of the 2000 Census of China, in: Population and Development Review 27(4), 2001, S. 755-69, hier S. 3; Liang, Zai/ Ma Zhongdong: China’s Floating Population. New Evidence from the 2000 Census, in: Population and Development Review 30(3), 2004, S. 467-88; Gaetano, Arianne M./ Jacka, Tamara (Hg.): On the Move: Women in Rural-to-Urban Migration in Contemporary China. New York 2004<br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a>  Pun, Ngai: Becoming Dagongmei: The Politics of Identity and Difference in Reform China, in: The China Journal 42, 1999, S. 1-19, Gaetano/Jacka: On the Move, a.a.O.<br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a>  Liang/ Ma: China’s Floating Population, a.a.O.<br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a>  Pun, Ngai/ Smith, Chris: Putting Transnational Labour Process in its Place: Dormitory Labour Regime in Post-Socialist China, in: Work, Employment and Society 21(1), 2007, S. 27-45<br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a>  Ebd.<br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a>  SACOM: Looking for Mickey Mouse’s Conscience: A survey on working conditions of Disney supplier factories in China, online: <a href="http://www.sacom.org.hk">http://www.sacom.org.hk</a> (10. 11. 2005)<br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a>  Code of Conduct Implementation in China: Laying a False Trail, The Financial Times, 21. April 2005</p>
<p>Mit freundlicher Genehmigung von Pun Ngai<br />
&#220;bersetzung: Michael Doblmair und Philipp Probst<br />
„Made in China“ von Pun Ngai ist 2005 bei Duke University Press erschienen</p>
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