<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; unibrennt</title>
	<atom:link href="http://www.perspektiven-online.at/tag/unibrennt/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.perspektiven-online.at</link>
	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
	<lastBuildDate>Wed, 01 Feb 2012 08:57:15 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Ernten der Krise. Zu den K&#228;mpfen um die &#8220;Internationale Entwicklung&#8221;</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2011/10/04/ernten-der-krise/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2011/10/04/ernten-der-krise/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 19:01:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nico</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsproteste]]></category>
		<category><![CDATA[Internationale Entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[StudentInnenbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstandscafe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=2351</guid>
		<description><![CDATA[Das &#252;bergriffige Potenzial einer „Anomal-IE“ – das Linke Hochschulnetz &#252;ber die Internationale Entwicklung als Beispiel widerst&#228;ndiger Bewegungen gegen die neoliberale Umstrukturierung der Universit&#228;t.

Am 13. April unterbrach eine Masse von mehreren hundert Studierenden eine unter dem Motto „Bachelor, was nun?“ laufende geschlossene Veranstaltung, zu der die Uni Wien u.a. die Wirtschaftskammer und den OMV-Vorstand auf das Podium geladen hatte. „Master f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das &#252;bergriffige Potenzial einer „Anomal-IE“ – das <em>Linke Hochschulnetz</em> &#252;ber die Internationale Entwicklung als Beispiel widerst&#228;ndiger Bewegungen gegen die neoliberale Umstrukturierung der Universit&#228;t.<br />
<span id="more-2351"></span><br />
<em>Am 13. April unterbrach eine Masse von mehreren hundert Studierenden eine unter dem Motto „Bachelor, was nun?“ laufende geschlossene Veranstaltung, zu der die Uni Wien u.a. die Wirtschaftskammer und den OMV-Vorstand auf das Podium geladen hatte. „Master f&#252;r Alle!“, war die Antwort an eine Unileitung, die (sich) daran gew&#246;hnen will, Entscheidungen &#252;ber die K&#246;pfe der Universit&#228;tsangeh&#246;rigen hinweg zu treffen, und sich nur mit ausgew&#228;hltem Publikum und fragw&#252;rdigen „ExpertInnen“ zu konfrontieren. Die Aktionen am „Bachelor-Day“, an dem auch die Lehre an der Internationale Entwicklung (IE) ausgesetzt wurde, markieren einen vorl&#228;ufigen H&#246;hepunkt dieses inneruniversit&#228;ren Konfliktes. Was war passiert?</em></p>
<p>Zu Beginn des Sommersemesters &#252;berraschte der scheidende Rektor der Universit&#228;t Wien Georg Winckler mit der Neuauflage einer altbekannten Auseinandersetzung: Der f&#252;r das kommende Wintersemester vorgesehene Start des Masterstudiums IE wird im letzten Moment mit dem Argument der Unfinanzierbarkeit zuerst relativiert und wenig sp&#228;ter auf Grund „inhaltlicher M&#228;ngel“ &#252;berhaupt in Frage gestellt. Dies obwohl der Senat bereits im J&#228;nner 2011 seine Zustimmung f&#252;r einen von Lehrenden und Studierenden ausgearbeiteten Studienplan gegeben hat. Seither wird au&#223;erdem auch mehr oder weniger offen &#252;ber die Beendigung des Bachelors IE nachgedacht. Entsprechend aufgebracht sind nicht nur die Studierenden &#252;ber die wiederholt gebrochenen Versprechen. Ernst bleibt auch die Lage von Lehrenden und administrativem Personal: an der IE sind fast alle prek&#228;r angestellt und nun vom Verlust ihres Arbeitsplatzes bedroht.</p>
<p>Die Vorstellung des Rektorats ist ein englischsprachiger und zugangsbeschr&#228;nkter Eliten-Master der „Development Studies“, der die Motiviertesten und F&#228;higsten aus aller Welt rekrutiert und zu den morgigen TechnokratInnen internationaler Organisationen ausbildet. Dies w&#228;re nichts anderes als die Abschaffung der IE durch die Verkehrung ihrer Anspr&#252;che und Ziele.</p>
<p><strong>1. Die IE ist anders — kurze Geschichte einer Anomal-IE</strong><br />
Der Fokus des Studiums „Internationale Entwicklung“ liegt auf einem transdisziplin&#228;ren Zugang, der sich in einer Verbindung politikwissenschaftlicher, soziologischer, kultur-, wirtschafts- und geo-wissenschaftlicher Ans&#228;tze in der Erforschung globaler Zusammenh&#228;nge und des Ph&#228;nomens „Entwicklung” widerspiegelt. Ein solches transdisziplin&#228;res Vorgehen erm&#246;glicht anwendungs- und problemgeleitete Forschung auf Basis einer kritischen Analyse gegenw&#228;rtiger Gesellschaftsformationen. Diese Herangehensweise scheint angesichts der verschiedenen Krisen unserer Zeit (Wirtschaft, &#214;kologie, Ern&#228;hrung&#8230;) und ihrer gegenseitigen Verstrickung notwendiger denn je. Damit ist die IE innerhalb der deutschsprachigen Universit&#228;tslandschaft ein einzigartiges Studium. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sich noch im Rahmen der &#246;ffentlichen Massenuniversit&#228;t entwickelte, als der neoliberale Umbau der Universit&#228;ten schon begonnen hatte.</p>
<p>Die Situation des Projekts gestaltete sich aufgrund fehlender Ressourcen h&#246;chst prek&#228;r. W&#228;hrend die Unsicherheit und fehlende Ausstattung mit Ressourcen mitunter darin begr&#252;ndet liegt, dass das Projekt von der Universit&#228;tsleitung stets nur geduldet, aber eigentlich nicht gewollt war, fand der individuelle Diplomstudiengang IE allergr&#246;&#223;ten Zuspruch von Seiten der Studierenden. Die Inskriptionszahlen explodierten und machten den Studiengang innerhalb weniger Semester zu einem Massenstudium. Bei anhaltendem Zustrom interessierter Studierender f&#252;hrte die Politik der Aushungerung seitens der Unileitung zu untragbaren Zust&#228;nden: die Lehrveranstaltungen waren &#252;berf&#252;llt, es fehlten R&#228;umlichkeiten, der Betrieb wurde bald nur noch durch die Aufopferung bzw. Selbstausbeutung von schlecht bezahlten Lehrenden mit kurzfristigen Arbeitsvertr&#228;gen sowie durch das Engagement von Studierenden aufrechterhalten. Andererseits entstand daraus eine besondere Situation selbstbestimmter Lehre. Das Massenstudium IE war ohne die enge und relativ gleichberechtigte Zusammenarbeit von Lehrenden und Studierenden schlichtweg nicht zu administrieren. Durch den starken R&#252;ckgriff auf studentische TutorInnen, die Gestaltung und Betreuung des Lehrveranstaltungs-Anmeldesystems durch die organisierte Studierendenschaft, ihre Beteiligung an der Lehre, der Ausarbeitung der Studienpl&#228;ne und deren inhaltlicher Schwerpunktsetzung, konnten die negativen Auswirkungen des unterfinanzierten Massenstudiums teilweise abgefedert werden.</p>
<p>Dadurch war es m&#246;glich, der disziplinierenden und vereinheitlichenden Zurichtung des Studiums im Zuge der Bologna-Implementierung zumindest graduell und im Sinne der Erhaltung von individuellen Gestaltungsspielr&#228;umen entgegenzuwirken. Absurderweise trug die Vorgehensweise der Universit&#228;tsleitung zu den Voraussetzungen f&#252;r selbstbestimmte kritische Lehre und auf l&#228;ngere Sicht auch zur Formierung einer widerst&#228;ndigen politischen Praxis bei. Das Rektorat sah sich einem rasch anwachsenden, selbstbewussten Kollektiv gegen&#252;ber.</p>
<p><strong>2. Der Umbau der Hochschulen&#8230;</strong><br />
Aber warum sitzen Wirtschaftskammer und OMV am Podium, wenn es darum geht, den neuen Bachelor-Studienplan zu evaluieren? Begriffe wie „&#214;konomisierung der Bildung“ oder „neoliberale Umstrukturierung“ versuchen einen gesellschaftlichen Prozess zu bezeichnen, der sich in den letzten Jahren beschleunigt hat. Allerdings geht es nicht einfach nur um Bildung, die zu einer Ware f&#252;r den Markt werden soll. Im Mittelpunkt stehen die Studierenden, welche direkt in der kapitalistischen Produktion und deren institutionellen Rahmenbedingungen arbeiten sollen. In den Worten der <a href="http://portal.wko.at/wk/dok_detail_file.wk?angid=1&#038;docid=1367496&#038;conid=482444&#038;stid=557158">Wirtschaftskammer</a> hei&#223;t das etwa, dass das Hochschulstudium als Berufsausbildung und nicht als „akademisch“ oder „wissenschaftlich“ verstanden werden muss und an die Erfordernisse des Arbeitsmarkts angepasst werden soll. Bachelorstudien „sollen klare Bez&#252;ge zu beruflichen Aufgaben in der Wirtschaft aufweisen. Die weiterf&#252;hrenden Studien (Master- bzw. Doktoratsstudium) sollen entweder die erworbene Anwendungsorientierung fortf&#252;hren oder als wissenschafts- bzw. forschungszentrierte Programme gef&#252;hrt werden“. F&#252;r den wissenschaftlichen Nachwuchs soll eine hochselektive „Exzellenzstrategie“ forciert werden und die Privatwirtschaft soll sich durch „Hochschul-Sponsoring“ und „Hochschulstiftungen“ leichter direkt einbringen k&#246;nnen (WK&#214; 2010: 35ff).</p>
<p>F&#252;r eine Wirtschaft zu arbeiten, die im Namen des Standorts st&#228;ndig neue Opfer verlangt und ein gutes und sicheres Leben immer in ferner Zukunft verortet, ist wohl f&#252;r die meisten in unserer Gesellschaft eine leidvolle Erfahrung. Das Interesse der Wirtschaftskammer f&#252;r die Strukturen der Universit&#228;t und ihre Abwertung des „Akademischen“ offenbart, was sich hinter dem Gerede von „Berufsausbildung“/„Employability“ und „Anwendungsorientierung“ versteckt: Menschliche Arbeitskraft ist im Kapitalismus die wichtigste Ware, um die sich alles dreht. Sie muss m&#246;glichst billig, abh&#228;ngig, f&#252;gsam, erpressbar, jederzeit verf&#252;gbar und austauschbar sein – kurz: prek&#228;r. Die Geschichte der „Hochschulreformen“ des letzten Jahrzehnts ist f&#252;r uns Studierende ein Prozess der Zurichtung und Enteignung, der uns auf entfremdete Arbeit vorbereiten soll:</p>
<p>Enteignung jeglichen eigenen Anspruchs an das Studium: was, wozu, wie lange studiert wird, wird uns „von oben“ auferlegt – jede T&#228;tigkeit, die uns nicht dazu ausbildet, in vorgegebenen Berufsbildern zu funktionieren, wird delegitimiert. Jede andere gesellschaftliche Rolle der Massenuni soll undenkbar werden. Selbst die freie Wahl des Studiums soll uns aus den H&#228;nden genommen werden.</p>
<p>Enteignung von Wissen (Dequalifizierung): an die Stelle einer m&#246;glichst umfassenden Ausbildung tritt die enge fachliche Spezialisierung, die nicht nur schneller und billiger ist, sondern uns auch gegen&#252;ber dem/der einzelnen ArbeitgeberIn abh&#228;ngiger macht. Je nach dem, was gerade von uns gebraucht wird, sollen wir uns dann um- oder weiterbilden („Lifelong learning“).</p>
<p>Enteignung von Mitbestimmungs- und Gestaltungsm&#246;glichkeiten („Verschulung“): Studieren ist das m&#246;glichst schnelle Aneignen vorgegebener Wissenshappen in straff organisierten und standardisierten Studienpl&#228;nen. Die „Mindeststudienzeit“ ist schon l&#228;ngst Regelstudienzeit. Verlieren wir Zeit mit Herumschweifen, Vertiefen und eigenwilliger Gestaltung, ist bald die „Toleranz“ vorbei und wir verlieren Beihilfen, Beg&#252;nstigungen und zahlen Studiengeb&#252;hren. Die Vorstellungen und Bestrebungen der Auszubildenden sind potentielle Hindernisse f&#252;r die zielgerechte Ausbildung: Lieber unverbindliche KundInnenbefragungen als demokratische Entscheidungsprozesse! Die Ideologie der „Dienstleistungsuniversit&#228;t“, die Universit&#228;t als Unternehmen und Ausbildung als kaufbares Produkt darstellt, mystifiziert diese autorit&#228;re Umgestaltung, indem sie es &#252;berhaupt erst als selbstverst&#228;ndlich erscheinen l&#228;sst, dass wir als KonsumentInnen kein Recht darauf haben, mitzubestimmen, wie das Produkt ausschauen soll oder gar wie der ganze Betrieb zu funktionieren hat.</p>
<p>Enteignung finanzieller Mittel: die Erzeugung materieller Armut in einem der reichsten L&#228;nder der Welt soll unseren Eigensinn einschr&#228;nken und uns zur Fremdbestimmung disziplinieren. Studierende haben keinen Anspruch auf Mindestsicherung. Studiengeb&#252;hren und andere Belastungen h&#228;ngen &#252;ber unseren K&#246;pfen, sobald wir vorgegebene Bahnen verlassen wollen. Der allgegenw&#228;rtige Mangel soll uns zur Entsolidarisierung und zur Konkurrenz erziehen: unsere Mitstudierenden werden zu FeindInnen und die „Masse“ zur Ursache aller Missst&#228;nde, wie fehlende Seminarpl&#228;tze, knapp verf&#252;gbare Lehrb&#252;cher usw.</p>
<p>Angesichts dieser umfassenden kontinuierlichen Enteignung greift die Debatte um den Finanzierungsnotstand der Universit&#228;ten zu kurz. Der Mangel an Mitteln ist nicht Vernachl&#228;ssigung von Studierenden und ihrer Bildung. Dieser erm&#246;glicht im Gegenteil erst — durch Bezugnahme auf so genannte finanzielle Sachzw&#228;nge — die neoliberale Umstrukturierung der Massenuniversit&#228;ten. Damit versteckt sich hinter der angeblichen Zentralit&#228;t des Themas Bildung im Mund von PolitikerInnen, InteressenvertreterInnen, „ExpertInnen“ und liberalen MeinungsmacherInnen de facto der gewaltf&#246;rmige Umbau der &#246;ffentlichen Massenuniversit&#228;t „von oben“.</p>
<p>Paradebeispiel f&#252;r den Zusammenhang zwischen Unterfinanzierung und Umbau ist die Debatte um Zugangsbeschr&#228;nkungen. Die planm&#228;&#223;ige Ausbildung von ausbeutbarer Arbeitskraft erfordert die „Lenkung der Studierendenstr&#246;me“, wie sie etwa die <a href="http://www.industriellenvereinigung.at/b2318m103">Industriellenvereinigung</a> fordert. Dem steht der freie Hochschulzugang im Weg. An dessen Stelle tritt die „Studienplatzbewirtschaftung“ und das „Zugangsmanagement“. Das schlagende Argument daf&#252;r: freier Hochschulzugang sei nicht finanzierbar. Die von den Studierendenprotesten erzeugte Aufmerksamkeit rund um die fehlende Finanzierung der Hochschulen wird von Regierung und RektorInnen zur Durchsetzung der eigenen Vorstellungen genutzt. Die freie Wahl des eigenen Studiums muss aufh&#246;ren, ein Recht zu sein. Das Studium wird zur Konzession, die man sich verdienen muss und dankbar in Empfang nimmt, nachdem man den Kampf um den Studienplatz gegen die eigenen KollegInnen gewonnen hat.</p>
<p>Am Beispiel der Aushebelung des freien Hochschulzugangs wird sichtbar, dass Unterfinanzierung Strategie ist. Ziel ist eine regierbare Hochschule. Der Angriff im Sinne einer Umstrukturierung der &#246;ffentlichen Massenuniversit&#228;t ist ein Zugriff auf diejenigen, die in ihr studieren und arbeiten. Er zielt darauf ab, Bildung zur Produktion von prek&#228;rer, unterworfener, herrschaftskonformer Arbeitskraft zu machen. Die Ausbildung bereitet dabei auf die Arbeit vor, indem sie selbst schon deren Eigenschaften annimmt: fremdbestimmtes, unm&#252;ndiges T&#228;tigsein unter Zeitdruck. Studieren erleben wir zunehmend als Ausbildungsarbeit, um im neoliberalen System funktionieren zu k&#246;nnen.</p>
<p><strong>3. &#8230; ist krisenhaft!</strong><br />
Die Ware sind schon l&#228;ngst wir selbst! Allerdings sind wir nicht einfach tote Gegenst&#228;nde. Wir sind eine au&#223;erordentlich lebendige Ware! Wir sollen funktionieren. Das System lebt von unserem Tun und will es vorbestimmen. Aber wir k&#246;nnen auch anders! Im Eigensinn der lebendigen Arbeit steckt die Grenze des Kapitalismus.</p>
<p>Das Hindernis sind wir selbst. Unsere intellektuelle Neugier, die &#252;ber einzelne Disziplinen und spezifische Berufsausbildungen hinausgeht. Unsere solidarische Haltung gegen&#252;ber unseren Mitmenschen, der Gesellschaft und der Natur, die die normative Vorstellung des egoistischen, Nutzen maximierenden „homo oeconomicus“ und den Imperativ der Konkurrenz untergr&#228;bt; unsere Scheu vor sinnloser, entfremdeter Arbeit; unsere F&#228;higkeit, zu kritisieren.</p>
<p>Die Jahre der „Hochschulreformen“, der Enteignungen und der Einf&#252;hrung neuer Zw&#228;nge, sind auch die Jahre, in denen die StudentInnenrevolten in ganz Europa an die Tagesordnung zur&#252;ckgekehrt sind: Frankreich, Italien, Spanien, D&#228;nemark, Griechenland, Kroatien, Polen, &#214;sterreich, Niederlande, Deutschland, Gro&#223;britannien&#8230; in welchem Land wurden in den letzten Jahren nicht Universit&#228;ten besetzt, bestreikt oder auf der Stra&#223;e demonstriert? Die Massenmobilisierungen auf Unis und Schulen erreichten an manchen Orten noch nie da gewesene Ausma&#223;e und haben immer wieder Angriffe „von oben“ entschleunigt oder gar r&#252;ckg&#228;ngig gemacht. Prominentes Beispiel ist die R&#252;cknahme eines prekarisierenden Besch&#228;ftigungsgesetzes f&#252;r junge Arbeitende in Frankreich 2006, zu dem die Regierung durch den monatelangen Stillstand der Universit&#228;ten und schlie&#223;lich die Mobilisierung der Gewerkschaften gezwungen wurde. Diese Erfahrung sagt auch viel &#252;ber das neue Verh&#228;ltnis zwischen Studium und Arbeit und deren verschwimmende Grenzen aus. Die Universit&#228;t ist l&#228;ngst nicht mehr der abgekapselte Raum, der er einmal war. Die Auseinandersetzung mit unserer eigenen spezifischen Lage zwingt uns zum Einschreiten ins gesellschaftliche und politische Geschehen, wie neuestens in Spanien, wo die „emp&#246;rte“ Jugend sich die &#246;ffentlichen Pl&#228;tze aneignete und versuchte, Politik anders zu praktizieren. Die Dynamik dieser Konflikte ist ein Wechselspiel von pl&#246;tzlichem Ausbruch massenhaften Ungehorsams und dem R&#252;ckzug ins Private, die nach Vorstellungskraft, politischer Zielrichtung und entsprechender Organisierung schreit. Zentrale Herausforderungen f&#252;r die StudentInnenbewegung sind sowohl der Zusammenschluss mit anderen gesellschaftlichen Kr&#228;ften als auch, die Universit&#228;t als Institution, in der Wissen geschaffen wird, in diesen verallgemeinerten Kampf miteinzubeziehen.</p>
<p>Jedenfalls entpuppt sich der herrschaftsf&#246;rmige Umbau der Hochschulen auch abseits gro&#223;er Zuspitzungen und Revolten keineswegs als gschmeidiges Unterfangen. Die &#246;ffentliche Massenuniversit&#228;t bleibt ein t&#228;glich umk&#228;mpftes Feld: Universit&#228;t wird immer wieder anders gemacht, als sie von den Regierenden gedacht wird. Bei der IE handelt es sich um eine solche Abweichung. „Anomalie“ im Hochschulsystem findet sich &#252;berall dort, wo gelebte Demokratie, studentische Selbst- und Mitbestimmung sowie kritische Wissenschaft und die Aushebelung von Selektionsmechanismen m&#246;glich bleiben. Zentral und konstitutiv f&#252;r den Charakter der IE war dabei immer wieder die direkte Einmischung der Studierenden. Was w&#228;re die IE, wenn sie nicht erk&#228;mpft worden w&#228;re? Indem wir den strukturellen Umbau der Massenuniversit&#228;t undurchf&#252;hrbar machen, k&#246;nnen wir die gesellschaftliche Funktion der Universit&#228;ten umkehren und dazu beitragen, die herrschende Ordnung zu destabilisieren. Wir sind ihre Krise!</p>
<p><strong>4. Die Anomalie ist die Wiege der Krise</strong><br />
Warum die Figur der „Anomalie“? Weil sie uns die Widerspr&#252;chlichkeit der IE erfassen l&#228;sst. Weil sie gleichzeitig ein emanzipatorisches Ver&#228;nderungspotential, als auch Beschr&#228;nktheit und prek&#228;re Existenz ausdr&#252;ckt. Die Anomalie zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Nische, eine Abweichung und nicht die Regel ist. Sie ist nicht das „radikal Andere“, sondern etwas Anderes innerhalb bestimmter systemischer Grenzen. Was bedeutet etwa <a href="http://www.perspektiven-online.at/2009/06/13/kritisch-studieren-an-oesterreichs-universitaeten/">&#8220;kritisches Studieren&#8221;</a> in einer Institution wie der Universit&#228;t, die historisch der Reproduktion von Eliten sowie der Legitimation von Herrschaft gedient hat? Bei der Diskussion um dessen emanzipatorische Wirkungsm&#228;chtigkeit sollte mitbedacht werden, dass – verallgemeinernd ausgedr&#252;ckt – das Studium der IE auch in Zeiten des freien Hochschulzugangs von einer kleinen Minderheit der Gesellschaft in Anspruch genommen wird, die sich gro&#223;teils aus „bildungsb&#252;rgerlichen Schichten“ rekrutiert. Emanzipation erfordert auch den Ausbruch aus einem selbstbez&#252;glichen akademischen Milieu.</p>
<p>Weiters unterliegt die Anomalie immer strengen inneruniversit&#228;ren Grenzen. So handelt es sich bei der IE um ein regul&#228;res Studium, an dessen Ende ein Titel vergeben wird, der sozialen Aufstieg und Privilegien bedeutet. Die IE kann immer nur bis zu einem gewissen Grad aus der etablierten Logik universit&#228;rer Lehre ausbrechen und kritische Freir&#228;ume f&#252;r emanzipatorische Bildung schaffen. Dabei handelt es sich oftmals um einen zeitlich begrenzten Bruch mit und innerhalb der herrschenden Ordnung. Die Anomalie zeichnet sich durch ihre prek&#228;re Existenz aus: sie droht vom System aufgefressen zu werden. Entweder durch frontalen Angriff und schlagartige Beseitigung – wie im Falle der Nicht-Einf&#252;hrung des IE-Masters – oder aber durch langsame Normalisierung und Institutionalisierung. Ein Kampf, der sich auf die blo&#223;e Erhaltung einer Anomalie beschr&#228;nkt, kann daher nicht gewonnen werden; immer wieder aufs Neue droht die Anomalie in den Sog gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen gezogen zu werden und sich darin aufzul&#246;sen.</p>
<p>Mit dem ausklingenden Wintersemester 2010 und nach langj&#228;hrigen Studi-Protesten schienen sich die Verh&#228;ltnisse an der IE normalisiert zu haben. Mit der Einf&#252;hrung des Bachelors war ein stetiger Zufluss von Ressourcen, eine schrittweise Institutionalisierung als befristete „Forschungs- und Lehrplattform“ und eine entsprechende Planbarkeit verbunden – es musste nicht mehr jedes Semester aufs Neue um die n&#246;tigen Mittel f&#252;r die Fortsetzung der Lehre gebangt werden. Diese Ver&#228;nderungen blieben nicht ohne Konsequenzen f&#252;r die innere Zusammensetzung des Studiengangs und f&#252;hrten unter anderem zu einer Einschr&#228;nkung der Gestaltungsspielr&#228;ume f&#252;r die Studierendenschaft – der selbstverwaltete Charakter der Lehre litt unter dem Prozess der Institutionalisierung.</p>
<p>Vor allem aber kann sich die IE als einzelnes Studium nicht zur G&#228;nze den Angriffen entziehen, die in Form von Universit&#228;tgesetz-Novellierungen oder europaweit konzertierter Bildungspolitik daherkommen. Das Diplomstudium wurde zwangsweise aufgelassen. Die neue zugangsbeschr&#228;nkende Studieneingangsphase (STEOP) macht seit diesem Herbst auch vor der IE nicht halt. Diese sieht am Anfang des Studiums alles entscheidende Modulpr&#252;fungen vor, die den Leistungsdruck auf Erstsemestrige extrem erh&#246;hen und Doppelstudien praktisch verunm&#246;glichen.</p>
<p>In dieser Situation der normalisierenden Institutionalisierung und der vermeintlichen Sicherheit schlug die Nicht-Finanzierung des IE-Masters ein wie eine Bombe. Die daraus resultierende existenzielle Bedrohung des gesamten Studiengangs verdeutlicht nicht nur den immer prek&#228;ren Charakter der Anomalie. Sie erinnert auch an die Zeit vor der schrittweisen Institutionalisierung und daran, dass schon um die Etablierung des Individuellen Diplomstudiengangs gek&#228;mpft werden musste; dass die Anomalie selbst das Ergebnis von K&#228;mpfen ist und Ausgangspunkt neuer K&#228;mpfe werden kann: Sp&#228;testens ab 2007 formierte sich offener studentischer Protest gegen die Politik der Aushungerung von Seiten der Universit&#228;tsleitung. &#220;ber den eingeengten institutionellen Handlungsspielraum der Basisgruppe IE hinaus radikalisierte sich der Protest im <em>Café IE</em>. Dessen widerst&#228;ndige politische Praxis erlebte durch den Zusammenschluss mit Studierenden verschiedener anderer Studienrichtungen im <em>Widerstandscafé</em> eine erste Verallgemeinerung. Die urspr&#252;nglich partikularen Forderungen der Internationalen Entwicklung bekamen eine gesamtuniversit&#228;re Dimension. Das <em>Widerstandscafé</em> wurde in den folgenden zwei Jahren zu einer treibenden Kraft politischer K&#228;mpfe an der Universit&#228;t Wien, bis es im Herbst 2009 in der Besetzungsbewegung aufging. Der Zusammenhang zwischen „Partikularit&#228;t“ und „Verallgemeinerung“, bzw. zwischen „Anomalie“ und „Bewegung“ wurde damals besonders deutlich: ein wichtiger Teil der Studierenden, die am 22. Oktober 2009 das Audimax besetzten und damit die gr&#246;&#223;te Unibewegung seit Jahren ausl&#246;sten, waren IE-Studierende, die um ihr Studium k&#228;mpften und kurz zuvor eine entsprechende Vollversammlung abgehalten hatten. Die „allgemeine Ersch&#252;tterung“ von <a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/die-explosion-eines-politischen-unbehagens/"><em>unibrennt</em></a> wirkte damals positiv auf die Verh&#228;ltnisse an der IE zur&#252;ck.</p>
<p>Es geht also um diesen Sprung im Kampfzyklus, der aus dem Kampf der Anomalie um ihre eigene Existenz entstanden ist. Die Verallgemeinerung der K&#228;mpfe bedeutet dabei nichts als die konsequente Antwort auf den Umbau der Massenuniversit&#228;t; sie wird zur Notwendigkeit. Wir brauchen den Zusammenschluss mit allen, die vom Umbau in und au&#223;erhalb der Universit&#228;ten betroffen sind!</p>
<p>Der Kampf um die Anomalie ist nicht nur um ihrer selbst Willen wichtig. Vielmehr bietet sie ein Terrain f&#252;r die Formierung widerst&#228;ndiger Subjekte, die sich wiederum nur in der Anbindung an gr&#246;&#223;ere gesellschaftliche K&#228;mpfe und im Anschluss an politische Kampfzyklen wirklich konstituieren k&#246;nnen. Das ist, was die Anomalie so interessant und wichtig macht. Der Kampf der Anomalie um ihre Existenz kann und soll &#252;ber die Verteidigung des Bestehenden hinausgehen. Die IE zeigt, dass der Umbau der Massenuniversit&#228;t sich keineswegs reibungslos vollzieht, sondern eine politische Durchsetzung ben&#246;tigt. Ansonsten ger&#228;t der Umbau in die Krise. Wir wollen seine Krise! Die Anomalie tr&#228;gt den Keim dieser Krise in sich.</p>
<p><strong>5. Was passiert innerhalb der Uni Wien?</strong><br />
Die Rolle der Unileitung muss im Kontext des strukturellen Umbaus der Massenuniversit&#228;t gesehen werden. Die Verwandlung der Hochschule in eine Produktionsst&#228;tte f&#252;gsamer Arbeitskraft kann n&#228;mlich nicht ohne Ver&#228;nderung inneruniversit&#228;rer Machtverh&#228;ltnisse vonstatten gehen: wer nie etwas mitentscheiden durfte, wird auch im sp&#228;teren Leben keinen Anspruch darauf erheben. Demokratische Mitbestimmung ist im Sinne eines „effizienten Entscheidungsprozesses“ ein Hindernis. Das ideologische Gewand dieser autorit&#228;ren Umstrukturierung ist jenes der „Dienstleistungsuniversit&#228;t“. Die Universit&#228;t soll ausschauen wie ein Unternehmen. Und Demokratie h&#246;rt bekanntlich an der T&#252;rschwelle aller Unternehmen auf. An der Spitze der Universit&#228;t stehen jetzt ein Management (Rektorat) und ein Aufsichtsrat (Unirat) – von den &#252;blichen konservativen Seilschaften besetzt. Die „Universit&#228;tsreformen“ verleihen der alten Unihierarchie mehr Macht &#252;ber die Universit&#228;tsangeh&#246;rigen und machen sie gleichzeitig zu einer gewichtigen Akteurin des Umbaus.</p>
<p>Seit der UG-Novelle 2009 besitzt der Rektor etwa die alleinige Kompetenz &#252;ber Finanzierungsfragen. Am Beispiel der IE wird ersichtlich, dass ihm dies weit mehr erlaubt: das gewaltsame Eingreifen in die inhaltliche Ausgestaltung der Studienpl&#228;ne &#252;ber die K&#246;pfe der Kollegialorgane hinweg, welche nicht ohne seine finanzielle Zusicherungen arbeiten k&#246;nnen. Monokratische Entscheidungsstrukturen zu Gunsten des Rektors werden durch die bewusste Logik der gegenseitigen Ausspielung verschiedener Universit&#228;tsebenen und Fakult&#228;ten nach dem Prinzip des „Teile und Herrsche“ abgesichert. Wird irgendwo Kohle frei, weil das Management beschlossen hat, etwas nicht zu finanzieren, erhoffen sich alle anderen davon Vorteile.</p>
<p>Es besteht insofern auch kein Interessensgegensatz zwischen Regierung und Unileitung. Eher haben wir es mit einer integrierten Doppelherrschaft zu tun, die es den Instanzen erlaubt, jeweils die Verantwortung von sich zu schieben: Das Ministerium verteidigt die eigenen Angriffe als Reformen, die an sich gut, aber von den „autonomen“ Universit&#228;ten schlecht umgesetzt w&#228;ren (wie bei der Debatte rund um die Bologna-Architektur). Die RektorInnen und DekanInnen wollen ihre gezielten Ma&#223;nahmen gegen freies Studieren, selbstverwaltete R&#228;ume und demokratische Mitbestimmung mit dem Argument der Ressourcennot durchsetzen, f&#252;r die doch leider die Regierung verantwortlich sei (und diese jammern sie periodisch in &#246;ffentlichen Briefen und Auftritten an). Die gesellschaftlichen Machtverh&#228;ltnisse st&#252;tzen sich auf inneruniversit&#228;re Machtverh&#228;ltnisse (und umgekehrt). Die Universit&#228;tshierarchie fungiert als Agentin von Entdemokratisierung und kapitalistischem Zugriff auf die Universit&#228;t und ihre Subjekte. Dadurch werden gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse (an)greifbar. Dr&#228;ngen wir die Diktatur des Rektorats zur&#252;ck! Erobern wir R&#228;ume und M&#246;glichkeiten zur autonomen Gestaltung der Universit&#228;t und brechen wir die Grenzen zwischen Universit&#228;t und anderen gesellschaftlichen Bereichen auf!</p>
<p><strong>S&#228;en wir die Krise,<br />
seien wir die Krise!</strong><br />
Sonst k&#246;nnen wir alle sehen, wo wir bleiben&#8230;</p>
<p>Es handelt sich bei diesem Artikel um Ausschnitte aus der gleichnamigen <a href="http://linkeshochschulnetz.at/index.php?site=180&#038;subsite=156">Brosch&#252;re</a> des <em>Linken Hochschulnetz</em>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2011/10/04/ernten-der-krise/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Uni-Revolten als Klassenk&#228;mpfe?</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2011/07/19/uni-revolten-als-klassenkaempfe/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2011/07/19/uni-revolten-als-klassenkaempfe/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 19 Jul 2011 17:13:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 13]]></category>
		<category><![CDATA[Klassentheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=1953</guid>
		<description><![CDATA[Wer k&#228;mpft in den neuen Studierendenbewegungen? Benjamin Opratko fragt ob, und wenn ja wie die weltweiten Revolten an den Universit&#228;ten als „Klassenk&#228;mpfe“ verstanden werden k&#246;nnen und diskutiert den Zusammenhang von Hochschulen und Kapitalismus.

Die Proteste, die im Herbst 2009 von der besetzten Akademie der Bildenden K&#252;nste in Wien ihren Ausgang genommen hatten und sich innerhalb weniger Wochen zu einer europaweiten Bewegung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer k&#228;mpft in den neuen Studierendenbewegungen? <em>Benjamin Opratko</em> fragt ob, und wenn ja wie die weltweiten Revolten an den Universit&#228;ten als „Klassenk&#228;mpfe“ verstanden werden k&#246;nnen und diskutiert den Zusammenhang von Hochschulen und Kapitalismus.<br />
<span id="more-1953"></span><br />
Die Proteste, die im Herbst 2009 von der besetzten <em>Akademie der Bildenden K&#252;nste</em> in Wien ihren Ausgang genommen hatten und sich innerhalb weniger Wochen zu einer europaweiten Bewegung vervielfachten, waren – zumindest in &#214;sterreich – sicherlich die sichtbarsten und dynamischsten sozialen K&#228;mpfe der letzten Jahre. Retrospektiv l&#228;sst sich die <em>unibrennt</em>-Bewegung auch als Teil eines breiter verstandenen, neuen Kampfzyklus’ einordnen: Dieser k&#252;ndigte sich Anfang 2006 in den massenhaften Protesten gegen den CPE in Frankreich an<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> und fand seinen j&#252;ngsten und wohl nicht letzten H&#246;hepunkt in militanten Aktionen w&#252;tender Studierender in London, die aus Protest gegen angek&#252;ndigte Erh&#246;hungen der Studiengeb&#252;hren das Hauptgeb&#228;ude der Konservativen Partei entglasten.<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> Den K&#228;mpfen, die in &#228;hnlicher Form, rund um &#228;hnliche Themen, in ganz Europa und dar&#252;ber hinaus gef&#252;hrt wurden, ist gemein, dass sie sich rund um die Institution Universit&#228;t organisieren und ma&#223;geblich von Studierenden getragen werden.<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> Der Begriff „Studierendenbewegung“ – in der massenmedialen Verarbeitung meist als „Studentenbewegung“ – wurde dabei dem historisierenden Zugriff jener entzogen, die gerade noch das Jubil&#228;umsjahr 2008 zum Anlass genommen hatten, wahlweise nostalgisch oder als letzte Abrechnung die „68er“ zu beschw&#246;ren, und neu aufgeladen in das politische Vokabular der Gegenwart eingeschrieben. Auch wenn konkrete, politisch-legislative Erfolge bisher weitgehend ausblieben, m&#252;ssen die positiven Effekte dieser R&#252;ckkehr der Uni-Revolten herausgestrichen werden. Das Br&#252;chigwerden des neoliberalen Alltagsverstands, die Artikulation von politischem „Gegenfeuer“ (Bourdieu), die Diskussion um bildungspolitische Forderungen, die implizit &#252;ber den Kapitalismus selbst hinausweisen<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> und nicht zuletzt die praktischen Bewegungserfahrungen von Tausenden sind nur einige davon. Sie waren Grund genug f&#252;r viele AktivistInnen der Gruppe, die sich um dieses Magazin organisieren, und noch mehr seiner LeserInnen, sich an diesen Bewegungen aktiv zu beteiligen. Eine erste Runde der Reflexion f&#252;hrte zu Perspektiven Nr. 10, in der wir unsere Diskussionen und Einsch&#228;tzungen zu den „K&#228;mpfen um Bildung“ vorstellten. Dabei standen, noch ganz unter dem Eindruck der enormen Dynamik der Proteste, strategische und gegenwartsdiagnostische Gesichtspunkte im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. &#196;hnliches l&#228;sst sich von anderen, seither aus aktivistischen Zusammenh&#228;ngen entstandenen Publikationen sagen – exemplarisch seien die Beitr&#228;ge im Sammelband <em>Uni brennt </em>erw&#228;hnt.<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> Zugleich wurden im Zuge der Bewegung Lernprozesse zum Thema Bildung und Universit&#228;t angesto&#223;en, die sich auf sich auf Debatten und Forschungsergebnisse kritischer WissenschafterInnen beziehen, in denen meist die „&#214;konomisierung“ der Bildung, der mehr oder weniger direkte Zugriff des Kapitals auf Forschung und Lehre und die staatliche Zurichtung der Hochschulen auf die „Anforderungen des Arbeitsmarktes“ diskutiert und kritisiert werden.<br />
Dies sind wichtige und fortzuf&#252;hrende Debatten. Die studentischen Proteste der letzten Jahre werfen aber weitere Fragen auf, die dar&#252;ber hinaus reichen, n&#228;mlich: Welcher Art sind diese K&#228;mpfe, und wer sind diejenigen, die sie f&#252;hren? Welche Subjekte wehren sich hier? Diese Themen wurden bereits durch die am Beginn dieses Zyklus stehende Bewegung gegen das franz&#246;sische CPE ganz unmittelbar relevant, ging es hier doch nicht um Studienbedingungen oder Universit&#228;tsreformen, sondern um die Einf&#252;hrung neuer Arbeitsvertr&#228;ge, die den K&#252;ndigungsschutz f&#252;r junge LohnarbeiterInnen de facto aufheben sollten. Die Bewegung wurde zwar ma&#223;geblich von Studierenden getragen und beinhaltete die Besetzung mehrerer Universit&#228;ten, die Studierenden f&#252;hlten sich jedoch „als ArbeiterInnen, nicht als Studierende angegriffen“, wie auf Flugbl&#228;ttern betont wurde.<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a> Im Rahmen der <em>Onda Anomale</em>, der Protestbewegung gegen die Bildungsreformen der Regierung Berlusconi im Herbst 2008, wurde das Thema von italienischen StudentInnen auf andere, und doch &#228;hnliche Weise aufgegriffen, indem sie sich als <em>WissensarbeiterInnen </em>verstanden und organisierten.<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> Und an der besetzten Universit&#228;t in Berkeley, Kalifornien, entstand 2009 das <em>Kommuniqué aus einer ausbleibenden Zukunft</em>, in dem die Trennung zwischen Schule, Universit&#228;t und Arbeitsplatz analytisch wie politisch abgelehnt wurde.<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a> Es werden also in den Bewegungen Fragen aufgeworfen, die sich aus der undogmatisch marxistischen Perspektive, die dieses Magazin pr&#228;gt, auch theoretisch aufdr&#228;ngen: Wie verhalten sich diese „studentischen“, auf die Universit&#228;t bezogenen Proteste zum Konzept des „Klassenkampfs“? Welche Funktionen kommen Hochschulen in einer kapitalistischen Klassengesellschaft zu, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus f&#252;r die Potenziale und Grenzen studentischer K&#228;mpfe? Um einer Antwort n&#228;her zu kommen, werden im Folgenden einige Zug&#228;nge zu dieser Problematik diskutiert, die sich mehr oder weniger direkt auf Marx und die eine oder andere marxistische Tradition berufen, diese aber aus sehr unterschiedlichen Perspektiven betrachten.</p>
<p><strong>Warum Marx f&#252;r Studiengeb&#252;hren war</strong><br />
Marx selbst hatte zu Forderungen nach kostenloser h&#246;herer Bildung eine &#252;beraus deutliche Haltung. In seiner Kritik am „Gothaer Programm“ der SPD, in dem die deutschen SozialdemokratInnen sich f&#252;r „unentgeltliche[n] Unterricht“ aussprachen, erkl&#228;rte er: „Wenn in einigen Staaten [...] auch ‚h&#246;here’ Unterrichtsanstalten ‚unentgeltlich‘ sind, so hei&#223;t das faktisch nur, den h&#246;heren Klassen ihre Erziehungskosten aus dem allgemeinen Steuers&#228;ckel bestreiten.“ (MEW 19: 30) Wenn das Kapital also, so Marxens Argument, f&#252;r das eigene Bestehen auf eine Fraktion gut ausgebildeter Techniker, Juristen, Staatsbeamte usw.<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a> angewiesen ist, so hat es die Kosten f&#252;r deren Ausbildung gef&#228;lligst selbst zu &#252;bernehmen. Die ArbeiterInnenklasse hat von einem unentgeltlichen Hochschulstudium nichts zu gewinnen. Diese &#220;berlegung mag auf den ersten Blick paternalistisch und elit&#228;r erscheinen – wird hier nicht unterstellt, ProletarierInnen w&#252;rde das Bed&#252;rfnis oder die F&#228;higkeit f&#252;r h&#246;here Bildung abgehen? Tats&#228;chlich begriff Marx die Universit&#228;ten als das, was sie zu jener Zeit tats&#228;chlich waren: Reproduktionsapparate der herrschenden Klasse, die entsprechend, via Geb&#252;hren, aus den Kapital- und Renteneinkommen derselben finanziert werden sollten. Zwar stieg die Zahl der Studierenden in der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts stark an – 1880 sprachen Kommentatoren in Deutschland gar von einer „Akademikerschwemme“ – dies betraf aber in erster Linie Studien der Medizin und Rechtswissenschaften, in welche die S&#246;hne der an Selbstbewusstsein gewinnenden deutschen Bourgeoisie str&#246;mten.<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> Aus Marxens Perspektive war eine &#214;ffnung der Universit&#228;ten f&#252;r ArbeiterInnen dar&#252;ber hinaus schon allein deshalb wenig erstrebenswert, weil das kritische, demokratische und sozialistische Wissen dort ohnehin keine Rolle spielte. Nat&#252;rlich war f&#252;r Marx und seine MitstreiterInnen die Teilhabe der ArbeiterInnenklasse an Wissen und Bildung nicht nur w&#252;nschenswert, sondern f&#252;r den Aufbau einer schlagkr&#228;ftigen sozialistischen Bewegung auch unabdingbar. Das daf&#252;r notwendige <em>kritische </em>Wissen wurde jedoch an anderen Orten entwickelt und vermittelt, n&#228;mlich in den Schulen, Bildungseinrichtungen und Publikationen der ArbeiterInnenbewegung selbst, eng gebunden an deren Parteien.<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a></p>
<p><strong>Dequalifizierung</strong><br />
Dass die Universit&#228;ten haupts&#228;chlich zur Reproduktion der herrschenden Klasse dienten lag auch daran, dass die Entwicklungsweise des Kapitalismus im 19. und fr&#252;hen 20. Jahrhunderts keinen Bedarf f&#252;r an Hochschulen ausgebildete LohnarbeiterInnen hatte.<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a> Die sich etablierenden Industrien besch&#228;ftigten zum gr&#246;&#223;ten Teil ungelernte ArbeiterInnen bzw., nach der Einf&#252;hrung komplexerer Maschinen, FacharbeiterInnen, die im Betrieb ausgebildet wurden. Hinzu kamen Produktionsst&#228;tten, die zwar dem Kapitalverh&#228;ltnis untergeordnet waren und LohnarbeiterInnen besch&#228;ftigten, in denen der Arbeitsprozess aber weitgehend unver&#228;ndert „handwerklich“ blieb – was Marx als rein „formelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital“ bezeichnete.<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> Unter den Bedingungen dieser spezifischen Zusammensetzung der ArbeiterInnenklasse, der tendenziellen Trennung von planender Kopf- und ausf&#252;hrender Handarbeit sowie der in Form und Inhalt elit&#228;ren Universit&#228;ten gab es keine gesellschaftliche Impulse f&#252;r eine Ausweitung h&#246;herer Bildung. Mit der Herausbildung der „fordistischen“, auf Flie&#223;bandarbeit und wissenschaftlicher Betriebsf&#252;hrung beruhenden Entwicklungsweise des Kapitalismus ab den 1930er Jahren &#228;nderte sich dies kaum. Die Trennung von Kopf- und Handarbeit wurde vielmehr noch versch&#228;rft. War in der Person des Facharbeiters zumindest noch das Wissen &#252;ber die technischen Abl&#228;ufe des Produktionsprozesses vereint, spaltete das neue Entwicklungsmodell dieses Wissen endg&#252;ltig? von den „MassenarbeiterInnen“ der fordistischen Fabrik ab. Das bedeutete freilich nicht, dass f&#252;r den tayloristisch-fordistischen Produktionsprozess der Faktor „Wissen“ unbedeutend gewesen w&#228;re; im Gegenteil waren f&#252;r diesen gerade die „wissenschaftliche Betriebsf&#252;hrung“, die Einf&#252;hrung neuer, die Produktivit&#228;t der Arbeit enorm steigernder Technologien und die Professionalisierung der Kontrolle &#252;ber die lebendige Arbeit charakteristisch. Dieses neue und umfangreiche Wissen, das in den Produktionsprozess integriert wurde, war aber nicht in den ArbeiterInnen verk&#246;rpert, sondern in den Produktionsmitteln. Marx spekulierte bereits fr&#252;h &#252;ber diesen Prozess, in dem das gesellschaftliche Wissen als „<em>automatisches System der Maschinerie</em>“ im Produktionsprozess existiert. In den skizzenhafte Vorarbeiten zu seinem Hauptwerk <em>Das Kapital</em>, die sp&#228;ter als <em>Grundrisse </em>ver&#246;ffentlicht wurden, schreibt er &#252;ber diese Tendenz des Kapitalismus: „Die T&#228;tigkeit des Arbeiters, auf eine blo&#223;e Abstraktion der T&#228;tigkeit beschr&#228;nkt, ist nach allen Seiten hin bestimmt und geregelt durch die Bewegung der Maschinerie, nicht umgekehrt. Die Wissenschaft, die die unbelebten Glieder der Maschinerie zwingt, durch ihre Konstruktion zweckgem&#228;&#223; als Automat zu wirken, existiert nicht im Bewu&#223;tsein des Arbeiters, sondern wirkt durch die Maschine als fremde Macht auf ihn, als Macht der Maschine selbst.“<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a> Die Integration von Wissen in fixes Kapital bei gleichzeitiger Reduktion der Bildungsund Qualifikationsanforderungen der lebendigen Arbeit sind, grob vereinfacht gesagt, f&#252;r die fordistische Entwicklungsweise des Kapitalismus charakteristisch. Das „Modell der Massenproduktion“ war demnach auch verbunden mit der <em>Dequalifizierung </em>der ArbeiterInnen „durch die Zerlegung qualifizierter Arbeit in einfache Verrichtungen und den anschlie&#223;enden Einsatz von spezialisierten, automatischen Maschinen f&#252;r die vereinfachten Arbeitsgange“.<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a> Die Marx’sche Charakterisierung der Hochschulen als Reproduktionsorgane der herrschenden Klasse, und die damit verkn&#252;pfte Einsch&#228;tzung der sozialen Stellung jener, die an ihnen studierten, konnte als weithin g&#252;ltig angenommen werden.</p>
<p><strong>Reform und &#214;ffnung der Hochschulen</strong><br />
Dies &#228;nderte sich grundlegend erst, als das fordistische Modell in den 1960er Jahren begann, br&#252;chig zu werden. An dieser Stelle k&#246;nnen weder Ursachen noch Verlauf der globalen „Krise des Fordismus“ nachgezeichnet werden; f&#252;r unsere Zwecke sollen blo&#223; drei f&#252;r den Zusammenhang von Universit&#228;t und  Klassenverh&#228;ltnissen relevante Gesichtspunkte genannt werden.<br />
Erstens geriet der Nachkriegsboom, der dem Kapital au&#223;ergew&#246;hnliche Profite und den (m&#228;nnlichen Industrie-)Arbeitern – &#252;ber die korporative Einbindung der Gewerkschaften und die indirekte Beteiligung an den Gewinnen aus Produktivit&#228;tsfortschritten – historisch einmalige Wohlstandssteigerungen brachte, allm&#228;hlich an sein konjunkturelles Ende. Das fordistisch-tayloristische Paradigma der Technologisierung und Optimierung der Arbeitsprozesse n&#228;herte sich seiner Ersch&#246;pfung, was bereits Ende der 1950er Jahre in Diskussionen um eine „Innovationskrise“ vorweggenommen wurde. Als Bearbeitung der sich abzeichnenden Krise schlugen die weitsichtigeren unter den organischen Intellektuellen des Kapitals eine Ausweitung und Intensivierung der Investitionen in Forschung und Ausbildung vor, wobei auch und gerade die Hochschulen zum Ziel entsprechender Reformen erkl&#228;rt wurden. Sp&#228;testens ab den 1960er Jahren wurde in ganz Europa und in den USA &#246;ffentlich &#252;ber die Notwendigkeit von Bildungsreformen diskutiert, was in einen „tiefgreifenden Perspektivwechsel in der Bildungspolitik“ in Staat und Zivilgesellschaft m&#252;ndete.<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a> Zentraler Bestandteil der Reformen war, bisher unerschlossene „Bildungsreserven“ anzuzapfen, d.h. bisher von h&#246;herer Bildung <em>de facto</em> ausgeschlossenen Fraktionen der Subalternen/ArbeiterInnenklasse den Besuch von h&#246;heren Schulen und  niversit&#228;ten nicht nur zu erm&#246;glichen, sondern diesen aktiv zu f&#246;rdern. Zweitens traf in den dazu entworfenen staatlichen Programmen, die von der Reform bestehender Hochschulstrukturen &#252;ber die Einf&#252;hrung von Stipendien und Beihilfen bis zu einem „Gr&#252;ndungsboom“ neuer Universit&#228;ten“ reichten, das Interesse der auf Innovation und Bildungsausweitung setzenden Kapitalfraktionen auf ein sozialdemokratisches Modernisierungsprojekt, das den individuellen „Aufstieg durch Bildung“ propagierte.<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a> Die zentrale Rolle, die Erziehung und Bildung in der Politik und Ideologie insbesondere der deutschsprachigen Sozialdemokratie spielte, hat eine lange Geschichte.<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a> Insbesondere in den 1970er Jahren wurden zentrale, die Universit&#228;ten &#246;ffnende Hochschulreformen von sozialdemokratisch gef&#252;hrten Regierungen – in &#214;sterreich unter Bundeskanzler Bruno Kreisky und Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg – durchgesetzt, wobei &#252;ber die Intentionen der Innovationsoffensive des Kapitals teilweise hinausgegangen wurde.<br />
Drittens schlie&#223;lich, und nicht weniger entscheidend, war die &#214;ffnung der Universit&#228;ten auch Effekt immer deutlicher ge&#228;u&#223;erter W&#252;nsche von ArbeiterInnen und anderen von Hochschulbildung ausgeschlossenen Subalternen. Der &#246;konomische Aufschwung des unmittelbaren Nachkriegsbooms verbesserte nicht nur die wirtschaftliche Situation vieler „Arbeiterfamilien“<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a> dramatisch, sondern w&#228;lzte auch den Alltagsverstand weiter Teile des Proletariats um. Mit dem sozialen Aufstieg und der kulturell repr&#228;sentierten neuen Stellung „des Arbeiters“ als Teil des gemeinsam mit Unternehmern und Staat geschaffenen Wirtschaftswunders wuchsen auch dessen Anspr&#252;che, an Bildung und Kultur teilzuhaben.<br />
Kurz zusammengefasst kann die Transformation der Hochschulen also weder „funktionalistisch“ allein aus den Bed&#252;rfnissen und Initiativen des Kapitals, noch „politizistisch“ aus der Strategie der erstarkten Sozialdemokratie erkl&#228;rt werden. Es war gerade das historische Zusammentreffen von innovationsorientierten Kapitalstrategien, sozialdemokratischem Modernisierungsprojekt und dem Integrationsbegehren von Teilen der ArbeiterInnenklasse, die diese spezifische Konjunktur erm&#246;glichte. Ein weiterer wesentlicher Aspekt, der selten benannt wird, ist, dass diese Reformen mit einem enormen finanziellen Aufwand f&#252;r die staatlichen Haushalte verbunden waren; eine Voraussetzung f&#252;r ihre Durchsetzung war entsprechend, dass der „allgemeine Steuers&#228;ckel“, von dem Marx einst gesprochen hatte, gut gef&#252;llt war. Dies war nach den langen Jahren des Wirtschaftswunders der Fall – insofern kann die &#214;ffnung und Ausweitung der Bildungsanstalten als eine historische Episode gesehen werden, die nur vor dem Hintergrund des langen Nachkriegsaufschwungs stattfinden konnte.</p>
<p><strong>P&#228;dagogisierung der Arbeit</strong><br />
In den 1970er Jahren wurde die f&#252;r die fordistische Entwicklungsweise des Kapitalismus typische „Entwertung“ der Ware Arbeitskraft in Teilen der Linken unter dem Stichwort der „Dequalifizierungsthese“ diskutiert. Die Ersetzung von lebendiger Arbeit durch komplexe Maschinen ist schlie&#223;lich, in Marxscher Terminologie, gleichbedeutend mit einer Absenkung des Werts der Ware Arbeitskraft. Dieser bemisst sich an der im gesellschaftlichen Durchschnitt f&#252;r ihre (Re-)Produktion notwendige Arbeitszeit. Besser gebildete und h&#246;her qualifizierte Arbeitskraft ist in diesem Sinne „mehr wert“ und muss vom Kapital entsprechend h&#246;her entlohnt werden: „Jede zus&#228;tzliche Qualifikation erh&#246;ht den Wert der Ware Arbeitskraft und bildet so eine Verwertungsschranke f&#252;r das Kapital“.<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> Hinzu kommt, dass die tayloristische Arbeitsorganisation ein effektives Mittel zur Kontrolle der ArbeiterInnen und zur Eind&#228;mmung von Widerstand darstellte, wie der US-amerikanische Betriebsaktivist Harry Braverman in seiner einflussreichen Studie argumentierte.<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a> Aus dieser Perspektive erschien die Dequalifizierung der Arbeit nicht mehr als Spezifikum einer bestimmten Epoche, sondern als der kapitalistischen Produktionsweise inh&#228;rente Tendenz. Die „tayloristisch-fordistische Form der Organisation der kapitalistischen Arbeitsprozesse“ wurde, wie Roland Atzm&#252;ller es formuliert, „r&#228;umlich und zeitlich verallgemeinert und nicht als historisch konkrete Auspr&#228;gung das kapitalistischen Arbeitsprozesses erkannt“.<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a> Dies wurde mit der Durchsetzung neuer, „postfordistischer“ Arbeitsverh&#228;ltnisse ab den 1970er Jahren deutlich. Zwar verschwanden die tayloristisch zergliederten, stupiden und von planender Kopfarbeit abgetrennten Arbeitsformen nicht, es traten jedoch zunehmend neue, durch ein anderes Verh&#228;ltnis von Wissen und Arbeit gepr&#228;gte Formen hinzu und – zumindest in den kapitalistischen Zentren – in den Vordergrund. Teile der Belegschaften wurden mit gr&#246;&#223;eren inhaltlichen Kompetenzen betraut, Prozesse der „Requalifizierung“ und „Reprofessionalisierung“ der Arbeit beobachtet; das Kapital setzte neue Management- und Personalf&#252;hrungsstrategien ein, die Projekt- und Gruppenarbeit an Stelle von direkter &#220;berwachung und individualisierter Arbeitsschritte f&#246;rderte; die formalen Anstellungsverh&#228;ltnisse wurden vervielfacht, sogenannte „atypische“, prek&#228;re Arbeitsverh&#228;ltnisse zur neuen Norm gemacht; und nicht zuletzt wurden an die ArbeiterInnen neue Anforderungen wie Eigenverantwortung und die st&#228;ndige Arbeit am eigenen „Humankapital“ in Form von lebenslangem Lernen und permanenter Weiterbildung herangetragen. Gleichzeitig mit der Ausweitung der Hochschulbildung und der Entstehung der „Massenuniversit&#228;t“ in den 1970er Jahren etabliert sich also, was Roland Atzm&#252;ller die „P&#228;dagogisierung der Arbeitsverh&#228;ltnisse“ nennt: „&#220;ber den Fokus auf die Lernf&#228;higkeit der Besch&#228;ftigten und der Organisation der Arbeit als Lernprozess soll [...] nicht einfach die Bereitschaft der Arbeitskr&#228;fte gesichert werden, f&#252;r andere zu arbeiten und sich den damit verbundenen Kontrollinstrumenten der wissenschaftlichen Betriebsf&#252;hrung zu unterwerfen. Vielmehr wollen lernorientierte Managementstrategien die Neugier und Kreativit&#228;t der Besch&#228;ftigten entwickeln, um ihre Bereitschaft und F&#228;higkeit sicherzustellen, sich aktiv an den Innovationsprozessen zu beteiligen und Rationalisierungsprozesse in Eigenregie voranzutreiben.&#8221;<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a> Dieser neuerliche Schub der Verwissenschaftlichung kapitalistischer Produktionsprozesse unterscheidet sich also vom fordistischen Modell unter anderem dadurch, dass er nicht nur auf Produktivit&#228;tssteigerung durch neue, komplexe Maschinerie setzt, sondern die lebendige Arbeit selbst in eine neue Beziehung zu Wissen und Wissenschaft setzt.</p>
<p><strong>Kognitiver Kapitalismus?</strong><br />
Die hier nur grob skizzierte Entwicklung hin zu einem „postfordistischen“ Verh&#228;ltnis von Wissen und Arbeit wurde in den letzten 40 Jahren aus verschiedensten Perspektiven kritisch analysiert. Eine Interpretation, die besonders um die letzte Jahrtausendwende popul&#228;r wurde, soll hier vorgestellt werden, da sie in den Debatten zu den „neuen Uni-Revolten“, insbesondere in aktivistischen Zusammenh&#228;ngen, wieder deutlich pr&#228;senter ist. Ausgehend von Theorien, die in Italien von sogenannten „post-operaistischen“ AktivistInnen und AutorInnen entwickelt wurden, verstehen sie die postfordistische Entwicklungsweise als „kognitiven Kapitalismus“, der sich vom Fordismus nicht nur durch ver&#228;nderte Organisationsformen des Arbeitsprozesses abhebt, sondern eine grundlegend neue Gesellschaftsformation bildet, die durch die zentrale Bedeutung von Wissen und Wissensarbeit gepr&#228;gt ist. Die prominentesten Vordenker dieser These sind zweifellos Michael Hardt und Toni Negri, deren Mega-Bestseller <em>Empire</em>, der Anfang der 2000er Jahre f&#252;r Aufsehen gesorgt hatte, mit <em>Commonwealth </em>j&#252;ngst seine zweite Fortsetzung erfahren hat.<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a> Sie verwenden den Begriff der „immateriellen Arbeit“, um diesen historischen Bruch anzuzeigen – dass also im Zentrum des neuen Kapitalismus Arbeit steht, „die so genannte immaterielle Produkte schafft, also etwa Wissen, Information, Kommunikation, Beziehungen oder auch Gef&#252;hlsregungen“.<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a> Paolo Virno, ein weiterer „post-operaistischer“ Autor, setzt diese These explizit in Beziehung zu Marx’ Bemerkungen in den <em>Grundrissen</em>, die oben vorgestellt wurden. Dort – in dem Abschnitt, der sp&#228;ter als „Maschinenfragment“ bezeichnet wurde – spekuliert Marx ja, dass die Integration von gesellschaftlichem Wissen in die kapitalistische Maschinerie die ArbeiterInnen tendenziell auf blo&#223;e Anh&#228;ngsel der Produktionsmittel reduzieren w&#252;rde. Er geht aber noch einen Schritt weiter. Wenn dies der Fall w&#228;re, so seine &#220;berlegung, bedeute dies, dass das gesellschaftliche, <em>qua </em>Wissenschaft produzierte Wissen selbst „zur <em>unmittelbaren Produktivkraft</em> geworden“ sei.<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a> Hier hakt Virno ein. Seine These ist, dass der Postfordismus „<em>die empirische Umsetzung des ‚Fragments &#252;ber Maschinen‘ von Marx</em>“ darstelle. „Das abstrakte Wissen“, so Virno, „[...] schickt sich an, nichts weniger als die grundlegende Produktivkraft zu werden“.<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a> Dieses gesellschaftliche Wissen, das Marx <em>General Intellect</em> nennt, sei jedoch, anders als von Marx vorhergesehen, nicht im fixen Kapital, also v.a. in den Maschinen, verk&#246;rpert, sondern wird zum „Attribut der lebendigen Arbeit“.<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a> Wenn Arbeitsprozesse nicht vom stumpfen Kommando bestimmt sind, sondern Kooperation, Teamarbeit, Kommunikation und gemeinsames Wissen beinhalten, &#228;ndert sich aus dieser Perspektive der Charakter der Arbeit – und der ArbeiterInnen – selbst grundlegend. Die „Gesamtheit der lebendigen postfordistischen Arbeit“ – und nicht blo&#223; die formal wissenschaftlich ausgebildeten Klassenfraktionen – sind f&#252;r Virno „intellektuelle Arbeitskr&#228;fte“, sind Massenintellektualit&#228;t“.<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a><br />
Eine j&#252;ngere Generation von AktivistInnen und TheoretikerInnen hat in den letzten Jahren an diese &#220;berlegungen angeschlossen und sie seither f&#252;r die Interpretation der K&#228;mpfe um die Universit&#228;ten – und f&#252;r Interventionen in dieselben – weiter entwickelt. Dies geschieht aktuell besonders im Rahmen des <em>Edu-factory-</em>Kollektivs, das eine wichtige Rolle in den studentischen K&#228;mpfen in Italien spielt und j&#252;ngst eine internationale Konferenz zu den K&#228;mpfen an den Universit&#228;ten in Paris veranstaltet hat, an der auch zahlreiche AktivistInnen aus &#214;sterreich teilgenommen haben. In ihren Analysen gehen sie ebenfalls davon aus, dass das gesellschaftliche Wissen nunmehr, im kognitiven Kapitalismus, „unmittelbar produktiv“ sei. Gigi Roggero, einer der bekannteren Autoren der <em>Edu-factory</em>, formuliert fast wortgleich mit Hardt, Negri und Virno: „Der <em>General Intellect</em> vergegenst&#228;ndlicht sich [...] nicht mehr im toten Wissen [also in den Maschinen, Anm. B.O.], sondern bildet sich vornehmlich in der sozialen Kooperation und in der Produktion des lebendigen Wissens heraus.“<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a> Die „Kognitivisierung“ der Arbeit f&#252;hre demnach dazu, dass alle Formen der Arbeit entlang einer „kognitiven Arbeitsteilung“ organisiert w&#252;rden, wobei sie einen „gemeinsamen Zug“ aufwiesen: „den Zweck und das Ziel, Wissen zu produzieren, permanente Innovation hervorzubringen und den technischen Fortschritt in &#246;konomischen Wert umzusetzen“.<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> Die Hochschulreformen der letzten zehn, 15 Jahre, die auf EU-Ebene ma&#223;geblich durch den <em>Bologna-Prozess</em> angeschoben wurden, m&#252;ssten in diesem Zusammenhang begriffen werden: Es handelt sich um den Versuch, die Universit&#228;ten so umzugestalten, dass sie wie ein Konzern auf den globalen Wissens- und Bildunsm&#228;rkten konkurrieren k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Edu-factory</strong><br />
Aus dieser Diagnose leiten Roggero und die AktivistInnen um das <em>Edu-factory</em>-Kollektiv eine Reihe von Thesen ab, die man so zusammenfassen k&#246;nnte.<br />
<em>Erstens</em>: Die Hierarchisierung und Segmentierung der ArbeiterInnenklasse wird auf globaler Ebene &#252;ber die Bewertung und Einteilung von „Wissen“ durchgesetzt. „‚Kognitiver Kapitalismus‘ [...] bedeutet auch, dass st&#228;ndig neue, k&#252;nstliche Ma&#223;einheiten geschaffen werden, um das lebendige Wissen auf abstraktes Wissen zu reduzieren (vom Copyright und Patenten bis zur in den Studienpl&#228;nen und Ausbildungsprogrammen festgelegten Bringschuld, den <em>Credits</em>; von der Akkumulation sozialen und humanen Kapitals bis zur ‚reference economy’ f&#252;r ForscherInnen und Studierende).“<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a> Die ArbeiterInnenklasse wird in ein immer feineres, kleinteiligeres Raster segmentiert, dessen Koordination von dem Versuch aufgespannt werden, das Wissen der Arbeitenden zu messen und zu bewerten. Welche Schule besucht wurde, welche Fortbildungsma&#223;nahmen ergriffen oder wie viele ECTSPunkte gesammelt wurden, diese und &#228;hnliche Formen der „Kognitivisierung“ der Klassenverh&#228;ltnisse stellen aus dieser Perspektive die zentrale Momente, um „den Wert der kognitiven Arbeitskraft durch die Stratifizierung von <em>Skills </em>und intellektuelle Qualifikation k&#252;nstlich zu messen und zu regulieren.“<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a><br />
<em>Zweitens</em>: Die zentralen Orte, an denen diese Prozesse der Hierarchisierung und Segmentierung vollzogen werden, sind die Bildungseinrichtungen, und hier besonders die Universit&#228;ten. Die Universit&#228;t, so Roggero, kann „in diesem Rahmen als der privilegierte Ort betrachtet werden, um die Produktion des lebendigen Wissens zu untersuchen“.<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a> Die j&#252;ngsten K&#228;mpfe der Studierenden sind wesentlich K&#228;mpfe, die sich gegen die kognitive Segmentierung ihrer Arbeitskraft richten, in der sie „deklassiert“ werden, d.h. dass der Wert ihres Wissens, und damit ihrer Arbeitskraft, dequalifiziert wird. Denn in den Prozessen der Hierarchisierung z&#228;hlt nicht die Qualit&#228;t der Bildung, des Wissens oder der Qualifikation, die jemand erarbeitet hat, sondern formale Kriterien wie <em>Credit-Point</em>s, das Prestige einer Bildungseinrichtung oder die Akkumulation von unbezahlten Praktika. „<em>Déclassement </em>war in den letzten Jahren eines der zentralen Themen der K&#228;mpfe von Studierenden in aller Welt.“<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a><br />
<em>Drittens</em>: In diesem kongnitiven Kapitalismus <em>sind Studierende selbst schon ArbeiterInnen</em>. Das ist die entscheidende Pointe, mit denen das <em>Edu-factory</em>-Kollektiv in die K&#228;mpfe der Studierenden interveniert. Die Positon scheint den AutorInnen so selbstverst&#228;ndlich, dass sie nicht weiter ausgef&#252;hrt wird: Der oder die Studierende ist nicht l&#228;nger eine Arbeitskraft „in Ausbildung“, sondern „bereits ArbeiterIn, einE ProduzentIn von Wissen“.<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a><br />
<em>Viertens</em>: Die diesen Verh&#228;ltnissen entsprechende Strategie f&#252;r erfolgreiche K&#228;mpfe an den Universit&#228;ten muss darauf abzielen, eigene, autonome Formen der Wissensarbeit, der Aneignung, Weiterentwicklung und Vermittlung von Wissen zu schaffen, die sich weit &#252;ber die Grenzen der alten Universit&#228;t hinaus erstrecken. Das Ziel einer solchen Bewegung w&#228;re die Schaffung einer „globalen autonomen Universit&#228;t“ – so auch der Titel des Sammelbands, in dem der bisherige Diskussionsprozess des Kollektivs festgehalten wurde – auf den Ruinen der alten.<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a></p>
<p><strong>Studierende als ArbeiterInnen?</strong><br />
Damit sind wir wieder bei unserer Ausgangsfrage angekommen: Wer revoltiert hier eigentlich in den Uni-Protesten der letzten Jahre? Und wie verhalten sich diese Bewegungen zu dem Konzept der Klassenk&#228;mpfe? Die post-operaistische Antwort des <em>Edu-factory</em>-Kollektivs lautet: Es revoltieren Studierende als ArbeiterInnen gegen die Bewertung, Hierarchisierung und Dequalifizierung ihrer Arbeitskraft. Und diese K&#228;mpfe stellen selbst eine, und vielleicht die fortschrittlichste, Form der Klassenk&#228;mpfe unter den Bedingungen des kognitiven Kapitalismus dar. So naheliegend einige dieser Thesen manchen AktivistInnen scheinen m&#246;gen und so sympathisch die enge Verzahnung, ja Verschmelzung von theoretischer und aktivistischer Arbeit ist, die vom <em>Edufactory</em>-Kollektiv praktiziert wird, so bleibt doch grundlegende Skepsis gegen&#252;ber ihren Positionen angebracht. An dieser Stelle kann keine umfassende Kritik formuliert werden; teilweise l&#228;sst sich das Problematische an den Thesen direkt auf die theoretischen Grundlagen bei Hardt, Negri und Virno zur&#252;ckf&#252;hren (die an anderer Stelle ausf&#252;hrlicher kritisiert wurden).<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a> Einige zentrale Einw&#228;nde wurden in der aktuellen Debatte auch von sympathisierenden KommentatorInnen formuliert, etwa dass Begriffe wie „immaterielle“ oder „kognitive“ Arbeit so weit gefasst sind, dass „beinahe jede Form der Arbeit zu ‚kognitiver’ Arbeit wird“, was „beliebige Gleichsetzungen“ erzeuge.<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a> Vor allem aber muss die zentrale These, nach der das gesellschaftliche Wissen, wie in Marx’ Maschinenfragment, zur wichtigsten, direkten Produktivkraft geworden ist, grunds&#228;tzlich bezweifelt werden. Niemand kann in Abrede stellen, dass wir es – zumindest im globalen Norden und in den „Zentren der Peripherie“ – aktuell mit einer hochtechnologisierten und verwissenschaftlichten Produktionsweise zu tun haben, in der Wissen, Kommunikation, Information und Kooperation zu zentralen Momenten der Organisationsform des Arbeitsprozesses geworden sind. Das bedeutet aber noch lange nicht, wie die post-operaistischen Thesen behaupten, dass alle Menschen, die Wissen, Information oder blo&#223; ein Gef&#252;hl erzeugen, auch Wert produzieren, also im Marx’schen Sinne „produktive ArbeiterInnen“ sind. Denn darauf baut das ganze Argument auf: „Eine Idee oder ein Bild entsteht […] auch unter der Dusche oder in den Tr&#228;umen“, so Hardt und Negri – und meinen damit, dass Produktion und die Ausbeutung nicht mehr an Arbeitszeiten gekn&#252;pft sind.<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a> An eben dieser Idee kn&#252;pft das <em>Edu-factory-</em>Kollektiv an, wenn es die Tatsache, dass Studierende Wissen produzieren und somit arbeiten (was zweifellos richtig ist) mit der Behauptung gleichsetzt, dies w&#228;re „unmittelbar produktive“ Arbeit auch aus der Perspektive des Kapitals (was nur unter sehr spezifischen Umst&#228;nden richtig ist, etwa wenn schlecht oder nicht bezahlte Arbeit von Studierenden in kommerzielle Forschungsprojekte o.&#228;. einflie&#223;t, was immer h&#228;ufiger der Fall ist). Dahinter steht die These, dass die zentrale Linie des Klassenkampfs im kognitiven Kapitalismus durch den Widerspruch zwischen dem kollektiv, erarbeiteten Wissen als „Gemeinsames“ oder <em>Common </em>und den Versuchen der Einhegung, Vereinnahmung und Verwertung dieses Wissens durch Staat und Kapital gezogen.<a title="anm_41" name="anm_41" href="#anm41"><sup>41</sup></a> An einer Stelle verweisen die <em>Edu-factory-</em>AktivistInnen zur Unterst&#252;tzung der Behauptung, Studierende w&#228;ren selbst schon ArbeiterInnen, auf eine Studie von Marc Bousquet.<a title="anm_42" name="anm_42" href="#anm42"><sup>42</sup></a> Dieser zeigt in <em>How the University Works</em> detailliert und empirisch ges&#228;ttigt, dass so viele Studierende in den USA neben ihrem Studium einer Lohnarbeit nachgehen – teilweise direkt an den Universit&#228;ten bzw. am Campus, teilweise als Niedriglohnkr&#228;fte in umliegenden Dienstleistungsbetrieben – dass eine soziologische Unterteilung in „Studierende“ und „ArbeiterInnen“ kaum noch m&#246;glich ist.<a title="anm_43" name="anm_43" href="#anm43"><sup>43</sup></a> Dies betrifft in den USA rund zehn Millionen Menschen, die sich zum Gro&#223;teil selbst nicht als ArbeiterInnen einsch&#228;tzen, sondern als „Studierende, die arbeiten“ (und entsprechend wenig bereit sind, sich f&#252;r bessere Bezahlung oder Arbeitsbedingungen an ihrem „tempor&#228;ren“ Arbeitsplatz einzusetzen). Doch was Bousquet hier zeigt, ist gerade das Gegenteil davon, was die <em>Edu-factory</em>-AktivistInnen behaupten. Ja, die allermeisten Studierende sind auch LohnarbeiterInnen (&#252;brigens auch in &#214;sterreich, wo 61 Prozent aller Studierenden erwerbst&#228;tig sind).<a title="anm_44" name="anm_44" href="#anm44"><sup>44</sup></a> Sie sind Studierende und ArbeiterInnen, aber sie sind nicht ArbeiterInnen <em>als </em>Studierende. Tats&#228;chlich ist die widerspr&#252;chliche gesellschaftliche Position von studierenden ArbeiterInnen Grundlage f&#252;r zahlreiche, meist auf subjektiver Ebene bearbeiteter Konflikte. Das reicht von einer fragmentierten Identit&#228;t als ArbeiterInnen, die ihrem eigenen Selbstverst&#228;ndnis nach „eigentlich“ StudentInnen sind, bis zur ganz praktischen Arbeits&#252;berlastung zwischen Studium und Abend- bzw. Nachtschicht-Job. Die Verkn&#252;pfung der Klassenposition als ArbeiterIn und jener als StudentIn kann politisch und in K&#228;mpfen hergestellt werden, wie das Ansatzweise in den Protesten gegen den CPE in Frankreich geschehen ist; sie ergibt sich aber nicht automatisch aus der Rolle von Studierenden als WissensarbeiterInnen. Die apodiktischen, das Fehlen theoretischer Stringenz oft hinter einer mit post-operaistischen Codew&#246;rtern durchsetzten Privatsprache versteckenden Formulierungen der <em>Edu-factory</em> sind f&#252;r die theoretische wie praktische Vermittlung von Uni-Revolten und Klassenk&#228;mpfen hier wenig hilfreich.<br />
Dabei spielen in den Uni-Revolten der letzten Jahre Aspekte, die von den Edu-factory-AktivistInnen hervorgehoben werden, eine durchaus nicht zu vernachl&#228;ssigende Rolle. Zweifellos ist es verk&#252;rzt, die neoliberale Transformation der Universit&#228;ten allein als Strategien der Privatisierung oder &#214;konomisierung zu verstehen. Hochschulen werden zwar nach dem Vorbild der Privatunternehmen neu strukturiert, direkt profitabel im Sinne von Gewinn abwerfend k&#246;nnen sie aber kaum gef&#252;hrt werden. Ihre Funktion im Sinne der Strategien des Kapitals besteht eher darin, wie das Edu-factory-Kollektiv betont, neue und feiner abgestufte Hierarchien und Segmentierungen innerhalb der besser ausgebildeten ArbeiterInnenklasse herzustellen. Auf nichts anderes l&#228;uft die Einteilung in Bakkalaureats- und Master-Abschluss, und die Einf&#252;hrung von Credit Points schlie&#223;lich hinaus. Die aktuelle Entwicklungsweise des Kapitalismus ist auf gro&#223;e Zahlen von relativ gut ausgebildeten Arbeitskr&#228;ften angewiesen, und die Universit&#228;ten sind nun mal der Ort, an dem die „Inwertsetzung der Arbeitskraft“ konzentriert stattfindet.<a title="anm_45" name="anm_45" href="#anm45"><sup>45</sup></a> Zugleich m&#252;ssen die Massen an den Hochschulen in f&#252;r das Kapital verf&#252;g- und verwertbare Form gebracht, m&#252;ssen m&#246;glich punktgenau an die Stellen im Produktionsprozess eingewiesen werden, an denen sie gebraucht werden. Daf&#252;r sind spezialisierte, in vergleichbaren Modulen organisierte und „praxisnahe“ Studieng&#228;nge n&#246;tig, wie sie an den Universit&#228;ten zur Zeit durchgesetzt werden. Und es m&#252;ssen institutionelle Barrieren eingezogen werden, um die Zahl jener, die &#252;ber eine fachliche Basisausbildung hinaus studieren, auf ein n&#252;tzliches Ma&#223; zu reduzieren, was durch Zugangsbeschr&#228;nkungen f&#252;r Masterstudien sichergestellt werden soll. Dass die Regierungen und Universit&#228;tsleitungen dabei auf Widerstand von Studierenden sto&#223;en, liegt nicht unbedingt daran, dass das Bewusstsein um diese Zusammenh&#228;nge unter Studierenden breit geteilt w&#228;re. Aber ein wesentliches Treibmittel f&#252;r den Unmut, der sich in Studierendenprotesten Bahn bricht, ist die konkrete Erfahrung, dass die hehren – letztlich Humboldt’schen – Bildungsideale, die weiterhin an Schulen, Unis und in Familien vermittelt werden (Bildung als Selbstbildung der Pers&#246;nlichkeit, interessegeleitetes Studieren etc.) sich permanent an verschulten Studienpl&#228;nen, &#252;berf&#252;llten H&#246;rs&#228;len und autorit&#228;ren B&#252;rokratien brechen. Ob und wie diese Erfahrungen politisiert werden, l&#228;sst sich aber nicht aus der gemeinsamen Lage als „WissensarbeiterInnen“ ableiten, sondern h&#228;ngt von den politischen Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen in den Bewegungen ab.</p>
<p><strong>Klassenk&#228;mpfe von oben</strong><br />
Um den Zusammenhang von Studierendenbewegungen und Klassenk&#228;mpfen zu diskutieren, k&#246;nnen aber auch andere, sich ebenfalls auf Marx berufende theoretischer Zug&#228;nge, hilfreiche Hinweise liefern. In der akademischen Debatte der kritischen „Internationalen Politischen &#214;konomie“ wird seit vielen Jahren &#252;ber die Transformation des Bildungssystems unter dem Neoliberalismus diskutiert. Dabei wird die Ausgangsthese (post-)operaistischer Theorien, wonach Klassenk&#228;mpfe immer als Revolten „von unten“ ihren Ausgang nehmen und das Kapital zur Reaktion zwingen, abgelehnt. Vielmehr wird die aktive Rolle der verschiedenen Kapitalfraktionen und der mit ihnen organisch verbundenen „Intellektuellen“ betont, die ihre Verwertungsinteressen l&#228;ngerfristig durch die Formulierung und Durchsetzung von „hegemonialen Projekten“ durchsetzen und absichern. Dabei muss zwar zumindest teilweise auf Interessen und Begehren der beherrschten Klassen kompromisshaft eingegangen werden, letztlich haben wir es aber mit Formen des gesellschaftlichen Klassenkampfs „von oben“ zu tun. Die Durchsetzung des Neoliberalismus als globales politisches Projekt zur Disziplinierung der ArbeiterInnenklasse und zur Erschlie&#223;ung neuer gesellschaftlicher Bereiche f&#252;r die kapitalistische Akkumulation kann unter diesem Gesichtspunkt verstanden werden.<a title="anm_46" name="anm_46" href="#anm46"><sup>46</sup></a> Klassenkampf ist aus dieser Perspektive nichts rein „&#246;konomisches“, sondern bezeichnet die vielf&#228;ltigen gesellschaftlichen Strategien von Klassenakteuren zur Durchsetzung ihrer Interessen. Der Politikwissenschaftler Kees van der Pijl etwa unterscheidet zwischen drei Ebenen der Klassenauseinandersetzungen. Neben den K&#228;mpfen in Phasen der „sogenannten urspr&#252;nglichen Akkumulation“, in denen es um die Durchsetzung von Lohnarbeit und kapitalistischer Produktion geht, und K&#228;mpfen innerhalb und um die Produktion um Lohnh&#246;he und Arbeitsbedingungen, besteht eine dritte, laut van der Pijl f&#252;r den neoliberalen Kapitalismus besonders virulente Form des Klassenkampfs in Auseinandersetzungen um die <em>Reproduktion </em>der Arbeitskraft selbst.<a title="anm_47" name="anm_47" href="#anm47"><sup>47</sup></a> Damit meint er, dass bislang nicht der kapitalistischen Logik unterworfene gesellschaftliche Bereiche, in denen ArbeiterInnen sich sich im weitesten Sinne regenerieren, als potenzielle Akkumulationsfelder identifiziert werden – von der Familie &#252;ber &#246;ffentliche Dienstleistungen bis hin zur Natur selbst. Zu diesen Prozessen geh&#246;ren auch Konflikte um die Form und Organisation von Schulen und Hochschulen. Die Reformen der letzten Jahre zielen letztlich auch darauf ab, Bildung als &#246;konomischen „Sektor“ zu etablieren, der als potenziell profitables Anlagefeld f&#252;r das Kapital funktioniert. Daf&#252;r m&#252;ssen Universit&#228;ten „unternehmerisch“ gef&#252;hrt werden: es werden Konkurrenzmechanismen innerhalb und zwischen den Hochschulen eingef&#252;hrt, der Wettbewerb um „Drittmittel“ zur Finanzierung von Forschung und Lehre hergestellt und autorit&#228;re, den Vorst&#228;nden und Aufsichtsr&#228;ten gro&#223;er Konzerne nachempfundene F&#252;hrungsstrukturen implementiert.<a title="anm_48" name="anm_48" href="#anm48"><sup>48</sup></a> Dies auch dann, wenn – wie es bei den gro&#223;en Massenuniversit&#228;ten der Fall ist – die einzelne Institution gar nicht profitabel gef&#252;hrt werden kann. Es geht um die politische Herstellung eines Bildungs-Marktes, in dem dann einzelne Segmente (z.B. globale Elite-Universit&#228;ten, berufsbegleitende Weiterbildung etc.) als rentable Anlagefelder identifiziert werden k&#246;nnen. Wenn wir diese „Reformen“ als Bestandteile eines Klassenkampfs begreifen, der von oben um die Herstellung neuer M&#246;glichkeiten zur Kapitalakkumulation, d.h. f&#252;r die Unterwerfung weiterer gesellschaftlicher Bereiche unter die Logik von Profit und Konkurrenz, gef&#252;hrt wird, dann erhalten auch die K&#228;mpfe der Studierenden, die sich genau dagegen wehren, eine Dimension des Klassenkampfs – ohne, dass wir die Studierenden deshalb gleich kollektiv zu Bestandteilen der ArbeiterInnenklasse erkl&#228;ren m&#252;ssen. Ob diese „Dimension des Klassenkampfs“ in den Protesten auch artikuliert wird, h&#228;ngt letztlich von den politischen und ideologischen Auseinandersetzungen in den Bewegungen selbst ab: In diesen geht es darum, welche Kampfformen wir annehmen, was und wen wir zum politischen Gegner oder zum potenziellen Verb&#252;ndeten erkl&#228;ren, und, nicht zuletzt, als was wir uns selbst verstehen und definieren. Denn wenn Studierende sich als Subjekte in einem Klassenkampf verstehen, der nicht nur gegen sie gef&#252;hrt wird, l&#228;sst sich auch die Frage nach gemeinsamen Interessen und darauf aufbauenden Allianzen anders aufwerfen und in der Verbindung verschiedener anti-neoliberaler K&#228;mpfe m&#246;glicherweise etwas politisch Gemeinsames herstellen.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Ein &#220;berblick zu den K&#228;mpfen gegen den CPE findet sich hier: http://www.labournet.de/internationales/fr/cpe.html<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> Eine erste Sammlung von Berichten und Einsch&#228;tzungen zu den Protesten in<br />
Gro&#223;britannien findet sich in Hancox, Dan: Fight Back! A Reader on the Winter of<br />
Protest, London (2011): OpenDemocracy, online: http://www.opendemocracy.net/ourkingdom/ourkingdom/fight-back-reader-on-winter-of-protest<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Vgl. Caffentzis, George: University Struggles at the End of the Edu-Deal, in: Mute<br />
Magazine, 2 (16), S. 72-77<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Probst, Stefan et al.: Utopia?! Alternative Formen der Wissensproduktion und –aneignung, in: Perspektiven Nr. 10 (2010), S. 16-21<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Heissenberger, Stefan et al. (Hg.): Uni brennt. Grunds&#228;tzliches – Kritisches – Atmosph&#228;risches, Wien (2010): Turia+Kant.<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Vgl. http://www.prol-position.net/nl/2006/07/cpe-leaflet<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> Benino, Andrea: Die perfekte Welle&#8230;, in: kulturrisse 2/2009, S. 24-27.<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> Research &#038; Destroy: Kommuniqué aus einer ausbleibenden Zukunft, in: grundrisse Nr. 32 (2009), S. 22-30.<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> Frauen wurde in Deutschland und &#214;sterreich erst ab Ende des 19. Jahrhunderts die Immatrikulation an Universit&#228;ten erlaubt.<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> Demirovi&#196;, Alex: Kritische Gesellschaftstheorie und ihre Bildungsbedingungen, in: Kurswechsel 4/2005, 13-27, hier: 18f.<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Ebd.: 19<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> Die folgenden Ausf&#252;hrungen beziehen sich im Wesentlichen auf die Situation in<br />
Deutschland und &#214;sterreich, bleiben notwendig kursorisch und in mancherlei Hinsicht vereinfachend; die beschriebene Entwicklung kann jedoch, so meine ich, zumindest in der Tendenz auf die Gesellschaften des kapitalistischen Nordwestens ausgeweitet werden.<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> MEW 23: 533<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> MEW 42: 593<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> Sabel, Charles: Struktureller Wandel der Produktion und neue Gewerkschaftsstrategien,in: Prokla Nr. 62 (M&#228;rz 1986), S. 41-60, hier: S. 41.<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> von Osten, Marion: reformpause! Zur Genealogie aktueller Bildungsreformen,<br />
Wien (2009), edition PROLLpositions, S. 11<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> ebd. Obwohl die Konstellation in &#214;sterreich sich von jener Deutschlands etwas<br />
unterschied und eher durch Prozesse der verz&#246;gerten und nachholenden Entwicklung gepr&#228;gt war, lassen sich bereits ab 1963, mit der Einf&#252;hrung eines Studienbeihilfengesetzes, &#228;hnliche Tendenzen erkennen. Vgl. Reithmayer, Thomas: Kritisch studieren an &#214;sterreichs Universit&#228;ten, in: Perspektiven Nr. 8, S. 32-39, hier S. 34.<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a>Vgl. f&#252;r &#214;sterreich Opratko, Benjamin/Probst, Stefan: Sozialismus in einer Stadt, in: Perspektiven Nr. 11, S. 12-19.<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Das fordistische Entwicklungsmodell beruhte ma&#223;geblich auf einem spezifischen<br />
Geschlechter- und Familienregime, das Frauen auf ihre Rolle als unbezahlte und untergeordnete Haushaltsarbeiterinnen reduzierte. Der Mann war als Alleinverdiener zugleich „Familienoberhaupt“, womit das ehemals b&#252;rgerliche Modell der patriarchalen Kleinfamilie universalisiert wurde – auch und gerade in „Arbeiterfamilien“. Vgl. Hajek, Katharina/Opratko, Benjamin: Wessen Wirtschaft, welche Krise?, in: Perspektiven Nr. 9, S. 22-31.<br />
<a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> Kapfinger, Emanuel/Sablowski, Thomas: Bildung und Wissenschaft im Kapitalismus, in: Unbedingte Universit&#228;t (Hg.): Was passiert? Stellungnahmen zur Lage der Universit&#228;t, Z&#252;rich (2010): Diogenes, S. 249-275, hier: 256.<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Braverman, Harry: Die Arbeit im modernen Produktionsprozess, Frankfurt/M.<br />
(1977): Campus; an Bravermans Thesen schloss sich eine breite, kontrovers gef&#252;hrte Diskussion unter dem Label der Labor Process Debate an. F&#252;r einen kritischen &#220;berblick vgl. Wood, Stephen: Neue Technologien, Arbeitsorganisation und Qualifikation: die britische Labor-Process-Debatte, in: Prokla Nr. 62 (M&#228;rz 1986), S. 74-104.<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> Atzm&#252;ller, Roland: Qualifikationsanforderung und Berufsbildung im Postfordismus, in: Prokla Nr. 137 (2004), S. 587-605, hier S. 588.<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> Atzm&#252;ller, Roland: Die P&#228;dagogisierung von Arbeitsverh&#228;ltnissen und Staat, in: Perspektiven Nr. 10, 22-28, hier: 24f.<br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> Die Thesen von Hardt und Negri habe ich an anderer Stellen ausf&#252;hrlich kritisert: Opratko, Benjamin: Sei spontan, tr&#228;um’ den Kommunismus, in: Perspektiven Nr. 3, S. 10-17.<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Hardt, Michael/Negri, Antonio: Multitude. Krieg und Demokratie im Empire, Frankfurt/M. (2004): Campus, S. 126.<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> MEW 42: 602, Herv. i. O.<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> Virno, Paolo: Grammatik der Multitude. Mit einem Anhang: Die Engel und der<br />
General Intellect, Wien (2005): Turia+Kant, S. 140, Herv. i. O.<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> Ebd.: 149.<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> Ebd.: 153.<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> Roggero, Gigi: Was das lebendige Wissen vermag, http://eipcp.net/transversal/0809/roggero/de<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> Ebd.<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> De Nicola, Alberto/Roggero, Gigi: Vom Leben in einer Ruine, in: Kulturrisse<br />
2/2008, S. 24-27, hier: 24.<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> The Edu-factory Collective: All Power to Self-Education!, in: dies.: Toward a Global Autonomous University. Cognitive Labor, The Production of Knowledge and Exodus from the Education Factory, New York: Autonomedia, S. 0-15, hier: S. 10.<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> Roggero: Was&#8230;, a.a.O.<br />
<a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> Do, Paolo/Roggero, Gigi: We Won’t Pay for Your Crisis: Italian Struggles Against Education Reform, in: Mute Magazine (2009), http://www.metamute.org/en/content/we_won_t_pay_for_your_crisis_italian_struggles_against_education_reform<br />
<a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> Do/Roggero: We Won’t Pay&#8230;, a.a.O.; vgl. Edu-factory Collective: All Power&#8230;, a.a.O.: 10.<br />
<a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> Ashram, Vidya: The Global Autonomous University, in: The Edu-factory Collective, Towards&#8230;, a.a.O., S. 165-170.<br />
<a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> Vgl. Opratko, Benjamin: Sei spontan&#8230;, a.a.O.<br />
<a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> Caffentzis, George/Federici, Silvia: Arbeit im Schatten der Kognitivit&#228;t, in: kulturrisse 2/2009, S. 10-15, hier: S. 13.<br />
<a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> Hardt/Negri: Multitude, S. 130.<br />
<a title="anm41" name="anm41" href="#anm_41">41</a> Gigi Roggero schreibt etwa: „Produktivit&#228;t [entsteht] nicht durch den Umstand, ob man f&#252;r seine T&#228;tigkeit bezahlt wird oder nicht, sondern durch die konfliktuale Beziehung zwischen der Produktion des Gemeinsamen und dessen Vereinnahmung“ (Roggero: Was&#8230;, a.a.O.)<br />
<a title="anm42" name="anm42" href="#anm_42">42</a> Edu-factory Collective: All Power&#8230;, a.a.O.: 10 (Fn 9); Bousquet, Marc: How the<br />
University Works. Higher Education and the Low-Wage Nation, New York: New York<br />
University Press<br />
<a title="anm43" name="anm43" href="#anm_43">43</a> Bousquet: How&#8230;, a.a.O., S. 146ff.<br />
<a title="anm44" name="anm44" href="#anm_44">44</a> Unger, Martin et al: Studierenden-Sozialerhebung 2009, Wien: IHS, S. 133ff.<br />
<a title="anm45" name="anm45" href="#anm_45">45</a> Raunig, Gerald: Im Modus der Modulation, in: Unbedingte Universit&#228;ten: Was passiert?, a.a.O., 55-63, hier: 63.<br />
<a title="anm46" name="anm46" href="#anm_46">46</a> Vgl. Harvey, David: Kleine Geschichte des Neoliberalismus, Z&#252;rich (2007): Rotpunkt.<br />
<a title="anm47" name="anm47" href="#anm_47">47</a> Van der Pijl, Kees: Transnational Classes and International Relations, London (1998): Routledge, S. 38ff.<br />
<a title="anm48" name="anm48" href="#anm_48">48</a> Vgl. Demirovi&#196;, Alex: Die Transformation der Staatlichkeit von Hochschulen, in: Das Argument Nr. 272 (2007), S. 531-545; Zeuner, Bodo: Die Freie Universit&#228;t Berlin vor dem B&#246;rsegang? Bemerkungen zur &#214;konomisierung der Wissenschaft, in: Prokla Nr. 148 (2007), S. 325-350.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2011/07/19/uni-revolten-als-klassenkaempfe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bologna den Prozess machen!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/27/bologna-den-prozess-machen/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/27/bologna-den-prozess-machen/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 27 Feb 2010 21:22:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>clemens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsproteste]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=779</guid>
		<description><![CDATA[
Vom 11. bis 12. M&#228;rz werden die Bildungsminister*innen 46 europ&#228;ischer Staaten, zur 10-Jahre-Jubil&#228;umskonferenz des Bologna-Prozesses nach Wien und Budapest geladen. Angesichts der Zust&#228;nde an den Universit&#228;ten und den breiten Protesten f&#252;r freie Bildung, sind die geplanten Feierlichkeiten eine Verh&#246;hnung der Uni-Angeh&#246;rigen.

Der Bologna-Prozess hat das Ziel, die Vereinheitlichung des europ&#228;ischen Hochschulraumes f&#252;r mehr Dynamik und Mobilit&#228;t, klar verfehlt. Die stark verschulten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="csc-header csc-header-n2">
<h1><span style="font-weight: normal; font-size: 13px;">Vom 11. bis 12. M&#228;rz werden die Bildungsminister*innen 46 europ&#228;ischer Staaten, zur 10-Jahre-Jubil&#228;umskonferenz des Bologna-Prozesses nach Wien und Budapest geladen. Angesichts der Zust&#228;nde an den Universit&#228;ten und den breiten Protesten f&#252;r freie Bildung, sind die geplanten Feierlichkeiten eine Verh&#246;hnung der Uni-Angeh&#246;rigen.</span></h1>
</div>
<p class="bodytext"><span lang="de-DE">Der Bologna-Prozess hat das Ziel, die Vereinheitlichung des europ&#228;ischen Hochschulraumes f&#252;r mehr Dynamik und Mobilit&#228;t, klar verfehlt. Die stark verschulten Studienpl&#228;ne und der Druck diese in Mindeststudienzeit zu absolvieren erschweren es Auslandssemester zumachen. Das neue dreistufige Studiensystem f&#252;hrte zu erh&#246;hter sozialer Selektion. W&#228;hrend der Bachelor einer gr&#246;&#223;eren Zahl zug&#228;nglich sein sollte, verd&#252;nnen sich Master und PhD zu einem Eliteprogramm, das vor allem Frauen ausschlie&#223;t. Zudem kommt die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen sowie die Einf&#252;hrung von Studiengeb&#252;hren und vermehrter Demokratieabbau an den Universit&#228;ten. Die schwere finanzielle Lage zwingt mehr und mehr Hochschulen, Konzerne als Investoren f&#252;r Forschungan die Universit&#228;t zu locken, unabh&#228;ngige und freie Forschung wird dabei unm&#246;glich. Die Ausrichtung der Lehrinhalte auf Arbeitsmarkt-Interessen im Zuge der Lissabonstrategie betrifft nicht nur Universit&#228;ten sondern soll zur Leitlinie des gesamten Bildungswesens werden, dies schr&#228;nkt die M&#246;glichkeit selbstbestimmt und kritisch zu Lernen ein.</span></p>
<p class="bodytext"><span lang="de-DE">Angesichts dieser desastr&#246;sen Lage sehen wir keinen Grund das 10- j&#228;hrige Bestehen der Bolognareform zu feiern. Die europaweiten Proteste unter Studierenden, Lehrenden und Sch&#252;ler*innen zeigen, dass die Politiker*innen nicht mehr &#252;ber unsere K&#246;pfe entscheiden k&#246;nnen.</span></p>
<p class="bodytext"><span lang="de-DE">Die Bolognastrategie ist fehlgeschlagen und bietet keinen Grund zu internationalen Feierlichkeiten. Deshalb wollen wir die Konferenz mit Demonstrationen, Streik und Blockaden &#8220;empfangen&#8221;, auf einem Gegengipfel die europ&#228;ische Hochschulpolitik kritisch hinterfragen und die Vernetzung der internationalen Bildungsproteste vorantreiben.</span></p>
<p><span lang="de-DE"><strong>Komm, beteilige dich! St&#246;ren wir gemeinsam Ihre Feierlichkeiten, und zeigen das dies Hochschulreform kein Grund zu Feiern ist!</strong></span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/27/bologna-den-prozess-machen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Perspektiven Nr. 10 (Winter 2010) erschienen!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/perspektiven-nr-10-fruehling-2010-erschienen/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/perspektiven-nr-10-fruehling-2010-erschienen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 15:09:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsproteste]]></category>
		<category><![CDATA[Eliten]]></category>
		<category><![CDATA[Kindergartenaufstand]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=755</guid>
		<description><![CDATA[Schwerpunkt: K&#228;mpfe um Bildung

Die neue Ausgabe von Perspektiven ist da!

Im Schwerpunkt:
 Maria Asenbaum, Katharina Hajek, Michael Botka und Ako Pire sammeln Erfahrungen und Reflexionen der unibrennt-AktivistInnen &#8211; Stipe Curkovic &#252;ber neue Formen der Demokratie in den besetzten Universit&#228;ten Kroatiens &#8211; Stefan Probst, Franziska M&#252;ller-Uri, Julia Hofmann und Isabella Schlehaider zum Begriff der freien Bildung als „regulative Utopie“ &#8211; Roland Atzm&#252;ller [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Schwerpunkt: K&#228;mpfe um Bildung</h3>
<p style="text-align: center;"><a></a></p>
<p><a><strong>Die neue Ausgabe von Perspektiven ist da!</strong></a></p>
<p><strong><a href="http://www.perspektiven-online.at/?cat=53"><img class="alignleft size-medium wp-image-756" title="coverp10" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/02/coverp10-222x300.jpg" alt="coverp10" width="222" height="300" /></a></strong></p>
<p>Im Schwerpunkt:</p>
<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=750" target="_self"> Maria Asenbaum, Katharina Hajek, Michael Botka und Ako Pire sammeln Erfahrungen und Reflexionen der unibrennt-AktivistInnen</a> &#8211; Stipe Curkovic &#252;ber neue Formen der Demokratie in den besetzten Universit&#228;ten Kroatiens &#8211; <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=783">Stefan Probst, Franziska M&#252;ller-Uri, Julia Hofmann und Isabella Schlehaider zum Begriff der freien Bildung als „regulative Utopie“</a> &#8211; Roland Atzm&#252;ller &#252;ber die P&#228;dagogisierung von Arbeitsverh&#228;ltnissen und die Neoliberalisierung der Bildung &#8211; Michael Hartmann im Interview zu Bildung und Elitenreproduktion in Europa &#8211; Elisabeth Steinklammer, Kristina Botka, Barbara Tinhofer und Gloria Fleischmann &#252;ber das Kollektiv Kindergartenaufstand</p>
<p>Au&#223;erhalb des Schwerkpunkts:</p>
<p>Andreas Fink zur erfolgreichen Besetzung der INNSE-Fabrik in Mailand &#8211; Die Goldenen Zitronen im Interview &#252;ber politische Popmusik und die bayrische R&#228;terepublik &#8211; Philipp Probst &#252;ber Chris Harmans letztes Buch &#8211; Rezensionen und Rosinenpicken</p>
<p>Hier gibt es das <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=747" target="_self">Editorial </a>zu lesen.  Bestellt Perspektiven Nr. 10 <a href="mailto:kontakt@perspektiven-online.at">hier</a>, kauft sie <a href="http://www.perspektiven-online.at/?page_id=7">da</a> oder g&#246;nnt euch gleich ein <a href="http://www.perspektiven-online.at/?page_id=8" target="_self">Abo</a>!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/perspektiven-nr-10-fruehling-2010-erschienen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Editorial</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/editorial-8/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/editorial-8/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 14:44:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr.10]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsproteste]]></category>
		<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Eliten]]></category>
		<category><![CDATA[Kindergartenaufstand]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=747</guid>
		<description><![CDATA[Ihr haltet in H&#228;nden, man glaubt es kaum, Perspektiven Nr. 10, in Worten: Zehn. Als wir im Fr&#252;hling 2006 die „Nullnummer“ ver&#246;ffentlichten, hatte das Magazin 48 Seiten, einen Schwerpunkt („Europ&#228;ische Union“), den wir verga&#223;en, auf das Cover zu schreiben, und ein ambitioniertes Editorial, das erkl&#228;rte, dass wir einen Beitrag leisten wollen, um „eine lebendige Opposition und echte politische Alternativen zu entwickeln.“ Knapp vier Jahre sp&#228;ter z&#228;hlt Perspektiven Nr. 10 72 Seiten, tr&#228;gt seinen hochaktuellen Themenschwerpunkt stolz auf der golden glitzernden Titelseite – und hat an Ambition nichts verloren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">Ihr haltet in H&#228;nden, man glaubt es kaum, <em>Perspektiven </em>Nr. 10, in Worten: Zehn. Als wir im Fr&#252;hling 2006 die „Nullnummer“ ver&#246;ffentlichten, hatte das Magazin 48 Seiten, einen Schwerpunkt („Europ&#228;ische Union“), den wir verga&#223;en, auf das Cover zu schreiben, und ein ambitioniertes Editorial, das erkl&#228;rte, dass wir einen Beitrag leisten wollen, um „eine lebendige Opposition und echte politische Alternativen zu entwickeln.“ Knapp vier Jahre sp&#228;ter z&#228;hlt <em>Perspektiven </em>Nr. 10 72 Seiten, tr&#228;gt seinen hochaktuellen Themenschwerpunkt stolz auf der golden glitzernden Titelseite – und hat an Ambition nichts verloren. <span id="more-747"></span> F&#252;r letzteres ist vor allem die Tatsache verantwortlich, dass wir seit Herbst 2009 Teil einer Bewegung sind, die wir zwar lange erhofft, aber alles andere als erwartet hatten. Die bildungspolitischen Proteste, die rund um die Besetzung des Wiener Audimax unter dem Schlachtruf „Uni brennt“ entfacht wurden, waren in den letzten Monaten unser zentrales Bet&#228;tigungsfeld, und werden es wohl auch auf absehbare Zeit bleiben. Mit ihnen hat sich ein neuer politischer Resonanzraum f&#252;r die Linke in &#214;sterreich ge&#246;ffnet, in dem solidarische Auseinandersetzungen um eine bessere und gerechtere Bildungspolitik gef&#252;hrt werden. Sie erm&#246;glichen aber auch, ausgehend von den K&#228;mpfen um Bildung, weiterf&#252;hrende politische Debatten anzusto&#223;en: &#252;ber M&#246;glichkeiten autonomer, demokratischer Lehr- und Lernprozesse, &#252;ber den Zusammenhang von prekarisierten Arbeitsverh&#228;ltnissen und dem marktkonformen Umbau der Hochschulen, oder &#252;ber Grenzen von und Alternativen zu b&#252;rgerlicher Demokratie. Diese Fragen werden entscheidend sein f&#252;r jene langfristige Perspektive, die wir – wie zur Zeit unserer Gr&#252;ndung vor vier Jahren – als weiterhin zentral erachten: den Aufbau einer neuen, breit aufgestellten und gesellschaftlich relevanten Linken.</p>
<p class="MsoNormal">Dies waren die &#220;berlegungen, die uns bei der Zusammenstellung des vorliegenden Heftschwerpunkts geleitet haben. Er wurde gestaltet und geschrieben von AktivistInnen der Bewegung, um die K&#228;mpfe um Bildung in ihrer Breite und Dynamik darzustellen sowie sie in grundlegende politische Debatten einzubetten.</p>
<p class="MsoNormal">Der erste Artikel von <em>Maria Asenbaum</em>, <em>Katharina Hajek</em>, <em>Michael Botka</em> und <em>Ako Pire</em> basiert auf einer Vielzahl von Interviews, die sie w&#228;hrend der Audimax-Besetzung mit verschiedenen AktivistInnen gef&#252;hrt haben. In der Zusammenf&#252;hrung der unterschiedlichen Selbstverst&#228;ndnisse, strategischen Einsch&#228;tzungen und vor allem der vielf&#228;ltigen Erfahrungen, machen sie die inspirierende Dynamik der Besetzung nachvollziehbar, ohne die Widerspr&#252;che und Konflikte in der Bewegung zu unterschlagen. <em>Stipe &#196;urkovi&#196;</em> aus Zagreb berichtet &#252;ber die im deutschsprachigen Raum wenig beachtete Bewegung f&#252;r freie Bildung, die im Jahr 2009 Kroatien erfasste. Er stellt dabei den Begriff der Demokratie ins Zentrum seiner Darstellung: jene b&#252;rgerliche Demokratie, die sich in einge&#252;bten Ritualen und Sonntagsreden ersch&#246;pft, aber auch die Formen direkter und partizipativer Demokratie, die in den besetzen Universit&#228;ten entstanden sind. Die von Protestierenden allerortens aufgestellte Forderung nach „freier und selbstbestimmter Bildung“ nehmen <em>Stefan Probst</em>, <em>Franziska M&#252;ller-Uri</em>, <em>Julia Hofmann</em> und <em>Isabella Schlehaider</em> zum Anlass, dar&#252;ber nachzudenken, wie demokratisches Lernen und Lehren aussehen k&#246;nnte. Sie entwickeln eine Vorstellung von Bildung als „Prozess gegenseitiger Bef&#228;higung“, die als „regulative Utopie“ funktionieren k&#246;nnte. Die Kritik an der „&#214;konomisierung“ der Bildung wird von <em>Roland Atzm&#252;ller</em> analytisch unterf&#252;ttert, indem er zeigt, wie im postfordistischen Staat insbesondere Hochschulen entsprechend den Anforderungen der neoliberalen Arbeitsverh&#228;ltnisse restrukturiert werden. Den Soziologen <em>Michael Hartmann</em> befragten wir nach seinen Forschungsergebnissen zur Rolle von Bildungsinstitutionen f&#252;r die (Re-)Produktion der europ&#228;ischen Eliten. Und schlie&#223;lich verkn&#252;pfen<em> Elisabeth Steinklammer</em>, <em>Kristina Botka</em>, <em>Barbara Tinhofer</em> und <em>Gloria Fleischmann</em> vom <em>Kollektiv Kindergartenaufstand</em> einen Bericht &#252;ber ihre Organisierungs- und Kampferfahrungen als Kindergartenp&#228;dagoginnen mit einer kritischen Analyse der Bildungsinstitution Kindergarten als Ort der Hegemonieproduktion.</p>
<p class="MsoNormal">Auch au&#223;erhalb des Schwerpunkts geht es k&#228;mpferisch zu, in <em>Andreas Finks</em> Analyse der erfolgreichen Besetzung der Mail&#228;nder INNSE-Fabrik durch deren Belegschaft. Und <em>Daniel Fuchs</em> und <em>Benjamin Opratko</em> unterhielten sich mit <em>Schorsch Kamerun</em> und <em>Ted Gaier</em> von den grandiosen <em>Goldenen Zitronen</em> und landeten dabei unerwartet bei der bayrischen R&#228;terepublik.</p>
<p class="MsoNormal">Die Rezensionsabteilung wird diesmal von <em>Philipp Probst</em> er&#246;ffnet, der &#8220;Zombie Capitalism&#8221;, das letzte Buch von <em>Chris Harman</em>, bespricht. Der marxistische Historiker, Berufsrevolution&#228;r im besten Sinne des Wortes, ist im November v&#246;llig unerwartet an einem Herzinfarkt verstorbenen.</p>
<p class="MsoNormal">Wir w&#252;nschen euch jedenfalls anregende Lekt&#252;re; im besten Falle soll sie motivieren, euch in die Vorbereitung zu den Protesten gegen die Feierlichkeiten zum zehnj&#228;hrigen Jubil&#228;um des Bologna-Prozess einzuklinken. N&#228;here Infos dazu gibt es auf Seite 21 und unter <a href="http://www.bolognaburns.org" target="_blank">www.bolognaburns.org</a>.</p>
<p class="MsoNormal">In diesem Sinne: lasst tausend Unis brennen!</p>
<p class="MsoNormal">Eure Perspektiven-Redaktion</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/editorial-8/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>„Die Explosion eines politischen Unbehagens“</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/die-explosion-eines-politischen-unbehagens/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/die-explosion-eines-politischen-unbehagens/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 14:32:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr.10]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsproteste]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=750</guid>
		<description><![CDATA[Die Uni brennt! Maria Asenbaum, Katharina Hajek, Michael Botka und Ako Pire haben mit AktivistInnen im und um das Audimax gesprochen. Entstanden ist eine Momentaufnahme, in der die unterschiedlichen Blickwinkel, aber auch der gemeinsame Enthusiasmus zum Ausdruck kommt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Uni brennt! <em>Maria Asenbaum</em>, <em>Katharina Hajek</em>, <em>Michael Botka</em> und <em>Ako Pire</em> haben mit AktivistInnen im und um das Audimax gesprochen. Entstanden ist eine Momentaufnahme, in der die unterschiedlichen Blickwinkel, aber auch der gemeinsame Enthusiasmus zum Ausdruck kommt.<br />
<span id="more-750"></span></p>
<p class="MsoNormal">Mitte Oktober fanden, ausgehend von der Akademie der bildenden K&#252;nste, die gr&#246;&#223;ten Studierendenprosteste seit 1997 in Wien und ganz &#214;sterreich statt. Tausende Studierende haben &#252;ber Monate hinweg verschiede Universit&#228;ten besetzt gehalten, sich selbst organisiert, Arbeitsgruppen gegr&#252;ndet, eine eigene Infrastruktur aufgebaut, gemeinsam gekocht und geputzt und die gr&#246;&#223;te Demonstration seit der Anti- Schwarz-Blau-Bewegung 2000 auf die Beine gestellt – die b&#252;rgerlichen Medien sprachen sogar von einem „Hauch von 68, der durch die Universit&#228;ten &#214;sterreichs zieht“. Da sich die Bewegung vor allem auch durch ihre Heterogenit&#228;t ausgezeichnet hat, war es uns ein Anliegen, keine Analyse von au&#223;en zu verfassen, sondern als am Protest beteiligte Personen andere AktivistInnen selbst sprechen zu lassen. Wir haben zehn – aus verschiedenen Studienrichtungen kommende, mehr oder weniger lang politisch aktive – TeilnehmerInnen der Proteste interviewt und sie nach ihren Beweggr&#252;nden, Zielen, Eindr&#252;cken und Meinungen gefragt.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>„Wir besetzen das jetzt!“</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">„Hammer! &#220;berraschend, komplett &#252;berraschend. Ich glaub’, keineR von uns h&#228;tte damit gerechnet, dass es abends so voll ist. Wir dachten, wir machen eine symbolische Besetzung … KeineR h&#228;tte sich gedacht, dass wir da l&#228;nger drin bleiben als eine Nacht, beziehungsweise haben wir damit gerechnet, dass wir am selben Tag wieder rausgehen. Und das, was dann passiert ist, war eindeutig die Explosion eines politischen und eines pers&#246;nlichen Unbehagens, das eigentlich schon lange geschwelt hat, aber der Tropfen, der das Fass zum &#220;berlaufen gebracht hat, war einfach da.“ Wie wohl die meisten Leute, hat auch der Gro&#223;teil der von uns interviewten Personen via SMS von der Audimax-Besetzung erfahren. Anna<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a>: „Ich hab’ am Donnerstag Nachmittag der Besetzung, so um vier, ein SMS bekommen und bin dann hin. Meine Mitbewohnerin war auch schon bei der Demo und ist mit rein gegangen.“ Viele waren zwar etwas verwirrt, aber doch &#252;berw&#228;ltigt: von den vielen Menschen, dem hohen Aktivit&#228;tslevel, der Ausdauer und der Tatsache der Besetzung an sich. Anna: „Ich war total geflashed. Es war total riesig! Es waren sooo viele Leute, ich war total beeindruckt! Ich h&#228;tte es mir nicht vorstellen k&#246;nnen, wenn mir das vorher wer erz&#228;hlt h&#228;tte. Ich h&#228;tte die f&#252;r verr&#252;ckt erkl&#228;rt.“ Spontane „Moblisierungsgruppen“ zogen durch die Uni. So hat Sarah gerade auf der Bibliothek gelernt, als sie Rufe h&#246;rte: „Mitmarschieren, solidarisieren!“ und ist neugierig hinausgegangen. „Das waren vielleicht so 200 Leute oder so und ich hab keine Ahnung gehabt, was das jetzt ist … und alle sind ins Audimax und da ist dann beschlossen worden, okay, wir besetzen das jetzt, wir k&#228;mpfen jetzt f&#252;r eine bessere Bildung … Das ganze Audimax ist so euphorisch, ja, euphorisch, dass da jetzt was passiert und dass wir jetzt, einfach wir, die ‚mickrigen Studenten‘ bestimmen, wir besetzen das jetzt und wir tun jetzt was.“ Oguz, der damals erst seit „ein, zwei Wochen in Wien“ war, hat &#252;ber den Mail-Verteiler der Akademie der Bildenden K&#252;nste von der dortigen Besetzung erfahren, ist hingegangen und hat „am Mittwoch noch geholfen, Flyer zu verteilen und am Donnerstag war ja dann die Demo. Also ziemlich zuf&#228;llig alles … es hat mit relativ wenig Leuten, so 200, 300 an der Votiv-Kirche angefangen und als wir im Audimax drinnen waren, wars komplett voll! &#8230; Ich hab’ dann gedacht, ‚ah ja, so ist es immer in Wien und in &#214;sterreich &#8230; nicht schlecht, hier geht was‘!“ Andreas beeindruckte die Stimmung im Audimax-Gang, welchen er von seiner „Studienanfangszeit“ „als den ganz gem&#252;tlichen heruntergekommenen Audimax-Gang“ kannte, der sich ver&#228;nderte und „im Laufe der Jahre wurde das dann dieser ‚sch&#246;ne‘ Schaukasten-Wirtschaftskarriere-Poster- h&#228;ngende“ Ort. „Und man geht wieder hinein und es ist alles verraucht (*lacht*). Es war ein sch&#246;nes Gef&#252;hl: so viele Leute und alle waren interessiert, was da passiert und alle m&#246;glichen sind ans Mikropult und haben ihre Meinung sagen k&#246;nnen … Es hat mich wachger&#252;ttelt. Es waren viele Leute, es war irrsinnig laut … Man hat ja gar nicht gewusst, wo man hin will. Und das ist aus den Aussagen auch rausgekommen, dass jeder so ein bissl wo anders hin will. Ja… aufgew&#252;hlt und selbst nicht so gewusst wo ich bin… hab’ dort so als Stimmung erfahren, dass total viel m&#246;glich ist &#8230; Es war aber gleichzeitig auch ein bisschen be&#228;ngstigend, weil irgendwie alles in Frage gestanden ist… also der normale Studienalltag.“ Gio, der von einer Freundin via SMS zur Besetzung mobilisiert wurde, hat sofort Getr&#228;nke und Essen gekauft und ist hingefahren. „Dann hat’s Probleme gegeben, dass ich &#252;berhaupt rein komm’, weil an dem Tag waren Polizisten dort und haben alles abgesperrt“. Es „hat eine Zeit gedauert bis ich rausgefunden hab’, um was es geht und was die Forderungen sind. Wie gesagt, ich bin das erste Semester in Wien. Da k&#246;nnte man sich denken ‚Erstsemestrige wissen noch gar nicht, um was es geht‘. Aber als Theater- und Film-Student hab ich eben viel mitgekriegt, wo die Probleme liegen und meiner Meinung nach muss man gar nicht Student sein, um sich zu solidarisieren und dahinter zu stehen.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>„In welcher Form bringst du dich hier ein?“</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">…war die zweite Frage, die wir gestellt haben. Dabei sind wir mit enorm vielen verschiedenen Motivationen und Begr&#252;ndungen, warum wer gerade wo mitarbeitet, konfrontiert worden. Ein guter Teil der Aktionen kam zuf&#228;llig und spontan zustande, weil jemand gerade zu einer bestimmten Zeit am richtigen Ort eine Idee hatte und diese dann auch umsetzen wollte. Andere waren von momentaner Lust und Laune motiviert und wieder andere haben sich genau &#252;berlegt, wie und wo sie ihre Ressourcen am optimalsten einsetzen k&#246;nnen. Eine Erfahrung, die alle Beteiligten gemacht haben ist, dass die Bet&#228;tigungsfelder sich immer ver&#228;ndert haben und jedeR in st&#228;ndiger Bewegung war. Tausende, Lehrende und andere solidarische Personen haben sich in weit &#252;ber hundert Arbeitsgruppen (AGs) eingebracht, Workshops und Veranstaltungen organisiert, haben Versorgung, Infrastruktur, Pressearbeit, bis hin zu psychischer Betreuung bereit gestellt und ein un&#252;berschaubares Konglomerat aus AktivistInnen und Aktivit&#228;ten gebildet. F&#252;r die Unzahl an unterschiedlichen Arten, wie sich Menschen in die Bewegung eingebracht haben, wollen wir einige Beispiele f&#252;r sich sprechen lassen. Gio: „Ich hab’ die ersten N&#228;chte nur als DJ gearbeitet, und da war Soli-Party bis tief in die Nacht und unglaublich viele Betrunkene und Randale und Beschmierereien. Dann hab ich mich in die AG [Abendgestaltung] eingebracht. Ich hab’ versucht, die Leute zu &#252;berzeugen, dass wir das Partygeschehen ein bisschen runter schrauben, dass das Audimax nicht zu <em>der</em> Party-Location in Wien wird.“ Oguz war vor allem in der „AG MigrantInnen und ArbeiterInnen“ aktiv: „Unsere Haltung ist in erster Linie anti-kapitalistisch, deswegen hei&#223;en wir ja auch „AG MigrantInnen und ArbeiterInnen”, weil die meisten, die aus Nicht-EUL&#228;ndern hier her migrieren, vor allem auch Studierende, dazu gezwungen sind, unter prek&#228;ren Bedingungen zu arbeiten. Und die kriegen auch keine Arbeitserlaubnis und deswegen haben wir uns so genannt.“ Diese AG brachte vor allem „Forderung migrantischer Gleichberechtigung“ ein, gegen „diese vielen Diskriminierungen gegen Nicht-EU-B&#252;rger… dass Studierende aus Nicht-EU-L&#228;ndern immer noch Studiengeb&#252;hren zahlen, fr&#252;her das Doppelte. Keine Arbeitserlaubnis; um das Visum zu verl&#228;ngern, musst du jedes Jahr 7200 Euro auf dem Konto haben und das wird jetzt auch diskutiert, dass man das Geld auch nicht sofort wieder abziehen darf, sondern dass das ein paar Monate drauf bleiben muss.“ Felix hat sich vor allem im Rahmen der „Squatting Teachers“ eingebracht: „Eine AG, die einerseits auf einer sehr konkreten Ebene organisiert, dass Lehrende, die sich einbringen m&#246;chten, auch wirklich mit Audimax, C1 und TU in Kontakt treten k&#246;nnen und dass das wirklich passiert. Andererseits wollten wir uns allgemeiner mit der Frage ‚wie k&#246;nnte kritische, emanzipatorische Wissensproduktion und Wissensvermittlung aussehen?‘ besch&#228;ftigen.” Anna ging es, wie so vielen anderen auch, so, dass sie hin und her gerissen war. „Gleich am Anfang hab’ ich eigentlich ein bisschen Info-Tisch gemacht, und dann war ich bei der AG R&#228;ume … am ehesten bin ich bei der AG Programm, obwohl ich das schon l&#228;nger nicht mehr mach’. Aber wenn ich da bin, dann werd’ ich noch immer mit dieser AG identifiziert und mach’ deren Arbeit. &#8230; Ich studier’ Jus und hab’ am Juridicum in der AG mitgearbeitet. Sonst mach’ ich halt, was so anf&#228;llt, f&#252;r Aktionen, Gespr&#228;chsvorbereitungen, da was checken&#8230; und so weiter. Auch in der neuen Presse-AG mach’ ich wahrscheinlich mit.“ Sie schildert eine f&#252;r viele AktivistInnen all zu bekannte Situation: „Gestern war der erste Tag, an dem ich gar nicht da war. Die ersten Wochen habe ich alle drei Tage mal zu Hause geschlafen, aber sonst war ich nicht zu Hause.” Was die Hyperaktivit&#228;t mit sich gebracht hat, zeigt auch der „Fall der AG Programm. Da war grad ein bisschen Flaute und die zwei, die das gemacht haben, waren ausgebrannt und die waren dann weg. Da gab’s dann eine neue AG und da bin ich hin. Info-Tisch war auch &#228;hnlich. Da ist das M&#228;dl gestanden und hat gemeint ‚oh Gott, oh Gott, wir brauchen Leute! Hilfe! Dableiben!‘“ und das hat Anna auch gemacht. Sie findet es selbstverst&#228;ndlich, sich &#252;berall einzubringen, wo gerade jemand gebraucht wird: „Wenn man so lang da ist, merkt man, wo Leute fehlen. Irgendwann gibt es halt niemanden, der das Plenum macht und dann machst halt mal das Plenum, oder was grad anf&#228;llt.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>„&#220;berrollt von den Ereignissen“</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Als n&#228;chstes hat uns interessiert, wie der Einfluss der T&#228;tigkeiten der jeweiligen AGs auf die Bewegung eingesch&#228;tzt wird. Gio der sich in die Gestaltung des Abendprogramms eingebracht hat, meint diesbez&#252;glich: „Ich w&#252;rd’ schon sagen, dass durch das Abendprogramm Leute angelockt wurden, die sich sonst nicht beteiligen w&#252;rden … Am Anfang war’s nicht so stark. Aber zum Beispiel mit <em>Ja, Panik!</em> und <em>Luise Pop</em>, also gr&#246;&#223;eren Acts, ist der Einfluss schon vergr&#246;&#223;ert worden, weil’s dann doch ein wichtiger Punkt wurde, der in der Presse behandelt wurde.“ Au&#223;er den erw&#228;hnten AktivistInnen und Unterst&#252;tzerInnen kann sich generell die gro&#223;e Anzahl an solidarischen ‚BesucherInnen‘ sehen lassen, die sich beteiligt haben: in Form von Vortr&#228;gen, Konzerten, Performances, oder einfach nur, um ihre Solidarit&#228;t pers&#246;nlich kund zu tun: Anti-Flag, Female Pressure, Hans S&#246;llner, Josef Hader, Christian Felber, Klaus Werner Lobo, Corinna Milborn, Jean Ziegler, Alex Calinicos, Chanie Rosenberg, die Kindergartenp&#228;dagogInnen des Kollektiv Kindergartenaufstand, Robert Menasse, Beat Weber, Hubsi Kramar, Florian Scheuba…<span> </span>Sarah erkl&#228;rt, dass sich der Einfluss ihrer Psychologie-Instituts- AG ver&#228;ndert hat, weil sich die Bewegung „dezentralisiert“ hat: „Das Audimax war der Ausgangspunkt und das hat sich einfach ge&#228;ndert, dass es jetzt einfach mehrere Basisstellen gibt auf den Instituten … Deswegen finde ich es wichtig, dass da jetzt etwas passiert. Ich habe in sechs Jahren Studium noch nie so politische Leute kennen gelernt, auf der Psychologie, und das ist dann auch toll, die zu treffen.“ Lisa hat „das Gef&#252;hl, Einfluss zu haben, bis zu einem gewissen Grad.“ Letzteres erkl&#228;rt sie folgenderma&#223;en: „Aber nur, weil ich auch das Gef&#252;hl hab’, dass man diese Bewegung einfach nicht einsch&#228;tzen kann. Diese Bewegung &#252;berholt dich immer wieder, du wirst &#252;berrollt von den Ereignissen und ich glaub’ auch, dass das eine Bewegung ausmacht, dass das einfach nicht so vorhersehbar ist, dass sie sich nicht vorne hertreiben l&#228;sst, sondern dich vorne hertreibt. Und ich glaub’, das ist das, was einfach so faszinierend ist: dass du einfach einen Abend nicht da bist und du kommst am n&#228;chsten Tag und es ist alles anders. Ob das jetzt gut ist oder schlecht ist, ist eine andere Frage. Aber ich glaube, dass die Bewegung so eine Dynamik hat, dass nie einzelne Personen oder Gruppen, AGs wirklich diese Bewegung vereinnahmen k&#246;nnten, da sich die Menschen dagegen wehren w&#252;rden… Als wir eben 2000 oder 3000 Leute, beziehungsweise &#252;ber den Tag verteilt 10.000 Leute im Audimax hatten, da war das nochmal eine ganz andere Situation. Ich denk’, die Leute, die &#252;brig geblieben sind, von den Personen, die am Anfang da waren, sind die Menschen, die sich vorher auch viel auseinandergesetzt haben. So denk’ ich, dass jetzt momentan Menschen, die sich mit den Perspektiven [der Proteste] auseinandersetzen, grade weil die Bewegung Perspektiven braucht, schon einen gr&#246;&#223;eren Einfluss haben, als am Anfang.“ Auch Sebastian war es bald unm&#246;glich, sich so intensiv wie am Anfang einzubringen: „Es war mir mit der Zeit, vom Arbeiten her, zu stressig. Ich hab das nicht mehr unter einen Hut bringen k&#246;nnen. Es ist eine Zeit lang gut gegangen, nach einer gewissen Zeit hab’ ich mich dann wieder zur&#252;ckziehen m&#252;ssen, ich muss halt auch f&#252;r die Berufsschule lernen.“ Reza hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Bez&#252;glich der Arbeit der AG Iran, in der er sich engagiert hat, waren „die R&#252;ckmeldungen sehr positiv, auch von wildfremden Leuten, die … gemeint haben, das, was du zum Iran gesagt hast, war gut und spannend und spitze, und sie wollen bei der AG mitmachen, oder w&#252;rden sich f&#252;r ein Referat interessieren“. Angesprochen auf die T&#228;tigkeiten der Organisation, in der er Mitglied ist – die Revolution&#228;r Sozialistische Organisation (RSO) – und die auch im Audimax pr&#228;sent war, meint er, dass es dazu „fast schon Anfeindungen“ gab und „dass teilweise sehr laute Stimmen gegen Organisiertheit aufgetreten sind. W&#252;rde aber auf keinen Fall sagen, dass die repr&#228;sentativ f&#252;r die Bewegung sind.“ Bez&#252;glich der Arbeit in den AGs – nicht zuletzt Uni-&#252;bergreifend – konnten ebenfalls Ver&#228;nderungen festgestellt werden. So h&#228;lt Michael f&#252;r die Situation an der TU fest: „Es gibt definitiv AGs, die Einfluss aus&#252;ben, weil sie &#246;ffentlich sichtbar sind. Zum Beispiel die AG Protestwelle: wenn die eine Demonstration organisiert, oder Flyer macht, dann ist das ein sichtbares Ding. Was man im Moment wahrscheinlich nicht sieht, ist die Hintergrundarbeit von der AG Forderungen beziehungsweise von der AG Gesellschaftsbild/ Bildungsgesellschaft, welche wir auf der TU haben, und die eine extrem spannende AG ist. Das sind eher langfristige Zielsetzungen, die dabei verfolgt werden, und da muss man schauen, was in den n&#228;chsten Monaten an Output kommt… Das Ganze ist von einem Mobilisierungs-Charakter in einen Arbeits-Charakter gewandelt worden, wenn man das so sehen will.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>„Alle Macht den Arbeitsgruppen!’“</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">So unterschiedlich die Zug&#228;nge zu dieser Bewegung waren, so deutlich kristallisierte sich, zumindest dem Namen nach, ein Konzept von Demokratie heraus, das hier – gem&#228;&#223; der Meinung aller Interviewten – vorherrschte und den Charakter der Bewegung pr&#228;gte: Basisdemokratie. Das Wort wurde von allen, bis hin zur b&#252;rgerlichen Presse und der Bundesregierung &#252;bernommen, und als ein wichtiges Charakteristikum der Bewegung herausgestrichen. Aber was ist unter Basisdemokratie genau zu verstehen? So viele Personen wir gefragt haben, so viele unterschiedliche Definitionen haben wir bekommen: von „wenn keine bestimmte Person &#252;ber anderen Personen steht“ &#252;ber „die M&#246;glichkeit eines konstanten Diskurses“ und „dass man seine Meinung &#228;u&#223;ern kann“ bis hin zu „Individualterrorismus, … dass jeder, dem’s halt nicht passt ein Veto einlegen kann“. Besonders wichtig dabei sei, dass „jeder Einzelne bei allen Entscheidungen ein Mitentscheidungsrecht hat“, meinte zum Beispiel Sarah von der Psychologie, beziehungsweise, dass „die Menschen, die an einer Entscheidung beteiligt sind, am Ende auch das Gef&#252;hl haben, dass es ihre Entscheidung ist und nicht die Entscheidung, die &#252;ber ihre K&#246;pfe hinweg getroffen worden ist“, erkl&#228;rt die Aktivistin Lisa. Eine Situation im Audimax, die die unterschiedlichen Auffassungen von Basisdemokratie in der Praxis gut illustriert, schildert Reza: „Zum Beispiel hab ich vorhin schon die Abstimmung nach dieser Soli-Resolution f&#252;r die iranischen Studentinnen angesprochen. Da war’s wirklich so, dass ich von der B&#252;hne gekommen bin und so ein wirklicher Basisdemokratie-Freak zu mir gekommen ist und gemeint hat: ‚wie jetzt? mit einer Gegenstimme angenommen worden?’. Und ich hab’ gesagt ‚ja eine Gegenstimme gab’s halt’. Und hab’ die Frage gar nicht verstanden. Dann hat er gemeint: ‚Warum ist das nicht ausdiskutiert worden?’ und dann hab ich gemeint ‚ja, ich hab’ eh gesagt, gibt’s dazu noch Wortmeldungen’ und wollt’ dem Raum einr&#228;umen, um das zu diskutieren. Dann gab’s keine Wortmeldungen und er hat gemeint, ‚den h&#228;tt’ man doch auffordern m&#252;ssen, dass er mit seiner Kritik herangeht.’ Und ich hab’ gemeint ‚den kann man ja nicht zwingen’ und ich meine: 799 zu eins (wenn man von 800 Personen im vollen Audimax ausgeht Anm. d. Red) ist f&#252;r mich ein relativ klares Verh&#228;ltnis.“ Nachdem es offenbar sehr viele Missverst&#228;ndnisse und Konflikte um das Thema (Basis-)Demokratie gab, die nicht zuletzt der politischen Heterogenit&#228;t dieser Bewegung geschuldet waren, ist es erstaunlich, dass sich ein bestimmtes, recht diffuses Konzept so durchsetzen konnte, dass damit so produktiv &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum gearbeitet werden konnte. Lisa: „Besonders faszinierend finde ich halt, dass Menschen, die sich noch nie mit basisdemokratischer Entscheidungsfindung auseinandergesetzt haben, hier pl&#246;tzlich basisdemokratisch handeln und zum Teil hab’ ich auch das Gef&#252;hl, dass das auch von einem Impuls ausgeht und nicht unbedingt von einem theoretischen Hintergrund. Und das ist das, was, glaub’ ich, niemand so erwartet h&#228;tte, dass das so weit aufgenommen wird. Demokratie in dem Sinne, wie dieses System laufen sollte und zum Teil auch immer noch l&#228;uft mit diesem ‚alle Macht den Arbeitsgruppen!’“ An dieser Form der Entscheidungsfindung wurde allerdings bem&#228;ngelt, dass, wie Sebastian sagt „bei manchen Plena gewisse wichtige Themen nur zur H&#228;lfte behandelt wurden, aber gewisse Themen, die eigentlich unn&#246;tig sind, sich gleichzeitig endlos gezogen haben. Also so Sachen, dass Leute abstimmen mussten, ob man jetzt zehn Packungen Schei&#223;hauspapier einkauft“. Auch Reza kritisiert, „dass Leute, die berufst&#228;tig sind, oder bei denen ein Stipendium auf dem Spiel steht, die Kinder haben oder andere Pflichten, dass diese Leute dann eben von so Entscheidungsfindungen komplett ausgeklammert werden“. Trotz dieser Einw&#228;nde wurde &#252;ber Monate hinweg nach diesem Prinzip gearbeitet. Dies scheint einen tiefen Eindruck bei den Beteiligten hinterlassen zu haben. So ist diese Organisationsform f&#252;r Sarah ein wichtiger Faktor f&#252;r die St&#228;rke der Bewegung: „Also, es dauert halt alles immer ein bisschen l&#228;nger, &#252;ber irgendwas zu diskutieren oder Entscheidungen zu treffen. Aber es funktioniert gut. Und dieses Basisdemokratische ist auch genau der Grund, warum das schon so lange geht und warum so viele Menschen mittun … weil dann auch jeder einzelne irgendwie selbst Verantwortung zeigen muss oder auch zeigen kann, ja, und auch irgendwie das Gef&#252;hl kriegt, auch was Wichtiges beizutragen.“</p>
<p class="MsoNormal">Felix von den Squatting Teachers stellt das auch in einen l&#228;ngerfristigen Zusammenhang politischen Arbeitens: „Einerseits versteh’ ich FreundInnen, die nach stundenlangen AGs entnervt wegen der basisdemokratischen Entscheidungsfindung die Gruppe verlassen haben, aber es hat sich gezeigt, dass tats&#228;chliche politische Praxis viel mehr ist als nur clevere politische Positionen zu entwickeln… Die Frage, wie geht man mit Leuten weiter, mit denen man was tun will, die aber andere Positionen haben. Das sind Skills, die total wichtig sind, mit denen man sich auseinandersetzen muss. So gesehen sind die m&#252;hseligen Plena eine wichtige Erfahrung, obwohl es viel Energie geraubt hat. Das nehm’ ich auf jeden Fall als Frage mit.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>„Und jetzt fangen wir an, Bedingungen zu stellen!“</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Das Thema Demokratie war aber nicht die einzig umstrittene Frage innerhalb der Bewegung. Wir haben nach wich tigen Debatten und umk&#228;mpften Fragen im und rund um das Audimax gefragt und versucht, hier die wichtigsten Konfliktlinien herauszuarbeiten. Da w&#228;re zun&#228;chst einmal die Frage der Strategie. F&#252;r Anna ist das die Frage: „… wie unterschiedlich die Haltung zu Verhandlungen ist. Wie konstruktiv man ist. Wobei das vielleicht auch keine direkten Unterschiede sind, sondern eine Frage des Ma&#223;es, weil viele sagen: Okay, die Angebote, die wir bis jetzt bekommen haben, sind so l&#228;cherlich, dass wir &#252;berhaupt nicht auf sie eingehen. Das kann auch konstruktiv sein, wenn es hei&#223;t, wir warten auf was Besseres. Viele sagen aber wieder, das ist unkonstruktiv und wir m&#252;ssen gleich verhandeln.“ Oder f&#252;r Sarah, die sich Gedanken dar&#252;ber macht, ob die Form der Besetzung eine gute Protestform darstellt: „Also, mit der Besetzung sind ja viele nicht einverstanden. Oder viele, wei&#223; ich gar nicht, aber zumindest gibt es eine <em>Facebook</em>-Gruppe namens „Studieren statt blockieren“ wo mittlerweile 25.000 Fans dabei sind und das sind halt die, die sagen, sie finden das nicht okay, wie das abl&#228;uft, weil eben H&#246;rs&#228;le besetzt werden und dass das halt nicht okay ist … Ich denke mir, es w&#228;re anders nicht gegangen, also gerade die Besetzung hat eben so eine mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen und dadurch ist das ja alles ins Rollen gekommen, anders w&#228;re das gar nicht gegangen, ist meine Meinung.“ Oguz von der AG MigrantInnen und ArbeiterInnen ist dagegen der Meinung, dass sich jegliche z&#246;gerliche Haltung vollkommen er&#252;brigt „N&#246;! Wir sind hier die Streikenden und streiken eben genau dagegen, dass uns der b&#252;rgerliche Staat die Bedingungen stellt. Und jetzt fangen wir an, Bedingungen zu stellen!“ Das sind Debatten zum Thema: Wie erreichen wir unsere Ziele? Die h&#228;ngen aber nicht zuletzt mit den inhaltlichen Fragen, wie weit unsere Ziele denn gefasst sind, zusammen. Dazu meint Felix von den Squatting Teachers: „Ja, die PragmatikerInnen haben gemeint, die gesamtgesellschaftliche Haltung schadet der Bewegung, weil sie ablenkt von konkreten Forderungen, also ‚nicht &#252;ber Kapitalismus reden, sondern &#252;ber Studienbedingungen’. Die Radikaleren, die ich auch als die Vern&#252;nftigeren sehen w&#252;rde, meinen dann eher: ‚Ohne gesellschaftliche Einbettung wird man nicht sehr weit kommen’, weil dann besteht die Gefahr von kleinen Zugest&#228;ndnissen, die im Endeffekt nicht viel ver&#228;ndern. Zum Beispiel die Reihe von Solidarisierungen: Dass sich bis zum Rektorenchef Badelt alle solidarisch erkl&#228;ren k&#246;nnen, h&#228;ngt an der Forderung, dass die Unis mehr Geld brauchen, ohne im gleichen Atemzug die Demokratisierung zu erw&#228;hnen! Also man muss das einbetten, damit es eben nicht zu so einer Vereinnahmung durch diese Leute kommt!“ Andere hingegen standen der Frage der inhaltlichen Ausweitung mit gr&#246;&#223;erer Skepsis gegen&#252;ber. Andreas, der ein Theaterst&#252;ck &#252;ber Leistungsdruck an der Uni geschrieben hat, &#252;berlegt sich dazu Folgendes: „Ja und dann hab’ ich den Eindruck, ist die Bildungsdiskussion zur gesellschaftspolitischen Diskussion geworden. Was seine Berechtigung hat, was aber dann schnell ausufern kann. Solidarisierungen mit verschiedenen Gruppierungen haben ihre Berechtigung, wenn’s um den Kampf um Freiheiten geht. Aber das kann man dann ganz schwer konkret festmachen. Wenn jetzt die Metaller streiken, dann geht’s da um Lohnerh&#246;hungen, inwiefern das jetzt mit dem Unisystem in &#214;sterreich zu verbinden ist, ist nicht ganz so leicht zu denken. Dieses gesellschaftspolitische Ding ist ganz schnell ausgeufert, auch mit ganz klaren ideologischen Aussagen. Nat&#252;rlich, das Bildungssystem steht in einem kapitalistischen Zusammenhang, wir sind in einer Welt, die &#246;konomisch funktioniert, … ja, um die Bildung reformieren, braucht’s aber nicht notwendigerweise einen Sturz vom Wirtschaftssystem. Also ich find’ das sehr heterogen, die ganze Debatte. Aber sie ist ein Zeichen, und grad weil auch Kinderg&#228;rtnerInnen, Metaller und andere Gruppierungen sich im Zuge dessen auch wieder zu Wort gemeldet haben, glaub’ ich, dass sehr viel Wut vorhanden ist in den Menschen. Dass sehr viel nicht stimmt.“ Die Debatte um die Einbeziehung gesellschaftspolitischer Themen ist nicht nur eine um AkteurInnen, sondern eine, die sich &#252;ber die Zeit ver&#228;ndert hat, meint Lisa: „Ich glaub’, dass diese zentralen Debatten und Diskussionen sich ganz stark ver&#228;ndert haben w&#228;hrend den letzten Wochen. W&#228;hrend am Anfang schon ganz stark die Sachen im Vordergrund standen, die sich wirklich mit dem Bildungsthema in allererster Linie besch&#228;ftigt haben, kommen jetzt – glaub’ ich – auch gesamtgesellschaftliche Fragen in die Debatten.“ Auch Sebastian, Lehrling und bei der <em>Sozialistischen Jugend</em> aktiv, stellt die Frage, „ob die Bewegung denn jetzt links ist?“ – und genau das wird in den skizzierten Debatten verhandelt</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>„Antisexismus muss ein Prinzip sein!“</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Der Umgang mit Geschlechterverh&#228;ltnissen stellte ein wichtiges Thema innerhalb der Bewegung dar. Nicht zuletzt spiegelten diese sowohl die gegebenen Machtverh&#228;ltnisse im universit&#228;ren Feld, als auch die Pr&#228;senz feministischer Positionen auf den jeweiligen Universit&#228;ten wider. So beschreibt Michael den Protest an der TU als „stark m&#228;nnlich dominiert“, w&#228;hrend Sarah die Beteiligung von Studentinnen und Studenten an der Bewegung an der Hauptuni als „ausgeglichen“ empfindet. Dass dies jedoch nicht nur ein Abbild der bestehenden Verh&#228;ltnisse darstellt, zeigen die harten Debatten um das Thema Anti-Sexismus und Feminismus im und um das Audimax. So meint etwa Oguz: „Dass es Sexismus in der Bewegung gibt, braucht ja auch keine gro&#223;e logische Ableitung. Es ist offensichtlich, wenn die Gruppe [AG Frauen*Lesben*] vorne steht und meint, wir wollen eine Frauen-Quote von 50% und dann gibts zwei Wochen Diskussion&#8230; auf Facebook gab’s dann so Sachen zu lesen wie ‚Lesben-Nazis‘ und sowas &#8230; das ist totaler Schwachsinn! Das ist der objektive Beweis, dass es Sexismus gibt.“ Auch Reza ist „schockiert, weil vermeintlich aufgekl&#228;rte, gebildete, kritische Menschen im Plenum sitzen und trotzdem Wortmeldungen von feministischen Frauen mit Buh-Rufen und sexistischen Meldungen quittiert worden sind. Es hat auch &#220;bergriffe gegeben, gegen die nicht mit der notwendigen Vehemenz vorgegangen wurde.“ In den ersten Wochen wurden Sexismen und &#220;bergriffe vor allem von der AG Frauen*Lesben* aufgegriffen, politisiert und im Laufe der Bewegung daf&#252;r auch immer wieder vehement Raum eingefordert. Die Art und Weise, wie dies geschehen ist, war – auch unter FeministInnen – umstritten. So meint etwa Anna, dass „das am Anfang echt brutal gebracht worden ist&#8230; Ich glaube, das hat auch einen echten Diskurs dar&#252;ber verhindert“. Felix dagegen ist der Ansicht, dass „das total wichtig war, dass es diese Gruppen gab und dass die auch nach au&#223;en feministische Forderungen eingefordert haben, zu sagen: diese Bewegung ist entweder feministisch oder nicht links. … Da muss man sehen, dass es Leute gibt, die feministische Positionen auf diese Art und Weise einbringen und die sind auch Teil der Bewegung. Ich kann dieser Radikalit&#228;t auch was abgewinnen, diesem Nichtdiskutieren- Wollen&#8230; aber ich versteh’ diese Kritik.“ F&#252;r Lisa sind feministische Positionierungen auch Grundvoraussetzung f&#252;r das Funktionieren einer emanzipatorischen (Basis-)Demokratie: „Da ist halt die Unterscheidung zwischen Prinzip und Forderung, die ganz wichtig ist. Es ist etwas, was ich immer wieder wiederhol’: Antisexismus, Antirassismus <em>muss ein Prinzip sein</em>, es kann keine Forderung sein.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>„Alle Forderungen sind umk&#228;mpft“</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Apropos Forderungen: Gefragt nach den f&#252;r sie pers&#246;nlich wichtigsten Forderungen wurden von den Interviewten h&#246;chst unterschiedliche Priorit&#228;ten gesetzt. Einige hatten sehr konkrete Vorstellungen. So forderte Michael „mehr als zwei Prozent des BIP f&#252;r Bildung“ und Andreas „dass es statt Erweiterungscurricula<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> freie Wahlf&#228;cher, und statt STEPs<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> freie Module“ geben m&#252;sse. Viele pers&#246;nliche Forderungen bezogen sich auf „ein gesellschaftliches Umdenken in Bezug auf Bildung“. Sebastian: „Bildung ist ein Menschenrecht und ein Menschenrecht darf nix kosten“. Gio betont „die soziale Gerechtigkeit im Bildungssystem, dass keiner bevorzugt wird, egal welcher ethnischen Herkunft“. Anna ist vor allem gegen „diese Kommerzialisierung, diese &#220;berschreibung durch wirtschaftliche Interessen“, denn „das ist ein allgemeiner Trend und gerade bei Unis ist der sehr gef&#228;hrlich. Ich denke, dass es seit es Universit&#228;ten gibt, keine derartige zweckgebundene Bildung gab“. Dar&#252;ber hinaus fordert Felix eine „gesamtgesellschaftliche Debatte“ ein und Lisa setzt darauf, „dass sich hier eine emanzipatorische Bewegung entwickelt … die sich als internationale emanzipatorische Bewegung versteht.“ Die Forderungen waren st&#228;ndig in Entwicklung begriffen. Auf die Nachfrage, welche denn die umstrittensten waren, rekapitulierte beispielsweise Michael von der TU Wien: „Die umk&#228;mpftesten Forderungen waren… es waren alle Forderungen umk&#228;mpft und sie sind umk&#228;mpft – das ist eine unglaubliche St&#228;rke.“ Selbst &#252;ber Studiengeb&#252;hren, deren Abschaffung lange Zeit als einziges hochschulpolitisches Ziel pr&#228;sent war, und &#252;ber die f&#252;r Lisa „ein gemeinsamer Konsens“ besteht, wurde wieder diskutiert. Beispielsweise meint Michael von der TU: „Also es hat mich pers&#246;nlich erstaunt, dass teilweise gleich in der ersten Diskussionsrunde &#252;ber die Forderungen die Frage der Studiengeb&#252;hren wieder aufgeworfen wurde und ein gewisser Anteil von Personen, die sich an dieser Diskussionsrunde beteiligt haben, gemeint haben, wir brauchen Studiengeb&#252;hren in der H&#246;he von 30.000 Euro, die dann irgendwie wieder &#252;ber Sozialstaffelungen den sozial Bed&#252;rftigen r&#252;ckerstattet werden.“ In diesem Kontext war die gemeinsame Forderung nach freier Bildung erneut mit Inhalt zu f&#252;llen. Sarah: „F&#252;r mich ist freie Bildung am wichtigsten. Also, freie Bildung hei&#223;t f&#252;r mich, dass sich jeder bilden kann, in dem Bereich, der ihn interessiert und das hei&#223;t auch, dass eben Themenvielfalt herrscht. Also, das hei&#223;t auch, dass ich mir aussuchen kann bis zu einem gewissen Grad, was, welche F&#228;cher mag ich jetzt machen, welche mag ich nicht machen, also das finde ich wichtig. Ja, freie Bildung und auch Forschung nat&#252;rlich.“ Eine weitere Debatte betraf die Einsch&#228;tzung des Bologna- Prozesses. Dazu meint Gio aus der AG Abendgestaltung, dass „sich die meisten ja doch nicht so gut auskennen damit, ob man den ganz abschaffen soll oder ob man den bearbeiten soll.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Eine Frage, die sehr fr&#252;h auftauchte, war die der Solidarisierung oder Vernetzung mit anderen politischen K&#228;mpfen, die M&#246;glichkeiten und Chancen der Ausweitung der Proteste auf andere Teile der Gesellschaft, wobei neben den Sch&#252;lerInnen drei Gruppen ins Auge fielen: Zum einen die Gewerkschaften Metall-Textil-Nahrung sowie Druck-Journalismus- Papier, die sich im Herbst in teils ungewohnt harten Kollektivvertragsverhandlungen befanden. Zum anderen die Kindergartenp&#228;dagogInnen, „die eigenst&#228;ndig Demonstrationen auf die Beine gestellt haben, die auch recht gro&#223; waren, die recht k&#228;mpferisch waren und es gab’ auch eine gemeinsame Aktion“. Mit der Zeit wurde die „Bildungsbewegung“ auch von einer anderen Thematik eingeholt: Eine immer gr&#246;&#223;ere Zahl von Obdachlosen suchte und fand Unterschlupf im Audimax. In Folge enstanden einige Aktionen mit den Obdachlosen und gemeinsame Demonstrationen fanden statt. Anna findet es „cool, dass sich das so mit der Obdachlosen-Frage verbunden hat: die sind jetzt da, die kennen wir, die sehen wir jeden Tag. Das ist jetzt auf jeden Fall ein Teil der Bewegung, weil da sieht man, was mit freien R&#228;umen passiert… Dass, wenn man – wie hier – mal einen Raum ge&#246;ffnet hat, auch Leute kommen, die hier schlafen wollen, verweist auf ein gro&#223;es gesellschaftliches Problem. Das ist auch zu unserem Thema geworden.“ Ihre allgemeine Einsch&#228;tzung bez&#252;glich einer Ausweitung der Bewegung formuliert sie folgenderma&#223;en: „Ich glaube, wir kommen nicht direkt zu den ArbeiterInnen, aber &#252;ber diese ganzen Verbindungen – Schule, Kindergarten, Prekarit&#228;t des Mittelbaus… – das h&#228;ngt alles schon sehr zusammen… und so kann das Ganze schon sehr gro&#223; werden, wenn man es wirklich in den Kontexten sieht.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>„Schei&#223;e, das geht echt!“</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die wohl gr&#246;&#223;ten – und wohl nicht zuf&#228;lligen – inhaltlichen &#220;bereinstimmungen in den Antworten gab es auf die Frage, was denn als Erfolg der Proteste bezeichnet werden k&#246;nnte. So wurde zum einen noch einmal explizit auf die Erf&#252;llung der konkreten Forderungen verwiesen, denn – wie es Anna formuliert – „die bleiben ja auch… Mir fallen jetzt nach und nach weitere Forderungen ein, weil ich mir vorher ja nie so wirklich gedacht hab: was st&#246;rt mich denn eigentlich wirklich?“ So meint auch Felix von den <em>Squatting Teachers</em> mit dem Hinweis, dass dieses Thema in den letzten Wochen nicht zuletzt viele „Bier-Runden“ besch&#228;ftigt hat: „Auch wenn ich das nicht darauf reduzieren m&#246;chte, f&#228;nde ich’s gut, wenn diese unseligen STEPs abgeschafft werden und von offizieller Seite eingestanden wird: Das war ein Fehler! Die Studis haben das abgeschafft! Dann g&#228;b’s noch mehr: Demokratisierung, mehr Ressourcen, weg von dieser Prekarisierung, der Uni als prek&#228;rem Arbeitsort. Da sollten wir hin.“ Zum anderen wurden die Proteste selbst als Erfolg hervorgehoben – ihre konkrete Ausgestaltung und Organisation, sowie ihre breitere Resonanz und ihre Bedeutung als Bezugspunkt und Identifikationsmoment f&#252;r zuk&#252;nftige emanzipatorische Projekte wurden betont. In diesem Sinne meint auch Felix, dass „schon viel geschafft wurde: Die Debatten sind schon ein Sieg. Was wird &#246;ffentlich diskutiert&#8230; im Vergleich zu ein paar Wochen vorher! Bis in die Wohnzimmer ist das ein Thema! Auch Studierende k&#246;nnen mit ihren Eltern anders reden, weil sie ein back-up haben, daf&#252;r dass sie Orchideen-F&#228;cher studieren. Also dass diesem schleichendem &#220;bernehmen von so neoliberalen Ideen schon was entgegengesetzt wird. Das ist gut als Kontext f&#252;r Dinge, die jetzt noch passieren werden und passieren… Man wei&#223; einfach nicht, wohin sich das ver&#228;stelt und was da noch passieren kann&#8230; Ich glaub’, diese Proteste haben eine Generation von Studierenden geschaffen, die dadurch ein bisschen problematischer sind f&#252;r die Welt, als sie es w&#228;ren, wenn es das nicht gegeben h&#228;tte. So ist zum Beispiel das wahre Problem mit dem bedingungslosen Grundeinkommen nicht, dass die Leute aufh&#246;ren werden zu arbeiten. Sondern das, wovor die da oben wirklich Angst haben m&#252;ssen, ist: Was werden die Leute in ihrer Freizeit tun, was f&#252;r emanzipative Prozesse werden sich da entwickeln. Ich glaub’, das hat diese Bewegung diesen Leuten schon klar gemacht, dass sie irrsinnig viel auf die Beine stellen k&#246;nnen. Ich glaub’, dass das viele Leute &#252;berrascht hat, was sie selber eigentlich k&#246;nnen, wenn sie mal nicht nur Tests bestehen und Deadlines einhalten m&#252;ssen, sondern wenn es ihnen &#252;berlassen wird. Insofern bin ich auch der Meinung, dass da wirklich ganz viel passiert ist! … Man hat eine neue Situation und von dort wird dann weiter gearbeitet. Alles andere w&#228;re eine falsche Sicht auf politische Praxis.“ Auch Anna formuliert dies mit dem Hinweis auf die konkrete Arbeitsweise im Zuge der Proteste: „Ich sehe es schon als Erfolg, dass hier irrsinnig stark vernetzt wurde zwischen Leuten, die was machen. … Ich denke, die Leute, die jetzt so viel da waren, da kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das jetzt einfach so aufl&#246;st. Das ist so eine Schicksalsgemeinschaft geworden, wir haben alle Krisen gemeinsam erlebt… also da bleibt sicher eine Art Netzwerk. Auch eine starke Politisierung … Dass sich die Leute auch mit dem Uni-Gesetz auseinandergesetzt haben. Ich erwarte mir auch eine andere Einstellung zur Raum-Nutzung. Also so das ‚wir bleiben jetzt einfach mal da und machen‘. Und zu merken: Wir k&#246;nnen wirklich! Wir haben irrsinnig viel aufgebaut und gelernt: konkrete Presse-Arbeit oder die Betreuung der Homepage. … Das sind Sachen, wo du dir denkst, ‚schei&#223;e, das geht echt. Wir k&#246;nnen was auf die Beine stellen‘, dieses Empowerment.“ Schlie&#223;ich verweist Oguz von der AG MigrantInnen und ArbeiterInnen auch darauf, dass es ein Erfolg w&#228;re, „wenn man f&#252;r den Bologna-Gipfel im M&#228;rz nochmal was &#228;hnliches machen k&#246;nnte.“ Eben diese Aspekte der erfolgreichen politischen Mobilisierung sowie der Selbstorganisation werden wiederum zum Thema, als wir nach den beeindruckendsten Erfahrungen fragen. So nennt hier Michael von der TU nicht als einziger die gro&#223;en Demonstrationen. „Weil einfach … man sitzt irgendwo in einem K&#228;mmerchen, arbeitet die ganze Zeit darauf hin, man telefoniert raus, mit irgendwelchen Personen und versucht zu mobilisieren und dann geht man raus auf die Stra&#223;e und pl&#246;tzlich hat man da tausendeMenschen. Also mich hat das … ich hab jedes Mal einen Schauder bekommen, wie ich die ganzen Menschen gesehen hab, beziehungsweise wie ich gesehen hab, wer aller mitgeht bei dem Demozug. Und das finde ich &#8230; Also es sind immer so … so kleine Punkte die mich riesig freuen.“ Schlie&#223;lich f&#252;gt er noch das „ordentlich Feiern“ dazu „… weil man sich einfach auch belohnen muss“ und nennt damit wohl einen Punkt, dem die meisten Beteiligten ebenfalls keinen geringen Stellenwert zukommen lassen w&#252;rden. Reza bezieht sich wiederum auf die Stimmung und die konkrete Selbstorganisation (nicht nur) im Audimax: „Am beindruckendsten war sicher die erste Zeit, der erste Tag im Audimax, im besetzten, wo’s &#252;berall herumgewurlt hat und wo im verschlafen &#214;sterreich endlich wieder die Lust an politischer Aktivit&#228;t an den Leuten zu sp&#252;ren war &#8230; Auch der Punkt, dass ganz viele Leute eben ganz viel Energie und ganz viel Arbeit auch in die Sache gesteckt haben: Das Klo geputzt haben, die VoK&#252; am Leben erhalten haben. Was eben auch zeigt, dass Arbeit an sich eben nicht oasch sein muss und dass das abh&#228;ngig ist, eben von ganz konkreten Umst&#228;nden und man das Gef&#252;hl hat, dass man das in einem Kontext macht, wo’s sinnvoll ist. Kloputzen f&#252;r politische MitstreiterInnen macht halt viel mehr Spa&#223; als Kloputzen f&#252;r irgendwelche Oaschl&#246;cher, die die Arbeit &#252;berhaupt nicht sch&#228;tzen, also Lohnarbeit.“</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>„Die Welt, wie sie aussehen k&#246;nnte“</strong></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Schlie&#223;lich haben wir danach gefragt, was von diesen Protesten mitgenommen wird und ob bzw. was sich im Bezug auf das politische (Selbst-)Verst&#228;ndnis ge&#228;ndert hat. Ein wichtiger Begriff dabei war zum ersten schlichtweg „Mut“, wie es Sarah vom Psychologie-Institut mit den Worten auf den Punkt bringt: „Ja, irgendwie … mehr Mut habe ich wahrscheinlich, ja, ich habe auch mehr Mut gelernt.“ Auch Andreas von der Theater-AG betont dies im Kontext der gemeinsamen Arbeit: „Ja, wenn man was machen will, dann kann man auch was machen. Man muss sich nur auf die F&#252;&#223;e stellen. Man kann Leute finden, die einem helfen… Es hat Mut gemacht, diese drei Wochen, dass man sich selbst fragt, wo steht man und wenn man sich positioniert hat, dann kann man das auch &#228;u&#223;ern.“ Einen Aspekt, den Gio schlichtweg mit „Selbstorganisierung, halt“ kommentiert. Des Weiteren wird hier der Umstand genannt, dass wohl die Wenigsten mit den Protesten in dieser Form und diesem Ausma&#223; gerechnet hatten. So formuliert es etwa Michael, wenn er erkl&#228;rt, dass er sich davor zwar auch als politischen Menschen gesehen und immer wieder die Diskussion gesucht hat, „aber ich hab’ nie geglaubt, dass ich etwas ver&#228;ndern kann. Durch die Proteste hab’ ich gelernt, dass es m&#246;glich ist als einzelne Person im Rahmen von etwas gr&#246;&#223;erem etwas zu schaffen.“ Auch Lisa res&#252;miert vor dem Hintergrund ihrer Erfahrung als politische Aktivistin: „Erwarte das Unerwartete! Glaub’ nie, dass du irgendwie sicher sein kannst, selbst wenn du deine tausend Theorien im Kopf hast, tausend Plena die Woche, selbst wenn du dir denkst ‚hmm, hmm, passiert nix‘… gib nicht auf!“ Dass diese Erfahrung nicht zuletzt auch einen wichtigen Impuls f&#252;r zuk&#252;nftige Projekte und Bewegungen darstellt, betont Sebastian: „Ich glaube, die Linke an sich wird in &#214;sterreich nachher nicht mehr dieselbe sein, die sie davor war.“ Schlie&#223;lich fasst Felix die breit geteilte Euphorie in Worte: „Das zu sehen, dass da so ein ‚Staat im Staat‘ errichtet wurde von den Studierenden. Dass es Tage gab, wo es am Abend sieben Arbeitsgruppen mehr gab als in der Fr&#252;h und da wirklich viel passiert ist. Auch die Basisdemokratie, dass es Gruppen gab, die das wirklich zu einem emanzipatorischen Projekt gemacht haben. Es war toll, diese Vielf&#228;ltigkeit von politischer Praxis mitzuerleben: also vom theoretischen &#220;berlegen, was hat Bologna mit Rassismus zu tun; danach in einem zugigen, kalten H&#246;rsaal sich einen Vortrag &#252;ber Popkultur anh&#246;ren und dann sich zu &#252;berlegen, wie bastelt man eigentlich ein Transparent, ohne dass es durchh&#228;ngt. Da gab’s Tage, wo ich mir dachte: okay, so k&#246;nnte die Welt also aussehen!“</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Anmerkungen</strong></p>
<p><a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Alle Namen von der Redaktion ge&#228;ndert.<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> Modular aufgebaute Wahlfachk&#246;rbe, die im Gegensatz zu dem alten Konzept der (freien) Wahlf&#228;cher viel weniger Gestaltungsfreiraum lassen<br />
(Anm. d. Red.).<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Steps sind strukturierte Eingangsphasen, &#252;ber die (versteckte) Zugangsbeschr&#228;nkungen exekutiert werden (Anm. d. Red.).</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/die-explosion-eines-politischen-unbehagens/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Anti-unique</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2009/12/15/anti-unique/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2009/12/15/anti-unique/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 15 Dec 2009 14:14:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsproteste]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=636</guid>
		<description><![CDATA[Zur Verleumdung der unibrennt-Bewegung durch die Zeitung der &#214;sterreichischen Hochsch&#252;lerInnenschaft Wien

In der aktuellen Ausgabe der Zeitung „unique“ (#08/09) lassen uns eine Reihe von Autorinnen wissen, was sie von den aktuellen Protesten gegen die herrschenden bildungspolitischen Zust&#228;nde halten. Die unique, das macht die Sache interessant, ist die offizielle Zeitung der – ihrem Selbstverst&#228;ndnis nach „linken“ – &#214;sterreichischen Hochsch&#252;lerInnenschaft der Universit&#228;t Wien, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zur Verleumdung der unibrennt-Bewegung durch die Zeitung der &#214;sterreichischen Hochsch&#252;lerInnenschaft Wien</em><br />
<a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/12/adorno1.jpg"><img class="aligncenter size-thumbnail wp-image-643" title="adorno1" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/12/adorno1-150x150.jpg" alt="adorno1" width="150" height="150" /></a></p>
<p>In der aktuellen Ausgabe der Zeitung <a href="http://www.univie.ac.at/unique/unique/index.php/home" target="_blank">„unique“</a> (#08/09) lassen uns eine Reihe von Autorinnen wissen, was sie von den aktuellen Protesten gegen die herrschenden bildungspolitischen Zust&#228;nde halten. Die unique, das macht die Sache interessant, ist die offizielle Zeitung der – ihrem Selbstverst&#228;ndnis nach „linken“ – &#214;sterreichischen Hochsch&#252;lerInnenschaft der Universit&#228;t Wien, und geht nach eigenen Angaben an bis zu 60.000 Studierenden-Haushalte. Immerhin sechs Artikel, zwei Kommentare und ein halber Absatz im Editorial werden nun also der „unibrennt“-Bewegung gewidmet.<br />
<span id="more-636"></span><br />
Wer die Publikationen der &#214;H Uni Wien in den letzten Jahren verfolgt hat, wei&#223;, dass die Themen, die durch diese Bewegung mit lange nicht gesehener Vehemenz auf die politische Tagesordnung gebracht wurden – freier Bildungszugang f&#252;r alle, Demokratisierung der Hochschulen, Ausfinanzierung der Bildungseinrichtungen, Kampf gegen die &#214;konomisierung der Bildung – schon seit langem zum politischen Kerngesch&#228;ft der StudierendenvertreterInnen geh&#246;ren. Umso erstaunlicher scheint uns nun diese Reaktion auf eine Bewegung, die von der &#214;H Uni Wien ja immer wieder eingefordert wurde.</p>
<p><strong>Diffamierung einer Bewegung</strong><br />
Die unique-Redaktion hat sich in der Auseinandersetzung mit der unibrennt-Bewegung f&#252;r eine klare Blattlinie entschieden, die bereits im Editorial deutlich gemacht wird. Dort hei&#223;t es, die sechs Sonderseiten zu den Protesten speisten sich aus der „Wut und Entt&#228;uschung &#252;ber den normalgesellschaftlichen Charakter von unibrennt, der wenig bis gar kein emanzipatorisches Potential f&#252;r eine Bewegung in sich tr&#228;gt“ (S. 2). Entsprechend wird in jedem einzelnen Beitrag auf diesen Sonderseiten mit der „– by the way: typisch &#246;sterreichische(n) – Protestbewegung“ abgerechnet, auf die selbst „die KronenZeitung (&#8230;) stolz“ w&#228;re (S. 3). Uns wird erkl&#228;rt, dass „in diesem Protest voller bildungsaffiner Studis nichts Befreiendes zu finden ist“ (S. 4) und das besetzte Audimax ein Sammelbecken f&#252;r Securities, Burschenschafter und einen „szenebekannten Gewaltt&#228;ter und Antisemiten“ sei (S. 5). Auf den Punkt bringt die Positionierung der unique ein – wie fast alle unter Pseudonym verfasster – Artikel &#252;ber den „gef&#228;hrliche(n) Wahnsinn der Bewegung“, der mit folgenden S&#228;tzen endet: „Revolution spielende Massen waren schon immer bedenklich, doch durch diese Audimax-Besetzung wurde eindr&#252;cklich demonstriert, wie gef&#228;hrlich ein solch entpolitisiertes Bewegungsspektakel ist. Der Sexismus in dieser sogenannten Bewegung hat ein unertr&#228;gliches Ma&#223; erreicht. Es ist unverantwortlich, solche Proteste ausschlie&#223;lich zu kritisieren – <em>eigentlich sollte mensch diese Wahnsinnigen diffamieren und sabotieren!</em>&#8221; (S. 6, eigene Hervorhebung).</p>
<p><strong>Kritik von au&#223;en</strong><br />
Dies ist es auch genau, was die unique-Redaktion mit dieser Ausgabe geschafft hat. Jeder Artikel zur aktuellen Bildungs-Bewegung in &#214;sterreich hat ausschlie&#223;lich denunziatorischen Charakter. Es findet sich keine Analyse der Entstehung und Zusammensetzung der Bewegung, keine Besch&#228;ftigung mit der Tatsache, dass „squatting teachers“, Kinderg&#228;rtnerInnen, solidarische K&#252;nstlerInnen oder k&#228;mpferische Gewerkschaften diese Bewegung zu weit mehr als einer „Studibewegung“ machen, keine Einordnung der Ereignisse in vergangene Protestzyklen, keine strategischen Vorschl&#228;ge oder politischen Interventionen. Zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den im Zuge der Bewegung formulierten Forderungen und deren bildungs- und gesellschaftspolitischen Implikationen wollte man sich offenbar erst gar nicht herablassen. Statt dessen werden Halb- und Unwahrheiten verbreitet (etwa &#252;ber den Umgang seitens der unibrennt-AktivistInnen mit Burschenschaftern), die selbst geschaffenen Strukturen der Bewegung l&#228;cherlich gemacht und einzelne Teile der Bewegung ohne jede inhaltliche Begr&#252;ndung verleumdet.<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> Der gew&#228;hlte Standpunkt ist jener der „unbeteiligten Kritik“, die von au&#223;en &#252;ber jene tumben Massen richtet, die sich erdreisten sich in ihre eigenen Angelegenheiten einzumischen, ohne zuvor die Absolution durch die HohepriesterInnen der &#214;sterreichischen Hochsch&#252;lerInnenschaft zu erbitten. Die Bewegung wurde von der unique-Redaktion gewogen, f&#252;r zu leicht befunden und muss sich fortan als „die Wahnsinnigen“ bezeichnen lassen.</p>
<p><strong>Warum dieser Hass?</strong><br />
Das festzuhalten halten wir f&#252;r politisch wichtig. Es erkl&#228;rt jedoch noch nicht, weshalb Teile der &#214;H Uni Wien sich f&#252;r eine solch desastr&#246;se Haltung entschieden haben. In Diskussionen auf der Linken taucht dazu oft folgende Erkl&#228;rung auf: Die &#214;H wurde von der spontanen Dynamik der Bewegung &#252;berrascht und musste bald erkennen, dass sie weder die Kontrolle &#252;ber sie erlangen, noch eine Repr&#228;sentationsrolle &#252;bernehmen kann. Nun w&#228;ren die Funktion&#228;rInnen, die doch seit Jahren bildungspolitische Themen einer angeblich weitgehend uninteressierten Studierendenschaft n&#228;her zu bringen versuchte, beleidigt – und w&#252;rden die Bewegung deshalb „anpissen“.<br />
Wir halten diese Erkl&#228;rung f&#252;r nicht hinreichend. Zumindest zwei Faktoren sind unserer Einsch&#228;tzung nach mindestens ebenso bedeutend:</p>
<p><strong>Besetzung und Besetzung</strong><br />
Erstens: Manche der Angriffe auf die unibrennt-Bewegung in der unique sind auf ein grundlegendes Missverst&#228;ndnis zur&#252;ck zu f&#252;hren, dem Teile der &#214;H Uni Wien aufsitzen. In den letzten Jahren hat es in Wien eine Reihe von politischen Initiativen gegeben, die mit den Mitteln der Besetzung Freir&#228;ume f&#252;r linke Initiativen, solidarisch-&#246;konomische Projekte und alternative Lebensformen erk&#228;mpfen wollten. &#220;ber alle Unterschiede hinweg ging dabei immer darum, „befreite“ R&#228;ume zu schaffen, in denen Sexismus, Homophobie, Rassismus, Antisemitismus usw. keinen Platz haben und solidarische und emanzipatorische „Mindeststandards“ au&#223;er Diskussion gestellt werden k&#246;nnen. Ohne hier n&#228;her auf diese Strategie eingehen zu k&#246;nnen, kann festgehalten werden, dass das Bed&#252;rfnis nach „linken Freir&#228;umen“ legitim und nachvollziehbar ist. Teile der &#214;H-„Linken“ in Wien haben sich in diese Initiativen aktiv beteiligt. Jedoch: nicht &#252;berall, wo Besetzung drauf steht, ist auch diese Form der Besetzung drin. Mit der Besetzung des Audimax und anderer H&#246;rs&#228;le ist eben kein „linker Freiraum“ geschaffen worden, sondern in erster Linie ein administratives Zentrum f&#252;r eine gro&#223;e, breite – und deshalb heterogene – Bildungs-Bewegung. Die Widerspr&#252;che und Auseinandersetzungen, denen wir als Linke &#252;berall sonst – auch auf den Universit&#228;ten – begegnen, l&#246;sen sich im besetzten Audimax nicht einfach in Wohlgefallen auf, sondern m&#252;ssen auch da bearbeitet und konfrontiert werden. Wer das nicht kapiert, hat die unibrennt-Bewegung nicht in Ans&#228;tzen verstanden.</p>
<p><strong>Geist der Niederlage</strong><br />
Zweitens: Die Haltung der &#214;H Uni Wien hat auch etwas mit den zur&#252;ckliegenden Protestzyklen an der Universit&#228;t Wien zu tun. Kurz gefasst: die letzten gro&#223;en Studierenden-Bewegungen in Wien haben sich rund um die Proteste gegen die Blau-Schwarze Regierung 2000, die Einf&#252;hrung von Studiengeb&#252;hren und das Universit&#228;tsgesetz 2002 formiert. Sie endeten in einer veritablen Niederlage; kein Ziel konnte erreicht werden, die Regierung sa&#223; die Proteste aus und die zehntausenden Studierenden, die sich in der Bewegung engagiert hatten, wurden nachhaltig demoralisiert. Es ist kein Zufall, dass die aktuellen Proteste vor allem von jungen Studierenden getragen werden. Sie haben diese Erfahrung nicht gemacht – sind aber zugleich jene, die am meisten durch die damals nicht verhinderte neoliberale Transformation der Hochschulen zu leiden haben. Der „Geist der Niederlage“ aus dem Protestzyklus 2000 – 2002 hat sich jedoch in Teilen der &#214;H-Strukturen konserviert und wird dort seit Jahren als Identit&#228;t stiftende politische Charaktereigenschaft gehegt und gepflegt. Symptome dieses „Geists der Niederlage“ sind politischer Zynismus, Abkapselung von breiter gef&#252;hrten Debatten, die Entwicklung eines ausgrenzenden Jargons und eine verbale Pseudoradikalit&#228;t, die bisweilen sektenhafte Z&#252;ge annimmt. Die ganze destruktive Grundhaltung dieser Position findet sich nun im Hass auf „die Wahnsinnigen“ der unibrennt-Bewegung wieder.</p>
<p><strong>Widerspr&#252;che der Bewegung und solidarische Kritik</strong><br />
Nun ist es zweifellos richtig, dass die politische Zusammensetzung der Proteste sehr widerspr&#252;chlich ist. Sie werden ma&#223;geblich von einer Generation junger Studierender getragen, die mit linker Politik und Aktivismus bisher wenig zu tun hatte. Eine bedeutende Minderheit der Bewegung steht auf einem Standpunkt, den man als „bildungs-chauvinistisch“ bezeichnen k&#246;nnte – f&#252;r sie sollten die Proteste sich von jeder „politischen“ Position fernhalten, die eigenen Ziele werden auf die Schaffung ausreichender Sitzm&#246;glichkeiten in Seminaren reduziert und jeder Versuch, die gesellschaftlichen Zusammenh&#228;nge, in denen Bildungspolitik zu verorten ist, in die Proteste zu integrieren, als „ideologische Vereinnahmung“ zur&#252;ckgewiesen. Dies betrifft in besonderem Ma&#223;e die Frage des Sexismus; feministische Forderungen wurden und werden von Teilen der Bewegung abgelehnt, und es kam im besetzten Audimax zu sexistischen &#220;bergriffen. Die Initiative u.a. der Frauen*AG dies offensiv zu thematisieren und feministische Forderungen zu platzieren, stellt in diesem Zusammenhang eine wichtige und notwendige Intervention dar. Die Frage ist: wie verh&#228;lt sich eine feministische, antirassistische, antikapitalistische Linke zu einer solch heterogenen Bewegung? Wir meinen: sie muss <em>als Teil dieser Bewegung</em>Kritik &#252;ben und sich auch m&#252;hsamen Diskussionen stellen. Sie muss geduldig und systematisch Argumente entwickeln, die es erm&#246;glichen, weitere Teile der Bewegung von der Notwendigkeit einer Verallgemeinerung der bildungspolitischen Forderungen hin zu einer breiten anti-neoliberalen politischen Offensive zu &#252;berzeugen. Denn der „emanzipatorische Gehalt“, den die unique-Redaktion in den brennenden Unis zu messen versucht wie Phlogiston in brennender Materie, h&#228;ngt eben von den sich stets ver&#228;ndernden Dynamiken der Bewegung ab – und diese wiederum nicht zuletzt davon, wie linke Kr&#228;fte innerhalb dieser Bewegung sich positionieren, Kritik &#252;ben, intervenieren und deren Richtung mitbestimmen k&#246;nnen Die Haltung der unique-Redaktion tr&#228;gt dazu keinen Deut bei. Im Gegenteil positioniert sie sich offen gegen die erste gro&#223;e soziale Bewegung in &#214;sterreich seit fast zehn Jahren.</p>
<p><strong>Distanziert euch von unique!</strong><br />
Die Grenzen sind damit deutlich gezogen. Wir fordern die &#214;H Uni Wien und die Fraktionen, aus denen sie zusammengesetzt ist (GRAS, VSST&#214; und KSV-LiLi), auf, sich unmissverst&#228;ndlich von den Diffamierungen der unibrennt-Bewegung durch die unique-Redaktion zu distanzieren, so sie sich nicht in die Front der reaktion&#228;ren Besetzungs-GegnerInnen einreihen wollen.<br />
<em><br />
Gruppe Perspektiven</em></p>
<p><strong>Anmerkung</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Wir wollen uns hier nicht auf das offenbar beliebte „meine Kapitalismuskritik ist l&#228;nger als deine!“-Spiel einlassen. Offensichtlichen Bl&#246;dsinn unkommentiert stehen zu lassen bringen wir dann aber doch nicht &#252;bers Herz. Sollte die unique-Redaktion tats&#228;chlich der Meinung sein, dass „auf Grundlage von Marx’ Kapital (&#8230;) kurz gesagt, die Dinge &#252;ber alle Menschen herrschen“, empfehlen wir die Lekt&#252;re eben jener Kritik der Politischen &#214;konomie &#252;ber die ersten beiden Kapitel hinaus.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2009/12/15/anti-unique/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Diskussionsveranstaltung 15.11., Audimax: Solidarische &#214;konomie der Bildung</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2009/11/13/diskussionsveranstaltung-1511-audimax-solidarische-oekonomie-der-bildung/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2009/11/13/diskussionsveranstaltung-1511-audimax-solidarische-oekonomie-der-bildung/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 13 Nov 2009 12:19:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=614</guid>
		<description><![CDATA[Vom Uniprotest zur Solidarischen &#214;konomie der Bildung
Workshop mit Inputs &#8211; f&#252;r Debatte, Vernetzung, konkrete Schritte
 Sonntag, 15.11., 14.00–16.00 Uhr im  Audimax/Uni Wien


Wie kann eine Protestdynamik nach dem Ende von H&#246;rsaal- Besetzungen   aussehen? Was w&#228;re eine l&#228;ngerfristige Perspektive der Bewegung? Wie  erweitern wir die Bewegung inhaltlich und sch&#228;rfen zugleich ihren Fokus? Wie entgehen wir der Reduktion auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vom Uniprotest zur Solidarischen &#214;konomie der Bildung</strong></p>
<p>Workshop mit Inputs &#8211; f&#252;r Debatte, Vernetzung, konkrete Schritte</p>
<p><strong> Sonntag, 15.11., 14.00–16.00 Uhr im  Audimax/Uni Wien</strong></p>
<p><strong><a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/11/unibrentt_logo.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-617" title="unibrentt_logo" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/11/unibrentt_logo-300x272.jpg" alt="unibrentt_logo" width="300" height="272" /></a><br />
</strong></p>
<p>Wie kann eine Protestdynamik nach dem Ende von H&#246;rsaal- Besetzungen   aussehen? Was w&#228;re eine l&#228;ngerfristige Perspektive der Bewegung? Wie  erweitern wir die Bewegung inhaltlich und sch&#228;rfen zugleich ihren Fokus? Wie entgehen wir der Reduktion auf “Forderungen an die   Politik”? Wie k&#246;nnte eine “andere Uni” aussehen? W&#228;re eine   “andere Uni” noch eine “Universit&#228;t”?</p>
<p>F&#252;r eine Antwort auf diese Fragen wollen wir die Universit&#228;t bzw.   das Bildungssystem im gesellschaftlichen Kontext, als Teil   kapitalistischer Produktionsverh&#228;ltnisse und vor dem Hintergrund   einer globalen Krise begreifen.</p>
<p>Ziel des Workshops ist Vernetzung von Aktivit&#228;ten, die ein Projekt   “Solidarische Universit&#228;t” inhaltlich und organisatorisch   vorantreiben wollen, das kapitalistische Produktionsverh&#228;ltnisse   angreift und parziell transzendiert. Dazu geben wir als Input kurze Thesen, sammeln Ideen und &#246;ffnen eine Debatte um konkrete Schritte.</p>
<p>Input/Organisierung: seitens verschiedener AktivistInnen aus   folgenden Gruppen/Initiativen: Grundrisse, Perspektiven, Streifz&#252;ge, Boku- und Akademie-AktivistInnen, Sinet, Attac und andere.</p>
<p>Thesen-Inputs: ca. je 5 Minuten (derzeitiger Stand):</p>
<p>1) “Welche Uni? &#8211; Zugang zum und Unabh&#228;ngigkeit vom herrschenden   System” (Markus Schallhas)</p>
<p>2) “Privatisierung und kapitalistische &#214;konomisierung der   Universit&#228;t” (Petra Ziegler)</p>
<p>3) “Die Universit&#228;t und ihre Rolle in der kapitalistischen Arbeitsteilung” (Martin Birkner)</p>
<p>4) “Dogmatischer Pluralismus &#8211; wie entstehen die Gegenst&#228;nde der   Geistes- und Gesellschaftswissenschaften?” (Franz Nahrada)</p>
<p>5) “F&#252;r eine Solidarische &#214;konomie der Universit&#228;t” (Brigitte  Kratzwald)</p>
<p>6) Input von AktivistInnen der Akademie der Bildenden K&#252;nste (Sophie  Schasiepen)</p>
<p>Mehr Infos hier:<br />
<a href="http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?TYPE=3&amp;DEST=http%3A%2F%2Fwww.social-innovation.org%2F%3Fp%3D1362" target="_blank">http://www.social-innovation.org/?p=1362</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2009/11/13/diskussionsveranstaltung-1511-audimax-solidarische-oekonomie-der-bildung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Diskussionsveranstaltung mit edu-factory im Audimax</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2009/10/30/diskussionsveranstaltung-mit-edu-factory-im-audimax/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2009/10/30/diskussionsveranstaltung-mit-edu-factory-im-audimax/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 10:36:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Italien]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>
		<category><![CDATA[StudentInnenbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=595</guid>
		<description><![CDATA[
Die Unis brennen! Die gr&#246;&#223;te, kreativste und spannendste Studierendenbewegung in &#214;sterreich seit Jahrzehnten geht bereits in die zweite Woche.
Wir wollen als Teil dieser Bewegung nicht nur weiterhin praktische Organisationsarbeit leisten, sondern auch inhaltliche Debatten ansto&#223;en, um den Raum, den wir uns erk&#228;mpft haben, f&#252;r Diskussion und Reflexion zu nutzen.
So etwa im Rahmen dieser Diskussionsveranstaltung, zu der wir euch herzlich einladen:
Toward [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/10/besetzt.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-596" title="besetzt" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/10/besetzt.jpg" alt="besetzt" width="300" height="200" /></a></p>
<p>Die <a href="http://unsereuni.at" target="_blank">Unis brennen</a>! Die gr&#246;&#223;te, kreativste und spannendste Studierendenbewegung in &#214;sterreich seit Jahrzehnten geht bereits in die zweite Woche.</p>
<p>Wir wollen als Teil dieser Bewegung nicht nur weiterhin praktische Organisationsarbeit leisten, sondern auch inhaltliche Debatten ansto&#223;en, um den Raum, den wir uns erk&#228;mpft haben, f&#252;r Diskussion und Reflexion zu nutzen.</p>
<p>So etwa im Rahmen dieser Diskussionsveranstaltung, zu der wir euch herzlich einladen:</p>
<p><strong>Toward a Global Autonomous University: Cognitive Labor, The Production of Knowledge, and Exodus from the Education Factory</strong></p>
<p>Diskussionsveranstaltung mit Mitgliedern des <a href="http://edu-factory.org" target="_blank">edu-factory collective</a> aus Italien.</p>
<p><strong>Dienstag 03.11.2009<br />
17 Uhr<br />
Audimax Wien</strong></p>
<p>As was the factory, so now is the university. Where once the factory was a paradigmatic site of struggle between workers and capitalists, so now the university is a key space of conflict, where the ownership of knowledge, the reproduction of the labour force, and the creation of social and cultural stratifications are all at stake. This is to say the university is not just another institution subject to sovereign and governmental controls, but a crucial site in which wider social struggles are won and lost.</p>
<p>The invited guests have just published a <a href="http://www.autonomedia.org/node/92" target="_blank">book on the topic</a> and will speak about their experiences. This discussion will contribute to situate the ongoing struggles in Vienna within a broader transnational context of struggles.</p>
<p>(zuletzt bearbeitet am 1.Nov. 16:06)</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2009/10/30/diskussionsveranstaltung-mit-edu-factory-im-audimax/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

