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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Rassismus</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Nachdem es brannte. Gro&#223;britanniens Karneval der Reaktion</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 12:17:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Kampf um die Deutungsmacht &#252;ber die Riots, an denen sich im August mehrere tausend Menschen in verschiedenen St&#228;dten Englands beteiligt hatten, scheint die Strategie der Konservativen Erfolg zu haben: „kriminelle Elemente“ und Gangs werden f&#252;r die Unruhen verantwortlich gemacht. Eine Einsch&#228;tzung von Benjamin Opratko.

In der Logik der Konservativen war die Sache, nach einer kurzen Schrecksekunde zumindest, klar: Die „L&#246;sung“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Kampf um die Deutungsmacht &#252;ber die Riots, an denen sich im August mehrere tausend Menschen in verschiedenen St&#228;dten Englands beteiligt hatten, scheint die Strategie der Konservativen Erfolg zu haben: „kriminelle Elemente“ und Gangs werden f&#252;r die Unruhen verantwortlich gemacht. Eine Einsch&#228;tzung von <em>Benjamin Opratko</em>.<br />
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In der Logik der Konservativen war die Sache, nach einer kurzen Schrecksekunde zumindest, klar: Die „L&#246;sung“ f&#252;r das „Problem“ der Riots besteht in m&#246;glichst <a href="http://www.guardian.co.uk/uk/2011/aug/18/full-picture-of-riot-sentences">harten Strafen</a>, die nicht nur einzelne „T&#228;terInnen“ so lange wie rechtsstaatlich irgend m&#246;glich hinter Gitter und aus den „Problem-Communities“ raus halten, sondern auch und besonders abschreckend wirken sollen. Denn wenn, wie David Cameron und Konsorten meinen, individuelle Bereicherung die Motivationslage hinter den Riots darstellt, dann waren diese eine Art organisierter Ladendiebstahl auf gro&#223;er Ma&#223;stabsebene. Und LadendiebInnen lassen sich, so die Grundthese von Law-and-Order-PolitikerInnen (die auch <a href="http://derstandard.at/1313024743535/Blog-KrisenFrey-Camerons-richtige-Kalkulation?_blogGroup=1">hierzulande</a> von ihren PopulisatorInnen verbreitet wird), von hohen Strafen abschrecken. Eine etwaige Wiederholung der „August Riots“ soll also dadurch verhindert werden, dass m&#246;glichst viele junge Menschen f&#252;r mehrere Monate oder gleich <a href="http://www.guardian.co.uk/uk/2011/aug/16/uk-riots-four-years-disorder-facebook">Jahre</a> und zum Teil f&#252;r <a href="http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/crime/8695988/London-riots-Lidl-water-thief-jailed-for-six-months.html">l&#228;cherliche</a> <a href="http://medienkritikwien.wordpress.com/2011/08/19/worst-case-bei-facebook-eingetreten-vier-jahre-haft-fuer-postings/">„Delikte“</a>, ins Gef&#228;ngnis kommen, ihren Familien Sozialleistungen gek&#252;rzt und sie aus <a href="http://lydall.standard.co.uk/2011/08/councils-threaten-london-rioters-with-eviction-.html">gef&#246;rderten Wohnungen rausgeschmissen</a> werden. Eine gewagte Wette der Herrschenden, deren Einsatz so oder so die Armen in Englands St&#228;dten zu zahlen haben. Verarmten und erwerbslosen Jugendlichen noch mehr soziale Sicherheiten zu nehmen und sie in &#252;berf&#252;llten Gef&#228;ngnissen gemeinsam mit „gew&#246;hnlichen“ straff&#228;llig gewordenen zusammen zu pferchen ist, darauf w&#252;rden wir wetten, der sicherste Weg, um aus der diskursiven Kriminalisierung der Aufst&#228;ndischen eine ganz praktisch-materielle zu machen, und aus den Aussagen der Herrschenden selbsterf&#252;llende Prophezeiungen.</p>
<p>Die alte Einsicht Antonio Gramscis, dass Zwang- und Konsenselemente politischer Macht im Kapitalismus einander nicht ausschlie&#223;en, sondern wechselseitig bedingen, l&#228;sst sich anhand dieses <a href="http://lattelabour.blogspot.com/2011/08/carnival-of-reaction.html">Karnevals der Reaktion</a> brandaktuell nachvollziehen. Die massive Repressionswelle, in der u.a. von den allgegenw&#228;rtigen &#220;berwachungskameras aufgenommene Bilder von Verd&#228;chtigen auf <a href="http://www.guardian.co.uk/uk/2011/aug/12/looting-suspects-cctv-digi-van">„Digi-Vans“ vor Einkaufszentren gezeigt wurden</a> und der Bev&#246;lkerung die permanente Aufforderung angetragen wird, Bekannte, die an den Riots teilgenommen haben k&#246;nnten, der Polizei zu melden, wird offenbar in breiten Teilen der englischen Bev&#246;lkerung unterst&#252;tzt. Laut einer YouGov-Umfrage sind 81 Prozent der Befragten der Meinung, die Urteile gegen rioters w&#228;ren <a href="http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/news/3761667/Eight-in-ten-Brits-back-the-tough-sentences-being-doled-out-to-riot-thugs.html#comment-rig">„gerade richtig“ oder gar „zu wenig“ hart</a>. Bereits w&#228;hrend der Aufst&#228;nde unterst&#252;tzen 90 Prozent den Einsatz von Wasserwerfern; 77 Prozent w&#228;ren f&#252;r einen Armeeeinsatz gewesen und 33 Prozent meinten gar, die Polizei sollte mit <a href="http://today.yougov.co.uk/sites/today.yougov.co.uk/files/yougov_england_riot_results_pdf_pr.pdf">scharfer Munition gegen Unruhestifter</a> vorgehen. Der autorit&#228;r-populistische Konsens der Tories scheint also weitgehend zu halten (auch wenn aus den Reihen des liberaldemokratischen Koalitionspartners vereinzelt <a href="http://www.huffingtonpost.co.uk/2011/08/16/two-men-jailed-for-four-y_n_928942.html">verhaltene Kritik an den harten Gerichtsurteilen</a> artikuliert wird). Im Ringen um die Deutung der Aufst&#228;nde haben sich alle Parlamentsparteien, die wichtigsten Medien und ein Gro&#223;teil der Bev&#246;lkerung der konservativen Storyline angeschlossen. Die Bedeutungsketten, in denen jugendliche Aufst&#228;ndische als kriminell, gierig, gewaltgeil und bar jeglicher moralischer Codes definiert werden, scheinen fest geschmiedet. Sie n&#252;tzen nicht nur der aktuellen Tory-F&#252;hrung, sondern bieten auch offen faschistischen Kr&#228;ften und rassistischen Figuren die Gelegenheit, sich an ihnen in Richtung &#214;ffentlichkeit zu hanteln. Zwei Ereignisse stehen daf&#252;r paradigmatisch. Erstens versuchten die faschistische British National Party (BNP) und insbesondere die English Defence League (EDL), die Unruhen zu ihren Gunsten zu nutzen und sich als Besch&#252;tzerInnen der Wei&#223;en, „anst&#228;ndigen“ Arbeiterklasse darzustellen. Im Londoner Stadtteil Eltham organisierte die EDL eine „B&#252;rgerwehr“, die sich schnell in einen <a href="http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/crime/8692872/London-riots-far-right-political-party-protect-Eltham-residents.html">rassistischen Mob verwandelte</a>. Zweitens, und m&#246;glicherweise entscheidender, brachte der konservative Historiker David Starkey eine spezifische rassistische Interpretation der Riots in die &#246;ffentliche Debatte, die sich als weitaus anschlussf&#228;higer f&#252;r die „gesellschaftliche Mitte“, d.h. jene, die sich daf&#252;r halten, erweisen k&#246;nnte. In der BBC Newsnight erkl&#228;rte er, die Gr&#252;nde f&#252;r die Gewalt w&#228;ren in der &#220;bernahme einer „schwarzen Kultur“ durch die <a href="http://www.socialistreview.org.uk/article.php?articlenumber=11724">„Chavs“</a> (ein abwertender Ausdruck f&#252;r Wei&#223;e Jugendliche aus der ArbeiterInnenklasse) zu suchen. Seine Problemdiagnose: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=S2_6ggJf3ns&#038;feature=youtu.be">„The Whites have become Blacks“</a>. Die „schwarze Kultur“ sei „gewaltt&#228;tig, destruktiv, nihilistisch“ – und damit so ganz anders als das Friedvolle, Konstruktive und Geordnete, kurz: Wei&#223;e der britischen Gesellschaft. Seine besondere Signifikanz erh&#228;lt dieser Sub-Diskurs der Post-Riot-Debatte, weil hier der Rassismus im respektablen Gewande eines Cambridge-Gelehrten auftritt und in bestem Empire-English beteuert, es gehe ja gar nicht um Hautfarbe, sondern blo&#223; um <a href="http://www.perspektiven-online.at/2008/02/22/islamophobie-und-die-kulturen-des-rassismus/">„Kultur“</a>. Die ganze Perfidie dieses Auftritts, der als Schulbeispiel f&#252;r den neuen Kulturrassismus in der politischen Bildung wertvoll sein k&#246;nnte, hat Owen Jones, der ebenfalls in der Sendung zu Gast war, sch&#246;n <a href="http://owenjones.org/2011/08/16/it-was-like-enoch-powell-meets-alan-partridge">zusammengefasst</a>.</p>
<p>Doch die hegemonialen Verh&#228;ltnisse sind nicht so widerspruchslos, wie sie sich auf den ersten Blick pr&#228;sentieren m&#246;gen. Der Blogger und SWP-Aktivist Richard Seymour hat <a href="http://leninology.blogspot.com/2011/08/competing-common-senses-of-riots.html">darauf hingewiesen</a>, dass die Ergebnisse der Post-Riot-Umfragen, die derzeit in den britischen Medien zirkulieren, zwei konkurrierenden Logiken folgen. Zwar ist das konservative Narrativ dominant, trotzdem sind immerhin 50 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Sparpolitik der Tory-Regierung als eine der Ursachen f&#252;r die Unruhen gesehen werden muss. (36 Prozent verneinen dies.) Angesichts des massiven Propaganda-Einsatzes der letzten Wochen, um die Riots als kriminelle Gewaltorgie darzustellen, ist das eine bemerkenswerte Zahl. Versuche, diese Widerspr&#252;che des Alltagsbewusstsein politisch zu artikulieren und Gegenpositionen zu der Strategie der Kriminalisierung und Repression h&#246;rbar zu machen, bleiben bis dato jedoch schwach. Bei einer kurzfristig von lokalen Stadtteilinitiativen organisierte Demo unter dem Motto „Give Our Kids a Chance“ kamen <a href="http://london.indymedia.org/articles/9963">immerhin 2.000 Menschen zusammen</a>, um auf die Armut und Ungerechtigkeit hinzuweisen, die als Gr&#252;nde f&#252;r die Riots gesehen werden. Solche Initiativen sind zumindest bislang jedoch weithin marginal. Daf&#252;r gibt es eine Reihe Gr&#252;nden. Einer ist sicherlich der desastr&#246;se Zustand der Linken in England. Respect, das ambitionierte Projekt einer breiten linken Wahlplattform unter Einbindung muslimischer Gruppen, die sich in der Bewegung gegen den Irak-Krieg politisiert hatten, ist auf dramatische Weise gescheitert. Die Socialist Workers Party (SWP), die gr&#246;&#223;te Organisation der radikalen Linken und ehemals treibende Kraft hinter Respect, scheint sich von dieser Niederlage bis heute nicht erholt zu haben. Zumindest stellt sie sich jedoch <a href="http://www.socialistworker.co.uk/art.php?id=25645">unmissverst&#228;ndlich gegen die Kriminalisierung</a> der Aufst&#228;nde und verweigert sich dem hysterischen Verurteilungs-Imperativ. Derweil sieht es aber so aus, als w&#252;rde der konservative Backlash den Aufstand der englischen Jugendlichen nach dessen polizeilichen Niederschlagung noch einmal &#252;berrollen, und mit ihm all jene, die auf die gesellschaftlichen Ursachen der Riots und die Notwendigkeit ihrer &#220;berwindung bestehen.</p>
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		<title>Wenn es brennt</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 10:16:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
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		<description><![CDATA[London’s Burning, und nicht nur das. Seit letztem Wochenende haben sich die Revolten &#252;ber die Hauptstadt hinaus in zahlreiche St&#228;dte ausgebreitet, darunter Birmingham, Liverpool und Manchester. Ein paar Diskussionsanregungen aus der Perspektiven-Redaktion.

Politiker aller Couleur &#252;berschlagen sich vor Emp&#246;rung &#252;ber die „eindeutig kranken“, hirnlosen Kriminellen, w&#228;hrend sie der Polizei im Schnellverfahren den Einsatz von Wasserwerfern und Gummigescho&#223;en genehmigen (was der britische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>London’s Burning, und nicht nur das. Seit letztem Wochenende haben sich die Revolten &#252;ber die Hauptstadt hinaus in zahlreiche St&#228;dte ausgebreitet, darunter Birmingham, Liverpool und Manchester. Ein paar Diskussionsanregungen aus der Perspektiven-Redaktion.<br />
<span id="more-2103"></span></p>
<p>Politiker aller Couleur &#252;berschlagen sich vor Emp&#246;rung &#252;ber die <a href="http://derstandard.at/1311803143221/Ausschreitungen-in-Grossbritannien-Premier-David-Cameron-will-gegen-Unruhestifter-hart-durchgreifen">„eindeutig kranken“</a>, <a href="http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/news/3738875/David-Lammy-MP-Tottenham-rioters-have-ripped-out-our-hearts.html">hirnlosen Kriminellen</a>, w&#228;hrend sie der Polizei im Schnellverfahren den Einsatz von Wasserwerfern und <a href="http://derstandard.at/1311803120419/Erstmals-Polizei-wird-die-Verwendung-von-Gummigeschossen-erlaubt">Gummigescho&#223;en</a> genehmigen (was der britische Staat traditionell nur in seinen Kolonien tat) oder gleich &#252;ber einen <a href="http://blogs.telegraph.co.uk/news/tobyyoung/100100109/is-it-time-to-send-in-the-army-or-will-water-cannon-be-enough/">Armeeeinsatz</a> in englischen Wohnvierteln <a href="http://leninology.blogspot.com/2011/08/shoot-on-sight.html">r&#228;sonieren</a>. Fragen dazu, warum die Unruhen ausgebrochen sind, weshalb sie sich so rasch und weit ausgebreitet haben und wof&#252;r die Menschen auf den Stra&#223;en von Tottenham und anderswo eigentlich k&#228;mpfen, werden so kurzerhand und unausgesprochen f&#252;r illegitim erkl&#228;rt. Dabei sind es gerade diese Fragen, die es zu kl&#228;ren gilt. Hier gibt es vier Diskussionsanregungen dazu:</p>
<p>1. Es geht um Rassismus. Ausgangspunkt und Anlassfall f&#252;r die Riots im Londoner Stadtteil Tottenham war der Mord an Mark Duggan – das ist kein Zufall. Polizeibrutalit&#228;t, zahllose unaufgekl&#228;rte <a href="http://www.guardian.co.uk/uk/2010/dec/03/deaths-police-custody-officers-convicted">Todesf&#228;lle in Polizeigewahrsam</a>  („Deaths in Custody“) und die permanente Erniedrigung durch <a href="http://www.socialistworker.co.uk/art.php?id=11840">rassistische</a> <a href="http://www.stop-watch.org/uploads/articles_research_docs/modern%20law%20review.pdf">Stop and Search</a>-Methoden in armen, &#252;berwiegend von Nicht-Wei&#223;en bewohnten Vierteln hat den Hass auf die Polizei seit vielen Jahren angefeuert. Als mehrere hundert Schwarze BewohnerInnen von Tottenham vor einer Polizeiwache Antworten auf ihre Fragen zum Tod von Mark Duggan einforderten (zu Recht, wie sich <a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,779335,00.html">nun herausstellte</a>), reagierte die Staatsmacht wie gewohnt: Sie ignorierte die meisten und attackierte einige. Das nahmen die Leute nicht mehr hin. </p>
<p>2. Es geht um Klassenverh&#228;ltnisse. Was in der Berichterstattung oft als „sozialer Hintergrund“ erw&#228;hnt wird, ist von &#252;berragender Bedeutung. Die Stadtteile, in denen die Unruhen ausbrechen, sind Sackgassen einer kapitalistischen gebauten Umwelt. Ein gro&#223;er Teil ihrer BewohnerInnen ist arbeitslos oder jobbt als sp&#228;tkapitalistisches &#196;quivalent eines Dickens’schen Tagel&#246;hners. Zugleich liegen sie in einer der teuersten St&#228;dte der Welt und in einem Land, in dem seit 30 Jahren konservative und New Labour-Regierungen abwechselnd die sozialen Sicherungssysteme roden. Gro&#223;britannien wird f&#252;r diesen Zeitraum eine anhaltend <a href="http://www2.lse.ac.uk/newsAndMedia/news/archives/2007/SocialMobilityDec07.aspx">geringe soziale Mobilit&#228;t bescheinigt</a>, wobei die Schere zwischen Armen und Reichen stetig <a href="http://www.guardian.co.uk/society/2010/jan/27/unequal-britain-report">weiter auseinander klafft</a>. Die enormen Einkommensunterschiede, Arbeitslosigkeit und Armut produzieren Generationen von Menschen ohne soziale Perspektive. Das gigantische Sparprogramm der Tory-Regierung wird diese Dynamik weiter versch&#228;rfen, und hat es teilweise <a href="http://www.guardian.co.uk/society/video/2011/jul/31/haringey-youth-club-closures-video?CMP=twt_gu">bereits getan</a>. &#196;hnlich wie bei den Aufst&#228;nden in den franz&#246;sischen Banlieues oder den Revolten in Griechenland Ende 2008 bricht sich hier Wut &#252;ber eine Klassenposition bahn, die ihren InhaberInnen nichts zu bieten hat als Angst, Orientierungslosigkeit und Langeweile.</p>
<p>3. Es geht um Selbsterm&#228;chtigung. Was viele KommentatorInnen und MedienkonsumentInnen verst&#246;rt, ist die Tatsache, dass w&#228;hrend der Unruhen nicht blo&#223; Lebensmittelsl&#228;den gepl&#252;ndert werden, sondern Jugendliche sich gleich mit neuen Handys, Jeans und Fernsehern versorgen – und dabei auch noch Spa&#223; zu haben scheinen. In der BBC Newsnight <a href="http://www.youtube.com/watch?v=vcuo-VLrfYE">beschwerte</a> sich k&#252;rzlich die ehemalige Tory-Abgeordnete Edwina Curry, dass die Jugendlichen jeden Sinn f&#252;r Richtig und Falsch verloren h&#228;tten; sie m&#252;ssten endlich verstehen lernen: „What’s mine is mine, and what’s yours is yours!“ Und vielleicht steckt in ihrer Tirade ein wahrer Kern. Vielleicht verstehen viele Menschen in den Sackgassen des Kapitalismus nicht mehr, warum das was ihnen geh&#246;rt so wenig und sch&#228;big ist, w&#228;hrend andere so viel besitzen. Nicht weil sie kulturlose Barbaren oder Kriminelle w&#228;ren, sondern weil ihnen die materiellen Verhei&#223;ungen der Marktwirtschaft st&#228;ndig wie die Karotte vor die Nase gehalten wird, ohne dass sie ihnen jemals – auf legalem Wege – n&#228;her kommen k&#246;nnten.  In den Shopping Malls, auf Plakatw&#228;nden oder in den H&#228;nden der reichen Wei&#223;en ein paar U-Bahn-Stationen weiter ist buchst&#228;blich Alles zahlreich vorhanden, und zugleich scheint es einer ganzen Gesellschaft als nat&#252;rliche Ordnung der Dinge, dass die Armen und Nicht-Wei&#223;en daf&#252;r nicht vorgesehen sind. Die feministische Journalistin und Bloggerin Laurie Penny hat das <a href="http://pennyred.blogspot.com/2011/08/panic-on-streets-of-london.html?spref=fb">auf den Punkt gebracht</a>: „People riot because it makes them feel powerful, even if only for a night. People riot because they have spent their whole lives being told that they are good for nothing, and they realise that together they can do anything – literally, anything at all. People to whom respect has never been shown riot because they feel they have little reason to show respect themselves, and it spreads like fire on a warm summer night“</p>
<p>4. Was gilt es zu verurteilen? Die Boulevard-Medien &#252;bernehmen – wenig &#252;berraschend – das Wording der Regierenden in Gro&#223;britannien: Die Unruhen w&#252;rden von „organisierten Kriminellen“ durchgef&#252;hrt, ein „gieriger Mob“ ziehe durch die Stra&#223;en usw. usf. In &#214;sterreich f&#228;llt es dem Fellner-Schundblatt gleichen Namens zu, die absto&#223;endste Formulierung zu finden: „wie gefr&#228;&#223;ige Ameisen“ w&#252;rden die Jugendlichen in die Superm&#228;rkte str&#246;men um sie zu pl&#252;ndern. Mit welchem Insektengift man dieser Plage am liebsten Herr werden m&#246;chte, wird nicht verraten. Zugleich mischt sich in anderen Kommentaren die Emp&#246;rung &#252;ber die „unvorstellbare Gewalt“, die es zu verurteilen g&#228;lte, mit linksliberalem Einf&#252;hlungsverm&#246;gen: die Jugendlichen w&#252;rden doch blo&#223; ihren eigenen Communities schaden und &#252;berhaupt: was sollen Riots denn zum Besseren ver&#228;ndern? Diesem scheinheiligen Paternalismus gilt es entgegen zu halten: Wenn es etwas zu verurteilen gibt, dann die Drecksverh&#228;ltnisse, in denen Menschen leben m&#252;ssen, w&#228;hrend gleichzeitig in der Londoner City M&#228;nner mit vierstelligen Monatsgeh&#228;ltern gerade wieder die Weltwirtschaft gegen die Wand fahren. Die „unvorstellbare Gewalt“ richtet sich vor allem gegen die gebaute Umwelt, die ihnen ein Gef&#228;ngnis ist, nicht gegen Menschen. Sie betrifft nicht nur die Stadtteile in denen sie selbst leben, sondern auch die poshen Spots der Londoner Upperclass, die pl&#246;tzlich mit der Existenz eines sonst unsichtbaren urbanen Proletariats konfrontiert wird und daraufhin in der Financial Times <a href="http://www.ft.com/cms/s/0/fac0b38e-c1d1-11e0-bc71-00144feabdc0.html#axzz1UZKq74AI">schockiert feststellen muss</a>: „Der Mob griff das beste Restaurant in Notting Hill an!“ Und auf die Frage was es bringt fand ein Jugendlicher in einem Live-Interview eine entwaffnende Antwort: „You wouldn&#8217;t be talking to me now if we didn&#8217;t riot, would you?“ Oder wie es die Berliner Rapper K.I.Z. schon vor zwei Jahren ausdr&#252;ckten: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=BtjfvK0Iqbo">„Vielleicht f&#228;llt das Licht auf dein Viertel wenn es brennt?“</a></p>
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		<title>Welcome Back – Unless You’re Black</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 09:11:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Jakob, Christian/ Schorb, Friedrich: Soziale S&#228;uberung. Wie New Orleans nach der Flut seine Unterschicht vertrieb. M&#252;nster: Unrast Verlag 2008, 227 Seiten, 13.80 Euro

Ende 2005 traf der Hurrikan Katrina auf die K&#252;ste von Louisiana (USA) und richtete die schwersten Sch&#228;den an, die je ein Unwetter in den USA verursacht hat. &#220;ber 1800 Menschen starben, der Sachschaden soll um die 125 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Jakob, Christian/ Schorb, Friedrich: <em>Soziale S&#228;uberung. Wie New Orleans nach der Flut seine Unterschicht vertrieb.</em> M&#252;nster: Unrast Verlag 2008, 227 Seiten, 13.80 Euro<br />
<span id="more-1531"></span><br />
Ende 2005 traf der Hurrikan Katrina auf die K&#252;ste von Louisiana (USA) und richtete die schwersten Sch&#228;den an, die je ein Unwetter in den USA verursacht hat. &#220;ber 1800 Menschen starben, der Sachschaden soll um die 125 Mrd. Euro betragen haben. Besonders die Stadt New Orleans wurde schwer getroffen: Drei von vier BewohnerInnen mussten evakuiert werden, &#252;ber 180.000 wollten oder konnten nach dem Sturm nicht mehr in die Stadt zur&#252;ckkehren.<br />
Das Buch von Christian Jakobs und Friedrich Schorbs widmet sich insbesondere den Fragen, wer von den Sch&#228;den, die Katrina verursacht hat, am h&#228;rtesten betroffen war/ist und wie die Naturkatastrophe von politischen und &#246;konomischen AkteurInnen ausgenutzt wurde, um lange geplante, st&#228;dtebauliche Ver&#228;nderungen in Gang zu setzen. Die beiden Soziologen lassen in ihrem Buch die Betroffenen – gr&#246;&#223;tenteils vertriebene, afroamerikanische SozialmieterInnen –, B&#252;rgerrechtlerInnen sowie die politisch und &#246;konomisch Verantwortlichen (wie ManagerInnen von Immobilenfirmen oder Stadtr&#228;tInnen) sprechen und zeigen hierdurch auf, wie im Namen des „Wiederaufbaus“ eine Politik der Vertreibung und eine Unterwerfung der Wohnpolitik unter die Prinzipien des (Wohnungs-)Marktes durchgesetzt wurde.<br />
Im ersten Teil des Buches wird anhand empirischer Daten gezeigt, dass die Viertel von New Orleans, die von Armen und Minderheiten bewohnt wurden, &#252;berproportional stark von der Flut betroffen waren. Auch „die meisten der 1800 Todesopfer von Katrina waren Menschen, die kein eigenes Auto besa&#223;en und sich daher nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten“ (40). Viele Arme – und das sind in New Orleans vor allem AfroamerikanerInnen – wurden, so die beiden Autoren, auch effektiv daran gehindert die Stadt zu verlassen bzw. in sichere Gebiete von New Orleans zu fl&#252;chten: Teile der Polizei und wei&#223;e B&#252;rgerwehren „blockierten die Br&#252;cken und verhinderten mit Gewehren, dass sich die Flutopfer in Sicherheit bringen konnten“ (22). Mit dieser Feststellung richten sich Jakob und Schorb insbesondere gegen die in der Wissenschaft so popul&#228;r gewordene These einer Weltrisikogesellschaft nach Ulrich Beck. Diese besagt, dass die postmoderne, globalisierte Gesellschaft in eine Phase eingetreten ist, in der alle gleicherma&#223;en von Risiken betroffen sind, egal in welcher sozio&#246;konomischen Lage sie sich befinden oder in welcher Region sie leben. F&#252;r die beiden Autoren sind Naturkatastrophen stattdessen „unter kapitalistischen Verh&#228;ltnissen in erster Linie soziale Katastrophen“ (213), die zu einer dauerhaften Versch&#228;rfung der sozialen Ungleichheit beitragen.<br />
Doch nicht nur Katastrophen an sich sind sozial und politisch gepr&#228;gt, auch der Umgang mit ihnen offenbart die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse einer Gesellschaft: Nach Katrina wurden die vier gr&#246;&#223;ten<em> Public Housing Projects </em>(PHPs) der Stadt – staatlich gef&#246;rderte Gro&#223;wohnanlagen f&#252;r Familen in der <em>Extremely Low Income</em>-Kategorie – von der st&#228;dtischen Wohnungsbeh&#246;rde <em>HANO </em>unter dem Vorwand der Schimmelbelastung und des Schutzes vor Pl&#252;nderungen abgeriegelt. Ohne dass die ehemaligen BewohnerInnen jemals wieder ihre Wohnungen betreten konnten, entschied die Stadtpolitik sie abzurei&#223;en und auf dem neu gewonnenen Land moderne <em>Mixed-Income</em>-Wohnbauten zu errichten. F&#252;r Jakob und Schorb sowie f&#252;r die von ihnen befragten ehemaligen BewohnerInnen der PHPs ist diese Ma&#223;nahme als gezieltes politisches Kalk&#252;l zu verstehen: „Was sie wollen, ist wertvolles Land in der Innenstadt zu nehmen, das im Moment von Armen und Schwarzen bewohnt wird. Diese wollen sie loswerden, das Land bebauen, aufwerten und darauf Wohnraum f&#252;r die Mittelklasse schaffen“ (34). New Orleans l&#228;sst sich diese Sanierung 700 Millionen Dollar kosten. Das ist weit mehr als die Renovierung der PHPs gekostet h&#228;tte. Profitieren werden von dieser Stadterneuerung insbesondere private Immobilienfirmen, doch die Stadtpolitik argumentiert, dass eben diese <em>Mixed-Income</em>-Siedlungen „f&#252;r beide Seiten befruchtend“ sein k&#246;nnen: Die Stadt k&#246;nne ihr Image aufbessern und der Kriminalit&#228;t entgegenwirken und den Armen w&#252;rden sich „neue Perspektiven“ er&#246;ffnen. Dass diese <em>Mixed-Income</em>-Siedlungen nicht genug Platz bieten f&#252;r alle ehemaligen BewohnerInnen der PHPs und viele von ihnen nun nicht mehr nach New Orleans zur&#252;ckkehren k&#246;nnen, dass sie die Verbundenheit der &#252;ber Jahrzehnte gewachsenen PHP-Gemeinschaften zerst&#246;ren und dass die „SozialmieterInnen nicht in einem Schloss, sondern in einem goldenen K&#228;fig“ (210) leben w&#252;rden, wird von den lokalen PolitikerInnen mit keinem Wort erw&#228;hnt bzw. konsequent ignoriert.<br />
Im zweiten Teil des Buches zeigen Jakob und Schorb, dass die Vertreibung der afroamerikanischen Bev&#246;lkerung nicht als eine einmalige Aktion zu sehen ist, sondern historische Tradition hat und bis an die Anfangszeit der Unterwerfung des amerikanischen Kontinentes durch die europ&#228;ischen Kolonialm&#228;chte zur&#252;ckzuverfolgen ist. Die Geschichte des Bundesstaates Louisiana (und damit die Geschichte New Orleans) ist die Geschichte einer konsequenten Diskriminierung der afroamerikanischen Bev&#246;lkerung. Die Ausbeutung der afrikanischen SklavInnen hat massiv dazu beigetragen, dass New Orleans Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer der reichsten St&#228;dte des Kontinents aufsteigen konnte (109ff.). Einige der damaligen  Ausbeutungsmethoden, wie das sogenannten <em>convict lease system</em>, werden bis heute angewandt: „Tausende Gefangene, &#252;berwiegend AfroamerikanerInnen, &#252;bernehmen Arbeiten in der Landwirtschaft oder reinigen in sogenannten „Chain Gangs“, an den F&#252;&#223;en aneinander gekettet, die Stra&#223;en von Unrat“ (123). Von diesem „ultramobilen und v&#246;llig rechtslosen Arbeitskr&#228;ftereservoir“ (124) profitiert neben den lokalen Sheriffs besonders die lokale &#214;konomie. Katrina hat der Durchsetzung dieser rassistischen Politik „nur“ neue M&#246;glichkeiten er&#246;ffnet.<br />
Um zu zeigen, dass die Eliminierung der<em> Public Housing Projects</em> in New Orleans jedoch nicht nur eine historische Kontinuit&#228;t darstellt, sondern auch als Teil eines Paradigmenwechsels in der amerikanischen Sozialpolitik (und damit auch in der Wohnungspolitik) zu verstehen ist, widmen sich Jakob und Schorb im letzten Teil ihres Buches der Entwicklung des amerikanischen Sozialstaates seit Mitte des 20. Jahrhunderts. W&#228;hrend in den 1960er Jahren unter dem Deckmantel der „Grand Society“ der amerikanische Sozialstaat (auf paternalistische Art und Weise) massiv ausgebaut wurde, kam es im Zuge der 1970er Jahre zum &#220;bergang vom „f&#252;rsorgenden zum strafenden Staat“ (135). Die damit einhergehende ideologische Verschiebung in der Einsch&#228;tzung der Ursachen von Armut und sozialer Unsicherheit zeigte sich besonders deutlich in der Idee einer „culture of poverty“. Diese wurde durch die Arbeiten des amerikanischen Sozialanthropologen Oscar Lewis angeregt. Er beobachtete in den 1940er Jahren die „urban poor“ in Mexiko und Puerto Rico und kam zu dem Schluss, dass Armut in erster Linie selbstverschuldet und charakterbedingt sei, sowie dass die Armen eine „Parallelkultur“ aufbauen w&#252;rden, die nur marginale Verbindungen zur Mainstream-Gesellschaft aufweise. Die Gr&#252;nde f&#252;r Armut werden nicht l&#228;nger in der sich versch&#228;rfenden strukturellen und materiellen Ungleichheit, sondern in tats&#228;chlichen und zugeschriebenen Verhaltensweisen der Armutsbev&#246;lkerung gesucht“ (134). Dies &#228;nderte auch das generelle Bild auf Sozialbauten: „Die Identifikation der Sozialbauten mit Arbeitsscheu, Kriminalit&#228;t und Promiskuit&#228;t ist in den USA ‚Common Sense’“ (142). Auf Basis dieses Paradigmenwechsels wurden zahlreiche wohnpolitische Ma&#223;nahmen (wie HOPE IV) ergriffen, die dazu f&#252;hrten, dass viele Sozialbauten abgerissen wurden und durch Wohnungsanlagen mit geringeren Bebauungsdichte ersetzt wurden (und somit viele ehemalige BewohnerInnen nicht mehr in ihre Quartiere zur&#252;ckkehren konnten): „HOPE VI sei letztlich dazu benutzt worden, um die Unterschichts-Dominanz in bestimmten Innenstadtgebieten zur&#252;ck zu dr&#228;ngen. Die hierf&#252;r n&#246;tige Vertreibung sei mit dem Vorwand der Kriminalit&#228;tsbek&#228;mpfung gerechtfertigt worden“ (150).<br />
Jakob und Schorb schlie&#223;en ihr Buch mit der Analyse, dass Katrina zwar „Katalysator f&#252;r die Umwandlung der Sozialbauquartiere gewesen sei, aber nicht der Ausl&#246;ser“ (185). Was sich von Katrina jedoch lernen lasse, sei folgendes: „Naturkatastrophen fordern nicht nur die meisten Todesopfer und den gr&#246;&#223;ten Verlust an Eigentum bei den &#196;rmsten, sondern sie ver&#228;ndern auch das soziale Gef&#252;ge und sorgen f&#252;r eine dauerhafte Versch&#228;rfung sozialer Ungleichheit. In New Orleans f&#252;hrte Katrina dazu, dass die Stadt f&#252;r Arme teurer wurde und dass sich nun viele ihrer &#228;rmsten BewohnerInnen eine R&#252;ckkehr nicht leisten k&#246;nnen. Katrina hatte zur Folge, dass die Zahl der Obdachlosen in die H&#246;he geschnellt ist, die &#246;ffentliche Infrastruktur wie kommunale Schulen und Krankenh&#228;user geschlossen bleiben oder privatisiert werden“ (213).<br />
<em>Soziale S&#228;uberung</em> ist ein Buch, das beim Lesen in erster Linie w&#252;tend macht. In den Interviews mit den politisch und &#246;konomisch Verantwortlichen fallen S&#228;tze wie dieser: „We finally cleaned up public housing in New Orleans. We couldn’t do it, but God did” (50).  Oder: „Das, was in den Public Housing Projects in New Orleans stattfindet ist Teil dieses Krieges gegen die Armen. Wir k&#246;nnen die Armut nicht loswerden – also werden wir eben die Armen los“ (159). Die zahlreichen Interviews mit den Betroffenen, aber auch mit den Verantwortlichen zeigen auf, wie mit Hilfe von Klimakatastrophen konsequente (Vertreibungs-)Politik gemacht wird. Auf Basis der Analysen von Naomi Klein, Mike Davis und Loic Wacquant gelingt es Jakob und Schorb die Ereignisse in New Orleans nicht f&#252;r sich stehen zu lassen, sondern in einen gr&#246;&#223;eren Kontext einzubetten und als Teil der Geschichte der Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung der afroamerikanischen Bev&#246;lkerung in den USA sowie als Ausdruck eines Paradigmenwechsels in der amerikanischen Sozialpolitik zu fassen. Die beiden Soziologen bleiben in ihren Schlussfolgerungen allerdings weit hinter ihren Analysen zur&#252;ck, wenn sie argumentieren, dass „man &#252;ber den Abriss der Housing Projects von New Orleans keine eindeutigen Urteile f&#228;llen (kann). Die Behauptung, reiche wei&#223;e M&#228;nner w&#252;rden arme afroamerikanische Familien aus ihren Wohnungen jagen, wird den Verh&#228;ltnissen jedenfalls nicht gerecht. Die Verantwortlichen f&#252;r den Abri&#223; der Quartiere (&#8230;) sind […] Afroamerikaner.“ (210) Auch wenn einzelne Akteure nicht dem Bild des „wei&#223;en, m&#228;nnlichen, amerikanischen Kapitalisten“ entsprechen, so muss man doch die von ihnen durchgesetzte Politik als Teil eines „Projektes der sozialen S&#228;uberung“ verstehen. Trotz dieser politisch eher problematischen Schlussfolgerungen, ist <em>Soziale S&#228;uberung</em> auf alle F&#228;lle ein lesenswertes Buch, das, folgt man den Analysen in Naomi Kleins „Schockstrategie“, in den n&#228;chsten Jahren traurige Aktualit&#228;t behalten wird. </p>
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		<title>Migration – Fangfragen f&#252;r das &#8220;rote&#8221; Wien</title>
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		<pubDate>Fri, 07 May 2010 12:31:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>julia</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 11]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Wien ist eine migrantische Stadt. Die Stadtpolitik reagiert darauf in j&#252;ngerer Vergangenheit mit diversit&#228;tspolitischen Ma&#223;nahmen. Dass diese nichts Grundlegendes an der Ausgrenzung und rassistischen Diskriminierung von MigrantInnen &#228;ndern, zeigen Assimina Gouma, Petra Neuhold, Paul Scheibelhofer und Gerd Valchars von der Forschungsgruppe Kritische Migrationsforschung [KriMi].]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wien ist eine migrantische Stadt. Die Stadtpolitik reagiert darauf in j&#252;ngerer Vergangenheit mit diversit&#228;tspolitischen Ma&#223;nahmen. Dass diese nichts Grundlegendes an der Ausgrenzung und rassistischen Diskriminierung von MigrantInnen &#228;ndern, zeigen <em>Assimina Gouma</em>, <em>Petra Neuhold</em>, <em>Paul Scheibelhofer</em> und <em>Gerd Valchars</em> von der Forschungsgruppe <em>Kritische Migrationsforschung </em>[KriMi].</p>
<p>„Was meint man, wenn man vom ‚Roten Wien‘ spricht?“ ist eine der Fragen des Wiener Einb&#252;rgerungstests, den MigrantInnen seit 2005 bestehen m&#252;ssen, wenn sie die &#246;sterreichische Staatsb&#252;rgerInnenschaft annehmen wollen. Aufs Spiel gesetzt wird der &#246;sterreichische Pass, wenn nicht „Soziale Reformen und Ma&#223;nahmen im sozialistischen Wien der Zwischenkriegszeit“, sondern etwa „Die absolute Mehrheit der SP&#214; im Wiener Gemeinderat“ geantwortet wird. Die Fangfrage spielt dabei mit der M&#246;glichkeit, dass die politischen Machtverh&#228;ltnisse in Wien die Stadt auch heute als „rot“ qualifizieren k&#246;nnten. Diese Antwort ist freilich falsch.</p>
<p>Die Entscheidung der Landesregierung, diese Einb&#252;rgerungsfrage zu stellen, legt den Schluss nahe, dass das Rote Wien der Zwischenkriegszeit f&#252;r das heutige Selbstbild der Stadt weiterhin Relevanz besitzt. Fragen &#252;ber Geschichte und Aktualit&#228;t von Nationalismus und Antisemitismus, &#252;ber <em>Operation Spring</em> und die Kriminalisierung von MigrantInnen, Schwarzen Menschen und Roma werden hingegen nicht gestellt. Die Ausblendung von Wissen &#252;ber Rassismus sowie der Realit&#228;ten von MigrantInnen wird damit zur zynischen Voraussetzung f&#252;r die Erlangung der &#246;sterreichischen Staatsb&#252;rgerInnenschaft.</p>
<p>Der nostalgische Blick der Stadtregierung auf das linke Reformprojekt Rotes Wien <a href="#_edn1" name="edn1"><sup>1</sup></a> verstellt ferner den Blick auf die M&#252;hen der Gegenwart: <em>Diversity Management</em> hei&#223;t das aktuelle Konzept, das nicht nur Ordnung in Migrationsfragen herbeischaffen, sondern auch den kosmopolitischen Willen der Stadt glaubhaft machen soll. Wien will sich dabei im Netzwerk der <em>Global Cities</em><a href="#_edn2">[ii]</a> positionieren. Im Gegensatz zu fr&#252;heren (Integrations-)Konzepten wird „Differenz“ nunmehr nicht abgelehnt, sondern unternehmerisch f&#252;r den Standortvorteil im internationalen Wettbewerb genutzt.</p>
<p>Anhand von vier Themenbereichen, „sozialer Wohnbau“, „Wahlrecht“, „mediale Partizipation und Repr&#228;sentation“ sowie „Sicherheitspolitik“ soll im Folgenden die Wiener Stadtpolitik in Hinblick auf ihre soziopolitische und antirassistische „Integrationsf&#228;higkeit“ gepr&#252;ft werden. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Kontinuit&#228;ten, Verschiebungen und Widerspr&#252;che der st&#228;dtischen Regierung von Migration gerichtet. Im Rahmen aktueller diversit&#228;tspolitischer Ma&#223;nahmen wird Migration zwar durchaus als „Wert“ propagiert, doch bleiben kulturalisierende Differenzkonstruktionen – die Unterscheidung zwischen „Wir“ und „Ihnen“, die zwischen „guten“ und „b&#246;sen“ MigrantInnen – genauso erhalten wie die politische Entrechtung der MigrantInnen. Entlang nationalstaatlich formulierter Kalk&#252;le wird bestimmten MigrantInnengruppen dabei „n&#252;tzliche Differenz“ zugeschrieben, die es auszusch&#246;pfen gilt, w&#228;hrend andere Gruppen ins Fadenkreuz kriminalisierender Sicherheitspolitiken geraten.</p>
<p>Wien – Wiege des sozialen Wohnbaus?</p>
<p>Der soziale Wohnbau ist <em>das </em>linke Prestigeprojekt der Stadt Wien. Die Stadt r&#252;hmt sich bis heute f&#252;r die nachhaltige sozialintegrative Wirkung des kommunalen Wohnbaus, durch den Wien, im Gegensatz zu anderen Gro&#223;st&#228;dten, brisanten Stadtentwicklungen wie „Ghettobildung“ entgegengewirkt h&#228;tte.</p>
<p>Wirft man jedoch aus der Perspektive der Migration einen kurzen Blick zur&#252;ck auf die Wohnungsmarktpolitik der Nachkriegszeit, so verliert die hegemoniale Glamourgeschichte des sozialen Wohnbaus schlagartig ihren Glanz. Die Anwerbephase von so genannten Gastarbeitern<a href="#_edn3">[iii]</a> in den 1970er Jahren wurde von der Vorstellung des Rotationsprinzips getragen. So sollten die angeworbenen MigrantInnen nach einigen Monaten oder Jahren – je nach &#246;sterreichischer Arbeitsmarktlage – wieder in ihre „Heimat“ zur&#252;ckkehren. Gesundheitssch&#228;dliche und &#252;berf&#252;llte Barackenhaussiedlungen in der N&#228;he des Arbeitsplatzes erf&#252;llten den Zweck der ArbeitgeberInnen und erschienen f&#252;r die „Gastarbeiter“ angemessen. Der von der Regierung und den Sozialpartnern erdachte Rotationsplan erf&#252;llte sich jedoch nicht. Viele MigrantInnen entschieden sich, in Wien zu bleiben – nicht zuletzt deshalb, weil die L&#246;hne geringer als erwartet ausfielen und f&#252;r den geplanten Aufbau einer neuen Existenz in der alten Heimat nicht ausreichten. Vom Zugang zu Gemeindebauten bis 2006 weitgehend ausgeschlossen<a href="#_edn4">[iv]</a>, waren MigrantInnen dabei auf den privaten Wohnungsmarkt angewiesen.<a href="#_edn5">[v]</a></p>
<p>Das Brunnenviertel – <em>Diversity sells</em>?</p>
<p>Die sich daraus ergebenden Dynamiken lassen sich etwa anhand der Entwicklungen des im traditionellen ArbeiterInnenbezirk Ottakring gelegenen Brunnenviertels nachzeichnen. In den 1970ern zogen besser verdienende ArbeiterInnen zunehmend an den Stadtrand oder in neue Gemeindebauten. ArbeitsmigrantInnen r&#252;ckten in die frei gewordenen, mehrheitlich renovierungsbed&#252;rftigen und bauf&#228;lligen Altbauwohnungen nach, in die – unter anderem aufgrund der Mietpreisbindung – &#252;ber Jahrzehnte nicht investiert wurde. Aus Angst vor „Verslumung“ und „Ghettobildung“ f&#252;hrte die SP&#214; Anfang der 1980er Jahre Halbjahres-Mietvertr&#228;ge ein, die auch die H&#246;he der Miete deregulierten. In der Folge kauften SpekulantInnen Kleinwohnungen auf und vermieteten diese – h&#228;ufig zu dreifachen Mietpreisen und &#252;berteuerten Abl&#246;sen – an MigrantInnen, die von diesem Wohnungssegment abh&#228;ngig waren.<a href="#_edn6">[vi]</a></p>
<p>In den 1990er Jahren sah sich die Stadtregierung aufgrund zunehmender Konflikte mit starkem &#246;ffentlichem Druck konfrontiert. Infolgedessen und einer Entspannungsphase am Wohnungsmarkt setzte sie im Rahmen so genannter sanfter Stadterneuerungen erste „Integrationsma&#223;nahmen“ mit dem Ziel der „gleichm&#228;&#223;igen Verteilung“ und „interkulturellen Vermittlung“. Der Zugang zu Genossenschaftswohnungen wurde erleichtert, alte heruntergekommene Wohnungen saniert und &#252;ber den Wiener Integrationsfonds auch an Nicht-Staatsb&#252;rgerInnen vermittelt.<a href="#_edn7">[vii]</a> Dadurch und durch die Realisierung interkultureller Wohnprojekte sollte eine „Vermischung“ der Stadtbev&#246;lkerung erzielt werden.<a href="#_edn8">[viii]</a> Dar&#252;ber hinaus investierte die Stadt Wien, mitunter in Form EU-gef&#246;rderter Projekte, in die Aufwertung so genannter Problemviertel. So wird beispielsweise „kulturelle Diversit&#228;t“ im Sinne von <em>Diversity sells</em> als „Branding“ und „Imagestrategie“ des Brunnenviertels inszeniert. Unter Einbindung von BewohnerInnen, der St&#228;rkung von Kreativwirtschaft und so genannten ethnischen &#214;konomien wird dem Stadtteil ein gepflegtes und „ungef&#228;hrliches“ Multikulti-Image verliehen und er f&#252;r TouristInnen sowie (inter-)nationale InvestorInnen attraktiv gemacht. Die F&#246;rderung erfolgreicher ethnischer &#214;konomien und die Produktion kommodifizierbarer kultureller Differenz stehen dabei einer Verdr&#228;ngung armer, zumeist migrantischer Bev&#246;lkerungsteile aus dem nunmehr symbolisch und &#246;konomisch aufgewerteten Brunnenviertel gegen&#252;ber.</p>
<p>Wien als offizielle Einwanderungsstadt</p>
<p>Die dargestellten Prozesse geschehen vor dem Hintergrund umfassender Verschiebungen in der Thematisierung von Migration und Integration, die in Wien nunmehr vor allem unter dem Schlagwort des Diversit&#228;tsmanagements stattfinden. Der im Jahr 2002 von der Stadtregierung eingeleitete Paradigmenwechsel hin zu einer integrationsorientierten Diversit&#228;tspolitik f&#252;hrte offiziell zu einer Abkehr der defizitorientierten Integrationspolitik der Vergangenheit zugunsten einer Anerkennung „kultureller Diversit&#228;t“ als „Chance“ und „Potential“. Dadurch soll die internationale Wettbewerbsf&#228;higkeit des Standortes Wien und die daf&#252;r notwendige Aufrechterhaltung des sozialen Stadtfriedens gew&#228;hrleistet werden.</p>
<p>Folgende inhaltliche Eckpunkte gelten daf&#252;r als zentral<a href="#_edn9">[ix]</a>: Ethnische und soziale Konflikte sollen <em>pr&#228;ventiv</em> durch eine bewusste Absage an das in der Vergangenheit in Bezug auf MigrantInnen dominierende Problemdenken bek&#228;mpft werden. Der neue, ganz in der neoliberalen Logik gefangene Denkansatz lautet nun, (individuelle) migrantische Potentiale zu erkennen, zu aktivieren und zu f&#246;rdern, um diese f&#252;r die Stadtentwicklung nutzbar zu machen. Neben Mehrsprachigkeit sollen so etwa auch die transnationalen Netzwerke der MigrantInnen f&#252;r bessere, innovationsorientierte Kontakte der Stadt gen&#252;tzt werden. Durch die Repr&#228;sentation von MigrantInnen in der Verwaltung sowie auf allen st&#228;dtischen Ebenen soll deren Identifikation mit der Stadt verbessert und Desintegrationsprozessen vorgebeugt werden. Die Normalit&#228;t „kultureller Vielfalt“ soll sich so auch im Selbstverst&#228;ndnis Wiens als bekennende Einwanderungsstadt widerspiegeln.</p>
<p><em>Governing through community</em></p>
<p>Dar&#252;ber hinaus gewinnt die Kooperation mit migrantischen Communities insbesondere im Zusammenhang mit der Stadtteilarbeit an Bedeutung. Das aus dem nordamerikanischen Kontext stammende Konzept des <em>governing through community<a href="#_edn10">[x]</a></em> scheint sich demnach auch hierzulande als neue Regierungstechnologie durchzusetzen. So wird von Seiten der Stadtregierung bewusst versucht, Kommunikations- und Kooperationsbeziehungen zu ExpertInnen und VertreterInnen unterschiedlicher MigrantInnenorganisationen aufzubauen, um eine besser kontrollierbare Zusammenarbeit zu erreichen. Dabei werden h&#228;ufig Klassenstrukturen perpetuiert, etwa wenn v. a. erfolgreiche migrantische UnternehmerInnen, deren Erfolgsgeschichten weitere internationale InvestorInnen und UnternehmerInnen anlocken sollen, als f&#246;rderungs- und kooperationsw&#252;rdig betrachtet werden. Indem diese Politik die als legitim erachteten, migrantischen Repr&#228;sentantInnen (die dann auch spezifische „ethnische“ Kriterien erf&#252;llen m&#252;ssen) anruft und einbezieht, st&#228;rkt sie zudem Kulturalisierungs- und (Selbst-) Ethnisierungsprozesse. In MigrantInnen-Communities werden dadurch konservative Kr&#228;fte bef&#246;rdert, w&#228;hrend etwa feministische oder radikal linke Positionen weiter marginalisiert werden.<a href="#_edn11">[xi]</a> Darin zeigt sich, dass Diversit&#228;tspolitik differenzialistische Politik ist. Sie „erschafft“ die Fremdheit, die sie regiert, und differenziert diese in „gute“ und „schlechte“ Alterit&#228;t.</p>
<p>Die neoliberalen Diversit&#228;tsma&#223;nahmen der Stadt zielen vornehmlich darauf ab, die Au&#223;enwirkung der Stadt Wien als offene, vielf&#228;ltige und innovative Weltstadt zu st&#228;rken. Durch den effizienteren Einbezug migrantischer Arbeitskr&#228;fte und die Aussch&#246;pfung des ihnen zugeschriebenen Kreativit&#228;tspotentials sollen au&#223;erst&#228;dtische und internationale Beziehungen gef&#246;rdert werden, um Wien international konkurrenzf&#228;hig zu halten.</p>
<p>Welche rassistischen Bilder von Differenz dieser Politik zugrunde liegen, wie dadurch Rassismen (re-)produziert werden und welche negativen soziokulturellen und politischen Folgen diese Ma&#223;nahmen f&#252;r die Mehrzahl der in Wien lebenden Menschen mit sich bringen, bleibt unber&#252;cksichtigt. Die damit in Verbindung stehende Dethematisierung der Entrechtung von MigrantInnen zeigt sich etwa in der Haltung der Wiener SP&#214; gegen&#252;ber der Forderung des Wahlrechts f&#252;r MigrantInnen.</p>
<p>Antirassistische Feigenbl&#228;tter</p>
<p>Als zentrales Argument gegen eine &#214;ffnung des sozialen Wohnbaus betonte die SP&#214; wiederholt die Bedeutung der Staatsb&#252;rgerInnenschaft, mit deren Verleihung ohnedies s&#228;mtliche Rechte erworben w&#252;rden – die M&#246;glichkeit auf eine Gemeindewohnung ebenso wie jene auf politische Mitsprache, egal auf welcher Ebene. Tats&#228;chlich galt Wien lange Zeit als vergleichsweise liberale Ausnahme im insgesamt restriktiven &#214;sterreich. Die Einb&#252;rgerungsrate lag zumeist deutlich h&#246;her als in den anderen Bundesl&#228;ndern. Auch die daf&#252;r vorgesehenen Geb&#252;hren waren vergleichsweise niedrig.<a href="#_edn12">[xii]</a> Das Argument der M&#246;glichkeit auf eine relativ fr&#252;hzeitige Einb&#252;rgerung diente der SP&#214; dabei als antirassistisches Feigenblatt, um die ihrer repressiven Politik inh&#228;renten Widerspr&#252;che zu verschleiern: Erstens f&#252;hrte ihre Wohnungspolitik nicht nur zu einer &#220;berteuerung der Mietpreise und Wohnungsnot, sondern hatte f&#252;r MigrantInnen zus&#228;tzlich bedrohliche Auswirkungen, weil diese aufenthaltsrechtlich verpflichtet sind, einen Nachweis &#252;ber eine „inl&#228;nderort&#252;bliche Unterkunft“ zu erbringen. Gerade die Stadt Wien war lange Zeit f&#252;r ihre &#228;u&#223;erst restriktive Vollzugspraxis dieser aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen bekannt.<a href="#_edn13">[xiii]</a> Zweitens steht der vermeintlichen Offenheit in der Frage der Einb&#252;rgerung die tr&#228;ge und verhindernde Rolle der Wiener SP&#214; in Bezug auf die Durchsetzung des Wahlrechtes auf Bezirksebene gegen&#252;ber.</p>
<p>So ist zwar in den aktuellen diversit&#228;tsorientierten Papieren der Stadtregierung von Teilhabechancen und Gleichberechtigung die Rede. Diese Verlautbarungen bleiben jedoch vage und unkonkret. Verl&#228;sst man &#252;berdies die Ebene der sch&#246;nen Worte und begibt sich auf jene der Rechte und hier insbesondere der politischen, erscheint eine un&#252;bersehbare Leerstelle.</p>
<p>(K)ein Wahlrecht auf Bezirksebene</p>
<p>&#220;ber Jahre hinweg wurde das Thema der politischen Mitbestimmung von MigrantInnen in der Stadt ignoriert, darauf folgte eine Phase der politischen Pattstellung, die nach einem kurzen Moment der &#214;ffnung und des Scheiterns wiederum zur heute herrschenden Ausblendung des Themas f&#252;hrte.</p>
<p>W&#228;hrend beispielsweise in St&#228;dten in Schweden seit 1975, in D&#228;nemark und Norwegen seit Anfang der 1980er Jahre und in den Niederlanden seit 1985 Nicht-Staatsb&#252;rgerInnen aktiv und passiv wahlberechtigt waren und so die kommunale Politik mitbestimmen konnten, war die Frage migrantischer Mitbestimmung in &#214;sterreich bis Ende der 1990er Jahre politisch kein Thema. Selbst der Beitritt zur Europ&#228;ischen Union und die dadurch notwendig gewordene Verfassungs&#228;nderung und &#214;ffnung des Wahlrechts f&#252;r EU-B&#252;rgerInnen auf Gemeinde- und in Wien auf Bezirksebene wurden nicht f&#252;r eine ernsthafte Diskussion &#252;ber die Frage der politischen Mitbestimmung jenseits der Staatsangeh&#246;rigkeit genutzt.</p>
<p>Erst als Graz und Linz 1995 bzw. 1996 – 25 und mehr Jahre nach zahlreichen vergleichbaren europ&#228;ischen St&#228;dten – so genannte Ausl&#228;nderbeir&#228;te einf&#252;hrten, die – von der migrantischen Bev&#246;lkerung direkt gew&#228;hlt –, als beratende Organe f&#252;r die Kommunalpolitik fungieren sollten, erh&#246;hte sich auch der Druck auf die politischen Parteien in Wien. Ende der 1990er Jahre sprachen sich die Wiener SP&#214; und &#214;VP schlie&#223;lich ebenfalls f&#252;r eine solche Beiratsl&#246;sung und damit gegen eine tats&#228;chliche Mitbestimmung in Form eines Wahlrechts f&#252;r Drittstaatsangeh&#246;rige aus. Die Volkspartei kn&#252;pfte ihre Zustimmung jedoch an die &#214;ffnung der Gemeindewohnungen f&#252;r Nicht-Staatsangeh&#246;rige; eine Forderung, die zwar in keinem Zusammenhang mit der Einf&#252;hrung eines Beirates stand, die aber von der SP&#214; zu diesem Zeitpunkt abgelehnt wurde und so zu einer erfolgreichen gegenseitigen Blockade der damaligen Koalitionsparteien genutzt werden konnte.<a href="#_edn14">[xiv]</a></p>
<p>Unerwartete Dynamik schafften erst die Gemeinderatswahlen im Fr&#252;hling 2001, in deren Vorfeld sich die SP&#214; pl&#246;tzlich f&#252;r eine &#214;ffnung des Wahlrechts aussprach. Der Grund f&#252;r diesen Meinungsumschwung innerhalb der Wiener SP&#214; ist wohl auf Bundesebene zu finden: Die Wiener Wahlen fanden genau ein Jahr nach Bildung der rechtskonservativen Bundesregierung von FP&#214; und &#214;VP statt. W&#228;hrend zu erwarten war, dass die FP&#214; erneut einen rassistischen Wahlkampf f&#252;hren w&#252;rde, war der SP&#214; einerseits daran gelegen, sich selbst als Gegengewicht zur traditionell migrations- und migrantInnenfeindlichen FP&#214; zu inszenieren und andererseits die Stadt Wien unter ihrer F&#252;hrung als liberales Gegenkonzept zur rechtskonservativen Bundesregierung zu positionieren.<a href="#_edn15">[xv]</a> Am anderen Ende des politischen Spektrums bauten die Gr&#252;nen, die das Thema Wahlrecht erst auf die politische Agenda gesetzt hatten, Druck auf; zudem vereinigten sich einige NGOs zu einer Aktionsplattform und thematisierten den wahlrechtlichen Ausschluss &#246;ffentlichkeitswirksam im Stile einer Wahlkampagne.<a href="#_edn16">[xvi]</a></p>
<p>Das Wahlergebnis (die FP&#214; verlor, die SP&#214; konnte die absolute Mandatsmehrheit zur&#252;ckgewinnen) wurde als Absage der W&#228;hlerInnen an den politischen Rassismus gefeiert und lie&#223; der SP&#214; pl&#246;tzlich keine andere M&#246;glichkeit mehr, als die &#214;ffnung des Wahlrechts, die Teil ihres Wahlprogramms geworden war, tats&#228;chlich umzusetzen – zumal ihnen auch das Argument eines unwilligen Koaltitionspartners abhanden gekommen war.</p>
<p>Daraus resultierte jenes Gesetz, das im Dezember 2002 im Wiener Landtag mit den Stimmen von SP&#214; und Gr&#252;nen beschlossen worden war und im Juni 2004 vom Verfassungsgerichtshof nach einem Antrag von &#214;VP und FP&#214; wieder aufgehoben wurde. Neben EU-B&#252;rgerInnen sollten nach einem Aufenthalt von f&#252;nf Jahren auch Drittstaatsangeh&#246;rige in den Bezirken aktiv und passiv wahlberechtigt sein. Das H&#246;chstgericht glaubte jedoch ausgerechnet in der Ausweitung des Wahlrechts einen verfassungswidrigen Versto&#223; gegen das demokratische Grundprinzip zu erkennen und hob das Gesetz wieder auf.<a href="#_edn17">[xvii]</a></p>
<p>Der gescheiterte Versuch scheint im Nachhinein ein ausgeblendeter Moment der Wiener Politik zu sein. Weder wurde an eine Ersatzl&#246;sung durch das zuvor pr&#228;ferierte und ohnedies d&#252;rftige Beiratsmodell gedacht, noch die Einf&#252;hrung des (kommunalen) Wahlrechts f&#252;r Drittstaatsangeh&#246;rige durch eine Verfassungs&#228;nderung auf Bundesebene vorangetrieben, wo die SP&#214; seit 2007 immerhin wieder als stimmenst&#228;rkste Partei in der Regierung vertreten ist. Im Gegenteil: Das Thema verharrt wie schon in den Jahren zuvor erneut in einer Phase der Ignoranz.</p>
<p>Demzufolge bedeutet die nunmehr vorangetriebene integrationsorientierte Diversit&#228;tspolitik in diesem Bereich keinen Bruch mit der Integrationspolitik der Vergangenheit. Vielmehr setzt diese die Beibehaltung der gezielten Entrechtung und der damit verbundenen Hierarchisierung der MigrantInnen unter neoliberalen Vorzeichen fort.</p>
<p>MigrantInnen im ORF</p>
<p>Das bereits erw&#228;hnte Beispiel des Brunnenviertels zeigt aktuell, wie Diversit&#228;tspolitik st&#228;dtischen Raum nach neoliberalen Kriterien transformiert und infolge weniger leistbar f&#252;r &#228;rmere MigrantInnen macht. Sie m&#252;ssen daraufhin in Stadtteile, in denen das <em>Diversity</em>-Konzept noch nicht erfolgreich war, ausweichen. In der Medienlandschaft setzt sich das Konzept eines Multikulturalismus ohne MigrantInnen<a href="#_edn18">[xviii]</a> fort. Medien in &#214;sterreich sind vor allem dann erfolgreich, wenn sie eine nationalistische Ausrichtung haben (siehe z.B. <em>&#214;sterreich</em>, <em>Neue Kronen Zeitung</em> usw.). Das Mediensystem bleibt so gr&#246;&#223;tenteils resistent gegen&#252;ber der Sichtbarkeit von MigrantInnen als Medien-AkteurInnen. Noch l&#228;sst sich das Argument <em>Diversity sells</em> in der Medienwelt auf der Seite der AussagenproduzentInnen schwer umsetzen, weil der mehrheitlich akzeptierte, publikumswirksame Typus MigrantIn (akzentfrei, sichtbar, exotisch aber &#246;sterreichisch) noch nicht klar definiert bzw. noch nicht konstruiert wurde.</p>
<p>W&#228;hrend MigrantInnen in den Mainstream-Medien vor allem als Schlagzeilen teilhaben d&#252;rfen, beschr&#228;nkt die Stadt das Projekt mediale Diversit&#228;t auf die eigene &#214;ffentlichkeitsarbeit und die daf&#252;r produzierten Medien: „Die Medien der Stadt bilden die Zuwanderungsrealit&#228;t ab und zeigen mit ihrer Bildsprache und Themensetzung, wie sehr sich Wien durch Migration und internationale Mobilit&#228;t ge&#228;ndert hat.“<a href="#_edn19">[xix]</a> Dennoch &#228;ndert sich nichts daran, dass die Bem&#252;hungen der MigrantInnen, sicht- und h&#246;rbar zu werden, marginalisiert bleiben: zwar wurde im Sinne der Stadtpolitik etwa f&#252;r die Redaktion des popul&#228;ren ORF-Stadtmagazins <em>Wien heute</em> lange im ORF-Assessment-Center nach diversit&#228;ts-tauglichen MigrantInnen gesucht. Nach einigen Pannen stellte <em>Wien heute</em> schlie&#223;lich die Journalistin Eser Akbaba 2009 als Wettermoderatorin ein:  MigrantInnen werden auf ein Ressort verwiesen, dessen Inhalt politisch irrelevant ist. Dieses Dilemma zwischen <em>Diversity</em>-Zelebrierung und gesellschaftlichem bzw. strukturellem Rassismus spitzt sich beim ORF angesichts des &#246;ffentlich-rechtlichen Auftrages zu. Seine gesetzliche Pflicht, antirassistisch zu handeln, verlagert der ORF lieber in Aktionen abseits des eigenen Programms, z. B. den ausgerufenen „&#214;sterreichischen Integrationspreis“. Der ORF selbst ist daf&#252;r kaum ein aussichtsreicher Kandidat. Das hindert ihn aber nicht daran, die Integrationsleistung der „Anderen“ einzufordern.</p>
<p>Kreative Spielpl&#228;tze</p>
<p>Die gesellschaftliche Verantwortung, gegen rassistische Medienstrukturen vorzugehen, verlagert sich angesichts dessen immer mehr auf alternativ-partizipative Medien. Im Rahmen der lokalen Medienprojekte <em>Radio Orange </em>und <em>Okto </em>ergreift eine Reihe von MigrantInnen-Gruppen und Organisationen die Chance, Radio- und TV-Inhalte in unterschiedlichen Sprachen zu produzieren. Die Bereitschaft der Stadtregierung, <em>Radio Orange </em>und vor allem <em>Okto </em>mit F&#246;rderungen zu unterst&#252;tzen, steht im krassen Gegensatz zur Pr&#228;senz und zum Zugang der MigrantInnen in Redaktionen wie <em>Wien heute</em>. Dieser Kontrast deutet auf die Instrumentalisierung der partizipativen Medien als „kreative Spielpl&#228;tze“ seitens der Stadtregierung hin, um migrantische Anliegen au&#223;erhalb des Mainstreams zu befrieden. Integration als „living in harmony“ wurde medial outgesourced.</p>
<p>Die Bem&#252;hungen und Strategien der Stadt, Medien f&#252;r MigrantInnen attraktiv zu machen, h&#228;ngen auch mit der Notwendigkeit, migrantisches Publikum zu regieren, zusammen. Das <em>Diversity</em>-Konzept wird erst dann hegemonial, wenn die gesellschaftlichen AkteurInnen – MigrantInnen oder nicht – die „richtigen“ Differenzen im Alltag und in der &#214;ffentlichkeit produzieren und verbreiten. Um dieses Wissen zu vermitteln, m&#252;ssen MigrantInnen auch medial an die Ziele der Stadt gebunden werden. Die technologischen Mittel machen aber die mediale Unabh&#228;ngigkeit von MigrantInnen nicht nur denkbar, sondern auch sichtbar: Die Dichte der Satellitensch&#252;ssel im &#246;ffentlichen Bild wurde zum untr&#252;glichen Zeichen migrantischen Raums. Der politische Reflex auf die Zunahme der Satellitensch&#252;sseln im &#246;ffentlichen Raum bestand darin, den „ewigen Ghettodiskurs“<a href="#_edn20">[xx]</a> und damit die Metapher der „Medien-Ghettos“ als Kontrast zum <em>Global-Cities</em>-Bekenntnis auf die politische Agenda zu setzen.</p>
<p>Migrantische Gegen&#246;ffentlichkeiten</p>
<p>Der Druck zur „medialen Integration“ von MigrantInnen wurde in Wien unterschiedlich aufgegriffen. Politische Medienprojekte wie <em>STIMME von und f&#252;r Minderheiten<a href="#_edn21">[xxi]</a> </em>arbeiten abseits des Integrationsimperativs und zielen auf die Bereitstellung von alternativen Gegen&#246;ffentlichkeiten. Die Gr&#252;ndung der MigrantInnenorganisation <em>M-MEDIA<a href="#_edn22">[xxii]</a> </em>ging mit dem Anliegen einher, Mainstream-Medien und die Berichterstattung &#252;ber Migration und MigrantInnen aktiv mitzugestalten. Gegen die „moralische Integrationskeule“ stellt sich auch das Wiener Stadtmagazin <em>biber<a href="#_edn23">[xxiii]</a></em>, das sich in seinem Selbstverst&#228;ndnis der Vermittlung und Reflexion eines neuen st&#228;dtischen Lebensgef&#252;hls verschreibt. In der Berichterstattung &#252;berwiegt aber die bereichernde Funktion der MigrantInnen f&#252;r die Stadt der Zukunft.</p>
<p>Die drei hier exemplarisch angef&#252;hrten migrantischen Medienprojekte verfolgen unterschiedliche Ziele, verwerfen oder &#252;bernehmen Deutungsmuster – wie jene der <em>Diversity</em>-Stadt – der Wiener Migrationspolitik. Sie produzieren Gegen&#246;ffentlichkeiten, die von unterschiedlicher Distanz zu dominanten Konzepten gekennzeichnet sind: &#196;hnlich wie die Mediennutzung sind auch die Medien der MigrantInnen nicht „ethnisch“, sondern von der sozialen Verortung bestimmt.<a href="#_edn24">[xxiv]</a></p>
<p>Migrantische Initiativen k&#246;nnen jedoch nur eingeschr&#228;nkt die Herstellung einer egalit&#228;ren bzw. emanzipatorischen &#214;ffentlichkeit unterst&#252;tzen. Gr&#252;nde hierf&#252;r lassen sich nicht nur in den dominanten politischen Strukturen und den AkteurInnen finden, sondern auch in den Medien des Mainstreams, welche die hegemonialen gesellschaftlichen Positionen verbreiten. Im Fall der &#246;sterreichischen Medienlandschaft spitzt sich dieser Umstand aufgrund der starken Konzentration weiter zu. Der Dominanz der <em>Neuen Kronen Zeitung</em> und ihrer F&#228;higkeit, rassistische Diskurse gegen&#252;ber „Ausl&#228;nderInnen“ zu st&#252;tzen und zu vervielf&#228;ltigen, setzt die Stadt kaum etwas entgegen. Dabei geht es nicht nur um eine strukturelle Schw&#228;che, sondern auch um die politische Festlegung der Stadt auf Diversit&#228;t: Das <em>Diversity</em>-Konzept orientiert sich an den rassistischen Diskursen des Mainstreams, indem es „Differenzen“ l&#246;sungsorientiert aufarbeitet und damit nach neuen Kriterien reproduziert.</p>
<p>Struktureller Rassismus in der multikulturellen Stadt</p>
<p>So sehr es im Rahmen aktueller Diversit&#228;tsdiskurse also zur selektiven Zelebrierung von Migration als <em>Asset</em> f&#252;r die moderne, weltoffene Stadt kommt, so wenig geht damit eine umfassende Durchsetzung antirassistischer Politiken einher. W&#228;hrend „Fremdenfeindlichkeit“ und „Vorurteile“ durchaus nachdr&#252;cklich angeprangert werden (nicht zuletzt, weil dadurch wichtiges „Potential“ f&#252;r die Stadt verloren ginge), bleiben strukturelle Rassismen (im Fremdenrecht, am Arbeitsmarkt, im Schulsystem, etc.) unthematisiert und werden antirassistische Gruppen und Vereine wie etwa AFRA (<em>International Center for Black Women’s Perspectives</em>)<a href="#_edn25">[xxv]</a> oder ZARA (<em>Zivilcourage und Anti-Rassismusarbeit</em>)<a href="#_edn26">[xxvi]</a> durch mangelnde F&#246;rdergelder permanent in ihrer Existenz bedroht.</p>
<p>Die differenzialistische Diversit&#228;tspolitik unterscheidet in „gute“ und „schlechte“ Alterit&#228;t. W&#228;hrend sie Erstere f&#246;rdern will, verspricht sie eine entschlossene Gangart im Umgang mit Zweiterer. Das tut sie einerseits durch aktivierende und p&#228;dagogisierende Ma&#223;nahmen (Deutschkurse f&#252;r M&#252;tter, interkulturelle Jugendarbeit, etc.) f&#252;r jene, denen – trotz ihnen angelasteter problematischer „Eigenarten“ – ein Recht auf Teilhabe sowie die F&#228;higkeit, „sich zu entwickeln“, zugesprochen wird. Vor dem Hintergrund umfassender Kriminalisierung einzelner MigrantInnengruppen bedient man sich andererseits im Umgang mit „schlechter Fremdheit“, ganz im Einklang mit breiteren <em>law and order</em>-Politiken der autorit&#228;ren Stadt, der Mittel von &#220;berwachung und Bestrafung.</p>
<p>Rassistische Polizeistrategien</p>
<p>W&#228;hrend diesbez&#252;gliche Diskurse aktuell besonders auf muslimische MigrantInnen und das Schreckgespenst „Moschee“ als vermeintlichen Gefahrenort abzielen, zeigt sich die kriminalisierende Praxis massiv im Zusammenhang mit in Wien lebenden Menschen afrikanischer Herkunft. Diese stehen seit l&#228;ngerem im Fadenkreuz repressiver Ma&#223;nahmen, die v.a. im Namen der Drogenbek&#228;mpfung durchgef&#252;hrt und legitimiert werden. Polizeiliche Ma&#223;nahmen, wie etwa die im Mai 1999 durchgef&#252;hrte <em>Operation Spring<a href="#_edn27">[xxvii]</a></em> k&#246;nnen dabei nicht losgel&#246;st von den K&#228;mpfen der Schwarzen Communities gesehen werden. Die erstarkende Vernetzung unter den Communities manifestierte sich (kurz vor der medial gro&#223; inszenierten „Operation“) im M&#228;rz 1999 im Rahmen der Demonstration „Stoppt den Rassistischen Polizeiterror“ in Wien, auf der gegen polizeiliche Gewalt an Schwarzen Menschen, die etwa im Fall von Ahmed F. oder Marcus Omofuma t&#246;dlichen Ausgang hatte, protestiert wurde. Polizeiaktionen wie <em>Operation Spring</em> (oder die Wiener <em>SoKo Jambo</em> und die <em>Aktion Herbstblatt</em>), verfolgten immer auch die Funktion, diese politische Mobilisierung Schwarzer Communities zu unterbrechen und zu delegitimieren.<a href="#_edn28">[xxviii]</a></p>
<p>Von Seiten der Wiener Migrations- und Integrationsbeauftragten oder gar des B&#252;rgermeisters pers&#246;nlich gab es trotz mehrfacher polizeilicher &#220;bergriffe noch nie ein klares Votum gegen strukturellen Rassismus im Polizeiapparat. Zu gut funktioniert offensichtlich die Kriminalisierungsstrategie, die im Rahmen des dominanten „moralischen Antirassismus“<a href="#_edn29">[xxix]</a> dazu f&#252;hrt, dass MigrantInnen ihren Status als „legitime Opfer“, denen es zu helfen gilt, verlieren.</p>
<p>Auf Basis dieser Kriminalisierungslogik kann die sich multikulturell gebende Stadtregierung auch ohne Imageverlust weitere Regelungen umsetzen, welche die Verf&#252;gungsgewalt der Polizei &#252;ber MigrantInnen ausweiten. So wurde etwa am 26. M&#228;rz dieses Jahres auf Initiativantrag der Wiener SP&#214; (und mit den Stimmen von &#214;VP und FP&#214;) eine Versch&#228;rfung der Gesetzgebung zum Betteln auf Wiens Stra&#223;en durchgesetzt. Neben schon bestehenden Verboten (z.B. von „aggressivem und aufdringlichem“ oder „organisiertem“ Betteln) ist nunmehr auch das „gewerbsm&#228;&#223;ige Betteln“ unter Geld- bzw. Haftstrafe gestellt. Die Versch&#228;rfung steht damit in einer Reihe von st&#228;dtischen Ma&#223;nahmen (z. B. der Ausrufung so genannter Schutzzonen), die es erleichtern, unterschiedliche marginalisierte Personengruppen zu kriminalisieren und aus dem &#246;ffentlichen Raum zu verdr&#228;ngen.</p>
<p>W&#228;hrend die rassistische Logik solcher Ma&#223;nahmen durch den Sicherheitsdiskurs &#252;berdeckt werden kann, zeigt sich, dass eine v&#246;llige Verschleierung dieser, gegen MigrantInnen gerichteten Effekte gar nicht n&#246;tig (oder gewollt) ist. So wurde etwa im Rahmen der Anti-Bettel-Gesetzesnovelle von SP&#214;-Seite offen auf die Gefahr von „Bettelmafias aus dem Osten“ verwiesen, die man mit dem neuen Gesetz verst&#228;rkt bek&#228;mpfen k&#246;nne. Diese Strategie erm&#246;glicht es der SP&#214;, ein Image der toleranten Weltoffenheit zu bewahren und gleichzeitig den von der FP&#214; angef&#252;hrten rassistischen Sicherheitsdiskurs zu bedienen, um auch rechtes W&#228;hlerInnenpotential anzusprechen.</p>
<p>Migration als Fangfrage f&#252;rs „Rote Wien“</p>
<p>Die Stadt Wien proklamiert, Migration und Differenz heute nicht mehr als Problem, sondern als Potential zu verstehen. Im Sinne neoliberaler Verwertungslogiken erscheint <em>Diversity</em> als Standortfaktor im globalen Konkurrenzkampf der St&#228;dte und soll von aktivierenden Politiken gef&#246;rdert werden. Anhand der vorgestellten Bereiche zeigen sich zwar stadtpolitische Ver&#228;nderungen: Wien bekennt sich zunehmend als Einwanderungsstadt. Den MigrantInnen vormals negativ zugeschriebene „Differenzen“ werden als Motor f&#252;r die Stadt oder f&#252;r einzelne Viertel wie dem Brunnenviertel umgedeutet. Auch in den Medien setzt sich das Pochen auf eine sichtbare Pr&#228;senz der MigrantInnen als kosmopolitischer Zeitgeist und antirassistisches Aush&#228;ngeschild durch. Gleichzeitig werden anhand der Geschichte der bis heute andauernden Exklusion aus dem sozialen Wohnbau, den abgew&#252;rgten Wahlrechtsdebatten und der Kooption medialer Gegen&#246;ffentlichkeiten sowie der insbesondere gegen rassifizierte und arme Subjekte gerichteten, technisch aufger&#252;steten Sicherheitspolitik deutlich, dass Ausgrenzung und Rassismus als zentrale Aspekte von Wiener Stadtgeschichte und -politik erkannt werden m&#252;ssen. W&#228;hrend Rassismus nicht losgel&#246;st von migrantischen K&#228;mpfen gegen Rassismus, Entrechtung und Marginalisierung gesehen werden kann, erm&#246;glicht die dominante <em>Diversity</em>-Diktion eine Verschiebung der Auseinandersetzungen auf Fragen von Kultur und Anerkennung. Der Fokus wird dabei auf Fragen der Einsch&#228;tzung, Bewertung und Behandlung kultureller Differenz gerichtet. &#214;konomische Verh&#228;ltnisse sowie handfeste politische Rechte k&#246;nnen dadurch von der Agenda genommen werden. Entrechtung, &#220;berwachung und Bestrafungspolitiken k&#246;nnen als widerspruchsfrei zu Diversit&#228;tspolitiken gefasst und im Namen der Sicherheit vorangetrieben werden. Durch das Sichtbarmachen von Entrechtung und Marginalisierung der MigrantInnen werden also antirassistische Fangfragen an das heutige Rote Wien gestellt. Diese kann die dominante Diversit&#228;tspolitik nur falsch beantworten.</p>
<p>Die AutorInnen – K&#252;rzen</p>
<p>Assimina Gouma, Studium der Kommunikationswissenschaft und Kultur- und Sozialanthropologie/Neogr&#228;zistik in Wien, war Soziologie-Scholarin am Institut f&#252;r H&#246;here Studien und ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin in Ausbildung im Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universit&#228;t Salzburg.</p>
<p>Petra Neuhold, Studium der Soziologie und Geschichte in Graz und Poitiers, war Assoziierte am Center for Metropolitan Studies/Transnationales Graduiertenkolleg Berlin-New York und Visiting Scholar an der University of Toronto, derzeit Doktorandin am Institut f&#252;r Soziologie an der Universit&#228;t Wien.</p>
<p>Paul Scheibelhofer, Studium der Soziologie in Wien und Amsterdam, Doktorand an der Central European University, Gender Studies Department, lehrt an den Universit&#228;ten Wien, Graz und Innsbruck. Forschungsschwerpunkte: Migrations- und Rassismusforschung, Geschlechterforschung und kritische M&#228;nnlichkeitsforschung.</p>
<p>Gerd Valchars, Studium der Politikwissenschaft in Wien und Toronto sowie Publizistik und Kommunikationswissenschaft in Wien, Doktorand an der Universit&#228;t Wien und Lehrveranstaltungsleiter am Institut f&#252;r Staatswissenschaft der Universit&#228;t Wien. Forschungsschwerpunkte: &#214;sterreichische Regimelehre, Citizenship, Migrationsforschung.</p>
<p>Die AutorInnen sind Mitglieder der Forschungsgruppe [KriMi] Kritische Migrationsforschung.</p>
<p><a name="_edn1" href="#edn1">1</a> Auch im Roten Wien der Zwischenkriegszeit war der Umgang mit Migration widerspr&#252;chlich. Die SozialdemokratInnen forderten zum Teil den freien Zugang f&#252;r ArbeitsmigrantInnen, aber das nationalistisch-protektionistische Denken setzte sich auch innerhalb der Partei gegen die internationalistische Ausrichtung durch. (vgl. John, Michael: Organisationsformen der Wanderminorit&#228;ten: &#214;sterreich 1867-1925, in: Groppo, Bruno/Schindler, Christine (Hg.): Arbeiterbewegung und Migration. Internationale Tagung der Historikerinnen und Historiker der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung, Tagungsberichte, Wien 1996) 1925 wurde dann das Inl&#228;nderbesch&#228;ftigungsgesetz beschlossen. Damit wurde ein Startpunkt f&#252;r die Illegalisierung der Migration durch den beschr&#228;nkten Zugang zu Arbeit gesetzt, der die Migrationspolitik bis heute pr&#228;gt.</p>
<p><a href="#_ednref">[ii]</a> Vgl. Sassen, Saskia: Cities in a World Economy, Thousand Oaks, London, New Delhi 1994</p>
<p><a href="#_ednref">[iii]</a> Wir verwenden hier bewusst die m&#228;nnliche Form, um auf die Vergeschlechtlichung des Diskurses &#252;ber „Gastarbeiter“ hinzuweisen.</p>
<p><a href="#_ednref">[iv]</a> Bis heute m&#252;ssen Drittstaatsangeh&#246;rige einen durchgehend legalen Aufenthalt von mehr als f&#252;nf Jahren vorweisen, um Anspruch auf eine Gemeindebauwohnung zu erhalten. Eine tats&#228;chliche &#214;ffnung des Gemeindebaus erfolgte daher trotz der Umsetzung der EU-Richtlinie 2006 nicht.</p>
<p><a href="#_ednref">[v]</a> vgl. Reeger, Ursula/Kohlbacher, Josef: Die Wohnsituation von Ausl&#228;nderInnen in &#214;sterreich, in: Fassmann, Heinz/ Stacher Irene (Hg.): &#214;sterreichischer Migrations- und Integrationsbericht. Demographische Entwicklungen – sozio&#246;konomische Strukturen – rechtliche Rahmenbedingungen, Wien 2003, S. 87–109</p>
<p><a href="#_ednref">[vi]</a> Weingartner, Jakob: Wiens Notting Hill, in: Malm&#246; 2007, Nr. 37, unter: http://www.malmoe.org/artikel/alltag/1421</p>
<p><a href="#_ednref">[vii]</a> Vgl. Reeger/Kohlbacher 2003, a.a.O., S. 104ff.</p>
<p><a href="#_ednref">[viii]</a> Ab Herbst 2000 wurde zus&#228;tzlich ein Kontingent an Gemeindebau- und gef&#246;rderten Wohnungen bereit gestellt, um diese in Notf&#228;llen an „aufenthaltsverfestigte“ (sic!) MigrantInnen zu vergeben.</p>
<p><a href="#_ednref">[ix]</a> Vgl. Struppe, Ursula: Grunds&#228;tze der Integrations- und Diversit&#228;tspolitik der Stadt Wien, in: Politics of Diversity, Dossiers, Heinrich B&#246;ll Stiftung 2008, unter: http://www.diversity-boell.de/web/diversity/48_1738.asp</p>
<p><a href="#_ednref">[x]</a> Nikolas Rose bezeichnet damit eine neoliberale Regierungstechnologie der kontrollierten Einbindung von Communities im Kontext der gleichzeitigen Aush&#246;hlung des Sozialstaates.</p>
<p><a href="#_ednref">[xi]</a> Vgl. Neuhold, Petra/Scheibelhofer, Paul: Provincializing Multiculturalism. Postkoloniale Perspektiven auf Diversit&#228;t, Multikulturalismus und Emanzipation, in: Prokla 158 (2010), S. 85-100</p>
<p><a href="#_ednref">[xii]</a> Der Bundesregierung diente ebendiese angeblich zu leichtfertige und vorzeitige Verleihungspraxis als eines der (Schein)-Argumente f&#252;r eine weitere Versch&#228;rfung des Staatsb&#252;rgerInnenschaftsrechts (vgl. Çinar, Dilek: Integration vor Einb&#252;rgerung: die Staatsb&#252;rgerschaftsrechtsnovelle 2005, in: Fassmann, Heinz (Hg.): 2. &#214;sterreichischer Migrations- und Integrationsbericht, Wien 2007, S. 41–46, hier: S. 41f). Mit der Versch&#228;rfung 2005 ist die Zahl der Einb&#252;rgerungen auch in Wien gesunken. Im Jahr 2009 (0,84%; 1981–2006: 3,95%) lag die Einb&#252;rgerungsrate sogar unter dem &#246;sterreichweiten Durchschnitt (0,92%; 1981–2006: 3%) (Statistik Austria, unter: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/einbuergerungen/index.html; eigene Berechnung).</p>
<p><a href="#_ednref">[xiii]</a> Vgl. Reeger/Kohlbacher 2003, a.a.O., S. 107</p>
<p><a href="#_ednref">[xiv]</a> G&#246;rg koppelt Ja zu Beirat an Gemeindebau-&#214;ffnung, in: Der Standard, 24.02.1998</p>
<p><a href="#_ednref">[xv]</a> Quod omnes tangit ab omnibus approbetur?, Radiointerview mit Ljubomir Brati&#196; (ANAR), in: Radio Stimme – Die Sendung der Initiative Minderheiten, 11.03.2003, Orange 94.0</p>
<p><a href="#_ednref">[xvi]</a> Die Forderungen in einer Kampagne geb&#252;ndelt, Interview, in: <em>STIMME von und f&#252;r Minderheiten</em>, Nr. 38/2001, S. 20f.</p>
<p><a href="#_ednref">[xvii]</a> Valchars, Gerd: Defizit&#228;re Demokratie. Staatsb&#252;rgerschaft und Wahlrecht im Einwanderungsland &#214;sterreich, Wien 2006, S. 92ff.</p>
<p><a href="#_ednref">[xviii]</a> Im Rahmen der 8. <em>International Metropolis Conference </em>in Wien (15. bis 19. September 2003) sprach die Soziologin Ien Ang (University of Western Sydney) davon, dass in Sydney inzwischen ein Multikulturalismus ohne MigrantInnen existiere. Gleichzeitig sei das Wort „Integration“ in der offiziellen Sprache der Stadtverwaltung durch „living in harmony“ ersetzt worden.</p>
<p><a href="#_ednref">[xix]</a> Wiener Zuwanderungskommission: Migration – Mobilit&#228;t – Vielfalt. Bericht Wiener Zuwanderungskommission 29-01-2010, S. 44, unter: http://www.wien.gv.at/integration/zuwanderungskommission.html</p>
<p><a href="#_ednref">[xx]</a> Yildiz, Erol: Stigmatisierende Mediendiskurse in der kosmopolitanen Einwanderungsgesellschaft, in: Butterwege, Christoph/Hentges, Gudrun (Hg.): Massenmedien, Migration und Integration, Wiesbaden 2006, S. 35–52</p>
<p><a href="#_ednref">[xxi]</a> Unter: http://minderheiten.at</p>
<p><a href="#_ednref">[xxii]</a> Unter: http://www.m-media.or.at/</p>
<p><a href="#_ednref">[xxiii]</a> Unter: http://www.dasbiber.at</p>
<p><a href="#_ednref">[xxiv]</a> Aksoy, Asu/Robins, Kevin: The Enlargement of Meaning: Social Demand in a Transnational Context, in: International Communication Gazette, 65 Jg., H. 4–5 (2003), S. 365–388</p>
<p><a href="#_ednref">[xxv]</a> Unter: http://www.blackwomencenter.org</p>
<p><a href="#_ednref">[xxvi]</a> Unter: http://www.zara.or.at/</p>
<p><a href="#_ednref">[xxvii]</a> Im Rahmen der <em>Operation Spring</em> wurde erstmals von der M&#246;glichkeit des „gro&#223;en Lauschangriffs“ Gebrauch gemacht. Am 27. Mai 1999 st&#252;rmten mehr als 850 BeamtInnen Wohnungen, Pensionen und Asylheime in Wien, Graz, Linz und St. P&#246;lten. Mit Verweis auf die angebliche Existenz einer „Nigerianischen Drogenmafia“ wurden dabei 127 Menschen verhaftet und nach h&#246;chst dubiosen Gerichtsverhandlungen teilweise zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt. Vgl. http://www.no-racism.net</p>
<p><a href="#_ednref">[xxviii]</a> Vgl. Johnston-Arthur, Araba: Nichts passiert von allein …, Interview mit Araba Johnston-Arthur, in: Fischer, Fabian/Klauser, Franziska, et al. (Hg.): Ohne Aufenthaltstitel, Wien 2009, S. 27–36</p>
<p><a href="#_ednref">[xxix]</a> Andreas G&#246;rg beschreibt „moralischen Antirassismus“ als eine in &#214;sterreich popul&#228;re und sp&#228;testens seit dem Wiener „Lichtermeer“ im Mainstream angekommene Version des Antirassismus, der sich &#252;ber krude Aussagen einer FP&#214; emp&#246;rt und sich f&#252;r den Respekt von Diversit&#228;t einsetzt. Strukturellem Rassismus setzt dieser „moralische Rassismus“ dabei genauso wenig entgegen wie der Kriminalisierung durch Sicherheitspolitiken. Viel eher findet eine &#220;bernahme von dessen Logiken statt; es wird differenziert zwischen „reinen Opfern“, die der Hilfe und des Mitleids bed&#252;rfen, und „kriminellen Ausl&#228;nderInnen“, die aus Sicht des „moralischen Antirassismus“ ihr Recht auf Rechte verspielt haben. Vgl. G&#246;rg, Andreas: Antirassistischer – Konfliktlinien und Allianzenbildung, in: Bratic, Ljubomir (Hg.): Landschaften der Tat. Vermessung, Transformationen und Ambivalenzen des Antirassismus in Europa, St. P&#246;lten 2002, S. 223–236</p>
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		<title>Feminismus mal multikulturell?</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 17:10:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 9]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Sauer, Birgit/Strasser, Sabine (Hg.): Zwangsfreiheiten. Multikulturalit&#228;t und Feminismus, Wien: Promedia Verlag 2008, 260 Seiten, € 24,50]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Sauer, Birgit/Strasser, Sabine (Hg.): Zwangsfreiheiten. Multikulturalit&#228;t und Feminismus, Wien: Promedia Verlag 2008, 260 Seiten, € 24,50<br />
<span id="more-654"></span><br />
„Is multiculturalism bad for women?“ – mit diesem Titel ihres programmatischen Aufsatzes l&#246;ste Susan Moller Okin 1997 eine bis heute anhaltende, h&#246;chst emotional und kontrovers gef&#252;hrte Debatte aus. Gruppenrechte, die im Rahmen des Multikulturalismus „kulturellen Minderheiten“ zugestanden werden, so ihre These, k&#246;nnen sich wiederum negativ auf „Minderheiten innerhalb dieser Minderheiten“, wie z.B. Frauen und Jugendliche, auswirken. Die sich daraus ergebende Pattsituation scheint ausweglos, die Lager gespalten. Auf der einen Seite wird die Forderung nach Anerkennung kultureller Normen und Traditionen von Minderheiten in den Fokus ger&#252;ckt, um dem Recht auf selbstbestimmte Lebensf&#252;hrung, politischer Partizipation und dem Schutz vor Diskriminierung nachkommen zu k&#246;nnen. Auf der anderen Seite wird betont, dass ebendiese Normen und Traditionen das Recht von Frauen auf k&#246;rperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung konterkarieren k&#246;nnen. Die politischen Kampfbegriffe, wie „Genitalverst&#252;mmelung“, „Kopftuchzwang“ und „Ehrenmord“, die im Rahmen dieser Kontroverse ins Feld gef&#252;hrt werden, klingen wohlbekannt und tragen ebenso wenig zu einer n&#252;chternen und fruchtbaren Auseinandersetzung mit dieser Problematik bei, wie ein politisches Umfeld, in dem der Multikulturalismus als politisches Programm – im Gegensatz zu den 1990er Jahren und damit auch der Zeit, in der Okin ihren Artikel verfasst hat – von rechten und konservativen Stimmen zunehmend als „gescheitert“ abgeurteilt wird.<br />
Dass es sich dabei jedoch nicht um einen unvereinbaren Gegensatz von Feminismus und Multikulturalismus, ja bei genauerer Analyse nicht einmal um ein „Spannungsverh&#228;ltnis“ (wie jedoch &#252;berraschenderweise im Klappentext des Bandes behauptet) handelt, darauf wollen die Beitr&#228;ge in „Zwangfreiheiten“ verweisen, die Birgit Sauer, Professorin f&#252;r Politikwissenschaft an der Universit&#228;t Wien, und Sabine Strasser, Associate Professor an der Middle East Technical University in Ankara, zusammengetragen haben.<br />
Anstatt alle Beitr&#228;ge ausf&#252;hrlich zu referieren, m&#246;chte ich mich im Folgenden vor allem auf ausgesuchte Texte konzentrieren, um den Fokus auf die theoretisch-analytischen Implikationen der Problematik zu legen. Dies werde ich anhand von f&#252;nf Themengebieten leisten, denen die Beitr&#228;ge zugeordnet werden k&#246;nnen.<br />
Einer der Schl&#252;sselbeitr&#228;ge dieses Bandes im Hinblick auf die Debatte um den <em>Multikulturalismus</em> kommt von <em>Anne Phillips</em>. In der Gegen&#252;berstellung von juristischen und deliberativen Argumentationsweisen, denen sie den Gro&#223;teil der dazu publizierten Abhandlungen zuordnet, streicht sie heraus, dass beide den Fehler begehen, von den konkreten – meist nationalen – politischen und rechtlichen Kontexten zu abstrahieren. Eben dieser Umstand f&#252;hrt jedoch nicht nur zu simplifizierenden Schlussfolgerungen, sondern entkontextualisiert auch die Forderungen und Praxen politischer AktivistInnen. So argumentiert sie, nachdem sie die konkreten Auswirkungen multikultureller Programme – staatliche Zuwendung f&#252;r Minderheiten, gesetzliche Ausnahmeregelungen und Autonomiebestimmungen – nachzeichnet, dass die daraus resultierenden ‚Problematiken‘ selten antagonistischen Wertvorstellungen geschuldet sind, sondern h&#228;ufig vielmehr Macht- und Ressourcenkonflikte betreffen. Stehen folglich Forderungen nach Gleichberechtigung und Partizipation im Vordergrund, k&#246;nnen ‚Kultur’ und ‚Geschlecht’ nicht als zwei voneinander getrennte Systeme, sondern m&#252;ssen immer in Bezug zu einander behandelt werden. Eine „entgeschlechtliche“ Konzeption von Kultur suggeriert, so Phillips, nicht nur die Existenz von vermeintlich ‚kulturell neutralen‘ Werten von Geschlechtergleichheit, sondern verdeckt auch Widerspr&#252;chlichkeiten und Entwicklungen im Umgang mit kulturellen Werten und somit nicht zuletzt auch feministische K&#228;mpfe und Forderungen ‚innerhalb’ von Minderheiten. In Folge skizziert sie ihre Thesen anhand von drei empirischen Beispielen, in denen sie die M&#246;glichkeiten aber auch Fallstricke nachzeichnet, Geschlechtergleichheit abseits von kulturellen Stereotypen, Rassismen und Migrationskontrolle zu thematisieren und zu fordern.<br />
Auch <em>Sabine Strasser</em> n&#228;hert sich dem Themenkomplex ‚Kultur’, jedoch mittels einer v&#246;llig anderen, n&#228;mlich sozialanthropologisch informierten Herangehensweise. Nachdem sie die Bedeutung und Instrumentalisierung von ‚Kultur’ und ‚Ehre‘ in den unterschiedlichen, auch konservativen und rechten Argumentationsweisen um Menschenrechte und Multikulturalismus nachgezeichnet hat, pl&#228;diert sie dem gegen&#252;ber f&#252;r einen <em>konventionellen Relativismus</em> im Bezug auf Diskurse um „Ehre“ und „Scham“ in den migrantischen Communities selbst. Anhand von Interviews mit jungen Frauen t&#252;rkischen Migrationshintergrunds in &#214;sterreich zeigt sie auf, dass ‚Ehre‘ entgegen weitl&#228;ufiger Vorstellungen nicht blo&#223; als Legitimationsgrundlage f&#252;r m&#228;nnliche Gewalt dient, sondern vielmehr einen Verhaltenskodex darstellt, der in der sozialen Praxis jedoch best&#228;ndig in Frage gestellt wird. Bezogen auf eine feministische Praxis und Theoriebildung ginge es hierbei darum, die Widerspr&#252;chlichkeit, Prozesshaftigkeit und Transformationsm&#246;glichkeiten dieser Diskurse herauszustreichen, das hei&#223;t, an den in den Aushandlungsprozessen implizierten, alternativen Deutungsm&#246;glichkeiten anzukn&#252;pfen, anstatt dominante maskulinistische und durch die Mehrheitsgesellschaft oft unterst&#252;tzte Deutungen als Vorwand f&#252;r restriktives Eingreifen heranzuziehen.<br />
Als einer von zwei Betr&#228;gen ist <em>Sawitri Saharsos</em> Text der Thematik <em>FGM (female genital mutilation, dt. Genitalbeschneidung)</em> gewidmet. Anhand der niederl&#228;ndischen Debatte legt sie dar, wie Geschlechterbeziehungen sowohl in der Mehrheitsgesellschaft als auch in den Minderheiten selbst als zentrale Marker von Gruppendifferenzen fungieren. Als Beispiel nennt sie etwa die Beobachtung, dass muslimische Minderheiten w&#228;hrend der Salman-Rushdie-Krise oder nach den Anschl&#228;gen auf das World Trade Center als Reaktion auf ein restriktives und rassistisches politisches Umfeld ihrerseits dazu tendierten, Gruppengrenzen und -identit&#228;ten st&#228;rker zu betonen, was oftmals zu strengeren Vorschriften (etwa bez&#252;glich der Kleidung) f&#252;r Frauen aus diesen Minderheiten gef&#252;hrt hat. Auch die Debatten um FGC m&#252;ssen – um Pattsituationen scheinbar antagonistischer Ideale von Geschlechtergerechtigkeit zu umgehen – auf diese Weise kontextualisiert werden. Dazu schl&#228;gt sie ein <em>prozessuales Autonomiekonzept</em> als Ma&#223;stab feministischer Politiken vor, bei dem – im Gegensatz zu einem substantiellen Autonomiebegriff – nicht die Handlung selbst (i.e. die Beschneidung weiblicher Genitalien) zum Kern der Auseinandersetzungen wird, sondern auf Art und Weise sowie den Grad der Autonomie bei der Entscheidungsfindung der betroffenen Frauen fokussiert wird. Anhand postkolonialer Argumentationsweisen und in der Gegen&#252;berstellung mit in Europa zunehmend popul&#228;ren Brustvergr&#246;&#223;erungen, die nicht zuletzt auch eine Abrichtung des weiblichen K&#246;rpers anhand androzentrischer Kriterien darstellt, streicht die Autorin jedoch die Schwierigkeiten heraus, „freie“ von „erzwungenen“ Entscheidungen zu unterscheiden, m&#252;ssen diese doch immer im Kontext kultureller Normen betrachtet werden. Res&#252;mierend h&#228;lt sie fest, dass nur ein ‚kultur&#252;bergreifender’ Vergleich, die Einbeziehung von gesellschaftlichen Machtverh&#228;ltnissen sowie der jeweiligen Positioniertheit der ForscherIn/FeministIn selbst paternalistische und eurozentristische Haltungen vermeiden und feministische Solidarit&#228;t m&#246;glich machen.<br />
Ein Themenbereich, dem sich gleich f&#252;nf Betr&#228;ge dieses Bandes widmen, stellen die <em>multiplen Gewaltformen</em> dar, mit der sich MigrantInnen aufgrund androzentrischer Machtverh&#228;ltnisse aber auch aufgrund institutioneller und kultureller Rassismen konfrontiert sehen. So pl&#228;diert <em>Birgit Sauer</em> daf&#252;r, die spezifischen Gewaltformen, denen sich Migrantinnen ausgesetzt sehen, im Rahmen der strukturellen Gewaltf&#246;rmigkeit der Mehrheitsgesellschaft zu kontexualisieren, um problematischen Zuschreibungen und Viktimisierungen im Rahmen des Diskurses um „traditionsbedingte Gewalt“ zu entgehen. Ankn&#252;pfend an einen weiten, feministischen Gewaltbegriff, der sowohl direkte physische und psychische, strukturelle wie auch – im Sinne von hegemonialen Normen und Symbolsystemen entlang hierarchischer Zweigeschlechtlichkeit – kulturelle Gewaltformen umfasst, skizziert sie die Grundz&#252;ge eines intersektionellen Gewaltbegriffes: geschlechterspezifische Ungleichheitsstrukturen d&#252;rfen und k&#246;nnen demnach nicht losgel&#246;st von anderen Ungleichheits- und Gewaltstrukturen entlang der Kategorien von Ethnizit&#228;t und Klasse analysiert werden. Mit Iris Marion Youngs Begriff der „politics of positional difference“ argumentiert sie daf&#252;r, die Debatte um Gewalt gegen Migrantinnen vom Kulturdiskurs zu entflechten und diese stattdessen unter Einbeziehung der ungleichen sozialen Positioniertheit gegen&#252;ber der Mehrheitsgesellschaft zu akzentuieren. Im Rahmen eines multikulturellen Feminismus m&#252;ssen somit in Konsequenz vor allem zwei Aspekte beachtet werden. Zum einen bedarf es der Ber&#252;cksichtigung von restriktiven Asyl- und Migrationspolitiken und deren Rolle in der Reproduktion patriarchaler Strukturen, etwa bei Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnissen infolge des Familiennachzugs. Zum anderen verweist der intersektionelle Gewaltbegriff darauf, dass der Diskurs um traditionsbedingte Gewalt <em>selbst </em>als diskursive und kulturelle Gewalt gefasst werden muss, da er nicht nur eine rassistische Praxis der hierarchischen Trennung des unmarkierten „Eigenem“ vom „kulturell Anderem“ darstellt, sondern Migrantinnen dar&#252;ber hinaus zu passiven Opfern „ihrer Kultur“ stilisiert.<br />
Daran kn&#252;pft implizit auch der Beitrag von <em>Gamze Ongan</em> an, der sich dieser Thematik jedoch aus einer anderen, n&#228;mlich aktivistischen Perspektive n&#228;hert. Als Leiterin des Vereins <em>Peregrina</em> – ein Bildungs- und Beratungszentrum f&#252;r migrantische Frauen und M&#228;dchen – schildert sie ihre Arbeitsweisen und Probleme. Dazu z&#228;hlt sie nicht zuletzt den kontraproduktiven Sensationsdiskurs rund um Zwangsverheiratungen. Dieser, so Ongan, steht nicht nur in keinem Verh&#228;ltnis zur tats&#228;chlichen Anzahl der F&#228;lle, sondern bef&#246;rdert vor allem rassistische Stereotype und lenkt von Problemen wie Armut und Diskriminierungserfahrungen ab, die f&#252;r den Alltag von migrantischen M&#228;dchen und Frauen weitaus pr&#228;gender seien.<br />
Dem Thema <em>Frauenhandel</em> widmen sich ebenfalls zwei Beitr&#228;ge in diesem<br />
Band. Der Text von <em>Cristina Boidi</em> und <em>Faika Anna El-Nagashi</em> legt dabei, basierend auf den Erfahrungen der Autorinnen in der Frauen- und Migrantinnenorganisation LEF&#214;, dar, welche Implikationen die problematische und gegenw&#228;rtig vorherrschende diskursive Verschr&#228;nkung von Frauenhandel und Prostitution mit sich bringt. Diese bewirke nicht nur eine De-Legitimierung (auch im juristischen Sinne) von Sexarbeit und Instrumentalisierung im Rahmen staatlicher Migrationskontrolle, sondern bef&#246;rdere dazu eine Passivierung und Viktimisierung betroffener Frauen. Dem gegen&#252;ber gelte es, ‚tats&#228;chlichen’ Frauenhandel als strafrechtlichen Tatbestand zu markieren und zu verfolgen, gleichzeitig jedoch das Recht auf Migration zu verteidigen bzw. die Rechte von betroffenen Frauen zu st&#228;rken, die zunehmend nicht nur im Bereich der Sexarbeit, sondern auch in der Haushaltsarbeit Fu&#223; fassen.<br />
Dem vielleicht prominentesten Thema, dem <em>Kopftuch</em>, widmen sich schlie&#223;lich zwei Beitr&#228;ge aus sehr unterschiedlichen Positionen. Neben einem Beitrag zu den Argumentationen muslimischer Feministinnen vergleichen <em>Nora Gresch</em> und <em>Leila Hadj-Abdou</em> in ihrem Text die Debatten um das Kopftuch in &#214;sterreich und Deutschland und kommen zu dem Ergebnis, dass sich der &#252;berwiegende Teil der Argumentationen in der Tradition des liberalen Feminismus verorten l&#228;sst, und damit vor allem die Momente der juristischen Gleichberechtigung und -behandlung betonen. Mulikulturelle oder postkoloniale Feminismen geraten dagegen ins Hintertreffen. Die von ihnen dabei diagnostizierte problematische Hierarchisierung von Gleichheitsimperativen entlang Geschlecht und Kultur, die Kulturalisierung von Geschlechterungleichheit, sowie die Tatsache, dass sich Gruppenrechte f&#252;r Minderheiten nur schwer mit liberalen Positionen vereinbaren lassen, f&#252;hren sie – wie auch schon andere Betr&#228;ge – zu der Forderung, dieses Thema immer im Kontext der Konstruktions- und Hierarchisierungsprozessen der Minorit&#228;ts- und Majorit&#228;tsgesellschaft zu analysieren.<br />
Wie durch die Skizzierung der einzelnen Beitr&#228;ge schon klar geworden sein sollte, l&#228;sst sich aus der Zusammenstellung der Texte eine klare politische Haltung der Herausgeberinnen ablesen. Diese besteht einerseits in der erfrischenden Weigerung, g&#228;ngige Muster der meisten Publikationen zu diesem Thema zu vermeiden, in denen nur allzu oft wiederum ‚wei&#223;e’ AkademikerInnen <em>&#252;ber </em>und damit nicht zuletzt auch <em>f&#252;r</em> Angeh&#246;rige von Minderheiten sprechen und debattieren. So stammt fast ein Drittel der Betr&#228;ge selbst von Migrantinnen und auch das Einbeziehen von Aktivistinnen sorgt daf&#252;r, dass viele Fragen mit direktem Rekurs auf die politische Praxis und in Auseinandersetzung mit dieser diskutiert werden. Dies stellt nicht zuletzt auch ein ‚Faktenwissen’ bereit, mit dem die gro&#223;teils sehr polemisch gef&#252;hrten Debatten rund um Feminismus und (kulturelle oder religi&#246;se) Gruppenrechte entemotionalisiert und auf konkrete Problemstellungen (oder deren ‚L&#246;sung’) herunter gebrochen werden k&#246;nnen. Eng damit verbunden ist andererseits das Argument, dass eine feministische Position im Diskurs um Multikulturalismus nicht umhin kommt, die St&#228;rkung der Rechte und Sprecherinnenpositionen der betroffenen Frauen selbst zu fordern, strebt man die gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Durchsetzung selbstbestimmter Lebensentw&#252;rfe an.</p>
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		<title>FP&#214;: Rechts extrem erfolgreich</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2009/06/13/fpoe-rechts-extrem-erfolgreich/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 12:57:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 8]]></category>
		<category><![CDATA[FPÖ]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die au&#223;ergew&#246;hnliche St&#228;rke der extremen Rechten in &#214;sterreich ist untrennbar mit ihrer prominentesten Repr&#228;sentantin auf parlamentarischer Ebene verbunden. Die FP&#214; wurde unter J&#246;rg Haider von einer traditionell-deutschnationalen Honoratiorenpartei zur erfolgreichen „Protestpartei“ umgemodelt und bietet nun, unter H.C. Strache, rassistische und autorit&#228;re Antworten auf die soziale Krise. <em>Daniel Fuchs</em> und <em>Felix Wiegand</em> diskutieren, wie der nachhaltige Erfolg der extremen Rechten erkl&#228;rt werden kann und ziehen daraus Konsequenzen f&#252;r linke Gegenstrategien.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die au&#223;ergew&#246;hnliche St&#228;rke der extremen Rechten in &#214;sterreich ist untrennbar mit ihrer prominentesten Repr&#228;sentantin auf parlamentarischer Ebene verbunden. Die FP&#214; wurde unter J&#246;rg Haider von einer traditionell-deutschnationalen Honoratiorenpartei zur erfolgreichen „Protestpartei“ umgemodelt und bietet nun, unter H.C. Strache, rassistische und autorit&#228;re Antworten auf die soziale Krise. <em>Daniel Fuchs</em> und <em>Felix Wiegand</em> diskutieren, wie der nachhaltige Erfolg der extremen Rechten erkl&#228;rt werden kann und ziehen daraus Konsequenzen f&#252;r linke Gegenstrategien.<br />
<span id="more-461"></span><br />
„Traurig aber wahr&#8221; und „die braune Brut will wieder heim&#8221;, so kommentierten Manuva, MC der HipHop Crew Total Chaos, und Hans Platzgumer, Rockmusiker, Elektronikbastler und Literat, Mitte der 1990er Jahre den europaweiten Aufstieg der Rechten im Allgemeinen und jenen von J&#246;rg Haider im Besonderen. Wie wir heute wissen, hatte die Entwicklung in &#214;sterreich zu diesem Zeitpunkt ihren traurigen H&#246;hepunkt l&#228;ngst noch nicht erreicht. Nicht, dass die „braune Brut&#8221; jemals wirklich au&#223;er Landes gewesen w&#228;re, aber mit den Wahlerfolgen auf Landes- und Bundesebene sowie der zweifachen Regierungsbeteiligung gelang dem Rechtsextremismus<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> eine fulminante „Heimkehr&#8221; in die Zentren der politischen Macht. Diese Erfolgsgeschichte w&#228;hrte indes nicht lange, folgten auf den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg doch die Spaltung in FP&#214; und BZ&#214; sowie eine ganze Reihe z. T. verheerender Wahlniederlagen. Wer, wie der Philosoph Rudolf Burger, angesichts dieser Entwicklungen jedoch geglaubt hatte, Sch&#252;ssel h&#228;tte mit seiner Einbindungsstrategie den „Drachen&#8221; des Rechtsextremismus in &#214;sterreichs Parlamenten tats&#228;chlich get&#246;tet<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a>, sieht sich sp&#228;testens seit 2006 eines Besseren belehrt. Gelang es der FP&#214; in diesem Jahr, sich bei den Nationalratswahlen zu stabilisieren (von 10% auf 11% der Stimmen), reiht die (extreme) Rechte seither Wahlerfolg an Wahlerfolg: Zugewinne zwischen 4 und 6 Prozentpunkten f&#252;r die FP&#214; bei den Landtagswahlen in Nieder&#246;sterreich, Tirol und Salzburg sowie ein addiertes Gesamtergebnis von 28,2% (plus 13,1 Prozentpunkte) bzw. 48,7% (plus 2,4) bei den Nationalratswahlen 2008 und den Landtagswahlen 2009 in K&#228;rnten legen es nahe, von einem Wiedererstarken der nunmehr aus FP&#214; und BZ&#214; bestehenden parlamentarischen Rechten<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> zu sprechen. Dass sich diese St&#228;rke l&#228;ngst nicht auf einen prozentualen Zugewinn beschr&#228;nkt, wird ersichtlich, sobald man die Augen &#246;ffnet f&#252;r all das, was diese Erfolge an den Wahlurnen begleitete und bis heute begleitet: das immer offensivere Auftreten neonazistischer Gruppierungen bei Demonstrationen und Veranstaltungen, zum Teil Schulter an Schulter mit antimuslimischen B&#252;rgerinitiativen; Morddrohungen gegen&#252;ber kritischen  PolitikerInnen, AktivistInnen, WissenschaftlerInnen und Kabarettisten; die Sch&#228;ndung der Gedenkst&#228;tte KZ Mauthausen; &#220;bergriffe auf linke AktivistInnen und Strukturen; die Wahl von Martin Graf, Mitglied der rechtsextremen Burschenschaft Olympia, zum dritten Nationalratspr&#228;sidenten mit den Stimmen von FP&#214;, BZ&#214;, SP&#214; und &#214;VP; der Freispruch f&#252;r f&#252;nf F&#252;hrer des rechtsextremen Bundes Freier Jugend (BFJ) durch die Geschworenen am Landgericht in Wels usw., usf.<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> Angesichts dieser Entwicklungen ist es grob verharmlosend, die j&#252;ngsten Wahlerfolge von FP&#214; und BZ&#214; lediglich als das Ergebnis einer „Protestwahl&#8221;, d. h. einer Unzufriedenheit mit der „Performance&#8221; und dem Auftreten der gro&#223;en Koalition zu interpretieren. Vielmehr sollte klar sein, dass die Wahlergebnisse untrennbar verkn&#252;pft sind mit einem gesamtgesellschaftlichen Klima, in dem die extreme Rechte mehr denn je selbstbewusst und erfolgreich agieren kann und in dem sie offenkundig &#252;ber betr&#228;chtliche institutionelle, personelle und inhaltliche Einflussm&#246;glichkeiten verf&#252;gt. Woher kommt diese St&#228;rke des Rechtsextremismus in &#214;sterreich? Warum &#252;berlebt er gerade in seiner parlamentarischen Form auch schwerwiegende politische Krisen? Was ist also das Erfolgsrezept des Rechtsextremismus in &#214;sterreich und was bedeutet dies f&#252;r linke Gegenstrategien? Diese Fragen bilden den Hintergrund unseres Artikels, der sich seinem Gegenstand aus historischer Perspektive n&#228;hert. Nur in der R&#252;ckschau auf Kontinuit&#228;ten und Traditionen nach 1945, aber auch auf die Br&#252;che und Ver&#228;nderungen seit den 1980er Jahren, wird unseres Erachtens deutlich, worin die (Haupt-)Ursachen f&#252;r den anhaltenden Erfolg und den spezifischen Charakter der extremen Rechten in &#214;sterreich liegen.</p>
<p><strong>Kontinuit&#228;t und Tradition</strong></p>
<p>Den Ausgangspunkt f&#252;r die Erkl&#228;rung der Gestalt des Rechtsextremismus in &#214;sterreich sowie seiner &#8211; auch und gerade im europ&#228;ischen Vergleich &#8211; au&#223;erordentlichen St&#228;rke stellt notwendigerweise die hierzulande ausgepr&#228;gte ideologische, personelle und organisatorische Kontinuit&#228;t zum Nationalsozialismus dar, die sich insbesondere in zwei, eng miteinander verbundenen Aspekten &#228;u&#223;ert. Zum einen liegt die „Kontinuit&#228;t rassistischer, antisemitischer und autorit&#228;rer Einstellungen &#8230; als ma&#223;gebliche Bedingung f&#252;r den Erfolg des  Rechtsextremismus&#8221;<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> zweifelsohne im spezifisch &#246;sterreichischen Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit begr&#252;ndet. W&#228;hrend das Erbe des NS-Regimes in &#214;sterreich de facto in einer faschistischen Massenbewegung von fast 600.000 Mitgliedern und einer von NS-Propaganda durchdrungenen Bev&#246;lkerung bestand, bem&#252;hten sich die Gr&#252;nderparteien der Zweiten Republik &#8211; SP&#214;, &#214;VP und KP&#214; &#8211; sowie die Mehrheit der B&#252;rgerInnen, den Mythos von &#214;sterreich als erstem Opfer der Hitlerschen Aggressionspolitik aufzubauen. Dieser Mythos zielte erfolgreich darauf ab, das Ausbleiben einer intensiven Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit zu rechtfertigen<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a>. Insbesondere der „Geist der Lagerstra&#223;e&#8221;, der auf die gemeinsame Verfolgungserfahrung sozialdemokratischer und christlichsozialer Funktion&#228;rInnen in NS-Lagern anspielt, bot den Regierungseliten ein willkommenes Motiv, den (a-)politischen Konsens zu predigen und „das legitimatorische Fundament von Sozialpartnerschaft und Gro&#223;er Koalition&#8221;<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> jenseits der Schatten von Nationalsozialismus und Austrofaschismus zu legen. Auch die auf Druck der Alliierten initiierte „Entnazifizierung&#8221; war trotz wichtiger gesetzlicher Ma&#223;nahmen im Verfassungsgesetz von 1945 „angesichts des Umganges, der administrativb&#252;rokratischen Vorgangsweise und des ab 1946 wachsenden Unwillens der &#246;sterreichischen Politiker zum Scheitern verurteilt&#8221;<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a>. Der offiziell antifaschistische Grundkonsens transformierte sich zudem im Zuge des einsetzenden Kalten Krieges in einen militanten Antikommunismus. Die dadurch aufgewerteten ehemaligen NationalsozialistInnen samt Umfeld wurden von den Gro&#223;parteien ab 1948 als wichtiges W&#228;hlerpotential umworben<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a>. Dass auch die Integration gewichtiger Teile der so genannten „Ehemaligen&#8221; keineswegs an ein Abweichen von ideologischen Vorstellungen gebunden war, sondern vielmehr eine Ver&#228;nderung auf Seiten der integrierenden Parteien mit sich brachte<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a>, muss schlie&#223;lich als weitere g&#252;nstige Voraussetzung f&#252;r den zweiten Aspekt der &#214;sterreich-spezifischen Kontinuit&#228;t nach 1945 betrachtet werden: die organisatorische Re-Formierung der unter dem Begriff „Drittes Lager&#8221; gefassten Deutschnationalen, die traditionell durch eine v&#246;lkisch rassistischen Ideologie gekennzeichnet sind<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a>, in den drei&#223;iger Jahren beinahe vollst&#228;ndig im Nationalsozialismus aufgingen und als deren parlamentarische Repr&#228;sentantin sich heute die FP&#214; versteht<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a>. Insbesondere jene „Ehemaligen&#8221;, die sich in keine der beiden Gro&#223;parteien integrieren lie&#223;en, fanden mit der Gr&#252;ndung des „Vereins der Unabh&#228;ngigen&#8221; (VdU) im Jahr 1949 wieder eine parteipolitische Heimat. Aus diesem „Konglomerat an Altnazis, Neonazis, Deutschnationalen und einigen wenigen Liberalen&#8221;<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> ging infolge der Macht&#252;bernahme des antiliberalen Fl&#252;gels im Jahr 1956 die FP&#214; hervor, die daher „&#8230; bei ihrer Gr&#252;ndung eine deutschnationale, sehr weit rechts stehende Partei [war], in der ehemalige, zum Teil sogar schwer belastete Nationalsozialisten f&#252;hrende Stellungen einnahmen&#8221;<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a>. Als Hochburg und Rekrutierungsfeld dienten der neu entstandenen FP&#214; vor allem deutschnationale Korporationen, die in den 1950er und 1960er Jahren nicht nur &#252;ber betr&#228;chtlichen Einfluss an den &#246;sterreichischen Universit&#228;ten verf&#252;gten, sondern auch die treibenden Kr&#228;fte hinter rechtsextremen Aktivit&#228;ten darstellten<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a>. Dass sich viele der v&#246;lkischen AktivistInnen von damals sp&#228;ter in die als Vorfeldorganisation der FP&#214; fungierenden „Freiheitlichen Akademikerverb&#228;nde&#8221; (FAV) integrierten<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a>, verdeutlicht die der Partei von Beginn an zukommende Rolle als Kristallisationspunkt der extremen Rechten in &#214;sterreich. Vor dem Hintergrund dieser ideologischen und personellen Verankerung im Rechtsextremismus scheiterten die seit den 1960er Jahren bestehenden Versuche liberaler Kr&#228;fte innerhalb der FP&#214;, die Partei aus dem Status einer Kleinpartei f&#252;r das deutschnationale Lager &#8211; mit Nationalratswahlergebnissen zwischen 4,98 und 7,7 Prozent &#8211; zu befreien. Zwar gelang es dem damaligen Parteiobmann Friedrich Peter &#8211; er hatte w&#228;hrend des Zweiten Weltkrieges als Offizier in der Waffen-SS gedient &#8211; die FP&#214; bis zur Unterst&#252;tzung der SP&#214;-Minderheitsregierung 1970/71 unter Bruno Kreisky zu f&#252;hren<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a>, doch resultierte aus seinem tendenziell liberalen Kurs 1967 die Abspaltung der von Burschenschaftern um den S&#252;dtirol-Terroristen Norbert Burger gegr&#252;ndeten, neonazistischen Nationaldemokratischen Partei (NDP). Gleichzeitig fungierten jedoch vor allem der von Burger mitbegr&#252;ndete „Ring Freiheitlicher Studenten&#8221; (RFS) und die FAV mitsamt der seit 1951 herausgegebenen Zeitschrift „Die Aula&#8221; weiterhin als Kontakt zwischen dem neonazistischen Milieu und dem deutschnationalen FP&#214;-Fl&#252;gel<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a>. Dar&#252;ber hinaus lie&#223; der liberale Kurs der Parteif&#252;hrung die ideologische Haltung der Parteibasis unver&#228;ndert. So scheiterte auch der vermeintliche Durchbruch der Liberalen unter FP&#214;-Obmann Norbert Steger (1980-86), der die Partei bis zur kleinen Koalition mit der SP&#214; 1983 f&#252;hrte und zahlreiche Liberale an wichtige Positionen innerhalb der Partei brachte, letztlich an weiterhin aktiven rechtsextremen Zentren &#8211; wie bspw. das Umfeld des ehemaligen K&#228;rntner Nationalratsabgeordneten und stellvertretenden Parteiobmanns Otto Scrinzi („Ich war immer rechts, auch in der NSDAP&#8221;) &#8211; sowie an der traditionell deutschnational rechten Basis<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a>. Diese Kr&#228;fte waren es schlie&#223;lich auch, die J&#246;rg Haider am Innsbrucker Parteitag im September 1986 &#8211; gegen die Mehrheit der Parteif&#252;hrung f&#252;r Steger &#8211; zum neuen FP&#214;-Parteiobmann w&#228;hlten<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a>. Der rechtsextreme, burschenschaftliche Fl&#252;gel hatte ihn im den „lang ersehnten F&#252;hrer&#8221;<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a> entdeckt: „Unter an faschistische Kundgebungen erinnerndem Gejohle wurde ein neuer Parteif&#252;hrer erkoren, w&#228;hrend der unterlegene Repr&#228;sentant des Liberalismus als ‚Jud&#8217; mit Erschie&#223;en und Vergasen bedroht wurde&#8221;<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a>. Die &#220;bernahme der FP&#214; durch den neuen F&#252;hrer Haider markierte jedoch keinesfalls nur einen Personenwechsel, vielmehr sind ,„seit 1986 Rechtsextremisten und Neonazis in solchem Ausma&#223; in die FP&#214; eingesickert, da&#223; man fast schon von einer Integration des traditionellen Rechtsextremismus in die FP&#214; sprechen mu&#223;; nur mehr der militante Fl&#252;gel, Neonazis vom Schlage K&#252;ssel, Ochsenberger und Honsik, stehen heute au&#223;erhalb der FP&#214;, und selbst hier werden die Trennlinien unscharf&#8221;<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a>. Wie unscharf, das dokumentiert etwa der Umstand, dass die Kader der 1986 von Gottfried K&#252;ssel gegr&#252;ndeten neonazistischen „Volkstreuen Au&#223;erparlamentarischen Opposition&#8221; (VAPO) nach beh&#246;rdlichem Druck Anfang der 90er Jahre im Scho&#223;e der nun zwar offen rechtsextremen, aber eben auch als legal eingestuften FP&#214; Unterschlupf fanden <a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a>. Da die FP&#214; unter der F&#252;hrung Haiders ab 1986 demnach „im Spektrum des &#246;sterreichischen Rechtsextremismus die mit Abstand wichtigste Kraft [ist], zu der im Vergleich alle anderen Organisationen und Parteien h&#246;chstens zweitrangig sind&#8221;<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a>, werden wir unseren Fokus in weiterer Folge in erster Linie auf die Entwicklung bzw. den Erfolg dieser Form des Rechtsextremismus legen.</p>
<p><strong>Den Aufstieg erkl&#228;ren</strong></p>
<p>Die Auseinandersetzung mit der FP&#214; unter Haider ist zun&#228;chst die mit einer fast beispiellosen Erfolgsgeschichte. Ausgerechnet in Folge des massiven Rechtsrucks der Partei gelang ihr bei der Nationalratswahl 1986 mit 9,7% eine Verdoppelung des W&#228;hlerInnenanteils<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a>. L&#228;sst sich bereits dieser Zugewinn nur mit M&#252;he allein der Haider-Euphorie des deutschnationalen Lagers zuschreiben, so kann der in den folgenden Jahren einsetzende Aufstieg der FP&#214; &#8211; die sich am eindr&#252;cklichsten im Anstieg des Stimmenanteils von besagten 9,7% 1986 auf 26,9% 1999 widerspiegelt &#8211; wohl kaum „&#8230; ausschlie&#223;lich mit gefestigter rechtsextremer Weltanschauung erkl&#228;rt werden&#8221;<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a>Insofern der Erfolg der Haider-FP&#214; in ganz spezifischen politischen und sozialen „Gelegenheitsstrukturen&#8221;<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a> vonstatten ging und zugleich von Ver&#228;nderungen auf Seiten der FP&#214; selbst begleitet wurde, ist die Interpretation dieses Ph&#228;nomens „&#8230; unter dem isolierten Aspekt der &#8230; Kontinuit&#228;t zum Nationalsozialismus &#8230; in gesellschaftspolitischer Hinsicht &#8230; zu kurz gegriffen&#8221;.<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a> Um die St&#228;rke des Rechtsextremismus in &#214;sterreich hinreichend erkl&#228;ren zu k&#246;nnen, erscheint es uns daher sinnvoll, jene Bezeichnung aufzugreifen und kritisch zu wenden, f&#252;r welche die Haider-FP&#214; bis heute als Inbegriff gilt: die des „Rechtspopulismus&#8221;. N&#228;hert man sich diesem schillernden Begriff , so l&#228;sst sich, bei allen Unterschieden im Detail, in einem ersten Schritt feststellen, dass der wissenschaftliche Diskurs „Populismus&#8221; zumeist als „Politik(vermittlungs)form und Regierungsstil&#8221;<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a> bzw. Agitationstechnik begreift. Demnach ist Populismus gekennzeichnet durch den Bezug auf das (einfache) „Volk&#8221; als homogenes Ganzes &#8211; jenseits spezifischer Schichten, Klassen oder Interessen &#8211; im Gegensatz zur Elite oder dem Establishment. Hinzu kommt der Rekurs auf die vermeintlich unmittelbare Beziehung zwischen Basis/„Volk&#8221; und populistischem Akteur/F&#252;hrer sowie die Anlehnung an „Stammtisch&#8221;-Diskurse, d. h. an real existierende diffuse Einstellungen, Ressentiments und Vorurteile<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a>. Dort, wo das Begriffsverst&#228;ndnis &#252;ber diese formale Ebene nicht hinausgeht, l&#228;sst sich freilich beinahe alles (Un-)M&#246;gliche als „populistisch&#8221; bezeichnen. Folglich scheint oft nur mehr die Vorsilbe „links-&#8221; bzw. „rechts-&#8221; zwischen Hugo Chavez oder Oskar Lafontaine auf der einen und J&#246;rg Haider oder Silvio Berlusconi auf der anderen Seite zu unterscheiden. In diesem Sinne ist die Bezeichnung in &#246;ffentlichen Debatten kaum mehr als ein „politischer Kampfbegriff &#8220;<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a>: „Populistisch sein hei&#223;t &#8211; so die Unterstellung -, das politische Terrain mit Primitivargumenten zu besetzen, nicht um der Sache, sondern um der vordergr&#252;ndigen Gunst &#246;ffentlicher Zustimmung willen zu streiten (w&#228;hrend man f&#252;r sich selbst den Mut des Unpopul&#228;ren reklamiert&#8221;.<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a> Gleichzeitig enth&#228;lt der Terminus dort, wo explizit von <em>Rechts</em>populismus die Rede ist, jedoch fast immer eine &#8211; wenn auch h&#228;ufig implizite &#8211; inhaltliche Bestimmung: „rechtspopulistisch&#8221; bezieht sich in diesem Zusammenhang n&#228;mlich zumeist nicht allein auf die Form politischer Agitation, sondern dient zugleich der inhaltlichen Bezeichnung einer modernisierten Rechten<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a>. So verstanden erscheint der Rechtspopulismus als das gem&#228;&#223;igte, zur imagin&#228;ren politischen „Mitte hin orientierte Andere der extremen Rechten, als „&#8230; demokratisch gel&#228;uterte[s], zumindest sehr viel moderatere[s] Pendant zum Rechtsextremismus, nicht etwa nur als Spezialform desselben&#8221;<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a>. Mag diese inhaltliche Bestimmung f&#252;r manche der unter dem Begriff Rechtspopulismus subsumierten Parteien und Bewegungen noch zutreffen (z. B. D&#228;nische Volkspartei, Liste Pim Fortuyn, mit Abstrichen das BZ&#214;), so ist sie im Hinblick auf andere, namentlich die FP&#214;, schlicht verharmlosend. In diesem Sinn dient „&#8230; die Rede vom „Rechtspopulismus&#8221; &#8230; oft (und v. a. in &#214;sterreich) dazu, Ross und Reiter nicht beim Namen nennen zu m&#252;ssen&#8221;<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a>. Die Klassifizierung als rechtspopulistisch lenkt also davon ab, dass es sich bei der FP&#214; &#8211; in der Vergangenheit wie in der Gegenwart &#8211; um eine rechtsextreme Partei handelt(e), die, wie wir gesehen haben, organisatorisch, personell und ideologisch in der Tradition des dritten Lagers steht und den zentralen Bezugspunkt der rechten Szene darstellt. Da solche Tatsachen hinter dem Begriff Rechtspopulismus verschwinden, d&#252;rfte dieser etwa „nicht blo&#223; f&#252;r Haider, sondern besonders auch f&#252;r Sch&#252;ssel bereits ‚die halbe Miete&#8217; gebracht haben &#8230;, weil man als ‚guter Demokrat&#8217; zwar nicht ohne weiteres mit ‚Rechtsextremisten&#8217;, wohl aber mit ‚Rechtspopulisten&#8217; eine Koalition eingehen darf&#8221;<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a>. Angesichts dieser Tendenz zur Verharmlosung ist es zweifellos sinnvoll, den Begriff Rechtspopulismus nicht zur inhaltlichen Bezeichnung der rechtsextremen FP&#214; zu verwenden. Umgekehrt deutet der Umstand, dass auch AutorInnen, die sich dieser Problematik bewusst sind, den Terminus „(Rechts-)Populismus&#8221; weiter benutzen<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a>, darauf hin, dass dieser nicht leichtfertig verworfen werden sollte, sobald es, wie im Fall der FP&#214;, „&#8230; um eine Analyse der Organisierung von leidenschaftlicher Zustimmung f&#252;r rechtsextreme Inhalte geht&#8221;<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a>. Wir schlagen daher vor, statt von „Rechtspopulismus&#8221; von „autorit&#228;rem Populismus&#8221; zu sprechen. Diese Bezeichnung, die der <em>Cultural-Studies</em>-Mitbegr&#252;nder Stuart Hall Ende der 1970er Jahre im Zusammenhang mit dem Aufstieg Margaret Thatchers zur englischen Premierministerin pr&#228;gte<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a>, hilft nicht nur, der Verharmlosung zu entgehen, sondern auch, formalistische Engf&#252;hrungen des Populismus-Begriffs zu vermeiden: insofern in der Debatte um den Terminus „autorit&#228;rer Populismus&#8221; n&#228;mlich nicht allein die Form der Politik von Thatcher, sondern zugleich deren gesellschaftliche (Erfolgs-)Bedingungen sowie ihr spezifischer Inhalt analysiert wurden<a title="anm_41" name="anm_41" href="#anm41"><sup>41</sup></a>, verschiebt dieser Zugang auf produktive Art und Weise die Perspektive. Obwohl der Thatcherismus ebenso wenig mit der Haider-FP&#214; vergleichbar ist, wie die Situation in Gro&#223;britannien mit jener in &#214;sterreich, lenkt der Begriff „autorit&#228;rer Populismus&#8221; die Aufmerksamkeit demnach auf einige allgemeine Aspekte, die unseres Erachtens f&#252;r eine Erkl&#228;rung des Erfolgs der extremen Rechten hierzulande von entscheidender Bedeutung sind. Erstens verweist der Terminus auf den strukturellen Kontext und die Bedingungen populistischer Agitation: dabei r&#252;ckt zum einen das Ende der fordistischen Periode kapitalistischer Entwicklung und die daran anschlie&#223;enden Prozesse neoliberaler Umstrukturierung der Arbeits- und Lebensverh&#228;ltnisse, die Aufk&#252;ndigung des Klassenkompromisses sowie der Angriff auf wohlfahrtsstaatliche Institutionen in den Fokus. Zum anderen ger&#228;t die umfassende Legitimit&#228;ts- und Repr&#228;sentationskrise in den Blick, mit der parlamentarische Demokratien und insbesondere sozialdemokratische Parteien in Europa seit einigen Jahrzehnten konfrontiert sind. In Bezug auf beide Aspekte &#8211; den &#246;konomischen wie den politischen &#8211; ist demnach der Faktor „Krise&#8221; enorm wichtig: „Krise ist ein Ph&#228;nomen, ohne das Populismus nicht zu begreifen ist. Gesellschaftliche Krisenereignisse k&#246;nnen demnach einen populistisches Moment konstituieren, in dessen Folge bestimmte Reaktions- und Protestmuster zu erwarten sind&#8221;<a title="anm_42" name="anm_42" href="#anm42"><sup>42</sup></a>. Die zweite gro&#223;e St&#228;rke des Begriffs „autorit&#228;rer Populismus&#8221; liegt darin, erkl&#228;ren zu k&#246;nnen, wie und mit welcher politischen Intention diese in einer Krise auftretenden Reaktions- und Protestmuster konkret bearbeitet werden: in dem Ma&#223;e, in dem autorit&#228;r populistische Projekte an die konkreten Erfahrungen, Bed&#252;rfnisse und &#196;ngste breiter Bev&#246;lkerungsschichten ankn&#252;pfen &#8211; als ihr Medium also den Alltagsverstand w&#228;hlen<a title="anm_43" name="anm_43" href="#anm43"><sup>43</sup></a> &#8211; greifen diese zwar partiell die Unzufriedenheit der Massen auf; dies jedoch nur, um, entgegen ihrer Selbstdarstellung, Politik gegen die realen Interessen der populistisch Umworbenen zu legitimieren, d. h. die bestehenden Macht- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse konsensual abzusichern. In diesem Sinne ist „[e]in emanzipatorischer Populismus &#8230; ein Widerspruch in sich&#8221;<a title="anm_44" name="anm_44" href="#anm44"><sup>44</sup></a>. Im Gegensatz zu einem auf einer eigenst&#228;ndigen Mobilisierung von unten und progressiv-emanzipatorischen Inhalten beruhenden „popular-demokratischen&#8221; Projekt handelt es sich beim autorit&#228;ren Populismus demnach immer um eine „,autorit&#228;re&#8217; Form demokratischer Klassenpolitik von oben&#8221;<a title="anm_45" name="anm_45" href="#anm45"><sup>45</sup></a>. Daher muss er notwendigerweise „an eine Reihe von ideologischen Verzerrungen &#8211; z. B. den Rassismus &#8211; appellieren &#8230; um zu verhindern, dass das revolution&#228;re Potential popularer Anrufungen auf seine wahren Ziele umorientiert wird&#8221;<a title="anm_46" name="anm_46" href="#anm46"><sup>46</sup></a>. Gleichzeitig sind es nicht zuletzt diese ethnisierenden Diskurse, die es autorit&#228;r-populistischen Projekten erm&#246;glichen, verschiedenartige soziale Gruppen, Ideologien und Interessen zu integrieren und interne Widerspr&#252;che zumindest f&#252;r einen gewissen Zeitraum am Aufbrechen zu hindern. Obwohl es aus dieser Perspektive also nicht ungew&#246;hnlich ist, wenn sich autorit&#228;rer Populismus, wie im Fall der FP&#214;, rassistischer Diskurse bedient, haben wir es hier doch mit einer speziellen Situation zu tun: so wenig der Aufstieg der FP&#214; infolge von 1986 ohne ihr autorit&#228;r-populistisches Agitieren verstanden werden kann, so wenig darf dieser Begriff n&#228;mlich davon ablenken, in welchem Umfang die Partei gleichzeitig durch ihren rechtsextremen Charakter gepr&#228;gt war und ist. Wie in der folgenden konkreten Analyse ihres Aufstiegs nach 1986 erkennbar wird, war es gerade dieser Charakter, der die Interessen und Zielsetzungen sowie die rassistische Ausrichtung der FP&#214; bestimmte und zugleich ganz spezifische Widerspr&#252;chlichkeiten entstehen lie&#223;.</p>
<p><strong>Das Modell Haider</strong></p>
<p>Fragt man ausgehend von diesen theoretischen &#220;berlegungen nach den Ursachen des mit 1986 einsetzenden Aufstiegs der Haider-FP&#214;, gilt es in einem ersten Schritt, jene allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen der 1980er und 1990er Jahre in den Blick zu nehmen, die der Partei &#252;berhaupt erst ihr autorit&#228;r populistisches Agitationsfeld er&#246;ffneten. Mindestens zwei Aspekte verdienen diesbez&#252;glich besondere Aufmerksamkeit: Zum einen handelt es sich dabei um die Krise des fordistischen Entwicklungsmodells und deren konkrete Auswirkungen auf die sozio&#246;konomische Situation in &#214;sterreich. Im Vergleich zu anderen europ&#228;ischen Staaten, in denen diese Krise und die daran anschlie&#223;ende Neoliberalisierung von Politik und &#214;konomie bereits im Verlauf der 1970er Jahre in Form der Erosion wohlfahrtsstaatlicher Regulationsmechanismen durchschlug, setzten diese Prozesse in &#214;sterreich zeitlich versp&#228;tet ein.<a title="anm_47" name="anm_47" href="#anm47"><sup>47</sup></a> Bis Mitte der 1980er Jahre blieb der Arbeitsmarkt in &#214;sterreich von einer dominanten Stellung der verstaatlichten Industriebetriebe und des &#246;ffentlichen Sektors sowie einem au&#223;erordentlich starken sozialpartnerschaftlichen Klassenkompromiss gepr&#228;gt<a title="anm_48" name="anm_48" href="#anm48"><sup>48</sup></a>. Sp&#228;testens mit der Bildung der Gro&#223;en Koalition im Jahr 1986 verband sich jedoch eine Krise der Kernunternehmen der verstaatlichten Industrie mit dem Beginn einer neoliberalen Ausrichtung der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Vollbesch&#228;ftigung und soziale Sicherheit als Ziele der SP&#214; wichen einer restriktiven Budgetpolitik und der beginnenden Privatisierung der wichtigsten staatlichen Betriebe, wodurch eine Umw&#228;lzung auf dem Arbeitsmarkt in Gang gesetzt wurde. Diese schlug sich nicht zuletzt in einer steigenden Arbeitslosenquote nieder<a title="anm_49" name="anm_49" href="#anm49"><sup>49</sup></a>. Die zweite bedeutende Entwicklung bestand in der zunehmenden Erosion des Organisationsgrades von SP&#214; und &#214;VP ab 1980. Zwar ist die Aufl&#246;sung von Parteienbindungen keineswegs eine &#246;sterreichische Eigent&#252;mlichkeit, doch war die politische Kr&#228;ftekonstellation der Zweiten Republik durch einen im europ&#228;ischen Vergleich au&#223;erordentlich starken Parteien- und Verb&#228;ndestaat gepr&#228;gt. Dieser beruhte auf der Kluft zwischen dem sozialdemokratischen und dem christlich-sozialen Lager<a title="anm_50" name="anm_50" href="#anm50"><sup>50</sup></a>. Nicht nur die Besetzung von Regierungsfunktionen, sondern auch die des F&#252;hrungspersonals in weiten Teilen der (verstaatlichten) Wirtschaft oder des Bildungssystem, sowie insbesondere auch die Institutionalisierung der Sozialpartnerschaft „als Fortsetzung der Gro&#223;en Koalition mit anderen Mitteln&#8221;<a title="anm_51" name="anm_51" href="#anm51"><sup>51</sup></a> basierten auf dem konstitutiven Moment des etatistisch-b&#252;rokratischen Machtgleichgewichts zwischen (ausschlie&#223;lich) diesen beiden Lagern. Die aus dieser Situation erwachsenden Formen von Intransparenz, Klientismus und Korruption waren der zentrale Ausgangspunkt f&#252;r jene autorit&#228;r populistische Agitation, mit der sich die FP&#214; unter Haider die durchschlagenden materiellen und ideologischen Br&#252;che in der &#246;sterreichischen Nachkriegsordnung zu Nutze machte. Die Versuche, „die Ursachen der krisenhaften Verh&#228;ltnisse zu personalisieren&#8221;<a title="anm_52" name="anm_52" href="#anm52"><sup>52</sup></a>, richteten sich dabei zun&#228;chst v. a. gegen „Bonzen&#8221;, „B&#252;rokraten&#8221;, „Politiker&#8221; und das „vorgeblich ‚undemokratische&#8217; und dem ‚Volk&#8217; entfremdete&#8221;<a title="anm_53" name="anm_53" href="#anm53"><sup>53</sup></a> System um die privilegierten „Altparteien&#8221; bzw. &#8211; in deutschnationalem Sprech &#8211; die von den Besatzungsm&#228;chten autorisierten „Lizenzparteien&#8221;. Ihre Anschlussf&#228;higkeit an den Alltagsverstand der Bev&#246;lkerung konnte die FP&#214; im Zuge dessen ma&#223;geblich auf Basis ihrer historischen Ausgrenzung aus der Proporz- und Konkordanzdemokratie geltend machen. Dass diese populistische Anrufung mit zunehmendem Erfolg ein neues, anfangs v. a. aus ehemaligen &#214;VP-Anh&#228;ngerInnen bestehendes W&#228;hlerInnenpotential er&#246;ffnete, verdeutlichen u. a. Analysen der Nationalratswahlen 1986 und 1990: demnach rangierten der Protest gegen die Volksparteien, das Auftreten des Agitators Haider sowie dessen vermeintlicher Kampf gegen das Privilegiensystem bei den Wahlmotiven f&#252;r die FP&#214; an vorderster Front<a title="anm_54" name="anm_54" href="#anm54"><sup>54</sup></a>.</p>
<p><strong>Sozialdemokratische Wegbereiter</strong></p>
<p>Falsch w&#228;re es jedoch, den zunehmenden Erfolg auf den Faktor der „outsider&#8221;-Rolle der FP&#214; zu reduzieren. Diese Sichtweise verstellt den Blick auf die inhaltliche Ann&#228;herung der beiden Gro&#223;parteien, die den personellen Ausschluss des dritten Lagers<a title="anm_55" name="anm_55" href="#anm55"><sup>55</sup></a>&gt; begleitete. Insbesondere die Neoliberalisierung der Sozialdemokratie kann dabei „als Bedingung f&#252;r die Erfolge des parteif&#246;rmigen Rechtsextremismus gar nicht &#252;bersch&#228;tzt werden&#8221;<a title="anm_56" name="anm_56" href="#anm56"><sup>56</sup></a>. W&#228;hrend der sozialreformerische Elan der SP&#214; bereits sp&#228;testens mit dem Verlust der absoluten Mehrheit 1983 erschlaff t war, brach 1986 mit der gro&#223;en Koalition und der Waldheim-Aff&#228;re<a title="anm_57" name="anm_57" href="#anm57"><sup>57</sup></a>&gt; die sozialdemokratische Hegemonie endg&#252;ltig zusammen. Infolgedessen begann die SP&#214;, in den ausl&#228;nderfeindlichen und rassistischen Chor der FP&#214;-Recken einzustimmen und damit wesentlich zur Normalisierung des Haiderschen Rechtsextremismus beizutragen<a title="anm_58" name="anm_58" href="#anm58"><sup>58</sup></a>. Konkret wurde die FP&#214;-Themenf&#252;hrerschaft, die v. a. in der Aufhetzung der „guten, flei&#223;igen und t&#252;chtigen &#214;sterreicher&#8221; gegen per se kriminelle „Ausl&#228;nder&#8221; und „Sozialschmarotzer&#8221; bestand, dort anerkannt und gefestigt, wo etwa der 1991 und 1996 aufgestellten FP&#214;-Slogan, „Wien darf nicht Chicago werden&#8221;, mit dem eigenen Projekt einer „Sicherheitsmilliarde&#8221; zur Ausweitung der repressiven Staatsapparate entsprochen wurde<a title="anm_59" name="anm_59" href="#anm59"><sup>59</sup></a>. Auch das „Ausl&#228;ndervolksbegehren&#8221; von 1993, das eine weitere Radikalisierung des FP&#214;-Rassismus markierte und letztlich<a title="anm_60" name="anm_60" href="#anm60"><sup>60</sup></a> zur Abspaltung des „Liberalen Forums&#8221; unter der Vizevorsitzenden Heide Schmidt f&#252;hrte, wurde vom damaligen sozialdemokratischen Innenminister L&#246;schnak dahingehend kommentiert, dass die meisten der Haiderschen Forderungen ohnehin bereits erf&#252;llt worden w&#228;ren<a title="anm_61" name="anm_61" href="#anm61"><sup>61</sup></a>. Die Effekte dieser &#8211; sich in den gesamten 1990er Jahren fortsetzenden &#8211; inhaltlichen Ann&#228;herung, die von Spr&#252;chen wie „Das Boot ist voll&#8221; (Josef Cap) und Warnungen vor der „Ausl&#228;nderflut&#8221; (Peter Marizzi) und der ersch&#246;pften „seelischen Aufnahef&#228;higkeit&#8221; (Helmut Zilk; alle SP&#214;) getragen wurde<a title="anm_62" name="anm_62" href="#anm62"><sup>62</sup></a>, waren verheerend: „Der Widerspruch zwischen antifaschistischem Programm und von Kollaboration gepr&#228;gter Tagespolitik wurde gesellschaftlich als Legitimation des Rechtsextremismus verarbeitet. Der dann immer in Wahlk&#228;mpfen vorgetragene Rechtsextremismusvorwurf an die Adresse der FP&#214; wurde zu Recht als Mittel wahrgenommen, die Konkurrenz im Zaum zu halten&#8221;<a title="anm_63" name="anm_63" href="#anm63"><sup>63</sup></a>. Er&#246;ffnete bereits diese fehlende inhaltliche Abgrenzung von Seiten der Sozialdemokratie der FP&#214; die M&#246;glichkeit, ihr Anh&#228;ngerInnenschaft mehr und mehr &#252;ber den Rand des strammen Deutschnationalismus hinaus auszuweiten, so verschaffte daneben vor allem die Verschr&#228;nkung konkreter, gro&#223;koalition&#228;rer Politiken und globaler Entwicklungen der FP&#214; Handlungsspielr&#228;ume und potentielle W&#228;hlerInnen. Zum einen bot die EU-Integration &#214;sterreichs und ihre unkritische Unterst&#252;tzung durch die beiden Gro&#223;parteien der FP&#214; die M&#246;glichkeit, sich &#8211; entgegen ihrer bis Anfang der 1990er Jahre positiven Haltung gegen&#252;ber der damaligen EG &#8211; zur zentralen Interessensvertretung jener Bev&#246;lkerungsteile aufzuschwingen, die im Rahmen der Volksabstimmung 1994 gegen einen Beitritt votiert hatten (immerhin 34,4%) bzw. grunds&#228;tzlich EU-kritisch eingestellt waren. Diese Positionierung als einziger Bastion gegen das „Br&#252;sseler Diktat&#8221; und die „EU-B&#252;rokratie&#8221;, die u. a. mit Hilfe des „Schilling-Volksbegehrens&#8221; gegen den Euro 1997 sowie der rassistisch gef&#228;rbten Agitation gegen die so genannte EU-Osterweiterung 1999 untermauert wurde, bildet wohl auch einen der Gr&#252;nde daf&#252;r, dass Haider im Sommer 1996 einen „aggressiven &#214;sterreichpatriotismus&#8221; f&#252;r sich entdeckte und sich &#8211; sehr zum Missfallen rechtsextremer Kader in und au&#223;erhalb der FP&#214; &#8211; vordergr&#252;ndig von der „Deutscht&#252;melei&#8221; distanzierte<a title="anm_64" name="anm_64" href="#anm64"><sup>64</sup></a>. Wenngleich es sich hier wohl um „Etikettenschwindel&#8221; und „Camouflage&#8221; handelte<a title="anm_65" name="anm_65" href="#anm65"><sup>65</sup></a>, so verweist dieses Man&#246;ver doch auf die Mitte der 1990er Jahre intensivierten Versuche, &#252;ber das „stagnierende Segment der b&#252;rgerlichen und b&#228;uerlichen FP&#214;-Kernw&#228;hlerInnenschichten&#8221;<a title="anm_66" name="anm_66" href="#anm66"><sup>66</sup></a> deutschnationaler Pr&#228;gung hinaus Unterst&#252;tzung zu generieren. Dies gelang insbesondere, indem sich die FP&#214; verst&#228;rkt auf jene Teile der Bev&#246;lkerung hin orientierte, die von den Umbr&#252;chen im Gefolge der neoliberalen Globalisierung und des EU-Beitritts im Allgemeinen und von der konkreten Privatisierungs- und Liberalisierungspolitik der gro&#223;en Koalition bzw. deren „Sparpaketen&#8221; im Besonderen am st&#228;rksten betroffen waren bzw. sich betroffen f&#252;hlten: ArbeiterInnen, prek&#228;r Besch&#228;ftige und Angestellte von (ehemaligen) Staatsbetrieben. Wie empirische Untersuchungen des europaweiten SIREN-Projekts f&#252;r den Zeitraum nach 2000 zeigen<a title="anm_67" name="anm_67" href="#anm67"><sup>67</sup></a>, besteht zwar nicht, wie h&#228;ufig allzu pauschal unterstellt, ein Automatismus, demzufolge diese „ModernisierungsverliererInnen&#8221; notwendigerweise rechte und rechtsextreme Parteien w&#228;hlen w&#252;rden. Wohl aber entstehen im Zuge eines raschen Wandels der Arbeitswelt und des gleichzeitigen R&#252;ckbaus sozialstaatlicher Sicherungssysteme bei den am st&#228;rksten Betroffenen bzw. jenen, die sich subjektiv so f&#252;hlen, gewisse geteilte Erfahrungen, die der Rechten ein potentielles Agitationsfeld bieten. Als dominant werden im Zuge dieser Untersuchungen zwei Wahrnehmungsmuster beschrieben: erstens ein Gef&#252;hl der Ungerechtigkeit, das sich dort einstellt, wo der im Fordismus etablierte „soziale Tausch&#8221; &#8211; bescheidener Wohlstand, langfristige Sicherheit und soziale Anerkennung als Preis f&#252;r die Unterwerfung unter die Zumutungen der Arbeitswelt &#8211; im Betrieb und in der Gesellschaft einseitig aufgek&#252;ndigt wird, d. h. sich die diesbez&#252;glich existierenden Erwartungen nicht erf&#252;llen. Zweitens Abstiegs&#228;ngste, Unsicherheiten und Ohnmachtsgef&#252;hle angesichts (drohender) Arbeitslosigkeit, Prekarisierung und der Entwertung von Qualifikationen und F&#228;higkeiten<a title="anm_68" name="anm_68" href="#anm68"><sup>68</sup></a>. Blickt man auf die Ergebnisse des SIREN-Projekts, so wird verst&#228;ndlich, wie und warum es der FP&#214; in den 1990er Jahren gelang, mit ihrem autorit&#228;ren Populismus punktgenau an diese Wahrnehmungsmuster anzukn&#252;pfen. Zum einen wies die Agitation gegen „die da oben&#8221;, d. h. gegen PolitikerInnen, Gewerkschaftsb&#252;rokratie und „Bonzen&#8221; aller Art und deren Privilegien die FP&#214; als „Partei des kleinen <em>Mannes</em>&#8220;<a title="anm_69" name="anm_69" href="#anm69"><sup>69</sup></a> aus und sprach die grunds&#228;tzliche Unzufriedenheit mit der gesellschaftlichen Entwicklung an. Zum anderen befriedigte die Hetze gegen MigrantInnen, Fl&#252;chtlinge und Langzeitarbeitslose das besonders im arbeits- und leistungsorientierten Milieu der qualifizierten ArbeitsnehmerInnen und Gewerbetreibenden verbreitete Bed&#252;rfnis nach einer Abgrenzung nach „weiter unten&#8221; bzw. gegen&#252;ber vermeintlich „Leistungsunwilligen&#8221;<a title="anm_70" name="anm_70" href="#anm70"><sup>70</sup></a>.<br />
Ihren traurigen H&#246;hepunkt erreichte diese Strategie, die soziale Frage rassistisch zu besetzen, im Nationalratswahlkampf 1999, als die FP&#214; mit den Slogans „Stopp der &#220;berfremdung! &#214;sterreich zuerst!&#8221;  bzw. „Stopp dem Asylmissbrauch! &#214;sterreich zuerst!&#8221; (erfolgreich) um Stimmen warb. Wenn die Partei mit dieser bis heute aktuellen Methode im Verlauf der 1990er Jahre vermehrt neue W&#228;hlerInnenschichten ansprechen konnte &#8211; der Anstieg des Gesamtstimmenanteils von 9,7% (1986) auf 26,9% (1999) beruht Studien zufolge wesentlich auf den ArbeiterInnenstimmen, bei denen die Partei demnach im selben Zeitraum ihren Anteil von 10% auf 47%  ausbauen konnte<a title="anm_71" name="anm_71" href="#anm71"><sup>71</sup></a> -, dann v. a. deshalb, weil sie es verstand, sich die wachsende Unzufriedenheit abh&#228;ngig Besch&#228;ftigter und deren Entt&#228;uschung &#252;ber die Regierungspolitik der SP&#214; zunutze zu machen und sich als die „bessere&#8221; ArbeiterInnenpartei zu pr&#228;sentieren<a title="anm_72" name="anm_72" href="#anm72"><sup>72</sup></a><br />
. Nicht umsonst verbuchte die FP&#214; um die Jahrtausendwende „[i]hre h&#246;chsten Stimmenanteile &#8230; in Industrie- und Dienstleistungsregionen, die &#8211; wie K&#228;rnten, Ober&#246;sterreich und die Steiermark &#8211; unter wirtschaftlichen Strukturproblemen [litten], sowie in st&#228;dtischen Zentren mit traditionellen Arbeiterbezirken&#8221;<a title="anm_73" name="anm_73" href="#anm73"><sup>73</sup></a>. Dass diese politische Ausrichtung auf die W&#228;hlerInnenschichten angesichts des spezifischen Charakters der FP&#214; jedoch notwendigerweise widerspr&#252;chlich bleiben musste, darauf deuten bereits die Worte hin, mit denen der FP&#214;- Abgeordnete Gaugg die 1998 gegr&#252;ndete <em>Freie Gewerkschaft</em> <em>&#214;sterreich </em>(FG&#214;) in einem Brief an UnternehmerInnen bewarb: „Wir haben uns Ziele gesetzt, die auch Sie als Unternehmer verfolgen&#8221;<a title="anm_74" name="anm_74" href="#anm74"><sup>74</sup></a>. Diese neoliberale, arbeiterInnen- und gewerkschaftsfeindliche Ausrichtung muss als ein weiterer wichtiger Faktor f&#252;r den Erfolg der FP&#214; in den 1990er Jahren angesehen werden. Dies gilt zun&#228;chst ganz konkret mit Blick auf die Anh&#228;ngerInnenschaft der Partei: so w&#228;hlte neben den abh&#228;ngig Besch&#228;ftigen auch ein steigender Prozentsatz der Selbstst&#228;ndigen und FreiberuflerInnen die FP&#214;<a title="anm_76" name="anm_76" href="#anm76"><sup>76</sup></a>. Diese erfreute sich angesichts der Forderungen nach <em>Flat Tax</em> usw. auch der Unterst&#252;tzung von Industriellenvereinigung, Mittelstand und einzelnen Unternehmern wie z. B. Franz Josef Hartlauer<a title="anm_77" name="anm_77" href="#anm77"><sup>77</sup></a>. Dar&#252;ber hinaus war die wirtschaftsliberale Ausrichtung von zentralen Teilen der FP&#214; &#8211; personifiziert v. a. durch Thomas Prinzhorn und Karl-Heinz Grasser &#8211; zweifellos auch einer der Gr&#252;nde f&#252;r das Zustandekommen der schwarz-blauen Regierung Anfang 2000, bestand hier doch eine doppelte „Konvergenz der Interessen&#8221;<a title="anm_78" name="anm_78" href="#anm78"><sup>78</sup></a>: neben bzw. in Verbindung mit gesellschaftspolitischen &#220;bereinstimmungen (Asyl- und „Ausl&#228;nder&#8221;-Politik, Familien- und Bildungspolitik, Sicherheitspolitik usw.) einte die beiden Parteien und ihre Anh&#228;ngerInnen zum einen <em>inhaltlich</em> die gemeinsame Frontstellung gegen&#252;ber sozialpartnerschaftlichen Arrangements, Sozialdemokratie und Gewerkschaften. <em>Strategisch </em>verhalf der autorit&#228;re Populismus der FP&#214; dem neoliberalen und -konservativem Transformationsprojekt zum n&#246;tigen Ma&#223; an Unterst&#252;tzung, w&#228;hrend umgekehrt die Regierungsbeteiligung den rechtsextremen Kadern in betr&#228;chtlichem Umfang Machtbefugnisse, institutionelle Verankerung und diskursive Einflussm&#246;glichkeiten verschaffte.</p>
<p><strong>Schwarz-Blau als Spaltpilz</strong></p>
<p>Obwohl Schwarz-Blau der FP&#214; durchaus M&#246;glichkeiten er&#246;ffnete, kam mit der Regierungsbeteiligung auch deren personelle und inhaltliche Widerspr&#252;chlichkeit voll zum Tragen. Aus dem Erfolgsrezept der 1990er Jahre, einer ideologisch, politisch und sozial erh&#246;hten Heterogenit&#228;t der eigenen Anh&#228;ngerInnenschaft, wurde in mindestens zweifacher Hinsicht eine zentrale Ursache f&#252;r die zwischenzeitliche parlamentarische Schw&#228;cheperiode der extremen Rechten: erstens nahm mit der „b&#252;rgerlichen Wende&#8221; von 2000 innerhalb der FP&#214; das politische Gewicht der sogenannten „Buberlpartie&#8221;<a title="anm_79" name="anm_79" href="#anm79"><sup>79</sup></a> sowie jener Quereinsteiger wie Peter Sichrovsky oder Hans Kronberger, die Haider selbst ab Mitte der 1990er Jahre f&#252;r die FP&#214; gewonnen hatte, weiter zu. „Diese Machtverschiebung zugunsten der pragmatischeren (neoliberalen) Fl&#252;gels hatte innerparteilich keine Entsprechung und von daher war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Basis gegen die sich immer mehr von ihr entfernenden Regierungs- und Parlamentstruppe erheben w&#252;rde&#8221;<a title="anm_80" name="anm_80" href="#anm80"><sup>80</sup></a>. Zweitens mussten die tats&#228;chlichen Politiken der FP&#214; in der Regierung, der neoliberale Kahlschlag in der Sozialgesetzgebung und im Arbeitsrecht, der pl&#246;tzlich wieder pro-europ&#228;ische Kurs, neoklientistische Personalpolitik usw. notwendigerweise die Hoffnungen derer entt&#228;uschen, die geglaubt hatten, die FP&#214; st&#252;nde tats&#228;chlich f&#252;r eine Politik im Interesse der „kleinen Leute&#8221; oder der ArbeiterInnen. Allzu h&#228;ufig blieb aus dieser Perspektive „[d]er Populismus (&#8230;) im Rhetorischen &#8211; er wurde nicht auf die reale Regierungspolitik &#252;bertragen&#8221;<a title="anm_81" name="anm_81" href="#anm81"><sup>81</sup></a>. Zwar gelang es fast zwei Jahre lang, diesen doppelten Widerspruch durch eine geschickte Form der Arbeitsteilung einigerma&#223;en ruhig zu stellen: w&#228;hrend sich die Regierungsmitglieder in Wien staatsm&#228;nnisch bzw., im Fall von Susanne Riess-Passer, staatsfrauisch gaben, konnte Haider aus seiner Hochburg K&#228;rnten, wohin er sich 2000 zur&#252;ckgezogen hatte, die Rolle der innerparteilichen Opposition ausf&#252;llen und die populistische Agitation gegen das „politische Establishment&#8221; fortf&#252;hren<a title="anm_82" name="anm_82" href="#anm82"><sup>82</sup></a>. Doch als sich 2002 einmal mehr das Interesse der Regierungsverantwortung gegen jenes des nach wie vor bestehenden v&#246;lkisch-nationalen Mehrheitsfl&#252;gels durchzusetzen drohte &#8211; konkret ging es um die Anschaffung der Eurofighter und die R&#252;cknahme einer versprochenen Steuerreform -, k&#252;ndigte die &#252;ber den „Kuschelkurs&#8221; der FP&#214; in der Regierung erboste und nicht zuletzt von Haider selbst mobilisierte Basis der Parteif&#252;hrung beim Delegiertentreff en in Knittelfeld die Gefolgschaft auf<a title="anm_83" name="anm_83" href="#anm83"><sup>83</sup></a>. Der R&#252;cktritt von Riess- Passer, Grasser, Klubobmann Westenthaler, Sichrovsky und anderen, der in unmittelbarer Reaktion auf diese „rechtsradikale Revolution&#8221; von Knittelfeld<a title="anm_84" name="anm_84" href="#anm84"><sup>84</sup></a> stattfand und von Neonazis gefeiert wurde<a title="anm_85" name="anm_85" href="#anm85"><sup>85</sup></a>, erscheint dabei im Nachhinein wie die Vorwegnahme der dann 2005 in Form des BZ&#214; tats&#228;chlich erfolgten Abspaltung des pragmatischeren, neoliberalen Fl&#252;gels von der „&#8230; zunehmend auf ihren rechtsextremen Kern schrumpfenden FP&#214;&#8221;<a title="anm_86" name="anm_86" href="#anm86"><sup>86</sup></a>. Dass diese Abspaltung ausgerechnet unter der F&#252;hrung von Haider, dem zuvor sch&#228;rfsten Kritiker der FP&#214;-Regierungsmitglieder, stattfand, bringt einmal mehr die Widerspr&#252;chlichkeit zum Ausdruck, die mit dem Aufstieg und der anschlie&#223;enden Regierungsbeteiligung innerhalb des parlamentarischen Rechtsextremismus entstanden war. Im Hinblick auf die parteiinternen Fl&#252;gelk&#228;mpfe f&#252;hrte diese Widerspr&#252;chlichkeit zur Spaltung, bezogen auf die entt&#228;uschten Erwartungen der durch populistische Anrufung gewonnen Anh&#228;ngerInnen zu einer Serie von Wahlniederlagen zwischen 2002 und 2005. Am h&#246;chsten fielen die Verluste dabei bei der Nationalratswahl 2002 sowie der Europawahl 2004 aus, wo die Partei jeweils ca. 17 Prozentpunkte verlor (von 26,9% auf 10% bzw. von 23,4% auf 6,3% der Stimmen)<a title="anm_87" name="anm_87" href="#anm87"><sup>87</sup></a>. Diesen klar negativen Trend konnte die FP&#214; mit der Nationalratswahl 2006 jedoch stoppen und anschlie&#223;end in sein Gegenteil &#8211; einen erneuten Aufschwung mit zuletzt 17,5 Prozentpunkten bei der Nationalratswahl 2008 &#8211; verwandeln. Ebenso gelang dem neu gegr&#252;ndeten BZ&#214;, das 2006 mit 4,1 Prozentpunkten lediglich aufgrund des guten Wahlergebnisses im Haider-Stammland K&#228;rnten (knapp 27% Stimmanteil) &#252;berhaupt in den Nationalrat einziehen konnte und seither &#8211; mit Ausnahme K&#228;rntens &#8211; bei allen Gemeinde- bzw. Landtagswahlen (Wien, Nieder&#246;sterreich, Tirol, Salzburg) unter der Vier-Prozent-H&#252;rde blieb, bei der Nationalratswahl 2008 mit 10,7 Prozentpunkten ein &#220;berraschungserfolg. Wie ist dieser erneute Aufschwung des parlamentarischen Rechtsextremismus zu erkl&#228;ren, warum strafte dieser also all jene L&#252;gen, die geglaubt hatten, mit der Integration in die Regierungsverantwortung und die daran anschlie&#223;enden innerparteilichen Zerw&#252;rfnisse w&#228;re das Verschwinden der FP&#214; von der politischen Landkarte beschlossene Sache?</p>
<p><strong>Der Wiederaufstieg</strong></p>
<p>Als Ausgangspunkt f&#252;r die Erkl&#228;rung des Wiederaufstiegs der parlamentarischen Rechten kann in einem ersten Schritt ein Blick auf die relative Erfolglosigkeit der FP&#214; in den Jahren 2002 bis 2005 dienen. Nimmt man, wie es empirische Untersuchungen nahelegen<a title="anm_88" name="anm_88" href="#anm88"><sup>88</sup></a> an, dass deren Wahlniederlagen in gewissem Umfang auf den medial ausgetragenen, internen Machtkampf zur&#252;ckzuf&#252;hren waren &#8211; als dessen deutlichster Ausdruck der f&#252;nfmalige Wechsel in der Parteiobmann-/frauschaft zwischen 2000 und 2005 gelten kann -, so l&#228;sst sich umgekehrt in der unter dem seit April 2005 amtierenden Bundesvorsitzenden Heinz-Christian Strache neu gewonnenen Einigkeit eine erste Voraussetzung f&#252;r ihr Re&#252;ssieren erkennen. Diese Einigkeit hat freilich ganz spezifische Vorzeichen: wie schon 1986 war es die Macht&#252;bernahme des burschenschaftlichen, deutschnational rechtsextremen Fl&#252;gels, dem Strache ebenso zuzurechnen ist wie viele seiner unmittelbaren Vertrauten<a title="anm_89" name="anm_89" href="#anm89"><sup>89</sup></a>, die den Ausweg aus der parteiinternen Krise wies. Nicht umsonst trug die 21-k&#246;pfige Nationalratsriege der FP&#214; bei der konstituierenden Sitzung 2006 die blaue Kornblume, seit jeher ein Symbol des dritten Lagers und u. a. das Erkennungszeichen der von 1933 bis 1938 illegalisierten NSDAP<a title="anm_90" name="anm_90" href="#anm90"><sup>90</sup></a>. &#196;hnlich wie 1986 schlug sich dieser Rechtsruck auch diesmal an den Wahlurnen positiv nieder: es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, dass die Stabilisierung und der anschlie&#223;ende Wiederaufstieg der FP&#214; mit der Gemeinderatswahl in Wien 2005 und der Nationalratswahl 2006 im Rahmen zweier Wahlen begann, in denen offen rassistische Slogans wie „Deutsch statt nix verstehen&#8221; und „Daham statt Islam!&#8221; sowie Forderungen nach der Einf&#252;hrung eines Verwaltungsstraftatbestandes „Anpassungsverweigerung&#8221; dominierten. In dieses Bild passt, dass 60% der FP&#214;-W&#228;hlerInnen bei der Nationalratswahl 2006 angaben, die Partei wegen der „Ausl&#228;nderthemen&#8221; gew&#228;hlt zu haben. Wenn dieses Thema gleichzeitig auch f&#252;r 33% der BZ&#214;-W&#228;hlerInnen das entscheidende Motiv war, so verweist dies auf einen Wahlkampf, in dem die neu gegr&#252;ndete Partei mit ihrem Ma&#223;nahmenpaket „&#214;sterreich zuerst&#8221; sowie der Forderung, den Ausl&#228;nderInnenanteil in &#214;sterreich innerhalb von drei Jahren um 30% zu senken, voll auf die rassistische Karte setzte. Wenn es dem BZ&#214; dennoch gelang, sich als die regierungsf&#228;hige, staatstragende und st&#228;rker zur politischen „Mitte&#8221; hin orientierte Alternative zur FP&#214; darzustellen, dann deshalb, weil die Partei in inhaltlicher und personeller Hinsicht tats&#228;chlich durch eine h&#246;here Heterogenit&#228;t gekennzeichnet ist als ihre mittlerweile wieder stramm rechts ausgerichtete gro&#223;e Schwester FP&#214;. Weil das BZ&#214; im Gegensatz zu dieser kein ausgepr&#228;gtes Naheverh&#228;ltnis zum burschenschaftlichen, deutschnationalen und neonazistischen Milieus aufweist, sich zumindest nach au&#223;en hin vom (Neo-)Nationalsozialismus abgrenzt sowie &#252;ber kein sehr ausgepr&#228;gtes politisch-ideologisches Angebot verf&#252;gt, f&#228;llt es daher als Gesamtpartei nicht unter die Kategorie Rechtsextremismus<a title="anm_91" name="anm_91" href="#anm91"><sup>91</sup></a>. Wie gering die Ber&#252;hrungs&#228;ngste und wie gro&#223; die inhaltlichen und personellen &#220;berschneidungen zur extremen Rechten &#8211; insbesondere in K&#228;rnten &#8211; im Einzelfall sind, verdeutlich etwa die BZ&#214;-Mitgliedschaft des h&#228;ufig als „freiheitliches Urgestein&#8221; gepriesenen Siegfried Kampl, der in einer Rede im Bundesrat am 14. April 2005 Wehrmachtsdeserteure als „zum Teil Kameradenm&#246;rder&#8221; bezeichnete und von einer „brutalen Naziverfolgung&#8221; nach 1945 sprach<a title="anm_92" name="anm_92" href="#anm92"><sup>92</sup></a><br />
. Auch die „Ausl&#228;nder&#8221;- und Asylpolitik &#8211; etwa die Abschiebung angeblich krimineller TschetschenInnen in andere Bundesl&#228;nder oder die Einrichtung einer „Sonderanstalt&#8221; f&#252;r straff&#228;llig gewordene AsylwerberInnen auf der Saualpe in 1.200 Metern H&#246;he<a title="anm_93" name="anm_93" href="#anm93"><sup>93</sup></a><br />
- sowie insbesondere die unverhohlen rassistisch motivierte Politik gegen&#252;ber der slowenischen Minderheit, weisen also auch das BZ&#214; als eine Partei aus, die zumindest in K&#228;rnten eine sehr offene Flanke zum Rechtsextremismus hat.</p>
<p><strong>Verschiebung der Koordinaten</strong></p>
<p>Wenn sich angesichts solcher Politiken und den offensichtlich rassistischen Wahlk&#228;mpfen von FP&#214; und BZ&#214; weder in der (medialen) &#214;ffentlichkeit noch auf Seiten der Gro&#223;parteien Unbehagen regt und es auch von Seiten linker und liberaler Kr&#228;fte zu keinem Aufschrei mehr kommt &#8211; von Lichtermeer und einer Bewegung wie jener gegen Schwarz-Blau ganz zu schweigen -, dann deutet dies gleichzeitig auf eine ganz zentrale Ursache bzw. Bedingung f&#252;r das Wiedererstarken des parlamentarischen Rechtsextremismus hin: die umfassende Verschiebung der politischen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse nach rechts. Anders als dies insbesondere politikwissenschaftliche Analysen zum „Rechtspopulismus&#8221; der FP&#214; h&#228;ufig nahelegen<a title="anm_94" name="anm_94" href="#anm94"><sup>94</sup></a>, war n&#228;mlich weder der Auf- und sp&#228;tere Abstieg der FP&#214; ein politisches Nullsummenspiel, noch die Partei selbst auch nur im Entferntesten ein „n&#252;tzliches Korrektiv&#8221;<a title="anm_95" name="anm_95" href="#anm95"><sup>95</sup></a> f&#252;r das politische System. Entgegen solcher verharmlosenden Positionen muss vielmehr betont werden, dass die Erfolge rechtsextremer Parteien und insbesondere ihre Regierungsbeteiligung auf das politische Klima eines Landes verheerende, langfristig wirksame Effekte haben: „Die Einbindung rechter Kr&#228;fte f&#252;hrt (&#8230;) zu einer Verschiebung nach rechts, nicht nur weil Rechte gleichsam von au&#223;en hinzukommen, sondern weil es die Bereitschaft gibt, sich nach rechts hin zu &#246;ffnen und zu verpflichten. (&#8230;) [M]it einer Bindung der Rechten an eine demokratische Volkspartei werden diese integriert, aber eben nur um den Preis, dass auch die Partei rechte Inhalte aufnimmt (&#8230;)&#8221;<a title="anm_96" name="anm_96" href="#anm96"><sup>96</sup></a>. Diese Verschiebung ist dabei „(&#8230;) mehr als nur formal gemeint, denn nun werden insgesamt die Koordinaten der Politik verschoben, rechte Positionen werden Teil des offiziellen Regierungsprogramms, gelten damit aber nicht mehr als rechts&#8221;<a title="anm_97" name="anm_97" href="#anm97"><sup>97</sup></a>. Genau eine solche Entwicklung l&#228;sst sich f&#252;r &#214;sterreich ausmachen. War es der FP&#214;, wie gezeigt, bereits in den 1990er Jahren gelungen, in einzelnen Politikfeldern &#8211; allen voran der „Ausl&#228;nder&#8221;- und Kriminalit&#228;tspolitik &#8211; die Themenf&#252;hrerschaft zu erlangen und das politische Terrain so diskursiv massiv nach rechts zu verschieben, erreichte dieser Prozess mit der zu Recht als „Tabubruch&#8221;<a title="anm_98" name="anm_98" href="#anm98"><sup>98</sup></a> empfundenen Regierungsbeteiligung 2000 zweifelsohne eine neue Qualit&#228;t. So k&#246;nnten etwa die Slogans, mit denen die &#214;VP ihren Nationalratswahlkampf 2008 bestritt („Deutschkurs statt Zuwanderung&#8221;, „Volle H&#228;rte bei Kindesmissbrauch&#8221;), ohne weiteres auch von der FP&#214; stammen. &#196;hnlich verh&#228;lt es sich mit den Aussagen der beiden &#214;VP-Innenministerinnen Prokop und Fekter, die nacheinander zun&#228;chst 45% der MuslimInnen in &#214;sterreich pauschal „Integrationsunwilligkeit&#8221; unterstellten (Prokop 2006) und dann die Einf&#252;hrung des Begriffs &#8220;Kulturdelikt&#8221; in das Strafrecht forderten (Fekter 2008). Dass auch die SP&#214; dieser Anbiederung an rechte Inhalte nur wenig nachsteht, beweist gegenw&#228;rtig der Wiener B&#252;rgermeister H&#228;upl, wenn er „Zuwanderer&#8221; auf die Einhaltung der „Wiener Hausordnung&#8221; verpflichtet, offensiv die Abschiebung ausl&#228;ndischer Straft&#228;terInnen propagiert und verspricht, „f&#252;r Ordnung zu sorgen&#8221;<a title="anm_99" name="anm_99" href="#anm99"><sup>99</sup></a>. Anders als liberale KommentatorInnen gerne suggerieren, handelt es sich bei solchen Ann&#228;herungsprozessen an die Positionen der extremen Rechten freilich nicht einfach nur um wahltaktische Man&#246;ver. Vielmehr beweist etwa das mit den Stimmen von SP&#214;, &#214;VP und BZ&#214; 2005 beschlossene „Fremdenrechtspaket&#8221;, dass sich diese Verschiebung nach rechts durchaus in realen Politiken niederschl&#228;gt &#8211; auch dann, wenn die extreme Rechte selbst gar nicht (mehr) an der Macht ist. Dass sie dorthin bald wieder zur&#252;ckkehren k&#246;nnte, daf&#252;r ist neben der inhaltlich-thematischen Ann&#228;herung zwischen sogenannter „politischer Mitte&#8221; und Rechtsextremismus v. a. der Umstand verantwortlich, dass die politische Zusammenarbeit mit der FP&#214; l&#228;ngst kein Tabu mehr darstellt. Anders als etwa in Deutschland, wo auch auf Landesebene von s&#228;mtlichen Parteien eine Zusammenarbeit mit der rechtsextremen NPD v&#246;llig ausgeschlossen wird, ist die FP&#214; hierzulande seit Schwarz-Blau in be&#228;ngstigendem Umfang salonf&#228;hig und zu einem potentiellen politischen Partner geworden. Neben der Wahl von Martin Graf zum dritten Nationalratspr&#228;sidenten zeugt davon gegenw&#228;rtig v. a. das Vorgehen der SP&#214;, die durch ihre Zusammenarbeit mit der FP&#214; bei der (partiellen) Abschaffung der Studiengeb&#252;hren erst j&#252;ngst ihren Beitrag dazu leistete, die Strache-Partei als gew&#246;hnlichen, d. h. legitimen Bestandteil des bereits 1999 von der &#214;VP strapazierten „Verfassungsbogens&#8221; (Andreas Kohl) erscheinen zu lassen. Auch wenn die gegenw&#228;rtige SP&#214;-F&#252;hrung eine Koalition mit der FP&#214; auf Bundesebene (noch) ausschlie&#223;t, so besteht angesichts der z. T. massiven Ann&#228;herung auf Landesebene mittelfristig wohl durchaus die Gefahr, dass aus der Strache-Partei auch f&#252;r die Faymann-SP&#214; ein „ernst zu nehmender Gespr&#228;chspartner&#8221; (der steirische Landeshauptmann Franz Voves &#252;ber die FP&#214;-Steiermark) werden k&#246;nnte, f&#252;r den dann gilt: „Ein Ausgrenzen ist nicht okay&#8221;<a title="anm_100" name="anm_100" href="#anm100"><sup>100</sup></a>. Die vor den Wahlen in Salzburg von der SP&#214;-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller get&#228;tigte Aussage, eine Koalition mit der FP&#214; l&#228;ge deshalb im Bereich des M&#246;glichen, weil „bei jeder Regierungsbildung Programm und Inhalt und ein St&#252;ck weit auch die Menschen&#8221; entscheidend w&#228;ren und man diesbez&#252;glich zur Landes-FP&#214; ein „gutes Verh&#228;ltnis&#8221; pflege gibt vor diesem Hintergrund weniger &#252;ber die Strache-Partei als vielmehr &#252;ber den inhaltlichen und personellen Zustand der SP&#214; selbst Auskunft<a title="anm_101" name="anm_101" href="#anm101"><sup>101</sup></a>.</p>
<p><strong>Remember the Nineties!</strong></p>
<p>Wie schon in den 1990er Jahren beschr&#228;nkt sich die politische Krise der Sozialdemokratie als Bedingung und Ursache f&#252;r den Aufstieg der parlamentarischen Rechten jedoch nicht allein auf die Ebene einer inhaltlichen und machtpolitischen Ann&#228;herung. Vielmehr darf auch das Unverm&#246;gen der neoliberal gewendeten Sozialdemokratie als glaubw&#252;rdige Vertreterin der ArbeiterInnenschaft aufzutreten und dem versch&#228;rften Sozialabbau unter Schwarz-Blau mit einem progressiven politischen Projekt entgegenzutreten, f&#252;r die Erkl&#228;rung der Erfolge von FP&#214; und BZ&#214; nicht untersch&#228;tzt werden. Denn w&#228;hrend die SP&#214; die soziale Frage bei den NR-Wahlen 2006 zumindest rhetorisch aufgriff und ihren Wahlkampf auf die Themen Arbeitslosigkeit, soziale Gerechtigkeit und Bildung fokussierte, war davon in den folgenden Jahren nichts mehr zu sehen. Mehr noch: grade weil die Sozialdemokratie bei diesen Wahlen mit ihrem Programm gegen Schwarz-Blau und deren neoliberale Politik punkten konnte<a title="anm_102" name="anm_102" href="#anm102"><sup>102</sup></a>, musste die Entt&#228;uschung speziell bei den abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten umso gr&#246;&#223;er ausfallen, als die gro&#223;e Koalition, insbesondere im Feld der Wirtschaftsund Sozialpolitik, den Kurs der &#214;VP-FP&#214;-Regierung unter einem sozialdemokratischen Kanzler fortsetzte. Gleichzeitig wurde das somit (erneut) aufbereite Agitationsfeld f&#252;r den autorit&#228;ren Populismus der Strache-FP&#214; durch die sich im Zuge des „BAWAG-Skandals&#8221; versch&#228;rfende Krise des &#214;GB ma&#223;geblich ausgeweitet, worauf konkret eine nachweisbar erh&#246;hte FP&#214;-Wahlbereitschaft unter gewerkschaftlich nicht organisierten W&#228;hlerInnen hinweist<a title="anm_103" name="anm_103" href="#anm103"><sup>103</sup></a>. Unter diesen Vorzeichen konnte es der SP&#214; unter Faymann bei den NR-Wahlen 2008 trotz Versprechen von „Antiteuerungsma&#223;nahmen&#8221; nicht im Geringsten gelingen, das Bild einer von „Bonzen&#8221; und „B&#252;rokraten&#8221; durchsetzten „Altpartei&#8221; abzulegen, geschweige denn einen sozialreformerischen Eindruck zu erwecken. Stattdessen vermochte es die FP&#214;, durch die Abspaltung des BZ&#214; von jeglicher Regierungsverantwortung und den schlechten Erinnerungen an Schwarz- Blau befreit, sich erneut als die einzig radikale Opposition gegen „die da oben&#8221; auszugeben. Zugleich konnte sie mit Slogans wie „Einkommen zum Auskommen&#8221;, „Soziale Sicherheit f&#252;r unsere Leut&#8217;&#8221; oder „Sozial statt sozialistisch&#8221; erfolgreich an den Alltagsverstand jener „kleinen Leute&#8221; ankn&#252;pfen, die von versch&#228;rften sozialen Verwerfungen unmittelbar betroffen waren bzw. sich bedroht f&#252;hlten: Empirisch l&#228;sst sich nachweisen, dass f&#252;r FP&#214; W&#228;hlerInnen &#8211; von denen 181.000 vorher SP&#214; gew&#228;hlt hatten &#8211; neben den weiterhin als sehr wichtig empfundenen Themen „Zuwanderung&#8221; und „Sicherheit&#8221; gerade Fragen der „Teuerung&#8221; und der „Pensionen&#8221; eine zentrale Bedeutung einnahmen sowie „Interessensvertretung&#8221; als eines der wichtigsten Wahlmotive genannt wurde<a title="anm_104" name="anm_104" href="#anm104"><sup>104</sup></a>. W&#228;hrend sich auch auf Seiten der BZ&#214;- W&#228;hlerschaft eine &#228;hnliche Motivationslage ausmachen l&#228;sst<a title="anm_105" name="anm_105" href="#anm105"><sup>105</sup></a>, muss der in diesem Fall au&#223;erordentlich starke Anteil ehemaliger &#214;VP-W&#228;hlerInnen wohl auch auf die regionale Verankerung des BZ&#214; in K&#228;rnten und den Faktor eines sich (medial orchestriert) verl&#228;sslich und staatsm&#228;nnisch gebenden Landeshauptmanns zur&#252;ckgef&#252;hrt werden<a title="anm_106" name="anm_106" href="#anm106"><sup>106</sup></a>. Dass die autorit&#228;r-populistische Agitation der parlamentarischen Rechten die soziale Frage demnach (erfolgreich) in einer ethnisierend-rassistischen Art und Weise thematisiert, ist keineswegs neu, sind doch auch hier Parallelen zur aufgezeigten Entwicklung in den 1990er Jahren auszumachen. Allerdings haben sich die Bedingungen f&#252;r eine Verkn&#252;pfung der sozialen mit der nationalen Frage dahingehend ver&#228;ndert, dass die negativen Auswirkungen der in den 1990er Jahren angelegten, neoliberalen Umstrukturierungen in den letzten Jahren voll durchschlugen. Diese Entwicklungen boten und bieten dem autorit&#228;ren Populismus der parlamentarischen Rechten in &#214;sterreich erneut Ankn&#252;pfungsfl&#228;chen, werden die daraus entstehenden neoliberalen Subjektanforderungen hier doch einerseits „im rechtsextremen Modell von volksgemeinschaftlichem Sozialstaat aufgel&#246;st&#8221;, und „[a]ndererseits &#8230; Formen der Ausgrenzung, Brutalisierung und Mobilisierung des Subjekts aufgegriffen und gegen die gesellschaftlich Marginalisierten gewendet&#8221;<a title="anm_107" name="anm_107" href="#anm107"><sup>107</sup></a>. Dass vor dem Hintergrund der analysierten Gr&#252;nde f&#252;r den Erfolg der parlamentarischen Rechten in &#214;sterreich eine weitere Radikalisierung der autorit&#228;r-populistischen Agitation h&#246;chst wahrscheinlich ist, zeigt sich nicht zuletzt am FP&#214;-Slogan f&#252;r die anstehenden EU-Parlamentswahlen „Volksvertreter statt EU-Verr&#228;ter&#8221;, mit welchem nur zu offenkundig ein vermeintlicher Kampf gegen Privilegien mit der islamophoben Aufhetzung einer konstruierten v&#246;lkischen Solidargemeinschaft gegen einen EU-Beitritt der T&#252;rkei verbunden wird, sowie auch an den j&#252;ngsten Wahlplakaten der FP&#214;-Wien: in Form einer rechtsextremen Assoziationskette werden „Sicheres Wien &#8211; Geb&#252;hrensenkungen &#8211; Arbeit f&#252;r Staatsb&#252;rger &#8211; Zuwanderungsstopp &#8211; Stopp der Islamisierung&#8221; gefordert, wobei auch dies in der (medialen) &#214;ffentlichkeit l&#228;ngst als politische Normalit&#228;t hingenommen wird.</p>
<p><strong>Strategien in der Krise</strong></p>
<p>Vor dem Hintergrund dieser j&#252;ngsten Entwicklungen, aber auch und vor allem vor den Erfahrungen mit dem Aufstieg der Haider-FP&#214; ist es also mehr als nur wahrscheinlich, dass die gegenw&#228;rtige Krise sich unter den gegebenen Voraussetzungen in weiteren Erfolgen der autorit&#228;r-populistisch agitierenden parlamentarischen Rechten niederschlagen wird. Dies sollte jedoch nicht als Aufruf zum politischen Fatalismus missverstanden werden. Vielmehr gilt hier und heute mehr denn je, was Stuart Hall in den 1980er Jahren zur Situation in Gro&#223;britannien sagte, dass n&#228;mlich „&#8230; die Krise kein gegebener Zustand ist, sondern ein wirkliches Kampffeld, in das die Kr&#228;fte der Rechten aktiv eingegriffen haben&#8221;<a title="anm_108" name="anm_108" href="#anm108"><sup>108</sup></a>. Als ein solches Kampffeld er&#246;ffnet die Krise demnach auch der Linken Handlungsspielr&#228;ume und Interventionsm&#246;glichkeiten. Diese sollte sie allein schon deshalb nutzen, weil allein eine politisch offensiv agierende Linke auf Dauer die Chance hat, der Rechten in &#214;sterreich das Wasser abzugraben. Dazu bedarf es zuallererst eines klaren Verst&#228;ndnisses f&#252;r den politischen Charakter dieser Rechten. Statt sie also zu verharmlosen, gilt es, diese Rechte auf den Begriff zu bringen und als das zu benennen, was sie mehrheitlich ist: rechtsextrem. Daran anschlie&#223;end m&#252;sste an die Stelle der v. a. von &#214;VP und SP&#214; betriebenen inhaltlichen, personellen und machtpolitischen Ann&#228;herung eine v&#246;llige und unmissverst&#228;ndliche Abgrenzungspolitik treten. Grade die Erfahrungen aus den 1990er Jahren sollten hier Warnung genug sein, wohin die Anbiederung an die extreme Rechte diese f&#252;hrt: direkt in die Regierung. Besondere Bedeutung erlangt dieses Argument gegenw&#228;rtig v. a. deshalb, weil &#252;ber die Frage nach der nationalen Bew&#228;ltigung der Krise mehr denn je Ankn&#252;pfungspunkte an wohlfahrtschauvinistische und rassistische Politik der Rechten bestehen. Schlie&#223;lich, und das ist der vielleicht wichtigste Punkt, wird der Rechtsextremismus mit seiner autorit&#228;r-populistischen Agitation solange breite Schichten der Subalternen ansprechen k&#246;nnen, wie deren Interessen nicht in linken Projekten und linker Politik artikuliert werden und es zu keinen nennenswerten sozialen K&#228;mpfen kommt. Dass diesbez&#252;glich gegenw&#228;rtig von der neoliberal gewendeten Sozialdemokratie ebenso wenig zu erwarten ist wie von der Gewerkschaftsb&#252;rokratie, liegt auf der Hand. Gerade in linken Kreisen weniger selbstverst&#228;ndlich d&#252;rfte demgegen&#252;ber die Einsicht sein, dass die Bildung eines breiten, gesamtgesellschaftlich verankerten Projekts, das in der Lage w&#228;re, die Rechte tats&#228;chlich nachhaltig herauszufordern und die soziale Frage von links zu stellen, nur unter Einbeziehung der progressiven Teile von Sozialdemokratie und Gewerkschaften m&#246;glich sein wird. Zentrales Kennzeichen eines solchen popular-demokratischen Projekts m&#252;sste freilich sein, dass es, anders als der autorit&#228;re Populismus der Rechten, die Interessen, N&#246;te und Forderungen der Subalternen nicht einfach von „oben&#8221; aufgreift. Statt auf diesem Weg weiter zur Passivierung der Menschen beizutragen, w&#252;rde es vielmehr darum gehen, auf emanzipatorische Bewegungen von unten zu setzen, die ihre Dynamik und ihr Potential aus den auch allt&#228;glichen K&#228;mpfen um bessere Arbeitsbedingungen, h&#246;here L&#246;hne oder Abfindungen, bessere Bildung, sicherere Pensionen, niedrigere Mieten usw. usf. gewinnen. Die kollektive Selbsterm&#228;chtigung in und durch soziale Auseinandersetzungen ist mittel- und langfristig der geeignete Weg, Erfolge rechter und rechtsextremer Bewegungen und Parteien zu stoppen und diese zur&#252;ckzudr&#228;ngen109. Das hei&#223;t nicht, dass die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus und kontinuierliche Antifa-Arbeit hinf&#228;llig w&#228;ren; ohne den Aufbau einer politischen Alternative, welche die soziale Frage von links zu beantworten vermag, wird die Vormachtstellung der Rechten aber nicht zu brechen sein.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Nach Bailer-Galanda (Zum Begriff des Rechtsextremismus, www.doew.at) und Schiedel (a.a.O., S. 24ff .) beschreibt der Begriff Rechtsextremismus die B&#252;ndelung und Kombination unterschiedlicher Elemente, wie etwa Antiegalitarismus und Biologismus, Antiliberalismus und Antipluralismus, Antiindividualismus, Rassismus und Antisemitismus, Nationalismus, Autoritarismus, revisionistische Geschichtsschreibung, Gewaltakzeptanz/-bereitschaft. Im Sinne dieser Bestimmung und angesichts der Kontinuit&#228;ten zum Nationalsozialismus sowie des Naheverh&#228;ltnisses zu Neonazismus und Deutschnationalismus handelt es sich bei der FP&#214; um eine rechtsextremistische Partei.</p>
<p><a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> Vgl. http://www.sosmitmensch.at/stories/33/; http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/425302/print.do</p>
<p><a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Sprechen wir &#252;ber FP&#214; <em>und </em>BZ&#214;, verwendet wir die Bezeichnung „parlamentarische Rechte&#8221;.</p>
<p><a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> F&#252;r eine umfassendere Darstellung der aktuellen Zust&#228;nde im „&#246;sterreichischen Haus&#8221; vgl. MALMOE, Nr. 44 2008, S. 2.</p>
<p><a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Schiedel, Heribert: Der Rechte Rand. Extremistische Gesinnungen in unserer Gesellschaft, Wien 2007, S. 53.</p>
<p><a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Vgl. Wiegel, Gerd: Rechtes Erfolgsmodell &#214;sterreich; in: K&#252;hnl, Reinhard et al. (Hg.): Die extreme Rechte in Europa. Zur neueren Entwicklung in Deutschland, &#214;sterreich, Frankreich und Italien, Heilbronn 1998, S. 97. Kreisky, Eva: In Konvergenz der Interessen: Neoliberale Praktiken und rechtspopulistische Regierung sozialen Protests; in: Demirovi&#196;, Alex/ Bojadžijev, Manuela (Hg.): Konjunkturen des Rassismus, M&#252;nster 2002, S. 63.</p>
<p><a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> Kreisky, a.a.O., S. 63.</p>
<p><a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> Bailer, Brigitte/Neugebauer, Wolfgang: Abri&#223; der Entwicklung des Rechtsextremismus in &#214;sterreich; in: Stiftung Dokumentationsarchiv des &#246;sterreichischen Widerstandes (Hg.): Handbuch des &#246;sterreichischen Rechtsextremismus, Wien 1994, S. 97.</p>
<p><a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> Vgl. ebd.</p>
<p><a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., 69f.</p>
<p><a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Wiegel, a.a.O., S. 100.</p>
<p><a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> Bailer, Brigitte/Neugebauer, Wolfgang: Die FP&#214;: Vom Liberalismus zum Rechtsextremismus; in: Stiftung Dokumentationsarchiv des &#246;sterreichischen Widerstandes (Hg.): Handbuch des &#246;sterreichischen Rechtsextremismus, Wien 1994, S. 357.</p>
<p><a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> Bailer/Neugebauer, Die FP&#214;, a.a.O., S. 358.</p>
<p><a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> Ebd., S. 359.</p>
<p><a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> Vgl. Bailer/Neugebauer, Die FP&#214;, a.a.O., S. 364; Schiedel, Der Rechte Rand, S. 78ff .</p>
<p><a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> Bailer/Neugebauer, Die FP&#214;, a.a.O., S. 364.</p>
<p><a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> Ebd., S. 360.</p>
<p><a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> Schiedel, Der Rechte Rand, S. 70f.</p>
<p><a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Ebd., S. 361f.</p>
<p><a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> ebd., S. 366ff .</p>
<p><a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Plasser, zitiert nach ebd., S. 368.</p>
<p><a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> Ebd., S. 370.</p>
<p><a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> Ebd., S. 386.</p>
<p><a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 85.</p>
<p><a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Bailer/Neugebauer, Die FP&#214;, a.a.O., S. 389.</p>
<p><a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> Ebd., S. 372.</p>
<p><a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> Schiedel, Heribert: Th esen zum aktuellen „Rechtspopulismus&#8221; in Europa, 2002; unter: http://www.nadir.org/nadir/kampagnen/landinsicht/content/text107.html.</p>
<p><a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> Fr&#246;lich-Steff en, Susanne/Rensmann, Lars: Populistische Regierungsparteien in Ost- und Westeuropa: Vergleichende Perspektiven der politikwissenschaftlichen Forschung; in: dies. (Hg.): Populisten an der Macht. Populistische Regierungsparteien in West- und Osteuropa, Wien 2005, 12ff.</p>
<p><a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> Kreisky, a.a.O., S. 73.</p>
<p><a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> Butterwegge, Christoph: Definitionen, Einfallstore und Handlungsfelder des Rechtspopulismus; in: ders./Hentges, Gudrun (Hg.): Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut. Befunde aus Deutschland, &#214;sterreich und der Schweiz, Opladen &amp; Farmington Hills 2008, S. 39.</p>
<p><a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> Vgl. ebd., 39f.; Decker, Frank: Der neue Rechtspopulismus, Opladen 2004, S. 21ff.</p>
<p><a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> Decker, Der neue Rechtspopulismus, a.a.O., S. 21.</p>
<p><a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> Ebd.</p>
<p><a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> Exemplarisch: Fr&#246;lich-Steff en/Rensmann, a.a.O., S. 4ff .</p>
<p><a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> Butterwegge, a.a.O., S. 39.</p>
<p><a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> Schiedel, Thesen zum Rechtspopulismus, a.a.O.</p>
<p><a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> Link, J&#252;rgen: „Rechtspopulismus&#8221;? &#220;ber einige diskurstaktische Probleme beim Bek&#228;mpfen des Neorassismus unter normalistischen Verh&#228;ltnissen (mit neun diskurstaktischen Tips); in: Demirovi&#196;, Alex/Bojadžijev, Manuela (Hg.): Konjunkturen des Rassismus, M&#252;nster 2002, S. 197.</p>
<p><a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> vgl. etwa Bojadžijev, Manuela/Demirovi&#196;, Alex (2002): Vorwort, in: dies. (Hg.): Konjunkturen des Rassismus, M&#252;nster 2002; Butterwegge, a.a.O.; Kreisky, a.a.O.; Schiedel, Thesen zum Rechtspopulismus, a.a.O.; Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O.</p>
<p><a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S.18.</p>
<p><a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> zur Entstehungsgeschichte des Begriff s, vgl. Hall, Stuart: Die Bedeutung des autorit&#228;ren Populismus f&#252;r den Thatcherismus; in: Das Argument, Nr. 152, 1985;</p>
<p><a title="anm41" name="anm41" href="#anm_41">41</a> vgl. ebd.; sowie Hall, Stuart: Popular-demokratischer oder autorit&#228;rer Populismus; in: Dubiel, Helmut (Hg.): Populismus und Aufkl&#228;rung, Frankfurt a. M. 1986; Jessop, Bob et. al.: Autorit&#228;rer Populismus, Zwei Nationen und Thatcherismus, in: Das Argument, Nr. 152, 1985.</p>
<p><a title="anm42" name="anm42" href="#anm_42">42</a> Falkenberg, zitiert nach Kreisky, a.a.O., S. 73.</p>
<p><a title="anm43" name="anm43" href="#anm_43">43</a> Vgl. Schiedel, Th esen zum Rechtspopulismus, a.a.O.</p>
<p><a title="anm44" name="anm44" href="#anm_44">44</a> Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 66.</p>
<p><a title="anm45" name="anm45" href="#anm_45">45</a> Hall, Die Bedeutung des autorit&#228;ren Populismus, a.a.O., S. 535.</p>
<p><a title="anm46" name="anm46" href="#anm_46">46</a> Laclau, zitiert nach Kreisky, a.a.O., S. 82.</p>
<p><a title="anm47" name="anm47" href="#anm_47">47</a> Vgl. Kreisky, a.a.O., S. 51.</p>
<p><a title="anm48" name="anm48" href="#anm_48">48</a> Vgl. Papouschek, Ulrike/Flecker, J&#246;rg/Kirschenhofer, Sabine/Krenn, Manfred: Vorurteil und Berechnung. Sozio&#246;konomischer Wandel und Varianten rechtspopulistischer Anziehung; in: Butterwegge, Christoph/Hentges, Gudrun (Hg.): Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut. Befunde aus Deutschland, &#214;sterreich und der Schweiz, Opladen &amp; Farmington Hills 2008, S. 187; Kreisky, a.a.O., S. 65.</p>
<p><a title="anm49" name="anm49" href="#anm_49">49</a> Entgegen dem w&#228;hrend der 1970er Jahre vergleichsweise niedrigen Niveau von Arbeitslosigkeit, stieg die Arbeitslosenquote von etwa 2% zu Beginn der 1980er Jahre auf &#252;ber 7% am Ende der 1990er Jahre an; vgl. Papouschek et al., a.a.O., S. 187; Kreisky, a.a.O., S. 65; Atzm&#252;ller, Roland: Wie macht man eine Arbeiterpartei? in: grundrisse. Zeitschrift f&#252;r linke theorie und debatte, 4/2002, http://www.grundrisse.net/grundrisse04/4arbeiterpartei.htm; Probst, Stefan: Zur&#252;ck zu K.u.K.? in: Perspektiven Nr. 2, unter: http://www.perspektiven-online.at/artikel/zurueck-zu-kuk/.</p>
<p><a title="anm50" name="anm50" href="#anm_50">50</a> Pelinka, Anton: Die FP&#214; im internationalen Vergleich. Zwischen Rechtspopulismus, Deutschnationalismus und &#214;sterreich-Patriotismus. In: conflict &amp; communication online 1/2002, unter http://www.cco.regeneronline.de/2002_1/pdf_2002_1/pelinka.pdf.</p>
<p><a title="anm51" name="anm51" href="#anm_51">51</a> Pelinka, Anton/Rosenberger, Sieglinde: &#214;sterreichische Politik. Grundlagen &#8211; Strukturen &#8211; Trends. 2., aktualisierte Auflage, Wien 2003, S. 68.</p>
<p><a title="anm52" name="anm52" href="#anm_52">52</a> Kreisky, a.a.O., S. 55.</p>
<p><a title="anm53" name="anm53" href="#anm_53">53</a> Bailer/Neugebauer, Die FP&#214;, a.a.O., S. 406.</p>
<p><a title="anm54" name="anm54" href="#anm_54">54</a> Ulram, Peter A.: Sozialprofi l und Wahlmotive der FP&#214;-W&#228;hler: Zur Modernit&#228;t des Rechtspopulismus am Beispiel des Ph&#228;nomens Haider; in: Loch, Dieter / Heitmeyer, Wilhelm (Hg.): Schattenseiten der Globalisierung. Rechtsradikalismus, Rechtspopulismus und separatistischer Regionalismus in westlichen Demokratien, Frankfurt a. M. 2001, S. 209ff .</p>
<p><a title="anm55" name="anm55" href="#anm_55">55</a> Wobei festgehalten werden muss, dass die Ausgrenzung der Haider-FP&#214; ohnehin von Beginn an je nach (vermeintlich erfolgreicher) parteipolitischer Strategie aufgehoben werden konnte, wie bspw. die Erm&#246;glichung der Wahl Haiders zum K&#228;rntner Landeshauptmann durch die &#214;VP im Jahr 1989 zeigte (Bailer/Neugebauer, Die FP&#214;, a.a.O., S. 372).</p>
<p><a title="anm56" name="anm56" href="#anm_56">56</a> Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 18.</p>
<p><a title="anm57" name="anm57" href="#anm_57">57</a> Zur Bedeutung dieser Aff &#228;re f&#252;r den Aufstieg der FP&#214;, vgl. Bailer/Neugebauer, Die FP&#214;, a.a.O, S. 372.</p>
<p><a title="anm58" name="anm58" href="#anm_58">58</a> vgl. Kreisky, a.a.O., S. 65; Atzm&#252;ller, a.a.O.</p>
<p><a title="anm59" name="anm59" href="#anm_59">59</a> vgl. http://demokratiezentrum.org/de/index.html?idcatside=1343</p>
<p><a title="anm60" name="anm60" href="#anm_60">60</a> Dieser Abspaltung ging eine erneute Zuspitzung des innerparteilichen Fl&#252;gelkampfes voraus, die ihren Ausgangspunkt vor allem in der Verwendung des nazistischen Begriff s „Umvolkung&#8221; durch den ideologischen Parteif&#252;hrer und heutigen EU-Parlamentsabgeordneten Andreas M&#246;lzer im M&#228;rz 1992 hatte und im weiteren Verlauf zu einer Reihe von Parteiaustritten f&#252;hrte: „Mit der Gruppe Schmidt-Frischenschlager-Mautner- Markhof-Peter verlie&#223;en die letzten Liberalen von Gewicht die FP&#214;, die nun ausschlie&#223;lich von Haider und seinen Gehilfen politisch dominiert und von Rechtsextremen um M&#246;lzer ideologisch ausgerichtet wurde&#8221; (Bailer/Neugebauer, Die FP&#214;, a.a.O., S. 394).</p>
<p><a title="anm61" name="anm61" href="#anm_61">61</a> Vgl. Bailer/Neugebauer, Die FP&#214;, a.a.O., S. 373.</p>
<p><a title="anm62" name="anm62" href="#anm_62">62</a> Vgl. Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 20.</p>
<p><a title="anm63" name="anm63" href="#anm_63">63</a> Ebd.</p>
<p><a title="anm64" name="anm64" href="#anm_64">64</a> Vgl. ebd., S. 112ff .</p>
<p><a title="anm65" name="anm65" href="#anm_65">65</a> vgl. Neugebauer, Wolfgang (1999): J&#246;rg Haider: Neonazi, Rechtsextremer oder Populist? in: Falter, Nr. 41/1999, unter: http://www.doew.at.</p>
<p><a title="anm66" name="anm66" href="#anm_66">66</a> Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 113.</p>
<p><a title="anm67" name="anm67" href="#anm_67">67</a> Vgl. Butterwegge, Christoph/Hentges, Gudrun (Hg.): Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut. Befunde aus Deutschland, &#214;sterreich und der Schweiz, Opladen &amp; Farmington Hills 2008.</p>
<p><a title="anm68" name="anm68" href="#anm_68">68</a> Papouschek et al., a.a.O, S. 206ff .</p>
<p><a title="anm69" name="anm69" href="#anm_69">69</a> Zum eklatanten M&#228;nner&#252;berhang bei FP&#214;-W&#228;hlerInnen, vgl. Pelinka, Anton: Die FP&#214;: Eine rechtspopulistische Regierungspartei zwischen Adaption und Opposition; in: Fr&#246;lich-Steffen, Susanne/Rensmann, Lars (Hg.): Populisten an der Macht. Populistische Regierungsparteien in West- und Osteuropa, Wien 2005, S. 94f.</p>
<p><a title="anm70" name="anm70" href="#anm_70">70</a> vgl. Flecker, J&#246;rg: Die populistische L&#252;cke. Umbr&#252;che in der Arbeitswelt und ihre politische Verarbeitung; in: Butterwegge, Christoph/Hentges, Gudrun (Hg.): Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut. Befunde aus Deutschland, &#214;sterreich und der Schweiz, Opladen &amp; Farmington Hills 2008, S. 82ff .; Papouschek et. al., a.a.O., S. 184ff.</p>
<p><a title="anm71" name="anm71" href="#anm_71">71</a> vgl. Pelinka, Die FP&#214;, a.a.O., S. 94; Decker, Der neue Rechtspopulismus, a.a.O., S. 75; zur Kritik an den Ergebnissen dieser Studie, siehe Atzm&#252;ller, a.a.O.</p>
<p><a title="anm72" name="anm72" href="#anm_72">72</a> vgl. Papouschek et. al., a.a.O., S. 184ff .</p>
<p><a title="anm73" name="anm73" href="#anm_73">73</a> Decker, Der neue Rechtspopulismus, a.a.O., S.75.</p>
<p><a title="anm74" name="anm74" href="#anm_74">74</a> Gaugg, zitiert nach Gratzer, Christian: Der Scho&#223; ist fruchtbar noch &#8230; NSDAP (1920-1933) &#8211; FP&#214; (1986-1998). Kontinuit&#228;ten, Parallelen, &#196;hnlichkeiten, Wien 1998, S. 94.</p>
<p><a title="anm75" name="anm75" href="#anm_75">75</a> Vgl. Plasser, Fritz/Ulram, Peter A.: Rechtspopulistische Resonanzen: Die W&#228;hlerschaft der FP&#214;; in: Plasser, Fritz/Ulram, Peter A./Sommer, Franz (Hg.): Das &#246;sterreichische Wahlverhalten, Wien 2000, S. 232.</p>
<p><a title="anm76" name="anm76" href="#anm_76">76</a> Gratzer, a.a.O., S. 98.</p>
<p><a title="anm77" name="anm77" href="#anm_77">77</a> Kreisky, a.a.O.</p>
<p><a title="anm78" name="anm78" href="#anm_78">78</a> Die Gruppe junger, politisch unbedarfter M&#228;nner um Peter Westenthaler, Walter Maischberger und Gernot Rumpold, mit denen Haider sich umgab (vgl. Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 112)</p>
<p><a title="anm79" name="anm79" href="#anm_79">79</a> Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 112.</p>
<p><a title="anm80" name="anm80" href="#anm_80">80</a> Pelinka, Die FP&#214;, a.a.O., S. 98.</p>
<p><a title="anm81" name="anm81" href="#anm_81">81</a> Kreisky, a.a.O., 59f.</p>
<p><a title="anm82" name="anm82" href="#anm_82">82</a> Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 114f.</p>
<p><a title="anm83" name="anm83" href="#anm_83">83</a> Sichrovsky, zitiert nach Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 16.</p>
<p><a title="anm84" name="anm84" href="#anm_84">84</a> Ebd., S. 120.</p>
<p><a title="anm85" name="anm85" href="#anm_85">85</a> Ebd., S. 116.</p>
<p><a title="anm86" name="anm86" href="#anm_86">86</a> Zugleich verlor die FP&#214; bei allen Landtagswahlen zwischen 2000 und 2004 &#8211; mit Ausnahme K&#228;rntens &#8211; zwischen 10,9 (Salzburg) und 14,5 (Vorarlberg) sowie bei den drei Landtags- und Gemeinderatswahlen 2005 jeweils mindestens 5,3 Prozentpunkte.</p>
<p><a title="anm87" name="anm87" href="#anm_87">87</a> Vgl. http://www.sora.at/de/start.asp?b=21; Papouschek et. al., a.a.O., S. 188, Fn. 1.</p>
<p><a title="anm88" name="anm88" href="#anm_88">88</a> Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 118ff .</p>
<p><a title="anm89" name="anm89" href="#anm_89">89</a> ebd., S. 122.</p>
<p><a title="anm90" name="anm90" href="#anm_90">90</a> Vgl. SORA: Analysen zur Nationalratswahl 2006, http://www.sora.at/images/doku/sora_analysen_nrw_2006.pdf</p>
<p><a title="anm91" name="anm91" href="#anm_91">91</a> Schiedel, Heribert: Sind FP&#214; und BZ&#214; rechtsextrem? Eine Analyse des parteilichen Status quo; in: MALMOE Nr. 44, S. 4.</p>
<p><a title="anm92" name="anm92" href="#anm_92">92</a> Vgl. Stenographisches Protokoll der 720. Sitzung des Bundesrates der Republik &#214;sterreich, http://www.parlament.gv.at/PG/DE/BR/BRSITZ/BRSITZ_00720/fname_044485.pdf, S. 125.</p>
<p><a title="anm93" name="anm93" href="#anm_93">93</a> vgl. http://oesterreich.orf.at/kaernten/stories/324860/</p>
<p><a title="anm94" name="anm94" href="#anm_94">94</a> vgl. Pelinka, Die FP&#214;, a.a.O.; Decker, Der neue Rechtspopulismu, a.a.O.</p>
<p><a title="anm95" name="anm95" href="#anm_95">95</a> Decker, Der neue Rechtspopulismus, a.a.O.</p>
<p><a title="anm96" name="anm96" href="#anm_96">96</a> Bojadžijev/Demirovi&#196;, a.a.O., S. 8.</p>
<p><a title="anm97" name="anm97" href="#anm_97">97</a> Ebd., S. 19.</p>
<p><a title="anm98" name="anm98" href="#anm_98">98</a> Schiedel, Der Rechte Rand, a.a.O., S. 16.</p>
<p><a title="anm99" name="anm99" href="#anm_99">99</a> vgl. &#214;sterreich 23.04.2009: S. 15.</p>
<p><a title="anm100" name="anm100" href="#anm_10">100</a> vgl. http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/449879/index.do?parentid=420915&amp;ac=0&amp;isanonym=0&amp;id=420915)</p>
<p><a title="anm101" name="anm101" href="#anm_101">101</a> vgl. http://wahlen.ots.at/salzburg2009/node/135</p>
<p><a title="anm102" name="anm102" href="#anm_102">102</a> vgl. SORA, a.a.O., http://www.sora.at/images/doku/sora_analysen_nrw_2006.pdf.</p>
<p><a title="anm103" name="anm103" href="#anm_103">103</a> vgl. SORA: Nationalratswahl 2008; http://www.sora.at/images/doku/SORA_ISA_Analyse_NRW_2008.pdf</p>
<p><a title="anm104" name="anm104" href="#anm_104">104</a> vgl. ebd.</p>
<p><a title="anm105" name="anm105" href="#anm_105">105</a> Vgl. ebd.</p>
<p><a title="anm106" name="anm106" href="#anm_106">106</a> Obwohl sich das volle Ausma&#223; der verkl&#228;renden Normalisierung des „staatsm&#228;nnischen&#8221; Rechtsextremen erst mit dessen Tod auf Heimatboden offenbarte: „Partei&#252;bergreifende und sonstige Prominenz hielt glorifi zierende Reden auf den im Vollrausch in den Tod Gerasten. K&#228;rnten is lei ans &#8211; mit Blumen beladen am Unfallort des Volkes F&#252;hrers&#8221; (MALMOE Nr. 44).</p>
<p><a title="anm107" name="anm107" href="#anm_107">107</a> Kaindl, Christina: Antikapitalismus und Globalisierungskritik von rechts &#8211; Erfolgskonzepte f&#252;r die extreme Rechte? in: Bathke, Peter / Spindler, Susanne (Hg.): Neoliberalismus und Rechtsextremismus in Europa. Zusammenh&#228;nge &#8211; Widerspr&#252;che &#8211; Gegenstrategien, Berlin 2006, : Karl Dietz Verlag, S. 73.</p>
<p><a title="anm108" name="anm108" href="#anm_108">108</a> Hall, Popular-demokratischer oder autorit&#228;rer Populismus, a.a.O., S. 104.</p>
<p><a title="anm109" name="anm109" href="#anm_109">109</a> Wie erfolgreiche linke Projekte und soziale K&#228;mpfe rechtsextremen Parteien die Anh&#228;ngerInnenschaft streitig machen k&#246;nnen, zeigen die Linkspartei in Deutschland oder die Mobilisierungen in Frankreich.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2009/06/13/fpoe-rechts-extrem-erfolgreich/feed/</wfw:commentRss>
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		<item>
		<title>Von W&#246;lfen, Pelzen und abwesenden „root causes“</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2009/02/07/von-woelfen-pelzen-und-abwesenden-root-causes/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2009/02/07/von-woelfen-pelzen-und-abwesenden-root-causes/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 07 Feb 2009 11:07:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rezension: Bunzl, John und Senfft, Alexandra (Hg.): Zwischen Antisemitismus und Islamophobie. Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost, Hamburg: VSAVerlag 2008, 255 Seiten, € 19,80]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Bunzl, John und Senfft, Alexandra (Hg.): Zwischen Antisemitismus und Islamophobie. Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost, Hamburg: VSAVerlag 2008, 255 Seiten, € 19,80<br />
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Die Zusammenh&#228;nge und Verwicklungen der beiden Ph&#228;nomene Antisemitsimus und Islamophobie unter Ber&#252;cksichtigung ihrer Verschiedenheit und ihrer unterschiedlichen Ursachen zu beleuchten ist das Ziel des Sammelbandes. Damit aber nicht genug, fokussieren die darin versammelten Beitr&#228;ge – wie der Untertitel bereits verr&#228;t – sowohl auf europ&#228;ische Verh&#228;ltnisse als auch auf jene im Nahen Osten. Nicht gerade wenig also haben sich die HerausgeberInnen vorgenommen, und tats&#228;chlich bietet das Buch vielschichtige Einblicke in zwei der wohl brisantesten und umstrittensten politischen Thematiken der Gegenwart. Dass im Rahmen eines Sammelbandes keine allumfassende Behandlung der „Vorurteile und Projektionen“ zu erwarten ist, wird dabei niemanden verwundern. Positiv f&#228;llt die differenzierte und von identit&#228;tspolitischen Mustern weitgehend freie Auseinandersetzung auf, ist doch dergleichen – selbst unter sich als emanzipatorisch verstehenden Gruppierungen – gegenw&#228;rtig nicht selbstverst&#228;ndlich auf der Tagesordnung.</p>
<p>Der Band geht zur&#252;ck auf eine im Mai 2005 an der Hebrew University in Jerusalem abgehaltene wissenschaftliche Tagung. Dies mag mit ein Grund sein, warum Stimmen aus sozialen Bewegungen nicht zu h&#246;ren und die Problematisierung von Antisemitismus bzw. Islamophobie innerhalb gesellschaftskritischer politischer Initiativen und Bewegungen nur am Rande thematisiert werden. Dies schm&#228;lert zwar nicht den Erkenntnisgewinn, der aus den Beitr&#228;gen des Buches gezogen werden kann, verengt allerdings den Blick auf die Ph&#228;nomene. Sichtbar wird dies beispielsweise, wenn politische AkteurInnen sich weitgehend auf Parteien und EU-Institutionen beschr&#228;nken (wie im Beitrag von Elisabeth K&#252;bler). Auff&#228;llig ist auch, dass – im Gegensatz zum Antisemitismus – ein scharf umrissener Begriff von Islamophobie fehlt. Letztere wird – und dem ist prinzipiell auch zuzustimmen – prim&#228;r vor dem Hintergrund des Kolonialismus verhandelt. Ein etwas genauer auf die Geschichte der Kulturalisierung bzw. das Religi&#246;s-Werden des kolonialistischen und rassistischen Imagin&#228;ren einzugehen, h&#228;tte allerdings nicht geschadet. Daniel Bar-Tals Text „Das Bild der Araber in der israelisch-j&#252;dischen Gesellschaft“ ist zumindest ein Schritt in diese Richtung.</p>
<p>Der Sammelband gliedert sich in zwei Teile: Im ersten werden die europ&#228;ischen Erscheinungsarten von Antisemitismus bzw. Islamophobie behandelt, im zweiten Teil ihre Ausformung in Nahost. Anstatt s&#228;mtliche in „Zwischen Antisemitismus und Islamophobie“ versammelten Beitr&#228;ge kurz zu referieren, m&#246;chte ich lediglich auf einige ausgew&#228;hlte Texte etwas ausf&#252;hrlicher eingehen. Dies soll jedoch die Bedeutung der unerw&#228;hnten Artikel nicht schm&#228;lern, bieten doch auch diese spannende Einsichten in verschiedene Aspekte der Thematik. Zun&#228;chst m&#246;chte ich auf den„europ&#228;ischen Teil“ eingehen.</p>
<p>Brian Klugs Text „Die Sicht auf Israel als ‚Jude der Welt‘“ analysiert scharfsichtig die Strategien, mit der proisraelische Intellektuelle, JournalistInnenen und PolitikerInnen jede Kritik an der Politik des Staates Israel in Antisemitismus umdeuten. Ohne den Antisemitismus als solchen harmlos zu reden, zeigt Klug die Strategien und Muster der Verallgemeinerung auf, mit denen einerseits alle J&#252;dinnen und Juden mit Israel identifiziert werden und die andererseits die Ausgeliefertheit und Machtlosigkeit des milit&#228;risch &#252;berlegenen Staates des Nahen Ostens beschw&#246;ren. Dabei wird nicht nur der Unterschied zwischen (Israel-kritischer) Politik und antisemitischer Projektion, sondern auch jener zwischen europ&#228;ischen und arabischen Antizionismus und Antisemitismus unterschlagen. „Antizionismus“, so Klug, „kann eine Maske f&#252;r Antisemitismus sein“ (83), muss es aber nicht. Bei dieser Unterscheidung geht es jedoch ums Ganze, sonst w&#228;re die Metapher der Maske ebenso sinnlos wie die Figur des „Wolf[s] in einem Wolfspelz“ (ebd.). Zwei „einfache“ Fragen Brian Klugs treffen den Nagel auf den Kopf: „Warum kehren so viele gebildete, intelligente und informierte Menschen […] rationalen Argumenten den R&#252;cken, wenn es um Israel und den israelisch-pal&#228;stinensischen Konflikt geht? Was geschieht mit ihrer F&#228;higkeit zur Kritik?“</p>
<p>&#196;u&#223;erst instruktiv ist auch Paul A. Silversteins Beitrag „Der Zusammenhang von Antisemitismus und Islamophobie in Frankreich“, bietet dieser doch nicht weniger als einen Schnelldurchgang durch die Geschichte des franz&#246;sischen Kolonialismus, dessen postkoloniale Variante sowie den Widerstand dagegen. Der „Krieg gegen den Terror“ begann in Frankreich schon lange vor 9/11 und ist mit der Reduktion von maghrebinischen Zuwanderern und Franz&#246;sInnen aus den ehemaligen Kolonien auf ihre (vermeintliche) Identit&#228;t als Muslime eng verkn&#252;pft. Diese Anrufung zeitigt jedoch auch bei den Angerufenen selbst Wirkung und so sehen viele franz&#246;sischer MaghrebinerInnen „die amerikanische Besetzung von Afghanistan oder des Irak oder auch die Zweite Intifada [auch als] ein Abbild des Kampfes, den sie in ihrem t&#228;glichen Leben f&#252;hren.“ (109) Die fr&#252;he Integration von J&#252;dinnen und Juden in die franz&#246;sische Gesellschaft passt vom Standpunkt der diskriminierten „Beurs“ vortrefflich in das Bild vom „Anderen“. Dies wirkt als Triebkraft f&#252;r antisemitsiche Ideologie. Wenn aber der hegemoniale Diskurs antisemitsiche Aussagen und Angriffe prim&#228;r als „islamistisch“ beschreibt, so wirkt dies doppelt: Zum einen werden rassistische und antisemitische &#220;bergriffe durch „wei&#223;e“ Franz&#246;sInnen aus dem Blickfeld ger&#252;ckt, zum anderen wird vom kolonialen Erbe und dessen antiislamischen Implikationen abgelenkt. Das „der Islam“ als einheitliches Gebilde nicht existiert, zeigt wiederum der – leider etwas zu kurz geratene – Epilog aufs allersch&#246;nste: Hier wird auf die symapthisierenden Beziehungen zwischen moslemischen BerberInnen und Juden bzw. J&#252;dinnen hingewiesen, und so ist Silverstein voll und ganz zuzustimmen, wenn er schreibt: „Unsere Analyse von Antisemitismus und Islamophobie in der heutigen Welt muss diese Orte betrachten, an denen unsere Kategorien der Betrachtung versagen.“ (116)</p>
<p>Im Folgenden m&#246;chte ich auf drei Texte aus dem Nahost-Teil des Buches eingehen. Sowohl Omar Kamils Beitrag „Die arabischen Intellektuellen und der Holocaust“ als auch jener von Michael Rothberg, „Der Holocaust, Kolonialfantasien und der Israel-Pal&#228;stina-Konflikt“, beschreiben das sich wechselseitig beeinflussende Verh&#228;ltnis zwischen der Erinnerung an den Kolonialismus und jener an den Holocaust. Die Auseinandersetzungen arabischer Intellektueller mit dem Holocaust sind nach wie vor beeintr&#228;chtigt bzw. verzerrt durch die Konstruktion einer Konkurrenz des Leidens der AraberInnen im Verh&#228;ltnis zum j&#252;dischen Leiden im Holocaust (vgl. 162). Dies f&#252;hre zu einer Beschr&#228;nkung in der Wahrnehmung historischer Tatsachen: Die Verortung der Ursachen sowohl des Holocausts als auch des Kolonialismus in Europa ist ein wesentlicher Aspekt bei der Erforschung beider. Die ungebrochene Einschreibung der Geschichte Israels in jene des Kolonialismus – ohne R&#252;cksicht auf die Verbindung seiner Gr&#252;ndung mit der Erfahrung des Holocaust – f&#252;hrt jedoch noch immer zu „Wahrnehmungsdefizigen“ unter arabischen Intellektuellen – und dies trotz der verst&#228;rkten Auseinandersetzung arabischer Intellektueller mit dem Holocaust, durch deren Geschichte Kamils Beitrag uns f&#252;hrt.</p>
<p>Michael Rothbergs Beitrag hingegen verweist auf die Verkn&#252;pfung kolonialer Fantasien mit der Erinnerung an den Holocaust in Israel. Er fokussiert – gleichsam als Gegenst&#252;ck zum Text von Kamil –auf „die Existenz apokalyptischer Kolonialfantasien neben der Holocausterinnerung eine enge und beunruhigende Verbindung zwischen europ&#228;ischen und israelischen Subjekten und Landschaften beweist.“ (181) Nach einem an Foucault orientierten Exkurs zur Diskussion um Vergleichbarkeit bzw. Einzigartigkeit des Holocaust in verschiedenen Diskursen wendet sich der Text konkreten Beispielen zu. Hier zeigt sich auch wie nahe der argumentative R&#252;ckgriff auf den Holocaust bei dessen Verharmlosung liegen kann, beispielsweise wenn er f&#252;r wildeste Kolonialfantasien in den Dienst genommen wird: Benni Morris, der ja vor nicht allzulanger Zeit auch in Wien bei einer vorgeblich progressiven Veranstaltung Atombombenabw&#252;rfe auf den Iran empfahl, will in einem Interview mit der israelischen Zeitung Ha´aretz die wilden Tiere (=PalestinenserInnen!) in einen K&#228;fig sperren und rechtfertigt mithin die ethnische S&#228;uberung von 1948. (186 f.) In einem anderen Interview gibt er sich apokalyptischen Fantasien &#252;ber den Ablauf des „zweiten Holocaust“ hin, im Zuge dessen die iranischen Mullahs unter „einem Portrait des st&#228;hlern dreinblickeneden Ajatollah Khomeinei“ die atomare Vernichtung der israelischen Bev&#246;lkerung befehlen werden (189). Unter Bezugnahme auf psychoanalytische Ans&#228;tze betrachtet Rothberg die Verbindungen von Erinnerungen, Fantasien und Identifikationen als Einschreibung europ&#228;ischer kolonialistischer Diskurse in die gegenw&#228;rtige Nahost-Politik: „Statt das Verbrechen des Genozids als Teil einer langen Geschichte von Eroberung und Gewalt gegen andere Nationen, Ethnien und Rassen zu verstehen, werden die Vertreter des Kolonialismus mit den Opfern des Holocausts verglichen und als potenzielle Opfer eines ‚zweiten Holocaust‘ dargestellt.“ (191) So wird letztlich durch den Vergleich eine „‚verletzliche‘ europ&#228;ische“ Position eingenommen“ (ebd.), „(d)er Wettkampf der Erinnerungen entfesselt einen Exzess“. (193) Einen argumentativen Exzess, m&#246;chte ich hinzuf&#252;gen, der in diesen Tagen seine milit&#228;rische Entsprechung im Krieg gegen die Bev&#246;lkerung des Gazastreifens gefunden hat.</p>
<p>Herbert C. Kelmans Reflexionen &#252;ber „Antisemitismus und Zionismus in der Debatte der Pal&#228;stinafrage“ beschliessen den Band. Im R&#252;ckgriff auf die Beitr&#228;ge von John Bunzl und Brian Klug lotet Kelman die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus aus. Ohne auf die – von Kelman auch mit Nachdruck betriebene – Kritik an der Politik Israels zu verzichten gelte es, das Verschwimmen der Grenze hin zum Antisemitismus zu verhindern, wenn zum Beispiel in der UN-Resolution von 1975 Zionismus einfach mit Rassismus gleichgesetzt und somit unter anderem auch die verschiedenen Auspr&#228;gungen des Zionismus unter den Tisch gekehrt werden. Kelman verweist hier auf progressive Zionisten wie Martin Buber oder linkszionischtische Friedensbewegungen.</p>
<p>Wie ich zu zeigen versucht habe, spricht gerade die thematische Breite des Sammelbandes f&#252;r seine Lekt&#252;re. Aber fehlt da nicht was? Sind sowohl Europa als auch der Nahe Osten nicht Klassengesellschaften? Sollten in einem Buch, zu dem – zumindest fr&#252;her – marxistische WissenschaftlerInnen ma&#223;geblich beigetragen haben, Klassenk&#228;mpfe, gesellschaftliche Arbeitsteilung (sowohl zwischen Hand- und Kopfarbeit als auch zwischen den Geschlechtern) zumindest EINE Rolle in der Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Islamophobie spielen? So wichtig die Beforschung kultureller Projektionen, postkoloniale Repr&#228;sentationskritik und die Auseinandersetzung mit politischen (Herrschafts)Institutionen auch ist, wer die sozio&#246;konomischen Bedingungen in ihrer Umk&#228;mpftheit au&#223;er Acht l&#228;sst, l&#246;st das im Vorwort gegebene Verprechen „der Debatte eine solide Grundlage hinzu[zuf&#252;gen]“ (12) nur bedingt ein – zumal sich auch in den hier nicht besprochenen Beitr&#228;gen keiner ernsthaft „die soziale Frage“ stellt. Von einer Auseinandersetzung mit der Hegemonie islamistischer Diskurse infolge des Bedeutungsverlustes des Marxismus im arabischen Raum beispielsweise h&#228;tten die in den diskutierten Texten verhandelten Themen mit Sicherheit profitiert.</p>
<p>Es mag an der Verfasstheit des akademischen Diskurses liegen, aber das, was Mitherausgeber John Bunzl beinahe versch&#228;mt ganz ans Ende seines Beitrages verbannt hat, sollte in k&#252;nftigen kritischen Analysen des Themas wohl am Anfang stehen: Eine Auseinandersetzung mit den „verdammten ‚root causes‘“ (141). Die abschlie&#223;ende Fu&#223;note (!) kl&#228;rt auf: „Gemeint sind regionale und soziale Formen von Ungleichheit und Unterdr&#252;ckung, vor allem aber die koloniale und repressive Politik Israels gegen&#252;ber den Pal&#228;stinensern sowie die Rolle der USA dabei.“ (ebd.) In &#228;lteren Publikationen Bunzls sind diese „root causes“ &#252;brigens durchaus auffindbar. Trotz oder vielmehr wegen dieses doch nicht unwesentlichen Problems ist das Buch zu empfehlen, als Nachweis, dass die Verh&#228;ltnisse so klar und eindeutig nicht sind, wie uns viele glauben machen wollen – und als Mahnung f&#252;r die kritische Wissenschaft: Niemals den Klassenkampf vergessen!</p>
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		<title>Migrantische K&#228;mpfe</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Feb 2009 11:06:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rezension: Bojadžijev, Manuela: Die windige Internationale. Rassismus und K&#228;mpfe der Migration, M&#252;nster: Westf&#228;lisches Dampfboot 2008, 310 Seiten, € 30,80]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Bojadžijev, Manuela: Die windige Internationale. Rassismus und K&#228;mpfe der Migration, M&#252;nster: Westf&#228;lisches Dampfboot 2008, 310 Seiten, € 30,80<br />
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Keine Frage, der Titel ist gut gew&#228;hlt: eine <em>Internationale</em>, wenn auch nur <em>windig</em>, das sch&#252;rt Erwartungen, politischer wie theoretischer Natur. Und auch der Untertitel verhei&#223;t Gutes: <em>Rassismus </em>und <em>Migration</em>, n&#228;her kann ein Buch aktuellen politischen Fragestellungen – zumal in &#214;sterreich – eigentlich kaum kommen; dazu noch <em>K&#228;mpfe</em>, linkes Herz was willst Du mehr? Die Vorfreude ist also geweckt, bleibt die Frage: h&#228;lt Manuela Bojadžijevs Buch, was es verspricht?</p>
<p>Die Autorin m&#246;chte, so macht sie in der Einleitung ihres Buches deutlich, den sozial- und geschichtswissenschaftlichen Blick auf Migration und Rassismus um eine bisher weitgehend unterbelichtete Perspektive erweitern: statt, wie so h&#228;ufig auch und gerade in kritischen Beitr&#228;gen, MigrantInnen lediglich als Objekte und naive Opfer staatlicher Migrationspolitik und <em>des </em>Rassismus zu betrachten, macht es sich Bojadžijev zur Aufgabe, die vielf&#228;ltigen K&#228;mpfe und Widerstandspraxen von MigrantInnen aufzusp&#252;ren und nachzuzeichnen, auf welche Art und Weise diese zur best&#228;ndigen Transformation und Reorganisation von Rassismus beigetragen haben. Diesen Versuch, „unserer Zeit die Erinnerung an jene sozialen K&#228;mpfe zur&#252;ckzugeben, deren Wissen nicht tradiert worden ist“ (12), unternimmt sie in der emanzipatorischen Absicht, „die Vergangenheit f&#252;r eine Perspektive der Befreiung vom Rassismus in der Gegenwart und Zukunft [zu &#246;ffnen]“ (13).</p>
<p>Bevor sich Bojadžijev jedoch ihrem konkreten Untersuchungsgegenstand, den sozialen K&#228;mpfen und Auseinandersetzungen von MigrantInnen in der Bundesrepublik Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren, zuwendet, erarbeitet sie in drei theoretischen bzw. theoriegeschichtlichen Kapiteln zun&#228;chst das begriffliche Instrumentarium ihrer Analyse. Im ersten Kapitel vermittelt die Autorin dem/der LeserIn in einer Art Crashkurs in beeindruckender Manier die wichtigsten Grundlagen kritischer Rassismustheorien – angefangen bei der Bestimmung der historischen Konjunkturen von Rassismus und an Balibar, Taguieff und Co. orientierten Ausf&#252;hrungen zum gegenw&#228;rtig vorherrschenden „Rassismus ohne Rassen“ bis hin zu staatstheoretischen &#220;berlegungen und der Frage von B&#252;rgerInnenrechten. Dass sie im Zuge dessen besonderen Wert auf die Prozesse der ideologischen Rassenkonstruktion, auf die Zuschreibung von Identit&#228;ten und Formen der Subjektivierung und Identifikation legt, deutet bereits auf jenen „Perspektivwechsel“ hin, den Bojadžijev am Ende dieses ersten Kapitels einfordert und der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht: nicht die durch den Rassismus erst hervorgebrachten Subjekte – die MigrantInnen – seien demnach in den Mittelpunkt einer kritischen, relationalen Rassismustheorie und der Bestimmung der historischen Konjunkturen verschiedener Rassismen zu stellen, sondern vielmehr deren K&#228;mpfe gegen Rassismus und rassistische Identit&#228;tszw&#228;nge – die <em>K&#228;mpfe der Migration</em>.</p>
<p>Insofern diese K&#228;mpfe &#252;ber antirassistische Praxen und Forderungen im engeren Sinne h&#228;ufig hinausgehen und sich eher in Gestalt von umfassenderen sozialen (Arbeits-)K&#228;mpfen artikulieren, muss auch eine Geschichtsschreibung derselben eine breitere Perspektive einnehmen. Ein Bild davon, wie eine solche auszusehen hat, entwickelt die Autorin im zweiten Kapitel in der R&#252;ckschau auf drei ihrer Ansicht nach gelungene historische Untersuchungen sozialer K&#228;mpfe. In ihrem Fokus auf den je spezifischen Zusammenhang von Migration, Rassismus und Arbeit sowie auf (staatliche) Strategien der Inkorporierung und Befriedung von K&#228;mpfen dienen diese drei, in unterschiedlichen Epochen kapitalistischer Entwicklung angesiedelten Analysen Bojadžijev als Muster und Orientierungsrahmen f&#252;r ihre eigene Untersuchung. Im Unterschied zu diesen positiven Referenzen unterzieht sie im Anschluss die erst seit Mitte der 1990er Jahre als solche existierende Migrationsgeschichtsschreibung in Deutschland einer pointierten Kritik und arbeitet deren gesellschaftsund rassismustheoretische Leerstellen und Verengungen heraus.</p>
<p>Vor diesem theoretischen und begrifflichen Hintergrund folgt dann im eigentlichen Hauptteil des Buches Bojadžijevs Untersuchung migrantischer K&#228;mpfe in der Bundesrepublik Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren. Hier fokussiert die Autorin zun&#228;chst auf das Zustandekommen und die Funktion der Anwerbevertr&#228;ge f&#252;r sogenannte „Gastarbeiter“ sowie auf die vielf&#228;ltigen und z. T. &#252;beraus kreativen Praxen und Taktiken der MigrantInnen, nach Deutschland zu gelangen und den Aufenthalt dort zu sichern. F&#252;r Bojadžijev stehen diese beiden Themenfelder in engem Zusammenhang: die Anwerbevertr&#228;ge stellen ihr zufolge nicht einfach nur eine Reaktion auf &#246;konomische Erfordernisse und Interessen dar, sondern bilden zugleich den letztlich hilflosen Versuch staatlicher Institutionen, bereits existierende Migrationsbewegungen einer Kontrolle zu unterwerfen. Dass durch diesen Kontrollanspruch und die damit verbundene Kategorisierung von Ausl&#228;nderInnen „illegale“ Einwanderung &#252;berhaupt erst erzeugt wird, macht die Autorin auf ebenso &#252;berzeugende Weise sichtbar wie die z. T. erfolgreichen K&#228;mpfe von MigrantInnen um Legalisierung und Bleiberecht. F&#252;r gr&#246;&#223;eren Diskussionsbedarf sorgt demgegen&#252;ber der Begriff der <em>Autonomie der Migration</em>, den Bojadžijev im Anschluss an Yann Moulier Boutang benutzt, um die &#252;ber staatliche Migrationspolitiken und Kontrollanspr&#252;che hinausweisende soziale und subjektive Eigensinnigkeit bzw. Autonomie von Migrationsbewegungen theoretisch zu fassen. Doch gerade weil, wie die Autorin selbst schreibt, Migration nicht „frei von bestehenden Formen der Vergesellschaftung [ist]“ (147) und sich also innerhalb gewisser herrschaftlich gepr&#228;gter Strukturen abspielt, erscheint in diesem Zusammenhang eine Begrifflichkeit fragw&#252;rdig, die wie jene der Autonomie genau das Bild einer solchen Freiheit impliziert.</p>
<p>Bevor die problematischen Konsequenzen einer solchen Terminologie am Ende des Buches noch einmal deutlich zutage treten, schl&#228;gt die Autorin den/die LeserIn jedoch zun&#228;chst weiter mit ihrer Analyse der migrantischen K&#228;mpfe im Deutschland der 1960er und 1970er in den Bann. Nach den Themenkomplexen <em>Anwerbevertr&#228;ge und (Il)Legalisierung</em> sind es autonome Kampf- und Organisationsformen im Betrieb sowie allt&#228;gliche und au&#223;erbetriebliche Auseinandersetzungen um Wohnraum und den Zugang zu sozialer Infrastruktur, die Bojadžijev beleuchtet. Indem sie dabei detailreiche und anschauliche Schilderungen einzelner Aktionen, K&#228;mpfe und Projekte – wilde Streiks, multinationale Betriebsarbeit, Wohnheim- und Kindergeldkampagnen, Mietstreiks, selbstorganisierte Zentren usw. – geschickt in theoretische &#220;berlegungen einbettet, schafft sie nicht nur einen gut lesbaren und h&#246;chst informativen &#220;berblick &#252;ber den bis dato im deutschsprachigenRaum kaum bekannten und z.T. entscheidenden Beitrag von MigrantInnen zu den sozialen K&#228;mpfen rund um „1968“. Vielmehr macht sie ihre Darstellung dar&#252;ber hinaus auch anschlussf&#228;hig f&#252;r grundlegende Fragestellungen linker Theorie und Praxis. So besitzen etwa nicht nur die aus rassistischen Spaltungen – beispielsweise des Arbeitsmarktes – f&#252;r die Organisierung und Mobilisierung von ArbeiterInnen erwachsenden Probleme und die Suche nach einer angemessenen Theoretisierung des Zusammenwirkens von Unterdr&#252;ckungsverh&#228;ltnissen – entlang der Kategorien Klasse, Geschlecht und Ethnizit&#228;t – gr&#246;&#223;te Aktualit&#228;t. Auch die vielf&#228;ltigen Versuche linker, zumeist autonomer und operaistisch beeinflusster Gruppierungen, solche Spaltungen zu &#252;berwinden und auf soziale K&#228;mpfe Einfluss zu nehmen, sind von mehr als nur historischem Interesse. Ebenso verh&#228;lt es sich mit den von der Autorin unter dem Begriff der „Rekuperation“ gefassten Prozessen der Vereinnahmung und Inkorporierung, mittels derer in den 1970er Jahren eine weitgehende Befriedung migrantischer K&#228;mpfe gelang: es ist nicht nur interessant, dass der heute allgegenw&#228;rtige Begriff der „Integration“ aus jener Zeit stammt, sondern auch f&#252;r gegenw&#228;rtige politische Auseinandersetzungen wichtig zu wissen, wie mit seiner Hilfe kollektive Forderungen nach einem besseren Leben in den Zwang zur individuellen Anpassung umgekehrt werden konnten. Und schlie&#223;lich kann eine effektive antirassistische Strategie wohl kaum ohne die Einsicht in jene Prozesse einer Kulturalisierung der Integrations- und Einwanderungsdebatte auskommen, die die Autorin am Ende ihrer historischen Untersuchung kurz als die entscheidende Entwicklungslinie seit dem Ende der 1970er Jahre skizziert.</p>
<p>Angesichts dieser F&#252;lle von Ankn&#252;pfungsm&#246;glichkeiten &#252;berrascht es umso mehr, wie Bojadžijev ihr Buch beschlie&#223;t: mit einem zwar intellektuell und theoretisch h&#246;chst anregenden, politisch aber entt&#228;uschenden Kapitel. Ausgehend von einer historisch und theoretisch begr&#252;ndeten Skepsis gegen&#252;ber der Kategorie der kulturellen Identit&#228;t versucht die Autorin hier in Auseinandersetzung mit Frantz Fanon und dem sp&#228;ten Louis Althusser – bzw. dessen Interpretation durch Antonio Negri– Praktiken der „Ent-Subjektivierung“, d. h. die Befreiung von rassistischen Zuschreibungen, als zentrales Element antirassistischer K&#228;mpfe stark zu machen und analytisch ad&#228;quate Auswege aus der spezifischen Zeitlichkeit von Rassismus aufzuzeigen. Wenngleich die Ergebnisse dieser Bem&#252;hungen aus rassismustheoretischer Perspektive wertvoll sind, droht das – auch theoretisch – einseitige Augenmerk auf die Vermeidung jeglicher Form der Identit&#228;tspolitik politisch l&#228;hmend zu wirken und der auf der Linken ohnehin bereits weit verbreiteten Position das Wort zu reden, mit MigrantInnen w&#228;re dann keine gemeinsame Politik zu machen, wenn diese in (reaktion&#228;ren) identit&#228;ren Mustern gefangen seien. Statt also Identit&#228;t von vorneherein pauschal mit dem Zwang zur Identifizierung gleichzusetzen und so selbst einen tendenziell essentialistischen, starren Begriff von Identit&#228;t zu reproduzieren, w&#228;re danach zu fragen, ob und inwieweit Identit&#228;t als Sedimentierung kollektiv geteilter Erfahrungen von Diskriminierung und Unterdr&#252;ckung nicht selbst eine Bedingung der M&#246;glichkeit von Widerstand und emanzipatorischer Politik darstellt. Die Frage, ob spezifische identit&#228;re Muster dann wirklich an progressive Positionen und Bewegungen anschlussf&#228;hig sind, l&#228;sst sich abstrakt nicht beantworten und bedarf der historisch-konkreten Analyse sowie einer Debatte &#252;ber Strategien und Organisationsformen linker Politik. Wo ein Sich-Einlassen auf dieses Feld und die ihm notwendigerweise inh&#228;renten Widerspr&#252;chlichkeiten und Problematiken jedoch durch Erw&#228;gungen theoretisch-abstrakter Natur erschwert wird, bleibt als politische Perspektive tats&#228;chlich nur mehr die diffuse Hoffnung auf die Autonomie der Migration als neuartige soziale Bewegung, die „nicht nur nationalstaatliche Grenzen, sondern auch die Grenzen unserer Vorstellung des Politischen“ (283) herausfordert. Was das konkret hei&#223;en soll, wird indes ebenso wenig ausgef&#252;hrt wie der konkrete Gehalt der von Bojadžijev beschworenen Praktiken der „Ent-Subjektivierung“. Diese inhaltliche Leerstelle ist gerade deshalb zu bedauern, weil nicht nur die umfangreiche und theoretisch reflektierte Untersuchung der migrantischen K&#228;mpfe der 1960er und 1970er Jahre eine F&#252;lle von wichtigen Fragen aufwirft, sondern die Autorin dank ihrer auf den historischen Wandel von Rassismus fokussierten Theorie auch in der Lage ist, die gegenw&#228;rtige, v. a. von Antiislamismus und Anti-ImmigrantInnen-Rassismus gepr&#228;gte Konjunktur rassistischer Denk- und Handlungsweisen zu erfassen. Insofern <em>Die windige Internationale</em> dank seines rassismustheoretischen Perspektivwechsels und der Geschichtsschreibung migrantischer K&#228;mpfe im deutschsprachigen Raum auf &#252;berzeugende Art und Weise Neuland betritt, d&#252;rfen diese politischen Einw&#228;nde gegen einzelne Argumente jedoch nicht als Pl&#228;doyer gegen das Buch insgesamt missverstanden werden. Denn auch wenn der Begriff der Internationalen letztlich ein wenig zu hoch gegriffen scheint, so sollte <em>Die windige Internationale</em> doch jedeR gelesen haben, der/die sich f&#252;r die komplexen Zusammenh&#228;nge von Migration, Rassismus und Arbeit interessiert und sich politisch dem Antirassismus verpflichtet f&#252;hlt</p>
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		<title>Vorsicht: Etikettenschwindel!</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Jan 2009 16:02:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>clemens</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Islamophobie]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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Gegen das hetzerische &#8220;Islam-Symposium&#8221;!
Am 28. uns 29. J&#228;nner findet an der Universit&#228;t Wien ein „Islam-Symposium“ unter dem Titel „Kritik der Gesellschaft – Kritik des Islam. Der politische Islam als Herausforderung f&#252;r Europa und Israel“ statt, veranstaltet von der in Wien ans&#228;ssigen Gruppe „Café Critique“ und der Studienvertretung Politikwissenschaft.
„Café Critique“ konnte sich seit einigen Jahren, insbesondere an der Uni Wien, [...]]]></description>
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<p style="text-align: justify;"><strong>Gegen das hetzerische &#8220;Islam-Symposium&#8221;!</strong></p>
<p>Am 28. uns 29. J&#228;nner findet an der Universit&#228;t Wien ein „Islam-Symposium“ unter dem Titel „Kritik der Gesellschaft – Kritik des Islam. Der politische Islam als Herausforderung f&#252;r Europa und Israel“ statt, veranstaltet von der in Wien ans&#228;ssigen Gruppe „Café Critique“ und der Studienvertretung Politikwissenschaft.</p>
<p class="MsoNormal">„Café Critique“ konnte sich seit einigen Jahren, insbesondere an der Uni Wien, als politische, ideologische und publizistische Speerspitze der so genannten „Antideutschen“ etablieren. Der Kampf gegen „den Islam“ und die bedingungslose, unkritische Unterst&#252;tzung (je)der israelischen Regierung (auch gegen die israelische Linke und Friedensbewegung) sind die politischen Eckpfeiler dieser Str&#246;mung. Dies beinhaltete die Unterst&#252;tzung des Kriegs gegen den Irak 2003 sowie aktuell die Forderung nach einem milit&#228;rischen Angriff auf den Iran. Auf einer von „Café Critique“ im Sommer 2008 mitveranstalteten Konferenz, die ironischerweise den Titel „Stop the Bomb!“ trug, forderte der israelische Historiker Benny Morris gar einen Atombombenabwurf auf den Iran.</p>
<p class="MsoNormal">Das „Islam-Symposium“ gibt nun vor, emanzipatorische Religionskritik zu formulieren. Stattdessen wird, wie sich aus der Beschreibung der Vortr&#228;ge sowie der Zusammensetzung der Vortragenden ablesen l&#228;sst, ein einheitliches und einseitiges Bild „des Islam“ als r&#252;ckst&#228;ndiger, barbarischer, faschistischer und antisemitischer Block propagiert. Alle Widerspr&#252;che und Differenzierungen werden in dieser Sicht eingeebnet, kritische Diskussion und emanzipatorische, antirassistische Politik torpediert. Dabei werden offen (kultur-)rassistische Positionen vertreten und Musliminnen und Muslime unter Generalverdacht gestellt. Nicht zuletzt wird dadurch den anti-muslimischen RassistInnen und DemagogInnen der politischen Rechten &#214;sterreichs in die H&#228;nde gespielt.</p>
<p class="MsoNormal">Dieses „Islam-Symposium“ ist ein weiterer Versuch von „Café Critique“, sich (mit Unterst&#252;tzung der Studienvertretung Politikwissenschaft) als wichtiger Teil des linken, kritischen Spektrums in Wien und insbesondere an der Universit&#228;t zu pr&#228;sentieren. Tats&#228;chlich handelt es sich bei den VeranstalterInnen um eine Clique von BellizistInnen, die jede Kritik an US-amerikanischen oder israelischen Kriegen als antiamerikanisch oder antisemitisch denunziert und die Welt in Gut und B&#246;se aufteilt: hier USA, Israel und das „neue Europa“, da „der Islam“ und alle die sich diesem manich&#228;ischem Weltbild nicht anschlie&#223;en wollen. Soziale Bewegungen, Klassenk&#228;mpfe oder Geschlechterverh&#228;ltnisse k&#246;nnen in diesem Bild keine Rolle spielen.</p>
<p class="MsoNormal">Aus diesen Gr&#252;nden protestieren wir gegen dieses „Islam-Symposium“ und halten fest, dass dessen VeranstalterInnen sich l&#228;ngst au&#223;erhalb jedes kritischen und emanzipatorischen Zusammenhangs positioniert haben.</p>
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		<title>US-Wahlen: Is real change coming?</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 15:20:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 6]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[Barack Obama ist vom idealistischen Au&#223;enseiter der Demokraten zum ersten schwarzen US-Pr&#228;sidentschaftskandidaten einer Gro&#223;partei geworden. <em>Gary Younge</em> untersucht die Bedeutung des Obama-Ph&#228;nomens sowie die Grenzen seiner politischen Agenda.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Barack Obama ist vom idealistischen Au&#223;enseiter der Demokraten zum ersten schwarzen US-Pr&#228;sidentschaftskandidaten einer Gro&#223;partei geworden. <em>Gary Younge</em> untersucht die Bedeutung des Obama-Ph&#228;nomens sowie die Grenzen seiner politischen Agenda.<br />
<span id="more-133"></span></p>
<p>Dieses Jahr war etwas anders an der Parade zum Martin Luther King Day in Charleston, South Carolina. Zu den Trommelschl&#228;gen der Marschkapellen schwarzer Schulen und den ruhigeren T&#246;nen ortsans&#228;ssiger schwarzer Pfarrer gesellten sich diesmal schwungvolle Ges&#228;nge von Vertretern lokaler schwarzer Kirchen und ein Pulk mehrheitlich wei&#223;er ehrenamtlicher WahlhelferInnen Barack Obamas: „Obama 08! We’re ready. Why wait?“ Unter ihnen war ein junger Mann, der nach Obamas Niederlage in den Vorwahlen in New Hampshire „so deprimiert“ war, dass er alles in Guatemala liegen und stehen gelassen hat, um zur&#252;ckzufliegen und mitzuhelfen. Da war auch eine &#228;ltere Dame aus Florida, die zwei Wochen zuvor sein Buch <em>Dreams From My Father</em> gelesen hatte und davon so inspiriert war, dass sie f&#252;hlte, sie m&#252;sse einfach etwas tun.<br />
Vom Gehsteig aus jubelten AfroamerikanerInnen Beifall. Ein paar Wochen zuvor hatte Obamas Sieg in Iowa (einem der wei&#223;esten Staaten der USA) bewiesen, dass die Pr&#228;sidentschaftskandidatur eines Schwarzen kein Wunschtraum mehr war. Nun war eine gr&#246;&#223;ere Zahl wei&#223;er WahlhelferInnen – die meisten von au&#223;erhalb der Stadt – zur Parade gekommen und forderte die SympathisantInnen auf, sich ihnen anzuschlie&#223;en. Hin und wieder gingen die WahlhelferInnen zum Gehsteig, teilten Flugbl&#228;tter aus, boten unbeholfen <em>High Fives</em> an oder umarmten gar einige Ortsans&#228;ssige.<br />
All das war nat&#252;rlich nicht der <em>Mississippi Freedom Summer</em>.<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> Aber es war immerhin etwas. Ein Moment. Ein politischer Moment, der hoffnungsvolles Engagement hervorrief. Innerhalb einer halben Stunde hatte er sich in Luft aufgel&#246;st. Die Parade war vorbei. Die wei&#223;en Ehrenamtlichen sprachen nun nicht mehr ohne Erlaubnis des Obama-Hauptquartiers mit mir, nicht einmal um ihre Begeisterung zu erkl&#228;ren. Als die Genehmigung eintraf, erz&#228;hlte der Mann aus Guatemala etwas &#252;ber das kommende „post-rassistische“<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> Amerika. W&#228;hrenddessen gingen die Schwarzen zur&#252;ck in ihre H&#228;user in den &#228;rmsten Teilen der Stadt und warteten auf Ver&#228;nderung.<br />
Es ist leicht, &#252;ber den historischen Charakter Obamas Pr&#228;sidentschaftskandidatur in Zynismus zu verfallen. In einer Nation, die sich ihrer gesellschaftlichen Leistungsorientierung und ihres unerbittlichen Fortschritts r&#252;hmt – auch wenn die soziale Mobilit&#228;t unter jener Gro&#223;britanniens liegt – k&#246;nnen symbolische Fortschritte leicht &#252;berbewertet werden. Das trifft insbesondere f&#252;r die politische Kultur Amerikas zu, in der die Wirklichkeit so stark von Image &#252;berlagert wird, dass George W. Bush gleichzeitig ein ehemalig alkohols&#252;chtiger Sohn reicher und m&#228;chtiger Eltern sein kann, und als Mann des Volkes wahrgenommen wird, mit dem die W&#228;hlerInnen am liebsten einen trinken gehen w&#252;rden.<br />
Dar&#252;ber hinaus war Obamas Sieg in den Vorwahlen weder so entscheidend, noch so eindeutig, wie oft dargestellt. Sicherlich, bis M&#228;rz hatte er sich eine fast unangreifbare F&#252;hrungsposition erarbeitet, die nur von den nicht gew&#228;hlten „Superdelegierten“<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> gef&#228;hrdet werden h&#228;tte k&#246;nnen. Doch seine F&#252;hrung war so best&#228;ndig wie knapp, und Hillary Clinton war stets nahe dran. Letztlich gewann er mit nur 0,4 Prozent Vorsprung bei den Stimmen und 7 Prozent bei den Delegierten. Sogar als sein Sieg praktisch sicher war, gewann Clinton sechs der letzten zehn Staaten und Wahlkreise – nicht wirklich ein Vertrauensvotum der Demokratischen Basis.<br />
Indem er sieben „wei&#223;e“ und neun „schwarze“ Bundesstaaten gewann, brach er mit den bisherigen Vorstellungen davon, was ein schwarzer Politiker in der US-Politik auf nationaler Ebene erreichen kann. Doch das neue Bild ist nicht wirklich jenes einer &#196;ra „post-rassistischer“ Politik, wie so viele behaupten. In Gegenden, in denen gen&#252;gend Schwarze leben, dass race – und Rassismus – die lokale politische Kultur pr&#228;gen, aber nicht genug, um eine ins Gewicht fallende Anzahl an Stimmen darzustellen, schw&#228;chelte Obama. Clinton gewann acht der zehn Staaten, in denen der Anteil der schwarzen Bev&#246;lkerung knapp unter dem nationalen Durchschnitt liegt. Darunter waren auch die f&#252;r die Pr&#228;sidentschaftswahl strategisch wichtigen „Swing States“<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> Ohio, Pennsylvania, Missouri und Nevada.</p>
<h3>Armut</h3>
<p>Doch obwohl seine Kandidatur einen wahltechnischen Fortschritt f&#252;r Afro-AmerikanerInnen bedeutet, sagt sie ungef&#228;hr so viel &#252;ber die soziale und &#246;konomische Situation schwarzer AmerikanerInnen aus, wie die Wahl der verstorbenen Benazir Bhutto &#252;ber die Lage der Frauen in Pakistan. Tats&#228;chlich steht Obamas Kandidatur nicht im Einklang mit dem sozialen Aufstieg von AfroamerikanerInnen, sondern stellt einen Ausnahmefall dar. Einem Bericht des <em>Pew Research Centre</em> vom November letzten Jahres zufolge sind schwarze AmerikanerInnen mit ihrer Lebenssituation unzufriedener als jemals in den letzen zwanzig Jahren. Eine andere, zur selben Zeit von <em>Pew </em>ver&#246;ffentlichte Erhebung zeigt, dass ann&#228;hernd die H&#228;lfte (45 Prozent) der AfroamerikanerInnen, die nach der B&#252;rgerrechts-&#196;ra als Kinder von Eltern mit mittlerem Einkommen geboren wurden, als Erwachsene in Armut oder Armutsn&#228;he abstiegen.<br />
„[Obama] wird als Verk&#246;rperung der Farbenblindheit wahrgenommen“, meinte Angela Davis, Professorin f&#252;r Ideengeschichte an der University of California, Santa Cruz, letztes Jahr zu mir. „Es ist die Idee, dass wir den Rassismus hinter uns gelassen haben, indem wir race nicht mehr ber&#252;cksichtigen. Das ist es, was ihn als Pr&#228;sidentschaftskandidaten denkbar macht. Er ist zum Modell f&#252;r Diversit&#228;t in dieser Zeit geworden… ein Modell von Diversit&#228;t als ein Unterschied, der keinen Unterschied macht. Die Ver&#228;nderung, die keine Ver&#228;nderung bedeutet.“ Letzlich hat er keine <em>multi-racial</em> Koalition gebildet, sondern eine <em>bi-racial</em> Koalition. Clintons Basis wurde f&#228;lschlicherweise als aus der wei&#223;en ArbeiterInnenklasse und &#228;lteren wei&#223;en Frauen bestehend dargestellt. Doch in Kalifornien stimmten aus Lateinamerika und Asien stammende AmerikanerInnen st&#228;rker f&#252;r Clinton als Wei&#223;e und erm&#246;glichten so ihren Sieg. Das selbe war mit Latinos und Latinas in Texas der Fall. Tats&#228;chlich war der einzige Staat, in dem Obama die Latino/a-Stimmen gewonnen hat, sein Heimatstaat Illinois. Und selbst dort mit nur einem Prozent Vorsprung.<br />
Obamas Sieg war also knapp. Der Symbolgehalt seiner Kandidatur wurde ebenso &#252;bertrieben wie seine F&#228;higkeit, die rassifizierte und ethnische Kluft zu &#252;berwinden. Dennoch war es ein Sieg. Dennoch ist seine Kandidatur historisch und symbolisch wichtig. Und er bildete tats&#228;chlich ein B&#252;ndnis, das sich &#252;ber rassistische Linien hinweg setzte. Dies ist keine geringe Leistung, und sie nicht ernst zu nehmen w&#228;re kein geringerer Fehler, als sie zu &#252;bertreiben. Damit sie wirklich bedeutsam sein kann, muss sie etwas Substantielles symbolisieren, und gelegentlich kann dieses „etwas“ ziemlich entscheidend sein. In Obamas Fall wurde sein Aufstieg durch die B&#252;rgerrechtsbewegung und deren Erben erm&#246;glicht, auch wenn sein Programm diesen gegen&#252;ber einen Paradigmenwechsel darstellt.<br />
In der Vergangenheit kam schwarze politische F&#252;hrung in erster Linie aus religi&#246;sen Institutionen. W&#228;hrend der zweiten H&#228;lfte des letzten Jahrhunderts gingen schwarze F&#252;hrungspersonen haupts&#228;chlich aus religi&#246;sen Institutionen hervor, die seit der Sklaverei einen der wenigen autonomen Bereiche schwarzen Lebens bildeten. „Die zentrale soziale Institution in jeder schwarzen community war die Kirche“, schrieb der schwarze Wissenschafter und Aktivist Manning Marable. „Als politische F&#252;hrer waren die schwarzen Kleriker gew&#246;hnlich die Wortf&#252;hrer f&#252;r die gesamte schwarze Community, besonders in Krisenzeiten. Als das politische System demokratischer wurde und Schwarze an Wahlen teilnehmen konnten, war es nur ein kleiner Schritt vom F&#252;hren einer gro&#223;en Kirche zur Kandidatur f&#252;r ein &#246;ffentliches Amt“.<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> Wie problematisch die Rolle der Kirche auch war, sie war trotz allem organisch mit der schwarzen Community verbunden. Doch die Erfolge des Civil Rights Movement er&#246;ffnete andere M&#246;glichkeiten f&#252;r eine neue Generation schwarzer F&#252;hrungspersonen, von denen Obama nur die prominenteste Figur ist. Ihre politischen Ausrichtungen m&#246;gen unterschiedlich sein, aber ihr Werdegang ist &#228;hnlich. Sie alle haben – wie Obama, der die Universit&#228;ten Columbia und Harvard besuchte – Lebensl&#228;ufe, f&#252;r die man sterben w&#252;rde. Unter ihnen finden sich der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick (Harvard); der B&#252;rgermeister von Newark, Cory Brooker (Yale); der Vorsitzende des Democratic Leadership Council und ehemalige Krongressabgeordnete aus Tennessee, Harold Ford Jr. (University of Pennsylvania); und der Vizegouverneur von Maryland, Anthony Brow (Harvard). Solche Karrieren sind nicht die Regel, aber sie sind heute auch keine Ausnahmen mehr.<br />
In anderen Worten, die schwarzen F&#252;hrungspers&#246;nlichkeiten der Vergangenheit wurden aus den schwarzen Communities hervorgebracht. Heute ist es wahrscheinlicher, dass sie diesen pr&#228;sentiert werden. Das erkl&#228;rt die Ambivalenz, die schwarze W&#228;hlerInnen Obama gegen&#252;ber anf&#228;nglich an den Tag legten. Nach acht Jahren Colin Powell und Condoleezza Rice hatten sie keine Ahnung, wer er war und wollten wissen, woher er kam und wen er vorhatte zu vertreten. „Sind sie schwarz genug?“ war oft die Kurzfassung des allgemeinen Bedenkens der W&#228;hlerInnen: „Werden sie meine Interessen vertreten?“ Als Obamas WahlhelferInnen den Martin Luther King Day in Charleston beehrten, war diese Z&#246;gerlichkeit bereits verschwunden. Zu dem Zeitpunkt, als Bill Clinton damit aufgeh&#246;rt hatte, Obama in rassistisch kodierten Begriffen anzugreifen, hatte sich die Ambivalenz – &#252;ber eine Phase des schwarzen Selbstbewusstseins – in eine antirassistische Verteidigungshaltung verwandelt, die die schwarzen Stimmen f&#252;r die restlichen Vorwahlen sichern konnte.<br />
Doch diese Generation schwarzer Politiker hat auch Zugang zu einer weiteren Ressource, die ihnen noch vor 20 Jahren kaum zug&#228;nglich war – wei&#223;e Stimmen. 1958 gaben 53 Prozent der W&#228;hlerInnen an, sie w&#252;rden nicht f&#252;r einen schwarzen Kandidaten stimmen, 1984 waren es 16 Prozent, 2006 dann 6 Prozent. Vor 1958 dachten MeinungsforscherInnen nicht einmal daran, die Frage zu stellen. Dies ist eine der zentralen Tatsachen, welche die M&#246;glichkeiten f&#252;r schwarze PolitikerInnen heute neu gestalten – wei&#223;e AmerikanerInnen sind zu einem m&#246;glichen W&#228;hlerInnenkreis f&#252;r schwarze KandidatInnen geworden, was aus diesen wiederum ernstzunehmende MitbewerberInnen au&#223;erhalb der schwarzen Community macht.<br />
„Die Generation der B&#252;rgerrechtsbewegung sah die Politik als n&#228;chsten Schritt im Kampf um B&#252;rgerrechte“ erkl&#228;rt Salim Muwakkil, Herausgeber der Monatszeitschrift <em>In These Times</em>, „ihr Ziel war, dass ihr Programm aufgenommen w&#252;rde, wer auch immer gewinnen sollte. Doch die neue Generation versteht Politik nicht als den n&#228;chsten Schritt, sondern einfach als das, was sie ist – Politik. Ihr Ziel ist, zu gewinnen.“ Das ist eine echte Weiterentwicklung. Aber sie bringt echte Herausforderungen mit sich. Um erfolgreich zu sein, muss diese neue Generation auf eine andere Basis R&#252;cksicht nehmen und andere Interessenskoalitionen zusammenf&#252;hren, als es ihre Vorg&#228;ngerInnen taten. Das verlangt einen anderen rhetorischen Stil, andere Formen der Kampagne und macht eine Ver&#228;nderung der Strategie erforderlich. Darin liegt der zentrale Generationenkonflikt zwischen Obama und seinem ehemaligen Pfarrer, Reverend Jeremiah Wright. Wrights &#228;tzende Kommentare &#252;ber die US-Au&#223;enpolitik sind an afroamerikanischen Mittagstischen so &#252;blich wie scharfe Sauce, auch wenn sie manche Wei&#223;e schockierten. Doch in einer fr&#252;heren Generation h&#228;tte Wright keine Peinlichkeit f&#252;r den Kandidaten dargestellt.<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a> Er w&#228;re selbst der Kandidat gewesen. Und er h&#228;tte nicht auf die Sensibilit&#228;ten von Wei&#223;en achten m&#252;ssen.<br />
Obama wei&#223; das alles nur zu gut. In <em>The Audicy of Hope</em> erinnert er sich daran, wie er im Senat von Illinois mit einem wei&#223;en Abgeordneten sa&#223;, w&#228;hrend sie einem schwarzen Kollegen zuh&#246;rten, der eine Rede &#252;ber die rassistischen Implikationen der Abschaffung eines bestimmten Programms hielt. „Wei&#223;t du was das Problem mit ihm ist“,  bemerkte der wei&#223;e Senator, „immer wenn ich ihn sprechen h&#246;re, f&#252;hle ich mich noch wei&#223;er“. Obama dachte nach: „Um meinen schwarzen Kollegen zu verteidigen, wies ich darauf hin, dass es nicht immer einfach ist, den richtigen Ton zu treffen, wenn man die enormen Belastungen anspricht, von denen die eigene W&#228;hlerschaft  betroffen ist: zu w&#252;tend? Nicht w&#252;tend genug?<br />
Trotzdem war [sein] Kommentar instruktiv. Ob zu Recht oder zu Unrecht, ‚wei&#223;e Schuld‘ [<em>white guilt</em>] hat sich in Amerika gr&#246;&#223;tenteils ersch&#246;pft.“</p>
<h3>Geouted</h3>
<p>Ob „wei&#223;e Schuld“ jemals wirklicht ausge&#252;bt, ausgetrieben oder gar aufgebraucht wurde, und ob es jemals irgendjemandem Gutes tat, wenn dies passierte, sind hypothetische Fragen. Tatsache ist, dass ein schwarzer Politiker, der die Unterst&#252;tzung von Wei&#223;en will, zuerst den „richtigen Ton“ finden muss. F&#252;r Obama war es ein Teil dieser Strategie, zu insistieren, er habe die Frage der <em>race </em>&#252;berwunden. „Es gibt kein schwarzes Amerika oder ein wei&#223;es Amerika; es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika“ sagte er der Democratic National Convention in seiner Rede, die ihm 2004 erstmals zu gro&#223;er Aufmerksamkeit verhalf. In vieler Hinsicht war seine <em>race </em>sein am schlechtesten geh&#252;tetes Geheimnis. Eine seiner zentralen Aufgaben scheint es zu sein, Wei&#223;en keine Angst zu machen; also muss er einen Weg finden, Wei&#223;e dazu zu bringen, sich dabei wohl zu f&#252;hlen, wenn sie einen schwarzen Kandidaten w&#228;hlen, ohne wirklich dar&#252;ber zu sprechen.<br />
Ansonsten ist, abgesehen von ein paar Bezugnahmen auf die B&#252;rgerrechtsbewegung, <em>race</em> zwar von seiner Botschaft praktisch abwesend, aber gleichzeitig zentral f&#252;r seine Bedeutung. St&#228;ndig und sehr subtil evoziert er den historischen Charakter seiner Kandidatur. Doch in Momenten starker rassistischer Spannungen – etwa als Polizisten einen unbewaffneten schwarzen New Yorker mit f&#252;nfzig Kugeln niederstreckten, oder bei den ma&#223;losen und diskriminierenden Anklagen, die gegen sechs schwarze Jugendliche in Jena, Louisiana erhoben wurden, die angeblich in eine Schulhofpr&#252;gelei verwickelt waren – kamen seine Antworten sp&#228;t und halbherzig. K&#252;rzlich, bei einem Treffen in Detroit, hinderten WahlhelferInnen Obamas Kopftuch tragende Musliminnen daran, hinter diesem zu sitzen. Am vierzigsten Jahrestag der Ermordung von Martin Luther King schafften es McCain und Clinton nach Memphis, Obama aber blieb fern. Solche strategischen Abwesenheiten ernteten ernste Kritik von vielen AfroamerikanerInnen.<br />
Aber hin und wieder wird er geouted. Die Jeremiah Wright-Kontroverse, in der ein gro&#223;er Teil des wei&#223;en Amerikas ersch&#252;ttert schien, als es entdeckte, dass sein neuer schwarzer Freund selbst einen schwarzen Freund hatte, war bis jetzt das eklatanteste Beispiel. In letzter Zeit wurden diese outings auf seine Frau Michelle abgelenkt. Als Demokraten die Republikaner aufforderten, ihre Attacken auf Michelle Obama einzustellen, titelte Rupert Mudochs <em>Fox News</em> mit der Zeile: „Schockierte Liberale: h&#246;rt auf, auf Obamas <em>baby mama </em>herumzuhacken“. In der Nacht, in der Obama die Nominierung gewann, ballte er die Faust mit Michelle – ein &#252;blicher, banaler Gru&#223; unter AfroamerikanerInnen und Jugendlichen. <em>Fox News</em> nannte es einen „terroristischen Gru&#223;“. Offensichtlich gibt es ein wei&#223;es und ein schwarzes Amerika. Beide leben in unterschiedlichen, wenn auch sich &#252;berschneidenden, kulturellen R&#228;umen. Die Segregation, die sie trennt, ist nicht nur physisch, sondern psychisch. Bevor Obama <em>race </em>&#252;berschreiten kann, wird er seinen Teil dazu beitragen m&#252;ssen, den Rassismus abzuschaffen, der das Konzept „Rasse“ &#252;berhaupt m&#246;glich macht.<br />
Doch der symbolische Charakter seiner Kandidatur geht &#252;ber Fragen der Hautfarbe hinaus. Indem er gegen Hilary Clinton und John McCain antrat, repr&#228;sentiert er einen Generationenbruch mit den allzu bekannten Namen, welche das amerikanische politische System in den letzten zwei Jahrzehnten dominierten – zu einem Zeitpunkt, da AmerikanerInnen inst&#228;ndig einen Kurswechsel w&#252;nschen.<br />
Nur 15 Prozent glauben, dass Amerika auf dem richtigen Weg ist – ein Drittel der Zahl nach der Wahl Bushs 2004. Mittlerweile glaubt beinahe die H&#228;lfte, dass die besten Tage des Landes vor&#252;ber sind. In den letzten 18 Monaten hat fast jede Umfrage, in der AmerikanerInnen &#252;ber die F&#252;hrung ihres Landes befragt wurden, Reaktionen zu Tage gef&#246;rdert, die zu den pessimistischsten aller Zeiten z&#228;hlen – die l&#228;ngste Periode, an die man sich seit Watergate erinnern kann. Und es ist nicht schwer zu erkennen, warum. Rund zwei Drittel sind mit Bushs Vorgehen im Irak nicht einverstanden, das KonsumentInnenvertrauen ist das niedrigste seit Jahrzehnten, und drei Viertel der Bev&#246;lkerung glauben, dass die wirtschaftliche Entwicklung noch schlimmer wird. L&#246;hne stagnieren, die Kosten f&#252;r Nahrung und Benzin schie&#223;en in die H&#246;he und die Preise f&#252;r Immobilien st&#252;rzen ab.<br />
Ver&#228;nderung (<em>change</em>) mag ein Obama-Slogan sein. Aber es ist auch das tiefe Verlangen einer &#252;berw&#228;ltigenden Mehrheit der AmerikanerInnen, die in den letzten acht Jahren ZeugInnen eines rapiden Niedergangs sowohl der eigenen Lebensumst&#228;nde als auch des globalen Ansehens der USA wurden.<br />
Obamas Kandidatur bietet keine wirkliche L&#246;sung f&#252;r diese Probleme. Er ist kein Radikaler. Im Bezug auf Politikinhalte ist seine Agenda nicht progressiver als jene Clintons. Seine Antworten auf die dr&#228;ngenden Fragen, denen sich die USA im Inland wie auf internationaler Ebene stellen muss, sind inad&#228;quat und teilweise recht naiv. Am Tag nachdem er die Nominierung unter Dach und Fach hatte, deklarierte er sich vor der Pro-Israel Lobby als „wahrer Freund Israels“ und versprach: „Jerusalem wird die Hauptstadt Israels bleiben, und sie muss ungeteilt bleiben“. (Tats&#228;chlich wird Jerusalem nicht offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt. Nur Israel selbst behauptet das.)<br />
Seine Programme sowohl f&#252;r das Gesundheitswesen, als auch die Hypothekenkrise betreffend, waren von allen HauptkandidatInnen die am wenigsten umfangreichen. Sein BeraterInnenstab ist voll von Neoliberalen und Pro-Israelis. Er hat versprochen, den Gro&#223;teil der Truppen aus dem Irak abzuziehen, aber nur unter der Bedingung, dass die Situation vor Ort dies zul&#228;sst. Das kann alles bedeuten, oder auch nichts.<br />
Dass er eine deutliche Verbesserung gegen&#252;ber McCain darstellt, einem Abtreibungsgegner, der sagte, es sei ihm egal, ob die US-Truppen f&#252;r weitere tausend Jahre im Irak bleiben w&#252;rden, ist zweifellos wahr. Allgemein mag es keine gro&#223;en Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten geben, aber der kleine Unterschied, den es gibt, k&#246;nnte f&#252;r viele Leute einen gro&#223;en Unterschied machen. Acht Jahre Bush setzten die Latte beklagenswert niedrig.</p>
<h3>Warum die Begeisterung?</h3>
<p>Nun, die Wirkmacht von Momenten wie jenen in Charleston am <em>Martin Luther King Day</em> – so fl&#252;chtig und illusorisch sie scheinen m&#246;gen – wird weiterhin im ganzen Land, in je eigenen Formen wiederholt. Jedes Mal kommen seine mehrere Generationen umfassenden Scharen unterschiedlicher Hautfarbe zusammen; aus Illusionen scheinen sie eine neue Wirklichkeit zu kreieren.<br />
Das Potential liegt nicht so sehr in Obama selbst, als in denen, die ihn unterst&#252;tzen. Er hat es geschafft, W&#228;hlerInnenschaften zu aktivieren, die lange f&#252;r entweder indifferent oder inaktiv gehalten wurden, und eine politische Kultur anzuregen, die seit 2004 (und ungeachtet des Triumphs der Demokraten 2006) quasi tot war – besonders unter J&#252;ngeren und Schwarzen, die ihre Beteiligung bei den Vorwahlen der Demokraten verglichen mit 2004 um 25 Prozent erh&#246;hten.<br />
Was die Wahlen betrifft, k&#246;nnte er in Bereichen erfolgreich sein, in denen Demokraten seit Jahrzehenten nicht mehr konkurrenzf&#228;hig waren. Doch es ist noch fr&#252;h, ein Sieg McCains ist absolut m&#246;glich. Die Heftigkeit der republikanischen Angriffsmaschine ist wohlbekannt, die M&#228;chtigkeit von Rassismus und Xenophobie in den USA m&#252;ssen noch auf die Probe gestellt werden. Doch bis jetzt zeigen die Umfragen, dass Obama all jene Staaten verteidigt, in denen Kerry knapp gewonnen hatte, einige gewinnt, in denen Bush knapp gewonnen hatte, und viele von jenen herausfordert, von denen Republikaner niemals dachten, dass sie sie verteidigen m&#252;ssten, wie Virgina, North Carolina und sogar Mississippi. Jene Bev&#246;lkerungsteile, die er im Kampf mit Clinton nicht gewann, scheinen ihn nun zu untst&#252;tzen. Je nachdem, welche Umfrage man ansieht, f&#252;hrt er vor McCain bei den Frauen um 13 bis 19 Prozent. Kerry hatte bei Frauen um 3 Prozent gewonnen. Unter Latinos/as schl&#228;gt er McCain mit 62 zu 28 Prozent, Bush bekam 44 Prozent. Letzten Endes scheinen W&#228;hlerInnen Krieg, Arbeitslosigkeit, Anti-Abtreibungsgesetzgebung und Pf&#228;ndungen mehr zu hassen als Schwarze. Wer wei&#223;, wie viele feurige Priester, geballte F&#228;uste und „<em>baby mama</em>“- Sager das &#228;ndern k&#246;nnen.<br />
Aber zun&#228;chst mussten Wahlregistrierungsb&#252;ros in gr&#246;&#223;tenteils schwarzen Gegenden in Louisiana neues Personal anstellen und Zw&#246;lf-Stunden-Schichten einlegen, nachdem die Demokraten dort zur W&#228;hlerInnenrergistrierung aufgerufen hatten. Kurz vor den Vorwahlen in Oregon sprach er vor 75.000 Menschen. In South Carolina erhielt er allein mehr Wahlstimmen, als alle KandidatInnen der Demokraten im Vorjahr zusammen. Meiner Tante in Houston zu Folge verwandelte er meinen Cousin von einem <em>couch potato</em> in einen Wahlbezirksleiter.<br />
Ihm wurde nachgesagt eine Grassroots-Bewegung anzuf&#252;hren. Das ist nur die halbe Wahrheit. Sicherlich sind es Grassroots. Bei &#252;ber das Internet organisierten Treffen kommen die Leute unabh&#228;ngig von der Kampagne zusammen. Auf <em>Facebook</em> hat seine Kandidatur ein Eigenleben entwickelt. Ein Grund daf&#252;r, dass er die Vorwahlen f&#252;r sich entscheiden konnte, ist darin zu suchen, dass seine Unterst&#252;tzerInnen engagierter und auf lokaler Ebene besser organisiert sind als jene Clintons. Aber es ist keine Bewegung. Bis jetzt hat die Kampagne keinen Zweck und keine Bedeutung, die &#252;ber seine Wahl hinausgeht. Seine Kandidatur wurde durch die gro&#223;e Welle an Energie, die nach der Mutlosigkeit der Bush-Jahre freigesetzt wurde, erm&#246;glicht, sie fungierte auch als Bindemittel f&#252;r diese Energie, die nirgendwo anders hin flie&#223;en konnte. Die zentrale Frage ist, wie sich das symbiotische Verh&#228;ltnis zwischen seiner gro&#223;en und hoffnungsvollen Basis und seiner Kandidatur &#252;ber die n&#228;chsten Monate entwickeln wird – ob und wie eine echte politische Basis aus dem Moment des Wahlkampfs entstehen kann. Die F&#228;higkeit und auch das Verlangen seiner Unterst&#252;tzerInnen, eine von der Kampagne unabh&#228;ngige Rolle zu spielen, wird w&#228;hrend eines Wahljahres begrenzt sein, nicht zuletzt wenn nach zwei Amtszeiten republikanischer Missregierung die Aussicht auf einen Sieg McCains realistisch ist. Das &#228;ndert nichts daran, dass sie dies tun m&#252;ssen, wollen sie ihre Erwartungen erf&#252;llt sehen.</p>
<p>Die meisten linken Kritiken an Obamas Politik sind richtig und notwendig, verfehlen f&#252;r sich allein genommen aber das Wesentliche. Jene, die wollen, dass er eine progressivere Agenda &#252;bernimmt, m&#252;ssen zuallererst eine progressive Bewegung etablieren, an die er sich wenden kann. Es ist keineswegs gesichert, dass das geschieht. Aber es ist zumindest m&#246;glich. Und nach den letzten Jahren bedeutet alleine diese M&#246;glichkeit einen bedeutenden Fortschritt.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><em>Gary Younge</em> ist Kolumnist und New York-Korrespondent der britischen Tageszeitung <em>The Guardian</em>n.<br />
Erstmals erschienen in <a href="http://www.socialistreview.org.uk/issue.php?issue=327" target="_blank"><em>Socialist Review</em></a> Juli/August 2008.<br />
&#220;bersetzt von Katherina Kinzel und Benjamin Opratko.</p>
<p><a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Als Misssissippi Freedom Summer wird die 1964 vom Council of Federated Organisations (COFO) gestartete Kampagne bezeichnet, die m&#246;glichst viele Afro-AmerikanerInnen dazu motivieren sollte, sich f&#252;r die Wahlen, von denen Schwarze zuvor ausgeschlossen gewesen waren, registrieren zu lassen. Auch hier waren die ehrenamtlichen HelferInnen gr&#246;&#223;tenteils junge Wei&#223;e (Anm. d. &#220;.).<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> „post-racial“ (Anm. d. &#220;.)<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> „Superdelegierte“ ist der informelle Name f&#252;r die Partei-Elite der Demokraten: (ehemalige) Kongressabgeordnete, Senatoren, Gouverneure, Mitglieder der Parteif&#252;hrung etc., die Kraft ihres Amtes ein Stimmrecht auf dem Wahlparteitag haben, ohne an die Ergebnisse der Vorwahlen gebunden zu sein.<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a>„Swing States“ sind Bundesstaaten, in denen ein knappes Ergebnis zwischen Demokraten und Republikanern erwartet wird. Aufgrund des US-amerikanischen „winner takes all“-Systems, in dem der Sieger in einem Bundesstaat die Stimmen aller „Wahlm&#228;nner“ erh&#228;lt, sind diese Staaten f&#252;r den Wahlausgang besonders entscheidend.<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Marable, Manning: Black Leadership, New York 1998<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Rev. Wright war der Pfarrer und langj&#228;hrige Vertraute von Barack Obama. Im M&#228;rz 2008 wurden „unpatriotische“ und „unamerikanische“ Aussagen in Wrights Predigten publik gemacht, in denen er den USA unter anderem die Vertreibung der indigenen nordamerikanischen Bev&#246;lkerung, die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, die Unterst&#252;tzung von Staatsterrorismus in S&#252;dafrika und Pal&#228;stina und nicht zuletzt die unmenschliche Behandlung schwarzer AmerikanerInnen vorwarf. Obama distanzierte sich darauf hin von seinem langj&#228;hrigen Mentor.</p>
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