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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Körpergeschichte</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Perspektiven Nr. 9 komplett online</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 16:15:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Körpergeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Um euch die Wartezeit auf die demn&#228;chst erscheinende Jubil&#228;ums-Ausgabe Nr. 10 zu verk&#252;rzen, gibt es nun die gesamte Perspektiven Nr. 9 zu  Schwerpunkt Ge_schlechte_rverh&#228;ltnisse im Kapitalismus online:

Maria Asenbaum und Katherina Kinzel zum schwierigen Verh&#228;ltnis zwischen Marxismus und Feminismus &#8211; Veronika Duma und Tobias Boos zur Geschichte der (b&#252;rgerlichen) Geschlechts-K&#246;rper &#8211; Katharina Hajek und Benjamin Opratko zu Geschlechterpolitik und Wirtschaftskrise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um euch die Wartezeit auf die demn&#228;chst erscheinende Jubil&#228;ums-Ausgabe Nr. 10 zu verk&#252;rzen, gibt es nun die gesamte <a href="http://www.perspektiven-online.at/?cat=50" target="_self">Perspektiven Nr. 9</a> zu  Schwerpunkt <strong>Ge_schlechte_rverh&#228;ltnisse im Kapitalismus</strong> online:</p>
<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/?cat=50"><img class="alignleft size-medium wp-image-739" title="perspektiven9-cover-toc_page_11" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/01/perspektiven9-cover-toc_page_11-212x300.jpg" alt="perspektiven9-cover-toc_page_11" width="212" height="300" /></a></p>
<p>Maria Asenbaum und Katherina Kinzel zum schwierigen Verh&#228;ltnis zwischen <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=671" target="_self">Marxismus und Feminismus</a> &#8211; Veronika Duma und Tobias Boos zur <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=668" target="_self">Geschichte der (b&#252;rgerlichen) Geschlechts-K&#246;rper</a> &#8211; Katharina Hajek und Benjamin Opratko zu <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=666" target="_self">Geschlechterpolitik und Wirtschaftskrise</a> &#8211; Petra Steiner im Interview zu <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=664" target="_self">feminisierter Arbeit im globalen S&#252;den</a></p>
<p>Dazu gibt&#8217;s au&#223;erhalb des Schwerkpunkts:<br />
Nikolaus Perneczky zum <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=661" target="_self">&#8220;Dritten Kino&#8221; </a>- Behrooz Rahimi zu <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=658" target="_self">Rissen in der Islamischen Republik Iran</a> &#8211; Ian Angus zu <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=656" target="_self">Marx, Engels und Darwin</a> &#8211; <a href="http://www.perspektiven-online.at/?cat=9" target="_self">Rezensionen </a>und <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=601" target="_self">Rosinenpicken</a></p>
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		<title>XY ungel&#246;st</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 17:54:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 9]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Körpergeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Der K&#246;rper hat eine Geschichte, und damit auch seine Geschlechter. Die Vorstellung einer biologisch-nat&#252;rlichen Differenz zwischen „Mann“ und „Frau“ ist erstaunlich jung. Veronika Duma und Tobias Boos gehen in ihrem Artikel einen Schritt zur&#252;ck, wagen sich in die Untiefen der Botanik, der K&#246;rperfl&#252;ssigkeiten und Anatomielehrb&#252;cher um schlie&#223;lich der Frage nachzugehen, wie Geschlechterdifferenz mit der Herausbildung der b&#252;rgerlich-kapitalistischen Gesellschaften zusammen h&#228;ngt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der K&#246;rper hat eine Geschichte, und damit auch seine Geschlechter. Die Vorstellung einer biologisch-nat&#252;rlichen Differenz zwischen „Mann“ und „Frau“ ist erstaunlich jung. <em>Veronika Duma</em> und <em>Tobias Boos</em> gehen in ihrem Artikel einen Schritt zur&#252;ck, wagen sich in die Untiefen der Botanik, der K&#246;rperfl&#252;ssigkeiten und Anatomielehrb&#252;cher um schlie&#223;lich der Frage nachzugehen, wie Geschlechterdifferenz mit der Herausbildung der b&#252;rgerlich-kapitalistischen Gesellschaften zusammen h&#228;ngt.<br />
<span id="more-668"></span><br />
Die Kontroversen um die 800-Meter L&#228;uferin Caster Semenya bei der diesj&#228;hrigen Leichtathletik-WM zeigen vor allem eines: So sicher scheinen sich die so genannten „Geschlechterexperten“ mit der Einteilung in zwei Geschlechter dann doch nicht zu sein.<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> Statt aber die Geschehnisse zum Anlass zu nehmen um danach zu fragen, ob die Vorstellung einer biologischen Bipolarit&#228;t der Geschlechter ein ad&#228;quates Modell darstellt, werden diejenigen pathologisiert, die in keine der beiden Kategorien so recht passen wollen. Eine Vorgehensweise, die – wie zahlreiche Studien aus dem Feld der K&#246;rpergeschichte belegen – keineswegs neu ist.<br />
Insbesonders historische, soziologische oder auch anthropologische Arbeiten veranschaulichen, was gemeint ist, wenn von der „sozialen Konstruktion der Geschlechter“ in einem umfassenden Sinne die Rede ist und leisten so einen wichtigen Beitrag zu einer grundlegenden Kritik an den vorherrschenden Geschlechterverh&#228;ltnissen. Es geht dabei nicht darum, jegliche K&#246;rperlichkeit zu negieren, sondern die Historizit&#228;t des (Geschlechts-)K&#246;rpers hervorzuheben. Was n&#228;mlich sp&#228;testens seit den fr&#252;hen 1980er Jahren<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> in den genannten Disziplinen hei&#223; debattiert wurde, ist heute l&#228;ngst anerkannt: der menschliche K&#246;rper hat selbst eine Geschichte. Er wurde in unterschiedlichen Epochen und an unterschiedlichen Orten nicht nur anders wahrgenommen, interpretiert und repr&#228;sentiert, sondern auch unterschiedlich erlitten, erfahren und gelebt.<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> Dies gilt auch f&#252;r die Geschlechtlichkeit des K&#246;rpers. Die heute vorherrschende Vorstellung einer a-historischen, biologisch-nat&#252;rlichen und fundamentalen Geschlechterdifferenz, die medizinisch eindeutig bestimmt werden kann, ist verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig jung. Noch viel j&#252;nger allerdings ist die Kritik an diesem Modell. In den 1960/70er Jahren war in der feministischen Theorie die Trennung zwischen sex – dem biologischen Geschlecht – und gender – dem sozial konstruierten Geschlecht – gebr&#228;uchlich. Diese Kategorisierung sollte dem Diskurs &#252;ber die „nat&#252;rliche“ Bestimmtheit der Geschlechter entgegenwirken, dem zufolge sich Geschlechterrollen aus der unterschiedlichen k&#246;rperlichen Beschaffenheit von Mann und Frau ableiten lie&#223;en. Die Trennung von <em>sex </em>und <em>gender </em>er&#246;ffnete so zwar die M&#246;glichkeit einer Kritik an geschlechterspezifischen Zuschreibungen und Verhaltenserwartungen, doch blieb das grundlegende Argument einer biologischen Zweigeschlechtlichkeit unangetastet, und die M&#246;glichkeit einer radikalen Kritik an den Geschlechterverh&#228;ltnissen daher verstellt.<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a><br />
Viele ausf&#252;hrliche Debatten sp&#228;ter scheint dieses Problem zumindest im akademischen Feminismus nicht mehr gegeben. Gesellschaftlich ist jedoch die Vorstellung einer fundamentalen biologischen Differenz der Geschlechter nach wie vor vorherrschend. Wie in mehreren historischen Forschungen<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> – trotz unterschiedlicher Herangehensweisen – &#252;bereinstimmend aufgezeigt wird, ist dieses Bild Ergebnis jener Ver&#228;nderungen und Verdr&#228;ngungen fr&#252;herer Vorstellungen des geschlechtlichen Leibes, die im 18. Jahrhundert im Zuge der Durchsetzung b&#252;rgerlich-kapitalistischer Vergesellschaftung stattfanden.<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a></p>
<p><strong>Geschichtlichkeit des Geschlechtsk&#246;rpers? Das „Ein-Geschlecht-Modell“</strong><br />
In dem weiten Feld der K&#246;rpergeschichte erlangten die Untersuchungen des Historikers Thomas Laqueur, der die historischen Ver&#228;nderungen hinsichtlich des Geschlechtsk&#246;rpers mit der These des &#220;bergangs vom „Ein-Geschlecht-Modell“ zum „Zwei-Geschlechter-Modell“ fasste, besondere Bekanntheit. Anhand von Handb&#252;chern zur Geburtshilfe, medizinisch-philosophischer Literatur, anatomischen Schriften und Zeichnungen zeigt Laqueur, dass „das Modell vom Einen Geschlecht“ im Denken &#252;ber sexuelle bzw. k&#246;rperliche Unterschiede von der Antike bis zum Ende des 17. Jahrhunderts vorherrschend war.<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> Die hier postulierte Kontinuit&#228;t betrifft nicht die Geschlechterrollen bzw. -verh&#228;ltnisse, die sich nat&#252;rlich &#252;ber die Jahrhunderte hindurch ver&#228;nderten, sondern die Vorstellungen vom geschlechtlichen K&#246;rper – also von dem, was der sex-gender-Konzeption zufolge der Kategorie sex entspr&#228;che. Frauen und M&#228;nner wurden schon vor der b&#252;rgerlichen Moderne unterschieden. Dieser Unterschied wurde auch an k&#246;rperlichen Merkmalen festgemacht, doch stellte das, was heute als biologisches Geschlecht verhandelt wird, eine soziale Kategorie und keine Wesensbestimmung dar. Ein Mann oder eine Frau zu sein bedeutete vielmehr, einen sozialen Rang innezuhaben, Angeh&#246;rigeR eines bestimmten Standes zu sein und somit eine bestimmte kulturelle Rolle wahrzunehmen, und nicht, wie f&#252;r das „Zwei-Geschlechter-Modell“ konstitutiv, anatomisch und biologisch eindeutig identifizierbare Geschlechtsmerkmale zu besitzen.<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a><br />
Das „Ein-Geschlecht-Modell“ zeichnete sich dadurch aus, dass geschlechtsspezifische Differenzen als graduelle Abweichungen und Abstufungen verhandelt wurden. Die Geschlechtsteile galten grunds&#228;tzlich als gleichf&#246;rmig beschaffen: Frauen und M&#228;nner verf&#252;gten dieser Vorstellung nach &#252;ber dieselben Genitalien, blo&#223; dass diese einmal nach innen und einmal nach au&#223;en gest&#252;lpt waren. Dabei wurde die Vagina als nach innen gekehrter Penis gesehen, und nicht umgekehrt – die Norm im Bezug auf die graduellen Unterschiede stellte der m&#228;nnliche K&#246;rper dar. „In dieser Welt stellte man sich die Vagina als inneren Penis, die Schamlippen als Vorhaut, den Uterus als Hodensack und die Eierst&#246;cke als Hoden vor“.<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a> Wie die Geschlechtsorgane wurden auch die K&#246;rperfl&#252;ssigkeiten als Spielart ein und desselben Stoffes erachtet und erwiesen sich somit als nicht klar geschlechtspezifisch zuordenbar: Blut, Milch, Fett, Sperma galten nicht als vollkommen unterschiedliche Substanzen, der &#220;bergang zwischen ihnen war flie&#223;end. Blut konnte sich demnach in Samen, Milch, Fett und andere Substanzen verwandeln. „Man meinte, die Ejakulation einer Fl&#252;ssigkeit werde das durch ein &#220;berma&#223; einer anderen unausgeglichene Gleichgewicht wieder herstellen, weil Samenergu&#223;, Blutung, Stuhlgang und Schwitzen allesamt Formen der Entlastung seien, die dazu dienen, das Freihandelssystem der Fl&#252;ssigkeiten auf dem richtigen Niveau zu halten“.<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> Verdauung und Reproduktion, Nahrung, Blut und Samen seien Teil eines umfassenden, von Hitze in Betrieb gehaltenen Fl&#252;ssigkeitssystems, wobei Frauen von dieser den K&#246;rper im Gange haltenden Hitze grunds&#228;tzlich weniger besitzen sollten als M&#228;nner. Auch die Menstruation war in diesem Modell nicht unbedingt geschlechtsspezifisch. So wurde eine Art Ersatzmenstruation bei M&#228;nnern angenommen, z.B. in Form von Nasenbluten oder H&#228;morrhoidalblutungen. Entscheidend war der Fl&#252;ssigkeitshaushalt im K&#246;rper, der Blutverlust, nicht das Geschlecht des Subjekts oder die &#214;ffnung, durch die dieser erfolgt.<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a> Es geh&#246;rte zum Allgemeinwissen, dass Frauen beim Orgasmus Samen ejakulieren – der allerdings weniger vollkommen als der m&#228;nnliche sein sollte – und es kursierten Geschichten von M&#228;nnern, die Milch geben. In der Vorstellungswelt des „Ein-Geschlecht-Modells“ war es durchaus m&#246;glich, dass Frauen zu M&#228;nnern wurden, wenn sich etwa aufgrund eines Hitzeschube oder einer zu abrupten Bewegung urpl&#246;tzlich der innere Penis nach au&#223;en st&#252;lpt.<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a> Durch das Aufkommen der erstmals systematisch betriebenen Anatomie in der Renaissance wurde das „Ein-Geschlecht-Modell“ nicht etwa verworfen, sondern best&#228;tigt: anhand des ge&#246;ffneten K&#246;rpers bewiesen die Anatomen die „Tatsache“, dass die Vagina ein innerer Penis sei. Bezeichnend f&#252;r die Epoche, in der die Vorstellung vom „Einen Geschlecht“ dominierend war, ist au&#223;erdem das Fehlen einer pr&#228;zisen Nomenklatur f&#252;r die weiblichen Genitalien. &#196;quivalente f&#252;r moderne Begriffe wie Eileiter, Vulva, Uterus oder Vagina existierten vor der Zeit des „Zwei-Geschlechter-Modells“ kaum.<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a></p>
<p><strong>Das „Zwei-Geschlechter-Modell“ und die „Wissenschaft vom Weib“</strong><br />
Im Verlauf des 18. Jahrhunderts ist nun eine grundlegende Umw&#228;lzung im Verst&#228;ndnis des Geschlechtsk&#246;rpers festzustellen – das bis heute g&#252;ltige „Zwei-Geschlechter-Modell“ wird zur dominierenden Vorstellung im Denken &#252;ber Geschlecht/er. Der weibliche K&#246;rper stellt nicht mehr, wie im „Ein-Geschlecht-Modell“, eine Variation eines eigentlich m&#228;nnlichen Grundtypus dar, sondern im Gegenteil: die Auffassung einer in der Biologie begr&#252;ndeten Unvergleichbarkeit, einer fundamentalen Differenz der Geschlechter gewann an Dominanz. Die Geschlechtsorgane wurden zum zentralen Unterscheidungskriterium, die Vagina wurde nicht mehr als nach innen gest&#252;lpter Penis verstanden, sondern als ein diesem entgegen gesetztes, alleine der Frau zugeh&#246;riges Geschlechtsmerkmal. Zugleich wurden geschlechtsspezifische Unterschiede von nun an am gesamten K&#246;rper ausfindig gemacht, die Geschlechterdifferenz wurde auf jedes geringste k&#246;rperliche Detail bezogen. Ein besonders anschauliches Beispiel daf&#252;r bietet die „Entdeckung des weiblichen Skeletts“, welches zu dieser Zeit immer h&#228;ufiger anstelle eines einheitlichen Knochenger&#252;sts in (Anatomie-)Lehrb&#252;chern illustriert wurde.<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a><br />
Claudia Honegger betont in diesem Zusammenhang die Entstehung einer „weiblichen Sonderanthropologie“<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a>, die eine wesentliche Rolle in der im 18. Jahrhundert aufkommenden „Wissenschaft vom Menschen“ bzw. in all jenen Wissenschaften spielte, die den Menschen ins Zentrum ihres Interesses r&#252;ckten. W&#228;hrend der Mann zum Prototyp des Humanoiden generalisiert wurde, wurde die Frau zum Studienobjekt einer mit philosophischen, psychologischen und soziologischen Anspr&#252;chen auftretenden medizinischen Teildisziplin degradiert. Wesentlich bei der „Verwissenschaftlichung der Differenz“ war die Verschr&#228;nkung von Medizin, bzw. Anatomie und Philosophie, die Idee einer integrierten Betrachtung von K&#246;rper und Seele. „Von diesen ganzheitlichen Erkenntnisinteressen werden nicht nur der Kranke und der Irre, der Mohr, der Fremde und der Wilde auf neue Art erfa&#223;t und ins Zentrum der theoretischen Neugierde ger&#252;ckt, sondern insbesondere auch das Weib…“.<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a> Die vergleichende Anatomie nahm dabei die Rolle der Basiswissenschaft in der entstehenden „Wissenschaft vom Menschen“, und in diesem Rahmen auch der „Wissenschaft vom Weib“ ein. Sie lieferte die Grundlage zur Bestimmung der „menschlichen Natur“.<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a> Charaktereigenschaften wurden immer mehr in einen direkten Zusammenhang mit der Physis des menschlichen K&#246;rpers gesetzt, allerdings je nach Geschlecht auf verschiedene Art und Weise: Beim Mann konzentrierte sich die biologische Geschlechtszuschreibung auf den &#228;u&#223;erlich erkennbaren Penis, bei Frauen hingegen sollte das Geschlecht im Inneren mystisch verstreut sein und den gesamten K&#246;rper durchziehen. Das Interesse an dem K&#246;rperinnerem zeigte sich auch in den &#246;ffentlichen Seziervorf&#252;hrungen und den Organsammlungen, die zu dieser Zeit angelegt wurden und die vorwiegend aus weiblichen Geschlechtsorganen, oder K&#246;rpern von „Wilden“ bestanden. &#196;rzte der damaligen Zeit erkoren die Eierst&#246;cke zu <em>dem</em> Determinationsmerkmal der Frau. Dabei dienten diese nicht einfach als anatomisches Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern, sondern Frauen galten vollkommen „eierstockbestimmt“. <a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a> Gem&#252;tslage, Charaktereigenschaften und Sexualit&#228;t wurden in direkte Verbindung mit dem weiblichen Geschlechtsorgan gesetzt, was im Falle von als abnormal deklarierten Verhaltensweisen einer Frau sogar zur operativen Entfernung der Eierst&#246;cke f&#252;hren konnte. Entscheidend ist, dass dieser „Organdeterminismus“ nur bei Frauen angenommen wurde.</p>
<p><strong>Wissenschaftlicher Fortschritt und die neue Autorit&#228;t der Wissenschaften</strong><br />
Jeder Versuch, diese Ver&#228;nderungen, also das Aufkommen des „Modells der Zwei Geschlechter“, alleine mit einem Verweis auf wissenschaftlichen Fortschritt erkl&#228;ren zu wollen, greift zu kurz. Wie Laqueur anhand von mehreren Beispielen demonstriert, stellte die Herausbildung der neuen Perspektive auf die menschliche Anatomie weder empirisch noch chronologisch eine logischen Folge der anatomischen Entdeckungen ihrer Zeit dar. Schon in jener Zeit, als das „Ein-Geschlechter-Modell“ dominant war, wurden Entdeckungen &#252;ber den menschlichen K&#246;rper gemacht, die auch heute – innerhalb des „Zwei-Geschlechter-Modells“ – noch anerkannt sind. Sie f&#252;hrten aber nicht zur Infragestellung der Vorstellung vom „einen“ Geschlechtsk&#246;rper, sondern wurden in dieses Modell integriert. Umgekehrt gibt es heute wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich im Hinblick auf das „Ein-Geschlecht-Modell“ interpretieren lie&#223;en. So verweisen etwa aktuelle Erkenntnisse in der Entwicklungsanatomie „auf den gemeinsame Ursprung beider Geschlechter in einem – morphologisch gesehen – androgynen Embryo und also nicht auf ihre wesentliche Unterschiedlichkeit“.<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a><br />
Unterschiede und &#196;hnlichkeiten in Bezug auf k&#246;rperliche Beschaffenheiten wurden weder erst gestern entdeckt noch k&#246;nnen sie in ihrer Materialit&#228;t einfach wegdiskutiert werden. Welchen Merkmalen jedoch in einer bestimmten historischen Situation besondere Relevanz zukommt, dar&#252;ber wird jenseits der Grenzen empirischer Forschung entschieden. „Die Tatsache, da&#223; der herrschende Diskurs den m&#228;nnlichen und weiblichen K&#246;rper zu einer Zeit als hierarchisch … angeordnete Version eines einzigen Geschlechts auffa&#223;te und zu einer anderen als horizontal angeordnete Gegens&#228;tze, … muss mit etwas anderem zu tun haben als<br />
selbst einer gro&#223;rahmigen Konstellation tats&#228;chlicher oder vermeintlicher Entdeckungen“.<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> Die Vorstellung zweier Geschlechter, die sich in ihrer k&#246;rperlichen Beschaffenheit unvereinbar gegen&#252;berstehen, pr&#228;gte und pr&#228;gt den Blick der Wissenschaften auf den K&#246;rper entscheidend, und umgekehrt „begr&#252;ndeten“ und fixierten die Wissenschaften diese Vorstellung. Wenn aber die wissenschaftlichen, speziell die anatomischen Entdeckungen in dieser Zeit f&#252;r sich selbst genommen nicht der Grund f&#252;r eine fundamental ver&#228;nderte Vorstellung von Geschlechtlichkeit sind, was sind dann die entscheidenden Faktoren, die zu dieser Wandlung f&#252;hrten?<br />
In verschiedenen akademischen Arbeiten rund um das Thema werden diese Ver&#228;nderungen, trotz z. T. unterschiedlicher Begrifflichkeit<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a>, zumeist in den Kontext der Etablierung der b&#252;rgerlich-kapitalistischen Gesellschaft gestellt. Dabei wird die Umw&#228;lzung der Wahrnehmung von Geschlechtlichkeit – je nach Forschungsschwerpunkt – mit wissenschaftlichen, politischen und sozialen Entwicklungen in Verbindung gebracht, sowie deren Verstricktheit und Komplexit&#228;t betont.<br />
So lassen sich etwa durch den Blick auf die neu entstehenden Wissensgebiete bzw. wissenschaftlichen Disziplinen einige Parallelen bez&#252;glich bestimmter Grundannahmen ausmachen, die diese nicht nur mit anderen gesellschaftlichen Bereichen teilten, sondern die auch f&#252;r die Betrachtung von Geschlechtlichkeit relevant waren. Der Mensch r&#252;ckte in den Blickpunkt der verschiedensten Disziplinen, die Natur geriet als Erkl&#228;rungsinstanz f&#252;r das Soziale in den Fokus. Sie verlieh den sie erforschenden Wissenschaften eine neuartige Autorit&#228;t und diente zudem politischen Argumenten als Basis.<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a> Erkl&#228;rungen f&#252;r die vorherrschenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse lagen nicht mehr in einer g&#246;ttlichen Ordnung begr&#252;ndet, sondern waren scheinbar direkt in der Natur zu finden, deren Ordnungssysteme es ausfindig zu machen galt.<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a><br />
Ein illustres Beispiel, wie Vorstellungen von einer gesellschaftlichen Ordnung sich in die Wissenschaft einschreiben und von dort ausgehend wiederum legitimierend zur&#252;ckwirken, ist Linnés Klassifikationssystem von Pflanzen, welches er im Jahre 1753 erstmalig ver&#246;ffentlichte. Seine Einteilung der Pflanzen und ihrer Bestandteile nach deren Geschlecht ist zutiefst sexualisiert und liest sich wie eine Beschreibung der vorherrschenden Ideen &#252;ber Geschlechterrollen und –eigenschaften.<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a><br />
Auch die &#196;hnlichkeiten und der Zusammenhang mit der aufkommenden „Rassenlehre“ und Ethnologie sind unverkennbar: Der K&#246;rper r&#252;ckte, gemeinsam mit einer neuen Vorstellung vom Verh&#228;ltnis zwischen Natur und Kultur, in den Blickpunkt und somit auch diejenigen, die von der sich allm&#228;hlich herausbildenden Norm abwichen. Die Behauptung, dass manche Menschen n&#228;her am „Naturzustand“ seien, welcher dem Zustand des „zivilisierten Menschen“ entgegengestellt wurde, findet sich sowohl im Bezug auf nicht-wei&#223;enEurop&#228;erInnen als auch auf Frauen.<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a><br />
Die Naturalisierung sozialer Ordnungen spielte jedoch nicht nur in Bezug auf die Geschlechterhierarchie eine bedeutende Rolle. Ein anderes Beispiel stellt die ebenfalls zu dieser Zeit an Einfluss gewinnende Str&#246;mung des Liberalismus dar. Die Vorstellungen von einem schon immer bestehenden Markt mit nat&#252;rlichen Mechanismen, dem nutzenmaximierenden Individuum und der unsichtbaren Hand, die ganz von alleine f&#252;r die effektivste Allokation sorgt, passt ebenso in jenes Schema, nach dem Kausalit&#228;ten verdreht und gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse mit der Natur erkl&#228;rt werden.</p>
<p><strong>Der b&#252;rgerliche K&#246;rper</strong><br />
Der ideale K&#246;rper, der die stets im Hintergrund all dieser Diskurse stehende Norm darstellte, ist der K&#246;rper der sich etablierenden b&#252;rgerlichen Klasse. Als solcher ist dieser auch untrennbar mit der Selbststilisierung b&#252;rgerlicher M&#228;nnlichkeit verbunden.<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a> Dieser K&#246;rper, sowie der neue Kult um selbigen, seine Kleidung, seine einge&#252;bten Gestiken, seine Ausdrucksformen, fungierten einerseits als „Instrument der sozialen Klassifikation“: Er symbolisierte eine Abgrenzung gegen&#252;ber dem „au&#223;engesteuerten“ Adel, dem „Schmutz“ der Bauernschaft wie auch den ProletarierInnen, und diente so zugleich zur Selbstaffimierung der b&#252;rgerlichen Klasse.<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a> Andererseits wurde mit diesem neuen K&#246;rperverst&#228;ndnis der gesund zu haltende Leib als &#246;konomischer Faktor erkannt: Als wesentlich gilt die Disziplinierung der Arbeitskraft und der Erhalt der Arbeitsf&#228;higkeit. „Dies wird nicht nur als eine neue Aufgabe des Staates verstanden, sondern auch zur Pflicht des Einzelnen erhoben“.<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a><br />
Als abweichend von dem Ideal des zur St&#228;rke und Rationalit&#228;t geschaffenen b&#252;rgerlich-m&#228;nnlichen K&#246;rpers erschienen – neben der weiblichen Physiologie – die K&#246;rper anderer „Menschenrassen“, „Irrer“ oder „Monster“, f&#252;r deren Wesen und Verhalten nach somatischen Entsprechungen gesucht wurde. Jener K&#246;rper und dessen „Natur“, der als allgemeiner Ma&#223;stab mit der Bestimmung des Menschseins an sich zusammenfiel, war ein m&#228;nnlicher, st&#228;dtischer, „nicht-deformierter“, wei&#223;er K&#246;rper.<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a> Zahlreiche Beispiele belegen, dass Eigenschaften, die das Idealbild des b&#252;rgerlichen Mannes konstituierten, ins Gegenteil verkehrt all jenen Menschen zugeschrieben wurden, von dem dieser sich abzusetzen trachtete. Mit der Herausbildung des b&#252;rgerlichen K&#246;rpers ging aber auch die Stilisierung der b&#252;rgerlichen Frau einher, die zwar eine inferiore Rolle innehatte, sich aber sehr wohl von ArbeiterInnen und B&#228;uerInnen zu unterscheiden suchte. So fungierte etwa gerade die im B&#252;rgertum entstehende Differenzierung zwischen M&#228;nnern und Frauen, Weiblichkeit und M&#228;nnlichkeit, als Distinktionszeichen gegen&#252;ber Frauen anderer Klassen. Die Klassenzugeh&#246;rigkeit hat durchaus Einfluss darauf, wie sehr und auf welche Art und Weise sich Geschlechteridentit&#228;ten bei Frauen und M&#228;nnern abbilden – und umgekehrt.<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a><br />
Ein anschauliches Beispiel daf&#252;r, wie sich die in der Gesellschaft real existierenden Ausschlie&#223;ungen entlang von geschlechtlichen Klassifizierungen, aber auch entlang von Klassengrenzen und rassistischen Kategorien in das Bild des „modernen K&#246;rpers“ einschreiben, stellt die von Philipp Sarasin durchgef&#252;hrte Analyse der f&#252;r die b&#252;rgerliche Klasse so identit&#228;tsstiftenden Hygienediskurse im 18. und 19. Jahrhundert dar. Gesundheit und Hygiene – und nicht wie zuvor allein die Verminderung des Leidens – werden zur Pr&#228;misse staatlicher wie individueller K&#246;rperpolitik.<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> Anleitungen zu psychischem Verhalten, M&#228;&#223;igung der Passionen, Sexualit&#228;t und zur richtigen Bewegung, sowie Fragen danach, was man isst, wie man schl&#228;ft oder ruht, wie man sich reinigt und kleidet, f&#252;llten Unmengen an Ratgeberliteratur, die von B&#252;rgern – haupts&#228;chlich &#196;rzten – f&#252;r das B&#252;rgertum verfasst wurde. Der Hygienediskurs bezog sich auf den K&#246;rper vom „gew&#246;hnlichen Kulturmenschen […], der nicht so hoch geboren ist, dass wir ihn zu den G&#246;ttern z&#228;hlen, und nicht so tief, dass wir ihn beim verkommensten Proletariat suchen m&#252;ssen, wo Politik, Moral und Di&#228;tetik aufh&#246;ren“.<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a> Innerhalb des Feldes des b&#252;rgerlichen K&#246;rpers wurde die Geschlechterdifferenz zu der wesentlichen Differenz stilisiert, w&#228;hrend dem proletarischen K&#246;rper, den K&#246;rpern andere „Rassen“ sowie „Monstergeburten“ und &#196;hnlichem die Rolle des gro&#223;en Fremden zukam. ArbeiterInnen galten als „Lumpensammler, die nie baden“ und von einer dicken Schicht an Rauch und Schwei&#223; &#252;berzogen, Arme stanken und vom K&#246;rpergeruch „fremder Rassen“ wurde angenommen, dass er, unabh&#228;ngig von ihren hygienischen Gepflogenheiten, an ihnen kleben bleibt.<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a> Diese und &#228;hnliche heraufbeschworene Zuschreibungen standen im Zentrum des Hygienediskurses und waren f&#252;r diesen konstitutiv. Ein weiterer Hinweis darauf, dass der m&#228;nnliche b&#252;rgerliche K&#246;rper als Norm vorausgesetzt wurde, zeigt sich in der Tatsache, dass nicht nur Hygieniker sich f&#252;r „Rassen“ und Geschlechter interessierten. Auch Anatomen und Anthropologen (die im &#220;brigen, wie die Hygieniker auch, wei&#223;e, b&#252;rgerliche M&#228;nnern waren) richteten ihr Augenmerk auf rassistische und sexistische Klassifikationsversuche, und gerieten dabei in ein bezeichnendes Dilemma: wie n&#228;mlich schwarze M&#228;nner – als dominierendes Geschlecht einer „minderwertigen Rasse“ – im Verh&#228;ltnis zu wei&#223;en Frauen – inferiores Geschlecht der „dominanten Rasse“ – in der Ordnung der Natur einzustufen seien.<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a></p>
<p><strong>Naturalisierung als Legitimation der Ungleichheit </strong><br />
K&#246;rperliche Bestimmungen, die immer untrennbar mit entsprechenden „nat&#252;rlichen“ Wesensbestimmungen verbunden waren, erwiesen sich als &#228;u&#223;erst zweckdienlich, wenn es darum ging, einerseits die gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse zu legitimieren und zu naturalisieren, und andererseits Argumente gegen Emanzipationsforderungen zu formulieren. Die Versprechen der Aufkl&#228;rung sowie die Erkl&#228;rung der Menschen- und B&#252;rgerrechte, die gegen Standesprivilegien und die feudale Ordnung ins Feld gef&#252;hrt wurden, brachten nicht nur neue M&#246;glichkeiten, sondern auch eine neuartige „Begr&#252;ndungslast“ mit sich.<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a> Sie galten n&#228;mlich, entgegen der Behauptung, dass <em>alle</em> Menschen die gleichen F&#228;higkeiten und damit Anspruch auf die gleichen Rechte haben, nur f&#252;r einen bestimmten Teil der Bev&#246;lkerung. Realiter standen das sich etablierende Modell der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, der Ausschluss von Frauen aus dem &#246;ffentlichen Bereich (z.B. von &#246;ffentlichen &#196;mtern, Universit&#228;t, (politischen) Vereinen uvm.), aber selbstverst&#228;ndlich zugleich auch Herrschafts- und Unterdr&#252;ckungsverh&#228;ltnisse entlang von Klasse und rassistischen Einteilungen, im Widerspruch zu diesen Erkl&#228;rungen. Wenn universalistische Forderungen nach menschlicher Freiheit und Gleichheit nicht ad absurdum gef&#252;hrt und Ungleichheiten vor dem Hintergrund aufgekl&#228;rten Denkens gerechtfertigt werden sollten, musste die radikale (biologische) Verschiedenheit eines Teils der Menschheit nachgewiesen werden.<br />
Mit Verweis auf ihre Biologie wurden Frauen gerade jene F&#228;higkeiten und Eigenschaften – n&#228;mlich vernunftbegabte, zu autonomen Handeln f&#228;hige Gesch&#246;pfe zu sein<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a> – abgesprochen, die den Menschen im Sinne der Menschen- und B&#252;rgerrechte als Menschen kennzeichnen und somit auch das Recht, vollwertige Mitglieder der b&#252;rgerlichen Gesellschaft zu sein. Nur um ein Beispiel zu nennen: der franz&#246;sische Nationalkonvent zitierte regelm&#228;&#223;ig aus Anatomielehrb&#252;chern, um die Vorenthaltung von B&#252;rgerrechten f&#252;r  Frauen zu rechtfertigen.<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a> Die Natur und nicht die Menschen soll die Ungleichheit geschaffen haben.</p>
<p><strong>Pathologisierung moralischer Abweichung</strong><br />
Die Position, die Frauen in der neuen sozialen Ordnung nach den geistigen, &#246;konomischen und politischen Revolutionen des 17. und 18. Jahrhunderts – innerhalb einer nach wie vor patriarchalen Gesellschaft – einnehmen sollten, war jedoch keines Falls von Anfang an klar. Die (Geschlechter-)Rolle der Frau in dem hier beschriebenen „Zwei-Geschlechter-Modell“ bildete sich erst allm&#228;hlich im Zuge etlicher Konfrontationen heraus.<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a> Die physiologische Basis f&#252;r die Ungleichheit von Frauen wurde nicht zuletzt gerade zu jener Zeit „entdeckt“, als Frauenbewegungen die Versprechen der Aufkl&#228;rung und des Staatsb&#252;rgertums auch f&#252;r sich einforderten.<br />
Die Forderungen der „modernen Frau“ des Bildungsb&#252;rgertums nach Bildung, Beruf, politischen und ehelichen Rechten – die von Seiten sozialistischer FrauenrechtlerInnen immer mit der Frage nach der &#220;berwindung der kapitalistischen Produktionsweise verbunden wurden<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a> – riefen eine wachsende Anzahl von Medizinern, Politikern, Lehrern, Pfarrern, (Rassen-)Hygienikern, v&#246;lkisch-nationalistischen Interessensverb&#228;nden und &#228;hnlichen Gestalten auf den Plan, die ihre Ansichten &#252;ber das weibliche Geschlecht zum Besten gaben. Das taten diese Herren – wie im &#220;brigen die zuvor erw&#228;hnten Philosophen, &#196;rzte und M&#246;chtegern-&#196;rzte auch – in der noch relativ jungen b&#252;rgerlichen &#214;ffentlichkeit, die einen konstitutiven Teil des sich herausbildenden b&#252;rgerlich-kapitalistischen Nationalstaates darstellte. In diesen Diskursen um die weibliche Natur standen nicht so sehr der sozialistische, sondern eher der b&#252;rgerliche Fl&#252;gel der Frauenbewegung im Mittelpunkt der Kritik, die oftmals ideologisch mit Antismemitismus, Nationalismus und Antisozialismus einherging.<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a> Die Polemiken gegen die – in diesem Fall also b&#252;rgerliche – Frauenbewegung zielten auf die sexuelle Diffamierung der ProtagonistInnen und st&#252;tzten sich auf die Behauptung, dass das weibliche Geschlecht biologisch minderwertig und somit nicht daf&#252;r geschaffen sei, au&#223;erh&#228;usliche Aufgaben zu &#252;bernehmen. Politische T&#228;tigkeit von Frauen, im schlimmsten Fall in emanzipatorischer Absicht, wurde als vermeintliche Verfehlung des weiblichen Lebenszwecks verhandelt: Frauen, die in der Hausarbeit und Kindererziehung nicht ihre Bestimmung sahen, wurden f&#252;r „seelisch krank“ erkl&#228;rt. So war z.B. in Tageszeitungen zu lesen, die Frauenbewegung sei „die tosende Revolution derer, die nicht Frau sein k&#246;nnen und nicht Mutter sein wollen“ und bestehe aus einem Haufen „alter M&#228;dchen“, Witwen und „sterilen Frauen“.<a title="anm_41" name="anm_41" href="#anm41"><sup>41</sup></a> Die von den „Ultrademokraten“ (sic!),und „weiblichen Amazoninnen“ (sic!) geforderte Gleichstellung br&#228;chte unweigerlich den Umsturz der Gesellschaftsordnung mit sich und sei daher absolut abzulehnen.<a title="anm_42" name="anm_42" href="#anm42"><sup>42</sup></a> An der sexuellen Pathologisierung der Frauenbewegung wurde nicht zuletzt in medizinischen Zeitungen „gearbeitet“: FrauenrechtlerInnen wurden f&#252;r homosexuell erkl&#228;rt und die lesbische Liebe zugleich als eine in der Frauenbewegung grassierende „geistige Seuche“ diskreditiert. Gesellschaftliche Devianz, also das Verlassen des gesellschaftlichen Normbereichs, wurde mit Pathologisierung sanktioniert. Der wachsende Konsens im Diskurs der b&#252;rgerlichen &#214;ffentlichkeit, Abweichung als Krankheit und nicht (nur) als moralischen Fehltritt zu verstehen, verwies zugleich eine besondere Zust&#228;ndigkeit f&#252;r diese Fragen an die Mediziner. Sie waren die Experten wenn es darum ging, Verbindungen zwischen Verhalten, Seele und K&#246;rper wissenschaftlich zu belegen. Von selbigen wurde zugleich die jeweils entsprechende, normalisierende Behandlung angeboten.<a title="anm_43" name="anm_43" href="#anm43"><sup>43</sup></a><br />
Die Anormalisierung betraf nicht nur FrauenrechtlerInnen, sondern alles, was nicht ins Wissenssystem des „Zwei-Geschlecht-Modells“ passte. Pathologisierungen von Transund Intersexuellen bis zur so benannten Sterilit&#228;t bildeten und bilden zum Teil immer noch die Flanken der strengen Geschlechterunterscheidung.</p>
<p><strong>Eine Arbeitsteilung, wie sie die Natur verlangt?</strong><br />
Vor allem aber wurden Frauenbewegungen und ihre Anh&#228;ngerInnen als eine Bedrohung f&#252;r den als Organismus gedachten Staat gesehen, als Bedrohung f&#252;r die Familie, den angeblichen Kern dieser gesellschaftlichen Ordnung. Die Familie sei die „Pflanzschule“ der b&#252;rgerlichen Gesellschaft, ihre Zerst&#246;rung durch die Aufhebung der „nat&#252;rlichen“ geschlechtlichen Arbeitsteilung w&#252;rde unweigerlich zum Verfall des „freien, w&#252;rdigen Staatswesens“ f&#252;hren.<a title="anm_44" name="anm_44" href="#anm44"><sup>44</sup></a> In diesem Zusammenhang erweist sich der Diskurs &#252;ber die sozialen Rollen sowie &#252;ber die psychische und physische Beschaffenheit der zwei Geschlechter als ideologische Abst&#252;tzung der sich herausbildenden Form geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung, in der (b&#252;rgerlichen) Frauen die Hausarbeit zugewiesen wurde, bzw. diese gar darauf reduziert wurden. Ohne die die realen Geschlechterverh&#228;ltnisse eins zu eins wieder zu spiegeln, entstehen Aussagen &#252;ber „das Wesen der Geschlechter“ doch immer im Erfahrungszusammenhang der sozio&#246;konomisch realen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse sowie der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung.<a title="anm_45" name="anm_45" href="#anm45"><sup>45</sup></a><br />
Zwar gab es patriarchale Herrschaftsverh&#228;ltnisse schon vor der b&#252;rgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung, doch erhielten diese nun eine neue Qualit&#228;t. Faktoren wie der Ver&#228;nderung von Arbeitsverh&#228;ltnissen und damit einhergehend von Familienstrukturen und der (r&#228;umlichen und qualitativen) Trennung von Lohn- und Hausarbeit kommt dabei eine wesentliche Bedeutung zu – wobei damit nat&#252;rlich noch lange nicht gekl&#228;rt ist, wieso ausgerechnet die Frau jenen speziellen Part in der Arbeitsteilung &#252;bernehmen sollte. Im Vergleich zu fr&#252;her wurde nun einzig die Frau und nicht mehr der Mann (Haushaltsvorstand) durch die Familie definiert.<a title="anm_46" name="anm_46" href="#anm46"><sup>46</sup></a><br />
Die vermeintliche psychische und physische Konstitution der Frau wurde passend zu ihrem „Fortpflanzungs“- bzw. „Gattungszweck“ und der dazu als optimal erachteten patriarchalischen monogamen Ehe bestimmt. Den als Kontrastprogramm konzipierten Eigenschaften zufolge sei der Mann von Natur aus kr&#228;ftig, aktiv, rational usw., und somit f&#252;r den &#246;ffentlichen Raum, die Frau hingegen ihrem Wesen nach abh&#228;ngig, emotional, passiv usw., und von Natur her f&#252;r den h&#228;uslichen Bereich bestimmt.<br />
Es stellt sich jedoch die Frage, in welchen gesellschaftlichen Klassen und Schichten diese Art der Arbeitsteilung zusammen mit der dazugeh&#246;rigen Dichotomisierung der Geschlechtercharaktere &#252;berhaupt anzutreffen war. Weder in b&#228;uerlichen Familien, deren Lebens- und Wirtschaftsverh&#228;ltnisse im 18. Jahrhundert nicht mit denen einer b&#252;rgerlichen Familie vergleichbar waren, noch im Proletariat korrespondierte dieses Modell mit der gesellschaftlichen Realit&#228;t. In ArbeiterInnenfamilien reichte das Einkommen des Mannes nicht aus, um den Familienbedarf zu decken, es verstand sich daher von selbst, dass Frauen und Kinder auch lohnarbeiteten. Von einer ausschlie&#223;lichen Zust&#228;ndigkeit der Frau f&#252;r die Familie konnte vorerst keine Rede sein. Mit Ph&#228;nomenen der gesellschaftlichen Realit&#228;t korrespondierte dieses Modell zun&#228;chst einzig und alleine dort, wo es auch entstanden ist, n&#228;mlich im gebildeten B&#252;rgertum.<a title="anm_47" name="anm_47" href="#anm47"><sup>47</sup></a></p>
<p><strong>Staatliche Regulierungen</strong><br />
Die Verallgemeinerung des b&#252;rgerliche K&#246;rpermodells, der dazu passenden Geschlechterrollen, des Familienmodells und der spezifischen, ideologisch untermauerten Arbeitsteilung fand erst nach und nach, im Laufe des 19. Jahrhunderts statt. Vermehrt wurden Bem&#252;hungen sowohl seitens des b&#252;rgerlich-kapitalistischen Nationalstaates als auch seitens der einen Teil dieses Staates verk&#246;rpernden b&#252;rgerlichen &#214;ffentlichkeit angestellt, auch bei Arbeiterinnen den richtigen „Familiensinn“ zu wecken und auf ihre „Bestimmung als Gattin, Hausfrau und Mutter“ hinzuweisen – ungeachtet der Tatsache, dass diese bereits zuvor sehr wohl auch f&#252;r die Reproduktionsarbeit zust&#228;ndig waren, freilich ohne ihren ganzen Arbeitstag Haushalt und Familie widmen zu k&#246;nnen. Die „Stabilisierung der Familienverh&#228;ltnisse“ galt als ein sicherer Weg zu L&#246;sung der „sozialen Frage“.<a title="anm_48" name="anm_48" href="#anm48"><sup>48</sup></a><br />
Mit der Etablierung des Nationalstaates erstreckte sich die Aufwertung der „Mutterschaftsleistung“ nicht mehr nur auf B&#252;rgerInnen, sondern auch auf den unter Aspekten der Bev&#246;lkerungspolitik betrachteten „Gattungsk&#246;rper“ der Arbeiterinnen und dessen Reproduktionsleistung. Im 19.Jahrhundert wurde vielfach &#252;ber die Fabrikarbeit von verheirateten Frauen debattiert, wobei dieser die Schuld an einer ganzen Reihe von sozialen Missst&#228;nden zugeschrieben wurde, von der Verwahrlosung des Haushalts &#252;ber Alkoholismus des Ehegatten bis zur Unterminierung des Nationalstaates.<a title="anm_49" name="anm_49" href="#anm49"><sup>49</sup></a> Mutterschutzgesetze, Regelungen zur Nachtarbeit f&#252;r Frauen etc. wurden nach und nach eingef&#252;hrt, die Geschlechterordnung also mittels gesetzlichen Regulierungen von staatlicher Seite (mit-)geformt und fixiert. Besonders die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in Bezug auf Erwerbs- und Hausarbeit wurde &#252;ber den Staat organisiert, durchgesetzt und institutionell abgest&#252;tzt. Frauen wurden als besonders schutzbed&#252;rftig konstruiert, als Wesen, die im Gegensatz zu m&#228;nnlichen Arbeitern staatlicher F&#252;rsprache bed&#252;rften.<a title="anm_50" name="anm_50" href="#anm50"><sup>50</sup></a> Interventionen im Hinblick auf Familiengestaltung, Sexualit&#228;t und Gesundheit wurden zum staatlichen Programm.<a title="anm_51" name="anm_51" href="#anm51"><sup>51</sup></a><br />
Vor allem im Hinblick auf Staatsformierung und Kriege wurden dem m&#228;nnlichen Geschlechtscharakter neben Disziplin und Arbeitsf&#228;higkeit auch Wehrhaftigkeit und soldatische Tugenden zu- und eingeschrieben, &#252;berspitzt und bildhaft formuliert, der M&#228;nnerleib zum „Maschinenk&#246;rper“ stilisiert. Diesem stand auf weiblicher Seite der nach Kriterien von Mutterschaft und famili&#228;rer Reproduktion betrachtete „Gattungsk&#246;rper“ gegen&#252;ber. Der weibliche K&#246;rper sollte zwar auch Kraft, Ausdauer und Disziplin zeigen, jedoch ausgerichtet auf seine „Mutterschaftsleistung“.<a title="anm_52" name="anm_52" href="#anm52"><sup>52</sup></a> Die auf die Bev&#246;lkerung als zu erfassendes und regulierendes Objekt einerseits sowie die auf Disziplinierung des Individualk&#246;rpers andererseits zielende staatliche Politik, besa&#223; und besitzt auch heute noch eine geschlechtsspezifische Komponente.</p>
<p><strong>Schluss</strong><br />
Vor dem Hintergrund dieser Ausf&#252;hrungen l&#228;sst sich res&#252;mieren, dass „Geschlecht“ in einem umfassenden Sinne – also sowohl im Bezug auf Geschlechterrollen als auch verstanden als Geschlechtsk&#246;rper – das Resultat eines langwierigen, historischen Prozesses ist. Die Vorstellung eines a-historischen, nat&#252;rlichen Geschlechtsk&#246;rpers, sowie die darauf fu&#223;ende Annahme einer vermeintlichen, biologisch-anatomisch eindeutigen Geschlechterdifferenz, erweisen sich selbst als Produkt gesellschaftlicher Dynamiken, die im 18. Jahrhunderts anzusiedeln sind. Die Entstehung des Modells der Zweigeschlechtlichkeit muss im Kontext der Durchsetzung b&#252;rgerlich-kapitalistischer Verh&#228;ltnisse gesehen werden, ohne nat&#252;rlich den Fehler zu begehen, die Geschlechterordnung als blo&#223;en „Effekt des Kapitalismus“ darzustellen. Vielmehr ist diese, in ihrer Eigenst&#228;ndigkeit als gesellschaftliches Macht- und Herrschaftsverh&#228;ltnis, inh&#228;rent mit der Hegemonialwerdung der b&#252;rgerlichen Klasse verbunden. Die Dominanz des gegenw&#228;rtigen Geschlechterdiskurses kann als Resultat einer sukzessiven gesellschaftlichen Verallgemeinerung des zun&#228;chst b&#252;rgerlichen Geschlechtsdiskurses verstanden werden. Diese These besagt jedoch weder, dass die Geschlechterordnung „fr&#252;her“ besser oder schlechter war, noch, dass die Zweigeschlechtlichkeit konstitutiv f&#252;r den Kapitalismus ist und dieser somit ohne ihr nicht bestehen k&#246;nne. Vielmehr, und das ist ein wesentlicher Punkt, geht es darum zu zeigen, dass die Ordnung der Geschlechter, auch in k&#246;rperlicher Hinsicht, historisch variabel und damit auch ver&#228;nderbar ist. Ein Grund mehr, sich gegen die „Zumutung“ zu positionieren, sich entsprechend dem „Geschlecht des eigenen K&#246;rpers“ <a title="anm_53" name="anm_53" href="#anm53"><sup>53</sup></a> verhalten zu m&#252;ssen.</p>
<p><strong>Anmerkung</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Nach ihrem Sieg und aufgrund ihrer Gr&#246;&#223;e und muskul&#246;sen K&#246;rperbaus kamen Zweifel auf, ob es sich bei der Sportlerin denn wirklich um eine Frau handle. Die Probleme, die die International Association of Athletics<br />
Federations (IAAF) mit der Einordnung von AthletInnenen in die Geschlechterdichotomie hat, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass seit dem Jahre 2000 zumindest bei den Olympischen Spielen alle Geschlechtstests wieder abgeschafft sind.<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> Pionierarbeit in Bezug auf K&#246;rpergeschichte wurde vor allem in den USA und in Australien geleistet. Im deutschsprachigem Raum fasste das Thema erst in den 90er Jahren richtig Fu&#223; (vgl. Lorenz, Maren: Leibhaftige Vergangenheit. T&#252;bingen 2000, S. 9).<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Vgl. Gallagher, Catherine (Hg): The Making of Modern Body. 1987, S.VII<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Hof, Renate: Einleitung: Geschlechterverh&#228;ltnis und Geschlechterforschung. In: Bu&#223;mann/Hof. Genus. Geschlechterforschung. Stuttgart 2005, S.16<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Z.B. von Claudia Honegger, Barbara Duden, Karin Hausen, Ute Frevert, uvm.<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Die Fallbeispiele in den Forschungsarbeiten beziehen sich auf Gebiete des heutigen Europas. Wie weit die Ergebnisse auch f&#252;r andere Teile der Welt g&#252;ltig sind, kann im Rahmen dieses Artikels nicht beantwortet werden.<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> Vgl. Laqueur, Thomas: Auf den Leib geschrieben. Frankfurt/Main 1992, S. 36<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> Kleidungs- und Verhaltenswechsel konnten folglich zu massiver Verwirrung f&#252;hren – es sei hier z.B. an die unglaublichen Konfusionen erinnert, die in den St&#252;cken Shakespears durch Geschlechtsrollentausch erzeugt werden k&#246;nnen (vgl. Maihofer, Andrea: Geschlecht als Existenzweise. Frankfurt/Main 1995, S. 30 und auch Laqueur a.a.O., S. 21)<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> Laqueur, a.a.O., S. 17<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> Laqueur, a.a.O., S. 50<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Laqueur, a.a.O., S. 52<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> Laqueur, a.a.O., S. 158. Die Historikerin Barbara Duden hat sich in ihren empirischen Studien anhand von Krankenberichten und &#228;rztlichen Protokollen aus dem fr&#252;hen 18. Jahrhundert der Frage nach dem K&#246;rper verst&#228;ndnis von Frauen gewidmet. Es zeigt sich, dass die Art und Weise, wie die eigenen K&#246;rper wahrgenommen wurden, der These des „Ein-Geschlecht-Modells“ durchaus entspricht (vgl. Duden, Barbara: Geschichte unter der Haut. 1987).<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> Laqueur, a.a.O., S. 114<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> vgl. Schiebinger, Londa: Skeletons in the Closet: The First Illustration of the Female Skeleton in Eighteenth-Century Anatomy. In: Gallagher, Catherine (Hg): The Making of Modern Body. 1987, S. 42–82. Der Medizinhistoriker Michael Strolberg argumentiert dagegen, dass es bereits im 16. Jahrhundert zweigeschlechtliche Unterscheidungen von Skeletten gegeben habe (vgl. Strolberg, Michael: A woman down to her bones. in: Isis, Vol. 94, No.2. (Jun., 2003) S. 274-299<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> Honegger, Claudia: Die Ordnung der Geschlechter. Wissenschaft vom Menschen und das Weib 1750-1850. Frankfut 1991. S. 168f<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> Honegger, a.a.O., S. 8<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> Honegger a.a.O., 191, 42; vgl.179f.<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> Laqueur a.a.O., 172, 200ff.<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Laqueur, a.a.O., S. 23<br />
<a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> Laqueur, a.a.O., S. 23<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Bei allen Parallelen – wie bereits erw&#228;hnt besteht weitgehend Einigkeit was die zeitliche Einordnung der Umw&#228;lzungen betrifft – gibt es doch auch Unterschiede in der analytischen Beschreibung der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse. So wird nicht immer die Durchsetzung kapitalistischer Verh&#228;ltnisse in den Mittelpunkt ger&#252;ckt, sondern unter anderem vom &#220;bergang von der „traditionellen” zur “modernen Gesellschaft“ bzw. zur „Industriegesellschaft“ gesprochen.<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> Vergleiche hierzu: “Engels, Ian (2009). Marx, Engels…und Darwin? In: Perspektiven nr. 9.<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> Vgl. Honegger, a.a.O., S. 135, 191<br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> vgl. Schiebinger, Londa: Das private Leben der Pflanzen. Geschlechterpolitik bei Carl von Linné und Erasmus Darwin; in: Hagner, Michael (Hg.): Ansichten der Wissenschaftsgeschichte. Frankfurt 2001, S. 107-133<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> S&#246;mmering hatte 1785 bereits „Ueber die k&#246;rperliche Verschiedenheit des Negers vom Europ&#228;er“ ver&#246;ffentlicht. Nicht nur der Titel, sondern auch die vergleichende Argumentation verweisen auf die &#228;hnliche Vorgehensweise in der Rassen- und Geschlechterkunde (vgl. Honegger, a.a.O., S. 111-117, 170ff.).<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> vgl. Maihofer, a.a.O., S. 26, 36<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> vgl. Duden, Barbara: Geschichte unter der Haut. 1987. S. 28<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> Maihofer, a.a.O., S. 37<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> vgl. Sarasin, Philipp: Reizbare Maschinen. Frankfurt/Main 2001, S. 25, 211<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> Frevert, Ute. in: Eifert, Christiane (Hg.): Was sind Frauen? Was sind M&#228;nner? Frankfurt/Main 1996, 139ff.<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> vgl. Maihofer, a.a.O., S. 37<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> zit. nach Sarasin, a.a.O., S. 207. vgl. auch S. 189<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> vgl. Duden, a.a.O., S. 29<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> vgl. Schiebinger, Londa: Anatomie der Differenz, in: Feministische Studien, 11.Jhg., Mai 1993, Nr. 11. S. 48-64, S. 49, 60<br />
<a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> vgl. Maihofer, a.a.O., S. 31<br />
<a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> Ebd., S. 161<br />
<a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> vgl. Schiebinger a.a.O. 1993, S. 61<br />
<a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> vgl. vgl. Schiebinger, Londa: Skeletons in the Closet: The First Illustration of the Female Skeleton in Eighteenth-Century Anatomy. In: Callagher, a.a.O., S. 67 und Laqueur, a.a.O., S. 220<br />
<a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> Gerhard, Ute: “Bis an die Wurzeln des &#220;bels”. Rechtsgeschichte und Rechtsk&#228;mpfe der Radikalen, in: Feministische Studien, Heft 1, 1984, S. 77-99, S. 81<br />
<a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> Aus diesem Grund bleibt „proletarischer Antifeminismus“, wie es ihn etwa seitens der Sozialdemokratie gegeben hat, in dieser Betrachtung au&#223;en vor.Vgl. Planert, Ute: Mannweiber, Uriniden, und sterile Jungfern. Die Frauenbewegung und ihre Gegner im Kaiserreich, in: Feministische Studien, Heft 1, 2000, S. 22-36, S. 22<br />
<a title="anm41" name="anm41" href="#anm_41">41</a> vgl. Planert, Ute: Der dreifache K&#246;rper des Volkes. Sexualit&#228;t, Biopolitik und die Wissenschaft vom Leben, in: Geschichte und Gesellschaft, 26.Jhg., 2000, S. 539-407, S. 558<br />
<a title="anm42" name="anm42" href="#anm_42">42</a> vgl. Frevert, Ute (Hg.): B&#252;rgerinnen und B&#252;rger. G&#246;ttingen 1988, S.13<br />
<a title="anm43" name="anm43" href="#anm_43">43</a> vg. Hirschauer, Strefan: Wie sind Frauen? Wie sind M&#228;nner? Zweigeschlechtlichkeit als Wissenssystem, in: Eifert, Christiane: Was sind Frauen? Was sind M&#228;nner? Frankfurt/Main 1996, S. 240-256, S. 245<br />
<a title="anm44" name="anm44" href="#anm_44">44</a> vgl. Frevert a.a.O., S. 12f.<br />
<a title="anm45" name="anm45" href="#anm_45">45</a> Hausen, Karin: Die Polarisierung der “Geschlechtscharaktere” – Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben, in: Conze, Werner (Hg.): Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas. Stuttgard 1976, S. 263-394, S. 363<br />
<a title="anm46" name="anm46" href="#anm_46">46</a> vgl. ebd., S. 375<br />
<a title="anm47" name="anm47" href="#anm_47">47</a> vgl. ebd., S. 376ff., S. 383<br />
<a title="anm48" name="anm48" href="#anm_48">48</a> vgl. ebd.<br />
<a title="anm49" name="anm49" href="#anm_49">49</a> Planert 2000, S.552-555<br />
<a title="anm50" name="anm50" href="#anm_50">50</a> Schmitt, Sabine: Der Arbeiterinnenschutz im deutschen Kaiserreich. Zur Konstruktion der schutzbed&#252;rftigen Arbeiterin. Stuttgart 1995. S.16f.<br />
<a title="anm51" name="anm51" href="#anm_51">51</a> Auch die m&#228;nnliche Sexualit&#228;t wurde thematisiert, etwa im Bezug auf Onanie, oder sp&#228;ter von Wahnsinnigen und Rassentheoretikern wie etwa Lanz von Liebenfels, der eine Art Anleitung f&#252;r M&#228;nner zur Erzeugung sch&#246;ner Kind verfasste. Allerdings war diese im Vergleich zu der weiblichen Sexualit&#228;t eher von zweitrangigem Interesse. (planert 2000: 567ff.)<br />
<a title="anm52" name="anm52" href="#anm_52">52</a> vgl. Planert 2000, S. 547-553<br />
<a title="anm53" name="anm53" href="#anm_53">53</a> vgl. Maihofer a.a.O., S. 95</p>
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		<title>Perspektiven Nr. 9 (Herbst 2009) erschienen!</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Oct 2009 14:57:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Feminisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>
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		<description><![CDATA[Schwerpunkt: Ge_schlechte_rverh&#228;ltnisse im Kapitalismus

Die neue Ausgabe von Perspektiven ist da!


Im Schwerpunkt:
Maria Asenbaum und Katherina Kinzel zum schwierigen Verh&#228;ltnis zwischen Marxismus und Feminismus &#8211; Veronika Duma und Tobias Boos zur Geschichte der (b&#252;rgerlichen) Geschlechts-K&#246;rper &#8211; Katharina Hajek und Benjamin Opratko zu Geschlechterpolitik und Wirtschaftskrise &#8211; Petra Steiner im Interview zu feminisierter Arbeit im globalen S&#252;den
Au&#223;erhalb des Schwerkpunkts:
Nikolaus Perneczky zum &#8220;Dritten Kino&#8221; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Schwerpunkt: Ge_schlechte_rverh&#228;ltnisse im Kapitalismus</h3>
<p style="text-align: center;"><a></a></p>
<p><a><strong>Die neue Ausgabe von Perspektiven ist da!</strong></a></p>
<p><strong><a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/10/perspektiven9-cover-toc_page_1.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-588" title="perspektiven9-cover" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2009/10/perspektiven9-cover-toc_page_1-212x300.jpg" alt="perspektiven9-cover" width="212" height="300" /></a><br />
</strong></p>
<p>Im Schwerpunkt:<br />
Maria Asenbaum und Katherina Kinzel zum schwierigen Verh&#228;ltnis zwischen Marxismus und Feminismus &#8211; Veronika Duma und Tobias Boos zur Geschichte der (b&#252;rgerlichen) Geschlechts-K&#246;rper &#8211; Katharina Hajek und Benjamin Opratko zu Geschlechterpolitik und Wirtschaftskrise &#8211; Petra Steiner im Interview zu feminisierter Arbeit im globalen S&#252;den</p>
<p>Au&#223;erhalb des Schwerkpunkts:<br />
Nikolaus Perneczky zum &#8220;Dritten Kino&#8221; &#8211; Behrooz Rahimi zu Rissen in der Islamischen Republik Iran &#8211; Ian Angus zu Marx, Engels und Darwin &#8211; Rezensionen und Rosinenpicken</p>
<p>Hier gibt es das <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=581">Editorial online</a> &#8211; die Artikel folgen demn&#228;chst, hier und auf <a href="http://www.linksnet.de">linksnet.de</a>. Sch&#246;ner anzusehen &#8211; nicht zuletzt wegen Reinhard Langs Fotoserie zu geschlechtlich konnotierten Produktionsmitteln &#8211; ist das ganze in der analogen Version, auf Papier. Die kann <a href="mailto:kontakt@perspektiven-online.at">hier bestellt</a> oder an <a href="http://www.perspektiven-online.at/?page_id=7">diesen Stellen gekauft</a> werden. Noch besser: gleich<a href="http://www.perspektiven-online.at/abo/">ein Abonnement </a>nehmen!</p>
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