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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Feminismus</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Definitionsmacht und sexualisierte Gewalt</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 12:48:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Definitionsmacht]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>

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		<description><![CDATA[In den letzten Wochen haben wir uns ausf&#252;hrlich mit dem Thema sexualisierte Gewalt besch&#228;ftigt. In diesem kurzen Papier halten wir erste Ergebnisse unserer Diskussionen und unser Bekenntnis zum Konzept der Definitionsmacht fest.

1. Als emanzipatorische Organisation teilt Perspektiven einen antisexistischen Grundkonsens. Das bedeutet, dass wir gegen strukturelle, geschlechtsspezifische Machtverh&#228;ltnisse sowohl gesellschaftspolitisch ank&#228;mpfen, als auch auf individueller Ebene f&#252;r eine antisexistische Praxis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten Wochen haben wir uns ausf&#252;hrlich mit dem Thema sexualisierte Gewalt besch&#228;ftigt. In diesem kurzen Papier halten wir erste Ergebnisse unserer Diskussionen und unser Bekenntnis zum Konzept der Definitionsmacht fest.<br />
<span id="more-2446"></span></p>
<li>1. Als emanzipatorische Organisation teilt Perspektiven einen antisexistischen Grundkonsens. Das bedeutet, dass wir gegen strukturelle, geschlechtsspezifische Machtverh&#228;ltnisse sowohl gesellschaftspolitisch ank&#228;mpfen, als auch auf individueller Ebene f&#252;r eine antisexistische Praxis eintreten.</li>
<li>2. Innerhalb gegenw&#228;rtiger Gesellschaften ist die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen stark eingeschr&#228;nkt. Die bestehenden Geschlechterverh&#228;ltnisse kommen unter anderem in sexualisierter Gewalt zum Ausdruck und werden durch diese reproduziert. Dabei handelt es sich um einen politischen Akt, der nicht nur einzelne M&#228;nner* und Frauen* betrifft. Vergewaltigung ist nicht au&#223;er Kontrolle geratene Sexualit&#228;t, sondern sexualisierte Gewalt.</li>
<li>3. Das Fortbestehen eines strukturellen Macht- und Herrschaftsverh&#228;ltnisses zwischen Mann* und Frau* – auch in der Linken – macht „Definitionsmacht“ zu einem notwendigen Konzept. Hierbei geht es um die Anerkennung der Definitionsmacht &#252;ber sexualisierte Gewalt – also dar&#252;ber, welche Situationen und Erfahrungen als Grenz&#252;berschreitung zu definieren sind. Die vorherrschende, juristische Definition sexualisierter Gewalt verlangt ein sofortiges Sich-Wehren der Betroffenen, eine klare Benennung des T&#228;ters sowie (sichtbare) Beweise f&#252;r die Tat. Weil sexualisierte Gewalt zumeist im sozialen Nahbereich stattfindet, eine unmittelbare Einordnung und Reaktion im Moment des &#220;bergriffs oft kaum m&#246;glich ist und sich auch der Tatbeweis schwierig und entw&#252;rdigend gestaltet (dar&#252;ber hinaus wird ein Gro&#223;teil der F&#228;lle vor Gericht wegen mangelnden Beweisen eingestellt oder erst gar nicht verfolgt ), nimmt eine solche juristische Definition strukturell die T&#228;terperspektive ein und sch&#252;tzt diesen so.</li>
<li>4. Mit der „Definitionsmacht“ wird demgegen&#252;ber das pers&#246;nliche Empfinden einer Grenz&#252;berschreitung als Ausgangspunkt gesetzt, denn nur die Betroffene* selbst kann definieren, was sexualisierte Gewalt im je konkreten Einzelfall ist oder war; <em>diese Definition stellen wir nicht in Frage</em>. F&#252;r uns als Organisation bedeutet das Bekenntnis zur Definitionsmacht die aktive und bedingungslose Parteilichkeit mit der Betroffenen*. Ihre Definition wird vollst&#228;ndig akzeptiert und auch nicht durch „kritisches“ Nachfragen oder detektivische Beweisf&#252;hrung in Zweifel gezogen.</li>
<li>5. Perspektiven f&#252;hlen sich als feministische Organisation angerufen. Damit die Konsequenzen unseres Bekenntnisses zur Definitionsmacht von der ganzen Gruppe mitgetragen werden, muss ein transparenter Informationsprozess stattfinden. Zu diesen Konsequenzen geh&#246;rt unter anderem, dass falls es zu F&#228;llen sexualisierter Gewalt seitens eines Mitglieds kommen sollte, der T&#228;ter aus der Organisation ausgeschlossen wird und wir die Forderungen der Betroffenen* bedingungslos umsetzen. Das Bekenntnis zur Definitionsmacht bedeutet f&#252;r uns auch, nicht mit Organisationen, Initiativen etc. zusammenzuarbeiten, die T&#228;ter sch&#252;tzen. Wir m&#246;chten einen Raum darstellen, in dem Frauen* politisch aktiv sein k&#246;nnen und wollen. Definitionsmacht ist ein Erm&#228;chtigungsverh&#228;ltnis, das unter bestehenden Geschlechterverh&#228;ltnissen notwendig ist, um gemeinsame politische Praxis und gegenseitiges Vertrauen zu erm&#246;glichen.</li>
<li>6. Die Anerkennung der Definitionsmacht bedeutet keineswegs, dass antisexistische und feministische Praxis sich darin ersch&#246;pft. Vielmehr ist eine stetige Auseinandersetzung mit Antisexismus und Feminismus f&#252;r uns zentral.</li>
</ol>
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		<title>SlutWalk Bewegung</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Sep 2011 09:33:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nico</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;We live in a society that teaches DON’T GET RAPED instead of DON’T RAPE&#8221; &#8211; &#220;ber victim blaming, sexualisierte Gewalt und die viel diskutierte Begriffsaneignung im Zuge der SlutWalk Bewegung schreibt Fanny M&#252;ller-Uri.

Ein Blick auf die Vergewaltigungs-Gerichtsprozesse à la Strauss-Kahn der letzten Monate verdeutlicht, wie aktuell diese Feststellung ist. Das gesellschaftliche Problem der Verharmlosung, Normalisierung und Akzeptanz von Gewalttaten an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;<a href="http://www.peopleofcolororganize.com/analysis/slutwalk-march-march/"><em>We live in a society that teaches DON’T GET RAPED instead of DON’T RAPE</em></a>&#8221; &#8211; &#220;ber <em>victim blaming</em>, sexualisierte Gewalt und die viel diskutierte Begriffsaneignung im Zuge der SlutWalk Bewegung schreibt <em>Fanny M&#252;ller-Uri</em>.<br />
<span id="more-2305"></span><br />
Ein Blick auf die Vergewaltigungs-Gerichtsprozesse à la Strauss-Kahn der letzten Monate verdeutlicht, wie aktuell diese Feststellung ist. Das gesellschaftliche Problem der Verharmlosung, Normalisierung und Akzeptanz von Gewalttaten an Frauen ist nun Zielscheibe einer neuen, lautstarken feministischen Bewegung: der weltweiten SlutWalks. In &#252;ber <a href="http://www.slutwalktoronto.com/satellite/satellites-list-dates">f&#252;nfzig</a> St&#228;dten haben sie bereits stattgefunden, in mindestens genauso vielen, darunter auch Wien, sind sie momentan in Planung. Die Debatten in und um die SlutWalk Bewegung sind vielf&#228;ltig, einige werden auch hier zur Diskussion gestellt.</p>
<p><strong><em>Victim blaming</em>: Ein Mythos mit realen Auswirkungen</strong><br />
Minimalkonsens der Bewegung ist der Widerstand gegen einen alten Mythos, der im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Verharmlosung von Gewalt an Frauen, die juristisch legitimierte T&#228;ter-Opfer-Umkehr (engl. <em>victim blaming</em>), steht. Jener soll uns weismachen, dass M&#228;nner Opfer ihres Sexualtriebs w&#228;ren und Gewalt legitimierbar sei, wenn sie einer Frau mit Minirock begegneten.<br />
Dies war auch Z&#252;ndstoff des ersten SlutWalks in Toronto am 3. April diesen Jahres. Ausl&#246;ser war die Aussage eines Polizisten, Michael Sanguinetti, der eigentlich an einer Universit&#228;t einen Pr&#228;ventionskurs zum Thema Sicherheit am Campus machen sollte. Mit dem Satz: &#8220;<em><a href="http://slutwalk.net/?p=1">Women should avoid dressing like sluts in order not to be victimized</a></em>&#8221; bediente er anhand von <em>victim blaming</em> einen Ausschnitt dessen, was in feministischen Traditionen als <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Rape_culture"><em>rape culture</em></a> oder <em>culture of violence</em> bezeichnet wird.<br />
Die Annahme, es handle sich bei Vergewaltigungen um sexuelle Handlungen ist noch immer mehrheitsf&#228;hig. Vergewaltigungen und sexualisierte &#220;bergriffe m&#252;ssen aber als <a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/schlampenmarsch-in-muenchen-ende-der-vorurteile-1.1128142-2">&#8220;eine Form der Machtaus&#252;bung mit dem Mittel der Sexualit&#228;t [verstanden werden]. (…) Es geht dabei darum, Macht &#252;ber jemanden auszu&#252;ben, jemanden zu erniedrigen &#8211; und das ist eine gesellschaftliche Sache…“</a> und Ausdruck von Gewalt und Unterdr&#252;ckung – Gewalt hat System.</p>
<p>Sanquinettis Aussage spiegelt diese gesellschaftlichen Diskurse wider und spricht damit aus, was in den K&#246;pfen vieler Menschen allzu oft auf Zustimmung trifft. Dies mag zwar immer noch breiter Konsens in der Gesellschaft sein, aber diesmal erzeugte es auch breiten Widerstand. Zu Recht und v&#246;llig emp&#246;rt gingen daraufhin tausende Menschen auf die Stra&#223;e und formierten sich zu einer dynamischen, undogmatischen und kreativen Demonstration. Denn niemand hat das Recht, Gewalt an Frauen auszu&#252;ben, egal wie sie sich verhalten (etwa Trunkenheit, Herumgeflirte oder Alleine-am-Nachhauseweg-Sein) oder sich kleiden (ob bauchfrei, Minirock oder Kartoffelsack). Obwohl es keinen Dresscode gibt, spielen viele SlutWalk-TeilnehmerInnen mit der Kleidung und rufen unmissverst&#228;ndlich: „<em>My clothes are not louder than my voice! Enough is enough!</em>“</p>
<p><strong>„<em><a href="http://www.plyrics.com/lyrics/xrayspex/ohbondageupyours.html">Oh Bondage, </a></em><a href="http://www.youtube.com/watch?v=ogypBUCb7DA">Up Yours!</a>&#8221; und der Mythos der dunklen Gassen</strong><br />
Die SlutWalk-Bewegung konzentriert sich haupts&#228;chlich auf sexualisierte Gewalt im &#246;ffentlichen Raum. Dies ist auch &#252;berf&#228;llig und stellt sich dem Sicherheitswahn, der gerne in Form repressiver Mittel wie Videokameras, privater Securities und selbsternannter B&#252;rgerwehren auftritt, entgegen. Denn der ausgelebte, machoide „Besch&#252;tzerinstinkt“ ersetzt keine Freir&#228;ume, in denen sich Frauen unbeschwert bewegen k&#246;nnen. Die SlutWalks fahren damit einen vielleicht neuen Diskurs: selbstbewusst ergreifen sie die Definitionshoheit und  beziehen damit klare Position. Gleichzeitig wird ein Faktum bisher wenig beachtet. Tats&#228;chlich finden die meisten sexualisierten &#220;bergriffe und Vergewaltigungen nicht in den dunklen Gassen, am Campus oder in Parks statt, sondern in den eigenen vier W&#228;nden bzw. im Bekannten- und Verwandtenkreis. <a href="http://www.profil.at/articles/1101/560/285909/intimsphaerenrisse-sexuelle-uebergriffe-bereich">90% der Betroffenen kennen ihre T&#228;ter</a>. H&#228;usliche Gewalt wird bisher von den wenigsten SlutWalks thematisiert, Gewalt gegen Frauen auf den „&#246;ffentlichen Raum“ reduziert.  Dies ist bis dato eine Schw&#228;che der SlutWalk Bewegung und erkl&#228;rt sich bis zu einem gewissen Grad aus der vermeintlichen Losl&#246;sung von einer breiteren anti-sexistischen Praxis und historischen Frauenbewegungen.</p>
<p><strong>It‘s a new <em>feminist</em> movement, yay</strong><br />
Inzwischen kann nicht mehr von einem punktuellen anti-sexistischen Protest gesprochen werden. Weltweit finden seitdem SlutWalks statt, dadurch dringen anti-sexistische und feministische Themen in die breite &#214;ffentlichkeit – in den Malestream. Auff&#228;llig scheint hierbei die Abwehr vieler TeilnehmerInnen, sich als feministisch zu bezeichnen. Dies mag an der negativen Konnotation des Begriffs liegen, welche in der &#214;ffentlichkeit zelebriert wird. Zweifelsohne gibt es nicht blo&#223; <em>eine</em> feministische Str&#246;mung, um es aber kurz und b&#252;ndig mit den Worten der gro&#223;en <a href="http://books.google.com/books?id=uvIQbop4cdsC&amp;lpg=PR3&amp;hl=de&amp;pg=PR11#v=onepage&amp;q&amp;f=false">bell hooks</a> auszudr&#252;cken: „<em>Feminist struggle takes place anytime anywhere any female or male resists sexism, sexist exploitation, and oppression. Feminist movement happens when groups of people come together with an organized strategy to take action to eliminate patriarchy.&#8221; </em> Fakt ist, dass die Zusammensetzung der TeilnehmerInnen eine <a href="http://www.slutwalktoronto.com/satellite/satellites-list-dates">vielf&#228;ltige</a> ist:  ob jung oder alt, ob politisch schon l&#228;nger aktiv oder nicht , aber vor allem <em>all gender</em> machen sich f&#252;r SlutWalks stark und diese k&#246;nnen nicht abseits der Tradition feministischer K&#228;mpfe betrachtet werden. Egal ob sich die TeilnehmerInnen als feministisch definieren oder nicht – feststeht: „<em>Yes means Yes! No means No! &#8211; Keine Gewalt an Frauen!</em>“.</em></p>
<p><em><strong>Slut </em>– Strategie der Begriffsaneignung</strong><br />
Klarerweise entstehen in politischen Bewegungen unterschiedliche Strategien, wie man definierte Ziele benennt oder erreichen kann. &#220;ber die Begriffsaneignung Slut beispielsweise wird seit Monaten debattiert. Der Begriff Slut wurde zun&#228;chst <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/353239/353240.php">ironisch</a> von den OrganisatorInnen herangezogen, um auf den spezifischen Kontext des <em>victim blamings</em> zu reagieren. Auch wenn die (R&#252;ck-)Eroberung von herrschaftlicher Sprache seit jeher feministische Tradition hat, so stellt sich erneut beim Begriff Slut die Frage, inwieweit sie exkludierend wirkt bzw. welche Funktion dem Gebrauch zukommt. Ohne weiteres kann es als Eroberung des Begriffs f&#252;r eine anti-sexistische Kampagne verstanden werden. Dennoch, Slut wirkt polarisierend, ist zutiefst vergeschlechtlicht und von Machtverh&#228;ltnissen durchzogen.<br />
Der Begriff exkludiert, denn viele Menschen wollen nicht unter einem Label aktiv werden, das Frauen als Ware, Objekt und Opfer tituliert. Denn der SlutWalk transportiert auch „<a href="http://www.perspektiven-online.at/2007/11/01/sexy-sexismus/">Sex and the City“-Sexyness</a>, die auf patriarchalen Frauenbildern basiert. Auch der gro&#223;e Zuspruch in den Malestream-Medien ist wohl nicht in einem breiten anti-sexistischen Konsens begr&#252;ndet, vielmehr gilt auch hier die mediale Logik des <em>Sex sells</em>. Die Bewegung profitiert vom medialen Interesse und erh&#246;ht dieses durch das bewusste Spiel mit dieser sexualisierten Begrifflichkeit. So lange die SlutWalks jedoch nicht auf „<a href="http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-69126.html">das Recht auf sexy Kleidung</a>“ reduziert werden und die feministische Botschaft in den Mainstream durchsickert, bleibt wohl nur zu sagen: In your face! Aber mal ehrlich – wo ist denn auch schon die Insel der Gl&#252;ckseligen?</p>
<p>Dass der Begriff Slut Kontroversen mit sich bringt, liegt auf der Hand. Fest steht, auch wenn eine Frau als Slut bezeichnet wird, nackt durch die Stra&#223;en zieht oder betrunken in der Ecke liegt – Gewalt an Frauen ist omnipr&#228;sent und niemals gerechtfertigt! „<em>Frauen, h&#246;rt ihr Frauen schreien, lasst die anderen nicht allein!</em>“ – Wir sehen uns bei dem n&#228;chsten SlutWalk-Treffen.</p>
<p></em></p>
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		<title>Altes und neues der Feministischen Staatstheorie</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2011/07/19/altes-und-neues-der-feministischen-staatstheorie/</link>
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		<pubDate>Tue, 19 Jul 2011 17:11:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 13]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Staatstheorie]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Ludwig, Gundula/ Sauer, Birgit/ W&#246;hl, Stefanie (Hg.): Staat und Geschlecht. Grundlagen und aktuelle Herausforderungen feministischer Staatstheorie, Baden-Baden: Nomos 2009, 217 Seiten, € 29,90

„Die Themen moderner Staatlichkeit und Staatsb&#252;rgerInnenschaft werden heute in der feministischen Politikwissenschaft so intensiv wie vielleicht noch nie diskutiert. Das ist zweifellos eine Konsequenz aus der Tatsache, dass sich trotz aller politischen Gleichstellungsbem&#252;hungen nur wenig Entscheidendes an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Ludwig, Gundula/ Sauer, Birgit/ W&#246;hl, Stefanie (Hg.): Staat und Geschlecht. Grundlagen und aktuelle Herausforderungen feministischer Staatstheorie, Baden-Baden: Nomos 2009, 217 Seiten, € 29,90<br />
<span id="more-1965"></span><br />
„Die Themen moderner Staatlichkeit und Staatsb&#252;rgerInnenschaft werden heute in der feministischen Politikwissenschaft so intensiv wie vielleicht noch nie diskutiert. Das ist zweifellos eine Konsequenz aus der Tatsache, dass sich trotz aller politischen Gleichstellungsbem&#252;hungen nur wenig Entscheidendes an der Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen ge&#228;ndert hat.“ (41) Mit diesem Statement von Gabriele Wilde im ersten Beitrag von Staat und Geschlecht ist die Notwendigkeit des Bandes schnell belegt.<br />
Die Beitr&#228;ge der zw&#246;lf Autorinnen – einleitend wird betont, dass dies der erste Band der Reihe „Staatsverst&#228;ndnisse“ ist, in dem nur Frauen publizieren, was die gegenw&#228;rtige Arbeitsteilung in der Staatstheorie abbildet, geht es doch um „Geschlecht“ und damit um eine „Frauenangelegenheit“ – bieten eine Zusammenschau zentraler Grundlagen feministischer Staatstheorie und -kritik der vergangenen 30 Jahre bis heute. Eva Kreisky und Marion L&#246;ffler erkl&#228;ren also etwa einmal mehr den Begriff des Maskulinismus im Staat, Gundula Ludwig das hegemonie- und gouvernementalit&#228;tstheoretische Staatsverst&#228;ndnis und die Folgen f&#252;r die Frage des Subjekts. Auch werden Themen wie die Debatte um den Geschlechtervertrag (Nichtregulierung des „Privaten“), Recht und Staat (Verb&#252;ndete im Bem&#252;hen um Gleichstellung?), Gewalt (Birgit Sauer pl&#228;diert f&#252;r einen „weiten Gewaltbegriff […] um die Vielf&#228;ltigkeit geschlechtsspezifischer Bedrohungs- und Unsicherheitslagen von Frauen […] in den Blick zu bekommen“ [62]) und die Transformation von Staatlichkeit diskutiert.<br />
Der zweite Teil des Buches, „Aktuelle Herausforderungen feministischer Staatstheorie“ betitelt, behandelt viele im geistes- und sozialwissenschaftlichen Kontext noch wenig ber&#252;cksichtigte Felder, und hier wird es auch f&#252;r bereits in die Materie Eingelesene spannend: Feministische &#214;konomie, europ&#228;isches Regieren, transnationale Frauenbewegungen, Entwicklungen von Wohlfahrtsstaaten, Fortpflanzungspolitik und schlie&#223;lich Staatlichkeit und Intersektionalit&#228;t bieten einen breiten Zugang, welcher die Vielschichtigkeit feministischer Staatstheorie sehr pr&#228;gnant demonstriert und konkreten Aktualit&#228;tsbezug herstellt. Die von den Herausgeberinnen getroffene Auswahl der Autorinnen verspricht nicht zuviel: G&#252;lay Caglar etwa arbeitet zu „Gender und Globalisierung“ an der Berliner Humboldt Universit&#228;t, es findet sich eine Rechtsphilosophin neben einigen Politikwissenschafterinnen, Susanne Schultz ist Redakteurin beim Gen-ethischen Netzwerk e.V. Berlin mit Schwerpunkt Humangenetik und Friederike Habermann ist politikwissenschaftliche &#214;konomin und Historikerin.<br />
Besonders positiv hervorzuheben ist der Beitrag von Susanne Schultz, „Zwischen Eugenik, Demografie und dem Management reproduktiver Biographien: spannungsreiche staatstheoretische Zug&#228;nge zu Fortpflanzungspolitik“. Darin werden K&#246;rperpolitiken einer politikwissenschaftlichen Analyse unterzogen, die bisher vernachl&#228;ssigt wurde, obwohl die Macht des Staates &#252;ber den K&#246;rper bzw. der Einfluss des Staates bis hin zum subjektiven K&#246;rper eigentlich kein g&#228;nzlich neues Terrain darstellen. Der Beitrag behandelt ein gerade wieder durch die parlamentarische Debatte um Pr&#228;implantationsdiagnostik aufflammendes Thema und stellt zugleich neue Zug&#228;nge dar, um die trotz aller Kritik an der Trennung des „privaten“ Lebens und des „&#246;ffentlichen“, sprich „politischen“ Bereiches auch in der feministischen Politikwissenschaft anzutreffende Gewichtung in traditionelle und unkonventionelle Themen zu unterlaufen. Schultz zeigt auf, dass feministische Staatskritik „mehr kann“ als die immer gleichen Kritikpunkte an der Arbeit von Frauengruppen in internationalen Institutionen darzustellen oder die oft get&#228;tigten Vergleiche von Wohlfahrtsstaaten und deren Geschlechterpolitik neu aufzurollen. „Um einerseits die Strukturiertheit staatlicher Biopolitik als Ganzes und andererseits die Offenheit und Konflikttr&#228;chtigkeit der K&#228;mpfe auf staatlichem Terrain analysieren zu k&#246;nnen“ (187), schl&#228;gt Schultz zwei staatstheoretische Optiken vor: „Eine Optik versucht, die K&#228;mpfe um Fortpflanzungspolitik in ihrem Prozess und mit den unterschiedlichen Positionen und AkteurInnen und somit deren Offenheit und Konflikttr&#228;chtigkeit in den Blick zu bekommen. Und eine erfasst […] aufs Ganze blickend [und mit hegemonie- und diskurstheoretischen Werkzeugen ausgestattet], wie SprecherInnenpositionen im Feld des Staates Sinn ergeben, konstituiert sind und sich in ein hegemoniales Projekt einf&#252;gen“ (ebd.). Mit dieser Herangehensweise beschreibt Schultz drei staatstheoretische Str&#228;nge: erstens behandelt sie die biopolitische Grundstruktur moderner Staatlichkeit, wobei sie das Verh&#228;ltnis zwischen der Verwaltung von Bev&#246;lkerungen als biopolitische Makroebene und der Politik der Beeinflussung individueller K&#246;rper und deren reproduktives Verhalten als biopolitische Mikroebene beschreibt. Letztere bedeutet etwa Politik um „das individuelle oder im heteronormativen Kleinfamilienmodell paarf&#246;rmig organisierte reproduktive Verhalten“ (186). „Der zweite Zugang besch&#228;ftigt sich mit der Analyse unterschiedlicher Regime der Fortpflanzungspolitik“ (ebd.), und in der dritten Herangehensweise stellt sich die Frage: „Welche Selbsttechnologien, in unserem Fall welches ‚reproduktive Verhalten‘, wird auf der mikrobiopolitischen Ebene staatlich gef&#246;rdert, gefordert und durchgesetzt?“ (187). Hier wird die Macht von Wissensordnungen und F&#246;rdermechanismen dargestellt, aber auch empirisch, soziologisch, ethnologisch oder kulturwissenschaftlich nach Aneignungsformen und Uminterpretationsstrategien der Individuen geforscht. Musterhaft zieht die Autorin Beispiele staatlicher Politik aus Deutschland zwischen 1995 und 2008 heran. Im Schlusssatz betont Schultz die Bedeutung von sozialen Bewegungen im Kampf um politische Verhandlungen, welche hier „schon lange vor akademischen Diskussionen &#252;ber Biopolitik die[se] komplexen Verschr&#228;nkungen der Fortpflanzungspolitik analysiert haben“ (195). Im Editorial des Buches wird der Anspruch betont, dass die Reihe „Staatsverst&#228;ndnisse“ des Nomos Verlages vor allem Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften ansprechen soll. Bei Staat und Geschlecht handelt es sich allerdings um Literatur f&#252;r jene, die im universit&#228;ren Umfeld noch nicht allzuviel &#252;ber feministische Staatskritik geh&#246;rt haben und wissen wollen, was diese in den vergangenen 30 Jahre geleistet hat. Wer in akademische Feminismen bereits eingelesen ist, wird zu Beginn des Buches kaum neuen Thesen begegnen – &#220;berraschung wird aber, um fair zu bleiben, auch nicht als Zielsetzung der Herausgeberinnen f&#252;r den ersten Teil genannt. Vielmehr soll hier auf zentrale „Begriffe, Theoreme und Problemstellungen feministischer Staatstheorie“ fokussiert werden (19). Der zweite Teil des Bandes stellt demgegen&#252;ber einige neue Themenkomplexe vor, die Lust auf eine tiefer gehende Besch&#228;ftigung machen. Eine solche kann Staat und Geschlecht mit den maximal sechzehnseitigen Beitr&#228;gen eindeutig nicht bieten. Es lohnt sich also, die jeweiligen Literaturlisten genauer durch zu schm&#246;kern.</p>
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		<title>Erinnert sich noch jemand an Frauen im Klassenkampf?</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2011/04/29/erinnert-sich-noch-jemand-an-frauen-im-klassenkampf/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Apr 2011 13:02:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 13]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Klassenkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie Ihr sicherlich bemerkt habt, stimmt irgendetwas mit dem Cover dieser Ausgabe von Perspektiven nicht. Das urspr&#252;ngliche Cover war eine Abwandlung von Dimitri Moors Plakat zur Anwerbung Freiwilliger f&#252;r die Rote Armee aus dem Jahr 1920. In Anbetracht der vorherrschenden Papierknappheit in der Zeit des russischen B&#252;rgerkriegs und Kampfes zur Verteidigung der Revolution war es mit einer Auflage von etwa [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie Ihr sicherlich bemerkt habt, stimmt irgendetwas mit dem Cover dieser Ausgabe von Perspektiven nicht. Das urspr&#252;ngliche Cover war eine Abwandlung von Dimitri Moors Plakat zur Anwerbung Freiwilliger f&#252;r die Rote Armee aus dem Jahr 1920. In Anbetracht der vorherrschenden Papierknappheit in der Zeit des russischen B&#252;rgerkriegs und Kampfes zur Verteidigung der Revolution war es mit einer Auflage von etwa 50.000 St&#252;ck eines der meist verbreiteten Plakate seiner Zeit. Das Plakat reiht sich mit seiner Ikonographie (direkte Ansprache, Fingerzeig auf BetrachterIn) nahtlos in die Riege der Rekrutierungsposter des Ersten Weltkriegs ein. So warb etwa England bereits 1914 mit einem &#228;hnlichen Sujet f&#252;r Freiwillige. Am Bekanntesten ist sicherlich <em>Uncle Sams</em> „I want you for US Army“ aus dem Jahr 1917. Auch die konterrevolution&#228;re Wei&#223;e Armee nutze diese Ikongraphie f&#252;r ein Plakat des Jahres 1919. Der von uns benutzte Claim <em>Do you remember Klassenkampf?</em> spielt mit dieser direkten Anrede.<br />
Die Russische Revolution und die Verteidigung dieser im B&#252;rgerkrieg kann wohl als der erfolgreichste klassenk&#228;mpferische Akt in der Geschichte bezeichnet werden. In diesem Kontext ist auch das Cover (als Einheit von Bild und Claim) zu verstehen. Die urspr&#252;ngliche Darstellung hatte hierbei nicht den Anspruch einer ad&#228;quaten Darstellung der Zusammensetzung der ArbeiterInnenklasse, sondern sollte auf die milit&#228;rische Auseinandersetzung im Klassenkampf verweisen.<br />
Nachdem das Heft schon gedruckt war, wurde sowohl innerhalb der Gruppe Perspektiven als auch von ersten LeserInnen vermehrt Kritik am Motiv des Covers laut. Im Zuge einer feministischen Intervention wurden die Kritikpunkte schlie&#223;lich in der Gruppe diskutiert. Der Hauptkritikpunkt am gew&#228;hlten Motiv besteht darin, dass die urspr&#252;nglich gew&#228;hlte Darstellung Klassenkampf unreflektiert mit der Figur des m&#228;nnlichen, wei&#223;en Industriearbeiters identifiziert. Frauen und nicht-wei&#223;e Identit&#228;ten als Teil der ArbeiterInnenklasse werden unsichtbar gemacht. Die sowohl historisch als auch aktuell oftmals tragende Rolle, die diese in den K&#228;mpfen der ArbeiterInnenklasse gespielt haben und immer noch spielen, wird so einmal mehr negiert. Statt mit dem gew&#228;hlten Motiv die Kollektivit&#228;t von Klassenk&#228;mpfen ad&#228;quat widerzuspiegeln und darauf zu verweisen, dass Handlungsmacht nur kollektiv errungen werden kann, ist auf dem Cover ein einzelner „starker Mann“ abgebildet. Zudem wird die urspr&#252;nglich intendierte ironische Brechung der autorit&#228;ren Geste des abgebildeten Rotarmisten, wie sich herausgestellt hat, nicht als solche wahrgenommen.</p>
<p>Nach der gemeinsamen Diskussion dieser Kritikpunkte haben wir uns dazu entschieden, die Kritik und die folgende Diskussion auch symbolisch am aktuellen Cover abzubilden. </p>
<p>Eure <em>Perspektiven</em></p>
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		<title>Feuer und Flamme dem Patriarchat!</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Mar 2011 10:45:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 13]]></category>
		<category><![CDATA[8. März]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Internationaler Frauentag]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 19. M&#228;rz ist das 100-j&#228;hrige Jubil&#228;um des Internationalen Frauentags. 1911 fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r die Rechte von Frauen statt, an der 20.000 Menschen teilnahmen. Anl&#228;sslich des Jubil&#228;ums wird dieses Jahr im Rahmen eines B&#252;ndnisses zu einer breiten Demo mobilisiert, die an eine lange Tradition internationaler Frauenk&#228;mpfe ankn&#252;pft. Wir haben Feministinnen aus drei unterschiedlichen Kontexten gebeten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 19. M&#228;rz ist das 100-j&#228;hrige Jubil&#228;um des <em>Internationalen Frauentags</em>. 1911 fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r die Rechte von Frauen statt, an der 20.000 Menschen teilnahmen. Anl&#228;sslich des Jubil&#228;ums wird dieses Jahr im Rahmen eines B&#252;ndnisses zu einer breiten Demo mobilisiert, die an eine lange Tradition internationaler Frauenk&#228;mpfe ankn&#252;pft. Wir haben Feministinnen aus drei unterschiedlichen Kontexten gebeten, per Mail zum Internationalen Frauentag, den damit verkn&#252;pften Forderungen und Zielen, den Herausforderungen feministischer B&#252;ndnisarbeit und den Perspektiven &#252;ber dieses Datum hinaus, Stellung zu nehmen.<br />
<span id="more-1838"></span></p>
<p><img alt="" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/03/Moik4.jpg" title="feuerundflamme" class="aligncenter" width="300" height="400" /><br />
<strong>Ihr kommt alle aus unterschiedlichen politischen Kontexten. Welche  Bedeutung hat dieser Tag f&#252;r euch und in der Kontinuit&#228;t welcher K&#228;mpfe und Bewegungen seht ihr euch?</strong></p>
<p><em>Birge</em>: Nun ja, ich sehe das nicht so, dass wir aus so unterschiedlichen feministischen Zusammenh&#228;ngen kommen. Ich habe vor ca. 30 Jahren im autonomen Fl&#252;gel der zweiten Frauenbewegung (FB) begonnen und bin der Tradition nach wie vor verbunden – bei aller Ver&#228;nderung des Fl&#252;gels selbst und bei allem, wie frau sich selbst so entwickelt bzw. gepr&#228;gt wird, oder wie die gesellschaftlichen Umst&#228;nde alle sozialen Bewegungen entweder vereinnahmt oder aufgel&#246;st haben. Das ist allgemein ein gro&#223;es Problem. Allerdings habe ich die Binnenerodierung innerhalb der FBen durch die sogenannten postfeministischen Str&#246;mungen als besonders schmerzlich empfunden. An der politischen Bedeutung des Internationalen Frauentags m&#246;chte ich festhalten; dieser scheint ja auch in vielen Frauenorganisationen wichtig zu sein – auch wenn es mir manchmal analog zu den Weihnachtschristen vorkommt: Einmal im Jahr gibt es eine Gedenkminute und sonst passiert nicht viel; zumindest in den Wohlstandsgegenden unsrer Welt – wobei &#214;sterreich da im Unterschied zu anderen westlichen L&#228;ndern eh noch eine recht lebendige Frauenszenerie hat –, denn wie ich geh&#246;rt habe, wird in bestimmten Teilen Afrikas z.B. der Frauentag in einem Ausma&#223; und einer Form begangen, die hier gar nicht vorstellbar ist.</p>
<p><em>Autonome Feministinnen und Lesben aus dem autonomen FrauenLesbenM&#228;dchenZentrum (FZ)</em><a titel="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a>: Anl&#228;sslich des 100. Jahrestages des <em>Internationalen Frauentages</em> gedenken wir respektvoll allen Frauen, die sich den Grenzen ihres Zeitalters, den sexistischen, rassistischen und sozialen Kategorisierungen nicht unterworfen haben und f&#252;r die Freiheit der Frauen und Menschheit gro&#223;en Widerstand geleistet haben. Unsere Verbundenheit mit diesen Frauen hei&#223;t f&#252;r uns, uns auf ihren Widerstand zu beziehen, ihnen Bedeutung beizumessen und diese K&#228;mpfe zu noch gr&#246;&#223;eren Erfolgen zu f&#252;hren. Am 8. M&#228;rz 2011 wird es eine FrauenLesben-Demonstration zum Internationalen Frauenkampftag geben; nicht weil es „in den letzten Jahren immer schon so war“, sondern weil uns die Selbstorganisierung von FrauenLesben grunds&#228;tzlich wichtig ist und weil wir wollen, dass am 8.3. feministische Aktionen regional – mit internationaler Verbundenheit – stattfinden. Denn Feminismus und Frauenbefreiung sind international. </p>
<p><em>Anna, Flora, Marlen, Neva</em>: Als Sozialistinnen sehen wir uns auch und gerade am  Frauenkampftag in der Tradition proletarischer und sozialistischer Frauenbewegungen und deren K&#228;mpfen um die Rechte der Arbeiterinnen und einer gleichberechtigten Position innerhalb linker sozialistischer Bewegungen. Weil gerade die Forderung nach gelebter Gleichstellung in sozialistischen Kontexten wohl immer wieder neu ertrotzt werden muss, ist auch f&#252;r uns das Angehen gegen das Konzept von Haupt- und Nebenwiderspruch in der Linken ein wichtiges Kampffeld. Da hei&#223;t es auch immer in der eigenen Organisation aufr&#228;umen. Keinesfalls nur am Frauenkampftag, denn das hie&#223;e seine urspr&#252;ngliche Bedeutung als Mahnmal und besonderer Solidarit&#228;tsmoment in ein n&#252;tzliches Alibi umzuwandeln, sich als linke Organisation nicht das ganze Jahr mit Frauenpolitik auseinandersetzen zu m&#252;ssen. Wird er aber als das gesehen was er ist, als M&#246;glichkeit der Solidarisierung und der Zusammenf&#252;hrung von K&#228;mpfen, kann es der Frauenkampftag ganz sch&#246;n in sich haben. Innerhalb der SJ wird eben das anhand der Vernetzung verschiedener Frauen aus dem SP Vorfeld versucht, Aktionen in allen SJ-Bezirken sollen feministische Kampfthemen nach au&#223;en tragen. Auch das vor einigen Jahren erk&#228;mpfte Feministische Seminar nur f&#252;r Frauen erm&#246;glicht einen k&#228;mpferischen Raum f&#252;r Diskussion, Solidarisierung und Empowerment. Und den brauchen wir, denn: das Vorankommen feministischer K&#228;mpfe ist immer auch ein Gradmesser f&#252;r unser generelles Vorankommen als Linke, f&#252;r den Fortschritt der Bewegung. </p>
<p><strong>Was waren historisch gesehen die zentralen Forderungen? Gab es einen Wandel innerhalb dieser Forderungen? Und welche sind f&#252;r euch heute noch zentral?</strong></p>
<p><em>B</em>: Am 19. M&#228;rz 1911 gingen rund 20.000 Frauen – und M&#228;nner – auf die Wiener Ringstra&#223;en, um f&#252;r Frauenrechte zu k&#228;mpfen. Ihre Anliegen waren das allgemeine Frauenwahlrecht, gleicher Lohn f&#252;r gleiche Arbeit, der 8-Stunden-Tag, die Senkung der Lebensmittelpreise, die Einf&#252;hrung einer Sozialversicherung, die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und Frieden. Die K&#228;mpfe der FB begannen rund um das Abtreibungsrecht und im Kontext der 68er-Bewegung. Es ging um das Selbstbestimmungsrecht und weibliche Freiheit und Unabh&#228;ngigkeit von den M&#228;nnern (politisch und privat). Damit verbunden war immer auch eine fundamentale Gesellschafts- als Herrschaftskritik und die Internationalit&#228;t, also die Politisierung der Ausbeutung von Frauen (ihren K&#246;rpern usw.) weltweit.</p>
<p><em>FZ</em>: Vor beinahe 100 Jahren, am 19. M&#228;rz 1911, fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r Frauenrechte statt. Damals wie heute gilt: Um die Selbstorganisierung von Frauen und Frauenbewegungsgeschichte zu begreifen ist es auch notwendig, die gesellschaftlichen Kontexte zu betrachten. 1911 waren in &#214;sterreich Frauen vom allgemeinen Wahlrecht ausgeschlossen und es war Frauen verboten, Mitglied in politischen Vereinen zu werden oder politische Frauenvereine zu gr&#252;nden. Frauen erk&#228;mpften sich die M&#246;glichkeit, sich politisch zu organisieren und ihren Stimmen Geh&#246;r zu verschaffen.<br />
2011 leben wir in einer (patriarchalen) Gesellschaft, die von Gleichberechtigung spricht und in der Frauen – immer noch und immer wieder – von &#246;konomischer und politischer Benachteiligung und von sexistischer Gewalt betroffen sind. Wir erleben eine Versch&#228;rfung patriarchaler Zust&#228;nde, mit einem Erstarken der M&#228;nnerrechtsbewegung und Abtreibungsgegner, dem „geduldeten“ Selbstverst&#228;ndnis, dass Frauen geringer entlohnt werden, und Verh&#228;ltnissen, in denen Frauen – scheinbar selbstbestimmt – allerorts pornografisch vermarktet werden. Hierarchische Geschlechterverh&#228;ltnisse und soziale Geschlechterrollen werden mit Wissenschaften und Religionen erneut biologisch/“nat&#252;rlich“ oder „gottgewollt“ begr&#252;ndet, oder „Gender“ liberal umgedeutet und als „individuelle Wahl“ begriffen. Erk&#228;mpfte Frauenorte, feministische Strukturen, solidarische Unterst&#252;tzung oder Frauenveranstaltungen werden mit so genannter Gleichstellungspolitik angegriffen und als „Diskriminierung von M&#228;nnern“ definiert. Auf den Unis sind z.B. Frauenlehrveranstaltungen offiziell nicht mehr durchsetzbar; etliche Frauenberatungsstellen wurden mittels Subventionsvorgaben dazu gezwungen, zu Familienberatungsstellen zu werden. Als „Fortschritt“ gilt die Beteiligung von einzelnen Frauen im Management und im Milit&#228;r. Es wird uns vorgegaukelt, dass „Frauen alle M&#246;glichkeiten haben“. Wenn`s eine nicht schafft oder sich nicht an den Herrschaftsverh&#228;ltnissen beteiligen will, ist sie „selber schuld“. Sie wird darin maximal individuell betreut oder „gecoacht“, um wieder zu „funktionieren“. Und dann gibt‘s noch die theoretische Diskussion der „Dekonstruktion der Geschlechter“, woraus einige folgern, dass es Frauen nicht gibt bzw. nicht mehr geben soll. Parallel dazu entwickelt sich immer mehr ein rassistisches Selbstverst&#228;ndnis, in dem – pl&#246;tzlich auch <em>mann </em>– medial &#252;ber die Unterdr&#252;ckung von Frauen in „anderen L&#228;ndern“ spricht, die gleichzeitig als „r&#252;ckst&#228;ndig“ betrachtet werden. Die Individualisierung und Vermarktung der Frauen im kapitalistischen Patriarchat wird hingegen als „entwickelte Emanzipation“ gesehen. </p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Die Forderungen der ersten Frauenbewegung nach Frauenwahlrecht und Partizipation am b&#252;rgerlichen Staat stie&#223;en ja selbst innerhalb der Sozialdemokratie auf einigen Widerstand. Viktor Adler bringt den Standpunkt der Partei in dieser Frage auf den Punkt: „Es hat niemals eine Sozialdemokratie gegeben, die nicht das Frauenwahlrecht als eine ebenso notwendige Sache angesehen h&#228;tte wie das der M&#228;nner. (&#8230;) Aber es fragt sich, ob die politische Lage reif ist, um einen Feldzug f&#252;r das Frauenwahlrecht zu unternehmen. Und da sage ich ihnen rundweg, in L&#228;ndern wie &#214;sterreich, Belgien usw., wo das M&#228;nnerwahlrecht noch nicht einmal erk&#228;mpft ist, wo wir alle Kr&#228;fte auf diesen Punkt konzentrieren m&#252;ssen, w&#228;re es eine politische Torheit, diesen Kampf abzulenken auf einen Punkt, der voraussichtlich erst sp&#228;ter zu erreichen sein wird. Von diesem Standpunkt der politischen Taktik muss ich sagen: Wir m&#252;ssen bei jeder Gelegenheit erkl&#228;ren, dass wir f&#252;r das Frauenwahlrecht sind, dass wir auch den ersten Schritt auf diesem Gebiet machen wollen, aber dass der letzte Schritt erst dann gemacht werden kann, wenn der erste Schritt gemacht ist, und der ist: die Erk&#228;mpfung des Wahlrechtes f&#252;r die M&#228;nner.“<br />
Die sozialistischen Frauen lie&#223;en sich diesen Verweis ihrer Rechte auf den zweiten Platz aber nicht gefallen und blieben hart. Parallel ging es immer auch um Arbeitsk&#228;mpfe, die proletarische Frauen in den Betrieben und auf der Stra&#223;e ausfochten. In der zweiten Frauenbewegung &#228;nderte sich der Schwerpunkt feministischer K&#228;mpfe, andere Forderungen wurden zentral. Neben der konstanten Forderung nach v&#246;lliger rechtlicher Gleichstellung wurde auch in den Privatbereich vorgedrungen. „Das Private ist politisch“ geh&#246;rt zu den wichtigsten Slogans der Zweiten Frauenbewegung. Aus diesen alten und immer wieder neu zu erk&#228;mpfenden Forderungen und neuen Themengebieten wie <em>queer theory</em> und <em>postcolonial feminism</em> ergibt sich ein breites Feld antisexistischer K&#228;mpfe, die es auch innerhalb der Organisation immer wieder neu durchzuringen gilt.</p>
<p><strong>Welche Bedeutung kommt eurer Meinung nach dem Frauenkampftag – sowohl international als auch in Bezug auf &#214;sterreich – heute noch zu?</strong></p>
<p><em>B</em>: Es ist frappierend, genauer gesagt entw&#252;rdigend, wie einige der Forderungen, die seit hundert Jahren bestehen, immer noch nicht eingel&#246;st sind oder bis zur Unkenntlichkeit amalgamiert wurden. Deshalb hei&#223;t der Slogan der Plattform f&#252;r den 19. M&#228;rz ja auch: <em>AUS! Aktion Umsetzung. Sofort!</em></p>
<p><em>A, F, M, N</em>: In &#214;sterreich reiht sich der Frauentag f&#252;r viele zwischen Valentins- und Muttertag als deren logische Erg&#228;nzung ein und ist ein Anlass, Frauen Blumen und Pralinen zu schenken. Wenn frau Gl&#252;ck hat, &#252;bernimmt der Haberer auch mal den Abwasch. Auch in der SP&#214; hat der Frauenkampftag seine urspr&#252;ngliche Bedeutung weitgehend verloren. Stattdessen werden Blumen verteilt und Kaffeekr&#228;nzchen abgehalten. Durch das Einwirken von einzelnen Frauen gibt es in manchen Bezirken den Versuch, den feministischen Anspruch dieses Tages wieder mit Leben zu erf&#252;llen. Trotz alledem d&#252;rfen wir jedoch nicht vergessen, dass der Tag uns die M&#246;glichkeit gibt und ein Anlass ist, um auf patriarchale Verh&#228;ltnisse hinzuweisen und dagegen auf die Stra&#223;e zu gehen. </p>
<p><strong>Das diesj&#228;hrige B&#252;ndnis ist politisch ziemlich breit angelegt. Die verschiedenen Gruppierungen und Einzelpersonen, die dieses B&#252;ndnis mittragen, wurden aufgefordert ihre spezifischen Forderungen aufzustellen. Einige von euch sind bei diesem B&#252;ndnis dabei, andere nicht. Warum?</strong></p>
<p><em>B</em>: F&#252;r die Frauenrechte-Demo wurden und werden alle Frauen, Frauengruppen- und organisationen gebeten, ihre Forderungen zu sammeln. Ziel ist es, die Vielzahl der M&#228;ngel &#246;ffentlich zu machen, und nicht eine &#220;berinstanz, die meint, sagen zu k&#246;nnen was wirklich wichtig w&#228;re, zu installieren. Sicher, vieles wird &#228;hnlich sein, einiges auch widerspr&#252;chlich, denn keine Einzelne kann wissen, was die andere sich w&#252;nscht, oder w&#252;nschen muss. Als Mitbegr&#252;nderin der Plattform kann ich nur sagen, dass ich die Idee der Ankn&#252;pfungsf&#228;higkeit f&#252;r viele unterschiedliche Positionen durch das Erinnern an die Frauenk&#228;mpfe von vor hundert Jahren und die W&#252;rdigung der Frauen von damals eine gute Idee finde. </p>
<p><em>FZ</em>: Bei den ersten Vorbereitungstreffen im Sommer und Herbst 2010 haben wir uns als Autonome Feministinnen an der Vorbereitung zur Frauendemonstration am 19.3.2011 beteiligt. Wir fanden und finden die Idee wichtig, weil der 8. M&#228;rz als Internationaler Frauenkampftag Teil unserer Frauenbewegungsgeschichte ist. Warum sind wir letztendlich aus der Vorbereitung ausgestiegen? Einer der Konflikte in der Vorbereitung zur Demonstration am 19.3. war f&#252;r uns, dass ein Gro&#223;teil des Vorbereitungsplenums das „breite B&#252;ndnis“ nur in der Beteiligung von der SP&#214;, den Gewerkschaften und etablierten Fraueneinrichtungen sah und sieht und nicht in der Basisarbeit in den eigenen Strukturen, Stadtteilen und Arbeitszusammenh&#228;ngen. Es wurde argumentiert, dass wir nur dann viele werden k&#246;nnen, wenn sich die SP-, Gewerkschaftsfrauen und der Frauenring beteiligen. Wir sehen in der Beteiligung dieser Organisationen jedoch nicht die Garantie, dass 20.000 Frauen auf die Stra&#223;e gehen. Wir sehen darin mehr ein Anbiedern an die institutionalisierte Macht. Die &#214;VP-, SP&#214;-, Gr&#252;ne- und Gewerkschaftsfunktion&#228;rinnen tragen die herrschende Politik mit, die sich gegen die meisten Frauen richtet und staatlichen Rassismus, &#220;berwachung, Militarisierung und neoliberale Politik etabliert. Aber wir wissen, es gibt auch Widerstand in deren eigenen Reihen. Wir wollten die „Funktion&#228;rinnen“ der SP, Gewerkschaften und Gr&#252;nen nicht ausladen, aber ihnen auch nicht extra nachlaufen. Wir erwarten eher, dass sie sich aus eigenem Interesse beteiligen und z.B. die Frauen an der „Basis“ in den Stadtteilen und Betrieben &#252;ber die Vorbereitungen informieren, damit diese sich einbringen k&#246;nnen (nicht nur f&#252;r Wahlen!). Die Kraft von autonomen Frauenstrukturen wird sich darin zeigen, ob es eine Demonstration wird, wo Frauen f&#252;r sich und f&#252;r eine notwendige gesellschaftliche Ver&#228;nderung auf die Stra&#223;e gehen, oder ob es &#246;ffentlich eine Demo von SP, Gewerkschaften und „prominenten“ Frauen wird, denen wir dann zuh&#246;ren und zuapplaudieren „d&#252;rfen“. Dieses Zusammenkommen ist kein „Event“ und keine inszenierte „Show-B&#252;hne“, es ist ein Zusammenkommen mit Entschiedenheit, Begehren und Leidenschaft f&#252;r Frauenbefreiung! Dann kann sich Zusammenarbeit, mit allen Konflikten und Unterschieden zu einer gemeinsamen Kraft entwickeln &#8211; f&#252;r eine starke feministische Bewegung „von unten“.</p>
<p><strong>Was kann und soll dieser Tag leisten? Was erwartet ihr euch davon? Was sind m&#246;gliche Probleme?</strong></p>
<p><em>B</em>: Der 19.3 soll einfach demonstrieren, dass die Welt, so wie sie sich f&#252;r Frauen darstellt, ein Ding der Unm&#246;glichkeit ist – auch wenn immer so getan wird, als sei eh alles in Butter, die Frauenbefreiung ein alter Hut, Gleichheit kein Problem usw. Eine Riesendemo ist ein Signal – nicht mehr aber auch nicht weniger. Es gibt vehemente W&#252;nsche, dass es bei diesem Signal nicht bleiben soll, sondern die politische Arbeit danach gemeinsam weitergehen m&#246;ge. Ein Hauptproblem ist, dass sehr oft die Gleichen sich ehrenamtlich engagieren und bis zum Umfallen hackeln – w&#228;hrend die Vielen in vornehmer Distanz auf den Zuschauerinnenr&#228;ngen verharren oder sich in Kritik zur&#252;ckziehen, was auch nicht gerade hilfreich ist.</p>
<p><em>FZ</em>: Wir wollen eine gro&#223;e Frauendemonstration mit vielen Frauen. Darin waren wir uns alle einig. Doch wie und mit welchen dies erreicht wird, da gab es unterschiedliche Ansichten. Wir sahen die Demo als M&#246;glichkeit und Chance f&#252;r ein breiteres Frauenb&#252;ndnis und die Realisierbarkeit einer gr&#246;&#223;eren Frauendemonstration. Warum? Weil der Anlass, &#8220;100 Jahre Frauentag&#8221; f&#252;r unterschiedliche Feministinnen – Lesben, autonome FrauenLesbenGruppen, Frauenorganisationen, Migrantinnenprojekte, Fraueneinrichtungen, Frauen aus antirassistischen, antifaschistischen und linken Gruppen und Bewegungen und aus Parteien – ein Anlass sein k&#246;nnte, auf die Stra&#223;e zu gehen. Die Spaltung – autonome FrauenLesben gehen auf die Stra&#223;e, Frauenprojekte und -einrichtungen bem&#252;hen sich um (hart erk&#228;mpfte) Subventionen und die Parteifrauen und etablierte Frauenorganisationen feiern – wenn &#252;berhaupt – in ihren Hallen – ist ja in den letzten zehn, f&#252;nfzehn Jahren immer wieder praktiziert worden. Es ist die immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit und in B&#252;ndnissen, welche als „Partnerinnen“ politisch wahrgenommen werden. B&#252;ndnisse und Zusammenarbeit sind eine Frage der eigenen St&#228;rke aber auch der gegenseitigen Anerkennung und Sichtbarkeit. Selbstorganisierte/Autonome Strukturen „scheuen“ B&#252;ndnisse mit Institutionen und Parteien oft, weil sie bef&#252;rchten, vereinnahmt zu werden. Erfahrungen daf&#252;r gibt es zuhauf. Etablierte Strukturen und Einrichtungen hingegen ignorieren oft autonome, selbstorganisierte Organisationsstrukturen oder ben&#252;tzen sie als so genannte Basis oder als Aktivistinnen, die bei Aktionen den „Kopf hinhalten“, von denen man sich dann aber „in Ruhe und in Sicherheit“ distanzieren kann. Mit „Chaotinnen“, „Autonomen“, „militanten Emanzen“ oder „Kampflesben“ will man nichts zu tun haben, wenn der Freund oder einE NachbarIn &#252;ber „die“ schimpfen, wenn die Medien hetzen, wenn Demos verboten werden, wenn aktiver Widerstand mit Terrorismus-Vorwurf oder als „Mafia“ verfolgt wird. </p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Ein sehr breites B&#252;ndnis birgt die Gefahr, inhaltslos zu werden. Frausein alleine hei&#223;t nicht, dass wir alle dieselben politischen Interessen haben. Gerade am Beispiel von Maria Rauch-Kallat (Club <em>alpha</em>, &#214;VP-Frauen), die auch Teil des B&#252;ndnisses ist, wird deutlich, dass wir nicht nur andere, sondern widerspr&#252;chliche Forderungen vertreten. So wurden in ihrer Amtszeit bspw. die Finanzierung autonomer Frauenh&#228;user gek&#252;rzt und andere reaktion&#228;re Ma&#223;nahmen getroffen.<br />
Eine gro&#223;e feministische Frauendemo kann jedoch auch Debatten „von unten“ ansto&#223;en. Feministische Interventionen finden heute scheinbar nur in Form von staatlicher Frauenpolitik und universit&#228;ren Debatten statt. Unser Ziel muss es aber sein, feministische Standpunkte auf die Stra&#223;e und ins Bewusstsein aller Menschen zu tragen und die ewige Leier von der „eh schon erreichten Gleichberechtigung“ endlich abdrehen.</p>
<p><strong>Eine Diskussion, die jedes Jahr intensiv gef&#252;hrt wird, ist, ob die Demo eine reine Frauendemo sein soll oder nicht. Dieses Jahr ist die Demo am 19. M&#228;rz gemischt. Wie steht ihr zu dieser Frage?</strong></p>
<p><em>B</em>: Bin absolut daf&#252;r, dass die j&#228;hrlichen internationalen Frauentage auch solche bleiben. Es d&#252;rfen aber auch gerne andere linke usw. Gruppen jedes Jahr eine Demo f&#252;r mehr Geschlechtergerechtigkeit organisieren. Das w&#228;re super. F&#252;r mich ist der 19.3. 2011 in vieler Hinsicht die Ausnahme von der Regel und nicht identisch mit dem 8. M&#228;rz.</p>
<p><em>FZ</em>: Die Auseinandersetzung „warum eine Frauendemonstration“ und „es gibt auch solidarische M&#228;nner“, gibt es &#252;ber die Jahre immer wieder in den Vorbereitungen. Das Problem w&#228;ren nicht die „solidarischen M&#228;nner“. M&#246;glichkeiten f&#252;r Solidarit&#228;t g&#228;be es auch so genug: das Klo putzen, die W&#228;sche waschen, den Haushalt mitorganisieren statt „mal mitzuhelfen“, mit Buben antisexistische Gespr&#228;che f&#252;hren, antipatriarchale M&#228;nnergruppen bilden, solidarische Aktionen in der Stadt machen, Arbeitskolleginnen in ihrem Kampf um gleiche L&#246;hne unterst&#252;tzen, die eigenen Privilegien hinterfragen, u.s.w. Das Problem sind eher diejenigen, die dann unbedingt bei einer Frauendemonstration mitgehen wollen oder sich mit Feministinnen „schm&#252;cken“, aber patriarchale Strukturen nicht in Frage stellen wollen. Jene, die sich &#246;ffentlich als „Feminist“ pr&#228;sentieren und „privat“ Frauen oder M&#228;dchen als Sexobjekte behandeln und sich bekochen lassen.<br />
Die Vorstellung von einigen, dass M&#228;nner aus „Solidarit&#228;t“ die Technik auf der Demo machen k&#246;nnten, sehen wir als Unterst&#252;tzung der patriarchalen Arbeitsteilung, die Frauen aus bestimmten wirtschaftlichen Bereichen ausgrenzt. Mit der Frauenbewegung haben sich Frauen und M&#228;dchen und immer schon viele Lesben, mit viel Kraft und trotz zahlreichen Konfrontationen mit dem sexistischen Alltag bei Ausbildungen und Arbeiten, u.a. technische und handwerkliche Bereiche angeeignet, die uns (immer noch) vorenthalten werden und an denen wir immer wieder strukturell gehindert werden. Und es gibt sie: die Elektrikerinnen, Mechatronikerinnen, Tischlerinnen, Schlosserinnen, DJanes, Licht- und Tontechnikerinnen… Bei einer Demonstration „anl&#228;sslich 100 Jahre Frauentag“ und „f&#252;r Frauenrechte“ m&#252;ssten Frauen und Lesben gefragt werden, die Technik zu machen!<br />
Manchmal wird die politische Auseinandersetzung um die Selbstorganisierung von Frauen auf eine Ebene von so genannter „sexueller Differenz“ reduziert. Lesben „m&#246;gen keine M&#228;nner“, (heterosexuelle) Frauen wollen auch mit „ihrem Freund“ demonstrieren k&#246;nnen.<br />
Lesbische Existenz l&#228;sst sich nicht auf eine „sexuelle Differenz“ reduzieren, sondern ist ein wichtiger Ausdruck und eine Lebendigkeit von (notwendiger) Frauenkollektivit&#228;t und Frauenbezogenheit, worin sich Frauen als „vollwertige“ und gleichwertige Subjekte begegnen. Dies bedeutet Mut und Widerstand in einem patriarchalen System. Diese Frauenbezogenheit und die autonome Selbstorganisierung von Frauen ist eine wichtige Kraft f&#252;r die Frauenbefreiung – f&#252;r alle Frauen! </p>
<p><strong>In der Diskussion im Vorbereitungsplenum wurde gesagt, dass sich die SP&#214; und die Gewerkschaften nicht beteiligen wollen, wenn M&#228;nner nicht mitgehen „d&#252;rfen“. Die offene Auseinandersetzung dar&#252;ber wurde nicht gef&#252;hrt. Einigen war das Mitmachen von etablierten (Frauen-)Organisationen einfach wichtiger als die Kraft und St&#228;rke einer Frauendemonstration. Bei der letztendlichen Abstimmung im Vorbereitungsplenum waren zehn Frauen f&#252;r eine gemischte Demo, sechs f&#252;r eine Frauendemonstration und einige haben sich der Stimme enthalt. Nach der Abstimmung sind Autonome Feministinnen vom FZ aus der Vorbereitung rausgegangen. </strong></p>
<p><em>A, F, M, N</em>: In einer sexistischen Gesellschaft brauchen Frauen eigene Freir&#228;ume, einerseits als Schutz- und R&#252;ckzugsort, andererseits als Raum der politischen Organisierung. Frauenfreir&#228;ume sind auch ein unverzichtbares Mittel, um feministische K&#228;mpfe in gemischten Organisationen zu erm&#246;glichen.<br />
Solange auf der Demo ein klar antisexistischer Konsens herrscht, sehen wir es als unproblematisch, wenn M&#228;nner mitgehen und sich solidarisieren, solange sie dabei eine untergeordnete Rolle spielen. Es muss den Frauen vorbehalten sein, die Demo zu organisieren, Entscheidungen zu treffen, und Forderungen zu entwickeln.</p>
<p><strong>Was sollte eurer Meinung nach der politische impact der Demo sein? </strong></p>
<p><em>B</em>: Wie gesagt, wichtig ist das Signal, die Langfristigkeit von feministischen B&#252;ndnissen ohne Grabenk&#228;mpfe, die je nach Situation, Inhalt und Kontext punktuelle sein k&#246;nnen. Ich find es schwierig, alles aufzuz&#228;hlen. Es kann ja der Plattformwebsite entnommen werden, was die verschiedenen Frauen unter feministischer Politik verstehen. Es hat sich ja schon bis ins deutsche Feuilleton herumgesprochen, dass die Situation der Frauen in &#214;sterreich im europ&#228;ischen Vergleich ganz schlecht ist. Ganz allgemein w&#252;rde ich sagen: gegen die zunehmende Feminisierung der Armut – f&#252;r mehr feministisches Bewusstsein. Es fehlt an explizit feministischer Bildung. </p>
<p><em>FZ</em>: Die Demonstration am 19.3. wird jetzt eine „Demonstration f&#252;r Frauenrechte“ sein. Grunds&#228;tzlich sind zus&#228;tzliche gemischte Demonstrationen gegen Sexismus und Patriarchat und f&#252;r Frauenrechte wichtig. Viel zu wenig wird bei Veranstaltungen, Aktionen und Demonstration gegen Sexismus Stellung bezogen. Wir kennen keine Aktion oder Demo, wo auch M&#228;nner gegen Vergewaltigungen oder Frauenmorde &#246;ffentlich Aktionen gesetzt haben. Zu sagen, „Ich schlage mein Frau nicht“, ist dabei eher zynisch, denn das sehen wir als minimalste Selbstverst&#228;ndlichkeit! Es br&#228;uchte den Mut, auch gegen das patriarchale System und gegen das patriarchale-m&#228;nnliche Selbstverst&#228;ndnis aufzutreten, bei sich selbst und gegen&#252;ber anderen M&#228;nnern.<br />
Wir verstehen eine Frauendemonstration als einen wichtigen Bestandteil einer Selbstorganisierung von Frauen. Dieses Bewusstsein von Selbstorganisierung ist f&#252;r jede Einzelne und f&#252;r Frauen gemeinsam ein k&#228;mpferischer Bruch mit dem patriarchalen System und seinen Lebensbedingungen, ein Bruch mit m&#228;nnlicher Dominanz und m&#228;nnlicher Vorherrschaft – auch in seinem neuen neoliberalen Gewand von so genannter Partnerschaft und <em>Gender Mainstreaming</em>, die eine „weibliche“ Erg&#228;nzung zum „(m&#228;nnlichen) Mensch“ als „Herr“ postuliert.</p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Eine Demo alleine kann nicht das erreichen, was in der Gesellschaft und im Kampf gegen das Patriarchat erreicht werden muss. Um eine gesellschaftliche Ver&#228;nderung herbeizuf&#252;hren, bed&#252;rfte es einer breiten Bewegung. Eine Bewegung, die feministisch und zugleich auch dezidiert links und sozialistisch ist und die Forderungen auf der Stra&#223;e durchk&#228;mpft. Frauenpolitische und feministische Forderungen m&#252;ssen in die Gesellschaft getragen werden und eine m&#246;glichst breite Debatte ausl&#246;sen.<br />
Es ist notwendig, sich auch bzw. vor allem mit migrantischen Frauen zu vernetzen und mit ihnen gemeinsam K&#228;mpfe zu f&#252;hren. Die feministische Bewegung muss &#252;ber ihre eigene Wei&#223;heit reflektieren und Wei&#223;e Frauenb&#252;ndnisse &#252;berdenken. Wir finden es wichtig, sich &#252;ber die eigene Klassenposition sowie &#252;ber rassistische Diskriminierungsmuster bewusst zu werden und diese auch in den eigenen Reihen zu bek&#228;mpfen. Ein breites antikapitalistisches feministisches B&#252;ndnis kann kein Wei&#223;es b&#252;rgerliches Frauenb&#252;ndnis sein!<br />
Zu guter Letzt ist eine Programmatik von N&#246;ten, die Geschlecht als Herrschaftsinstrument angreift und das System radikal in Frage stellt. Wir brauchen eine  breite antikapitalistische Frauenbewegung! </p>
<p><strong>In Zeiten von versch&#228;rften globalen Klassengegens&#228;tzen und immer repressiver werdenden Migrationsregimen stellt sich vermehrt die Frage nach einem gemeinsamen Kampf von Frauen aus unterschiedlichen sozialen und regionalen Kontexten. Muss nicht ein feministischer Kampf daher Fragen von Rassismus, Nationalismus und Klasse miteinbeziehen?</strong></p>
<p><em>B</em>: Diese Frage stellt sich realpolitisch tats&#228;chlich vermehrt. Jedoch waren den feministischen K&#228;mpfen, so wie ich sie kenne, immer schon die K&#228;mpfe gegen Rassismus, Nationalismus und Klassenherrschaft eingeschrieben. Auch wenn heute oft so getan wird, als w&#228;re das nicht so. Man m&#252;sste da nur mal die Flugbl&#228;tter zum 8. M&#228;rz der letzten 30 Jahre durchlesen.</p>
<p><em>Anna, Flora, Marlen, Neva</em>: Ja fix. Und ob! </p>
<p><strong>Was k&#246;nnten/sollten Ziele/Strategien jenseits dieses symbolischen Tages sein, um die Frauenbewegung/feministische Themen zu st&#228;rken und in der Gesellschaft st&#228;rker zu verankern?</strong></p>
<p><em>B</em>: Diese Frage l&#228;sst sich beim besten Willen nicht so beantworten. Es gibt keine Patentrezepte, jede Kollektivit&#228;t muss das selber tun und sich erarbeiten. Es gibt ja auch hunderte B&#252;cher dazu. Ganz grunds&#228;tzlich fehlt m.E. eine gr&#246;&#223;ere Bewegung, mehr Auseinandersetzung unter denjenigen, denen das &#252;berhaupt ein Anliegen ist, und &#252;berhaupt mangelt es an feministischer Bewusstseinsbildung. Und ganz &#252;berhaupt geht es um eine im weiten Sinne linke und feministische Repolitisierung der Gesellschaft und es fehlen (uns) Theorien und Praxen alternativer Politik- und &#214;konomieformen.</p>
<p><em>FZ</em>: Es braucht eine breite und radikale feministische Bewegung die diese Herrschaftsverh&#228;ltnisse auf den Kopf stellt und zerlegt!</p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Es muss um die Organisierung von Frauen gehen und deren Vernetzung &#252;ber Organisationsgrenzen hinweg. Das Ziel muss sein, das Patriarchat zu st&#252;rzen und die Gesellschaft umzukrempeln. Das geht nur, wenn B&#252;ndnisarbeit effektiv gestaltet wird. Innerhalb aller gemischten Organisationen m&#252;ssen feministische K&#228;mpfe gef&#252;hrt, Frauenfreir&#228;ume geschaffen und Frauen gest&#228;rkt bzw. gegenseitig best&#228;rkt werden. Es muss bei den feministischen K&#228;mpfen &#252;ber die Organisationsgrenzen hinweg eine Orientierung auf die Subalternen geben und es m&#252;ssen strategisch gemeinsame Forderungen aufgestellt werden. Die feministische Bewegung muss sich weg von dem Wei&#223;en und ausschlie&#223;enden b&#252;rgerlichen Feminismus bewegen.<br />
Feuer und Flamme dem Patriarchat, Kampf dem Sexismus in Arbeit, Alltag, Staat! </p>
<p><em>Birge Krondorfer</em> ist Philosophin, Lehrbeauftragte an den Universit&#228;ten Klagenfurt und Innsbruck und t&#228;tig im feministischen Bildungs- und Kulturverein Frauenhetz, den sie auch mit gegr&#252;ndet hat. </p>
<p>Das <em>FrauenM&#228;dchenLesbenZentrum</em> versteht sich als Teil der autonomen FrauenLesbenBewegung. Als solche bietet es einen Raum f&#252;r die feministische Auseinandersetzung mit weiblichen Lebensbedingungen und der Reflexion und Entwicklung widerst&#228;ndiger Praxis gegen Sexismus und sexistische Herrschaftsverh&#228;ltnisse. Die FZ-Bar befindet sich im <em>Wiener Werkst&#228;tten- und Kulturhaus WUK </em>in Wien.</p>
<p><em>Anna Svec, Flora Alvarado-Dupuy, Marlen Stahrm&#252;ller</em> und<em> Neva L&#246;w</em> sind langj&#228;hrige Aktivistinnen in der Sozialistischen Jugend Wien und Teil der Marxistischen Initiative Marxist*in. </p>
<p>Das Interview f&#252;hrten <em>Veronika Duma, Julia Hofmann</em> und <em>Fanny M&#252;ller-Uri</em>.</p>
<p>Anmerkung<br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Dieses Interview wurde aus einer Stellungnahme von autonomen Feministinnen und Lesben aus dem FZ zusammengestellt.</p>
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		<title>Feuer und Flamme dem Patriarchat!</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Mar 2011 11:12:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[8. März]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Internationaler Frauentag]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 19. M&#228;rz ist das 100-j&#228;hrige Jubil&#228;um des Internationalen Frauentags. 1911 fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r die Rechte von Frauen statt, an der 20.000 Menschen teilnahmen. Anl&#228;sslich des Jubil&#228;ums wird dieses Jahr im Rahmen eines B&#252;ndnisses zu einer breiten Demo mobilisiert, die an eine lange Tradition internationaler Frauenk&#228;mpfe ankn&#252;pft. Wir haben Feministinnen aus drei unterschiedlichen Kontexten gebeten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 19. M&#228;rz ist das 100-j&#228;hrige Jubil&#228;um des <em>Internationalen Frauentags</em>. 1911 fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r die Rechte von Frauen statt, an der 20.000 Menschen teilnahmen. Anl&#228;sslich des Jubil&#228;ums wird dieses Jahr im Rahmen eines B&#252;ndnisses zu einer breiten Demo mobilisiert, die an eine lange Tradition internationaler Frauenk&#228;mpfe ankn&#252;pft. Wir haben Feministinnen aus drei unterschiedlichen Kontexten gebeten, per Mail zum Internationalen Frauentag, den damit verkn&#252;pften Forderungen und Zielen, den Herausforderungen feministischer B&#252;ndnisarbeit und den Perspektiven &#252;ber dieses Datum hinaus, Stellung zu nehmen.<br />
<span id="more-1810"></span></p>
<p><img alt="" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/03/Moik4.jpg" title="feuerundflamme" class="aligncenter" width="300" height="400" /><br />
<strong>Ihr kommt alle aus unterschiedlichen politischen Kontexten. Welche  Bedeutung hat dieser Tag f&#252;r euch und in der Kontinuit&#228;t welcher K&#228;mpfe und Bewegungen seht ihr euch?</strong></p>
<p><em>Birge</em>: Nun ja, ich sehe das nicht so, dass wir aus so unterschiedlichen feministischen Zusammenh&#228;ngen kommen. Ich habe vor ca. 30 Jahren im autonomen Fl&#252;gel der zweiten Frauenbewegung (FB) begonnen und bin der Tradition nach wie vor verbunden – bei aller Ver&#228;nderung des Fl&#252;gels selbst und bei allem, wie frau sich selbst so entwickelt bzw. gepr&#228;gt wird, oder wie die gesellschaftlichen Umst&#228;nde alle sozialen Bewegungen entweder vereinnahmt oder aufgel&#246;st haben. Das ist allgemein ein gro&#223;es Problem. Allerdings habe ich die Binnenerodierung innerhalb der FBen durch die sogenannten postfeministischen Str&#246;mungen als besonders schmerzlich empfunden. An der politischen Bedeutung des Internationalen Frauentags m&#246;chte ich festhalten; dieser scheint ja auch in vielen Frauenorganisationen wichtig zu sein – auch wenn es mir manchmal analog zu den Weihnachtschristen vorkommt: Einmal im Jahr gibt es eine Gedenkminute und sonst passiert nicht viel; zumindest in den Wohlstandsgegenden unsrer Welt – wobei &#214;sterreich da im Unterschied zu anderen westlichen L&#228;ndern eh noch eine recht lebendige Frauenszenerie hat –, denn wie ich geh&#246;rt habe, wird in bestimmten Teilen Afrikas z.B. der Frauentag in einem Ausma&#223; und einer Form begangen, die hier gar nicht vorstellbar ist.</p>
<p><em>Autonome Feministinnen und Lesben aus dem autonomen FrauenLesbenM&#228;dchenZentrum (FZ)</em><a titel="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a>: Anl&#228;sslich des 100. Jahrestages des <em>Internationalen Frauentages</em> gedenken wir respektvoll allen Frauen, die sich den Grenzen ihres Zeitalters, den sexistischen, rassistischen und sozialen Kategorisierungen nicht unterworfen haben und f&#252;r die Freiheit der Frauen und Menschheit gro&#223;en Widerstand geleistet haben. Unsere Verbundenheit mit diesen Frauen hei&#223;t f&#252;r uns, uns auf ihren Widerstand zu beziehen, ihnen Bedeutung beizumessen und diese K&#228;mpfe zu noch gr&#246;&#223;eren Erfolgen zu f&#252;hren. Am 8. M&#228;rz 2011 wird es eine FrauenLesben-Demonstration zum Internationalen Frauenkampftag geben; nicht weil es „in den letzten Jahren immer schon so war“, sondern weil uns die Selbstorganisierung von FrauenLesben grunds&#228;tzlich wichtig ist und weil wir wollen, dass am 8.3. feministische Aktionen regional – mit internationaler Verbundenheit – stattfinden. Denn Feminismus und Frauenbefreiung sind international. </p>
<p><em>Anna, Flora, Marlen, Neva</em>: Als Sozialistinnen sehen wir uns auch und gerade am  Frauenkampftag in der Tradition proletarischer und sozialistischer Frauenbewegungen und deren K&#228;mpfen um die Rechte der Arbeiterinnen und einer gleichberechtigten Position innerhalb linker sozialistischer Bewegungen. Weil gerade die Forderung nach gelebter Gleichstellung in sozialistischen Kontexten wohl immer wieder neu ertrotzt werden muss, ist auch f&#252;r uns das Angehen gegen das Konzept von Haupt- und Nebenwiderspruch in der Linken ein wichtiges Kampffeld. Da hei&#223;t es auch immer in der eigenen Organisation aufr&#228;umen. Keinesfalls nur am Frauenkampftag, denn das hie&#223;e seine urspr&#252;ngliche Bedeutung als Mahnmal und besonderer Solidarit&#228;tsmoment in ein n&#252;tzliches Alibi umzuwandeln, sich als linke Organisation nicht das ganze Jahr mit Frauenpolitik auseinandersetzen zu m&#252;ssen. Wird er aber als das gesehen was er ist, als M&#246;glichkeit der Solidarisierung und der Zusammenf&#252;hrung von K&#228;mpfen, kann es der Frauenkampftag ganz sch&#246;n in sich haben. Innerhalb der SJ wird eben das anhand der Vernetzung verschiedener Frauen aus dem SP Vorfeld versucht, Aktionen in allen SJ-Bezirken sollen feministische Kampfthemen nach au&#223;en tragen. Auch das vor einigen Jahren erk&#228;mpfte Feministische Seminar nur f&#252;r Frauen erm&#246;glicht einen k&#228;mpferischen Raum f&#252;r Diskussion, Solidarisierung und Empowerment. Und den brauchen wir, denn: das Vorankommen feministischer K&#228;mpfe ist immer auch ein Gradmesser f&#252;r unser generelles Vorankommen als Linke, f&#252;r den Fortschritt der Bewegung. </p>
<p><strong>Was waren historisch gesehen die zentralen Forderungen? Gab es einen Wandel innerhalb dieser Forderungen? Und welche sind f&#252;r euch heute noch zentral?</strong></p>
<p><em>B</em>: Am 19. M&#228;rz 1911 gingen rund 20.000 Frauen – und M&#228;nner – auf die Wiener Ringstra&#223;en, um f&#252;r Frauenrechte zu k&#228;mpfen. Ihre Anliegen waren das allgemeine Frauenwahlrecht, gleicher Lohn f&#252;r gleiche Arbeit, der 8-Stunden-Tag, die Senkung der Lebensmittelpreise, die Einf&#252;hrung einer Sozialversicherung, die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und Frieden. Die K&#228;mpfe der FB begannen rund um das Abtreibungsrecht und im Kontext der 68er-Bewegung. Es ging um das Selbstbestimmungsrecht und weibliche Freiheit und Unabh&#228;ngigkeit von den M&#228;nnern (politisch und privat). Damit verbunden war immer auch eine fundamentale Gesellschafts- als Herrschaftskritik und die Internationalit&#228;t, also die Politisierung der Ausbeutung von Frauen (ihren K&#246;rpern usw.) weltweit.</p>
<p><em>FZ</em>: Vor beinahe 100 Jahren, am 19. M&#228;rz 1911, fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r Frauenrechte statt. Damals wie heute gilt: Um die Selbstorganisierung von Frauen und Frauenbewegungsgeschichte zu begreifen ist es auch notwendig, die gesellschaftlichen Kontexte zu betrachten. 1911 waren in &#214;sterreich Frauen vom allgemeinen Wahlrecht ausgeschlossen und es war Frauen verboten, Mitglied in politischen Vereinen zu werden oder politische Frauenvereine zu gr&#252;nden. Frauen erk&#228;mpften sich die M&#246;glichkeit, sich politisch zu organisieren und ihren Stimmen Geh&#246;r zu verschaffen.<br />
2011 leben wir in einer (patriarchalen) Gesellschaft, die von Gleichberechtigung spricht und in der Frauen – immer noch und immer wieder – von &#246;konomischer und politischer Benachteiligung und von sexistischer Gewalt betroffen sind. Wir erleben eine Versch&#228;rfung patriarchaler Zust&#228;nde, mit einem Erstarken der M&#228;nnerrechtsbewegung und Abtreibungsgegner, dem „geduldeten“ Selbstverst&#228;ndnis, dass Frauen geringer entlohnt werden, und Verh&#228;ltnissen, in denen Frauen – scheinbar selbstbestimmt – allerorts pornografisch vermarktet werden. Hierarchische Geschlechterverh&#228;ltnisse und soziale Geschlechterrollen werden mit Wissenschaften und Religionen erneut biologisch/“nat&#252;rlich“ oder „gottgewollt“ begr&#252;ndet, oder „Gender“ liberal umgedeutet und als „individuelle Wahl“ begriffen. Erk&#228;mpfte Frauenorte, feministische Strukturen, solidarische Unterst&#252;tzung oder Frauenveranstaltungen werden mit so genannter Gleichstellungspolitik angegriffen und als „Diskriminierung von M&#228;nnern“ definiert. Auf den Unis sind z.B. Frauenlehrveranstaltungen offiziell nicht mehr durchsetzbar; etliche Frauenberatungsstellen wurden mittels Subventionsvorgaben dazu gezwungen, zu Familienberatungsstellen zu werden. Als „Fortschritt“ gilt die Beteiligung von einzelnen Frauen im Management und im Milit&#228;r. Es wird uns vorgegaukelt, dass „Frauen alle M&#246;glichkeiten haben“. Wenn`s eine nicht schafft oder sich nicht an den Herrschaftsverh&#228;ltnissen beteiligen will, ist sie „selber schuld“. Sie wird darin maximal individuell betreut oder „gecoacht“, um wieder zu „funktionieren“. Und dann gibt‘s noch die theoretische Diskussion der „Dekonstruktion der Geschlechter“, woraus einige folgern, dass es Frauen nicht gibt bzw. nicht mehr geben soll. Parallel dazu entwickelt sich immer mehr ein rassistisches Selbstverst&#228;ndnis, in dem – pl&#246;tzlich auch <em>mann </em>– medial &#252;ber die Unterdr&#252;ckung von Frauen in „anderen L&#228;ndern“ spricht, die gleichzeitig als „r&#252;ckst&#228;ndig“ betrachtet werden. Die Individualisierung und Vermarktung der Frauen im kapitalistischen Patriarchat wird hingegen als „entwickelte Emanzipation“ gesehen. </p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Die Forderungen der ersten Frauenbewegung nach Frauenwahlrecht und Partizipation am b&#252;rgerlichen Staat stie&#223;en ja selbst innerhalb der Sozialdemokratie auf einigen Widerstand. Viktor Adler bringt den Standpunkt der Partei in dieser Frage auf den Punkt: „Es hat niemals eine Sozialdemokratie gegeben, die nicht das Frauenwahlrecht als eine ebenso notwendige Sache angesehen h&#228;tte wie das der M&#228;nner. (&#8230;) Aber es fragt sich, ob die politische Lage reif ist, um einen Feldzug f&#252;r das Frauenwahlrecht zu unternehmen. Und da sage ich ihnen rundweg, in L&#228;ndern wie &#214;sterreich, Belgien usw., wo das M&#228;nnerwahlrecht noch nicht einmal erk&#228;mpft ist, wo wir alle Kr&#228;fte auf diesen Punkt konzentrieren m&#252;ssen, w&#228;re es eine politische Torheit, diesen Kampf abzulenken auf einen Punkt, der voraussichtlich erst sp&#228;ter zu erreichen sein wird. Von diesem Standpunkt der politischen Taktik muss ich sagen: Wir m&#252;ssen bei jeder Gelegenheit erkl&#228;ren, dass wir f&#252;r das Frauenwahlrecht sind, dass wir auch den ersten Schritt auf diesem Gebiet machen wollen, aber dass der letzte Schritt erst dann gemacht werden kann, wenn der erste Schritt gemacht ist, und der ist: die Erk&#228;mpfung des Wahlrechtes f&#252;r die M&#228;nner.“<br />
Die sozialistischen Frauen lie&#223;en sich diesen Verweis ihrer Rechte auf den zweiten Platz aber nicht gefallen und blieben hart. Parallel ging es immer auch um Arbeitsk&#228;mpfe, die proletarische Frauen in den Betrieben und auf der Stra&#223;e ausfochten. In der zweiten Frauenbewegung &#228;nderte sich der Schwerpunkt feministischer K&#228;mpfe, andere Forderungen wurden zentral. Neben der konstanten Forderung nach v&#246;lliger rechtlicher Gleichstellung wurde auch in den Privatbereich vorgedrungen. „Das Private ist politisch“ geh&#246;rt zu den wichtigsten Slogans der Zweiten Frauenbewegung. Aus diesen alten und immer wieder neu zu erk&#228;mpfenden Forderungen und neuen Themengebieten wie <em>queer theory</em> und <em>postcolonial feminism</em> ergibt sich ein breites Feld antisexistischer K&#228;mpfe, die es auch innerhalb der Organisation immer wieder neu durchzuringen gilt.</p>
<p><strong>Welche Bedeutung kommt eurer Meinung nach dem Frauenkampftag – sowohl international als auch in Bezug auf &#214;sterreich – heute noch zu?</strong></p>
<p><em>B</em>: Es ist frappierend, genauer gesagt entw&#252;rdigend, wie einige der Forderungen, die seit hundert Jahren bestehen, immer noch nicht eingel&#246;st sind oder bis zur Unkenntlichkeit amalgamiert wurden. Deshalb hei&#223;t der Slogan der Plattform f&#252;r den 19. M&#228;rz ja auch: <em>AUS! Aktion Umsetzung. Sofort!</em></p>
<p><em>A, F, M, N</em>: In &#214;sterreich reiht sich der Frauentag f&#252;r viele zwischen Valentins- und Muttertag als deren logische Erg&#228;nzung ein und ist ein Anlass, Frauen Blumen und Pralinen zu schenken. Wenn frau Gl&#252;ck hat, &#252;bernimmt der Haberer auch mal den Abwasch. Auch in der SP&#214; hat der Frauenkampftag seine urspr&#252;ngliche Bedeutung weitgehend verloren. Stattdessen werden Blumen verteilt und Kaffeekr&#228;nzchen abgehalten. Durch das Einwirken von einzelnen Frauen gibt es in manchen Bezirken den Versuch, den feministischen Anspruch dieses Tages wieder mit Leben zu erf&#252;llen. Trotz alledem d&#252;rfen wir jedoch nicht vergessen, dass der Tag uns die M&#246;glichkeit gibt und ein Anlass ist, um auf patriarchale Verh&#228;ltnisse hinzuweisen und dagegen auf die Stra&#223;e zu gehen. </p>
<p><strong>Das diesj&#228;hrige B&#252;ndnis ist politisch ziemlich breit angelegt. Die verschiedenen Gruppierungen und Einzelpersonen, die dieses B&#252;ndnis mittragen, wurden aufgefordert ihre spezifischen Forderungen aufzustellen. Einige von euch sind bei diesem B&#252;ndnis dabei, andere nicht. Warum?</strong></p>
<p><em>B</em>: F&#252;r die Frauenrechte-Demo wurden und werden alle Frauen, Frauengruppen- und organisationen gebeten, ihre Forderungen zu sammeln. Ziel ist es, die Vielzahl der M&#228;ngel &#246;ffentlich zu machen, und nicht eine &#220;berinstanz, die meint, sagen zu k&#246;nnen was wirklich wichtig w&#228;re, zu installieren. Sicher, vieles wird &#228;hnlich sein, einiges auch widerspr&#252;chlich, denn keine Einzelne kann wissen, was die andere sich w&#252;nscht, oder w&#252;nschen muss. Als Mitbegr&#252;nderin der Plattform kann ich nur sagen, dass ich die Idee der Ankn&#252;pfungsf&#228;higkeit f&#252;r viele unterschiedliche Positionen durch das Erinnern an die Frauenk&#228;mpfe von vor hundert Jahren und die W&#252;rdigung der Frauen von damals eine gute Idee finde. </p>
<p><em>FZ</em>: Bei den ersten Vorbereitungstreffen im Sommer und Herbst 2010 haben wir uns als Autonome Feministinnen an der Vorbereitung zur Frauendemonstration am 19.3.2011 beteiligt. Wir fanden und finden die Idee wichtig, weil der 8. M&#228;rz als Internationaler Frauenkampftag Teil unserer Frauenbewegungsgeschichte ist. Warum sind wir letztendlich aus der Vorbereitung ausgestiegen? Einer der Konflikte in der Vorbereitung zur Demonstration am 19.3. war f&#252;r uns, dass ein Gro&#223;teil des Vorbereitungsplenums das „breite B&#252;ndnis“ nur in der Beteiligung von der SP&#214;, den Gewerkschaften und etablierten Fraueneinrichtungen sah und sieht und nicht in der Basisarbeit in den eigenen Strukturen, Stadtteilen und Arbeitszusammenh&#228;ngen. Es wurde argumentiert, dass wir nur dann viele werden k&#246;nnen, wenn sich die SP-, Gewerkschaftsfrauen und der Frauenring beteiligen. Wir sehen in der Beteiligung dieser Organisationen jedoch nicht die Garantie, dass 20.000 Frauen auf die Stra&#223;e gehen. Wir sehen darin mehr ein Anbiedern an die institutionalisierte Macht. Die &#214;VP-, SP&#214;-, Gr&#252;ne- und Gewerkschaftsfunktion&#228;rinnen tragen die herrschende Politik mit, die sich gegen die meisten Frauen richtet und staatlichen Rassismus, &#220;berwachung, Militarisierung und neoliberale Politik etabliert. Aber wir wissen, es gibt auch Widerstand in deren eigenen Reihen. Wir wollten die „Funktion&#228;rinnen“ der SP, Gewerkschaften und Gr&#252;nen nicht ausladen, aber ihnen auch nicht extra nachlaufen. Wir erwarten eher, dass sie sich aus eigenem Interesse beteiligen und z.B. die Frauen an der „Basis“ in den Stadtteilen und Betrieben &#252;ber die Vorbereitungen informieren, damit diese sich einbringen k&#246;nnen (nicht nur f&#252;r Wahlen!). Die Kraft von autonomen Frauenstrukturen wird sich darin zeigen, ob es eine Demonstration wird, wo Frauen f&#252;r sich und f&#252;r eine notwendige gesellschaftliche Ver&#228;nderung auf die Stra&#223;e gehen, oder ob es &#246;ffentlich eine Demo von SP, Gewerkschaften und „prominenten“ Frauen wird, denen wir dann zuh&#246;ren und zuapplaudieren „d&#252;rfen“. Dieses Zusammenkommen ist kein „Event“ und keine inszenierte „Show-B&#252;hne“, es ist ein Zusammenkommen mit Entschiedenheit, Begehren und Leidenschaft f&#252;r Frauenbefreiung! Dann kann sich Zusammenarbeit, mit allen Konflikten und Unterschieden zu einer gemeinsamen Kraft entwickeln &#8211; f&#252;r eine starke feministische Bewegung „von unten“.</p>
<p><strong>Was kann und soll dieser Tag leisten? Was erwartet ihr euch davon? Was sind m&#246;gliche Probleme?</strong></p>
<p><em>B</em>: Der 19.3 soll einfach demonstrieren, dass die Welt, so wie sie sich f&#252;r Frauen darstellt, ein Ding der Unm&#246;glichkeit ist – auch wenn immer so getan wird, als sei eh alles in Butter, die Frauenbefreiung ein alter Hut, Gleichheit kein Problem usw. Eine Riesendemo ist ein Signal – nicht mehr aber auch nicht weniger. Es gibt vehemente W&#252;nsche, dass es bei diesem Signal nicht bleiben soll, sondern die politische Arbeit danach gemeinsam weitergehen m&#246;ge. Ein Hauptproblem ist, dass sehr oft die Gleichen sich ehrenamtlich engagieren und bis zum Umfallen hackeln – w&#228;hrend die Vielen in vornehmer Distanz auf den Zuschauerinnenr&#228;ngen verharren oder sich in Kritik zur&#252;ckziehen, was auch nicht gerade hilfreich ist.</p>
<p><em>FZ</em>: Wir wollen eine gro&#223;e Frauendemonstration mit vielen Frauen. Darin waren wir uns alle einig. Doch wie und mit welchen dies erreicht wird, da gab es unterschiedliche Ansichten. Wir sahen die Demo als M&#246;glichkeit und Chance f&#252;r ein breiteres Frauenb&#252;ndnis und die Realisierbarkeit einer gr&#246;&#223;eren Frauendemonstration. Warum? Weil der Anlass, &#8220;100 Jahre Frauentag&#8221; f&#252;r unterschiedliche Feministinnen – Lesben, autonome FrauenLesbenGruppen, Frauenorganisationen, Migrantinnenprojekte, Fraueneinrichtungen, Frauen aus antirassistischen, antifaschistischen und linken Gruppen und Bewegungen und aus Parteien – ein Anlass sein k&#246;nnte, auf die Stra&#223;e zu gehen. Die Spaltung – autonome FrauenLesben gehen auf die Stra&#223;e, Frauenprojekte und -einrichtungen bem&#252;hen sich um (hart erk&#228;mpfte) Subventionen und die Parteifrauen und etablierte Frauenorganisationen feiern – wenn &#252;berhaupt – in ihren Hallen – ist ja in den letzten zehn, f&#252;nfzehn Jahren immer wieder praktiziert worden. Es ist die immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit und in B&#252;ndnissen, welche als „Partnerinnen“ politisch wahrgenommen werden. B&#252;ndnisse und Zusammenarbeit sind eine Frage der eigenen St&#228;rke aber auch der gegenseitigen Anerkennung und Sichtbarkeit. Selbstorganisierte/Autonome Strukturen „scheuen“ B&#252;ndnisse mit Institutionen und Parteien oft, weil sie bef&#252;rchten, vereinnahmt zu werden. Erfahrungen daf&#252;r gibt es zuhauf. Etablierte Strukturen und Einrichtungen hingegen ignorieren oft autonome, selbstorganisierte Organisationsstrukturen oder ben&#252;tzen sie als so genannte Basis oder als Aktivistinnen, die bei Aktionen den „Kopf hinhalten“, von denen man sich dann aber „in Ruhe und in Sicherheit“ distanzieren kann. Mit „Chaotinnen“, „Autonomen“, „militanten Emanzen“ oder „Kampflesben“ will man nichts zu tun haben, wenn der Freund oder einE NachbarIn &#252;ber „die“ schimpfen, wenn die Medien hetzen, wenn Demos verboten werden, wenn aktiver Widerstand mit Terrorismus-Vorwurf oder als „Mafia“ verfolgt wird. </p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Ein sehr breites B&#252;ndnis birgt die Gefahr, inhaltslos zu werden. Frausein alleine hei&#223;t nicht, dass wir alle dieselben politischen Interessen haben. Gerade am Beispiel von Maria Rauch-Kallat (Club <em>alpha</em>, &#214;VP-Frauen), die auch Teil des B&#252;ndnisses ist, wird deutlich, dass wir nicht nur andere, sondern widerspr&#252;chliche Forderungen vertreten. So wurden in ihrer Amtszeit bspw. die Finanzierung autonomer Frauenh&#228;user gek&#252;rzt und andere reaktion&#228;re Ma&#223;nahmen getroffen.<br />
Eine gro&#223;e feministische Frauendemo kann jedoch auch Debatten „von unten“ ansto&#223;en. Feministische Interventionen finden heute scheinbar nur in Form von staatlicher Frauenpolitik und universit&#228;ren Debatten statt. Unser Ziel muss es aber sein, feministische Standpunkte auf die Stra&#223;e und ins Bewusstsein aller Menschen zu tragen und die ewige Leier von der „eh schon erreichten Gleichberechtigung“ endlich abdrehen.</p>
<p><strong>Eine Diskussion, die jedes Jahr intensiv gef&#252;hrt wird, ist, ob die Demo eine reine Frauendemo sein soll oder nicht. Dieses Jahr ist die Demo am 19. M&#228;rz gemischt. Wie steht ihr zu dieser Frage?</strong></p>
<p><em>B</em>: Bin absolut daf&#252;r, dass die j&#228;hrlichen internationalen Frauentage auch solche bleiben. Es d&#252;rfen aber auch gerne andere linke usw. Gruppen jedes Jahr eine Demo f&#252;r mehr Geschlechtergerechtigkeit organisieren. Das w&#228;re super. F&#252;r mich ist der 19.3. 2011 in vieler Hinsicht die Ausnahme von der Regel und nicht identisch mit dem 8. M&#228;rz.</p>
<p><em>FZ</em>: Die Auseinandersetzung „warum eine Frauendemonstration“ und „es gibt auch solidarische M&#228;nner“, gibt es &#252;ber die Jahre immer wieder in den Vorbereitungen. Das Problem w&#228;ren nicht die „solidarischen M&#228;nner“. M&#246;glichkeiten f&#252;r Solidarit&#228;t g&#228;be es auch so genug: das Klo putzen, die W&#228;sche waschen, den Haushalt mitorganisieren statt „mal mitzuhelfen“, mit Buben antisexistische Gespr&#228;che f&#252;hren, antipatriarchale M&#228;nnergruppen bilden, solidarische Aktionen in der Stadt machen, Arbeitskolleginnen in ihrem Kampf um gleiche L&#246;hne unterst&#252;tzen, die eigenen Privilegien hinterfragen, u.s.w. Das Problem sind eher diejenigen, die dann unbedingt bei einer Frauendemonstration mitgehen wollen oder sich mit Feministinnen „schm&#252;cken“, aber patriarchale Strukturen nicht in Frage stellen wollen. Jene, die sich &#246;ffentlich als „Feminist“ pr&#228;sentieren und „privat“ Frauen oder M&#228;dchen als Sexobjekte behandeln und sich bekochen lassen.<br />
Die Vorstellung von einigen, dass M&#228;nner aus „Solidarit&#228;t“ die Technik auf der Demo machen k&#246;nnten, sehen wir als Unterst&#252;tzung der patriarchalen Arbeitsteilung, die Frauen aus bestimmten wirtschaftlichen Bereichen ausgrenzt. Mit der Frauenbewegung haben sich Frauen und M&#228;dchen und immer schon viele Lesben, mit viel Kraft und trotz zahlreichen Konfrontationen mit dem sexistischen Alltag bei Ausbildungen und Arbeiten, u.a. technische und handwerkliche Bereiche angeeignet, die uns (immer noch) vorenthalten werden und an denen wir immer wieder strukturell gehindert werden. Und es gibt sie: die Elektrikerinnen, Mechatronikerinnen, Tischlerinnen, Schlosserinnen, DJanes, Licht- und Tontechnikerinnen… Bei einer Demonstration „anl&#228;sslich 100 Jahre Frauentag“ und „f&#252;r Frauenrechte“ m&#252;ssten Frauen und Lesben gefragt werden, die Technik zu machen!<br />
Manchmal wird die politische Auseinandersetzung um die Selbstorganisierung von Frauen auf eine Ebene von so genannter „sexueller Differenz“ reduziert. Lesben „m&#246;gen keine M&#228;nner“, (heterosexuelle) Frauen wollen auch mit „ihrem Freund“ demonstrieren k&#246;nnen.<br />
Lesbische Existenz l&#228;sst sich nicht auf eine „sexuelle Differenz“ reduzieren, sondern ist ein wichtiger Ausdruck und eine Lebendigkeit von (notwendiger) Frauenkollektivit&#228;t und Frauenbezogenheit, worin sich Frauen als „vollwertige“ und gleichwertige Subjekte begegnen. Dies bedeutet Mut und Widerstand in einem patriarchalen System. Diese Frauenbezogenheit und die autonome Selbstorganisierung von Frauen ist eine wichtige Kraft f&#252;r die Frauenbefreiung – f&#252;r alle Frauen! </p>
<p><strong>In der Diskussion im Vorbereitungsplenum wurde gesagt, dass sich die SP&#214; und die Gewerkschaften nicht beteiligen wollen, wenn M&#228;nner nicht mitgehen „d&#252;rfen“. Die offene Auseinandersetzung dar&#252;ber wurde nicht gef&#252;hrt. Einigen war das Mitmachen von etablierten (Frauen-)Organisationen einfach wichtiger als die Kraft und St&#228;rke einer Frauendemonstration. Bei der letztendlichen Abstimmung im Vorbereitungsplenum waren zehn Frauen f&#252;r eine gemischte Demo, sechs f&#252;r eine Frauendemonstration und einige haben sich der Stimme enthalt. Nach der Abstimmung sind Autonome Feministinnen vom FZ aus der Vorbereitung rausgegangen. </strong></p>
<p><em>A, F, M, N</em>: In einer sexistischen Gesellschaft brauchen Frauen eigene Freir&#228;ume, einerseits als Schutz- und R&#252;ckzugsort, andererseits als Raum der politischen Organisierung. Frauenfreir&#228;ume sind auch ein unverzichtbares Mittel, um feministische K&#228;mpfe in gemischten Organisationen zu erm&#246;glichen.<br />
Solange auf der Demo ein klar antisexistischer Konsens herrscht, sehen wir es als unproblematisch, wenn M&#228;nner mitgehen und sich solidarisieren, solange sie dabei eine untergeordnete Rolle spielen. Es muss den Frauen vorbehalten sein, die Demo zu organisieren, Entscheidungen zu treffen, und Forderungen zu entwickeln.</p>
<p><strong>Was sollte eurer Meinung nach der politische impact der Demo sein? </strong></p>
<p><em>B</em>: Wie gesagt, wichtig ist das Signal, die Langfristigkeit von feministischen B&#252;ndnissen ohne Grabenk&#228;mpfe, die je nach Situation, Inhalt und Kontext punktuelle sein k&#246;nnen. Ich find es schwierig, alles aufzuz&#228;hlen. Es kann ja der Plattformwebsite entnommen werden, was die verschiedenen Frauen unter feministischer Politik verstehen. Es hat sich ja schon bis ins deutsche Feuilleton herumgesprochen, dass die Situation der Frauen in &#214;sterreich im europ&#228;ischen Vergleich ganz schlecht ist. Ganz allgemein w&#252;rde ich sagen: gegen die zunehmende Feminisierung der Armut – f&#252;r mehr feministisches Bewusstsein. Es fehlt an explizit feministischer Bildung. </p>
<p><em>FZ</em>: Die Demonstration am 19.3. wird jetzt eine „Demonstration f&#252;r Frauenrechte“ sein. Grunds&#228;tzlich sind zus&#228;tzliche gemischte Demonstrationen gegen Sexismus und Patriarchat und f&#252;r Frauenrechte wichtig. Viel zu wenig wird bei Veranstaltungen, Aktionen und Demonstration gegen Sexismus Stellung bezogen. Wir kennen keine Aktion oder Demo, wo auch M&#228;nner gegen Vergewaltigungen oder Frauenmorde &#246;ffentlich Aktionen gesetzt haben. Zu sagen, „Ich schlage mein Frau nicht“, ist dabei eher zynisch, denn das sehen wir als minimalste Selbstverst&#228;ndlichkeit! Es br&#228;uchte den Mut, auch gegen das patriarchale System und gegen das patriarchale-m&#228;nnliche Selbstverst&#228;ndnis aufzutreten, bei sich selbst und gegen&#252;ber anderen M&#228;nnern.<br />
Wir verstehen eine Frauendemonstration als einen wichtigen Bestandteil einer Selbstorganisierung von Frauen. Dieses Bewusstsein von Selbstorganisierung ist f&#252;r jede Einzelne und f&#252;r Frauen gemeinsam ein k&#228;mpferischer Bruch mit dem patriarchalen System und seinen Lebensbedingungen, ein Bruch mit m&#228;nnlicher Dominanz und m&#228;nnlicher Vorherrschaft – auch in seinem neuen neoliberalen Gewand von so genannter Partnerschaft und <em>Gender Mainstreaming</em>, die eine „weibliche“ Erg&#228;nzung zum „(m&#228;nnlichen) Mensch“ als „Herr“ postuliert.</p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Eine Demo alleine kann nicht das erreichen, was in der Gesellschaft und im Kampf gegen das Patriarchat erreicht werden muss. Um eine gesellschaftliche Ver&#228;nderung herbeizuf&#252;hren, bed&#252;rfte es einer breiten Bewegung. Eine Bewegung, die feministisch und zugleich auch dezidiert links und sozialistisch ist und die Forderungen auf der Stra&#223;e durchk&#228;mpft. Frauenpolitische und feministische Forderungen m&#252;ssen in die Gesellschaft getragen werden und eine m&#246;glichst breite Debatte ausl&#246;sen.<br />
Es ist notwendig, sich auch bzw. vor allem mit migrantischen Frauen zu vernetzen und mit ihnen gemeinsam K&#228;mpfe zu f&#252;hren. Die feministische Bewegung muss &#252;ber ihre eigene Wei&#223;heit reflektieren und Wei&#223;e Frauenb&#252;ndnisse &#252;berdenken. Wir finden es wichtig, sich &#252;ber die eigene Klassenposition sowie &#252;ber rassistische Diskriminierungsmuster bewusst zu werden und diese auch in den eigenen Reihen zu bek&#228;mpfen. Ein breites antikapitalistisches feministisches B&#252;ndnis kann kein Wei&#223;es b&#252;rgerliches Frauenb&#252;ndnis sein!<br />
Zu guter Letzt ist eine Programmatik von N&#246;ten, die Geschlecht als Herrschaftsinstrument angreift und das System radikal in Frage stellt. Wir brauchen eine  breite antikapitalistische Frauenbewegung! </p>
<p><strong>In Zeiten von versch&#228;rften globalen Klassengegens&#228;tzen und immer repressiver werdenden Migrationsregimen stellt sich vermehrt die Frage nach einem gemeinsamen Kampf von Frauen aus unterschiedlichen sozialen und regionalen Kontexten. Muss nicht ein feministischer Kampf daher Fragen von Rassismus, Nationalismus und Klasse miteinbeziehen?</strong></p>
<p><em>B</em>: Diese Frage stellt sich realpolitisch tats&#228;chlich vermehrt. Jedoch waren den feministischen K&#228;mpfen, so wie ich sie kenne, immer schon die K&#228;mpfe gegen Rassismus, Nationalismus und Klassenherrschaft eingeschrieben. Auch wenn heute oft so getan wird, als w&#228;re das nicht so. Man m&#252;sste da nur mal die Flugbl&#228;tter zum 8. M&#228;rz der letzten 30 Jahre durchlesen.</p>
<p><em>Anna, Flora, Marlen, Neva</em>: Ja fix. Und ob! </p>
<p><strong>Was k&#246;nnten/sollten Ziele/Strategien jenseits dieses symbolischen Tages sein, um die Frauenbewegung/feministische Themen zu st&#228;rken und in der Gesellschaft st&#228;rker zu verankern?</strong></p>
<p><em>B</em>: Diese Frage l&#228;sst sich beim besten Willen nicht so beantworten. Es gibt keine Patentrezepte, jede Kollektivit&#228;t muss das selber tun und sich erarbeiten. Es gibt ja auch hunderte B&#252;cher dazu. Ganz grunds&#228;tzlich fehlt m.E. eine gr&#246;&#223;ere Bewegung, mehr Auseinandersetzung unter denjenigen, denen das &#252;berhaupt ein Anliegen ist, und &#252;berhaupt mangelt es an feministischer Bewusstseinsbildung. Und ganz &#252;berhaupt geht es um eine im weiten Sinne linke und feministische Repolitisierung der Gesellschaft und es fehlen (uns) Theorien und Praxen alternativer Politik- und &#214;konomieformen.</p>
<p><em>FZ</em>: Es braucht eine breite und radikale feministische Bewegung die diese Herrschaftsverh&#228;ltnisse auf den Kopf stellt und zerlegt!</p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Es muss um die Organisierung von Frauen gehen und deren Vernetzung &#252;ber Organisationsgrenzen hinweg. Das Ziel muss sein, das Patriarchat zu st&#252;rzen und die Gesellschaft umzukrempeln. Das geht nur, wenn B&#252;ndnisarbeit effektiv gestaltet wird. Innerhalb aller gemischten Organisationen m&#252;ssen feministische K&#228;mpfe gef&#252;hrt, Frauenfreir&#228;ume geschaffen und Frauen gest&#228;rkt bzw. gegenseitig best&#228;rkt werden. Es muss bei den feministischen K&#228;mpfen &#252;ber die Organisationsgrenzen hinweg eine Orientierung auf die Subalternen geben und es m&#252;ssen strategisch gemeinsame Forderungen aufgestellt werden. Die feministische Bewegung muss sich weg von dem Wei&#223;en und ausschlie&#223;enden b&#252;rgerlichen Feminismus bewegen.<br />
Feuer und Flamme dem Patriarchat, Kampf dem Sexismus in Arbeit, Alltag, Staat! </p>
<p><em>Birge Krondorfer</em> ist Philosophin, Lehrbeauftragte an den Universit&#228;ten Klagenfurt und Innsbruck und t&#228;tig im feministischen Bildungs- und Kulturverein Frauenhetz, den sie auch mit gegr&#252;ndet hat. </p>
<p>Das <em>FrauenM&#228;dchenLesbenZentrum</em> versteht sich als Teil der autonomen FrauenLesbenBewegung. Als solche bietet es einen Raum f&#252;r die feministische Auseinandersetzung mit weiblichen Lebensbedingungen und der Reflexion und Entwicklung widerst&#228;ndiger Praxis gegen Sexismus und sexistische Herrschaftsverh&#228;ltnisse. Die FZ-Bar befindet sich im <em>Wiener Werkst&#228;tten- und Kulturhaus WUK </em>in Wien.</p>
<p><em>Anna Svec, Flora Alvarado-Dupuy, Marlen Stahrm&#252;ller</em> und<em> Neva L&#246;w</em> sind langj&#228;hrige Aktivistinnen in der Sozialistischen Jugend Wien und Teil der Marxistischen Initiative Marxist*in. </p>
<p>Das Interview f&#252;hrten <em>Veronika Duma, Julia Hofmann</em> und <em>Fanny M&#252;ller-Uri</em>.</p>
<p>Anmerkung<br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Dieses Interview wurde aus einer Stellungnahme von autonomen Feministinnen und Lesben aus dem FZ zusammengestellt.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Geschlecht, Arbeitseilung, Staat – Ein k&#252;hner Versuch</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 09:07:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr.10]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Staatstheorie]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Nowak, J&#246;rg (2009): Geschlechterpolitik und Klassenherrschaft. Eine Integration marxistischer und feministischer Staatstheorien; M&#252;nster: Westf&#228;lisches Dampfboot.

J&#246;rg Nowaks Buch „Geschlechterpolitik und Klassenherrschaft. Eine Integration marxistischer und feministischer Staatstheorien“ stellt das ambitionierte und viel versprechende Projekt dar, zwei der gro&#223;en theoretischen Paradigmen der Linken, Marxismus und Feminismus, auf und &#252;ber das Feld der Staatstheorie zusammen zu f&#252;hren (11). Die Wichtigkeit seines Vorhabens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Nowak, J&#246;rg (2009): Geschlechterpolitik und Klassenherrschaft. Eine Integration marxistischer und feministischer Staatstheorien; M&#252;nster: Westf&#228;lisches Dampfboot.<br />
<span id="more-1535"></span><br />
J&#246;rg Nowaks Buch „Geschlechterpolitik und Klassenherrschaft. Eine Integration marxistischer und feministischer Staatstheorien“ stellt das ambitionierte und viel versprechende Projekt dar, zwei der gro&#223;en theoretischen Paradigmen der Linken, Marxismus und Feminismus, auf und &#252;ber das Feld der Staatstheorie zusammen zu f&#252;hren (11). Die Wichtigkeit seines Vorhabens macht Nowak darin aus, dass „[i]n den kapitalistisch gepr&#228;gten Industriegesellschaften zu Beginn des 21. Jahrhunderts [...] die Verbindung von Familienpolitik, Geschlechterverh&#228;ltnissen und Ver&#228;nderungen in der Erwerbsarbeit eine der strategischen Schl&#252;sselfragen f&#252;r den Kampf um die Grundkoordinaten gesellschaftlicher Entwicklung“ sind (10).<br />
Sein Fokus gilt der Frage, wie Klasseninteressen das Verh&#228;ltnis von Staat und Geschlecht beeinflussen und wie umgekehrt Geschlechterhierarchien Arbeitsteilungen ver&#228;ndern. Die zentrale Kategorie der Klassenverh&#228;ltnisse m&#246;chte Nowak dabei nicht allein &#246;konomisch, sondern entlang dreier konstitutiver Ebenen bestimmen: die des Einkommens und der Machtressource, die der aktiven Handlungen von Gruppen und Individuen und schlie&#223;lich die diskursiv-symbolische Ebene. Damit korrespondieren Nowak zufolge f&#252;r die Geschlechterverh&#228;ltnisse die Ebenen der Arbeitsteilung zwischen M&#228;nnern und Frauen, die „gemischtgeschlechtliche“ AkteurInnenebene, auf der um unterschiedliche Formen von M&#228;nnlichkeit und Weiblichkeit gek&#228;mpft wird, und wieder die diskursiv-symbolische (13). Staatlichkeit wird dabei als Terrain ausgemacht, auf dem unterschiedliche gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse miteinander verschr&#228;nkt werden (15). Im Hinblick auf die Klassenverh&#228;ltnisse erscheint uns diese dreigliedrige Bestimmung insofern als problematisch, weil sie der wenige Zeilen zuvor mit Jessop getroffenen Bestimmung von Klasse als „Einheit von Positionen in kapitalistischen Produktionverh&#228;ltnissen mit kontingenten Interpretationen dieser Positionen“ widerspricht. Der Klassenbegriff bleibt auch im Folgenden unbestimmt, eine Rekonstruktion des Klassenbegriffes im Anschluss an Poulantzas, wie sie angesichts der zentralen Rolle von dessen Staatstheorief&#252;r Nowak naheliegend gewesen w&#228;re, findet nicht statt.<br />
Das Buch ist im Folgenden in drei gro&#223;e Teile gegliedert: Im ersten Abschnitt <em>Arbeitsteilung, Klasse, Geschlecht</em> diskutiert Nowak zun&#228;chst unter dem Titel Die Struktur der kapitalistischen Produktionsweise vor allem Louis Althussers und Etienne Balibars Konzeption der „kapitalistischen Produktionsweise“ als „Einheit eines strukturierten Ganzen“ (23) und bestimmt die unterschiedlichen Bedeutungen, die dem Begriff der kapitalistischen Produktionsweise zukommen. Daran anschlie&#223;end werden Althussers „funktionalistische“ Annahmen &#252;ber die Beziehung von Superstrukturen und Basis kritisiert (25ff.). Dabei macht Nowak die These stark, dass es zur Reproduktion des Kapitalismus auch au&#223;er&#246;konomischer Bedingungen bed&#252;rfe (28f.) Immer noch mit Althusser werden die Begriffe Produktionsweise, Gesellschaftsformation und Produktionsverh&#228;ltnisse diskutiert sowie verschiedene Ans&#228;tze vorgestellt, die Artikulation unterschiedlicher Produktionsweisen und Produktionsverh&#228;ltnisse innerhalb einer konkreten Gesellschaftsformation zu untersuchen (30f.)<br />
Nach einem kurzen Rekurs auf Gramscis Begriff des „geschichtlichen Blocks“ zieht Nowak ein erstes Zwischenfazit. Darin kommt er zu dem Schluss, dass es die Begrifflichkeiten von Althusser, Balibar und Gramsci erm&#246;glichen, das Zusammenwirken von kapitalistischer &#214;konomie und Produktionsverh&#228;ltnissen in Haushalten zu denken, eine These die er sp&#228;ter weiter ausf&#252;hrt. So lie&#223;e sich die ungleichzeitige Entwicklung der verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen innerhalb der letztinstanzlichen Determination durch das &#214;konomische erkl&#228;ren, ohne nicht-&#246;konomische Ebenen als deren blo&#223;en Ausdruck oder als f&#252;r ihre Reproduktion notwendig funktional darzustellen. Diese letztinstanzliche Determination beschreibt Nowak so, „dass Mehrwertproduktion allen anderen gesellschaftlichen Entwicklungen einen gewissen Rahmen gibt und Grenzen etabliert, in denen sie kontingent verlaufen“ (34). Damit ist auch bereits angedeutet, dass die Funktionalit&#228;t von Geschlechterverh&#228;ltnissen f&#252;r die kapitalistische Produktionsweise „auf der theoretischen Ebene nicht zul&#228;ssig“ ist (ebd.) und immer konkret hergestellt werden muss.<br />
Unter dem Titel <em>Marxistische Theorien der Arbeitsteilung</em> folgt ein Wechsel der Abstraktionsebene. Anstatt den Begriff der gesellschaftlichen Arbeitsteilung von Althusser und, im Anschluss daran, von Poulantzas stark zu machen, werden – etwas unerwartet – verschiedene marxistische Ans&#228;tze zu Arbeitsmarktsegregationen entlang der Linien Geschlecht und Ethnizit&#228;t diskutiert (35ff.). So spannend diese Konzepte auch sind, leidet Nowaks Zugang doch darunter, dass nur die geschlechtsspezifische, nicht jedoch die ethnisierte Arbeitsteilung – gerade auch in ihrem Verh&#228;ltnis zum Staat – bestimmt wird.<br />
Nach der Besch&#228;ftigung mit den marxistischen Ans&#228;tzen geht Nowak zur Diskussion feministischer Theorien &#252;ber. Er kritisiert, dass konstruktivistische Ans&#228;tze zum Thema Geschlecht nicht erkl&#228;ren k&#246;nnen, welche Strategien und Motive sich &#252;berschneiden, und dass sie die Interdependenz von &#214;konomie und Geschlechterhierarchie als &#228;u&#223;erliches Verh&#228;ltnis darstellen. (54). Im Anschluss an Reinhard Kreckel stellt er die These auf, die Trennung von Erwerbsarbeit und Privathaushalt sei bereits im 19. Jahrhundert verallgemeinert worden (49). Als zentral f&#252;r die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung sind laut der von Nowak vorgestellten feministischen Literatur die Trennung von Erwerbs- und Privatleben, die damit entstehenden Institutionen des Familienern&#228;hrers und der Hausfrau, die Benachteiligung der Frau in der Erwerbsarbeit, die Abh&#228;ngigkeit nicht entlohnter Arbeit von Erwerbseinkommen, die Ehe und Familie als Ort der Verteilung des Erwerbseinkommens sowie die Rolle des Staates (53).<br />
Nowak f&#228;hrt mit einer theoretischen Rekonstruktion der Artikulation von kapitalistischer Produktionsweise und Geschlechterverh&#228;ltnissen fort (55). Er verwirft dabei Ans&#228;tze, welche eine eigenst&#228;ndige h&#228;usliche Produktionsweise behaupten, da die „h&#228;uslichen Produktionsverh&#228;ltnisse“, so Nowaks Definition, &#252;ber Raum und Zeit viel zu verschieden seien, als dass &#252;ber eine einheitliche Produktionsweise gesprochen werden k&#246;nnte (59). Dennoch besitzen diese gro&#223;e Eigendynamik, die sich nicht auf das Kapitalverh&#228;ltnis reduzieren l&#228;sst und f&#252;r dieses nicht notwendig funktional ist. Ebenso lehnt er die Behauptungen ab, dass die h&#228;uslichen Produktionsverh&#228;ltnisse, weil sie zum Mehrwert beitragen bzw. den Wert der Arbeitskraft notwendig dr&#252;cken w&#252;rden, auf der Ebene der Kapitallogik integriert werden k&#246;nnten. Nowak argumentiert hier schl&#252;ssig, dass der Einfluss von h&#228;uslichen Produktionsverh&#228;ltnissen auf den Wert der Arbeitskraft nur in den konkreten Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen bestimmt werden kann (63). Weil die Lohnform f&#252;r ihn eine zentrale Bestimmungskategorie ist, zieht er den Begriff der „nicht-entlohnten“ Arbeit gebr&#228;uchlicheren wie denen der Reproduktions- oder Hausarbeit vor (57). Das hat zwar gewisse Vorteile, allerdings w&#228;re auch eine Definition &#252;ber den Haushalt als Ort der Arbeit durchaus sinnvoll. So k&#246;nnte n&#228;mlich die Umverteilung zwischen wei&#223;en Frauen und ihren migrantischen Haushaltsarbeiterinnen diskutiert werden. Hierin deutet sich bereits eine Leerstelle an, die am Ende des Buches sichtbar wird, wenn Nowak die Behauptung aufstellt, die „informellen &#214;konomien“ m&#252;ssten nicht in sein Analyseraster der &#214;konomie  – kapitalistischer Markt, staatliche &#214;konomie und familiale Sph&#228;ren der nicht entlohnten Arbeit – aufgenommen werden, da diese in seinem Gegenstand der OECD-Staaten kein so gro&#223;es Gewicht h&#228;tten (186f.). Diese Ausblendung h&#228;ngt dabei allerdings sicher nicht nur mit den Begrifflichkeiten zu entlohnter und nicht-entlohnter Arbeit zusammen, sondern vor allem auch mit der beinahe v&#246;lligen Abwesenheit der Kategorie „Ethnizit&#228;t“. Etwas unklar bleibt, ob die Geschlechterverh&#228;ltnisse haupts&#228;chlich durch die Trennung in entlohnte und nicht-entlohnte Arbeit reproduziert und also durch diese erst konstituiert werden, oder ob die geschlechtsspezifischen Arbeitsteilungen in diesen unterschiedlichen Organisationsformen von Arbeit nur pr&#228;sent sind. Dann w&#228;re jedoch zu kl&#228;ren, wo diese dann herr&#252;hren.<br />
Als Zwischenfazit des ersten Teils h&#228;lt Nowak fest: „Mit der Verkn&#252;pfung von strukturalem Marxismus und hegemonietheoretischem Marxismus mit feministischem Konstruktivismus sind theoretische Werkzeuge verf&#252;gbar, mit denen die Ver&#228;nderung des Verh&#228;ltnisses zwischen verschiedenen Weisen gesellschaftlicher Hierarchisierung gefasst werden kann.“ (67)<br />
Im zweiten Teil wird unter dem Titel <em>Staatstheorie </em>ebendiese abermals aus marxistischer und feministischer Perspektive diskutiert. Dies ist f&#252;r Nowaks Forschungsinteresse von N&#246;ten, weil Staatstheorie „politische Macht in ihrer Eigenlogik erfasst, deren Funktionsebenen differenziert und ihre Grundlagen benennt. Der Staat stellt mit seinem Institutionengef&#252;ge selbst einen Aspekt der gesellschaftlichen Arbeitsteilung dar. Damit ist der Staat in seiner steuernden Funktion in Bezug auf Ver&#228;nderungen der Arbeitsteilung und als Aspekt dieser Arbeitsteilung in doppelter Weise f&#252;r die Ver&#228;nderung geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung relevant.“ (71)<br />
Ausf&#252;hrlich geht er auf Gramscis Staatstheorie, seine Konzeption von „politischer Gesellschaft“ und „Zivilgesellschaft“ ein (77–90). Interessant ist dabei insbesondere die von Nowak aufgeworfene Frage, ob die Familie als Teil der &#214;konomie oder als Teil der Zivilgesellschaft zu betrachten ist. Er l&#246;st dieses Problem schl&#252;ssig, indem er die „Doppelfunktion“ als Teil der &#214;konomie und der Zivilgesellschaft als spezifische Bedeutung der Familie ausmacht (89f.).<br />
Sehr spannend ist die im Anschluss daran dargestellte Debatte zwischen Althusser und der <em>il manifesto</em>-Gruppe als VertreterInnen des so genannten Eurokommunismus. Gegen Althussers Pl&#228;doyer f&#252;r eine Distanz zum Staat machen die VerteterInnen des Eurokommunismus eine Strategie auf Ebene der Hegemonieapparate stark und fordern die Verkn&#252;pfung verschiedener partikularer K&#228;mpfe in einem neuen, noch zu schaffenden geschichtlichen Block. Besonders interessant an dieser in den 1970er Jahren gef&#252;hrten Debatte ist die Voraussicht, dass feministische K&#228;mpfe, wenn sie nicht in einen gr&#246;&#223;eren geschichtlichen Block eingebettet sind, Gefahr laufen, von den herrschenden Kr&#228;ften integriert zu werden.<br />
An die staatstheoretischen &#220;berlegungen von Gramsci und Althusser schloss Nicos Poulantzas an; mit ihm, so Nowak, lasse sich das Verh&#228;ltnis von Politik und &#214;konomie und deren wechselseitige Anordnung denken (98). Kritisch gegen ihn wendet er einerseits ein, dass Poulantzas im Gegensatz zu Gramsci das Politische auf den Staat verenge (103) und sich mit dem Begriff des „Machtblocks“ – wiederum im Gegensatz zu Gramscis „geschichtlichen Block“ – die Integration der Subalternen nicht fassen l&#228;sst. Dar&#252;ber hinaus kritisiert er, dass seine Staatskonzeption keinen Platz f&#252;r eine politische Strategie in Distanz zum Staat g&#228;be (105). Nowak zeigt jedoch auch, wie sich mit Poulantzas die kontingente Verkn&#252;pfung von Klassen- und Geschlechterverh&#228;ltnissen denken l&#228;sst. Poulantzas habe bereits erkannt, dass die Geschlechterverh&#228;ltnisse nicht auf die Klassenverh&#228;ltnisse reduziert werden k&#246;nnen und ein eigenst&#228;ndiger Bestandteil politischer Macht sind. Gerade &#252;ber ihre Eigenst&#228;ndigkeit k&#246;nne deren Funktionalit&#228;t konkret hergestellt werden. Bei Poulantzas ist hierf&#252;r nur ein Ankn&#252;pfungspunkt gegeben, da er keine systematische Analyse der Verkn&#252;pfung der beiden Verh&#228;ltnisse leistet und sein Begriff von Geschlechterverh&#228;ltnissen auf die Beziehung zwischen Mann und Frau begrenzt bleibt (113ff.).<br />
Unter dem Titel <em>Feministische Staatstheorie</em> werden Ans&#228;tze des sozialistischen Feminismus als funktionalistisch kritisiert und die feministische Kritik und Forschung im Anschluss an den Wohlfahrsstaatsansatz von Gøsta Esping-Andersen dargestellt (146–158). Einen Vorteil der feministischen Staatstheorien gegen&#252;ber den marxistischen macht Nowak allerdings darin aus, dass erstere reichhaltigere empirische Analysen zu bieten haben. Er kehrt zur&#252;ck zur zweiten Phase der Wohlfahrtsstaaten-Debatte, die sich von der ersten darin unterscheidet, dass sie nicht mehr vorwiegend den Geschlechtscharakter von Klassenkompromissen, sondern zunehmend auch den Klassencharakter von Geschlechterverh&#228;ltnissen zum Thema macht, und mit den K&#228;mpfen und subalterner AkteurInnen sowie den Grenzen der Integration von Frauen in die Erwerbsarbeit neue Felder erschlie&#223;t (164).<br />
Als Ausgangspunkt einer Integration marxistischer und feministischer Theoriestr&#228;nge versteht Nowak die „historisch spezifische Artikulation von Privathaushalt, kapitalistischer &#214;konomie und staatlicher Intervention“, wobei deren Anordnung in Raum und Zeit variabel ist und den drei Instanzen keine notwendige Funktion zugewiesen werden kann (185f.) Die wechselseitigen Beziehungen erkl&#228;rt Nowak so, dass die famili&#228;re Sph&#228;re der nicht entlohnten Arbeit durch ihre Tr&#228;gheit eine wesentliche Strukturierungswirkung auf die beiden anderen Ebenen hat, w&#228;hrend die kapitalistische &#214;konomie st&#228;rkeren Ver&#228;nderungen unterworfen ist und vor allem auf der Ebene der Verteilung von Ressourcen wirkt. Der „staatlichen &#214;konomie“ kommt vor allem eine koordinierende Wirkung zu. Mit dem Begriff des Verdichtungsregimes, das „aus der Wechselwirkung der gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse mit den politischen Institutionen und den darin handelnden Akteuren“ (189) entsteht, m&#246;chte er die konkrete Ausgestaltung geschlechtsspezifischer Arbeitsteilungen analysieren. Weiter dient ihm der „geschichtliche Block“, hier verstanden „als relativ koh&#228;rente Einheit von hegemonialem Geschlechterregime, politischem Verdichtungsregime und dominanter Akkumulationsstrategie“ als Erkl&#228;rungsmodell. Unter Einbeziehung feministischer Ans&#228;tze kann vor allem gedacht werden, wie spezifische „Geschlechterleitbilder“ durch den Staat hergestellt und vermittelt werden (188)</p>
<p>Die Zusammenf&#252;hrung der marxistischen und feministischen Staatstheorien macht Nowak im dritten Teil f&#252;r seinen konkreten Analysegegenstand fruchtbar. Seine Untersuchung von Klasse und Geschlecht in der deutschen Familienpolitik von 2002 bis 2007 besch&#228;ftigt sich mit der Ver&#228;nderung des „geschlechterspezifischen Verdichtungsregime“ in Deutschland anhand dreier Ma&#223;namen des Familienministeriums: dem Kinderbetreuungsausbaugesetz, den Kinderfreibetr&#228;gen und dem Elterngeld. &#220;berzeugend zeigt Nowak hier die St&#228;rken seines Zugangs auf. Er argumentiert schl&#252;ssig, dass unter den Bedingungen dessen, was er „flexiblen Kapitalismus“ nennt, die Familienpolitik zu einem zentralen Feld hegemonialer Politik geworden ist. Dabei habe sich eine liberale feministische Fraktion innerhalb der Staatsapparate etabliert, welche unter Aufgabe klassischer Gleichstellungspolitiken einen teilweisen Bruch mit dem konservativen Familienern&#228;hrermodell erreicht hat. Dieser Bruch geht einher mit einer Integration dieses liberalen Feminismus in &#252;bergeordnete Wachstums- und Arbeitsmarkstrategien des Neoliberalismus. Das neu etablierte Modell, dass Nowak als „klassenselektives Ern&#228;hrerregime“ (245) bezeichnet, zeichnet sich dadurch aus, dass es durch Zwangsma&#223;nahmen versucht, arbeitende Frauen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. W&#228;hrend besserverdienenden Frauen nach einer Geburt Anreize f&#252;r eine rasche Wiederaufnahme der Lohnarbeit geboten werden, wird die grundlegende geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, vor allem bei der nicht entlohnten Arbeit, nicht in Frage gestellt. Dennoch kommt der Autor zum Fazit, dass es nicht zu einem koh&#228;renten Geschlechterleitbild gekommen ist. </p>
<p>Eine in etwas anderen Worten bereits zum Schluss des ersten Teils (70) ge&#228;u&#223;erte These die J&#246;rg Nowak am Ende des Buches aufstellt scheint uns sehr problematisch: „Das ineinander beider Makrostrukturen habe ich damit erkl&#228;rt, dass Geschlechterverh&#228;ltnisse einen h&#246;heren Grad an Verbreitung und Durchdringung haben, w&#228;hrend Klassenverh&#228;ltnisse aufgrund ihrer Schl&#252;sselrolle f&#252;r die Verteilung materieller Ressourcen den gr&#246;&#223;eren Wirkungsgrad haben. Aus diesen unterschiedlichen Wirkungsweisen l&#228;sst sich nur schwer eine Hierarchie der Wirksamkeit konstruieren, da die Wirkungsweisen sehr unterschiedlich sind. Festhalten l&#228;sst sich jedoch, dass Klassenverh&#228;ltnisse sich weitaus dynamischer ver&#228;ndern als Geschlechterverh&#228;ltnisse und damit oftmals Bedingungen etablieren f&#252;r die Ver&#228;nderung letzterer.“ (257). Zun&#228;chst einmal ist mit dieser Aussage noch gar nichts &#252;ber das „Ineinander“ der beiden Verh&#228;ltnisse, sondern lediglich &#252;ber ihre unterschiedliche Wirkungsweise gesagt. Vor allem macht aber die Aussage stutzig, dass die Klassenverh&#228;ltnisse den gr&#246;&#223;eren Wirkungsgrad haben. Sicherlich stimmt es, dass sie f&#252;r die Verteilung der materiellen Ressourcen bedeutender als die Geschlechterverh&#228;ltnisse sind, aber hier wird ja gerade damit die gr&#246;&#223;ere Wirkungsweise – aber in Bezug zu was eigentlich – begr&#252;ndet. Wobei sich der Autor dann gleich wieder selbst versichert, indem er &#8211; paradoxerweise – aus dem gr&#246;&#223;eren „Wirkungsgrad“ keine „Hierarchie“ ableiten will, nur um, wiederum relativiert mit W&#246;rtchen „oftmals“ die Ver&#228;nderungen der Geschlechterverh&#228;ltnisse de facto zu einer Funktion der Klassenverh&#228;ltnisse zu erkl&#228;ren. Ob sich das theoretisch begr&#252;nden l&#228;sst oder ob dies geschichtlich haltbar ist, halten wir doch f&#252;r sehr fraglich.</p>
<p>Nach der Lekt&#252;re des Buches scheint uns der Anspruch des Untertitels „Eine Integration marxistischer und feministischer Staatstheorie“ doch etwas zu hochgestochen gewesen zu sein. Sicherlich, der Umfang der dargestellten Debatten ist beeindruckend und auch Nowaks Thesen bieten wichtige Ankn&#252;pfungspunkte, aber es scheint uns sinnvoller die Auseinadersetzung mit und zwischen Marxismus und Feminismus als politisches Projekt zu verstehen, dass immer wieder neu formuliert werden muss. Am besten ist dem Autor die Integration am konkreten Gegenstand der deutschen Familienpolitik gelungen. J&#246;rg Nowak hat hier jedenfalls ein umfangreiches Werk vorgelegt, das zu weiteren intensiven Debatten zwischen den beiden theoretischen Paradigmen anregt. </p>
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		<title>Perspektiven Nr. 9 komplett online</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 16:15:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Körpergeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Um euch die Wartezeit auf die demn&#228;chst erscheinende Jubil&#228;ums-Ausgabe Nr. 10 zu verk&#252;rzen, gibt es nun die gesamte Perspektiven Nr. 9 zu  Schwerpunkt Ge_schlechte_rverh&#228;ltnisse im Kapitalismus online:

Maria Asenbaum und Katherina Kinzel zum schwierigen Verh&#228;ltnis zwischen Marxismus und Feminismus &#8211; Veronika Duma und Tobias Boos zur Geschichte der (b&#252;rgerlichen) Geschlechts-K&#246;rper &#8211; Katharina Hajek und Benjamin Opratko zu Geschlechterpolitik und Wirtschaftskrise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um euch die Wartezeit auf die demn&#228;chst erscheinende Jubil&#228;ums-Ausgabe Nr. 10 zu verk&#252;rzen, gibt es nun die gesamte <a href="http://www.perspektiven-online.at/?cat=50" target="_self">Perspektiven Nr. 9</a> zu  Schwerpunkt <strong>Ge_schlechte_rverh&#228;ltnisse im Kapitalismus</strong> online:</p>
<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/?cat=50"><img class="alignleft size-medium wp-image-739" title="perspektiven9-cover-toc_page_11" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/01/perspektiven9-cover-toc_page_11-212x300.jpg" alt="perspektiven9-cover-toc_page_11" width="212" height="300" /></a></p>
<p>Maria Asenbaum und Katherina Kinzel zum schwierigen Verh&#228;ltnis zwischen <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=671" target="_self">Marxismus und Feminismus</a> &#8211; Veronika Duma und Tobias Boos zur <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=668" target="_self">Geschichte der (b&#252;rgerlichen) Geschlechts-K&#246;rper</a> &#8211; Katharina Hajek und Benjamin Opratko zu <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=666" target="_self">Geschlechterpolitik und Wirtschaftskrise</a> &#8211; Petra Steiner im Interview zu <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=664" target="_self">feminisierter Arbeit im globalen S&#252;den</a></p>
<p>Dazu gibt&#8217;s au&#223;erhalb des Schwerkpunkts:<br />
Nikolaus Perneczky zum <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=661" target="_self">&#8220;Dritten Kino&#8221; </a>- Behrooz Rahimi zu <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=658" target="_self">Rissen in der Islamischen Republik Iran</a> &#8211; Ian Angus zu <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=656" target="_self">Marx, Engels und Darwin</a> &#8211; <a href="http://www.perspektiven-online.at/?cat=9" target="_self">Rezensionen </a>und <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=601" target="_self">Rosinenpicken</a></p>
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		<title>Editorial</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 14:36:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausgaben]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 9]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Die liebe Familie: Sitzpl&#228;tze und Blumenh&#252;te f&#252;r die Damen, Autorit&#228;t und weltgeschichtlicher Ruhm f&#252;r die Herren. Als Jenny Marx ihren Vater bat, Fragen in ihrem Poesiealbum zu beantworten, schrieb dieser, seine Lieblingstugend beim Mann w&#228;re „Kraft“; bei der Frau: „Schw&#228;che“. Wir sehen: die feministische Sache hatte es von Anfang an nicht leicht, in ein Verh&#228;ltnis zum Marxismus zu treten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die liebe Familie: Sitzpl&#228;tze und Blumenh&#252;te f&#252;r die Damen, Autorit&#228;t und weltgeschichtlicher Ruhm f&#252;r die Herren. Als Jenny Marx ihren Vater bat, Fragen in ihrem Poesiealbum zu beantworten, schrieb dieser, seine Lieblingstugend beim Mann w&#228;re „Kraft“; bei der Frau: „Schw&#228;che“. Wir sehen: die feministische Sache hatte es von Anfang an nicht leicht, in ein Verh&#228;ltnis zum Marxismus zu treten.<br />
<span id="more-581"></span><br />
Die heutige Linke geht mit der Frage der Geschlechterverh&#228;ltnisse da schon etwas sensibler um. Zumindest zu einem Lippenbekenntnis reicht es allemal. Nach dem Motto „Wir sind eh auch FeministInnen“ wird individuelle Gewissenberuhigung betrieben, systematische Auseinandersetzung mit Geschlechterverh&#228;ltnissen im Kapitalismus bleibt jedoch eher die Ausnahme. Und wie schon Antonio Gramsci wusste: Eine W&#252;ste mit einer Gruppe hoher Palmen bleibt immer eine W&#252;ste.</p>
<p>Gleichzeitig erleben wir in der b&#252;rgerlichen Presse eine W&#252;ste ohne Palmen. Pl&#246;tzlich werden die Geschlechter als Krisenerkl&#228;rungsmodell entdeckt und l&#228;ngst totgeglaubte Biologismen wieder ausgegraben, um die Wirtschaftskrise als „Testosteronkrise“ auch „Die Presse“-LeserInnen verst&#228;ndlich zu machen. Gerade jetzt sei die „Stunde der Frauen“ als „moderne Tr&#252;mmerfrauen“ gekommen, denn die „ticken anders, auch biologisch“ (Die Presse, am 27.09.09) und scheinen damit berufen, das von jungen risikofreudigen M&#228;nnern angerichtete Chaos wieder in Ordnung zu bringen. Ein Schwerpunkt zum Thema „Ge_schlechte_r_verh&#228;ltnisse im Kapitalismus“ ist also doppelt geboten. Einerseits, weil feministische Themen in der Linken trotz gegenteiliger Beteuerungen weiterhin nicht die n&#246;tige analytische und politische Aufmerksamkeit erfahren. Gerade als undogmatische MarxistInnen halten wir diese Auseinandersetzung f&#252;r notwendig, weil Geschlechterverh&#228;ltnisse „fundamentale Regelungsverh&#228;ltnisse in allen Gesellschaftsformationen, die wir kennen“ sind (Frigga Haug), und nicht ein in Fu&#223;noten abzuhandelndes „Eh-auch-wichtig“. Andererseits, weil die aktuelle Krise besonders zu Lasten von Frauen und deren Umsonstarbeit im Reproduktionsbereich geht. Und w&#228;hrend unmittelbar einleuchtend ist, dass die Linke sich zur globalen Krise politisch verhalten muss, wollen wir die Zentralit&#228;t ihrer Geschlechterdimension herausstreichen.</p>
<p>Der Satz, dass die Linke feministisch ist, oder nicht links, ist richtig; dennoch fallen Marxismus und Feminismus keineswegs automatisch zusammen. Darum widmen sich <em>Maria Asenbaum</em> und <em>Katherina Kinzel</em> im Er&#246;ffnungsartikel der vorliegenden Ausgabe diesem schwierigen Verh&#228;ltnis, ausgehend von der „Hausarbeitsdebatte“, und argumentieren, dass es bewusster politischer Anstrengung bedarf, um eine dialogische Beziehung von Marxismus und Feminismus zu schaffen.<br />
Dass die Geschlechter eine Geschichte haben, zeigen <em>Tobias Boos </em>und <em>Veronika Duma</em>. Sie zeichnen die Entstehung des modernen Zwei-Geschlechter-Modells im Zusammenhang mit der Selbstkonstituierung des B&#252;rgertums nach.</p>
<p>Eine Analyse der globalen Wirtschaftskrise aus geschlechterpolitischer Perspektive liefern <em>Katharina Hajek</em> und <em>Benjamin Opratko</em>. Sie argumentieren, dass trotz gegenw&#228;rtiger Umbr&#252;che das neoliberale Geschlechterregime weitgehend aufrechterhalten wird.</p>
<p>Zum Abschluss des Schwerpunkts sprechen <em>Katherina Kinzel</em> und <em>Felix Wiegand </em>mit <em>Petra Steiner</em> von der <em>Frauensolidarit&#228;t </em>&#252;ber Arbeitsbedingungen und K&#228;mpfe von Frauen im globalen S&#252;den.</p>
<p>Illustriert wird der Schwerpunkt von <em>Reinhard Lang</em>, dessen Fotoserie unseren Umgang mit vergeschlechtlichten Konnotationen von Produktionsmitteln herausfordert.</p>
<p>Auf kurzfristige politische Ereignisse einzugehen, f&#228;llt einem Magazin, das dreimal im Jahr erscheint, naturgem&#228;&#223; schwer. Mit etwas zeitlichem Abstand reflektiert <em>Behrooz Rahimi </em>die Protestbewegungen im Iran nach der Wieder-„Wahl“ Mahmud Ahmadinedjads und analysiert die Widerspr&#252;che innerhalb des Regimes der Islamischen Republik.</p>
<p><em>Nikolaus Perneczky</em> tr&#228;gt zur Fortf&#252;hrung unserer ebenso unregelm&#228;&#223;igen wie inoffiziellen Kinoserie bei. Nach &#246;sterreichischen Polit-Dokus (Nr. 0) und russischem Revolutionsfilm (Nr. 7) geht es nun um das „Dritte Kino“, das sich in den Dienst der Befreiungsbewegungen und Dekolonisationsk&#228;mpfen in Lateinamerika, Afrika und Asien stellte.</p>
<p>Zuletzt unser Beitrag zum Darwin-Jahr: <em>Ian Angus</em> &#252;ber die „Entstehung der Arten“ und was sie mit dem Historischen Materialismus zu tun hat. Ein auch in der Redaktion nicht unumstrittener Artikel – wir freuen uns &#252;ber Kommentare, Zuspruch und Kritik!</p>
<p>Ein paar Rezensionen, damit ihr wisst, wie ihr die langen, einsamen und dunklen Herbstabende &#252;bersteht: Feminismus und Multikulturalismus, Grenzen des Wachstums, der revolution&#228;re Atlantik und Aliens im Apartheid-District 9. Und die Gustost&#252;ckerl hei&#223;en jetzt Rosinenpicken.</p>
<p>F&#252;r die klassen- und geschlechterlose Gesellschaft oder: schafft drei, vier, viele Geschlechter!</p>
<p>Eure Perspektiven-Redaktion</p>
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		<item>
		<title>Wert und Wettex</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 17:55:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 9]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[Versuche einer theoretischen Vereinigung marxistischer und feministischer Erkl&#228;rungsans&#228;tze zu asymmetrischen Geschlechterverh&#228;ltnissen im Kapitalismus waren und sind nicht unproblematisch. Maria Asenbaum und Katherina Kinzel w&#252;hlen in Hausarbeitsdebatten, werttheoretischen Streitfragen, b&#252;rgerlich-familialen Diskurskonstruktionen und ideologietheoretischen Auseinandersetzungen der letzten 30 Jahre.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Versuche einer theoretischen Vereinigung marxistischer und feministischer Erkl&#228;rungsans&#228;tze zu asymmetrischen Geschlechterverh&#228;ltnissen im Kapitalismus waren und sind nicht unproblematisch. <em>Maria Asenbaum</em> und <em>Katherina Kinzel</em> w&#252;hlen in Hausarbeitsdebatten, werttheoretischen Streitfragen, b&#252;rgerlich-familialen Diskurskonstruktionen und ideologietheoretischen Auseinandersetzungen der letzten 30 Jahre.<br />
<span id="more-671"></span><br />
Wie das Verh&#228;ltnis von Kapitalismus und Geschlechterverh&#228;ltnissen denken? Und wie es nicht lediglich denken, indem man zwei Herrschaftsverh&#228;ltnisse empiristisch zusammenaddiert – sondern auf eine Art und Weise, die marxistische und feministische Zielsetzungen organisch zusammenf&#252;hrt? Michéle Barrett schreibt im Vorwort zu ihrem 1980 erschienenen Buch <em>Das unterstellte Geschlecht (Women’s Opression Today)</em>: „Ich gehe davon aus, dass eine solche Vers&#246;hnung bisher nicht stattgefunden hat, und dass jeder Versuch, eine schl&#252;ssige marxistisch-feministische Analyse zu erstellen, enorme theoretische und politische Probleme aufwirft, die sich vielleicht als Stolperstein eines jeden B&#252;ndnisses zwischen Frauenbewegung und der Linken erweisen werden – und von beiden Seiten Kompromisse verlangen, wenn sie gel&#246;st werden sollen. Aber es ist sicherlich besser, sich ihnen zu stellen, als sie hinwegzudeuten.“<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> Sie zieht damit Bilanz &#252;ber die vorangegangenen Jahre reger marxistisch-feministischer Debatten um das Verh&#228;ltnis von kapitalistischer Produktionsweise und geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung, Klassenvergesellschaftung und Geschlechterhierarchie.<br />
Wie diese Auseinandersetzungen gef&#252;hrt wurden/werden, h&#228;ngt dabei eng mit den Konjunkturen von Frauenbewegung und ArbeiterInnenbewegung zusammen. In den 70er Jahren machte die Hausarbeitsdebatte erstmals unter marxistischen Vorzeichen Reproduktionsarbeit zum Thema. Die Intention war es, zu zeigen, dass die Unterordnung von Frauen „weder ein blo&#223;er R&#252;ckstand aus einer vorindustriellen Phase des Kapitalismus oder vorkapitalistischer Gesellschaften ist, noch auf sexistische Einstellungen und Vorurteile zur&#252;ckgef&#252;hrt werden kann, die mit Argumenten und Erziehung abgeschafft werden k&#246;nnen“<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a>, sondern mit der politischen &#214;konomie kapitalistischer Gesellschaften inh&#228;rent verbunden ist<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a>. Als materielle Basis der Unterordnung von Frauen wurde die von der zweiten Frauenbewegung ans Licht gebrachte geschlechtsspezifische Arbeitsteilung thematisch: die unbezahlte, unsichtbare, und wie eine Naturressource „selbstverst&#228;ndlich“ verf&#252;gbare Hausarbeit r&#252;ckte ins Zentrum der Theoretisierungsversuche von „Frauenunterdr&#252;ckung“ <a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> im Kapitalismus.<br />
Dass die Frage nach dem Zusammenhang von Kapitalismus und Geschlecht zun&#228;chst die Form einer Reflexion &#252;ber das Verh&#228;ltnis von bezahlter Lohnarbeit und unbezahlter Reproduktionsarbeit annahm, war kein Zufall: In den 60ern und 70ern war das Familienern&#228;hrermodell mit der dazugeh&#246;rigen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, welches Frauen h&#246;chstens als Dazuverdienerinnen im Lohnarbeitssektor anerkannte, wenn auch nicht in allen Gesellschaftsschichten verwirklicht, so doch ideologisch als Ideal verallgemeinert. In diesem Kontext richteten sich die politischen Aktivit&#228;ten der neuen Frauenbewegung unter anderem darauf, die Familie als Ort von Gewalt, Herrschaft und Ausbeutung zu thematisieren und die im Haushalt verrichtete unbezahlte Reproduktionsarbeit als <em>Arbeit</em> sichtbar zu machen. Dar&#252;ber hinaus wurde verst&#228;rkt feministische Kritik an der Theorie und Praxis des Arbeit<em>er</em>bewegungsmarxismus h&#246;rbar, welcher die Interessen und Erfahrungen von Frauen nicht als ernstzunehmenden Teil sozialistischer Politik anerkannte (man denke an die ebenso hochnotpeinlichen wie sinnlosen Haupt- und Nebenwiderspruchsthesen). Diese Kritik &#246;ffnete auch das Terrain f&#252;r eine feministische Marxaneignung. Eine solche Aneignung musste auf Probleme sto&#223;en, zumal Marx selbst, was Geschlechterverh&#228;ltnisse betrifft, nicht gerade progressiv war, wie sich an seinen meist mit moralisierendem Unterton vorgetragenen &#196;u&#223;erungen zur Fabrikarbeit von Frauen, welche zu Sittenverfall und Elend der proletarischen Familie f&#252;hre, ablesen l&#228;sst. Engels Arbeiten schienen hier anschlussf&#228;higer, hatte dieser doch in <em>Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats</em> erste Thesen zum Verh&#228;ltnis von Produktion und Reproduktion skizziert, und die Unterordnung von Frauen als „erste(n) Klassengegensatz“ <a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> skandalisiert – mit dem entscheidenden Manko jedoch, dass die Familie von ihm als privater Bereich, nicht als spezifischer Arbeitszusammenhang begriffen wird. Genau auf diesen Arbeitszusammenhang wird sich die Hausarbeitsdebatte konzentrieren.</p>
<p><strong>Auf der Suche nach einer systematischen Theorie der Hausarbeit</strong><br />
Die Hausarbeitsdebatte war wesentlich von der Intention gezeichnet, zu einer systematischen Theorie der Bedeutung unbezahlter Reproduktionsarbeit im Kapitalismus zu gelangen und schwankte zwischen zwei unterschiedlichen theoretischen Vorhaben, die nicht immer klar auseinander gehalten wurden: <em>Erstens</em> ging es um die Frage der Fruchtbarmachung marxscher Begriffe f&#252;r eine Analyse von Reproduktionsarbeit, also darum, wie sich Hausarbeit marxistisch denken l&#228;sst.<br />
Sie nahm aber auch <em>zweitens</em> die Form des Versuchs an, Geschlechterverh&#228;ltnisse &#252;ber eine Reflexion auf die Rolle von Hausarbeit in der kapitalistischen Produktionsweise in die Marxsche Werttheorie hineinzureklamieren. Die Pr&#228;misse der Auseinandersetzungen lautete, dass Hausarbeit ein „blinder Fleck in der Kritik der politischen &#214;konomie“<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a> sei, diese also Teil des Gegenstandes des <em>Kapitals</em> sein m&#252;sste. In Folge ging es darum, zu kl&#228;ren, ob Hausarbeit im marxistischen Sinn der Produktion von Mehrwert ‚produktiv‘ oder ‚unproduktiv‘ ist, ob unbezahlte Hausarbeit dazu beitr&#228;gt, den Wert der Arbeitskraft des Ehemannes zu vergr&#246;&#223;ern oder zu verkleinern und ob Hausfrauen &#252;berhaupt Teil der ArbeiterInnenklasse sind. Die Auseinandersetzungen bewegten sich dabei zwischen zwei Polen: Einerseits Ans&#228;tzen, welche die Hausarbeit als integralen Teil der kapitalistischen Produktionsweise analysieren und so in der Marxsche Werttheorie unterzubringen trachten, andererseits Versuchen, den nichtkapitalistischen Charakter und die (relative) Autonomie der Hausarbeit gegen&#252;ber der kapitalistischen Produktion/Lohnarbeit zu explizieren.<br />
Implizit wird hier stets auch eine politische Frage mitverhandelt,<br />
n&#228;mlich ob Marxismus und Feminismus einander &#228;u&#223;erliche politische Projekte sind, die man nur nachtr&#228;glich und additiv zusammenf&#252;hren kann, oder ob sie entlang gemeinsamer Konfliktachsen arbeiten, woraus sich auch gemeinsame Zielsetzungen und Strategien ergeben.</p>
<p><strong>Teil der kapitalistischen Produktionsweise&#8230;</strong><br />
Mariarosa Dalla Costa stellte die These auf, dass Hausarbeit im marxschen Sinne produktiv genannt werden m&#252;sse.<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> Insofern der Gebrauchswert der m&#228;nnlichen Arbeitskraft durch unbezahlte Dienstleistungen erh&#246;ht wird, und auch die Hausfrau mehr produziert, als zu ihrer eigenen Reproduktion n&#246;tig ist, tr&#228;gt sie indirekt zur Mehrwertproduktion bei. Gemeinsam mit der Arbeitskraft des m&#228;nnlichen Arbeiters kauft das Kapital also auch einen unsichtbaren Anteil der von der Hausfrau geleisteten Arbeit.<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a><br />
Dalla Costas Entwurf ist eher als politische Intervention, denn als konsistente Theorie der Hausarbeit konzipiert: Die Behauptung dass Hausarbeit &#252;ber die Produktion von Gebrauchswerten hinausgeht – was es allererst rechtfertigen w&#252;rde, davon zu sprechen, dass sie auch Mehrwert erzeugt – wird nicht eingehender begr&#252;ndet.<br />
Im englischsprachigen Raum wurde die Debatte st&#228;rker entlang<br />
der Begriffe, die Marx in der <em>Kritik der politischen &#214;konomie</em> entwickelt hatte, gef&#252;hrt. Wally Secombe stellt den Anspruch, eine rigorosere Einbettung der Hausarbeit in die Marxsche Theorie zu leisten. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung nimmt im Kapitalismus die Form der Trennung von Haushalt und industrieller Produktion an: w&#228;hrend in der „industrial unit“ die kapitalistische Produktion stattfindet, wird in der „domestic unit“ die Reproduktion der Ware Arbeitskraft f&#252;r das Kapital organisiert.<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a> Gegen Dalla Costa argumentiert Secombe, dass die Hausarbeit nicht in einem direkten (Tausch-)Verh&#228;ltnis zum Kapital steht, darum keinen Mehrwert produziert und nicht dem Wertgesetz unterliegt. Dennoch sei die Hausarbeit wertbildend, da sie den vom Lohn gekauften Waren durch deren Transformation in konsumierbare G&#252;ter Wert hinzuf&#252;ge. „Die Waren wandern nicht in den Haushalt und verwandeln sich von selbst in die Subsistenzgrundlage der Familie. (…) Zus&#228;tzliche Arbeit – n&#228;mlich Hausarbeit – ist n&#246;tig, um diese Waren in regenerierte Arbeitskraft zu verwandeln.”<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> Secombe argumentiert folglich, dass die Hausarbeit eine Ware produziert: die Arbeitskraft. Die Trennung von Haushalt und Produktion und das Lohnverh&#228;ltnis verschleiern, dass der Lohn nicht f&#252;r die in der „industrial unit“ verrichtete Arbeit, sondern f&#252;r die Reproduktion der gesamten Familie – inklusive der f&#252;r diese notwendigen Hausarbeit – gezahlt wird.<br />
Ein erstes Problem dieser Analyse ergibt sich bereits auf Ebene der eingesetzten Begriffe: Secombe spricht vom Wert der Hausarbeit. Wie Marx im Kapital darlegt, ist Arbeit zwar wertbildend, hat jedoch keinen Wert. Nur der Arbeitskraft, die am Markt als Ware gegen Kapital getauscht wird, kommt ein Wert zu.<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a> Margaret Coulson, Branka Magaš und Hilary Wainwright zeigen in ihrer Kritik an Secombe, dass dessen Analyse nicht nur begrifflich unscharf ist, sondern auch auf falschen Pr&#228;missen aufbaut: Erstens ist die Hausarbeit nicht wertbildend, da sie nicht f&#252;r den Markt bestimmte Waren, sondern Gebrauchswerte f&#252;r die unmittelbare Konsumtion in der Familie erzeugt. Zweitens verkauft die Hausfrau nicht ihre Arbeitskraft. Der Begriff des „Werts der Ware Arbeitskraft“ macht nur f&#252;r das Lohnarbeitsverh&#228;ltnis Sinn, nicht f&#252;r privatisierte und unbezahlte Hausarbeit, denn es ist nicht der Markt, sondern der Ehevertrag, der Reproduktionsarbeit und Produktion zueinander in Beziehung setzt.<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a> Coulson, Magaš und Wainwright verlassen daher die Ebene der werttheoretischen Diskussion. Sie pl&#228;dieren daf&#252;r, mit der Analyse der Unterordnung von Frauen bei den historisch spezifischen Formen b&#252;rgerlicher Ehe- und Familienverh&#228;ltnisse anzusetzen.<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> Ihre Kritik an Secombe zeigt zugleich aber, dass es fraglich ist, ob die Kategorien der <em>Kritik der politischen &#214;konomie</em> &#252;berhaupt in dieser Form auf Hausarbeit &#252;bertragen werden k&#246;nnen.</p>
<p><strong>&#8230;oder eine nicht-kapitalistische h&#228;usliche Produktionsweise?</strong><br />
Andere Ans&#228;tze der Diskussion um Hausarbeit analysieren diese nicht als Teil der kapitalistischen Produktionsweise und anerkennen so ihre (relative) Autonomie. Hierzu z&#228;hlen unter anderem solche AutorInnen, welche die Hausarbeit als eine eigenst&#228;ndige Produktionsweise zu thematisieren versuchen.<br />
Christine Delphys Pamphlet <em>The main enemy</em> stellt einen radikalfeministischen<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a> Versuch dar, die Autonomie der „Frauenunterdr&#252;ckung“ von der kapitalistischen Ausbeutung aufzuzeigen. Sie stellt fest, dass sich unbezahlte Hausarbeit qualitativ nicht von bezahlten Formen der Reproduktionsarbeit unterscheidet. Hausarbeit kann prinzipiell kommodifiziert und getauscht werden, nicht aber, wenn sie auf Dienstleistungen innerhalb der Familie reduziert wird.<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a> Dabei ist es der Ehevertrag, der die Grundlage der Ausbeutung von Hausfrauen durch ihre Ehem&#228;nner schafft. Mit den zwei distinkten Formen der Ausbeutung, der kapitalistischen Ausbeutung der Lohnarbeit durch das Kapital und der patriarchalen Ausbeutung von Frauen durch ihre Ehem&#228;nner, unterscheidet sie zwei voneinander autonome Produktionsweisen: die kapitalistische und h&#228;usliche.<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a> Frauen treten damit auch als eigene „Klasse“ auf, welche sich unabh&#228;ngig von der Klassenposition des Ehemannes bestimmt, wobei der Klassenfeind der Frauen ihre Ehem&#228;nner sind. „Die gemeinsame Unterdr&#252;ckung aller Frauen besteht in der Aneignung und Ausbeutung ihrer Arbeit in der Ehe. Als Frauen dazu bestimmt, ‚die Ehefrau’ von jemandem zu werden, und also f&#252;r dieselben Produktionsverh&#228;ltnisse bestimmt, konstituieren Frauen nur eine Klasse.“<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a><br />
Davon abgesehen, dass Delphy keinen Versuch unternimmt, die voneinander getrennten Produktionsweisen nachtr&#228;glich wieder zueinander in Beziehung zu setzen, bleiben ihre Analysen reduktionistisch und ahistorisch. Maxine Molyneux stellt heraus, dass Delphy die Unterordnung von Frauen auf den als universell angenommenen Ehevertrag und die in der Ehe verrichtete Arbeit reduziert. Der weitere Kontext und die historisch-kulturellen Ver&#228;nderungen der Familie/Haushalt-Beziehungen, sowie die Situation von Frauen am Arbeitsmarkt gehen nicht in ihre Erkl&#228;rung der untergeordneten Stellung von Frauen ein.<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a> Dies ist umso unerfreulicher, als Delphys Entwurf in explizit feministischer Sto&#223;richtung formuliert wurde. Die feministische Aneignung und Reformulierung Marxscher Kategorien, wie „Ausbeutung“, „Produktionsweise“, „Produktionsverh&#228;ltnisse“ etc., geschieht bei ihr jedoch in einer Weise, in der diese eher in einem alltagssprachlichen, denn in marxistischem Sinne verwendet werden.<br />
Auch innerhalb der „orthodoxeren“ marxistischen Diskussion gab es Versuche, die Hausarbeit als eigene, nicht-kapitalistische Produktionsweise zu fassen. Ausgehend von der These, dass eine historisch spezifische Gesellschaftsformation immer als Verbindung verschiedener Produktionsweisen besteht, erarbeitet John Harrisson das Konzept der „client modes of production.“ Diese „werden von der dominanten Produktionsweise entweder hervorgebracht oder kooptiert, um innerhalb des &#246;konomischen und sozialen Systems bestimmte Funktionen zu erf&#252;llen.“<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a> Die Hausarbeit konstituiert Harrisson zu Folge nun eine solche „client mode of production“. Die theoretische Aufgabe die sich ihm stellt, ist es, deren Funktonalit&#228;t f&#252;r und ihr Verh&#228;ltnis zur dominanten<br />
kapitalistischen Produktionsweise zu erkl&#228;ren. Auf Basis der Feststellung, dass die Hausfrau Gebrauchswerte f&#252;r die Reproduktion der Arbeitskraft produziert und daf&#252;r nur ihre eigene Subsistenz zur&#252;ckerh&#228;lt, wiederholt Harrison unter anderen theoretischen Vorzeichen Dalla Costas Argument: Die Hausfrau verrichtet Mehrarbeit, die im Kapitalsektor als Mehrwert aufscheint. Dies geschieht, indem sie den Wert der Arbeitskraft reduziert: W&#228;ren die von der Hausfrau verrichteten T&#228;tigkeiten kommodifiziert und m&#252;ssten am Markt erworben werden, so stiegen die Reproduktionskosten der Ware Arbeitskraft an.<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a><br />
Wieder trifft die bereits zuvor formulierte Kritik des unredlichen Umgangs mit dem marxschen Begriffsapparat: Harrison behandelt die konkrete Arbeit im Haushalt und die abstrakte Arbeit der Warenproduktion als &#228;quivalent.<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a> Sofern Hausarbeit nicht kommodifiziert ist und demnach nicht dem Wertgesetz unterliegt, gibt es keine Basis f&#252;r die Kalkulation des Transfers von Mehrarbeit. Die Hausarbeit nimmt nicht die Wertform an, wie soll sie im Kapitalsektor als Mehrwert erscheinen?<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a> Molyneux zeigt, dass die Annahme, Hausarbeit konstituiere eine eigene Produktionsweise, nicht haltbar ist und diagnostiziert als folgenschweres Problem Harrisons Argumentation, dass dieser die Abstraktionsebenen „Produktionsweise“ und „Gesellschaftsformation“ nicht klar trennt:<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a> Es steht erstens in Zweifel, ob privatisierte Reproduktionsarbeit tats&#228;chlich immer die Arbeitskraft verbilligt<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a>, zweitens und viel grunds&#228;tzlicher aber, ob es &#252;berhaupt m&#246;glich ist, das Verh&#228;ltnis von Hausarbeit und kapitalistischer Warenproduktion auf Ebene einer Analyse der Produktionsweise zu kl&#228;ren. „Die Literatur &#252;ber Hausarbeit nimmt an, dass der Wert der Arbeitskraft allgemein diskutiert werden kann, w&#228;hrend der Wert der Arbeitskraft in Wirklichkeit nur in Bezug auf spezifische Gesellschaften in spezifischen historischen Phasen bestimmt werden kann.“<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a> In seine Bestimmung gehen eine Reihe von Faktoren ein, unter denen die Hausarbeit eine eher geringe Rolle spielt<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a>. Auch das Verh&#228;ltnis von Hausarbeit und dem Wert der Arbeitskraft selbst ist kulturellen und historischen Ver&#228;nderungen unterworfen. „Was einer weiteren Erkl&#228;rung bedarf sind die verschiedenen Formen dieses Verh&#228;ltnisses, die spezifischen politischen, historischen und &#246;konomischen Verh&#228;ltnisse, die darin resultieren, dass ‘Familienl&#246;hne’ an Mitglieder bestimmter Klassen und Schichten ausgezahlt werden, und nicht an andere, an M&#228;nner und nicht an Frauen, von manchen Kapitalen und von anderen nicht.“<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a><br />
Harrisons Argumente laufen letztlich auf eine funktionalistische Erkl&#228;rung des Verh&#228;ltnisses von kapitalistischer Produktionsweise und Geschlechterverh&#228;ltnissen hinaus. Es ist jedoch in Zweifel zu ziehen, ob das Kapital tats&#228;chlich an einer ganz bestimmten (geschlechtlich strukturierten) Organisationsform der Reproduktion der ArbeiterInnenklasse interessiert ist.<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a> Wie Michéle Barrett aufzeigt, sind funktionalistische Annahmen, welche „die geschlechterspezifische Arbeitsteilung mit den Bed&#252;rfnissen des Kapitals in unterschiedlichen Stadien der kapitalistischen Akkumulation“<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a> verschmelzen, au&#223;erdem nicht in der Lage zu erkl&#228;ren, warum Reproduktionsarbeit &#252;berhaupt Frauen zugewiesen wird.<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a> Die b&#252;rgerliche Kleinfamilie mit der ihr entsprechenden geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung wird hier einfach als gegeben vorausgesetzt und nicht selbst zu einem erkl&#228;renswerten Faktum gemacht.<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> „Dieses System als einen Effekt oder eine Existenzbedingung kapitalistischer Klassenverh&#228;ltnisse zu sehen, l&#228;sst untheoretisiert, warum gerade Frauen zuhause bleiben und scheitert daran, m&#228;nnliche Dominanz &#252;ber Frauen innerhalb der ArbeiterInnenklasse zu thematisieren.“<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a></p>
<p><strong>Zwei Systeme: Kapitalismus und Patriarchat</strong><br />
Der Dual-System Ansatz versuchte die Probleme, die sich durch die reduktionistischen Annahmen der Hausarbeitsdebatte ergaben und dazu f&#252;hrten, dass feministische Fragestellungen oftmals gar nicht in ihrer Eigenst&#228;ndigkeit wahrgenommen wurden, zu umschiffen. Heidi Hartmann stellt fest, dass geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und patriarchale Familienverh&#228;ltnisse bereits in vorkapitalistischen Gesellschaften existiert haben. Die geschlechtsneutralen Kategorien des Marxismus reichen ihr zufolge nicht aus, um Geschlechterverh&#228;ltnisse zu analysieren und m&#252;ssen durch eigenst&#228;ndige Untersuchungen deren historischer Entwicklung erg&#228;nzt werden.<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a> Hartmann nimmt in Folge zwei Herrschafts- und Unterdr&#252;ckungsmechanismen – Kapitalismus und Patriarchat – an, die in ein Interaktionsverh&#228;ltnis treten und sich gegenseitig perpetuieren.<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a> Die Anwendung des Patriarchats-Konzepts soll das Augenmerk darauf richten, dass M&#228;nner als M&#228;nner &#252;ber Privilegien verf&#252;gen und gegen&#252;ber Frauen in einer Machtposition sind – und dies auch innerhalb der ArbeiterInnenklasse. Die Betonung der Notwendigkeit, &#252;ber die geschlechtsneutralen marxistischen Kategorien hinauszugehen, scheint vor dem Hintergrund der Defizite der Hausarbeitsdebatte gerechtfertigt. Wie Michéle Barrett vermerkt, tendiert der Dual-System Ansatz aber umgekehrt dazu, „im Marxismus lediglich eine Methode zur Identifizierung der zentralen Bestandteile der kapitalistischen Klassenstruktur zu sehen, und ihm jegliche F&#228;higkeit, diese auf der konkreten Ebene zu erkl&#228;ren, abzusprechen.“<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a> Dies wird offensichtlich, wenn Hartmann schreibt: „Die kapitalistische Entwicklung erzeugt die Positionen einer Hierarchie von ArbeiterInnen, aber traditionelle marxistische Kategorien k&#246;nnen uns nicht sagen, wer welche Pl&#228;tze einnimmt.“<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a> Wie sich Klassen- und Geschlechterverh&#228;ltnisse zueinander verhalten, bleibt so letztlich im analytischen Dunkeln. Der Dual-System Ansatz bietet also keine wirkliche L&#246;sung des Problems, wie Geschlechterverh&#228;ltnisse und Klassenvergesellschaftung zueinander in Beziehung zu setzen sind, an – zumindest keine marxistisch-feministische – sondern l&#228;sst uns in einen empiristischen Pluralismus zur&#252;ckfallen.</p>
<p><strong>Koloniale Verh&#228;ltnisse: Der Bielefelder Subsistenzansatz</strong><br />
Im deutschsprachigen Raum ist es vor allem die von einer Gruppe feministischer ForscherInnen aus Bielefeld<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a> entwickelte Subsistenzperspektive, welche die Debatte um das Verh&#228;ltnis von Produktion und Reproduktion nachhaltig beeinflusst/e. Die „BielefelderInnen“ gehen dabei nicht von werttheoretischen &#220;berlegungen aus, sondern setzen auf Ebene der Existenzbedingungen des kapitalistischen Systems in seiner Gesamtheit an. Dabei berufen sie sich auf Rosa Luxemburgs Imperialismustheorien, wonach Kapitalakkumulation nicht nur auf Warenproduktion und -handel, sondern immer auch auf der Ausbeutung von nicht- oder vor-kapitalisitschen Formationen, sogenannter „Naturalwirtschaft“ beruht<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a>. Werlhof, Mies und Bennholdt-Thompson wenden diesen Ansatz auf die Sph&#228;re der Hausarbeit an. Die kapitalistische Akkumukation beruhe einerseits auf Waren- andererseits aber auf Subsistenzproduktion, wobei zweitere als „Lebensproduktion“ die „urspr&#252;nglichere“ Form darstellt. Ihrem Anspruch nach ist diese urspr&#252;ngliche Form der Produktion zum Ausgangspunkt der Analyse zu machen.<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a><br />
Im Zusammenhang mit ihrer Auseinandersetzung mit globalen Nord-S&#252;dbeziehungen er&#246;ffnen sie eine Analogie zwischen kolonialen Ausbeutungsverh&#228;ltnissen und der Ausbeutung der h&#228;uslichen Sph&#228;re. Das Verh&#228;ltnis zwischen M&#228;nnern und Frauen l&#228;sst sich ihnen zufolge damnach als ein koloniales verstehen<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a>: „Die Frau“ und ihre Arbeit wird als gleichsam selbstverst&#228;ndlich verf&#252;gbare „nat&#252;rliche Ressource“ ausgebeutet. Diese Abdr&#228;ngung von Frauen in die Sph&#228;re der Natur und des Verf&#252;gbaren, beruht, wie Werlhof betont, auf &#246;konomischem Kalk&#252;l.<a title="anm_41" name="anm_41" href="#anm41"><sup>41</sup></a> Werlhof zeigt zugleich, wie die Vergeschlechtlichung bestimmter Formen der Lohnarbeit mit einer Entwertung scheinbar geringe Qualifikationen erfordernder und mit geringem Aufwand verbundener, als „weiblich“ wahrgenommener Arbeiten einhergeht. Die Prozesse der Entwertung und Pr&#228;karisierung von vor allem im Dienstleistungssektor verrichteten Arbeiten beschreibt sie als „Hausfrauisierung.<a title="anm_42" name="anm_42" href="#anm42"><sup>42</sup></a> Sie legt damit das Augenmerk darauf, dass diese Arbeiten nicht per se weniger wert sind, sondern sich die geringere Entlohnung erst auf Basis einer k&#252;nstlichen Herabsetzung ergibt. Die empirische Weiterf&#252;hrung der Hausfrauisierungsthese, in der behauptet wird, dass „hausfrauisierte“ Arbeit, sprich billige, prek&#228;re, entwertete- bzw. auch Subsistenzarbeit, die „freie Lohnarbeit“ zunehmend marginalisiere und ersetze, f&#252;hrt jedoch zu gr&#246;beren analytischen Problemen, da sie zwischen verschiedenen Organisationsformen von Lohnarbeit nicht hinreichend differenziert und damit auf der Pr&#228;misse aufbaut, Lohnarbeit m&#252;sse die Form von „Normalarbeitsverh&#228;ltnissen“ annehmen.<a title="anm_43" name="anm_43" href="#anm43"><sup>43</sup></a></p>
<p><strong>Das Problem mit den Abstraktionsebenen</strong><br />
Vor dem Hintergrund des bisher Dargestellten, lassen sich eine Reihe bedeutender Einw&#228;nde gegen die geteilten Hintergrundannahmen der Debatten um Hausarbeit erheben: Als erstes Problem l&#228;sst sich konstatieren, dass schon der Versuch, Hausarbeit auf Ebene der kapitalistischen Produktionsweise in der Marxschen Theorie unterzubringen, problematisch ist. Denn wenn Hausarbeit nicht (zu einem Gro&#223;teil) kommodifiziert und folglich nicht dem Wertgesetz unterworfen ist, kann sie nicht einfach mit jenen Begriffen, die zur Analyse des Lohnarbeitsverh&#228;ltnisses entwickelt wurden, gefasst werden. Paul Smith res&#252;miert, dass im Gro&#223;teil der Hausarbeitsdebatte Marxsche Kategorien falsch angewendet werden: „Hausarbeit ist nicht problematisch f&#252;r die Marxsche Werttheorie, weil sie nicht Teil ihres Gegenstandes, n&#228;mlich von Warenproduktion- und Tausch, ist.“<a title="anm_44" name="anm_44" href="#anm44"><sup>44</sup></a> Die Frage, ob Hausarbeit kapitalistischen oder nicht-kapitalistischen Charakters ist, scheint vor dem Hintergrund dieser Einw&#228;nde falsch gestellt. Sie ist, wenn sie nicht kommodifiziert ist auch nicht als Teil der kapitalistischen Produktionsweise zu analysieren, doch wird sie in kapitalistischen Gesellschaften auf verschiedene Arten und Weisen organisiert. Die kapitalistische Produktionsweise, deren Strukturen und Tendenzen Marx im Kapital beschreibt, ist ein abstraktes theoretisches Objekt, das, einem Ausspruch Althussers nach, genau genommen nie existiert. Der Anspruch, auf dieser Abstraktionsebene bereits die vergeschlechtlichte Dimension kapitalistischer Gesellschaften erkl&#228;ren zu k&#246;nnen, ist zumindest fragw&#252;rdig. Ein Wechsel auf Ebene historisch spezifischer Gesellschaftsformationen, scheint f&#252;r das Unterfangen, die<br />
Bedeutung von Geschlechterverh&#228;ltnissen f&#252;r die Organisation von Lohnarbeit, Warenproduktion und gesamtgesellschaftlicher Reproduktion (in ihren jeweils historisch spezifischen Konfigurationen) zu untersuchen, zielf&#252;hrender.<br />
<em>Zweitens</em> wird Reproduktionsarbeit von den meisten AutorInnen der Hausarbeitsdebatte als relativ statischer Faktor in die Analyse der kapitalistischen Produktionsweise einbezogen.<a title="anm_45" name="anm_45" href="#anm45"><sup>45</sup></a> Ein Wechsel auf Ebene der Gesellschaftsformation l&#228;sst demgegen&#252;ber die historischen Ver&#228;nderungen der Organisation von Hausarbeit in den Blick kommen. Es ist keineswegs ausgemacht, dass diese im Kapitalismus tats&#228;chlich immer privatisiert sein muss<a title="anm_46" name="anm_46" href="#anm46"><sup>46</sup></a>. Coulson, Magaš und Wainwright gehen von einer grunds&#228;tzlichen Instabilit&#228;t des Haushalts und der b&#252;rgerlichen Kleinfamilie aus. So hat der in bestimmten historischen Konjunkturen notwendige Einzug von Frauen in den Arbeitsmarkt f&#252;r diese widerspr&#252;chliche Auswirkungen: „Er erweitert die M&#246;glichkeit &#246;konomischer Unabh&#228;ngigkeit, ohne dass diese g&#228;nzlich oder dauerhaft erreichbar wird, er vermindert die Zeit f&#252;r Hausarbeit, ohne eine alternative Basis daf&#252;r zur Verf&#252;gung zu stellen, er zerbricht die Isolation von Frauen, ohne die Last ihrer privaten Verpflichtungen zu mindern.“<a title="anm_47" name="anm_47" href="#anm47"><sup>47</sup></a> Zugleich erm&#246;glicht die &#252;ber die Warenproduktion vermittelte Einf&#252;hrung neuer Technologien in den Haushalt eine Verminderung der Intensit&#228;t der Hausarbeit, womit f&#252;r Hausfrauen das Dr&#228;ngen nach einer unabh&#228;ngigen &#246;konomischen und sozialen Existenz zu einer verwirklichbaren Option wird. Ebenso k&#246;nnen kapitalistische Unternehmen oder der Staat Teile der traditionell den Hausfrauen &#252;berantworteten Aufgaben &#252;bernehmen.<a title="anm_48" name="anm_48" href="#anm48"><sup>48</sup></a> „Weit davon entfernt eine autonome Entit&#228;t zu sein, werden der Arbeitsprozess und die sozialen Verh&#228;ltnisse der Hausarbeit von Ver&#228;nderungen der &#246;konomischen Organisation der dominanten Produktionsverh&#228;ltnisse beeinflusst.“<a title="anm_49" name="anm_49" href="#anm49"><sup>49</sup></a><br />
<em>Drittens</em> ist die der gesamten Hausarbeitsdebatte zu Grunde liegende Pr&#228;misse “Frau = Hausfrau” verk&#252;rzt, insofern das „Familienern&#228;hrermodel“ mit „Vollzeithausfrau“ keineswegs den Normalfall der Organisation von Geschlechterverh&#228;ltnissen im Kapitalismus darstellt. Um die besondere Situation von Frauen im Kapitalismus zu fassen, scheint es sinnvoller, von der widerspr&#252;chlichen Konstellation auszugehen, dass Frauen „zugleich Hausfrauen und LohnarbeiterInnen sind, dass diese beiden Aspekte ihres Lebens in keinster Weise harmonisch zusammengehen und dass diese doppelte und widerspr&#252;chliche Rolle die spezifische Dynamik ihrer Unterdr&#252;ckung generiert.”<a title="anm_50" name="anm_50" href="#anm50"><sup>50</sup></a> Die Bedeutung geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung f&#252;r kapitalistische Vergesellschaftung ist demnach eher in dieser doppelten Beziehung von Frauen zur Klassenstruktur, als in der Hausarbeit selbst, zu suchen.<a title="anm_51" name="anm_51" href="#anm51"><sup>51</sup></a><br />
<em>Viertens</em> ist, selbst wenn gezeigt werden k&#246;nnte, dass Hausarbeit in einem eindeutig spezifizierbaren Verh&#228;ltnis zur kapitalistischen Warenproduktion steht, damit immer noch nicht &#252;ber die Gr&#252;nde asymmetrischer Geschlechterverh&#228;ltnisse Rechenschaft abgelegt. Auch wenn sich eine bestimmte Form geschlechtsspezifische Arbeitsteilung als funktional f&#252;r das Kapital erweist, sind ihr Zustandekommen und die Mechanismen ihrer Aufrechterhaltung damit noch nicht erkl&#228;rt. Die Funktionen eines Prozesses stellen einfach keinen zul&#228;ssigen Erkl&#228;rungsgrund f&#252;r dessen Existenz dar. Obschon etwa Beechey die Funktionalit&#228;t verbilligter weiblicher Arbeit f&#252;r das Kapital darstellt, streicht sie heraus, dass sich diese erst auf Basis von Familienstrukturen und Ideologien, welche die &#246;konomische Abh&#228;ngigkeit der Frauen von ihren Ehem&#228;nnern sicherstellen, ergeben kann.<a title="anm_52" name="anm_52" href="#anm52"><sup>52</sup></a> Auch der Subsistenzansatz zeigt, dass sich die Bedeutung eines privatisierten Hausarbeitssektors f&#252;r die Fortsetzung der urspr&#252;nglichen Akkumulation erst unter Bedingung dessen nichtkommodifizierten Charakters ergibt. Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist also ihrer Nutzbarmachung vom und f&#252;r das Kapital vorausgesetzt und kann nicht selbst aus dieser heraus erkl&#228;rt werden.<br />
<em>F&#252;nftens</em> waren auch die politischen Implikationen der Hausarbeitsdebatte fragw&#252;rdig. Die dominanten Argumentationsmuster zwangen dazu, sich zu entscheiden, ob M&#228;nner (Delphy) oder das Kapital (Secombe, Harrisson) die prim&#228;ren Nutznie&#223;er der von Frauen verrichteten Hausarbeit sind. W&#228;hrend erstere Position zu politischem Seperatismus f&#252;hrt<a title="anm_53" name="anm_53" href="#anm53"><sup>53</sup></a>, ist zweitere mit dem zweifelhaften Vorhaben verbunden, zu zeigen, dass Frauen qua Frausein vom Kapital ausgebeutet werden, wodurch die K&#228;mpfe von Frauen einfach unter die Anliegen der ArbeiterInnenbewegung subsumiert wurden. Mit der Reduktion von Geschlechterverh&#228;ltnissen auf ihre &#246;konomische Dimension wurde schlicht unterschlagen, dass sich Feminismen um eine Reihe unabh&#228;ngiger Konfliktfelder formieren und sich prim&#228;r gegen ein Herrschaftsverh&#228;ltnis richten, das eben nicht direkt aus dem Kapitalverh&#228;ltnis entspringt.<br />
Eine der direkten politischen Konsequenzen Dalla Costas These von der Produktivit&#228;t der Hausarbeit war die Forderung nach einem Lohn f&#252;r Hausarbeit. Diese Forderung ist jedoch eher dazu angetan, den Einschluss von Frauen ins Private zu verstetigen, als die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung abzuschaffen. Auch die Idealisierung der Gebrauchswertproduktion, die im Subsistenzansatz anzutreffen ist, der positive, romantisierende Bezug zu einem „nat&#252;rlichen“ Leben, indem sich die Frauen ihrer Geb&#228;rf&#228;higkeit erfreuen d&#252;rfen und gerade so viel produziert wie konsumiert wird, d&#252;rfte wohl kaum zu einer Entwicklung progressiver feministisch-marxistischer Politik beitragen.<br />
Trotz all dieser Einw&#228;nde war das Projekt, den Grundlagen geschlechtsspezifischer Ungleichheit durch eine Kl&#228;rung der Rolle geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung im Kapitalismus nachzugehen, ein Schritt in die richtige Richtung. Marxistisch-feministische Perspektiven auf asymmetrische Geschlechterverh&#228;ltnisse m&#252;ssen jedoch auf Ebene des kapitalistischen Gesamtprozesses und einer Analyse konkreter historisch spezifischer Gesellschaftsformationen ansetzen, um die reduktionistischen Kurzschl&#252;sse der Hausarbeitsdebatte zu vermeiden. Dies bedeutet zugleich, eine Problemverschiebung vorzunehmen und statt von abstrakt gefasster „Hausarbeit“, von Geschlechterverh&#228;ltnissen zu sprechen: es ist dann nicht mehr die Frage nach der Rolle der Reproduktionsarbeit, sondern die Frage nach den Mechanismen und der Bedeutung der <em>Zuweisung </em>von Reproduktionsarbeit <em>an Frauen</em>, welche ins Zentrum marxistisch-feministischer Theoriebildung tritt. Die Bearbeitung dieser Frage macht es erforderlich, dass die ideologischen und politischen Bedingungen und Effekte dieser Zuweisung, die Ausschlussmechanismen am Arbeitsmarkt, die historisch ver&#228;nderlichen Familienstrukturen und die Rolle des Staates bei deren Organisation mit einbezogen werden.</p>
<p><strong<Von der Hausarbeit zur Ideologie</strong><br />
Die Reflexion und Aneignung neomarxistischer Arbeiten durch marxistisch-feministische TheoretikerInnen in den 80er Jahren erm&#246;glichte es diesen, &#252;ber die Hausarbeitsdebatte hinauszugehen und eben diese Frage in nicht-reduktionistischen Begriffen zu stellen.<br />
Michèle Barretts wegweisende Arbeit <em>Das unterstellte Geschlecht. Umrisse eines materialistischen Feminismus</em><a title="anm_54" name="anm_54" href="#anm54"><sup>54</sup></a> stellt den Versuch dar, „Frauenunterdr&#252;ckung“ im Kapitalismus nicht alleine &#252;ber die Frage der Reproduktionsarbeit, sondern unter Einbeziehung politischer und historischer Auseinandersetzungen zu erkl&#228;ren, wobei sie in Anlehnung an Althussers Gesellschaftskonzeption<a title="anm_55" name="anm_55" href="#anm55"><sup>55</sup></a> vor allem ideologische Aspekte stark macht.<br />
Barrett r&#228;umt zun&#228;chst mit einigen Begriffsproblemen, welche die Debatten um das Verh&#228;ltnis von Kapitalismus und Geschlecht bestimmt hatten, auf. Zun&#228;chst geht sie auf die analytischen Schwierigkeiten ein, die der Patriachtsbegriff mit sich bringt, wenn er im Sinne eines &#252;berhistorischen, allumfassenden Prinzips verwendet wird<a title="anm_56" name="anm_56" href="#anm56"><sup>56</sup></a>. Sowohl Ans&#228;tze, in denen Kapitalismus und Patriachat als sich gegen&#252;berstehende Systeme beschrieben werden, als auch solche, in denen der Kapitalismus <em>als</em> Patriachat charakterisiert wird, scheitern daran, geschlechtsspezifische Ungleichheit in Bezug auf spezifische Produktionsverh&#228;ltnisse zu analysieren<a title="anm_57" name="anm_57" href="#anm57"><sup>57</sup></a>. Barrett pl&#228;diert daf&#252;r, den monolithischen Patriarchatsbegriff durch eine Analyse spezifischer patriarchaler Ideologien und Strukturen zu ersetzen. Des Weiteren befasst sie sich mit den verschiedenen Verwendungen des Reproduktionsbegriffs, wobei f&#252;r sie das Verwischen der Ebenen von Reproduktion der Arbeitskraft, biologischer Reproduktion und Reproduktion gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse f&#252;r viele Missverst&#228;ndnisse in der Hausarbeitsdebatte mitverantwortlich ist<a title="anm_58" name="anm_58" href="#anm58"><sup>58</sup></a>. In ihrer Auseinandersetzung mit dem Ideologiebegriff stellt Barrett einen Zusammenhang zwischen den Versuchen der Herausarbeitung eines marxistischen Feminismus und der so genannten „&#214;ffnung des Marxismus“ her: „Die Ablehnung des &#214;konomismus hat zu einer radikalen Priorit&#228;tenverschiebung des Ideologischen gef&#252;hrt, in dem die Frage der Geschlechtertrennung angesiedelt werden kann. Im neuen Marxismus wird es m&#246;glich, die Frauenunterdr&#252;ckung als relativ autonomes Element der Gesellschaftsformation zu analysieren.“<a title="anm_59" name="anm_59" href="#anm59"><sup>59</sup></a> Die Priorit&#228;tenverschiebung zu Gunsten des Ideologischen soll jedoch nicht zu einer rein diskurstheoretischen Bearbeitung der Frage nach Geschlechterverh&#228;ltnissen f&#252;hren. Die Bedeutung des Ideologischen muss Barrett zufolge in einer historisch-materialistischen Analyse der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung herausgearbeitet werden.</p>
<p><strong>Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und Familialismus</strong><br />
Die zugrunde liegende Annahme der Hausarbeitsdebatte, dass geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zun&#228;chst als Arbeitsteilung innerhalb der Familie analysiert werden muss, wird von Barrett auf Basis einer historischen Untersuchung des <em>Familien-Haushaltssystems</em> reformuliert. Die spezifische Form der b&#252;rgerlichen Kleinfamilie wird damit selbst zu einem erkl&#228;renswerten Faktum.<a title="anm_60" name="anm_60" href="#anm60"><sup>60</sup></a> Barrett geht von der Situation der meisten Frauen der ArbeiterInnenklasse in Europa und den USA aus, die sowohl Hausarbeit als auch Lohnarbeit verrichten, wobei sie im Lohnarbeitssektor &#252;berproportional in bestimmten Sparten arbeiten: B&#252;roarbeit, Verkauf, Reinigung, Textilarbeiter, Pflege und Schule. Diese Arbeiten sind nicht nur alle mit den T&#228;tigkeiten im Haushalt assoziiert, sie sind auch unterbezahlt und gehen h&#228;ufig mit prek&#228;ren oder Teilzeitarbeitsverh&#228;ltnissen einher.<a title="anm_61" name="anm_61" href="#anm61"><sup>61</sup></a> Barrett verwehrt sich gegen Erkl&#228;rungsmodelle, die Frauen auf Grund ihrer biologischen Disposition (Geb&#228;rf&#228;higkeit) f&#252;r solche Aufgaben pr&#228;destinieren. Vom Kinderkriegen auf eine „nat&#252;rliche“ Kleinfamilie zu schlie&#223;en, sei wie von der Notwendigkeit zu Essen auf nat&#252;rlich gewachsene Restaurants und Superm&#228;rkte zu kommen<a title="anm_62" name="anm_62" href="#anm62"><sup>62</sup></a>.<br />
Sie f&#252;hrt zwei Argumente an, um die Zuweisung von Frauen zu Familie und reproduktiven Arbeiten zu erkl&#228;ren. Erstens ein historisches, das die Abdr&#228;ngung von Frauen vom Arbeitsmarkt mit den Klassenauseinandersetzungen im 19.Jahrhundert in Verbindung bringt. Die Entwicklungen, die zur Durchsetzung des b&#252;rgerlichen Familiensystems in der ArbeiterInnenklasse f&#252;hrten, sind nicht direkt auf die Entwicklung der Produktivkr&#228;fte r&#252;ckf&#252;hrbar, die Frauen ja zun&#228;chst in den Lohnarbeitsprozess hineingezogen hat, sondern eher auf politischer Ebene anzusiedeln. Es war unter anderem die Politik der Facharbeitergewerkschaften in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die Frauen nicht aufnahmen und sich f&#252;r den Familienlohn und „protective legislation“<a title="anm_63" name="anm_63" href="#anm63"><sup>63</sup></a> einsetzten, welche zur Durchsetzung der „Familie“ als privatisierten Bereich der Reproduktionsarbeit beitrug.<a title="anm_64" name="anm_64" href="#anm64"><sup>64</sup></a><br />
Zweitens argumentiert sie, dass die Durchsetzung des b&#252;rgerlichen Familien-Haushaltssystems im Proletariat auch den KapitalistInnen entgegenkommt und zwar nicht, wie in der Hausarbeitsdebatte angenommen, prim&#228;r im &#246;konomischen Sinn<a title="anm_65" name="anm_65" href="#anm65"><sup>65</sup></a>, sondern vielmehr in politischer Hinsicht, weil „[es] die ArbeiterInnenklassse spaltet und ihre Militanz einschr&#228;nkt.“<a title="anm_66" name="anm_66" href="#anm66"><sup>66</sup></a> Zugleich erf&#252;llt die Familie eine wesentliche Funktion bei der gesellschaftlichen Widerspruchsbearbeitung, da sie einen gesch&#252;tzten Ort der F&#252;rsorge und Intimit&#228;t darstellt, der als Gegenpol zu den durchkapitalisierten Beziehungen der „Au&#223;enwelt“ erscheint. &#196;hnlich hatte schon Dalla Costa argumentiert, dass die Hausfrau als ein „Sicherheitsventil f&#252;r die gesellschaftlichen Spannungen“<a title="anm_67" name="anm_67" href="#anm67"><sup>67</sup></a> dient.<a title="anm_68" name="anm_68" href="#anm68"><sup>68</sup></a><br />
Barrett scheint jedoch davon auszugehen, dass sich das von der Bourgeoisie vorgelebte Modell vom Familienern&#228;hrer und der gl&#252;cklichen Hausfrau und Mutter in den K&#246;pfen der Frauen der ArbeiterInnenklasse auf mysteri&#246;se Art und Weise festsetzt, und zwar obwohl dieses eigentlich nie zur proletarischen Lebensrealit&#228;t wurde.<a title="anm_69" name="anm_69" href="#anm69"><sup>69</sup></a><br />
Erst in dem zwei Jahre sp&#228;ter erschienen Buch von McIntosh und Barrett <em>The Anti-Social Family</em><a title="anm_70" name="anm_70" href="#anm70"><sup>70</sup></a> besch&#228;ftigen diese sich auch mit der Frage, warum das Familien-Modell, das nicht nur Frauen benachteiligt, sondern auch die ArbeiterInnenklasse als Ganzes schw&#228;cht, sich so hartn&#228;ckig h&#228;lt und immernoch f&#252;r viele Frauen erstrebenswert erscheint. Dies kann f&#252;r sie nicht auf b&#252;rgerlicher Propaganda, im Sinne „falschen Bewusstseins“, begr&#252;ndet sein. „Wenn wir Familialismus als Ideologie verstehen, brauchen wir eine Ideologietheorie, welche die Menschen als aktiv Beteiligte und nicht nur als passive KonsumentInnen einbezieht.”<a title="anm_71" name="anm_71" href="#anm71"><sup>71</sup></a> Die „Familie“ befriedigt Bed&#252;rfnisse, wie das nach emotionaler Sicherheit, die sonst im Kapitalismus nicht abgedeckt werden<a title="anm_72" name="anm_72" href="#anm72"><sup>72</sup></a>. Dar&#252;ber hinaus tr&#228;gt die scheinbare „Nat&#252;rlichkeit“ der Kleinfamilie zur Attraktivit&#228;t dieses Lebensmodells bei<a title="anm_73" name="anm_73" href="#anm73"><sup>73</sup></a>. Weiters sei das Familienideal schon soweit in die Konzeption des Staates in Form sozialstaatlicher Einrichtungen eingedrungen, dass dieser selbst als „familial“ zu bezeichnen sei<a title="anm_74" name="anm_74" href="#anm74"><sup>74</sup></a>. Obwohl Barrett den Anspruch stellt, Geschlechterverh&#228;ltnisse als Resultat historischer Auseinandersetzungen zu thematisieren, weisen ihre Argumente bedeutende Schwachstellen auf – im Bezug auf die historischen Analysen einerseits, ihr Ideologieverst&#228;ndnis andererseits. So kritisieren Joanna Brenner und Maria Ramas<a title="anm_75" name="anm_75" href="#anm75"><sup>75</sup></a>die Darstellung der m&#228;nnlichen Facharbeitergewerkschaft, welche ein homogenes Bild der Klassenk&#228;mpfe und der Gewerkschaftspolitik zeichnet. Sie zeigen demgegen&#252;ber, dass es auch innerhalb der Gewerkschaften verschiedene Fraktionen gab, die unterschiedliche Positionen einnahmen und sich demnach teils f&#252;r, teils gegen Frauen am Arbeitsplatz einsetzten<a title="anm_76" name="anm_76" href="#anm76"><sup>76</sup></a>. Insgesamt seien die Ausschlusspraxen der Facharbeitergewekschaft st&#228;rker durch die Konkurrenz von Facharbeiter- zu ungelernten Arbeiter-Organisationen bestimmt gewesen<a title="anm_77" name="anm_77" href="#anm77"><sup>77</sup></a>, als durch Ausschl&#252;sse entlang der Kategorie Geschlecht.<br />
Barretts Ausf&#252;hrungen sind dar&#252;ber hinaus auch von einer bestimmten Vorstellung von Ideologie gepr&#228;gt, welche diese weniger als (umk&#228;mpfte) Organisationform von Welterfahrung- und erkl&#228;rung bestimmt, denn als Konvolut vorherbestimmter Ideen, die quasi von Au&#223;en auf die gesellschaftlichen Akteure einwirken, oder „von oben“ implementiert werden. Dies zeigt sich erstens an ihrer Einsch&#228;tzung der „Schutzgesetze“, die Frauen ab der Mitte des 19. Jhd. aus den Fabriken dr&#228;ngten. Diese werden von ihr einfach als „Produkt einer Ideologie der Geschlechtertrennung“<a title="anm_78" name="anm_78" href="#anm78"><sup>78</sup></a> angesehen. Dass die Schutzgesetze mitunter auch realen Interessen der ArbeiterInnen entsprachen, geht nicht in ihre Darstellung deren Durchsetzung mit ein<a title="anm_79" name="anm_79" href="#anm79"><sup>79</sup></a>. Zweitens bestimmt diese Vorstellung einer abstrakten und nicht mit den realen gesellschaftlichen Prozessen verbundenen Ideologie auch Barretts Thesen zum Sozialstaat, von dem angenommen wird, er verk&#246;rpere den Familialismus, ohne dass gezeigt wird, welche und wessen Interessen (der Herrschenden wie der Beherrschten) in staatlichen Ma&#223;nahmen ausgedr&#252;ckt werden und wie der Staat zugleich als Herrschaftsinstrument und Organisator von Kompromissen wirksam ist.<br />
So bleibt auch Barretts Vorstellung von Gender-Ideologie und vergeschlechtlichter Sozialisierung abstrakt und &#228;u&#223;erlich. Sie beschreibt z.B. die &#220;bernahme von Geschlechteridentit&#228;ten &#252;ber eine allgemeine „Ideologie des Familienlebens“ <a title="anm_80" name="anm_80" href="#anm80"><sup>80</sup></a> und nicht als in konkreten Familien erlernt. “Sie behandelt die &#220;bernahme von Gender-Ideologie als relativ passive Internalisierung einer bereits definierten Menge von Vorstellungen &#252;ber M&#228;nner und Frauen, die auf Ebene der ‚Kultur’ existiert.” <a title="anm_81" name="anm_81" href="#anm81"><sup>81</sup></a><br />
Was Barrett also unsichtbar macht, ist, dass die Verallgemeinerung bestimmter Formen des Selbst- und Weltverst&#228;ndnisses nicht automatisch und reibungsfrei geschieht, sondern sich auf gelebte Erfahrungen beziehen und von den Menschen aktiv &#252;bernommen und angeeignet werden muss. Ideologie ist kein abstraktes Ideenb&#252;ndel, sondern ein Terrain gesellschaftlicher K&#228;mpfe um die Deutungs- und Erkl&#228;rungsmuster, welche die Interpretation realer Erfahrungen und die Organisation von Interessen anleiten. Auch die familiale Ideologie stellt demnach eine Form der Erkl&#228;rung von und Antwort auf reale Erfahrungen dar. Sie wird nicht vom B&#252;rgertum in die K&#246;pfe der Subalternen gesetzt, sondern entsteht in deren aktiver Auseinandersetzung mit ihren Lebensrealit&#228;ten. Erst ein solches Ideologie-Konzept, macht Barretts Analysen auch f&#252;r aktuelle Untersuchungen von Geschlechterregimen z.B. im Post-Fordismus anschlussf&#228;hig.<a title="anm_82" name="anm_82" href="#anm82"><sup>82</sup></a></p>
<p><strong>Ohne theoretische Letztversicherung: Zum Verh&#228;ltnis von Marxismus und Feminismus</strong><br />
Barretts Analysen zeigen die M&#246;glichkeit auf, dass ein marxistisches Begriffsinstrumentarium nicht alleine die Struktur kapitalistischer Gesellschaften explizieren, sondern auf Basis ideologietheoretischer Argumente auch dazu beitragen kann, die geschlechtsspezifische Zuweisung der Individuen auf die Positionen in dieser Struktur zu erkl&#228;ren und sich auf Ebene der Analyse konkreter Gesellschaftsformationen mit feministischen Fragestellungen nach der Konstitution geschlechtsspezifischer Identit&#228;t, nach Sexualit&#228;t und kultureller Repr&#228;sentation verbinden l&#228;sst. Es bleibt zu fragen, was daraus f&#252;r das Verh&#228;ltnis von Marxismus und Feminismus zu lernen ist?<br />
Barretts Analysen zeigen die M&#246;glichkeit auf, dass ein marxistisches Begriffsinstrumentarium nicht alleine die Struktur kapitalistischer Gesellschaften explizieren, sondern auf Basis ideologietheoretischer Argumente auch dazu beitragen kann, die geschlechtsspezifische Zuweisung der Individuen auf die Positionen in dieser Struktur zu erkl&#228;ren und sich auf Ebene der Analyse konkreter Gesellschaftsformationen mit feministischen Fragestellungen nach der Konstitution geschlechtsspezifischer Identit&#228;t, nach Sexualit&#228;t und kultureller Repr&#228;sentation verbinden l&#228;sst. Es bleibt zu fragen, was daraus f&#252;r das Verh&#228;ltnis von Marxismus und Feminismus zu lernen ist?<br />
Das Scheitern der Hausarbeitsdebatte f&#252;hrt klar vor Augen, dass Marxismus und Feminismus kein einheitliches Theoriegeb&#228;ude konstituieren, das eine reibungslose politische Zusammenf&#252;hrung, ein gleichsam nat&#252;rliches Hand-in-Hand marxistischer und feministischer Politiken garantieren k&#246;nnte. Dies scheint mit ein Grund daf&#252;r, dass die Suche nach einer theoretischen Begr&#252;ndung der Einheit von Marxismus und Feminismus Ende der 80er abgerissen ist. Zu Recht. Denn die Verbindung von Marxismus und Feminismus ist nichts, das sich theoretisch herleiten l&#228;sst, sondern muss politisch gewollt und bef&#246;rdert werden.<br />
Bedauerlicherweise ist diese politische Anstrengung in den letzten zwanzig Jahren ausgeblieben und so sind die Entwicklungen im Gro&#223;teil der feministischen und marxistischen Forschung fast g&#228;nzlich getrennt voneinander verlaufen<a title="anm_83" name="anm_83" href="#anm83"><sup>83</sup></a>, obwohl gerade die Weiterentwicklung ideologietheoretischer Argumente im Zuge diverser Rezeptionswellen Gramscis und Althussers Arbeiten der marxistischen Theoriebildung die T&#252;ren zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit Geschlechterverh&#228;ltnissen ge&#246;ffnet h&#228;tte.<br />
Der theoretische Ansatzpunkt einer solchen Auseinandersetzung – auch dies ist aus dem Scheitern der Hausarbeitsdebatte zu lernen – kann nicht in einer abstrakten, werttheoretischen Fragestellung bestehen, sondern muss in den je historisch spezifischen Regulations- und Reproduktionsformen kapitalistischer Vergesellschaftung gesucht werden: Es gibt keinen Kapitalismus in abstrakter Form. Marxistische Kapitalismuskritik ist immer auch Kritik der konkreten gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse und deren Regulierung in bestimmten Phasen und Entwicklungsweisen kapitalistischer Vergesellschaftung. Geschlechterverh&#228;ltnisse kommen auf Ebene der Konstitutionsbedingungen und Regulierungsformen dieser Entwicklungsweisen notgedrungen ins Spiel. Es bedarf jedoch der politischen Anstrengung, diese auch in explizit feministischer Absicht sichtbar und der Kritik zug&#228;nglich zu machen, statt sie in den Fu&#223;notenapparat abzuschieben, wo sie gegen das schlechte politische Gewissen helfen sollen.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Barrett, Michéle: Das unterstellte Geschlecht. Umrisse eines materialistischen Feminismus. Hamburg: Argument 1983, S.11<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> Beechey, Veronica: Some Notes on Female Wage Labour in Capitalist Production. In: Capital &#038; Class No.3, 1977. S.45-66, hier S.47<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> So argumentiert Margaret Benston, deren Artikel <em>Die politische &#214;konomie der Frauenbefreiung</em> den Auftakt zur Hausarbeitsdebatte im englischsprachigen Raum gab: „Die Wurzeln des sekund&#228;ren Status von Frauen sind in Wirklichkeit &#246;konomisch. (…) Frauen haben als Gruppe tats&#228;chlich ein bestimmtes Verh&#228;ltnis zu den Produktionsmitteln, und dieses ist anders als jenes von M&#228;nnern.“ Benston, Margaret: The Political Economy of Women’s Liberation. In: Monthly Review 21/4, 1969. S.13-27, hier S.13.<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Der Begriff „Frauenunterdr&#252;ckung“ erscheint im Lichte neuerer feministischer Forschung problematisch, da er Frauen viktimisiert und die Situation von Frauen als eine der unmittelbaren Unterjochung beschreibt. Die Komplexit&#228;t der sozialen (politischen, &#246;konomischen und ideologischen) Verh&#228;ltnisse, welche geschlechtsspezifische Herrschafts- und Ungleichheitsverh&#228;ltnisse organisieren, sowie die Praxen und Ideologien, durch welche geschlechtliche Identit&#228;ten allererst hergestellt werden, werden so unterschlagen. Wir benutzen den Begriff „Frauenunterdr&#252;ckung“ im Folgenden mit Vorbehalten und ausschlie&#223;lich, wenn wir ihn von anderen AutorInnen &#252;bernehmen.<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Engels, Friedrich: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. In: MEW Bd. 21, S.36- 84, hier S.68<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> so der Titel des 1978 erschienenen programmatischen Artikels von Claudia von Werlhof: Frauenarbeit: der blinde Fleck in der Kritik der politischen &#214;konomie, In: <em>Beitr&#228;ge zur feministischen Theorie und Praxis</em>, Heft 1, 1978.<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> vgl. Dalla Costa, Mariarosa/James, Selma: Die Macht der Frauen und der Umsturz der Gesellschaft. Berlin: Merve 1978. S.39f<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> vgl. Dalla Costa a.a.o. S. 40<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> vgl. Secombe, Wally: The Housewife and Her Labour Under Capitalism. In: New Left Review 1/83, 1974, S.3-24, hier S.6<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> Secombe a.a.o. S.8f<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> „Was dem Geldbesitzer auf dem Warenmarkt direkt gegen&#252;bertritt, ist in der Tat nicht die Arbeit, sondern der Arbeiter. Was letztrer verkauft, ist seine Arbeitskraft. (…) Die Arbeit ist die Substanz und das immanente Ma&#223; der Werte, aber sie selbst hat keinen Wert.“ Marx, Karl: Das Kapital Bd.1. MEW Bd. 23, S.559<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> vgl. Coulson, Margaret/Magaš, Branka/Wainwright, Hilary: ‘The Housewife and her Labour under Capitalism’ &#8211; A Critique. In: New Left Review I/89, 1975. S.59-71, hier S.62f<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> vgl. Coulson/Magaš/Wainwright a.a.o. S.65<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> Radikalfeministische Ans&#228;tze strebten vor allem eine autonome Organisierung von Frauen rund um ihre gemeinsame Interessen an.<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> vgl. Delphy, Christine: The Main Enemy. A Materialist Analysis of Women’s Oppression. Women’s Research and Resources Centre Publications, London: 1977, S.11 und S.15<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> vgl. Delphy a.a.o. S.13f<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> vgl. Delphy a.a.o. S.16<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> vgl. Molyneux, Maxine: Beyond The Domestic Labour Debate. In: New Left Review 1/116, 1979. S.3-27, hier S.7<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Harrisson, John: The Political Economy of Housework. In: Bulletin of the Conference of Socialist Economists 3/1, 1973. S.35-52, hier S.40<br />
<a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> vgl. Harrisson a.a.o. S.43<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Auch die Arbeitsprozesse der Warenproduktion sind zun&#228;chst konkrete, spezifische Arbeiten. Erst vermittelt durch den Tauschprozess werden sie auf ihr gemeinsames, abstrakte menschliche Arbeit, reduziert und so vergleichbar gemacht. Insofern unbezahlte Hausarbeit keine Produkte f&#252;r den Markt erzeugt, wird sie jedoch nicht zu abstrakter Arbeit. Dies &#228;ndert sich jedoch, wenn Reproduktionsarbeit in hohem Ma&#223;e kommodifiziert und als Dienstleistung am Markt getauscht wird.<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> vgl. Molyneux a.a.o. S.9 und Smith, Paul: Domestic Labour and Marx’s Theory of Value. In: Kuhn, Anette/Wolpe, AnnMarie: Feminism and Materialism. London: Routledge S.198-219, hier S.210f<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> vgl. Molyneux a.a.o. S.16f und S.20<br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> Andere AutorInnen argumentieren im Gegenteil, dass der Wert der Ware Arbeitskraft gerade durch den Eintritt von Frauen in den Arbeitsmarkt herabgesetzt wird: “Der Wert der Arbeitskraft wird gesenkt, wenn alle Familienmitglieder in die Lohnarbeit einsteigen, da die Kosten f&#252;r die Produktion und Reproduktion von Arbeitskraft auf die gesamte arbeitende Bev&#246;lkerung verteilt werden. Der Anteil des Arbeitstages, an dem der Arbeiter f&#252;r sich selbst arbeitet, wird verkleinert, und ein gr&#246;&#223;erer Mehrwert kann extrahiert werden.“ Beechey, Veronica a.a.o. S.52<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Molyneux a.a.o. S.10<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> Molyneux nennt das Angebot an verf&#252;gbarer Arbeitskraft, das Niveau des Klassenkampfes, die Akkumulationsrate, die Profitrate, das Verh&#228;ltnis von Abteilung I und Abteilung II und den Entwicklungsstand der Produktivkr&#228;fte als ausschlaggebende Faktoren, die in die Bestimmung des Werts der Ware Arbeitskraft eingehen, vgl. Molyneux a.a.o. S.10<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> Molyneux a.a.o. S.13<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> So schreibt Marx im <em>Kapital</em>: „Die best&#228;ndige Erhaltung und Reproduktion der Arbeiterklasse bleibt best&#228;ndige Bedingung f&#252;r die Reproduktion des Kapitals. Der Kapitalist kann ihre Erf&#252;llung getrost dem Selbsterhaltungs- und Fortpflanzungstrieb der Arbeiter &#252;berlassen. Er sorgt nur daf&#252;r, ihre individuelle Konsumtion m&#246;glichst auf das Notwendige einzuschr&#228;nken.“ Marx, Karl: Das Kapital. Bd.1. MEW Bd. 23, S. 597f. Dies sollte nicht dazu verleiten, die Frage der Reproduktion als blo&#223;e Privatsache oder Angelegenheit nat&#252;rlicher Bed&#252;rfnisse untheoretisiert zu lassen. Die Interessen des Kapitals sind jedoch nicht direkt auf eine vergeschlechtlichte Organisation der Reproduktion gerichtet und in verschiedenen historischen Konjunkturen demnach mit unterschiedlichen Regulierungsweisen der Reproduktion der ArbeiterInnenklasse kompatibel.<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> Barrett a.a.o. S.28<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> vgl. Barrett a.a.o. S.29f und Molyneux a.a.o. S.12<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> Barrett a.a.o. ebd.<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> Brenner, Johanna/Ramas, Maria: Rethinking Women’s Opression. In:New Left Review 1/144, 1984. S.33-71, hier S.34<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> vgl. Hartmann, Heidi: The Unhappy Marriage of Marxism and Feminism. In: McCann, Carole/Seung-Kyung, Kim: Feminist Theory Reader. Local and Global Perspectives. London: Routledge 2003. S.206-221, hier S.210f<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> Hartmann a.a.o. S.213f<br />
<a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> Barrett a.a.o. S. 123<br />
<a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> Hartmann a.a.o. S.214<br />
<a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> Arbeitsgruppe Bielefelder Entwicklungssoziologen (Hg.) (1979): Subsistenzproduktion und Akkumulation. Saarbr&#252;cken: Breitenbach.<br />
<a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> Vgl. Rosa Luxemburg, (1923): Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur &#246;konomischen Erkl&#228;rung des Imperialismus. Frankfurt/M.: Neue Kritik.<br />
<a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> Vgl. Andrea Baier: Subsistenzansatz. Von der Hausarbeit zur Bielefelder Subsistenzperspektive. In: Becker, Ruth/ Kortendiek, Beate: Handbuch zur Frauen- und Geschlechterforschung. 2. erw. und aktualisierte Aufl. VS Verlag f&#252;r Soziallwissenschaften.<br />
<a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> Werlhof, Claudia von / Mies, Maria / Bennholdt-Thomsen, Veronika (1983): Frauen, die letzte Kolonie. Reinbek: Rowohlt.<br />
<a title="anm41" name="anm41" href="#anm_41">41</a> Werlhof, Claudia von (1983): Zum Natur- und Gesellschaftsbegriff im Kapitalismus. In: Beitr&#228;ge zur feministischen Teorie und Praxis, S. 140-163.<br />
<a title="anm42" name="anm42" href="#anm_42">42</a> Werlhof, Claudia: Der Proletarier ist tot. Es lebe die Hausfrau. In Bennholdt-Thomsen et.al.: Frauen, die letzte Kolonie, Reinbek: Rowohlt 1983, S. 113-136.<br />
<a title="anm43" name="anm43" href="#anm_43">43</a> Siehe eine Kritik zur Hausfrauisierungsthese: Martin Birkner, K&#228;the Knittler: Ehekrise &#8211; zur Geschichte feministischer Marxkritik. In Grundrisse 02/02.<br />
<a title="anm44" name="anm44" href="#anm_44">44</a> Smith a.a.o. S.211<br />
<a title="anm45" name="anm45" href="#anm_45">45</a> So schlie&#223;t beispielsweise Secombe daraus, dass die Hausarbeit nicht dem Wertgesetz und damit der Notwendigkeit der Produktivit&#228;tssteigerung unterliegt, dass die im Haushalt verrichtete Arbeit stagniert, vgl. Secombe a.a.o. S.17.<br />
<a title="anm46" name="anm46" href="#anm_46">46</a> vgl. Barrett a.a.o. S.156f und Gardiner, Jean: Women’s Domestic Labour. In: New Left Review 1/89, 1975. S.56f<br />
<a title="anm47" name="anm47" href="#anm_47">47</a> Coulson/Magaš/Wainwright a.a.o. S.67<br />
<a title="anm48" name="anm48" href="#anm_48">48</a> vgl. Coulson,/Magaš/Wainwright a.a.o. S.62f<br />
<a title="anm49" name="anm49" href="#anm_49">49</a> Molyneux a.a.o. S.16<br />
<a title="anm50" name="anm50" href="#anm_50">50</a> Coulson/Magaš/Wainwright a.a.o. S.65<br />
<a title="anm51" name="anm51" href="#anm_51">51</a> So argumentiert etwa Veronica Beechey, dass nicht die Hausarbeit, sondern die Verf&#252;gbarkeit von verbilligter und dequalifizierter weiblicher Arbeitskraft eine ausschlaggebende Rolle in den Strategien von Kapitalseite, den Wert der Arbeitskraft zu reduzieren, spielt. Die besondere Bedeutung weiblicher Lohnarbeit ergibt sich dabei gerade aufgrund der doppelten Situation von Frauen, einerseits der Familie zugewiesen und &#246;konomisch abh&#228;ngig, zugleich aber aufgrund dieser Zuweisung zur Familie als „billige“ Arbeitskr&#228;fte f&#252;r das Kapital verf&#252;gbar zu sein, vgl. Beechey a.a.o. S. 54ff<br />
<a title="anm52" name="anm52" href="#anm_52">52</a> vgl. Beechey a.a.o. S.58ff<br />
<a title="anm53" name="anm53" href="#anm_53">53</a> Radikalfeministische politische Forderungen und Strategien f&#252;hrten unter anderem gerade aufgrund ihres Separatismus zu wichtigen Errungenschaften und bef&#246;rderten die K&#228;mpfe der Frauenbewegung. Es geht mithin nicht darum, die radikalfeministischer Interventionen per se zu diskreditieren, sondern lediglich darum, dass diese nicht dazu angetan sind, zur Entwicklung einer marxistisch-feministischen Politik beizutragen.<br />
<a title="anm54" name="anm54" href="#anm_54">54</a> Im Original: Barrett, Michèle (1980). Women´s Oppression Today. Problems in Marxist-feminist Analysis. London: Verso.<br />
<a title="anm55" name="anm55" href="#anm_55">55</a> Althusser Louis (1971): Ideology and ideological state apparatuses. In: Althusser Louis (Hrsg.): Lenin and philosophy and other essays. 1.Aufl., New Left Books, London, S. 170-186.<br />
<a title="anm56" name="anm56" href="#anm_56">56</a> Barrett, a.a.O., S.21<br />
<a title="anm57" name="anm57" href="#anm_57">57</a> Einige Beispiele in Kuhn, A./Wolpe, A. (Hrsg.). Feminism and Materialism. 1978. London: Routledge and Kegan Paul.<br />
<a title="anm58" name="anm58" href="#anm_58">58</a> Barett, a.a.O. S. 27 f<br />
<a title="anm59" name="anm59" href="#anm_59">59</a> Ebd. S. 35<br />
<a title="anm60" name="anm60" href="#anm_60">60</a> Barrett beststeht auf die Bezeichnung „Familien-Haushaltssystem“ um den ideologischen (Familienideologie) und sozialen (Organisation des Haushalts und Verwandschaftsbeziehungen) Aspekt der b&#252;rgerlichen Kleinfamilie auseinanderhalten zu k&#246;nnen. Barrett, a.a.O. S.176<br />
<a title="anm61" name="anm61" href="#anm_61">61</a> Barrett, a.a.O., S.140<br />
<a title="anm62" name="anm62" href="#anm_62">62</a> Barret, Michèle/McIntosh, Mary (1982). The Anti-Social Familiy. London: Verso. S. 35<br />
<a title="anm63" name="anm63" href="#anm_63">63</a> Hier bezieht sich Barret auf die <em>Ten Hour Bill</em> von 1847, die die Arbeitszeit von Frauen auf 10 Stunden t&#228;glich reduzierte und den <em>Mines Regulation Act</em> von 1842, der Frauen untersagte in unterirdischen Minen zu arbeiten.<br />
<a title="anm64" name="anm64" href="#anm_64">64</a> Barret, Michèle/McIntosh, Mary (1980). The `Family Wage`: Some Problems for Socialists and Feminists. In <em>Capital and Class</em>, 11, S.51-72.<br />
<a title="anm65" name="anm65" href="#anm_65">65</a> Vgl. Molyneux, a.a.O. S. 10f.<br />
<a title="anm66" name="anm66" href="#anm_66">66</a> Barrett, a.a.O., S.145<br />
<a title="anm67" name="anm67" href="#anm_67">67</a> Dalla Costa a.a.o. S.49<br />
<a title="anm68" name="anm68" href="#anm_68">68</a> Barrett, a.a.O., S.192<br />
<a title="anm69" name="anm69" href="#anm_69">69</a> Vgl. ebd. S. 179f<br />
<a title="anm70" name="anm70" href="#anm_70">70</a> Barrett, Michèle/McIntosh, Mary (1982). The Anti-Social Family. London: Verso.<br />
<a title="anm71" name="anm71" href="#anm_71">71</a> Ebd. S. 21<br />
<a title="anm72" name="anm72" href="#anm_72">72</a> Ebd S. 22f<br />
<a title="anm73" name="anm73" href="#anm_73">73</a> Ebd. S. 26<br />
<a title="anm74" name="anm74" href="#anm_74">74</a> Ebd. S. 29ff<br />
<a title="anm75" name="anm75" href="#anm_75">75</a> Brenner, Joanna/ Ramas, Maria (1984). Rethinkink Women´s Oppression. In New Left Review, 144, S. 33-71.<br />
<a title="anm76" name="anm76" href="#anm_76">76</a> Vgl.: Ward, John (1962). The Factory Movement 1830-1855. New York: MacMillan &#038; Co Ltd.<br />
<a title="anm77" name="anm77" href="#anm_77">77</a> Vgl: Probst, Philipp (2008). Stars and Strikes. In <em>Perspektiven </em>6, S.26-33<br />
<a title="anm78" name="anm78 href="#anm_78">78</a> Vgl Barret, Michèle/McIntosh, Mary (1980). The `Family Wage`. A.a.O S. 56<br />
<a title="anm79" name="anm79 href="#anm_79">79</a> Brenner beruft sich hier mehrfach auf: Hutchins, Barbara/Harrison, Amy (1903). A History of Factory Legislation. New York: Lenox Hill Pub.<br />
<a title="anm80" name="anm80 href="#anm_80">80</a> Barrett, a.a.O. S. 180<br />
<a title="anm81" name="anm81 href="#anm_81">81</a> Ebd. S. 69<br />
<a title="anm82" name="anm82 href="#anm_82">82</a> Siehe den Artikel von Katharina Hajek und Benjamin Opratko in diesem Heft.<br />
<a title="anm83" name="anm83 href="#anm_83">83</a> Obschon es zu einer Aneignung zentraler Thesen und Begriffe von Autoren des „Westlichen Marxismus“ (vor allem Gramsci, Althusser und Adorno) durch feministische TheoretikerInnen gekommen ist, gab es innerhalb der marxistischen Forschung kaum nennenswerte Versuche, sich der als idealistisch und radikalkonstruktivistisch verrufenen feministischen Theoriebildung zu &#246;ffnen oder auch eigenst&#228;ndige marxistisch-feministische Bearbeitungen dieser Fragestellungen zu wagen. Eine Ausnahme im deutschsprachigen Raum bilden die Arbeiten Frigga Haugs, die daf&#252;r pl&#228;diert „Geschlechterverh&#228;ltnisse als Produktionsverh&#228;ltnisse“ zu analysieren.</p>
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