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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Europäische Union</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Revolte in der Eurozone? Europ&#228;isches Krisenmanagement und Strategien des Widerstandes</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Mar 2012 08:27:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Diskussionsveranstaltung mit Thomas Sablowski
Dienstag, 20. M&#228;rz 2012
20 Uhr
HS1, NIG, Universit&#228;t Wien

Getragen von einem breiten B&#252;ndnis an Organisationen, Initiativen  und Einzelpersonen werden vom 17. bis zum 19. Mai in Frankfurt Tage des Protestes gegen das Krisenregime der Europ&#228;ischen Union  stattfinden. Mit Massenprotesten, Blockaden und Besetzungen soll ein klares Zeichen gegen die Verw&#252;stung Griechenlands und anderer L&#228;nder, gegen die Verarmung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Diskussionsveranstaltung mit Thomas Sablowski<br />
Dienstag, 20. M&#228;rz 2012<br />
20 Uhr<br />
HS1, NIG, Universit&#228;t Wien<br />
<span id="more-2456"></span></p>
<p>Getragen von einem breiten B&#252;ndnis an Organisationen, Initiativen  und Einzelpersonen werden vom 17. bis zum 19. Mai in Frankfurt Tage des Protestes gegen das Krisenregime der Europ&#228;ischen Union  stattfinden. Mit Massenprotesten, Blockaden und Besetzungen soll ein klares Zeichen gegen die Verw&#252;stung Griechenlands und anderer L&#228;nder, gegen die Verarmung und Entrechtung von Millionen und die faktische Abschaffung demokratischer Verfahren in der Folge von Beschl&#252;ssen der Troika (EZB, EU und IWF) gesetzt werden. An der europaweiten Mobilisierung f&#252;r diese Aktionstage wollen wir uns in Wien beteiligen. Deshalb laden wir dazu ein, gemeinsam &#252;ber die Ursachen der aktuellen (Euro-)Krise zu diskutieren und nach M&#246;glichkeiten f&#252;r einen breiten Widerstand gegen die Krisenpolitik der Herrschenden zu suchen.</p>
<p>Diskussionsveranstaltung mit:<br />
Thomas Sablowski (Dozent an der Universit&#228;t Frankfurt und<br />
Redakteur der Zeitschrift PROKLA)<br />
Renate (Redaktion der Zeitschrift grundrisse)</p>
<p>Wann: Dienstag, 20. M&#228;rz, 20 Uhr<br />
Wo: Hs. 1, Institut f&#252;r Politikwissenschaft, 2. Stock, Neues<br />
Institutsgeb&#228;ude (NIG), Universit&#228;tsstra&#223;e 7/2<br />
Unterst&#252;tzt von: grundrisse. zeitschrift f&#252;r linke theorie &#038; debatte, Prek&#228;rcafé, Perspektiven. Magazin f&#252;r linke Theorie und Praxis</p>
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		<title>Griechenland: &#8220;Diese Schulden haben Klassencharakter!&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 09:08:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ramin Taghian sprach in Athen mit Haris Triandafilidou, Mitglied der Jugendorganisation von Synaspismos und dem Aktivisten Giorgos Saliaris, &#252;ber die Krise in Griechenland, die Besetzung des Syntagma-Platzes und den Widerstand gegen die neoliberale Sparpolitik der griechischen Regierung.

Was sind eurer Meinung nach die Ursachen der Krise in Griechenland?
Haris: Die M&#228;r, dass Griechenland &#252;ber seine Verh&#228;ltnisse gelebt h&#228;tte, die L&#246;hne zu hoch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ramin Taghian</em> sprach in Athen mit <em>Haris Triandafilidou</em>, Mitglied der Jugendorganisation von <em><a href="http://www.syn.gr/en/in_deutsch.htm">Synaspismos </a></em>und dem Aktivisten <em>Giorgos Saliaris</em>, &#252;ber die Krise in Griechenland, die Besetzung des Syntagma-Platzes und den Widerstand gegen die neoliberale Sparpolitik der griechischen Regierung.<br />
<span id="more-2138"></span><br />
<em>Was sind eurer Meinung nach die Ursachen der Krise in Griechenland?</em></p>
<p>Haris: Die M&#228;r, dass Griechenland &#252;ber seine Verh&#228;ltnisse gelebt h&#228;tte, die L&#246;hne zu hoch waren und das der Grund f&#252;r die hohe Verschuldung sei, ist nicht wahr. Oft wird ja argumentiert, dass deswegen der griechische Kapitalismus nicht konkurrenzf&#228;hig sei. Aus meiner Sicht sind mehrere Punkte wichtig. Einerseits die weltweite Krise, die 2008 in den USA ausgebrochen ist. Ein weiterer Grund ist die Euro-Architektur an sich, also dass so viele unterschiedliche L&#228;nder unter einer W&#228;hrung existieren, es aber keine einheitliche Wirtschaftspolitik gibt. Das f&#252;hrt dazu, dass L&#228;nder wie Deutschland ohne Ende exportieren k&#246;nnen. Das sind immerhin 60 bis 70 Prozent der Exporte innerhalb der EU.<br />
Noch ein Problem ist, dass Griechenland zu extrem hohen Zinsen Kredite aufgenommen hat, um &#228;ltere Schulden abzubezahlen. Die europ&#228;ische Zentralbank (EZB) verleiht an Banken Geld zu einem Zinssatz von 1 Prozent. Diese wiederum verleihen das Geld an die jeweiligen Staaten mit sechs, sieben Prozent Zinsen weiter. Zu wenig thematisiert wurde ein weiterer Grund, weshalb die Staatskassen leer sind. Das Bankenrettungspaket entsprach etwa der H&#246;he der 110 Milliarden Euro, die jetzt das EU-Rettungsschirms vom letzten Jahr ausmachen. Im Prinzip ging also die Rettung der Banken auf Kosten der Gesellschaft, weil ja nicht nur der Staat, sondern die Gesellschaft daf&#252;r bezahlt.<br />
Die Ursachen liegen also einmal im internationalen kapitalistischen System, das in der neoliberalen Logik fu&#223;t, mit einem gro&#223;em Gewicht der Finanzm&#228;rkte, und der Europ&#228;ische Union mit ihrer Ausrichtung. Aber auch die konkreten Ma&#223;nahmen in Griechenland spielen eine Rolle. Als Griechenland dem Euro-Raum beigetreten ist, hatten wir zwischen 1997 und 2007 ein Wachstum von knapp 44 Prozent des BIP. Nat&#252;rlich wurde in diesen Zeiten nichts mit dem Geld angefangen, um z.B. &#252;ber Steuern irgendetwas in die Staatskassen zu bekommen. Stattdessen wurden Steuern auf gro&#223;e Unternehmen, Banken und andere Kapitalien gesenkt. Die Verschuldung blieb deshalb weiterhin auf 100 Prozent. Zus&#228;tzlich steht Griechenland an dritter oder vierter Stelle weltweit bei den R&#252;stungsausgaben im Verh&#228;ltnis zur Bev&#246;lkerung. Diese Schulden haben Klassencharakter!</p>
<p><em>Jetzt sind Sparpakete geplant. Wie hat sich die Krise konkret auf die Bev&#246;lkerung, auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen ausgewirkt?</em></p>
<p>Haris: Im letzten Jahr kam es zur Streichung des 13. und 14. Monatsgehalts. Gerade in den deutschen Medien galt das ja immer wieder als Beleg daf&#252;r, dass es den Griechen doch so gut gehe. In Griechenland werden aber extrem niedrige L&#246;hne gezahlt. Die Zusch&#252;sse zwei Mal pro Jahr gab es, damit das Ganze noch irgendwie aufgerechnet werden konnte. Wenn man sich &#252;berlegt, was eine normale Familie, die keine gro&#223;en Luxusausgaben hat, an Lebenshaltungskosten aufbringen muss, ist das schon krass. So sind die Lebensmittelpreise viel h&#246;her als etwa in Deutschland oder anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern. Vor der Krise gab es bereits einen Anteil von 20 Prozent der Bev&#246;lkerung, die unterhalb der Armutsgrenze lebte. Unsere Generation war die „Generation der 700 Euro“. Wenn du einen Universit&#228;tsabschluss hast,  kannst du nicht damit rechnen mehr als 700 Euro zu verdienen. Dank der sozialistischen Regierung verdienst du als BerufseinsteigerIn jetzt nur mehr 560 Euro. Eine Genossin aus meiner Organisation hat Elektrotechnik studiert und letztes Jahr angefangen zu arbeiten. Sie hat viele &#220;berstunden gemacht und dann gesagt: „Ich will die irgendwie bezahlt kriegen oder in Urlaub gehen oder ich arbeite halt nur mehr die 8 Stunden.“ Sie wurde rausgeworfen und verdient jetzt 400 Euro im Monat als Kellnerin.</p>
<p>Giorgos: Ich habe zweieinhalb Jahre in einer Werbeagentur gearbeitet, die hatte zumindest ein paar Dinge wie eine private Krankenversicherung. Ich habe mit 700 Euro im Monat angefangen, im Vertrag stand ganz normal acht Stunden pro Tag, aber ich habe bis auf die Sommermonate noch nie blo&#223; acht Stunden dort gearbeitet. Ich musste jeden Tag 10-12 Stunden arbeiten und wurde noch nie f&#252;r die &#220;berstunden bezahlt. Irgendwann gab es zwar eine Gehaltserh&#246;hung auf 900 Euro im Monat, trotzdem ging es einfach nicht mehr, weil ich weiterhin immer mehr Stunden gearbeitet habe und allein die Fahrt dahin teuer war. Weil es keine Arbeitsrechte gibt, kannst du nichts dagegen machen. Irgendwann hatte ich die Schnauze voll und meinte, ich will nur die acht Stunden arbeiten. Deswegen wurde ich gefeuert, obwohl im Vertrag acht Stunden stehen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu Beginn der Krise gesagt, wir Griechen w&#228;ren faul und w&#252;rden nicht arbeiten. Dabei arbeiten wir alle mehr als acht Stunden am Tag. Es hat sich herausgestellt, – das kam auch in Deutschland in ein paar Artikeln heraus &#8211; dass wir GriechenInnen mehr als alle Europ&#228;erInnen arbeiten. Das wird selten erw&#228;hnt.</p>
<p>Haris: Weiters baut das ganze Sozialversicherungssystem auf Sozialversicherungs-Marken auf. Eigentlich m&#252;ssten ArbeitgeberInnen diese kaufen und in die Sozialversicherungs-Hefte ihrer ArbeitnehmerInnen kleben. Wenn das aber nicht passiert und du trotzdem nicht auf deine Rente und Krankenversicherung verzichten willst, dann musst du dir diese Marken selbst kaufen, indem du Geld daf&#252;r sparst oder ausleihst. Wie viel das kostet kommt darauf an, bei welchem Versicherungsfond du das machst, wobei es sich um eine ganze Summe Geld handelt, gerade f&#252;r MigrantInnen, wenn man bedenkt, dass diese meist undokumentiert arbeiten und folglich nicht versichert sind. Du musst diese aber auch ansammeln, um das Recht zu haben, Arbeitslosengeld zu bekommen. Das wirkt sich wiederum auf arbeitsrechtliche Angelegenheiten aus. LehrerInnen zum Beispiel bekommen deswegen nie feste Vertr&#228;ge, sondern werden immer nur bis zum Sommer und an verschiedenen Schulen angestellt, damit sie nirgendwo eine feste Anstellung bekommen. Im Sommer werden sie entlassen und haben deswegen kein Recht auf Arbeitslosengeld. Dazu kommt, dass Korruption in Griechenland sehr weit verbreitet ist. Nun wurde ein Gro&#223;teil der Leute, die f&#252;r Steuereintreibung und Korruptionsbek&#228;mpfung zust&#228;ndig waren, weggek&#252;rzt. F&#252;r 900.000 Betriebe waren davor schon nur 1.000 Kontrolleure zust&#228;ndig. Dass die UnternehmerInnen dann Steuer hinterziehen, ist da wohl klar.</p>
<p><em>Wie ist die Situation im Gesundheitssektor?</em></p>
<p>Haris: Die Krankenversicherung zahlt der Staat, damit der Arbeitgeber nicht belastet wird. Sie k&#246;nnen diesen Hungerlohn zahlen, weil wir ja dem Kapital nicht an die Tasche d&#252;rfen. Letztes Jahr im Sommer ging durch die Medien: „Passt besonders gut auf, dass euch nichts passiert, damit ihr nicht ins Krankenhaus m&#252;sst. Denn es gibt keine Skalpelle, keine Operationsbesteck, es werden nur Notoperationen durchgef&#252;hrt.“ Das kam so: Nat&#252;rlich sind die Chefs der Krankenh&#228;user mit der <em>PASOK </em>(<em>Panellinio Sosialistiko Kinima</em>, die sozialdemokratische Partei Griechenlands, Anm) gut verbunden. Die haben lange Zeit alles, was an Mitteln f&#252;r die Krankenh&#228;user ben&#246;tigt wurde, bei verbandelten Unternehmen zu Preisen bestellt, die bis zu 200 Prozent &#252;ber dem Durchschnitt liegen. Die unterfinanzierten Krankenh&#228;user konnten das irgendwann nicht mehr bezahlen, und die Unternehmen haben aufgeh&#246;rt, Sachen zu liefern. Das war ein wunderbares Beispiel daf&#252;r, wie dieses <em>PASOK</em>-System funktioniert, welchen Klientelismus und Nepotismus die <em>PASOK </em>aufgebaut hat.<br />
Auch das &#246;ffentliche Schulsystem ist extrem unterfinanziert. Um die Hochschulzugangsberechtigung zu bekommen, also die Pr&#252;fung zu bestehen, bist du gezwungen Privatunterricht zu nehmen. Den m&#252;ssen die Eltern aus eigener Tasche zahlen. Vor zwei Jahren bedeutete das f&#252;r jede Familie 7.500 Euro. Wer hat denn so viel Geld?</p>
<p>Giorgos: Deswegen sind die Leute auch gezwungen, Kredite aufzunehmen. Sie k&#246;nnen oft gar nicht anders.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-medium wp-image-2141" title="directdemocracy" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/09/directdemocracy-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></p>
<p><em>Privatverschuldung und Kredite haben in anderen L&#228;ndern eine zentrale Rolle in der Krisendynamik gespielt. Wie ist das in Griechenland?</em></p>
<p>Haris: Die Verschuldung der Privathaushalt macht einen gro&#223;en Teil der Schulden aus. Bei der Einf&#252;hrung des Euro sind die Zinsen f&#252;r Kredite extrem gesunken. Im Gegensatz zum fr&#252;here fordistischen Wohlfahrtsstaat besteht der soziale Kompromiss nun darin, Kredite aufnehmen zu k&#246;nnen. Viele Leute hatten und haben Kreditkartenrechnungen, die sie nicht bezahlen k&#246;nnen. Man konnte sich einen Kredit nehmen, um in den Urlaub zu fahren, die wurden Urlaubskredite genannt. Du konntest Konsumkredite aufnehmen – die hei&#223;en auch alle so! Die Privatverschuldung ist unglaublich. Du kannst im Supermarkt auf Kredit kaufen, weil du deine Grundbed&#252;rfnisse mit deinem normalen Gehalt nicht decken kannst. Das war vor der Krise schon so. Man muss sich vorstellen, dass dann im letzten Jahr die L&#246;hne um durchschnittlich 20 bis 40 Prozent gek&#252;rzt wurden, die Mehrwertsteuer erh&#246;ht wurde, das Benzin extrem teuer geworden ist usw. Es geht hier mittlerweile um Leben und Tod. Das ist auch der Grund warum sich so viele Leute vor dem Parlament versammelt haben.</p>
<p><em>Inwiefern ist in so einer Situation der Glaube an eine b&#252;rgerlich-parlamentarische L&#246;sung in der Bev&#246;lkerung eigentlich noch erhalten? Die Leute sind w&#252;tend, Haris, du sagst es geht um Leben und Tod. Werden die Aufforderungen, in harten Zeiten durchzuhalten und die vermeintliche Notwendigkeit der Sparpakete, geschluckt?</em></p>
<p>Haris: Im Winter gab es einen <a href="http://no-racism.net/article/3647/">Hungerstreik </a>von 300 MigrantInnen, um Papiere zu bekommen. Wie in den Medien &#252;ber diese MigrantInnen hergezogen wurde, zeigte eine deutlich rechte Stimmung. Damals hatte ich den Eindruck, dass viele nicht nur die parlamentarische Demokratie, sondern Demokratie als solche in Zweifel ziehen. Was mir aber sehr viel Hoffnung gibt, sind die Ereignisse seit dem <a href="http://www.scharf-links.de/44.0.html?&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=16873&amp;cHash=b09a86b1ce">25. Mai am Syntagma-Platz</a>. Hier l&#228;uft alles unter der Bem&#252;hung, dass die Leute begreifen, was Demokratie wirklich ist. Ich war bei einer wunderbaren Diskussion mit vier verschieden Vortragenden. Es ging darum, was Demokratie bedeutet, was es bedeutet, Minderheit in einer Demokratie zu sein, was direkte und was  repr&#228;sentative Demokratie ist, und was jetzt gerade hier passiert. Die Leute versammeln sich unter der Forderung nach echter Demokratie. Das ist positiv! Sie sagen, wir zweifeln Demokratie nicht grunds&#228;tzlich an. Letztes Jahr noch war die Stimmung weit verbreitet, wir br&#228;uchten jemanden wie Berlusconi, jemanden der es in der Marktwirtschaft zu etwas gebracht hat. Solche Leute m&#252;ssten jetzt an die Regierung und alles verwalten um uns aus dieser Misere heraus zu f&#252;hren. Diese Stimmung ist total gekippt. Die Demokratie als Idee wird nicht angezweifelt, sondern die parlamentarische Demokratie unter neoliberalen Vorzeichen steht in der Kritik.</p>
<p><em>Also eine Krise der repr&#228;sentativen Demokratie?</em></p>
<p>Haris: Die Parteien sind hier sehr klientelistisch organisiert, was auch von den Medien bef&#246;rdert wurde. Vor allem <em>PASOK </em>hat das so aufgebaut: Du w&#228;hlst mich und daf&#252;r bringe ich dein Kind oder dich irgendwo im &#246;ffentlichen Sektor unter. &#196;hnliches passiert auf den Universit&#228;ten. Jede Partei hat ihre StudentInnenorganisation. Die treffen sich aber nicht, um zu diskutieren, sondern sagen, wir sind <em>PASOK</em>, wir fahren gemeinsam auf Urlaub, bieten Reisen an oder gehen in Nachtclubs. Wenn du uns kennst, bekommst du einen Tisch f&#252;r den du sonst 100 Euro zahlst um 20 Euro.</p>
<p>Giorgos: Bei den Griechen ist die Partei wie eine Fu&#223;ballmannschaft von der man total gro&#223;er Fan ist. Schon als Kind wird dir anerzogen, du wirst jetzt <em>PASOK </em>oder du wirst <em>Nea Dimokratia</em> (konservative Partei Griechenlands, Anm.). Wenn du &#252;berhaupt nichts mit Parteien zu tun haben willst, ist es sehr schwer durchzukommen.</p>
<p>Haris: Das bricht aber jetzt auf. PASOK hat bei den letzten Wahlen &#252;ber 40% bekommen. Jetzt bei den Umfragen schaffen sie es nicht &#252;ber 25%. In manchen Regionen schl&#228;gt die Basis der Partei die Parteib&#252;ros in St&#252;cke. Die SozialdemokratInnen haben unter <em>Kostas Simitis</em> (Ministerpr&#228;sident von 1996 bis 2004, Anm.) einen extrem neoliberalen Kurs eingeschlagen. Alles unter der Fahne des Beitritts zum Euro-Raum, damit es uns endlich besser gehe. Nach der letzten Wahl ist <em>Papandreou </em>(<em>Giorgos Andre</em>a, aktueller Ministerpr&#228;sident, Anm.) eigentlich mit einem komplett keynesianistisch-sozialstaatlichen Programm an die Macht gekommen. Sein Bruder ist jetzt in der Kommission, die f&#252;r Privatisierungen zust&#228;ndig ist. Die schieben sich die Gesch&#228;fte zu. Daran wird nichts ge&#228;ndert, aber die kleinen Leute m&#252;ssen zahlen.</p>
<p><em>K&#246;nnt ihr n&#228;her auf das Verh&#228;ltnis zwischen der Basis der sozialistischen Partei und ihrer F&#252;hrung eingehen? Ihr habt ja schon angesprochen, dass es zu Auseinandersetzungen gekommen ist. Wie verhalten sich dabei die Gewerkschaften?</em></p>
<p>Haris: Gerade gab es eine Kampagne, die versucht hat <em>SYRIZA</em>, die Koalition der radikalen Linken im Parlament, daf&#252;r verantwortlich zu machen, dass Regierungsmitglieder mit Joghurt beworfen oder ausgebuht werden. Das Ganze hat dann aber doch irgendwann zu l&#228;cherlich gewirkt. Die Partei hatte bei den letzten Wahlen 4,6%. Wie viele sind wir, ohne es zu wissen? (lacht) Sie zeigten dann ein Video auf dem angeblich Mitglieder von <em>SYRIZA </em>zu sehen sind, die Joghurt werfen. Es stellte sich aber heraus, dass das unter anderem der Vorsitzende der Jugendorganisation von <em>PASOK </em>war. Ihre eigenen Leute haben sie ausgebuht! Das war zu erwarten. Schlie&#223;lich machen sie das komplette Gegenteil von dem Programm, f&#252;r das sie gew&#228;hlt wurden.</p>
<p>Giorgos: Viele Politiker beschweren sich, dass sie sehr aggressiv angegriffen und beworfen werden und wir doch auf Dialog setzen sollen. Aber wer gibt der Polizei die Befehle anzugreifen? Wenn sie einen Dialog wollen, sollen sie die Polizei raus lassen. Nat&#252;rlich schmei&#223;en wir Joghurt! Wir merken, dass sie uns anl&#252;gen.</p>
<p>Haris: Als Papandreou gew&#228;hlt wurde, hat er gesagt: „Wenn wir die Schere zwischen Arm und Reich nicht radikal verkleinern und wenn wir dieser Gesellschaft nicht das Gef&#252;hl geben, dass endlich mehr Gerechtigkeit herrscht, dann werden sie uns mit Steinen verjagen.“ Genau das passiert jetzt. Letzte Woche hat die europ&#228;ische Linkspartei hier getagt und eine Veranstaltung organisiert. Es wurden Basisgewerkschaften, aber auch die Chefs der gr&#246;&#223;ten Gewerkschaften eingeladen, in deren Bereichen jetzt privatisiert werden soll. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten ist <em>PASOK</em>-Mitglied. Seine Analyse der Angriffe auf die arbeitsrechtlichen Errungenschaften hat aber gezeigt, dass er ideologisch mit dieser Partei fertig ist. Ein Gewerkschafter der staatlichen &#214;lgesellschaft wurde aus der Partei ausgeschlossen und hat gesagt: „Wir haben Fehler gemacht und gedacht, Gewerkschaftsarbeit hei&#223;t hie und da mal eine Pressemitteilung rauszugeben. Aber ich habe eines verstanden, Gewerkschaftsarbeit muss jetzt auf der Stra&#223;e stattfinden.“ Daran sieht man die Politisierung der Gewerkschaften und der Basis. Ein weiterer Gewerkschafter der staatlichen Wassergesellschaft, die privatisiert werden soll, hat sich ausgerechnet wie viel der Betrieb bei einem Verkauf kosten w&#252;rde. Er meinte, selbst wenn wir glauben, dass unbedingt Geld n&#246;tig sei und die Betriebe verkauft werden m&#252;ssten, k&#228;me das auf 40 Euro gespalten auf drei Wasserrechnungen pro EinwohnerIn. Nach drei Rechnungen w&#228;re die gesamte Bev&#246;lkerung im Besitz des Betriebs! Solche Konzepte und Alternativen sind wichtig. Es ist wichtig zu zeigen, dass die Regierung nicht die absolute Wahrheit besitzt und diese kapitalistische neoliberale Logik keine Naturgewalt ist.</p>
<p><em>Ihr habt schon die Ereignisse am Syntagma-Platz erw&#228;hnt. Er&#246;ffnen sich hier Alternativen? Vielleicht k&#246;nnt auch kurz erkl&#228;ren, welche Rolle die &#8220;Indignados&#8221; spielen.</em></p>
<p>Haris: Im Prinzip war es eine Reaktion auf die Ereignisse in Spanien, die ja &#228;hnliche Probleme haben. Eine extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit trotz guten Ausbildungsniveaus, prek&#228;re Arbeitsbedingungen usw. Seit Februar hatte sich eine enorme Wut aufgestaut, die sich aber nirgends kanalisiert hat, sondern nur im Werfen von Gegenst&#228;nden Ausdruck fand. Seit dem 25. Mai gibt es am Syntagma-Platz eine bunte Bewegung. Auf dem unteren Teil des Platzes finden Vollversammlungen statt und auf dem oberen Teil stehen Leute vor dem Parlament und zeigen ihm quasi den Mittelfinger. Es gibt Leute mit griechischen Fahnen, die Patriotismus im Protest erkennen. Es gibt auch Rechtsextreme. Am Anfang war es so, dass es innerhalb der Linken Schwierigkeiten gab, sich zu positionieren. Fordern wir eine patriotische Regierung oder konzentrieren wir auf soziale Gerechtigkeit und setzten Demokratie, soziale Gleichheit und Geschlechtergleichheit auf die Agenda? Die <em>KKE </em>(Kommunistische Partei Griechenlands, Anm.), die gr&#246;&#223;te organisierte linke Partei, enthielt sich komplett und verurteilte das Ganze als etwas, was keine revolution&#228;re Gesinnung hat, keine Thematik, kein Programm. Andere Teile der Linken, ob parlamentarisch oder au&#223;erparlamentarisch, haben einfach folgendes gemacht. Sie haben respektiert, dass es eine Parteienverdrossenheit gibt. Sie gehen also nicht mit Parteifahne hin, sondern diskutieren mit und h&#246;ren zu. Wir m&#252;ssen dorthin gehen und die Leute &#252;berzeugen.</p>
<p><em>Wie finden solche Diskussionen am Syntagma-Platz statt?</em></p>
<p>Haris: Am Dienstag wird es die vierte Diskussion geben. Es gibt immer ein Gremium, das vorschl&#228;gt, welche Leute sprechen sollen. Dar&#252;ber wird dann in der Vollversammlung abgestimmt. Das ist wirklich basisdemokratisch. Die RednerInnen sitzen vorne und haben jeweils eine viertel Stunde Zeit. F&#252;r die Fragen werden Nummern gezogen und du wirst aufgerufen. Wenn zu viele etwas sagen wollen, wird ausgelost, damit niemand aus irgendwelchen Gr&#252;nden bevorzugt wird. In einer meiner ersten Diskussionen ging es darum, was diese Schulden genau sind, ob es eine richtige L&#246;sung daf&#252;r gibt und ob das, was gerade passiert die einzig m&#246;glich L&#246;sung ist. Die Leute haben mitdiskutiert und viele Fragen gestellt. Genau das hat sich doch die Linke so lang gew&#252;nscht, dass die Leute auch erfahren, dass es andere M&#246;glichkeiten gibt! Die Medien haben dar&#252;ber nie berichtet. Sie sind hier wirklich Instrumente des Machtblocks. Interessant war, und das kann man vielleicht als Hegemoniekrise verstehen, dass w&#228;hrend des <a href="http://www.democracynow.org/2011/6/29/inside_greeces_general_strike_video_report">Generalstreiks am 29. Juni</a> nicht einmal die regierungstreuesten Medien rechtfertigen konnten, was passiert ist. Die vom Fernsehen befragten Parteivertreter wurden regelrecht von den Medien attackiert. Diese Mainstreamideologie bricht auf. Das ist einerseits positiv, weil es in Richtung soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Ausdehnung von Rechten geht. Es kann aber nat&#252;rlich auch in die Hose gehen und eine krassen Rechtsruck geben.</p>
<p><em>Wie spiegeln sich diese Widerspr&#252;che in der Bewegung wider?</em></p>
<p>Haris: Die Hegemonie in dieser Bewegung haben schon linke bzw. demokratische Kr&#228;fte inne. Im Moment sieht es gut aus. Das h&#228;ngt aber auch davon ab, wie sich die Medien verhalten werden und wie viel Polizeigewalt wir noch sehen werden. Letztes Jahr fand am 5. Mai, als das Ma&#223;nahmenpaket beschlossen wurde, die gr&#246;&#223;te Demonstration seit dem Ende der Diktatur statt. Damals wurde eine Bank angez&#252;ndet und drei Menschen sind gestorben. Danach war die Bewegung tot. Es hat den Leuten Angst gemacht und f&#252;r einen gewissen Zeitraum vermittelt, dass Demonstrationen das falsche Mittel w&#228;ren. Wenn etwas derart ausartet, ist es nicht mehr gut. Wir haben extrem viel Polizeigewalt auf den Demonstrationen, wobei speziell f&#252;r Demos zust&#228;ndige Spezialeinheiten eingesetzt werden, die auch auf Leute einschlagen. Deshalb fanden die Leute auch den Syntagma-Platz so toll. Hier war etwas anders als bei den typischen Demonstrationen, die von Polizeigewalt und dem Schwarzen Block gepr&#228;gt sind. Die Leute hatten das Gef&#252;hl, am Syntagma-Platz ist man sicher.</p>
<p><em>Wie reagiert die Polizei auf die Versammlungen? Es gab doch auch hier Repression, oder?</em></p>
<p>Haris: Am 15. Juni wurde zum ersten Mal versucht, den Platz unter Einsatz von Tr&#228;nengas zu r&#228;umen. Am Abend waren aber alle wieder da. Ich hatte das Gef&#252;hl, die Leute verteidigen das, weil sie es selbst aufgebaut hatten, es ist ihre Sache. Und es gibt auch <em>agents provocateurs</em>. Auf einem Video sieht man einen Vermummten, der pl&#246;tzlich zum Parlament geht, mit Polizisten redet und dann rein geht. Sie haben versucht zu erkl&#228;ren, das sei ein Gewerkschafter von den &#246;ffentlichen Verkehrsbetrieben, der die Polizei um Hilfe gebeten h&#228;tte, weil er von den Anarchisten bedroht worden w&#228;re und so gerettet wurde&#8230; Man sieht immer wieder Vermummte, die mit der Polizei herumh&#228;ngen. Am 15. Juni ist einem sogar seine Polizeimarke aus der Tasche gefallen. Oft sind es aber auch Mitglieder von rechtsextremen Gruppen. Schlie&#223;lich ist ein Teil der Vermummten nat&#252;rlich wirklich vom Black Block. Die werden niedergeschlagen, aber nie festgenommen. Selbst bei den Ereignissen in der Bank vor einem Jahr, die niedergebrannt wurde, stand die Polizei nur daneben, weil das Teil ihrer Eskalationsstrategie ist. Sie sorgen daf&#252;r, dass Krawalle entstehen!</p>
<p><em>Was spielt sich au&#223;erhalb vom Syntagma-Platz ab, in den Stadtvierteln aber auch au&#223;erhalb von Athen? Wie ist dort die Situation?</em></p>
<p>Haris: Es zentriert sich nat&#252;rlich um den Syntagma-Platz, weil dieser – direkt vor dem Parlament – einen symbolischen Charakter hat. Es gibt auch Nachbarschaftsversammlungen und Solidarit&#228;tsnetzwerke. Diese wurden von Leuten initiiert, die gesehen haben, was am Syntagma-Platz passiert und gesagt haben, wir machen jetzt eine Volksversammlung. Diese finden auf Pl&#228;tzen in unterschiedlichen Gegenden statt. Was in den kleinen Nachbarschaften stattfindet, geht aber vor allem von Linken aus unterschiedlichen Spektren aus, in manchen Teilen heterogener als in anderen. Letztes Jahr gab es Versuche, solche Versammlungen in meiner Gegend zu starten. Da waren sowohl AnarchistInnen, unsere Organisation als auch solche, die einfach wissen wollten was los ist und sich Sorgen machen. So etwas gibt es also in vielen St&#228;dten, aber nat&#252;rlich nicht in der Gr&#246;&#223;e wie auf dem Syntagma-Platz. Auf <a href="http://real-democracy.gr">real-democracy.gr</a> sind &#252;brigens alle verbundenen St&#228;dte und Versammlungen aufgelistet.</p>
<p>Giorgos: Die Kleinst&#228;dte und D&#246;rfer merken nicht so viel von der Krise wie die Gro&#223;st&#228;dte. Dadurch, dass viele Menschen in kleinen St&#228;dten noch eigene Felder besitzen und darauf anbauen k&#246;nnen, trifft sie die Krise nicht so hart. Gerade in Gebieten, die von wenigen Fabriken versorgt wurden, ist die Krise wiederum viel st&#228;rker sp&#252;rbar, weil diese Fabriken jetzt oft geschlossen werden. Die Arbeitslosigkeit steigt dort enorm an.</p>
<p><em>Es wirkt oft nicht so als g&#228;be es eine einheitliche, sondern unterschiedliche Bewegungen in Griechenland. Wie ist das Verh&#228;ltnis der Bewegung am Syntagma-Platz zur Gewerkschaftsbewegung, aber auch zur anarchistischen Bewegung? Spielt die radikale Linke eine Rolle bzw. ver&#228;ndert sich hier auch die Art der Zusammenarbeit?</em></p>
<p>Haris: Ehrlich gesagt, obwohl meine Organisation der ganzen Sache noch am positivsten gegen&#252;berstand, hatte ich am Anfang Angst. Ich dachte, die denken nur ‚Demokratie ist Schei&#223;e, Parteien und Organisieren genauso‘ und sitzen einfach nur rum und meckern. Ich wurde eines Besseren belehrt. Am 15.  Juli fand der erste Generalstreik seit den ersten Versammlungen der indignados am Syntagma-Platz statt. Die Vollversammlung hat explizit dazu aufgerufen, sich am Streik zu beteiligen und an der Kundgebung teilzunehmen. Dort haben auch Mitglieder des Black Block Stunk gemacht. Die AnarchistInnen hingegen, die sich wirklich inhaltlich damit auseinandergesetzt haben, sind t&#228;glich pr&#228;sent. Ebenso unterschiedliche andere linke Organisationen. Einzig die <em>KKE </em>ist nicht dabei.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-medium wp-image-2168 aligncenter" title="Griechenland_Ausschreitung_1" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/09/Griechenland_Ausschreitung_11-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></p>
<p><em>Welche Rolle spielt die </em>KKE?</p>
<p>Haris: Die <em>KKE </em>hat vor einigen Jahren ihre eigene Gewerkschaft gegr&#252;ndet und nimmt nicht an Streiks oder Kundgebungen der offiziellen Gewerkschaften Teil. Sie machen dann Gegenkundgebungen, schlie&#223;lich sind sie &#252;berzeugt, die richtige Ideologie zu haben. Die Revolution findet erst statt bzw. der Kapitalismus geht erst dann zu Ende, wenn alle ihre Ideologie angenommen haben. Der einzige Weg aus der Krise ist daher, dass sich alle ihnen anschlie&#223;en. Wie gut das ankommt hat man am 28. Juni gesehen. Tags&#252;ber wurde mit Tr&#228;nengas geschossen und eine neue Qualit&#228;t der Repression hatte begonnen. Gegen 6 Uhr Abend sollte am Syntagma-Platz ein Konzert stattfinden, und obwohl ein paar Stunden zuvor noch Tr&#228;nengas- und Blendgranaten geflogen sind, war es schon ruhiger. Die <em>KKE </em>versammelte sich gegen Nachmittag und versuchte durch die Stra&#223;e am Parlament vorbei zu marschieren. Genau dort wo vorher Stunden lang Leute von der Polizei mit Tr&#228;nengas angegriffen wurden. Die Leute haben zuerst ironisch zu klatschen begonnen, dann gebuht und gefragt: „Was wollt ihr hier eigentlich? Wir haben die ganze Zeit was auf die Fresse bekommen, sind mit der &#252;belsten Repression konfrontiert gewesen und ihr spaziert hier einfach durch!“</p>
<p><em>&#196;ndert das etwas bei den Mitgliedern der </em>KKE?</p>
<p>Haris: Ich glaube nicht, schlie&#223;lich ist das nicht der erste Fall. Im Dezember 2008, als die ganze Stadt gebrannt hat, nachdem ein Junge von der Polizei erschossen wurde, gab es viel Gewalt auf den Stra&#223;en. Einerseits hat der Black Block viel Zulauf bekommen, aber es beteiligten sich auch Leute, die sonst nichts mit Gewalt zu tun hatten. Sie traten Sachen ein, Sch&#252;lerInnen warfen vor Polizeistationen mit Steinen und Obst. Sie versuchten einfach ihre Verzweiflung und Wut auszudr&#252;cken. Eine Medienkampagne versuchte damals, <em>SYRIZA </em>die Schuld daf&#252;r zu geben. Die damalige KKE-Generalsekret&#228;rin sagte damals: „SYRIZA streichelt die Ohren der Vermummten“, und w&#252;rde die Gewalt nicht kritisieren. W&#228;hrend also die gr&#246;&#223;te Demonstration stattfand und Gewerkschaften, Jugendliche und Leute, die fr&#252;her auf dem Sofa gesessen sind, sich gegen Polizeigewalt und Hoffnungslosigkeit gewehrt haben, hat die KKE eine Demo vor unserem Parteib&#252;ro abgehalten und uns ausgebuht. Sie trennen sich bewusst von den Protesten ab. Sie haben zwar in Umfragen dazugewonnen, aber nicht bei den Leuten die am Syntagma-Platz waren.</p>
<p><em>Wie ist die Zusammenarbeit der restlichen Linken?</em></p>
<p>Haris: Ich hab schon den Hungerstreik der dreihundert MigrantInnen Anfang Februar erw&#228;hnt. Wie gesagt hatten wir damals Angst, die ganze Situation k&#246;nnte nach rechts kippen, weil die Medien und auch der Machtblock alles so darstellten, als w&#252;rde die Linke die MigrantInnen f&#252;r ihre eigenen politischen Zwecke benutzen. Der Hungerstreik wurde dann nach 43 Tagen und zu einem Zeitpunkt erfolgreich beendet, als wir wirklich schon gedacht haben, dass jemand sterben w&#252;rde. Dabei wurde nicht nur f&#252;r MigrantInnen, sondern f&#252;r alle ArbeitnehmerInnen eine Senkung der Sozialversicherungs-Marken erreicht, die wie gesagt f&#252;r den Erwerb einer Gesundheits- und Sozialversicherung notwendig sind. Au&#223;erdem haben alle beteiligten MigrantInnen Papiere bekommen und durften damit reisen. Ein ganz breites Spektrum der griechischen Linken hat diesen Hungerstreik unterst&#252;tzt, so dass du von AnarchistInnen bis zu Leute, die sich einfach selbst als links verorten aber nicht organisiert sind, eine ganz gro&#223;e Solidarit&#228;tsbewegung hattest. All diese Leute sind mit in den Krankenh&#228;usern gewesen, als die Hungerstreikenden eingeliefert wurden, und haben dort &#220;bersetzungen gemacht oder irgendwelche Hilfestellungen geleistet. Sie waren auch in dem Geb&#228;ude, in dem die Hungerstreikenden untergebracht waren, damit keine Faschisten angreifen k&#246;nnen. Diese Solidarit&#228;tsbewegung hat dazu beigetragen, dass das Klima zwischen den verschiedenen Linken am Syntagma jetzt so gut ist. Es wurden in verschiedenen Teilen Griechenlands Plakate mit den jeweiligen &#246;rtlichen Abgeordneten gedruckt, die f&#252;r das letzte Sparpaket gestimmt haben, und da steht „Wanted“ drauf. Das Klima ist extrem schlecht f&#252;r die Regierung. Man kann eigentlich sagen, dass seit Anfang des Jahres die Stimmung gegen die Regierung extrem ist.</p>
<p><em>Und dr&#252;ckt sich das auch in Alltagspraktiken aus?</em></p>
<p>Haris: Zum Einen gab es die Mautverweigerungen an manchen Mautstellen. Man zahlt ja hier ohnehin eine extrem hohe Stra&#223;enben&#252;tzungsgeb&#252;hr an den Staat. Zus&#228;tzlich soll dann noch diese Maut gezahlt werden. Die Stra&#223;en wurden gr&#246;&#223;tenteils von Hochtief, der gr&#246;&#223;ten international agierenden deutschen Baufirma, gebaut. Dieses Geld, das die griechischen SteuerzahlerInnen hier zus&#228;tzlich zur Stra&#223;enben&#252;tzungsgeb&#252;hr bezahlen sollen, geht nicht an den Staat, sondern an Hochtief. Genauso ist das beim Flughafen und bei der Br&#252;cke in Choreo, die von einer franz&#246;sischen Firma gebaut wurde und bei der die Maut zwischen sieben und 20 Euro betr&#228;gt. Die Leute haben sich dann irgendwann geweigert, dieses Geld zu zahlen, weil es zus&#228;tzlich zu den Stra&#223;enben&#252;tzungsgeb&#252;hren und den ohnehin hohen Benzinpreisen unglaublich teuer geworden ist, von einem Ort zum anderen zu kommen. Also wurde der Schranken einfach selbst ge&#246;ffnet. Ein paar haben damit abgefangen, doch bald hat man &#252;berall den Alarm von ge&#246;ffneten Schranken geh&#246;rt. Als dann die Tickets der Verkehrsbetriebe um fast 50 Prozent teurer wurden und alle Erm&#228;&#223;igungen gestrichen wurden, gab es eine Medienkampagne der Regierung, die die Situation mit Verweis auf die Mautverweigerung so darstellte, als wollten alle alles umsonst haben. Irgendwann im April sind dann Politiker in mehreren Nachrichtensendungen ausgebuht worden, nachdem irgendwelche Leute wieder die Stra&#223;en blockierten und meinten, sie w&#252;rden keine Maut mehr zahlen und alle Menschen durchwinken. Am ersten Tag, an dem Kontrolleure der Verkehrsbetriebe unterwegs waren, wurde einem ins Bein geschossen, weil die Tickets einfach nicht zu bezahlen waren. Wenn man hier ohne Ticket erwischt wird, bezahlt man zuerst 84 Euro. Wenn man das nicht bezahlen kann, dann sind es &#252;ber 400 Euro. Wenn man dieses Geld dann nicht bezahlt, dann kommt man ins Gef&#228;ngnis. Und, ich meine, die Leute m&#252;ssen ja irgendwie zur Arbeit kommen. Wenn du jeden Tag 3 Euro zahlst um zur Arbeit zu kommen, dein Lohn aber nur 560 Euro betr&#228;gt, dann hast du ein Problem. Eine weitere Sache, die dazu gef&#252;hrt hat, dass die Leute die Schnauze voll haben, ist die Siemens-Aff&#228;re. Daf&#252;r ist kein Schwein ins Gef&#228;ngnis gegangen, trotz der vielen Schmiergelder. Aber die Leute die keinen Fahrschein zahlen, auf die wird mit dem Finger gezeigt. Tsochatzopoulus, der ehemalige Verteidigungsminister, der Schmiergelder f&#252;r U-Boot Gesch&#228;fte kassiert hat, muss jetzt vor Gericht, aber der ist auch nur ein Bauernopfer.</p>
<p><em>Wie sch&#228;tzt du die Gefahr der radikalen Rechten ein? Du hast ja vorher erw&#228;hnt, dass die auch an Versammlungen teilnehmen. In &#214;sterreich, aber auch in vielen anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern kann die <a href="http://www.perspektiven-online.at/ausgaben/perspektiven-nr-12/">extreme Rechte als Krisengewinnerin</a> bezeichnet werden. Sie sch&#252;ren Ressentiments und Nationalismus. Wie gro&#223; ist die Gefahr hier?</em></p>
<p>Haris: Sie haben versucht an Versammlungen teilzunehmen, wurden aber wieder raus gedr&#228;ngt. Griechenland geh&#246;rt zwar zu Europa, hat aber ganz andere Strukturen. Die radikale Rechte konnte in Griechenland nie als eigene Str&#246;mung agieren, weil das Programm der radikalen Rechte von beiden Mainstreamparteien adaptiert wurde, Patriotismus und Christentum. Die Rechte in Griechenland orientiert sich &#228;hnlich der Milit&#228;rdiktatur an der Dreifaltigkeit: Heimatland, Religion, und Familie und auch in der konservativen Partei gibt es Leute, die extreme Positionen vertreten. Lange Zeit war die Rechte in Griechenland extrem vorherrschend, was v.a. an der Geschichte Griechenlands liegt.</p>
<p><em>Wie verh&#228;lt sich die au&#223;erparlamentarische Rechte?</em></p>
<p>Haris: Letzten Herbst 2010 wurde das Einb&#252;rgerungsgesetz ver&#228;ndert. In den Reden der verschiedenen  Parlamentsfraktionen sagten die konservativen Abgeordneten, das Projekt der multikulturellen Gesellschaft sei gescheitert. Elaos, die rechtspopulistische Partei, hingegen hat gesagt, die Ausl&#228;nder br&#228;chten Krankheiten ins Land, die verbreiten also einen radikalen Rassismus. Die au&#223;erparlamentarische extreme Rechte – <a href="http://www.stopptdierechten.at/2011/05/17/griechenland-neonazis-jagen-auslander/">„Chrysi Avgi“</a> – hat zum ersten Mal einen Vertreter im Athener Stadtrat. Bei seinem ersten Auftritt hat er gleich den Hitlergru&#223; gemacht. Die stechen Leute ab, pr&#252;geln, ziehen Leute in Ecken und hauen ihnen den Sch&#228;del ein. Das ist eine extrem schlimme Situation, besonders im Zentrum von Athen. Es gibt viele MigrantInnen, die in verfallenen H&#228;usern oder Baracken wohnen und um zu &#252;berleben Drogen verkaufen. Im letzten Mai gab es dann einen tragischen Vorfall als ein Mann seine schwangere Frau ins Krankenhaus bringen wollte. Er wollte das Auto holen und hatte eine Videokamera in der Hand, um die Geburt zu filmen. Drei Migranten haben ihn erstochen und er wurde von seiner Frau tot aufgefunden. Am n&#228;chsten Tag sind FaschistInnen durch das Zentrum gegangen und haben Jagd auf MigrantInnen gemacht. Im Athener Zentrum geben viele Menschen den Ausl&#228;ndern Schuld an allem. Deswegen ist es so gut, dass sich das Klima durch die Bewegung jetzt positiv ver&#228;ndert hat und Demokratie eingefordert wird. Demokratie hei&#223;t dann auch, dass Minderheiten Rechte haben.</p>
<p><em>Zur&#252;ck zu den Entwicklungen am Syntagma-Platz. Inwiefern lassen sich die Entwicklungen in Griechenland in eine Reihe mit den Aufst&#228;nden und Bewegungen in Europa sowie im Mittleren Osten einreihen? In Spanien bezieht man sich etwa auch auf die revolution&#228;ren Entwicklungen im Mittleren Osten. Wird das in Griechenland reflektiert, spielen diese Entwicklungen eine Rolle?</em></p>
<p>Haris: Die revolution&#228;ren Entwicklungen im arabischen Raum sind auf jeden Fall ein Orientierungspunkt. Aber sie sind es weniger in der politischen Debatte, auch wenn wir uns im Klaren sind, dass die Probleme &#228;hnlich sind: Jugendarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, gro&#223;e Armut unter der Bev&#246;lkerung. Die Bedingungen sind dennoch anders. Auch wenn die Polizeigewalt es nicht vermuten l&#228;sst, haben wir immer noch ein demokratisches System, also eine f&#246;derative Demokratie, und das schafft andere Interventionsbedingungen. F&#252;r die Bewegung ist wichtig zu sehen, dass wenn es die arabischen L&#228;nder geschafft haben, ihre nicht-demokratischen Regimes zu st&#252;rzen, dann schaffen wir das erst recht. Der Begriff der Revolution bzw. die Bedeutung von Revolution ist aber auf jeden Fall ein Bezugspunkt. Dass du die bestehende Ideologie sprengst, dass du sowohl in deinem Programm als auch in deinem Alltag Alternativen schaffst, indem du ein Netzwerk der Solidarit&#228;t aufbaust und bereits jetzt das allt&#228;gliche Leben verbesserst. Es ist wichtig, damit die Leute sehen, dass du schon jetzt versuchst, diese gew&#252;nschte andere Welt durch Gegenbeispiele und alternative Netzwerke in deinem Alltag zu verankern. Das passiert gerade. Soziale Gerechtigkeit in Verbindung mit Demokratie – Basisdemokratie – spielt eine ganz gro&#223;e Rolle. Aber eben auch das Bewusstsein, dass Neoliberalismus zwangsl&#228;ufig mit Repression Hand in Hand geht und die ideologische Verkn&#252;pfung von freier Marktwirtschaft und Demokratie aufgebrochen werden muss. Es wurde endg&#252;ltig gezeigt, dass die beiden nicht miteinander einhergehen, sondern einander feindlich gegen&#252;ber stehen.</p>
<p><em> Was kann die Linke international bzw. in Europa eurer Meinung nach tun, um die Bewegung in Griechenland zu unterst&#252;tzen?</em></p>
<p>Haris: Was ich in Deutschland sehe ist, dass sich die Diskussionen der Linken um den Versuch drehen die Mainstream-Ideologie zu entkr&#228;ften und die Verantwortung Deutschlands als Exportweltmeister und hegemoniale Macht in der Europ&#228;ischen Union aufzuzeigen. Aber mir w&#228;re wichtig, dass mehr gezeigt wird, dass es nicht um L&#228;nder geht, sondern um Klassen. Es geht nicht darum, dass Deutschland Griechenland sch&#228;digt, sondern darum, dass ein bestimmtes Entwicklungsmodell die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit der Menschen in allen L&#228;nder sch&#228;digt. Dies l&#228;sst sich auch an der arbeitsrechtlichen Situation in „Kerneuropa“ zeigen, bzw. den L&#228;ndern, die allgemein als Zentrum bezeichnet werden, zum Beispiel in Deutschland mit Hartz IV, oder auch in Frankreich. Kurz, es geht um Klassen! Diesbez&#252;glich bin ich immer ein bisschen entt&#228;uscht. Die Rosa Luxemburg-Stiftung hat das ganz gut gemacht hat, indem sie jetzt eine <a href="http://www.rosalux.de/publication/37617">Brosch&#252;re</a> &#252;ber Mythen und Fakten der Griechenlandkrise auf Griechisch, Englisch und Deutsch herausgebracht hat und so die Leute informiert. Auch w&#252;rde ich mir w&#252;nschen, dass &#252;ber die Polizeigewalt mehr berichtet wird, und &#252;ber die tats&#228;chliche Repression im Alltag, die eigentlich nicht von der arbeitsrechtlichen Seite getrennt werden kann: Einerseits wird dir jegliches Recht genommen, dich gewerkschaftlich zu organisieren, gleichzeitig wird dir die Lebensgrundlage entzogen, weil dein Gehalt gek&#252;rzt wird. Du wei&#223;t nicht, was deine Kinder in Zukunft haben werden, da du kein Geld hast um ihnen eine private Schule zu bezahlen, damit sie es irgendwie an die Uni schaffen, die jetzt auch privatisiert werden soll. Andererseits werden diese Menschen durch radikale und extreme Repression von der Stra&#223;e verjagt und vom Protest abgehalten. Das wird meines Erachtens nach zu wenig von der Linken thematisiert.</p>
<p><em><br />
Haris Triandafilidou wurde in Berlin geboren und hat dort Politikwissenschaft studiert. Seit Februar 2009 wohnt sie in Athen und ist bei der Jugendorganisation von Synaspismos organisiert, die Teil des SYRIZA-B&#252;ndnisses ist.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Giorgos Saliaris lebt seit acht Jahren in Athen und hat Grafikdesign studiert.<br />
</em></p>
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		<title>Die Angst vor dem biblischen Exodus &#8211; FRONTEX und die EU-Abschottungspolitik</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 16:31:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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		<description><![CDATA[Im Zuge der Konflikte in Nordafrika steigt der Fl&#252;chtlingsandrang nach Europa. Auf der italienischen Insel Lampedusa sind erst Anfang Juli wieder mehr als 1000 Bootsfl&#252;chtlinge angekommen. Da die Zunahme von (irregul&#228;rer) Migration der EU ein Dorn im Auge ist, hat sie eigens daf&#252;r eine Agentur namens FRONTEX eingerichtet. Diese soll dabei helfen die Migration nach Europa zu stoppen und MigrantInnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Zuge der Konflikte in Nordafrika steigt der Fl&#252;chtlingsandrang nach Europa. Auf der italienischen Insel Lampedusa sind erst Anfang Juli wieder mehr als 1000 Bootsfl&#252;chtlinge angekommen. Da die Zunahme von (irregul&#228;rer) Migration der EU ein Dorn im Auge ist, hat sie eigens daf&#252;r eine Agentur namens FRONTEX eingerichtet.<span id="more-2027"></span> Diese soll dabei helfen die Migration nach Europa zu stoppen und MigrantInnen wieder zur&#252;ckzuschicken. Welche Befugnisse FRONTEX genau hat, welche konkreten Operationen die Agentur derzeit durchf&#252;hrt und was gegen die Versch&#228;rfungen im Asyl- und Migrationsbereich getan werden kann, besprach <em>Julia Hofmann </em>mit <em>Stephanie Deimel</em>. </p>
<p><em>Seit den erschreckenden Bildern aus den Aufnahmelagern in Griechenland und der Ankunft von tausenden Bootsfl&#252;chtlingen aus Nordafrika ist FRONTEX ja wieder in aller Munde. Welche Operationen f&#252;hrt die Agentur aktuell durch?</em> </p>
<p>Die aktuellste auf der Homepage<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> von FRONTEX zu findende gemeinsame Grenzschutzoperation (JO) ist Poseidon, also die Nachfolgeoperation des RABIT-Einsatzes am Ebros. Poseidon wird als Operation gegen Schmuggler verkauft. IIkka Laitinen, der FRONTEX Executive Director, argumentiert, dass Poseidon dem Schutz der MigrantInnen dient und dass es die zentrale Aufgabe der Operation ist den Schutz der Menschenrechte zu gew&#228;hrleisten – ein f&#252;r FRONTEX typisches Argumentationsmuster. MigrantInnen sind innerhalb dieser Logik also gleichzeitig T&#228;terInnen und Opfer krimineller Prozesse. Opfer der Machenschaften von Schmugglerbanden und T&#228;terInnen, weil sie ja illegal ins Land kommen und dementsprechend auch zur&#252;ckgeschickt werden m&#252;ssen. </p>
<p><em>Welche anderen zentralen Eins&#228;tze gab es in den letzten Jahren noch?</em> </p>
<p>Sehr, sehr viele, aber zwei sind besonders hervorzuheben. Einerseits Hera, eine Erfolgsoperation sowie andererseits Nautilus, eine gescheiterte JO. Hera l&#228;uft seit f&#252;nf Jahren auf den Kanaren und ist mittlerweile permanent. Das hei&#223;t, es gibt t&#228;glich Eins&#228;tze in diesem Gebiet. Gehostet wird die Operation von Spanien. Das Land hat zahlreiche bilaterale Abkommen mit den Kapverden, Senegal und Mauretanien abgeschlossen, die die gemeinsamen Patrouillen mit dem Grenzschutzpersonal der beteiligten Staaten in deren Hoheitsgew&#228;ssern m&#246;glich machen. Dabei handelt es sich vor allem um R&#252;ck&#252;bernahmeabkommen und Patrouilleabkommen. Hera ist deswegen so eine Erfolgsoperation, weil die Zahl der auf den Kanaren ankommenden MigrantInnen durch die starke &#220;berwachung, Kontrolle und das Umleiten von Fl&#252;chtlingsbooten (ohne Einzelfallpr&#252;fung) massiv zur&#252;ckgegangen ist.<br />
Nautilus ist demgegen&#252;ber das klassische Beispiel einer gescheiterten FRONTEX-JO. An der Operation waren n&#228;mlich Italien und Libyen beteiligt. Gescheitert ist sie daran, dass Italien nicht die passenden Abkommen mit Libyen abschlie&#223;en konnte. Es gab zwar R&#252;ck&#252;bernahmeabkommen, aber die wurden von libyscher Seite nicht ernst genommen. Ein Abkommen allein hei&#223;t nicht, dass es funktionsf&#228;hig ist. Patrouilleabkommen gab es gar nicht. W&#228;hrend Nautilus, die von 2006 bis 2009 im zentralen Mittelmeer stattfand, kam es daher zu einer massiven Zunahme der Migration in die EU, da es keine R&#252;ckeskortierungen gab und dies MigrantInnen zus&#228;tzlich zur &#220;berfahrt motivierte. Das hei&#223;t, Italien musste MigrantInnen ankommen lassen, weil Libyen nicht tolerierte, dass europ&#228;ische Boote in libyschen Hoheitsgew&#228;ssern operieren. </p>
<p><em>Welche Rolle spielen L&#228;nder wie Libyen genau? Wie ist deren Verh&#228;ltnis zu ihrer Migration bzw. zu den europ&#228;ischen Staaten? Hat sich hier etwas seit den Revolten in Nordafrika ver&#228;ndert?</em> </p>
<p>Gaddafi hat sich von der EU kaufen lassen. Von Italien wurden 1,5 Milliarden Euro gefordert und zus&#228;tzlich von der Europ&#228;ischen Union 50 Millionen Euro. Beim letzten EU-Afrika Gipfel im vergangenen Herbst hat Gaddafi weitere 1,5 Milliarden von der EU gefordert. Das war immer seine Strategie. F&#252;r viele Drittstaaten ist Grenzschutz ein wichtiges politisches Druckmittel geworden. Gerade L&#228;nder in relevanten geographischen Lagen, sprich in EU-N&#228;he, erlangen so eine bessere Verhandlungsposition. Sie setzen auf die Migrationskarte um Geld, Visumserleichterungen oder Entwicklungsgelder im Gegenzug zu ihrer Kooperation bei der Migrationssteuerung fordern zu k&#246;nnen.<br />
Gerade im Zuge der Umbr&#252;che in Nordafrika ist das nat&#252;rlich extrem problematisch. Aus Libyen finden derzeit sogar Zwangsdeportationen nach Italien statt. Die libysche Polizei geht in der Nacht in Wohnviertel von MigrantInnen und GastarbeiterInnen, setzt diese in Schiffe und schafft sie nach Lampedusa. Gaddafi hat immer gesagt, er &#252;berschwemmt Europa mit subsaharischen MigrantInnen. Je aussichtsloser seine Lage wird, desto mehr setzt er auf dieses Druckmittel. Wenn man sich jedoch die realen Zahlen anschaut, ist die Angst der Europ&#228;ischen Union vor einer „&#220;berschwemmung“ durch Fl&#252;chtlinge einfach nur absurd, schlie&#223;lich passiert alles andere als ein biblischer Exodus. Es handelt sich bisher nur um einige tausend Menschen, die vor dem Hintergrund der Umbr&#252;che in Nordafrika vorrangig aus Tunesien in die EU gekommen sind. Aus Libyen beispielsweise kommt nicht einmal ein Prozent der gesamten Fl&#252;chtlinge in die EU, sondern die Mehrheit reist in die Nachbarl&#228;nder &#196;gypten und Tunesien, die es mit einigen hunderttausend Fl&#252;chtlingen zu tun haben – also eine ganz andere Kategorie. Da diese L&#228;nder mit den aktuellen Fl&#252;chtlingsbewegungen ma&#223;los &#252;berfordert sind, ist die Situation in den grenznahen Fl&#252;chtlingslagern, wie z.B. im tunesischen Coucha, sehr schrecklich.<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> Dort gab es bereits viele Tote durch Br&#228;nde, Polizeigewalt und Gewalt durch Anrainer, sodass vielen Fl&#252;chtlingen keine andere Wahl blieb als nach Libyen zur&#252;ckzukehren, wo ihr Leben ebenfalls auf dem Spiel steht. Was man hier beobachten kann, ist der Mangel an Solidarit&#228;t der Europ&#228;ischen Gemeinschaft, nicht nur in Lampedusa, wo Italien gro&#223;teils allein gelassen wird, sondern auch gegen&#252;ber &#196;gypten und Tunesien. </p>
<p><em>Lassen sich zentrale Strategien der Migrationssteuerung seitens der Europ&#228;ischen Union identifizieren, die &#252;ber FRONTEX-Operationen hinausgehen bzw. dahinter liegen?</em> </p>
<p>In der EU dreht sich seit neuestem viel um Migration und Entwicklung. Den Migration Development Nexus findet man seit 2005 in allen policy papers. Die EU will Migration unterbinden, in dem sie die „Entwicklung“ in Herkunfts- und Konfliktstaaten durch gezielte Kooperation und „Partnerschaftsabkommen“ f&#246;rdert. Migration wird hier nicht positiv in Bezug auf Entwicklung gesehen, sondern es gilt: Hilfe bei Migrationssteuerung und -kontrolle gegen Entwicklungskooperationssummen und –projekte. Bl&#246;d ist nur, dass dabei meist korrupten Diktaturen zugespielt wird und die entwickeln denkbar wenig. Nachdem sich die Lage in Tunesien stabilisiert hat, war das Erste, was die EU gemacht hat, neue Abkommen auszuverhandeln, weil sie Angst hatte, die alten w&#252;rden nicht mehr gelten. </p>
<p><em>Wie sieht eine FRONTEX-Grenzschutzoperation konkret aus?</em> </p>
<p>Es gibt verschiedene JO-Typen, besonders bekannt sind die Operationen an den Seeau&#223;engrenzen. FRONTEX erstellt im Normalfall eine Risikoanalyse &#252;ber die Lage an einem bestimmten Grenzabschnitt und muss dann darauf warten, dass ein Mitgliedstaat eine gemeinsame Operation anfordert. Im K&#252;stenmeer von Drittstaaten &#8211; dort gibt es besondere Rechtsunsicherheit – werden zum Beispiel gemeinsame Patrouillen auf hoher See durchgef&#252;hrt. Boote, die im K&#252;stenmeer von Drittstaaten oder auf Hoher See erwischt werden, werden sofort r&#252;ckeskortiert. Das ist besonders praktisch f&#252;r die EU, weil sie dann die MigrantInnen nicht rein lassen und Asylantr&#228;ge bearbeiten muss. Das kann dann noch mit der Menschenrechtsrhetorik gerechtfertigt werden, weil die MigrantInnen auf den Booten ja quasi gerettet wurden, da sie ja wirklich in Gefahr gewesen w&#228;ren durch die &#220;berfahrt. Solche Patrouillen gehen jeden Tag raus. </p>
<p><em>Bei solchen Patrouillen werden ja h&#228;ufig auch Menschenrechtsverletzungen dokumentiert…</em> </p>
<p>Das stimmt – Menschenrechtsorganisation dokumentieren beispielsweise bei den Bootsfl&#252;chtlingen aus Nordafrika, dass so einiges versucht wurde, um eben diese Boote nicht auf dem italienischen Festland ankommen zu lassen, z.B. dass Schlauchboote zerstochen wurden, dass Trinkwasser konfisziert wurde, etc. Das ist aber nicht der Regelfall! Dennoch sind in den letzten Monaten rund tausend Menschen im Mittelmeer ertrunken und das bei einer zahlenm&#228;&#223;ig ausgesprochen hohen Pr&#228;senz von Booten im Mittelmeer durch den Libyen-Einsatz. In vielen F&#228;llen wurden Hilferufe von Fl&#252;chtlingsbooten in Seenot einfach ignoriert und das ist schon eher g&#228;ngige Praxis. Nat&#252;rlich passiert viel und es geht rough zu, aber einfach versenken kann man die Leute ja doch nicht &#8211; das w&#228;re ein zu gro&#223;er Skandal f&#252;r die EU. Es handelt sich schlie&#223;lich um zig tausende Leute, wobei man dazu sagen muss, dass der Gro&#223;teil aller irregul&#228;ren Migrationen in die EU nicht &#252;ber den Seeweg stattfindet. </p>
<p><em>Trotzdem werden ja immer wieder menschenrechtliche Grauzonen ausgen&#252;tzt. Ich denke da beispielsweise an die Boote aus Nordafrika, die im Mittelmeerraum hin- und hergeschickt wurden (zwischen Italien, Griechenland und Malta), weil kein Land sie aufnehmen wollte.</em> </p>
<p>Ja genau. Menschenrechtlichen Grauzonen gibt es vor allem bei den Seeoperationen, w&#228;hrend die anderen Bereiche z.B. Sammelabschiebungen leider rechtlich gro&#223;teils abgedeckt sind. Das Zur&#252;ckeskortieren von Booten zum Herkunftshafen ohne Einzelfallpr&#252;fung verst&#246;&#223;t aber gegen die internationale Menschenrechtskonvention.<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> Dar&#252;ber hinaus untergr&#228;bt es das Asylrecht, weil der/die MigrantIn keine M&#246;glichkeit mehr hat einen Asylantrag zu stellen. Antr&#228;ge d&#252;rfen ja bekanntlich nicht im Herkunftsland gestellt werden, sondern nur im (Erst-)Asylland. Menschen- Asyl- und Seerecht gelten nat&#252;rlich auch auf offener See, was von Seiten der Politik (z.B. vom deutschen Innenministerium) immer wieder bestritten wurde, aber von zahlreichen JuristInnen in Rechtsgutachten best&#228;tigt ist. </p>
<p> <a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/07/Frontex-Bild.png"><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/07/Frontex-Bild.png" alt="" title="Frontex-Bild" width="558" height="384" class="aligncenter size-full wp-image-2032" /></a></p>
<p><em>Welche Rolle spielt eigentlich &#214;sterreich bei FRONTEX-Eins&#228;tzen? Das Land hat ja zumindest keine EU-Au&#223;engrenze mehr.</em> </p>
<p>Stimmt, viele glauben daher auch, dass &#214;sterreich deshalb keine relevante Rolle spielt. Insbesondere in punkto Abschiebung bzw. Sammelabschiebung agiert Wien allerdings als zentrale Drehscheibe. In den letzten Jahren geht der Trend europaweit dahin vermehrt Sammelabschiebungen durchzuf&#252;hren, das kommt f&#252;r alle beteiligten L&#228;nder am billigsten und passiert unter Ausschluss der &#214;ffentlichkeit, da zu diesem Zweck eigene Flugzeuge gechartert werden. Diese landen oft nicht einmal auf regul&#228;ren Flugh&#228;fen, sondern auf Cargo-Airports. &#214;sterreich tut sich hier besonders hervor, nicht ohne Eigennutz: Da der Staat, der die Operation hostet das halbe Flugzeug „gratis bekommt“, sind Sammelabschiebungen auch f&#252;r das &#246;sterreichische Innenministerium (BMI) von Vorteil, da es billig viele Fl&#252;chtlinge zur&#252;ckschicken kann. Im Zuge dieser Sammelabschiebungen kommt es oft zu „Blitzidentifizierungen von MigrantInnen“, d.h. zu willk&#252;rlichen nationalen oder ethnischen Kategorisierungen. Da werden Menschen schon mal in fremde L&#228;nder abgeschoben. Auch in diesem Bereich ist FRONTEX aktiv. Seit neuestem befinden sich sogenannte „MenschenrechtsbeobachterInnen“ auf den Abschiebefl&#252;gen. F&#252;r &#214;sterreich macht das bekanntlich der Verein Menschenrechte &#214;sterreich, der vom BMI und der EU gef&#246;rdert wird. Da sieht man, was f&#252;r eine Farce das eigentlich ist.<br />
 <br />
<em>Wohin gehen diese Sammelabschiebungen aus &#214;sterreich?<br />
</em> </p>
<p>Kosovo und Nigeria sind klassische Abschiebel&#228;nder von &#214;sterreich aus. Ins franz&#246;sische Afrika geht es meistens &#252;ber Frankreich, also &#252;ber den Flughafen Paris Charles de Gaulles. Immer &#246;fter sind dort das Flughafenpersonal und die Polizei mit zivilgesellschaftlichen Protesten konfrontiert, wenn Passagiere bemerken, dass auf ihren Flug eine Abschiebung gebucht wurde. Meines Wissens nach gibt es jede Woche solche Proteste und sie sind h&#228;ufig erfolgreich. Das Prozedere ist simpel: Einfach aufstehen und so den Abflug der Maschine verz&#246;gern. Das letzte Wort liegt dann beim Piloten, aber oftmals entscheidet sich dieser gegen den unfreiwilligen Transport des/der MigrantIn. Auch aus diesem Grund sind Charter-Fl&#252;ge f&#252;r die EU-Staaten angenehmer.<br />
 <br />
<em>Wie w&#252;rde die EU-Grenzpolitik ohne FRONTEX aussehen?<br />
</em> </p>
<p>Es wird ja oft behauptet, dass FRONTEX quasi der Ursprung allen B&#246;sen ist, aber selbst wenn man FRONTEX abschaffen w&#252;rde, w&#252;rde die EU genauso oder sehr &#228;hnlich weitermachen. FRONTEX erleichtert die Arbeit zwar, aber die Herzst&#252;cke der Agentur hatten schon vor ihrer Gr&#252;ndung Bestand. Es gab schon ein Risk Analysis Center (RAC) in Helsinki und Ilkka Laitinen war damals schon dessen Vorsitzender! Zus&#228;tzlich gab es noch ein anderes relevantes Komitee, das SCIFA<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a>, ein ExpertInnengremium in der EU, das wichtige Vorarbeit geleistet hat und das Risikoanalysemodell, mit dem FRONTEX heute arbeitet (CIRAM) bereits entwickelt und getestet hat. Vor FRONTEX gab es sogar schon eine erste gemeinsame Grenzschutzoperation an der Seeau&#223;engrenze im Bereich der Kanaren, die von Spanien gehostet wurde…<br />
FRONTEX hat diese Prozesse lediglich vereinfacht, zentralisiert und weiterentwickelt, aber die Vorarbeit war bereits geleistet. Dennoch muss gesagt sein, dass der teils sehr intransparente und flexible Rechtsrahmen, in dem FRONTEX als Regulierungsagentur agiert bewusst gew&#228;hlt wurde und bestens dazu geeignet ist Neues im Bereich der Grenzkontrolle zu entwickeln, zu testen und das unter weitgehendem Ausschluss der &#214;ffentlichkeit. Da die Agentur &#252;ber geheimdienstliche Informationen und den Zugang zu polizeiliche Datenbanken verf&#252;gt, kann sie sich auch darauf berufen und nicht die Vollversion von Berichten oder Analysen ver&#246;ffentlichen. Auch EUROPOL ist ja seit Januar 2010 eine Agentur und das mit der Begr&#252;ndung so schneller handlungsf&#228;hig zu sein. F&#252;r Agenturen gibt es also weniger Korrektive und Instanzen, die konsultiert werden m&#252;ssen um Entscheidungen zu f&#228;llen.<br />
 <br />
<em>Welche Entwicklungen wird der europ&#228;ische Grenzschutz deiner Meinung nach in den n&#228;chsten Jahren nehmen?<br />
</em> </p>
<p>Grenzschutz wird zunehmend exterritorialisiert. Der Bereich der Migrationskontrolle befindet sich innerhalb von Schengen, an den Grenzen und au&#223;erhalb von Schengen. &#220;berall dort finden Kontrollen statt, &#252;berall dort manifestiert sich die Grenze in verschiedenen Formen. Diese Tendenz besteht, weil es viel einfacher und angenehmer ist die Migrationskontrolle auszulagern. Dann ist auch der menschenrechtliche Widerspruch leichter aufzul&#246;sen. Die EU finanziert zahlreiche Auffanglager, auch in Libyen, einem Land, in dem Menschenrechte mit den F&#252;&#223;en getreten werden und das die Genfer Fl&#252;chtlingskonvention nie unterzeichnet hat. In die libyschen Lager darf nicht mal der UNHCR<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a>, da wird gefoltert,…finanziert von der EU! Was passiert, wenn diese Lager &#252;berf&#252;llt sind? Man nimmt LKWs und f&#252;hrt die MigrantInnen irgendwoanders hin. In letzter Zeit haben diese W&#252;stenr&#252;ckschiebungen, vor allem bez&#252;glich der Hera-Operation vor den Kanaren, mehr Aufmerksamkeit bekommen. W&#246;chentlich landen hunderte MigrantInnen und v.a. Jugendliche in der W&#252;ste, ohne Lebensmittel und sind so dem Tod ausgeliefert, wenn das Rote Kreuz sie nicht rettet oder sie die unglaubliche Kraft haben die n&#228;chste Stadt zu erreichen. So versuchen afrikanische Staaten wie Mauretanien oder Algerien, die im Rahmen von FRONTEX-JOs abgefangene Fl&#252;chtlinge zur&#252;cknehmen m&#252;ssen, das „Problem“ weiter in ihre Nachbarstaaten auszulagern – also das Ph&#228;nomen der Kettenr&#252;ckschiebung. Und dass daf&#252;r Gelder aus der EU verwendet werden, die z.B. den Entwicklungsstempel tragen, ist nicht auszuschlie&#223;en. Die EU ist es auch, die beispielsweise in Westafrika Systeme zur Grenz&#252;berwachung implementiert, Grenz&#252;berg&#228;nge errichtet und sogar Grenzschutzpersonal ausbildet. Auch von der EU gestaltete Anti-Emigrations-Spots und Plakate werden in Transit- oder Herkunftsstaaten platziert. An der malisch-mauretanischen Grenze beispielsweise habe ich ein von der EU aufgestelltes Schild mit der Aufschrift: „Stoppt irregul&#228;re Migration – sie ist eine Gefahr f&#252;r die malische Gesellschaft“ gesehen. So weit ist die Exterritorialisierung bereits fortgeschritten.<br />
Das sind die wahren Konsequenzen der europ&#228;ischen Abschottungspolitik: Zuerst in das Lager, wo du keine Rechte hast, keinen Lebensstandard, nicht mal eine Toilette, bis zur R&#252;ckschiebung an inner-afrikanische Grenzen, wo niemand zimperlich ist. Die Geschichte ist nach der Abschiebung nicht zu Ende. Die Menschen kommen traumatisiert zur&#252;ck, wenn sie es &#252;berhaupt zur&#252;ck schaffen. Nachdem die EU die Fl&#252;chtlingsbek&#228;mpfung auslagert hat, sind eben auch viel h&#228;rtere Regimes und Diktaturen mit im Spiel, die mit Genfer Fl&#252;chtlingskonvention und Menschenrechten nichts am Hut haben. Das hei&#223;t in Folge auch, dass der Fl&#252;chtlingsschutz, der eigentlich oberste Priorit&#228;t haben sollte, in Drittstaaten ausgelagert wird, wo er nicht gesichert ist.<br />
 <br />
<em>In den Medien gibt es ja alle paar Monate wieder einen humanit&#228;ren Aufschrei, wenn z.B. wieder ein Boot voller halb-verhungerter Fl&#252;chtlinge auf Lampedusa gestrandet ist. Warum passiert da eigentlich nicht mehr, z.B. von Seiten der lokalen Bev&#246;lkerung?<br />
</em> </p>
<p>In den letzten Jahren wird vermehrt auf eine enorme Angstmache gesetzt. FischerInnen werden zum Beispiel kriminalisiert, wenn sie Fl&#252;chtlinge gerettet haben. Eigentlich sind sie nach internationalem Seerecht verpflichtet, Menschen, die in Seenot geraten sind, zu helfen. Die FischerInnen, die sich daran gehalten haben, haben dann Verfahren am Hals gehabt. Ihre Boote wurden konfisziert, sie konnten ihren Beruf nicht mehr aus&#252;ben und mussten jahrelange Verfahren wegen Schlepperei aushalten. Das &#246;ffentlichkeitswirksamste Verfahren war das der Cap Anamur, ein deutsches Hilfsschiff mit Elias Bierdel<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a> an Bord. Er und die Mannschaft hatten einen drei bis f&#252;nf j&#228;hrigen Prozess wegen Schlepperei und wurden freigesprochen. Die Cap Anamur hatte vierzig Menschen aufgenommen. Trotz des Freispruchs sind die FischerInnen sehr eingesch&#252;chtert, auch die Zivilgesellschaft greift deswegen selten ein.<br />
 <br />
<em>Wie kann man gegen FRONTEX vorgehen? Auf Ebene der Realpolitik und der Verhandlungen ist schwer etwas zu machen, wenn FRONTEX auch rechtlich so unangreifbar ist. Kann es &#252;berhaupt von dieser Warte aus gehen?<br />
</em> </p>
<p>Innerhalb von FRONTEX oder des EU-Grenzschutzes wird es schwer sein etwas zu ver&#228;ndern. Au&#223;erdem hat FRONTEX in der EU ein gutes Standing. Das Budget der Agentur wird immer wieder erh&#246;ht, das hei&#223;t man ist mit der Arbeit im Gro&#223;en und Ganzen zufrieden. Die Europ&#228;ischen Gr&#252;nen haben vor kurzem eine Studie herausgegeben, die die Vereinbarkeit von FRONTEX mit den Menschenrechten in Frage stellt. Diese Vorst&#246;&#223;e sind sehr wichtig, aber haben sie momentan keine Mehrheit im Parlament.<br />
Dar&#252;ber hinaus gibt es innerhalb von FRONTEX und des europ&#228;ischen Grenzschutzes auch gar kein Interesse daran die Entwicklungen in eine progressive Richtung zu ver&#228;ndern. FRONTEX ist eng verzahnt mit der europ&#228;ischen Polizei und den Geheimdiensten. Das Problem ist also das System. Wenn man dieser Logik folgt, in der unsere Staaten und unsere Wirtschaft funktionieren und unser Markt, unsere Politik sich bewegen, die auf Profit, Konkurrenz, eigenem Vorteil und auf Ausbeutung basiert, wird sich nichts &#228;ndern. Wenn wir eine/n MenschrechtsbeobachterIn mehr in ein Abschiebeflugzeug schicken, ist das nur ein Tropfen auf den hei&#223;en Stein. Vielleicht bewirkt es Peanuts, aber das ist viel zu wenig. Die Strukturen sind viel zu festgefahren.<br />
Es muss jetzt viel mehr darum gehen grunds&#228;tzliche Fragen zu stellen: Warum fl&#252;chten Menschen und finden keine Lebensgrundlage in ihren Herkunftsl&#228;ndern mehr? Da ist die Europ&#228;ische Union mit ihren hohen Agrarsubventionen, dem Leerfischen von Meeren und dem Aufrechterhalten von Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnissen ja alles andere als unbeteiligt. Und wenn das klar ist, funktioniert auch ein Aufsplitten in „eure“ und „unsere“ Probleme nicht mehr. Eine solche Argumentation ist dann nicht mehr haltbar. Ein erster Schritt w&#228;re meiner Meinung nach auch eine &#220;berarbeitung der Genfer Fl&#252;chtlingskonvention aus dem Jahr 1951, die ich f&#252;r veraltet halte und die Wirtschaftsflucht immer noch nicht als legalen Fluchtgrund anerkennt, auch wenn wirtschaftliche Not, Armut und Hunger in Realit&#228;t lebensbedrohlich sind.<br />
Aus jetziger Perspektive ist es meiner Meinung nach unverzichtbar ein breites Bewusstsein f&#252;r die reale Situation von MigrantInnen an den EU-Au&#223;engrenzen und dar&#252;ber hinaus zu erzeugen und die Mythen &#252;ber Ausl&#228;nderInnen, die Einheimischen, die Jobs wegnehmen und kriminell sind – die ganze rechtspopulistische Propaganda eben – zu dekonstruieren. Es gibt ja auch Studien dazu. Das Wissen ist da. Je mehr Menschen, die Mythen als solche erkennen und einsehen, dass hier Unrecht passiert, desto besser. Da k&#246;nnen auch kleine Aktionen, Flashmobs, M&#228;rsche, Diskussionen und jegliche Art der Bewusstseinsbildung helfen. MigrationsgegnerInnen argumentieren h&#228;ufig damit, dass Zuwanderung eine Kostenfrage und unleistbar sei. Real zahlen MigrantInnen mehr ins &#246;sterreichische Sozialsystem ein, als sie herausbekommen und verrichten vorrangig T&#228;tigkeiten unter ihrer Qualifikation.<br />
Die Verh&#228;ltnisse werden sich nur durch &#246;ffentlichen Druck ver&#228;ndern lassen und ich denke, dass wir momentan eine sehr spannende Zeit der Umbr&#252;che erleben. &#220;ber Nordafrika hinaus sind die Menschen in Spanien und Griechenland emp&#246;rt &#252;ber die herrschenden Zust&#228;nde und artikulieren ganz klar ihre Unzufriedenheit mit dem System, mit einer „repr&#228;sentativen Demokratie“, durch die sie sich nicht repr&#228;sentiert f&#252;hlen und mit der Kluft zwischen Arm und Reich, die immer gr&#246;&#223;er wird, da an den falschen Ecken eingespart wird oder Geld einfach versickert. In Bezug auf die Migrationspolitik ist es an der Zeit die gesamtgesellschaftliche Haltung zu Einwanderung und zum Fl&#252;chtlingsschutz zu ver&#228;ndern, ein fremdenfreundliches Klima und eine offene Atmosph&#228;re zu schaffen, in der mensch sich wohlf&#252;hlen kann und anerkannt wird. Also: Mythen dekonstruieren und Solidarit&#228;t zeigen! </p>
<p><em>Stephanie Deimel</em> ist Politikwissenschaftlerin und hat ihre Diplomarbeit zu FRONTEX und den Auswirkungen des EU-Au&#223;engrenzmanagements auf Migrationsbewegungen geschrieben. Im Fr&#252;hjahr 2011 nahm sie gemeinsam mit AktivistInnen des Netzwerkes <em>Afrique-Europe-Interact</em> an einer Karawane zum Weltsozialforum teil, die sich f&#252;r Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung einsetzt. </p>
<p><strong>Interessante Links:</strong><br />
Borderline Europa: <a href="http://www.borderline-europe.de/">http://www.borderline-europe.de/</a><br />
Frontex-Watch: <a href="http://frontex.antira.info/">http://frontex.antira.info/</a>Frontexplode: <a href="http://frontexplode.eu/">http://frontexplode.eu/</a>Welcome to Europe: <a href="http://w2eu.net/">http://w2eu.net/</a>Afrique-Europe-Interact: <a href="http://www.afrique-europe-interact.net/">http://www.afrique-europe-interact.net/</a>Migreurop: <a href="http://www.migreurop.org/?lang=fr">http://www.migreurop.org/?lang=fr</a></p>
<p><strong>Traurige Links:</strong><br />
Frontex-Homepage: <a href="http://www.frontex.europa.eu/ ">http://www.frontex.europa.eu/ </a></p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> http://www.FRONTEX.europa.eu/newsroom/news_releases/art109.html<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> http://afrique-europe-interact.net/index.php?article_id=462&#038;clang=0<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Artikel 13 (2): „Jeder Mensch hat das Recht jedes Land, einschlie&#223;lich seines eigenen, zu verlassen.&#8221;<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> „Strategische Komitee f&#252;r Einwanderungs-, Grenz- und Asylfragen“, wurde im Rahmen der SCIFA die Common Unit („Gemeinsame Instanz von Praktikern f&#252;r die Au&#223;engrenzen“) eingerichtet. Diese organisierten den Aufbau der Ad-hoc-Zentren f&#252;r die Luft-, See- und Landgrenzen sowie die Risikoanalyse (RAC) und die gemeinsame Ausbildung von Grenzbeamten (ACT), die als Vorg&#228;nger von FRONTEX zu bezeichnen sind.<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> UN Refugee Agency<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Elias Bierdel hat Borderline gegr&#252;ndet.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Freiheit statt Frontex</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 13:02:47 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Netzwerke afrique-europe-interact, Welcome to Europe und das Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung haben eine Stellungnahme zu den Revolten in Nordafrika und der m&#246;rderischen Grenzpolitik Europas verfasst.

FREIHEIT STATT FRONTEX
Keine Demokratie ohne globale Bewegungsfreiheit

Die Dynamik des arabischen Fr&#252;hlings strahlt aus in die ganze Welt. Die Aufstandsbewegungen im Maghreb machen Mut und Hoffnung, nicht nur weil despotische Regime verjagt werden, die vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Netzwerke <a href="http://www.afrique-europe-interact.net">afrique-europe-interact</a>, <a href="http://w2eu.net/">Welcome to Europe</a> und das <a href="http://kritnet.org/">Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung</a> haben eine Stellungnahme zu den Revolten in Nordafrika und der m&#246;rderischen Grenzpolitik Europas verfasst.<br />
<span id="more-1848"></span></p>
<p><strong>FREIHEIT STATT FRONTEX<br />
Keine Demokratie ohne globale Bewegungsfreiheit</strong><br />
<a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/03/528382.jpg"><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/03/528382-300x187.jpg" alt="" title="52838" width="300" height="187" class="alignnone size-medium wp-image-1853" /></a></p>
<p>Die Dynamik des arabischen Fr&#252;hlings strahlt aus in die ganze Welt. Die Aufstandsbewegungen im Maghreb machen Mut und Hoffnung, nicht nur weil despotische Regime verjagt werden, die vor kurzem noch un&#252;berwindbar erschienen. So offen die weiteren Entwicklungen bleiben, im Dominoeffekt der tunesischen Jasminrevolution meldet sich in atemberaubender Schnelligkeit die alte Erkenntnis zur&#252;ck, dass Geschichte von unten gemacht wird. Die K&#228;mpfe richten sich gegen die t&#228;gliche Armut wie auch gegen die allgemeine Unterdr&#252;ckung, es geht gleicherma&#223;en um bessere Lebensbedingungen wie um W&#252;rde, kurz: um „Brot und Rosen“.</p>
<p>Die unglaublichen Tage auf dem Tahrirplatz in Kairo stehen f&#252;r die Suche nach neuen Formen der Selbstorganisierung und Basisdemokratie. Der Wunsch nach gleichen Rechten, nach Autonomie und Teilhabe am wirtschaftlichen Reichtum, spiegelt sich aber auch in den Booten Richtung Europa wieder: jetzt aus Tunesien, seit Jahren aus Nord- und Westafrika. „Exit“ – sich die Bewegungsfreiheit zu nehmen und zu migrieren, um ein anderes, besseres Leben zu finden, und „Voice“ – die Stimme zu erheben und den Kampf vor Ort zu f&#252;hren, sind keine Gegens&#228;tze, sie stehen vielmehr in einem lebendigen Wechselverh&#228;ltnis.</p>
<p>Das hatten – noch offenkundiger – bereits die Umbr&#252;che 1989 gezeigt. Die Abstimmung mit den F&#252;&#223;en katalysierte damals die Protestbewegungen gegen das realsozialistische Unterdr&#252;ckungsregime. Die Mauer ist auch deshalb gefallen, weil die Menschen ihre Bewegungsfreiheit durchgesetzt haben. Um so verlogener erscheint heute die Freiheitsrhetorik westlicher PolitikerInnen, die angesichts der Migrationsbewegungen aus und &#252;ber Nordafrika einmal mehr das Bedrohungsszenario der &#220;berflutung bem&#252;hen, gegen die nun die europ&#228;ische Grenzschutzagentur Frontex in Stellung gebracht wird.</p>
<p>Die EU-Regierungen haben die nordafrikanischen Machthaber hofiert und gest&#252;tzt und sich in den letzten Wochen z&#246;gerlich bis bremsend gegen&#252;ber den Aufstandsbewegungen verhalten. Dahinter stecken starke &#246;konomische Interessen, aber auch die gewachsene Kollaboration in der Migrationskontrolle. Despoten wurden umso wichtigere „Partner“, je effektiver sie als Wachhunde f&#252;r ein vorverlagertes EU-Grenzregime fungierten. Migrationsbewegungen aus Afrika sollten um jeden Preis einged&#228;mmt werden.</p>
<p>Tausendfacher Tod und Leid nicht mehr nur auf See, sondern auch in den W&#252;sten und Internierungslagern waren und sind die Folgen dieser sch&#228;ndlichen Komplizenschaft. Die subsaharischen MigrantInnen, die aktuell in Libyen Opfer pogromartiger Hetzjagden werden, sahen sich unter dem Gaddafi-Regime seit Jahren einer systematischen Entrechtung, Willk&#252;r und Misshandlungen ausgeliefert. Die EU hat dem libyschen Diktator Millionen gezahlt und &#220;berwachungstechnik geliefert, eine &#228;hnliche Kooperation gibt es mit dem marokkanischen Machthaber, und bis vor kurzem auch mit dem tunesischen Regime. Die arabischen Revolutionen markieren jetzt das m&#246;gliche Scheitern dieses brutalen Ausgrenzungsprojekts der EU im Mittelmeerraum.</p>
<p>Mit den gezielt medial gestreuten Bef&#252;rchtungen &#252;ber einen Kollaps der Migrationskontrolle wird nun die weitere Versch&#228;rfung und Militarisierung des EU-Grenzregimes legitimiert, verk&#246;rpert durch Frontex. Die europ&#228;ische Grenzschutzagentur erg&#228;nzt und erweitert die nationalen Kontrollsysteme, die seit Jahrzehnten auf Abschreckung und Kriminalisierung der Migrationsbewegungen zielen. Frontex soll – wie bereits vor der westafrikanischen K&#252;ste oder an der griechisch-t&#252;rkischen Grenze – nun auch verst&#228;rkt vor Nordafrika zum Einsatz gebracht werden.</p>
<p>Italien erh&#228;lt die Federf&#252;hrung f&#252;r diese „Operation Hermes“. Das ist konsequent und schockierend ehrlich: In Folge des Schulterschlusses zwischen Berlusconi und Gaddafi kam es in den letzten Jahren zu unz&#228;hligen unrechtm&#228;&#223;igen R&#252;ckschiebungen im Mittelmeer, der italienische Staat hat sich geradezu als Meister im Bruch aller Fl&#252;chtlingsskonventionen inszeniert. Und nicht zuf&#228;llig wird kriminalisiert, wer das Leben der Boatpeople rettet. Das zeigen die F&#228;lle der Cap Anamur oder der tunesischen Fischer, deren Prozesse in Italien noch immer andauern.</p>
<p>MigrantInnen suchen Schutz oder ein besseres Leben in Europa. Sie wandern gegen ein Reichtumsgef&#228;lle, das ganz wesentlich in den neokolonialen Dominanz- und Ausbeutungsverh&#228;ltnissen zwischen Europa und Afrika begr&#252;ndet liegt. In Europa muss sich der universelle Anspruch auf Freiheit und Demokratie deshalb am Umgang mit denjenigen messen lassen, die auf dem Weg der Migration gleiche Rechte einfordern. Frontex steht f&#252;r den Ausbau eines t&#246;dlichen Grenzregimes, f&#252;r das in einer freien Welt kein Platz ist. Der Tod an den Au&#223;engrenzen k&#246;nnte schon morgen Geschichte sein. Aber das ist politisch nicht gewollt. Stattdessen f&#252;hren die EU-Verantwortlichen einen regelrechten Krieg an den Au&#223;engrenzen.</p>
<p>Innerhalb der EU geh&#246;ren Entrechtung und Abschiebung zum rassistischen Alltag, in dem „Integration“ als Druckmittel der Anpassung und Ausbeutung in den Niedriglohnsektoren benutzt wird. Doch dieser selektive Umgang mit Migration ist mit Widerst&#228;ndigkeiten und Beharrlichkeiten konfrontiert, die das System der Ungleichheiten und Unfreiheiten immer wieder herausfordern. Nicht zuf&#228;llig findet in dieser bewegten Zeit ein dramatischer Hungerstreik von 300 maghrebinischen MigrantInnen f&#252;r ihre Legalisierung in Griechenland statt. Und verst&#228;rkt flackern Bleiberechtsk&#228;mpfe und migrantische Streiks quer durch Europa auf, seit Sans Papiers – insbesondere aus Afrika – vor 15 Jahren in Paris mit der Forderung „Papiere f&#252;r Alle“ in die &#214;ffentlichkeit traten.</p>
<p>Der Aufbruch in Nordafrika zeigt, was alles m&#246;glich ist. Es geht um nicht weniger als um ein neues Europa, ein neues Afrika, eine neue arabische Welt. Es geht um neue R&#228;ume der Freiheit und Gleichheit, die es in transnationalen K&#228;mpfen zu entwickeln gilt: in Tunis, Kairo oder Bengazi genauso wie in Europa und den Bewegungen der Migration, die die beiden Kontinente durchziehen.</p>
<p>8. M&#228;rz 2011<br />
Afrique-Europe-Interact<br />
Welcome to Europe<br />
Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung</p>
<p>Zum Unterzeichnen der Deklaration bitte eine entsprechende kurze Mitteilung an fsf@antira.info schicken.</p>
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		<title>Out Now: Perspektiven Nr.12</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Oct 2010 18:53:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Faschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Krisentheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Osteuropa]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Perspektiven Nr.12 ist erschienen – Schwerpunkt: &#8220;Autorit&#228;re Antworten auf die Krise&#8221;


Der Inhalt in Kurzform:
Im Schwerpunkt:
Nicolas Schlitz und Felix Wiegand: Die FP&#214;. Nutznie&#223;erin der Krise? – Bonn Juego und Johannes Dragsbaek Schmidt: Die globale Krise und der Angriff auf die Demokratie – Interview zur Situation in Osteuropa: Im Osten nichts Neues – Hanna Lichtenberger, Veronika Duma und Tobias Boos: Hinter dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><em>Perspektiven</em> Nr.12 ist erschienen – Schwerpunkt: &#8220;Autorit&#228;re Antworten auf die Krise&#8221;</h3>
<p><span id="more-1627"></span><br />
<a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/10/p12end.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1617" title="p12end" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/10/p12end-211x300.jpg" alt="" width="211" height="300" /></a><br />
<strong>Der Inhalt in Kurzform</strong>:</p>
<p>Im Schwerpunkt:<br />
<a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/10/15/die-fpoe-nutzniesserin-der-krise/">Nicolas Schlitz und Felix Wiegand: Die FP&#214;. Nutznie&#223;erin der Krise?</a> – Bonn Juego und Johannes Dragsbaek Schmidt: Die globale Krise und der Angriff auf die Demokratie – Interview zur Situation in Osteuropa: Im Osten nichts Neues – Hanna Lichtenberger, Veronika Duma und Tobias Boos: Hinter dem Faschismus steht…?</p>
<p>Au&#223;erhalb des Schwerpunkts:<br />
Peter Hallward: Haiti. Von der Flut zum Beben – Paul Pop: Zehn Filme, die man vor der Revolution gesehen haben muss – Philipp Probst: Vom Aufstieg und Fall der Profitrate – Rezensionen und Rosinenpicken</p>
<p>Jetzt <a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/10/15/editorial-10/">Editorial</a> lesen! <a href="http://www.perspektiven-online.at/ausgaben/perspektiven-nr-12/">Perspektiven Nr. 12</a> bestellen! <a href="http://www.perspektiven-online.at/abo/">Abo </a>holen!</p>
<p>Wir w&#252;nschen interessante Lekt&#252;re, W&#252;nsche, Anregungen und Kritik sind wie immer herzlich willkommen und ausdr&#252;cklich erw&#252;nscht, am einfachsten per Mail an <a href="redaktion@perspektiven-online.at">redaktion@perspektiven-online.a</a>t !</p>
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		<title>Ernste Allgemeine Verunsicherung auf Europatournee</title>
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		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2007/12/07/ernste-allgemeine-verunsicherung-auf-europatournee/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 07 Dec 2007 14:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>stefan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 3]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Prekarisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Prek&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse m&#252;ssen stets aufs Neue politisch durchgesetzt werden. Wie die EU-Kommission als Motor der Zwangsflexibilisierung und sozialen Verunsicherung wirkt, zeigen <em>Mario Becksteiner</em> und <em>Florian Reiter</em>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Prek&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse m&#252;ssen stets aufs Neue politisch durchgesetzt werden. Wie die EU-Kommission als Motor der Zwangsflexibilisierung und sozialen Verunsicherung wirkt, zeigen <em>Mario Becksteiner</em> und <em>Florian Reiter</em>.</p>
<p><span id="more-11"></span></p>
<p>Laut nationalen Statistiken waren im Jahr 2004 16 Prozent der Bev&#246;lkerung in der Europ&#228;ischen Union von Armut bedroht. In Zahlen hei&#223;t das: 72 Millionen Menschen mussten von weniger als 60 Prozent des jeweiligen nationalen mittleren &#196;quivalenzeinkommens leben. Auch die Integration in den Arbeitsmarkt ist heute keine Garantie mehr, nicht von Armut bedroht zu sein: in der EU leben heute fast doppelt so viele arme Menschen, die einen Job haben (ca. 14 Millionen), als Arbeitslose, die laut Statistik arm sind (ca. 7 Millionen).<br />
Dieser Trend kehrte sich in den Jahren 2005 und 2006, trotz verbesserter Wirtschaftslage, nicht um.<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a> Sind diese Daten der Europ&#228;ischen Memorandum Gruppe f&#252;r sich schon alarmierend, so stellen sie sich noch drastischer dar, wenn man die Ursachen dieser Entwicklung betrachtet. Nicht etwa gro&#223;e wirtschaftliche Einbr&#252;che sind deren Ausl&#246;ser, sondern die permanente Umformung der Arbeitsverh&#228;ltnisse in der Europ&#228;ischen Union. Die so genannten „Reformen“ der Arbeitsm&#228;rkte und Strukturanpassungsprogramme, in den neuen Mitgliedsstaaten wie in den alten, haben zu einem massiven Trend in Richtung Ausweitung von Niedriglohnsegmenten, unfreiwilliger Teilzeitarbeit, geringf&#252;giger Besch&#228;ftigung und damit prek&#228;ren Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnissen gef&#252;hrt.<br />
Die Deregulierung der Arbeitsm&#228;rkte, umfassende Privatisierung vormals &#246;ffentlicher Sektoren und die permanente Zur&#252;cknahme von Sozialleistungen bei gleichzeitiger Versch&#228;rfung von Zumutbarkeitsbestimmungen dr&#228;ngen nicht nur Leute in Armut, die keinen Job haben, sondern produzieren auch immer mehr so genannte „Working Poor“. Dieser umfassende Trend wird seit einigen Jahren mit dem Begriff der Prekarisierung umschrieben. In unserem Artikel wollen wir uns damit besch&#228;ftigen, welche Rolle die Europ&#228;ische Union in diesem Prozess der Prekarisierung von Lebensumst&#228;nden gro&#223;er Teile der europ&#228;ischen Bev&#246;lkerung spielt.</p>
<h3>Zonen der Prekarisierung</h3>
<p>Zun&#228;chst einige Erl&#228;uterungen zum Begriff Prekarisierung. Wir verstehen darunter eine allgemeine Verunsicherung, die sich zwar zentral auf Arbeitsverh&#228;ltnisse bezieht, dar&#252;ber hinaus aber auch noch andere Dimensionen umfasst. Die Ausgestaltung von Arbeitsverh&#228;ltnissen ist in einer kapitalistischen Gesellschaft zwar zentraler Bezugspunkt gesellschaftlicher Integration, doch ist sie nicht der einzige. In einem integralen Verst&#228;ndnis m&#252;ssen ebenso Dimensionen wie Wohnsituation, soziale Netzwerke, Teilhabe am &#246;ffentlichen Leben und Zugang zu Wissen oder gesellschaftlichen „skills„ beachtet werden. Wenn der Zugang zu einer dieser Dimensionen verwehrt bleibt, besteht die Gefahr, in einem sich selbst verst&#228;rkenden Prozess der Ausgrenzung und Verunsicherung zu geraten. Generell kann festgestellt werden, dass sich das Ph&#228;nomen Prekarisierung heute &#252;ber breite Gesellschaftsschichten erstreckt, sich allerdings unterschiedlich auswirkt. Anschlie&#223;end an Klaus D&#246;rre k&#246;nnen drei „Zonen“ der Prekarisierung ausgemacht werden.<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a><br />
1. „Zone der Integration“: Die gr&#246;&#223;te Anzahl der Besch&#228;ftigten in der EU lebt heute noch immer in festen Anstellungsverh&#228;ltnissen. Diese Bereiche zeichnen sich durch eine relative Arbeitsplatzsicherheit aus, obwohl stets ein Gef&#228;hrdungspotential auch f&#252;r diese Besch&#228;ftigten besteht – etwa durch Outsourcing oder den vermehrten Einsatz von Leiharbeit in gro&#223;en Industriebetrieben. In Zahlen gegossen bedeutet das: im Jahr 2005 hatten 14,2 Prozent der ArbeitnehmerInnen in der EU befristete Arbeitsvertr&#228;ge, 18 Prozent waren teilzeitbesch&#228;ftigt und 15,9 Prozent waren Selbstst&#228;ndige, die ebenfalls massiv von Prekarisierung betroffen sind. Dieses Drohpotential ist st&#228;ndig pr&#228;sent. Besonders betroffen sind dabei ArbeitnehmerInnen &#252;ber 45 Jahre, die bei einem Jobverlust nur in den seltensten F&#228;llen eine gleichwertige Anstellung finden. Diese permanente Gef&#228;hrdung f&#252;hrt zu einer Disziplinierung der ArbeitnehmerInnen und deren Vertretungen etwa im Bereich der Lohnabschl&#252;sse.<br />
2. „Zone der Prekarit&#228;t“: Unsichere Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse und nur schwach ausgebildete soziale Absicherung sind die Kennzeichen dieser Lebensumst&#228;nde. Der Horizont der Lebensplanung verengt sich oft auf Wochen oder Tage, da st&#228;ndig Arbeitslosigkeit oder Einkommensverlust droht. Genaue Zahlen &#252;ber das Ausma&#223; dieser Zone gibt es kaum, da sich Prekarisierungstendenzen genauso in formal gesicherten Arbeitsverh&#228;ltnissen durchsetzen k&#246;nnen und Besch&#228;ftigungsstatistiken viele Menschen nicht erfassen, die zum Beispiel noch nie in einem Arbeitsverh&#228;ltnis waren, von Schwarzarbeit leben oder sich in prek&#228;ren Ausbildungsverh&#228;ltnissen befinden. Sch&#228;tzungen zu Folge ist bereits jede/r dritte ArbeitnehmerIn Teil dieser „Zone der Prekarit&#228;t“.<br />
3. „Zone der Entkopplung“: Das untere Ende stellt die Zone der vollkommen Entkoppelten dar. Sie fallen aus jeglicher Art der Lohnarbeit heraus und sind aus regierungspolitischer Sicht nur noch mit der Kategorie der Armutsbek&#228;mpfung zu fassen. Dabei nimmt diese Zone der Entkoppelten, im Sinne einer neoliberalen Gesellschaftsentwicklung, eine wichtige Funktion in der Disziplinierung der anderen beiden Zonen ein. Sie dient als negative Referenzfolie, die als Drohpotential aufrechterhalten wird und deren Inszenierung sich dabei nicht nur auf die Arbeitsverh&#228;ltnisse bezieht, sondern, in einem umfassenden Sinn, kulturell und gesellschaftlich wirkt und ein „Anderes“ inmitten unserer Gesellschaft konstruiert. Der damit aufgebaute Konformit&#228;tsdruck hilft auch, die kritische Hinterfragung gesellschaftlicher Umst&#228;nde zu verhindern und statt dessen die Unsicherheit und Unzufriedenheit auf stigmatisierte Bev&#246;lkerungsgruppen umzulenken. Nicht &#252;berraschend ist, dass sich in der „Zone der Entkopplung“ viele Menschen mit migrantischem Hintergrund befinden.</p>
<h3>Sozialpolitik im Dienste des Standortwettbewerbs</h3>
<p>Diese be&#228;ngstigenden Ver&#228;nderungen sind Ergebnis einer Politik, die sich nicht zuletzt durch die Deregulierungsstrategie der EU und im Besonderen der EU-Kommission in ganz Europa durchgesetzt hat. Sozialpolitik im engeren Sinn spielte auf Ebene der Europ&#228;ischen Union bis in die neunziger Jahre nur eine untergeordnete Rolle. Wenn, war sie Nebenprodukt der &#246;konomischen Integration, sozial- wie auch besch&#228;ftigungspolitische Kompetenzen waren in den Mitgliedsl&#228;ndern angesiedelt. Erstmals setzte der sozialdemokratische Kommissionspr&#228;sident Jacques Delors im Jahr 1993 das Thema Soziales auf die Agenda der EU. Die Besonderheit war, dass die EU auf diesem Gebiet eigentlich in keiner Weise gesetzgeberische Kompetenz besa&#223;. Warum es f&#252;r die Kommission trotzdem notwendig war, diese Fragen zu behandeln, hatte mehrere Gr&#252;nde. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit im EU-Raum mehrte die Stimmen, die grunds&#228;tzlich den eingeschlagenen Weg der wirtschaftlichen Union in Frage stellten. Die Schieflage in Richtung neoliberaler Vorstellungen generierte zunehmend Unmut, nicht nur auf Seiten der nationalen Regierungen, sondern auch auf Seiten der Gewerkschaften. Um den Prozess der Integration nicht zu gef&#228;hrden, wurde nach Wegen gesucht, wieder breitere Zustimmung f&#252;r das Projekt Integration zu bekommen. Unter dem sozialdemokratischen Kommissionspr&#228;sidenten wurde deshalb ein Wei&#223;buch „Wachstum, Wettbewerbsf&#228;higkeit und Besch&#228;ftigung“ ausgearbeitet. Die darin versammelten Vorschl&#228;ge trugen bereits den Stempel einer Programmatik, die Sozialpolitik in die Dienste der Wettbewerbsf&#228;higkeit stellte. Karl Aiginger vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo vermutet, dass die zentralen Ideen aller sozialpolitischen Ma&#223;nahmen, die auf EU-Ebene vorgeschlagen werden, von einer Doktrin getragen werden, die sich innerhalb der OECD unter der Bezeichnung Pariser Konsens entwickelt hat. „Der Pariser Consensus enth&#228;lt vier Elemente: Handelsliberalisierung, Strukturreformen [&#252;bersetzt: Flexibilisierung und Privatisierung, M.B.], Fiskalische Disziplin und Inflationsbek&#228;mpfung (als zentrale Priorit&#228;t der Geldpolitik).“<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a> Dieses strikte Korsett, das sich am deutlichsten in den rigiden Auflagen der Stabilit&#228;tskriterien auswirkt, erlegt bis heute der Sozialpolitik auf europ&#228;ischer Ebene Restriktionen auf. Innerhalb dieses Rahmens versucht die EU nun, die Sozialpolitiken der Mitgliedsl&#228;nder auf Wettbewerbsf&#228;higkeit zu trimmen.</p>
<h3>Lissabon und die Methode der Offenen Koordinierung</h3>
<p>Um im Sinne dieser Vorgaben einen koordinierten Umbau der Sozialsysteme in den Mitgliedsl&#228;ndern zu erreichen, musste die Union erst ein geeignetes Verfahren entwickeln, mit dem sie, trotz gegen null gehender gesetzgeberischer Kompetenz, Einfluss aus&#252;ben konnte. Im Zuge der Entwicklung einer „Europ&#228;ischen Besch&#228;ftigungsstrategie“ wurde daher das politische Werkzeug der „Methode der offenen Koordinierung“ (MOK) entwickelt. Diese kann als ein Set von politischen Praktiken charakterisiert werden, in dem die Kommission die Rolle einer Erzieherin im Sinne der Wettbewerbslogik &#252;bernimmt. Dabei werden unter Ber&#252;cksichtigung verschiedener Parameter nationale Besch&#228;ftigungs- und Sozialpolitiken beurteilt. Gute Praktiken werden von der Kommission gelobt, schlechte nationale Politiken getadelt. Dieses „naming and shaming“ f&#252;hrt zu einem Wettbewerb zwischen den Staaten, die besten Programme f&#252;r Flexibilisierung und Deregulierung zu entwickeln. Auf Basis der verglichenen nationalen Programme gibt es dann von der Kommission Empfehlungen an die Mitgliedsl&#228;nder, Politiken zu &#252;bernehmen oder nicht wettbewerbskonforme Strukturen zu beseitigen. Die MOK f&#252;hrt so zu einer Regimekonkurrenz, in der sich die Mitgliedsstaaten in ihrer Deregulierungswut gegenseitig zu &#252;berbieten suchen.</p>
<p>Ihr bisher breitestes Anwendungsgebiet fand die MOK in der Lissabon-Strategie. Diese wurde auf einem europ&#228;ischen Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs im Jahr 2000 beschlossen. Ziel war es, mit Hilfe einer umfassenden Agenda Europa bis zum Jahr 2010 zum wettbewerbsf&#228;higsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen. Dieses programmatische Ziel wirkt heute auf vielen Ebenen der nationalstaatlichen Politik der Mitgliedsl&#228;nder. Allerdings muss betont werden, dass die Lissabon-Strategie tats&#228;chlich nur ein Set von Zielsetzungen darstellt und keine ausformulierte Strategie ist, die politische Programme im Wortlaut festlegt. Durch die Kopplung an die MOK wird sie „zu einem permanenten Sch&#246;nheitswettbewerb in Form von Ranglisten„<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a>. Dabei wird im Bereich der Arbeitsmarktpolitik verst&#228;rkt der Trend zu einer angebotsseitigen Politikgestaltung durchgesetzt.<a href="#anm5" title="anm_5" name="anm_5"><sup>5</sup></a><br />
Viele Ziele, die in der Lissabon Strategie angek&#252;ndigt wurden, konnten bis heute in nur sehr beschr&#228;nktem Umfang umgesetzt werden. Zentrale Zielsetzungen im Bereich des Wachstums und der Besch&#228;ftigung wurden weit verfehlt. Anl&#228;sslich des drohenden Scheiterns der Lissabon-Strategie wurde der ehemalige niederl&#228;ndische Ministerpr&#228;sident Wim Kok damit beauftragt, Berichte vorzulegen, um die Probleme in der Umsetzung zu lokalisieren. Die Berichte bedauerten zwar die nicht erreichten Ziele, doch wurde als L&#246;sung eigentlich nur mehr von den alten Rezepten vorgeschlagen. Der Kok-Bericht wiederholte „in stereotyper Form die Appelle zur ‚Steigerung der Wettbewerbsf&#228;higkeit’ durch Kostensenkung„<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a>.</p>
<h3>Flexicurity als Best Practice</h3>
<p>Auch in besch&#228;ftigungspolitischer Hinsicht kommt der Lissabon-Strategie gro&#223;e Bedeutung zu. In den integrierten Leitlinien f&#252;r Besch&#228;ftigung und Wachstum werden die Mitgliedsstaaten dazu aufgefordert, Flexibilit&#228;t und Besch&#228;ftigungssicherheit in ein ausgewogenes Verh&#228;ltnis zu bringen und die Segmentierung der Arbeitsm&#228;rkte zu verringern. Unter dem Schlagwort Flexicurity kommt so eine Best-Practice-Politik zur Anwendung, die weitreichende Folgen f&#252;r die Besch&#228;ftigten in Europa mit sich bringt und die Prekarisierung der europ&#228;ischen Lohnabh&#228;ngigen weiter vorantreibt. In Anlehnung an den Sozialwissenschafter Ton Wilthagen<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> gibt die Kommmission folgende Definition von Flexicurity: „Flexicurity l&#228;sst sich definieren als integrierte Strategie zur gleichzeitigen St&#228;rkung von Flexibilit&#228;t und Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt“.<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>8</sup></a> Zur Konzipierung und Umsetzung von Flexicurity-Ma&#223;nahmen schl&#228;gt die Kommission vier Komponenten vor, bei deren Ausarbeitung die <em>European Expert Group on Flexicurity</em><a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>9</sup></a> eine wichtige Rolle spielte:<br />
„1. Flexible und zuverl&#228;ssige vertragliche Vereinbarungen durch moderne Arbeitsgesetze, Kollektivvereinbarungen und Formen der Arbeitsorganisation<br />
2. Umfassende Strategien des lebenslangen Lernens, durch die sich die st&#228;ndige Anpassungsf&#228;higkeit und Besch&#228;ftigungsf&#228;higkeit der Arbeitnehmer gew&#228;hrleisten lassen, insbesondere der am meisten gef&#228;hrdeten<br />
3. Wirksame aktive arbeitsmarktpolitische Ma&#223;nahmen, die Menschen tats&#228;chlich dazu verhelfen, den raschen Wandel zu bew&#228;ltigen, die Zeiten der Arbeitslosigkeit verk&#252;rzen und &#220;berg&#228;nge zu neuen Arbeitsverh&#228;ltnissen erleichtern<br />
4. Moderne Systeme der sozialen Sicherheit, die eine angemessene Einkommenssicherung bieten, die Besch&#228;ftigung f&#246;rdern und die Arbeitsmarktmobilit&#228;t erleichtern. Dazu geh&#246;rt eine umfassende Abdeckung durch Sozialschutzleistungen (Leistungen bei Arbeitslosigkeit, Renten und Gesundheitsf&#252;rsorge), die den Menschen dazu verhelfen, einen Beruf mit privaten und famili&#228;ren Aufgaben zu verbinden, wie zum Beispiel der Kinderbetreuung.“<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a></p>
<p>Von Seiten der Kommission wird die angeblich entstehende <em>win-win Situation</em> zwischen ArbeiterInnen und UnternehmerInnen betont, die durch Flexicurity-Ma&#223;nahmen entstehen sollte. Es wird argumentiert, dass auch ArbeiterInnen, ein Flexibilit&#228;tsbed&#252;rfnis haben, n&#228;mlich um berufliche und private Verantwortlichkeiten vereinbaren zu k&#246;nnen. Die Erf&#252;llung dieser Verantwortungen soll nun also nicht durch soziale Sicherung gew&#228;hrleistet werden, sondern durch Flexibilit&#228;t. Flexibilit&#228;t, die ein reales Bed&#252;rfnis der Lohnabh&#228;ngigen darstellt, wird hier in den Dienst der Wettbewerbsf&#228;higkeit gestellt und somit den Kapitalinteressen untergeordnet. Sicherheit wird andererseits nicht (nur) als Schutz vor Arbeitsplatzverlust und dem Schutz vor dem Zwang zur Annahme von nicht existenzsichernd, sozialrechtlich nicht ausreichend abgesicherten Arbeitsverh&#228;ltnissen verstanden, sondern als Mittel, um die Besch&#228;ftigungsf&#228;higkeit (d.h. die Anpassung der ArbeiterInnen an die „Bed&#252;rfnisse“ des Marktes) der ArbeiterInnen herzustellen und auszubauen. An selber Stelle kommt zum Ausdruck, was die Kommission unter Sicherheit vor allem versteht: Sicherheit herstellen, dass Unternehmen ihre Marktpositionen halten bzw. ausbauen k&#246;nnen und die Loyalit&#228;t ihrer Arbeitskr&#228;fte intakt bleibt. Das Ziel dieser Politik ist, den Wunsch der ArbeitnehmerInnen nach flexibler Lebensgestaltung auf die Bed&#252;rfnisse des Wettbewerbs auszurichten. „Die neoliberale Ideologieproduktion ist dabei das organisierende Element des gesellschaftlichen Umbaus und kann sich eben auch auf aktive und passive Zustimmung st&#252;tzen, weil er die Interessen subordinierter Gruppen aufnimmt, ihre Ziele allerdings <em>ver-r&#252;ckt</em>.“<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a><br />
Anhand der vier von der Kommission und der <em>European Expert Group on Flexicurity</em> ausgearbeiteten Grundkomponenten von Flexicurityma&#223;nahmen l&#228;sst sich zeigen, wie das zurzeit forcierte <em>Best-Practice</em>-Modell Flexicurity sich negativ auf die soziale Sicherheit der ArbeitnehmerInnen auswirkt und somit der Prozess der Prekarisierung weiter vorangetrieben wird.</p>
<p><em>„Flexible and secure contractual arrangements and work organisations“</em><br />
Angesichts der, bereits mehrfach erw&#228;hnten, steigenden Zahl von prek&#228;r besch&#228;ftigten Personen klingt die Forderung nach einer <em>weiteren Flexibilisierung von arbeitsvertraglichen Arrangements</em> wie blanker Hohn. Es ist genau diese Deregulierungspolitik, die f&#252;r die Entstehung und Ausweitung der, eingangs beschriebenen, Kernzone des Prekariats verantwortlich ist. Der arbeits- und sozialrechtliche Schutz der ArbeiterInnen wird den Flexibilisierungsbed&#252;rfnissen der Unternehmer im Konkurrenzkampf um Marktanteile geopfert. Die steigende Zahl prek&#228;r Besch&#228;ftigter wirkt f&#252;r die festangestellte Stammbelegschaft als st&#228;ndige Mahnung und Erinnerung an die Ersetzbarkeit ihrer Arbeitskraft. Auch wenn LeiharbeiterInnen und befristet Besch&#228;ftigte quantitativ nur eine kleine Minderheit im Betrieb darstellen, wirkt ihre Anwesenheit auch auf gro&#223;e, gewerkschaftlich gut organisierte Belegschaften disziplinierend. Die Anwesenheit von prek&#228;r Besch&#228;ftigten verdeutlicht den Menschen in „Normalarbeitsverh&#228;ltnissen“, dass ihre Arbeit bei gleicher Qualit&#228;t auch von Personal bew&#228;ltigt werden kann, das f&#252;r die Aus&#252;bung dieser T&#228;tigkeit Arbeits- und Lebensbedingungen in Kauf nimmt, die in der Stammbelegschaft kaum akzeptiert w&#252;rden.<a href="#anm12" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a></p>
<p><em>„Effective active Labour Market Policies (ALMPs)“</em><br />
Wirksame aktive Arbeitsmarktpolitiken sollten in diesem Modell den Menschen dabei helfen, den raschen Wandel zu bew&#228;ltigen, die Zeiten der Arbeitslosigkeit verk&#252;rzen und &#220;berg&#228;nge zu neuen Arbeitsverh&#228;ltnissen erleichtern. Durch die Betonung der Rolle der aktiven Arbeitsmarktpolitik spiegelt sich auch hier der Fokus auf die Besch&#228;ftigungsf&#228;higkeit (<em>employability</em>) in der europ&#228;ischen Besch&#228;ftgungsstrategie wider. Die Verantwortung f&#252;r Arbeitslosigkeit wird von der Gesellschaft weg auf das Individuum hin &#252;bertragen. Die Folge sind arbeitsmarktpolitische Ma&#223;nahmen, die leicht den Blick f&#252;r die Ursachen von Arbeitslosigkeit verstellen k&#246;nnen, da diese zumeist nicht im individuellen Einflussbereich liegen und Individuen mit deren Bew&#228;ltigung &#252;berfordert sind.<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a> Jede/r von uns sei selbst daf&#252;r verantwortlich, f&#252;r ein ausgeglichenes Portfolio an F&#228;higkeiten zu sorgen, um den Bed&#252;rfnissen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden.<br />
Bei dem angestrebten ausgeglichenen Mix von <em>Fordern und F&#246;rdern</em> der Erwerbsarbeitslosen ist in der konkreten Umsetzung eine deutliche Schieflage zugunsten der Instrumente des <em>Forderns</em> festzustellen. Dies f&#252;hrt in der Praxis zu einer Reproduktion ungleicher Arbeitsmarktchancen und -risiken. Insgesamt wirkt die aktivierende Arbeitsmarktpolitik auf eine Privatisierung der Verantwortung f&#252;r Arbeitsmarkterfolg und -versagen hin.<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a><br />
Mit dem Aspekt des F&#246;rderns, ergibt sich eine starke Verflechtung mit der n&#228;chsten Komponente der Flexicurity-Ma&#223;nahmen: dem verl&#228;sslichen Life-Long-Learning System:</p>
<p><em>„Reliable and responsive lifelong learning (LLL) systems“</em><br />
Allgemein erfahren bildungspolitische Konzepte in zunehmendem Ausma&#223; ihre Legitimation durch den m&#246;glichen Output, d.h. durch ihre vermeintlichen arbeitsmarktpolitischen Verwertungsm&#246;glichkeiten. Legitimation f&#252;r bildungspolitische Konzepte wird also durch ihren Beitrag zur Standortsicherung im globalen Wettbewerb erreicht. In der Konsequenz sind die Bildungsprozesse daher auf die „Wissensproduktion basierende &#214;konomie„ auszurichten. Das Konkurrenzprinzip des Wettbewerbs zwischen freien – sprich privatisierten – BildungsanbieterInnen soll diese marktkonforme Zurichtung der Bildung gew&#228;hrleisten.<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a> Dabei wird aber au&#223;er Acht gelassen, dass dieses scheinbar „freie Spiel der Kr&#228;fte von Angebot und Nachfrage„ auf einem „Markt f&#252;r Qualifikationen“ klassenspezifisch ungleiche Zugangschancen verst&#228;rkt und neu fixiert.<a href="#anm16" title="anm_16" name="anm_16"><sup>16</sup></a> Es ist zwar ein quantitativer Anstieg der Aus- und Weiterbildung festzustellen (z.B.: in Deutschland von 23% in 1979 auf 48% in 1997), aber es l&#228;sst sich zeigen, dass sich insbesondere bereits privilegierte Berufsgruppen mit hohem sozialen Status durch die Nutzung von Fortbildungsangeboten weitere Vorteile auf dem Erwerbsmarkt sichern.<a href="#anm17" title="anm_17" name="anm_17"><sup>17</sup></a> W&#228;hrend 96% der Hochqualifizierten und leitenden Angestellten an Fort- und Weiterbildungsprogrammen teilnehmen, sind dies nur 53% der FacharbeiterInnen und &#252;berhaupt nur 26% der ungelernten ArbeiterInnen. Man kann in diesem Zusammenhang von einer doppelten Selektivit&#228;t der Weiterbildung sprechen. Mit h&#246;herer Schulbildung, h&#246;herem Einkommen und regionaler Verortung (Zentrum/Peripherie) steigt die Wahrscheinlichkeit an Weiterbildungsprogrammen teilzunehmen.<a href="#anm18" title="anm_18" name="anm_18"><sup>18</sup></a> Der Plan der Kommission, dass insbesondere die <em>am meisten gef&#228;hrdeten Arbeitsmarktgruppen</em> von Fort- und Weiterbildung profitieren sollten, klingt vor dem dargestellten Hintergrund eher wie der Wunsch ans Christkind. Doch selbst wenn ein sozial gerechter Zugang zu Weiterbildungsma&#223;nahmen gew&#228;hrleistet w&#228;re, br&#228;chte die LLL-Strategie trotzdem eine Ausweitung der Prekarisierung mit sich. Auch hier wird das Risiko der Erwerbsarbeitslosigkeit privatisiert und die M&#246;glichkeit, einen Arbeitsplatz zu finden, noch st&#228;rker in den Bereich der individuellen Verantwortung verschoben. Pers&#246;nliches Engagement sei f&#252;r den Erfolg am Arbeitsmarkt entscheidend, w&#228;hrend strukturelle Probleme und gesellschaftliche Verantwortung ausgeklammert werden.</p>
<p><em>„Modern social security systems“</em><br />
Die letzte der vier Komponenten behandelt die <em>Modernisierung der Systeme der sozialen Sicherung</em>. Diese Systeme sollen eine <em>angemessene Einkommenssicherung</em> bieten, <em>Besch&#228;ftigung f&#246;rdern</em> und die <em>Arbeitsmarktmobilit&#228;t</em> erh&#246;hen. Diese Sichtweise der Dinge f&#252;hrt dazu, dass die Systeme der sozialen Sicherung zu einem Vehikel der europ&#228;ischen Wettbewerbsf&#228;higkeit werden. Wenn die Systeme der sozialen Sicherung eine angemessene Einkommenssicherung im Falle von Krankheit, Erwerbsarbeitslosigkeit und Alter liefern sollen, wer bestimmt dann die „angemessene“ H&#246;he der Einkommenssicherung? Angesichts des immer &#246;fter nicht armutsfesten Niveaus von Sozialleistungen und dem auch empirisch best&#228;tigten Trend zum Absenken der Lohnersatzleistungen bei Erwerbsarbeitslosigkeit liegt die Vermutung nahe, dass die zweite in diesem Punkt enthaltene Forderung der Kommission das zentrale Motiv darstellt: mit Hilfe der Sozialsicherungssysteme soll Besch&#228;ftigung <em>gef&#246;rdert</em> und die <em>Arbeitsmarktmobilit&#228;t erh&#246;ht</em> werden. Das immer weitere Absenken der Zumutbarkeitskriterien f&#252;r die Annahme einer Arbeitsstelle und der damit verst&#228;rkte Arbeitszwang oder die nicht armutsfesten Lohnersatzleistungen der Arbeitslosenversicherung, speziell bei zuvor geringem Einkommen, entsprechen dann dieser Sichtweise in der konkreten Politikgestaltung der Mitgliedsstaaten.</p>
<h3>Flexicurity als Marketingkonzept</h3>
<p>Unter der <em>Modernisierung der Systeme der sozialen Sicherung</em> wird somit nicht mehr der Ausbau sozialer Rechte der Lohnabh&#228;ngigen verstanden, sondern die Ma&#223;nahmen stellen Investition dar. Diese Sichtweise von Sozialpolitik zielt also nicht mehr darauf ab, unsoziale Ergebnisse des Marktes zu korrigieren oder Marktlogiken gar aufzuheben, sondern Sozialpolitik wird so selbst ein Element des Marktes.<a href="#anm19" title="anm_19" name="anm_19"><sup>19</sup></a> Der sp&#228;tere Vorsitzende der European Expert Group on Flexicurity, Ton Wilthagen, warnte selbst, dass: „ die m&#246;glicherweise h&#246;chst ideologische Anwendung von Konzepten wie ‚flexicurity’ nicht ignoriert werden sollten. Es k&#246;nnte sein, dass der ‚(se)curity’-Teil von ‚flexicurity’ nur die Message weiterer Flexibilisierung und Deregulierung im Interesse gewisser sozio-politischer Interessensgruppen verkauft. Daher ist die Einsch&#228;tzung von Arbeitsmarkt- und Besch&#228;ftigungsstrategien und Politiken wie den ‚flexicurity’-Strategien am Ende des Tages eine empirische Frage und unterliegt deshalb einer empirischen (bevorzugt multidisziplin&#228;ren) Forschung.“<a href="#anm20" title="anm_20" name="anm_20"><sup>20</sup></a> Mit der Arbeit von Tangian liegen nun – vielleicht noch nicht ganz am Ende des Tages – empirische Befunde vor.<a href="#anm21" title="anm_21" name="anm_21"><sup>21</sup></a> Diese Ergebnisse zeigen ganz eindeutig, dass, entgegen politischer Versprechungen und theoretischer Betrachtungen, die Deregulierung der europ&#228;ischen Arbeitsm&#228;rkte absolut dominiert. Dies legt die Vermutung nahe, dass die Flexicurity-Strategie zur gleichzeitigen St&#228;rkung von Flexibilit&#228;t und Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt mehr einem politischen Marketingkonzept entspricht, als einer wirklichen Verbesserung der Lebensbedingungen der europ&#228;ischen Bev&#246;lkerung.</p>
<h3>Gewerkschaften als „Hans im Gl&#252;ck“</h3>
<p>Aus der Perspektive der Gewerkschaften und der ArbeitnehmerInnen kann die Flexibilisierung der Besch&#228;ftigungsbeziehungen kaum durch die „Verbesserung der Sozialsysteme“ kompensiert werden, vielmehr f&#252;hrt sie zur Aufgabe von Arbeitsrechten zu Gunsten von (ungewissen) „sozialen Vorteilen“. Trotzdem sind die Gewerkschaften bem&#252;ht, ihren Mitgliedern jede weitere Verschlechterung als mehr oder weniger gerechten Kompromiss zu verkaufen, der den UnternehmerInnen abgerungen werden konnte. Der „Erfolg„ dieser Aushandlungsprozesse ist an Argumente der Standortsicherung und der Wettbewerbsf&#228;higkeit gekoppelt und ist dar&#252;ber hinaus abh&#228;ngig vom „guten Gang der Gesch&#228;fte„. Die Sache kann sich so verhalten wie in dem M&#228;rchen „Hans im Gl&#252;ck“, der zuerst einen Goldklumpen von seinem Arbeitgeber erh&#228;lt, den er dann gegen ein Pferd tauscht, dieses gegen eine Kuh und so fort, bis er am Ende nur mehr einen Schleifstein hat, der ihm beim Wassertrinken in einen Brunnen f&#228;llt und er im Endeffekt mit leeren H&#228;nden nach Hause kommt.<a href="#anm22" title="anm_22" name="anm_22"><sup>22</sup></a> Im Konzept der Flexicurity scheinen die Gewerkschaften ein Gut (Arbeitsrechte) gegen ein anderes (soziale Sicherheit) zu tauschen, und letztlich stehen ArbeiterInnen ohne beides da.</p>
<h3>Durchsetzung des Markts</h3>
<p>Tangian stellt in seiner empirischen Studie einen R&#252;ckgang der sozialen Sicherheit in Europa fest. Dieses Ergebnis korrespondiert mit den Betrachtungen zur Prekarisierung der europ&#228;ischen ArbeiterInnen. Die Erkl&#228;rung daf&#252;r sind l&#228;ngere Perioden von Arbeitslosigkeit und k&#252;rzere Phasen der Besch&#228;ftigung, welche ArbeiterInnen von hohen Sozialleistungen ausschlie&#223;en. Es handelt sich dabei um Folgen der Flexibilisierung der Arbeitsrechte und -beziehungen. Der Kern dieser Strategie ist die umfassende Umgestaltung der Wohlfahrtssysteme unter Einbeziehung der Arbeitsm&#228;rkte. Der Arbeitsmarkt, wie alle anderen M&#228;rkte, ist kein naturw&#252;chsiges Geflecht von Beziehungen, sondern bedarf der politischen Durchsetzung. Auf die Gestaltung dieses Marktes hat insbesondere die EU gro&#223;en Einfluss. Durch die Lissabon-Strategie und die Methode der offenen Koordinierung wird ein immer st&#228;rker Zug in Richtung Deregulierung erzeugt, ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften werden im besten Falle in die Rolle des Juniorpartners bei arbeitsmarktrelevanten Entscheidungen gedr&#228;ngt. Diese strukturelle Benachteiligung erlaubt es den m&#228;chtigen Kapitalinteressen immer besser, deregulierte Arbeitsm&#228;rkte und prek&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse als den einzigen Ausweg im globalen Wettbewerb darzustellen.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a>  Etxezarreta, Miren et al.: Euro Memo 2005, Hamburg 2006; dies.: Euro Memo 2006, Hamburg 2007<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a>  D&#246;rre, Klaus: Prekarisierung der Arbeitsgesellschaft – Ursache einer rechtspopulistischen Unterstr&#246;mung?, in: Bathke, Peter/Susanne Spindler (Hg.): Neoliberalismus und Rechtsextremismus in Europa. Zusammenh&#228;nge – Widerspr&#252;che – Gegenstrategien, Berlin 2006, 153-165: 154<br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a>  Aiginger, Karl: Das europ&#228;ische Modell zwischen Stagnation, Pariser Konsens und proaktiver Reformpolitik, in: Leutner, Richard (Hg.) Grundlagen eines europ&#228;ischen Sozialmodells aus Arbeitnehmerperspektive, Wien 2007, 21-57:  39<br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a>  Chaloupek, G&#252;nther: Jenseits der Lissabon-Strategie. Alternativen und Handlungsspielr&#228;ume f&#252;r die Besch&#228;ftigungspolitik in Europa, in: Leutner: Grundlagen eines europ&#228;ischen Sozialmodells, a.a.O., 57-75: 64<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a>  Nachfrageseitige Arbeitsmarktpolitik bedeutet, die Nachfrage nach Arbeitskr&#228;ften zum Beispiel &#252;ber &#246;ffentliche Investitionen zu steigern. Durch das enge Korsett der Europ&#228;ischen W&#228;hrungspolitik und die Konvergenzkriterien f&#252;r den Euro ist dieser Spielraum f&#252;r die Mitgliedsl&#228;nder aber enorm eingeschr&#228;nkt, au&#223;erdem wurde mit der Schaffung der EZB und ihrer marktradikalen Ausrichtung den Staaten jegliche M&#246;glichkeit genommen, &#252;ber die W&#228;hrungspolitik Einfluss auf die Besch&#228;ftigungslage auszu&#252;ben.<br />
Angebotsseitige Arbeitsmarktpolitik wiederum bedeutet, die TeilnehmerInnen am Arbeitsmarkt m&#252;ssen sich den Erfordernissen des Marktes anpassen. Der Markt an sich funktioniert, nur die ArbeitnehmerInnen, die auf den Markt dr&#228;ngen, sind vielleicht nicht flexibel genug oder falsch qualifiziert. Bei dieser Sichtweise wird nicht der aktive Eingriff der Politik in den Markt favorisiert, sondern die zum Markt dysfunktionalen Indivduen m&#252;ssen sich &#228;ndern.<br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a>  Chaloupek, G&#252;nther: Jenseits der Lissabon-Strategie, a.a.O.: 65<br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a>  Wilthagen, Ton/Franz Tros: The concept of „flexicurity“: a new approach to regulating employment and labour markets, in: transfer, 2/2004, 166-186<br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a>  Europ&#228;ische Kommission: Gemeinsame Grunds&#228;tze f&#252;r den Flexicurity-Ansatz herausarbeiten: Mehr und bessere Arbeitspl&#228;tze durch Flexibilit&#228;t und Sicherheit, Br&#252;ssel 2007: 5<br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a> Die Expert Group wurde im Juli 2006 vom Directorate-General for Employment, Social Affairs and Equal Opportunities (DG EMPL) gegr&#252;ndet und besteht aus ExpertInnen, die auf Basis ihrer akademischen Erfahrungen ausgew&#228;hlt wurden. Zwei weitere ExpertInnen dienten als Ratgeber und wurden aufgrund ihrer Verbindung zu den Sozialpartnern ausgew&#228;hlt. Die Hauptaufgabe der Expert Group war die Sichtung der relevanten wissenschaftlichen Literatur und Praktiken in den Mitgliedsstaaten, um die Kommission bez&#252;glich der unterschiedlichen Ausgangslagen und m&#246;glicher Flexicurity-Pfade zu beraten.<br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a>  Europ&#228;ische Kommission: Gemeinsame Grunds&#228;tze, a.a.O.: 6<br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a>  Candeias, Mario: Leben im Neoliberalismus. Zwischen erweiterter Autonomie, Selbstvermarktung und Unterwerfung, in: Arrighi Giovanni et al.: Kapitalismus Reloaded. Kontroversen zu Imperialismus, Empire und Hegemonie, Hamburg 2007, 305-327: 314<br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a>  Brinkmann, Ulrich et al.: Prek&#228;re Arbeit. Ursachen, Ausma&#223;, soziale Folgen und subjektive Verarbeitungsformen unsicherer Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse. Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung Abteilung Arbeit und Sozialpolitik, Bonn 2006: 61f<br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a>  vgl. Klammer, Ute / Leiber, Simone: Aktivierung und Eigenverantwortung in europ&#228;isch-vergleichender Perspektive, WSI Mitteilungen 09/2004, D&#252;sseldorf 2004<br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a>  vgl. Marquardsen, Kai: Was ist „Aktivierung“ in der Arbeitsmarktpolitik? WSI Mitteilungen 05/2007, D&#252;sseldorf 2007<br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a>  vgl. Kessl, Fabian/ Richter, Martina: Lebenslanges Lernen oder ununterbrochene Bildung? Eine symptomale Lekt&#252;re aktueller Bildungsprogrammatiken. in: Neue Praxis, Jg. 36, Nr. 2, 8f<br />
<a href="#anm_16" title="anm16" name="anm16">16</a>  vgl. Faulstich, Peter / Zeuner, Christine: Erwachsenenbildung: eine handlungsorientierte Einf&#252;hrung in Theorie, Didaktik und Adressaten. Weinheim 1999<br />
<a href="#anm_17" title="anm17" name="anm17">17</a>  Bolder, Axel/Hendrich, Wolfgang: Fremde Bildungswelten: Alternative Strategien lebenslangen Lernens, Opladen, 2000: 59<br />
<a href="#anm_18" title="anm18" name="anm18">18</a>  Kessl, Fabian/ Richter, Martina: Lebenslanges Lernen, a.a.O.: 9f<br />
<a href="#anm_19" title="anm19" name="anm19">19</a>  Vgl. Hofbauer, Ines: Das „Europ&#228;ische Sozialmodell“ als transnationales Modernisierungs- und Legitimationskonzept. In: Kurswechsel Nr. 1/2007, 38-47<br />
<a href="#anm_20" title="anm20" name="anm20">20</a>  Wilhagen/Tros: The concept of „flexicurity“, a.a.O.: 171<br />
<a href="#anm_21" title="anm21" name="anm21">21</a>  Tangian, Andranik: European flexicurity: concepts (operational definitions), methodology (monitoring instruments), and policies (consistent implementations). WSI-Diskussionspapier Nr. 148 der Hans-B&#246;ckler-Stiftung, D&#252;sseldorf 2006<br />
<a href="#anm_22" title="anm22" name="anm22">22</a>  ebd.: 26</p>
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		<title>Die Neoliberalisierung &#214;sterreichs</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Sep 2007 10:20:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 1]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[In den letzten sechs Jahren haben die von Sch&#252;ssel gef&#252;hrten schwarzblauorangen Koalitionsregierungen die neoliberale Restrukturierung der &#246;sterreichischen Gesellschaft in qualitativ neuer Form vorangetrieben. <em>Mario Becksteiner </em>analysiert, wie sich in &#214;sterreich in den 1990er Jahren ein neoliberaler Grundkonsens herausbilden konnte, und wie unter den Sch&#252;ssel-Regierungen der Umbau des &#246;sterreichischen Wohlfahrts- hin zum Wettbewerbsstaat durchgesetzt wurde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten sechs Jahren haben die von Sch&#252;ssel gef&#252;hrten schwarzblauorangen Koalitionsregierungen die neoliberale Restrukturierung der &#246;sterreichischen Gesellschaft in qualitativ neuer Form vorangetrieben. <em>Mario Becksteiner </em>analysiert, wie sich in &#214;sterreich in den 1990er Jahren ein neoliberaler Grundkonsens herausbilden konnte, und wie unter den Sch&#252;ssel-Regierungen der Umbau des &#246;sterreichischen Wohlfahrts- hin zum Wettbewerbsstaat durchgesetzt wurde.<br />
<span id="more-84"></span><br />
Der marktkonforme Umbau von Wirtschaft und Staat ist nat&#252;rlich kein auf &#214;sterreich beschr&#228;nktes Ph&#228;nomen, sondern kann nur im Zusammenhang der wirtschaftlichen Umw&#228;lzungen im Europa der letzten 30 Jahre verstanden werden. Die neoliberale Wende hat ihren Ausgangspunkt in der Stagnationskrise des kapitalistischen Systems seit Anfang der 70er Jahre. W&#228;hrend in den USA und in Gro&#223;britannien schon sehr fr&#252;h mit der wirtschaftlichen Umstrukturierung begonnen wurde, setzte sich in Kontinentaleuropa die Ideologie des Neoliberalismus langsamer durch. Institutionell abgesicherte Sozialpartnerschaftsmodelle erwiesen sich als „tr&#228;ge“ gegen&#252;ber den Versuchen, neoliberale Reformen durchzuboxen. Die VerfechterInnen einer neoliberalen Politik mussten nach anderen Wegen suchen, wie sie diese umsetzen konnten. Der europ&#228;ische Einigungsprozess setzte daf&#252;r den geeigneten Rahmen. <o></o></p>
<h3>Die EU als Rammbock</h3>
<p>Auf der einen Seite war das Projekt EG und sp&#228;ter EU immer nach den Bed&#252;rfnissen der Wirtschaft ausgerichtet. Die Kapitalfraktionen, die am vehementesten f&#252;r eine europ&#228;ische Einigung pl&#228;dierten, versprachen sich von einem neoliberal umgestalteten Wirtschaftsblock einen Ausweg aus der Stagnationskrise und eine St&#228;rkung ihrer Position im internationalen Wettbewerb. Des Weiteren war die europ&#228;ische Ebene der Politik von jeher von einem starken Demokratiedefizit gepr&#228;gt. Die Europ&#228;ische Kommission unterliegt beinahe keiner demokratischen Kontrolle durch das Volk. Sie wurde so zur idealen Adressatin, um neoliberale Umstrukturierungsprojekte, vorbei an z&#228;hen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen, einzuleiten. <o></o><br />
Au&#223;erdem war das einhellige Bekenntnis aller gro&#223;en politischen Parteien zu Europa der Angelpunkt f&#252;r eine ideologisch Offensive. Der Glanz, den die Idee eines vereinigten Europas ausstrahlte, verdeckte f&#252;r eine lange Zeit, was hinter den Kulissen geschah. Die Europ&#228;ische Union entwickelte sich immer mehr zu einem Rammbock, mit dessen Hilfe neoliberale Konzepte durchgesetzt wurden. Dies erfolgte allerdings nicht nur von Au&#223;en. Auch innerhalb der einzelnen Nationalstaaten formierten sich gesellschaftliche Bl&#246;cke, die sich dem Neoliberalismus verschrieben. Die politischen Konstellationen, die sich hier ergaben, waren in den L&#228;ndern h&#246;chst unterschiedlich, doch fast alle gro&#223;en Parteien waren bald auf Pro-EU-Kurs und trugen die neoliberalen Implikationen der EU Politik mit oder f&#246;rderten diese aktiv.</p>
<p>&#214;sterreich war daf&#252;r ein leuchtendes Beispiel. SP&#214; und &#214;VP f&#252;hrten im Verbund mit den Sozialpartnern eine Allianz an, die eine regelrechte Propagandawelle lostrat. Durch eine Mischung aus Katastrophenszenarien bei einem Nichtbeitritt und dem Versprechen gro&#223;er materieller Gewinne f&#252;r die Bev&#246;lkerung bei einem Beitritt, erhielt diese Allianz bei der Volksabstimmung 1994 breite Unterst&#252;tzung. <o></o></p>
<h3>Die rechtskonservative Wende</h3>
<p>Die durch den EU-Beitritt ver&#228;nderten Rahmenbedingungen erh&#246;hten den Druck die bereits in den 80ern begonnen Umstrukturierungen harsch durchzusetzen. Das Wort Reform wurde zu einer Floskel f&#252;r weiteren Sozialabbau, f&#252;r Sparpakete und Privatisierung. Als Regierungspartei trug die SP&#214; diesen Reformkurs mit, unter dem in erster Linie ArbeitnehmerInnen zu leiden hatten. An der Basis verloren sie damit zusehends an Vertrauen. Bei der Nationalratswahl 1999 zeigte sich, dass viele der ArbeiterInnen dieser Partei nicht mehr zutrauten, der Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen etwas entgegenzusetzen. Entt&#228;uscht wandten sie sich ab und wechselten ins Lager der FP&#214;. <o></o><br />
Die &#214;VP ergriff die Chance und ging als drittst&#228;rkste Kraft daran, eine rechte Koalition zu schmieden. Die SP&#214;, die unter dem Druck der Forderungen ihrer Stammw&#228;hlerInnenschaft stand, war f&#252;r die Partei des Gro&#223;kapitals immer mehr zu einem Klotz am Bein geworden. Die neue Regierung, gekennzeichnet durch die explosive Kombination von konservativer Gesellschaftspolitik, einer an neoliberalen Leitbildern ausgerichteten Wirtschaftspolitik und extrem rechter Migrationspolitik, stellte einen qualitativen Bruch in der politischen Landschaft &#214;sterreichs dar. <o></o><br />
Die Neoliberalisierung &#214;sterreichs ist seither gekennzeichnet durch die Ersetzung des sozialpartnerschaftlich gepr&#228;gten Wohlfahrtsstaates durch eine am internationalen Wettbewerb orientierten staatlichen, &#246;konomischen wie ideologischen Strukturierung. Diese wird &#252;ber drei zentrale Mechanismen umgesetzt: Die Privatisierung von &#246;ffentlichen Eigentum, die Privatisierung sozialer Risiken &#252;ber Sozialabbau und Deregulierung des Arbeitsmarkts und eine Umverteilungspolitik von unten nach oben.<o></o></p>
<h3>Privat statt Staat</h3>
<p>Schon unter den Gro&#223;en Koalitionen der 90er wurden etliche Betriebe aus &#246;ffentlichem Besitz teil- oder vollprivatisiert. Die Liste beginnt bei Semperit 1985, f&#252;hrt &#252;ber Teilprivatisierungen im Energiebereich (OMV) bis hin zu Privatisierungen renommierter &#246;sterreichischer Unternehmen wie AMAG oder Mobilkom. Kennzeichnend f&#252;r die Privatisierungen in den 90iger Jahren war eine starke Beteiligung der Gewerkschaften im Ver&#228;u&#223;erungsprozess. Zum einen wurden diese dadurch eingebunden und zum anderen konnten so teilweise die schlimmsten Folgen f&#252;r die ArbeitnehmerInnen etwas gemildert werden. Dass dies bei weitem nicht immer der Fall war, zeigt zum Beispiel der Verkauf von Semperit an den deutschen Continental Konzern, der die komplette Schlie&#223;ung des &#246;sterreichischen Produktionsstandortes mit sich brachte. Diese Einbindung der Gewerkschaften bei den Privatisierungen war zum gro&#223;en Teil der politischen Konstellation geschuldet. Die SP&#214; war stark an die m&#228;chtige sozialdemokratische Gewerkschaftsfraktion gebunden. Mit dem Regierungswechsel 2000 verloren die Gewerkschaften jeglichen Einfluss auf die Gestaltung der Regierungspolitik. Nun wurden auch gewerkschaftliche Hochburgen ins Visier genommen. Gegen den Willen des &#214;GB konnten so Betriebe wie Telekom Austria, VA Tech, VOEST oder B&#246;hler Uddeholm privatisiert werden.</p>
<p>Die Privatisierungspolitik der letzten sechs Jahre macht aber nicht beim Verkauf &#246;ffentlichen Eigentums halt. Dar&#252;ber hinaus zielte die Sch&#252;ssel-Regierung auf die Privatisierung &#246;ffentlicher Dienstleistungen und sozialer Risiken ab. Damit soll die Eigenverantwortung der Einzelnen gegen&#252;ber der gesellschaftlichen Absicherung aufgewertet werden. Am augenscheinlichsten geschah dies im Bereich der Altersvorsorge.<o></o></p>
<h3>Pensionsreform</h3>
<p>2003 holte die Regierung zu einem gro&#223;en Schlag gegen ein Kernkonzept des Wohlfahrtsstaates aus. Die heilige Kuh der Pensionsleistung der gesetzlichen Sozialversicherung sollte geschlachtet werden. Als Ersatz f&#252;r die umfassende staatliche Pensionsleistung wurde ein Drei-S&#228;ulen-Modell vorgestellt. W&#228;hrend eine der drei S&#228;ulen weiterhin durch die gesetzliche Sozialversicherung finanziert wird, r&#252;cken zwei weitere tragende S&#228;ulen ins Zentrum: Die individuelle und die betriebliche Vorsorge. Leistungen die &#252;ber eine minimale Grundsicherung hinausgehen m&#252;ssen in Zukunft &#252;ber den Markt zugekauft werden. Diese Strategie erf&#252;llt langj&#228;hrigen Forderungen des European Round Table of Industrialists zur Schaffung eines Risikokapitalmarktes nach US-amerikanischem Vorbild, der ma&#223;geblich von den privaten Pensionsfonds gespeist wird. Diese Privatvorsorge wird in &#214;sterreich auch noch gef&#246;rdert, n&#228;mlich in Form einer staatlichen Pr&#228;mie von 9%. Dies l&#228;uft auf eine Entsolidarisierung und eine staatlich gef&#246;rderte Privatisierung hinaus. Damit werden im Sinne der Neoliberalen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das Zur&#252;ckdr&#228;ngen der sozialen Verantwortung des Staates und die Erschlie&#223;ung einer beinahe unersch&#246;pflichen Quelle an Risikokapital, dies alles staatlich gef&#246;rdert. Die „individuelle Zukunftsplanung“ entpuppt sich als Unterwerfung breiter Bev&#246;lkerungsschichten unter das Diktat des Marktes. Die Menschen unterliegen verst&#228;rkt der Disziplinierung durch die direkte Koppelung ihres zuk&#252;nftigen Einkommens oder der Pension an die Entwicklung der Finanzm&#228;rkte (Fonds) oder der Firma (Betriebsvorsorge).</p>
<h3>Umbau des Bildungssektors</h3>
<p>Auch die Bildungspolitik &#214;sterreichs wurde von der Sch&#252;sselregierung den privatwirtschaftlichen Verwertungspr&#228;missen unterworfen. Besonders deutlich wurde das im Hochschulbereich, mit dem Universit&#228;tsgesetz 2002. Dessen Kernst&#252;ck war dabei die Entlassung der Universit&#228;ten in die Schein-Autonomie, die es den Unis direkt erm&#246;glicht ihre Binnenstrukturen den Bed&#252;rfnissen des Marktes anzupassen. Verbunden damit ist das Prinzip des „Globalbudgets“, ein Finanzierungsprinzip, das sich nach einem reinen Input-Output-Modell richtet. Au&#223;erdem wurden Entscheidungsfindungsgremien in undemokratische Managementstrukturen umgewandelt, (siehe Organisationsplan der Uni Wien). Die Universit&#228;ten wurden finanziell augehungert und von privatwirtschaftlicher Finanzierung abh&#228;ngig gemacht. Mit Studiengeb&#252;hren, Zugangsbeschr&#228;nkungen und der bevorstehenden Anpassung an die Bologna-Studienarchitektur wird Hochschulbildung insgesamt elitisiert. Ein Gro&#223;teil der Studienwilligen soll hierbei m&#246;glichst bald am Arbeitsmarkt als Humankapital zur Verf&#252;gung stehen, nur eine kleine Elite den wissenschaftlichen Fortschritt im Sinne der Marktverwertbarkeit vorantreiben und auch die herrschende Ideologie des Neoliberalismus weitergeben.</p>
<h3>Deregulierung des Arbeitsmarkts</h3>
<p>Das Konzept der Privatisierung geht mit der Aush&#246;hlung von regulierten Arbeitsm&#228;rkten einher: Die Anerkennung von Gewerkschaften als ma&#223;geblichen Verhandlungspartnerinnen f&#252;r Kollektivvertr&#228;ge, der Staat als Organisator von Umverteilung und die arbeitsrechtlichen Bestimmungen werden radikal in Frage gestellt.<br />
Schon seit Mitte der 90er Jahre k&#246;nnen wir in &#214;sterreich einen Trend beobachten, der als Ausfransen der Normalarbeitsverh&#228;ltnisse und des geregelten Arbeitsmarktes bezeichnet werden kann. Schritt f&#252;r Schritt wurden in immer mehr Bereichen der Arbeitswelt so genannte atypische Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse eingef&#252;hrt. Dazu z&#228;hlen geringf&#252;gige Besch&#228;ftigung, Teilzeitarbeit, Scheinselbstst&#228;ndigkeit und Leiharbeit. Das f&#252;hrt zu einer Segmentierung des Arbeitsmarktes, die ArbeiterInnen in zwei Klassen unterteilt. Besch&#228;ftigte die in Schl&#252;sselsektoren der &#246;sterreichischen Wirtschaft arbeiten (Metallindustrie, Hochtechnologiesektoren und mittlere Verwaltungsebenen im Bereich der Finanzdienstleistungen), behalten einen relativ sicheren Status, d.h. geregelte Arbeitsverh&#228;ltnisse, gewerkschaftliche Vertretung, Kollektivvertr&#228;ge usf. Der Rest wird in prek&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse abgedr&#228;ngt. Von UnternehmerInnenseite wird immer st&#228;rkerer Flexibilisierungsdruck ausge&#252;bt. Auch der Einstieg in die Arbeitswelt wird an privaten Aufopferungswillen, mit Aussicht auf ein fixes Dienstverh&#228;ltnis in unbestimmter Zukunft, gekoppelt. Damit versch&#228;rft sich der Trend, gesellschaftliche Problemstellungen wie Arbeitslosigkeit oder Einkommensfragen in den Bereich des Privaten abzuschieben.</p>
<p>Die Auswirkungen einer derartigen Flexibilisierung oder Privatisierung liegen auf der Hand.<br />
• Spaltung der Lohnabh&#228;ngigen in zwei Lager. Jene, die noch in besseren Arbeitsverh&#228;ltnissen stehen, sind st&#228;ndig bedroht durch Verlust ihres Arbeitsplatzes in prek&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse abzusteigen. Dieser disziplinierende Effekt wirkt sich auch negativ auf die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften aus und erm&#246;glicht es den UnternehmerInnen verst&#228;rkt Druck auf L&#246;hne und Sozialleistungen auszu&#252;ben.<br />
• Gleichzeitig muss sich der Rest der ArbeiterInnenklasse prek&#228;ren Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse unterwerfen. In den Augen Vieler erscheint die so geschaffene Masse an billigen Arbeitskr&#228;ften als Bedrohung.<br />
• Auch die M&#246;glichkeiten einer gesamtgesellschaftlichen Opposition zur neoliberalen Politik werden so eingeschr&#228;nkt. So wird die Gestaltung des Arbeitsmarktes zu einer wichtigen Bastion der Herrschaftssicherung neoliberaler Eliten in &#214;sterreich.<o></o></p>
<h3>Internationalisierungsstrategien</h3>
<p>In den Wirtschaftsberichten des Finanzministeriums und des Ministeriums f&#252;r Wirtschaft und Arbeit wird die Internationalisierung des &#246;sterreichischen Standorts gelobt. Die Segmentierung am heimischen Arbeitsmarkt und der Strategie der Expansion &#246;sterreichischen Kapitals sind eng verzahnt.<br />
Vier S&#228;ulen sind hier ausschlaggebend:<br />
1. Etablierung von Schl&#252;sselindustrien. Durch die gezielte F&#246;rderung von technologieintensiven Wirtschaftsbereichen soll die Positionierung der &#246;sterreichischen &#214;konomie gest&#228;rkt werden. Zentral hierbei ist die F&#246;rderung der Forschungs- und Entwicklungst&#228;tigkeit von Seiten der Unternehmen durch die Bundesregierung. Von insgesamt 6,24 Milliarden Euro f&#252;r Forschung und Entwicklung wurden 2006 45,8% von der privaten Wirtschaft in &#214;sterreich bereitgestellt. Dieser Trend steigt seit 2000 kontinuierlich an. Flankiert werden diese Ma&#223;nahmen durch den Umbau des &#246;sterreichischen Hochschulwesens hin zu einer verst&#228;rkten Orientierung an wirtschaftlicher Verwertbarkeit der Forschung.<br />
2. Ausbau der Humanressourcen. Der Mensch muss mit der technologischen Entwicklung mithalten. Nicht mehr die gesellschaftliche Lenkung der &#214;konomie garantiert einen Arbeitsplatz, sondern nur noch die individuelle Anpassungsf&#228;higkeit an die ver&#228;nderten Produktionsbedingungen. Der Staat kann in dieser Sichtweise nur noch ein F&#246;rderer der Humanressourcen sein, die Verantwortlichkeit f&#252;r den Arbeitsplatz liegt aber rein beim Individuum. Lebenslanges Lernen und Aneignung von Schl&#252;sselkompetenzen sind die Imperative neoliberaler Arbeitsmarktpolitik.<br />
3. Strategische F&#246;rderung von Auslandsinvestitionen. Arbeitsintensive Bereiche der &#246;sterreichischen Wirtschaft werden von der Bundesregierung in ihrem Ansinnen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern, unterst&#252;tzt. Im Gegenzug sollen Auslandsdirektinvestitionen get&#228;tigt werden, die strategische Beteiligungen &#246;sterreichischen Kapitals in Hoffnungsm&#228;rkten unterst&#252;tzen.<br />
4. Head-Quater-Strategie. Durch finanzielle und infrastrukturelle Anreize wird versucht Hauptquartiere international agierender Konzerne nach &#214;sterreich zu locken. Diese sollen als Br&#252;ckenk&#246;pfe in mittel- und osteurop&#228;ische M&#228;rkte genutzt werden.</p>
<h3>Steuerpolitik</h3>
<p>Die Ausrichtung der Politik am Standortwettbewerb zeigt sich besonders deutlich in der Ausgestaltung der Steuerpolitik. Die Sch&#252;sselregierung setzte dabei auf zwei miteinander verbundene Strategien. Auf der einen Seite wurde die Steuerlast sukzessive auf Massensteuern umgew&#228;lzt. Gleichzeitig wurden Unternehmen massiv entlastet. Die Gewinne von Konzernen in &#214;sterreich stiegen zwischen 2000 und 2005 enorm. Schrieben die 33 an der Wiener B&#246;rse notierten Kapitalgesellschaften 2001 noch einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro, stieg dieser Wert bis 2005 auf 8,5 Milliarden Euro vor Steuern. Die Dividenden der Aktion&#228;rInnen verdoppelten sich von einer halben auf 1,1 Milliarden Euro. Dieser massive Anstieg bei den Gewinnen der Unternehmen spiegelt sich allerdings nicht in einem ad&#228;quaten Anstieg des Steueraufkommens von Unternehmensseite wider. Die Senkung der K&#246;rperschaftssteuer auf 25% (der zweitniedrigste K&#246;St-Steuersatz der 15 alten EU-Mitgliedsstaaten) kann als besonders deutliches Beispiel herangezogen werden. Die Einnahmen sanken von 3,9 im Jahr 2000 auf 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2005. Die Lohnsteuer dagegen erh&#246;hte sich im selben Zeitraum von 14,8 auf 17 Milliarden Euro.<br />
Die unternehmerInnenfreundliche Steuerpolitik der schwarzblauorangen Regierung zeigt auch die im Rahmen der Steuerreform 2005 eingef&#252;hrte Gruppenbesteuerung – ein Liebkind der &#246;sterreichischen Industriellenvereinigung. Zweck der Gruppenbesteuerung ist es, das &#246;sterreichische Kapital f&#252;r die Internationalisierung fit zu machen. Verluste, die im Ausland gemacht wurden, k&#246;nnen nun in &#214;sterreich steuerlich abgeschrieben werden. Das bedeutet, dass Investitionsrisiken von UnternehmerInnen im Ausland auf alle SteuerzahlerInnen in &#214;sterreich abgew&#228;lzt werden k&#246;nnen.</p>
<h3>Umbau der Sozialversicherungstr&#228;ger</h3>
<p>Ein weiterer massiver Einschnitt wurde von Seiten der rechtskonservativen Regierung bei den Sozialversicherungstr&#228;gern vorgenommen. Formell standen sie immer unter der Kontrolle der BeitragszahlerInnen. Schon bald nach dem Entstehen der Sozialversicherungstr&#228;ger in der 2. Republik wurde die demokratische Kontrolle allerdings beschnitten. Mandatare wurden nicht mehr direkt gew&#228;hlt, sondern von Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer in die Gremien bestellt. Diese erste Aush&#246;hlung einer demokratischen Grundstruktur war schon schlimm genug. Trotzdem behielten die Sozialversicherungstr&#228;ger in &#214;sterreich ihre Autonomie gegen&#252;ber der jeweiligen Bundesregierung.</p>
<p>Vorm Hintergrund der Aush&#246;hlung des Systems der solidarischen Beitragszahlungen setzte Sch&#252;ssel auch hier zu einem gro&#223;en Schlag an. Die f&#246;deralistisch oder berufsst&#228;ndisch organisierten Sozialversicherungen sind zusammengeschlossen in einem Dachverband, der relativ gro&#223;e sozialpolitische und organisatorische Handlungsspielr&#228;ume hatte. Die vormals weitgehende Autonomie wurde nun deutlich eingeschr&#228;nkt. Sch&#252;ssel &amp; Co mischten sich massiv in die Besetzung des Vorstandes dieses Dachverbandes ein. Hans Sallmutter, als Vertreter der ArbeitnehmerInnenseite, war das erste Opfer dieses schwarzblauen Postenschachers. Die Tragweite dieses Angriffs auf die Autonomie der Sozialversicherungstr&#228;ger wird besonders deutlich angesichts der Tatsache, dass diese rund die H&#228;lfte des<br />
&#246;sterreichischen Budgets verwalten.</p>
<h3>Koalition mit der extremen Rechten</h3>
<p>Die Politik der Sch&#252;ssel-Regierung ist integraler Bestandteil einer Strategie zur Erh&#246;hung der „Wettbewerbsf&#228;higkeit“ im europ&#228;ischen Rahmen. Eine Besonderheit der neoliberalen Offensive in &#214;sterreich war jedoch die Beteiligung rechtsextremer Parteien. Noch in den 90iger Jahren war es politischer Konsens, keine Zusammenarbeit mit einer Partei zu betreiben, die Ausl&#228;nderfeindlichkeit sch&#252;rt und ein mehr als gest&#246;rtes Verh&#228;ltnis zur NS-Zeit hat. Diese Isolationspolitik gegen&#252;ber der Rechten wurde von Sch&#252;ssel aufgebrochen.<br />
Viele &#246;sterreichische KommentatorInnen lobten Sch&#252;ssel f&#252;r sein mutiges Vorgehen. F&#252;r sie war es der erste Schritt zur Z&#228;hmung der extremen Rechten. Doch diese Z&#228;hmung blieb aus. Die FP&#214; und sp&#228;ter das BZ&#214; reihten sich zwar in die neoliberale Umstrukturierungspolitik ein, doch versetzten sie diese mit rechtspopulistischen Parolen. Das Ergebnis war letztlich, dass die reaktion&#228;ren Konzeptionen von FP&#214; und BZ&#214; salonf&#228;hig gemacht wurden. In der Migrationspolitik, in der Definition von Frauenpolitik als Familienpolitik und im Bereich der „inneren Sicherheit“ unterst&#252;tzte die &#214;VP nicht nur die sexistischen und rassistischen Positionen von Blau und Orange, sondern versuchte sogar, diese noch rechts zu &#252;berholen. Insgesamt verschob sich unter Sch&#252;ssel das politische Klima nach rechts. Der traurige H&#246;hepunkt war sicherlich die Zustimmung der SP&#214; im Nationalrat zu einem „Fremdenpaket“, das zu den restriktivsten in Europa z&#228;hlt. Keine der Parteien im Nationalrat konnte eine konsequente Antwort auf die rassistische Hetze formulieren.<br />
Die katastrophale Niederlage der Sch&#252;ssel-&#214;VP bei den Nationalratswahlen am 1. Oktober hat gezeigt, dass die Menschen in diesem Land einen politischen Kurswechsel wollen. Dennoch konnte die Sozialdemokratie von dieser Stimmung nicht wirklich profitieren. Vielmehr gewann die extreme Rechte weiter an Boden.<br />
Die Notwendigkeit einer glaubw&#252;rdigen antineoliberalen politischen Alternative ist heute offensichtlicher denn je.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p>1 Vgl. dazu Joachim Hirsch: Vom Sicherheitsstaat zum nationalen Wettbewerbsstaat. Berlin 1998.<o></o><br />
2 ERT: Lobby- und Elitenzirkel, der die Politik der EU-Kommission stark beeinflusst.<o></o><br />
3 Helmut Friessner: Demokratie im Fadenkreuz. Wien 2006. p288.<o></o><br />
4 Vgl. Maria Asenbaum, Barbara Brehmer: Reclaim the Brain!; in: <em>Perspektiven</em><span style="font-size: 8pt"> Nr. 0.<o></o></span><br />
5 Vgl. die „Lissabon-Strategie“, die Europa bis 2010 zum wettbewerbsf&#228;higsten auf Wissens&#246;konomie basierenden Wirtschaftsraum der Welt machen soll.<o></o></p>
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		<title>Europa macht dicht</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Sep 2007 01:10:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rezension: Corinna Milborn: Gest&#252;rmte Festung Europa. Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto. Das Schwarzbuch. Wien-Graz-Klagenfurt: Styria 2006. 19,90 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Corinna Milborn: Gest&#252;rmte Festung Europa. Einwanderung zwischen Stacheldraht und Ghetto. Das Schwarzbuch. Wien-Graz-Klagenfurt: Styria 2006. 19,90 €<br />
<span id="more-95"></span><br />
Wer die Medien verfolgt, kennt unz&#228;hlige Beispiele wie diese: Zehn Tote Fl&#252;chtlinge wurden vor der Insel Lampedusa aus dem Meer gefischt, sie kamen aus Nordafrika, vierzig bleiben vermisst, oder: auf den Kanaren sind in den letzten Tagen neunhundert Menschen an Land gekommen, die aus Afrika gefl&#252;chtet sind. Beinahe t&#228;glich sind Nachrichten von ausgehungerten, halb verdursteten, gekenterten oder toten Menschen zu lesen, die versucht hatten, von einem Kontinent zum anderen mittels abenteuerlich zusammen gebauter Boote in ein neues Leben zu gelangen. Auch die Berichte &#252;ber Reaktionen der Regierungen sind zu vernehmen: Italienische Minister hatten in der Vergangenheit vorgeschlagen, die Fl&#252;chtlingsboote durch Bombardierung zu vertreiben, Spanien schreit nach europ&#228;ischem Heer an seinen Grenzen. Menschen, die es geschafft haben, europ&#228;isches Festland zu erreichen ohne sofort wieder abgeschoben zu werden, leben oftmals in der Illegalit&#228;t, in Vorstadtghettos, so wie in Paris oder in Rom, wo eine riesige Stahlmauer errichtet wurde, da die Stadtverwaltung Ausl&#228;nderwohnbl&#246;cke vom Rest der Gesellschaft abgrenzen will.<br />
Corinna Milborn, &#246;sterreichische Politikwissenschafterin und Journalistin hat nun ein Buch verfasst, das sich umfassend mit der europ&#228;ischen Migrationspolitik auseinandersetzt.<br />
Milborn beginnt mit einem Besuch an den beiden einzigen europ&#228;ischen St&#228;dten auf afrikanischem Boden – Ceuta und Melilla, am mittlerweile sechs Meter hohen Zaun, welcher die europ&#228;ischen Au&#223;engrenzen vor den Fl&#252;chtlingen sch&#252;tzen soll. Sie trifft Menschen, die es geschafft haben, die erz&#228;hlen wieso und wie sie gekommen sind, von unendlichen M&#228;rschen durch die W&#252;ste, von Freunden, die von europ&#228;ischen „Verteidigern“ schwer verletzt wurden und wie sie jetzt leben. Es bleibt aber nicht bei diesen Schilderungen. Milborn analysiert, wie Europas Markt von den Clandestinos, den Illegalen, profitiert. Denn w&#228;hrend die Fl&#252;chtlinge unter M&#252;llhalden-&#228;hnelnden Zust&#228;nden leben m&#252;ssen und st&#228;ndig Angst vor der Abschiebung haben, verrichten sie durch Obst- und Gem&#252;seernte in den Plastikst&#228;dten Spaniens (riesige Fl&#228;chen von Land werden so zu Anbaugebiet f&#252;r Tomaten, Erdbeeren, Salat etc, die sich in unseren Lebensmittelgesch&#228;ften wieder finden) eine Arbeit, die kaum ein Mensch freiwillig machen w&#252;rde. Der Lohn betr&#228;gt wenige Euro in der Woche, und wenn er einmal nicht ausbezahlt wird, kann sich niemand beschweren, denn sonst droht jederzeit die Abschiebung.<br />
Arbeitszeit und Arbeitsumst&#228;nde sind unter jeglichen europ&#228;ischen Rechtsstandards – mit der Vision, der Familie in Afrika ein wenig Geld zukommen lassen zu k&#246;nnen nehmen die Fl&#252;chtlinge aber alles auf sich – und europ&#228;ische Unternehmen profitieren davon.<br />
Aber nicht nur im fernen Spanien, sondern auch in Deutschland oder &#214;sterreich lebt die Wirtschaft davon, dass Menschen ohne jegliche arbeitsrechtliche Absicherung in der Bauwirtschaft, Gastronomie oder zuletzt aktuell geworden – f&#252;r h&#228;usliche Hilfe wie Pflege von Alten hier arbeiten. Diese Menschen, f&#252;r die jede Fahrscheinkontrolle oder jedes Gespr&#228;ch mit der Nachbarin mit Angst vor Entdeckung verbunden ist, haben im Krankheitsfall keine M&#246;glichkeit, in ein Krankenhaus zu gehen, sie k&#246;nnen kein Konto er&#246;ffnen oder sich versichern lassen. Sie sind recht- und schutzlos und werden sich deshalb auch h&#252;ten, beim Arbeitgeber Forderungen einzubringen. Dazu sagt Carmela, eine in Wien illegal Arbeitende, mit der sich Milborn trifft: „Ich sch&#228;tze, dass zumindest die H&#228;lfte der Lokale in Wien Illegale besch&#228;ftigt, vielleicht auch alle. Wir sind ja auch sehr praktisch.“ Auch das Beispiel der VOEST, bei der Arbeiter entdeckt wurden, die 60 Wochenstunden illegal arbeiten mussten, daf&#252;r 1,30 Euro in der Stunde erhielten, w&#228;hrend nach Kollektivvertrag mindestens 10,50 bezahlt werden m&#252;ssten, zeigt, wie Unternehmen von der misslichen Lage der Fl&#252;chtlinge profitieren. Das sind die Arbeitspl&#228;tze also, die den „Inl&#228;ndern“ weggenommen werden?<br />
W&#252;rde ganz Europa, so wie es sich so mancher Politiker w&#252;nscht, von einem Tag auf den Anderen ohne die illegal hier arbeitenden Menschen auskommen m&#252;ssen – es st&#228;nde wohl f&#252;r einige Tage still. So argumentiert der &#214;konom Friedrich Schneider im Buch: „Die Schattenwirtschaft ist der dynamischste Wirtschaftszweig“, und damit gehe auch ein Wachstum der offiziellen Wirtschaft einher. Ein  Anthropologe kommt auch zu Wort und argumentiert, wie n&#252;tzlich f&#252;r die Neoliberalen diese Situation ist: „Sie fordern m&#246;glichst f&#252;gsame und flexible Arbeitskr&#228;fte, die keinerlei sozialen Schutz genie&#223;en und nicht fest gebunden sind… Ausl&#228;nder ohne g&#252;ltige Papiere erhalten keinen Mindestlohn und verursachen keine Sozialkosten, da sie von jeder Sozialversicherung ausgeschlossen sind. ..man kann sie hinauswerfen, wann man will. Es sind Arbeitskr&#228;fte, die nach Strich und Faden ausgebeutet werden k&#246;nnen und genau den Vorstellungen der liberalen Wirtschaftsfachleute entsprechen.“ Er schlussfolgert: „In Wirklichkeit toleriert der Staatsapparat die illegalen Arbeitsm&#228;rkte.“<br />
Nun geht es aber in Milborns Buch nicht in erster Linie um die Situation der Illegal in Europa lebenden, sondern um s&#228;mtliche mit Migration und Politik aktuell wichtige Themen: So genannte gespaltene Gesellschaften, wie sie entstehen und wie Menschen in einer Gesellschaft leben, die sie nicht haben will. Dabei trifft sie junge Muslime in englischen Vorst&#228;dten und es wird nachvollziehbar, woher die von den Medien so genannten „Terrorzellen“ kommen. Jugendlichen wird der Zugang zum Bildungssystem erschwert oder verwehrt, Familien m&#252;ssen in heruntergekommenen Siedlungen leben, die eigene geschaffene Identit&#228;t wird so immer wichtiger, da die „neue“ Heimat eben keine anbietet.  Auch aktuelle Entwicklungen seit dem „War on Terror“, nehmen so im Buch eine wichtige Rolle ein und die Gespr&#228;che die die Autorin mit den jungen ImmigrantInnen in London f&#252;hrt, machen in ihren Aussagen deutlich, wo auch innerhalb der europ&#228;ischen Grenzen die Regierungen versagt haben.<br />
Schnell wird klar: Es ist nicht die Einwanderung, die Probleme schafft, sondern es ist der politische Umgang damit.<br />
Die Autorin bringt in ihren Argumenten immer wieder aktuellste Beispiele aus Nachbarl&#228;ndern und aus &#214;sterreich (welches bekanntlich das restriktivste Staatsb&#252;rgerschaftsgesetz im EU-Vergleich hat), sie geht auf die Menschen ein, konzentriert sich dabei auch auf Themen wie „Frauen zwischen den Welten“. Dabei kommt klar zum Ausdruck, wie es passieren konnte, dass Frauenunterdr&#252;ckung – durchaus ein Wesensmerkmal der europ&#228;ischen Gesellschaft – pl&#246;tzlich zu einer barbarischen Eigenheit muslimischer Einwanderer deklariert wurde. Ein heikles Thema, um das Linke oftmals einen Bogen machen. Nur das Argument „Nicht nur in Familien mit migrantischem Hintergrund gibt es Frauenunterdr&#252;ckung“ hilft den betroffenen Frauen noch nicht. Milborn kritisiert, dass so Missst&#228;nde innerhalb von Familien anderer Religion oder Kultur verdeckt werden, wenn es nur mehr darum gehen kann, sie vor rassistischen Pauschalisierungen verteidigen zu m&#252;ssen. Sie fordert, die Probleme dieser Frauen wie die von gleichwertigen Menschen mit gleichwertigen Rechten zu behandeln und nicht, wie die Probleme von irgendwelchen „Anderen“. Sie weist aber dennoch darauf hin, dass eben durch die fremdenfeindliche Stimmung in Europas Politik genau das nicht m&#246;glich ist, sondern Frauen einmal mehr als Objekt herhalten m&#252;ssen, in diesem Fall, um die Thematik so genannter „traditionsbedingter Gewalt gegen Frauen“ zu instrumentalisieren.<br />
Zusammenfassend handelt es sich hier um ein Buch, das – untermauert durch viele Beispiele – f&#252;r heutige Debatten um Integration, Einwanderung, europ&#228;ische Interessen und Auswirkungen auf die Gesellschaft in und au&#223;erhalb Europas, viele spannende Fragen behandelt.</p>
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		<title>Editorial</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 23:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Perspektiven – Ein Magazin f&#252;r linke Theorie und Praxis</em>. Dahinter steht der Anspruch, in einer Zeit, in der die etablierte Politik – sei es jene der &#246;sterreichischen Parteienlandschaft, der Europ&#228;ischen Union oder der Superm&#228;chte der Weltpolitik – in einer tiefen Glaubw&#252;rdigkeitskrise steckt, eine lebendige Opposition und echte politische Alternativen zu entwickeln.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Perspektiven – Ein Magazin f&#252;r linke Theorie und Praxis</em>. Dahinter steht der Anspruch, in einer Zeit, in der die etablierte Politik – sei es jene der &#246;sterreichischen Parteienlandschaft, der Europ&#228;ischen Union oder der Superm&#228;chte der Weltpolitik – in einer tiefen Glaubw&#252;rdigkeitskrise steckt, eine lebendige Opposition und echte politische Alternativen zu entwickeln.<br />
<span id="more-68"></span><br />
Die Gruppe Perspektiven will dazu einen Beitrag leisten. Die Form eines regelm&#228;&#223;ig erscheinenden Magazins – dessen „nullte“ Ausgabe Du in H&#228;nden h&#228;ltst – haben wir bewusst gew&#228;hlt, um den komplexen politischen Realit&#228;ten angemessenen Raum zu geben und dadurch in wichtige Debatten einzugreifen. Dazu ist es notwendig, realistische und theoretisch informierte Analysen aktueller Themen mit einem politischen Projekt zu verbinden, das auf eine grunds&#228;tzliche Umw&#228;lzung der herrschenden Ordnung zielt – Perspektiven eben.<br />
„Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Handelns“ nannte das der italienische Marxist Antonio Gramsci, und es ist kein Zufall, dass wir ihm einen Artikel in dieser Ausgabe widmen. (S. 34) Gramscis Maxime begleitet uns auch im thematischen Schwerpunkt dieser Ausgabe: Die Europ&#228;ische Union. „Pessimismus des Verstandes“ bedeutet hier Be-standsaufnahmen der EU auf dem Weg zur globalen Ordnungsmacht (Mario Becksteiner, Michael Botka und Karin H&#228;dicke &#252;ber die Entstehung eines „Europ&#228;ischen Imperialismus“, S. 8) und des neoliberalen Umbaus europ&#228;ischer Bildungssysteme (Maria Asenbaum und Barbara Brehmer: „Reclaim the Brain!“, S. 14) Den „Optimismus des Handelns“ liefern Kristina Botka und Ramin Taghian: sie zeigen, wie EU-Kritik jenseits von Standortnationalismus und Vaterlandsrhetorik formuliert werden kann (S. 4). Dies ist umso wichtiger, als die Diskussionen um die EU das Dilemma &#246;sterreichischer Politik geradezu exemplarisch darstellen: Weite Teile der Bev&#246;lkerung haben das Vertrauen in die Politik der Eliten verloren, politisch artikuliert wird diese Stimmung jedoch fast ausschlie&#223;lich von der extremen Rechten.<br />
Ein zweiter, „inoffizieller“ Schwerpunkt hat sich in den letzten Monaten geradezu aufgedr&#228;ngt. Die Meldungen aus Lateinamerika lassen linke Herzen und Hirne Samba tanzen: Evo Morales wurde mit seiner „Bewegung zum Sozialismus“ von einer Welle sozialer Bewegungen ins Amt gesp&#252;lt, und in Venezuela proklamiert Pr&#228;sident Hugo Chavez die „bolivarianische Revolution“ und den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“. In zwei ausf&#252;hrlichen Artikeln widmen wir uns daher dem ehemaligen „Hinterhof der USA“, in dem aktuell linke Strategien dem Test der Praxis unterzogen werden: Benjamin Opratko und Philipp Probst werfen einen Blick auf die Politik hinter der Symbolfigur Chavez (S. 22), w&#228;hrend Stefan Probst und David Sagner die aktuellen Entwicklungen in Bolivien im Kontext der Erfahrungen der bolivianischen Revolution von 1952 analysieren (S. 28).<br />
Abgerundet wird die Ausgabe durch ein Interview zum drohenden B&#252;rgerkrieg im besetzten Irak, einen Beitrag &#252;ber das boomende Genre des politischen Dokumentarfilms in &#214;sterreich und Rezensionen aktueller, interessanter B&#252;cher.<br />
Wir hoffen, mit Perspektiven Euer Interesse zu wecken und Diskussionen zu bereichern. Damit unsere Beitr&#228;ge aber nicht zu einem Monolog verkommen brauchen wir Euch! Kommentiert, lobt, kritisiert und bringt Euch ein unter kontakt@perspektiven-online.at!</p>
<p>Die Perspektiven-Redaktion</p>
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		<title>Richtig gegen EUropa &#8211; EU-Kritik jenseits von Standortlogik und Vaterlandsrhetorik</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 23:09:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 0]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
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		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Die hiesigen Diskussionen um die Europ&#228;ische Union stellen das Dilemma &#246;sterreichischer Politik geradezu exemplarisch dar. Weite Teile der Bev&#246;lkerung haben das Vertrauen in die Politik der EU-Eliten verloren, politisch artikuliert wird diese Stimmung jedoch fast ausschlie&#223;lich von der extremen Rechten. Wie EU-Kritik mit Perspektiven formuliert werden kann, zeigen <em>Kristina Botka</em> und <em>Ramin Taghian</em>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die hiesigen Diskussionen um die Europ&#228;ische Union stellen das Dilemma &#246;sterreichischer Politik geradezu exemplarisch dar. Weite Teile der Bev&#246;lkerung haben das Vertrauen in die Politik der EU-Eliten verloren, politisch artikuliert wird diese Stimmung jedoch fast ausschlie&#223;lich von der extremen Rechten. Wie EU-Kritik mit Perspektiven formuliert werden kann, zeigen <em>Kristina Botka</em> und <em>Ramin Taghian</em>.<br />
<span id="more-69"></span><br />
Kritik an der EU ist heute ein weit verbreitetes Ph&#228;nomen. Wir k&#246;nnen das in allen EU-L&#228;ndern beobachten und auch in &#214;sterreich tritt diese Entwicklung verst&#228;rkt zutage. Die Eurobarometer-Herbst-Umfrage von 2005 zeigte f&#252;r ganz Europa steigenden Unmut gegen das Projekt EU. &#214;sterreich war dabei Schlusslicht in der Zustimmung zur Europ&#228;ischen Union. Nur 32% der &#214;sterreicherInnen sind der Meinung, die EU-Mitgliedschaft sei eine gute Sache und nur noch 24% meinen, die EU gebe ein gutes Bild ab.<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a></p>
<p>Trotz oder gerade wegen dieser Welle von Kritik traut sich insbesondere die &#246;sterreichische Linke nicht &#252;ber eine unsichtbare Linie hin&#252;ber. Die Angst, mit der Rechten in einen Topf geworfen zu werden, dominiert. Der FP&#214;, die erfolgreich die EU-kritische Stimmung f&#252;r ihre Zwecke instrumentalisiert (etwa bei der Frage eines T&#252;rkei-Beitritts), wird hier das Feld &#252;berlassen. Die etablierte Linke versteht es nicht, das gesamte Projekt der EU als ein Projekt zu erkennen, welches dem Gro&#223;teil der Menschen mehr schadet als n&#252;tzt. EU-Kritik beschr&#228;nkt sich in diesem Fall auf die Reform europ&#228;ischer Politik und Institutionen. Damit wird allerdings nur an der Oberfl&#228;che gekratzt und &#252;ber eine Kritik an Symptomen wird nicht hinausgegangen.</p>
<p>Wir wollen daher in unserem Artikel folgendes diskutieren: Was ist der Charakter der EU und was sind die Ursachen ihrer Krise? Wie positionieren sich in &#214;sterreich relevante Kr&#228;fte kritisch zur EU und wie k&#246;nnen wir diese einsch&#228;tzen?<br />
Der zentrale Anspruch ist es schlie&#223;lich, Perspektiven f&#252;r eine progressive EU-Kritik zu entwickeln und uns dabei auf Erfahrungen erfolgreicher Bewegungen zu berufen.</p>
<h3>Die EU in der Krise</h3>
<p>Die EU ist in der Krise und jedeR wei&#223; es. Sp&#228;testens seit dem Non! und Nee! zur EU-Verfassung in Frankreich und Holland, in denen der neoliberalen Politik der EU eindeutig eine Absage erteilt wurde, ist dieser Umstand auch zu den letzten EU-OptimistInnen vorgedrungen. Diese Krise kann an zwei wesentlichen Bruchlinien klar gesehen werden:</p>
<p>Die erste Bruchlinie zeigt sich in den Widerspr&#252;chen des EU-Projekts selbst. Der gemeinsame Anspruch der europ&#228;ischen Regierungen und Interessensgruppen l&#228;sst sich so zusammenfassen:<br />
Die Schaffung und Vollendung eines europ&#228;ischen Binnenmarktes mit der Beseitigung von Handelshemmnissen und die Erleichterung des freien Waren-, Kapital- und Dienstleistungsverkehrs ist das wichtigste Anliegen der EU. Der „freie“ kapitalistische Wettbewerb wird zur zentralen Achse des EU-Projekts und „Wettbewerbsf&#228;higkeit“ zu seinem dominanten Begriff. Peter Sutherland, Mitglied des European Round Table of Industrialists<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a> und BP-Chef, meinte dazu offen, die Idee des europ&#228;ischen Binnenmarktes sei nicht ein Projekt der Regierungen sondern der Konzerne gewesen.<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a> Die wirtschaftliche Integration nach innen st&#228;rkt auch die Stellung des europ&#228;ischen Kapitals im internationalen Wettbewerb. Hilfreich ist dabei die gemeinsame W&#228;hrung sowie die damit verbundene Sicherheits- und Verteidigungspolitik, mit der immer mehr auch milit&#228;risch die europ&#228;ischen Interessen am Weltmarkt durchgesetzt werden k&#246;nnen.<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a></p>
<p>Trotz dieses gemeinsamen Anspruches ist die EU keinesfalls ein Verein harmonisierender Nationalstaaten oder der Versuch nationalistische Interessen zu beseitigen. Die EU kann eher als eine Union der „verfeindeten Geschwister“ bezeichnet werden. Unterschiedliche Vorstellungen, wohin sich das Projekt EU weiterentwickeln soll, sowie die unterschiedlichen Interessenslagen zwischen den europ&#228;ischen Kapitalgruppen spielen eine wesentliche Rolle.<br />
In Wirtschaftskreisen wird vom „&#246;konomischen Patriotismus“<a href="#anm5" title="anm_5" name="anm_5"><sup>5</sup></a> gesprochen der sich zum Beispiel in protektionistischen Ma&#223;nahmen &#228;u&#223;ert. Anfang M&#228;rz wurde von der franz&#246;sischen Regierung die &#220;bernahme des franz&#246;sischen Energieunternehmens SUEZ durch den italienischen Konkurrenten ENEL verhindert, was Misst&#246;ne zwischen den beiden Regierungen verursachte. Dies ist nur ein Beispiel von Protektionismus aus der j&#252;ngeren Vergangenheit. Abgesehen davon, dass dieser Wirtschaftspatriotismus eine M&#246;glichkeit ist, sich gegen&#252;ber der Bev&#246;lkerung zu profilieren, zeigt es auch, dass &#246;konomische Nationalinteressen auch innerhalb der EU existieren und regelm&#228;&#223;ig Krisensituationen hervorrufen.<br />
Es gibt aber auch politische Differenzen &#252;ber den Charakter des EU-Projekts. Die Frage lautet: „Europa als wettbewerbsf&#228;hige Freihandelzone oder ehrgeiziges politisches Projekt“?<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a> Auf der einen Seite steht die Achse Berlin-Paris, die nach der marktorientierten Integration auch f&#252;r eine politische Integration der EU agitiert, d.h. gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik, gemeinsame Au&#223;enpolitik, Gegenpol zur US-Dominanz und EU als „Global Player“. Andere L&#228;nder wie Gro&#223;britannien wollen die EU auf eine Freihandelszone beschr&#228;nken und verfolgen andere politische Interessen. Dieser Konflikt f&#252;hrte zum Beispiel zu unterschiedlichen Positionen innerhalb der EU w&#228;hrend der Irak-Invasion.</p>
<h3>Legitimationskrise der EU</h3>
<p>Die zweite Bruchlinie betrifft das Verh&#228;ltnis zwischen den EU-Eliten und der Bev&#246;lkerung. Die EU hat sich schon seit einigen Jahren bei den Menschen unbeliebt gemacht. Mangelnde Demokratie, unsoziale neoliberale Politik und entt&#228;uschte Hoffnungen in der Arbeitsmarktpolitik sind Ursache der aktuellen Legitimationskrise der EU.<br />
Der deutlichste und bis jetzt folgenschwerste Ausdruck f&#252;r diese Legitimationskrise war die klare Ablehnung der EU-Verfassung in den Referenden von Frankreich und Holland. In Frankreich zeigte sich deutlich, dass die Wahlabgabe entlang von Klassengrenzen verlief. 80% der ArbeiterInnen und 70% der Angestellten w&#228;hlten mit Nein.<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> Diese Entscheidung ist ein linkes NEIN gegen den herrschenden neoliberalen Konsens und mangelnde Demokratie in der EU, auch wenn die Herrschenden und Teile der Medien, das Non und Nee als einen nationalistischen, unreflektierten und rechten Protest darzustellen versuchen.
</p>
<p class="MsoNormal">Das Projekt der Europ&#228;ischen Union erfuhr durch die Verfassungsreferenden einen massiven R&#252;ckschlag. Den Herrschenden Europas wurde klargemacht, dass sie Politik nicht schamlos &#252;ber die K&#246;pfe der Menschen hinweg machen k&#246;nnen.</p>
<h3>Zur EU-kritischen Diskussion in &#214;sterreich</h3>
<p><strong>EU Kritik der FP&#214;</strong></p>
<p>Im Fahrwasser der oben er&#246;rterten breiten EU-kritischen Stimmung, welche es in Europa und auch in &#214;sterreich gibt, sieht die FP&#214; eine Chance, durch Anti-EU-Propaganda bei den W&#228;hlerInnen einen Fu&#223; in die T&#252;r zu bekommen. Dass sie dabei in &#214;sterreich beinahe Monopolstellung erreicht hat, ist dem Versagen anderer Kr&#228;fte auf diesem Gebiet zuzuschreiben. In einer Zeit, in der die Arbeitslosenzahlen stetig steigen und Menschen im ganzen Land zu sp&#252;ren bekommen, dass die EU eine Politik gegen die Menschen durchf&#252;hrt, hat es diese Partei geschafft, die Stimmung f&#252;r sich zu n&#252;tzen.<br />
Aus diesem Grund ist es wichtig, die rechte EU-Kritik unter die Lupe zu nehmen und vor allem, ihr etwas entgegenzustellen.</p>
<p>Anfang M&#228;rz diesen Jahres fand das Anti-EU-Volksbegehren “&#214;sterreich bleib frei” der FP&#214; statt. In dieser Kampagne wurde an berechtigter Kritik der Menschen angekn&#252;pft, dass zum Beispiel in der EU das Geld f&#252;r die falschen Dinge ausgegeben wird. Der nationalistisch klingende Titel der Kampagne bezieht sich vor allem auf ein “frei bleiben” von der T&#252;rkei = vom Islam. Kopftuch tragende Frauen stehen wieder einmal mehr f&#252;r ein Sinnbild der Gefahr durch „den Islam“, welcher mit dem T&#252;rkei-Beitritt zur EU „unsere Werte“ in Bedr&#228;ngnis bringen w&#252;rde. Die FP&#214; forderte hierzu, es solle sich an „unsere Leitkultur” gehalten werden. Dabei ist von der christlichen, europ&#228;ischen „Leitkultur“ die Rede. Begr&#252;ndet wird dies damit, dass „wir“ in &#214;sterreich bzw. in Zentraleuropa fortschrittlicher und zivilisierter Natur sind. Das w&#252;rde im Umkehrschluss bedeuten, dass L&#228;nder au&#223;erhalb einer imagin&#228;ren Leitkulturgrenze r&#252;ckschrittlich und gef&#228;hrlich sind. Das nennen wir blanken Rassismus, den bekommen dann auch Menschen zu sp&#252;ren, wenn sie von „drau&#223;en“ zu „uns“ kommen m&#246;chten.<br />
Beim Anti-EU-Volksbegehren zeigte sich, dass f&#252;r die FP&#214; das Gegenst&#252;ck zu Br&#252;ssel Heimat und Vaterland bedeutet. Der scheinbar angestrebte Austritt &#214;sterreichs aus der EU, f&#252;r den etliche UnterzeichnerInnen dachten zu stimmen, wird auch von der FP&#214; abgelehnt. Nach FP&#214;-Ideal br&#228;uchten wir ein „Europa der Vaterl&#228;nder“<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a>, sowie „selbstbewusste Au&#223;enpolitik“ und „gemeinsame Sicherheitspolitik“.<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a></p>
<p><strong>EU-Kritik der SP&#214;</strong></p>
<p>Zur EU-Kritik der SP&#214; muss zu allererst festgestellt werden, dass die SP&#214; nicht das Projekt der EU an sich kritisiert, sondern viel mehr auf einzelnen Gebieten Verbesserungen anstrebt. So konzentriert sich die Kritik auf die Punkte Arbeitslosigkeit, Sch&#252;ssels Unf&#228;higkeit und „Wachstum“.<br />
Dass die Arbeitsmarktpolitik von Sch&#252;ssel unter dem EU- Vorsitz eine verheerende ist und dass durch neue Gesetze der EU die Lage zum Beispiel auch der Jugendarbeitslosigkeit<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a> immer schlechter statt besser wird, ist mit Sicherheit ein wichtiger Kritikpunkt.<br />
Doch in Teilen scheint die SP&#214; mit ihrer Kritik etwas hilflos, weil auch sie in die Logik des Konkurrenzdenkens hereinf&#228;llt. Das passiert etwa, wenn es darum geht, Arbeitspl&#228;tze europaweit zu verteilen. Eine sozialdemokratische Partei d&#252;rfte in Zeiten wie diesen nicht versuchen, das Bild zu erwecken, &#214;sterreich tr&#252;ge die „Hauptlast“ bei Asylgew&#228;hrungen und es bed&#252;rfe daher einem europaweiten Asylgesetz zur besseren Verteilung.<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a> Wir k&#246;nnen uns vorstellen, wie ein europaweites Asylgesetz aussieht. Dazu brauchen wir nur an die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla denken, wo „Europa“ vor den afrikanischen Fl&#252;chtlingen „besch&#252;tzt“ wird (dazu gab es im vergangenen Herbst etliche Berichte aufgrund dramatisch ansteigender verzweifelter Versuche von Fl&#252;chtlingen, unter Lebensgefahr nach Europa zu gelangen). Das kann nicht der Vorstellung sozialdemokratischer Werte entsprechen.</p>
<p><strong>&#214;sterreichische ArbeiterInnenvertretung und die EU</strong></p>
<p>Gro&#223;teils wird auch von Seiten der ArbeiterInnenvertretung die EU nicht als Projekt der Herrschenden in Frage gestellt, sondern eben die Umsetzung wird bem&#228;ngelt. Die Gewerkschaften &#214;sterreichs kritisierten in j&#252;ngster Vergangenheit an der EU im Besonderen einzelne Arbeitsgesetze wie die Bolkestein-Richtlinie und argumentierten dabei gegen das „Herkunftslandprinzip“. Die Kritik dringt jedoch kaum zum grunds&#228;tzlichen Problem vor.</p>
<p>DienstleisterInnen, wenn sie aus anderen Staaten der EU kommen und in &#214;sterreich arbeiten wollen, k&#246;nnen die arbeits- und sozialrechtlichen Bedingungen ihres Heimatlandes anwenden.<a href="#anm12" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a> Wenn nun in Gewerkschaftskreisen dar&#252;ber diskutiert wird, welche Nachteile aus solchen Richtlinien entstehen, wird oft in die Standort-Konkurrenz-Logik-Falle getappt. Die Arbeiterkammer schreibt dazu: „Das hei&#223;t f&#252;r &#214;sterreichs Besch&#228;ftigte: Lohn- und Sozialdumping, weil ausl&#228;ndische Anbieter billiger anbieten k&#246;nnen. Tausende &#246;sterreichische Arbeitspl&#228;tze stehen auf dem Spiel.“<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a> Diese Argumentation scheint einfach nachvollziehbar. W&#246;rtlich wird zwar vor Lohn- und Sozialdumping gewarnt,<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a> doch die AutorInnen ziehen hier schnell Verbindungen mit einer “Gefahr” durch ausl&#228;ndische ArbeiterInnen, anstatt etwa das niedrige Lohn- und Sozialsystem anderer L&#228;nder zu kritisieren. Es wird nicht das europ&#228;ische Problem der Arbeitslosigkeit mit den tiefer liegenden Ursachen er&#246;rtert und nach europaweiten Strategien dagegen gesucht. Dagegen werden nach dem Symptom-Abschw&#228;chungs-Prinzip strengere Gesetzen gefordert, welche uns vor den (ost-)europ&#228;ischen MitstreiterInnen zu sch&#252;tzen haben. Dass auch diese negative Auswirkungen von EU-Richtlinien zu sp&#252;ren bekommen, interessiert &#246;sterreichische ArbeiterInnenvertreterInnen scheinbar wenig. Dieses Nationalbewusstsein wird jedoch sp&#228;testens dann hinderlich werden, wenn es darum geht, sich auf EU-Ebene kollektiv gegen unsoziale Richtlinien zu wehren.</p>
<h3>Raus aus der EU?</h3>
<p>Die Spaltung der ArbeiterInnen und die Angst vor der Konkurrenz aus den benachbarten L&#228;ndern ist die Gefahr, welche den Fortschritt in Richtung Besserung von Sozialstandards bremst. Dieses Konkurrenzdenken sollte nicht von ArbeiterInnenvertretungen angekurbelt werden, wie es teilweise von Seiten der Gewerkschaft und Arbeiterkammer getan wird. Die EU ist es, die auf Konkurrenz und Wettbewerb aufbaut, dagegen sollten sich VertreterInnen unserer Interessen stellen. Doch dieses Konkurrenzsystem wurde nicht von „der EU“ erfunden, vielmehr ist es die Grundlage des gesamten Wirtschaftssystems.</p>
<p class="MsoNormal">So passiert der Abbau von sozialen Rechten und Leistungen schon viel l&#228;nger als es die EU gibt. Schon vor dem EU-Beitritt war &#214;sterreich in dieses System integriert. Mit oder ohne EU, die &#246;sterreichische Regierung ist die Vertreterin von Kapitalinteressen. Weil &#246;sterreichische Konzerne von der EU profitieren, h&#228;tten Bestrebungen f&#252;r einen EU-Austritt auf nationaler Ebene gro&#223;en Gegenwind. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Austritts &#214;sterreichs aus der EU er&#252;brigt sich auch f&#252;r uns, denn bisher konnte noch keine Regierung aus dem Kapitalismus aussteigen. Auch ohne EU w&#252;rden die Zw&#228;nge dessen bestehen bleiben.</p>
<h3>EU-Kritik mit Perspektiven</h3>
<p>Welche Perspektiven gibt es nun konkret, die tats&#228;chlichen Fortschritt gegen den R&#252;ckschritt bringen k&#246;nnen? Wir meinen, dass es dazu schon einige Beispiele gibt. Denken wir an die eingangs beschriebenen Kampagnen in Holland und Frankreich, an Proteste gegen die Bolkestein-Richtlinie oder gegen das HafenarbeiterInnengesetz.</p>
<p>So sind im Februar diesen Jahres in Stra&#223;burg ca. 50.000 AktivistInnen, vor allem GewerkschafterInnen, auf die Stra&#223;e gegangen, um sich gegen die Bolkestein-Richtlinie zu wehren. Auch aus &#214;sterreich waren ca. 700 GewerkschaftsaktivistInnen dabei. Es zeigte sich, dass mit kollektiver, europaweiter Mobilisierung einiges bewegt werden kann.<br />
Am Beispiel der beeindruckenden Proteste und Streiks der HafenarbeiterInnen im J&#228;nner wurde deutlich, wie erfolgreich gegen EU-Politik gek&#228;mpft werden kann. In Deutschland, Belgien, Griechenland, Frankreich und Spanien zeigten ArbeiterInnen, die Angst um ihre Arbeitspl&#228;tze hatten, dass sie tats&#228;chlich durch gemeinsame Streiks wirksam Druck gegen die Verhandelnden im Stra&#223;burger EU-Parlament machen konnten.<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a> Durch den Streik von 40.000 HafenarbeiterInnen in 12 L&#228;ndern konnte die Liberalisierung des Hafenarbeitsgesetzes („Port Package II“) nicht umgesetzt werden!</p>
<p>Wir kehren am Ende nochmal zu den Erfahrungen der NON-Kampagne in Frankreich zur&#252;ck und wollen die Gr&#252;nde f&#252;r den Erfolg dieser Bewegung zusammenfassen, um Schlussfolgerungen f&#252;r die Etablierung einer linken EU-Kritik hier vor Ort zu ziehen.<br />
Das Besondere und Nachhaltige an der franz&#246;sischen Bewegung kann auf drei Ebenen gesehen werden: Erstens war sie lokal in der franz&#246;sischen Gesellschaft fest verankert. Tausende Menschen beteiligten sich, kamen in &#246;rtlichen Versammlungen zusammen und konnten eine m&#228;chtige Bewegung von unten ins Leben rufen. Zweitens konnte in Frankreich das aufbrechen alter starrer Politikstrukturen beobachtet werden. Die Kampagne war ein “coming-together” der verschiedensten Parteien, Gewerkschaften, Basisinitiativen und Organisationen. Die AktivistInnen formierten sich um diese Kampagne in lokalen Kommittees und brachten dadurch verschiedene politische Str&#246;mungen an einen gemeinsamen Tisch. Drittens war die NON-Kampagne eingebettet in einer viel gr&#246;&#223;eren sozialen Bewegung. Fragen nach sozialer Sicherheit, Privatisierungen, usw. waren schon lange vor dem Referendum Themen um die es heftige soziale K&#228;mpfe gegeben hatte. Diese K&#228;mpfe und die antikapitalistische Bewegung sch&#228;rften das Bewu&#223;tsein gegen Neoliberalismus und die Rolle der EU. Die Bewegung in Frankreich schaffte es so, dieses Thema den Rechten zu entreissen, welche vor der NON-Kampagne das Feld mit reaktion&#228;ren Argumenten beherrschten.</p>
<p>In &#214;sterreich haben wir im Moment noch eine andere Situation. Derzeit besitzt die FP&#214; eine Dominanz &#252;ber dieses Themenfeld und kann sich als die einzige EU-kritische Partei darstellen. Die &#246;sterreichische Linke muss sich ein Beispiel an der franz&#246;sischen Bewegung nehmen, die EU-Kritik der Rechten entlarven und dem “Europa der Vaterl&#228;nder” richtige internationalistische und soziale Perspektiven entgegensetzen.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> Eurobarometer 64, Die &#246;ffentliche Meinung in der Europ&#228;ischen Union, Befragung: Oktober-November 2005. http://europe.eu.int/comm/public_opinion/archives/eb/eb64/eb64_first_de.pdf. Eine Umfrage im Auftrag der Europ&#228;ischen Kommission.<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> Der ERT ist Repr&#228;sentant der gr&#246;&#223;ten europ&#228;ischen multinationalen Konzerne und &#252;bt starken Einfluss auf die Politik der europ&#228;ischen Kommission in Br&#252;ssel aus.<br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> Vgl. J&#246;rg Huffschmid, Das Scheitern der neoliberalen Integrationsstrategie. Attac (Hg.), Das kritische EU-Buch. Warum wir ein anderes Europa brauchen, Wien 2006, 75.<br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a> Siehe dazu den Artikel zum EU-Imperialismus in dieser Zeitschrift.<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a> Zitiert aus: http://www.europolitan.de/cms/?aid=1699&amp;tid=1&amp;, 20.03.2006.<br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a> FAZ, 20. Juni 2005.<br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a> Inprekorr 406/407, Seite 40.<br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a> Siehe dazu Zitate von M&#246;lzer, Rosenkranz und Hofer in Publikationen auf http://www.fpoe.at/index.php?id=1741&amp;no_cache=1<br />
<a href="#anm_9" title="anm91" name="anm91">9</a> FP&#214;-Homepage<br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a> Siehe dazu in der SP&#214;-Jugendzeitung „Trotzdem“, Dezember 05/ J&#228;nner 06, Seite 5.<br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a> Vgl. SP&#214;-Bundesgesch&#228;ftsf&#252;hrer Darabos in „SP&#214; Aktuell“, Nummer 7/ 06, Seite 13.<br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a> Franz Fischill und Carmen Janko in der &#214;GB-Zeitschrift „Solidarit&#228;t“, Nummer 889, M&#228;rz 2006, Seite 3.<br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a> Zeitung der Arbeiterkammer „F&#252;r Sie“ 02/ 06, Seite 8f.<br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a> „Kompetenz“, 03/ 06, Seite 26f.<br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a> Siehe dazu http://www.attac.de/strasbourg/news/060117_portpackage2.php</p>
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