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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Definitionsmacht und sexualisierte Gewalt</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 12:48:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Definitionsmacht]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>

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		<description><![CDATA[In den letzten Wochen haben wir uns ausf&#252;hrlich mit dem Thema sexualisierte Gewalt besch&#228;ftigt. In diesem kurzen Papier halten wir erste Ergebnisse unserer Diskussionen und unser Bekenntnis zum Konzept der Definitionsmacht fest.

1. Als emanzipatorische Organisation teilt Perspektiven einen antisexistischen Grundkonsens. Das bedeutet, dass wir gegen strukturelle, geschlechtsspezifische Machtverh&#228;ltnisse sowohl gesellschaftspolitisch ank&#228;mpfen, als auch auf individueller Ebene f&#252;r eine antisexistische Praxis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten Wochen haben wir uns ausf&#252;hrlich mit dem Thema sexualisierte Gewalt besch&#228;ftigt. In diesem kurzen Papier halten wir erste Ergebnisse unserer Diskussionen und unser Bekenntnis zum Konzept der Definitionsmacht fest.<br />
<span id="more-2446"></span></p>
<li>1. Als emanzipatorische Organisation teilt Perspektiven einen antisexistischen Grundkonsens. Das bedeutet, dass wir gegen strukturelle, geschlechtsspezifische Machtverh&#228;ltnisse sowohl gesellschaftspolitisch ank&#228;mpfen, als auch auf individueller Ebene f&#252;r eine antisexistische Praxis eintreten.</li>
<li>2. Innerhalb gegenw&#228;rtiger Gesellschaften ist die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen stark eingeschr&#228;nkt. Die bestehenden Geschlechterverh&#228;ltnisse kommen unter anderem in sexualisierter Gewalt zum Ausdruck und werden durch diese reproduziert. Dabei handelt es sich um einen politischen Akt, der nicht nur einzelne M&#228;nner* und Frauen* betrifft. Vergewaltigung ist nicht au&#223;er Kontrolle geratene Sexualit&#228;t, sondern sexualisierte Gewalt.</li>
<li>3. Das Fortbestehen eines strukturellen Macht- und Herrschaftsverh&#228;ltnisses zwischen Mann* und Frau* – auch in der Linken – macht „Definitionsmacht“ zu einem notwendigen Konzept. Hierbei geht es um die Anerkennung der Definitionsmacht &#252;ber sexualisierte Gewalt – also dar&#252;ber, welche Situationen und Erfahrungen als Grenz&#252;berschreitung zu definieren sind. Die vorherrschende, juristische Definition sexualisierter Gewalt verlangt ein sofortiges Sich-Wehren der Betroffenen, eine klare Benennung des T&#228;ters sowie (sichtbare) Beweise f&#252;r die Tat. Weil sexualisierte Gewalt zumeist im sozialen Nahbereich stattfindet, eine unmittelbare Einordnung und Reaktion im Moment des &#220;bergriffs oft kaum m&#246;glich ist und sich auch der Tatbeweis schwierig und entw&#252;rdigend gestaltet (dar&#252;ber hinaus wird ein Gro&#223;teil der F&#228;lle vor Gericht wegen mangelnden Beweisen eingestellt oder erst gar nicht verfolgt ), nimmt eine solche juristische Definition strukturell die T&#228;terperspektive ein und sch&#252;tzt diesen so.</li>
<li>4. Mit der „Definitionsmacht“ wird demgegen&#252;ber das pers&#246;nliche Empfinden einer Grenz&#252;berschreitung als Ausgangspunkt gesetzt, denn nur die Betroffene* selbst kann definieren, was sexualisierte Gewalt im je konkreten Einzelfall ist oder war; <em>diese Definition stellen wir nicht in Frage</em>. F&#252;r uns als Organisation bedeutet das Bekenntnis zur Definitionsmacht die aktive und bedingungslose Parteilichkeit mit der Betroffenen*. Ihre Definition wird vollst&#228;ndig akzeptiert und auch nicht durch „kritisches“ Nachfragen oder detektivische Beweisf&#252;hrung in Zweifel gezogen.</li>
<li>5. Perspektiven f&#252;hlen sich als feministische Organisation angerufen. Damit die Konsequenzen unseres Bekenntnisses zur Definitionsmacht von der ganzen Gruppe mitgetragen werden, muss ein transparenter Informationsprozess stattfinden. Zu diesen Konsequenzen geh&#246;rt unter anderem, dass falls es zu F&#228;llen sexualisierter Gewalt seitens eines Mitglieds kommen sollte, der T&#228;ter aus der Organisation ausgeschlossen wird und wir die Forderungen der Betroffenen* bedingungslos umsetzen. Das Bekenntnis zur Definitionsmacht bedeutet f&#252;r uns auch, nicht mit Organisationen, Initiativen etc. zusammenzuarbeiten, die T&#228;ter sch&#252;tzen. Wir m&#246;chten einen Raum darstellen, in dem Frauen* politisch aktiv sein k&#246;nnen und wollen. Definitionsmacht ist ein Erm&#228;chtigungsverh&#228;ltnis, das unter bestehenden Geschlechterverh&#228;ltnissen notwendig ist, um gemeinsame politische Praxis und gegenseitiges Vertrauen zu erm&#246;glichen.</li>
<li>6. Die Anerkennung der Definitionsmacht bedeutet keineswegs, dass antisexistische und feministische Praxis sich darin ersch&#246;pft. Vielmehr ist eine stetige Auseinandersetzung mit Antisexismus und Feminismus f&#252;r uns zentral.</li>
</ol>
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		<title>Demonstration gegen den WKR-Ball</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 16:38:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[FPÖ]]></category>

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		<description><![CDATA[27. Januar 2012 &#8211; 18 Uhr &#8211; Schottentor (Uni Wien)
Verhindern wir gemeinsam den rechtsextremen Ball der Burschenschaften in der Hofburg!

Der Rausschmiss des WKR-Balls aus der Hofburg ab 2013 ist ein gro&#223;er Erfolg f&#252;r alle Antifaschist_innen. Sowohl f&#252;r jene, die in den letzten Jahren trotz Demoverbot und Repression auf die Stra&#223;e gegangen sind, als auch f&#252;r jene die in den letzten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>27. Januar 2012 &#8211; 18 Uhr &#8211; Schottentor (Uni Wien)<br />
Verhindern wir gemeinsam den rechtsextremen Ball der Burschenschaften in der Hofburg!<br />
<span id="more-2442"></span></p>
<p>Der Rausschmiss des WKR-Balls aus der Hofburg ab 2013 ist ein gro&#223;er Erfolg f&#252;r alle Antifaschist_innen. Sowohl f&#252;r jene, die in den letzten Jahren trotz Demoverbot und Repression auf die Stra&#223;e gegangen sind, als auch f&#252;r jene die in den letzten Monaten Druck ausge&#252;bt haben.<br />
Ein wichtiges Merkmal der antifaschistischen Mobilisierung dieses Jahr ist die politische Breite, die diesen Erfolg m&#246;glich gemacht hat. Von Antifagruppen und linken Organisationen, &#252;ber Parteien, Gewerkschaften bis zu zivilgesellschaftlichen Initiativen war der Protest im Vorfeld nicht nur breiter, sondern hat auch schon deutlich fr&#252;her angefangen den Druck auf die Hofburgverantwortlichen zu erh&#246;hen.<br />
Es wurde deutlich, dass antifaschistischer Protest erfolgreich sein kann. Selbst Strache musste schmerzhaft feststellen dass der „Druck der Stra&#223;e“ ein wichtiger Faktor f&#252;r den Rausschmiss war.<br />
Daran gilt es anzukn&#252;pfen und nun auch den WKR-Ball 2012 zu verhindern. Der WKR-Ball ist immer noch eines der europaweit gr&#246;&#223;ten Vernetzungstreffen der extremen Rechten. Gerade weil der WKR-Ball 2012 am Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz stattfindet, ist es umso wichtiger sich dem Ball entschlossen entgegenzustellen.<br />
Wie schmerzhaft diese Niederlage f&#252;r die extreme Rechte ist, zeigte sich an den Reaktionen von FP&#214; und Burschenschaften. So einfach werden sich FP&#214; und Burschenschafter aber nicht geschlagen geben. Gerade deswegen gilt es am 27.01 ein deutliches Zeichen zu setzten, damit der WKR-Ball NIE WIEDER stattfinden kann.<br />
Wenn es die Verantwortlichen nicht schaffen den WKR auch 2012 auszuladen, m&#252;ssen wir die Verhinderung selbst in die Hand nehmen. Deshalb wollen wir am 27.01. auf die Stra&#223;e gehen um zu zeigen, dass rassistische Hetze, Antisemitismus, Homophobie und menschenverachtende Politik keinen Platz haben.<br />
Dabei wird von uns keine Gewalt oder jegliche Form von Eskalation ausgehen. Uns geht es nicht darum, den Konflikt mit der Polizei zu suchen, sondern den WKR-Ball zu verhindern.<br />
Wir sind solidarisch mit allen, die das Ziel teilen den WKR-Ball zu verhindern.<br />
Gehen wir am 27.01.2012 zahlreich auf die Stra&#223;e und machen wir deutlich:<br />
Nie wieder Faschismus!<br />
Kein Platz f&#252;r Holocaustleugner_innen, Nazis und Rassist_innen: ob in der Hofburg, auf der Stra&#223;e oder im Parlament!<br />
F&#252;r eine Gesellschaft ohne Rassismus!<br />
Demotreffpunkt 18:00 Schottentor<br />
www.offensivegegenrechts.net<br />
F&#252;r R&#252;ckfragen:<br />
buendnis@offensivegegenrechts.net </p>
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		<title>Perspektiven Nr. 14 erschienen!</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 13:30:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Perspektiven Nr.14 ist erschienen und gibt sich in Form wie Inhalt revolution&#228;r.

Im schicken neuen Layout, mit bedienungsfreundlichen Fu&#223;noten und Infoboxen und begleitet von attraktiv aufbereiteten Fotostrecken geht es in Perspektiven Nr. 14 um nicht weniger als die Revolution. Alles n&#228;here dazu lest ihr im Editorial, auch auf das Inhaltsverzeichnis k&#246;nnt ihr bereits einen Blick werfen. 
F&#252;r alles weitere empfehlen wir, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Perspektiven Nr.14 ist erschienen und gibt sich in Form wie Inhalt revolution&#228;r.</p>
<p><span id="more-2433"></span></p>
<p>Im schicken neuen Layout, mit bedienungsfreundlichen Fu&#223;noten und Infoboxen und begleitet von attraktiv aufbereiteten Fotostrecken geht es in Perspektiven Nr. 14 um nicht weniger als die Revolution. Alles n&#228;here dazu lest ihr im <a href="http://www.perspektiven-online.at/2011/11/24/editorial-14/">Editorial</a>, auch auf das <a href="http://www.perspektiven-online.at/ausgaben/perspektiven-nr-14/">Inhaltsverzeichnis</a> k&#246;nnt ihr bereits einen Blick werfen. </p>
<p>F&#252;r alles weitere empfehlen wir, das wundersch&#246;ne Heft per Mail zu <a href="http://www.perspektiven-online.at/kontakt/">bestellen</a>, bei einer der <a href="http://www.perspektiven-online.at/links/">Verkaufsstellen</a> zu erwerben oder gleich ein <a href="http://www.perspektiven-online.at/abo/">Abo</a> zu l&#246;sen.</p>
<p>Viel Freude damit,<br />
Eure Perspektiven-Redaktion </p>
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		<title>Editorial</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Nov 2011 19:26:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 14]]></category>
		<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>

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		<description><![CDATA[„Revolution!“ haben wir uns wieder einmal gedacht… und uns zun&#228;chst einmal an ein neues Layout f&#252;r das Magazin herangemacht. Was ihr nun in den H&#228;nden haltet ist also das langersehnte Ergebnis vieler – mit, &#252;ber den Xten Entw&#252;rfen zusammengehaltenen K&#246;pfen, gef&#252;hrten – Diskussionen und nicht zuletzt unz&#228;hliger &#220;berstunden unseres Grafikers Reinhard Lang (danke daf&#252;r!). Die treue Leser_innenschaft bemerkt sofort: es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Revolution!“ haben wir uns wieder einmal gedacht… und uns zun&#228;chst einmal an ein neues Layout f&#252;r das Magazin herangemacht. Was ihr nun in den H&#228;nden haltet ist also das langersehnte Ergebnis vieler – mit, &#252;ber den Xten Entw&#252;rfen zusammengehaltenen K&#246;pfen, gef&#252;hrten – Diskussionen und nicht zuletzt unz&#228;hliger &#220;berstunden unseres Grafikers Reinhard Lang (danke daf&#252;r!). Die treue Leser_innenschaft bemerkt sofort: es hat sich einiges ver&#228;ndert! Neben dem neuen Coverdesign sollen vor allem das aufpolierte Layout der Artikel, kleine Infoboxen oder etwa auch „bedienungsfreundlichere“ Fu&#223;noten das Lesen zu einem noch gr&#246;&#223;eren Genuss machen, als zuvor! Zudem bekommt die Bebilderung endlich den Platz, den sie sich unserer Meinung nach schon l&#228;nger verdient hat (n&#228;mlich mehr). Auch die Rezensionen wollen wir aufwerten. Schlie&#223;lich haben wir uns nach hitzigen Diskussionen daf&#252;r entschieden, die Anzahl der Artikel auf vier handverlesene St&#252;ck zu reduzieren… denn alles weitere – so unsere &#220;berlegung – findet ihr auf unserem neuen Blog unter: www.perspektiven-online.at .</p>
<p>„Revolution!“ haben wir uns dann gleich noch einmal gedacht und dem nicht nur Form, sondern auch Inhalt dieser Ausgabe gewidmet, wie Ihr unschwer auf dem Cover nachlesen k&#246;nnt. Und wer h&#228;tte sich das gedacht: war der Begriff bis vor einem Jahr – so scheint es – noch den Marketingabteilungen dieser Welt vorbehalten, wenn es um die Anpreisung neuer Handy-Modelle oder Hybrid-Motoren ging , so ist „Revolution“ pl&#246;tzlich auch wieder im politischen Diskurs pr&#228;sent. Hierf&#252;r sorgte nicht nur die Wieder-Aneignung dieses Kampfbegriffes durch die Besetzer_innen auf der Plaza Puerta del Sol und dem Syntagma-Platz oder der <em>Occupy Wallstreet-Bewegung</em>, sondern auch die Umst&#252;rze in Nordafrika. </p>
<p>Um einen dieser Umst&#252;rze geht es in <em>Von Tahrir zu Tat ’hir</em>. <em>Stefan Probst</em> und <em>Tyma Kraitt</em> zeigen, unter welchen Bedingungen sich das gesellschaftliche Potential dieser Proteste entwickelte, vergessen dabei niemals auf den Klassenkampf und f&#252;hren nebenher in revolutionstheoretische Begriffe ein.<br />
Wurde diesbez&#252;glich in &#196;gypten – bei allen Schwierigkeiten – also schon einiges erreicht, darf hierzulande noch im Konjunktiv diskutiert werden. Dazu hat <em>Perspektiven </em>mit <em>Lukas Oberndorfer</em> (Institut Solidarische Moderne) und <em>Elmer Flatschart </em>(<em>W.E.G., Theorieb&#252;ro/Schenke</em>) zwei sehr unterschiedliche linke Projekte zum Gespr&#228;ch mit <em>Benjamin Opratko</em> und <em>Katharina Hajek</em> (<em>Perspektiven</em>) geladen, um &#252;ber Handlungsm&#246;glichkeiten der Linken in der Krise, lang- und kurzfristige Ziele, Subjekte aber auch die „Orte“ von Transformation zu diskutieren. Eben darum geht es nicht zuletzt, wenn <em>Hanna Lichtenberger</em> und <em>Julia Hofmann</em> der Frage nachgehen, welche Diskurse politischer Selbsterm&#228;chtigung sich von der Pariser Commune – als einem der historisch ersten Versuche breiter demokratischer Selbstverwaltung – &#252;ber die Aufst&#228;nde in Oaxaca bis zur Bewegung M15 in<br />
Spanien ziehen. Schlie&#223;lich – und au&#223;erhalb des Schwerpunktes – sind wir Euch noch den zweiten Teil von Harry Cleavers <em>Karl Marx: &#214;konom oder Revolution&#228;r?</em> schuldig. </p>
<p>Rezensiert wird in dieser Ausgabe zu so unterschiedlichen Themen wie Okzidentalismus, antimuslimischem Rassismus und der  queeren Multitude, wobei wir mit mit einem Kommentar zur Frauenfu&#223;ball-WM diesen Jahres sowie einer Rezension zum Thema Rapid im Nationalsozialismus auch noch einen kleinen – inoffiziellen – Ballsport-Schwerpunkt untergebracht haben.</p>
<p>Und jetzt alle zusammen: „one solution:…!“ …f&#252;r all die vielen Widerspr&#252;che, </p>
<p><strong>Eure Perspektiven-Redaktion!</strong></p>
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		</item>
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		<title>25. &#8211; 27.11. &#8211; Konferenz gegen den WKR-Ball 2012: Programm und Infos</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2011/11/24/konferenz-gegen-den-wkr-ball-2012-programm-und-infos/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Nov 2011 14:10:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[FPÖ]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 26. November organisiert der Wiener Korporationsring einen Fest-Kommers im Vorfeld des WKR-Balles 2012. Passend dazu m&#246;chten wir euch an diesem Tag eine Konferenz anbieten, bei der ein m&#246;glichst breit gef&#228;chertes Bild der Rechten in &#214;sterreich und Europa aufgezeigt werden soll. Wir m&#246;chten die Teilnerhmer_innen dabei aber nicht als Konsument_innen von Workshops verstehen, sondern auch ein Angebot schaffen, wie mensch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 26. November organisiert der Wiener Korporationsring einen Fest-Kommers im Vorfeld des WKR-Balles 2012. Passend dazu m&#246;chten wir euch an diesem Tag eine Konferenz anbieten, bei der ein m&#246;glichst breit gef&#228;chertes Bild der Rechten in &#214;sterreich und Europa aufgezeigt werden soll. Wir m&#246;chten die Teilnerhmer_innen dabei aber nicht als Konsument_innen von Workshops verstehen, sondern auch ein Angebot schaffen, wie mensch sich in die Arbeit gegen Rechts und die Mobilisierungen gegen den WKR-Ball 2012 einbringen kann.<br />
Die Teilnahme ist kostenlos. F&#252;r Verpflegung wird gesorgt.</p>
<p><strong>Freitag, 25.November</strong><br />
<strong>16:00-18:00</strong><br />
Workshop: Die Frauenpolitik der FP&#214;. &#220;ber die Aktualit&#228;t des antifeministischen Backlashes. (Seminarraum am Institut f&#252;r Politikwissenschaften)<br />
<strong>18:00-20:00</strong><br />
Filmvorstellung:<br />
»Das gro&#223;e Schweigen. Bordelle in Konzentrationslagern.« Ein Film von Maren Niemeyer und Caroline von der Tann. (HS 2 – Neues Instituts geb&#228;ude)<br />
<strong>20:00 – 21:45</strong><br />
Die Offensive gegen Rechts stellt sich vor. (HS 2 – Neues Instituts Geb&#228;ude)</p>
<p><strong>Samstag, 26.November</strong><br />
<strong>Block 1</strong><br />
<strong>10:00 – 13:00</strong> / Ort: Seminarr&#228;ume Institut f&#252;r Politikwissenschaften<br />
Workshop 1.1: Who the fuck is Burschi? &#220;ber die Geschichte und der aktuellen Zusammensetzung &#246;sterreichischer Burschenschaften im deutschnationalen Verbandswesen.<br />
Ws 1.2: Einf&#252;hrung in die Entwicklung, Kontinuit&#228;ten und aktuelle Zusammensetzung der Freiheitlichen Partei &#214;sterreichs.<br />
Ws 1.3: Europe, crisis and the rise of the populist and extreme right. Organisiert von transform!<br />
Ws 1.4: Antimusslimischer Rassismus in Europa – Wenn MigrantInnen muslimischer Herkunft zur allgemeinen rassistischen Projektionsfl&#228;che werden.<br />
Ws 1.5: Die Geschichte der Konservativen Revolution und ihr Fortleben in der Neuen Rechten.</p>
<p><strong>Block 2</strong><br />
<strong>14:00 – 17:00</strong> / Ort: Seminarr&#228;ume Institut f&#252;r Politikwissenschaften<br />
Ws 2.1: &#220;ber Homophobie und den Umgang mit m&#228;nnlicher Homosexualit&#228;t im Rechtspopulismus / von Yves M&#252;ll<br />
Ws 2.2: Antisemitismus in &#214;sterreich im 19. und 20. Jahrhundert – Das Fortleben antisemitischer Stereotypen bis heute.<br />
Ws 2.3: Aktuelle rechtsextreme Umtriebe in &#214;sterreich am Beispiel Alpen Donau.info<br />
Ws 2.4: Frauen in der organisierten Rechten.<br />
Ws 2.5: Populist and extreme right in central and eastern Europe. Focus Hungary / G. M. Tamas<br />
Ws 2.6: Die soziale Frage und die FP&#214; – Warum die FP&#214; eine Wahl nach der anderen gewinnt.</p>
<p><strong>17.00-19:00</strong><br />
Buchvorstellung: Nina Horaczek &#038; Sebastian Wiese: Handbuch gegen Vorurteile. Von Auschwitzl&#252;ge bis Zuwanderungstsunami  (HS 2 – Neues Instituts geb&#228;ude)<br />
<strong>19:30</strong><br />
Abschlusspodium (HS 2 – Neues Instituts geb&#228;ude)<br />
<strong>„The populist and extreme Right in Europe“</strong><br />
Es diskutieren Yves M&#252;ller (Deutschland, Verein f&#252;r Demokratische Kultur in Berlin e.V.), Haris Triantafyllidou ( Nicos Poulantzas Institute, Greece), Anna Mikkola (Left Alliance, Finnland) und Elisabeth Gauthier (Espace Marx and PCF, France).<br />
Moderation von transform!.at<br />
<strong>Ab 21.00 Party „Love Music – Hate Fascism“ im Roten Bogen.</strong></p>
<p><strong>Sonntag, 27.November </strong>/ Aktionstag / Lustkandlgasse 10/1, 1090 Wien (N&#228;he U6 Volksoper/W&#228;hringerstr.)<br />
>10:00- 12:00 Demotraining: Was macht mensch, wenn die Polizei kommt? Was tun wenns brennt?<br />
12:00 – 13:30 Mittagspause<br />
13.30-15.20 Vorstellung des Aktionskonsens / Wie kann mensch sich in die “Offensive gegen Rechts” einbringen?<br />
13.30 -15.30 Aktionstag<br />
16:00 Burschisafari<br />
18:00 Abschlie&#223;endes gem&#252;tliches Zusammensitzen</p>
]]></content:encoded>
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		<title>¡Todos con Cristina!&#8230; Krise, Kontinuit&#228;t und Kirchnerismo</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2011/10/18/todos-con-cristina-krise-kontinuitaet-und-kirchnerismo/</link>
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		<pubDate>Tue, 18 Oct 2011 09:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[kirchnerismo]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach einem wahren Wahlmarathon in den letzten Monaten erreicht das argentinische Wahljahr 2011 mit der Pr&#228;sidentschaftswahl und den Gouverneurswahlen in 9 Provinzen – unter anderem Buenos Aires – am 23. Oktober seinen H&#246;hepunkt. Letztere scheint allerdings bereits seit Wochen entschieden, nachdem Cristina Fernández de Kirchner die zum ersten Mal auf nationaler Ebene abgehaltenen Vorwahlen, die primarias abiertas, simultáneas y obligatorias [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einem wahren Wahlmarathon in den letzten Monaten erreicht das argentinische Wahljahr 2011 mit der Pr&#228;sidentschaftswahl und den Gouverneurswahlen in 9 Provinzen – unter anderem Buenos Aires – am 23. Oktober seinen H&#246;hepunkt.<span id="more-1986"></span> Letztere scheint allerdings bereits seit Wochen entschieden, nachdem Cristina Fernández de Kirchner die zum ersten Mal auf nationaler Ebene abgehaltenen Vorwahlen, die <em>primarias abiertas, simultáneas y obligatorias (primarias)</em><a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> mit 50,21% der abgegebenen Stimmen f&#252;r sich entscheiden konnte. Seitdem besteht endg&#252;ltig kein Zweifel mehr daran, dass sie in der kommenden Woche wiedergew&#228;hlt werden wird. Allerdings stellt nicht der Sieg der amtierenden Pr&#228;sidentin an sich, sondern die Deutlichkeit mit der dieser ausfiel, die eigentliche &#220;berraschung der Wahlen dar: man war von 43% bis 45% ausgegangen, die mehr als 50% &#252;berraschten selbst die Anh&#228;ngerInnen des <em>kirchnerismo</em>.<br />
Neben dem eigenen Wahlergebnis tr&#228;gt aber auch die brutale Niederlage der Opposition zur aktuellen Hochstimmung auf Seiten der Regierung bei. Betrachtet man die Ergebnisse dieser wird das Ausma&#223; des Sieges noch deutlicher. Mit gerade einmal 12,20% und 12,12% teilen sich Ricardo Alfonsín – <a href="http://es.wikipedia.org/wiki/Uni%C3%B3n_para_el_Desarrollo_Social"><em>Unión para el Desarrollo Social</em></a> (UDESO), eine Wahlkoalition angef&#252;hrt durch die <em>Unión Cívica Radical</em> (UCR), der &#228;lteste Partei Argentiniens, die man als konservativ b&#252;rgerlich charakterisierten k&#246;nnte – und Eduardo Dualde – Anf&#252;hrer des <em>peronismo federal</em>, Widersacher des <em>kirchnerismo </em>innerhalb der <em>Partido Justicialista</em> (PJ) – im Endeffekt den zweiten Platz, dicht gefolgt von Hermes Binner – <em>Frente Amplio Progresista</em> (FAP), mitte-links Wahlallianz angef&#252;hrt durch die <em>Partido Socialista</em> –  mit 10,18%.<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> Keiner der genannten Kandidaten wird die amtierende Pr&#228;sidentin in ihrer Wiederwahl gef&#228;hrden, die einzige offene Frage ist ob Cristina Fernandez de Kirchner diese bereits in der ersten Runde gewinnen kann, oder zu Stichwahl antreten muss.</p>
<p>Dabei wiesen die Zeichen in den Monaten zuvor in eine andere Richtung. Bei der Provinzwahl in Santa Fe war der Kandidat der <em>Frente Para la Victoria</em> – so der Name des kirchneristischen „Parteifl&#252;gels“ innerhalb der <em>Partido Justicialista</em> &#8211; nicht einmal bis in die Stichwahl gekommen, so dass sich bei dieser Ende Juli der Juan Antonio Bonfatti – <em>Frente progresista, civico y social</em> – Wahlb&#252;ndnis auf Provinzebene, welches von der <em>Partido Socialista</em> angef&#252;hrt wird – gegen&#252;ber Miguel De Sel – <em>Propuesta Republicana</em> (PRO), rechtspopulistische Partei unter der F&#252;hrung Mauricio Macris – durchsetzen konnte. Bonfatti trat als Nachfolger f&#252;r den scheidenden Hermes Binner (beide Mitglied der <em>Partido Socialista</em>) an, der um die Pr&#228;sidentschaft kandieren wird. Del Sel war f&#252;r die Partei Mauricio Macris <em>Propuesta Republicana</em> (PRO) angetreten und steht in gewisser Weise paradigmatisch f&#252;r dessen „Apolitik“: er ist ein bekannter Komiker. Sein zweiter Platz wurde als weitere Schlappe f&#252;r den <em>kirchnerismo </em>und als erneuten Hinweis auf die zunehmende Ablehnung der Regierung gewertet. Macri selber ist derzeit wohl die herausragendste Figur der Opposition und der neuen Rechten. Dass er nicht f&#252;r die Pr&#228;sidentschaft, sondern wieder in der Stadt Buenos Aires kandierte, scheint wahltaktischen &#220;berlegungen geschuldet: Die Wiederwahl Cristinas galt bereits vor den <em>primarias </em>als sehr wahrscheinlich. Bei der Wahl 2015 d&#252;rfte sie jedoch nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten und es ist derzeit niemand in Sicht der das kirchneristische Projekt weiterf&#252;hren k&#246;nnte.<br />
Anfang August gewann eben jener Mauricio Macri dann die Stichwahl um die B&#252;rgermeisterschaft in Buenos Aires mit 64,25% gegen&#252;ber Daniel Filmus (35,75%), dem Kandidaten des <em>kirchnerismo</em>. Mit Sicherheit l&#228;sst sich das Ph&#228;nomen Macri nicht auf eine Erkl&#228;rung reduzieren und kann hier nicht tiefergehend diskutiert werden, eine dominante Erkl&#228;rung im Anschluss an den deutlichen Wahlerfolg – Macri konnte jeden einzelnen Wahlbezirk f&#252;r sich entscheiden – war, dass die Leute nicht f&#252;r Macri sondern gegen Cristina und den <em>kirchnerismo </em>gestimmt h&#228;tten.<br />
Bei den Provinzwahlen in Córdoba schlie&#223;lich, gewann Jose Manuel de la Sota. Die <em>Frente Para la Victoria </em>hat zwar keineN KandidatIn aufgestellt; de la Sota, selber Mitglied der peronistischen <em>Partido Justicialista</em>, gilt er jedoch als Gegner des <em>kirchnerismo </em>und z&#228;hlt zum rechten Fl&#252;gel des Peronismus.</p>
<p><strong>Die unn&#252;tze Opposition</strong><br />
Wie also l&#228;sst sich der &#252;berw&#228;ltigende Sieg Cristina Fernández de Kirchner erkl&#228;ren? Die nach den Wahlen dominierende Erkl&#228;rung verweist auf die fehlende Opposition. Im Vorfeld der Wahlen hatte es diese nicht geschafft, sich auf ein gemeinsames Projekt zu einigen. Betrachtet man die unterschiedlichen KandidatInnen erscheint keineR eine Alternative darzustellen. Ricardo Alfonsín, Sohn des ersten Pr&#228;sidenten nach der Milit&#228;rdiktatur der 70er und 80er Jahre, wird von der Bev&#246;lkerung als „Schw&#228;tzer“ ohne politisches Programm wahrgenommen. Die Kandidatur Eduardo Dualdes, mitverantwortlich f&#252;r die Abwertung des Peso 2002 und Vater der Repression gegen&#252;ber der sozialen Bewegungen jener Jahre, die schlie&#223;lich ihren traurigen H&#246;hepunkt in der Ermordung der beiden AktivistInnen Darío Santillán und Maximilian Kosteki fand, empfindet der Gro&#223;teil der Bev&#246;lkerung als Dreistigkeit die ihres gleichen sucht. Alberto Rodríguez Saá, Gouverneur der Provinz San Luis  (immerhin 8,17%), gilt als Provinzcaudillo. Seiner Familie, die von Juan Saá einem bedeutenden Milit&#228;r und Politiker des B&#252;rgerkrieges des 19. Jahrhunderts abstammt, besitzt praktisch die gesamte Provinz und reicht die Posten innerhalb der staatlichen Apparate von Generation zu Generation weiter. Elisa Carrió, bei der Wahl 2007 mit 23% noch zweite hinter Fernández de Kirchner und Hoffnung der Opposition, erreichte gerade einmal 3,24%. Sie gilt als verr&#252;ckt geworden, nicht zuletzt deshalb weil sie von Zeit zu Zeit mit den abstrusesten Verschw&#246;rungstheorien aufwartet. So behauptete sie etwa im Anschluss an den Tod Néstor Kirchner, dass die gro&#223;e Anteilnahme und Trauer der Bev&#246;lkerung w&#228;hrend dessen Beerdigung, von der Theatergruppe inszeniert worden w&#228;re, die auch schon das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=O9pfkmMn9cA">200j&#228;hrige Jubil&#228;um Argentiniens organisiert hatte</a>. Neben der Programmlosigkeit der genannten OppositionspolitikerInnen, hatten diese es nicht geschafft Allianzen untereinander zu kn&#252;pfen und sich als eine M&#246;glichkeit des Bruchs mit dem <em>kirchnerismo </em>zu pr&#228;sentieren. Die meisten von ihnen repr&#228;sentieren hierbei die politische Elite der Krisenzeit um 2001, die im kollektiven Ged&#228;chtnis der Bev&#246;lkerung noch immer zutiefst verhasst ist. </p>
<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/?attachment_id=2396"><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/10/Binner-en-el-Plenario-del-Partido-Socialista-en-Rosario-26-08-2011-300x200.jpg" alt="" title="Binner-en-el-Plenario-del-Partido-Socialista-en-Rosario-26-08-2011" width="300" height="200" class="aligncenter size-medium wp-image-2396" /></a></p>
<p>Die einzige Ausnahme bildet der bisherige Gobernador von Santa Fe Hermes Binner. Er gilt als gro&#223;er Gewinner der <em>primarias</em>, in dessen Vorfeld er sich stets als offener und sachlicher Diskussionspartner f&#252;r alle politischen Lager und Verfechter der demokratischen Institutionen pr&#228;sentiert hatte. So schreckte er beispielsweise auch nicht davor zur&#252;ck sich kurz vor der Wahl mit Hugo Moyano dem Chef der <em>Confederación General del Trabajo de la República Argentina</em> (CGT), der gr&#246;&#223;ten und m&#228;chtigsten Gewerkschaft Argentiniens, zu treffen. Hugo Moyano wird von der Opposition gerne als personifizierte Korruption und Machtgier aufgrund seiner Verbindungen zur Regierung dargestellt.<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> Trotzdem versammelte sich Binner mit Moyano unter dem Verweis darauf, dass man die demokratischen Institutionen des Landes respektieren m&#252;sse – ob einem das Gesicht des anderen nun passe oder nicht. Eine Argumentation die an den Diskurs der Regierung &#252;ber die Bedeutung der demokratischen Institutionen ankn&#252;pft (mehr dazu weiter unten). Binners Politikform scheint auch f&#252;r weite Teile der (urbanen) Mittelschichten ankn&#252;pfungsf&#228;hig, die sich mehr soziale Gerechtigkeit w&#252;nschen, die populistische Politikform des <em>kirchnerismo </em>diesbez&#252;glich jedoch befremdlich finden. Zwar haben die Entwicklungen seit den <em>primarias </em>seine aufstrebende Tendenz best&#228;tigt und aufgezeigt, dass sich um ihn herum in kommenden Jahren ein oppositionelles Potenzial entwickeln k&#246;nnte, seine politische Karriere auf nationaler Ebene ist jedoch noch relativ jung, weshalb er nicht als ernsthafter Konkurrent f&#252;r Cristina gilt.<br />
F&#252;r eine weitere kleine &#220;berraschung sorgte das Abschneiden von Jorge Altamira dem Pr&#228;sidentschaftskandidaten der <em>Frente de Izquierda y de los trabajadores</em> (FIT). Hierbei handelt es sich um ein B&#252;ndnis der drei gro&#223;en trotzkistischen Parteien <em>Partido Obrero</em> (PO), <em>Partido de los Trabajadores Socialistas</em> (PTS) und <em>Izquierda Socialist</em>a (IS) und Einzelpersonen. D<a href="http://www.ips.org.ar/?p=1743.">abei wird es von einer ganzen Reihe von bekannten Intellektuellen, wie Eduardo Gr&#252;ner unterst&#252;tzt.</a> Unter dem Titel „Asamblea de intelectuales, docentes y artistas en apoyo al Frente de Izquierda“ versammeln sich diese in Form <a href="http://www.ips.org.ar/?cat=9.">&#246;ffentlicher Diskussionsveranstaltungen</a>, um das B&#252;ndnis zu debattieren. Bei allen Vorbehalten und Kritikpunkten unterst&#252;tzen viele das B&#252;ndnis mit der Begr&#252;ndung, es sei die einzige antikapitalistische Kraft, die bei den Wahlen antreten w&#252;rde. Zudem gehe es darum einen <a href="http://www.ips.org.ar/?p=3277">Diskussionsprozess innerhalb der Linken voranzutreiben</a> und alte Vorurteile abzubauen. Die FIT hatte im Vorfeld die <em>primarias </em>an sich sowie die zu erreichende Mindeststimmzahl von 400.000 bzw. 1,5% Stimmanteil heftig kritisiert und diese als Versuch der Regierung die kleinen Parteien von den Wahlen auszuschlie&#223;en angeprangert. Viele glaubten nicht wirklich daran, dass die FIT und Altamira wirklich den genannte Stimmanteil erreichen w&#252;rde, schlie&#223;lich waren es dann sogar 2,48%. </p>
<p><strong>Narrative des <em>kirchnerismo</em></strong><br />
Auch wenn die fehlende Opposition sicherlich einen Teil zum Erfolg Cristinas beigetragen hat, so reicht diese bei weitem nicht aus, um den Wahlerfolg zu erkl&#228;ren. Wie Alfredo Serrano und Esteban de Gori in ihrer <a href="http://www.rebelion.org/noticia.php?id=134634&#038;titular=votos-sorpresas-y-reconfiguraciones- ">hervorragenden Analyse</a> feststellen, hat es die Regierung geschafft ein Narrativ zu etablieren, welches Ankn&#252;pfungspunkte f&#252;r verschiedene Sektoren bietet und einen „<em>un nuevo horizonte de expectativas</em>“ (einen neuen Erwartungshorizont) schafft. In diesem sei die Hoffnung auf einen gewissen „<em>bienstar</em>“ (Wohlstand/Wohlfahrt) f&#252;r alle eingeschrieben, welches nicht nur &#246;konomische Aspekte beinhaltet, sondern als ganzheitliche Kategorie zu verstehen sei, „die seit 2003 in der Konsolidierung eines Institutionennetzes f&#252;r Bildung, Gesundheit und sozialen Einrichtungen besteht. Ausgehend [davon] wurde eine Subjektivit&#228;t hervorgerufen […], die konfrontiert mit der Notwendigkeit &#252;ber seine Gegenwart und Zukunft zu entscheiden, es umgehend bevorzugt ein Projekt zu unterst&#252;tzen, welches eine stabile Basis besitzt.“<br />
Dieses Narrativ der Institutionen kn&#252;pft auch bei vielen W&#228;hlerInnen des (st&#228;dtischen) Kleinb&#252;rgerInnentums an und kontrastiert den <em>kirchnerismo </em>gegen das Chaos um 2001. Selbst diese Teile rechnen der Regierung trotz ideologischer Differenz an, die politischen Institutionen wieder gest&#228;rkt zu haben. Nicht zu untersch&#228;tzen ist dabei auch die Rolle des 2010 verstorbenen Ex-Pr&#228;sidenten Néstor Kirchner. Im Wahlkampf stetig pr&#228;sent, ist wird seine Mythologisierung von Seite des <em>kirchnerista </em>stetig vorangetrieben. Passend dazu ist vor kurzem eine Biographie Cristina Fernández de Kirchner erschienen, in der sie ausf&#252;hrliche intime Details &#252;ber ihren Mann erz&#228;hlt. Zudem sind j&#252;ngst mehrere Biographien und B&#252;cher &#252;ber den Ex-Pr&#228;sidenten ver&#246;ffentlicht worden. Unter anderem eine Sammlung von José Pablo Feinmann – ein bekannter Intellektueller und h&#228;ufig als Philosoph des <em>kirchnerismo </em>bezeichnet – welche Gespr&#228;che zwischen ihm und Néstor Kirchner enth&#228;lt.<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a>  Seine Bem&#252;hungen, das Land nach der Krise wieder auf Kurs zu bringen, dient hier als eine Art gemeinsame Geschichte, die eine Z&#228;sur markiert und ein neues nationales Projekt einleitete; dieses gelte es nun weiter zu f&#252;hren.</p>
<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/?attachment_id=2395"><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/10/18-G3c3p.AuSt_.55-300x199.jpg" alt="" title="18-G3c3p.AuSt.55" width="300" height="199" class="aligncenter size-medium wp-image-2395" /></a></p>
<p><strong>Die Angst vor der Krise</strong><br />
Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Erkl&#228;rung des Wahlerfolges stellt die weltweite Krise des Kapitalismus dar. Bisher scheint diese zwar in Argentinien kaum Auswirkungen zu haben und die Regierung betont immer wieder, dass man gut ger&#252;stet sei, was denn auch kommen m&#246;ge. Wie der <a href="http://www.ips.org.ar/?p=3333">Eduardo Gr&#252;ner</a> jedoch feststellt, muss die Wahl auch als eine konservative Entscheidung verstanden werden: <a href="http://www.ips.org.ar/?p=3333">„Eine Abstimmung daf&#252;r, dass sich, w&#228;hrend der zugespitzten internationalen Krise des Kapitalismus, nichts zu sehr bewegt.“</a> Seine Interpretation wird auch durch die Wahlergebnisse in den Provinzen gest&#252;tzt, in denen ausnahmslos die bisherigen Regierungen best&#228;tigt wurden. Betrachtet man die <a href="http://www.primarias2011.gob.ar/">Wahlergebnisse </a>der <em>primarias </em>in den einzelnen Provinzen zeigt sich sogar, dass Cristina in Santa Fe gegen&#252;ber Hermes Binner durchsetzen konnte, was ebenfalls auf den Wunsch nach Kontinuit&#228;t sowohl auf Provinz- als auch nationaler Ebene hindeutet. Dass es der Regierung Kirchner bisher gelungen ist die Auswirkungen der Krise soweit wie m&#246;glich zu umschiffen, wird ihr hoch angerechnet. Nicht zuletzt deshalb, weil man mit <a href="http://www.youtube.com/watch?v=_xC3KB_UBco">Entsetzen nach Griechenland</a> schaut und feststellt, dass die dort aufoktroyierten Politiken denen gleichen, die 2001 in Argentinien angewendet wurden.</p>
<p>Neben diesem Bezug zur aktuellen Krise wird das Projekt-K allerdings auch insgesamt trotz all seiner M&#228;ngel als wirtschaftlich erfolgreich wahrgenommen. <a href="http://www.atilioboron.com/2011/08/cristina-recargada-notas-sobre-las.html">Atilio Boron</a> beschreibt die Wahrnehmung der Regierungspolitik wie folgt: „Zudem wird das wirtschaftliche Wachstum von einer starken Ausweitung des Konsums begleitet (in den Augen des Beg&#252;nstigten interessieren die Mechanismen nicht mit Hilfe derer diese bef&#246;rdert wird); die Schaffung von Jobs (egal ob angemeldet oder „schwarz“); eine bescheidene aber willkommene Verbesserung der L&#246;hne, Geh&#228;lter und der Bez&#252;ge der PensonistInnen; die enorme Ausweitung der Vorsorge f&#252;r Hausfrauen; die Implementierung einiger palliativer Ma&#223;nahmen gegen das Armutsproblem, welches im Land seit den neunziger Jahren herrscht […]. “<br />
Und tats&#228;chlich wird die Wirtschaftspolitik der Regierung von den unterschiedlichen Sektoren als erfolgreich wahrgenommen, wobei es die Regierung clever versteht, diese mit unterschiedlichen Politiken zu bedienen.<br />
Zwar sorgt steigende Inflation daf&#252;r, dass die &#228;rmeren Teile der Bev&#246;lkerung sich gerade so &#252;ber Wasser halten k&#246;nnen. Auch dass die Regierung die Inflationszahlen des INDEC manipuliert, ist ein offenes Geheimnis und wird viel kritisiert. Allerdings ist man aber doch froh wieder Arbeit zu haben und sich irgendwie durchschlagen zu k&#246;nnen. Dass die meisten Jobs <em>en negro</em> sind und viele seit Jahren darauf warten, in den Genuss von Sozialversicherungsleistungen zu kommen, ist man bereits gew&#246;hnt.<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> Gerade in diesen Teilen der Bev&#246;lkerung scheint man sich wenig Illusionen &#252;ber die Parteienpolitik und politischen Institutionen zu machen. Auf die Frage, wen sie w&#228;hlen – die Wahlen in Argentinien sind verpflichtend – h&#246;rt man immer wieder, dass es den Leuten wirtschaftlich gesehen relativ egal erscheint wer das Land regiert, allerdings w&#228;hle man Cristina „por lo que hace para la gente.“ (wegen dem was Cristina f&#252;r die (einfachen) Leute tut). So konnte Cristina auch die meisten Stimmen in den &#228;rmeren Provinzen des Nordens wie Santiago del Estero.<br />
Die Zustimmung beschr&#228;nkt sich jedoch nicht auf diese Bev&#246;lkerungsteile. Tats&#228;chlich gewann die amtierenden Pr&#228;sidentin &#252;berraschenderweise auch in den Regionen, in denen <a href="http://www.pagina12.com.ar/diario/elpais/1-175080-2011-08-23.html">etwa die Agrarwirtschaft angesiedelt ist</a> oder aber in Buenos Aires, wo eine Woche zuvor noch Macri mehr als deutlich siegen konnte. Neben der fehlenden Wahlalternative stellt sich die wirtschaftspolitische Kluft zwischen den beiden Lagern bei weiten nicht so gro&#223; dar, wie dies vielleicht auf ideologischer Ebene der Fall sein mag. <a href="http://www.ips.org.ar/?p=3333">Gr&#252;ner analysiert </a>in diesem Zusammenhang: „Die sogenannte rechte Opposition ist nachdem sie nebenher ungeschickt, nutzlos und dumm ist, auch vollkommen unn&#246;tig, da die Regierung sorgf&#228;ltig alle Aufgaben der Bourgeoisie (tareas burguesas) erledigt, die in dieser Etappe notwendig sind. Die unterschiedlichen Wirtschaftsfraktionen der herrschenden Klassen sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo sie sich einerseits ein wenig f&#252;gen und andererseits ein wenig davon schw&#228;rmen, dass man mit dieser Regierung hervorragende Gesch&#228;fte machen kann und es keinen Grund daf&#252;r gibt bei der derzeitigen weltweiten Krise gro&#223;e Abenteuer einzugehen.“<br />
Das hei&#223;t, w&#228;hrend der populare Sektor die (prek&#228;ren) M&#246;glichkeiten des aktuellen Wirtschaftswachstums zu nutzen wei&#223; und nach der Ohnmacht der vorangegangen Jahre wieder M&#246;glichkeiten und Zukunftsperspektiven sieht (auch wenn diese darin bestehen sechs Tage die Woche in mehreren Jobs unangemeldet zw&#246;lf oder mehr Stunden zu arbeiten), hofft ein weiterer Teil der Lohnabh&#228;ngigen darauf in geregelte Arbeitsverh&#228;ltnisse &#252;berzuwechseln. Das (st&#228;dtische) Kleinb&#252;rgerInnentum wiederum setzt darauf, dass die Wirtschaft weiter w&#228;chst und stabil bleibt, da die Gesch&#228;fte derzeit gut laufen.</p>
<p>Neben diesen wirtschaftspolitischen Aspekten d&#252;rfen jedoch nicht die Regierungsma&#223;nahmen im Bereich der Menschen- und B&#252;rgerInnenrechte vergessen werden die von der Regierung h&#228;ufig medienwirksam inszeniert werden und eine starke symboltr&#228;chtige Wirkung haben. Hierzu lassen z&#228;hlen Projekte wie das <a href="http://www.lgbt.org.ar/blog/Matrimonio/matrimonio.htm">Matrimonio Igualitario (gleichgeschlechtliche Ehe)</a>, das sogenannte <a href="http://www.argentina.ar/_es/pais/nueva-ley-de-medios/C2396-nueva-ley-de-medios-punto-por-punto.php">Ley de los medios</a> (Mediengesetz) und die Menschenrechtspolitik (im Bezug auf die Milit&#228;rdiktatur).Mit Hilfe dieser unterstreicht die Regierung immer wieder ihren Anspruch auf den progressiven Charakter ihrer Politik und bedient viele gesellschaftliche Gruppen. So h&#246;rt man beispielsweise von AktivistInnen, die sich stark f&#252;r das <em>matrimonio igualtario</em> engagiert haben, dass sie die Wirtschaftspolitik der Regierung als Tropfen auf den hei&#223;en Stein empfinden, diese aber aus Mangel an ernsthaften Alternativen weiterhin unterst&#252;tzen werden, in der Hoffnung bestimmte <em>single-issues</em> so durchsetzen zu k&#246;nnen.</p>
<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/?attachment_id=2393"><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/10/4266721301.jpg" alt="" title="4266721301" width="300" height="169" class="aligncenter size-full wp-image-2393" /></a></p>
<p><strong>Wie weiter?</strong><br />
Der sich abzeichnende Trend unmittelbar nach den <em>primarias </em>hat sich in den darauf folgenden Wochen best&#228;tigt: Die Opposition scheint noch mehr in Aufl&#246;sung begriffen als vor den primarias. Dass selbst hartgesottene Regierungsgegner wie Biolcati, der Vorsitzende der Sociedad Rural Argentina unmittelbar nach den <em>primarias</em>, den Sieg Cristinas nicht mehr anzweifelten und der Opposition ihre Programmlosigkeit vorwarfen, zeigt deren verzweifelte Lage.<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a> Wie Biolcati bereits zu diesem Zeitpunktanklingen lie&#223;, zeigte sich in den Folgewochen, dass diese nun auf die ebenfalls am 23. Oktober stattfindenden Wahlen in einigen Provinzen zu fokussieren scheint, bei denen immerhin 130 Abgeordnete sowie 24 SenatorInnen neu bestimmt werden.<br />
Die Regierung selber scheint derzeit vor Selbstvertrauen zu strotzen. In der <a href="www.presidencia.gov.ar/informacion/actividad-oficial/25323">Pressekonferenz</a> unmittelbar nach den <em>primarias </em>k&#252;ndigte Cristina bereits an, dass sogenannte <em>ley de la tierra</em> m&#246;glichst schnell vorantreiben zu wollen. Hierbei geht es um die Beschr&#228;nkung des Erwerbs von L&#228;ndereien durch Nicht-ArgentinierInnen. Die Agraroligarchie hat sich bisher wenig erfreut &#252;ber die Versuche der Regierung in diese Richtung gezeigt. Zudem preschte der Innenminister Florencio Randazzo bei der <a href="http://www.argentina.ar/_es/pais/C8328-elecciones-primarias-abiertas-simultaneas-y-obligatorias-paso---14-de-agosto-de-2011.php">Verk&#252;ndung der endg&#252;ltigen Wahlresultate</a> wenige Tage sp&#228;ter in der stetigen Auseinandersetzung zwischen der Regierung und einigen Medienunternehmen erneut vor: Diese hatten immer wieder von Unstimmigkeiten bei den Wahlen gesprochen. Im Endeffekt mussten die Zahlen f&#252;r Cristina Fernández de Kirchner dann sogar noch oben korrigiert werden. Erneut bediente Randazzo dabei den Diskurs der demokratischen Institutionen, indem er diesen Medien – vor allem den Zeitungen Clarín und La Nación – vorwarf unverantwortlich zu handeln und diese Institutionen anzugreifen.<br />
Auch in den Ergebnissen der Provinzwahlen nach den <em>primarias</em>, konnte die Regierung ihren Siegeszug fortsetzen: Im Chaco wurde mit Jorge Capitanich ein Anh&#228;nger des <em>kirchnersimo </em>mit deutlicher Mehrheit wiedergew&#228;hlt. In Rio Negro gewann mit Carlos Soria nicht nur der Kandidat der <em>Frente para la Victoria</em>,sondern &#252;berhaupt das erste Mal seit der R&#252;ckkehr zu Demokratie ein peronistischer Kandidat.<br />
Wie es auf lange Sicht weitergeht mit dem <em>kirchnersimo </em>steht jedoch in den Sternen. Dass diese Form des Kompromisses keine langfristige L&#246;sung bringen wird, zeigt sich in der grundlegenden Ausrichtung des derzeitigen Modells, dessen Wurzeln bis in die Wirtschaftspolitik der Milit&#228;rjunta reichen: Dominanz des ausl&#228;ndischen Finanzkapitals und Unternehmen, r&#252;cksichtslose Ausbeutung der nat&#252;rlichen Ressourcen, „Sojarisierung“ die dazu f&#252;hrt, dass die Wirtschaft sich wieder vermehrt im Prim&#228;rsektor konzentriert und diesen homogenisiert, Prekarisierung der <a href="http://www.rebelion.org/noticia.php?id=134376&#038;titular=cristina-recargada-">Arbeitsverh&#228;ltnisse und Schwarzarbeit</a>.  Es ist schwer vorstellbar, dass sich diese dauerhaft mit den. trotz aller berechtigten und n&#246;tigen Kritik, zweifellos vorhandenen progressiven Aspekten des <em>kirchnerismo </em>und vor dem Hintergrund einer weltweiten kapitalistischen Krise vereinbaren lassen. Wie sich der <em>kirchnerismo</em>, konfrontiert mit den neuen Herausforderungen, verhalten wird scheint offener denn je.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Einen schnellen Einstieg und &#220;berblick bez&#252;glich der KandidatInnen, ihre nParteien und Wahlkoalitionen bietet der <a href="http://es.wikipedia.org/wiki/Elecciones_primarias_de_Argentina_de_2011">wikipedia-Eintrag</a> zu den primarias.<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> Die Parteienlandschaft Argentiniens ist h&#246;chtst zersplittert und stellt sich hinsichtlich B&#252;ndnispartnerInnen  etc. a auf nationaler Ebene anders dar als auf Pronvinzebene. Als zentrales Merkmal k&#246;nnten man eine Art Projektcharakter ausmachen im Zuge dessen sich vor den Wahlen die unterschiedlichen Parteistr&#246;mungen, auch &#252;ber die eigenen Parteigrenzen hinaus, um zentrale Figuren gruppieren. Weil die Darstellung der argentinischen Parteienlandschaft eines eigenen Artikels bed&#252;rfte, verzichte ich an dieser Stelle auf genauere Ausf&#252;hrungen. Statistiken nach Ministerio del Interior: http://www.primarias2011.gob.ar/ [3.09.2011]<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Hugo Moyano ist Vorsitzender der Lastwagenvereinigung. Da ein Gro&#223;teil des Warentransportes &#252;ber den Stra&#223;enverkehr abgewickelt wird besitzt diese ein enormes Machtpotenzial. In Argentinien sagt man, wenn Mayona will, dann steht das Land still.<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Russo, Sandra (2011): La presidenta. Buenos Aires: Editorial Sudamericana.<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Feinmann, José Pablo (2011): El Flaco. Dialogos Irreverentes con Néstor Kirchner. Buenos Aires: Editorial Planeta.<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Die Schwarzarbeit liegt derzeit bei ca. 30%. Die Absurdit&#228;t in diesem Zusammenhang ist, dass es sogar f&#252;r den Staat Arbeitenden gibt, die en negro arbeiten.<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> Der Vorsitzende sorgt nach den <em>primarias </em>f&#252;r einen Skandal nachdem er seiner Verachtung f&#252;r die popul&#228;ren Sektoren Argentiniens freien Lauf lie&#223; und wie folgt analysierte: „Die Leute schauen Tinelli und wenn sie ihren Plasmafernseher bezahlen k&#246;nnen interessiert sie nichts mehr/schei&#223;en sie auf alles.“ Zudem gab dieser zu, dass die Repr&#228;sentantInnen des <em>campo </em>immer wieder gelogen h&#228;tten, um Stimmung gegen die Regierung zu machen und dass es der Agrarwirtschaft eigentlich sehr gut ginge.</p>
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		<title>Ernten der Krise. Zu den K&#228;mpfen um die &#8220;Internationale Entwicklung&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 19:01:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nico</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das &#252;bergriffige Potenzial einer „Anomal-IE“ – das Linke Hochschulnetz &#252;ber die Internationale Entwicklung als Beispiel widerst&#228;ndiger Bewegungen gegen die neoliberale Umstrukturierung der Universit&#228;t.

Am 13. April unterbrach eine Masse von mehreren hundert Studierenden eine unter dem Motto „Bachelor, was nun?“ laufende geschlossene Veranstaltung, zu der die Uni Wien u.a. die Wirtschaftskammer und den OMV-Vorstand auf das Podium geladen hatte. „Master f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das &#252;bergriffige Potenzial einer „Anomal-IE“ – das <em>Linke Hochschulnetz</em> &#252;ber die Internationale Entwicklung als Beispiel widerst&#228;ndiger Bewegungen gegen die neoliberale Umstrukturierung der Universit&#228;t.<br />
<span id="more-2351"></span><br />
<em>Am 13. April unterbrach eine Masse von mehreren hundert Studierenden eine unter dem Motto „Bachelor, was nun?“ laufende geschlossene Veranstaltung, zu der die Uni Wien u.a. die Wirtschaftskammer und den OMV-Vorstand auf das Podium geladen hatte. „Master f&#252;r Alle!“, war die Antwort an eine Unileitung, die (sich) daran gew&#246;hnen will, Entscheidungen &#252;ber die K&#246;pfe der Universit&#228;tsangeh&#246;rigen hinweg zu treffen, und sich nur mit ausgew&#228;hltem Publikum und fragw&#252;rdigen „ExpertInnen“ zu konfrontieren. Die Aktionen am „Bachelor-Day“, an dem auch die Lehre an der Internationale Entwicklung (IE) ausgesetzt wurde, markieren einen vorl&#228;ufigen H&#246;hepunkt dieses inneruniversit&#228;ren Konfliktes. Was war passiert?</em></p>
<p>Zu Beginn des Sommersemesters &#252;berraschte der scheidende Rektor der Universit&#228;t Wien Georg Winckler mit der Neuauflage einer altbekannten Auseinandersetzung: Der f&#252;r das kommende Wintersemester vorgesehene Start des Masterstudiums IE wird im letzten Moment mit dem Argument der Unfinanzierbarkeit zuerst relativiert und wenig sp&#228;ter auf Grund „inhaltlicher M&#228;ngel“ &#252;berhaupt in Frage gestellt. Dies obwohl der Senat bereits im J&#228;nner 2011 seine Zustimmung f&#252;r einen von Lehrenden und Studierenden ausgearbeiteten Studienplan gegeben hat. Seither wird au&#223;erdem auch mehr oder weniger offen &#252;ber die Beendigung des Bachelors IE nachgedacht. Entsprechend aufgebracht sind nicht nur die Studierenden &#252;ber die wiederholt gebrochenen Versprechen. Ernst bleibt auch die Lage von Lehrenden und administrativem Personal: an der IE sind fast alle prek&#228;r angestellt und nun vom Verlust ihres Arbeitsplatzes bedroht.</p>
<p>Die Vorstellung des Rektorats ist ein englischsprachiger und zugangsbeschr&#228;nkter Eliten-Master der „Development Studies“, der die Motiviertesten und F&#228;higsten aus aller Welt rekrutiert und zu den morgigen TechnokratInnen internationaler Organisationen ausbildet. Dies w&#228;re nichts anderes als die Abschaffung der IE durch die Verkehrung ihrer Anspr&#252;che und Ziele.</p>
<p><strong>1. Die IE ist anders — kurze Geschichte einer Anomal-IE</strong><br />
Der Fokus des Studiums „Internationale Entwicklung“ liegt auf einem transdisziplin&#228;ren Zugang, der sich in einer Verbindung politikwissenschaftlicher, soziologischer, kultur-, wirtschafts- und geo-wissenschaftlicher Ans&#228;tze in der Erforschung globaler Zusammenh&#228;nge und des Ph&#228;nomens „Entwicklung” widerspiegelt. Ein solches transdisziplin&#228;res Vorgehen erm&#246;glicht anwendungs- und problemgeleitete Forschung auf Basis einer kritischen Analyse gegenw&#228;rtiger Gesellschaftsformationen. Diese Herangehensweise scheint angesichts der verschiedenen Krisen unserer Zeit (Wirtschaft, &#214;kologie, Ern&#228;hrung&#8230;) und ihrer gegenseitigen Verstrickung notwendiger denn je. Damit ist die IE innerhalb der deutschsprachigen Universit&#228;tslandschaft ein einzigartiges Studium. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sich noch im Rahmen der &#246;ffentlichen Massenuniversit&#228;t entwickelte, als der neoliberale Umbau der Universit&#228;ten schon begonnen hatte.</p>
<p>Die Situation des Projekts gestaltete sich aufgrund fehlender Ressourcen h&#246;chst prek&#228;r. W&#228;hrend die Unsicherheit und fehlende Ausstattung mit Ressourcen mitunter darin begr&#252;ndet liegt, dass das Projekt von der Universit&#228;tsleitung stets nur geduldet, aber eigentlich nicht gewollt war, fand der individuelle Diplomstudiengang IE allergr&#246;&#223;ten Zuspruch von Seiten der Studierenden. Die Inskriptionszahlen explodierten und machten den Studiengang innerhalb weniger Semester zu einem Massenstudium. Bei anhaltendem Zustrom interessierter Studierender f&#252;hrte die Politik der Aushungerung seitens der Unileitung zu untragbaren Zust&#228;nden: die Lehrveranstaltungen waren &#252;berf&#252;llt, es fehlten R&#228;umlichkeiten, der Betrieb wurde bald nur noch durch die Aufopferung bzw. Selbstausbeutung von schlecht bezahlten Lehrenden mit kurzfristigen Arbeitsvertr&#228;gen sowie durch das Engagement von Studierenden aufrechterhalten. Andererseits entstand daraus eine besondere Situation selbstbestimmter Lehre. Das Massenstudium IE war ohne die enge und relativ gleichberechtigte Zusammenarbeit von Lehrenden und Studierenden schlichtweg nicht zu administrieren. Durch den starken R&#252;ckgriff auf studentische TutorInnen, die Gestaltung und Betreuung des Lehrveranstaltungs-Anmeldesystems durch die organisierte Studierendenschaft, ihre Beteiligung an der Lehre, der Ausarbeitung der Studienpl&#228;ne und deren inhaltlicher Schwerpunktsetzung, konnten die negativen Auswirkungen des unterfinanzierten Massenstudiums teilweise abgefedert werden.</p>
<p>Dadurch war es m&#246;glich, der disziplinierenden und vereinheitlichenden Zurichtung des Studiums im Zuge der Bologna-Implementierung zumindest graduell und im Sinne der Erhaltung von individuellen Gestaltungsspielr&#228;umen entgegenzuwirken. Absurderweise trug die Vorgehensweise der Universit&#228;tsleitung zu den Voraussetzungen f&#252;r selbstbestimmte kritische Lehre und auf l&#228;ngere Sicht auch zur Formierung einer widerst&#228;ndigen politischen Praxis bei. Das Rektorat sah sich einem rasch anwachsenden, selbstbewussten Kollektiv gegen&#252;ber.</p>
<p><strong>2. Der Umbau der Hochschulen&#8230;</strong><br />
Aber warum sitzen Wirtschaftskammer und OMV am Podium, wenn es darum geht, den neuen Bachelor-Studienplan zu evaluieren? Begriffe wie „&#214;konomisierung der Bildung“ oder „neoliberale Umstrukturierung“ versuchen einen gesellschaftlichen Prozess zu bezeichnen, der sich in den letzten Jahren beschleunigt hat. Allerdings geht es nicht einfach nur um Bildung, die zu einer Ware f&#252;r den Markt werden soll. Im Mittelpunkt stehen die Studierenden, welche direkt in der kapitalistischen Produktion und deren institutionellen Rahmenbedingungen arbeiten sollen. In den Worten der <a href="http://portal.wko.at/wk/dok_detail_file.wk?angid=1&#038;docid=1367496&#038;conid=482444&#038;stid=557158">Wirtschaftskammer</a> hei&#223;t das etwa, dass das Hochschulstudium als Berufsausbildung und nicht als „akademisch“ oder „wissenschaftlich“ verstanden werden muss und an die Erfordernisse des Arbeitsmarkts angepasst werden soll. Bachelorstudien „sollen klare Bez&#252;ge zu beruflichen Aufgaben in der Wirtschaft aufweisen. Die weiterf&#252;hrenden Studien (Master- bzw. Doktoratsstudium) sollen entweder die erworbene Anwendungsorientierung fortf&#252;hren oder als wissenschafts- bzw. forschungszentrierte Programme gef&#252;hrt werden“. F&#252;r den wissenschaftlichen Nachwuchs soll eine hochselektive „Exzellenzstrategie“ forciert werden und die Privatwirtschaft soll sich durch „Hochschul-Sponsoring“ und „Hochschulstiftungen“ leichter direkt einbringen k&#246;nnen (WK&#214; 2010: 35ff).</p>
<p>F&#252;r eine Wirtschaft zu arbeiten, die im Namen des Standorts st&#228;ndig neue Opfer verlangt und ein gutes und sicheres Leben immer in ferner Zukunft verortet, ist wohl f&#252;r die meisten in unserer Gesellschaft eine leidvolle Erfahrung. Das Interesse der Wirtschaftskammer f&#252;r die Strukturen der Universit&#228;t und ihre Abwertung des „Akademischen“ offenbart, was sich hinter dem Gerede von „Berufsausbildung“/„Employability“ und „Anwendungsorientierung“ versteckt: Menschliche Arbeitskraft ist im Kapitalismus die wichtigste Ware, um die sich alles dreht. Sie muss m&#246;glichst billig, abh&#228;ngig, f&#252;gsam, erpressbar, jederzeit verf&#252;gbar und austauschbar sein – kurz: prek&#228;r. Die Geschichte der „Hochschulreformen“ des letzten Jahrzehnts ist f&#252;r uns Studierende ein Prozess der Zurichtung und Enteignung, der uns auf entfremdete Arbeit vorbereiten soll:</p>
<p>Enteignung jeglichen eigenen Anspruchs an das Studium: was, wozu, wie lange studiert wird, wird uns „von oben“ auferlegt – jede T&#228;tigkeit, die uns nicht dazu ausbildet, in vorgegebenen Berufsbildern zu funktionieren, wird delegitimiert. Jede andere gesellschaftliche Rolle der Massenuni soll undenkbar werden. Selbst die freie Wahl des Studiums soll uns aus den H&#228;nden genommen werden.</p>
<p>Enteignung von Wissen (Dequalifizierung): an die Stelle einer m&#246;glichst umfassenden Ausbildung tritt die enge fachliche Spezialisierung, die nicht nur schneller und billiger ist, sondern uns auch gegen&#252;ber dem/der einzelnen ArbeitgeberIn abh&#228;ngiger macht. Je nach dem, was gerade von uns gebraucht wird, sollen wir uns dann um- oder weiterbilden („Lifelong learning“).</p>
<p>Enteignung von Mitbestimmungs- und Gestaltungsm&#246;glichkeiten („Verschulung“): Studieren ist das m&#246;glichst schnelle Aneignen vorgegebener Wissenshappen in straff organisierten und standardisierten Studienpl&#228;nen. Die „Mindeststudienzeit“ ist schon l&#228;ngst Regelstudienzeit. Verlieren wir Zeit mit Herumschweifen, Vertiefen und eigenwilliger Gestaltung, ist bald die „Toleranz“ vorbei und wir verlieren Beihilfen, Beg&#252;nstigungen und zahlen Studiengeb&#252;hren. Die Vorstellungen und Bestrebungen der Auszubildenden sind potentielle Hindernisse f&#252;r die zielgerechte Ausbildung: Lieber unverbindliche KundInnenbefragungen als demokratische Entscheidungsprozesse! Die Ideologie der „Dienstleistungsuniversit&#228;t“, die Universit&#228;t als Unternehmen und Ausbildung als kaufbares Produkt darstellt, mystifiziert diese autorit&#228;re Umgestaltung, indem sie es &#252;berhaupt erst als selbstverst&#228;ndlich erscheinen l&#228;sst, dass wir als KonsumentInnen kein Recht darauf haben, mitzubestimmen, wie das Produkt ausschauen soll oder gar wie der ganze Betrieb zu funktionieren hat.</p>
<p>Enteignung finanzieller Mittel: die Erzeugung materieller Armut in einem der reichsten L&#228;nder der Welt soll unseren Eigensinn einschr&#228;nken und uns zur Fremdbestimmung disziplinieren. Studierende haben keinen Anspruch auf Mindestsicherung. Studiengeb&#252;hren und andere Belastungen h&#228;ngen &#252;ber unseren K&#246;pfen, sobald wir vorgegebene Bahnen verlassen wollen. Der allgegenw&#228;rtige Mangel soll uns zur Entsolidarisierung und zur Konkurrenz erziehen: unsere Mitstudierenden werden zu FeindInnen und die „Masse“ zur Ursache aller Missst&#228;nde, wie fehlende Seminarpl&#228;tze, knapp verf&#252;gbare Lehrb&#252;cher usw.</p>
<p>Angesichts dieser umfassenden kontinuierlichen Enteignung greift die Debatte um den Finanzierungsnotstand der Universit&#228;ten zu kurz. Der Mangel an Mitteln ist nicht Vernachl&#228;ssigung von Studierenden und ihrer Bildung. Dieser erm&#246;glicht im Gegenteil erst — durch Bezugnahme auf so genannte finanzielle Sachzw&#228;nge — die neoliberale Umstrukturierung der Massenuniversit&#228;ten. Damit versteckt sich hinter der angeblichen Zentralit&#228;t des Themas Bildung im Mund von PolitikerInnen, InteressenvertreterInnen, „ExpertInnen“ und liberalen MeinungsmacherInnen de facto der gewaltf&#246;rmige Umbau der &#246;ffentlichen Massenuniversit&#228;t „von oben“.</p>
<p>Paradebeispiel f&#252;r den Zusammenhang zwischen Unterfinanzierung und Umbau ist die Debatte um Zugangsbeschr&#228;nkungen. Die planm&#228;&#223;ige Ausbildung von ausbeutbarer Arbeitskraft erfordert die „Lenkung der Studierendenstr&#246;me“, wie sie etwa die <a href="http://www.industriellenvereinigung.at/b2318m103">Industriellenvereinigung</a> fordert. Dem steht der freie Hochschulzugang im Weg. An dessen Stelle tritt die „Studienplatzbewirtschaftung“ und das „Zugangsmanagement“. Das schlagende Argument daf&#252;r: freier Hochschulzugang sei nicht finanzierbar. Die von den Studierendenprotesten erzeugte Aufmerksamkeit rund um die fehlende Finanzierung der Hochschulen wird von Regierung und RektorInnen zur Durchsetzung der eigenen Vorstellungen genutzt. Die freie Wahl des eigenen Studiums muss aufh&#246;ren, ein Recht zu sein. Das Studium wird zur Konzession, die man sich verdienen muss und dankbar in Empfang nimmt, nachdem man den Kampf um den Studienplatz gegen die eigenen KollegInnen gewonnen hat.</p>
<p>Am Beispiel der Aushebelung des freien Hochschulzugangs wird sichtbar, dass Unterfinanzierung Strategie ist. Ziel ist eine regierbare Hochschule. Der Angriff im Sinne einer Umstrukturierung der &#246;ffentlichen Massenuniversit&#228;t ist ein Zugriff auf diejenigen, die in ihr studieren und arbeiten. Er zielt darauf ab, Bildung zur Produktion von prek&#228;rer, unterworfener, herrschaftskonformer Arbeitskraft zu machen. Die Ausbildung bereitet dabei auf die Arbeit vor, indem sie selbst schon deren Eigenschaften annimmt: fremdbestimmtes, unm&#252;ndiges T&#228;tigsein unter Zeitdruck. Studieren erleben wir zunehmend als Ausbildungsarbeit, um im neoliberalen System funktionieren zu k&#246;nnen.</p>
<p><strong>3. &#8230; ist krisenhaft!</strong><br />
Die Ware sind schon l&#228;ngst wir selbst! Allerdings sind wir nicht einfach tote Gegenst&#228;nde. Wir sind eine au&#223;erordentlich lebendige Ware! Wir sollen funktionieren. Das System lebt von unserem Tun und will es vorbestimmen. Aber wir k&#246;nnen auch anders! Im Eigensinn der lebendigen Arbeit steckt die Grenze des Kapitalismus.</p>
<p>Das Hindernis sind wir selbst. Unsere intellektuelle Neugier, die &#252;ber einzelne Disziplinen und spezifische Berufsausbildungen hinausgeht. Unsere solidarische Haltung gegen&#252;ber unseren Mitmenschen, der Gesellschaft und der Natur, die die normative Vorstellung des egoistischen, Nutzen maximierenden „homo oeconomicus“ und den Imperativ der Konkurrenz untergr&#228;bt; unsere Scheu vor sinnloser, entfremdeter Arbeit; unsere F&#228;higkeit, zu kritisieren.</p>
<p>Die Jahre der „Hochschulreformen“, der Enteignungen und der Einf&#252;hrung neuer Zw&#228;nge, sind auch die Jahre, in denen die StudentInnenrevolten in ganz Europa an die Tagesordnung zur&#252;ckgekehrt sind: Frankreich, Italien, Spanien, D&#228;nemark, Griechenland, Kroatien, Polen, &#214;sterreich, Niederlande, Deutschland, Gro&#223;britannien&#8230; in welchem Land wurden in den letzten Jahren nicht Universit&#228;ten besetzt, bestreikt oder auf der Stra&#223;e demonstriert? Die Massenmobilisierungen auf Unis und Schulen erreichten an manchen Orten noch nie da gewesene Ausma&#223;e und haben immer wieder Angriffe „von oben“ entschleunigt oder gar r&#252;ckg&#228;ngig gemacht. Prominentes Beispiel ist die R&#252;cknahme eines prekarisierenden Besch&#228;ftigungsgesetzes f&#252;r junge Arbeitende in Frankreich 2006, zu dem die Regierung durch den monatelangen Stillstand der Universit&#228;ten und schlie&#223;lich die Mobilisierung der Gewerkschaften gezwungen wurde. Diese Erfahrung sagt auch viel &#252;ber das neue Verh&#228;ltnis zwischen Studium und Arbeit und deren verschwimmende Grenzen aus. Die Universit&#228;t ist l&#228;ngst nicht mehr der abgekapselte Raum, der er einmal war. Die Auseinandersetzung mit unserer eigenen spezifischen Lage zwingt uns zum Einschreiten ins gesellschaftliche und politische Geschehen, wie neuestens in Spanien, wo die „emp&#246;rte“ Jugend sich die &#246;ffentlichen Pl&#228;tze aneignete und versuchte, Politik anders zu praktizieren. Die Dynamik dieser Konflikte ist ein Wechselspiel von pl&#246;tzlichem Ausbruch massenhaften Ungehorsams und dem R&#252;ckzug ins Private, die nach Vorstellungskraft, politischer Zielrichtung und entsprechender Organisierung schreit. Zentrale Herausforderungen f&#252;r die StudentInnenbewegung sind sowohl der Zusammenschluss mit anderen gesellschaftlichen Kr&#228;ften als auch, die Universit&#228;t als Institution, in der Wissen geschaffen wird, in diesen verallgemeinerten Kampf miteinzubeziehen.</p>
<p>Jedenfalls entpuppt sich der herrschaftsf&#246;rmige Umbau der Hochschulen auch abseits gro&#223;er Zuspitzungen und Revolten keineswegs als gschmeidiges Unterfangen. Die &#246;ffentliche Massenuniversit&#228;t bleibt ein t&#228;glich umk&#228;mpftes Feld: Universit&#228;t wird immer wieder anders gemacht, als sie von den Regierenden gedacht wird. Bei der IE handelt es sich um eine solche Abweichung. „Anomalie“ im Hochschulsystem findet sich &#252;berall dort, wo gelebte Demokratie, studentische Selbst- und Mitbestimmung sowie kritische Wissenschaft und die Aushebelung von Selektionsmechanismen m&#246;glich bleiben. Zentral und konstitutiv f&#252;r den Charakter der IE war dabei immer wieder die direkte Einmischung der Studierenden. Was w&#228;re die IE, wenn sie nicht erk&#228;mpft worden w&#228;re? Indem wir den strukturellen Umbau der Massenuniversit&#228;t undurchf&#252;hrbar machen, k&#246;nnen wir die gesellschaftliche Funktion der Universit&#228;ten umkehren und dazu beitragen, die herrschende Ordnung zu destabilisieren. Wir sind ihre Krise!</p>
<p><strong>4. Die Anomalie ist die Wiege der Krise</strong><br />
Warum die Figur der „Anomalie“? Weil sie uns die Widerspr&#252;chlichkeit der IE erfassen l&#228;sst. Weil sie gleichzeitig ein emanzipatorisches Ver&#228;nderungspotential, als auch Beschr&#228;nktheit und prek&#228;re Existenz ausdr&#252;ckt. Die Anomalie zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine Nische, eine Abweichung und nicht die Regel ist. Sie ist nicht das „radikal Andere“, sondern etwas Anderes innerhalb bestimmter systemischer Grenzen. Was bedeutet etwa <a href="http://www.perspektiven-online.at/2009/06/13/kritisch-studieren-an-oesterreichs-universitaeten/">&#8220;kritisches Studieren&#8221;</a> in einer Institution wie der Universit&#228;t, die historisch der Reproduktion von Eliten sowie der Legitimation von Herrschaft gedient hat? Bei der Diskussion um dessen emanzipatorische Wirkungsm&#228;chtigkeit sollte mitbedacht werden, dass – verallgemeinernd ausgedr&#252;ckt – das Studium der IE auch in Zeiten des freien Hochschulzugangs von einer kleinen Minderheit der Gesellschaft in Anspruch genommen wird, die sich gro&#223;teils aus „bildungsb&#252;rgerlichen Schichten“ rekrutiert. Emanzipation erfordert auch den Ausbruch aus einem selbstbez&#252;glichen akademischen Milieu.</p>
<p>Weiters unterliegt die Anomalie immer strengen inneruniversit&#228;ren Grenzen. So handelt es sich bei der IE um ein regul&#228;res Studium, an dessen Ende ein Titel vergeben wird, der sozialen Aufstieg und Privilegien bedeutet. Die IE kann immer nur bis zu einem gewissen Grad aus der etablierten Logik universit&#228;rer Lehre ausbrechen und kritische Freir&#228;ume f&#252;r emanzipatorische Bildung schaffen. Dabei handelt es sich oftmals um einen zeitlich begrenzten Bruch mit und innerhalb der herrschenden Ordnung. Die Anomalie zeichnet sich durch ihre prek&#228;re Existenz aus: sie droht vom System aufgefressen zu werden. Entweder durch frontalen Angriff und schlagartige Beseitigung – wie im Falle der Nicht-Einf&#252;hrung des IE-Masters – oder aber durch langsame Normalisierung und Institutionalisierung. Ein Kampf, der sich auf die blo&#223;e Erhaltung einer Anomalie beschr&#228;nkt, kann daher nicht gewonnen werden; immer wieder aufs Neue droht die Anomalie in den Sog gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen gezogen zu werden und sich darin aufzul&#246;sen.</p>
<p>Mit dem ausklingenden Wintersemester 2010 und nach langj&#228;hrigen Studi-Protesten schienen sich die Verh&#228;ltnisse an der IE normalisiert zu haben. Mit der Einf&#252;hrung des Bachelors war ein stetiger Zufluss von Ressourcen, eine schrittweise Institutionalisierung als befristete „Forschungs- und Lehrplattform“ und eine entsprechende Planbarkeit verbunden – es musste nicht mehr jedes Semester aufs Neue um die n&#246;tigen Mittel f&#252;r die Fortsetzung der Lehre gebangt werden. Diese Ver&#228;nderungen blieben nicht ohne Konsequenzen f&#252;r die innere Zusammensetzung des Studiengangs und f&#252;hrten unter anderem zu einer Einschr&#228;nkung der Gestaltungsspielr&#228;ume f&#252;r die Studierendenschaft – der selbstverwaltete Charakter der Lehre litt unter dem Prozess der Institutionalisierung.</p>
<p>Vor allem aber kann sich die IE als einzelnes Studium nicht zur G&#228;nze den Angriffen entziehen, die in Form von Universit&#228;tgesetz-Novellierungen oder europaweit konzertierter Bildungspolitik daherkommen. Das Diplomstudium wurde zwangsweise aufgelassen. Die neue zugangsbeschr&#228;nkende Studieneingangsphase (STEOP) macht seit diesem Herbst auch vor der IE nicht halt. Diese sieht am Anfang des Studiums alles entscheidende Modulpr&#252;fungen vor, die den Leistungsdruck auf Erstsemestrige extrem erh&#246;hen und Doppelstudien praktisch verunm&#246;glichen.</p>
<p>In dieser Situation der normalisierenden Institutionalisierung und der vermeintlichen Sicherheit schlug die Nicht-Finanzierung des IE-Masters ein wie eine Bombe. Die daraus resultierende existenzielle Bedrohung des gesamten Studiengangs verdeutlicht nicht nur den immer prek&#228;ren Charakter der Anomalie. Sie erinnert auch an die Zeit vor der schrittweisen Institutionalisierung und daran, dass schon um die Etablierung des Individuellen Diplomstudiengangs gek&#228;mpft werden musste; dass die Anomalie selbst das Ergebnis von K&#228;mpfen ist und Ausgangspunkt neuer K&#228;mpfe werden kann: Sp&#228;testens ab 2007 formierte sich offener studentischer Protest gegen die Politik der Aushungerung von Seiten der Universit&#228;tsleitung. &#220;ber den eingeengten institutionellen Handlungsspielraum der Basisgruppe IE hinaus radikalisierte sich der Protest im <em>Café IE</em>. Dessen widerst&#228;ndige politische Praxis erlebte durch den Zusammenschluss mit Studierenden verschiedener anderer Studienrichtungen im <em>Widerstandscafé</em> eine erste Verallgemeinerung. Die urspr&#252;nglich partikularen Forderungen der Internationalen Entwicklung bekamen eine gesamtuniversit&#228;re Dimension. Das <em>Widerstandscafé</em> wurde in den folgenden zwei Jahren zu einer treibenden Kraft politischer K&#228;mpfe an der Universit&#228;t Wien, bis es im Herbst 2009 in der Besetzungsbewegung aufging. Der Zusammenhang zwischen „Partikularit&#228;t“ und „Verallgemeinerung“, bzw. zwischen „Anomalie“ und „Bewegung“ wurde damals besonders deutlich: ein wichtiger Teil der Studierenden, die am 22. Oktober 2009 das Audimax besetzten und damit die gr&#246;&#223;te Unibewegung seit Jahren ausl&#246;sten, waren IE-Studierende, die um ihr Studium k&#228;mpften und kurz zuvor eine entsprechende Vollversammlung abgehalten hatten. Die „allgemeine Ersch&#252;tterung“ von <a href="http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/die-explosion-eines-politischen-unbehagens/"><em>unibrennt</em></a> wirkte damals positiv auf die Verh&#228;ltnisse an der IE zur&#252;ck.</p>
<p>Es geht also um diesen Sprung im Kampfzyklus, der aus dem Kampf der Anomalie um ihre eigene Existenz entstanden ist. Die Verallgemeinerung der K&#228;mpfe bedeutet dabei nichts als die konsequente Antwort auf den Umbau der Massenuniversit&#228;t; sie wird zur Notwendigkeit. Wir brauchen den Zusammenschluss mit allen, die vom Umbau in und au&#223;erhalb der Universit&#228;ten betroffen sind!</p>
<p>Der Kampf um die Anomalie ist nicht nur um ihrer selbst Willen wichtig. Vielmehr bietet sie ein Terrain f&#252;r die Formierung widerst&#228;ndiger Subjekte, die sich wiederum nur in der Anbindung an gr&#246;&#223;ere gesellschaftliche K&#228;mpfe und im Anschluss an politische Kampfzyklen wirklich konstituieren k&#246;nnen. Das ist, was die Anomalie so interessant und wichtig macht. Der Kampf der Anomalie um ihre Existenz kann und soll &#252;ber die Verteidigung des Bestehenden hinausgehen. Die IE zeigt, dass der Umbau der Massenuniversit&#228;t sich keineswegs reibungslos vollzieht, sondern eine politische Durchsetzung ben&#246;tigt. Ansonsten ger&#228;t der Umbau in die Krise. Wir wollen seine Krise! Die Anomalie tr&#228;gt den Keim dieser Krise in sich.</p>
<p><strong>5. Was passiert innerhalb der Uni Wien?</strong><br />
Die Rolle der Unileitung muss im Kontext des strukturellen Umbaus der Massenuniversit&#228;t gesehen werden. Die Verwandlung der Hochschule in eine Produktionsst&#228;tte f&#252;gsamer Arbeitskraft kann n&#228;mlich nicht ohne Ver&#228;nderung inneruniversit&#228;rer Machtverh&#228;ltnisse vonstatten gehen: wer nie etwas mitentscheiden durfte, wird auch im sp&#228;teren Leben keinen Anspruch darauf erheben. Demokratische Mitbestimmung ist im Sinne eines „effizienten Entscheidungsprozesses“ ein Hindernis. Das ideologische Gewand dieser autorit&#228;ren Umstrukturierung ist jenes der „Dienstleistungsuniversit&#228;t“. Die Universit&#228;t soll ausschauen wie ein Unternehmen. Und Demokratie h&#246;rt bekanntlich an der T&#252;rschwelle aller Unternehmen auf. An der Spitze der Universit&#228;t stehen jetzt ein Management (Rektorat) und ein Aufsichtsrat (Unirat) – von den &#252;blichen konservativen Seilschaften besetzt. Die „Universit&#228;tsreformen“ verleihen der alten Unihierarchie mehr Macht &#252;ber die Universit&#228;tsangeh&#246;rigen und machen sie gleichzeitig zu einer gewichtigen Akteurin des Umbaus.</p>
<p>Seit der UG-Novelle 2009 besitzt der Rektor etwa die alleinige Kompetenz &#252;ber Finanzierungsfragen. Am Beispiel der IE wird ersichtlich, dass ihm dies weit mehr erlaubt: das gewaltsame Eingreifen in die inhaltliche Ausgestaltung der Studienpl&#228;ne &#252;ber die K&#246;pfe der Kollegialorgane hinweg, welche nicht ohne seine finanzielle Zusicherungen arbeiten k&#246;nnen. Monokratische Entscheidungsstrukturen zu Gunsten des Rektors werden durch die bewusste Logik der gegenseitigen Ausspielung verschiedener Universit&#228;tsebenen und Fakult&#228;ten nach dem Prinzip des „Teile und Herrsche“ abgesichert. Wird irgendwo Kohle frei, weil das Management beschlossen hat, etwas nicht zu finanzieren, erhoffen sich alle anderen davon Vorteile.</p>
<p>Es besteht insofern auch kein Interessensgegensatz zwischen Regierung und Unileitung. Eher haben wir es mit einer integrierten Doppelherrschaft zu tun, die es den Instanzen erlaubt, jeweils die Verantwortung von sich zu schieben: Das Ministerium verteidigt die eigenen Angriffe als Reformen, die an sich gut, aber von den „autonomen“ Universit&#228;ten schlecht umgesetzt w&#228;ren (wie bei der Debatte rund um die Bologna-Architektur). Die RektorInnen und DekanInnen wollen ihre gezielten Ma&#223;nahmen gegen freies Studieren, selbstverwaltete R&#228;ume und demokratische Mitbestimmung mit dem Argument der Ressourcennot durchsetzen, f&#252;r die doch leider die Regierung verantwortlich sei (und diese jammern sie periodisch in &#246;ffentlichen Briefen und Auftritten an). Die gesellschaftlichen Machtverh&#228;ltnisse st&#252;tzen sich auf inneruniversit&#228;re Machtverh&#228;ltnisse (und umgekehrt). Die Universit&#228;tshierarchie fungiert als Agentin von Entdemokratisierung und kapitalistischem Zugriff auf die Universit&#228;t und ihre Subjekte. Dadurch werden gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse (an)greifbar. Dr&#228;ngen wir die Diktatur des Rektorats zur&#252;ck! Erobern wir R&#228;ume und M&#246;glichkeiten zur autonomen Gestaltung der Universit&#228;t und brechen wir die Grenzen zwischen Universit&#228;t und anderen gesellschaftlichen Bereichen auf!</p>
<p><strong>S&#228;en wir die Krise,<br />
seien wir die Krise!</strong><br />
Sonst k&#246;nnen wir alle sehen, wo wir bleiben&#8230;</p>
<p>Es handelt sich bei diesem Artikel um Ausschnitte aus der gleichnamigen <a href="http://linkeshochschulnetz.at/index.php?site=180&#038;subsite=156">Brosch&#252;re</a> des <em>Linken Hochschulnetz</em>.</p>
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		<title>17. September 2011 &#8211; 100 Jahre Aufstand in Ottakring</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 12:01:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Termine]]></category>
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		<category><![CDATA[Riots]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Kämpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Wien]]></category>

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		<description><![CDATA[Der 17. September 1911 ist in Vergessenheit geraten. Ein Tag, an dem mehr als 100.000 Menschen in Wien gegen die unzumutbaren Lebensbedingungen demonstrierten. Ein Tag, der mit drei Toten und hunderten Verletzten endete – und mit der milit&#228;rischen Besetzung eines ganzen Stadtviertels.

Begonnen hatte dieser Tag mit einer Kundgebung vor dem Rathaus gegen die rasant steigenden Lebensmittelpreise. Organisiert hatte diese Kundgebung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der 17. September 1911 ist in Vergessenheit geraten. Ein Tag, an dem mehr als 100.000 Menschen in Wien gegen die unzumutbaren Lebensbedingungen demonstrierten. Ein Tag, der mit drei Toten und hunderten Verletzten endete – und mit der milit&#228;rischen Besetzung eines ganzen Stadtviertels.<br />
<span id="more-2347"></span><br />
Begonnen hatte dieser Tag mit einer Kundgebung vor dem Rathaus gegen die rasant steigenden Lebensmittelpreise. Organisiert hatte diese Kundgebung die sozialdemokratische Partei, und gekommen waren vor allem die BewohnerInnen der Vorst&#228;dte, aus Landstra&#223;e, Simmering, Ottakring …</p>
<p><strong>Hunger wird gemacht</strong></p>
<p>Der Hunger in den Vorst&#228;dten war nicht Folge von Missernten, sondern der Zollgesetzgebung, die den Interessen der Gro&#223;agrarier folgte. Ebenso hatte es sich mit der Hungersnot in Frankreich 1846/47 verhalten, die auf die massenhafte Ausfuhr von Getreide zur&#252;ck zu f&#252;hren war (und die zu massenhaften Aufst&#228;nden f&#252;hrte). Und genauso verh&#228;lt es sich mit der Preisexplosion bei Getreide seit 2008, die Folge der Umstellung auf „Bio-Sprit“-Produktion ist und ebenfalls zu weltweiten Hungerrevolten f&#252;hrt.<br />
Ebenso konnte die Wohnungsnot nicht auf die massive Zuwanderung nach Wien zur&#252;ckgef&#252;hrt werden. Sie war Ergebnis von Spekulation mit Grund und Boden sowie Baumaterialien. Neu-Ottakring war ein in den 1890er Jahren errichteter, auf dem Reissbrett entworfener Bezirksteil, mit schnurgeraden Stra&#223;en, Substandardwohnungen und horrenden Mieten. Die Architektur spiegelt bereits die Angst der Herrschenden vor den „Geistern, die sie gerufen hatten“ (gemeint sind die f&#252;r die kapitalistische Entwicklung n&#246;tigen Arbeitskr&#228;fte) wider: Es gab keine verwinkelten Gassen, die sich, wie in der Revolution 1848, leicht verbarrikadieren lie&#223;en. Das gesamte Gr&#228;tzl war von drei Seiten leicht abzuriegeln: zur Innenstadt stellte der G&#252;rtel mit der hoch gef&#252;hrten Stadtbahn eine ideale Befestigungsanlage dar, nach S&#252;den grenzte ein riesiger Truppen&#252;bungsplatz an das Gel&#228;nde, und im Westen endete das Gebiet an der Vorortelinie.</p>
<p><strong>Verschiedene Sprachen</strong></p>
<p>Am 17. September 1911 explodierte die Wut der VorstadtbewohnerInnen. Nach den Reden vor dem Rathaus zogen Gruppen von mehreren tausend DemonstrantInnen durch die Innenstadt. Sie wurden von Polizei und Armee st&#228;ndig angegriffen und abgedr&#228;ngt. Dagegen wehrten sie sich mit allem, was ihnen in die H&#228;nde fiel.<br />
Und wenn die Presse (und die Sozialdemokratie) sp&#228;ter von „unverantwortlichen Elementen“ und „Lumpenproletariat“ sprach, so musste sie gleichzeitig zugestehen, dass die „Exzedenten“ von einem Gro&#223;teil der Bev&#246;lkerung unterst&#252;tzt wurden: Frauen versorgten Jugendliche mit Steinen, die sie in ihren Sch&#252;rzen herbeischafften, aus Gasth&#228;usern wurden die Ordnungsh&#252;ter mit Bierkr&#252;geln, aus den Fenstern der Wohnh&#228;user mit allem, was verf&#252;gbar war, beworfen. Die sozialdemokratischen F&#252;hrer verstanden ebenso wenig wie die B&#252;rger, warum Papierhandlungen und Schulen verw&#252;stet und Stra&#223;enlaternen zerst&#246;rt wurden. F&#252;r sie standen diese Einrichtungen f&#252;r den „Fortschritt“. Wir verstehen diese Zerst&#246;rungswut besser, wenn wir uns an Stelle der Stra&#223;enbeleuchtung die Kamera&#252;berwachung &#246;ffentlicher R&#228;ume und an Stelle der Papierhandlungen und Bezirks&#228;mter die Datenbanken der Ministerien und Polizei (sowie die privatwirtschaftliche Sammelwut von Daten) vorstellen.<br />
Was die einen notwendige Voraussetzung f&#252;r „sozialen Frieden“ und „geordnetes Zusammenleben“ nennen, bedeutet f&#252;r andere &#220;berwachung, Reglementierung, Unterdr&#252;ckung jeglichen Ansatzes eines selbstbestimmten Lebens. Und oft Bestrafung und/oder Abschiebung.<br />
Die sozialdemokratische F&#252;hrung verstand den Aufruf zur Kundgebung als „Ventil“ f&#252;r die Massen, die ihre Wut artikulieren „durften“, und als Unterst&#252;tzung ihrer Parlamentsfraktion. Die Massen selbst verstanden, dass eine Kundgebung nichts &#228;ndern w&#252;rde, sahen sie sich doch von Anfang an tausenden Ordnungsh&#252;tern gegen&#252;ber, die nur darauf warteten, die Demonstration so rasch wie m&#246;glich aufzul&#246;sen.<br />
Die Polizei wiederum konnte ebenso wenig wie die Armee begreifen, wieso die Aufst&#228;ndischen nicht abhauten, wenn der Befehl, die Gewehre anzulegen, erteilt wurde. Sie verstanden nicht, dass es f&#252;r diese Menschen, die in ihrem eigenen Bezirk angegriffen wurden, gar keine R&#252;ckzugsm&#246;glichkeit mehr gab. Und sie verstanden nicht, dass Menschen, die f&#252;r ihre eigenen Interessen k&#228;mpfen, sich anders verhalten als zum Dienst f&#252;r fremde Interessen verpflichtete Soldaten.</p>
<p><strong>Verlorene Schlacht</strong></p>
<p>Der Aufstand in Neu-Ottakring endete noch am Abend des 17. September 1911. Er endete mit dem Einsatz nahezu der gesamten in Wien verf&#252;gbaren Truppen gegen die Bev&#246;lkerung eines einzigen Bezirksteiles. Er endete mit der milit&#228;rischen Besetzung des gesamten Bezirks, mit drei toten und hunderten verletzten BewohnerInnen. Und er sollte so rasch wie m&#246;glich aus dem kollektiven Ged&#228;chtnis getilgt werden, das war sowohl die Absicht der Regierung und der Bourgeoisie als auch der sozialdemokratischen F&#252;hrung.<br />
Er hatte gezeigt, dass es keinerlei Vertrauen der Vorstadtbev&#246;lkerung in die Regierung mehr gab. Er hatte auch gezeigt, dass die Menschen genug hatten von den Reden der sozialdemokratischen Opposition. Und dass sie verstanden hatten, dass „geordnete, disziplinierte Demonstrationen“ nichts &#228;ndern. Dieser Aufstand musste so rasch wie m&#246;glich unterdr&#252;ckt werden, ehe er sich so weit entwickeln konnte, dass die Menschen selbstorganisiert ihr Leben in die Hand nahmen.<br />
Wohin selbstorganisierter Widerstand f&#252;hren kann, lernen wir zur Zeit etwa von den &#196;gypterInnen. Die Zugest&#228;ndnisse, die die Milit&#228;rs gemacht haben, indem sie Pr&#228;sident Mubarak verhafteten und anklagten, k&#246;nnen die Menschen nicht mehr beruhigen. In immer neuen Mobilisierungen stellen sie immer weitergehende Forderungen, die schlie&#223;lich nicht nur die Milit&#228;rf&#252;hrung, sondern das Prinzip der kapitalistischen Verwertung selbst betreffen k&#246;nnten. Nicht vergessen Der 17. Septemer 1911 in Neu-Ottakring ist uns wichtig, und deshalb erinnern wir an ihn. Er ist in vielerlei Hinsicht aktuell. Spekulation mit Lebensmitteln und Wohnraum, &#220;berwachung und Unterdr&#252;ckung sind so wenig Geschichte wie ihre Ursache, die kapitalistische Verwertung – und der Kampf dagegen. Am 17. September 2011 werden wir einige der Brennpunkte des Aufstands von 1911 besuchen und neben der Erinnerung an die Ereignisse vor 100 Jahren auch Parallelen zu heute ziehen. Wir gedenken der K&#228;mpferInnen in angemessener Form, indem wir sie nicht vergessen, indem wir aus ihren Fehlern lernen, und indem wir den Kampf um ein besseres Leben weiterf&#252;hren.</p>
<p>&#220;bernommen von <a href="http://17september.noblogs.org/">http://17september.noblogs.org</a></p>
<p><strong>Programm am 17. September 2011:</strong><br />
ab 12:00 Uhr: Aufst&#228;ndische K&#246;stlichkeiten: Volxk&#252;che, Infostand und szenische Interventionen am Yppenplatz<br />
16:00 Uhr: Rundgang durch das aufst&#228;ndische Ottakring, Treffpunkt Schuhmeierplatz<br />
ab 18:00 Uhr: Stra&#223;enfest am Hofferplatz mit Infos, Live-Musik und Volksk&#252;che<br />
ab 19:00 Uhr: Arbeitsleben Ottakring: Austellungser&#246;ffnung mit anarchischem Liedgut<br />
ab 22:00 Uhr: Fortsetzung im BOEM (Koppstra&#223;e 26)</p>
<p><strong>22.9.2011, Donnerstag 20 Uhr</strong><br />
Diskussion mit Wolfgang Maderthaner und Susan Zimmermann (HistorikerInnen) im <a href="http://boem.postism.org/">BOEM</a>.</p>
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		<title>Was war denn das? Der Krieg gegen den Terror</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Sep 2011 11:53:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Imperialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[Zehn Jahre nach dem 11. September 2001: Richard Seymour &#252;ber den Aufstieg, die Bedeutung und das Ende des Kriegs gegen den Terror.

Die Kriege gehen zwar weiter, aber der „Krieg gegen den Terror“ ist vorbei. Verlorene Freiheiten wurden zwar noch nicht wieder errungen, Geheimgef&#228;ngnisse, Entf&#252;hrungen und Folter werden auch von einer Post-Bush US-Regierung stillschweigend gebilligt. Trotzdem, der Krieg gegen den Terror [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zehn Jahre nach dem 11. September 2001: <em>Richard Seymour</em> &#252;ber den Aufstieg, die Bedeutung und das Ende des Kriegs gegen den Terror.<br />
<span id="more-2331"></span><br />
Die Kriege gehen zwar weiter, aber der „Krieg gegen den Terror“ ist vorbei. Verlorene Freiheiten wurden zwar noch nicht wieder errungen, Geheimgef&#228;ngnisse, Entf&#252;hrungen und Folter werden auch von einer Post-Bush US-Regierung stillschweigend gebilligt. Trotzdem, der Krieg gegen den Terror ist zu Ende. K&#246;nnen wir nun, da er vorbei ist, herausfinden was er war?<br />
Im Alltagsverstand der Linken wird der Krieg gegen den Terror als abenteuerliches Projekt zur Neuordnung einer strategisch und energiepolitisch wichtigen Region im Interesse der amerikanischen herrschenden Klasse verstanden. Als Nebeneffekt erlaubte er eine autorit&#228;re  Umr&#252;stung der teilnehmenden Staaten, um gegen GegnerInnen im Inneren unter den Vorzeichen der Terrorismusbek&#228;mpfung vorzugehen – aber die dominante Logik war eine geopolitische, angetrieben durch die Konkurrenz zwischen den USA und potenziellen Rivalen wie China und Russland, die sich um die Kontrolle von Energieressourcen drehte. W&#252;rden die USA die &#214;lquellen kontrollieren, k&#246;nnten sie die &#214;llieferungen an ihre Konkurrenten reduzieren und so deren Wachstum mindern. Jedoch, so das Argument: das Setzen auf milit&#228;rische Macht stellte sich als Fehler heraus, und die USA fanden sich in einer weiter geschw&#228;chten Position wieder. Die Beendigung des Kriegs gegen den Terror stellt einen Strategiewechsel dar, der von „RealistInnen“ innerhalb der Demokratischen Partei wie Zbigniew Brzezinski angezeigt wurde und auf die Festigung US-amerikanischer Hegemonie durch eine St&#228;rkung der Allianzen mit der EU und anderen setzt.</p>
<p><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/09/bush-mission1-300x164.jpg" alt="" title="bush-mission" width="300" height="164" class="alignnone size-medium wp-image-2333" /></p>
<p>Diese Analyse hat ihre St&#228;rken, doch ich m&#246;chte einen anderen Punkt herausstreichen. Wenn der Krieg gegen den Terror ein Versuch war, die US-Hegemonie international zu st&#228;rken, so kann er auch als Anstrengung verstanden werden, die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse innerhalb des Landes zu Gunsten der Unternehmen und in Richtung  eines st&#228;rker auf Zwang setzenden Staat zu verschieben. Dieses Vorgehen wurde in zahlreichen entwickelten kapitalistischen Staaten durchgezogen, besonders in jenen, die sich mit der Bush-Regierung verb&#252;ndet hatten, um einige der sich abzeichnenden Krisen des US-gef&#252;hrten neoliberalen Kapitalismus zu abzufedern und oppositionelle Kr&#228;fte f&#252;r einen bestimmten Zeitraum entscheidend zu schw&#228;chen.</p>
<p>Zugleich beruhte die Bush-Regierung jedoch auf einer schmalen und &#228;u&#223;erst instabilen Basis, die f&#252;r die Instabilit&#228;ten, die durch die eigenen Politiken hervorgerufen wurden, hochgradig anf&#228;llig waren. 2005 hatte sich die Situation im besetzten Irak so weit verschlechtert, dass der Krieg begann, verschiedenste Ursachen der Unzufriedenheit mit der Regierung zu b&#252;ndeln, sowohl in den Eliten als auch unter den W&#228;hlerInnen. Als die Regierung 2008 abtrat, war sie bereits eine lame duck. Dennoch hatten die politischen Kr&#228;fte, die durch den Krieg gegen den Terror mobilisiert wurden, langfristige Effekte, die auch im Kontext der gegenw&#228;rtigen Rezession und der Pr&#228;sidentschaft Barack Obamas weiter wirken.</p>
<p><strong>Vor dem Fl&#228;chenbrand</strong><br />
Vor den Angriffen am 11. September war eine Reihe von inh&#228;renten Schw&#228;chen des Kapitalismus in seiner neoliberalen Phase an die Oberfl&#228;che getreten. Das System litt an einer chronischen &#220;berakkumulation von Kapital. Die Finanzialisierung hatte systemische Instabilit&#228;ten erzeugt, die sich im &#246;konomischen Zusammenbruch der s&#252;dostasiatischen „Tigerstaaten“, in Rettungsaktionen f&#252;r Hedge Funds und dem Platzen der dot.com Blase ausdr&#252;ckten. Unternehmensprofite, die sich seit der weltweiten Rezession 1979-1982 allm&#228;hlich wieder erholt hatten, begannen wieder zu fallen. Die Schw&#228;che des Systems wurde im Jahr 2001 von einer Serie von Rezessionen angezeigt, auch wenn keine der systemischen Krise nach 2007 gleichkommen sollte. Die Legitimit&#228;t des Kapitals wurde zugleich von einer Kombination aus antikapitalistischen Bewegungen und verschiedenen Buchhaltungs-Skandalen gro&#223;er Konzerne wie WorldCom angegriffen. Auch der Kampfgeist der Gewerkschaften schien sich gegen Ende der 1990er etwas zu regen, in einigen Aufsehen erregenden Streiks konnten Erfolge erzielt werden und zahlreiche Organisierungskampagnen wurden durchgef&#252;hrt. 1997 wurde ein gro&#223;er Arbeitskampf der TransportarbeiterInnen von breiter &#246;ffentlicher Unterst&#252;tzung begleitet, StreikbrecherInnen waren selten und die Solidarit&#228;t an den Streikposten mit 95 Prozent hoch. Darauf folgte eine Reihe von Streiks, darunter einer bei General Motors, und im Jahr 1998 wies die Statistik 5,1 Millionen Streiktage in den USA aus: das ist zwar in historischer Perspektive wenig, markierte aber einen beginnenden Anstieg. Die F&#228;higkeit des Staates, Dissidenz und Widerstand zu kontrollieren, wurde zunehmend in Frage gestellt. In Seattle hatten antikapitalistische DemonstrantInnen erfolgreich eine WTO-Konferenz verhindert, in der neoliberale Ma&#223;nahmen in einem B&#252;ndnis kapitalistischer Staaten weiter institutionalisiert werden h&#228;tten sollen. Zur gleichen Zeit fanden in Cincinnati die gr&#246;&#223;ten Unruhen seit den Riots in Los Angeles 1992 statt, nachdem Timothy Thomas, ein 19-j&#228;hriger schwarzer Mann, erschossen worden war. Die &#246;ffentliche Meinung bewegte sich in einer ganzen Reihe von Themen nach links.<br />
F&#252;r die Reagan-Anh&#228;ngerInnen in der F&#252;hrung der Republikanischen Partei wurde es zunehmend schwierig, ausreichende Unterst&#252;tzung aus der Bev&#246;lkerung f&#252;r ihre Programmatik zu finden, weshalb sie sich gezwungen sahen, ihre Absichten hinter dem Label des <em>compassionate conservatism</em> zu verbergen und dann bei der Wahl im Jahr 2000 das Pr&#228;sidentenamt zu stehlen. Im Angesicht einer platzenden Finanzblase aus der Clinton-&#196;ra, dem Wiedererwachen globaler anti-systemischer Bewegungen und der ablehnenden Haltung der Eliten gegen&#252;ber jeglichem politischen Abenteurertum hatte die neue Regierung jedoch ein Legitimit&#228;ts-Defizit. Die Angriffe vom 11. September vernichteten viele dieser Hindernisse in einer Reihe gigantischer Fl&#228;chenbr&#228;nde.</p>
<p><strong>Der neokonservative Moment</strong><br />
Es ist wichtig, pr&#228;zise zu bestimmen in welcher Hinsicht die Bush-Regierung die Interessen der herrschenden Klasse interpretiert und implementiert hat. Die herrschende Klasse ist niemals eine geschlossene Einheit der UnternehmerInnen. Ihre verschiedenen Fraktionen teilen manche Interessen und streiten sich &#252;ber andere, und keine einzelne Strategie kann all diese Interessen bedienen. Diese Tatsache entzieht jeder instrumentalistischen Sicht die Grundlage, nach der der Staat blo&#223; ein „Werkzeug“ zur Durchsetzung einer festgelegten Interessenlage der Herrschenden w&#228;re. Tats&#228;chlich sind der Staat und die Parteien, die um die Kontrolle &#252;ber ihn konkurrieren, Felder ideologischer Antagonismen. PolitikerInnen und Intellektuelle m&#252;ssen innerhalb der Klasse, mit der sie organisch verbunden sind, um ihre bevorzugten Strategien streiten.</p>
<p><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/09/The-War-on-Terror-boardgame1-300x204.png" alt="" title="The-War-on-Terror-boardgame" width="300" height="204" class="alignnone size-medium wp-image-2339" /></p>
<p>Es ist zweifelhaft, ob Bush jemals die Mehrheit der herrschenden Klasse in den USA hinter sich gebracht hat. Aber innerhalb der Republikanischen F&#252;hrung, existierten verdichtete Kapitalfraktionen – besonders aus den Bereichen Energie, Finanz, Verteidigungsindustrie und Bauwirtschaft – die sicherlich von der Politik profitieren konnten, die Bush als Teil des Kriegs gegen den Terror umsetzen konnte. Und in der Regierung befanden sich mehrere PolitikerInnen und Intellektuelle, die zwischen dem Privatsektor, Staatsapparaten und rechten Think Tanks zirkulierten und dadurch eine im Wesentlichen deckungsgleiche Vorstellung davon hatten, welche Aufgaben der amerikanische Kapitalismus in seiner historischen Mission zu erf&#252;llen hatte.<br />
Es gab auch abweichende Stimmen, etwa jene von Finanzminister Paul O’Neill. Doch unmittelbar nach dem 11. September wurden diese entscheidend marginalisiert. Ein Kern von neokonservativen und rechts-nationalistischen IdeologInnen (von denen einige im Project for the New American Century aktiv gewesen waren) &#252;bernahm die F&#252;hrungsrolle und versuchte, dem US-Kapitalismus eine moralische und intellektuelle F&#252;hrung zu verpassen, die auf dem Einsatz von milit&#228;rischer Macht zur Einsch&#252;chterung von Verb&#252;ndeten und Z&#252;chtigung von Gegnern basierte. Es ist unwahrscheinlich, dass dieses Projekt ohne den 11. September durchgesetzt h&#228;tte werden k&#246;nnen. Statt dessen w&#228;re wohl st&#228;rker auf neoliberale „Globalisierung“ gesetzt worden – die weitere &#214;ffnung und Liberalisierung der Weltm&#228;rkte durch IWF-Kredite und versprochenen Zugang zum US-Markt, wobei die milit&#228;rische St&#228;rke eine untergeordnete Rolle neben den anderen Zwangsmechanismen spielt, die dem imperialen Hegemon zur Verf&#252;gung stehen.<br />
Der „neokonservative Moment“ stellte jedoch den milit&#228;rischen Konflikt ins Zentrum einer neuen ideologischen Konstellation, deren Angelpunkt die Verteidigung der „westlichen Zivilisation“ gegen ihre „totalit&#228;ren“ oder „islamofaschistischen“ Feinde darstellt. Die USA, so wurde argumentiert, sollten einen Block liberal-kapitalistischer Staaten anf&#252;hren, um „Al Qaida“ und jenen, die als ihre Verb&#252;ndete gelten, einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Der „Westen“, als Inkarnation des H&#246;hepunkts menschlicher Entwicklung, sollte zum Fortschritt beitragen, indem er seine aufgekl&#228;rten Interessen an der Durchsetzung einer liberalen Weltordnung und dem Sieg &#252;ber deren Feinde zur Geltung bringt.<br />
Diese Argumentation war nicht v&#246;llig neu. Bereits 1999 formulierte Tony Blair die grundlegenden Themen in einer Rede in Chicago, und entsprechend wurde Blair auch zu einem engen Verb&#252;ndeten von Bush. Trotzdem war die Intensit&#228;t, mit der solche Ideen reproduziert wurden, und ihre pl&#246;tzliche Resonanz sicherlich etwas Neues. Die Strategie versuchte, einen Aspekt des hegemonialen Diskurses des Kalten Kriegs aufzugreifen, in dem die offen ausgedr&#252;ckte Loyalit&#228;t und Kooperation von potenziell entgegen gesetzten politischen Kr&#228;ften eingefordert wurde, um dem Vorwurf des Verrats zu entgehen.<br />
Die Au&#223;enpolitik war die zentrale S&#228;ule der Bush-Regierung, und sie half auch bei der Reorganisierung der nationalen Klassenverh&#228;ltnisse. Sie stellte die Basis f&#252;r einen Aufschwung der Republikanischen Partei im Wahlvolk dar; sie erlaubte eine Ausweitung von &#220;berwachung und Repression, wodurch der Staat in eine bessere Position im Umgang mit Dissidenz und Widerstand gebracht wurde; sie stellte eine praktische Begr&#252;ndung f&#252;r die Unterdr&#252;ckung von Arbeitsk&#228;mpfen dar; und, indem sie ihre GegnerInnen schw&#228;chte, erm&#246;glichte sie es der Regierung, Politiken ohne Gegenwehr durchzusetzen, die Verm&#246;gen an die Reichsten umverteilten.</p>
<p><strong>Die entwaffnete Linke</strong><br />
Der wichtigste unmittelbare Nutzen, den die imperialistischen Staaten aus den Angriffen vom 11. September ziehen konnten, war ihr Vorteil gegen&#252;ber popularen Widerstandsbewegungen. Dieser entstand nicht nur aus dem aufsteigenden Patriotismus und, unter den Verb&#252;ndeten der USA, der Solidarit&#228;t mit den „Menschen wie uns“, die Gilbert Achcar das „narzistische Mitgef&#252;hl“ nannte. Er war auch darauf zur&#252;ck zu f&#252;hren, dass der „Terrorismus“ pl&#246;tzlich eine greifbare &#246;ffentliche Bedrohung darstellte, f&#252;r die nach technokratischen wie ideologischen L&#246;sungen gesucht werden musste. Die Linke hatte eine vertretbare Analyse (die ungerechte Politik der USA war mitverantwortlich f&#252;r die Ursachen der Angriffe) und eine vern&#252;nftige L&#246;sung anzubieten (wir sollten jede Handlung vermeiden, die diese Ungerechtigkeit verst&#228;rken und zuk&#252;nftige Attacken wahrscheinlicher machen w&#252;rde). Die einflussreichen Interventionen von Noam Chomsky waren wichtig, um die Linke mit dieser Art von Analyse auszur&#252;sten, die auf zunehmende Zustimmung in der Welt&#246;ffentlichkeit stie&#223;, auch wenn sie in den USA selbst nur eine Minderheit &#252;berzeugen konnte.<br />
Doch der Diskurs der „Terrorismusbek&#228;mpfung“ ist ein gef&#228;hrliches Terrain f&#252;r die Linke, ein Terrain auf dem der Staat mit seinen immensen Ressourcen einen entscheidenden Vorteil hat. „Terrorismusbek&#228;mpfung“ hat die Tendenz, sich mit „Aufstandsbek&#228;mpfung“ zu &#252;berlappen, mit gef&#228;hrlichen Konsequenzen f&#252;r linke Bewegungen. Und die Rechte bot eine „vision&#228;re“, moralistische Antwort auf 9/11 als Kontrapunkt zur vorsichtigen, pragmatischen Reaktion der Linken an. Von der Annahme der moralischen &#220;berlegenheit der „westlichen Zivilisation“ ausgehend behauptete sie – mit einer gewissen oberfl&#228;chlichen Plausibilit&#228;t – dass es um die Selbstverteidigung der freien und demokratischen L&#228;nder gegen gewaltt&#228;tige, „totalit&#228;re“ Bewegungen ginge. Die Rechte hatte ihre Verb&#252;ndeten in der Regierung und betr&#228;chtlichen Raum in den mit ihnen sympathisierenden Medien, um ihr Argument auszubreiten. Die Dynamik lag also zu Beginn bei der Rechten, die erfolgreich die &#246;ffentliche Zustimmung zu ihren Zielen organisieren konnte. Anti-Kriegs-Bewegungen, die als Reaktion auf die Invasion in Afghanistan entstanden, waren zun&#228;chst klein und konnten ohne gro&#223;en Aufwand marginalisiert und unter Illoyalit&#228;tsverdacht gestellt werden. </p>
<p><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/09/fbi-300x225.jpg" alt="" title="fbi" width="300" height="225" class="alignnone size-medium wp-image-2335" /></p>
<p>Die Intensivierung der &#220;berwachung und Repression nach dem 11. September stellte zwar keinen grundlegenden Bruch mit fr&#252;heren Normen dar – der USA PATRIOT Act (ein Akronym f&#252;r „uniting and strengthening America by providing appropriate tools required to intercept and obstruct terrorism“) legalisierte einfach Formen der &#220;berwachung, die schon lange eingesetzt wurden – sie wirkte aber beschleunigend. Die Anforderungen f&#252;r Ermittlungen gegen Gruppen wurden gesenkt, das FBI konnte weitaus einfacher Durchsuchungsbefehle erhalten und die Definition von „Terrorismus“ wurde so ausgeweitet, dass jeder Mensch, der ein Gesetz bricht um auf politische Prozesse oder die &#246;ffentliche Meinung einzuwirken, als TerroristIn verfolgt werden konnte. Nachdem die Ermittlungen der Bundespolizei gegen politische AktivistInnen und Anti-Kriegs-Gruppen eine lange Geschichte haben – von der Zerschlagung der sozialistischen und ArbeiterInnenbewegungen 1919 bis zu den illegalen Ermittlungen gegen die El Salvador-Solidarit&#228;tsgruppe CISPES in den 1980ern – wussten jene, die das Gesetz ausarbeiteten, dass sie damit eine intensivierte politische Repression autorisierten. Dies sollte sich bald bewahrheiten, als Anti-Kriegs-Gruppen wiederholt ins Visier des FBI gerieten.<br />
Auch die Gewerkschaften zogen gegen den neuen Sicherheitsstaat den K&#252;rzeren. Z.B. untersagte die Regierung einen Streik der MechanikerInnen von United Airline im Dezember 2001 mit der Begr&#252;ndung, dieser w&#252;rde die Luftsicherheit gef&#228;hrden. In einem &#228;hnlichen Fall wurde im Januar 2002 der nationale Ausnahmezustand ausgerufen, um einen Streik von HafenarbeiterInnen durch eine gerichtliche Verf&#252;gung stoppen zu lassen. Insgesamt setzte die Regierung einen robusten Kurs gegen ArbeiterInnen durch und beschr&#228;nkte ArbeiterInnenrechte in mehreren Bereichen – Arbeitsplatzssicherheit, &#220;berstundenregelungen und Gewerkschaftsrechte f&#252;r Bundesangestellte. Es war kein so massiver Schlag gegen die ArbeiterInnenbewegung wie jener unter Reagan, aber die Organisierungsdichte nahm ab, und die Kombination aus einer Rezession und den Angriffen der Bush-Regierung nach 9/11 kehrte den kurzen Aufschwung der sp&#228;ten 1990er Jahre in ihr Gegenteil um. Ein Resultat war, dass die Reall&#246;hne im folgenden Jahrzehnt langsamer anstiegen als w&#228;hrend der Gro&#223;en Depression. Dazu verschob die Regierung in den Jahren 2001 bis 2003 die Steuerlast weiter von den Reichen auf ArbeiterInnenhaushalte. Vor dem 11. September musste Bush gegen den Kongress regieren und eine teure PR-Kampagne fahren, um &#246;ffentliche Zustimmung zu seinen Steuersenkungen zu organisieren. Danach war er in einer sicheren Position; nachdem die Republikanische Partei in den Kongresswahlen 2002 eine klare Mehrheit erringen konnte, senkte er weiter Steuern auf hohe und mittlere Einkommen, Investitionen, Kapitalgewinne und Dividenden, und feuerte sogar Paul O’Neill, nachdem dieser sich einer Gruppe von 450 WirtschaftswissenschafterInnen angeschlossen hatte, die sich gegen die Steuerpolitik aussprachen.</p>
<p><strong>Krise und Niedergang</strong><br />
Global bedeutete der „Krieg gegen den Terror“ einen herben R&#252;ckschlag anti-systemischer Bewegungen, die sich in den sp&#228;ten 1990er Jahren entwickelt hatten. Den sich bis dahin stetig ausweitenden Protesten wurde sofort der Schwung genommen. Als im November 2001 die Gespr&#228;che der WTO in Doha scheiterten, lag das eher an den bestehenden Spannungen zwischen den USA und der EU als an antikapitalistischer Militanz. Trotzdem war die weltweite Mobilisierung gegen die Invasion des Irak die gr&#246;&#223;te derartige Bewegung in der Geschichte. Sie speiste sich auch aus der Ablehnung der US-Dominanz, die sich zumindest versteckt – und nicht selten ganz offen – in den Aufst&#228;nden der Zapatistas, in den bolivischen Wasserkriegen und in den Protesten gegen die WTO zeigte. Am 15. Februar 2003 gingen alleine in New York 400.000 AktivistInnen gegen den Krieg auf die Stra&#223;e. Am selben Tag demonstrierten mindestens 150.000 in San Francisco, und Zehntausende in Hollywood, Colorado Springs und Seattle. Insgesamt protestierten 50 Millionen Menschen weltweit. Das gewaltige Ausma&#223; dessen, was im Irak geplant war, machte fast den ideologischen Vorteil, den die US-Regierung genoss, zunichte. Aber selbst eine derart gro&#223;e Opposition w&#228;re beherrschbar gewesen, wenn die Invasion und Besatzung des Irak wie im „Spaziergang“-Szenario der offiziellen Propaganda abgelaufen w&#228;re. Tats&#228;chlich flachten die Proteste nach dem Beginn der Invasion ab und die US-Regierung wurde in den ersten Monaten der Besatzung vor&#252;bergehend gest&#228;rkt. Bush gewann 2004 die Pr&#228;sidentschaftswahl gegen den unaufregenden demokratische Kriegsbef&#252;rworter John Kerry mit einer Mehrheit der W&#228;hlerInnenstimmen, inklusive einer Mehrheit der wei&#223;en ArbeiterInnen, die zur Wahl gingen. Und das trotz einer Serie von durch die Besatzung ausgel&#246;sten Krisen, wie die Enth&#252;llung der Folter in Abu Ghraib, und der massenhaften Opposition, die sich bei der 800.000 Menschen starken Demonstration bei der Nationalversammlung der Republikaner zeigte. Die Unterst&#252;tzung bei der Wahl gab Bush das Selbstvertrauen, sich f&#252;r einen neuen Angriff auf die ArbeiterInnenklasse stark zu machen – die versuchte Privatisierung der Sozialversicherung. Aber schon damals waren die Anf&#228;nge der Krise offensichtlich.</p>
<p>Unter den fragmentierten nationalistischen und islamistischen Gruppen im Irak keimte seit dem Beginn der Besatzung Widerstand auf. Dieser brach 2004 richtig los und steigerte sich 2006 auf ein verheerendes Niveau. Zwischen 2004 und 2006 stiegen die Angriffe auf Koalitionstruppen und deren Verb&#252;ndeten von weniger als 400 auf &#252;ber 800 pro Woche. Indem er den Besatzern die Kontrolle &#252;ber den Irak verweigerten, trug der Widerstand zu einer ernsthafter politische Krise der Bush-Administration bei. Die &#246;ffentlichen Zustimmungswerte zum Krieg brachen Mitte 2005 ein, wobei eine Mehrheit der Meinung war, der Konflikt h&#228;tte nie begonnen werden d&#252;rfen. Zwar hatten an einem strategisch wichtigen Punkt pl&#246;tzlich auftauchende Br&#252;che innerhalb der Anti-Kriegs-Bewegung Bush fast davon kommen lassen, aber das Ansehen der Regierung wurde durch ihre Antwort auf den Hurrikan Katrina, der im Sommer 2005 Louisiana verw&#252;stete, zerst&#246;rt. Die fehlende Vorbereitung von Rettungsma&#223;nahmen, vorenthaltene Hilfsleistungen und schlie&#223;lich die Durchsetzung einer milit&#228;rischen L&#246;sung f&#252;r das Desaster f&#252;hrte zu einer tiefen ideologischen Krise der republikanischen Rechten. Die Aufmerksamkeit lag daraufhin auf der Unterdr&#252;ckung von Afro-AmerikanerInnen und die bis dahin ignorierte Klassenfrage. In beiden Punkten waren die Republikaner im Nachteil. Die Regierung diente weiterhin einer begrenzten Bandbreite kapitalistischer Klasseninteressen, denen sie sich verbunden f&#252;hlte, konnte aber nicht l&#228;nger &#246;ffentliche Unterst&#252;tzung organisieren.</p>
<p><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/09/nousa-300x200.jpg" alt="" title="nousa" width="300" height="200" class="alignnone size-medium wp-image-2344" /></p>
<p>In diesem Kontext erlebten auch soziale Bewegungen einen leichten Aufschwung. Gewerkschaften behinderten durch erfolgreiches Lobbying Bushs Privatisierungspl&#228;ne der Sozialversicherung, bis die Regierung, unter offener Ablehnung der Demokraten und einigem republikanischen Unbehagen, den Plan fallen lie&#223;. Die Renaissance der Bewegungen zeigte sich in den riesigen Demonstrationen f&#252;r ImmigrantInnenrechte im Mai 2006. Diese stellten einen hoch politisierten Generalstreik der verwundbarsten ArbeiterInnen der USA dar. Sie legten ganze Industrien still und zeigten Bereiche auf, in denen ArbeiterInnen potentiell Macht hatten. Sp&#228;ter im selben Jahr &#252;bernahmen die Demokraten die Kontrolle &#252;ber den Kongress und der „&#220;ber-Falke“ Rumsfeld sah sich gezwungen, zur&#252;ck zu treten. Er &#252;berlie&#223; es einer gebrochenen Regierung, zur Niederlage bei der Wahl 2008 weiter zu humpeln.</p>
<p><strong>Obama Nation</strong><br />
Als die Bush-Administration in ihre endg&#252;ltige Krise geriet, warf das Kapital seine Ressourcen entschieden hinter die Demokraten und besonders hinter Barack Obama. Obamas gr&#246;&#223;te Spende kam von der Wall-Street, und seine Dienste f&#252;r die Finanzwirtschaft in Form der riesigen Bankenrettungen &#252;berwogen die mickrigen Reformen, die er seiner Basis bot, bei weitem. Obama h&#228;tte die Pr&#228;sidentschaftswahl 2008 jedoch nicht gewinnen k&#246;nnen (mit fast 70 Millionen Stimmen), wenn er nicht einige &#246;ffentliche Forderungen aufgenommen h&#228;tte. Die Operationsweise der Demokraten kann vielleicht in gramscianischen Begriffen als „Transformismus“ charakterisiert werden. Das bedeutet, dass popul&#228;re Hoffnungen und Forderungen aufgenommen werden, deren spezifisch widerst&#228;ndiger und klassenantagonistischer Inhalt neutralisiert wird und sie in der Form der Politik der pro-kapitalistischen Mitte neu artikuliert werden. Obama versprach den ArbeiterInnen, Gewerkschaftsrechte mit dem Employment Free Choice Act zu unterst&#252;tzen, den Irakkrieg zu beenden und das Gesundheitssystem durch die Einf&#252;hrung eines staatlichen Versicherungsmodels zu reformieren, das mit privaten konkurrieren kann und dadurch die Preise fallen l&#228;sst. Der herrschenden Klasse versprach er, die Banken zu st&#252;tzen, die Wirtschaftskrise einzud&#228;mmen, einen w&#252;rdigen R&#252;ckzug aus dem Irak zu organisieren, in Afghanistan zu bleiben und die US-Vormacht global wiederherzustellen. Als Konsequenz gab es 2008 eine zweigleisige Mobilisierung f&#252;r Obama, mit dem h&#246;chsten Anteil an Wahlstimmen unter den sehr Reichen und der ArbeiterInnenklasse.<br />
Der „Krieg gegen den Terror“ war, wie gesagt, vorbei sobald die Republikaner 2008 unterlegen waren. Aber die politischen Kr&#228;fte, die er entfesselt hatte, legten teilweise die Grundlage f&#252;r eine sehr traditionelle, reaktion&#228;re Bewegung der Rechten in Form der Tea-Party. Wie ihre Vorg&#228;nger nach dem ersten Weltkrieg und w&#228;hrend des kalten Kriegs ist diese Bewegung wei&#223;, m&#228;nnlich und wohlhabender als der Durchschnitt der restlichen Bev&#246;lkerung. Sie erfreut sich einiger Unterst&#252;tzung  durch das Kapital und dr&#252;ckt ihren Anti-Sozialismus in einer nationalistischen und rassistischen Sprache aus. Sie unterscheidet sich von ihren Vorg&#228;ngern darin, dass ihr die Unterst&#252;tzung durch den Staat fehlt – was den traditionellen Antikommunismus f&#252;r viele seiner GegnerInnen so t&#246;dlich machte – und dass ihrem globalen Narrativ, in dem Obamas angebliche koloniale Identit&#228;t (als Kenianer oder heimlicher Muslim) im Zentrum steht, die oberfl&#228;chliche Plausibilit&#228;t fehlt, die die kommunistische Gefahr in der Hysterie des kalten Kriegs besa&#223;.<br />
Allerdings bedient sich die Tea Party der islamophoben und nationalistischen Ideologie, die w&#228;hrend des „Kriegs gegen den Terror“ – speziell w&#228;hrend der erb&#228;rmlichn republikanischen Pr&#228;sidentschaftskampagne 2008 – kultiviert wurde. Das erlaubte es ihr, ihre Ablehnung der Gesundheitsreform und anderer Einschr&#228;nkungen privater Eigentumsrechte als Teil eines authentischen Amerikanismus zu pr&#228;sentieren, der die USA gegen kulturelle Degeneration und Verfall sch&#252;tzt. Dadurch wurde es m&#246;glich, dass die Tea-Party-Anh&#228;ngerInnen eine bedeutende Minderheit der Bev&#246;lkerung hinter ihrer rechts-au&#223;en Agenda mobilisieren konnten – eine Mobilisierung die verbunden mit der Demoralisierung der W&#228;hlerInnen Obamas ausreichte, den Republikanern einen Vorteil bei den Wahlstimmen zu verschaffen.<br />
Tats&#228;chlich war ein Anstieg von Islamophobie und Nationalismus in allen Staaten wahrnehmbar, die am „Krieg gegen den Terror“ teilnahmen – mit verheerenden politischen Folgen.  W&#228;hrend die Anti-Kriegs-Stimmung einen potentiell demokratisch-radikalisierende Effekt hatte, zog der antimuslimische Rassismus viele ArbeiterInnen nach rechts. Dies zeigte sich deutlich anhand des Niedergangs der radikalen Linken in Europa in der zweiten H&#228;lfte der letzten Dekade, in der Krise der antikapitalistischen Bewegungen und dem gleichzeitigen Aufstieg der extremen Rechten.</p>
<p><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/09/wisconsin-protests-300x225.jpg" alt="" title="wisconsin protests" width="300" height="225" class="alignnone size-medium wp-image-2337" /></p>
<p>Im Jahr 2011 er&#246;ffnen sich jedoch neue M&#246;glichkeiten. Der militante, offen ausgetragene Klassenkampf gegen den Gouverneur von Wisconsin, Scott Walker – ein Apostel der Tea Party – fiel mit den elektrisierenden Revolutionen in Nordafrika und den Protestwellen im ganzen Nahen Osten zusammen. W&#228;hrend letztere die amerikanische Kontrolle &#252;ber die Region gef&#228;hrden, droht ersterer sich in den USA auszubreiten und einen linken Kontrapunkt gegen das Sparprogram zu setzen, das in Washington und anderen Hauptst&#228;dten der Bundesstaaten durchgedr&#252;ckt wird. Das ist ein Problem f&#252;r die Neokonservativen, die Anh&#228;ngerInnen Sarah Palins und der Tea-Party. Sie h&#228;tten nichts lieber als einen gro&#223;angelegten Krieg gegen Amerikas Feinde, um ihre Basis aufzustacheln und eine Antwort der Rechten auf die tiefe, organische Krise des Kapitalismus zu koordinieren. W&#228;hrend aber die Kriege weiter gehen – Obamas Angriffe auf Afghanistan und die niederschwellige Intervention in Libyen sind treffende Beispiele – k&#246;nnte so etwas wie der Krieg gegen Terror heute nicht wiederholt werden.</p>
<p>Der Artikel ist erstmals im <a href="http://web.overland.org.au/previous-issues/issue-204/feature-richard-seymour/">Overland <em>magazine</em></a> erschienen. &#220;bersetzung aus dem Englischen von <em>Benjamin Opratko</em> und <em>Philipp Probst</em>.</p>
<p><em>Richard Seymour </em>ist Journalist, <a href="http://www.versobooks.com/books/307-the-liberal-defence-of-murder">Autor</a> und Aktivist in London. Er bloggt regelm&#246;&#223;ig auf <a href="http://leninology.blogspot.com/">Lenin&#8217;s Tomb</a>.</p>
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		<title>SlutWalk Bewegung</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Sep 2011 09:33:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nico</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8220;We live in a society that teaches DON’T GET RAPED instead of DON’T RAPE&#8221; &#8211; &#220;ber victim blaming, sexualisierte Gewalt und die viel diskutierte Begriffsaneignung im Zuge der SlutWalk Bewegung schreibt Fanny M&#252;ller-Uri.

Ein Blick auf die Vergewaltigungs-Gerichtsprozesse à la Strauss-Kahn der letzten Monate verdeutlicht, wie aktuell diese Feststellung ist. Das gesellschaftliche Problem der Verharmlosung, Normalisierung und Akzeptanz von Gewalttaten an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;<a href="http://www.peopleofcolororganize.com/analysis/slutwalk-march-march/"><em>We live in a society that teaches DON’T GET RAPED instead of DON’T RAPE</em></a>&#8221; &#8211; &#220;ber <em>victim blaming</em>, sexualisierte Gewalt und die viel diskutierte Begriffsaneignung im Zuge der SlutWalk Bewegung schreibt <em>Fanny M&#252;ller-Uri</em>.<br />
<span id="more-2305"></span><br />
Ein Blick auf die Vergewaltigungs-Gerichtsprozesse à la Strauss-Kahn der letzten Monate verdeutlicht, wie aktuell diese Feststellung ist. Das gesellschaftliche Problem der Verharmlosung, Normalisierung und Akzeptanz von Gewalttaten an Frauen ist nun Zielscheibe einer neuen, lautstarken feministischen Bewegung: der weltweiten SlutWalks. In &#252;ber <a href="http://www.slutwalktoronto.com/satellite/satellites-list-dates">f&#252;nfzig</a> St&#228;dten haben sie bereits stattgefunden, in mindestens genauso vielen, darunter auch Wien, sind sie momentan in Planung. Die Debatten in und um die SlutWalk Bewegung sind vielf&#228;ltig, einige werden auch hier zur Diskussion gestellt.</p>
<p><strong><em>Victim blaming</em>: Ein Mythos mit realen Auswirkungen</strong><br />
Minimalkonsens der Bewegung ist der Widerstand gegen einen alten Mythos, der im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Verharmlosung von Gewalt an Frauen, die juristisch legitimierte T&#228;ter-Opfer-Umkehr (engl. <em>victim blaming</em>), steht. Jener soll uns weismachen, dass M&#228;nner Opfer ihres Sexualtriebs w&#228;ren und Gewalt legitimierbar sei, wenn sie einer Frau mit Minirock begegneten.<br />
Dies war auch Z&#252;ndstoff des ersten SlutWalks in Toronto am 3. April diesen Jahres. Ausl&#246;ser war die Aussage eines Polizisten, Michael Sanguinetti, der eigentlich an einer Universit&#228;t einen Pr&#228;ventionskurs zum Thema Sicherheit am Campus machen sollte. Mit dem Satz: &#8220;<em><a href="http://slutwalk.net/?p=1">Women should avoid dressing like sluts in order not to be victimized</a></em>&#8221; bediente er anhand von <em>victim blaming</em> einen Ausschnitt dessen, was in feministischen Traditionen als <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Rape_culture"><em>rape culture</em></a> oder <em>culture of violence</em> bezeichnet wird.<br />
Die Annahme, es handle sich bei Vergewaltigungen um sexuelle Handlungen ist noch immer mehrheitsf&#228;hig. Vergewaltigungen und sexualisierte &#220;bergriffe m&#252;ssen aber als <a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/schlampenmarsch-in-muenchen-ende-der-vorurteile-1.1128142-2">&#8220;eine Form der Machtaus&#252;bung mit dem Mittel der Sexualit&#228;t [verstanden werden]. (…) Es geht dabei darum, Macht &#252;ber jemanden auszu&#252;ben, jemanden zu erniedrigen &#8211; und das ist eine gesellschaftliche Sache…“</a> und Ausdruck von Gewalt und Unterdr&#252;ckung – Gewalt hat System.</p>
<p>Sanquinettis Aussage spiegelt diese gesellschaftlichen Diskurse wider und spricht damit aus, was in den K&#246;pfen vieler Menschen allzu oft auf Zustimmung trifft. Dies mag zwar immer noch breiter Konsens in der Gesellschaft sein, aber diesmal erzeugte es auch breiten Widerstand. Zu Recht und v&#246;llig emp&#246;rt gingen daraufhin tausende Menschen auf die Stra&#223;e und formierten sich zu einer dynamischen, undogmatischen und kreativen Demonstration. Denn niemand hat das Recht, Gewalt an Frauen auszu&#252;ben, egal wie sie sich verhalten (etwa Trunkenheit, Herumgeflirte oder Alleine-am-Nachhauseweg-Sein) oder sich kleiden (ob bauchfrei, Minirock oder Kartoffelsack). Obwohl es keinen Dresscode gibt, spielen viele SlutWalk-TeilnehmerInnen mit der Kleidung und rufen unmissverst&#228;ndlich: „<em>My clothes are not louder than my voice! Enough is enough!</em>“</p>
<p><strong>„<em><a href="http://www.plyrics.com/lyrics/xrayspex/ohbondageupyours.html">Oh Bondage, </a></em><a href="http://www.youtube.com/watch?v=ogypBUCb7DA">Up Yours!</a>&#8221; und der Mythos der dunklen Gassen</strong><br />
Die SlutWalk-Bewegung konzentriert sich haupts&#228;chlich auf sexualisierte Gewalt im &#246;ffentlichen Raum. Dies ist auch &#252;berf&#228;llig und stellt sich dem Sicherheitswahn, der gerne in Form repressiver Mittel wie Videokameras, privater Securities und selbsternannter B&#252;rgerwehren auftritt, entgegen. Denn der ausgelebte, machoide „Besch&#252;tzerinstinkt“ ersetzt keine Freir&#228;ume, in denen sich Frauen unbeschwert bewegen k&#246;nnen. Die SlutWalks fahren damit einen vielleicht neuen Diskurs: selbstbewusst ergreifen sie die Definitionshoheit und  beziehen damit klare Position. Gleichzeitig wird ein Faktum bisher wenig beachtet. Tats&#228;chlich finden die meisten sexualisierten &#220;bergriffe und Vergewaltigungen nicht in den dunklen Gassen, am Campus oder in Parks statt, sondern in den eigenen vier W&#228;nden bzw. im Bekannten- und Verwandtenkreis. <a href="http://www.profil.at/articles/1101/560/285909/intimsphaerenrisse-sexuelle-uebergriffe-bereich">90% der Betroffenen kennen ihre T&#228;ter</a>. H&#228;usliche Gewalt wird bisher von den wenigsten SlutWalks thematisiert, Gewalt gegen Frauen auf den „&#246;ffentlichen Raum“ reduziert.  Dies ist bis dato eine Schw&#228;che der SlutWalk Bewegung und erkl&#228;rt sich bis zu einem gewissen Grad aus der vermeintlichen Losl&#246;sung von einer breiteren anti-sexistischen Praxis und historischen Frauenbewegungen.</p>
<p><strong>It‘s a new <em>feminist</em> movement, yay</strong><br />
Inzwischen kann nicht mehr von einem punktuellen anti-sexistischen Protest gesprochen werden. Weltweit finden seitdem SlutWalks statt, dadurch dringen anti-sexistische und feministische Themen in die breite &#214;ffentlichkeit – in den Malestream. Auff&#228;llig scheint hierbei die Abwehr vieler TeilnehmerInnen, sich als feministisch zu bezeichnen. Dies mag an der negativen Konnotation des Begriffs liegen, welche in der &#214;ffentlichkeit zelebriert wird. Zweifelsohne gibt es nicht blo&#223; <em>eine</em> feministische Str&#246;mung, um es aber kurz und b&#252;ndig mit den Worten der gro&#223;en <a href="http://books.google.com/books?id=uvIQbop4cdsC&amp;lpg=PR3&amp;hl=de&amp;pg=PR11#v=onepage&amp;q&amp;f=false">bell hooks</a> auszudr&#252;cken: „<em>Feminist struggle takes place anytime anywhere any female or male resists sexism, sexist exploitation, and oppression. Feminist movement happens when groups of people come together with an organized strategy to take action to eliminate patriarchy.&#8221; </em> Fakt ist, dass die Zusammensetzung der TeilnehmerInnen eine <a href="http://www.slutwalktoronto.com/satellite/satellites-list-dates">vielf&#228;ltige</a> ist:  ob jung oder alt, ob politisch schon l&#228;nger aktiv oder nicht , aber vor allem <em>all gender</em> machen sich f&#252;r SlutWalks stark und diese k&#246;nnen nicht abseits der Tradition feministischer K&#228;mpfe betrachtet werden. Egal ob sich die TeilnehmerInnen als feministisch definieren oder nicht – feststeht: „<em>Yes means Yes! No means No! &#8211; Keine Gewalt an Frauen!</em>“.</em></p>
<p><em><strong>Slut </em>– Strategie der Begriffsaneignung</strong><br />
Klarerweise entstehen in politischen Bewegungen unterschiedliche Strategien, wie man definierte Ziele benennt oder erreichen kann. &#220;ber die Begriffsaneignung Slut beispielsweise wird seit Monaten debattiert. Der Begriff Slut wurde zun&#228;chst <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/353239/353240.php">ironisch</a> von den OrganisatorInnen herangezogen, um auf den spezifischen Kontext des <em>victim blamings</em> zu reagieren. Auch wenn die (R&#252;ck-)Eroberung von herrschaftlicher Sprache seit jeher feministische Tradition hat, so stellt sich erneut beim Begriff Slut die Frage, inwieweit sie exkludierend wirkt bzw. welche Funktion dem Gebrauch zukommt. Ohne weiteres kann es als Eroberung des Begriffs f&#252;r eine anti-sexistische Kampagne verstanden werden. Dennoch, Slut wirkt polarisierend, ist zutiefst vergeschlechtlicht und von Machtverh&#228;ltnissen durchzogen.<br />
Der Begriff exkludiert, denn viele Menschen wollen nicht unter einem Label aktiv werden, das Frauen als Ware, Objekt und Opfer tituliert. Denn der SlutWalk transportiert auch „<a href="http://www.perspektiven-online.at/2007/11/01/sexy-sexismus/">Sex and the City“-Sexyness</a>, die auf patriarchalen Frauenbildern basiert. Auch der gro&#223;e Zuspruch in den Malestream-Medien ist wohl nicht in einem breiten anti-sexistischen Konsens begr&#252;ndet, vielmehr gilt auch hier die mediale Logik des <em>Sex sells</em>. Die Bewegung profitiert vom medialen Interesse und erh&#246;ht dieses durch das bewusste Spiel mit dieser sexualisierten Begrifflichkeit. So lange die SlutWalks jedoch nicht auf „<a href="http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-69126.html">das Recht auf sexy Kleidung</a>“ reduziert werden und die feministische Botschaft in den Mainstream durchsickert, bleibt wohl nur zu sagen: In your face! Aber mal ehrlich – wo ist denn auch schon die Insel der Gl&#252;ckseligen?</p>
<p>Dass der Begriff Slut Kontroversen mit sich bringt, liegt auf der Hand. Fest steht, auch wenn eine Frau als Slut bezeichnet wird, nackt durch die Stra&#223;en zieht oder betrunken in der Ecke liegt – Gewalt an Frauen ist omnipr&#228;sent und niemals gerechtfertigt! „<em>Frauen, h&#246;rt ihr Frauen schreien, lasst die anderen nicht allein!</em>“ – Wir sehen uns bei dem n&#228;chsten SlutWalk-Treffen.</p>
<p></em></p>
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