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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Zionismus</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Israels permanenter Krieg</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Sep 2007 06:20:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 1]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
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		<description><![CDATA[Israels Krieg gegen den Libanon war nur ein Ausschnitt des Konflikts, der seit 60 Jahren den Nahen Osten in Blut ertr&#228;nkt. <em>Benjamin Opratko</em> analysiert die Strategien hinter Israels Rhetorik der „Selbstverteidigung“ und verfolgt die Frontlinien dieses permanenten Kriegs.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Israels Krieg gegen den Libanon war nur ein Ausschnitt des Konflikts, der seit 60 Jahren den Nahen Osten in Blut ertr&#228;nkt. <em>Benjamin Opratko</em> analysiert die Strategien hinter Israels Rhetorik der „Selbstverteidigung“ und verfolgt die Frontlinien dieses permanenten Kriegs.<br />
<span id="more-87"></span><br />
In der deutschen Ausgabe seines Standardwerks zum Nahost-Konflikts schreibt Noam Chomsky, er stehe oft vor dem Problem, Titel oder Thema f&#252;r seine Vortr&#228;ge schon Jahre vorher benennen zu m&#252;ssen. „Eins kann man, wie ich gemerkt habe, mit Sicherheit immer angeben: ‚Die gegenw&#228;rtige Krise im Nahen Osten.’ Wie sich diese Krise entwickeln wird, l&#228;sst sich nicht genau sagen, aber dass es sie geben wird, unterliegt keinem Zweifel“.<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a> So zynisch diese Feststellung scheinen mag, so brutal wurde uns ihre Richtigkeit in den letzten Monaten vor Augen gef&#252;hrt. Mit dem Angriff auf den Libanon, der mehr als Tausend tote LibanesInnen – der gr&#246;&#223;te Teil davon ZivilistInnen – forderte und das halbe Land in Schutt und Asche legte, ist der seit bald sechzig Jahren ungel&#246;ste Konflikt zwischen Israel und den AraberInnen wieder ins politische Rampenlicht ger&#252;ckt. Doch w&#228;hrend sich im weltweiten Medienzirkus in einer un&#252;berschaubaren Zahl an Kommentaren, Reportagen, Leitartikeln, Talkshows, Interviews und Diskussionsforen jedeR sich berufen F&#252;hlende &#252;ber den j&#252;ngsten „Selbstverteidigungsakt“ Israels und seine Folgen auslassen durfte, traten die Stimmen jener, deren Ged&#228;chtnis weiter als bis zur Entf&#252;hrung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah zur&#252;ck reichte, in den Hintergrund. Dass alles darauf hinweist, dass der Krieg gegen den Libanon kein spontaner Akt der Selbstverteidigung angesichts der Entf&#252;hrungen, sondern vielmehr eine lange vorbereitete Kampagne war, wird kaum erw&#228;hnt. Das weit verbreitet Bild, das Israels Operationen auf mehr oder wenige spontane Reaktionen auf &#252;berall lauernde, gar „existenzbedrohende“ &#228;u&#223;ere Gefahren reduziert, tut dabei nicht nur dem strategischen und politischen Geschick der M&#228;chtigen in Israel Unrecht, sondern verhindert auch eine halbwegs angemessene Analyse des gesamten Konflikts.</p>
<h3>Das Ende eines Mythos</h3>
<p>Wie auch immer sich die Situation im Libanon weiter entwickelt, so kann doch nun, da zumindest vorl&#228;ufig die Waffen schweigen, ein erstes Res&#252;mee des israelischen Kriegs gegen den Libanon gezogen werden. Die wichtigste Erkenntnis ist: Israel hat den Krieg verloren. Nach einem Monat israelischer Angriffe gelang es zwar, den Libanon „um 20 Jahre zur&#252;ck zu bomben“, wie es der Chef der Luftwaffe und oberste milit&#228;rische Verantwortliche, Dan Halutz, formulierte. Das eigentliche Ziel der israelischen Armee war jedoch, die Hisbollah zu vernichten – und das ist ordentlich schief gegangen. Die Zustimmung zur Waffenruhe und der R&#252;ckzug der israelischen Truppen aus weiten Teilen Libanons wurde Israel von der &#228;u&#223;erst effektiv und erfolgreich k&#228;mpfenden Hisbollah aufgezwungen. Die libanesische Guerilla hat gegen die am besten ausger&#252;stete und ausgebildete Armee der Region gewonnen. Das war nur m&#246;glich, weil die Hisbollah massenhafte Unterst&#252;tzung aus der libanesischen Bev&#246;lkerung erhalten hat, &#252;ber alle konfessionellen Grenzen hinweg – eine bemerkenswerte Leistung in einem Land, das vor nicht allzu langer Zeit noch vom B&#252;rgerkrieg zerrissen war. Was die Rhetorik der Kriegstreiber in Israel und anderswo gerne verschweigt, ist, dass Hisbollah keineswegs eine terroristische Organisation nach dem Vorbild Al-Qaidas ist. Sie entstand als Reaktion auf den israelischen Krieg von 1982 und die folgende Besetzung des Libanon durch israelische Truppen. In den Jahren nach 1982 entwickelte sich die Hisbollah von einer kleinen schiitischen Guerillatruppe mit St&#252;tzpunkten im S&#252;den Libanons, den armen Vororten Beiruts und dem Bekaa-Tal, zur wichtigsten politischen, sozialen und milit&#228;rischen Kraft im Libanon. Als karitative Organisation betreibt sie auch f&#252;r verarmte Menschen leistbare Schulen, Kinderg&#228;rten, Kranken- und Waisenh&#228;user. Ihre Verankerung in der libanesischen Gesellschaft zeigt auch, dass Hisbollah und Verb&#252;ndete das gr&#246;&#223;te einzelne Kontingent im libanesischen Parlament stellen.</p>
<p class="MsoNormal">Das Ergebnis des israelischen Kriegs ist ein Desaster f&#252;r die israelische Regierung. Die Hisbollah ist politisch st&#228;rker als je zuvor – mehr noch als im Jahr 2000, als die israelische Armee sich wegen des anhaltenden Widerstands der Hisbollah aus dem gr&#246;&#223;ten Teil der seit 1982 besetzten Gebiete im S&#252;d-Libanon zur&#252;ckzog, wird die Organisation als Befreierin des Libanon gefeiert. Die Niederlage ist aber nicht nur von regional-strategischer Bedeutung – sie zerst&#246;rt auch den seit 1948 existierenden Mythos von der Unbesiegbarkeit Israels. Seit dessen Gr&#252;ndung hat die IDF jede Auseinandersetzung mit ihren arabischen Feinden gewonnen. Besonders der Krieg von 1967 hat der israelischen Armee diesen Nimbus verliehen. Er hei&#223;t aus gutem Grund Sechs-Tage-Krieg, nach nicht einmal einer Woche waren die Armeen des &#228;gyptischen Pr&#228;sidenten Gamal Abdel Nasser vernichtend geschlagen.</p>
<p class="MsoNormal">Die Konstante der israelischen Strategie war stets die mili-<br />
t&#228;rische Abschreckung. Seitdem der israelische Staat auf den Ruinen pal&#228;stinensischer D&#246;rfer und St&#228;dte aufgebaut wurde, setzten dessen verschiedene Regierungen, ob von der Arbeiterpartei oder dem rechten Likud-Block gef&#252;hrt, auf milit&#228;rische Dominanz, um sich gegen die Anspr&#252;che der vertriebenen Bev&#246;lkerung und ihrer arabischen Verb&#252;ndeten durchzusetzen. Der Preis, den Israel daf&#252;r zahlen musste, war eine Existenz als Handlanger imperialistischer Gro&#223;m&#228;chte. In den ersten Jahren war es Gro&#223;britannien, dessen Wohlwollen die Etablierung des Staates Israel erst erm&#246;glicht hatte<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a>, dann Frankreich, das Israel als Verb&#252;ndeten gegen die Befreiungsbewegungen in den eigenen Kolonien nutzen wollte. Ab den 1960er Jahren entstand dann die bis heute andauernde „Special Relationship“ zwischen Israel und den sich als wichtigste imperiale Macht etablierenden USA. Im Juni 1966 erkl&#228;rte ein Sprecher des israelischen Au&#223;enministers: „Die Vereinigten Staaten sind zu der Auffassung gelangt […], dass sie sich auf regionale M&#228;chte und auf das Abschreckungspotential einer freundlichen Macht st&#252;tzen m&#252;ssen, um Amerikas direkte Beteiligung abzufangen. Israel ist der Meinung, dass es diesen Anforderungen entspricht“.<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a> Seitdem entwickelte sich aus dem „besonderen Verh&#228;ltnis“ zwischen Israel und den USA ein strategisches B&#252;ndnis. Die israelische Strategie der milit&#228;rischen Abschreckung wurde und wird durch massive milit&#228;rische und finanzielle Unterst&#252;tzung der USA erm&#246;glicht. Im Jahr 2005 verkauften oder verschenkten die USA Waffen im Wert von rund 5,4 Milliarden US-Dollar an Israel – rund ein Drittel der gesamten US-Auslandshilfe.<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a> Das Wissen um einen sicheren Verb&#252;ndeten im Nahen und Mittleren Osten ist der US-Politik dieser Aufwand wert.<br />
Trotz dieser enormen milit&#228;rischen &#220;bermacht und obwohl die israelische Armee nicht z&#246;gerte, ihr gesamtes Arsenal an konventionellen Waffen gegen den Libanon einzusetzen (einschlie&#223;lich der international verbotenen Cluster-Bomben), konnte der Krieg nicht gewonnen werden. Der ganzen Welt (und besonders der arabischen) wurde vor Augen gef&#252;hrt, dass Israel sich nicht mehr auf eine scheinbar allm&#228;chtige Armee verlassen kann, um seine Interessen in der Region durchzusetzen. Dass die Strategie der milit&#228;rischen Abschreckung in eine Sackgasse gef&#252;hrt hat, ist die tats&#228;chliche Z&#228;sur des Sommer 2006.</p>
<h3>Krieg an drei Fronten</h3>
<p>Die israelische Politik l&#228;sst sich jedoch nicht allein auf die au&#223;enpolitische Dimension der milit&#228;rischen Abschreckung reduzieren. Um vergangene und aktuelle Strategien des israelischen Staates verstehen zu k&#246;nnen muss ein entscheidender historischer Aspekt in Betracht gezogen werden: Als kolonialer SiedlerInnenstaat durch die Vertreibung gro&#223;er Teile der einheimischen Bev&#246;lkerung 1948 gegr&#252;ndet<a href="#anm5" title="anm_5" name="anm_5"><sup>5</sup></a>, hatte Israel stets ein allen anderen Interessen &#252;bergeordnetes Ziel. Entsprechend dem politischen Programm des Zionismus soll der Staat in einer spezifischen Form aufrecht erhalten werden, in der Juden/J&#252;dinnen die Bev&#246;lkerungsmehrheit stellen, exklusive Privilegien genie&#223;en und der vertriebenen (arabischen) Bev&#246;lkerung historisches Recht verwehrt wird. Aus dieser Pr&#228;misse ergibt sich f&#252;r Israel ein permanenter Krieg, der an drei Fronten gef&#252;hrt werden musste und bis heute gef&#252;hrt wird.<br />
Die erste Front ist jene, die der j&#252;ngste Libanonkrieges ins Rampenleicht gestellt hat: Hier geht es um die Kriege gegen umliegende arabische Staaten, die – sei es auf Grund des Drucks aus der eigenen Bev&#246;lkerung, sei es um den Zorn unzufriedener Untertanen abzulenken – die pal&#228;stinensische Bewegung unterst&#252;tzen. Eine weitere Front verl&#228;uft quer durch den israelischen Staat selbst und betrifft die arabische Minderheit, die innerhalb der Grenzen Israels lebt; die dritte Front schlie&#223;lich betrifft die 1967 besetzten Gebiete im Westjordanland und im Gaza-Streifen.</p>
<h3>B&#252;rgerInnen dritter Klasse</h3>
<p>Als die zionistischen SiedlerInnen 1948 den Staat Israel gr&#252;ndeten, wurden nicht alle Pal&#228;stinenserInnen in die Flucht getrieben. Rund 150.000 von ihnen blieben innerhalb der „Gr&#252;nen Linie“, die den neuen Staat nach dem Krieg von 1948/49 begrenzte. Diese „1948-Pal&#228;stinenserInnen“ und ihre Nachkommen z&#228;hlen heute rund eine Million oder 17 Prozent der israelischen Bev&#246;lkerung. Die Pr&#228;senz dieser gro&#223;en arabischen Minderheit stellte die israelischen Eliten vor das Problem, wie der Staat mit ihr umgehen sollte. Einerseits verstand man sich als demokratischer Staat, der jedem/r B&#252;rgerIn volle Gleichheit unabh&#228;ngig von ethnischer oder religi&#246;ser Zugeh&#246;rigkeit zugestehen sollte. Gleichzeitig war Israel jedoch nicht nur ein Staat von Juden/J&#252;dinnen, sondern ein exklusiv j&#252;discher Staat, der die seit Beginn des 20. Jahrhunderts durchgef&#252;hrte Kolonisierung Pal&#228;stinas konsolidieren und ausbauen sollte. Die praktische L&#246;sung dieses Widerspruchs bedeutete, dass die meisten der 1948-Pal&#228;stinenserInnen zwar die israelische Staatsb&#252;rgerschaft erhielten, ihnen durch eine Reihe politischer Ma&#223;nahmen jedoch viele Rechte, die diese Staatsb&#252;rgerschaft f&#252;r Juden/J&#252;dinnen garantiert, verwehrt wurden.<br />
Der erste und grundlegende Unterschied, den der israelische Staat zwischen j&#252;dischen und nicht-j&#252;dischen B&#252;rgerInnen macht, dr&#252;ckt sich im sogenannten „R&#252;ckkehrrecht“ aus. Dieses Gesetz besagt, dass Israel der Staat aller J&#252;dinnen und Juden weltweit ist; wenn ein Jude/eine J&#252;din israelischen Boden betritt, wird er/sie automatisch israelischeR Staatsb&#252;rgerIn. Jenen Menschen, die durch die Staatsgr&#252;ndung 1948/49 fl&#252;chten mussten, wird dieses Recht jedoch verweigert. Die Definition Israels als exklusiv j&#252;discher Staat ist in den Gr&#252;ndungsdokumenten festgeschrieben. Endg&#252;ltig formalisiert wurde diese Entscheidung mit einem Zusatz zum Wahlgesetz 1985, in dem Parteien und KandidatInnen von Wahlen ausgeschlossen werden, wenn sie „die Existenz des Staates Israel als den Staat des j&#252;dischen Volkes“ nicht anerkennen.</p>
<p>Bis 1966 wurden israelische Pal&#228;stinenserInnen durch eine separate Milit&#228;radministration „verwaltet“ – offiziell, um das „Sicherheitsrisiko“, das die pal&#228;stinensische Bev&#246;l-<br />
kerung angeblich darstellte, zu minimieren. Tats&#228;chlich hatte die Milit&#228;radministration jedoch zwei andere Haupt-ziele.<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a> Erstens sollte der Zugang arabischer Menschen zu Arbeitspl&#228;tzen verhindert oder reduziert werden. Schon vor der Staatsgr&#252;ndung war die „Eroberung durch Arbeit“ – d.h. die Vertreibung und Ausgrenzung arabischer Arbeitskr&#228;fte – ein zentrales Element der kolonialen Strategie des Zionismus. Das zweite Ziel war, den Transfer von Land, das noch in pal&#228;stinensischen H&#228;nden verblieben war, zu staatlichen oder halb-staatlichen Organisationen zu sichern. Vor allem die Eroberung des Landes blieb auch nach der Aufhebung der Milit&#228;rverwaltung eine zentrale Aufgabe des Staates. Bis heute wurden etwa zwei Drittel des Landes, das nach 1948 noch in Besitz von Pal&#228;stinenserInnen mit israelischer Staatsb&#252;rgerschaft war, zu Gunsten des israelischen Staates enteignet. Waren vor der Staatsgr&#252;ndung 7 bis 8 Prozent des Landes in j&#252;dischem Besitz, so kontrolliert oder besitzt der israelische Staat heute 93 Prozent des Landes innerhalb der „Gr&#252;nen Linie“.<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> Das offensichtlichste Beispiel f&#252;r die bis heute andauernde rechtliche Diskriminierung ist, dass Pal&#228;stinenserInnen mit israelischer Staatsb&#252;rgerschaft in rund 80 Prozent des Staatsgebiets kein Land kaufen oder pachten d&#252;rfen. Die Landfrage ist dabei nur eine von vielen Dimensionen dieser Politik der Ausgrenzung. Arabische Gemeinden bekommen deutlich geringere staatliche Budgets, im seit 1953 getrennten Schulsystem sind pal&#228;stinensische Schulen weit schlechter ausgestattet, und eine Reihe von Sozialleistungen werden Pal&#228;stinenserInnen mit israelischer<br />
Staatsb&#252;rgerschaft vorenthalten.<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a> Das Ergebnis ist, dass in allen sozio-&#246;konomischen Parametern wie Haushaltseinkommen, Ausbildungsstatus, beruflicher Status, Alphabetisierung oder Kindersterblichkeit Pal&#228;stinenserInnen deutlich schlechter gestellt sind als ihre j&#252;dischen Mitb&#252;rgerInnen.</p>
<p>Der israelische Soziologe Oren Yiftachel bezeichnet diese Form des Staates als „Ethnokratie“ – eine Staatsform, die zwar formal demokratisch organisiert ist, einen signifikanten Teil der B&#252;rgerInnen jedoch systematisch von Rechten ausschlie&#223;t und diskriminiert.<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a> Die Strategie der systematischen Unterdr&#252;ckung und Ausgrenzung der arabischen Bev&#246;lkerung in der so genannten „einzigen Demokratie im Nahen Osten“ wurde seit der Staatsgr&#252;ndung in verschiedenen Varianten und in unterschiedlicher Intensit&#228;t angewendet. In den letzten Jahren wurde etwa unter dem Schlagwort der „demographischen Zeitbombe“ auf die „Gefahr“ hingewiesen, dass die hohen Geburtenraten von Pal&#228;stinenserInnen mit israelischer Staatsb&#252;rgerschaft die j&#252;dische<br />
Mehrheit in Israel bedrohen w&#252;rden. Eine der Reaktionen der Regierung war, die Familienzusammenf&#252;hrung von Pal&#228;stinenserInnen in Israel zu verbieten, die bis dahin enge Verwandte aus den besetzten Gebieten zu sich holen konn-ten.<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a> Dass diese und &#228;hnliche diskriminierende Ma&#223;nahmen den grundlegenden Widerspruch der „Ethnokratie“ Israels nicht l&#246;sen k&#246;nnen, scheint offensichtlich. Doch Israels Krieg an der „stillen Front“ des permanenten Kriegs gegen die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung dauert weiter an.</p>
<h3>Das Post-67-Dilemma</h3>
<p>Als Israel nach dem vernichtenden Sieg gegen die arabischen Armeen im Juni 1967 auch den in arabischen H&#228;nden verbliebenen Rest des historischen Pal&#228;stinas besetzte, trat das Dilemma der „Ethnokratie“ in einem neuen, noch gr&#246;&#223;eren Ma&#223;stab zu Tage. Die IDF hatte innerhalb von sechs Tagen das Westjordanland und den Gaza-Streifen, die bis dahin von Jordanien bzw. &#196;gypten verwaltet worden waren, unter israelische Kontrolle gebracht – und damit fast eine Million Pal&#228;stinenserInnen<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a>. Eine vollst&#228;ndige Annexion der besetzten Gebiete, und damit die Erreichung des lange propagierten Ziels eines „Gro&#223;-Israel“ vom Mittelmeer bis zum Jordan, war dadurch kaum m&#246;glich. Eine „ethnische S&#228;uberung“, wie sie von manchen Politikern der Rechten gefordert wurde, stie&#223; auf Ablehnung. H&#228;tte man der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung, wie es 1948 praktiziert wurde, die israelische Staatsb&#252;rgerschaft verliehen, w&#228;re die j&#252;dische Mehrheit im Staat Israel in Gefahr gewesen.<br />
In den strategischen Debatten, die auf den gewonnenen Krieg folgten, setzte sich zun&#228;chst ein Plan durch, der vom stellvertretenden Ministerpr&#228;sidenten Ygal Allon vorgestellt wurde. Allon, ein Veteran der regierenden Arbeiterpartei und prominenter General, erkl&#228;rte angesichts des „Post-67-Dilemmas“: „Wenn es notwendig ist, zwischen einem de facto binationalem Staat mit gr&#246;&#223;erem Territorium und einem j&#252;dischen Staat mit kleinerem Territorium zu entscheiden, pl&#228;diere ich f&#252;r die zweite Variante, vorausgesetzt, er hat Grenzen, die verteidigt werden k&#246;nnen“.<a href="#anm12" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a> Das bedeutete freilich nicht, ganz auf die Besiedelung der besetzten Gebiete zu verzichten. Im Gegenteil sollte dies geplant und konzentriert passieren, um die politischen Pr&#228;missen des Zionismus nicht zu gef&#228;hrden. Durch die strategische Besiedelung eines Streifens entlang des Jordantals sollte eine Grenze geschaffen werden, die, gemeinsam mit der Annexion Ost-Jerusalems und seiner &#246;stlichen Vororte, das pal&#228;stinensische Gebiet in zwei H&#228;lften teilen w&#252;rde. Gleichzeitig sollte auf die Besiedelung jener Gebiete, die dicht von Pal&#228;stinenserInnen bev&#246;lkert sind, verzichtet werden. Diese Teile des Westjordanlands k&#246;nnten etwa an Jordanien zur&#252;ckgegeben werden. Die Vorteile dieser Strategie lagen auf der Hand, meinte Allon: „Diese defensive Anordnung k&#246;nnte einer modernen Armee standhalten. Sie ist dazu geeignet, das Land zu sch&#252;tzen, nicht nur vor seinen direkten Nachbarn, sondern auch vor der gesamten Region im Osten (…). Sie schafft auch ein Hinterland, das Jerusalem und seine Umgebung vor den Gefahren des Guerillakriegs sch&#252;tzen, und gibt uns die M&#246;glichkeit der Besiedelungen in halbverlassenen Gebieten. Ich f&#252;ge hinzu, dass die Territorien, die wir zur&#252;ckgeben, demilitarisiert sein werden, und dass dadurch, dass wir uns an der Flanke der Bev&#246;lkerung des Westjordanlands aufstellen, wir in jedem Fall ihr offensives Potential neutralisieren“.<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a> Es war eine pragmatische Strategie, die ideologisch motivierte Gro&#223;-Israel-Phantasien hintan stellte, aber trotzdem die weitere Kolonisierung Pal&#228;stinas zulie&#223; und die Pal&#228;stinenserInnen in leicht kontrollierbaren Enklaven einschloss.</p>
<p>Dass dieser Plan nie in vollem Umfang umgesetzt und schlie&#223;lich g&#228;nzlich aufgegeben wurde, h&#228;ngt ma&#223;geblich mit politischen Umbr&#252;chen in Israel zusammen. Anfang der 1970er Jahre verlor der Block um die Arbeiterpartei, der seit Beginn des 20. Jahrhunderts die hegemoniale Kraft im Yishuv (der Gemeinschaft der zionistischen SiedlerInnen in Pal&#228;stina) und sp&#228;ter in Israel war, zunehmend an Einfluss. Die Ideologie der traditionellen Eliten, durch niemanden klarer verk&#246;rpert als den israelischen &#220;bervater David Ben Gurion, war f&#252;r die neue, in Israel geborene Generation nicht mehr attraktiv. Diese ideologische und politische Leerstelle wurde vom Lager der Nationalreligi&#246;sen besetzt, die einen radikalen religi&#246;sen Messianismus mit kompromisslosen anti-arabischen Positionen der zionistischen Rechten verbanden. Besonders f&#252;r die von den Eliten des „Arbei-terzionismus“ stets verachteten „Mizrahim“ (Juden/J&#252;dinnen aus arabischen oder muslimischen L&#228;ndern) waren die Nationalreligi&#246;sen ein Anlaufpunkt. Mit der Gr&#252;ndung des „Gush Emunim“ („Block der Getreuen“) 1974 und der &#220;bernahme der Regierung durch den rechten Likud-Block 1977 wurden alle strategischen Beschr&#228;nkungen hinsichtlich der Besiedelung in den besetzten Gebieten hinf&#228;llig. Die radikale SiedlerInnenbewegung, f&#252;r die ganz „Erez Israel“ von AraberInnen „befreit“ werden muss, konnte seither erfolgreich ein Netz von Siedlungen aufbauen, das sich durch das gesamte Westjordanland erstreckt. Der Likud versuchte zudem seit Beginn der 1980er Jahre, weitere j&#252;dische Israelis zur Besiedelung der besetzten Gebiete zu bewegen, indem unterprivilegierten Familien massive finanzielle Anreize versprochen wurden. Der unter Menachem Begin 1981 vorgestellte „Einhunderttausend-Plan“ war der erste konzertierte Versuch, die demographischen Verh&#228;ltnisse in den besetzten Gebieten zu Gunsten der Juden/J&#252;dinnen zu verschieben. Indem „hochwertige H&#228;user mit Land zu niedrigen Preisen“ garantiert wurden, sollte die j&#252;dische Bev&#246;lkerung im Westjordanland verf&#252;nffacht werden.<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a> Die Kombination der Besiedelungsstrategien – „Sicherheitspuffer“ entlang des Jordantals, Ausnutzen und Anheizen von religi&#246;sem Fanatismus, finanzielle Anreize – wurde seither von allen<br />
Regierungen, ob von Likud oder der Arbeiterpartei gef&#252;hrt, mit unterschiedlicher Gewichtung durchgef&#252;hrt. Sie hat es Israel erm&#246;glicht, die Kontrolle &#252;ber 42 Prozent des gesamten Westjordanlands zu erhalten.<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a><o></o></p>
<h3>„Friedensprozess“ und R&#252;ckzug</h3>
<p>Nachdem die pal&#228;stinensische Wut &#252;ber die unertr&#228;glichen Lebensbedingungen in den besetzten Gebieten sich in den Aufst&#228;nden von 1987, der Intifada, entladen hatte, wurde auch einigen israelischen Strategen klar, dass der Status Quo nicht mehr ohne weiteres aufrechterhalten werden konnte. Die gegenseitige Anerkennung von Israel und PLO und erste zaghafte Friedensbem&#252;hungen im Rahmen der Madrider Konferenz 1991 lie&#223;en viele vermuten, dass die israelische F&#252;hrung tats&#228;chlich die Kolonisierung Pal&#228;stinas gegen Frieden eintauschen k&#246;nnte. Als dann der israelische Ministerpr&#228;sident Yitzhak Rabin und Yassir Arafat H&#228;nde sch&#252;ttelnd auf dem Rasen vor dem Wei&#223;en Haus standen, schienen sich diese Hoffnungen zu erf&#252;llen. Heute, 13 Jahre nach dem Osloer Abkommen, ist all das in weite Ferne ger&#252;ckt. W&#228;hrend Israels Regierung sich offiziell zum so genannten Friedensprozess bekannte, setzte sie ihre Strategie der Besiedelung unvermindert fort. Zwischen 1993, als die „Grundsatzerkl&#228;rung“ des Friedensabkommens unterzeichnet wurde, und dem Ausbruch der zweiten Intifada 2000, stieg die Zahl der SiedlerInnen in den besetzten pal&#228;stinensischen Gebieten von 116.400 auf 195.000 an. Das Ziel war offensichtlich, Fakten zu schaffen, die auch ein Abkommen mit der PLO nicht mehr r&#252;ckg&#228;ngig machen konnten.<br />
Dementsprechend gestaltete sich das „Interimsabkommen“ von 1995, das aus dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen einen pal&#228;stinensischen „Fleckerlteppich“ machte. Die neu gegr&#252;ndete Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde (PA) kontrollierte danach ganze 3,5 Prozent der Territorien („Zone A“), weitere 420 Kleinst&#228;dte und D&#246;rfer durften zwar von der PA zivil verwaltet werden, die &#252;bergreifende Verantwortung und Sicherheit verblieb jedoch bei Israel („Zone B“). Im restlichen Teil des Westjordanlands – die 73 Prozent des Landes umfassende „Zone C“ – blieb alles, wie es war.<a href="#anm16" title="anm_16" name="anm_16"><sup>16</sup></a> Alle wirklich kritischen Punkte – die j&#252;dischen Siedlungen, der Status Jerusalems, das Schicksal der pal&#228;stinensischen Fl&#252;chtlinge – wurden auf sp&#228;tere Verhandlungen verschoben, die nie stattfanden. Dass auf dieser Basis – die seither die Grundlage aller „Friedenspl&#228;ne“, nicht zuletzt George W. Bushs „Roadmap“, war – keine friedliche L&#246;sung zustande kommen konnte, verwundert nicht. Der israelische Politikwissenschafter Ilan Pappé brachte es auf den Punkt: „Eine Heimat nach dem Konflikt kann nicht auf der Grundlage geschaffen werden, dass die gemeinsame vorgestellte Heimat auf die denkbar unfairste Art geteilt wird: 78 Prozent ein j&#252;discher Staat und 22 Prozent eine Art pal&#228;stinensisches Protektorat. Dies ist als L&#246;sung noch weniger denkbar, wenn das Angebot auf der internationalen Agenda sogar die 22 Prozent weiter aufteilt“.<a href="#anm17" title="anm_17" name="anm_17"><sup>17</sup></a> Der Aufschrei der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung, die sich dagegen wehrten, wie ihre F&#252;hrung sich von Israel &#252;ber den (Verhandlungs-)Tisch ziehen lie&#223;, war die zweite Intifada von 2000.</p>
<p>Profitieren konnte von dieser Situation die israelische Rechte. Ariel Sharon, der 1983 wegen seiner Beteiligung am Massaker von Sabra und Shatila als Verteidigungsminister zur&#252;cktreten hatte m&#252;ssen, wurde als Vorsitzender des Likud 2001 Regierungschef. Anfangs noch ein Verfechter der klassischen radikal-rechten, kompromisslosen Positionen der Siedlerbewegung, setzte er 2003 einen entscheidenden strategischen Schwenk in der israelischen F&#252;hrung durch. Seine Entscheidung, die israelische Armee aus dem Gaza-Streifen abzuziehen und die dortigen Siedlungen aufzul&#246;sen, &#252;berraschte nicht nur die israelischen Eliten, sondern BeobachterInnen in aller Welt. Seither ist sein Werdegang vom „Falken“ zur „Friedenstaube“ Teil der internationalen Nahost-Folklore. Als er zu Beginn dieses Jahres ins Koma fiel, lie&#223;en die politischen Nachrufe vermuten, der von uns Scheidende w&#228;re als historische Pers&#246;nlichkeit zwischen Mutter Teresa und Mahatma Gandhi anzusiedeln. Tats&#228;chlich k&#246;nnte dieses Urteil &#252;ber ihn und seinen Nachfolger und langj&#228;hrigen Vertrauten, Ehud Olmert, falscher nicht sein. Eine genauerer Blick zeigt, dass Sharon und die Politik, f&#252;r die er in seinen letzten Jahren gestanden hat, sowohl einen Bruch, als auch eine Kontinuit&#228;t israelischer Strategien bedeutet. Tats&#228;chlich hat sich Sharon von der kompromisslosen Strategie der radikalen Rechten verabschiedet, die erbittert um jeden Quadratzentimeter heilige W&#252;ste k&#228;mpft. Der hochdekorierte General hat erkannt, dass das von Allon formulierte Dilemma noch immer nicht gel&#246;st ist. Es musste eine Balance gefunden werden zwischen einem territorial m&#246;glichst gro&#223;en Staat Israel, der gleichzeitig seinen exklusiv j&#252;dischen Charakter beh&#228;lt. Der Gaza-Streifen war ein kleiner Preis, der f&#252;r diese Balance zu zahlen war: Von insgesamt 241.000 SiedlerInnen in den besetzten Gebieten lebten bis zum Abzug 2004 ganze 8.195 oder 3,5 Prozent im Gaza-Streifen.<a href="#anm18" title="anm_18" name="anm_18"><sup>18</sup></a> Was die israelische Regierung daf&#252;r erh&#228;lt, ist trotz des R&#252;ckzugs maximale Kontrolle &#252;ber das Territorium bei gleichzeitig minimaler Verantwortung f&#252;r dessen nicht-j&#252;dische Bev&#246;lkerung. Der Autor Darryl Li beschreibt den Gaza-Streifen nach dem Abzug als „Laboratorium“ f&#252;r israelische Kontrolltechniken. Durch Ausgangssperren, Zerst&#246;rung von Infrastruktur, die &#220;berwachung des Luftraums und gezielte T&#246;tungen oder Verhaftungen pal&#228;stinensischer PolitikerInnen und AktivistInnen<sup>19</sup> wird der Gazastreifen zum gr&#246;&#223;ten Freiluftgef&#228;ngnis der Welt gemacht. Die Massenunterst&#252;tzung f&#252;r die Hamas und ihre milit&#228;rischen Operationen in Gaza erkl&#228;rt sich nicht zuletzt aus der verheerenden humanit&#228;ren Lage in Israels “Laboratorium”.<br />
Gleichzeitig wurde die Siedlungst&#228;tigkeit im Westjordanland verst&#228;rkt, so dass die gesamte Zahl der SiedlerInnen sich seit dem „R&#252;ckzug“ aus dem Gazastreifen sogar noch erh&#246;ht hat. Die Strategie &#228;hnelt dem Allon-Plan von 1967: Durch die gezielte F&#246;rderung von Siedlungen in strategisch wichtigen Gebieten und die Aufgabe kleinerer, unwichtiger Stellungen wird versucht, das pal&#228;stinensische Land in kleine Fragmente aufzuteilen. Pal&#228;stinensische Bantustans sind die Folge, die komplett von israelischer Infrastruktur abh&#228;ngig sind. Die von Sharon in Auftrag gegebene und t&#228;glich weiter gebaute Mauer, die sich quer durch pal&#228;stinensisches Gebiet zieht und mehrere gro&#223;e Siedlungsbl&#246;cke de facto an Israel annektiert, ist ein wichtiges Element dieser Strategie. Die Kolonialisierung Pal&#228;stinas setzt sich damit weiter fort.</p>
<h3>Einfach, aber schwer</h3>
<p>Die Aussicht auf einen gerechten Frieden ist heute d&#252;ster. Was die Analyse der Strategien Israels in seinem permanen-ten Kriegs zeigt, ist dass alle drei Fronten dieses Konflikts untrennbar miteinander verwoben sind. Solange Israel an der obersten Maxime der zionistischen Bewegung festh&#228;lt – der Aufrechterhaltung einer exklusiv j&#252;dischen „Ethnokratie“ – sind Bem&#252;hungen zu einem dauerhaften Frieden wohl zum Scheitern verurteilt. Dass die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung einem faulen Kompromiss nicht leicht zustimmen wird, hat sie mit der Wahl der Hamas, die sich als kompromisslose Alternative zur korrupten und opportunistischen Fatah-Elite dargestellt hat, einmal mehr gezeigt. Eine L&#246;sung des Konflikts ist das, was Brecht einst &#252;ber den Kommunismus gedichtet hat: Das Einfache, das schwer zu machen ist. Das hei&#223;t in diesem Falle, ein gemeinsamer, demokratischer Staat all seiner B&#252;rgerInnen, der sich von seiner kolonialistischen Vergangenheit und Gegenwart lossagt und sich nicht mehr als Kettenhund der USA missbrauchen l&#228;sst. Solange dieser – heute wohl noch in weiter Ferne liegende – Weg nicht gemeinsam beschritten wird, muss bef&#252;rchtet werden, dass Noam Chomskys Spruch seine G&#252;ltigkeit behalten und der Angriff auf den Libanon im Sommer 2006 nicht der letzte israelische Angriffskrieg bleiben wird.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> Chomsky, Noam 2002: Offene Wunde Nahost. Israel, die Pal&#228;stinenser und die US-Politik, Hamburg: Europa Verlag. p11.<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> Gro&#223;britannien war nach dem Ersten Weltkrieg Mandatsmacht in Pal&#228;stina und unterst&#252;tzte das zionistische Projekt der Kolonisierung Pal&#228;stinas seit der ber&#252;hmten „Balfour-Erkl&#228;rung“ von 1917.<br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> zit. nach Aruri, Naseer H. 2003: Dishonest Broker. The U.S. Role in Israel and Palestine, Cambridge: South End Press. p19.<br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a> Berrigan, Frida/Hartung, William D. (2006) Who’s arming Israel?, in: Foreign Policy In Focus, 26. Juli 2006, http://www.fpif.org/fpiftxt/3387<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a> Die ausf&#252;hrlichste Aufarbeitung der Vertreibung und teilweise Ermordung der Pal&#228;stinenserInnen im „Unabh&#228;ngigkeitskrieg“ liegt mit Benny Morris’ Standardwerk „The Birth of the Palestinian Refugee Problem“ vor, das auf in den 1980er Jahren erstmals zug&#228;nglichem, reichhaltigen Archivmaterial beruht (Morris, Benny 2004: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited, Cambridge: Cambridge University Press).<br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a> Shafir, Gershon, Yoav Peled 2002: Being Israeli. The Dynamics of Multiple Citizenship, Cambridge: Cambridge University Press. p112.<br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a> Yiftachel, Oren 1999: „Ethnocracy“: The Politics of Judaizing Israel/Palestine, in: Constellations, Volume 6, 3/1999, pp364-391, http://www.geog.bgu.ac.il/members/yiftachel/new_papers_eng/Constellations-print.htm<o></o></p>
<p><a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a> Shafir/Peled: a.a.O. pp110–136. Dies meist dadurch, dass Pal&#228;stinenserInnen der Zugang zum israelischen Milit&#228;r verwehrt ist. Viele Sozialleistungen sind jedoch an die Ableistung des Wehrdienstes, der f&#252;r alle j&#252;dischen Israelis (M&#228;nner wie Frauen) verpflichtend ist, gekn&#252;pft (ebd. p126).<br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a> Yiftachel, Oren 1998: Democracy or Ethnocracy: Territory and Settler Politics in Israel/Palestine, in: Middle East Report, Nr 207, 2/1998, http://www.merip.org/mer/mer207/yift.htm<o></o><br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a> Peled, Yoav 2006: Zionist Realities. Debating Israel-Palestine, in: New Left Review, II/38: pp21-36.<br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a> Laut der ersten israelischen Z&#228;hlung vom Dezember 1967 waren es 604.494 Pal&#228;stinenserInnen im Westjordanland und 380.800 im Gaza-Streifen (http://www.palestinecenter.org/cpap/stats/dist_pop_67.html).<o></o><br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a> zit. nach Achcar, Gilbert 2004: Eastern Cauldron. Islam, Afghanistan, Palestine and Iraq in a Marxist Mirror, London: Pluto Press. p211.<br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a> zit. nach ebd. p212.<br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a> Shafir/Peled: a.a.O. p172f.<br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a> B’Tselem, Israeli Information Center for Human Rights in the Occupid Territories 2006: Land Expropriation and Settlements, http://www.btselem.org/English/Settlements/<br />
<a href="#anm_16" title="anm16" name="anm16">16</a> Watzal, Ludwig 2001: Bilanz und Kritik des Osloer „Friedensprozesses“, in: Edlinger, Fritz (Hg.): Befreiungskampf in Pal&#228;stina. Von der Madrid-Konferenz zur Al-Aqsa-Intifada, Wien: Promedia, pp29-44. p 31.<br />
<a href="#anm_17" title="anm17" name="anm17">17</a> Pappé, Ilan 2003: “The Post-Territorial Dimensions of a Future Homeland in Israel and Palestine”, in: Comparative Studies of South Asia, Africa and the Middle East, Volume 23, 1&amp;2/2003: pp224 – 233. p232.<br />
<a href="#anm_18" title="anm18" name="anm18">18</a> B’Tselem a.a.O.<br />
<a href="#anm_19" title="anm19" name="anm19">19</a> Li, Darry 2006: “The Gaza Strip as Laboratory. Notes in the Wake of Disengagement”, in: Journal of Palestine Studies, XXXV/2, Winter 2006: pp38-55.</p>
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		<title>Zionismus als Sackgasse</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 22:20:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rezension: John Rose: Mythen des Zionismus. Stolpersteine auf dem Weg zum Frieden, Z&#252;rich: Rotpunkt Verlag 2006, 24,70 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: John Rose: Mythen des Zionismus. Stolpersteine auf dem Weg zum Frieden, Z&#252;rich: Rotpunkt Verlag 2006, 24,70 €<br />
<span id="more-78"></span><br />
Was ist Zionismus? Der britische Autor John Rose, Soziologe am Southwark College und der London Metropolitan University, n&#228;hert sich dieser Frage aus kritischer Perspektive und zeigt, dass der Erfolg des zionistischen Projekts – die Errichtung und Verteidigung eines exklusiv-j&#252;dischen Nationalstaates in Pal&#228;stina – ma&#223;geblich damit zusammenh&#228;ngt, dass der Zionismus seine eigene Geschichte geschrieben hat. Es ist ein bestimmtes, mehr als zweitausend Jahre abdeckendes historisches Narrativ, gepaart mit zur Selbstverst&#228;ndlichkeit erhobenen politischen &#220;berzeugungen, das den Zionismus zusammenh&#228;lt. Die tragenden S&#228;ulen dieses Narrativs entlarvt Rose in diesem nun auch auf deutsch vorliegendem Buch als Mythen, „weit verbreitete aber falsche Vorstellungen“. Schritt f&#252;r Schritt, Kapitel f&#252;r Kapitel werden die wichtigsten „Mythen des Zionismus“ vorgestellt und dekonstruiert: vom angeblich biblisch gesicherten Anrecht der Juden und J&#252;dinnen auf pal&#228;stinensisches Land („Die Bibel ist unser Mandat“ ) &#252;ber die Legende vom „unbesiedelten Pal&#228;stina“ („Ein Land ohne Volk f&#252;r ein Volk ohne Land!“ ) bis zum Mythos des israelischen „Davids“, der sich gegen einen &#252;berm&#228;chtigen arabischen „Goliath“ zu Wehr setzen m&#252;sse. <o></o></p>
<p class="MsoNormal">Erg&#228;nzt wird die Dekonstruktion historischer Mythen durch einen Einblick in eine andere, aus dem zionistischen Kanon ausgeblendete j&#252;dische Geschichte: Die Geschichte jener historischer Phasen, in denen das Zusammenleben von Menschen j&#252;discher und arabischer Herkunft von politisch-&#246;konomischer Kooperation und kultureller Symbiose gepr&#228;gt waren. Dem gef&#228;hrlichen Argument einer „nat&#252;rlichen“ Feindschaft von Judentum und Islam, einem ewigen „Kampf der Kulturen“ wird so der Wind aus den Segeln genommen. <o></o></p>
<p class="MsoNormal">Das Buch ber&#252;hrt hochsensible Fragen, etwa nach der Rolle des Holocaust in der Legitimationsstrategie zur Gr&#252;ndung Israels oder den Zusammenh&#228;ngen von US-amerikanischer und israelischer Machtpolitik. Es ist Rose hoch anzurechnen, dass er gerade hier sauber argumentiert und keine Klischees bem&#252;ht werden, die aus einer politischen Kritik des Zionismus antisemitische Propaganda machen k&#246;nnte. „Mythen des Zionismus“ ist vielmehr Teil einer Reihe j&#252;discher Publikationen, die seit den 1990ern Israel und seine Staatsideologie hinterfragen: Wissenschafter wie Ilan Pappe, Avi Shlaim oder Baruch Kimmerling etwa haben eine historische, soziologische und politische Debatte in Israel angesto&#223;en, der das Label „Post-Zionismus“ umgeh&#228;ngt wurde und in der das Verm&#228;chtnis des Zionismus als Hindernis f&#252;r einen gerechten Frieden im Nahen Osten identifiziert wird. John Rose vertieft dieses Argument und portraitiert pr&#228;gnant das politische Projekt des Zionismus als historische Sackgasse.<o></o></p>
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