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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Wissenschaft</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Auf der Suche nach den Subjekten</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Dec 2010 07:42:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 12]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskämpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Alexander Neumann: Kritische Arbeitssoziologie. Ein Abriss, Stuttgart: Schmetterling Verlag/theorie.org. 2010, 192 Seiten, € 10,30

Mit Kritischer Arbeitssoziologie versucht Alexander Neumann einen Einblick in ein Feld zu geben, das auf Seiten der Linken seit den 1980er Jahren eher negativ konnotiert ist. Da sich viele Studien im Bereich der Industriesoziologie stark an den funktionalistischen Momenten der Organisationssoziologie orientierten und zumeist eher als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Alexander Neumann: Kritische Arbeitssoziologie. Ein Abriss, Stuttgart: Schmetterling Verlag/theorie.org. 2010, 192 Seiten, € 10,30<br />
<span id="more-1702"></span><br />
Mit <em>Kritischer Arbeitssoziologie</em> versucht Alexander Neumann einen Einblick in ein Feld zu geben, das auf Seiten der Linken seit den 1980er Jahren eher negativ konnotiert ist. Da sich viele Studien im Bereich der Industriesoziologie stark an den funktionalistischen Momenten der Organisationssoziologie orientierten und zumeist eher als Grundlage f&#252;r prozessoptimierende Managementstrategien dienten, werden arbeitssoziologische Ans&#228;tze meist eher zur&#252;ckgewiesen. Neumann versucht mit diesem Buch allerdings aufzuzeigen, dass es innerhalb der soziologischen Arbeitsforschung auch eine andere Tradition gab und gibt.<br />
Anschlie&#223;end an Michael Schumann stellt er zu Beginn des Buches fest, dass der Begriff der Industriesoziologie f&#252;r eine kritische Betrachtung von Arbeit und den darin liegenden gesellschaftlichen Widerspr&#252;chen zu kurz greift und sich der weiter gefasste, aus der franz&#246;sische Tradition kommende Begriff der „sociologie du travail“ (Arbeitssoziologie) viel eher eignet. Hier stehen nicht die industriellen Beziehungen im Zentrum der Analyse, sondern die arbeitenden Subjekte und ihre widerspr&#252;chliche Konstitution im Verwertungsprozess kapitalistischer Akkumulation.<br />
Ausgehend von Karl Marx, Max Weber und Sigmund Freud, die er als theoretische Referenzfolien der unterschiedlichen Str&#228;nge kritischer Arbeitssoziologie ansieht, versucht Neumann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der deutschen und der franz&#246;sischen Debatte herauszuarbeiten. Deren gemeinsame Ausgangsfrage ist diejenige nach der Widerst&#228;ndigkeit der Subjekte im kapitalistischen Arbeitsprozess. Hier wird von deutscher wie von franz&#246;sischer Seite davon ausgegangen, dass die reale Subsumption der Arbeitskr&#228;fte unter die kapitalistische Profitlogik niemals vollst&#228;ndig vollzogen werden kann und sich die Subjekte immer wieder als widerst&#228;ndige generieren.<br />
Im Gegensatz zu funktionalistischen TheoretikerInnen (wie beispielsweise Lukács) gehen die kritischen ArbeitssoziologInnen laut Neumann allerdings nicht von einem mystifizierten Klassenbewusstsein aus, sondern versuchen festzustellen, wie im Prozess der Subjektkonstitution Momente entstehen, die &#252;ber die Logik kapitalistischer Vergesellschaftung hinausweisen. Neumann pl&#228;diert hier f&#252;r eine Interpretation des Marxschen Werkes, die sich nicht in der Analyse der Kapitallogik ersch&#246;pft, sondern um die Frage nach der M&#246;glichkeit der Konstitution revolution&#228;rer Subjektivit&#228;t erweitert werden muss.<br />
Trotz einer gemeinsamen Ausgangsfrage bezogen sich die franz&#246;sische und deutsche Debatte jeweils auf andere theoretische Ans&#228;tze zur Beantwortung eben dieser. F&#252;r die deutschsprachige Debatte sind laut Neumann die Arbeiten der Kritischen Theorie ma&#223;geblich gewesen. Adorno und Co eigneten sich die Marxschen Kategorien neu an und radikalisierten die Theorie von Weber und Freud. Der Bezug auf Freud stellte sich f&#252;r sie als besonders fruchtbar dar, da mit Hilfe seiner Theorie die Vermittlung von Normen in die Psyche der Menschen erfassbar wurde. Diese psychischen Vermittlungsprozesse sind f&#252;r die Frage nach widerst&#228;ndiger Subjektivit&#228;t besonders zentral. In der Psyche des/der Einzelnen werden nicht nur die gesellschaftlichen Tendenzen positiv oder negativ interpretiert, hier entstehen auch die jeweiligen Strategien der Subjekte. Diese k&#246;nnen auf Integration, aber auch auf Dissidenz ausgerichtet sein. Der Umgang mit &#220;berausbeutung, der Monotonie des Arbeitsalltags oder herrschaftlich formierten Normsetzungen ist stets auch durch die Interpretation der Subjekte bedingt. Ausgehend von diesen Ans&#228;tzen der Kritischen Theorie hat sich der „W&#228;rmestrom“ der deutschsprachigen Arbeitssoziologie &#252;ber die Analyse von Negt und Kluge (in ihrem ber&#252;hmt gewordenen Buch <em>Geschichte und Eigensinn</em>) bis hin zu den Theorien von Alex Demirovi&#196; weiterentwickelt. Im Zuge dieser Entwicklung sei allerdings auch das kritische Erbe von Adorno und Co sukzessive marginalisiert worden, bem&#228;ngelt Neumann.<br />
Trotz einer gemeinsamen Ausgangsfrage bezogen sich die franz&#246;sische und deutsche Debatte jeweils auf andere theoretische Ans&#228;tze zur Beantwortung eben dieser. F&#252;r die deutschsprachige Debatte sind laut Neumann die Arbeiten der Kritischen Theorie ma&#223;geblich gewesen. Adorno und Co eigneten sich die Marxschen Kategorien neu an und radikalisierten die Theorie von Weber und Freud. Der Bezug auf Freud stellte sich f&#252;r sie als besonders fruchtbar dar, da mit Hilfe seiner Theorie die Vermittlung von Normen in die Psyche der Menschen erfassbar wurde. Diese psychischen Vermittlungsprozesse sind f&#252;r die Frage nach widerst&#228;ndiger Subjektivit&#228;t besonders zentral. In der Psyche des/der Einzelnen werden nicht nur die gesellschaftlichen Tendenzen positiv oder negativ interpretiert, hier entstehen auch die jeweiligen Strategien der Subjekte. Diese k&#246;nnen auf Integration, aber auch auf Dissidenz ausgerichtet sein. Der Umgang mit &#220;berausbeutung, der Monotonie des Arbeitsalltags oder herrschaftlich formierten Normsetzungen ist stets auch durch die Interpretation der Subjekte bedingt. Ausgehend von diesen Ans&#228;tzen der Kritischen Theorie hat sich der „W&#228;rmestrom“ der deutschsprachigen Arbeitssoziologie &#252;ber die Analyse von Negt und Kluge (in ihrem ber&#252;hmt gewordenen Buch Geschichte und Eigensinn) bis hin zu den Theorien von Alex Demirovi&#196; weiterentwickelt. Im Zuge dieser Entwicklung sei allerdings auch das kritische Erbe von Adorno und Co sukzessive marginalisiert worden, bem&#228;ngelt Neumann.<br />
Die franz&#246;sische Arbeitssoziologie nahm einen &#228;hnlichen Weg, nur mit anderen theoretischen Grundlagen. Aufbauend auf den Analysen von Vincent Castoriadis und anderen wurde Weber von den Franz&#246;sInnen „gegen den Strich“ gelesen und f&#252;r radikale Theoriebildung operationalisiert. Sowohl Pierre Bourdieu, als auch Alain Touraine sowie Luc Boltanski und Éve Chiapello setzen bei ihren jeweiligen Forschungen an diesen Grundlagen an. Dass insbesondere der Bezug auf Weber nur bedingt sinnvoll ist, zeigt sich laut Neumann an der starken Fokussierung der franz&#246;sischen Arbeitssoziologie auf die Aus&#252;bung von Herrschaft. Die autonomen Widerstandspotentiale der Arbeitssubjekte werden demnach zu wenig beachtet. Neumann schlie&#223;t sein Buch mit &#220;berlegungen zu der Frage, welche Rolle kritische Arbeitssoziologie zu Zeiten der globalen Krise des Kapitalismus einnehmen kann und muss.<br />
Generell kann festgehalten werden, dass das Buch im breiten Feld der Arbeitssoziologie einen guten &#220;berblick &#252;ber, sowie eine wichtige Einf&#252;hrung in die zentralen Theorien bietet. &#220;berblickstexte dieser Art m&#252;ssen naturgem&#228;&#223; immer blinde Flecken zur&#252;cklassen. Der Versuch einer theoriebezogenen Kanonisierung ist sicherlich mit Skepsis aufzunehmen. Der Zusammenhang zwischen tats&#228;chlich stattfindenden Klassenk&#228;mpfen und theoretischen Ans&#228;tzen wird meiner Ansicht nach zu wenig hergestellt. F&#252;r viele der im Buch angef&#252;hrten TheoretikerInnen, waren die Erfahrungen in den Fabriken – nicht die Universit&#228;t – Ausgangspunkt ihrer theoretischen &#220;berlegungen. Besonders deutlich wird dieses Manko in Bezug auf Antonio Negri. Dieser wird beinahe ausnahmslos im Kontext der franz&#246;sischen Debatte verortet und damit sowohl praktisch als auch theoretisch von seinen Wurzeln im italienischen Operaismus abgetrennt. Der starke Bezug auf Deutschland und Frankreich klammert dar&#252;ber hinaus die mannigfaltigen Austauschprozesse zwischen anderen L&#228;ndern aus. So bleiben viele Verbindungen  von Castoriadis zu den holl&#228;ndischen R&#228;tekommunistInnen rund um Pannekoek und anderen der R&#228;tebewegung nahe stehenden AktivistInnen im Dunkeln.<br />
Trotzdem gibt das Buch einen guten Einblick in die unterschiedlichen theoretischen Traditionen der Kritischen Arbeitssoziologie. Besonders f&#252;r den &#246;sterreichischen Kontext ist es sehr wertvoll, da sich hiermit eine M&#246;glichkeit zur Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie er&#246;ffnet, die sich erfrischend von der g&#228;ngigen Debatte abhebt, welche in einem falschen Verst&#228;ndnis des Fetischbegriffs verhaftet zu sein scheint.</p>
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		<title>Macht ist Wissen – Bildung und Soziale Ungleichheit</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2007/12/07/macht-ist-wissen-bildung-und-soziale-ungleichheit/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 Dec 2007 06:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>stefan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 3]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Sylvia Kuba (Hg.): Im Klub der Auserw&#228;hlten. Soziale Selektion an der Universit&#228;t. Analysen und Strategien. Wien: L&#246;cker Verlag 2007. 15,50 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Sylvia Kuba (Hg.): Im Klub der Auserw&#228;hlten. Soziale Selektion an der Universit&#228;t. Analysen und Strategien. Wien: L&#246;cker Verlag 2007. 15,50 €</p>
<p><span id="more-19"></span>Der schrittweise Abbau des freien Hochschulzugangs in &#214;sterreich, durch die Einf&#252;hrung immer neuer Zugangsh&#252;rden, hat unter den Betroffenen anfangs noch zu massiven Protesten gef&#252;hrt. Aktuell scheint diese Emp&#246;rung zusehends dem Mainstream-Diskurs von Leistungsgesellschaft und (geistigen) Eliten zu weichen. Der k&#252;rzlich erschienene Sammelband <em>Im Klub der Auserw&#228;hlten</em>, herausgegeben von der VSST&#214;-Vorsitzenden Sylvia Kuba, versucht, dieser Entwicklung entgegen zu treten. Dabei stehen weniger aktuelle bildungspolitische Entwicklungen im Vordergrund, als eine Analyse der Rolle des Bildungssystems als soziales Sieb und Reproduktionswerkzeug bestehender gesellschaftlicher Hierarchien. Im Vorwort wird die Motivation dazu folgenderma&#223;en zusammengefasst: Eine Reaktion auf die Einf&#252;hrung von Zugangsbeschr&#228;nkungen, das Vorantreiben des wissenschaftlichen Diskurses abseits des tagespolitischen Geschehens und politsch-praktische Perspektiven aus den theoretischen Erkenntnissen abzuleiten. Rund um das Thema „Soziale Selektion an der Universit&#228;t – Analysen und Strategien“ versuchen sieben AutorInnen aus verschiedensten Perspektiven, empirisch und theoretisch, gesamtgesellschaftlich und problemspezifisch, diesem Anspruch gerecht zu werden.<br />
Zum Einstieg pr&#228;sentiert Stefan Vater einige erschreckende Statistiken zur Unterrepr&#228;sentiertheit von ArbeiterInnenkindern bzw. Personen aus so genannten „bildungsfernen Schichten“ an den Universit&#228;ten in &#214;sterreich. „In der &#246;sterreichischen Bev&#246;lkerung werden 17% dem sozialen Status der ArbeiterIn zugez&#228;hlt, von den Studierenden geben nur 4% den Beruf der Mutter und 7% den Beruf des Vaters als ArbeiterIn an.“ Au&#223;er dem Beruf der Eltern gelten noch deren h&#246;chste abgeschlossene Schulbildung und die damit verbundene „Bildungsaspiration“ als entscheidende Variablen. Wobei die „sch&#228;rfste Selektionsschnittstelle“ die Wahl des Schultyps nach der Volksschule ist, also der gesamte Bildungsweg eines Menschen bereits mit zehn Jahren seine entscheidende Weichenstellung erf&#228;hrt. Vater macht in seinen weiteren Ausf&#252;hrungen deutlich, dass dieser Umstand nicht auf ein Versagen des Bildungssystems zur&#252;ckzuf&#252;hren ist, sondern, dass Schule und Bildung als Elemente „ideologischer Staatsapparate“ (Althusser) verstanden werden m&#252;ssen. „Schule leistet die Integration in eine segmentierte Gesellschaft und die Unterordnung unter eine spezifische Disziplinarordnung des Wissens, der weitere Bildungsweg oder in den meisten F&#228;llen Arbeitsweg f&#252;hrt diese Unterordnung fort.“ Was wem wie gelehrt wird, ist demnach also ein Mittel, um gesellschaftliche Positionen festzulegen. Im neoliberalen Bildungsdiskurs wird dar&#252;ber hinaus ein sozial undurchl&#228;ssiges System ideologisch ausgeblendet und in pers&#246;nliche Probleme unbegabter oder wenig motivierter Individuen umgedeutet, deren soziale Herkunft damit scheinbar nichts zu tun hat.<br />
Auch Erich Ribolits besch&#228;ftigt sich in seinem Beitrag mit Bildungsdiskursen, aber nicht nur den offenkundig neoliberalen, sondern zentral mit der auch auf der liberalen Linken h&#228;ufig bem&#252;hten Forderung nach „Chancengleichheit“. Er streicht dabei heraus, dass Chancengleichheit Ungleichheit in der Gesellschaft voraussetzt und untersucht diesen Kontrast in der Geschichte der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie. Am Beispiel der „Arbeiterbildungsvereine“, die bereits auf das 19. Jahrhundert zur&#252;ckgehen, zeigt er, dass Bildung von sozialdemokratischer Seite her zun&#228;chst als „Grundlage f&#252;r den Kampf um eine klassenlose Gesellschaft“ konzipiert war, im Verlauf der Geschichte aber immer mehr zum Mittel sozialen Aufstiegs wurde und die Rede vom Aufstieg nicht mehr im Widerspruch zur sozialen Hierarchie steht. Daher auch der provokante Titel von Ribolits’ Artikel „Lernen statt revoltieren?“ und seine These, dass die Forderung nach Chancengleichheit beim Bildungszugang, ohne &#252;ber die Rolle b&#252;rgerlicher Bildungsinstitutionen zu reflektieren, der Forderung nach einer realen Ver&#228;nderung gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse im Wege steht.<br />
In den weiteren Artikeln dieses Buches werden eher spezifischere Problemlagen auf einer pragmatischeren Ebene analysiert. Martha Eckl beschreibt die Probleme berufst&#228;tiger Studierender und fordert die Universit&#228;ten auf, besser auf diese wachsende Gruppe von Universit&#228;tsangeh&#246;rigen einzugehen. Barbara Blaha und Lisa Schindler widmen sich Genderaspekten der Hochschulpolitik und zeigen auf, dass, wie viel sich auch in den praktischen M&#246;glichkeiten f&#252;r Frauen an den Universit&#228;ten im letzten Jahrhundert verbessert hat, hier immer noch viel in Punkto Frauenf&#246;rderung zu tun bleibt. In ihrer Kritik beziehen sie sich auf Bourdieus kulturelles und soziales Kapital und „die m&#228;nnliche Pr&#228;gung des akademischen Habitus“. Deshalb muss Frauenf&#246;rderung nicht nur auf die formale, sondern auf alle relevanten Ebenen in Schule und Universit&#228;t abzielen. Schlie&#223;lich gibt Torsten Bultmann einen Einblick in die hochschulpolitischen Debatten in Deutschland und stellt dabei das Recht auf Bildung einer Debatte um „Vermarktung und Vertrieb von Studienangeboten“ gegen&#252;ber. Elke Gruber stellt noch das Konzept beruflicher Weiterbildung und Lebenslangen Lernens als Weg zur Chancengleichheit in Frage.<br />
Insgesamt ist <em>Im Klub der Auserw&#228;hlten</em> eine interessante Ansammlung sehr unterschiedlicher Ausschnitte der Debatte um soziale Ungleichheit im Bildungssystem. W&#228;hrend die beiden ersten Artikel theoretisch sehr spannend sind und sich vor allem der Herausforderung stellen, Mainstream-Argumente zu hinterfragen, und wie im Vorwort formuliert „abseits des tagespolitischen Geschehens“ interessante Einblicke und Erkenntnisse zu formulieren, sind die folgenden spezifischeren Artikel interessant, weil sie den Blick auf praktische Problemfelder lenken, die f&#252;r die insgesamte Thematik relevant sind; allerdings bringen die pr&#228;sentierten Analysen und Perspektiven f&#252;r bildungspolitisch interessierte und  erfahrene LeserInnen nicht sehr viel Neues. Alles in allem ein spannendes und lesenswertes Sammelsurium, das weniger durch Vollst&#228;ndigkeit als durch Vielseitigkeit und politische Intention gl&#228;nzt.</p>
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		</item>
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		<title>Reclaim the Brain! &#8211; Zur Produktion von Humankapital in der EU</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/01/reclaim-the-brain-zur-produktion-von-humankapital-in-der-eu/</link>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 23:02:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 0]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Bildung als &#246;konomische Ressource r&#252;ckt immer weiter ins Zentrum der politischen Diskussion in Europa. <em>Maria Asenbaum</em> und <em>Barbara Brehmer</em> untersuchen aktuelle Tendenzen der Bildungspolitik innerhalb der Europ&#228;ischen Union und sto&#223;en dabei auf einen klassischen 2*5-Jahresplan: die Lissabon-Strategie.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Bildung als &#246;konomische Ressource r&#252;ckt immer weiter ins Zentrum der politischen Diskussion in Europa. <em>Maria Asenbaum</em> und <em>Barbara Brehmer</em> untersuchen aktuelle Tendenzen der Bildungspolitik innerhalb der Europ&#228;ischen Union und sto&#223;en dabei auf einen klassischen 2*5-Jahresplan: die Lissabon-Strategie.<br />
<span id="more-71"></span><br />
„…Auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs im M&#228;rz 2000 in Lissabon hat sich die EU ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Europa soll bis 2010 zum wettbewerbsf&#228;higsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt werden.“<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a><br />
Damit die Europ&#228;ische Union im internationalen Wettlauf um Profite bestehen kann, ist es f&#252;r sie einerseits wichtig bestehende Hindernisse zu beseitigen, z.B. durch „Wirtschaftsreformen f&#252;r einen vollendeten und einwandfrei funktionierenden Binnenmarkt“, andererseits sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern und weiter zu entwickeln, z. B. durch die „Schaffung eines europ&#228;ischen Raums f&#252;r Forschung und Entwicklung“. Die sogenannte „Lissabon-Strategie“ setzt einen allgemeinen Rahmen f&#252;r konkrete Reformen in den Staaten der Europ&#228;ischen Union. Im Einzelnen betreffen die Ziele der 2005 neu adaptierten Lissabon Strategie vor allem die folgenden Bereiche:<br />
- Investitionen in den Bereichen Forschung, Bildung und Innovation sollen besonders gef&#246;rdert werden.<br />
- Die Flexibilisierung der Arbeitsm&#228;rkte soll vorangetrieben werden. Die Sozialsysteme sollen mehr Anreize f&#252;r Besch&#228;ftigung bieten. <o></o><br />
- Die Dienstleistungsm&#228;rkte in Europa sollen weiter ge&#246;ffnet werden.<o></o><br />
- DieUnternehmen sollen von B&#252;rokratie entlastet werden.<br />
[...] <o></o><br />
Diese Strategie bezieht sich also nicht ausschlie&#223;lich auf den Bildungsbereich, sondern greift auch tief in arbeitsrechtliche und sozialrechtliche Fragen ein. Die Produktion von Humankapital, im Sinne gut ausgebildeter und sozial angepasster Arbeitskr&#228;fte steht aber ganz weit oben auf der Agenda. Es ist an der Zeit, das „intellektuelle Potential Europas“ zu mobilisieren, meinen die neoliberalen VordenkerInnen. Das hei&#223;t aber f&#252;r sie: Bildung zum Zweck wirtschaftlicher Verwertbarkeit zu optimieren, im Sinne eines Input-Output-Modells.<br />
Der folgende Artikel legt ein Hauptaugenmerk auf die Ver&#228;nderungen in der Bildungspolitik, sowohl auf ihre Strukturen und Institutionen, als auch auf das dahinter stehende Menschenbild. Exemplarisch wird hier meistens auf den Hochschulbereich eingegangen. Es ist aber wichtig zu verstehen, dass die Prinzipien der Umstrukturierung analog auch in anderen Institutionen zu beobachten sind und dass die Ver&#228;nderungen weit &#252;ber den formellen und informellen Bildungsbereich hinaus wirksam sind.<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a></p>
<h3>Die neuen Denkfabriken…</h3>
<p>In der heutigen Gesellschaft werden Universit&#228;ten als Schl&#252;sselinstitutionen der Wissensproduktion angesehen. Ihre allgemeinen Funktionen in diesem System bestehen in der Produktion von Wissen und Innovationen f&#252;r den wirtschaftlichen Fortschritt im Sinne der Profitmaximierung (Forschung), dem Weitergeben dieses Wissen und dieser Kompetenzen (Lehre) und nicht zuletzt einer allgemeinen Reproduktion der existierenden gesellschaftlichen Unterdr&#252;ckungsverh&#228;ltnisse, vermittelt durch Struktur und Inhalt der Lehre. So waren Universit&#228;ten auch bisher kein Ort freier Wissensvermitt-lung. Der aktuelle Diskurs fokussiert aber weitaus st&#228;rker auf Kapital und Konkurrenz als Ausgangspunkt und Ziel von Bildung. Wissen wird kommodifiziert und im Wettbewerb gegen Andere eingesetzt.<br />
Die Lissabon-Strategie, genauer gesagt das Programm zur „Allgemeinen und beruflichen Bildung 2010“<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a> ver&#228;ndert s&#228;mtliche Bildungsinstitutionen. Schulen, Universit&#228;ten und Einrichtungen f&#252;r die berufliche Bildung m&#252;ssen der Wirtschaft zug&#228;nglicher gemacht werden, in dem sie wie Konzerne gef&#252;hrt werden und deren Produkte erforschen bzw. entwickeln.</p>
<h3>„Autonomie“ ist das Um und Auf</h3>
<p>Jede Bildungsst&#228;tte soll regional, personell und finanziell unabh&#228;ngig sein und daran m&#252;ssen die Verwaltungsstrukturen angepasst werden. An den Schulen wurden 2005 die gesetzlichen &#196;nderungen zum Ausbau der Standortautonomie vorbereitet, heuer sollen diese Pl&#228;ne zum Gro&#223;teil umgesetzt werden. Das bedeutet, dass sich der Staat so weit wie m&#246;glich aus diesem Bildungsbereich zur&#252;ckzieht und dass jede Schule dann selbst entscheiden kann, wann („optimierte Nutzung der Schuljahreslernzeit“), wie lange (Unterrichtszeit) und was sie unterrichtet („Unterrichtsgarantie der Schulen“).</p>
<h3>Tough Management</h3>
<p>In vielen Strategie- und Diskussionspapieren wird an erster Stelle die altmodische und langsame Entscheidungsfin-dung der verschiedenen Bildungseinrichtungen bem&#228;ngelt. Stattdessen soll dort das sogenannte New Public Management Einzug finden und die Steuerung zentral gestaltet werden (wie Aufsichtsr&#228;te von Konzernen). An den Universit&#228;ten haben diese Verwaltungsanpassungen zu einem Demokratieabbau gef&#252;hrt.<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a> Es gibt nur noch einen zentralen Entscheidungstr&#228;ger („Diktatur des Rektorats“), alle anderen Interessensvertretungen nehmen den Stellenwert von beratenden Organen ein.<br />
An den Schulen wurde ein internes Qualit&#228;tsmanagement (Q.I.S) eingef&#252;hrt, dessen Schwerpunkte u.a. die St&#228;rkung der Entscheidungsverantwortung auf lokaler/institutioneller Ebene, die Evaluation der Wirksamkeit der neuen Ver&#228;nderungen und die &#220;berwachung der Dezentralisierung der Bildungsfinanzierung sind.</p>
<h3>Kreative Finanzierung</h3>
<p>Bildung muss „vielf&#228;ltig finanziert“ werden. Erkl&#228;rt wird das durch den steigenden Bedarf an Ressourcen und die h&#246;heren Anforderungen an den verschiedenen Bildungseinrichtungen, den die staatliche Hand nicht mehr decken kann. Hier bei&#223;t sich die Katze selbst in den Schwanz, denn wer stellt diese h&#246;heren Anforderungen? Deshalb ist es wichtig festzuhalten, dass die sogenannte Drittmittelfinanzierung eine h&#246;chst politische Strategie ist und nichts mit Pragmatismus zu tun hat. Bildung steht damit immer mehr im Dienste der Wirtschaft, andere Interessen werden ausgeblendet.<br />
Universit&#228;ten und Konzerne sollen zusammenwachsen: Die Hochschulen forschen f&#252;r die Unternehmen und werden daf&#252;r von ihnen finanziert. Dadurch wird aber die Unabh&#228;ngigkeit der Forschung und Lehre zerst&#246;rt.</p>
<h3>Verwertbare Inhalte</h3>
<p>Kurz gesagt: Gelehrt und erforscht wird das, was der Sponsor sich w&#252;nscht.<br />
„Profilbildung“5 und „Standortbereinigung“ sind da die wichtigsten Schlagworte: Jede Hochschule soll durch Spezialisierung auf einen bestimmten Forschungsbereich m&#246;gliche StudentInnen, Lehrende und die dazu passenden Unternehmen als finanzielle F&#246;rderer anziehen. Nat&#252;rlich m&#252;ssen deshalb die unrentablen Studienrichtungen abgeschafft werden. In dem Begriff der Profilbildung steckt auch noch ein anderer Aspekt: N&#228;mlich ein Menschenbild, in dem Studierende zu (zahlenden!) KundInnen degradiert werden, um die es auf einem freien Markt zu werben gilt.<br />
Auch der Bereich Schule wird in &#214;sterreich diesbez&#252;glich kr&#228;ftig erneuert und „verbessert“. Die Lehrpl&#228;ne der 5.-12.Schulstufe werden gestrafft und auf einen Kern- und einen Erweiterungsbereich („autonomer Gestaltungsraum“) aufgeteilt. Die Lehrzeit der unprofitablen F&#228;cher wird gek&#252;rzt.</p>
<h3>Exkurs “Centers of Excellence”<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a></h3>
<p>Ein Hauptziel der Lissabonstrategie ist es, sogenannte „Pole der Exzellenz“ zu schaffen. F&#252;r die kommenden 10 Jahre sind f&#252;r &#214;sterreich voraussichtlich 3 Exzellenzzentren im Bereich der Grundlagenforschung bzw. der experimentellen Entwicklung und 5-7 Eliteuniversit&#228;ten in der angewandten Forschung geplant. Seit Sommer 2005 liegt das Konzept f&#252;r ein „Austrian Institute of Advanced Science and Technology“ vor.<br />
In anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern wird auch eifrig an der Errichtung von Exzellenzzentren gearbeitet. Frankreich hat mit dem Zusammenschluss der beiden Hochschulen, der Wirtschaftuniversit&#228;t HEC Paris und der Ingenieurshochschule Ecole Polytechnique, zum Institute d’Economie et Finance gewaltig auf sich aufmerksam gemacht.<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> Durch die so gewonnen Ressourcen konnten schon international bekannte Manager als zuk&#252;nftige Lehrende abgeworben werden, z.B. von Shell. Die so reduzierte innerstaatliche Konkurrenz schafft zudem bessere Bedingungen im internationalen Wettbewerb zu bestehen. &#196;hnliche Ideen existieren auch f&#252;r &#214;sterreich: Ein weiteres Exzellenzzentrum, bestehend aus der heutigen Wirtschaftuniversit&#228;t und der Technischen Universit&#228;t, k&#246;nnte in Aspern stationiert werden.<br />
Zus&#228;tzlich hat ein anderer Wettlauf, n&#228;mlich der um internationale Au&#223;enstellen von Eliteuniversit&#228;ten, begonnen: So hat die Essec Business School in Paris k&#252;rzlich einen eigenen Campus in Singapur er&#246;ffnet. Neben der Internationalisierung wird auch die Spezialisierung der Exzellenzzentren (siehe Profilbildung) immer wichtiger: Die Essec Business School konzentriert sich z.B. vorrangig auf das Management von Luxusg&#252;tern.<br />
Das Problematische an dieser Entwicklung ist, dass durch die Schaffung von Exzellenzzentren, automatisch auch “zweitklassige” Hochschulen entstehen. An diesen werden sich die StudentInnen tummeln, die nicht mehr in die von den europ&#228;ischen Regierenden kalkulierten 0,6% an europ&#228;ische Elite hineinpassen.<br />
Nachdem Schulen durch die Lissabon-Strategie nun selber entscheiden k&#246;nnen, in welcher Ausf&#252;hrlichkeit sie bestimmte Inhalte vermitteln, wird es wahrscheinlicher, dass Eliteschulen besucht werden m&#252;ssen, um die Aufnahme auf ein terti&#228;res Exzellenzzentrum zu schaffen. Daher schafft die Bildung von Eliteuniversit&#228;ten nicht nur zweitklassige Hochschulen, sondern treibt auch die Spaltung der Gesellschaft voran – n&#228;mlich in den Teil der Gl&#252;ck hat, weil das Elternhaus die Ressourcen f&#252;r ein Studium zur Verf&#252;gung stellen kann und den Teil der eben Pech hat, weil er nicht diese Ausgangslage vorweisen kann.</p>
<h3>…und ihre Produkte</h3>
<p>Aber nicht nur Bildungseinrichtungen m&#252;ssen im Rahmen der Lissabonstrategie rund erneuert werden, auch der Mensch muss sich fit f&#252;r diese Ver&#228;nderung machen. Zusammengefasst wird dieser Prozess unter dem Schlagwort der „Schl&#252;sselkompetenzen“.<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a> Die europ&#228;ischen B&#252;rgerinnen und B&#252;rger sollen sich mit diesen Kompetenzen ausstatten, damit sie „den vielf&#228;ltigen Neuerungen mit konstruktiver Teilnahme und Innovationsgeist begegnen“ und u.a. auf die flexiblen Arbeitsmuster vorbereitet sind. Besitzt man diese Eigenschaften, gilt man als “besch&#228;ftigbar” und kann so selber seiner Arbeitslosigkeit vorbeugen. Hat man diese Kompetenzen aber nicht, wird von den ArbeitnehmerInnen zunehmend erwartet, dass sie sich au&#223;erhalb der Arbeitszeit und auf eigene Kosten privat weiterbilden, um “besch&#228;ftigbar” zu blei-ben. Der h&#228;ufig strapazierte Begriff des „Lebens-langen Lernens“ impliziert dabei, dass der/die ArbeitnehmerIn &#252;ber die gesamte Lebensspanne allein daf&#252;r verantwortlich ist, sich den Bed&#252;rfnissen des Marktes anzupassen. Wem daf&#252;r Zeit, Geld oder pers&#246;nliche Ressourcen fehlen, der/die bleibt auf der Strecke.<br />
Diese Entwicklung hat vor allem einen immensen Einfluss auf die Neukonzipierung der Schulbildung: Die zu den Kompetenzen passenden Schulf&#228;cher (wie im Bereich EDV und Fremdsprachen) werden verst&#228;rkt unterrichtet und gef&#246;rdert, indem den demnach unwichtigen F&#228;chern, wie Bildnerische Erziehung, die Ressourcen gek&#252;rzt werden.<br />
Andererseits sollen Fertigkeiten angeeignet werden, die &#252;ber das rein Fachliche hinausgehen. Unter interpersoneller Kompetenz wird z.B. Anpassungsf&#228;higkeit, „…Toleranz gegen&#252;ber Anderen und gegen&#252;ber Autorit&#228;t“ verstanden. Der Mensch wird als eine nicht-hinterfragende, aber kreativ und innovativ arbeitende Arbeitsbiene gesehen.<br />
&#220;ber das Festlegen der Kompetenzen hinaus ist die so genannte „Vereinheitlichung von Qualifikationen“ ein weiteres Kernst&#252;ck der Lissabonstrategie.</p>
<p class="MsoNormal">Vor allem in der terti&#228;ren Bildung w&#252;nschen sich die ArbeitgeberInnen mehr „Transparenz“. &#220;ber den so genannten Bologna-Prozess sollen Ausbildungen (und mehr soll an Universit&#228;ten im Bereich Lehre auch in Zukunft nicht angeboten werden) vereinheitlicht werden. Umgesetzt wird das Ganze derzeit &#252;ber die Umstellung von Diplomstudien in ein zweigliedriges Bakkalaureats- und Masterstudium. Hiermit wird eigentlich das Folgende bezweckt:<o></o></p>
<p>- Das Bakkalaureat als einfache, praxisnahe Ausbildung f&#252;r die arbeitswilligen Massen, mit anschlie&#223;endem Master, der dann allerdings den Eliten vorbehalten ist, die dann Forschung und Innovation vorantreiben. So werden Zugangsbeschr&#228;nkungen durch die Hintert&#252;r eingef&#252;hrt.<o></o><br />
- Verschulte, unflexible Studienpl&#228;ne, die jegliche Wahlfreiheit und individuelle Schwerpunktsetzung verhindern.<o></o><br />
- Die Vereinheitlichung von learning-outputs, gemessen an ECTS-Punkten.<o></o><br />
Hier steht nicht, wie so oft behauptet die erweiterten M&#246;glichkeiten f&#252;r Studierende international zu agieren im Vordergrund, sondern es soll UnternehmerInnen im gesamten europ&#228;ische Raum erm&#246;glicht werden, genau nachzuvollziehen, mit welchen Kompetenzen eine potentielle ArbeitnehmerIn ausgestattet ist.<br />
So sind bereits Projekte angelaufen, die das Ziel der Vereinheitlichung von Lebensl&#228;ufen verfolgen. Im sogenannten „EUROPASS“<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a> werden Referenzen &#252;ber Lebenslauf, Sprachkenntnisse, Auslandsaufenthalt und im Studium erworbenen Kompetenzen nach einheitlichem Schema abgetragen. Der Slogan „Was ich kann, steht im Europass.“ wirkt dabei gleichzeitig zynisch und be&#228;ngstigend. Aber hier bleibt das Projekt noch nicht stehen. Denn es werden in Zukunft nicht nur fachliche, sondern auch so genannte „informelle“ Kompetenzen genau durchleuchtet. Der „YOUTH PASS“<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a> soll Auskunft &#252;ber bisherige Aktivit&#228;t in Jugendgruppen oder im sozialen Bereich geben, nat&#252;rlich nur wenn diese in der richtigen Organisationen geleistet werden.</p>
<h3>Du bist Lissabon!</h3>
<p>Ein nicht unwesentlicher, aber bisher kaum erw&#228;hnter Aspekt, der auch essentiell f&#252;r die Umsetzung der Lissabon-Ziele erscheint, ist der ideologische. So wird z. B. im &#214;sterreichischen Fortschrittsbericht 2005 immer wieder auf die Wichtigkeit der Zustimmung und aktiven Beteiligung der Bev&#246;lkerung an der Umsetzung der Lissabon-Ziele hingewie-sen „…Dar&#252;ber hinaus muss versucht werden, die Koordinierungs- und Reformprozesse vom reinen ExpertInnenlevel zu l&#246;sen und eine breitere &#214;ffentlichkeit f&#252;r die Umsetzung der Europ&#228;ischen Ziele zu gewinnen.“<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a> Schlagworte wie B&#252;rgerInnenn&#228;he und Partizipation erhalten einen zentralen Stellenwert. In die ideologische Ausrichtung werden offenbar viele Ressourcen gesteckt, wie uns diverse Medienkampagnen („Was hat uns die EU eigentlich gebracht?“ u. a.) zeigen. Zur Erreichung ihrer Ziele brauchen die Herrschenden, diesmal mehr denn je die freiwillige Unterwerfung der Betroffenen. Die neuen Denkfiguren von Unternehmertum und Konkurrenzlogik m&#252;ssen sich als hegemonial<a href="#anm12" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a> etablieren.<br />
Am Beispiel der Umstrukturierung von Universit&#228;ten soll dies n&#228;her erl&#228;utert werden. Hier wird in diversen Strategiepapieren immer wieder die Wichtigkeit der Verbreitung „unternehmerischen Geistes“ unter den Universit&#228;tsangeh&#246;rigen betont. So schrieb z. B. der neoliberale Vordenker Burton Clark 1998: “Unternehmerische Universit&#228;ten entwickeln, genau wie Firmen, eine Kultur, die sich f&#252;r Ver&#228;nderung begeistert. Diese neue Kultur beginnt mit einer einfachen, institutionellen Idee &#252;ber die Ver&#228;nderung, die sich sp&#228;ter zu einem elaborierten Glaubensset entwickelt, das &#252;ber das akademische Kernland zu einer universit&#228;tsweiten Kultur verbreitet wird…“<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a> Hier wird also offensichtlich nicht nur an der Akzeptanz von Reformen gearbeitet, sondern die Betroffenen selbst sollen zu AkteurInnen im Verbreiten eines &#252;berm&#228;chtig erscheinenden Konsens werden. Das hat teilweise pragmatische Gr&#252;nde. Wissenschaftlicher Fortschritt, auch im Sinne der Profitmaximierung, kann nicht nur &#252;ber undemokratische Entschei-dungen realisiert werden. Forschen k&#246;nnen schlie&#223;lich nicht die RektorInnen allein. So wird versucht, &#252;ber die Lehrenden, das akademische „heartland“, eine neue Ideologie zu propagieren, die bis zu den Studierenden hin, alle gl&#252;cklich machen soll, weil sie sich mit ihrem Institut und dessen Philosophie identifizieren. Dieser zweite Aspekt geht &#252;ber praktische Aspekte hinaus. Der unternehmerische Geist soll das Image einer fortschrittlichen, zukunftsweisenden Denkart bekommen. „Alles andere ist Steinzeit“ oder so &#228;hnlich. Gerade im Hochschulbereich, in dem die zuk&#252;nftigen Eliten herangez&#252;chtet werden sollen, muss die richtige Attit&#252;de vermittelt werden. Dies geschieht &#252;ber Lehrinhalte, elit&#228;ren Habitus an den Universit&#228;ten und &#252;ber verbreitete Praktiken im Umgang miteinander und mit der Wissenschaft. Denn wie Clark weiter richtig schreibt: „…starke Kulturen basieren auf starken Praktiken.“<br />
Die Ideologie des unaufhaltsamen Fortschritts, bei dem zwar nicht alle gewinnen, aber jede/r selbst dran schuld ist wenn er oder sie auf der VerliererInnenseite steht, muss l&#252;ckenlos sein. Risse oder Br&#252;che in dem ideologischen Konzept k&#246;nnen den Raum er&#246;ffnen f&#252;r kritisches Denken und alternative Ans&#228;tze. Das kann wiederum die gesamte Strategie ins Wanken bringen. Schlie&#223;lich steckt im Wort Humankapital immer noch dieser menschliche Unsicherheitsfaktor. So &#252;berm&#228;chtig diese Strategie auch erscheint, es sind die Menschen an denen alles scheitern k&#246;nnte.<o></o></p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> http://europa.eu.int/comm/education/policies/2010/et_2010_de.html<o></o><br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> Z. B. mit den &#196;nderungen im Bereich „Schule“ ist auch ein neues LehrerInnendienstrecht verbunden, das u.a. eine „Neuverteilung des aktiven Lebenseinkommens“ und leistungsbezogene Abgeltungen vor sieht.<o></o><br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> „Allgemeine und berufliche Bildung 2010” integriert alle Aktionen im Bildungsbereich auf europ&#228;ischer Ebene, einschlie&#223;lich der beruflichen Bildung (Kopenhagen-Prozess). Auch der Bologna-Prozess, der 1999 initiiert wurde, ist zu erw&#228;hnen. Er spielt eine wichtige Rolle f&#252;r die Entwicklung eines europ&#228;ischen Hochschulraumes. Beide Prozesse tragen aktiv dazu bei, die Lissabon-Ziele zu erreichen und sind deshalb eng mit dem Programm ‚Allgemeine und berufliche Bildung 2010” verkn&#252;pft worden.<o></o><br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a> An der Uni Wien umgesetzt mit dem Organisationsplan 2003 und dem Hochsch&#252;lerInnenschaftsgesetzt (HSG) 2004 <o></o><br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a> Nachzulesen im UG 02:<span>  </span>„Konzept zur Abstimmung von Profilentwicklung und strategischen Zielen …: hier werden die l&#228;ngerfristige Verteilung und der Ausbau universit&#228;tsspezifischer Ressourcen beschrieben, die zur geplanten Profilbildung und zur Zielerreichung beitragen sollen.“<o></o><br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a> Umsetzung des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“, Br&#252;ssel Dezember, 2005<o></o><br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a>„Die Konkurrenz wird europ&#228;isch“,<span>  </span>Handelsblatt vom 3/4/5. M&#228;rz 2006 <o></o><br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a> Die &#246;sterreichische EU-Ratspr&#228;sidentschaft 2006. „Schwerpunkte der &#246;sterreichischen Pr&#228;sidentschaft im Bereich Bildung“<o></o><br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a> http://www.europass-info.at/<o></o><br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a> www.salto-youth.net/youthpass/<o></o><br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a> Umsetzung des Arbeitsprogramms „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“, Br&#252;ssel Dezember, 2005<o></o><br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a> Vgl. den Artikel zu Gramsci in dieser Zeitschrift<o></o><br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a> Clark, B. R. Creating Entrepreneurial Universities: Organizational Pathways of Transformation. IAU Press, 1998<o></o><br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a> http://www.labournet.de/diskussion/arbeitsalltag/bildung/sudeduc.html<o></o></p>
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