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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Ungleichheit</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Feminismus weiterdenken</title>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2008 10:39:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 5]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ungleichheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Klinger, Cornelia/ Knapp, Gudrun-Axeli/ Sauer, Birgit (Hg.): Achsen der Ungleichheit. Zum  Verh&#228;ltnis von Klasse, Geschlecht und Ethnizit&#228;t, Frankfurt/ New York: Campus Verlag, 30,80 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Klinger, Cornelia/ Knapp, Gudrun-Axeli/ Sauer, Birgit (Hg.): Achsen der Ungleichheit. Zum  Verh&#228;ltnis von Klasse, Geschlecht und Ethnizit&#228;t, Frankfurt/ New York: Campus Verlag, 30,80 €<br />
<span id="more-109"></span><br />
Intersektionalit&#228;t ist ein politisches Produkt des Feminismus, ein notwendiges und zugleich logisches. Seinen Lauf nahm alles mit der Kritik der anderen Frauen, die sich in den USA der sp&#228;ten 1970er und fr&#252;hen 1980er Jahre lautstark zu Wort meldeten. Es war dies die Kritik der <em>women of color</em> und der lesbischen Feministinnen, die aufzeigten, dass der etablierte Feminismus zuallererst ein Feminismus von und f&#252;r wei&#223;e, heterosexuelle und b&#252;rgerliche Frauen war. Es war dies somit auch die Kritik von Frauen, die beispielsweise nicht erst gegen die gesellschaftliche Positionierung von Frauen in der Sph&#228;re der h&#228;uslichen Reproduktionsarbeit k&#228;mpfen mussten, da sie schon immer gezwungen waren, einem Lohnarbeitsverh&#228;ltnis nachzugehen um das Familieneinkommen zu unterst&#252;tzen.<br />
Der Fokus richtete sich in Konsequenz auf Differenzen unter Frauen und f&#252;hrte einerseits dazu, dass das einheitliche Subjekt Frau, auf das sich der Feminismus bis dahin vorbehaltlos st&#252;tzen konnte, verloren war. Andererseits jedoch hatte dies auch eine wichtige Einsicht zur folge: Unterdr&#252;ckung und Marginalisierung verl&#228;uft nicht nur entlang von Geschlecht, sondern entlang mehrerer Kategorien. Genau diesem ‚Umstand’ gab Kimberlé Crenshaw 1988 den Namen ‚Intersektionalit&#228;t’.<br />
Die im Anschluss daran entstandene Forschung hat es sich zum Ziel gesetzt, der Gleichzeitigkeit und dem Zusammenwirken aber auch den Interferenzen und &#220;berschneidungen verschiedener Machtverh&#228;ltnisse nachzugehen, ohne dabei die je spezifische Verfasstheit der einzelnen Kategorien aus dem Blick zu verlieren. Obwohl sich Intersektionalit&#228;t als Paradigma feministischer Forschung und Gesellschaftsanalyse in den USA bereits etablieren konnte, kann hiervon im deutschsprachigen Raum nicht die Rede sein.<br />
Diesem Umstand m&#246;chten Cornelia Klinger, Gudrun-Axeli Knapp, und Birgit Sauer mit dem Band Achsen der Ungleichheit. Zum Verh&#228;ltnis von Klasse, Geschlecht und Ethnizit&#228;t entgegen kommen. Er ging aus einem Workshop hervor, zu dem die Herausgeberinnen 2005 geladen hatten.<br />
Als Referenzpunkt f&#252;r die Beitr&#228;ge dient der erste Text von Cornelia Klinger und Gudrun-Axeli Knapp. In ihm skizzieren die Autorinnen ihr Vorhaben, eine integrierte und gesellschaftstheoretisch fundierte Analyse zentraler Ungleichheitskategorien zu schaffen, die sowohl die Zusammenh&#228;nge als auch die je eigene Qualit&#228;t von ‚Geschlecht, Ethnizit&#228;t und Klasse’ aufzeigt und diese dezidiert als Strukturgeber moderner Gesellschaften auffasst. Zentral erscheint ihnen dabei einerseits eine umfassende ‚Rehabilitierung’ der Kategorie ‚Klasse’ als gesellschaftliche Strukturkategorie und damit auch eine Abkehr von Ans&#228;tzen, die von einer ‚Pluralisierung von Lebenslagen’ ausgehen und damit Gefahr laufen, Klasse, Geschlecht oder Ethnizit&#228;t als ‚blo&#223;e’ Identit&#228;tskategorien zu fassen. Andererseits streichen sie heraus, dass die gesellschaftstheoretische Einbettung der Intersektionalit&#228;tsforschung im Sinne der Kritischen Theorie explizit normativ als auch selbstreflexiv passieren soll. Brigitte Aulenbacher beleuchtet in ihrem Beitrag, wie die benannten Strukturkategorien in die gesellschaftlichen Transformierungsprozesse der letzten Jahrzehnte eingelassen sind. Angesichts rassistischer Realit&#228;ten muss man zwar mit ihrer Diagnose der „historisch &#252;berkommenen Zuweisungen nach Ethnie“ nicht &#252;bereinstimmen. Dennoch kann Aulenbacher &#252;berzeugend die blinden Flecken aktueller Gesellschaftsanalysen herausarbeiten, die den Fokus zu sehr auf die Erosion des Normalarbeitsverh&#228;ltnisses legen, das auch immer implizit auf den m&#228;nnlichen Lebenszusammenhang abgestimmt war.<br />
In eine &#228;hnliche Richtung geht auch der Beitrag von Hans-J&#252;rgen Bieling, der mit einem neo-gramscianisch erweiterten Regulationsansatz zun&#228;chst die zunehmende, jedoch auch ungleichf&#246;rmige Versch&#228;rfung sozialer Disparit&#228;ten im Zuge der gesellschaftlichen Umbr&#252;che der letzten Jahrzehnte skizziert. Klasse, Geschlecht und Ethnie konzeptualisiert er dabei als „analytische Relationalit&#228;tskategorien“, die sich auf zentrale Strukturdeterminanten sozialer Kollektive beziehen. Durch diese akteursbezogene Perspektive gelingt zwar eine treffende historische Kontextualisierung von sozialen K&#228;mpfen, l&#228;uft jedoch im Hinblick auf eine intersektionelle Analyse Gefahr, zu identit&#228;tspolitisch zu argumentieren, wie beispielsweise die verk&#252;rzte Konzeptualisierung von Ethnie als „Referenzpunkt f&#252;r eine imaginierte Gemeinschaft“ (S. 108) zeigt, die die strukturellen Ausgrenzungsmechanismen entlang von Ethnizit&#228;t ausblendet.<br />
Auch Lars Kohlmorgen n&#228;hert sich dem Vorhaben einer integrierten Analyse des Klassen- und Geschlechterverh&#228;ltnisses &#252;ber die Regulationstheorie, die er um das Habitus-Konzept von Bourdieu erweitert. Dabei geht er davon aus, dass das Akkumulationsregime und die entsprechende Regulationsweise ein „Kapital-Lohnarbeits-Hausarbeitsverh&#228;ltnis“ bewirken, welches wiederum einen „Klassen-Geschlechts-Habitus“ erzeugt und dadurch auf ersteres zur&#252;ckwirkt. Das hier skizzierte makrotheoretische Konzept l&#228;sst jedoch, so auch der Autor, einige Punkte bez&#252;glich der Herausbildung von Subjektivit&#228;t, bzw. der Integration weiterer Kategorien nur angedeutet.<br />
Im Gegensatz zu den meisten anderen Beitr&#228;gen unterscheidet Regina Becker-Schmidt in ihrer Herangehensweise neben Geschlecht und Klasse auch noch explizit zwischen ‚Ethnizit&#228;t’ und ‚Rasse’, wobei ersteres auf Ausschie&#223;ungspraxen im nationalstaatlichen Rahmen abzielt und letzteres direkt auf biologistisch-rassistische Diskurse in der Tradition des Kolonialismus rekurriert. Nimmt man die Vorgaben der Intersektionalit&#228;tsforschung ernst, so sind dabei zwei Punkte von zentraler Bedeutung: zum ersten muss der sozialhistorische Kontext der Entstehung und Entwicklung der jeweiligen Ungleichheitslagen beachtet werden; zum zweiten erfordert dies eine integrierte Analyse sowohl der Ebene der sozialen Interaktion, als auch der Ebene der sozialen Positionierung von gesellschaftlichen Gruppen. Aufgrund dieses Umfanges l&#228;sst sich – so die Autorin – Intersektionalit&#228;tsforschung nur arbeitsteilig bew&#228;ltigen.<br />
Mechthild Bereswill z&#228;umt dagegen das Pferd von hinten auf, indem sie sich der Fragen nach den Interferenzen sozialer Strukturkategorien im Kontext der M&#228;nnlichkeitsforschung, genauer &#252;ber das Konzept der „hegemonialen M&#228;nnlichkeit“, n&#228;hert. Anstatt von einem dichotomen Geschlechterverh&#228;ltnis auszugehen, wird hier anhand einer Studie &#252;ber junge, „randst&#228;ndige“, inhaftierte M&#228;nner nachgezeichnet, wie verschiedene Konzepte von M&#228;nnlichkeit gerade durch die &#220;berlagerung von rassistischen und sozialen Machtverh&#228;ltnissen entweder hegemonial oder marginalisiert werden.<br />
&#196;hnlich, f&#252;r diesen Bereich jedoch fast exotisch, geht auch Wolfgang Gabbert vor, wenn er in seinem Beitrag aus einer sozialanthropologisch-komparativen Perspektive nachzeichnet, dass Kategorien wie Ethnizit&#228;t, Klasse, Geschlecht oder aber auch Generation ihre strukturierende Bedeutung erst in bestimmten historischen und kulturellen Kontexten erlangen. Am Beispiel der Endogamie, d.h. der Norm, nach der Eheschlie&#223;ungen nur innerhalb der eigenen sozialen Gruppe zul&#228;ssig sind, stellt er dar, wie diese Kategorien bis in das letzte Jahrhundert noch synonym verwendet wurden und sich die heute gel&#228;ufigen Konzeptionen erst parallel mit den modernen Nationalstaaten herausbildeten.<br />
Ein weiteres Beispiel f&#252;r einen historischen Zugang zum Thema der Intersektionalit&#228;t bietet der Beitrag von Sybille K&#252;ster. Anhand der Kategorien von Ethnizit&#228;t, Nationalit&#228;t und „Rasse“ zeichnet sie die Herausbildung und Kodifizierung der Staatsangeh&#246;rigkeit in Deutschland im Kontext der Entstehung moderner Staatlichkeit und der „Ethnisierung von Fremdheit“ nach. Christoph G&#246;rg argumentiert anhand des Beispiels des Millenium Ecosystem Assessments, dass soziale Ungleichheiten nicht getrennt von gesellschaftlichen Naturverh&#228;ltnissen betrachtet werden k&#246;nnen, sondern aufs engste miteinander verwoben sind. Somit reproduzieren sich soziale Konflikte auch in der Definition von (Umwelt-) Problemen und (internationalen) Verhandlungs- und Entscheidungsstrukturen. Klasse, Gender oder Ethnizit&#228;t spielen also auch hierbei eine zentrale Rolle, bekommen jedoch im Kontext der Naturverh&#228;ltnisse eine neue Ausrichtung.<br />
Auf einen h&#246;chst umstrittenen Begriff, n&#228;mlich den Begriff der „&#220;berfl&#252;ssigen“, der in letzter Zeit vor allem im Zusammenhang mit den Unruhen in den franz&#246;sischen Banlieus Furore gemacht hat, besch&#228;ftigen sich gleich zwei Beitr&#228;ge in diesem Band. Markus Schroer verwendet ihn in seinem Konzept, um die Existenz von Gruppen zu beschreiben, die nicht mehr ‚nur’ materiell benachteiligt sind, sondern aufgrund mehrdimensionaler Faktoren &#252;berhaupt fast vollst&#228;ndig von jeglicher Form gesellschaftlicher Partizipation ausgeschlossen sind. Damit in Verbindung setzt er das Konzept von „Aufmerksamkeit“, das in der ‚globalen Mediengesellschaft’ zunehmend zur knappen und damit umk&#228;mpften Ressource wird. Die Annahme, dass sich soziale K&#228;mpfe alleinig um Aufmerksamkeit als Selbstzweck drehen, erscheint jedoch im Hinblick auf die Lebensrealit&#228;ten von Subalternen etwas zynisch. Auch Sabine Hark kritisiert diesen Begriff auf heftigste, wenn sie ihn als eine Form symbolischer Delegitimierung bezeichnet, die der Festschreibung und Passivierung dieser Gruppen noch zus&#228;tzlich Vorschub leistet. Dem gegen&#252;ber sei es die Aufgabe der Soziologie (und man m&#246;chte hinzuf&#252;gen: der Sozialwissenschaften generell), gerade die Prozesse und Strukturen, und damit die Machtverh&#228;ltnisse, die diesescheinbare Exklusion zur Folge haben, zu beleuchten.<br />
Shalini Randeria vergleicht in ihrem Beitrag die Bev&#246;lkerungspolitiken in China und Indien und stellt damit eine angenehme Ausnahme zu den sonst eher auf Europa fixierten Beitr&#228;gen in diesem Band dar. Auch wenn sie damit auf den ersten Blick die Intentionen<br />
der Herausgeberinnen etwas verfehlt, bietet sie nicht nur einen interessanten und h&#246;chst informativen Einblick in diese Thematik, sondern kann auch – wenn auch nur implizit – aufzeigen, wie sich staatliche Ma&#223;nahmen bezogen auf die Geburtenkontrolle mit den<br />
Kategorien von Geschlecht und sozialer Klassenlage &#252;berschneiden und f&#252;r die Betroffenen h&#246;chst unterschiedlich auswirken.<br />
Einer der &#252;berzeugendsten und kreativsten Beitr&#228;ge in diesem Band kommt von Helma Lutz, die sich in ihrer Forschung auf migrantische Arbeit in Haushalten konzentriert. Auf<br />
Basis einer kurzen Einf&#252;hrung in das Thema, die mit ersch&#252;tternden Daten und Fakten die enormen Dimensionen darlegt, die dieses Ph&#228;nomen in den letzten Jahrzehnten erreicht hat, skizziert sie, wie auf diesem Feld eine intersektionelle Analyse aussehen k&#246;nnte.</p>
<p>Dabei ber&#252;cksichtigt sie sowohl die Akteursebene in der Interaktion von ‚Doing Gender’ und ‚Doing Ethnicity’, als auch den hierbei relevanten institutionellen Rahmen der Interferenz von Wohlfahts-, Geschlechter- und Migrationsregimen. Aus der Perspektive der Lebenslaufforschung n&#228;hert sich wiederum Helga Kr&#252;ger der Interferenz von Geschlecht und Klasse. Dabei legt sie dar, wie das geschlechterbezogene und soziale Ungleichheitsverh&#228;ltnis in den deutschsprachigen L&#228;ndern in Form des Ern&#228;hrermodells<br />
institutionalisiert ist, d.h. im Ensemble wohlfahrtsstaatlicher Leistungen, die explizit auf die Kleinfamilie mit m&#228;nnlichem, vollerwerbst&#228;tigem Ern&#228;hrer abgestimmt sind.<br />
So treffend die Argumentation der Autorin hier ist, umso entt&#228;uschender wirkt jedoch ihr Fazit, dass diese Konstellationen aufgrund neuer Lebensstile zunehmend „dysfunktional“ erscheinen und „der Staat [...] neue Formen der Moderierung“ von Erwerbsarbeit<br />
und Familienbelangen (S. 189) &#252;bernehmen wird m&#252;ssen; richtet sich hier doch die Frage nicht nach der Dysfunkscheinbare Exklusion zur Folge haben, zu beleuchten. Shalini Randeria vergleicht in ihrem Beitrag die Bev&#246;lkerungspolitiken in China und Indien und stellt damit eine angenehme Ausnahme zu den sonst eher auf Europa fixierten Beitr&#228;gen in diesem Band dar. Auch wenn sie damit auf den ersten Blick die Intentionen der Herausgeberinnen etwas verfehlt, bietet sie nicht nur einen interessanten und h&#246;chst informativen Einblick in diese Thematik, sondern kann auch – wenn auch nur implizit – aufzeigen, wie sich staatliche Ma&#223;nahmen bezogen auf die Geburtenkontrolle mit den Kategorien von Geschlecht und sozialer Klassenlage &#252;berschneiden und f&#252;r die Betroffenen h&#246;chst unterschiedlich auswirken.<br />
Einer der &#252;berzeugendsten und kreativsten Beitr&#228;ge in diesem Band kommt von Helma Lutz, die sich in ihrer Forschung auf migrantische Arbeit in Haushalten konzentriert. Auf Basis einer kurzen Einf&#252;hrung in das Thema, die mit ersch&#252;tternden Daten und Fakten die enormen Dimensionen darlegt, die dieses Ph&#228;nomen in den letzten Jahrzehnten erreicht hat, skizziert sie, wie auf diesem Feld eine intersektionelle Analyse aussehen k&#246;nnte. Dabei ber&#252;cksichtigt sie sowohl die Akteursebene in der Interaktion von ‚Doing Gender’ und ‚Doing Ethnicity’, als auch den hierbei relevanten institutionellen Rahmen der Interferenz von Wohlfahts-, Geschlechter- und Migrationsregimen.<br />
Aus der Perspektive der Lebenslaufforschung n&#228;hert sich wiederum Helga Kr&#252;ger der Interferenz von Geschlecht und Klasse. Dabei legt sie dar, wie das geschlechterbezogene und soziale Ungleichheitsverh&#228;ltnis in den deutschsprachigen L&#228;ndern in Form des Ern&#228;hrermodells institutionalisiert ist, d.h. im Ensemble wohlfahrtsstaatlicher Leistungen, die explizit auf die Kleinfamilie mit m&#228;nnlichem, vollerwerbst&#228;tigem Ern&#228;hrer abgestimmt sind. So treffend die Argumentation der Autorin hier ist, umso entt&#228;uschender wirkt jedoch ihr Fazit, dass diese Konstellationen aufgrund neuer Lebensstile zunehmend „dysfunktional“ erscheinen und „der Staat [...] neue Formen der Moderierung“ von Erwerbsarbeit und Familienbelangen (S. 189) &#252;bernehmen wird m&#252;ssen; richtet sich hier doch die Frage nicht nach der Dysfunktionalit&#228;t, sondern im Gegenteil gerade nach der Funktionalit&#228;t von geschlechterbasierter Ungleichheit in modernen Gesellschaften.<br />
Thomas Schwinn geht dagegen in seinem Text davon aus, dass Differenzen bez&#252;glich Klasse, Ethnie und Geschlecht nicht per se die Ursache von Diskriminierung sind, sondern sich erst aus den unterschiedlichen Zugangsm&#246;glichkeiten zu institutionellen Ressourcen (hier: Familie, Bildung und Arbeit) ergeben. Diese resultieren wiederum aus der individuellen Sozialisation in der Familie, in der sowohl materielle als auch kulturelle Ressourcen ‚vererbt’ werden. Um die Wechselwirkungen zwischen den sozialen Ungleichheitsformen n&#228;her zu beleuchten, schl&#228;gt er das Bourdieusche Kapitalmodell vor. Mit diesem k&#246;nnten sodann empirisch fassbare Beispiele einer „kompensierenden Strukturierung“ (inl&#228;ndischer Obdachloser f&#252;hlt sich ausl&#228;ndischem Spender &#252;berlegen) und einer „kumulativen Strukturierung“ („ethisch-kulturelle Abgrenzungsreaktionen“ durch „extreme Klassenunterprivilegierung“) theoretisiert werden. Abgesehen davon, dass diese Herangehensweise zu einer essentialistischen Konzeptualisierung von Ungleichheitskategorien neigt, bleibt jedoch die Frage, ob man der Thematik der Intersektionalit&#228;t mit sozialpsychologischen Erkl&#228;rungsmodellen gerecht wird.<br />
Res&#252;mierend kann hier festgehalten werden, dass dieser Band keine fertigen Antworten auf die Frage gibt, wie eine intersektionelle Analyse von Macht und Herrschaftsverh&#228;ltnissen aussehen k&#246;nnte. Dies mag zum einen Teil an den divergierenden und z. T. widerspr&#252;chlichen theoretischen Herangehensweisen an die zentralen Begriffe der Intersektionalit&#228;tsforschung liegen. Zum anderen ist dies sicher auch der, sich durch einige Beitr&#228;ge ziehenden, Untertheoretisierung des Klassenbegriffes zuzurechnen, die jedoch nur als logische Konsequenz der Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Disziplinen der letzten Jahrzehnte zu sehen ist. Einen guten &#220;berblick &#252;ber die analytische Konzeptualisierung von sozialer Ungleichheit aus der Perspektive diverser sozial- und geisteswissenschaftlicher Disziplinen bietet dieser Band jedoch allemal.</p>
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