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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Spanien</title>
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		<title>K&#228;mpfe im Plastikmeer</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Dec 2007 08:30:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>stefan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 3]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskämpfe]]></category>
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		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Prekarisierung]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Zust&#228;nde im „Plastikmeer von Almería“, wo ein gro&#223;er Anteil an Treibhausgem&#252;se f&#252;r den europ&#228;ischen Verbrauch – vor allem im Winter – produziert wird, sind mittlerweile weithin bekannt. Almería ist gleichsam zum Symbol f&#252;r die Ausbeutung in der industriellen Landwirtschaft geworden. <em>Benjamin Opratko</em> sprach mit <em>Lisa Bolyos</em> und <em>Dieter Behr</em>, die in der Solidarit&#228;tskampagne mit der andalusischen LandarbeiterInnengewerkschaft SOC aktiv sind.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Zust&#228;nde im „Plastikmeer von Almería“, wo ein gro&#223;er Anteil an Treibhausgem&#252;se f&#252;r den europ&#228;ischen Verbrauch – vor allem im Winter – produziert wird, sind mittlerweile weithin bekannt. Almería ist gleichsam zum Symbol f&#252;r die Ausbeutung in der industriellen Landwirtschaft geworden. <em>Benjamin Opratko</em> sprach mit <em>Lisa Bolyos</em> und <em>Dieter Behr</em>, die in der Solidarit&#228;tskampagne mit der andalusischen LandarbeiterInnengewerkschaft SOC aktiv sind.</p>
<p><span id="more-15"></span></p>
<p>Nach den brutalen rassistischen Ausschreitungen in der Kleinstadt El Ejido im Februar 2000 wurde das Europ&#228;ische B&#252;rgerInnenforum (EBF)/Longo Maï auf die Zusammenh&#228;nge aufmerksam, die zwischen industrialisierter Agrarproduktion, (Arbeits-)Migration und rassistischen Politiken bestehen. Langj&#228;hrige Kontakte zur andalusischen LandarbeiterInnengewerkschaft SOC (Sindicato de Obrer@s del Campo) haben sich seither in einer gemeinsamen Solidarit&#228;tskampagne verfestigt. Die SOC wurde im Februar 2000 in der Region Almería aktiv, es bildete sich eine erste migrantische Gewerkschaftsgruppe. Gemeinsam mit den Feministinnen der Mujeres Progresistas, deren Arbeit jedoch nur kurze Zeit sp&#228;ter durch rassistisches und sexistisches Mobbing in der Stadt verunm&#246;glicht wurde, bildete die SOC Almería eine aktivistische Front gegen den institutionalisierten rassistischen Konsens. Das Ziel der SOC Almería ist die Organisation der ArbeiterInnen in den Treibh&#228;usern im Kampf gegen Ausbeutung und Illegalisierung. Zus&#228;tzlich will die Solidarit&#228;tskampagne eine breite &#214;ffentlichkeit informieren und dar&#252;ber hinaus motivieren, aktiv zu werden.<br />
Seit dem Jahr 2004 ist der Aufbau sozialer Zentren ein Arbeitsschwerpunkt der SOC Almería und so auch der internationalen Kampagne. Diese Lokale sollen den MigrantInnen Infrastruktur, Beratungsstelle, Treffpunkte und Versammlungsorte sein. Angesichts der rund einhunderttausend ArbeiterInnen im „mar del plastico“, einer Gesamtfl&#228;che von etwa 35.000 ha, in der 16.000 Betriebe wirtschaften, eine gewaltige Herausforderung, die Schritt f&#252;r Schritt in Angriff genommen wird. Im Jahr 2005 wurde ein erstes Zentrum in El Ejido er&#246;ffnet. Das Lokal wurde durch die Solidarit&#228;tskampagne des EBF mit Hilfe zahlreicher Organisationen und privaten Spenden finanziert und tr&#228;gt sich mittlerweile durch die Gewerkschaftsbeitr&#228;ge weitgehend selbst. Im Fr&#252;hjahr 2007 wurde nun das zweite soziale Zentrum in San Isidro im Campo de Níjar er&#246;ffnet. Zu diesem Anlass fand eine mehrt&#228;gige Konferenz statt, die Ausbeutung der ArbeiterInnen und Umweltzerst&#246;rung durch die industrielle Landwirtschaft und m&#246;gliche Alternativen dazu zum Thema hatte.</p>
<h3>Interview</h3>
<p><em>Ihr seid aktiv in der Solidarit&#228;tsbewegung mit LandarbeiterInnen in S&#252;dspanien. Wie sehen deren Arbeitsbedingungen dort aus?</em></p>
<p>Die materiellen Arbeitsbedingungen sind gro&#223;teils furchtbar schlecht, in den Treibh&#228;usern hat es Temperaturen bis zu 60°C, die ArbeiterInnen bekommen keine oder keine ad&#228;quate Schutzkleidung zu Verf&#252;gung gestellt, es gibt keine geregelten Arbeitszeiten sondern Arbeit nach Bedarf der landwirtschaftlichen Produktion, immer wieder kommt es zu Lohnraub, Arbeiterinnen berichten von sexuellen &#220;bergriffen. Einen Unterschied macht es dar&#252;ber hinaus, ob der oder die ArbeiterIn illegalisiert ist oder Papiere hat. Denn selbstredend ist es, wenn auch nicht einfach, dann doch einfacher, mit Papieren Lohnforderungen zu stellen, nach Arbeitsunf&#228;llen &#228;rztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen oder sich gerichtlich gegen rassistische und sexistische Angriffe zur Wehr zusetzen, ohne von Abschiebung bedroht zu sein.</p>
<p><em>Der Begriff Prekarit&#228;t/Prekarisierung als Verunsicherung der Arbeits- und Lebensverh&#228;ltnisse wird in letzter Zeit hei&#223; diskutiert. Denkt ihr, dass dieser Begriff auch in diesem Bereich Verwendung finden kann? Wenn ja, inwiefern?</em></p>
<p>Prekarisierung findet zu allererst als Illegalisierung statt. Auf einem unsicheren oder illegalisierten Aufenthaltsstatus basiert dann ja die ganze Palette unsicherer Arbeits- und Lebensverh&#228;ltnisse, inklusive der Bedrohung des eigenen Lebens. Prekarit&#228;t als Begriff der Selbstbehauptung kommt sicherlich ins Spiel, wenn die Selbstorganisation beginnt. Die kann, muss aber nicht in den gewerkschaftlichen Strukturen der SOC stattfinden, wie die Geschichte der Region und ihrer Widerstandsformen zeigt.</p>
<p><em>Welche Versuche gab es bisher, LandarbeiterInnen gewerkschaftlich zu organisieren? Mit welchen Problemen ist man dort konfrontiert und welches Verh&#228;ltnis gibt es zu den etablierten spanischen Gewerkschaften?</em></p>
<p>Die SOC, sindicato de obrer@s del campo (Gewerkschaft der LandarbeiterInnen), ist seit den 70er Jahren in Andalusien aktiv. Erst noch im Widerstand gegen die Diktatur, ging die SOC 1973 mit direkten Aktionen an die &#214;ffentlichkeit, das hei&#223;t in erster Linie: LandarbeiterInnenstreiks und Landbesetzungen. Diese Strategien waren vor allem in Westandalusien, in den Provinzen Sevilla und Malaga, wo der Gro&#223;grundbesitz in Form sogenannter latifundias vorherrschte, sehr erfolgreich. Im Osten, vor allem in der Provinz Almería, wo es aufgrund der schlechten landwirtschaftlichen Voraussetzungen keinen Gro&#223;grundbesitz gab, war die SOC bis vor kurzem nicht aktiv. Nach den rassistischen Pogromen in der Region Almería im Jahr 2000 hat sich auch dort eine Gruppe der SOC gebildet, die von Migranten gegr&#252;ndet wurde und nunmehr MigrantInnen in der Region organisiert.<br />
Die so genannten etablierten Gewerkschaften UGT und CCOO sind, soweit wir das von au&#223;en beurteilen k&#246;nnen, nicht ausgesprochen solidarisch mit der SOC, die sind auch in ganz anderen Strukturen verankert, d.h. sie bekommen staatliche F&#246;rderungen und fahren ein sehr traditionalistisches Gewerkschaftsprogramm, das sich auf Mitgliederwerbung konzentriert und dementsprechend kein Interesse an der Organisation von migrantischen LandarbeiterInnen hat, die, so zumindest die Vorstellung, nicht f&#252;r eine langfristige Mitgliedschaft zu gewinnen sind.<br />
Punktuell gibt es zwar Zusammenarbeit mit den gro&#223;en Gewerkschaften, allerdings war die Positionierung von CCOO und UGT im Jahr 2000 eindeutig nicht antirassistisch, insofern ist die Ausgangsbasis schwierig.</p>
<p><em>Fast alle LandarbeiterInnen in der Region haben migrantischen Hintergrund. Welche Auswirkungen hat das auf die gewerkschaftliche und politische Arbeit vor Ort?</em></p>
<p>In erster Linie bedeutet es, mit Rassismus und rassistisch verst&#228;rktem Sexismus konfrontiert zu sein. Diese Gewalt ist im Jahr 2000 in Pogromen ausgeartet, die auch medial pr&#228;sent waren, ist aber seither keineswegs verschwunden. Im M&#228;rz 2005 wurde ein Gewerkschaftsmitglied ermordet, immer wieder berichten die ArbeiterInnen von rassistisch motivierten &#220;berf&#228;llen, und ganz aktuell gibt es einen Prozess gegen  eine Gruppe von M&#228;nnern wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt, nachdem die Guardia Civil mehrere gewaltt&#228;tige &#220;berf&#228;lle auf Wohnst&#228;tten der ArbeiterInnen ver&#252;bt hat.<br />
Die andere Frage ist die der m&#246;glichen Organisation. Das hat weniger mit migrantischem Hintergrund als mit der Art der Arbeitsmigration zu tun. Ist sie tempor&#228;r im Sinne von Saisonarbeit, dann ist traditionelle gewerkschaftliche Organisation kaum von Interesse. Das hei&#223;t nicht, dass etwa Formen der direkten Aktion nicht auch f&#252;r SaisonarbeiterInnen die M&#246;glichkeit bieten w&#252;rden, sich gegen prek&#228;re Arbeitsverh&#228;ltnisse zu wehren, oder mehr noch dass SaisonarbeiterInnen nicht von Prekarisierung betroffen w&#228;ren. Vielmehr bedeutet es, dass sich die Gewerkschaftsarbeit den aktuellen Formen der Lohnarbeit anpassen muss und nicht von den ArbeiterInnen erwartet werden kann, sich umgekehrt den Vorstellungen der Gewerkschaft anzupassen. Ist die Arbeitsmigration tempor&#228;r, weil Almería ein Durchzugsgebiet ist (eine These allerdings, die meist dem Wunsch der ankommenden MigrantInnen entspricht, jedoch in vielen F&#228;llen nicht den tats&#228;chlichen M&#246;glichkeiten), dann ist jede Form der politischen Organisation mit der Problematik der Kurzfristigkeit konfrontiert, was sie aber noch lange nicht unm&#246;glich macht. Es gibt ja Aktionsformen wie Streik, die oftmals, schon lange bevor die SOC in der Region zu arbeiten begann, erfolgreich erprobt wurden, und zwar sowohl von Leuten, die immer noch im almerischen Gem&#252;sebau arbeiten, als auch von solchen, die aus dem S&#252;den weggezogen sind. Nicht zuletzt bleibt als Beispiel nat&#252;rlich die SOC-Gruppe in Almería, in der vier von f&#252;nf hauptamtlichen GewerkschafterInnen im Erwachsenenalter nach Spanien migriert sind, und die zur Frage der politischen und gewerkschaftlichen Arbeit erg&#228;nzen l&#228;sst, dass ein Um- oder Weiterdenken innerhalb traditionalistischer Strukturen durch die Selbstorganisation von MigrantInnen ein St&#252;ck weit auch forciert werden kann.</p>
<p><em>Was hat es mit den Versuchen der spanischen Regierung auf sich, illegalisierte MigrantInnen zu Legalisieren?</em></p>
<p>Es gab bisher eine Reihe von Legalisierungskampagnen von der spanischen Regierung, bei denen mehrere hunderttausend Leute Aufenthaltspapiere bekommen haben, die letzte davon von Februar bis Mai 2005. Nat&#252;rlich ist die Intention der Regierung keine antirassistische; den praktischen Nutzen f&#252;r die Leute, die legalisiert werden, zu &#252;bersehen, w&#228;re dennoch zynisch. (Viele ArbeiterInnen aus Almería berichten, dass sie den neuen Status n&#252;tzen, um sofort aus der Region und den dortigen Arbeits- und Abh&#228;ngigkeitsverh&#228;ltnissen wegzugehen.)<br />
Die Legalisierungen verlaufen aber ja nicht bedingungslos, sondern sind im Gegenteil an sehr strenge und oftmals gerade mit illegalisierten Status schwer oder unm&#246;glich zu erf&#252;llende Kriterien gebunden. Es m&#252;ssen Arbeitsvertrag, Meldezettel und diverse Versicherungspapiere nachgewiesen werden, also absurde Forderungen an Menschen, denen eben diese Unterlagen aufgrund ihres Status verwehrt werden. Vor den Einreichterminen zur Legalisierung kommt es zu einem regelrechten Handel mit Papieren, bei dem beispielsweise ArbeitgeberInnen f&#252;r einige tausend Euro r&#252;ckwirkend einen Arbeitsvertrag ausstellen.<br />
Ob es weiterhin die sogenannten „Massenlegalisierungen“ geben wird, ist unklar. Die konservative Opposition in Spanien versucht bei Barroso ein EU-weites Verbot zu erwirken, aber das ist noch lange nicht gegessen.</p>
<p><em>Wie sieht eure Solidarit&#228;tsarbeit konkret aus?</em></p>
<p>Die Soliarbeit baut auf den direkten Kontakt mit GewerkschafterInnen und vermehrt auch ArbeiterInnen auf. Das ist insofern wichtig, als es ein Abheben in Diskussionen und Aktionen, die mit der Situation vor Ort nicht r&#252;ckgekoppelt und deshalb realit&#228;tsfern sind, ein ganzes St&#252;ck weit verhindert. Neben der &#252;blichen Aufkl&#228;rungs- und Bildungsarbeit versuchen wir permanent die Vernetzung mit anderen Gruppen und Kontexten, die mit Landwirtschaft und Migration zusammenh&#228;ngen – was sehr viele sind. Wir zielen darauf ab, Zusammenh&#228;nge auf den verschiedenen Ebenen dieses doch sehr komplexen Themas aufzuzeigen und gemeinsam mit anderen aus linken Zusammenh&#228;ngen dort anzugreifen, wo es konkrete Anhaltspunkte gibt – nicht nur in Spanien, sondern, eingebettet in ein europ&#228;isches Netzwerk, auch in Italien, Frankreich, der Schweiz, Holland, Deutschland und auch &#214;sterreich. Im Jahr 2004 haben wir dazu ein Buch herausgebracht mit dem Titel: „Bittere Ernte – die moderne Sklaverei in der industriellen Landwirtschaft Europas“. Gerade dieses Jahr ist es weiters gut gelungen, Migration und Landwirtschaft als zwei Schwerpunktthemen im Zuge der G8-Proteste in Heiligendamm zu verkn&#252;pfen. Dar&#252;ber hinaus gab es in Heiligendamm ein erstes Zusammentreffen der SOC- mit der Lidl-Kampagne, also der Themen Prim&#228;rproduktion und Discounter und den damit verbundenen Arbeitsbedingungen. An diesem Thema wollen wir auch in der n&#228;chsten Zeit verst&#228;rkt arbeiten.</p>
<p><em>Danke f&#252;r das Interview!</em></p>
<h3>Weiterf&#252;hrende Internetseiten</h3>
<p><a href="http://www.forum-civique.org">http://www.forum-civique.org</a><br />
<a href="http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/plastikmeer_almeria.html"> http://www.umbruch-bildarchiv.de/bildarchiv/ereignis/plastikmeer_almeria.html</a><br />
<a href="http://www.soc-almeria.org"> http://www.soc-almeria.org</a><br />
<a href="http://www.g8-landwirtschaft.net"> http://www.g8-landwirtschaft.net</a></p>
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