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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin fÃ¼r linke Theorie und Praxis &#187; Soziologie</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin fÃ¼r linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Auf der Suche nach den Subjekten</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Dec 2010 07:42:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 12]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[ArbeitskÃ¤mpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Alexander Neumann: Kritische Arbeitssoziologie. Ein Abriss, Stuttgart: Schmetterling Verlag/theorie.org. 2010, 192 Seiten, â‚¬ 10,30

Mit Kritischer Arbeitssoziologie versucht Alexander Neumann einen Einblick in ein Feld zu geben, das auf Seiten der Linken seit den 1980er Jahren eher negativ konnotiert ist. Da sich viele Studien im Bereich der Industriesoziologie stark an den funktionalistischen Momenten der Organisationssoziologie orientierten und zumeist eher als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Alexander Neumann: Kritische Arbeitssoziologie. Ein Abriss, Stuttgart: Schmetterling Verlag/theorie.org. 2010, 192 Seiten, â‚¬ 10,30<br />
<span id="more-1702"></span><br />
Mit <em>Kritischer Arbeitssoziologie</em> versucht Alexander Neumann einen Einblick in ein Feld zu geben, das auf Seiten der Linken seit den 1980er Jahren eher negativ konnotiert ist. Da sich viele Studien im Bereich der Industriesoziologie stark an den funktionalistischen Momenten der Organisationssoziologie orientierten und zumeist eher als Grundlage f&#252;r prozessoptimierende Managementstrategien dienten, werden arbeitssoziologische Ans&#228;tze meist eher zur&#252;ckgewiesen. Neumann versucht mit diesem Buch allerdings aufzuzeigen, dass es innerhalb der soziologischen Arbeitsforschung auch eine andere Tradition gab und gibt.<br />
Anschlie&#223;end an Michael Schumann stellt er zu Beginn des Buches fest, dass der Begriff der Industriesoziologie f&#252;r eine kritische Betrachtung von Arbeit und den darin liegenden gesellschaftlichen Widerspr&#252;chen zu kurz greift und sich der weiter gefasste, aus der franz&#246;sische Tradition kommende Begriff der â€žsociologie du travailâ€œ (Arbeitssoziologie) viel eher eignet. Hier stehen nicht die industriellen Beziehungen im Zentrum der Analyse, sondern die arbeitenden Subjekte und ihre widerspr&#252;chliche Konstitution im Verwertungsprozess kapitalistischer Akkumulation.<br />
Ausgehend von Karl Marx, Max Weber und Sigmund Freud, die er als theoretische Referenzfolien der unterschiedlichen Str&#228;nge kritischer Arbeitssoziologie ansieht, versucht Neumann die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der deutschen und der franz&#246;sischen Debatte herauszuarbeiten. Deren gemeinsame Ausgangsfrage ist diejenige nach der Widerst&#228;ndigkeit der Subjekte im kapitalistischen Arbeitsprozess. Hier wird von deutscher wie von franz&#246;sischer Seite davon ausgegangen, dass die reale Subsumption der Arbeitskr&#228;fte unter die kapitalistische Profitlogik niemals vollst&#228;ndig vollzogen werden kann und sich die Subjekte immer wieder als widerst&#228;ndige generieren.<br />
Im Gegensatz zu funktionalistischen TheoretikerInnen (wie beispielsweise LukÃ¡cs) gehen die kritischen ArbeitssoziologInnen laut Neumann allerdings nicht von einem mystifizierten Klassenbewusstsein aus, sondern versuchen festzustellen, wie im Prozess der Subjektkonstitution Momente entstehen, die &#252;ber die Logik kapitalistischer Vergesellschaftung hinausweisen. Neumann pl&#228;diert hier f&#252;r eine Interpretation des Marxschen Werkes, die sich nicht in der Analyse der Kapitallogik ersch&#246;pft, sondern um die Frage nach der M&#246;glichkeit der Konstitution revolution&#228;rer Subjektivit&#228;t erweitert werden muss.<br />
Trotz einer gemeinsamen Ausgangsfrage bezogen sich die franz&#246;sische und deutsche Debatte jeweils auf andere theoretische Ans&#228;tze zur Beantwortung eben dieser. F&#252;r die deutschsprachige Debatte sind laut Neumann die Arbeiten der Kritischen Theorie ma&#223;geblich gewesen. Adorno und Co eigneten sich die Marxschen Kategorien neu an und radikalisierten die Theorie von Weber und Freud. Der Bezug auf Freud stellte sich f&#252;r sie als besonders fruchtbar dar, da mit Hilfe seiner Theorie die Vermittlung von Normen in die Psyche der Menschen erfassbar wurde. Diese psychischen Vermittlungsprozesse sind f&#252;r die Frage nach widerst&#228;ndiger Subjektivit&#228;t besonders zentral. In der Psyche des/der Einzelnen werden nicht nur die gesellschaftlichen Tendenzen positiv oder negativ interpretiert, hier entstehen auch die jeweiligen Strategien der Subjekte. Diese k&#246;nnen auf Integration, aber auch auf Dissidenz ausgerichtet sein. Der Umgang mit &#220;berausbeutung, der Monotonie des Arbeitsalltags oder herrschaftlich formierten Normsetzungen ist stets auch durch die Interpretation der Subjekte bedingt. Ausgehend von diesen Ans&#228;tzen der Kritischen Theorie hat sich der â€žW&#228;rmestromâ€œ der deutschsprachigen Arbeitssoziologie &#252;ber die Analyse von Negt und Kluge (in ihrem ber&#252;hmt gewordenen Buch <em>Geschichte und Eigensinn</em>) bis hin zu den Theorien von Alex Demirovi&#196;‡ weiterentwickelt. Im Zuge dieser Entwicklung sei allerdings auch das kritische Erbe von Adorno und Co sukzessive marginalisiert worden, bem&#228;ngelt Neumann.<br />
Trotz einer gemeinsamen Ausgangsfrage bezogen sich die franz&#246;sische und deutsche Debatte jeweils auf andere theoretische Ans&#228;tze zur Beantwortung eben dieser. F&#252;r die deutschsprachige Debatte sind laut Neumann die Arbeiten der Kritischen Theorie ma&#223;geblich gewesen. Adorno und Co eigneten sich die Marxschen Kategorien neu an und radikalisierten die Theorie von Weber und Freud. Der Bezug auf Freud stellte sich f&#252;r sie als besonders fruchtbar dar, da mit Hilfe seiner Theorie die Vermittlung von Normen in die Psyche der Menschen erfassbar wurde. Diese psychischen Vermittlungsprozesse sind f&#252;r die Frage nach widerst&#228;ndiger Subjektivit&#228;t besonders zentral. In der Psyche des/der Einzelnen werden nicht nur die gesellschaftlichen Tendenzen positiv oder negativ interpretiert, hier entstehen auch die jeweiligen Strategien der Subjekte. Diese k&#246;nnen auf Integration, aber auch auf Dissidenz ausgerichtet sein. Der Umgang mit &#220;berausbeutung, der Monotonie des Arbeitsalltags oder herrschaftlich formierten Normsetzungen ist stets auch durch die Interpretation der Subjekte bedingt. Ausgehend von diesen Ans&#228;tzen der Kritischen Theorie hat sich der â€žW&#228;rmestromâ€œ der deutschsprachigen Arbeitssoziologie &#252;ber die Analyse von Negt und Kluge (in ihrem ber&#252;hmt gewordenen Buch Geschichte und Eigensinn) bis hin zu den Theorien von Alex Demirovi&#196;‡ weiterentwickelt. Im Zuge dieser Entwicklung sei allerdings auch das kritische Erbe von Adorno und Co sukzessive marginalisiert worden, bem&#228;ngelt Neumann.<br />
Die franz&#246;sische Arbeitssoziologie nahm einen &#228;hnlichen Weg, nur mit anderen theoretischen Grundlagen. Aufbauend auf den Analysen von Vincent Castoriadis und anderen wurde Weber von den Franz&#246;sInnen â€žgegen den Strichâ€œ gelesen und f&#252;r radikale Theoriebildung operationalisiert. Sowohl Pierre Bourdieu, als auch Alain Touraine sowie Luc Boltanski und Ã‰ve Chiapello setzen bei ihren jeweiligen Forschungen an diesen Grundlagen an. Dass insbesondere der Bezug auf Weber nur bedingt sinnvoll ist, zeigt sich laut Neumann an der starken Fokussierung der franz&#246;sischen Arbeitssoziologie auf die Aus&#252;bung von Herrschaft. Die autonomen Widerstandspotentiale der Arbeitssubjekte werden demnach zu wenig beachtet. Neumann schlie&#223;t sein Buch mit &#220;berlegungen zu der Frage, welche Rolle kritische Arbeitssoziologie zu Zeiten der globalen Krise des Kapitalismus einnehmen kann und muss.<br />
Generell kann festgehalten werden, dass das Buch im breiten Feld der Arbeitssoziologie einen guten &#220;berblick &#252;ber, sowie eine wichtige Einf&#252;hrung in die zentralen Theorien bietet. &#220;berblickstexte dieser Art m&#252;ssen naturgem&#228;&#223; immer blinde Flecken zur&#252;cklassen. Der Versuch einer theoriebezogenen Kanonisierung ist sicherlich mit Skepsis aufzunehmen. Der Zusammenhang zwischen tats&#228;chlich stattfindenden Klassenk&#228;mpfen und theoretischen Ans&#228;tzen wird meiner Ansicht nach zu wenig hergestellt. F&#252;r viele der im Buch angef&#252;hrten TheoretikerInnen, waren die Erfahrungen in den Fabriken â€“ nicht die Universit&#228;t â€“ Ausgangspunkt ihrer theoretischen &#220;berlegungen. Besonders deutlich wird dieses Manko in Bezug auf Antonio Negri. Dieser wird beinahe ausnahmslos im Kontext der franz&#246;sischen Debatte verortet und damit sowohl praktisch als auch theoretisch von seinen Wurzeln im italienischen Operaismus abgetrennt. Der starke Bezug auf Deutschland und Frankreich klammert dar&#252;ber hinaus die mannigfaltigen Austauschprozesse zwischen anderen L&#228;ndern aus. So bleiben viele Verbindungen  von Castoriadis zu den holl&#228;ndischen R&#228;tekommunistInnen rund um Pannekoek und anderen der R&#228;tebewegung nahe stehenden AktivistInnen im Dunkeln.<br />
Trotzdem gibt das Buch einen guten Einblick in die unterschiedlichen theoretischen Traditionen der Kritischen Arbeitssoziologie. Besonders f&#252;r den &#246;sterreichischen Kontext ist es sehr wertvoll, da sich hiermit eine M&#246;glichkeit zur Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie er&#246;ffnet, die sich erfrischend von der g&#228;ngigen Debatte abhebt, welche in einem falschen Verst&#228;ndnis des Fetischbegriffs verhaftet zu sein scheint.</p>
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		<title>Kritische Soziologie reloaded</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Dec 2010 07:01:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 12]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[kritische Wissenschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Rezension: D&#246;rre, Klaus/Lessenich, Stephan/Rosa, Hartmut: Soziologie â€“ Kapitalismus â€“ Kritik. Eine Debatte, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 2010, 327 Seiten, â‚¬ 12,40

Nachdem viele namhafte SoziologInnen Mitte der 1980er Jahre das â€žEnde der Klassengesellschaftâ€œ postuliert und damit der Soziologie ihr gesellschaftskritisches Potential systematisch entzogen hatten, schenkten linke Kr&#228;fte der (deutschsprachigen) soziologischen Forschung und Theoriebildung in den letzten Jahren kaum mehr Beachtung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: D&#246;rre, Klaus/Lessenich, Stephan/Rosa, Hartmut: Soziologie â€“ Kapitalismus â€“ Kritik. Eine Debatte, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 2010, 327 Seiten, â‚¬ 12,40<br />
<span id="more-1693"></span><br />
Nachdem viele namhafte SoziologInnen Mitte der 1980er Jahre das â€žEnde der Klassengesellschaftâ€œ postuliert und damit der Soziologie ihr gesellschaftskritisches Potential systematisch entzogen hatten, schenkten linke Kr&#228;fte der (deutschsprachigen) soziologischen Forschung und Theoriebildung in den letzten Jahren kaum mehr Beachtung und betrachteten sie als empirizistische Handlanger neoliberaler Politik. In den letzten Jahren scheint demgegen&#252;ber die kritische Gesellschaftsforschung wieder zunehmend an Einfluss in der Soziologie zu gewinnen. Einzelne SoziologInnen, aber auch ganze Institute verschreiben sich neuerdings einer â€žkritischen Theorietraditionâ€œ.<br />
Als ein Versuch, diesen Trend zur Wiederkehr kritischer Soziologie zu verst&#228;rken, kann die in Buchform gebrachte Debatte der Jenaer Soziologen Klaus D&#246;rre, Stephan Lessenich und Hartmut Rosa verstanden werden. So lautet das hochgesteckte Ziel der drei Autoren, die â€žR&#252;ckkehr der Kritik in die Soziologieâ€œ (12) zu forcieren. Die Methode, die D&#246;rre, Lessenich und Rosa daf&#252;r w&#228;hlen, ist innovativ: Das â€ždiskursive Prinzip dialogischer Wissensentwicklungâ€œ (13) gibt im ersten Teil des Buches jedem Autor knapp 50 Seiten Spielraum, um die eigenen Positionen darzulegen. Im zweiten Teil kritisieren die Autoren die Konzepte der jeweils anderen und der dritte Teil gibt Gelegenheit, auf die Kritik einzugehen bzw. die eigenen Position noch klarer darzustellen.<br />
Eine kritische Soziologie muss sich in erster Linie mit den Urspr&#252;ngen und Spezifika des Kapitalismus auseinandersetzen, um die Krisenhaftigkeit dieses Systems analysieren zu k&#246;nnen. Hinsichtlich ihres kapitalismustheoretischen Grundverst&#228;ndnisses unterscheiden sich die drei Jenaer Soziologen allerdings massiv: Klaus D&#246;rre betont insbesondere die verschiedenen Formen kapitalistischer Landnahme (21), Stephan Lessenich weist auf die Rolle von Aktivierungsprozessen hin (126) und Hartmut Rosa sieht im modernen Kapitalismus vorwiegend eine Beschleunigungsmaschine (87). Aufgrund dieser h&#246;chst unterschiedlichen Konzepte haben die drei Autoren nat&#252;rlich auch unterschiedliche Einsch&#228;tzungen bez&#252;glich der Folgen kapitalistischer Vergesellschaftungsprozesse.<br />
In Anschluss an Rosa Luxemburg, Hannah Arendt und David Harvey ist f&#252;r Klaus D&#246;rre der Kapitalismus nur durch seine F&#228;higkeit zur Landnahme lebensf&#228;hig, das hei&#223;t durch seine Gabe, sich immer auf ein â€žAu&#223;enâ€œ beziehen und dieses teilweise selbst mitproduzieren zu k&#246;nnen (42). Jede kapitalistische Phase sei durch eine bestimmte Form der Landnahme gekennzeichnet, so seit den 1970er Jahren auch der Finanzmarktkapitalismus durch seine finanzgetriebene Landnahme. Letztere zeichnet sich D&#246;rre zufolge dadurch aus, dass marktbegrenzende Institutionen (die fr&#252;her das â€žAu&#223;enâ€œ kapitalistischer Gesellschaften bildeten) zunehmend geschw&#228;cht, ausgeh&#246;hlt und Teil von Landnahmeprozessen werden. Das neue â€žfinanzdominierte Akkumulationsregimeâ€œ (57) wirke sich verheerend auf die Gesellschaft aus: die Trennung zwischen Privatem und Arbeit wird im flexiblen Kapitalismus zunehmend aufgeweicht, konkurrenzbasierte Regulationsdispositive setzen sich durch; das Tarifsystem erodiert, prek&#228;re Arbeitsverh&#228;ltnisse h&#246;hlen Kollektivvereinbarungen aus und mithilfe des Shareholder Value k&#246;nnen marktzentrierte Steuerungsans&#228;tze &#252;ber (inner-) betriebliche Angelegenheiten bestimmen. Auch Finanzkrisen w&#252;rden zum â€žModus operandi der neuen Landnahmeâ€œ (69) geh&#246;ren. Durch intransparente Finanzprodukte und -risiken, weltwirtschaftliche Ungleichgewichte und der (damit einhergehenden) zunehmenden Notwendigkeit eines Staatsinterventionismus habe sich das finanzmarktkapitalistische System selbst instabil gemacht und sto&#223;e an â€žimmanente Grenzenâ€œ (81). Diese selbstgeschaffenen Widerspr&#252;che offenbaren f&#252;r D&#246;rre die Chance auf Wandel â€“ die subalternen Gruppen m&#252;ssten diese Krisen des Finanzmarktkapitalismus nur erkennen, ihre Angst vor sozialem Abstieg abbauen und f&#252;r eine andere Gesellschaftsform k&#228;mpfen. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen progressiven Entwicklung sch&#228;tzt der Soziologe allerdings als sehr gering ein. Da es an einem â€žglaubw&#252;rdigen, &#252;berw&#246;lbenden, emanzipatorischen Projektâ€œ (82) fehle, werde es wohl nichts mit dem Klassenkampf in n&#228;chster Zeit. Daher m&#252;sse sich die Soziologie, so argumentiert D&#246;rre n&#252;chtern, f&#252;r eine innerkapitalistische Alternative einsetzen: den &#246;kologischen New Deal (83).<br />
Anders als Klaus D&#246;rre, der sich in seinen Analysen am wenigsten von der marxistischen politischen &#214;konomie entfernt, lehnt sich Harmut Rosa in seinen Positionen eher an Max Weber an. Rosa sieht das â€žgute Lebenâ€œ (87) aller Menschen aufgrund des Wachstumsprinzips und der Beschleunigungslogik kapitalistischer Akkumulationsprozesse in Gefahr. Das Tempo sozialen Wandels beschleunige sich konstant â€“ die Folge w&#228;re der Verlust von â€žin der â€žklassischen Moderneâ€œ gewonnenen Gestaltungs-, Entwicklungs- und [â€¦] Autonomieanspr&#252;chenâ€œ (109). Der flexible Mensch sei politisch ohnm&#228;chtig, m&#252;sse sich permanent anpassen und sich mit einer â€žsituativen Identit&#228;tâ€œ (110) zufrieden geben. Auch die Politik habe kaum mehr Handlungsspielr&#228;ume. Anstelle einer Interessenspolitik werde daher immer mehr auf die â€žStrategie des ,muddling throughâ€˜â€œ (109) gesetzt. Da die Sozialwissenschaften und die politischen Akteure die Widerspr&#252;che innerhalb des Kapitalismus â€“ also die â€žSpaltungen, Spannungen und Trennungen zwischen Klassenâ€œ (97/98) â€“ jahrzehntelang &#252;berbetonten, konnte der Kapitalismus, so Rosa, bisher nie an seiner â€žethischen Wurzelâ€œ (125) gepackt werden. Aufgabe einer kritischen Soziologie w&#228;re es demnach, aufzuzeigen, dass der Kapitalismus â€žProfiteure und Gewinner nur ungl&#252;cklich machen kann, weil [er] all ihre [â€¦] Energien [â€¦] dem Kampf um die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsf&#228;higkeitâ€œ (125) unterwerfe. Stephan Lessenich besch&#228;ftigt sich als einziger der drei Soziologen vorwiegend mit der Rolle des Staates im kapitalistischen System. Er stellt die These in den Raum, dass der moderne Kapitalismus weder mit, noch ohne (Wohlfahrts-)Staat lebensf&#228;hig w&#228;re (141). Aufbauend auf Carl Offes â€žTheorie des Sp&#228;tkapitalismusâ€œ untersucht Lessenich die ver&#228;nderte Rolle des Staates im â€žpostindustriellenâ€œ Kapitalismus. Dieser sei in â€žeiner zwiesp&#228;ltigen, dilemmatischen Kommunikationssituationâ€œ (149), da er den â€žkapitalistischen Erfordernissen und demokratischen Forderungen gleicherma&#223;en gerechtâ€œ (149) werden m&#252;sse. Folge w&#228;re â€“ und hier argumentiert Lessenich mit Foucault â€“ nicht nur eine &#214;konomisierung, sondern auch eine Subjektivierung des Sozialen, d.h. â€ždie Sorge um das Soziale, seine Sicherung und St&#228;rkung, wird in die Verantwortung der Subjekte gelegt.â€œ(166) Der Staat ziehe sich zunehmend zur&#252;ck. Gesellschaftliche Inklusion w&#252;rde nicht mehr gef&#246;rdert, sondern nur mehr Ma&#223;nahmen gegen drastische Formen der Exklusion gesetzt. Neue soziale Spaltungen zwischen Inkludierten (Mehrheitsgesellschaft) und Exkludierten (Angeh&#246;rige der â€žUnterschichtâ€œ, illegale MigrantInnen) w&#228;ren die Folge. Nur wenn diese &#252;berwunden w&#252;rden und sich â€ždie als Aktivb&#252;rger gedachten Subjekteâ€œ (174) der Aktivgesellschaft und ihrer eigenen Rolle bewusst w&#252;rden, k&#246;nnte diese Form kapitalistischer Vergesellschaftung &#252;berwunden werden. Ziel einer kritischen Soziologie muss es nach Lessenich daher sein, die Subjekte &#252;ber die Urspr&#252;nge und Bedingungen dieser Aktivgesellschaft aufzukl&#228;ren.<br />
Hier ist nicht der Raum, auf die Kritiken einzugehen, welche die Autoren aneinander &#252;ben. Einige relevante Punkte seien jedoch genannt: So sehr Harmut Rosas Analyse von der â€žBeschleunigungsmaschine Kapitalismusâ€œ stimmen mag, so unbrauchbar ist seine Position f&#252;r eine linke Kritik am kapitalistischen System. Rosas Blindheit gegen&#252;ber jeglichen sozialstrukturellen Differenzierungen &#228;hnelt stark Ulrich Becks These der â€žIndividualisierung sozialer Risikenâ€œ. Auch wenn der Kuchen des Kapitalismus, wie Rosa betont, an sich giftig ist (268), so macht es eben doch einen Unterschied, wer davon wie viel isst und wer aus welchen Gr&#252;nden beschlie&#223;t, einen neuen Kuchen zu backen. Stephan Lessenichs Versuch einer Integration polit-&#246;konomischer Ans&#228;tze und foucaultianischer Subjektivierungstheorien ist ebenfalls nicht ganz gl&#252;cklich. Statt Struktur- und Akteursebene zu verbinden, werden &#246;konomische Prozesse und subjektive Handlungsmuster getrennt dargestellt. Die Rolle des Staates (welches eigentlich?) als intermedi&#228;re Instanz bleibt ebenso diffus. Auch Klaus D&#246;rre bleibt in seiner Position hinter den Erwartungen eines kritischen Geistes zur&#252;ck. Zwar ist seine Analyse polit&#246;konomisch durchaus fundiert, doch sind die politischen Konsequenzen, die er zieht, sehr z&#246;gerlich. Ein Green New Deal m&#252;sse her; jegliche andere Form dekommodifizierter Gesellschaft w&#228;re utopisch.<br />
Trotz aller Kritik an den Ans&#228;tzen ist die Initiative D&#246;rres, Lessenichs und Rosas absolut unterst&#252;tzenswert. Wenn â€žSoziologie &#8211; Kapitalismus &#8211; Kritikâ€œ auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, so l&#228;sst es zumindest das kritische SoziologInnenherz ein wenig h&#246;her schlagen.</p>
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