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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Sozialismus</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Alle(s) f&#252;r den Hugo? &#8211; Perspektiven der Bolivarianischen Revolution in Venezuela</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 22:40:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 0]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit Che Guevara und Salvador Allende hat kein lateinamerikanischer Politiker st&#228;rker die Hoffnungen der Linken in aller Welt repr&#228;sentiert als Hugo Chávez. Doch die Strahlkraft Chávez’ und der weit verbreitete Enthusiasmus f&#252;hrt nur zu oft dazu, die Entwicklungen in Venezuela als Projekt eines Mannes zu betrachten und auf die Frage „Wer ist/was will Chávez?“ zu reduzieren. „Chávez ist ein Symbol f&#252;r uns“, meint der venezolanische Gewerkschaftsaktivist Roland Denis, „unsere Herausforderung ist es, ein Symbol nicht mit Politik zu verwechseln.“<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a><span>  </span><em>Benjamin Opratko</em> und <em>Philipp Probst</em> versuchen diese Verwechslung zu vermeiden und analysieren Errungenschaften und Probleme der „bolivarianischen Revolution“.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit Che Guevara und Salvador Allende hat kein lateinamerikanischer Politiker st&#228;rker die Hoffnungen der Linken in aller Welt repr&#228;sentiert als Hugo Chávez. Doch die Strahlkraft Chávez’ und der weit verbreitete Enthusiasmus f&#252;hrt nur zu oft dazu, die Entwicklungen in Venezuela als Projekt eines Mannes zu betrachten und auf die Frage „Wer ist/was will Chávez?“ zu reduzieren. „Chávez ist ein Symbol f&#252;r uns“, meint der venezolanische Gewerkschaftsaktivist Roland Denis, „unsere Herausforderung ist es, ein Symbol nicht mit Politik zu verwechseln.“<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a><span>  </span><em>Benjamin Opratko</em> und <em>Philipp Probst</em> versuchen diese Verwechslung zu vermeiden und analysieren Errungenschaften und Probleme der „bolivarianischen Revolution“.<br />
<span id="more-73"></span><br />
Ein fl&#252;chtiger Blick auf die Geschichte Venezuelas zeigt Muster, die sich kaum von jenen anderer lateinamerikanischer Staaten unterscheiden. Blutig erk&#228;mpfte Unabh&#228;ngigkeit vom Kolonialismus, eine extrem reiche und politisch einflussreiche Schicht von Gro&#223;grundbesitzern die den armen Massen gegen&#252;bersteht sind weithin bekannte Eckpunkte. Was aber Venezuela in erster Linie von seinen Nachbarstaaten unterscheidet ist sein Reichtum an fossilen Rohstoffen. Seit den 1920er Jahren macht der Export von Erd&#246;l knapp 90 Prozent des Staatseinkommens aus. Die Auswirkungen waren und sind gravierend: Zwar prosperierte die Wirtschaft Venezuelas &#252;ber weite Teile des 20. Jahrhunderts konstant, sodass das lateinamerikanische Land in den 1950er Jahren ein beliebtes Ziel s&#252;deurop&#228;ischer MigrantInnen war – der Reichtum aus den &#214;lexporten kam aber nur einer schmalen Schicht zugute. Caracas, die Hauptstadt Venezuelas, ist ein Monument dieser Entwicklung: W&#228;hrend die zentralen Bezirke von modernistischen Betonbauten ges&#228;umt sind, ziehen sich Ringe von Slumvierteln –„Barrios“ – die Caracas umschlie&#223;enden Bergh&#228;nge hinauf. Die ProfiteurInnen der Erd&#246;lwirtschaft – in erster Linie UnternehmerInnen und die obere Mittelschicht der Hauptstadt – brachten es zu beachtlichem Wohlstand, sodass in den 1960er Jahren, am H&#246;hepunkt des Erd&#246;lbooms, die Lebenserhaltungskosten in Caracas h&#246;her als jene in Chicago waren, w&#228;hrend die BewohnerInnen der Barrios sozial und &#246;konomisch ausgegrenzt blieben.<o :p></o></p>
<h3>Grenzen des Korporatismus</h3>
<p>Der 1958 geschlossene „Punto-Fijo-Pakt“, der die Kollaboration der zwei gr&#246;&#223;ten Parteien Venezuelas<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a> institutionalisierte, sorgte &#252;ber mehrere Jahrzehnte f&#252;r relative politische Stabilit&#228;t. Die &#214;lindustrie Venezuelas wurde ebenfalls in den 1950er Jahren zusammengefasst und lie&#223; die Profite aus dem &#214;lexport in die Taschen der Eliten und der oberen Mittelschicht flie&#223;en. Die „Stabilit&#228;t“ des Systems beruhte in erster Linien auf diesen Profiten und einer Mischung aus Patronage (die zwei Prozent der Besch&#228;ftigten, die in der &#214;lindustrie arbeiteten, genossen hohe L&#246;hne und privilegierten Sozialstatus), Repression und vereinzelter sozialer Inklusion. Im Rahmen einer Strategie der importsubstituierenden Industrialisierung<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a> (und auf Druck der Linken) wurde unter anderem die so wichtige Erd&#246;lindustrie zur PDVSA<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a> verstaatlicht und stetig kleine Teile der bis in die 1970er Jahre buchst&#228;blich sprudelnden Gewinne in Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsprogramme gesteckt die, gemeinsam mit den im Punto-Fijo-Pakt integrierten Gewerkschaften, die armen Massen ruhig halten konnten. Dies soll aber nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass diese Politik keineswegs zu einer Angleichung der Lebensstandards gef&#252;hrt hat. Im Gegenteil war das Resultat der Politik des „Puntofijoismo“ eine enorme Konzentration des gesellschaftlichen Reichtums – so befindet sich seit damals praktisch die gesamte Medienlandschaft in den H&#228;nden von vier Industriellenfamilien<a href="#anm5" title="anm_5" name="anm_5"><sup>5</sup></a> – und die zunehmende Armut der BewohnerInnen der Barrios.<br />
In den 1980er Jahren, als die Regierung Venezuelas als Reaktion auf den Absturz des &#214;lpreises und die weltweite Rezessionskrise (und auf Druck des Internationalen W&#228;hrungsfonds IWF) immer sch&#228;rfere neoliberale Reformen durchf&#252;hrte<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a>, konnte das alte korporatistische System die soziale Sprengkraft der sich zunehmend versch&#228;rfenden Ungleichheiten kaum noch eind&#228;mmen. Der gro&#223;e Ausbruch kam im Jahr 1989, als Proteste gegen die Verdoppelung der Preise f&#252;r &#246;ffentliche Busse in Caracas sich zu einem gewaltigen Aufstand gegen die sozialdemokratische AD-Regierung entwickelten. Die Armen der Barrios st&#252;rmten von den H&#228;ngen in das Stadtzentrum und pl&#252;nderten die luxuri&#246;sen H&#228;user und Gesch&#228;fte der superreichen BewohnerInnen des Zentrums. Die herrschende Klasse reagierte, indem sie Milit&#228;r und Polizei mit Waffengewalt gegen die Protestierenden vorgehen lie&#223;. Nach zwei Tagen heftiger K&#228;mpfe und mehreren tausend Toten mussten sich die DemonstrantInnen wieder in die Barrios zur&#252;ckziehen. Doch die Regierung hatte einen Pyrrhussieg errungen. Zwar konnte sie mit Gewalt und Repression ihre Herrschaft vor&#252;bergehend sichern – der Preis daf&#252;r war jedoch der endg&#252;ltige Verlust an Konsens und Vertrauen in breiten Teilen der venezolanischen Bev&#246;lkerung. Das zentrale Moment b&#252;rgerlicher Machtaus&#252;bung – die Organisierung von aktiver oder passiver Zustimmung unter der Mehrheit der Unterdr&#252;ckten – war damit abhanden gekommen.<o :p></o></p>
<h3>Auftritt Hugo Chávez</h3>
<p>Der als „Caracazo“ in die Geschichte eingegangene Aufstand von 1989 wirkte als Initialz&#252;ndung f&#252;r die Widerstandsbewegungen Venezuelas. Auf lokaler Ebene entstanden Netzwerke und Basisinitiativen, die sich auf k&#228;mpferische Traditionen der Barrios beriefen<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> und von alternativen Radiosendern &#252;ber Stadtteilversammlungen bis zur Unterst&#252;tzung von seit den 1960ern existierenden Guerillatruppen reichten. Gleichzeitig gewannen linke, nicht in den Staat integrierte politische Parteien wie „La Causa R“, die ab 1993 den B&#252;rgermeister von Caracas stellte, mehrere Regionalwahlen. Und schlie&#223;lich regte sich immer st&#228;rkerer Widerstand im Milit&#228;r, wo nicht zuletzt die Ereignisse des „Caracazo“ viele davon &#252;berzeugt hatten, dass das zutiefst korrupte Regime gest&#252;rzt und die immer gr&#246;&#223;ere Teile der Gesellschaft in Armut sto&#223;ende neoliberale Politik beendet werden musste.<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a><o :p></o><br />
Die Kombination aus massenhafter Unzufriedenheit mit den Herrschenden, vielf&#228;ltiger Organisierungsformen an der Basis und dem glaubw&#252;rdigen politischen Projekt des „Movimiento Quinta República“ (MVR), in dem sich progressive Milit&#228;rs mit Teilen der politischen Linken gegen das korrupte System des Puntofijismo und die neoliberale Politik der Regierung verbanden, sp&#252;lte schlie&#223;lich bei den Wahlen von 1998 den seit den Putschversuchen von 1992 popul&#228;ren Offizier Hugo Chávez f&#246;rmlich ins Pr&#228;sidentenamt. Anfangs noch bedacht, soziale Reformen durchzusetzen und den Kampf gegen die korrupte B&#252;rokratie des Puntofijismo aufzunehmen, ohne das Gro&#223;b&#252;rgertum Venezuelas allzu sehr zu verprellen, wurde Chávez bald klar, dass dessen Bereitschaft zur Kooperation mit der neuen Regierung kaum vorhanden war. Dies war kaum &#252;berraschend – schlie&#223;lich versprach Chávez nicht weniger als die komplette Neugestaltung der venezolanischen Gesellschaft im Rahmen der „bolivarianischen Revolution“, die den Staatsapparat komplett transformieren will, ohne dabei die Bahnen des b&#252;rgerlich-demokratischen Rechtsstaates zu verlassen.<o :p></o><br />
Der Name des legend&#228;ren Unabh&#228;ngigkeitsk&#228;mpfers Lateinamerikas, Simon Bolivar, dient Chávez dabei als Symbol f&#252;r dieses politische Projekt. Was genau den „Bolivarianismus“, die „bolivarianische Revolution“ ausmacht, dar&#252;ber sind sich nicht nur die politischen KontrahentInnen in Venezuela uneinig, auch im Lager von Hugo Chávez und dessen weltweiten SympathisantInnen bleiben die Begrifflichkeiten oft eher Projektionsfl&#228;chen eigener Vorstellungen – was nicht zuletzt ein Geheimnis der globalen Popularit&#228;t des Bolivarianismus ist. Hugo Chávez selbst gibt in einem Interview aus dem Jahr 1996 – also vor seiner Wahl zum Pr&#228;sidenten, einige Hinweise auf die Grundlagen seiner Politik:<br />
„Die bolivarianische Bewegung wurde vor 15 Jahren in den Baracken geboren, als eine Gruppe von Soldaten erkannte, dass der Feind nicht der Kommunismus, sondern der Imperialismus war. Viele Jahre lang arbeiteten wir vorsichtig und schrittweise an der Entwicklung einer nationalistischen, patriotischen Bewegung mit einer Hand in den Baracken und einer in den Stra&#223;en (&#8230;) In unserem Modell von Demokratie (&#8230;) muss es direkte Demokratie, eine Regierung des Volkes mit Volksversammlungen und –kongressen geben, wo die Menschen das Recht aus&#252;ben, ihre gew&#228;hlten Delegierten abzuw&#228;hlen, zu nominieren, zu sanktionieren und abzusetzen.“<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a></p>
<p class="MsoNormal">In diesem Zitat l&#228;sst sich die Essenz des Bolivarianismus erkennen: Einerseits ein „progressiver Nationalismus“, der den gesellschaftlichen Reichtum der Nation gerecht auf die gesamte Bev&#246;lkerung verteilen will – im Kontext des Erd&#246;l-Staates Venezuelas hei&#223;t das in erster Linie „die Verteidigung der Souver&#228;nit&#228;t &#252;ber die Ressourcen, von deren Ausbeutung und Exporten in die Industriestaaten das Land lebt“<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a>; Souver&#228;nit&#228;t vor allem gegen&#252;ber den &#246;konomischen Interessen der gro&#223;en US-amerikanischen und multinationalen Konzerne. Andererseits eine Vorstellung von Demokratie, die mit den traditionellen Repr&#228;sentationsmustern des Parlamentarismus – ein Kreuz alle x Jahre – bricht und an deren Stelle ein System der direkten Demokratie von unten setzen will. Der R&#252;ckgriff auf Bolivar scheint dabei in erster Linie ein symbolisches Reservoir zu &#246;ffnen, das gro&#223;en Teilen der venezolanischen Bev&#246;lkerung eine direkte, affektive Identifikation mit dem Projekt der Regierung Chávez erm&#246;glicht.<o :p></o></p>
<h3>Der Hass der Bourgeoisie</h3>
<p>Die Heftigkeit, mit der die alten Eliten auf die Politik Chávez’ reagierten, zeigte sich erstmals im April 2002, als die Opposition im B&#252;ndnis mit rechten Milit&#228;rs und den m&#228;chtigsten Medienunternehmen einen Putschversuch organisierten. Chávez wurde kurzzeitig entf&#252;hrt, und der Vorsitzende der Arbeitgeberorganisation erkl&#228;rte sich kurzerhand zum neuen Pr&#228;sidenten. Gerettet wurde Chávez von jenen, die ihn bereits 1998 zu seinem Wahlsieg verholfen hatten: Wie w&#228;hrend des Caracazo st&#252;rmten die Armen zu hunderttausenden aus den Barrios und forderten die Wiedereinsetzung von Chávez und seiner Regierung. Gro&#223;e Teile der Armee solidarisierten sich darauf hin mit Chávez und die Putschisten mussten aufgeben. Auch zwei weitere Versuche, Chávez zu st&#252;rzen, scheiterten: Als die Teile der UnternehmerInnenschaft und insbesondere die B&#252;rokratInnen der PVDSA in einen „Managerstreik“ traten – also die Betriebe schlossen und die Maschinen anhielten – reagierten ArbeiterInnen, indem sie die &#214;lproduktion selbst organisierten; und 2004 versuchte die Opposition einen Passus der unter Chávez ausgearbeiteten und implementierten „Bolivarianischen Verfassung“, der die M&#246;glichkeit der Abwahl von PolitikerInnen durch ein Referendum nach der H&#228;lfte der Amtszeit vorsieht, gegen den Pr&#228;sidenten zu nutzen, konnte aber trotz massiven Einsatzes aller gro&#223;en Medien keine Mehrheit gegen Chávez erreichen.<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a><br />
Diese enorme und nachhaltige Unterst&#252;tzung f&#252;r das Projekt des Pr&#228;sidenten – von den letzten Pr&#228;sidentschaftswahlen noch einmal unterstrichen – kann nur im Zusammenhang mit den konkreten Reformen verstanden werden, die von der Regierung Chávez seit ihrem Amtsantritt 1998 durchgef&#252;hrt wurden.</p>
<h3>Strategien gegen Neoliberalismus&#8230;</h3>
<p>Die meisten Projekte werden &#252;ber so genannte misiónes (Missionen) verwirklicht, deren KoordinatorInnen von Chávez ernannt und ihm direkt verantwortlich sind. Durch die Programme Robinson I und II wurde 1,4 Millionen Menschen aus den &#228;rmeren Bev&#246;lkerungsschichten erstmals Lesen und Schreiben gelehrt, wodurch die Analphabetismusrate in Venezuela laut UNESCO-Studie auf nahezu null gesenkt werden konnte. Zus&#228;tzlich zur Grundausbildung wurde weiterbildende und h&#246;here Bildung erm&#246;glicht: Seit 1999 haben f&#252;nf neue „Bolivarianische Universit&#228;ten“ er&#246;ffnet, bis Ende 2006 sollen noch weitere hinzukommen. Im Moment sind etwa 275.000 Menschen in diversen universit&#228;ren Programmen eingeschrieben. Im Gegensatz zur Zeit vor Chávez ist Bildung von Grundschule bis Universit&#228;t frei zug&#228;nglich und gratis.<br />
Es gibt eine Reihe von Initiativen um freie, umfassende und qualitative hochwertige Gesundheitsversorgung f&#252;r die Bev&#246;lkerung zug&#228;nglich zu machen. Mehr als 500 medizinische Zentren wurden errichtet. Mit Hilfe von 20.000 kubanischen &#196;rztInnen konnte eine Vielzahl neuer Krankenh&#228;user betrieben werden. 70% der venezolanischen Bev&#246;lkerung erhielten dadurch erstmals Zugang zu freier medizinischer Versorgung, die &#252;ber einfachste Behandlungen weit hinaus geht und etwa auch Zahnmedizin umfasst.</p>
<p>Die misión „Vuelvan Caras“ ist ein Programm zur administrativen und technischen Ausbildung von ArbeiterInnen, um ihnen die F&#228;higkeiten f&#252;r zuk&#252;nftige Jobs zu geben. Ziel ist es, dass viele dieser ArbeiterInnen in den neu gegr&#252;ndeten und von der Regierung unterst&#252;tzten Kooperativen arbeiten. Diese Kooperativen werden als zentrale Komponente eines neue &#246;konomischen Models gesehen, das auf „gemeinschaftliches Wohlergehen statt Kapitalakkumulation“ zielt. Derzeit werden etwa 700 Unternehmen &#252;berpr&#252;ft, die nach dem Unternehmerstreik von 2002/2003 nicht mehr produzieren. Diese sollen enteignet (allerdings nicht ohne den Eigent&#252;merInnen Entsch&#228;digungen zu zahlen), von ArbeiterInnen &#252;bernommen und als Kooperativen weitergef&#252;hrt werden. 49% des Betriebes sind dann in der Hand der ArbeiterInnen, w&#228;hrend die restlichen 51% in Staatshand wandern. Diese Art des Ko-Managements soll partizipative Demokratie in der Arbeitswelt verankern. Zurzeit gibt es acht Fabriken, die von ArbeiterInnen &#252;bernommen worden sind, doch erst bei zwei ist der juristische Prozess abgeschlossen. Auch die in Lateinamerika traditionell enorm wichtige Frage der Landverteilung wird von der Regierung Chávez angegangen. Im Rahmen der „Leyes Habilitantes“ wird geregelt dass Land, das von armen Bauern und B&#228;uerinnen als Anbau- oder Wohnfl&#228;che genutzt wird, rechtm&#228;&#223;ig in deren Besitz &#252;bergehen kann, wenn nachgewiesen werden kann, dass das Land gar nicht oder zu wenig von seinen Eigent&#252;merInnen genutzt wird.<o :p></o></p>
<p>Die M&#246;glichkeit diese misiónes und Sozialprogramme zu finanzieren, h&#228;ngen stark von den Einnahmen der &#214;l-Industrie ab. Venezuela ist der f&#252;nftgr&#246;&#223;te Erd&#246;lexporteur der Welt, mit den gr&#246;&#223;ten Reserven an normalem &#214;l der Westlichen Hemisph&#228;re. Der starke Anstieg des &#214;lpreises seit 2002 f&#252;hrte zu einem Wirtschaftswachstum von 17% im Jahr 2004 und &#252;ber 9% in 2005. Durch die Erh&#246;hung der Abgaben auf Erd&#246;l, die ausl&#228;ndische Erd&#246;lkonzerne an den venezolanischen Staat zu liefern haben, von 1% auf 16,66% seit Januar 2005, sind die Nettoeink&#252;nfte Venezuelas aus dem Erd&#246;lexport von 46 Millionen Dollar auf &#252;ber 750 Millionen Dollar im Jahr 2005 gestiegen. Der Staatshaushalt f&#252;r 2006 betr&#228;gt ca. 33 Mrd. Euro, wovon 41% in soziale Programme flie&#223;en sollen. Damit sind die &#246;ffentlichen Ausgaben seit 1998 verdreifacht worden.<a href="#anm12" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a> Das Bolivarianische Projekt hat es geschafft Millionen bisher randst&#228;ndiger Menschen Hoffnung zu geben und in das politische und gesellschaftliche Leben mit einzubeziehen. Dennoch die Menschen in Venezuela sind noch weit davon entfernt alle Aspekte ihres Landes selbst zu kontrollieren. Der Gro&#223;teil der Industrie ist noch in privater Hand. Gro&#223;grundbesitzerInnen heuern Schl&#228;ger an, um Bauern und B&#228;uerinnen von ihren Grundst&#252;cken zu vertreiben, w&#228;hrend die Regierung zu langsam ist, die Anerkennung des unbenutzten Landes zu regeln.<o :p></o></p>
<p class="MsoNormal">Trotz Versuchen und Ma&#223;nahmen den Staat zu demokratisieren, wie die M&#246;glichkeit gew&#228;hlte Kandidaten nach der H&#228;lfte ihrer Amtszeit abzuw&#228;hlen, bleibt die Staatsmaschinerie und B&#252;rokratie gr&#246;&#223;tenteils in Takt. Chávez’ Regierung deregulierte das venezolanische Finanzsystem, was dazu f&#252;hrte, dass spanische Banken sehr stark darin involviert sind. Die Stromversorgung wurde privatisiert, Medien und die gro&#223;en Dienstleistungsindustrien bleiben nach wie vor in privater Hand. Es gibt Hindernisse bei der Einf&#252;hrung des Ko-Managements von Fabriken, wichtige Industriezweige wie die &#214;lindustrie und wichtige Dienstleistungssektoren (etwa im Bereich Telekommunikation) werden von der Mitverwaltung der ArbeiterInnen ausgeschlossen.<o :p></o></p>
<p>Angesichts dieser Probleme wird auch unter jener Mehrheit der Bev&#246;lkerung Venezuelas, die auf der Seite der „Bolivarianischen Revolution“ steht, Kritik an der Umsetzung des revolution&#228;ren Prozesses laut. So kam es bei Gemeindewahlen zu Auseinandersetzungen zwischen BasisaktivistInnen der „chavistischen“ Partei und f&#252;hrenden Parteimitgliedern, weil die BasisaktivistInnen die vorgegebene KandidatInnenliste nicht akzeptieren wollte. Viele Menschen sind skeptisch gegen&#252;ber der Regierung und dem b&#252;rokratischen Apparat rund um Chávez. „Es ist wichtig, dass es einen Druck von der Basis gibt. Und es gibt ganze Schichten wie die B&#252;rgermeister, die &#252;ber den Raum, der den Massen gegeben wird, beunruhigt sind, und nahe dran sind ihn zur&#252;ck nehmen zu wollen. Sie wollen das Erreichte umdrehen. Deswegen gibt es einen Kampf der Basis gegen die B&#252;rokratisierung und die Korruption.“, berichtet ein Aktivist einer Gemeinde. Roland Denis, Aktivist eines Netzwerks von GewerkschafterInnen, spricht das Problem direkt an: „Das Problem ist nicht nur die B&#252;rokratie, sondern auch die Korruption. B&#252;rokratie und Korruption werden zu einer furchtbaren Maschine, die den revolution&#228;ren Prozess in Venezuela zu zerst&#246;ren droht. Eine Menge Geld wird &#252;ber den &#214;l-Export eingenommen, doch nur wenig kommt zu den Massen. Ein Gro&#223;teil geht verloren in den Sozialprogrammen, die eine direkte Verbindung zur Regierung haben. Doch bis jetzt hat nur ein Viertel der Bev&#246;lkerung davon profitiert.“<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a></p>
<h3>&#8230; und Imperialismus</h3>
<p>Auf internationaler Ebene geht es Chávez in erster Linie um die Verteidigung der „bolivarianischen Revolution“ und ein von den gro&#223;en Bl&#246;cken USA, Europa, und Japan unabh&#228;ngiges Lateinamerika. &#214;l-Lieferungen an Kuba und Argentinien im Austausch gegen kubanische &#196;rztInnen, und argentinische Agrarprodukte sind einige von mehreren Ans&#228;tzen, eine st&#228;rkere Zusammenarbeit zwischen den lateinamerikanischen Staaten zu erreichen.<o :p></o><br />
Zus&#228;tzlich arbeitet Chávez an der Verwirklichung der „Bolivarianischen Alternativen Handelszone“ (ALBA) als Gegengewicht zu der von den USA dominierten Freihandelszone f&#252;r Amerika (FTAA/ALCA).</p>
<p>Das Ziel der ALBA soll sein, eine umfassende Integration Lateinamerikanischer Staaten zu erreichen, die „auf den Grunds&#228;tzen der Solidarit&#228;t, der Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Respekt f&#252;r jede Nation frei von Kontrolle andere Nationen und Konzerne“ aufbauen soll. Dieser Plan umfasst den Aufbau von drei regionalen Organisationen. Neben der Schaffung eines gemeinsamen Binnenmarkts soll „Petrosur“ die einzelnen &#214;lindustrien zusammenfassen und mit „Bansur“ eine gemeinsame Bank entstehen, die die nationalen Reserven zusammenfassen und dadurch Kredite unabh&#228;ngig von IMF bzw. der Weltbank und deren Zinsen vergeben k&#246;nnte. Die Umsetzbarkeit dieser Strategie scheint aber mehr als fraglich, angesichts der von links-liberalen Regierungen in Lateinamerika verfolgten Politik. F&#252;r Petrosur zum Beispiel m&#252;sste Argentinien die &#214;lindustrie wieder verstaatlichen, was eher unwahrscheinlich ist.</p>
<p>Chávez nimmt in allen wichtigen Fragen eine gegen&#252;ber den USA kontr&#228;re Haltung ein.<o :p></o><br />
Neben einigen verbalen Angriffen gegen die USA und George Bush im besondern, den er als „Mr. Danger“ bezeichnete, sprach er sich vehement gegen den so genannten „Krieg gegen Terror“ in Afghanistan und im Irak aus. 2005 spendierte Venezuela 1,15 Millionen Gallonen Billigheiz&#246;l, das tausenden ArbeiterInnenfamilien und Armen in sieben US-Bundesstaaten an der Ostk&#252;ste zugute kam, was besonders nach der Hurrikan-Katastrophe in New Orleans auf gro&#223;e Sympathie stie&#223;. Gleichzeitig sucht sich Chávez seine anti-imperialistischen Partner sehr undifferenziert. Die Abh&#228;ngigkeit der bolivarischen Revolution vom Erd&#246;l zwingt ihn &#252;berall Partner zu suchen. Nach seiner letzten Frankreichreise meinte Chávez, dass Venezuela eine verl&#228;sslicher und langfristiger &#214;l- und Gaslieferant Europas werden will. Mit China wurden Handelsvereinbahrungen &#252;ber Technologieaustausch beschlossen und selbst der Iran wird als potentieller Partner genannt. Die immer st&#228;rkere Verkn&#252;pfung mit potenten kapitalistischen Partnern, wie Europa oder China, hindert Chávez an klaren Positionierungen zu Auseinandersetzungen in diesen L&#228;ndern. W&#228;hrend die imperialistische Politik der USA zu Recht kritisiert wird, fehlen Stellungnahmen zu Protesten gegen neoliberale Reformen in Europa, zur Kriegspolitik der EU oder der Menschenrechtssituation in China.<o :p></o></p>
<h3>El pueblo unido?</h3>
<p>Ein Blick auf die Politik hinter dem „Symbol Chávez“ ist ein Blick auf eine h&#246;chst komplexe und widerspr&#252;chliche politische Situation. Innerhalb des „bolivarianischen Projekts“ entstehen Elemente eines echten demokratischen Sozialismus von unten – in Form von selbstverwalteten Betrieben, Netzwerken der sozialen Bewegungen und lokalen Organisationsformen, etwa im Rahmen der misiónes. Gleichzeitig verbleiben weite Bereiche des politischen Systems in den H&#228;nden der staatlichen B&#252;rokratie – die zu gro&#223;en Teilen noch aus pr&#228;-Chávez-Zeiten stammt, und die ArbeiterInnen-Verwaltung bleibt zumindest bisher auf einige Betriebe beschr&#228;nkt und muss selbst dort, wo sie existiert, Zugest&#228;ndnisse an die Staatsb&#252;rokratie machen. In der Au&#223;enpolitik trifft ein zumindest verbal radikaler Antiimperialismus auf Versuche, durch die Ann&#228;herung an andere lateinamerikanische Staaten sowie Kooperationen mit L&#228;ndern wir Russland, China oder dem Iran einen alternativen Wirtschaftsblock aufzubauen, der keineswegs mit den Spielregeln der globalen Marktwirtschaft brechen will.<br />
Wohin sich die bolivarianische Revolution bewegt, wird ma&#223;geblich davon abh&#228;ngen, ob ihre soziale Basis erfolgreich politischen Druck nach oben aus&#252;ben kann. Der kometenhafte Aufstieg von Chávez wurde von der verarmten Bev&#246;lkerung der Barrios getragen. Sie waren es, die ihren Pr&#228;sidenten vor dem Putschversuch der Opposition sch&#252;tzten, indem sie in Massen nach Caracas st&#252;rmten, und sie sind es auch, die mit Nachbarschaftsversammlungen, lokalen politischen Netzwerken (etwa zur Durchf&#252;hrung der misiónes) und sozialen und kulturellen Projekten das politische Vakuum f&#252;llten, das die Implosion der alten Parteien und die Ablehnung der traditionellen Formen der Politik hinterlie&#223;en. Die physische Mobilisierung der armen Bev&#246;lkerung konnte die bolivarianische Revolution zwar in der Vergangenheit verteidigen, die soziale Basis des Projekts bleibt damit allerdings fragil. Wie oft noch k&#246;nnen die BewohnerInnen der Barrios so auf die zweifellos wiederkehrenden Angriffe der Opposition reagieren? Die zwei Standbeine des Bolivarianismus – die fortschrittlichen Teile des Milit&#228;rs und die verarmte Bev&#246;lkerung, „die Baracken und die Stra&#223;e“, werden eine dritte, entscheidende St&#252;tze brauchen, um sich erfolgreich zu behaupten: die ArbeiterInnen und Angestellten als ProduzentInnen des gesellschaftlichen Reichtums Venezuelas. Ein gewaltiger Schritt in diese Richtung wurde im Managerstreik von 2002 getan, als ArbeiterInnen in Eigenregie die Produktion aufnahmen – insbesondere in der zentralen &#214;lindustrie, deren traditionell privilegierte Angestellte bis dahin als Bollwerk der Opposition galten. Die Politik des Ko-Managements, in deren Rahmen immer mehr Betriebe von ArbeiterInnen verwaltet werden, setzte diese Dynamik fort und integrierte sie in das bolivarianische Projekt. Eine wichtige Entwicklung ist dabei auch die Entstehung eines neuen Gewerkschaftsverbands, nachdem sich die alte, seit dem Punto-Fijo-Pakt mit den traditionellen Eliten verbandelte CTV offen auf die Seite der Opposition geschlagen hat. Heute z&#228;hlt die neue Gewerkschaft UNT bereits mehr Mitglieder als die CTV.<o :p></o></p>
<h3>Reformierte Marktwirtschaft oder demokratischer Sozialismus?</h3>
<p>Die „Bolivarianische Revolution“ ist ein Prozess mit offenem Ende. In der venezolanischen Regierung und der UNT k&#228;mpfen verschiedene Kr&#228;fte um ihre Politik. Manche von ihnen propagieren eine „solidarische“ Marktwirtschaft und die Einbindung der KapitalistInnen in das bolivarianische Projekt. Die chilenische Journalistin und enge Beraterin von Chávez, Martha Harnecker, meinte etwa in einem Interview, dass „um die Armut zu beseitigen, es unter anderem notwendig ist, produktive Arbeitspl&#228;tze zu schaffen, und die Reaktivierung des privaten Sektors war die Hauptquelle der Arbeitspl&#228;tze im Land“.<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a> Gleichzeitig aber argumentieren wachsende politische Str&#246;mungen f&#252;r eine Vertiefung und Ausweitung der bolivarianischen Revolution: „Chávez sagt, wir m&#252;ssen den Menschen Macht geben. Nun, Macht bedeutet, Kontrolle &#252;ber deine Fabrik, deine Community, die Menschen die du w&#228;hlst auszu&#252;ben“, meint etwa Stalin Pérez Borges, Vorsitzender der UNT und Mitbegr&#252;nder der PRS, einer neuen Partei, die f&#252;r eine sozialistische Perspektive des Bolivarianismus eintritt.<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a><br />
„Bolivarianismus“ ist somit weniger ein koh&#228;rentes politisches Projekt als eine Art begrifflicher &#220;berbau, der unterschiedliche und teilweise gegens&#228;tzliche politische Strategien zumindest vorl&#228;ufig zusammenh&#228;lt. F&#252;r den konservativeren „Mainstream“ der „bolivarianischen Revolution“ ist das Ziel ein staatskapitalistisches Entwicklungsregime, das die Einnahmen aus dem Erd&#246;lexport via Sozial- und Bildungsprogrammen breiteren Bev&#246;lkerungsschichten zug&#228;nglich macht und begrenzte Reformen zur St&#228;rkung partizipativer Demokratie durchsetzt. Bei allen positiven Ver&#228;nderungen, die dadurch m&#246;glich w&#228;ren, sind diesem Projekt doch enge Grenzen gesetzt: Die Weltmarkt-Interessen Venezuelas zwingen zu B&#252;ndnissen mit neoliberalen Regierungen, die Aufrechterhaltung kapitalistischer Produktions- und Distributionsformen degradiert die ArbeiterInnenmitbestimmung letztlich zu einer Art von Selbstausbeutung und Demokratisierung macht vor den Entscheidenden Bereichen der Gesellschaft – den Produktionsst&#228;tten – halt.<br />
Gleichzeitig gibt es wichtige Kr&#228;fte innerhalb des Bolivarianismus, die aus der „bolivarianischen“ eine tats&#228;chliche soziale und politische Revolution machen wollen. Dazu m&#252;ssten die existierenden und entstehenden demokratischen Basisstrukturen – in den Betrieben, den Stadtteilen, Schulen usw. – den Anspruch stellen, tats&#228;chlich die politische und &#246;konomische Kontrolle zu &#252;bernehmen. Das Projekt des Bolivarianismus hat es erm&#246;glicht, den Kampf um die Macht „von unten“ zu f&#252;hren. Daraus sollte aber nicht geschlossen werden, dass ein „glatter“, gradueller &#220;bergang von einem kapitalistischen Staat zu einem demokratischen Sozialismus geben kann.<a href="#anm16" title="anm_16" name="anm_16"><sup>16</sup></a> Die venezolanische Bourgeoisie hat schlie&#223;lich bereits angesichts der Reformen der Regierung Chávez gezeigt, dass sie ihre Machtposition nicht kampflos abgibt.<br />
Letztlich wird es von der erfolgreichen politischen Organisierung der &#246;konomischen, sozialen und kulturellen Initiativen, unabh&#228;ngig von staatlichen Strukturen, abh&#228;ngen, ob im Namen der Bolivarianismus ein altes System rot angestrichen, oder die &#220;bernahme der politischen und &#246;konomischen Kontrolle durch demokratische Strukturen von unten erm&#246;glicht wird. An ihnen liegt es, ob sich die radikale Rhetorik Chávez’ tats&#228;chlich in Politik umsetzen l&#228;sst. Der hat schlie&#223;lich in seiner w&#246;chentlichen TV-Show „Álo Presidente“ verk&#252;ndet: „Ich bin &#252;berzeugt, dass der Weg in eine neue, bessere Welt nicht der Kapitalismus ist. Der Weg ist der Sozialismus.“</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> Zit. nach Harman, Chris: Revolution in the Revolution; in: Socialist Review, February 2006.<o :p></o><br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> Der Pakt umschloss die sozialdemokratische „Acción Democratica“ (AD) und die christlich-b&#252;rgerliche COPEI.<o :p></o><br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> Importsubsituierende Industrialisierung (ISI) war eine in den 1950er und 1960er Jahren weit verbreitete Entwicklungsstrategie peripherer Staaten. Ziel der ISI ist es, durch den Aufbau einer eigenst&#228;ndigen nationalen Industrie und die tempor&#228;re Abschottung der Inlandsm&#228;rkte, langfristig den Import von Konsumg&#252;tern durch eigene Produkte zu ersetzen.<o :p></o><br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a> „Petroleo de Venezuela S.A.“, meist ausgesprochen „Pédevésa“.<o :p></o><br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a> F&#252;r die der venezolanische Volksmund die Bezeichnung „die vier Reiter der Apokalypse“ kennt.<o :p></o><br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a> Zwischen 1983 und 1989 fielen die Reall&#246;hne um ein F&#252;nftel, der Armutsanteil der Bev&#246;lkerung stieg von zehn Prozent Ende der 1970er bis 1991 auf 68 Prozent. (Zelik, Raul: Venezuelas „bolivarianischer Prozess“. Mit Gilles Deleuze in Caracas; in: Prokla 142, 1/2006. 26ff)<o :p></o><br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a> Diese Traditionen werden wohl am besten vom Barrio-Bezirk „23 de Enero“ repr&#228;sentiert, der nach dem Datum eines Aufstands seiner BewohnerInnen gegen den Diktator Jimenez im Jahr 1958 benannt ist.<o :p></o><br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a> Die progressiven Teile des Milit&#228;rs, organisiert in losen „Bolivarianischen Zirkeln“, organisierten 1992 zwei Putschversuche, die zwar fehlschlugen, ihrem charismatischen Kopf Hugo Chávez aber zu enormer Popularit&#228;t verhalfen.<o :p></o><br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a> Zit. nach Gonzales, Mike: Venezuela: Many steps to come; in: International Socialism Journal 104, Autumn 2004.<o :p></o><br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a> Melcher, Dorothea: Venezuelas Erd&#246;l-Sozialismus; in: Das Argument 262, 4/2005. 506.<o :p></o><br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a> Zum Referendum siehe ausf&#252;hrlicher: Gonzales a.a.O.<o :p></o><br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a> Herrman, Jan Peter: Ein Modell f&#252;r eine andere Welt?; in: Argumente 8, November 2005.<o :p></o><br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a> Harman a.a.O.<o :p></o><br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a> Harnecker, Martha: In the laboratory of the revolution. An interview with Martha Harnecker; in: International Socialism Journal 109, Winter 2006.<o :p></o><br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a> Pérez Borges, Stalin: The Party of Revolution and Socialism. Interview with Stalin Pérez Borges; in: International Socialism Journal 109, Winter 2006.<o :p></o><br />
<a href="#anm_16" title="anm16" name="anm16">16</a> Diese falsche Vorstellung eines graduellen &#220;bergangs tritt in zwei Formen auf. Einerseits wird aus der zunehmend radikaleren Rhetorik von Hugo Chávez eine revolution&#228;r-sozialistische Orientierung der F&#252;hrung des Bolivarianismus abgeleitet. Andererseits meinen TheoretikerInnen wie John Holloway, die Entstehung von molekularen Formen von Demokratie und Solidarit&#228;t in den „Rissen im Gewebe der kapitalistischen Herrschaft“ mache die Frage nach der Macht obsolet. (Holloway, John/Negri, Toni: Die Revolution hat bereits begonnen. Interview; in: ak – Analyse &amp; Kritik, M&#228;rz 2006)<o :p></o></p>
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