<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Privatisierung</title>
	<atom:link href="http://www.perspektiven-online.at/tag/privatisierung/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.perspektiven-online.at</link>
	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
	<lastBuildDate>Mon, 10 Mar 2014 08:48:09 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Die Neoliberalisierung &#214;sterreichs</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/29/die-neoliberalisierung-oesterreichs/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/29/die-neoliberalisierung-oesterreichs/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 Sep 2007 10:20:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 1]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Österreich]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Privatisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[SPÖ]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.com/artikel/die-neoliberalisierung-oesterreichs/</guid>
		<description><![CDATA[In den letzten sechs Jahren haben die von Sch&#252;ssel gef&#252;hrten schwarzblauorangen Koalitionsregierungen die neoliberale Restrukturierung der &#246;sterreichischen Gesellschaft in qualitativ neuer Form vorangetrieben. <em>Mario Becksteiner </em>analysiert, wie sich in &#214;sterreich in den 1990er Jahren ein neoliberaler Grundkonsens herausbilden konnte, und wie unter den Sch&#252;ssel-Regierungen der Umbau des &#246;sterreichischen Wohlfahrts- hin zum Wettbewerbsstaat durchgesetzt wurde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten sechs Jahren haben die von Sch&#252;ssel gef&#252;hrten schwarzblauorangen Koalitionsregierungen die neoliberale Restrukturierung der &#246;sterreichischen Gesellschaft in qualitativ neuer Form vorangetrieben. <em>Mario Becksteiner </em>analysiert, wie sich in &#214;sterreich in den 1990er Jahren ein neoliberaler Grundkonsens herausbilden konnte, und wie unter den Sch&#252;ssel-Regierungen der Umbau des &#246;sterreichischen Wohlfahrts- hin zum Wettbewerbsstaat durchgesetzt wurde.<br />
<span id="more-84"></span><br />
Der marktkonforme Umbau von Wirtschaft und Staat ist nat&#252;rlich kein auf &#214;sterreich beschr&#228;nktes Ph&#228;nomen, sondern kann nur im Zusammenhang der wirtschaftlichen Umw&#228;lzungen im Europa der letzten 30 Jahre verstanden werden. Die neoliberale Wende hat ihren Ausgangspunkt in der Stagnationskrise des kapitalistischen Systems seit Anfang der 70er Jahre. W&#228;hrend in den USA und in Gro&#223;britannien schon sehr fr&#252;h mit der wirtschaftlichen Umstrukturierung begonnen wurde, setzte sich in Kontinentaleuropa die Ideologie des Neoliberalismus langsamer durch. Institutionell abgesicherte Sozialpartnerschaftsmodelle erwiesen sich als „tr&#228;ge“ gegen&#252;ber den Versuchen, neoliberale Reformen durchzuboxen. Die VerfechterInnen einer neoliberalen Politik mussten nach anderen Wegen suchen, wie sie diese umsetzen konnten. Der europ&#228;ische Einigungsprozess setzte daf&#252;r den geeigneten Rahmen. <o></o></p>
<h3>Die EU als Rammbock</h3>
<p>Auf der einen Seite war das Projekt EG und sp&#228;ter EU immer nach den Bed&#252;rfnissen der Wirtschaft ausgerichtet. Die Kapitalfraktionen, die am vehementesten f&#252;r eine europ&#228;ische Einigung pl&#228;dierten, versprachen sich von einem neoliberal umgestalteten Wirtschaftsblock einen Ausweg aus der Stagnationskrise und eine St&#228;rkung ihrer Position im internationalen Wettbewerb. Des Weiteren war die europ&#228;ische Ebene der Politik von jeher von einem starken Demokratiedefizit gepr&#228;gt. Die Europ&#228;ische Kommission unterliegt beinahe keiner demokratischen Kontrolle durch das Volk. Sie wurde so zur idealen Adressatin, um neoliberale Umstrukturierungsprojekte, vorbei an z&#228;hen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen, einzuleiten. <o></o><br />
Au&#223;erdem war das einhellige Bekenntnis aller gro&#223;en politischen Parteien zu Europa der Angelpunkt f&#252;r eine ideologisch Offensive. Der Glanz, den die Idee eines vereinigten Europas ausstrahlte, verdeckte f&#252;r eine lange Zeit, was hinter den Kulissen geschah. Die Europ&#228;ische Union entwickelte sich immer mehr zu einem Rammbock, mit dessen Hilfe neoliberale Konzepte durchgesetzt wurden. Dies erfolgte allerdings nicht nur von Au&#223;en. Auch innerhalb der einzelnen Nationalstaaten formierten sich gesellschaftliche Bl&#246;cke, die sich dem Neoliberalismus verschrieben. Die politischen Konstellationen, die sich hier ergaben, waren in den L&#228;ndern h&#246;chst unterschiedlich, doch fast alle gro&#223;en Parteien waren bald auf Pro-EU-Kurs und trugen die neoliberalen Implikationen der EU Politik mit oder f&#246;rderten diese aktiv.</p>
<p>&#214;sterreich war daf&#252;r ein leuchtendes Beispiel. SP&#214; und &#214;VP f&#252;hrten im Verbund mit den Sozialpartnern eine Allianz an, die eine regelrechte Propagandawelle lostrat. Durch eine Mischung aus Katastrophenszenarien bei einem Nichtbeitritt und dem Versprechen gro&#223;er materieller Gewinne f&#252;r die Bev&#246;lkerung bei einem Beitritt, erhielt diese Allianz bei der Volksabstimmung 1994 breite Unterst&#252;tzung. <o></o></p>
<h3>Die rechtskonservative Wende</h3>
<p>Die durch den EU-Beitritt ver&#228;nderten Rahmenbedingungen erh&#246;hten den Druck die bereits in den 80ern begonnen Umstrukturierungen harsch durchzusetzen. Das Wort Reform wurde zu einer Floskel f&#252;r weiteren Sozialabbau, f&#252;r Sparpakete und Privatisierung. Als Regierungspartei trug die SP&#214; diesen Reformkurs mit, unter dem in erster Linie ArbeitnehmerInnen zu leiden hatten. An der Basis verloren sie damit zusehends an Vertrauen. Bei der Nationalratswahl 1999 zeigte sich, dass viele der ArbeiterInnen dieser Partei nicht mehr zutrauten, der Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen etwas entgegenzusetzen. Entt&#228;uscht wandten sie sich ab und wechselten ins Lager der FP&#214;. <o></o><br />
Die &#214;VP ergriff die Chance und ging als drittst&#228;rkste Kraft daran, eine rechte Koalition zu schmieden. Die SP&#214;, die unter dem Druck der Forderungen ihrer Stammw&#228;hlerInnenschaft stand, war f&#252;r die Partei des Gro&#223;kapitals immer mehr zu einem Klotz am Bein geworden. Die neue Regierung, gekennzeichnet durch die explosive Kombination von konservativer Gesellschaftspolitik, einer an neoliberalen Leitbildern ausgerichteten Wirtschaftspolitik und extrem rechter Migrationspolitik, stellte einen qualitativen Bruch in der politischen Landschaft &#214;sterreichs dar. <o></o><br />
Die Neoliberalisierung &#214;sterreichs ist seither gekennzeichnet durch die Ersetzung des sozialpartnerschaftlich gepr&#228;gten Wohlfahrtsstaates durch eine am internationalen Wettbewerb orientierten staatlichen, &#246;konomischen wie ideologischen Strukturierung. Diese wird &#252;ber drei zentrale Mechanismen umgesetzt: Die Privatisierung von &#246;ffentlichen Eigentum, die Privatisierung sozialer Risiken &#252;ber Sozialabbau und Deregulierung des Arbeitsmarkts und eine Umverteilungspolitik von unten nach oben.<o></o></p>
<h3>Privat statt Staat</h3>
<p>Schon unter den Gro&#223;en Koalitionen der 90er wurden etliche Betriebe aus &#246;ffentlichem Besitz teil- oder vollprivatisiert. Die Liste beginnt bei Semperit 1985, f&#252;hrt &#252;ber Teilprivatisierungen im Energiebereich (OMV) bis hin zu Privatisierungen renommierter &#246;sterreichischer Unternehmen wie AMAG oder Mobilkom. Kennzeichnend f&#252;r die Privatisierungen in den 90iger Jahren war eine starke Beteiligung der Gewerkschaften im Ver&#228;u&#223;erungsprozess. Zum einen wurden diese dadurch eingebunden und zum anderen konnten so teilweise die schlimmsten Folgen f&#252;r die ArbeitnehmerInnen etwas gemildert werden. Dass dies bei weitem nicht immer der Fall war, zeigt zum Beispiel der Verkauf von Semperit an den deutschen Continental Konzern, der die komplette Schlie&#223;ung des &#246;sterreichischen Produktionsstandortes mit sich brachte. Diese Einbindung der Gewerkschaften bei den Privatisierungen war zum gro&#223;en Teil der politischen Konstellation geschuldet. Die SP&#214; war stark an die m&#228;chtige sozialdemokratische Gewerkschaftsfraktion gebunden. Mit dem Regierungswechsel 2000 verloren die Gewerkschaften jeglichen Einfluss auf die Gestaltung der Regierungspolitik. Nun wurden auch gewerkschaftliche Hochburgen ins Visier genommen. Gegen den Willen des &#214;GB konnten so Betriebe wie Telekom Austria, VA Tech, VOEST oder B&#246;hler Uddeholm privatisiert werden.</p>
<p>Die Privatisierungspolitik der letzten sechs Jahre macht aber nicht beim Verkauf &#246;ffentlichen Eigentums halt. Dar&#252;ber hinaus zielte die Sch&#252;ssel-Regierung auf die Privatisierung &#246;ffentlicher Dienstleistungen und sozialer Risiken ab. Damit soll die Eigenverantwortung der Einzelnen gegen&#252;ber der gesellschaftlichen Absicherung aufgewertet werden. Am augenscheinlichsten geschah dies im Bereich der Altersvorsorge.<o></o></p>
<h3>Pensionsreform</h3>
<p>2003 holte die Regierung zu einem gro&#223;en Schlag gegen ein Kernkonzept des Wohlfahrtsstaates aus. Die heilige Kuh der Pensionsleistung der gesetzlichen Sozialversicherung sollte geschlachtet werden. Als Ersatz f&#252;r die umfassende staatliche Pensionsleistung wurde ein Drei-S&#228;ulen-Modell vorgestellt. W&#228;hrend eine der drei S&#228;ulen weiterhin durch die gesetzliche Sozialversicherung finanziert wird, r&#252;cken zwei weitere tragende S&#228;ulen ins Zentrum: Die individuelle und die betriebliche Vorsorge. Leistungen die &#252;ber eine minimale Grundsicherung hinausgehen m&#252;ssen in Zukunft &#252;ber den Markt zugekauft werden. Diese Strategie erf&#252;llt langj&#228;hrigen Forderungen des European Round Table of Industrialists zur Schaffung eines Risikokapitalmarktes nach US-amerikanischem Vorbild, der ma&#223;geblich von den privaten Pensionsfonds gespeist wird. Diese Privatvorsorge wird in &#214;sterreich auch noch gef&#246;rdert, n&#228;mlich in Form einer staatlichen Pr&#228;mie von 9%. Dies l&#228;uft auf eine Entsolidarisierung und eine staatlich gef&#246;rderte Privatisierung hinaus. Damit werden im Sinne der Neoliberalen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das Zur&#252;ckdr&#228;ngen der sozialen Verantwortung des Staates und die Erschlie&#223;ung einer beinahe unersch&#246;pflichen Quelle an Risikokapital, dies alles staatlich gef&#246;rdert. Die „individuelle Zukunftsplanung“ entpuppt sich als Unterwerfung breiter Bev&#246;lkerungsschichten unter das Diktat des Marktes. Die Menschen unterliegen verst&#228;rkt der Disziplinierung durch die direkte Koppelung ihres zuk&#252;nftigen Einkommens oder der Pension an die Entwicklung der Finanzm&#228;rkte (Fonds) oder der Firma (Betriebsvorsorge).</p>
<h3>Umbau des Bildungssektors</h3>
<p>Auch die Bildungspolitik &#214;sterreichs wurde von der Sch&#252;sselregierung den privatwirtschaftlichen Verwertungspr&#228;missen unterworfen. Besonders deutlich wurde das im Hochschulbereich, mit dem Universit&#228;tsgesetz 2002. Dessen Kernst&#252;ck war dabei die Entlassung der Universit&#228;ten in die Schein-Autonomie, die es den Unis direkt erm&#246;glicht ihre Binnenstrukturen den Bed&#252;rfnissen des Marktes anzupassen. Verbunden damit ist das Prinzip des „Globalbudgets“, ein Finanzierungsprinzip, das sich nach einem reinen Input-Output-Modell richtet. Au&#223;erdem wurden Entscheidungsfindungsgremien in undemokratische Managementstrukturen umgewandelt, (siehe Organisationsplan der Uni Wien). Die Universit&#228;ten wurden finanziell augehungert und von privatwirtschaftlicher Finanzierung abh&#228;ngig gemacht. Mit Studiengeb&#252;hren, Zugangsbeschr&#228;nkungen und der bevorstehenden Anpassung an die Bologna-Studienarchitektur wird Hochschulbildung insgesamt elitisiert. Ein Gro&#223;teil der Studienwilligen soll hierbei m&#246;glichst bald am Arbeitsmarkt als Humankapital zur Verf&#252;gung stehen, nur eine kleine Elite den wissenschaftlichen Fortschritt im Sinne der Marktverwertbarkeit vorantreiben und auch die herrschende Ideologie des Neoliberalismus weitergeben.</p>
<h3>Deregulierung des Arbeitsmarkts</h3>
<p>Das Konzept der Privatisierung geht mit der Aush&#246;hlung von regulierten Arbeitsm&#228;rkten einher: Die Anerkennung von Gewerkschaften als ma&#223;geblichen Verhandlungspartnerinnen f&#252;r Kollektivvertr&#228;ge, der Staat als Organisator von Umverteilung und die arbeitsrechtlichen Bestimmungen werden radikal in Frage gestellt.<br />
Schon seit Mitte der 90er Jahre k&#246;nnen wir in &#214;sterreich einen Trend beobachten, der als Ausfransen der Normalarbeitsverh&#228;ltnisse und des geregelten Arbeitsmarktes bezeichnet werden kann. Schritt f&#252;r Schritt wurden in immer mehr Bereichen der Arbeitswelt so genannte atypische Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse eingef&#252;hrt. Dazu z&#228;hlen geringf&#252;gige Besch&#228;ftigung, Teilzeitarbeit, Scheinselbstst&#228;ndigkeit und Leiharbeit. Das f&#252;hrt zu einer Segmentierung des Arbeitsmarktes, die ArbeiterInnen in zwei Klassen unterteilt. Besch&#228;ftigte die in Schl&#252;sselsektoren der &#246;sterreichischen Wirtschaft arbeiten (Metallindustrie, Hochtechnologiesektoren und mittlere Verwaltungsebenen im Bereich der Finanzdienstleistungen), behalten einen relativ sicheren Status, d.h. geregelte Arbeitsverh&#228;ltnisse, gewerkschaftliche Vertretung, Kollektivvertr&#228;ge usf. Der Rest wird in prek&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse abgedr&#228;ngt. Von UnternehmerInnenseite wird immer st&#228;rkerer Flexibilisierungsdruck ausge&#252;bt. Auch der Einstieg in die Arbeitswelt wird an privaten Aufopferungswillen, mit Aussicht auf ein fixes Dienstverh&#228;ltnis in unbestimmter Zukunft, gekoppelt. Damit versch&#228;rft sich der Trend, gesellschaftliche Problemstellungen wie Arbeitslosigkeit oder Einkommensfragen in den Bereich des Privaten abzuschieben.</p>
<p>Die Auswirkungen einer derartigen Flexibilisierung oder Privatisierung liegen auf der Hand.<br />
• Spaltung der Lohnabh&#228;ngigen in zwei Lager. Jene, die noch in besseren Arbeitsverh&#228;ltnissen stehen, sind st&#228;ndig bedroht durch Verlust ihres Arbeitsplatzes in prek&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse abzusteigen. Dieser disziplinierende Effekt wirkt sich auch negativ auf die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften aus und erm&#246;glicht es den UnternehmerInnen verst&#228;rkt Druck auf L&#246;hne und Sozialleistungen auszu&#252;ben.<br />
• Gleichzeitig muss sich der Rest der ArbeiterInnenklasse prek&#228;ren Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse unterwerfen. In den Augen Vieler erscheint die so geschaffene Masse an billigen Arbeitskr&#228;ften als Bedrohung.<br />
• Auch die M&#246;glichkeiten einer gesamtgesellschaftlichen Opposition zur neoliberalen Politik werden so eingeschr&#228;nkt. So wird die Gestaltung des Arbeitsmarktes zu einer wichtigen Bastion der Herrschaftssicherung neoliberaler Eliten in &#214;sterreich.<o></o></p>
<h3>Internationalisierungsstrategien</h3>
<p>In den Wirtschaftsberichten des Finanzministeriums und des Ministeriums f&#252;r Wirtschaft und Arbeit wird die Internationalisierung des &#246;sterreichischen Standorts gelobt. Die Segmentierung am heimischen Arbeitsmarkt und der Strategie der Expansion &#246;sterreichischen Kapitals sind eng verzahnt.<br />
Vier S&#228;ulen sind hier ausschlaggebend:<br />
1. Etablierung von Schl&#252;sselindustrien. Durch die gezielte F&#246;rderung von technologieintensiven Wirtschaftsbereichen soll die Positionierung der &#246;sterreichischen &#214;konomie gest&#228;rkt werden. Zentral hierbei ist die F&#246;rderung der Forschungs- und Entwicklungst&#228;tigkeit von Seiten der Unternehmen durch die Bundesregierung. Von insgesamt 6,24 Milliarden Euro f&#252;r Forschung und Entwicklung wurden 2006 45,8% von der privaten Wirtschaft in &#214;sterreich bereitgestellt. Dieser Trend steigt seit 2000 kontinuierlich an. Flankiert werden diese Ma&#223;nahmen durch den Umbau des &#246;sterreichischen Hochschulwesens hin zu einer verst&#228;rkten Orientierung an wirtschaftlicher Verwertbarkeit der Forschung.<br />
2. Ausbau der Humanressourcen. Der Mensch muss mit der technologischen Entwicklung mithalten. Nicht mehr die gesellschaftliche Lenkung der &#214;konomie garantiert einen Arbeitsplatz, sondern nur noch die individuelle Anpassungsf&#228;higkeit an die ver&#228;nderten Produktionsbedingungen. Der Staat kann in dieser Sichtweise nur noch ein F&#246;rderer der Humanressourcen sein, die Verantwortlichkeit f&#252;r den Arbeitsplatz liegt aber rein beim Individuum. Lebenslanges Lernen und Aneignung von Schl&#252;sselkompetenzen sind die Imperative neoliberaler Arbeitsmarktpolitik.<br />
3. Strategische F&#246;rderung von Auslandsinvestitionen. Arbeitsintensive Bereiche der &#246;sterreichischen Wirtschaft werden von der Bundesregierung in ihrem Ansinnen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern, unterst&#252;tzt. Im Gegenzug sollen Auslandsdirektinvestitionen get&#228;tigt werden, die strategische Beteiligungen &#246;sterreichischen Kapitals in Hoffnungsm&#228;rkten unterst&#252;tzen.<br />
4. Head-Quater-Strategie. Durch finanzielle und infrastrukturelle Anreize wird versucht Hauptquartiere international agierender Konzerne nach &#214;sterreich zu locken. Diese sollen als Br&#252;ckenk&#246;pfe in mittel- und osteurop&#228;ische M&#228;rkte genutzt werden.</p>
<h3>Steuerpolitik</h3>
<p>Die Ausrichtung der Politik am Standortwettbewerb zeigt sich besonders deutlich in der Ausgestaltung der Steuerpolitik. Die Sch&#252;sselregierung setzte dabei auf zwei miteinander verbundene Strategien. Auf der einen Seite wurde die Steuerlast sukzessive auf Massensteuern umgew&#228;lzt. Gleichzeitig wurden Unternehmen massiv entlastet. Die Gewinne von Konzernen in &#214;sterreich stiegen zwischen 2000 und 2005 enorm. Schrieben die 33 an der Wiener B&#246;rse notierten Kapitalgesellschaften 2001 noch einen Gewinn von 1,9 Milliarden Euro, stieg dieser Wert bis 2005 auf 8,5 Milliarden Euro vor Steuern. Die Dividenden der Aktion&#228;rInnen verdoppelten sich von einer halben auf 1,1 Milliarden Euro. Dieser massive Anstieg bei den Gewinnen der Unternehmen spiegelt sich allerdings nicht in einem ad&#228;quaten Anstieg des Steueraufkommens von Unternehmensseite wider. Die Senkung der K&#246;rperschaftssteuer auf 25% (der zweitniedrigste K&#246;St-Steuersatz der 15 alten EU-Mitgliedsstaaten) kann als besonders deutliches Beispiel herangezogen werden. Die Einnahmen sanken von 3,9 im Jahr 2000 auf 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2005. Die Lohnsteuer dagegen erh&#246;hte sich im selben Zeitraum von 14,8 auf 17 Milliarden Euro.<br />
Die unternehmerInnenfreundliche Steuerpolitik der schwarzblauorangen Regierung zeigt auch die im Rahmen der Steuerreform 2005 eingef&#252;hrte Gruppenbesteuerung – ein Liebkind der &#246;sterreichischen Industriellenvereinigung. Zweck der Gruppenbesteuerung ist es, das &#246;sterreichische Kapital f&#252;r die Internationalisierung fit zu machen. Verluste, die im Ausland gemacht wurden, k&#246;nnen nun in &#214;sterreich steuerlich abgeschrieben werden. Das bedeutet, dass Investitionsrisiken von UnternehmerInnen im Ausland auf alle SteuerzahlerInnen in &#214;sterreich abgew&#228;lzt werden k&#246;nnen.</p>
<h3>Umbau der Sozialversicherungstr&#228;ger</h3>
<p>Ein weiterer massiver Einschnitt wurde von Seiten der rechtskonservativen Regierung bei den Sozialversicherungstr&#228;gern vorgenommen. Formell standen sie immer unter der Kontrolle der BeitragszahlerInnen. Schon bald nach dem Entstehen der Sozialversicherungstr&#228;ger in der 2. Republik wurde die demokratische Kontrolle allerdings beschnitten. Mandatare wurden nicht mehr direkt gew&#228;hlt, sondern von Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer in die Gremien bestellt. Diese erste Aush&#246;hlung einer demokratischen Grundstruktur war schon schlimm genug. Trotzdem behielten die Sozialversicherungstr&#228;ger in &#214;sterreich ihre Autonomie gegen&#252;ber der jeweiligen Bundesregierung.</p>
<p>Vorm Hintergrund der Aush&#246;hlung des Systems der solidarischen Beitragszahlungen setzte Sch&#252;ssel auch hier zu einem gro&#223;en Schlag an. Die f&#246;deralistisch oder berufsst&#228;ndisch organisierten Sozialversicherungen sind zusammengeschlossen in einem Dachverband, der relativ gro&#223;e sozialpolitische und organisatorische Handlungsspielr&#228;ume hatte. Die vormals weitgehende Autonomie wurde nun deutlich eingeschr&#228;nkt. Sch&#252;ssel &amp; Co mischten sich massiv in die Besetzung des Vorstandes dieses Dachverbandes ein. Hans Sallmutter, als Vertreter der ArbeitnehmerInnenseite, war das erste Opfer dieses schwarzblauen Postenschachers. Die Tragweite dieses Angriffs auf die Autonomie der Sozialversicherungstr&#228;ger wird besonders deutlich angesichts der Tatsache, dass diese rund die H&#228;lfte des<br />
&#246;sterreichischen Budgets verwalten.</p>
<h3>Koalition mit der extremen Rechten</h3>
<p>Die Politik der Sch&#252;ssel-Regierung ist integraler Bestandteil einer Strategie zur Erh&#246;hung der „Wettbewerbsf&#228;higkeit“ im europ&#228;ischen Rahmen. Eine Besonderheit der neoliberalen Offensive in &#214;sterreich war jedoch die Beteiligung rechtsextremer Parteien. Noch in den 90iger Jahren war es politischer Konsens, keine Zusammenarbeit mit einer Partei zu betreiben, die Ausl&#228;nderfeindlichkeit sch&#252;rt und ein mehr als gest&#246;rtes Verh&#228;ltnis zur NS-Zeit hat. Diese Isolationspolitik gegen&#252;ber der Rechten wurde von Sch&#252;ssel aufgebrochen.<br />
Viele &#246;sterreichische KommentatorInnen lobten Sch&#252;ssel f&#252;r sein mutiges Vorgehen. F&#252;r sie war es der erste Schritt zur Z&#228;hmung der extremen Rechten. Doch diese Z&#228;hmung blieb aus. Die FP&#214; und sp&#228;ter das BZ&#214; reihten sich zwar in die neoliberale Umstrukturierungspolitik ein, doch versetzten sie diese mit rechtspopulistischen Parolen. Das Ergebnis war letztlich, dass die reaktion&#228;ren Konzeptionen von FP&#214; und BZ&#214; salonf&#228;hig gemacht wurden. In der Migrationspolitik, in der Definition von Frauenpolitik als Familienpolitik und im Bereich der „inneren Sicherheit“ unterst&#252;tzte die &#214;VP nicht nur die sexistischen und rassistischen Positionen von Blau und Orange, sondern versuchte sogar, diese noch rechts zu &#252;berholen. Insgesamt verschob sich unter Sch&#252;ssel das politische Klima nach rechts. Der traurige H&#246;hepunkt war sicherlich die Zustimmung der SP&#214; im Nationalrat zu einem „Fremdenpaket“, das zu den restriktivsten in Europa z&#228;hlt. Keine der Parteien im Nationalrat konnte eine konsequente Antwort auf die rassistische Hetze formulieren.<br />
Die katastrophale Niederlage der Sch&#252;ssel-&#214;VP bei den Nationalratswahlen am 1. Oktober hat gezeigt, dass die Menschen in diesem Land einen politischen Kurswechsel wollen. Dennoch konnte die Sozialdemokratie von dieser Stimmung nicht wirklich profitieren. Vielmehr gewann die extreme Rechte weiter an Boden.<br />
Die Notwendigkeit einer glaubw&#252;rdigen antineoliberalen politischen Alternative ist heute offensichtlicher denn je.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p>1 Vgl. dazu Joachim Hirsch: Vom Sicherheitsstaat zum nationalen Wettbewerbsstaat. Berlin 1998.<o></o><br />
2 ERT: Lobby- und Elitenzirkel, der die Politik der EU-Kommission stark beeinflusst.<o></o><br />
3 Helmut Friessner: Demokratie im Fadenkreuz. Wien 2006. p288.<o></o><br />
4 Vgl. Maria Asenbaum, Barbara Brehmer: Reclaim the Brain!; in: <em>Perspektiven</em><span style="font-size: 8pt"> Nr. 0.<o></o></span><br />
5 Vgl. die „Lissabon-Strategie“, die Europa bis 2010 zum wettbewerbsf&#228;higsten auf Wissens&#246;konomie basierenden Wirtschaftsraum der Welt machen soll.<o></o></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/29/die-neoliberalisierung-oesterreichs/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Es geht auch anders!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/29/es-geht-auch-anders/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/29/es-geht-auch-anders/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 Sep 2007 09:15:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 1]]></category>
		<category><![CDATA[Alternativen]]></category>
		<category><![CDATA[Grundeinkommen]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Privatisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialdemokratie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.com/artikel/es-geht-auch-anders/</guid>
		<description><![CDATA[Sachzwanglogik und Standortwettbewerb sind heute zu unhinterfragbaren Pr&#228;missen der politischen Auseinandersetzung geworden. Mehr denn je ist es n&#246;tig, wieder &#252;ber radikale politische Alternativen zum neoliberalen Einheitsdenken zu diskutieren. Von <em>Stefan Probst</em>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sachzwanglogik und Standortwettbewerb sind heute zu unhinterfragbaren Pr&#228;missen der politischen Auseinandersetzung geworden. Mehr denn je ist es n&#246;tig, wieder &#252;ber radikale politische Alternativen zum neoliberalen Einheitsdenken zu diskutieren. Von <em>Stefan Probst</em>.<br />
<span id="more-86"></span><br />
Neoliberale Argumentationsmuster sind heute quer durch das Parteienspektrum hegemonial. Zurecht schrillen deshalb bei vielen Menschen die Alarmglocken, wenn PolitikerInnen „Reformen“ einfordern. Denn wenn etwas „gr&#252;ndlich reformiert“ geh&#246;rt bedeutet das meist Sozialabbau, Privatisierung usw. „Reform“ ist zum Codewort f&#252;r die konsequente Ausrichtung auf die Erfordernisse des Marktes mutiert.<br />
Die Neoliberalen freilich behaupten die eiserne Notwendigkeit, ja Unumg&#228;nglichkeit solcher Ma&#223;nahmen angesichts steigenden „Kostendrucks“ aufgrund der versch&#228;rften Konkurrenz am Weltmarkt. Die angef&#252;hrten Sachzw&#228;nge, die den Legitimationsdiskurs des Neoliberalismus strukturieren, werden als quasi-naturgesetzlich angenommen und lassen folglich keine politischen Alternativen zu. Mit Vehemenz wird auf die „Probleme“ zu hoher Lohn- und Sozialstaatskosten sowie „unflexibler“ Arbeitsm&#228;rkte und „sozialer H&#228;ngematten“ verwiesen. „Der Markt“ fordere Senkung von Sozialleistungen, Deregulierung des Arbeitsmarkts und Privatisierung &#246;ffentlicher Dienste.<br />
Begleitet wird diese „Neoliberalisierung“ der Lebens- und Arbeitsverh&#228;ltnisse durch einen frontalen ideologischen Angriff: „Es geht darum, die sozialen Sicherungsbed&#252;rfnisse als ‚Vollkaskomentalit&#228;t’ nachhaltig zu diskreditieren und durch permanente und lebenslange Flexibilisierungsanforderungen zu ersetzen.“<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a></p>
<p>In wesentlichen Z&#252;gen hat diese Argumentation auch die Sozialdemokratie &#252;bernommen. Die „Vernunft“ gebiete das „Notwendige“ und vorgeblich „Realistische“. Weil der Markt den Rahmen dessen absteckt, was politisch m&#246;glich ist, k&#246;nnen die klassischen Forderungen der ArbeiterInnenbewegung nur mehr als naive Utopie erscheinen.</p>
<p>Deutlich wurde das im 1999 von Schr&#246;der und Blair vorgelegten Strategiepapier<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a>, einem Manifest der neoliberal gewendeten europ&#228;ischen Sozialdemokratien. Die hier pr&#228;sentierten „realit&#228;tstauglichen Antworten auf neue<br />
Herausforderungen in Gesellschaft und &#214;konomie“ geben sich durchgehend unternehmerfreundlich: Aufgabe der Politik sei es in erster Linie, „die Steuerungsfunktion von M&#228;rkten“ zu verbessern; das soziale Netz m&#252;sse „in ein Sprungbrett in die Eigenverantwortung“ umgewandelt werden; Werte wie „pers&#246;nliche Leistung und Erfolg, Unternehmergeist, Eigenverantwortung und Gemeinsinn“, die „zu h&#228;ufig … hinter universelles Sicherungsstreben zur&#252;ckgestellt wurden“, m&#252;ssten gef&#246;rdert werden.<br />
Von der &#246;sterreichischen Sozialdemokratie wurde dieses Programm ausdr&#252;cklich begr&#252;&#223;t. Andreas Rudas, damaliger Bundesgesch&#228;ftsf&#252;hrer, meinte, das Papier entspreche bis auf wenige Detailfragen voll der Linie der Partei und dem „prinzipiellen Willen der SP&#214;, sich zu erneuern“. Vieles sei ohnehin schon im Parteiprogramm verankert.<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a><br />
Bereits jetzt sind die Auswirkungen dieser Politik katastrophal: Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich in den letzten Jahren in &#214;sterreich deutlich ge&#246;ffnet. W&#228;hrend die Unternehmensprofite wachsen sind mehr und mehr Menschen von Armut und Existenzunsicherheit betroffen. Das gilt nicht allein f&#252;r die wachsende Zahl Erwerbsloser und „atypisch“ Besch&#228;ftigter (Teilzeit, Leiharbeit, Scheinselbst&#228;ndigkeit etc.), sondern in immer gr&#246;&#223;erem Ausma&#223; auch f&#252;r Vollzeitarbeitende.</p>
<p>Die zuk&#252;nftige Entwicklung wird diese Trends nur versch&#228;rfen. Hartz IV in Deutschland und das CPE in Frankreich sind Vorboten dessen, was mit der Lissabon-Strategie zu<br />
gesamteurop&#228;ischer Politik erhoben wurde. Dort ist nicht nur vorgesehen, bis 2010 das Pensionsalter auf 67 Jahre anzuheben, privat finanzierte Pensions- und Gesundheitssysteme weiter auszubauen, sondern auch die Senkung der unteren L&#246;hne um 20-30 Prozent, Versch&#228;rfung der Zumutbarkeitsbestimmungen f&#252;r Erwerbslose sowie die Beseitigung der sozialen Absicherung, wo sie ein „Hindernis f&#252;r die Wiederaufnahme von Arbeit“ ist. Die Zielvorgabe<br />
einer Erwerbsquote von 70% (M&#228;nner) bzw. 65% (Frauen) soll durch den konsequenten Ausbau von Niedriglohnsektoren und prek&#228;rer Besch&#228;ftigung erreicht werden.</p>
<h3>Gegenfeuer</h3>
<p>Angesichts der Tatsache, dass Prekarit&#228;t und Flexibilit&#228;tsanforderungen zur Normalit&#228;t des 21. Jahrhunderts gemacht werden sollen, erh&#228;lt der Kampf um das Recht auf soziale und existenzielle Absicherung einen zentralen Stellenwert gegenw&#228;rtiger Auseinandersetzungen.<br />
Das setzt einen radikalen Bruch mit der vorgeblichen Alternativlosigkeit des herrschenden neoliberalen Einheitsdenkens, der Sachzwang- und Standortlogik, voraus.<br />
Folgende f&#252;nf Punkte – im Wesentlichen alte Forderungen der Gewerkschaftsbewegung und von Erwerbsloseninitiativen – sollten, als <em>Mindest</em>programm, Orientierungspunkte f&#252;r eine politische Trendwende sein.</p>
<p><strong>(i) Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich</strong><br />
Neoliberale Wirtschaftswissenschaft und Politik propagieren als K&#246;nigsweg zum Abbau der Arbeitslosigkeit den Ausbau von Niedriglohnsektoren. Ursache der Arbeitslosigkeit seien zu hohe L&#246;hne und zu wenig scharfe Zumutbarkeitsbestimmungen f&#252;r Erwerbslose. Das eigentliche Problem seien demnach die Arbeitskr&#228;fte selbst, die an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes nicht angepasst sind: weil zu teuer, oder &#252;berqualifiziert, usw.<br />
In dieselbe Kerbe schlagen auch die Vorschl&#228;ge der Dritte-Wegs-Sozialdemokratie: „Der Arbeitsmarkt braucht einen Sektor mit niedrigen L&#246;hnen… Teilzeitarbeit und geringf&#252;gige Arbeit sind besser als gar keine Arbeit“, erkl&#228;ren Schr&#246;der und Blair.<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a> Die strukturelle Arbeitslosigkeit soll dazu dienen, den Arbeitsdruck zu erh&#246;hen und die L&#246;hne weiter zu senken.<br />
Das ist v&#246;llig inakzeptabel. Mehr als 250.000 Menschen sind in &#214;sterreich erwerbslos, w&#228;hrend die durchschnittliche Wochenarbeitszeit 44,1 Stunden betr&#228;gt. Unternehmen fahren Rekordgewinne ein, w&#228;hrend die Reall&#246;hne kontinuierlich fallen. Wir meinen, dass die Produktivit&#228;tsfortschritte allen zu gute kommen sollen. Deshalb: radikale Verk&#252;rzung der Wochenarbeitszeit auf max. 30 Stunden<a href="#anm5" title="anm_5" name="anm_5"><sup>5</sup></a> bei vollem Lohn- und Personalausgleich.</p>
<p>Leider scheinen die Gewerkschaften diesen Slogan l&#228;ngst verabschiedet zu haben. Man begn&#252;gt sich mit:„Arbeitspl&#228;tze schaffen!“. Aber eine Strategie, die auf die Losung „Hauptsache Arbeit“ setzt, bef&#246;rdert tatkr&#228;ftig den Verfall der L&#246;hne und spielt so den Neoliberalen in die H&#228;nde.<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a> Selbst eine radikale Verk&#252;rzung der Arbeitszeit w&#252;rde ohne Lohnausgleich erst recht zu Flexibilisierung und dem Zwang f&#252;r Einzelne f&#252;hren, l&#228;nger zu arbeiten, um am Monatsende auf ein ausreichendes Einkommen zu kommen.</p>
<p><strong>(ii) Gesetzlicher Mindestlohn</strong><br />
F&#252;r 253.000 <em>working poor</em> ist das Arbeitseinkommen nicht mehr existenzsichernd.<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> Deshalb: gesetzlicher Mindestlohn, und zwar nicht pro Stunde sondern pro Monat – nur so kann das Elend des wachsenden Teilzeitproletariats aufgegriffen werden. Ein Mindestlohn von mindestens 1.500 Euro pro Monat (brutto) w&#228;re eine untere Schranke gegen die Tendenz, die L&#246;hne mit wachsender Arbeitslosigkeit immer mehr unter die Armutsgrenze zu dr&#252;cken und gegen die schleichende Aush&#246;hlung der Kollektivvertr&#228;ge (Leiharbeit etc.).<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a><o :p></o><br />
Allerdings darf dies nicht durch &#246;ffentliche Lohnsubvention – einem sog. Kombilohn – realisiert werden, wie etwa die deutsche Regierung zur Zeit diskutiert. Wenn ein Min-destlohn aus Massensteuern finanziert wird w&#228;re das nichts anderes als ein neoliberales trojanisches Pferd: den unteren Einkommensschichten bleibt unterm Strich erst recht weniger und die Konzerne w&#228;ren zus&#228;tzlich entlastet.</p>
<p><strong>(iii) Grundsicherung</strong><br />
In Zeiten struktureller Arbeitslosigkeit wird auch die Frage der existenziellen Absicherung der Erwerbslosen zunehmend wichtig. Bislang hat sich die Gewerkschaftsbewegung kaum oder nur unzureichend um deren Anliegen gek&#252;mmert.<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a>Es gibt jedoch einen inneren Zusammenhang zwischen K&#252;rzungen des Arbeitslosengelds und der Sozialhilfe sowie versch&#228;rften Zumutbarkeitskriterien und Bed&#252;rftigkeitspr&#252;fungen auf der einen Seite und Lohndumping und erh&#246;htem Druck auf abh&#228;ngig Besch&#228;ftigte auf der anderen. Dar&#252;ber hinaus spaltet die Ideologie des „Faulenzers“ und „Schmarotzers“ die Klasse und somit auch die Kampfkraft der Gewerkschaften.<br />
Deshalb: bedarfsorientierte Grundsicherung<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a>, also ein Mindesteinkommen f&#252;r Erwerbslose. Nach dem Modell der Eurom&#228;rsche soll ein Mindesteinkommen individuell ausgezahlt werden (d.h. PartnerInneneinkommen werden nicht angerechnet); garantiert sein (Rechtsanspruch); ausgedr&#252;ckt werden in einem Anteil am gesellschaftlichen Reichtum (50% des BIP pro Kopf); nicht an Arbeitszwang gebunden sein.<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a> Die Idee der Grundsicherung richtet sich somit vehement gegen die neoliberalen Vorstellungen einer „aktivierenden Arbeitsmarktpolitik“ mitsamt ihren dem&#252;tigenden Schikanen beim Bed&#252;rftigkeitsnachweis, ihren Disziplinierungsma&#223;nahmen (Zumutbarkeit von Stellenvorschl&#228;gen, Meldepflichten, verpflichtende Umschulungskurse usw.), sowie der Leistungsk&#252;rzung bei l&#228;ngerer Erwerbslosigkeit, die den Zwang zur Annahme von Billigst-Jobs versch&#228;rfen.</p>
<p><strong>(iv) Ausbau einer sozialen Infrastruktur</strong><br />
Der Trend zur Privatisierung &#246;ffentlicher Dienste – was David Harvey treffend als „Akkumulation durch Enteignung“<a href="#anm12" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a> bezeichnet – muss gestoppt werden. Deshalb: umfassender Ausbau &#246;ffentlicher G&#252;ter und Dienstleistungen, die allen Menschen unentgeltlich zur Verf&#252;gung gestellt werden m&#252;ssen. Dies reicht von Bildung und Ausbildung &#252;ber Gesundheitsvorsorge bis hin zu Wohnen und Verkehr.<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a></p>
<p><strong>(v) Verm&#246;genssteuer und Wertsch&#246;pfungsabgabe</strong><br />
Die Neoliberalen werden nun einwenden, das m&#246;gen ja alles gutgemeinte Vorschl&#228;ge sein, nur: das Geld ist nicht da. Die „Politik der leeren Kassen“ zieht freilich nur so lange, als Konzerngewinne und die Verm&#246;gen der Million&#228;re nicht angetastet werden. Dem neoliberalen Diskurs des Mangels halten wir entgegen: das Geld ist da, wir m&#252;ssen es uns nur holen. Deshalb: deutliche Erh&#246;hung der Gewinn- und Verm&#246;genssteuern sowie Einf&#252;hrung einer Wertsch&#246;pfungsabgabe.<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a></p>
<p>Auf Basis der genannten Forderungen kann eine offensiv ausgerichtete gemeinsame Kampfperspektive von Erwerbslosen, prek&#228;r Besch&#228;ftigten und sog. NormalarbeiterInnen hergestellt werden.<br />
Uns muss jedoch klar sein, dass – so wenig radikal diese Forderungen f&#252;r manche klingen m&#246;gen – ihre Durchsetzung auf erbitterten Widerstand des Kapitals sto&#223;en wird. Der wahre Kern des neoliberalen Sachzwangarguments ist die Stagnationskrise des Kapitalismus, die den Konzernchefs immer weniger Spielraum f&#252;r Zugest&#228;ndnisse erlaubt. Insofern sind die obigen Forderungen mit den Imperativen der Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert nicht kompatibel.</p>
<h3>Kapitalismus und Gerechtigkeit</h3>
<p>Aus diesem Grund ist jede erk&#228;mpfte Reform st&#228;ndig davon bedroht, wieder &#8220;Rationalisierungsma&#223;nahmen“ zum Opfer zu fallen. „Die grundlegenden Merkmale des Kapitalismus – seine Abh&#228;ngigkeit von der Ausbeutung der Lohnarbeit und seine Dynamik der konkurrenzgetriebenen Akkumulation einerseits und die institutionellen Strukturen, die als Folge sozialer Konflikte wie auch von Klassenkompromissen seinen Spielraum einschr&#228;nken, andererseits“ stehen in einem permanenten Spannungsverh&#228;ltnis zueinander.“<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a><br />
Deshalb ist es notwendig, die Debatte um grundlegende politische Alternativen und Visionen, die die neoliberale „Dampfwalze des Machbaren und der Sachzw&#228;nge“ so erfolgreich zur&#252;ckgedr&#228;ngt und „in den Bereich des Wunschdenkens und M&#228;rchenerz&#228;hlens“<a href="#anm16" title="anm_16" name="anm_16"><sup>16</sup></a> verwiesen hat, wieder auf die Tagesordnung zu setzen.<o :p></o><br />
Die „globalisierungskritische“ Bewegung seit 1999 hat mit ihrem Slogan „Menschen statt Profite“ die Frage, ob wir wirklich in der „besten aller m&#246;glichen Welten“ leben wieder aufgeworfen und damit eine neue Debatte um systemische Alternativen, um gesellschaftliche „Utopien“ angesto&#223;en. Das gilt es aufzugreifen und mit Inhalt zu f&#252;llen.</p>
<p><em>Ein</em> solcher Vorschlag ist der eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE):<a href="#anm17" title="anm_17" name="anm_17"><sup>17</sup></a> Jeder Mensch soll <em>bedingungslos</em>, d.h. ohne, dass Arbeitsleistung oder Arbeitsbereitschaft daf&#252;r verlangt wird, und unabh&#228;ngig von anderen Einnahmequellen (z.B. aus Lohnarbeit), ein Einkommen (vom Staat) erhalten, das ihm/ihr ein Leben in W&#252;rde garantiert.<a href="#anm18" title="anm_18" name="anm_18"><sup>18</sup></a> Begr&#252;ndet wird diese Forderung mit dem „<em>uneingeschr&#228;nkte[n] Recht</em> auf eine angemessene &#246;konomische Lebensgrundlage f&#252;r alle“ <a href="#anm19" title="anm_19" name="anm_19"><sup>19</sup></a></p>
<p>In diesem Sinn geht das Konzept des BGE weit &#252;ber die im vorigen Abschnitt angef&#252;hrten Punkte hinaus, denn die Forderung nach Ausweitung politischer Rechte zu sozialen Grundrechten ber&#252;hrt die Grundlagen der kapitalistischen Gesellschaft.<a href="#anm20" title="anm_20" name="anm_20"><sup>20</sup></a> Das System der Lohnarbeit beruht auf dem „Recht auf Ausbeutung zu jedem marktnotwendigen Preis“<a href="#anm21" title="anm_21" name="anm_21"><sup>21</sup></a>; Lohnersatzleistungen werden nur unter der Beding-<br />
ung der „unbedingten und vollst&#228;ndigen Verf&#252;gbarkeit f&#252;r den Arbeitsmarkt“ gezahlt. Ein soziales Grundrecht auf ein Einkommen, das ein Leben in W&#252;rde erm&#246;glicht <em>unabh&#228;ngig</em> vom Zwang, daf&#252;r zu arbeiten, – eben ein garantiertes Grundeinkommen – steht in grunds&#228;tzlichem Widerspruch zur kapitalistischen Verwertungslogik und Profitmaximierung.</p>
<p>Das BGE zielt somit ins Herz des herrschenden Gesellschafts- und Menschenbilds. Wenn gefordert wird, allen Menschen die gleichen M&#246;glichkeiten zu geben, „das Leben zu f&#252;hren, das <em>sie</em> – als bestimmte Individuen mit einem eigenen Profil von F&#228;higkeiten, Lebensgeschichte, kulturellem Hintergrund und Bed&#252;rfnissen – Grund haben zu sch&#228;tzen“<a href="#anm22" title="anm_22" name="anm_22"><sup>22</sup></a>, so sind diese Gerechtigkeitsprinzipien mit kapitalistischen Priorit&#228;ten nicht kompatibel. Nicht zuf&#228;llig hat der neoliberale Vordenker Hayek &#252;berhaupt bestritten, dass an den Kapitalismus Gerechtigkeitsma&#223;st&#228;be angelegt werden k&#246;nnten.<br />
Ein Grundeinkommen ist deshalb solange „utopisch“, als die kapitalistischen Zw&#228;nge die gesellschaftlichen M&#246;glichkeiten vorgeben. Die Tatsache, dass die Durchsetzung des BGE unter kapitalistischen Vorzeichen nicht m&#246;glich sein wird, wirft folglich weitergehende Fragen auf, wie eine egalit&#228;re Gesellschaft politisch und &#246;konomisch organisiert werden sollte.</p>
<p>Am wichtigsten scheint mir: Die Einf&#252;hrung eines Grundeinkommens m&#252;sste Hand in Hand gehen mit der gesellschaftlichen Aneignung der Verm&#246;gen und produktiven Ressourcen und deren demokratischer Verwaltung durch die Bev&#246;lkerung. Erst dann w&#228;re die Verteilung des Reichtums entlang der Gerechtigkeitsprinzipien, die die Idee des Grundeinkommens leiten, verwirklichbar.<a href="#anm23" title="anm_23" name="anm_23"><sup>23</sup></a> Auch wenn sich die meisten ProponentInnen des BGE nicht als AntikapitalistInnen verstehen, ist die Forderung somit zumindest <em>normativ</em> antikapitalistisch – und genau das macht ihre<br />
soziale Sprengkraft aus.<br />
Freilich soll das BGE kein Ersatz f&#252;r jene Forderungen sein, wie sie im ersten Abschnitt formuliert wurden. Im Gegenteil ist der Kampf um Arbeitszeitverk&#252;rzung, Mindestlohn usw. viel unmittelbarer notwendig und m&#246;glich.</p>
<p>Das BGE kann jedoch eine Debatte &#252;ber alternative Werte und Priorit&#228;ten einer „anderen Welt“ jenseits kapitalistischer Verwertungslogik er&#246;ffnen, und helfen, die normativen Grundlagen einer solchen egalit&#228;ren Gesellschaft zu begr&#252;nden. Dabei stellen die Prinzipien des BGE auch heute schon allgemeine Orientierungspunkte f&#252;r die gesellschaftliche Auseinandersetzung dar.<a href="#anm24" title="anm_24" name="anm_24"><sup>24</sup></a></p>
<p>1. Das Grundeinkommen kn&#252;pft sozialpolitische Forderungen <em>nicht</em> an das Wohlergehen „der Wirtschaft“. Das bedeutet, dass die Logik der Profitmaximierung und die Budgetpolitik der Staaten auch nicht als eine „quasi nat&#252;rliche, un&#252;berwindliche Schranke f&#252;r die Perspektive des politischen Handelns erachtet und als solche auch nicht akzeptiert wird.“</p>
<p>2. W&#228;hrend die Politik die Sicherung der grundlegenden Lebensbedingungen zunehmend in die Eigenverantwortung jedes isolierten Einzelnen entl&#228;sst, stellt sich das Konzept des Grundeinkommens prinzipiell gegen jede Form der Privatisierung gesellschaftlicher Aufgaben.</p>
<p>3. Der Vorschlag der Entkoppelung von Einkommen und Lohnarbeit impliziert, dass auch die Bedeutung nicht-erwerbsf&#246;rmiger Arbeiten gesellschaftlich anerkannt wird: Kinderbetreuung und -erziehung, Pfleget&#228;tigkeiten, Beratungseinrichtungen, politische soziale und k&#252;nstlerische Initiativen, NGOs etc.</p>
<p>4. Die Rolle des Staates beschr&#228;nkt sich im Konzept des Grundeinkommens darauf, „allen BezieherInnen des Grundeinkommens dieses p&#252;nktlich zu &#252;berweisen.“ Das impliziert sowohl die Ablehnung jeglicher kontrollierenden, &#252;berwachenden und disziplinierenden staatlichen Ma&#223;nahmen, als auch die Betonung, dass der Kampf um eine gerechte Gesellschaft von den Menschen selbst organisiert werden muss und nicht an staatliche Instanzen delegiert werden kann.</p>
<h3>Politik des „Unm&#246;glichen“</h3>
<p>Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek hat die heutige Politik treffend als „Post-Politik“ bezeichnet, weil sie „echte Politik“, “die Kunst des <em>Unm&#246;glichen</em>”, ausschlie&#223;t, die<br />
„gerade die Parameter dessen, was in der existierenden Konstellation als ‚m&#246;glich’ betrachtet wird“ ver&#228;ndert.<a href="#anm25" title="anm_25" name="anm_25"><sup>25</sup></a> Politik als „Kunst des Unm&#246;glichen“ bedeutet demnach, nicht zu akzeptieren, dass die kapitalistische Marktwirtschaft den Horizont m&#246;glicher Ver&#228;nderung definiert. Es bedeutet auch, konkret &#252;ber „Utopien“ einer egalit&#228;ren Gesellschaft nachzudenken.<br />
Schon Lenin, von dem man das wohl am wenigsten erwarten w&#252;rde, betonte: „Wir m&#252;ssen tr&#228;umen!“<a href="#anm26" title="anm_26" name="anm_26"><sup>26</sup></a> Allerdings d&#252;rften Traum und Wirklichkeit nicht unverbunden nebeneinander stehen. Den „Zwiespalt“ zwischen beiden zu &#252;berwinden sei Aufgabe politischer Strategie. Deshalb ist jede normative Kritik an den herrschenden Zust&#228;nden unvollst&#228;ndig ohne anzugeben, wie und von wem die ungerechten Verh&#228;ltnisse ge&#228;ndert werden k&#246;nnen. Die Debatte um das Ziel einer egalit&#228;ren Gesellschaft muss folglich in den konkreten K&#228;mpfen im hier und heute verankert werden.<br />
Eine anti-neoliberale Bewegung sollte Massenproteste um Ma&#223;nahmen organisieren, „die sowohl unmittelbare Verbesserungen bieten als auch beginnen, eine andere gesellschaftliche Logik einzuf&#252;hren.“<a href="#anm27" title="anm_27" name="anm_27"><sup>27</sup></a> Die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen k&#246;nnte eine M&#246;glichkeit daf&#252;r sein.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> Hauer, Dirk: Anmerkungen zur Prekarit&#228;t; in: SiG 43. p19-20; hier: p19.<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> Blair, Tony/ Schr&#246;der, Gerhard 1999: Der Weg nach vorne f&#252;r Europas Sozialdemokraten. Ein Vorschlag von Gerhard Schr&#246;der und Tony Blair; online: http://www.glasnost.de/pol/schroederblair.html<br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> Volksstimme 26/99.<br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a> Schr&#246;der/Blair: a.a.O.<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a> 30 Wochenstunden sind freilich noch eine relativ moderate Forderung. Christian Felber (ATTAC) bspw. schl&#228;gt, angesichts der Produktivit&#228;tsentwicklung, eine Verk&#252;rzung der Wochenarbeitszeit auf 20 Stunden vor. (Felber, Christian: 50 Vorschl&#228;ge f&#252;r eine gerechtere Welt. Gegen Konzernmacht und Kapitalismus. Wien: Deuticke 2006. p254ff)<br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a> vgl. Eurom&#228;rsche: Der Ansatz der Europ&#228;ischen M&#228;rsche gegen Erwerbslosigkeit, ungesch&#252;tzte Besch&#228;ftigung und Ausgrenzung. 2004.<br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a> Armutskonferenz (http://www.armutskonferenz.at/armut_in_oesterreich_workingpoor.htm)<br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a> Allerdings muss eine gewerkschaftliche Kritik am gesetzlichen Mindestlohn ernst genommen werden, n&#228;mlich, dass dadurch die Kollektivvertragshoheit ausgeh&#246;hlt w&#252;rde. Vgl. dazu Hermann, Christoph: Mindestl&#246;hne in &#214;sterreich; online: http://www.forba.at/files/download/download.php?_mmc=czo2OiJpZD0xNDUiOw sowie den Aufsatz von Kurt Nikolaus et al. im Sammelband Einkommen zum Auskommen. Von bedingungslosem Grundeinkommen, gesetzlichen Mindestl&#246;hnen und anderen Verteilungsfragen. Hamburg: VSA 2004. 94-110.<br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a> Vgl. Gauper, Ortrun 2006: Wir m&#252;ssen uns &#246;ffnen; in SoZ Juli 2006. p5; online: http://members.aol.com/sozabc/060705.htm<br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a> Vgl. Tálos, Emmerich (Hg.): Bedarfsorientierte Grundsicherung. Wien: Mandelbaum 2003; Eurom&#228;rsche: a.a.O.<br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a> Allerdings ist die Grundsicherung an die Bereitschaft zur Annahme „zumutbarer Arbeiten“ gekn&#252;pft. Was als „zumutbar“ gilt, unterscheidet sich selbstverst&#228;ndlich grundlegend von den Vorstellungen von Industriellenvereinigung &amp; Co. (vgl. Tálos: a.a.O.) Dennoch liegt hier eine potentielle Schwachstelle der Grundsicherungsmodelle.<br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a> Harvey, David 2005: Der neue Imperialismus. Hamburg: VSA.<br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a> Vgl. Hirsch, Joachim/ Steiner, Heinz: Gibt es eine Alternative zum neoliberalen Sozialstaatsabbau? Umrisse eines Konzepts von Sozialpolitik als Infrastruktur; http://www.links-netz.de/K_texte/K_links-netz_sozpol.html<o :p></o><br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a> Wertsch&#246;pfungsabgabe: die Bemessung der Sozialabgaben der „Arbeitgeber“ nach Lohnsumme durch die Heranziehung der gesamten Wertsch&#246;pfung im Produktionsprozess ersetzen.<o :p></o><br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a> Callinicos, Alex: Ein Anti-Kapitalistisches Manifest. Hamburg: VSA 2004. p129f.<o :p></o><br />
<a href="#anm_16" title="anm16" name="anm16">16</a> Reitter, Karl: Garantiertes Grundeinkommen jetzt!; in: Grundrisse 12 (2004); online: http://www.unet.univie.ac.at/~a9709070/grundrisse12/12karl_reitter.htm<o :p></o><br />
<a href="#anm_17" title="anm17" name="anm17">17</a> Der Vorschlag eines Grundeinkommens wurde in den 1980ern von Sozialminister Dallinger aufgegriffen und wird heute auch in den Gewerkschaften diskutiert. vgl. Gauper: a.a.O. und Dallinger, Alfred (Hg.): Basislohn/Existenzsicherung. Garantiertes Grundeinkommen f&#252;r alle? Forschungsberichte aus Sozial- und Arbeitsmarktpolitik Nr. 16. Wien: BM f. Arbeit und Soziales 1987.<br />
<a href="#anm_18" title="anm18" name="anm18">18</a> Tats&#228;chlich gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Grundeinkommenskonzepte. Die ProponentInnen des BGE sind sich dabei sowohl &#252;ber Inhalt als auch &#252;ber Durchsetzbarkeit und Implikationen der Forderung uneins. Sogar Kombilohnmodelle und Vorschl&#228;ge einer negativen Einkommenssteuer werden unter dem Begriff Grundeinkommen diskutiert. Ich verzichte hier auf eine Kritik dieser Modelle und bringe die Grundeinkommensforderung im Folgenden in der Art und Weise in die Diskussion ein, wie sie mir sinnvoll und fortschrittlich erscheint. Mir ist bewusst, dass sich dies von vielen anderen Vorschl&#228;gen abhebt. (Zur Geschichte der Grundeinkommensforderung vgl. Van Parijs, Philippe/ Vanderborght, Yannick: Ein Grundeinkommen f&#252;r alle? Geschichte und Zukunft eines radikalen Vorschlags. Frankfurt: Campus 2005 und F&#252;llsack, Manfred: Leben ohne zu arbeiten? Zur Sozialtheorie des Grundeinkommens. Berlin: Avinus 2002; zur Kritik vgl. z.B. Roth, Rainer: http://www.gegen-sozialabbau.de/downloads/bge_rr.pdf)<o :p></o><br />
<a href="#anm_19" title="anm19" name="anm19">19</a> Reitter, Karl: Garantiertes Grundeinkommen jetzt!, a.a.O. (m.Hv.)<br />
<a href="#anm_20" title="anm20" name="anm20">20</a> Im Prinzip wird damit nicht mehr gefordert, als das, was die b&#252;rgerliche Gesellschaft seit jeher versprochen hat, aber nie konsequent einl&#246;sen konnte: Freiheit und Gleichheit werden nur als formale politische Rechte gew&#228;hrt, die &#214;konomie bleibt ausgenommen. In der Grundeinkommensdiskussion geht es dagegen genau um die materiellen Grundlagen von Freiheit und Gleichheit. Dieckmann meint daher treffend: „Wenn man so will, bringt die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen eine b&#252;rgerliche Utopie gegen die real existierende b&#252;rgerliche Gesellschaft ins Spiel.“ (Dieckmann, Martin: Der Grund der Rechte. Kontroversen &#252;bers „bedingungslose Grundeinkommen“; http://www.linksnet.de/artikel.php?id=2209)<o :p></o><br />
<a href="#anm_21" title="anm21" name="anm21">21</a> Klein, Angela: Das Leben in W&#252;rde und der Kapitalismus; in: SiG 43. p16-17.<o :p></o><br />
<a href="#anm_22" title="anm22" name="anm22">22</a> Callinicos: a.a.O. p121. <o :p></o><br />
<a href="#anm_23" title="anm23" name="anm23">23</a> D.h., dass ein bedingungsloses Grundeinkommen eine wichtige Ma&#223;nahme einer sozialistischen &#220;bergangsgesellschaft darstellen kann, in der zwar die Lohnform tw. noch besteht, deren Bedeutung jedoch durch die kontinuierliche Erh&#246;hung eines Grundeinkommens mehr und mehr abgeschw&#228;cht wird. Diese Formulierung unterscheidet sich von demjenigen von van Parijs, der im Rahmen eines Modells der <em>evolution&#228;ren</em> Transformation des Kapitalismus die allm&#228;hliche Erh&#246;hung eines Grundeinkommens selbst schon als „schrittweise Entwicklung hin zum Kommunismus“ auffasst. (van Parijs/Vanderborght: a.a.O., p90) Einen &#228;hnlichen Gedanken entwickelt, wenn ich ihn richtig verstehe, auch Reitter auf Basis der Konzeption einer „dualen Wirtschaft“. (http://homepage.univie.ac.at/Karl.Reitter/grundeinkommen.htm)<o :p></o><br />
<a href="#anm_24" title="anm24" name="anm24">24</a> Das Folgende nach Reitter, Karl: Dimensionen des garantierten Grundeinkommens. Eine Antwort auf popul&#228;re Einw&#228;nde; http://homepage.univie.ac.at/Karl.Reitter/grundeinkommen.pdf, p14.<br />
<a href="#anm_25" title="anm25" name="anm25">25</a> Žižek, Slavoj: Die T&#252;cke des Subjekts. Frankfurt: Suhrkamp 2001. p274.<o :p></o><br />
<a href="#anm_26" title="anm26" name="anm26">26</a> Lenin, Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung; in: Werke Bd. 5, p355-549; hier p529.<o :p></o><br />
<a href="#anm_27" title="anm27" name="anm27">27</a> Callinicos, a.a.O. p141.<span lang="EN-GB"><o :p></o></span></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/29/es-geht-auch-anders/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
