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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Philosophie</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Radikales Palaver</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Dec 2010 07:32:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 12]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[kritische Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>
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		<description><![CDATA[Rezension: Lindner, Urs/Nowak, J&#246;rg/Paust-Lassen, Pia (Hg.): Philosophieren unter anderen. Beitr&#228;ge zum Palaver der Menschheit. Frieder Otto Wolf zum 65.sten, M&#252;nster: Westf&#228;lisches
Dampfboot 2008, 446 Seiten, € 25,90

Der vorliegende Band ist eine Festschrift zu Frieder Otto Wolfs 65. Geburtstag und wie es sich f&#252;r ein solches Jubil&#228;um geh&#246;rt, hat Philosophieren unter anderen betr&#228;chtlichen Umfang. Denn Frieder Otto Wolf hat in seinem Leben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Lindner, Urs/Nowak, J&#246;rg/Paust-Lassen, Pia (Hg.): Philosophieren unter anderen. Beitr&#228;ge zum Palaver der Menschheit. Frieder Otto Wolf zum 65.sten, M&#252;nster: Westf&#228;lisches<br />
Dampfboot 2008, 446 Seiten, € 25,90<br />
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Der vorliegende Band ist eine Festschrift zu Frieder Otto Wolfs 65. Geburtstag und wie es sich f&#252;r ein solches Jubil&#228;um geh&#246;rt, hat <em>Philosophieren unter anderen</em> betr&#228;chtlichen Umfang. Denn Frieder Otto Wolf hat in seinem Leben so einiges – theoretisch wie praktisch – bewirkt. Aus der 68er-Bewegung kommend, wurde er 1973 Professor der Philosophie an der Freien Universit&#228;t Berlin, wo er, mit Unterbrechungen, bis heute lehrt. In seinem langen Schaffen entfaltete Wolf au&#223;erdem diverse politischemanzipatorische Aktivit&#228;ten: Er gab, um nur einzelne dieser T&#228;tigkeiten zu nennen, die Werke Louis Althussers auf Deutsch heraus und verk&#252;ndete bereits Mitte der 1980er-Jahre, dass die Zukunft des Marxismus nur in einem &#246;kologischen Sozialismus liegen k&#246;nne. Demgem&#228;&#223; sa&#223; Wolf in den 1980er und 1990er-Jahren auch f&#252;r die deutschen Gr&#252;nen im Europaparlament.<br />
Diese Breite im Schaffen Wolfs schl&#228;gt sich auch in der inhaltlichen Vielf&#228;ltigkeit der knapp 450 Seiten z&#228;hlenden Festschrift nieder, obgleich sie um Wolfs zentrales Anliegen des letzten Jahrzehnts zentriert ist: die Radikale Philosophie. <em>Radikale Philosophie</em> findet, laut Wolf, immer schon „unter anderen“, also im Diskurs bzw. „Palaver“ der Menschen, statt. Ihr erkl&#228;rtes Ziel ist es, „den Skandal“ offen zu legen, dass „die unterschiedlichsten philosophischen Linien einerseits das Selbstdenken propagierten und es auch innerhalb der Philosophieform propagieren mussten, sie andererseits aber gerade dieses Selbstdenken zum Instrument einer Selbstunterwerfung umfunktioniert haben.“ Wolfs Absicht ist also nichts Anderes, als philosophisches <em>underlabouring </em>in herrschaftskritischer Absicht zu betreiben. Und so hei&#223;t es auch an anderer Stelle des Sammelbandes, den Begriff des <em>underlabouring </em>konkretisierend: Radikale Philosophie „versucht, &#252;ber das Philosophieren als spezifische T&#228;tigkeit hinaus ein Selberdenken aller zu f&#246;rdern, das vor gelingender Praxis liegt, ohne sie garantieren zu k&#246;nnen.“(380) Selberdenken wiederum ist in allen m&#246;glichen Dom&#228;nen des menschlichen Zusammenlebens gefragt, und so kommt es auch, dass der Radikalen Philosophie ein breites Feld der Bet&#228;tigung offen steht.<br />
Der Ausgangspunkt ist dabei die kritische Theorie Marxens. Davon legt der erste Teil des Bandes, der knapp die H&#228;lfte des Gesamtvolumens einnimmt und mit „Philosophieren im Anschluss an Marx“ betitelt ist, beredtes Zeugnis ab. Auch hier f&#228;llt sofort die thematische Breite der Darlegungen auf, deren einziger gemeinsamer Nenner oftmals nur in einer Bezugnahme auf Wolfs Radikale Philosophie liegt und auch diese ist in manchen Texten, wenn &#252;berhaupt, so nur implizit vorhanden – eine Problematik, auf die wir sp&#228;terhin noch genauer zu sprechen kommen werden. Die inhaltliche Spannweite der Texte reicht in diesem Teil jedenfalls von der wissenschaftstheoretischen Bedeutung des Marxschen Werkes &#252;ber Reflexionen zum Verh&#228;ltnis von Ludwig Wittgenstein zu Pierre Bourdieu bis hin zur politischen Philosophie und Psychoanalyse von Cornelius Castoriadis. Dazwischen werden noch die gesellschaftlichen Naturverh&#228;ltnisse samt ihrer „nat&#252;rlichen Tiefendimension“ (Kate Soper), fr&#252;hb&#252;rgerliche Staatstheorien von Hobbes bis Hume und vieles mehr verhandelt.<br />
Insbesondere und exemplarisch hervorheben m&#246;chte ich aus diesem Teil von <em>Philosophieren unter anderen</em> einen einzelnen Text: ebenjenen von <em>Urs Lindner</em> „zur doppelten wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutung von Karl Marx“, so der Untertitel seines Beitrags. Dieser zeichnet sich durch breite Kenntnis neuerer wissenschaftstheoretischer Debatten aus und demonstriert pr&#228;zise, was <em>underlabouring </em>in radikalphilosophischer Absicht auf dem Felde der Philosophie bedeuten kann. Lindner argumentiert n&#228;mlich sehr anschaulich, dass Louis Althussers These vom „epistemologischen Einschnitt“ im Marxschen Schaffen grunds&#228;tzlich modifiziert werden muss. Mit Althusser geht Lindner zwar davon aus, dass es diesen Einschnitt tats&#228;chlich gegeben hat, dass Marx sich also mit den <em>Feuerbachthesen</em> und der <em>deutschen Ideologie</em> 1845 auf den Weg machte von der spekulativen Philosophie seiner Jugendjahre zur Wissenschaftlichkeit seines Sp&#228;twerks – sodann emblematisch zu Tage tretend im <em>Kapital</em>. Lindner geht aber sogleich &#252;ber Althusser hinaus, indem er weitere heuristische Untergliederungen des Marxschen Schaffens einf&#252;hrt und meint, dass Marx sich von 1845 bis 1857 – bis zur Anfertigung der <em>Grundrisse </em>– in einem Prozess der Reifung befunden habe, der schlie&#223;lich zu einem wissenschaftlichen Durchbruch, namentlich der Identifikation des Doppelcharakters der gesellschaftlichen Arbeit, gef&#252;hrt hat und Marx folglich in die Lage versetzte, die kapitalistische Gesellschaft im <em>Kapital </em>von ihrer „Zellform“ (Marx) her aufzurollen. Lindner ist sich dabei der Problematik jedweder Schematisierung durchaus bewusst, wie er sich gleichsam, trotz der Rede von der Reifung, allen teleologischen Obert&#246;nen versagt. Das Marxsche Werk ist und bleibt ein Torso und gerade Lindners Rekurs auf neuere wissenschaftstheoretische &#220;berlegungen macht klar, dass Marx sich wohl selbst nicht so ganz bewusst war, welche ontologischen, epistemologischen und methodologischen Vorannahmen und Setzungen er getroffen hatte (hier ist wiederum <em>underlabouring </em>gefragt, um ebenjene impliziten Pr&#228;missen zu Tage zu f&#246;rdern).<br />
Teil 2 der Festschrift tr&#228;gt die &#220;berschrift „Politik, &#214;konomie, Geschlechterverh&#228;ltnisse“ und verweist damit auf den weitl&#228;ufigen Fokus der <em>underlabouring</em>-T&#228;tigkeit der Radikalen Philosophie, verglichen etwa mit diversen (&#246;konomistischen) Traditionsmarxismen.Auch diesem Teil des Bandes l&#228;sst sich eine bunte Vielfalt an Themen attestieren. Von Fragen queerer Theoriebildung &#252;ber Probleme der sog. Staatsableitung in marxistischen Debatten bis hin zu historischen Skizzen &#252;ber die Durchsetzung des Kapitalismus in England und die Widerst&#228;nde dagegen sind die verhandelten Inhalte wiederum mannigfaltig. So setzt sich etwa <em>Michael Heinrich</em> in Teil 2 mit den „Grenzen des idealen Durchschnitts“, will meinen den Grenzen der dialektischen Darstellungsweise des Marxschen Kapitals in Hinblick auf den Staat auseinander und gibt desgleichen eine &#220;bersicht &#252;ber die versprengten theoretischen Aussagen Marxens &#252;ber den Staat. <em>Ingo Elbe</em> besch&#228;ftigt sich daran anschlie&#223;end mit der Rechts- und Staatstheorie von Nicos Poulantzas und versucht in kritischer Auseinandersetzung mit diesem und im Anschluss an Erkenntnisse der deutschen Staatsableitungsdebatte der 1970er Jahre, die kapitalistische Staatsform zu ergr&#252;nden. Neben diesen enger auf das Marxsche Werk zentrierten Texten behandelt dieser Teil des Bandes zudem weitere Probleme marxistischer Theoriebildung, die nicht allzu oft als solche er&#246;rtert werden. <em>Ingo St&#252;tzle</em> besch&#228;ftigt sich beispielsweise mit der Kategorie der Staatsverschuldung und ihrem Stellenwert in der Kritik der politischen &#214;konomie – ein in Krisenzeiten ausnehmend interessanter Beitrag. Dar&#252;ber hinaus sei aus diesem Abschnitt schlie&#223;lich noch der Text von <em>Pia Paust-Lassen</em> zur Lekt&#252;re empfohlen, welcher sich in sehr innovativer und erkenntnisbringender Art und Weise mit der Relevanz von verschiedenen Formen von Zeitlichkeit f&#252;r &#214;konomie und &#214;kologie auseinandersetzt.<br />
Der letzte Teil von <em>Philosophieren unter anderen</em> ist der „Theorie und Praxis radikaler Philosophie“ im engeren Sinne gewidmet, auch wenn selbst in diesem Teil der Bezug auf Wolfs <em>framework </em>h&#228;ufig nur implizit bleibt. <em>Denis Maeder</em> spricht gegen Ende des Bandes etwa &#252;ber die Zentralit&#228;t des Fragens und Nichtwissens im Gegensatz zur reinen Aussagen- und Satzlogik klassischer (analytischer) Philosophie und <em>Boaventura de Sousa Santos</em> macht sich Gedanken &#252;ber die Kommensurabilit&#228;t verschiedener Wissensformen und pl&#228;diert f&#252;r eine bestimmte standpunktlogische „Epistemologie des S&#252;dens“. Auch in diesem letzten Teil der Festschrift gilt, was schon zuvor aufgefallen war: Es handelt sich um durchwegs interessante Texte, wobei deren Bez&#252;ge zur Radikalen Philosophie oder Wolfs Werk ganz generell &#246;fter unklar bleiben.<br />
Dies leitet auch schon zur eigentlichen Problematik der Festschrift &#252;ber. Selbige ist ohne Zweifel ein sehr lesenswertes Sammelsurium gegenw&#228;rtiger linker Theoriebildung und Emanzipation, die, will sie denn greifen, sich gewiss nur als vermittelte Zusammenschau vieler differenter Perspektiven denken l&#228;sst. Frieder Otto Wolf versucht mit seiner Radikalen Philosophie eine Art gemeinsame Klammer, einen Diskursbogen f&#252;r verschiedene emanzipatorische Ans&#228;tze zu schaffen, sodass sie in Dialog treten und sich schlussendlich gegenseitig theoretisch befruchten k&#246;nnen. Trotz dieses hehren und unterst&#252;tzenswerten Anliegens stellt sich bei der Lekt&#252;re der Festschrift aber die Frage nach der Koh&#228;renz der gesamten (meta-)theoretischen Perspektive. Wollen linke Theoriebildung und emanzipatorische Bewegungen nicht in seichten und zahnlosen Pluralismus abgleiten, so gelte es ebenso, die verschiedenen Ans&#228;tze in produktive Frontstellungen zueinander zu bringen und, wo n&#246;tig, eben auch Gegens&#228;tze zu prononcieren. Genau dies unterbleibt aber im vorliegenden Band &#252;berwiegend. <em>Underlabouring </em>h&#228;tte es genauso zur Aufgabe, die Inkonsistenzen und ideologischen Verschleifungen einzelner Theorien herauszupr&#228;parieren. Nur durch diese Gegens&#228;tze hindurch lie&#223;e sich zu einer pointiert-vermittelten Theorie des Ganzen gelangen. Mit dieser Festschrift ist sicherlich ein erster Schritt getan, verschiedene Theorietraditionen und Positionen in ein produktives Palaver miteinander und auch „unter die anderen“ zu bringen, weitere Schritte zur Sch&#228;rfung der zu Tage tretenden Widerspr&#252;che stehen aber – auch unter dem Schirm der Radikalen Philosophie – noch aus. Denn so befreiend und egalit&#228;r <em>Palaver </em>sein kann als gleichberechtigtes und solidarisches Sprechen unter anderen, die doch Gleiche sind, so schnell kann dieser in die polyphone Kakophonie des <em>Palaverns </em>ausarten, wo es nicht mehr so sehr darum geht, durch die Differenzen hindurch in kritischer Auseinandersetzung zur Wahrheit zu gelangen, sondern, im Gegenteil, die eigene (virtuelle) Befindlichkeit lauthals und &#252;ber alle anderen dr&#252;ber kundzutun.</p>
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		<title>Die Diesseitigkeit der Philosophie</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Feb 2009 11:05:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 7]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Von Fromberg, Daniel: Demokratische Philosophen. Der Sophismus als Traditionslinie kritischer Wissensproduktion im Kontext seiner Entstehung, M&#252;nster: Westf&#228;lisches Dampfboot 2007, 210 Seiten, € 24,90]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Von Fromberg, Daniel: Demokratische Philosophen. Der Sophismus als Traditionslinie kritischer Wissensproduktion im Kontext seiner Entstehung, M&#252;nster: Westf&#228;lisches Dampfboot 2007, 210 Seiten, € 24,90<br />
<span id="more-292"></span><br />
Die Sophisten sind die „Verfemten der Philosophiegeschichte“. Seit ihrem Wirken als Wanderlehrer in der athenischen Demokratie zur Zeit Sokrates’ haben sie haupts&#228;chlich negative Charakterisierungen erfahren. Auch im kulturellen Ged&#228;chtnis der heutigen Zeit tauchen sie zumeist als Spiegelfechter und unmoralische Schw&#228;tzer auf, bestenfalls noch als gewandte Redner, die mit rhetorischen Taschenspielertricks auf Menschenfang gehen – &#252;berraschend langlebig scheint der Nachhall der von Sokrates und Platon gegen die Sophisten gerichteten Polemik.</p>
<p>Daniel von Fromberg stellt sich die Aufgabe, die Sophisten als „Denker der Demokratie“ zu rehabilitieren. Was den Sophismus auch heute noch zu einem relevanten Forschungsgegenstand mache, sei die in ihm materialisierte historische Erfahrung politischer Auseinandersetzungen. Diese will von Fromberg herausarbeiten und als Inspirationsquelle f&#252;r gegenw&#228;rtige kritische Theoriebildung und politische Praxis fruchtbar machen.</p>
<p>Zu diesem Zwecke unternimmt er eine Exkursion in die Antike. Mit dabei sind Adorno, Gramsci und Foucault. Diese zieht der Autor heran, um den Anspruch des Buches zu untermauern, im Rahmen einer kritischen „Ideengeschichte von unten“ das <em>politische </em>Implizite <em>philosophischer</em> Auseinandersetzungen zu Tage zu f&#246;rdern: Wo Philosophien in den Kontext historischer Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse gestellt werden, zeigt sich, dass diese nicht lediglich abgehobene Denkgeb&#228;ude darstellen, sondern Teil von Wahrheitspolitik sind: Insofern Philosophien in die Konfrontation von Weltauffassungen intervenieren und so an den K&#228;mpfen um kulturelle Hegemonie partizipieren, beweisen sie ihre „Diesseitigkeit“ und ihren Nutzen f&#252;r die allt&#228;gliche politische Praxis.</p>
<p><em>Demokratische Philosophen</em> ist so ein an der Schnittstelle von Philosophie, politischer Theorie und Geschichtswissenschaften angesiedelter Versuch, den Sophismus durch seine Verortung in den gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen in der und um die athenische Demokratie als versch&#252;ttete „Traditionslinie kritischer Wissensproduktion“ zu bestimmen.</p>
<p>Die Spurensuche, die zu einer Entdeckung des Sophismus als Verarbeitungs- und Reflexionsform der athenischen Demokratie f&#252;hrt, nimmt Umwege, und so findet die erste direkte Begegnung mit dem Denken eines Sophisten – Protagoras – erst auf Seite 84 statt. Dem geht zun&#228;chst ein Abriss &#252;ber die Rezeptionsgeschichte des Sophismus voraus. Schon hier r&#252;ckt dieser in ein anderes Licht: Die Themen der Sophisten – erkenntnistheoretischer Empirismus und Relativismus, Skeptizismus, Anthropozentrismus, Religionskritik und realistische Machtanalysen – scheinen nicht dem Bild irrgeistiger Schw&#228;tzer zu entsprechen. Zudem wird deutlich, dass auch die Konjunkturschwankungen der Rezeption sophistischer Philosophie von den Fragen und Problemen der jeweiligen Zeit bestimmt sind.</p>
<p>Von Fromberg arbeitet sich r&#252;ckw&#228;rts durch die Ideengeschichte bis zur Sophismus-Interpretation Platons, der eine eingehendere Analyse gewidmet wird. Platons Tugend- und Ideenlehre, welche die Erkenntnis der „Idee des Guten“ als h&#246;chstes Prinzip den Philosophen vorbeh&#228;lt, um zugleich die Sophisten als „Nachahmer“ der wahren Philosophie dem Bereich blo&#223;er Meinung (im Gegensatz zum Wissen) zuzuordnen, dechiffriert er mit Foucault als Strategie der Ausschlie&#223;ung der Sophisten aus dem „Reich des Wahren“. Im Kontext Platons Staatsphilosophie, die f&#252;r das monarchisch-oligarchische Sparta gegen&#252;ber dem demokratischen Athen Partei nimmt, und die Monarchie – die „Herrschaft des Einen“ – als einzig vern&#252;nftige Staatsform auszeichnet, wird dieser Ausschluss auch als politischer Akt fassbar. Platon geht so weit, die Verfolgung und Vertreibung der Sophisten zu fordern.</p>
<p>Um die Hintergr&#252;nde dieses philosophisch-politischen Verwerfungsurteils zu fassen, zeichnet der Autor in einem n&#228;chsten Schritt die Geschichte Athens nach. Die Konflikte zwischen der traditionell herrschenden Aristokratie und der nichtadeligen Bev&#246;lkerung f&#252;hrten in der „Athenischen Revolution“ zur Selbstkonstitution der B&#252;rgerschaft als handlungsf&#228;higes politisches Subjekt. Die Isonomie, d.h. die politische Gleichheit aller B&#252;rger war zugleich Resultat des erstarkten demokratischen Selbstverst&#228;ndnisses der athenischen B&#252;rgerschaft und Kontext der Entstehung neuer Denkformen. Vor diesem Hintergrund erscheint nicht nur Platon als Vertreter der antidemokratisch gesinnten athenischen Oberschicht, auch der Sophismus kann als Ausdruck seiner Zeit verstanden werden. Es war die „sophistische Aufkl&#228;rung“, welche die Erfahrung der Isonomie intellektuell verarbeitete.</p>
<p>Kernelement der sophistischen Position stellt f&#252;r von Fromberg die Differenzierung zwischen Natur (physis) und Gesetz/Gesellschaft (nómos) dar, welche er als gedankliche Konsequenz der praktisch erfolgten Dekonstruktion der Herrschaftsanspr&#252;che der besitzenden Klassen deutet: Was zuvor als nat&#252;rlich galt, wird nun als gesellschaftliche Konvention begriffen. Dem entspricht eine st&#228;rkere Ausrichtung des Denkens auf die Gesellschaft. Indem Protagoras an die Stelle &#252;berzeitlicher (g&#246;ttlicher) Prinzipien den Menschen als „Ma&#223; aller Dinge“ setzt, l&#228;utet er nicht nur einen Relativismus pluraler Perspektiven ein, sondern er&#246;ffnet auch den theoretischen Raum, in dem der Kampf um die Anerkennung von Wahrheiten als politisches Problem thematisierbar wird. Dies wiederum steht in enger Verbindung zur Entstehung eines neuen Politikverst&#228;ndnisses als „politics of consent“. Im st&#228;ndigen Kampf widerstreitender und um Zustimmung ringender Positionen ist es das Prinzip der politischen Kunst, wie sie Protagoras lehren will, „die schw&#228;chere Argumentation zur St&#228;rkeren zu machen.“</p>
<p>Die Pr&#228;missen der sophistischen Philosophie liegen also in der Anerkennung der konfliktuellen Verfasstheit demokratischer Verh&#228;ltnisse.</p>
<p>Von Fromberg untermauert diese These, indem er die Funktion der Sophisten in der athenischen Gesellschaft untersucht. Das politische System Athens war wesentlich von einer Kultur der argumentativen Auseinandersetzung bestimmt, die Verlagerung sozialer Konflikte auf die diskursive Ebene bedeutete zugleich eine „Pazifizierung“ der Gesellschaft. Der politische Kampf nahm in Athen die Form eines Kampfes um Worte, Begriffe und Weltauffassungen an. Als „Lehrer der organischen Intellektuellen der athenischen Demokratie“, boten die Sophisten politisches Wissen, rhetorische Praxis und ein auf die realen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse ausgerichtetes Denken als „diskursive Waffen“ f&#252;r politische Auseinandersetzungen an. Kritische und subversive Denker waren sie weniger aufgrund des Inhalts ihrer Lehren, als aufgrund ihrer Methode, die von Fromberg als „Prinzip Zweifel“ umschreibt. Da die Sophisten sich nicht auf &#252;berzeitliche Gewissheiten oder eine absolut gesetzte, sich jenseits bestehender Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse w&#228;hnende Vernunft st&#252;tzten, waren sie als erste in der Lage, die Diesseitigkeit und historische Gebundenheit von Wissen und Wahrheit als Bedingungen kritischen Denkens anzuerkennen.</p>
<p>Von Fromberg schlie&#223;t damit, der heutigen Linken das „Prinzip Zweifel“ ans Herz zu legen – als kritischen Impuls, der einen davor bewahrt, sich hinter politischen oder wissenschaftlichen Absolutheitsanspr&#252;chen zu verschanzen, der das eigene Denken beweglich h&#228;lt und es erm&#246;glicht, gesellschaftliche Verh&#228;ltnisse im Hinblick auf ihre Ver&#228;nderbarkeit zu begreifen.</p>
<p>So fruchtbar die kritische Methode der Sophisten in dieser Hinsicht auch sein mag, so gibt uns der Autor doch keinen Hinweis darauf, wie  mit der relativistischen Schlagseite des Sophismus umzugehen ist. Die gesellschaftliche und politische Kontextualisierung scheinbar universeller Wahrheiten ist nicht gleichbedeutend mit einer Reduktion von Wissensanspr&#252;chen auf Politik, wie sie in sophistischen Positionen teilweise anklingt. W&#228;hrend erstere ein notwendiges Instrument herrschaftskritischen Denkens darstellt, ist zweitere dazu angetan, dieses zu unterminieren. Denn wo die Frage nach der Entscheidbarkeit zwischen konfligierenden „Wahrheiten“ g&#228;nzlich auf eine des politischen Kampfes reduziert wird, beraubt man sich der F&#228;higkeit, die eigene politische Position auf bestimmte Wissens- und Erkenntnisanspr&#252;che zu gr&#252;nden. Gerade angesichts der Komplizenschaft bestimmter Weltanschauungen mit diskriminierenden und ausbeuterischen Praxen, k&#246;nnen sich engagierte KritikerInnen bestehender Verh&#228;ltnisse einen relativistisch motivierten Verzicht auf den Anspruch, eine „wahre“ oder zumindest weniger verzerrte Geschichte &#252;ber die (gesellschaftliche) Wirklichkeit zu erz&#228;hlen, allerdings nicht leisten.</p>
<p>Andere inhaltliche wie formale Kritikpunkte an seinen Ausf&#252;hrungen nimmt von Fromberg selbst vorweg. So etwa, dass die Rolle der Frauen in Athen gr&#246;&#223;tenteils unterbelichtet bleibt und auch die Frage nach der Bedeutung der Sklaverei eine eher stiefm&#252;tterliche Behandlung erf&#228;hrt. Das durchwegs positive Bild, das der Autor von der athenischen Demokratie zeichnet, h&#228;tte durch eine eingehendere Reflexion dieser Aspekte sicherlich eine Revision erfahren m&#252;ssen.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus entschuldigt sich von Fromberg gleich zu Beginn bei den FachidiotInnen: HistorikerInnen k&#246;nnten seinen pragmatischen Umgang mit dem historischen Quellenmaterial missbilligen, PolitikwissenschaftlerInnen die Darstellung des politischen Systems des athenischen Stadtstaates f&#252;r unterkomplex halten und PhilosophInnen k&#246;nnten sich &#252;ber die eher laienhaften Griechischkenntnisse des Autors mokieren.</p>
<p>Diese M&#228;ngel scheinen vernachl&#228;ssigbar, tr&#228;gt die Missachtung disziplin&#228;rer Grenzen, der sie geschuldet sind, doch auch zu einer Horizonterweiterung bei.</p>
<p>So k&#246;nnten PolitikwissenschaftlerInnen von dieser Lektion in materialistischer Ideengeschichte einiges f&#252;r ihre eigene Forschungspraxis lernen, HistorikerInnen k&#246;nnten sich vom Nachweis der Aktualit&#228;t 2500 Jahre zur&#252;ckliegender gesellschaftlicher Auseinandersetzungen inspirieren lassen und PhilosophInnen k&#246;nnten dazu verleitet werden, aus dem Reich selbstgen&#252;gsamen Denkens herabzusteigen und im „Dreck der Geschichte“ zu w&#252;hlen, um dort noch die abstraktesten ihrer Ideen als einen Teil des politischen Tagesgesch&#228;fts vorzufinden.</p>
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