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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Nordamerika</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Perspektiven Nr. 6 (Herbst 2008) erschienen!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2008/10/30/perspektiven-nr-6-herbst-2008-erschienen/</link>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 16:00:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>stefan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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		<description><![CDATA[
Schwerpunkt: USA – Br&#252;che im Imperium


]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/category/ausgaben/perspektiven-nr-6/"><br />
<h3>Schwerpunkt: USA – Br&#252;che im Imperium</h3>
<p></a><br />
<a href="http://www.perspektiven-online.at/artikel/category/ausgaben/perspektiven-nr-6/"><img class="alignleft" title="perspektiven6" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2008/10/perspektiven6.jpg" alt="" width="209" height="226" /></a></p>
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		<title>Editorial</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2008/10/30/editorial-6/</link>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 15:20:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 6]]></category>
		<category><![CDATA[Editorial]]></category>
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		<description><![CDATA[Als der demokratische US-Pr&#228;sidentschaftskandidat Barack Obama im Juli im Rahmen einer kleinen Europa-Tournee Berlin besuchte, bot sich ein bizarres Bild. Versorgt von Wurst-, Bier- und Devotionalienverk&#228;uferInnen jubelten mehr als 200.000 Menschen, als w&#252;rde eine Mischung aus Rockstar, Jesus und Martin Luther King zu ihnen sprechen – und nicht der vielleicht schon bald m&#228;chtigste Mann der Welt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als der demokratische US-Pr&#228;sidentschaftskandidat Barack Obama im Juli im Rahmen einer kleinen Europa-Tournee Berlin besuchte, bot sich ein bizarres Bild. Versorgt von Wurst-, Bier- und Devotionalienverk&#228;uferInnen jubelten mehr als 200.000 Menschen, als w&#252;rde eine Mischung aus Rockstar, Jesus und Martin Luther King zu ihnen sprechen – und nicht der vielleicht schon bald m&#228;chtigste Mann der Welt.<span id="more-131"></span> Die Sehnsucht nach einem Richtungswechsel an der Spitze der letzten verbliebenen Supermacht ist gro&#223;, und das nicht nur im „Alten Europa“, sondern auch in den Vereinigten Staaten selbst. Was Wunder angesichts der zu Ende gehenden &#196;ra Bush II, die, gepr&#228;gt von einem nicht zu gewinnenden Krieg, der Verarmung breiter Teile der US-Gesellschaft und dem rapiden Niedergang der globalen kulturellen Strahlkraft des ehemaligen <em>Land of the Free</em>, „Change“ zum Gebot der Stunde macht. Es muss sich etwas &#228;ndern – das ist die Botschaft des Wahlkampfs in den USA, und der nachhaltige Hegemonieverlust des neokonservativen Projekts zwingt sogar den erz-neoliberalen Abtreibungsgegner John McCain, sich bei jeder Gelegenheit von der Bush- Adminstration zu distanzieren. Das Imperium ist heute so br&#252;chig wie selten zuvor, eine Tatsache, die von den nicht enden wollenden Kriegen in Afghanistan und Irak ebenso tragisch illustriert wird wie von der aktuellen Finanzkrise, die ganze National&#246;konomien in den Abgrund zu ziehen droht und deren l&#228;ngerfristige Konsequenzen noch immer nicht absehbar sind. Zugleich aber – und das Ph&#228;nomen Obama zeigt das ebenso deutlich – ist das Ende des globale Sonderstatus der USA noch lange nicht besiegelt. Dass allein die Vorwahlen der Republikanischen und Demokratischen Partei &#252;berall auf der Welt Millionen zu unm&#246;glichen Tagesund Nachtzeiten vor die Fernsehger&#228;te bannten und die Internet-<em>Blogosph&#228;re </em>die Kampagnen der Kandidaten in hitzige Debatten und Pl&#228;doyers &#252;bersetzt, verweist darauf, dass die Auswirkungen der Entscheidung von etwa 220 Millionen Wahlberechtigten wahrlich globale Dimensionen hat.</p>
<p>Der Schwerpunkt dieser Ausgabe von <em>Perspektiven </em>versucht, den Blick f&#252;r die Br&#252;che, Widerspr&#252;chlichkeiten und vor allem die K&#228;mpfe zu sch&#228;rfen, die die USA – und damit auch ihre Rolle in der Welt – pr&#228;gen. Den Beginn macht <em>Gary Younge</em>, Journalist und New York-Korrespondent des britischen <em>Guardian</em>, der das Ph&#228;nomen Obama im Zusammenhang mit der weiterhin rassistischen politischen Kultur in den USA untersucht. Seine Conclusio verwehrt sich gegen ein zynisches Abtun der ersten relevanten Schwarzen Pr&#228;sidentschaftskandidatur in der Geschichte der USA, auch wenn Obamas Politik keinen echten <em>Change </em>bringen wird. <em>Tobias ten Brink</em> analysiert die Rolle der USA aus geopolitischer Perspektive und zeigt, dass das Imperium nicht nur im Inneren fragil ist, sondern auch in der anhaltenden Konkurrenz mit anderen globalen imperialistischen Akteuren schwer zu bew&#228;ltigenden Herausforderungen gegen&#252;ber steht – mit oder ohne Obama. Seine Aktualisierung imperialismustheoretischerer Argumente er&#246;ff net dar&#252;ber hinaus weiterf&#252;hrende, theoretische Diskussionen; an dieser Stelle verweisen wir gerne auf ten Brinks soeben beim Verlag Westf&#228;lisches Dampfboot erschienenes Buch „Geopolitik. Geschichte und Gegenwart kapitalistischer Staatenkonkurrenz“, das wir Interessierten w&#228;rmstens empfehlen. Oft gestellte Fragen zur aktuellen, schweren Banken- und Finanzkrise beantwortet einer der profi liertesten Intellektuellen der globalisierungskritischen Bewegung, <em>Walden Bello</em> – ein Crashkurs zum Kurscrash, damit auch Kulturlinke und Polit-AktivistInnen erkl&#228;ren k&#246;nnen, was es mit <em>Credit Default Swaps</em> auf sich hat. Einen k&#228;mpferischen Blick „von unten“ auf die USA liefern zwei weitere Artikel im Schwerpunkt: <em>Philipp Probst</em> ruft die K&#228;mpfe der <em>Industrial Workers of the World</em> vom Beginn des 20. Jahrhunderts in Erinnerung und zeigt, dass deren Anspruch, junge, migrantische und &#252;berwiegend weibliche ArbeiterInnen mit klassenk&#228;mpferischer Perspektive zu organisieren, nicht nut von historischem Interesse ist. <em>Maria Asenbaum</em> setzt mit ihrem Artikel zu Gewerkschaften und <em>Community Organizing</em> in den USA da an, wo sie gemeinsam mit <em>Karin H&#228;dicke</em> in <em>Perspektiven </em>Nr. 3 („Gewerkschaft bewegen“) aufgeh&#246;rt hatte. Im Mittelpunkt stehen hier die <em>Worker Centers</em>, die migrantische NiedriglohnarbeiterInnen organisieren. Schlie&#223;lich widmen sich <em>Katherina Kinzel</em> und <em>Katharina Hajek</em> den Forderungen und Positionen der „Black Feminists“, die seit den 1960ern die Zusammenh&#228;nge und &#220;berschneidungen von klassen- und geschlechtsspezifi scher sowie rassistischer Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung nicht nur analysieren, sondern auch nach M&#246;glichkeiten ihrer &#220;berwindung fragen. Dieser Anspruch, so ihre Th ese, kann auch f&#252;r gegenw&#228;rtige akademische Debatten um „Intersektionalit&#228;t“ fruchtbar gemacht werden.</p>
<p>Au&#223;erhalb des Schwerpunkts stellen wir unsere kurze Analyse der frustrierenden Ergebnisse der &#246;sterreichischen Nationalratswahl zur Diskussion. Und im dritten Teil unserer Serie „Zum politischen Erbe der Oktoberrevolution“ zeichnen <em>Veronika Duma</em> und <em>Stefan Probst</em> den Prozess der Degeneration und B&#252;rokratisierung des jungen Sowjet-Staates zwischen 1917 und 1928 mit besonderem Augenmerk auf die Transformation der Verh&#228;ltnisse in den Betrieben nach.</p>
<p>Im Rezensionsteil stellt <em>Daniel Fuchs</em> die Arbeit der Sozialwissenschaftlerin Pun Ngai aus Hong Kong vor, die sich mit der Situation und den Widerstandspotentialen der s&#252;dchinesischen Wanderarbeiterinnen befasst (vgl. auch den Artikel von Pun Ngai in <em>Perspektiven </em>Nr. 3). Dazu gibt es Besprechungen zu Konfl ikten um Migrationspolitik und Protestformen illegalisierter MigrantInnen an den Grenzen Europas, Gewerkschaftpolitik und die Umsetzung von USamerikanischen <em>Organizing</em>-Strategien in Europa, Theorien der 1968er und Kritische Psychologie.</p>
<p>Viel Spa&#223; und kontroverse Diskussionen w&#252;nscht<br />
<em>Eure Redaktion</em></p>
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		<title>Sex, Drugs and Klassenkampf</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2008/05/05/sex-drugs-and-klassenkampf/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2008 10:53:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 5]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Philipp Probst</em> &#252;ber die Detroiter Proto-Punk-Band MC5 zwischen <em>Counter-Culture, Black Power, White Panther Party</em>, Acid und der <em>League of Revolutionary Black Workers</em>.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Philipp Probst</em> &#252;ber die Detroiter Proto-Punk-Band MC5 zwischen <em>Counter-Culture, Black Power, White Panther Party</em>, Acid und der <em>League of Revolutionary Black Workers</em>.<br />
<span id="more-107"></span></p>
<p><em>Brothers and Sisters<br />
I wanna see a sea of hands out there…<br />
I want everybody to kick up some noise<br />
I wanna hear some revolution out there, brothers and sisters<br />
I wanna hear a little revolution<br />
Brothers and Sisters, the time has come<br />
For each and everyone of you to decide<br />
Whether you are gonna be the problem,<br />
Or whether you are gonna be the solution<br />
You must choose, brothers, you must choose<br />
It takes 5 seconds, 5 seconds of decision.<br />
5 seconds to realize that it’s time to move!<br />
It’s time to get down with it<br />
Brothers, it’s time to testify and I want to know,<br />
Are you ready to testify?<br />
I give you a testimonial…the MC 5</em></p>
<p>Mit diesen Worten er&#246;ffnete Brother J. C. Crawford am 30. Oktober 1968 das erste von zwei Konzerten der Detroiter Rock ‚n’ Roll Band MC 5, die sp&#228;ter als ihr legend&#228;res Album „Kick out the jams“ ver&#246;ffentlicht werden sollten. Die Gitarren setzten ein, die Band startete ihre energiegeladene Show und riss das Publikum mit. „,Kick out the jams’ ist ein Ruf zu den Waffen, ein Drahtseilakt am Rand des Chaos, die Entfesselung der ganzen Kraft und des Stolzes und der gef&#252;hlvollen Ausgelassenheit im Herzen des Rock ‘n’ Roll“.<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a> Zwischen Marihuanaschwaden, verschwitzten K&#246;rpern und verzerrten Gitarren, so ein Konzertbesucher, „lag Hoffnung in der Luft, die Hoffnung auf eine Revolution“<br />
MC 5 waren f&#252;nf Jugendliche aus den proletarischen Vorst&#228;dten Detroits, die als Garagenband gestartet waren. Der Name MC5 sollte wie eine Seriennummer klingen und dar&#252;ber hinaus einen Bezug zu ihrer Heimstadt, der Motor City Detroit, herstellen. Die Band war gepr&#228;gt von und Teil der Gegenkulturbewegung der Detroiter Jugend und den Hippies, rund um ihren Manager, den Poeten und Aktivisten John Sinclair. Der „Hohepriester der Detroiter Hippies“ gr&#252;ndete die Organisation Trans Love, als deren Sprachrohr MC 5 zahlreiche Jugendliche der Gegend anzog. Ziel war eine kulturelle Revolution, „a total assault on culture“, eine totale Attacke auf die Kultur. Alte Traditionen, Moralvorstellungen, Kernfamilie und Autorit&#228;tsh&#246;rigkeit wurden angegriffen, der Wunsch nach Freiheit, pers&#246;nlicher Freiheit, freiem Sex, freien Drogen wurde hochgehalten – die meisten Texte der Band handeln mehr oder weniger offen von Sex und Drogen. Doch im Gegensatz zur Musik vieler Gegenkulturbewegungen war jene von MC 5 nicht lieblich und friedvoll. Ihre Musik war dreckig und wild und spiegelte die Wut der Detroiter Jugend &#252;ber die katastrophale Situation in Detroits Stra&#223;en und Vorst&#228;dten und die starke Polizeirepression wider. Der Journalist Richard Goldstein schrieb: „Man konnte sich nicht vorstellen, dass sie vor 20.000 Hippies (love people) spielen – nicht mit soviel Feuer in ihrer Musik“.<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a> MC 5 verbanden die Kraft von rock ‘n’ roll mit der Politik der Konfrontation. Die Wurzeln von MC 5 lagen neben den politischen Einfl&#252;ssen der Gegenkulturbewegung und sp&#228;ter der Militanz der st&#228;rker werdenden Black Power Bewegung, vor allem in der Stadt Detroit selbst: der gro&#223;en Tradition der schwarzen Jazz- und Bluesszene, den gewaltt&#228;tigen Arbeitsk&#228;mpfen, Rassenunterdr&#252;ckung und Aufst&#228;nden.</p>
<h3>Detroit: Motor City</h3>
<p>In den fr&#252;hen Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts waren rassistische Auseinandersetzungen und &#220;bergriffe an der Tagesordnung. Mit 200.000 Mitgliedern war Detroit ein Zentrum des Ku-Klux-Klan, dessen Kandidat 1924 sogar die B&#252;rgermeisterwahl gewann und nur auf Grund eines technischen Fehlers wieder disqualifiziert wurde. Gleichzeitig war Detroit Heimat der faschistischen „Black Legion“. Die starke Pr&#228;senz von „white power“-Gruppierungen f&#252;hrte immer wieder zu rassistischen &#220;bergriffen und sogenannten „race riots“. Zus&#228;tzlich brachen immer wieder Klassenkonflikte aus. Als 1932 tausende arbeitslose ehemalige Arbeiter von Ford friedlich demonstrierten und auf das Autowerk in Dearborn marschierten, holte Henry Ford seine Privatarmee aus Preisboxern, ehemaligen Verbrechern und Ringern, die in die Menge schoss und ein regelrechtes Massaker anrichtete. In den fr&#252;hen Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts waren rassistische Auseinandersetzungen und &#220;bergriffe an der Tagesordnung. Mit 200.000 Mitgliedern war Detroit ein Zentrum des Ku-Klux-Klan, dessen Kandidat 1924 sogar die B&#252;rgermeisterwahl gewann und nur auf Grund eines technischen Fehlers wieder disqualifiziert wurde. Gleichzeitig war Detroit Heimat der faschistischen „Black Legion“. Die starke Pr&#228;senz von „white power“-Gruppierungen f&#252;hrte immer wieder zu rassistischen &#220;bergriffen und sogenannten „race riots“. Zus&#228;tzlich brachen immer wieder Klassenkonflikte aus. Als 1932 tausende arbeitslose ehemalige Arbeiter von Ford friedlich demonstrierten und auf das Autowerk in Dearborn marschierten, holte Henry Ford seine Privatarmee aus Preisboxern, ehemaligen Verbrechern und Ringern, die in die Menge schoss und ein regelrechtes Massaker anrichtete.<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a><br />
Die schwarzen Arbeiter hatten ein doppelt schweres Los, bei der die „normale“ Ausbeutung noch durch rassistische Diskriminierung verst&#228;rkt wurde. In Zeiten des Arbeitskr&#228;fte&#252;berangebots war es f&#252;r sie nahezu unm&#246;glich, einen Arbeitsplatz zu finden. W&#228;hrend des zweiten Weltkriegs wurden dann vermehrt schwarze Arbeiter als Hilfskr&#228;fte eingestellt und zum Teil gezielt gegen die wei&#223;e Belegschaft als Streikbrecher eingesetzt. Der sowohl in der st&#228;dtischen Poltik als auch in der Automobilindustrie institutionalisierte Rassismus sch&#252;rte den „Rassenkonflikt“ immer mehr. 1943 kam es zu den bis dahin gr&#246;&#223;ten „race riots“ der USA. Das fast ausschlie&#223;lich wei&#223;e Detroiter Police Department f&#252;hrte einen aufgehetzten wei&#223;en Mob durch die Stra&#223;en, t&#246;tete 43 Menschen und verletzte Hunderte.<br />
Die Detroiter Polizeieinheit war eine der repressivsten des ganzen Landes. In den 1930ern wurden zwei Sondereinheiten, das „Red Squad“ und das „Special Investigative Bureau“ gegr&#252;ndet, um „die Arbeit von Kommunisten und Bolschewiki“ zu &#252;berwachen. Bald entwickelten sich die beiden Einheiten zu einer &#220;berwachungsmaschinerie, die alle politischen Aktivit&#228;ten aufzeichnete. Unter dem Deckmantel, „Radikale“ zu beobachten, wurden Akten &#252;ber mehr als 1,5 Millionen EinwohnerInnen Detroits angelegt. Eine weitere Einheit hatte sich darauf spezialisiert, Unternehmen dazu zu bewegen, niemanden einzustellen, der/die in Verdacht stand, radikale Meinungen zu vertreten.<a href="#anm0" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a> Der langj&#228;hrige Aktivist Ed Vaughn berichtet, dass „die Polizei wie eine Besatzungsarmee“ wirkte.<a href="#anm0" title="anm_5" name="anm_5"><sup>5</sup></a> Menschen wurden geschlagen, sogar get&#246;tet. Bei einer Umfrage der Detroit Free Press gaben die schwarzen EinwohnerInnen Detroits die Polizeigewalt als ihr Hauptproblem im t&#228;glichen Leben an.<br />
Der Gro&#223;teil der ArbeiterInnenklasse und armen DetroiterInnen, schwarz oder wei&#223;, war politisch und &#246;konomisch marginalisiert. Schwarze hatten mit einer bis zu 50 Prozent h&#246;heren Arbeitslosigkeit, und 70 Prozent niedrigeren L&#246;hnen<a href="#anm0" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a>, l&#228;ngeren Arbeitszeiten, und einer Beschleunigung der Flie&#223;bandarbeit, von schwarzen Arbeitern „niggermation“<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> genannt, zu k&#228;mpfen. Von der offiziellen Gewerkschaft konnten sich die Schwarzen wenig Hilfe erhoffen. Die Initialen der UAW (Unified Auto Workers) standen laut schwarzen Aktivisten eigentlich f&#252;r „U ain’t white“.</p>
<h3>No, I don’t mind workin’, but I do mind dyin’</h3>
<p>Trotz oder gerade wegen der schwierigen Umst&#228;nde hatte Detroit eine lebendige Jazz- und Untergrundszene. Mehr als in allen anderen St&#228;dten Amerikas waren Popkultur und politische Rebellion eng verwoben und dienten als Ausdruck des Protests gegen die widrige Situation. Auf die Aussage einer Detroiter Musikerin, jedeR, der/die in Detroit Musik macht, h&#228;tte schon einmal den Blues gespielt, antwortete der <em>Fifth Estate</em><a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a> Journalist Pat Halley: „JedeR, der/die in Detroit lebt, hat schon einmal den Blues <em>gelebt</em>.“ Der Film „Finally got the news” von der und &#252;ber die „League of Revolutionary Black Workers“ beginnt mit einem „Urban blues song” und zeigt, wie in traditionellen Liedern die schwierigen Arbeitsverh&#228;ltnisse der DetroiterInnen wiedergegeben werden.</p>
<p><em>Please Mr. Foreman, slow down your assembly line<br />
No, I don’t mind workin’, but I do mind dyin’<br />
Workin’ twelve hours a day,<br />
Seven long days a week<br />
I lie down and try to rest, but, Lord knows, I’m too tired to<br />
sleep.<br />
(…)<br />
No, I don’t mind workin’, but I do mind dyin’</em><br />
(Joe Carter, 1965, Flie&#223;bandarbeiter bei Ford)</p>
<p>Es war die Vermischung von politischem Protest und Musik, die auch MC 5 inspirierten. Sie waren stolz auf die Einfl&#252;sse der „w&#252;tenden schwarzen Soul- und Jazz-Musik“ in ihren Liedern. Diese traditionelle Musikszene zog auch den jungen K&#252;nstler John Sinclair in den fr&#252;hen 1960ern nach Detroit.</p>
<h3>John Sinclair und Trans Love Energies</h3>
<p>John Sinclair, als Sohn einer wei&#223;en Mittelklassefamilie in Flint, Michigan geboren, zog vor allem die Avantgarde-Jazzszene (John Coltrane) und Beatnik Poetry (Alan Ginsberg) nach Detroit, wo er auch in Kontakt mit Marihuana kam, das, wie Sinclair glaubte, seinen Verstand sch&#228;rfte und seine Kreativit&#228;t erweiterte. F&#252;r ihn stellte die schwarze community eine alternative Lebensweise, einen Gegenpol zur materialistischen und individualistischen Kultur Amerikas dar.<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a> Beeindruckt von der kulturellen Szene Detroits gr&#252;ndeten er und seine sp&#228;tere Frau Leni Arndt mit FreundInnen und Mitstudierenden die K&#252;nstlergruppe „Artist’s Workshop“, die lokale DichterInnen, MusikerInnen und andere K&#252;nstlerInnen „in selbstbestimmter Weise“ zusammenbringen sollte. Der „Artist’s Workshop“ pflegte dabei eine Kultur der Abgrenzung und gewollten Isolation gegen&#252;ber dem Rest der Gesellschaft. Sinclair erinnert sich: „Alles was wir taten, war Jazz. Wir sa&#223;en herum und rauchten <em>dope</em>… Du wolltest nicht zu viel raus gehen, weil, wei&#223;t du, die Menschen waren Spie&#223;er… Sie k&#246;nnten dich sehen (lacht). Du warst kein sch&#246;ner Anblick f&#252;r sie…“ Die Abneigung der &#228;u&#223;eren Welt f&#252;hrte dazu, dass die Gruppe nur Flugzettel an Menschen verteilte, die hip genug aussahen.<a href="#anm0" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a> Trotz dieser elit&#228;ren Haltung begann der „Workshop“ schnell zu wachsen und zog die Aufmerksamkeit der Detroiter Polizei auf sich. Regelm&#228;&#223;ige Antidrogeneins&#228;tze und Unterwanderungen der Gruppe f&#252;hrten immer wieder zu Verhaftungen der Mitglieder wegen kleinerer Delikte.<br />
Sowohl die sich im ganzen Land verbreitende Antikriegsbewegung als auch die <em>flower power-</em>Bewegung brachte neuen Schwung und vor allem Optimismus in die bis dahin eher zynisch agierenden Gegenkulturgruppen. Sinclair selbst f&#252;hrte diesen neuen Optimismus auf die neue Droge LSD zur&#252;ck. „Als Beatniks begannen Acid zu nehmen, brachte es uns aus dem Keller (…), dem Rand der Gesellschaft.Weg von dem Zynismus und dem Gef&#252;hl sich f&#252;r immer von den Langweilern zu isolieren (…) waren wir pl&#246;tzlich von dem Gef&#252;hl der messianischen Liebe erf&#252;llt (&#8230;) wir erkannten, dass wir mit dem Rest der Menschheit verbunden waren.” Dieses neue Gef&#252;hl der Verbundheit veranlasste die Gruppe, neue politische Aktivit&#228;ten in Angriff zu nehmen. Durch den regen Austausch an Menschen und Ideen zwischen &#252;berall im Land neu entstehenden Gegenkulturgruppen kamen wichtige neue Impulse in die Detroiter Szene um John Sinclair. Im Zentrum stand die Arbeit in der Detroiter <em>community </em>und der Versuch, die zersplitterten MusikerInnen- und K&#252;nstlerInnenkollektive, lokale Jugendgruppen und Jugendzentren unter einer Organisation zu vereinigen – der „Trans Love Energies“ (TLE). Ziel war, neben der Organisation von k&#252;nstlerischen Events, der Aufbau einer alternativen, vom Mainstream abgekoppelten Wirtschaft. Alternative Organisationen und Mikro-Unternehmen entwickelten sich, die freie Unterkunft, Informationen &#252;ber Arbeitsm&#246;glichkeiten, Konzerte, Transport in und um Detroit erm&#246;glichen sollten. Auch wenn der Plan nur zum Teil aufging, war das Kernst&#252;ck, die „Trans Love Energies, Unlimited“ relativ erfolgreich. Als Sprachrohr f&#252;r die Politik der TLE dienten, neben der eigenen Zeitschrift „The Sun“, vor allem die lokale Musikgruppe MC 5. Von John Sinclair als Manager in die Gruppe geholt, wurde MC 5 zur Hausband der TLE und die Verbindung zwischen den beiden f&#252;hrte dazu, dass sich massenhaft Jugendliche der Organisation anschlossen.</p>
<h3>Love In und Beat down</h3>
<p>Eines der wichtigsten Events in den Aktivit&#228;ten der Trans Love Energies sollte ein <em>Love-In</em> im April 1967 werden, bei dem friedlich die neue Gegenkultur zelebriert und Liebe und Freiheit hochgehalten werden sollten. W&#228;hrend tags&#252;ber alles friedlich verlief, nutzte die Polizei die Provaktion und Pr&#252;geleien einer Motorradgang, um hart gegen die gesamte Veranstaltung vorzugehen. Sinclair war geschockt, dass die Polizei auf einen friedlichen kulturellen Protest mit Gewalt reagierte. R&#252;ckblickend schreibt er: „Wir hatten ein sehr simplifiziertes Bild von dem, was Revolution sein sollte (…) wir sagten uns, alles was wir tun m&#252;ssen, ist ‚tune in, turn on and drop out’, als ob das die Probleme der Menschen l&#246;sen w&#252;rde (…) und wir verstanden nicht, benebelt durch das ganze Acid, dass die Maschine alles daran setzte, die Dinge so zu lassen, wie sie waren. Zu dieser Zeit war schon eine gro&#223; angelegte Unterdr&#252;ckungskampagne im Gange.“<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a> Die Polizeirepression beim <em>Love-In</em> &#228;nderte und politisierte die Trans Love Energies Gruppe. Die Auftritte der MC 5 wurden immer h&#228;ufiger f&#252;r flammende Ansprachen gegen Polizeigewalt genutzt. Sinclair rief zum „total assault on culture“ auf. (Noch) weit davon entfernt, militant gegen die Polizei vorzugehen, zeigte sich der Protest haupts&#228;chlich in anti-autorit&#228;ren Symbolen und Verarschungen der Polizei. Sinclair meinte sp&#228;ter, dass die Repression der Polizei ihm zeigte, dass die Gegenkulturbewegung eine politische Bewegung sei und deshalb mit Repression rechnen m&#252;sste. Einen weiteren Radikalisierungsschub erhielt die Gruppe durch zwei Ereignisse: der <em>Great Rebellion</em> in Detroit und dem Protest gegen die „Democratic Convention“ in Chicago.</p>
<h3>Great Rebellion</h3>
<p>Im August 1967 schrieb das <em>Time Magazine</em> &#252;ber die Zust&#228;nde in Detroit: „Im gewaltt&#228;tigen Sommer 1967 wurde Detroit die B&#252;hne des blutigsten Aufstand des Jahrhunderts und des kostspieligsten in Bezug auf Besitzbesch&#228;digungen in der amerikanischen Geschichte. Am Ende der Woche waren 41 Menschen tot, 347 verletzt und 3.800 verhaftet. Rund 5000 Menschen waren heimatlos (…) Der gesch&#228;tzte Schaden liegt bei 500 Millionen Dollar.“<a href="#anm12" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a> Die Jahre vor der <em>Great Rebellion</em> waren Jahre der rassistischen Polizeigewalt, bei der immer wieder schwarze DetroiterInnen erschossen wurden. Die Sondereinheit <em>STRESS (Stopp robberies and enjoy safe streets)</em> war ber&#252;chtigt daf&#252;r, junge Schwarze niederzuschie&#223;en.<br />
Gleichzeitig wurden im Zuge eines „st&#228;dtischen Erneuerungsprogramms“ ganze Bezirke schwarzer und armer EinwohnerInnen niedergewalzt.<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a> Die Schulen waren &#252;berf&#252;llt und der Lebensstandard niedrig. Nach dem gro&#223;en Aufstand in Watts, einem Gesch&#228;ftsviertel in Los Angeles, 1965 erlebten die amerikanischen Gro&#223;st&#228;dte allein 1966 dreizehn gro&#223;e Unruhen der schwarzen Bev&#246;lkerung. Die B&#252;rgerInnenrechtsbewegung und die <em>Black Power</em> Bewegung hatten der schwarzen Bev&#246;lkerung mehr Selbstvertrauen zum Handeln gegeben. F&#252;nf Tage nach den Stra&#223;enschlachten in Newark, New Jersey, brach in Detroit die <em>Great Rebellion</em> aus. Im Gegensatz zu fr&#252;heren Aufst&#228;nden war diese nicht ausschlie&#223;lich durch „Rassenkonflikte“ gepr&#228;gt. „Es gab zwar Spannungen zwischen Wei&#223;en und Schwarzen, aber der Aufstand war nicht Schwarz gegen Wei&#223;. Es war ein Aufstand der Besitzenden gegen die Nichtbesitzenden.“ Wei&#223;e und Studierende schlossen sich dem mehrheitlich schwarzen Aufstand an und beteiligten sich am „shopping for free“. Besitz von Unternehmen „die schlecht zur Community waren, egal ob wei&#223;e oder schwarze“ wurden gepl&#252;ndert oder zerst&#246;rt.<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a> Vor allem Organisationen der <em>Black Power</em> Bewegung wirkten im Aufstand als wichtige Kraft.<br />
MC 5 singen in ihrem Lied „Motor City Burning“ &#252;ber die gro&#223;e Rebellion:</p>
<p><em>Ya know, the Motor City is burning babe,<br />
There ain’t a thing in the world that they can do<br />
Ya know, the Motor City is burning people,<br />
There ain’t a thing that white society can do.</em></p>
<p><em>Ma home town burning down to the ground<br />
Worser than Vietnam<br />
…<br />
It started on 12th &amp; Clairmont that morning<br />
It made the pig cops all jump &amp; shout<br />
</em></p>
<p>Das Lied stammte eigentlich vom Detroiter Bluess&#228;nger und Gitarristen John Lee Hooker und wurde nur leicht abgewandelt. Die hinzugef&#252;gten Textzeilen zeigen, dass sich auch die<br />
wei&#223;e Jugend mit diesem Aufstand identifizierte und Teil der Rebellion sein wollte:</p>
<p><em>I like to strike a match for freedom myself,<br />
I may be a white boy, but I can be bad too<br />
Yes, it’s true now, it’s true now</em><br />
(MC 5 – Motor City Burning)</p>
<p>Die Reaktion der Polizei war gewaltig. Die Nationalgarde und das Milit&#228;r wurde gerufen, um den Aufstand niederzuschlagen. Der spontane Aufstand „verwandelte die f&#252;nftgr&#246;&#223;te Stadt des Landes in ein ‚theatre of war’. Ganze Stra&#223;en lagen gepl&#252;ndert, H&#228;userbl&#246;cke brannten. Die Truppen besetzten die amerikanischen Stra&#223;en. Panzer mit feuernden Maschinengewehren und Helikopter patrouillierten in der Stadt der verkohlten Schornsteine, die zwischen ausgebrannten Kellern hervorragten.“<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a><br />
Nachdem die Aufst&#228;nde niedergeschlagen waren, r&#252;ckte die Polizei noch weiter nach rechts und die Repression wurde nochmal versch&#228;rft. Sinclair beschrieb die Situation: „Es gab nichts au&#223;er Polizei…Wenn du in der Nacht auf der Stra&#223;e warst, nahmen sie dich mit und sperrten dich ein (…) wenn du daheim bliebst, traten sie dir die T&#252;r ein und zerst&#246;rten alles. Es war eine Polizeistadt, Baby! Das konntest du f&#252;r keine Minute vergessen.“<a href="#anm16" title="anm_16" name="anm_16"><sup>16</sup></a><br />
Die Band tourte und versuchte ihre Botschaft des „total assault on culture“ zu verbreiten. Sinclair rief die Jugendlichen dazu auf, pers&#246;nliche Freiheit gegen&#252;ber der herrschenden Kultur anzustreben und die Ansprachen von S&#228;nger Rob Tyner &#252;ber Polizeigewalt f&#252;hrten regelm&#228;&#223;ig zu Tumulten bei ihren Konzerten. Immer &#246;fter wurden Konzerte der MC5 durch die Polizei aufgel&#246;st, mit dem Argument, dass „obsz&#246;ne W&#246;rter“ verwendet wurden. MC 5 versuchte sich diesem „Gegenschlag des konservativen Establishments“ (Sinclair) zu widersetzen, indem es sich einfach weigerte, Konzerte abzubrechen. Sinclair schrieb in einem Artikel f&#252;r <em>Fifth Estate</em>: „Wir setzten unsere Magie gegen die Taktiken der (Bullen)schweine<a href="#anm17" title="anm_17" name="anm_17"><sup>17</sup></a> ein und es hat funktioniert (…) Jeder Respekt, den die Menschen m&#246;glicherweise noch f&#252;r ‚law and order’ gehabt hatten, ist einfach verschwunden und ihre Tricks sind ans Tageslicht gebracht worden. Der ganze Mist war v&#246;llig unn&#246;tig (…) wir wollten nur unser Ding machen und dass die Menschen ihr Ding mit uns machen, aber die Polizei wollte nicht, dass das passiert ohne uns niederzutreten (…). Menschen werden aufmerksam gegen&#252;ber den L&#252;gen und Perversionen der alten Menschen, und sie stehen nicht l&#228;nger daf&#252;r. Wir stehen auf keinen Fall l&#228;nger daf&#252;r.“<a href="#anm18" title="anm_18" name="anm_18"><sup>18</sup></a><br />
Die Ermordung Martin Luther Kings veranlasste die Polizei, aus Angst vor weiteren Aufst&#228;nden, eine Ausgangssperre ab acht Uhr abends zu verh&#228;ngen. Konzerte der MC 5 wurden immer schwieriger und die Trans Love Energies damit ihrer wichtigsten Einkommensquelle beraubt, auf die sich ihre Alternativ-&#214;konomie st&#252;tzte. Die schlechter werdenden Bedingungen veranlassten die Gruppe schlie&#223;lich, aus Detroit nach Ann Arbor umzusiedeln.</p>
<h3>Trans Love goes Militant</h3>
<p>Das zweite wichtige Ereignis war ein Konzert anl&#228;sslich des Protests gegen die <em>Democratic Convention</em> in Chicago. Die Proteste gegen den Parteitag der Demokratischen Partei sollten ein Zeichen gegen den Vietnamkrieg werden, doch statt der erwarteten 100.000 Menschen kamen nur 10.000. Die Gr&#252;nde waren vielf&#228;ltig. Nach den massenhaften Protesten der Antikriegsbewegung hatte Pr&#228;sident Johnson erkl&#228;rt, dass er nicht zur Wiederwahl zu Verf&#252;gung st&#252;nde. Die Rhetorik des demokratischen Pr&#228;sidentschaftskandidaten McCarthy hatte dem liberalen Fl&#252;gel der Antikriegsbewegung wieder neue Hoffnungen in die Demokratische Partei gegeben und blieb deshalb Demonstrationen fern – viele meinten, der Krieg w&#228;re bald vorbei.<a href="#anm19" title="anm_19" name="anm_19"><sup>19</sup></a> Gleichzeitig hatte Chicagos B&#252;rgermeister im Vorfeld klargestellt, dass er und seine Polizeikr&#228;fte mit Gewalt gegen jeden Protest vorgehen w&#252;rden und schon die Anreise vieler DemonstantInnen verhindert. Die Proteste wurden haupts&#228;chlich von Yippies und den radikalen Teilen des SDS<a href="#anm20" title="anm_20" name="anm_20"><sup>20</sup></a> getragen. Trotz der geringen Zahl gingen die Polizeikr&#228;fte mit voller H&#228;rte vor. „Die Polizei griff mit Tr&#228;nengas an, mit MACE [chemischer Keule] und mit Kn&#252;ppeln (…), Reihen von zwanzig, drei&#223;ig Polizisten trieben einen Keil in die Menge, ihre Kn&#252;ppel sausten nieder, Demonstranten flohen (…) Sie jagten Leute in den Park, rannten sie nieder, schlugen sie zusammen (…)“<a href="#anm21" title="anm_21" name="anm_21"><sup>21</sup></a> In einem der Protestcamps sollte ein ganzt&#228;giges Konzert stattfinden. MC 5 war die einzige Band, die es wagte aufzutreten. Als die Polizei das Camp st&#252;rmte hagelte es Tr&#228;nengasgranaten, Kn&#252;ppel wurden geschwungen und die Protestierenden und MC 5 mussten fliehen.<a href="#anm22" title="anm_22" name="anm_22"><sup>22</sup></a> Die Aktionen der Polizei gingen letzlich nach hinten los. „Viele junge Menschen kamen als Pazifisten nach Chicago und verlie&#223;en es als Revolution&#228;re.“<a href="#anm23" title="anm_23" name="anm_23"><sup>23</sup></a> Sinclair zog mehrere Lehren aus den Chicagoer Ereignissen. Die Polizei reagiert auf politische Bewegungen, egal ob New Left, Gegenkultur, Yippies, friedliebend oder nicht, unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig heftig. Es brauche deshalb eine politische Organisation zur Selbstverteidigung. Trans Love hatte im Gegensatz zu anderen Organisationen die M&#246;glichkeit &#252;ber ihr Sprachrohr, MC5, tausende Jugendliche zu politisieren. Gro&#223;en Einfluss auf Sinclair hatten die zu dieser Zeit st&#228;rker werdende <em>Black Power</em> Bewegung und die <em>Black Panther Party</em>. Die Forderungen der <em>Black Panthers</em>, einer offen revolution&#228;r agierenden Gruppe mit diffusen sozialistischen Wurzeln, und besonders ihr Eintreten f&#252;r das Recht auf Selbstverteidigung stie&#223; bei der von Polizeirepression gezeichneten und vom Weg des gewaltlosen Widerstands desillusionierten Trans Love Community auf fruchtbaren Boden.<br />
Inspiriert von der Aussage des <em>Black Panthers</em> Huey P. Newton, wei&#223;e Radikale sollen sich in Solidarit&#228;t mit den <em>Panthers </em>und dem <em>„black struggle“</em> in eigenen revolution&#228;ren Kadern organisieren, gr&#252;ndete John Sinclair und sein Freund „Pun“ Plamondon, der im Gef&#228;ngnis mit Schriften der Panthers in Ber&#252;hrung gekommen war, im November 1968 die <em>White Panther Party</em> als politischen Fl&#252;gel der Trans Love Energies. Punkt eins des Parteiprogramms war die volle Unterst&#252;tzung des 10 Punkte Programms der <em>Black Panther Party</em>. Die weiteren Punkte zeugten noch st&#228;rker von den Ans&#228;tzen der Gegenkultur. „A total assault on culture, by any means necessary, including rock ‚n’ roll, dope, and fucking in the streets“, freies Essen, Kleidung, H&#228;user, Drogen, Musik, etc.<a href="#anm24" title="anm_24" name="anm_24"><sup>24</sup></a> Die Einfl&#252;sse der <em>Panthers </em>und der allgemeinen Militanz der Zeit spiegelten sich in den Ansprachen und Zeitungsartikel der <em>White Panther Party</em> wider. Plamondon rief dazu auf sich zu bewaffnen und Sinclair verglich die Jugendkultur mit einer Kolonie innerhalb der „pig power structure“ Amerikas und die Gegenkulturbewegung mit der anti-imperialistischen Bewegung in Vietnam. Plamondon schrieb 1970, es sei „notwendig, die Menschen dar&#252;ber zu informieren, dass wir uns in der Tat im Krieg befinden, und es ist ein revolution&#228;rer Krieg.“<a href="#anm25" title="anm_25" name="anm_25"><sup>25</sup></a><br />
Obwohl die Rhetorik radikaler wurde, spielte sich der „total assault on culture“ haupts&#228;chlich in der musikalischen Welt und &#252;ber MC 5 ab. „Unser Programm hei&#223;t kulturelle Revolution durch einen totalen Angriff auf die Kultur. Das bedeutet, wir ben&#252;tzen jedes Werkzeug, jede verf&#252;gbare Energie und alle Medien, die wir in unsere H&#228;nde bekommen. Wir nehmen unser Programm mit, wohin wir auch gehen und nutzten alle notwenigen Mittel um die Menschen zu erreichen.“ MC 5 schloss einen Plattenvertrag mit Elektra, einem Major Label, ab. Sinclair und die Band erhofften sich, dadurch subversiv die kapitalistische Maschinerie f&#252;r die Verbreitung ihrer Botschaft nutzen zu k&#246;nnen. Die Band sollte getarnt als „einfache wirtschaftliche Kraft“ parasit&#228;r innerhalb der kapitalistischen Plattenindustrie wirken.<a href="#anm26" title="anm_26" name="anm_26"><sup>26</sup></a> Sinclair bewirkte, dass seine <em>Liner Notes</em>, in denen er das Programm zusammenfasste, den verkauften Platten beilagen und auch sonst keine Zugest&#228;ndnisse gemacht wurden. Doch bald schlug die kapitalistische Maschinerie zur&#252;ck. Zuerst wurden kurz nach dem Erscheinen des Albums Sinclairs <em>Liner Note</em>s entfernt, dann eine zensierte Version von „Kick out the Jams“ ver&#246;ffentlicht. Viele Plattenh&#228;ndlerInnen weigerten sich, die Platte wegen Obsz&#246;nit&#228;t zu verkaufen, woraufhin<br />
die Band Fans dazu aufforderte, die T&#252;ren jener Plattenl&#228;den einzutreten – Elektra lie&#223; die Band daraufhin fallen. Wachsende Spannungen zwischen Sinclair und der Band &#252;ber den weiteren Weg, sowohl den musikalischen als auch den politischen, f&#252;hrten schlie&#223;lich zur Trennung. W&#228;hrend die Band mit zwei weiteren Major-Alben kommerziell scheiterte, wurde John Sinclair wegen Besitz von zwei Joints zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die Verurteilung rief eine Solidarit&#228;tskampagne hervor, mit Konzerten im ganzen Land. John Lennon widmete diesem Vorfall sein Lied „John Sinclair“:</p>
<p><em>If he had been a soldier man<br />
Shooting gooks in Vietnam<br />
If he was CIA<br />
Selling dope and making hay<br />
He’d be free, they let him be<br />
Breathing air like you and me</em><br />
(John Lennon – John Sinclair)<a href="#anm27" title="anm_27" name="anm_27"><sup>27</sup></a></p>
<p>Die Verhaftung John Sinclairs f&#252;hrte, trotz Solidarit&#228;tskampagne, zum langsamen Verfall der <em>White Panthers</em>. Diskussionen innerhalb der <em>White Panther Party</em> &#252;ber eine weitere Radikalisierung brachen aus. Manche wollten es den Weathermen<a href="#anm28" title="anm_28" name="anm_28"><sup>28</sup></a> nachmachen und setzten auf direkte Aktionen gegen die Staatsgewalt, w&#228;hrend andere gewaltlosen Widerstand forderten. Zu dieser Zeit war die Gruppe schon vom FBI auf die „Ten Most Wanted“ Liste gesetzt und im Zuge des COINTELPRO<a href="#anm29" title="anm_29" name="anm_29"><sup>29</sup></a> unterwandert. Vorm Hintergrund der Anschl&#228;ge der Weathermen zog die neue Nixon-Administration eine versch&#228;rfte Linie durch, um so viele radikale Gruppen wie m&#246;glich zu beseitigen. Verhaftungen mehrerer Mitglieder, die im – nie best&#228;tigten – Verdacht standen, Bombenanschl&#228;ge durchgef&#252;hrt zu haben, und der nachlassende Einfluss auf die Detroiter Jugend mit dem Ausstieg der MC 5, f&#252;hrten schlie&#223;lich zum Zerfall der Gruppe.</p>
<h3>Counter-Culture und ArbeiterInnen</h3>
<p>Obwohl die Gegenkulturbewegung weite Kreise der Jugendlichen anzog, schaffte sie es weder, der Repression und dem Gegenschlag des Establishments, noch der letztendlichen kapitalistischen Integration und Vermarktung ihrer Gegenkultur etwas entgegen zu setzen. Dan Georgakas und Marvin Surkin beschreiben in ihrem Buch „Detroit: I do mind dying“ die Probleme der Gegenkulturbewegung so: „Die Untergrundpresse und Gegenkultur der 1960er versuchte die materialistische unbefriedigende Welt Amerikas durch eine friedliche und sch&#246;ne Revolution, ohne schmutzige Dinge wie Politik und Ideologien zu erreichen. Zuerst sollte die amerikanische Jugend gewonnen werden, dann kulturelle und soziale Institutionen umgewandelt werden. Die diesen Weg einschlugen wurden bald von kapitalistischen Realit&#228;ten erschlagen. Ihre Musik, ihre Haare, ihr gesundes Essen, Drogen, ihr Mystizismus und ihre bunte Kleidung wurden vermarktet.“<a href="#anm30" title="anm_30" name="anm_30"><sup>30</sup></a><br />
Die neuen linken Bewegungen waren zwar begeistert vom Geist und der Dynamik der Gegenkulturbewegung, die ausschweifende und selbstzerst&#246;rerische Natur, der exzessive Drogenkonsum und die Gewaltlosigkeit vieler Gegenkulturbewegungen schreckte aber politische AktivistInnen ab. Besonders, weil Drogen wie Heroin und Kokain in Ghettos zunehmend zum Problem wurden und zu Stra&#223;engewalt und schlussendlich zur L&#228;hmung der sozialen Bewegungen f&#252;hrten, wurde der positive Bezug auf Drogen kritisch betrachtet. Die Gegenkulturbewegung, die <em>flower power</em>-Bewegung im <em>summer of love</em> kratzte zwar an den konservativen Verh&#228;ltnissen, konnte aber in keinster Weise die amerikanischen Herrschenden herausfordern.<a href="#anm31" title="anm_31" name="anm_31"><sup>31</sup></a><br />
Die Gruppe um John Sinclair ging, auch wegen der speziellen Situation in Detroit, weiter als viele anderen Gruppen der <em>counter-culture</em><a href="#anm32" title="anm_32" name="anm_32"><sup>32</sup></a>. Durch ihre Erfahrungen mit Polizeigewalt waren sie &#252;berzeugt, dass es notwendig sei, der Repression von Staat und Polizei etwas entgegenzusetzen, wenn n&#246;tig auch mit Gewalt, und wussten, dass alle Bewegungen, Studierende, Hippies, ArbeiterInnen mit der selben Repression zu k&#228;mpfen hatten. Nach den Protesten gegen den demokratischen Parteitag meinte Sinclair: „Ich dachte, wir w&#228;ren eine Alternative zu den Streikketten, aber es machte wenig Unterschied f&#252;r die Obrigkeit. Die dachten, beide m&#252;ssten zerst&#246;rt werden – und das wurden wir.“<a href="#anm33" title="anm_33" name="anm_33"><sup>33</sup></a><br />
Trotzdem gingen die Gruppe nie &#252;ber einen elit&#228;ren Ansatz hinaus. Die <em>White Panther Party</em> als „Avantgarde“ sollte die Jugend durch auffallende Symbole und Aktionen belehren und mit subversiven Taktiken von einer Gegenkultur &#252;berzeugen, die die bestehenden Strukturen herausfordern sollten – mit den Mitteln der Musik die Revolution anzetteln. Sowohl die Vergangenheit als elit&#228;re K&#252;nstlergruppe, als auch der Einfluss der <em>Black Panther Party</em><a href="#anm34" title="anm_34" name="anm_34"><sup>34</sup></a> spiegelt sich hier wider. Wichtige Entwicklungen innerhalb Detroits und besonders das Entstehen von revolution&#228;ren Organistationen der Detrioter ArbeiterInnen, wie der <em>League of Revolutionary Black Workers</em>, wurden deshalb nicht beachtet.</p>
<h3>Our thing is DRUM</h3>
<p>Die Urspr&#252;nge der <em>League of Revolutionary Black Workers</em> liegen im Mai 1968. Der Kern der Organisation war eine kleine Gruppe mit marxistischen und <em>black nationalist</em> Einfl&#252;ssen. Im Zuge eines der gr&#246;&#223;ten wilden Streiks von 3000 ArbeiterInnen in Chryslers gro&#223;em Dodgewerk gr&#252;ndete die Gruppe gemeinsam mit Dodgearbeitern das „Dodge Revolutionary Union Movement“ (DRUM), dem es gelang einen weiteren Streik durchzuf&#252;hren, an dem 70 Prozent der schwarzen ArbeiterInnen teilnahmen. Der Erfolg des DRUM f&#252;hrte zu weiteren Organisationen in Detroiter Fabriken und die <em>League </em>wurde als Dachverband gegr&#252;ndet. Durch ihre Basis in den Fabriken und die weite Zirkulation ihrer Zeitschrift <em>Inner City Voice</em> gewannen sie schnell Einfluss bei jungen schwarzen ArbeiterInnen, deren Probleme sie ansprach: korrupte UAW-B&#252;rokraten, Diskriminierung bei Jobvergaben und Ausschluss von Schwarzen von h&#246;heren Jobs, unsichere Arbeitsbedingungen, Verz&#246;gerungen bei der Auszahlung von Geh&#228;ltern etc. Die Politik der <em>League </em>war direkt auf die ArbeiterInnen gerichtet. Im Gegensatz zur Gegenkulturbewegung setzte sie nicht auf aufsehenerregende symbolische Aktionen, sondern war sich bewusst, dass es „f&#252;r die Weiterentwicklung und Erhaltung einer kulturellen Revolution notwendig (ist) die Revolution mit den t&#228;glichen Erfahrungen und Auseinandersetzungen der Menschen zu verbinden.“<a href="#anm35" title="anm_35" name="anm_35"><sup>35</sup></a> F&#252;r die <em>League </em>konnte eine erfolgreiche kulturelle Revolution nur von unten, im Kontext einer allgemeinen sozialen, &#246;konomischen und politischen Revolution kommen.<br />
Wie weit die Kluft zwischen Gegenkultur und den revolution&#228;ren ArbeiterInnen Detroits war, zeigt sich am Verh&#228;ltnis zwischen John Sinclair und der <em>League</em>. In seinem Buch <em>Guitar Army</em> vermeidet Sinclair jede Erw&#228;hnung der Aktivit&#228;ten und politischen Ansichten der <em>League </em>oder anderer ArbeiterInnenorganisationen wie der <em>Motor City League</em> und das, obwohl Sinclairs Anwalt selbst aus diesem Umfeld kam.<a href="#anm36" title="anm_36" name="anm_36"><sup>36</sup></a> Durch die Isolierung von den K&#228;mpfen der ArbeiterInnenklasse in Detroit nahm sich die Gegenkulturbewegung nicht nur eine m&#246;gliche Verb&#252;ndete, sondern auch den Hebel, die „kaptitalistische Maschinerie und Kultur des Todes“ (Sinclair) zu zerschlagen.<a href="#anm37" title="anm_37" name="anm_37"><sup>37</sup></a></p>
<h3>Das Erbe von MC 5</h3>
<p>Trotz des schlussendlichen Scheiterns der Gegenkulturbewegung und dem sp&#228;ter ausgebliebenen Erfolg von MC 5 bleibt das erste MC 5 Album „Kick out the jams“ eine Inspiration f&#252;r politische Bands und Musikbewegungen. MC 5 stellten einen Bruch nicht nur mit den Werten und Idealen des konservativen Amerikas der 1950er und 1960er, sondern auch mit friedvoller Hippiemusik, gewaltfreien Protesten und gem&#252;tlichem Dagegensein dar. Gitarrist Wayne Kramer meinte in einem Interview: „MC 5 sprach nicht nur &#252;ber Revolution. Wir glaubten daran.“ Es war dieser kulturelle Bruch auf den sich sp&#228;tere politische Bands st&#252;tzten. Die „Pioniere des Punks“ legten, noch vor den <em>Sex Pistols</em>, den Grundstein f&#252;r die sp&#228;tere <em>hardcore punk</em> Szene rund um Bands wie <em>Bad Brains</em> und <em>Black Flag</em>, waren ma&#223;geblich f&#252;r die Entwicklung von <em>Iggy Pop</em> verantwortlich, und werden heute noch von politischen Bands wie <em>Rage against the Machine</em> gecovert. Schlie&#223;lich ist es auch heute noch an der Zeit <em>to kick out the jams, motherfucker!</em></p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> Thomas, Davis: MC 5 &#8211; A true testimonial. http://www.furious.com/PERFECT/MC5/MC5film.html<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> Goldstein, Richard: MC5 Kick out the jams. http://makemyday.free.fr/zentareport.htm<br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> Socialist Worker, 3.August 2007: Rebellion in Detroit. http://www.socialistworker.org/2007-2/639/639_10_Detroit.shtml<br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a> Hale, Jeff A.: The White Panthers’ “Total Assault on Culture” http://makemyday.free.fr/whitepanthers.htm<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a> Solidarity: Detroit remembers the 1967 Rebellion. http://www.solidarity-us.org/node/824<br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a> Harman, Chris: Eine Welt in Aufruhr, Frankfurt am Main, 2008<br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a> Georgakas, Dan; Surkin, Marvin: Detroit: I do mind dying. A study in urban revolution, London,1998<br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a> Wichtige politische und antiautorit&#228;re Zeitschrift in der viele Aktivisten dieser Zeit schrieben. Auch John Sinclair und die League of Revolutionary Black Workers ver&#246;ffentlichten Artikel in „Fifth Estate“<br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a> Hale, Jeff A.: The White Panthers a.a.O.<br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a> ebd.<br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a> Sinclair, John: Guitar Army. Rock and Revolution with MC5 and the White Panther Party<br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a> Georgakas, Dan: Detroit a.a.O.<br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a> Solidarity: Detroit remembers a.a.O.<br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a> Harman, Chris: Eine Welt a.a.O<br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a> Harman, Chris: Eine Welt a.a.O.<br />
<a href="#anm_16" title="anm16" name="anm16">16</a> Hale, Jeff A.: The White Panthers a.a.O.<br />
<a href="#anm_17" title="anm17" name="anm17">17</a> Schweine „pigs“ war das Codewort f&#252;r die Polizei. So konnte &#252;ber sie geschimpft werden, ohne in Gefahr zu kommen, verhaftet zu werden<br />
<a href="#anm_18" title="anm18" name="anm18">18</a> Hale, Jeff A.: The White Panthers<br />
<a href="#anm_19" title="anm19" name="anm19">19</a> Neale, Johnathan: Der amerikanische Krieg. Vietnam 1960-1975, K&#246;ln, 2004.<br />
<a href="#anm_20" title="anm20" name="anm20">20</a> Students for a Democratic Society<br />
<a href="#anm_21" title="anm21" name="anm21">21</a> Harman, Chris: Eine Welt a.a.O.<br />
<a href="#anm_22" title="anm22" name="anm22">22</a> Derogates, Jim: MC5 classic still has plenty of kick to it. http://www.jimdero.com/News2001/GreatAug4MC5.htm<br />
<a href="#anm_23" title="anm23" name="anm23">23</a> Harman, Chris: Eine Welt a.a.O.<br />
<a href="#anm_24" title="anm24" name="anm24">24</a> Sinclair, John: White Panther Statement. http://www.luminist.org/archives/wpp.htm<br />
<a href="#anm_25" title="anm25" name="anm25">25</a> Hale, Jeff A.: The White Panthers<br />
<a href="#anm_26" title="anm26" name="anm26">26</a> ebd.<br />
<a href="#anm_27" title="anm27" name="anm27">27</a> Das Lied „Revolution“ von den Beatles in dem John Lennon sich gegen Gewalt in der Widerstandsbewegung ausspricht, soll eine Diskussion mit John Sinclair wiedergeben, ob nun die Gedanken (Lennon) oder die Institutionen befreit werden m&#252;ssen. John Sinclairs Antwort’ „Warum nicht beides?“<br />
<a href="#anm_28" title="anm28" name="anm28">28</a> Die Weatherman waren eine Absplatung von der „Students for a Democratic Society“ (SDS). Sie erkl&#228;rten, unzufrieden mit der Politik des SDS, dass jetzt die Zeit sei, um den Kriegszustand gegen die Regierung auszurufen und f&#252;hrten eine Serie an Bombenanschl&#228;gen auf Regierungsgeb&#228;ude durch.<br />
<a href="#anm_29" title="anm29" name="anm29">29</a> Das Counter Intelligence Program war eine Reihe geheimer Projekte des FBI, um radikale Gruppierungen auszuforschen und zu unterwandern.<br />
<a href="#anm_30" title="anm30" name="anm30">30</a> Georgakas, Dan: Detroit a.a.O<br />
<a href="#anm_31" title="anm31" name="anm31">31</a> Harman, Chris: Eine Welt a.a.O<br />
<a href="#anm_32" title="anm32" name="anm32">32</a> Andere Gegenkulturbewegungen, wie die Yippies und manche Beatnikzirkel, gingen ebenfalls radikalere Wege.<br />
<a href="#anm_33" title="anm33" name="anm33">33</a> Revolution 1968: politics and culture united. http://www.socialistworker.co.uk/art.php?id=14370<br />
<a href="#anm_34" title="anm34" name="anm34">34</a> Die Politik der Black Panthers ist widerspr&#252;chlich. Einerseits war das Avantgarddenken sehr stark von maoistischer Auffasung von Revolution gepr&#228;gt, andererseits versuchten die Panthers immer wieder Anschluss an<br />
andere Kreise zu finden.<br />
<a href="#anm_35" title="anm35" name="anm35">35</a> Georgakas, Dan: Detroit a.a.O.<br />
<a href="#anm_36" title="anm36" name="anm36">36</a> ebd.<br />
<a href="#anm_37" title="anm35" name="anm35">37</a> Hale, Jeff A.: The White Panthers a.a.O.</p>
<h3>Buchtipp</h3>
<p>John Sinclair <em>Guitar Army. Rock &amp; Revolution with MC5 and the White Panther Party</em> Los Angeles 2007</p>
<p>Georgakas, Dan/ Surkin, Marvin <em>Detroit: I Do Mind Dying A Study in Urban Revolution</em> Cambridge 1998</p>
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		<title>Arbeiten am Hegemoniebegriff</title>
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		<pubDate>Mon, 05 May 2008 10:38:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 5]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung(skritik)]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>
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		<description><![CDATA[Rezension: Winter, Jens: Transnationale Arbeitskonflikte. Das Beispiel der hegemonialen Konstellation im NAFTA-Raum, M&#252;nster: Westf&#228;lisches Dampfboot 2007, 30,80 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Winter, Jens: Transnationale Arbeitskonflikte. Das Beispiel der hegemonialen Konstellation im NAFTA-Raum, M&#252;nster: Westf&#228;lisches Dampfboot 2007, 30,80 €<br />
<span id="more-110"></span><br />
Der gesellschaftliche Hintergrund, vor dem Jens Winter seine Arbeit entwickelt, sind die globalen Ver&#228;nderungen der Arbeitsverh&#228;ltnisse und die mannigfachen Fragen die sich daraus ergeben. Nicht nur f&#252;r die Wissenschaft, sondern auch f&#252;r politische AkteurInnen, die sich Angriffen ausgesetzt sehen, welche &#252;ber Jahrhunderte erworbene Rechte im Bereich der Arbeitsbeziehungen zunichte machen oder zumindest aush&#246;hlen, sind die Fragen heute von zentraler Bedeutung. Entlang der Ver&#228;nderungen in einer globalen Welt, die sich auszeichnen durch eine vermehrte Transnationalisierung von Herrschafts- und Ausbeutungsverh&#228;ltnissen, rekonstruiert der Autor mehrere theoretische Ans&#228;tze, die diese Dynamik zu begreifen versuchen. Generell unterteilt er hier in „problem solving“-Theorien und in kritische Theorien, wobei er sich selbst in einer wissenschaftlichen Tradition verortet, die sich aus den kritischen Arbeiten des neogramscianschen Ansatzes, der Regulationsschule und der staatstheoretischen Debatte rund um Joachim Hirsch und Bob Jessop speist.<br />
&#220;berblicksm&#228;&#223;ig l&#228;sst sich festhalten, dass er mit Bezug auf die „problem solving“-Theorien, unter die er neoinstitutionalistische und regimetheoretische Ans&#228;tze einordnet, zwei zentrale Schwachstellen erkennt. Sie schaffen es nicht, die Genese und das umfassende gesellschaftstheoretische Transformationspotential aktueller Entwicklungen, unter Ber&#252;cksichtigung sich neu konstituierender transnationaler Herrschaftsverh&#228;ltnisse, zu erfassen. Mit Bezug auf Staatlichkeit sind es auch genau diese Herrschaftsverh&#228;ltnisse, die aus dem Blickfeld geraten und deshalb zu einem verk&#252;rzten Staatsverst&#228;ndnis f&#252;hren. Trotzdem spricht er diesen Ans&#228;tzen nicht ab, auf analytischer Ebene ein sensibles methodisches Instrumentarium entwickelt zu haben, um die politischen Prozesse innerhalb analytisch fixierter Rahmenbedingungen zu erfassen. Mit Bezug auf die neogramscianisch inspirierte Forschung macht Jens Winter zwei zentrale Problembereiche aus: a) ein zu hoher Abstraktionsgrad der Analyse, der es erschwert, spezifische soziale Dynamiken und Institutionalisierungsprozesse zu erfassen und b) ein stark auf die KapitalistInnenklasse konzentriertes Erkenntnisinteresse, was zu einer Unterbelichtung der Rolle staatlicher AkteurInnen, inter- bzw. transnationalen Regimen und Subalternen f&#252;hrt. Entlang dieser Einsch&#228;tzung neogramscianischer Problemfelder spezifiziert er sein Anliegen. Dabei steht das permanente Spannungsfeld dynamischer und statischer Elemente in hegemonietheoretischen Analysen im Zentrum. Da Hegemonie immer sowohl das Umk&#228;mpfte als auch das Medium des Kampfes ist, schl&#228;gt Winter vor, die dynamische Perspektive zu favorisieren und fasst dies in einer terminologischen Erneuerung. Nicht ein pr&#228;fixierter historischer Block sollte Untersuchungsgegenstand sein, sondern der Prozess der Herausbildung einer hegemonialen Konstellation. Mit dieser prozessorientierten Konzeption von Hegemonie betont er die konstitutive Komponente sozialen Handelns, umgeht die pr&#228;judizierte Setzung wichtiger AkteurInnen in hegemonialen Auseinandersetzungen und kann die in hegemonialen Auseinandersetzungen sich neu bildenden AkteurInnen auf unterschiedlichen r&#228;umlichen Ebenen erfassen, was ein besseres r&#228;umlichfunktionales Begreifen politischer Prozesse erm&#246;glicht.<br />
Sein eigenes Vorgehen bezeichnet Jens Winter als akteursorientierten kritischhegemonietheoretischen Ansatz. „Es geht darum, verschiedene methodische Wege zu nutzen und v.a. die Ergebnisse mit der Absicht zu interpretieren, neue Erkenntnispfade innerhalb des kritisch-hegemonietheoretischen Paradigmas zu beschreiten“, deren Ergebnisse<br />
nicht schon im Vorhinein, aufgrund festgezurrter Annahmen relativ fixiert sind. (74)<br />
Als sein Untersuchungsfeld w&#228;hlt Jens Winter die hegemoniale Konstellation des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA und spezifischer das North American Agreement on Labor and Cooperation (NAALC), also einen „spezifischen transnationalen Governance Prozess im Widerspruchs und Konfliktfeld der Arbeitsregulierung“ (75).<br />
In seinem ersten empirischen Teil analysiert Winter die allgemeine hegemoniale Konstellation der NAFTA, um sich dann einem speziellen Teilbereich dieser Konstellation zuzuwenden. Die Analyse des NAALC versucht empirisch reich untermauert die Dynamiken und Resultate unterschiedlicher Auseinandersetzungen in den verschiedenen Arenen als Handlungsspielr&#228;ume verschiedenster Akteure zu interpretieren. Sein akteurszentrierter Ansatz kann zeigen, dass die Entwicklung einer hegemonialen Konstellation der NAFTA keineswegs als ein reines Elitenprojekt zu begreifen ist, sondern widerst&#228;ndige Praktiken sich insbesondere in den Nebenabkommen wie dem NAALC niederschlugen, diese dadurch aber Teil einer hegemonialen Kompromissformel wurden. Das hei&#223;t, die oft elitenfixierte Herangehensweise neogramscianischer Ans&#228;tze kann kein umfassendes Bild hegemonialer Konstellationen und deren Realit&#228;t zeichnen, wenn nicht die Rolle subalterner Akteure als Teil der Konstitutionsbedingung hegemonialer Konstellationen gefasst wird. Methodisch l&#228;sst sich sagen, dass der Versuch, unterschiedliche Formen der Untersuchung f&#252;r das Feld NAFTA und NAALC zu verbinden, gelungen ist. Trotzdem bleiben einige Fragen offen, wie der Autor zum Teil selbst anmerkt. Theoretisch f&#252;hrt uns die Arbeit zu einer zentralen Fragestellung, die nicht beantwortet wird, n&#228;mlich dem Verh&#228;ltnis zwischen Struktur und Handlung innerhalb der Analyse hegemonialer Konstellationen. Jens Winter benennt diesen Problembereich zwar, beantwortet ihn aber nicht. Dar&#252;ber hinaus stellt der Begriff des Transnationalen zwar eine zentrale theoretische Kategorie dar, bleibt allerdings unterbestimmt. Wie in dem Buch zu erkennen ist, wird transnationaler Raum analytisch nicht beschr&#228;nkt auf die Summe von Akteuren oder Prozessen, sondern erh&#228;lt einen eigenst&#228;ndigen theoretischen Status, doch bleibt dieser Status implizit im Text verschl&#252;sselt. Empirisch werden die transnationalen Prozesse zwar akribisch herausgearbeitet, doch fehlt eine theoretische Darstellung des transnationalen Raumes in seinen eigenen Logiken als Arena hegemonialer Auseinandersetzungen. Besonders f&#252;r das Erfassen transnationaler, subalterner Subjektivierung w&#228;re diese Darstellung hilfreich. Abschlie&#223;end soll festgehalten werden, dass das Buch, sowohl in methodischen Belangen als auch in seinen theoretischen Erweiterungen, als wichtige Intervention in die Debatten um neogramscianische Forschungsperspektiven zu sehen ist. Besonders die gelungene &#220;berwindung der Dichotomie zwischen theoretischen Arbeiten und empirischer Forschung ist ein Vorzeigebeispiel daf&#252;r, wie theoriegeleitete Forschung aussehen kann. Kritische Forschung kann sich entlang solcher Herangehensweisen wieder als wichtige Stichwortgeberin gesellschaftlicher K&#228;mpfe etablieren und so das gramscianische Paradigma einer „Philosophie der Praxis“ mit neuem Leben erf&#252;llen.</p>
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		<title>An der Werkbank der Supermacht</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Dec 2007 10:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>stefan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 3]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskämpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaftsbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Kim Moody</em> ist Autor eines neuen Buches &#252;ber die amerikanische ArbeiterInnenklasse: <em>US Labor in Trouble and Transition</em>. Er hat mit <em>Chris Harman</em> und <em>Martin Smith</em> &#252;ber seine Forschung gesprochen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Kim Moody</em> ist Autor eines neuen Buches &#252;ber die amerikanische ArbeiterInnenklasse: <em>US Labor in Trouble and Transition</em>. Er hat mit <em>Chris Harman</em> und <em>Martin Smith</em> &#252;ber seine Forschung gesprochen.</p>
<p><span id="more-13"></span></p>
<p><em>Martin Smith: Kannst du uns einen &#220;berblick &#252;ber den Zustand der amerikanischen ArbeiterInnenklasse geben, ihre organisatorische St&#228;rke, die Stimmung und so weiter?</em></p>
<p>Die Situation f&#252;r die organisierten ArbeiterInnen in den USA war ein Vierteljahrhundert lang von Niedergang und R&#252;ckzug gepr&#228;gt. Der Organisationsgrad heute betr&#228;gt nur noch 13 Prozent, acht Prozent in der Privatwirtschaft. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Aber der R&#252;ckzug findet nicht ohne Widerstand statt – an jedem Punkt wurden Anstrengungen unternommen, sich zu wehren. In den letzten Jahren gab es nicht viele inoffizielle Streiks, anders als in den 1960ern und 1970ern. Die meisten Streiks werden der Gewerkschaft aufgezwungen oder manchmal nur formal von ihnen angef&#252;hrt. Insgesamt steigt die H&#228;ufigkeit von Streikaktionen nicht wirklich, obwohl es in den letzten paar Jahren schon ein bisschen mehr gibt.<br />
Manche Streiks stechen dabei mehr heraus als andere. Der UPS Streik 1997 war besonders wichtig. Die <em>Teamsters</em> (<em>Transport-Gewerkschaft, Anm. d. Red.</em>) waren sehr gut vorbereitet, sowohl auf der F&#252;hrungs- als auch auf der Basisebene und der Streik war erfolgreich.<br />
In den 1990ern gab es ungef&#228;hr zwanzig Streiks bei verschiedenen Niederlassungen von <em>General Motors</em>. Das zeigte die St&#228;rke der AktivistInnen vor Ort. Sie machten die Erfahrung, dass wegen der „just-in time“-Produktionsmethoden das ganze System von Kanada bis Mexiko zum Stillstand kommt, wenn man einen Betrieb lahm legt. Fast alle dieser Streiks konnten ihre Forderungen nach mehr Arbeitspl&#228;tzen durchsetzen. Aber die nationale Gewerkschaft hat diese Bewegungen nie zusammengef&#252;hrt. Sie haben ihre St&#228;rke nicht genutzt.<br />
Die ersten Bem&#252;hungen an der Spitze der Gewerkschaftsbewegung, etwas zu unternehmen, waren die Versuche in den 1990ern, die Ausrichtung der <em>AFL-CIO</em> (<em>American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations, Amerikanischer Gewerkschaftsbund, Anm. d. Red.</em>) in Bezug auf die Aktivit&#228;ten an der Basis zu &#228;ndern. Als Resultat wurde John Sweeney 1995 zum Pr&#228;sidenten der <em>AFL-CIO</em> gew&#228;hlt, der diesen Sieg die folgenden Jahre aber verschleudert hat und sich als unf&#228;hig erwies, irgendetwas in Richtung einer neuen Strategie vorzustellen. Die Rhetorik war, die „Unorganisierbaren zu organisieren“.  Dass das nicht gelungen ist, liegt dabei nicht nur an seinem eigenen politischen Versagen, sondern auch am Widerstand vieler Gewerkschaften, die das nicht so sehen.<br />
Wenn jemand neue Mitglieder organisieren konnte, dann waren das die BasisaktivistInnen der ArbeiterInnenbewegung. Es kann nicht von einer Armee von professionellen OrganizerInnen erledigt werden, wie das bei der <em>SEIU</em> (<em>Service Employees International Union, Dienstleistungs-Gewerkschaft, Anm. d. Red.</em>) und anderen versucht wurde.<br />
Sweeneys Versagen f&#252;hrte letztendlich zur Spaltung der <em>AFL-CIO</em> 2005 und der Formierung der rivalisierenden <em>Change to win Coalition</em>. Seither hat sich nicht viel ver&#228;ndert. Die <em>SEIU</em>, die st&#228;rkste Kraft in der <em>Change to win Coalition</em>, rekrutiert offensiver als jede andere Gewerkschaft, wie auch die <em>Teamsters</em>, die auch in <em>Change to win</em> sind. Aber die <em>Communication Workers</em>, die immer noch in der <em>AFL-CIO</em> sind, rekrutieren ebenfalls. Also waren weder Politik, noch Prinzipien, noch „Visionen“ der eigentliche Grund f&#252;r die Spaltung. Es ist schwer zu sagen, worum es wirklich ging. Ich habe in der Zeit in New York unterrichtet und hatte Kontakt zu Mitgliedern der Gewerkschaften, die in die Spaltung involviert waren. Sie hatten keine Ahnung was da los war. Alles spielte sich an der Spitze ab. F&#252;r die Basis schien es bei der Spaltung um Macht und Geld f&#252;r die Gewerkschaftsf&#252;hrung zu gehen. Einige Gewerkschaften dachten, es w&#228;re Geldverschwendung weiter Abgaben an die <em>AFL-CIO</em> zu zahlen, was ja nicht ganz falsch war. Die neue <em>Change to win Coalition</em> steht auf wackligen Beinen. Das Problem mit dem Ansatz einiger Gewerkschaften in <em>Change to win</em> ist, dass sie die Rekrutierungs-Offensive mit zwei anderen Praktiken verbinden. Zuerst haben sie Ortsgruppen zusammengelegt. Jetzt gibt es Gruppen, die sieben oder acht Staaten einschlie&#223;en, mit Mitgliedern hunderte von Meilen voneinander entfernt. Es ist unm&#246;glich Treffen abzuhalten. Eigentlich sind es eher administrative Einheiten, die von viel Personal verwaltet werden. Es sind &#252;berhaupt keine demokratischen ArbeiterInnenorganisationen. Seit Jahrzehnten reden wir &#252;ber Gewerkschaftsb&#252;rokratie, aber das geht ja noch viel weiter, als wir uns das je vorgestellt haben. Viele Leute sind bereit, das zu vergeben, weil die <em>SEIU</em> neue Mitglieder gewinnt. Aber auch hier geht die Rate zur&#252;ck. Und ein Grund daf&#252;r ist die Art und Weise, wie sie das machen. Sie planen die Rekrutierungsoffensiven Jahre im Voraus und weichen nicht von diesem Plan ab. Sogar wenn eine andere Gruppe mitmachen will, sagen sie, nein, sorry. Ich &#252;bertreibe nicht.<br />
Das zweite Problem, das die <em>Change to win</em> Sache und vor allem die <em>SEIU</em> ausmacht, ist das ganze „Partnerschafts“-Konzept. Andy Stern, der <em>SEIU</em>-Vorsitzende, sagt Sachen wie, „Es darf keinen Klassenkonflikt mehr geben. Wir m&#252;ssen mit den Unternehmen zusammenarbeiten und ihnen helfen, erfolgreich zu sein.“ Das versprechen sie in den Rekrutierungsoffensiven – in gewisser Hinsicht scheinen sie zu versuchen, die UnternehmerInnen eher als die ArbeiterInnen zu organisieren. In der <em>Health Maintenance Organisation</em> an der Westk&#252;ste sagen sie sogar explizit, dass sie ihre Mitglieder zur&#252;ckhalten w&#252;rden, wenn das dem Gesch&#228;ft hilft. Das war immer ein Aspekt des <em>business unionism</em>, aber jetzt wird es zu einer expliziten Ideologie.<br />
Eine der Sachen, f&#252;r die die <em>SEIU</em> ber&#252;hmt sind, ist die <em>Justice for Janitors</em> Kampagne 1990. In der Recherche f&#252;r mein Buch habe ich mir die Lohnvereinbahrungen angesehen, die da getroffen wurden und die sind f&#252;rchterlich. In 15 Jahren haben sie noch nicht einmal den Reallohnverlust ausgeglichen.<br />
Man kann nicht sagen, dass alle <em>Change to win</em> Gewerkschaften f&#252;r das „Partnerschaftsmodell“ sind und alle <em>AFL-CIO</em> dagegen. Ungl&#252;cklicherweise verbreiten viele Gewerkschaftsvorsitzende diese Idee, die ein bisschen anders ist als die Gewerkschafts-Unternehmens-Kooperationen der 80ern und 90ern. Vielleicht versuchen sie das europ&#228;ische Sozialpartnerschafts-Modell zu kopieren.</p>
<p><em>MS: Aber viele AktivistInnen in Gro&#223;britannien sind sehr begeistert von den Rekrutierungsoffensiven der SEIU. In New York und Seattle sieht man die SEIU-Mitglieder &#252;berall mit ihren violetten Baseball-Kappen.</em></p>
<p>Sie mobilisieren ihre Mitglieder f&#252;r Demonstrationen wenn sie sie brauchen und demobilisieren sie, wenn sie sie nicht mehr brauchen. Die Kappen und T-Shirts sind &#252;berall, aber das ist mehr so ein amerikanisches Ding. Die <em>SEIU</em> hat ein Wort daf&#252;r, die „<em>Purple Army</em>“. Sie k&#252;mmern sich sehr um ihr Image, und das ist ein Teil davon.<br />
Trotzdem f&#252;hren sie einige interessante K&#228;mpfe. Sie organisieren ArbeiterInnen, die dringend Organisation brauchen. Sie rekrutieren in Industrien, die nicht der internationalen Konkurrenz ausgesetzt sind, wie Krankenhauspersonal oder Geb&#228;udereinigung, die nicht ins Ausland verlegt werden k&#246;nnen. Den gr&#246;&#223;ten Mitgliederzuwachs erreichen sie gerade beim Sicherheitspersonal. Viele der neuen Mitglieder kommen aus L&#228;ndern wie Mexiko und El Salvador und bringen ihre radikalen politischen Ideen und Traditionen mit. Das gibt der Gewerkschaft eine gewisse Lebendigkeit. Das war besonders bei <em>Justice for Janitors</em> der Fall. Die ersten Leute, die sie rekrutieren und die dann Basis-OrganizerInnen werden, sind politische Leute.<br />
Es gibt zw&#246;lf Millionen migrantische ArbeiterInnen in den USA. Der Gro&#223;teil kommt aus Lateinamerika. Die Gewerkschaften haben lange gebraucht, um darin einen Kreis potentieller Mitglieder zu sehen. Die MigrantInnen-Demonstrationen und die Streiks am 1. Mai 2006 waren spektakul&#228;r. Diese Streiks haben ganze Industrien lahm gelegt. Dadurch konnten wir sehen, wo diese ArbeiterInnen Druck aus&#252;ben k&#246;nnen. Nicht nur in der Landschaftsg&#228;rtnerei oder Geb&#228;udereinigung: sie haben die halbe Lebensmittelverarbeitung, die H&#228;fen an der Westk&#252;ste und die Bauarbeiten in Kalifornien lahm gelegt.<br />
Seit den May-Day-Streiks wird massive Repression ausge&#252;bt. Auch die katholische Kirche, die 2006 eine gro&#223;e Rolle gespielt hat, f&#252;rchtet sich mittlerweile vor dem, was sie da losgetreten hat. Dieses Jahr gab es keine landesweite Mobilisierung, also ist es auch nicht zu etwas Vergleichbarem gekommen. Aber in Chicago haben 150.000 Menschen demonstriert – und das an einem Arbeitstag – und in Los Angeles 35.000! Es gibt hunderte lokale Organisationen und vielleicht ein halbes Dutzend landesweiter Kooperationen, von konservativ bis radikal, die sich damit befassen, und einige rekrutieren selbstst&#228;ndig f&#252;r die Gewerkschaft. Es gibt Geschichten dar&#252;ber. Als die <em>Laborers’ Union</em> OrganizerInnen in einen Fleischverarbeitungsbetrieb im S&#252;den geschickt hat, stellten die OrganizerInnen fest: „Als wir dort ankamen sahen wir, dass die Gewerkschaft schon vor der Gewerkschaft da war. Sie hatten sich selbst organisiert. Wir mussten nur noch die Mitgliedskarten verteilen.“<br />
Die Gewerkschaft muss jetzt den Durchbruch im S&#252;den schaffen. In den letzten drei&#223;ig Jahren gab es dort so viel an &#246;konomischer Aktivit&#228;t, nicht nur in der Lebensmittelverarbeitung, die enorm ist, sondern auch in der Automobilindustrie. Es gibt jetzt zwei Automobilindustrien in den Vereinigten Staaten. Die alte, <em>General Motors</em>, <em>Ford</em>, <em>Chrysler</em> und so weiter, die in der Krise stecken und die neue im S&#252;den, dazu geh&#246;ren <em>Mercedes</em>, <em>Nissan</em>, <em>Toyota</em> etc., die gerade sehr erfolgreich sind. In den Betrieben im S&#252;den gibt es keine massiven Entlassungswellen. Diese Betriebe m&#252;ssen das Hauptziel der Organisierungsoffensiven werden, wenn die Gewerkschaft sich durchsetzen will. Die Betriebe im S&#252;den sind zu 95% unorganisiert.</p>
<p><em>MS: Wird es wieder so etwas wie „Operation Dixie“ in den sp&#228;ten 40ern und fr&#252;hen 50er Jahren geben? </em></p>
<p>Das war eine Katastrophe. Die <em>CIO</em>-Gewerkschaft ging runter in den S&#252;den mit der Idee (a) die KommunistInnen zu schlagen, weil die die Einzigen waren, die im S&#252;den gek&#228;mpft haben um Gewerkschaften aufzubauen und (b) die Wei&#223;en zu organisieren, damit sie nicht mit der „Rassen-Frage“ konfrontiert werden. Nat&#252;rlich haben sie in der „Rassen-Frage“ versagt und sind in einen enormen Fraktionsstreit mit den Kommunisten in der Stahl-Industrie geraten – am Schluss hatten sie gar nichts.<br />
Ich glaube nicht, dass sie heute so dumm sind. Es gibt ohnehin keine KommunistInnen im S&#252;den. Au&#223;erdem heuern die Gewerkschaften jetzt alle Linken an, die sie kriegen k&#246;nnen. Sweeney war der erste, der damit in den 1980ern begonnen hat. Er hat die Frage gestellt: „Wie holen wir wieder Kampfgeist in die Organisation? Wir werden die ganzen 68er-Veteranen anheuern.“ Die Frage ist, k&#246;nnen sie mit der Ethnizit&#228;ts-Thematik umgehen? Im S&#252;den ist das noch schwieriger als fr&#252;her, weil es jetzt nicht mehr nur Schwarze und Wei&#223;e gibt, es gibt Schwarze, Wei&#223;e, Latinos und einige AsiatInnen. Der S&#252;den hat sich ge&#228;ndert. Er ist jetzt viel industrialisierter, obwohl immer noch sehr r&#252;ckst&#228;ndig.<br />
Abseits der Rhetorik ist die <em>SEIU</em> gar nicht interessiert, im S&#252;den zu rekrutieren. Sie m&#252;ssen immer noch abertausende DienstleistungsarbeiterInnen im Rest des Landes organisieren. Also wird es die Aufgabe der ehemaligen Industrie-Gewerkschaften sein, die der Auto- und der KommunikationsarbeiterInnen, im S&#252;den Fu&#223; zu fassen. Die <em>United Auto Workers</em> haben k&#252;rzlich in zwei kleinen Autoteil-Fabriken im S&#252;den die Abstimmungen (zur gewerkschaftlichen Organisierung des Betriebs, Anm. d. Red.) gewonnen. Das ist gut, aber nicht gut genug.<br />
Die Gewerkschaften m&#252;ssen gemeinsam funktionieren und jene, die strategische Macht haben, sie auch einsetzen. Das war das richtige an <em>Operation Dixie</em>: Sie wussten, sie m&#252;ssen es gemeinsam als Verband machen. Jetzt gibt es zwei Verb&#228;nde und wir brauchen Gewerkschaften aus beiden, damit das Ding funktioniert. Hoffentlich schaffen sie es, trotz dieser eher unn&#246;tigen Spaltung, zusammen zu arbeiten. Das muss auch die <em>Teamsters</em> inkludieren, weil der LKW-Transport die Basis der ganzen s&#252;dlichen Industrie ist. Wenn der s&#252;dliche LKW-Transport kontrolliert werden kann, kann man so gut wie alles lahm legen.</p>
<p><em>MS:  K&#246;nnen sie uns ein paar positive Beispiele der Organisierung der ArbeiterInnen geben – wir haben nicht viel davon geh&#246;rt.</em></p>
<p>Fleischverarbeitung zum Beispiel. W&#228;hrend des Streiks am 1. Mai 2006 haben die Leute, die den Smithfield-Betrieb organisieren, zu einer Demonstration der migrantischen ArbeiterInnen aufgerufen und es sind nicht nur die aus der Smithfield-Fabrik gekommen, sondern noch aus vier oder mehr anderen Betrieben. Sie haben alle wichtigen Fabriken des Staates zum Stillstand gebracht. K&#252;rzlich gab es auch Organisierungs-Erfolge in Fleischverarbeitungs-Betrieben in Omaha, Nebraska. Das ist zwar nicht der S&#252;den, aber es ist eine wichtige Lebensmittelindustrie-Gegend.<br />
Ein Schl&#252;sselelement dieser beiden K&#228;mpfe war die Zusammenarbeit mit den <em>Workers’ Centers</em>. Diese Organisationen haben sich in den letzten zwanzig Jahren entwickelt. Meistens befinden sie sich in migrantischen Gemeinden und werden <em>Workers’ Center</em> genannt, weil sie sich im Gegensatz zu den &#228;lteren <em>Community</em>-Organisationen auf den Arbeitsplatz konzentrieren. Es sind aber keine Gewerkschaften. Es gibt ungef&#228;hr 130 davon im ganzen Land, die meisten davon im S&#252;den. Sie haben in Smithfield und in ganz North Carolina eine wichtige Rolle gespielt.<br />
Manchmal werden sie von den Gewerkschaften finanziell unterst&#252;tzt, aber es gibt auch Spannungen zwischen den beiden. Die Gewerkschaftsf&#252;hrung stolpert &#252;ber etwas, was sie nicht kontrollieren kann und wei&#223; nicht recht, was sie damit anfangen soll, migrantische ArbeiterInnen organisieren sich selbst auf einer <em>Community</em>-Basis und meistens auch auf der Basis von Nationalit&#228;t und Ethnie. Aber die Gewerkschaftsf&#252;hrung hat in den letzten Jahren dazugelernt und jetzt sagt die <em>AFL-CIO</em>, sie wollen, dass die <em>Workers’ Center</em> sich mit ihnen zusammenschlie&#223;en. Die <em>Laborers’ Union</em> hat sogar selbst ein <em>Workers’ Center</em> gegr&#252;ndet.<br />
Die <em>Workers’ Center</em> haben eine wichtige Rolle in den Organisierungs-Offensiven gespielt. Eines der historischen Probleme in den Vereinigten Staaten ist, dass vor drei&#223;ig oder vierzig Jahren die ArbeiterInnen in Gemeinden in der N&#228;he der Betriebe lebten und zu Fu&#223; zur Arbeit gegangen sind. Das ist in den USA schon lange zusammengebrochen. Heute fahren die Leute normalerweise &#252;ber hundert Meilen zu einem guten Arbeitsplatz, wenn sie den bekommen.<br />
Indem MigrantInnen urbane oder semi-urbane Communities aufbauen, gibt es jetzt wieder Gemeinden in der N&#228;he der Arbeitspl&#228;tze. Dadurch entsteht eine neue Verbindung zwischen proletarischen Communities und der Belegschaft. Das vereinfacht vieles. So gab es z. B. Erfolge, in New York TaxifahrerInnen zu organisieren, die fast alle aus dem indischen Subkontinent kommen. Sie haben sich selbst organisiert und sind dann der <em>AFL-CIO</em> beigetreten. Die <em>Workers’ Center</em> arbeiten jetzt oft beim Organisieren mit den Gewerkschaften zusammen. Sie sind langfristige Hoffnungstr&#228;ger.<br />
Ich sage bestimmt nicht vorher, dass wir kurz vor einem Aufschwung stehen. Die Kr&#228;fte m&#252;ssen akkumuliert werden. Das Wachsen der Organisation dr&#252;ckt sich noch nicht in Zahlen aus. Die Gewerkschaften verlieren immer noch mehr Mitglieder, als sie dazu gewinnen. Die offiziellen Statistiken von 2006 zeigen, dass die Gewerkschaften weitere 300.000 Mitglieder verloren hat, inklusive vieler bei <em>General Motors</em> und so weiter. Das <em>Organizing</em> ist also noch nicht mal an dem Punkt, wo es mit den Verlusten mithalten kann.<br />
Ich sehe die Ursache darin, dass die Gewerkschaft keinen strategischen Fokus hat. Wie bereits erw&#228;hnt, die <em>Teamsters</em> k&#246;nnten der Schl&#252;ssel sein, um den S&#252;den zu organisieren. Sie machen viele verschiedene Sachen und sind &#252;berall, aber es gibt keinen geographischen oder industriespezifischen Fokus. Dasselbe gilt f&#252;r die <em>Auto Workers</em>. Die haben die letzten zwanzig Jahre damit verbracht, Universit&#228;tsabg&#228;ngerInnen und TeilzeitlektorInnen zu organisieren. Das ist ja sehr nett, aber die k&#246;nnen keine Verschiebung der Klassen-Machtverh&#228;ltnisse des Landes bringen.</p>
<p><em>MS: Sie haben uns einiges &#252;ber ArbeiterInnen aus Lateinamerika berichtet. Was ist mit der schwarzen ArbeiterInnenklasse? Sie war das R&#252;ckgrat der K&#228;mpfe in den 60er und 70er Jahren. Und was ist mit der wei&#223;en ArbeiterInnenklasse?<br />
</em></p>
<p>Die schwarze ArbeiterInnenklasse hat es extrem hart getroffen, h&#228;rter als jede andere Gruppe. Sie waren in den 1960er und 1970er Jahren besonders wichtig, nachdem sie sich endlich substantielle Pr&#228;senz in der Industrie erarbeitet hatten. Hier gab es einen schweren R&#252;ckschlag, St&#228;dte wie Detroit und Cleveland sind verw&#252;stet. Cleveland war vor zwanzig Jahren eine Industriehauptstadt. Jetzt ist sie die &#228;rmste Stadt der Vereinigten Staaten. Die schwarzen ArbeiterInnen, die weiterhin besch&#228;ftigt werden, sind jetzt vor allem im &#246;ffentlichen Dienst und im Dienstleistungssektor konzentriert. Sie sind immer noch entscheidend in einigen Industriezweigen, vor allem im S&#252;den und in der Automobilindustrie in Norden und S&#252;den.<br />
Ein Teil des Problems ist ein politisches. Obwohl die schwarze ArbeiterInnenklasse nicht generell konservativer ist als die wei&#223;e, waren sie abh&#228;ngiger von der Demokratischen Partei. Die Demokraten sind wiederum von ihnen abh&#228;ngig, aber tun nichts f&#252;r sie. Deshalb gab es eine lange Periode politischer Frustration und es hat sich keine radikale Richtung daraus entwickelt.<br />
Jetzt gibt es auch eine gro&#223;e, schwarze Mittelklasse. Ein Ergebnis der B&#252;rgerInnenrechtsbewegung war, dass mehr schwarze Menschen Stellen im &#246;ffentlichen Dienst bekommen haben, B&#252;rojobs, trotzdem muss man die Fragilit&#228;t der schwarzen Mittelklasse verstehen, sie st&#252;tzt sich sehr auf den &#246;ffentlichen Dienst.<br />
Wei&#223;e ArbeiterInnen sind immer noch die Mehrheit, trotz der Ver&#228;nderungen. Sie machen immer noch 75 Prozent der ArbeiterInnenschaft aus. Es gibt einen Unterschied zwischen ArbeiterInnen im &#246;ffentlichen Dienst, wo es immer noch eine gewisse Arbeitsplatzsicherheit gibt und die meistens, zumindest in den Gro&#223;st&#228;dten, gewerkschaftlich organisiert sind, und der industriellen ArbeiterInnenklasse, die total verw&#252;stet wurde. Ganze St&#228;dte, die ehemals Gewerkschaftsbastionen waren, sind jetzt nur noch W&#252;sten. Aber die Industrie ist nicht ganz verschwunden, nicht mal im Norden. Also k&#246;nnen die wei&#223;en IndustriearbeiterInnen immer noch eine Rolle spielen.<br />
Ihr Bewusstsein war immer schon vollkommen widerspr&#252;chlich. Sie waren die Basis der militantesten Gewerkschaften in den 1930er und 1940er bis in die 1950er Jahre. Es gab keine sozialistische Pr&#228;senz in diesen Gewerkschaften, aber sie w&#228;hlten die Demokraten im Interesse der Klasse, auch wenn wir das nicht so sehen w&#252;rden. Trotzdem war der Rassismus tief verankert in der wei&#223;en ArbeiterInnenklasse. Zwischenzeitlich, in der Hitze des Gefechts, wurde der Rassismus dann wieder auf Eis gelegt. Also war es lange Zeit so, dass niemand eine rein wei&#223;e KandidatInnenliste aufstellen w&#252;rde, wenn ein Betriebrat bei den <em>Auto Workers</em> oder den <em>Teamsters</em> oder irgendwo in der Stahlindustrie gew&#228;hlt wurde. Also gibt es zwar eine Menge Rassismus, aber auch das praktische Verst&#228;ndnis, dass wir hier alle gemeinsam drinh&#228;ngen.<br />
Was sich auch noch ver&#228;ndert hat, ist eine Art <em>backlash</em> gegen&#252;ber den Gewerkschaften. Die Leute arbeiten nicht mehr im selben Betrieb, sind arbeitslos, machen irgendeinen lausigen Job oder gehen auf die Berufsschule und hoffen noch was zu lernen. Sie sind nicht mehr im selben Kampf. Und die, die einen guten Job in einem gewerkschaftlich organisierten Betrieb hatten und den verlieren, geben daf&#252;r nicht nur der Firmenleitung sondern auch der Gewerkschaft die Schuld. Sie sagen, „Wo war die Gewerkschaft? Sie haben dar&#252;ber Bescheid gewusst und uns im Stich gelassen.“<br />
Eine Anekdote dazu. Es gab eine Rekrutierungsoffensive im Norden Pennsylvanias, nicht weit von Pittsburgh. Das ist ein Teil des Landes mit sehr hohem Organisationsgrad, nicht nur in der Stahlindustrie sondern &#252;berall. Die <em>SEIU</em> versuchte Pflegepersonal zu organisieren und ist es nicht gew&#246;hnt, die Annerkennungsabstimmung zu verlieren. Aber sie haben haushoch verloren. Jemand hat die ArbeiterInnen f&#252;r eine Studie interviewt, und sie haben gesagt: „Wir k&#246;nnen kein Vertrauen in euch haben. Schaut, was die Gewerkschaften in den Stahl-Betrieben gemacht haben. Sie haben sich f&#252;r niemanden stark gemacht.“<br />
Also haben sich viele der Menschen, die fr&#252;her gute Gewerkschaftsmitglieder waren, jetzt der neoliberalen Ideologie oder dem evangelikalen Christentum zugewandt. Abtreibung wird pl&#246;tzlich auf eine Art und Weise wichtig, wie es fr&#252;her nie der Fall war. Man war zwar Katholik und ein guter Katholik und man war gegen Abtreibung, aber irgendwie war das kein Thema. Die Themen waren Geld und der Kampf mit den Bossen. Jetzt werden Abtreibung und Homo-Ehe an Orten wie Ohio zum wichtigsten Wahlkampfthema 2004 – das ist unglaublich. Und die Gewerkschaften k&#246;nnen so was nicht anfechten.</p>
<p><em>Chris Harman: Es gibt diese weit verbreitete Idee, sogar auf der Linken, dass die Industrie aus den wirtschaftlich entwickelten L&#228;ndern verschwunden ist. In deinem Buch erscheint es aber, als h&#228;tten wir es mehr mit einer Verschiebung aus dem Nordosten der USA in den S&#252;den und den Westen zu tun. Die Statistiken, die du pr&#228;sentierst, sind durchaus interessant. Der Reinverlust betr&#228;gt demnach nur zwei oder drei Millionen der zwanzig bis drei&#223;ig Millionen Arbeitspl&#228;tze.</em></p>
<p>Der Verlust an Arbeitspl&#228;tzen in der verarbeitenden Industrie ist in vier Sektoren konzentriert. Bei Textil und Bekleidung ist fast alles ins Ausland abgewandert. Die Metallindustrie ist noch nicht ganz weg. Eisen oder Bergbau und alles was damit zusammenh&#228;ngt ist ganz weit unten. Was in den 1990ern noch runter gegangen ist, ist die Chemie-Branche, ehemals ein Industriezweig mit hohem Organisationsgrad. Aber viele andere Industrien sind noch da – sie haben sich nur innerhalb der USA bewegt. Es werden noch mehr Arbeitspl&#228;tze in der verarbeitenden Industrie verloren gehen, daran besteht kein Zweifel. Noch einiges wird nach China, Mexiko oder Brasilien abwandern. Aber bei einigen Dingen ist es einfach un&#246;konomisch, sie weit weg zu produzieren. Diese Dinge werden weiterhin f&#252;r den lokalen und nationalen Markt produziert.<br />
Die Idee, dass die Gesellschaft nicht l&#228;nger aus materiellen Dingen zusammengesetzt ist, ist nat&#252;rlich Bl&#246;dsinn. Da muss man sich nur umschauen. Diese Dinge m&#252;ssen von irgendwo kommen, mache kommen aus China oder Indien, aber sie sind bestimmt nicht all die Dinge losgeworden, die in den USA produziert wurden. Die Ironie ist, dass wegen der Restrukturierung einige der traditionellen manuellen Arbeiten noch wichtiger geworden sind, wie LKW-Fahren oder Bahntransport. Was jetzt als „Logistik“ bezeichnet wird, ist der eigentliche Schl&#252;ssel der neuen Struktur der Industrie. Sie k&#246;nnen den Panama-Kanal nicht mehr ben&#252;tzen, weil er zu klein f&#252;r ihre Schiffe ist, also bringen sie das Zeug an die Ost- oder an die Westk&#252;ste und transportieren es per LKW oder per Bahn durchs ganze Land. Deshalb haben Gewerkschaften in diesen Industrien potentiell viel Macht und Einfluss. Das muss allerdings noch demonstriert werden. Unter der derzeitigen Leitung der <em>Teamsters</em> ist es aber unwahrscheinlich, dass viel getan wird, um das zu zeigen.</p>
<p><em>MS: In der Zeit der gro&#223;en antikapitalistischen Proteste in Seattle 1999 hat man &#252;ber das Zusammenkommen von Teamsters und Turtles (junge AktivistInnen der Umweltschutzbewegung) gesprochen. Welche Auswirkungen hatte das? Gab es eine antikapitalistische Stimmung in den Gewerkschaften? Das andere Ereignis, das bestimmt einen Einfluss hatte, war der 11. September.</em></p>
<p>Der 11. September hat mehr oder weniger einen Gro&#223;teil der Auswirkungen der Seattle-Proteste untergraben. In den USA gab es seitdem keine Demonstration mehr mit diesem Charakter. Es gab Anti-Kriegs-Demonstrationen, die gr&#246;&#223;er waren, aber sie hatten nicht den gleichen Effekt.<br />
Aber Seattle hatte sehr wohl Auswirkungen. Es war nicht nur interessant, dass die <em>AFL-CIO</em> ihre Leute hingebracht hat – sie haben 30.000 Leute hingebracht. Sie wollten sie davon abhalten, mit den jungen Leuten gemeinsam auf die Stra&#223;e zu gehen, waren darin aber nicht durchwegs erfolgreich. Die Leute, die aus dem Block ausgebrochen sind, um mit den AktivistInnen zusammenzukommen, waren streikende MetallerInnen aus Oregon, die eine Allianz mit den UmweltschutzaktivistInnen in ihrem Teil des Landes aufgebaut hatten und die HafenarbeiterInnen von der Westk&#252;ste, die in einer traditionell linken Gewerkschaft organisiert sind. In ihrem Vertrag steht, dass sie ein Mal im Monat die Arbeit f&#252;r ein „Treffen“ niederlegen k&#246;nnen, sie haben sich diesen Tag daf&#252;r ausgesucht. Und es waren die <em>Teamsters</em> aus der <em>Reform-Bewegung</em> – Seattle ist daf&#252;r ein wichtiges Zentrum. Es waren vor allem wei&#223;e ArbeiterInnen aus progressiven lokalen Gewerkschaften, die radikalisiert wurden und die in ihrem Bewusstsein bereits weiter gekommen waren, als jene ArbeiterInnen, die den Importen die Schuld geben, dass ihnen „die Arbeitspl&#228;tze weggenommen werden.“ Diese progressiveren Gruppen von ArbeiterInnen wurden von Leuten wie den „Labor Notes“ ausgebildet, die hatten mit ihnen viele Jahre gearbeitet und Netzwerke zum Thema des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens in Kanada, den USA und Mexiko aufgebaut. Also gab es eine kleine Schicht von ArbeiterInnen, die nach Seattle kamen und die Konfrontation, die sie gesehen haben, gut fanden. Es war spannend Leute zu sehen, die von Seattle zur&#252;ckkamen und gesagt haben „Wenn wir das n&#228;chste mal streiken, sollen diese Anarchisten zu uns kommen.“<br />
Nach Seattle haben die Gewerkschaften ihre Meinung in vielen Fragen ge&#228;ndert. Nicht total. Die MetallarbeiterInnen sind immer noch sehr protektionistisch orientiert. Aber gleichzeitig machen sie auch mehr internationale Arbeit in Lateinamerika.</p>
<p><em>CH: Kannst du uns ein bisschen was &#252;ber Labor Notes erz&#228;hlen?</em></p>
<p>Ich war einer der Mitbegr&#252;nderInnen von <em>Labor Notes</em> 1979. Es ist ein unabh&#228;ngiges, landesweites Magazin, das monatlich erscheint und sich an GewerkschaftsaktivistInnen richtet. Ich habe f&#252;r <em>Labor Notes</em> gearbeitet, bis ich 2001 nach New York gezogen bin. In New York war ich immer noch Mitherausgeber. Jetzt stehe ich in keiner offiziellen Verbindung mehr, aber wir stehen in Kontakt.<br />
Die Organisation wurde w&#228;hrend der Nachwirkungen des Streiks der MinenarbeiterInnen 1978 in den USA aufgebaut. Was wir damals bemerkten und was wir insgesamt bez&#252;glich der Periode der 1960er und 1970er empfanden, war das Problem, dass es zwar riesige Bewegungen an der Gewerkschaftsbasis gab – die MinenarbeiterInnen waren die einzigen, die auf nationaler Ebene erfolgreich waren – aber dann brach alles wieder zusammen. W&#228;hrend des Streiks gingen die MinenarbeiterInnen in andere Betriebe in den Norden zu den Auto- und Stahlfabriken, um dort Geld zu sammeln, und es wurden Karawanen aus den n&#246;rdlichen St&#228;dten organisiert um den MinenarbeiterInnen Sachen zu bringen. Wir erkannten, dass ein Problem dieser &#196;ra war, dass eine Institution, eine politische Kraft oder Publikation fehlte, die all das zusammenbrachte und eine Art Klassensichtweise, einen analytischen Kontext schaffen kann.<br />
Wir hatten nicht den Plan, eine Organisation aufzubauen. Die meisten von uns haben damals bei den <em>International Socialists</em> angefangen, aber die Idee war, nicht von der Organisation kontrolliert zu sein, unabh&#228;ngig zu bleiben und so war es dann auch im Gro&#223;en und Ganzen, obwohl die meisten von uns SozialistInnen sind. Wir waren von unserem eigenen Erfolg &#252;berrascht. Wir haben eine Auflage von 8000 oder 9000 St&#252;ck. Dann begannen wir damit, Kongresse zu organisieren, um Leute aus den verschiedenen Teilen der ArbeiterInnenklasse zusammenzubringen. Die waren auch sehr erfolgreich, ungef&#228;hr tausend Personen nehmen jedes Jahr daran teil. Das Problem ist, dass es das einzige Projekt dieser Art ist. Wir haben nicht die Ressourcen um den Einfluss zu gewinnen, den wir gerne h&#228;tten, obwohl wir durchaus welchen haben. <em>Labor Notes</em> ist eine wichtige Institution innerhalb der Gewerkschaftsbewegung geworden. Die Gewerkschaftsspitze war demgegen&#252;ber zwar manchmal feindselig, aber sie k&#246;nnen nichts dagegen unternehmen.<br />
Die Schicht der Militanten in den Vereinigten Staaten ist nicht anders als sonst wo, au&#223;er in dem wichtigen Sinne, dass Sozialismus als politische Idee f&#252;r ein halbes Jahrhundert kein wichtiger Teil der ArbeiterInnenbewegung gewesen ist. Das soll nicht hei&#223;en, dass es nicht viele SozialistInnen gibt. Man kann auf viele Demos gehen, z. B. von ArbeiterInnen aus der Autoindustrie und jemanden ansprechen, der nicht in einer Gruppe ist und von dem man nicht denken w&#252;rde das er Sozialist ist, aber wenn man mit ihm redet, findet man heraus, dass er’s ist. Und dann gibt es noch dieses andere Ph&#228;nomen, das mir st&#228;ndig begegnet. Es ist so eine Art kleines Identifikationspapier, wenn man die <em>Industrial Workers of the World</em> (<em>IWW</em>)-Karte hat. Das kann man auch bei ganz normalen Gewerkschaftsmitgliedern finden, dass sie sich von der Idee einer radikalen, revolution&#228;ren Gewerkschaftsbewegung angezogen f&#252;hlen. So wie die <em>IWW</em> heute existiert, ist es nur eine politische Sekte. Aber die Idee dahinter, die Geschichte davon, gef&#228;llt einigen der Militanten. Ich bin immer wieder &#252;berrascht, wenn mich jemand zur Seite zieht und sagt „Ich hab eine rote Karte.“</p>
<p>Im englischen Original erschienen in: <em>International Socialism</em> 115 (2007).<br />
&#220;bersetzung: Maria Asenbaum<br />
Mit freundlicher Genehmigung von <em>International Socialism</em></p>
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		<title>Zwei Logiken der Macht</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 22:22:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rezension: David Harvey: Der neue Imperialismus, Hamburg: VSA-Verlag 2005, 23,50 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sp&#228;testens seit Bushs <em>War Against Terrorism</em> erleben wir ein Revival marxistischer Imperialismustheorien, die versuchen, die neuen Kriege, die Instabilit&#228;ten und Widerspr&#252;che im globalen Kapitalismus zu Beginn des neuen Jahrtausends zu erkl&#228;ren. Mit <em>Der neue Imperialismus</em> hat David Harvey, marxistischer Geograph und f&#252;hrender Vertreter eines „historisch-geographischen Materialismus“, einen wichtigen Beitrag zu dieser Debatte geleistet.<o></o><br />
Harvey definiert den kapitalistischen Imperialismus als widerspr&#252;chliche Verschmelzung von zwei Logiken der Macht: einer territorialen (geopolitischen) und einer kapitalistischen (&#246;konomischen). Das Verh&#228;ltnis zwischen beiden ist weder funktionell noch einseitig. Weder operieren Staaten und Imperien immer aus kapitalistischen Motiven, noch werden die &#246;konomischen Prozesse von Staaten und Imperien gelenkt. Kapitalistische und territoriale Machtlogik sind als voneinander verschieden zu begreifen, aber gleichzeitig „auf komplexe und widerspr&#252;chliche Weise miteinander verwoben“. (36)<o></o></p>
<p class="MsoNormal">Aus Perspektive der kapitalistischen Logik geht es bei imperialistischen Praktiken darum, die ungleichen geographischen Bedingungen, die notwendig aus kapitalistischen Tauschbeziehungen entstehen, auszunutzen, w&#228;hrend es Hauptaufgabe des Staates ist, „die asymmetrische Struktur des r&#228;umlichen Tauschs, die sich zu seinem Vorteil auswirkt, zu erhalten.“ (38)<o></o></p>
<p>Staatliche Aktivit&#228;t ist auch zentral bei der L&#246;sung der regelm&#228;&#223;igen &#220;berakkumulationskrisen im Kapitalismus, entweder durch massive Entwertung oder Erschlie&#223;ung neuer Verwertungsm&#246;glichkeiten im Inneren, oder durch geographische Expansion nach au&#223;en und die Umstrukturierung r&#228;umlicher Beziehungen. Hier kommt das ins Spiel was Harvey „Akkumulation durch Enteignung“ nennt. Der Kapitalismus ben&#246;tigt stets einen Vorrat an Verm&#246;genswerten au&#223;erhalb seiner selbst, um dem Druck der &#220;berakkumulation zu entgehen. Der Prozess der „urspr&#252;nglichen Akkumulation“ bei Marx – „die Kommodifizierung und Privatisierung des Bodens…, Umwandlung verschiedener Formen von Eigentumsrechten (&#246;ffentlich, kollektiv, staatlich usw.) in exklusive Eigentumsrechte; Kommodifizierung der Arbeitskraft und die Unterdr&#252;ckung alternativer (traditioneller) Formen der Produktion und des Konsums; koloniale, neokoloniale und imperialistische Prozesse der Aneignung von Verm&#246;genswerten…“ (143) – ist f&#252;r Harvey deshalb nicht nur ein Ph&#228;nomen in der Entstehungsgeschichte des Kapitalismus, sondern „eine wichtige und anhaltende Kraft in der historischen Geographie der Kapitalakkumulation durch Imperialismus“. (141)<o></o></p>
<p class="MsoNormal">Insbesondere seit der Welt-wirtschaftskrise 1973 wurde die „Akkumulation durch Enteignung“, als Kompensation f&#252;r die chronischen Probleme der &#220;berakkumulation, immer wichtiger. Hauptvehikel dieser Entwicklung war die Finanzialisierung und die effektive Abstimmung eines internationalen Finanzsystems, das bestimmten Gebieten oder auch ganzen L&#228;ndern – gest&#252;tzt auf internationale Institutionen – brutale Entwertungsrunden auferlegen konnte. (154) Dies ist nach Harvey das zentrale Kennzeichen des neuen, „neoliberalen Imperialismus“; die Hegemonie der USA in dieser Konstellation spiegelte sich in ihrer F&#252;hrungsrolle in den internationalen Finanzinstitutionen („Wall-Street-US-Finanzministerium-IWF-Komplex“).<o></o></p>
<p class="MsoNormal">Die Bush-Administration f&#252;hrt diese Politik fort. Jedoch zeichnet den „neokonservativen Imperialismus“ im Unterschied zum neoliberalen aus, dass er verst&#228;rkt mit Zwang statt mit Konsens operiert. Die Ursachen daf&#252;r sieht Harvey in der schwindenden Dominanz des US-Kapitals nicht nur in der Produktion sondern auch im Finanzsektor. Der neokonservative Imperialismus versucht, die Schw&#228;chen der wirtschaftlichen Grundlagen seiner geopolitischen Macht zu kompensieren, indem er sich auf den einzigen Bereich st&#252;tzt, in dem die USA noch absolut dominieren: den milit&#228;rischen. Die Sicherung der &#214;lreserven im Mittleren Osten soll ihnen die Mittel in die Hand geben, „um auf jede innerhalb der Weltwirtschaft drohende – wirtschaftliche oder milit&#228;rische – Machtverschiebung zu antworten“ und die US-Dominanz in den n&#228;chsten 50 Jahren sichern. (80)<o></o></p>
<p class="MsoNormal">Harvey betont jedoch die Widerspr&#252;che in dieser Strategie: die Unvereinbarkeit der heute vorherrschenden wirtschaftlichen Bedingungen, der kapitalistischen Machtlogik, mit der spezifischen durch den neokonservativen Imperialismus angestrebten territorialen Logik. Bspw. treiben die Kosten des Irakkriegs das Haushaltsdefizit der USA weiter in die H&#246;he. Hinzu kommt die prek&#228;re internationale Lage der US-&#214;konomie: die private und staatliche Auslandsverschuldung macht die US-Wirtschaft au&#223;erordentlich verwundbar f&#252;r Kapitalflucht, je mehr das Vertrauen in die US-Regierung sinkt. Die Gefahr der „imperialen &#220;berdehnung“ ist st&#228;ndig pr&#228;sent; „die kapitalistische Logik der Macht“ k&#246;nnte „die territoriale Logik, der man jetzt folgt, in St&#252;cke rei&#223;en“. (84)<o></o></p>
<p class="MsoNormal">Harvey gelingt es, komplexe Theorien und Sachverhalte klar und in einfacher Sprache zu erkl&#228;ren. Die deutliche Unterscheidung zwischen neoliberalem und neokonservativem Imperialismus hat sich zwar in den letzten Monaten relativiert und Harveys politisches Pl&#228;doyer f&#252;r einen „neuen New Deal“ als „einzig m&#246;gliche, wenn auch befristete Antwort“ (202) auf die Probleme wird kaum jemand &#252;berzeugen k&#246;nnen. Dennoch: Mit <em>Der neue Imperialismus </em>ist Harvey ein Buch gelungen, das Wert ist, gelesen und diskutiert zu werden. Empfehlung.<o></o></p>
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