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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; LGBT</title>
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		<title>Angriff auf ungarische Gay Pride Parade</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 15:08:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[LGBT]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf der diesj&#228;hrigen Gay and Lesbian Pride Parade in Budapest kam es zu Angriffen durch ungarische FaschistInnen auf AktivistInnen – die dann auch noch von Faschos angezeigt wurden. Perspektiven sprach mit Rainer, Aktivist und einer der Angezeigten, &#252;ber die Parade und die Vorf&#228;lle danach.

Perspektiven: Du warst bei der Parade in Budapest und Ziel des Angriffs der FaschistInnen. Kannst du uns [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf der diesj&#228;hrigen Gay and Lesbian Pride Parade in Budapest kam es zu Angriffen durch ungarische FaschistInnen auf AktivistInnen – die dann auch noch von Faschos angezeigt wurden. Perspektiven sprach mit Rainer, Aktivist und einer der Angezeigten, &#252;ber die Parade und die Vorf&#228;lle danach.<br />
<span id="more-2013"></span></p>
<p><em>Perspektiven: Du warst bei der Parade in Budapest und Ziel des Angriffs der FaschistInnen. Kannst du uns die Ereignisse schildern?</em></p>
<p><em>Rainer: </em>Aus Wien war ein Bus in Budapest, der von dem B&#252;ndnis radical queer organisiert und von der &#214;H finanziert worden ist. Der Bus war ausgebucht, rund 50 Menschen sind gemeinsam auf die Parade gefahren. Die Parade selbst war wie schon letztes Jahr relativ bunt und vielf&#228;ltig und auch international gut besucht. Im Gegensatz zu letztem Jahr, wo ich auch teilgenommen habe, hat die Paraderoute dieses Jahr bis zum Schluss funktioniert. Letztes Jahr musste sie in der Mitte abgebrochen werden, weil eine Fascho-Demo die Route blockiert hatte und die Polizei gemeint hat, sie k&#246;nne nicht mehr f&#252;r Sicherheit sorgen. Die Faschos haben heuer wieder versucht zu blockieren, aber die Parade ist um die Faschos herum geleitet worden. Deshalb waren die Faschos relativ weit weg und nur in Sicht-, aber nicht in Steinwurfreichweite. Genau wie letztes Jahr waren wir diesmal wieder durch hohe Z&#228;une von den Faschos getrennt. Man konnte die Faschos die ganze Paradenroute lang sehen, mit einschl&#228;gigen Zeichen wie dem deutschen Gru&#223; und Sieg Heil Rufen, aber auch Gesten, die das Durchschneiden der Gurgel andeuteten. Manche hatten Schilder, auf denen der rosa Winkel abgebildet war und eine Schlinge mit dem Spruch „So geh&#246;rt mit Schwulen umgegangen!“, also einer klaren Mordaufforderung.<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> Sie haben auch lauthals homophobe und antisemitische Spr&#252;che skandiert, aber insgesamt war die Parade lauter, weil die Faschos doch recht weit weg waren. Die Parade hat vor dem Parlament geendet. Allerdings nur in Sichtweite, direkt davor wurde nicht genehmigt. Generell war es so, dass die Parade eigentlich untersagt wurde und erst rechtlich durchgefochten werden musste. Der oberste Gerichtshof hat schlie&#223;lich der Parade rechtgegeben, dass sie stattfinden und in Sichtweite des Parlaments enden darf. Dort fand dann auch die Abschlusskundgebung statt. Wahrscheinlich spielte bei dieser Entscheidung auch eine Rolle, dass Ungarn zu dieser Zeit die EU-Ratspr&#228;sidentschaft inne hatte. Nach der Kundgebung haben wir zun&#228;chst innerhalb der Polizeiabsperrung auf unseren Bus gewartet, um einen Zusammensto&#223; mit Faschogruppen zu vermeiden. Die Leute aus Wien sind dann geschlossen zum Bus gegangen. Ein Teil von uns war schon im Bus als der etwas langsamere Teil ca. 20 Meter dahinter angegriffen wurde. Zwei Frauen haben die AktivistInnen mit Reizgas attackiert, das extrem gestunken hat. Ich habe sp&#228;ter im Bus gesehen, wie Leute, die das auf die Haut bekommen hatten, rote und entz&#252;ndete Stellen bekamen. </p>
<p><em>Waren die zwei Angreiferinnen allein?</em></p>
<p>Die zwei waren zuerst alleine und zun&#228;chst nicht als Faschos erkennbar. Sie hatten keine einschl&#228;gigen T-Shirts an oder &#228;hnliches. Bei den Frauen war aber von Beginn an ein Journalist dabei, von dem wir jetzt wissen, dass es ein Jobbik<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a>-naher Journalist ist. Dieser hat die ganze Zeit fotografiert und gemeinsam mit den zwei Frauen die ganze Aktion gestartet, um an coole Fotos zu kommen. Sp&#228;ter haben wir erfahren, dass das eine Taktik von Jobbik ist, die sie &#246;fter fahren. Sie inszenieren bei linken oder eben schwul/lesbischen Paraden solche Angriffe, um sich sp&#228;ter selbst als Opfer darzustellen. Wir haben dann versucht mit Schirmen die Angriffe abzuwehren. Es war auch nicht so tragisch, aber auf einmal ist noch eine Gruppe junger M&#228;nnern im Laufschritt aus einer Seitenstra&#223;e dazu gesto&#223;en. Es waren ca. zehn Leute und doch mehr Schl&#228;gertypen. Ab da ist es sehr chaotisch geworden. Die H&#228;lfte von uns war noch drau&#223;en und die andere im Bus. Es hat einen kleinen Tumult gegeben, wobei die Faschos auch handgreiflich geworden sind. W&#228;hrend dieser Handgreiflichkeiten – die etwa eine Minute gedauert haben –  war dann auch schon die Polizei da, weil die ja eh in der N&#228;he waren, bzw. waren die ganze Zeit schon Polizisten in Zivil um uns herum, wie wir nachher festgestellt haben. Wir sind in den Bus eingestiegen, weil wir einfach wegwollten und auch nicht wussten ob der Gruppe von Faschos weitere folgen w&#252;rden. Die Polizei hat uns dann am Losfahren gehindert und gefragt, ob wir Anzeige erstatten wollen. Niemand wollte das, weil wir einfach wieder nach Wien zur&#252;ck wollten. Schlie&#223;lich zeigte sich, dass wir nur aufgehalten wurden, weil die Faschos eine Anzeige gegen uns erstatten wollten. Mittlerweile sind bei denen weitere Personen dazugesto&#223;en: Die Anw&#228;ltin Andrea Borbély von Jobbik ist sehr schnell dazugekommen und der Jobbik-Parlamentsabgeordnete Gyula Gy&#246;rgy Zagyva, der auch gleich ums Eck war. </p>
<p><em>Waren die auch schon bei der Gegendemonstration?</em></p>
<p>Von der Anw&#228;ltin wissen wir es. Es hat ja schon w&#228;hrend der Parade Angriffe auf einzelne AktivistInnen gegeben. Wir sind sp&#228;ter von einer Aktivistin angeschrieben worden, die uns erz&#228;hlt hat, dass sie auch bei einem &#220;bergriff attackiert wurde, bei dem die Anw&#228;ltin anwesend war. Dort wurde die Aktivistin von Faschos sogar mit einem Messer bedroht. Teilweise waren diese Leute also auch schon bei anderen Angriffen dabei. Jedenfalls hat sich herausgestellt, dass die Faschos Anzeige erstatten wollten. Die Polizei meinte, es w&#252;rde ein „gro&#223;er, junger, blonder Mann mit schwarzer Kleidung“ gesucht werden. Er sollte sich stellen, sonst w&#252;rden von allen Anwesenden die Personalien aufgenommen. Es hat sich nat&#252;rlich kein gro&#223;er, junger, blonder Mann aus dem Bus hinausbewegt und gestellt. Sie wollten dann, dass wir alle aussteigen um die P&#228;sse abzugeben. Die Polizei hat uns dann mit Zwang ger&#228;umt und wir mussten unsere Ausweise abgeben. Die Parade war um sieben Uhr vorbei und kurz danach war auch der Angriff. Das Ganze hat sich bis zehn Uhr hingezogen. Es gab eine Gegen&#252;berstellung. Wir wurden alle einzeln vor den Faschos , die noch da waren, hingestellt und die Faschos konnten sich dann mehr oder weniger die Leute aussuchen, von denen sie behauptet haben, sie h&#228;tten sie angegriffen. Bei der Gegen&#252;berstellung war dann auch nicht mehr von einem gro&#223;en, blonden, jungen Mann die Rede, sondern von zwei Angreifern. Zwei M&#228;nner, trotzdem mussten sich auch alle Frauen aus dem Bus der Reihe nach aufstellen. Die Faschos haben davor alles gefilmt, bei der Gegen&#252;berstellung nur mehr die Polizei. </p>
<p><em>Habt ihr eine Gegenanzeige gemacht?</em></p>
<p>Nein, das wollte vor Ort niemand von uns. Im Nachhinein haben Anw&#228;lte von uns gemeint, das k&#246;nnte man machen, aber niemand von uns wollte das. Ob es besser gewesen w&#228;re, gleich mit einer Anzeige zu drohen, ist schwer zu sagen. Am Anfang haben wir ja geglaubt, dass wir schnell los fahren k&#246;nnen und erst im Laufe des Abends ist klar geworden, dass die uns nicht so schnell weglassen. Der Botschafter von &#214;sterreich ist gekommen und hat uns eine Dolmetscherin zur Verf&#252;gung gestellt. Manche von uns haben aber eh ungarisch gesprochen, bzw. konnten einzelne Polizisten deutsch. Es gab also kein Verst&#228;ndigungsproblem.</p>
<p><em>Wei&#223;t du N&#228;heres &#252;ber die attackierende Gruppe bzw. deren Verbindungen zu Jobbik?</em></p>
<p>Die Faschotypen, die uns angegriffen haben, hatten einschl&#228;gige T-Shirts mit Gro&#223;ungarnabbildungen. Sie waren von einer Faschogruppe die sich 64 Burgkomitate Jugendbewegung nennt. Das ist eine Splittergruppe von Jobbik, bzw. ist auch Teil davon.</p>
<p><em>H&#228;ngen die mit den Ungarischen Garden<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> zusammen?</em></p>
<p>Den genauen Unterschied zu den Garden kenne ich nicht. Der anwesende Parlamentsabgeordnete ist aber Ehrenvorsitzender dieser 64-Burgkomitate-Partie. Die Anw&#228;ltin wiederum verteidigt die ungarischen Garden im neuen Verbotsgesetzverfahren. Die ungarischen Garden wurden ja schon einmal verboten; die haben sich dann als Neue ungarische Garde neu gegr&#252;ndet und meinen jetzt, dass sie nicht mehr verboten sind. Auch auf der Gegendemonstration waren die ungarischen Garden in Uniform, zusammen mit anderen Jobbik-Parlamentsabgeordneten anwesend. Die Gegendemo selbst war von den 64 Burgkomitate organisiert. Die h&#228;ngen also sehr stark zusammen.</p>
<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/07/gegendemo.jpg"><img src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/07/gegendemo-300x199.jpg" alt="" title="gegendemo" width="300" height="199" class="aligncenter size-medium wp-image-2058" /></a></p>
<p><em>Zwei von Euch wurden dann angezeigt…</em></p>
<p>Genau, zuerst wurden vier aussortiert und dann zwei angezeigt, darunter auch ich. Wir sind ins Gef&#228;ngnis auf die n&#228;chste Polizeiwache &#252;berstellt worden. Auf der Wache wurde uns immer mitgeteilt, wir w&#228;ren nur als Zeugen da und d&#252;rften nicht weggehen. Wir waren auch noch „nur Zeugen“, als wir durch den Innenhof gef&#252;hrt und in einen kleinen Raum mit drei Einzelzellen gebracht wurden. Dann hat es gehei&#223;en, wir m&#252;ssten unsere Schuhb&#228;nder abgeben, unsere Taschen leeren und alles abgeben. Ich habe dann gefragt, ob wir immer noch nur Zeugen sind, weil mir das doch etwas komisch vorgekommen ist. Nach einem Telefonat mit seinem Vorgesetzten hat der Wachbeamte gemeint, nein, jetzt w&#228;ren wir keine Zeugen mehr, ab jetzt w&#228;ren wir Beschuldigte. Dann wurden wir getrennt in die Einzelzellen gef&#252;hrt, damit wir uns nicht absprechen k&#246;nnen.</p>
<p><em>Wie lang wart ihr in den Zellen, wie lang hat das gedauert?</em></p>
<p>Um zw&#246;lf sind wir in die Zellen gekommen und um halb vier, vier sind wir wieder rausgekommen. Wir waren also vier Stunden in den Zellen, dann wurde uns pr&#228;sentiert, was uns eigentlich vorgeworfen wird: &#246;ffentliche Aufhetzung einer gro&#223;en Menschenmenge mit Gewalt. Das ist ungef&#228;hr gleichbedeutend mit Landfriedensbruch, der Vorwurf ist in Ungarn aber noch einmal skurriler. Meine Einvernahme war dann ziemlich kurz, weil ich nur gesagt hab, ich war nix, ich hab nichts gemacht, ich sag jetzt nichts mehr. Wobei mir zu dem Zeitpunkt schon klar war, dass wir rausgelassen werden. </p>
<p><em>Aber die Anzeige steht?</em></p>
<p>Ja, die Anzeige gibt es, die kommt zum Staatsanwalt und der muss entscheiden, ob ein Verfahren eingeleitet wird. </p>
<p><em>Die Ereignisse in Budapest sind ja nicht die ersten &#220;bergriffe von NeofaschistInnen auf GayPride Paraden. Erst kurz davor haben in Split 10.000 Menschen eine Parade angegriffen. Hat das auf der Demonstration selbst eine Rolle gespielt?</em></p>
<p>Die Ereignisse von Split habe ich nur &#252;ber die Medien mitbekommen, und sie waren auch auf der Parade nicht so stark Thema. Ich war aber auch letztes Jahr schon in Budapest und in Bratislava auf der Parade, die auch von Fascho-Gegendemos konfrontiert wurden. Es gibt die Queer- bzw. Regenbogenparade in Ungarn genauso lange wie in Wien, also seit Mitte der Neunziger Jahre. Bis 2007 ist sie ganz normal ohne Komplikationen oder besonderen Polizeischutz abgelaufen. Erst nach den gro&#223;en Krawallen von 2006, als sich die rechtsextreme Szene organisiert hat, wurde die Parade 2007 zum ersten Mal angegriffen und kann nur unter massivem Polizeischutz stattfinden.</p>
<p><em>Aber zumindest seit 2001, als zum ersten Mal 1000 Leute auf die Demonstration mobilisiert werden konnten, hat es schon rechte Gegenmobilisierungen gegeben?</em></p>
<p>Es gab davor schon rechte Gegendemonstrationen. Mit dem Faschoaufschwung 2006 wurden die allerdings wesentlich gr&#246;&#223;er. Es gab Angriffe mit Chemikalien, S&#228;ure, Steinen und Eiern, und besonders 2008 wurde die Pride massiv angegriffen. 2009 wurde auch schon ein gr&#246;&#223;erer Bus aus Wien heftig angegriffen. Die haben es gerade noch in den Bus hinein geschafft, als ein Faschotrupp auf sie zu gerannt ist. </p>
<p><em>Kannst du kurz erkl&#228;ren, wie es zu diesem Aufschwung der Rechten 2006 gekommen ist? Wie h&#228;ngt das mit der allgemeinen Stimmung im Land zusammen?</em></p>
<p>Ausl&#246;ser war damals die Ver&#246;ffentlichung eines Tonbands, auf dem der damalige sozialdemokratische Ministerpr&#228;sident (Ferenc Gyurcsány, Anm.) zugibt, gelogen zu haben. Es folgten monatelange Aufst&#228;nde und Krawalle. Seitdem gibt es eine enorme Rechtswende in Ungarn und einen Aufschwung von Jobbik und deren paramilit&#228;rischer Formation, den „Ungarischen Garden“. Die im Parlament vertretene Jobbik hetzt gegen Minderheiten und eben auch gegen die Parade. Allerdings ist auch die jetzige Regierungspartei Fidesz weit Rechts, was sich in ihrer minderheitenfeindlichen Politik zeigt bzw. in ihrem Umgang mit KritikerInnen. Besonders absurd ist eine bestimmte Auslegung des Paragraphen 174/B, „Gewalt gegen eine Gemeinschaft“, der zun&#228;chst als Minderheitenschutz verabschiedet wurde, nun aber systematisch von rechter Seite genutzt wird. Inszenierte Angriffe wie bei uns werden dann zum Beispiel gegen Roma verwendet, um diese einzusch&#252;chtern.</p>
<p><em>Wie waren vor dem Hintergrund die Reaktionen innerhalb der Bev&#246;lkerung auf die Parade?</em></p>
<p>Das hat mich eher positiv &#252;berrascht. Entlang der Route, gerade dort wo sie durch die Innenstadt umgeleitet wurde, haben viele Leute aus den Fenstern geschaut und das Ganze als Spektakel gesehen. Da haben viel mehr Personen positiv gewirkt und gewunken, als den Finger gezeigt. Allgemein aber sagen die Leute, die dort l&#228;nger gewohnt haben bzw. wohnen, dass es seit 2006 extrem arg geworden ist. Im Rest des Landes soundso, aber eben auch in Budapest. Das betrifft Roma oder auch Schwule/Lesben, die das &#246;ffentlich zeigen und daf&#252;r extrem attackiert werden. Auch viele Juden &#252;berlegen sich, ob sie wegziehen sollen, weil es so schlimm geworden ist.</p>
<p><em>Zur Parade selber, in Wien gibt es oft die Kritik, dass die Regenbogenparade zu wenig politisiert ist. Wie ist die Politisierung innerhalb der Pride in Ungarn? Welches Spektrum an Ansichten und Zielen umfasst das B&#252;ndnis?</em></p>
<p>In Ungarn ist das etwa so wie hier. Es gibt unterschiedliche Fraktionen und Ausrichtungen, die auf so einer Parade mitgehen. In Wien gibt es die linke schwul/lesbische Szene, z.B. um die Rosa Villa, die versuchen zu intervenieren und andere Inhalte reinzubringen; also nicht einfach Homoehe fordern, sondern auch &#252;ber die Gesellschaft reden. In Ungarn hast du das Spektrum genauso, nur unter versch&#228;rften Bedingungen. Das B&#252;ndnis ist sehr gemischt und inhaltlich sehr widerspr&#252;chlich, auch was die politische Ausrichtung betrifft.</p>
<p><em>Inwiefern?</em></p>
<p>Hier ist der Nationalismus in der Gesamtbev&#246;lkerung gr&#246;&#223;er und das spiegelt sich in der Parade wider. Genauso ist die Linke in ganz Ungarn marginalisiert, und auch in der Parade macht sie nicht den gr&#246;&#223;ten Teil aus. Nat&#252;rlich ist das nicht das ganze B&#252;ndnis und es gibt sehr gute Leute drinnen aber eben auch nationalistische. Es gibt Leute im B&#252;ndnis, die nationalistisch, rassistisch drauf sind. Zum Beispiel gab es auf der Parade auch transsexuelle Roma. Auf der After-Party wurden die Roma von den rassistisch eingestellten Teilen rausgeworfen. Dann gibt aber auch Teile, die das definitiv nicht sind und das auch zum Thema machen und dagegen arbeiten wollen. Von daher gibt es auch im B&#252;ndnis in Ungarn selber die Diskussion, inwieweit erw&#252;nscht ist, dass Leute von au&#223;erhalb an der Parade teilnehmen. Man merkt das auch wenn man dort ist und klar ist, dass die Alerta Antifascista-Rufe eher von den Leuten aus Wien und Berlin kommen, als von den UngarInnen. Letztes Jahr hat es einen kleinen Block von ungarischen Anarcho-SyndikalistInnen gegeben, die auch antifaschistische Spr&#252;che drauf gehabt haben. Das sind aber halt die 15, die es in ganz Budapest gibt.</p>
<p><em>Wie ist das Medienecho auf die Parade, und besonders auf die Angriffe der Neofaschisten?</em></p>
<p>Im Vorfeld gab es viele Berichte, weil die Parade zun&#228;chst untersagt wurde und erst sp&#228;ter rechtlich durchgeboxt werden musste. Danach wurde unser Fall relativ intensiv behandelt, zum Beispiel wurde auf dem U-Bahn Infoscreen eingeblendet, dass zwei &#214;sterreicherInnen verhaftet wurden, also eher nicht unter dem Gesichtspunkt der rechten Gewalt. Wir haben versucht, auch mit ungarischen JournalistInnen und b&#252;rgerlichen Medien in Kontakt zu kommen und ihnen Interviews angeboten, aber es gab eher Desinteresse. Die Leute, die in Ungarn gewohnt haben bzw. sich besser auskennen, haben die Einsch&#228;tzung, dass in der Mainstreampresse &#252;ber &#220;bergriffe von Rechten generell kaum berichtet wird. Die wollen das nicht wahrhaben und schweigen das Ganze lieber tot. Wir haben Interviews vor allem mit freien Radios und linken JournalistInnen gef&#252;hrt, soweit das im Zuge des versch&#228;rften Mediengesetzes unter der Regierung Fidesz &#252;berhaupt m&#246;glich ist. Ein Interview haben wir etwa mit Tilos Rádió gef&#252;hrt, das vor einem halben Jahr vom Verbot bedroht war, weil es einen Ice-T Song gespielt hat. Das ist praktisch das einzig freie Radio, in dem unzensuriert oder &#252;berhaupt &#252;ber solche Dinge geredet wird. Alle anderen Radios, sei es halbstaatliche oder private, berichten &#252;ber so etwas nicht, sie trauen sich nicht oder wollen nicht.</p>
<p><em>Gab es Interesse seitens &#246;sterreichischer Medien?</em></p>
<p>Ja, allerdings war es hier in der Medienarbeit oft schwierig, nicht in einen Diskurs &#252;ber unterentwickelte und r&#252;ckst&#228;ndige Osteurop&#228;erInnen rein zu fallen. Beim Schlagwort „Ungarn“ denken sofort alle an Faschismus und meinen, dort g&#228;be es Probleme, die wir „bei uns“ &#252;berhaupt nicht h&#228;tten. Das Interesse in &#214;sterreich spielt sich oft &#252;ber einen komischen Demokratiediskurs ab, bei dem die Ungarn wegen ihrer realsozialistischen Vergangenheit noch immer nicht demokratisch seien, und das mit der Demokratie einfach noch nicht so drau&#223;en h&#228;tten. Gleichzeitig wird wenig dar&#252;ber gesprochen, dass die FP&#214; bei &#252;ber 25% liegt. Das ist auch nicht Nichts. Interessant sind auch die Verbindungen der FP&#214; zu Ungarn und der Jobbik. So hat zum Beispiel der FP&#214;-Nationalratsabgeordnete Johannes H&#252;bner Jobbik auf deren Wahlkampfveranstaltung „viel Gl&#252;ck“ gew&#252;nscht. Gleichzeitig versucht Andreas M&#246;lzer seine rechte Europapartei<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> auch mit Jobbik aufzubauen, wor&#252;ber weniger geredet wird. </p>
<p><em>Wer waren die Leute, die aus &#214;sterreich nach Budapest gefahren sind?</em></p>
<p>Wie gesagt, der Bus wurde von dem Kollektiv radicalqueer organisiert, die in den letzten Jahren auch zum noWKR-Ball mobilisiert haben und auch schon &#246;fter in Budapest auf der Parade waren. Insgesamt waren die TeilnehmerInnen sehr heterogen. Einige JournalistInnen, viele AktivistInnen &#8211; insgesamt ein breites Spektrum. Es waren alle links, aber eben nicht unbedingt aus der gleichen Str&#246;mung. Es sind auch einige Einzelpersonen mitgefahren, die gar niemand gekannt haben. F&#252;r die war die Situation noch schwieriger. W&#228;hrend wir auf der Wache waren, hat der Bus gewartet, weil es immer gehei&#223;en hat, wir kommen vielleicht doch bald frei. Irgendwann sind sie verst&#228;ndlicherweise gefahren, aber davor standen sie vor dem Parlament, wo kurz davor die Gegendemo der FaschistInnen stattgefunden hat, und in der ganzen Stadt waren Faschos unterwegs. Polizei war auch keine mehr unterwegs, bzw. wurde ein Polizeiwagen f&#252;r den Bus abgestellt. Es war also eine ziemlich unangenehme Situation, auf freier Fl&#228;che zu warten und eine relativ gro&#223;e Zielscheibe abzugeben. </p>
<p><em>Wie glaubst du geht das mit der Anklage weiter?</em></p>
<p>Wenn es zum Prozess kommt – das zeigt sich ja erst – dann sehe ich dem eher entspannt entgegen.</p>
<p><em>Wirst du n&#228;chstes Jahr wieder hinfahren?</em></p>
<p>Ja, nat&#252;rlich! Wir lassen uns nicht einsch&#252;chtern und werden n&#228;chstes Jahr doppelt so viele sein. </p>
<p><em>Danke f&#252;r das Interview</em></p>
<p>Weiter Informationen findet Ihr unter<br />
<a href="http://radicalqueer.blogsport.eu">http://radicalqueer.blogsport.eu</a><br />
<a href="http://pusztaranger.wordpress.com">http://pusztaranger.wordpress.com</a></p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Siehe http://pusztaranger.wordpress.com/2011/06/20/budapest-pride-2011-jobbik-zeigt-wiener-aktivisten-an/<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> Die ungarische Jobbik (Jobbik Magyarországért Mozgalom) ist eine seit 2003 existierende rechtsextreme Partei. Jobbik bedeutet sowohl „die Besseren“ als auch „Die Rechteren“. Vgl. zur Situation in Ungarn: <a href="http://www.perspektiven-online.at/2009/06/13/dreiviertel-faschistisches-klima/">&#8220;Dreiviertel-faschistisches Klima&#8221;</a>, Interview mit Tamás, G.M. in <em>Perspektiven Nr.8</em>.<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Die Ungarischen Garden, deren Auftreten stark an die faschistischen Pfeilkreuzler erinnern, bilden den paramilit&#228;rischen Arm der ungarischen NeofaschistInnen.<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Andreas M&#246;lzer versucht seit einigen Jahren eine Fraktion rechtsextremer Parteien im Europaparlament aufzubauen. Daran sollen Gruppen wie der holl&#228;ndische Vlaams Belang, der Front National, die Lega Nord u.a. teilnehmen. Erste Versuche eine Fraktion „patriotisch gesinnter“ Abgeordneter aufzubauen, gipfelten 2007 in der Gr&#252;ndung der Fraktion <em>Identit&#228;t, Tradition, Souver&#228;nit&#228;t</em>, die sich aber nach internen Konflikten wieder aufl&#246;ste. </p>
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