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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin fÃ¼r linke Theorie und Praxis &#187; Klassentheorie</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin fÃ¼r linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Klassen im Widerspruch</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jul 2011 17:13:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 13]]></category>
		<category><![CDATA[Klassentheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[Marxistischen Klassentheorien wird h&#228;ufig vorgeworfen, sie w&#252;rden die Realit&#228;t vielf&#228;ltiger sozialer Identit&#228;ten und Konfliktlinien auf die einfache Gegen&#252;berstellung von Bourgeoisie und Proletariat reduzieren. Katherina Kinzel und Hanna Lichtenberger stellen dieser Kritik einen differenzierten Klassenbegriff entgegen, der die Debatten um das â€žProblem der Mittelklasseâ€œ aufgreift und sich auf die Marxsche Methode st&#252;tzt.

â€žHier bricht das Manuskript abâ€œ, so Engelsâ€™ lakonischer Kommentar, wenige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Marxistischen Klassentheorien wird h&#228;ufig vorgeworfen, sie w&#252;rden die Realit&#228;t vielf&#228;ltiger sozialer Identit&#228;ten und Konfliktlinien auf die einfache Gegen&#252;berstellung von Bourgeoisie und Proletariat reduzieren. Katherina Kinzel und Hanna Lichtenberger stellen dieser Kritik einen differenzierten Klassenbegriff entgegen, der die Debatten um das â€žProblem der Mittelklasseâ€œ aufgreift und sich auf die Marxsche Methode st&#252;tzt.<br />
<span id="more-1952"></span><br />
â€žHier bricht das Manuskript abâ€œ, so Engelsâ€™ lakonischer Kommentar, wenige Seiten nachdem Marx im dritten Band des <em>Kapital </em>explizit die Frage der Klassentheorie in den Raum stellt: â€žDie n&#228;chst zu beantwortende Frage ist die: Was bildet eine Klasse?â€œ<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> Marx beantwortet diese Frage selbst nicht, auch wenn sich seine Arbeiten immer wieder um Klassenanalysen drehen und voll von den entsprechenden Begrifflichkeiten sind. So ist richtig, was der j&#252;ngst verstorbene franz&#246;sische Philosoph Daniel BensaÃ¯d festh&#228;lt: â€žKlassenkampf steht im Zentrum des Marxschen Denkensâ€œ<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a>; die Bestimmungsversuche von Klassen, die theoretischen Instrumentarien, die dabei zum Einsatz kommen und die Analyseebenen, auf denen Klassen zum Gegenstand der Untersuchung werden, variieren innerhalb des Marxschen Werkes jedoch stark.<br />
In dem fr&#252;hen, zu Marxens Lebzeiten unver&#246;ffentlichten Werk <em>Die deutsche Ideologie</em> etwa, beschreibt Marx den Ursprung der Klassen in der Arbeitsteilung: â€ž[â€¦] durch die Teilung der Arbeit bereits bedingten Klassen, die in jedem derartigen Menschenhaufen sich absondern und von denen eine alle anderen beherrscht.â€œ<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> Au&#223;erdem h&#228;lt er darin fest, dass â€ž[d]ie Individuen [â€¦] nur insofern eine Klasse [bilden], als sie einen gemeinsamen Kampf gegen eine andre Klasse zu formieren habenâ€œ<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a>. Damit unterstreicht er, dass â€žKlasseâ€œ eine relationale Kategorie ist â€“ sie bezeichnet ein Verh&#228;ltnis, keinen f&#252;r sich existierenden Gegenstand. Weil die Bestimmung von Klassen &#252;ber die Arbeitsteilung auch f&#252;r Marx ungen&#252;gend ist, entwickelt er sp&#228;ter weitere Begrifflichkeiten wie Ausbeutung, die den Blick sch&#228;rfen sollen. Daher ist es zun&#228;chst wichtig, nach der Herangehensweise an eine Klassentheorie in Marxâ€™ systematischer Analyse der kapitalistischen Produktionsweise in seinem Hauptwerk, <em>Das Kapital</em>, zu suchen.<br />
Wenn die Frage nach der Anwesenheit von Klassen im <em>Kapital </em>gestellt wird, so begegnet man jedoch einem Paradoxon: Klassen <em>sind </em>und <em>sind nicht</em> dessen Gegenstand. Einerseits sind sie Gegenstand des <em>Kapitals</em>, insofern die von Marx eingef&#252;hrten &#246;konomischen Begriffe auch stets soziale Begriffe sind. Nicht nur die Ausbeutung â€“ zentrale Kategorie in der Bestimmung der ArbeiterInnenklasse â€“ und der sich daraus ergebende fundamentale Interessenkonflikt zwischen Arbeit und Kapital, sondern auch die Dimensionen von Herrschaft und Kontrolle werden auf Basis einer Analyse der Struktur der kapitalistischen Produktionsweise sichtbar. Andererseits l&#228;sst sich auf dieser Ebene nichts &#252;ber konkrete Klassenstrukturen und Dynamiken aussagen. Analysen konkreter Dynamiken von Klassenk&#228;mpfen finden sich eher in den politisch-strategischen Schriften Marxens, so etwa in <em>Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte</em>. Marx geht hier nicht nur auf den â€žhorizontalenâ€œ Klassenkampf zwischen Arbeit und Kapital ein, sondern widmet sich auch den Widerspr&#252;chen innerhalb der herrschenden Klasse und unterscheidet  wischen zahlreichen Fraktionen der Bourgeoisie (so etwa Gro&#223;grundbesitzer, Geldaristokratie, Kleinb&#252;rgertum, Industriebourgeoisie, Mittelklasse)<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> und ihren unterschiedlichen Interessen. Statt einer eingehenden systematisch-theoretischen Auseinandersetzung mit diesen und anderen Begriffskategorien konzentriert sich Marx hier darauf, die komplexe Skizze einer historisch konkreten Gesellschaftsformation zu zeichnen. K&#228;mpfe zwischen den einzelnen Gruppen, ihr Verh&#228;ltnis zum Staat sowie die Ver&#228;nderungen im Staat durch die unterschiedlichen K&#228;mpfe werden beschrieben.<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a><br />
Dieses ausdifferenzierte Bild verschiedener Klassen und Klassenfraktionen steht in deutlichem Kontrast zu der im <em>Manifest der Kommunistischen Partei </em>ausgesprochenen These einer zunehmenden Polarisierung: â€žDie ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei gro&#223;e feindliche Lager, in zwei einander direkt gegen&#252;berstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.â€œ<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> Das Kleinb&#252;rgerInnentum oder die Mittelklasse, die, so Marx, im Bonapartismus<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a> â€ždie St&#228;rke dieser b&#252;rgerlichen Ordnung istâ€œ<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a>, sei eine Art â€žhistorisches &#220;berbleibselâ€œ oder eben eine &#220;bergangsklasse. So h&#228;lt Marx dazu im dritten Band des <em>Kapitals </em>fest: â€žIn England ist unstreitig die moderne Gesellschaft in ihrer &#246;konomischen Gliederung am weitesten, klassischsten entwickelt. Dennoch tritt diese Klassengliederung selbst hier nicht rein hervor. Mittel- und &#220;bergangsstufen vertuschen auch hier (obgleich auf dem Lande unvergleichlich weniger als in den St&#228;dten) &#252;berall die Grenzbestimmungen. Indes ist dies f&#252;r unsere Betrachtung gleichg&#252;ltig.â€œ<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> Auch wenn Marx an anderer Stelle schreibt, es g&#228;be eine Tendenz zum Wachstum der Mittelklasse<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a>, so bleibt unklar, wo diese gr&#246;&#223;er werdenden Mittelklassen in seiner Darstellung der Struktur der kapitalistischen Produktionsweise unterzubringen sind<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a>: Hier scheint nur die Opposition von Arbeit und Kapital sichtbar zu sein.</p>
<p><strong>Systematische Probleme</strong><br />
Hinter den verschiedenen Bestimmungen und Analysen von Klassen in den Schriften Marxens steht nicht einfach theoretische Inkonsistenz. Vielmehr verweist dies auf ein systematisches Problem, das sich jedem Versuch, einen brauchbaren Klassenbegriff zu entwickeln, stellt. Im Werk Marxens selbst finden wir einerseits eine strukturelle Analyse der polaren Klassenpositionen, die sich aus der Struktur und Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise ergeben, andererseits aber konkrete Beschreibungen von Klassenk&#228;mpfen und den gesellschaftlichen Akteuren, die in diesen K&#228;mpfen auftreten. So stellt sich die Frage, in welchem Verh&#228;ltnis die abstrakt bestimmten Klassenpositionen zu den konkreten Mustern von Klassenformierung und Klassenk&#228;mpfen stehen. Marx selbst entwickelt keine Antwort auf die Frage, wie eine systematische Verbindung zwischen diesen beiden Bereichen aussehen k&#246;nnte.<br />
In den klassentheoretischen Debatten der 1970er Jahre versuchte der marxistische Soziologe Erik Olin Wright, diese L&#252;cke durch eine Reihe von Unterscheidungen in den Griff zu bekommen. Tats&#228;chlich, so das Argument, haben wir es mit zwei unterschiedlichen, aber zusammenh&#228;ngenden Problemen zu tun: Erstens geht es um die Frage, wie sich eine Analyse der aus der Struktur der Produktionsverh&#228;ltnisse bestimmten Klassenpositionen zur Frage der Klassenformierung â€“ sprich der Konstitution von Klassen als organisierte, handlungsf&#228;hige Kollektive â€“ verh&#228;lt.<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> Die â€žLeerstellenâ€œ, die in die Struktur der Produktionsverh&#228;ltnisse eingeschrieben sind, gehen nicht automatisch mit bestimmten Formen der kollektiven Organisierung von Klasse einher: â€žDie soziale Klassenstruktur  eterminiert nicht mechanisch politische Repr&#228;sentation und Konflikte.â€œ<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a> Gleichzeitig aber bleiben Klassenstrukturen in den konkreten Formierungsprozessen gesellschaftlicher Akteure stets als deren Bedingungen anwesend. â€žIn der Dynamik der Klassenverh&#228;ltnisse kann sich die Subjektivit&#228;t des Bewusstseins nicht arbitr&#228;r von der Struktur emanzipieren, ebenso wenig k&#246;nnen die objektiven Bedingungen passiv vom Bewusstsein abgespalten werden. Diese Problematik steht jeder mechanistischen Konzeption eines notwendigen &#220;bergangs vom ,an-sichâ€˜ zum ,f&#252;r-sichâ€˜ entgegen.â€œ<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a><br />
Zweitens stellt sich das Problem der Verbindung zwischen den unterschiedlichen Abstraktionsebenen der Klassenanalyse: Der Antagonismus zwischen Arbeit und Kapital wird schon auf Ebene der <em>kapitalistischen Produktionsweise</em> â€“ der Darstellung der Struktur und inh&#228;renten Dynamik gesellschaftlicher Produktionsverh&#228;ltnisse in ihrem idealen Durchschnitt â€“ sichtbar. Auf Ebene der <em>Gesellschaftsformation </em>treten hingegen auch andere Klassenlagen auf. Der Begriff der Gesellschaftsformation verweist auf Gesellschaft als spezifische Kombination verschiedener Produktionsweisen, die zueinander in hierarchischen Verh&#228;ltnissen stehen. Die Anwesenheit vorkapitalistischer Klassen innerhalb kapitalistischer Gesellschaften, aber auch die verschiedenen Organisationsformen kapitalistischer Produktionsverh&#228;ltnisse selbst, k&#246;nnen auf dieser Ebene in den Blick genommen werden. <em>Konjunkturelle </em>Analysen schlie&#223;lich m&#252;ssen die Vielfalt an historisch kontingenten Umst&#228;nden, institutionellen Gegebenheiten und ideologischen Faktoren sowie die Verh&#228;ltnisse zwischen Klassen und anderen, nicht-klassenf&#246;rmigen Herrschaftsverh&#228;ltnissen, wie Geschlechterverh&#228;ltnissen und Rassismen, mit einbeziehen.<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a> Es ist dies auch die Ebene, auf der sich das Problem der Klassenformierung erstmals konkret stellt. Auf Ebene der kapitalistischen Produktionsweise und der Gesellschaftsformation haben strukturelle Analysen ihren Ort. Die Frage, wie Klassen sich als Klassen organisieren und zu historisch handlungsf&#228;higen Akteuren werden, kann auf diesen Ebenen jedoch nicht beantwortet werden. Wie zuvor vermerkt, sind formierte Klassen nicht einfach Ausdruck von Strukturpositionen, sondern politische Subjekte, die sich in Konflikten konstituieren und dies in Abh&#228;ngigkeit von staatlich-institutionellen Verortungen, spezifischen politisch-ideologischen Konfigurationen, kurz- und l&#228;ngerfristigen B&#252;ndnisstrategien, etc. Will man zu einer Einsch&#228;tzung der dynamischen Prozesse der Klassenformierung in einer gegebenen gesellschaftlichen und politischen Situation gelangen, muss man also notwendigerweise die Abstraktionsebenen â€žhinunterwandernâ€œ. Aber wie?</p>
<p><strong>Methodische &#220;berlegungeny</strong><br />
Eine m&#246;gliche Antwort l&#228;sst sich aus methodischen &#220;berlegungen zum Kapital gewinnen. Marx verf&#228;hrt im Kapital nicht, indem er Definitionen oder Kriterien etwa daf&#252;r anf&#252;hrt, was â€žMitgliedschaftâ€œ in der ArbeiterInnenklasse bedeutet. Stattdessen holt er schrittweise eine Reihe von Bestimmungen der kapitalistischen Produktionsweise in ihrem idealen Durchschnitt ein.<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a> Der oft zitierte Aufstieg â€žvom Abstrakten zum Konkretenâ€œ<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a> bezieht sich auf dieses Einholen von neuen Bestimmungen. Von den einfachen Begriffen Ware und Wert ausgehend n&#228;hern sich â€ždie Gestaltungen des Kapitals [â€¦] schrittweis der Form, worin sie auf der Oberfl&#228;che der Gesellschaft [â€¦] auftreten.â€œ<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a> In der Einleitung zur Kritik der politischen &#214;konomie von 1857 erkl&#228;rt Marx, dass und warum das Konkrete notwendigerweise komplex ist: â€žDas Konkrete ist konkret, weil es die Zusammenfassung vieler Bestimmungen ist, also Einheit des Mannigfaltigen. Im Denken erscheint es daher als Proze&#223; der Zusammenfassung, als Resultat, nicht als Ausgangspunkt.â€œ<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> Louis Althusser hat darauf hingewiesen, dass es sich bei diesem Prozess schrittweiser Konkretion nicht um ein deduktives Ableitungsman&#246;ver handelt: â€žganz fern von jeder Selbst-Herstellung der Begriffeâ€œ verf&#228;hrt Marx im Kapital vielmehr â€ždurch die Setzung eines Begriffs und die anschlie&#223;ende Erforschung (Analyse) des durch diese Setzung zugleich erschlossenen und geschlossenen (begrenzten) Raumes, usf.: Bis hin zur Konstitution theoretischer Felder eines &#228;u&#223;ersten Komplexit&#228;tsgrades.â€œ<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a> Das Kapital stellt also einen mehrstufigen Analyseprozess dar, in dem bei jedem Schritt neue und komplexere Bestimmungen eingef&#252;hrt werden. Diese erlauben es, Sackgassen aufzul&#246;sen und theoretische Schwierigkeiten zu beheben, die in fr&#252;heren Phasen der Analyse aufgetreten sind. Die schrittweise Konkretion und Komplizierung der theoretischen Instrumentarien hat dabei auch zur Folge, dass bereits entwickelte Begriffe und Kategorien durch sp&#228;tere Analyseschritte modifiziert und mit neuer Bedeutung angereichert werden. Daniel BensaÃ¯d argumentiert, dass dieser Prozess nicht k&#252;nstlich zu einem Schluss gebracht werden soll: das Kapital ist in gewisser Hinsicht ein â€žunendlichesâ€œ Buch, das &#252;ber die von Marx selbst in drei B&#228;nden behandelten Themen hinausweist. Dass Marx in seinem urspr&#252;nglichen Konzept f&#252;r Das Kapital weitere B&#228;nde, darunter einen zum Staat und einen zum Weltmarkt geplant hatte, weist in diese Richtung.</p>
<p><strong>Das Kapital: ein unendliches Buch</strong><br />
BensaÃ¯d zeichnet nach, wie auch der Klassenbegriff auf der â€žlangen Reise des Kapitalsâ€œ<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a> einen Prozess schrittweiser Konkretion und Modifikation durchmacht. Im ersten Band des Kapitals wird das Ausbeutungsverh&#228;ltnis zwischen freier Lohnarbeit und Kapital analysiert. Die Ausbeutung stellt aber nur die erste und abstrakteste der Bestimmungen des Klassenverh&#228;ltnisses dar. Der Klassenbegriff ist kein statisches Konzept, denn Klassenverh&#228;ltnisse stehen im Zusammenhang mit der Akkumulationsdynamik des Kapitals. Das Verh&#228;ltnis zwischen Arbeit und Kapital gewinnt im zweiten Band des Kapitals die zus&#228;tzliche Dimension des Kaufs und Verkaufs der Ware Arbeitskraft. â€žDas Kapitalverh&#228;ltnis w&#228;hrend des Produktionsprozesses kommt nur heraus, weil es an sich im Zirkulationsakt existiert, in den unterschiedlichen &#246;konomischen Grundbedingungen, worin K&#228;ufer und Verk&#228;ufer sich gegen&#252;bertreten, in ihrem Klassenverh&#228;ltnis.â€œ<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a> Der Klassenbegriff wird in Folge um die Begriffe der produktiven und indirekt produktiven Arbeit erweitert. Produktive Arbeit nimmt die Form des Mehrwerts an und wird in dieser Form vom Kapital angeeignet.<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a> Diejenige Arbeit, die gegen Revenue<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a> getauscht wird und keinen Mehrwert erzeugt, ist hingegen unproduktiv. Im dritten Band werden die bisherigen Bestimmungen in eine Analyse der Dynamik der Kapitalkonkurrenz, der Angleichung der Durchschnittsprofitraten und der Distribution der Revenue integriert. Vom Standpunkt gesamtgesellschaftlicher Reproduktion erscheinen Klassen nun nicht mehr alleinig &#252;ber Ausbeutung und produktive/indirekt produktive Arbeit bestimmt: Ausbeutungsverh&#228;ltnis, Lohnverh&#228;ltnis, Produktivit&#228;t und die Distribution von Revenuen im Prozess gesamtgesellschaftlicher Reproduktion treten als Bestimmungen zusammen. Es wird nun auch deutlich, dass das Ausbeutungsverh&#228;ltnis die Dynamik der Kapitalkonkurrenz, die Ausbildung einer Durchschnittsprofitrate und die Bestimmung gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit voraussetzt. Erst von diesem Standpunkt aus wird es m&#246;glich, dass â€žKlassen als etwas anderes [erscheinen], denn als eine Summe von Individuen, die eine &#228;hnliche gesellschaftliche Funktion erf&#252;llen.â€œ<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a> Es ist dies der Punkt, an dem sichtbar wird, dass der Klassenantagonismus nicht auf den Konflikt zwischen einzelnen ArbeiterInnen und KapitalistInnen am Arbeitsplatz reduzierbar ist. Aufgrund der Angleichung der Durchschnittsprofitraten ist der Mehrwert, den ein Einzelkapital einf&#228;hrt, stets Anteil des gesamtgesellschaftlich produzierten Mehrwerts. Auf diese Weise konstituiert sich das Kapital in seiner Gesamtheit &#252;ber die Reproduktionsdynamiken gegen die Gesamtheit der ArbeiterInnenklasse. â€žAus dem Gesagten ergibt sich, da&#223; jeder einzelne Kapitalist, wie die Gesamtheit aller Kapitalisten jeder besondern Produktionssph&#228;re, in der Exploitation der Gesamtarbeiterklasse durch das Gesamtkapital und in dem Grad dieser Exploitation nicht nur aus allgemeiner Klassensympathie, sondern direkt &#246;konomisch beteiligt ist, weil, alle andern Umst&#228;nde, darunter den Wert des vorgescho&#223;nen konstanten Gesamtkapitals als gegeben vorausgesetzt, die Durchschnittsprofitrate abh&#228;ngt von dem Exploitationsgrad der Gesamtarbeit durch das Gesamtkapital.â€œ<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a></p>
<p><strong>Komplexe Bestimmungen</strong><br />
Eine bedeutende Konsequenz dieser Bestimmung ist, dass nun auch Arbeiten, die in vorangegangenen Stadien der Analyse als unproduktiv erschienen, als Teil des gesellschaftlichen â€žGesamtarbeitersâ€œ auftreten. Zu den bisher entwickelten Bestimmungen antagonistischer Klassenpositionen tritt das Kriterium der Einkommensquellen hinzu, welche sich im Fall der KapitalistInnen aus Revenuen, im Fall der ArbeiterInnen aus Lohnarbeit speisen. Wie Marx selbst vermerkt, darf aber die letztere Bestimmung von Klassenpositionen aus Einkommensquellen nicht verabsolutiert werden. â€žIndes w&#252;rden von diesem Standpunkt aus z.B. &#196;rzte und Beamte auch zwei Klassen bilden, denn sie geh&#246;ren zwei unterschiednen gesellschaftlichen Gruppen an, bei denen die Revenuen der Mitglieder von jeder der beiden aus derselben Quelle flie&#223;en.â€œ<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a> W&#228;ren Einkommensquellen das vorrangige und einzige Kriterium, so w&#252;rden sich Klassen in Status- und Berufsgruppen aufl&#246;sen. Stattdessen m&#252;ssen, wie BensaÃ¯d vermerkt, die Bestimmungen, die in den drei B&#228;nden des Kapitals aufgezeigt wurden, in ihrer Einheit gefasst werden: â€ždas Ausbeutungsverh&#228;ltnis, das den Mehrwert erkl&#228;rt, das Lohnverh&#228;ltnis, [â€¦] direkt und indirekt produktive Arbeit, die gesellschaftliche Arbeitsteilung und die Natur und H&#246;he des Einkommensâ€œ<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a> erzeugen erst in ihrem inneren Zusammenhang die Perspektive, von der ausgehend Klassen als dynamische, antagonistische Kr&#228;fte erfasst werden k&#246;nnen. BensaÃ¯d argumentiert, dass damit die Bestimmung des Klassenbegriffs jedoch noch keineswegs abgeschlossen ist: â€žBestimmt auf Ebene des Produktionsprozesses im Gesamten, k&#246;nnen Klassen immer noch neue Bestimmungen erhalten, von Analysen der Familie, Ausbildung, des Staates und des politischen Kampfes selbst.â€œ<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a><br />
Wenn die unterschiedlichen Abstraktionsebenen der Klassenanalyse aus Erik Olin Wrights Perspektive als durch tiefe Gr&#228;ben getrennt erscheinen, was eine gewisse Ratlosigkeit dar&#252;ber erzeugt, wie diese Gr&#228;ben denn systematisch zu &#252;berbr&#252;cken sind, so erscheint der Weg vom Abstrakten zum Konkreten bei Daniel BensaÃ¯d als organischer Prozess des schrittweisen Einholens zus&#228;tzlicher Bestimmungen.<br />
Im Folgenden werden wir uns dem Problem der Bestimmung der Mittelklassen zuwenden und dies als Beispiel nutzen, um zu zeigen, was es bedeutet, die Abstraktionsebenen â€žhinunterzuwandernâ€œ. Die Frage der Mittelklassen ist nicht nur â€žessentiell, wenn die klassischen Anliegen des Marxismus â€“ ein Verst&#228;ndnis der Entwicklung der Widerspr&#252;chedes Kapitalismus und der Voraussetzungen einer revolution&#228;ren Transformation kapitalistischer Gesellschaften â€“ in rigoroser Weise analysiert werden sollenâ€œ, wie Wright festh&#228;lt.<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> Sie erfordert auch eine zunehmende Konkretion der Klassenanalyse. Unsere Darstellung theoretischer Positionen zur Einsch&#228;tzung der Mittelklassen wird notwendigerweise selektiv verfahren und bescheidener sein als BensaÃ¯ds Entwurf zunehmender Konkretion. Es ist aber sinnvoll, im Folgenden die Idee eines &#252;ber den Text des <em>Kapitals </em>hinausgehenden Bestimmungsprozesses im Kopf zu behalten und sich zu vergegenw&#228;rtigen, dass jede der zus&#228;tzlich eingef&#252;hrten Bestimmungen auch eine R&#252;ckfrage nach den zuvor bereits entwickelten Begriffen und Kategorien notwendig macht.</p>
<p><strong>Marx und die Mittelklassen</strong><br />
Marx und Engels gehen, wie bereits beschrieben, im <em>Manifest der Kommunistischen Partei</em> und im dritten Band des <em>Kapital </em>davon aus, dass es eine Tendenz zur Polarisierung der zwei Hauptklassen gibt, und dass der Widerspruch zwischen diesen sich immer deutlicher auspr&#228;gt. Eine systematische Bestimmung von Mittelklassen finden wir bei ihnen darum nicht vor â€“ auch nicht im <em>18. Brumaire</em>, in dem Marx selbst den Begriff der Mittelklasse verwendet. Wenn das traditionelle Kleinb&#252;rgerInnentum, also die einfachen WarenproduzentInnen, eine historisch entstandene &#220;bergangsklasse aus dem Feudalismus ist und es eben eine Tendenz zur Polarisierung gibt, kann der Eindruck entstehen, als w&#252;rde eine Theorie der Mittelklasse im Laufe der Entwicklung des Kapitalismus unn&#246;tig werden. Diese Prognose erwies sich jedoch als historisch inad&#228;quat. Auch ohne der b&#252;rgerlichen â€žMittelstandsâ€œ-Ideologie aufzusitzen, l&#228;sst sich die historische Ausdifferenzierung von Gesellschaftsschichten, Positionen und Interessenlagen vermerken, die weder in die Konzeption des Proletariats, noch in jene der Bourgeoisie passen. Marxistische Klassenanalysen wurden von b&#252;rgerlicher Seite oft dahingehend kritisiert, dass die Vorstellung eines bipolaren Klassenantagonismus aufgrund dieser Entwicklungen historisch &#252;berholt sei. Schon alleine als Defensivstrategie gegen solche Angriffe ist es notwendig, eine marxistische Bestimmung der Mittelklassen zu entwickeln, die mit der Diagnose vereinbar ist, dass der zentrale Interessenkonflikt in kapitalistischen Gesellschaften zwischen Arbeit und Kapital verl&#228;uft.<br />
Andererseits aber kann der Ruf nach einer klassentheoretischen â€žEinordnungâ€œ der Mittelklassen misstrauisch machen, erinnert er doch stark an â€žpositivistischeâ€œ Vorstellungen, welche den Klassenbegriff als Klassifikationsschema zur Zuordnung unterschiedlicher Gesellschaftsgruppen gem&#228;&#223; ihrer â€žEigenschaftenâ€œ missverstehen. Eine solche Auffassung des Klassenbegriffs ist oft genug â€“ und zu Recht â€“ kritisiert worden. Klassen sind keine Dinge, keine Berufs- oder Einkommensgruppen, sie existieren nicht au&#223;erhalb jener gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse, die sie konstituieren. Klassen gibt es nur in ihren Konfliktverh&#228;ltnissen zu anderen Klassen.<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a> Letztlich ist der Klassenbegriff auch nicht ein blo&#223;es Analyseschema zur Beschreibung der Struktur kapitalistischer Gesellschaften, sondern ein theoretisches Instrument, um soziale Konflikte und die Triebkr&#228;fte gesellschaftlicher Transformation fassen zu k&#246;nnen. Die klassentheoretische Analyse und Einsch&#228;tzung der Mittelklassen ist daher auch politisch relevant: Denn die Frage nach den Mittelklassen ist immer mit der Frage nach den Grenzen der ArbeiterInnenklasse und damit nach den politischen Voraussetzungen einer revolution&#228;ren Transformation kapitalistischer Gesellschaften verbunden. Eine Antwort auf das Problem der Klassenposition von jenen Gesellschaftsgruppen, die weder einfach der Bourgeoisie noch dem Proletariat zuordenbar sind, stellt also zugleich einen Beitrag zur Diskussion um politische B&#252;ndnisse und Strategien dar.</p>
<p><strong>Neue Klasse oder Neue ArbeiterInnenklasse?</strong><br />
In den 1970er und -80er Jahren versuchten verschiedene TheoretikerInnen Antworten auf die Problematik der â€žMittelklasseâ€œ bei Marx zu formulieren. Sie reagierten damit auch auf gesellschaftliche Transformationsprozesse im Fordismus, die eine quantitative Ausweitung von nicht eindeutig zuordenbaren Klassenpositionen bedeuteten, wie etwa hierarchische Funktionen (ManagerInnen, leitende Angestellte und andere &#220;berwachungs- und Verwaltungsaufgaben), Staatsangestellte, Scheinselbstst&#228;ndige, etc.<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a> Unter den verschiedenen Konzeptionen zum Verst&#228;ndnis der Mittelklasse k&#246;nnen vier grundlegende Str&#228;nge ausgemacht werden. Erstens, das Konzept der <em>Neuen Klassen</em>. Beispielhaft f&#252;r die Theorie, wonach die Mittelklasse eine v&#246;llig neue Klasse mit eigenen Interessen ist, die weder mit jenen der Bourgeoisie noch denen der ArbeiterInnenklasse &#252;bereinstimmen, sind die &#220;berlegungen von Barbara und John Ehrenreich. Sie bezeichnen diese Neue Klasse als â€žProfessional Managerial Classâ€œ<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a>. In den Konzeptionen einer Neuen Klasse ist jedoch v&#246;llig unklar, ob â€ždie recht unterschiedlichen Soziallagen, die unter dieser Flagge zusammengefasst sind, objektive Klasseninteressen teilen.â€œ<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a> Auch wenn TheoretikerInnen der Neuen Klasse den Aspekt der Kontrolle, etwa von Wissen, einbeziehen, so bleibt dies meist auf die Ebene des Produktionsprozesses beschr&#228;nkt, andere Dimensionen gesellschaftlicher Verh&#228;ltnisse, die Klassen konstituieren, fallen weg. Der griechisch-franz&#246;sische Marxist Nicos Poulantzas hat die Konzeption einer â€žManagerInnenklasseâ€œ daher als â€žf&#252;r die marxistische Theorie undenkbarâ€œ<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a> abgetan. Die Vorstellung, vom Zuwachs und steigenden Einfluss bestimmter Managementstrukturen lie&#223;e sich unmittelbar auf das Entstehen einer Neuen Klasse schlie&#223;en, hat dennoch immer wieder theoretische Konjunktur. So kann ein &#228;hnlicher Versuch in neogramscianischen Ans&#228;tzen innerhalb der Internationalen Politischen &#214;konomie ausgemacht werden, die im Anschluss an Robert Cox von einer â€žtransnationalen ManagerInnenklasseâ€œ sprechen.<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a><br />
Ein zweiter analytischer Ansatz ist das Konzept der Neuen ArbeiterInnenklasse. Die Erweiterung des Begriffs der ArbeiterInnenklasse und die Konzeptualisierung eines Gro&#223;teils der gesellschaftlichen K&#228;mpfe als jene der ArbeiterInnenklasse wurde etwa vom Sozialphilosophen AndrÃ© Gorz, der alle Lohnabh&#228;ngigen ohne Verf&#252;gung &#252;ber Kapital zur ArbeiterInnenklasse z&#228;hlt<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a>, oder dem Soziologen Serge Mallet<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a><br />
vertreten. Auch diese Idee und die damit verbundene These, man habe es bei den Mittelklassen nicht mit â€žechtenâ€œ Zwischenlagen zu tun, sondern schlicht mit neuen Formen des Proletariats, gewinnt immer wieder neue theoretische Attraktivit&#228;t. Besonders deutlich wird dies in Ans&#228;tzen, welche die ArbeiterInnenklasse ausschlie&#223;lich &#252;ber das Kriterium der freien Lohnarbeit â€“ also die Notwendigkeit, die eigene Arbeitskraft am Markt feilzubieten â€“ bestimmen. So findet sich ein Nachhall der These von der Neuen ArbeiterInnenklasse z.B. im post-operaistischen Konzept der Multitude, wie es prominent von Toni Negri und Michael Hardt entwickelt wurde. Gemein ist vielen dieser Konzeptionen die problematische Konsequenz, die gesamte Masse der Lohnabh&#228;ngigen als revolution&#228;res Subjekt anzurufen und dabei die gro&#223;en Interessensunterschiede innerhalb derselben zu verdecken.<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a><br />
Fruchtbarer als die Konzepte der Neuen Klassen und der Neuen ArbeiterInnenklasse erscheinen uns zwei weitere Ans&#228;tze, das Konzept des Neuen Kleinb&#252;rgerInnentums, das von Nicos Poulantzas vorgeschlagen wurde, sowie jenes der widerspr&#252;chlichen Klassenpositionen von Erik Olin Wright. Da uns beide Ans&#228;tze trotz gewisser Kritikpunkte politisch anschlussf&#228;hig erscheinen, m&#246;chten wir im Folgenden n&#228;her auf sie eingehen.</p>
<p><strong>Poulantzas und das Neue Kleinb&#252;rgerInnentum</strong><br />
Poulantzasâ€™ theoretische Ausgangs&#252;berlegung lautet, dass es nicht ausreicht, Klassen allein durch ihre &#246;konomische Verortung zu bestimmen. Es gehe vielmehr auch darum, â€žsoziale Klassen durch ihre Stellung im Ganzen der gesellschaftlichen Praxis-Arten zu definierenâ€œ<a title="anm_41" name="anm_41" href="#anm41"><sup>41</sup></a> â€“ also nicht nur durch ihre Stellung in der Arbeitsteilung, sondern auch &#252;ber politische und ideologische Verh&#228;ltnisse. Konkret versucht er, das Problem der Mittelklasse durch Erweiterung und Umdeutung der traditionellen Klasse des Kleinb&#252;rgerInnentums und ihrer inneren Differenziertheit zu l&#246;sen. Die &#246;konomischen Merkmale des traditionellen Kleinb&#252;rgerInnentums beschreibt Poulantzas als Einheit des Besitzes der Produktionsmittel und deren Verarbeitung: â€ž[D]iese Kleinproduktion macht Profit aus dem Verkauf der Waren und durch die Beteiligung an der totalen R&#252;ckverteilung des Mehrwerts, presst aber nicht unmittelbar Mehrwert ab.â€œ<a title="anm_42" name="anm_42" href="#anm42"><sup>42</sup></a> Das Neue Kleinb&#252;rgerInnentum hingegen bestehe aus den nichtproduktiven Lohnempf&#228;ngerInnen und MitarbeiterInnen des Staates und dessen Staatsapparate, â€žihre Ausbeutung erfolgt durch direkte Absch&#246;pfung von Mehrarbeit und nicht durch die Produktion von Mehrwert.â€œ<a title="anm_43" name="anm_43" href="#anm43"><sup>43</sup></a> Das Kleinb&#252;rgerInnentum sei der Ausbeutung nur in Form des Lohnes und der Konkurrenz ausgesetzt, nicht aber innerhalb des Produktionsprozesses. Laut Poulantzas f&#252;hrt dies zu einer Reihe von politischen und ideologischen Merkmalen, die das neue Kleinb&#252;rgerInnentum auszeichnet: â€žkleinb&#252;rgerlicher Individualismusâ€œ, Neigung zum Status Quo und Furcht vor der Revolution, â€žMythos des gesellschaftlichen Aufstiegesâ€œ und Streben nach b&#252;rgerlichem Status<a title="anm_44" name="anm_44" href="#anm44"><sup>44</sup></a> â€“ sowie Vertrauen in einen neutralen, &#252;ber den Klassen stehenden Staat und die Bindung an bonapartistische Regierungsformen. In seiner Analyse anderer Klassen weist Poulantzas wiederholt auf die Inhomogenit&#228;t von Ideologie und Interessen hin. Ob sich auch die Ideologie des Neuen Kleinb&#252;rgerInnentums durch Widerspr&#252;che und Unterschiede auszeichnet, bleibt unklar und in seinen Schriften ambivalent. Wie auch in der ArbeiterInnenklasse und der Bourgeoisie lassen sich laut Poulantzas im Kleinb&#252;rgerInnentum bei genauer Betrachtung der politisch-ideologischen Divergenzen zahlreiche Fraktionen ausmachen. So h&#228;lt Poulantzas z.B. fest, â€ždass die kleinb&#252;rgerliche Fraktion der nicht-produktiven Lohnempf&#228;nger der Arbeiterklasse n&#228;her ist als die des traditionellen Kleinb&#252;rgerInnentumsâ€œ<a title="anm_45" name="anm_45" href="#anm45"><sup>45</sup></a>. Weil Poulantzas Begriff des Neuen Kleinb&#252;rgerInnentums so breit gef&#228;chert ist und so viele verschiedene Lebensrealit&#228;ten umfasst, stellt sich hier die Frage, wie homogen die von ihm angenommene kleinb&#252;rgerliche Ideologie &#252;berhaupt sein kann.</p>
<p><strong>Produktive und unproduktive Arbeit</strong><br />
Dar&#252;ber hinaus ergeben sich aus dem von Poulantzas getroffenen, zentralen Unterscheidungsmerkmal f&#252;r das Neue Kleinb&#252;rgerInnentum, die unproduktive Arbeit, einige Probleme f&#252;r seine Klassentheorie. Die Debatte um produktive und unproduktive Arbeit ist eine wichtige Frage in der Marxschen politischen &#214;konomie. Ob Arbeit als produktiv oder unproduktiv bezeichnet wird, â€žh&#228;ngt nicht vom Charakter des produzierten Gebrauchswerts ab, sondern davon, ob die Ware, die ich produziere, [â€¦] zugleich Mehrwert enth&#228;ltâ€œ<a title="anm_46" name="anm_46" href="#anm46"><sup>46</sup></a> oder nicht. Poulantzas bezieht sich in seinen Analysen vor allem auf Marxens Definition von produktiver Arbeit im ersten Band des Kapitals: â€žDie kapitalistische Produktion ist nicht nur Produktion von Ware, sie ist wesentlich Produktion von Mehrwert. [â€¦] Steht es frei, ein Beispiel au&#223;erhalb der Sph&#228;re der materiellen Produktion zu w&#228;hlen, so ist ein Schulmeister ein produktiver Arbeiter, wenn er nicht nur Kinderk&#246;pfe bearbeitet, sondern sich selbst abarbeitet zur Bereicherung des Unternehmers. Dass letzerer sein Kapital in einer Lehrerfabrik angelegt hat, statt in einer Wurstfabrik &#228;ndert nichts an dem Verh&#228;ltnis. Der Begriff des produktiven Arbeiters schlie&#223;t daher keineswegs blo&#223; ein Verh&#228;ltnis zwischen T&#228;tigkeit und Nutzeffekt, Arbeiter und Arbeitsprodukt ein, sondern auch ein spezifisch gesellschaftlich, geschichtlich entstandenes Produktionsverh&#228;ltnis, welches den Arbeiter zum unmittelbaren Verwertungsmittel des Kapitalisten stempelt.â€œ<a title="anm_47" name="anm_47" href="#anm47"><sup>47</sup></a> Daraus ergibt sich, dass f&#252;r Poulantzas etwa Lohnabh&#228;ngige an der Kasse eines Supermarktes in jedem Fall â€žunproduktive Arbeitâ€œ leisten w&#252;rden und auch nach der hier von Marx dargelegten Definition, auf Grund der fehlenden Mehrwertproduktion, nicht zur ArbeiterInnenklasse geh&#246;ren. Im dritten Band des Kapitals analysiert Marx jedoch die Frage von produktiver und unproduktiver Arbeit in Bezug auf die â€žkommerziellen ArbeiterInnenâ€œ, und argumentiert hier gegen eine Bestimmung allein auf Grund der Mehrwertproduktion: â€žWie die unbezahlte Arbeit des Arbeiters dem produktiven Kapital direkt Mehrwert schafft, schafft die unbezahlte Arbeit der kommerziellen Lohnarbeiter dem Handelskapital einen Anteil an jenem Mehrwert.â€œ<a title="anm_48" name="anm_48" href="#anm48"><sup>48</sup></a> Deutlich wird hier, dass auch unproduktive Arbeit ausgebeutet wird: â€žDer kommerzielle Arbeiter produziert nicht direkt Mehrwert. Aber der Preis seiner Arbeit ist durch den Wert seiner Arbeitskraft, also deren Produktionskosten, bestimmt, w&#228;hrend die Aus&#252;bung dieser Arbeitskraft, als eine Anspannung, Kraftver&#228;u&#223;erung und Abnutzung, wie bei jedem anderen Lohnarbeiter, keineswegs durch den Wert seiner Arbeitskraft begrenzt ist. Sein Lohn steht daher in keinem notwendigen Verh&#228;ltnis zu der Masse des Profits, die er dem Kapitalisten realisieren hilft. Was er dem Kapitalisten kostet, und was er ihm einbringt, sind verschiedene Gr&#246;&#223;en. Er bringt ihm ein, nicht indem er direkt Mehrwert <em>schafft</em>, aber indem er die Kosten der Realisierung des Mehrwerts vermindern hilft, soweit er, zum Teil unbezahlte, Arbeit verrichtet.â€œ<a title="anm_49" name="anm_49" href="#anm49"><sup>49</sup></a> Das hei&#223;t, auch â€žunproduktiveâ€œ Arbeit kann ausgebeutet werden, wenn sie zur Realisierung des (im strikten Sinne nicht von ihr produzierten) Mehrwerts betr&#228;gt. Poulantzas Begriff von produktiver Arbeit und die sich f&#252;r ihn daraus ergebende Definition der ArbeiterInnenklasse ist demnach zu eng gefasst.</p>
<p><strong>Neues Kleinb&#252;rgerInnentum und revolution&#228;re Politik</strong><br />
Die Einengung der ArbeiterInnenklasse auf produktive ArbeiterInnen, durch welche zugleich das Neue Kleinb&#252;rgerInnentum zum Auffangbecken f&#252;r all jene Klassenpositionen wird, die nicht mehr in die Kategorie der ArbeiterInnenklasse passen, ist auch politisch hochgradig problematisch. Gerade im Hinblick auf die politischen Schlussfolgerungen einer Klassentheorie wirft Poulantzas aber durchaus interessante Fragen auf. Er legt den Schwerpunkt auf die ideologische und politische Verortung der Mittelklassen, im Bewusstsein, dass eine klassentheoretische Bearbeitung der Mittelklassen enorm wichtig f&#252;r die Frage politischer B&#252;ndnisse und Allianzen in revolution&#228;rer Perspektive ist.<a title="anm_50" name="anm_50" href="#anm50"><sup>50</sup></a> Poulantzas erkennt, dass auch andere Klassen oder Klassenfraktionen als die ArbeiterInnenklasse selbst f&#252;r die Formierung eines transformativen politischen Projektes gewinnbar sind und letztlich in ein revolution&#228;res politisches Projekt eingebunden werden m&#252;ssen, soll dieses erfolgreich sein. Die Aufgabe der ArbeiterInnenklasse in B&#252;ndnissen sei es demnach, die Interessen der von ihm so genannten â€žVolksmassenâ€œ zu beachten, aber auch die Widerspr&#252;che innerhalb dieser zu erkennen, ohne dabei das revolution&#228;re Ziel aus den Augen zu verlieren. Nur durch tempor&#228;re, von den gesellschaftlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen abh&#228;ngige B&#252;ndnisse komme die ArbeiterInnenklasse ihrem Ziel n&#228;her.<br />
Die Diagnose, dass ein revolution&#228;res Projekt nicht ohne B&#252;ndnispolitik auskommt, ist korrekt. Mit Poulantzas l&#228;sst sich allerdings nur schwer erfassen, wie sich gemeinsame Interessen und Zielvorstellungen zwischen der ArbeiterInnenklasse und bestimmten Fraktionen des Neuen Kleinb&#252;rgerInnentums herausbilden k&#246;nnen. Die Vorstellung einer gemeinsamen Ideologie der Mittelklassen scheint den von Poulantzas selbst geforderten B&#252;ndnissen geradezu entgegengesetzt. Auf Basis welcher geteilten Interessen solche B&#252;ndnisse m&#246;glich sind, bleibt in Poulantzas Konzeption vage.</p>
<p><strong>Theorie der widerspr&#252;chlichen Klassenpositionen</strong><br />
Erik Olin Wrights Klassenanalyse hat sich vor allem in der Auseinandersetzung mit Poulantzas und den Leerstellen innerhalb seines theoretischen Entwurfes herausgebildet. Mit dem Begriff objektiv widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen nimmt Erik Olin Wright eine Problemverschiebung vor, die wichtige politische Implikationen hat: Im Unterschied zu Poulantzas Konzeption und anderen Theorien der Mittelklassen, geht er nicht davon aus, dass alle sozialen Positionen einer einzigen Klasse zuordenbar sein m&#252;ssen. Statt nach der <em>Klassenzugeh&#246;rigkeit </em>von Gesellschaftsgruppen zu fragen, die sich schlecht in das bipolare Schema Bourgeoisie versus Proletariat einf&#252;gen lassen, versucht er auf Basis einer Analyse der ausdifferenzierten Struktur der Produktionsverh&#228;ltnisse eine â€žLandkarteâ€œ m&#246;glicher <em>Klassenpositionen </em>zu gewinnen. Seine Hauptthese ist, dass sich in diesen Strukturen Klassenpositionen ausmachen lassen, die <em>widerspr&#252;chlich </em>sind â€“ insofern, als sie sich teils mit Positionen der Bourgeoisie und teils mit Positionen des Proletariats &#252;berschneiden. Um diese widerspr&#252;chlichen Positionen zu erschlie&#223;en, ist es erforderlich, sich genauer mit den gesellschaftlichen Prozessen und Strukturen, die Klassenverh&#228;ltnisse auf Ebene der Produktionsverh&#228;ltnisse konstituieren, auseinanderzusetzen. Die von Poulantzas eingef&#252;hrte Unterscheidung zwischen &#246;konomischem Eigentum und Besitz wird von Wright weiter ausdifferenziert. Wright argumentiert, dass es in entwickelten kapitalistischen Gesellschaften zu einer Ausdifferenzierung von Kapitalfunktionen und zu einem Auseinandertreten dieser Funktionen gekommen ist, wodurch diese in Folge nicht mehr in den H&#228;nden einzelner Kapitaleigent&#252;merInnen konzentriert sind, sondern &#252;ber komplexe Management-Hierarchien aufgeteilt werden.<a title="anm_51" name="anm_51" href="#anm51"><sup>51</sup></a> Zun&#228;chst unterscheidet Wright zwischen <em>juridischem Eigentum</em>, also dem formalen rechtlichen Titel auf Kapitaleigentum, der auch in Form von Aktienteilhabe bestehen kann, und <em>&#246;konomischem Eigentum</em>. Solange kapitalistische Produktionsverh&#228;ltnisse in rechtliche Formen des Privateigentums eingebettet sind, stellt formales juridisches Eigentum eine notwendige Bedingung f&#252;r &#246;konomisches Eigentum dar. Es ist allerdings keine hinreichende Bedingung f&#252;r &#246;konomisches Eigentum.<a title="anm_52" name="anm_52" href="#anm52"><sup>52</sup></a> Des Weiteren bedingt die Konzentration und Zentralisation von Kapital im Akkumulationsprozess ein Auseinandertreten von Funktionen des &#246;konomischen Eigentums und des <em>Besitzes</em>. W&#228;hrend &#246;konomisches Eigentum die Kontrolle &#252;ber Investitionen und Ressourcenallokation, vereinfacht ausgedr&#252;ckt, die Kontrolle dar&#252;ber <em>was </em>produziert wird, bezeichnet, bezieht sich Besitz auf die Kontrolle &#252;ber den Produktionsprozess selbst, also dar&#252;ber, <em>wie </em>produziert wird. Die Konzentration von Kapital macht zugleich aber auch interne Differenzierungen und komplexe Hierarchien innerhalb der Dimension des Besitzes, also der Kontrolle &#252;ber den Produktionsprozess, erforderlich: Die Funktion der Kontrolle &#252;ber die <em>Produktionsmittel</em>, die von unterschiedlichen Ebenen des Managements &#252;bernommen wird und die Kontrolle &#252;ber die <em>Arbeit</em>, die von VorarbeiterInnen und anderen Aufsichtsorganen exekutiert wird, treten auseinander. F&#252;r die Bestimmung widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen sind drei Faktoren ausschlaggebend: Die Kontrolle &#252;ber die Produktionsmittel (Besitz), die Kontrolle &#252;ber Arbeit (Besitz) und die Kontrolle &#252;ber Investitionen und Ressourcenallokation (&#246;konomisches Eigentum).<a title="anm_53" name="anm_53" href="#anm53"><sup>53</sup></a><br />
Erik Olin Wright argumentiert, dass der Antagonismus zwischen Kapital und Arbeit eine Polarisierung dieser drei Aspekte darstellt: Kapital und ArbeiterInnenklasse sind jeweils am entgegengesetzten Ende dieser Kontrollverh&#228;ltnisse angesiedelt. â€žKapitalistInnen kontrollieren den Akkumulationsprozess, bestimmen wie die materiellen Produktionsmittel verwendet werden sollen, und kontrollieren die Autorit&#228;tsstruktur innerhalb des Arbeitsprozesses. ArbeiterInnen hingegen sind von der Kontrolle &#252;ber Autorit&#228;tsverh&#228;ltnisse, die materiellen Produktionsmittel, und den Investitionsprozess ausgeschlossen. Diese zwei Kombinationsformen der drei Prozesse von Klassenverh&#228;ltnissen konstituieren die zwei grundlegenden antagonistischen Klassenpositionen in der kapitalistischen Produktionsweise.â€œ<a title="anm_54" name="anm_54" href="#anm54"><sup>54</sup></a></p>
<p><strong>Jenseits der Hauptklassen</strong><br />
Auf Ebene der Produktionsweise sind auch nur diese beiden Klassenpositionen sichtbar. Wenn man aber die Stufenleiter der Abstraktion â€žhinunterwandertâ€œ und sich auf die Ebene von Gesellschaftsformationen begibt, taucht eine Vielzahl anderer Klassenpositionen auf. Wright nennt zwei Gr&#252;nde, warum sich das Spektrum m&#246;glicher Klassenpositionen erweitert:<br />
Erstens umfassen Gesellschaftsformationen mehr als nur eine einzige Produktionsweise. Mindestens eine zus&#228;tzliche Klasse tritt damit aufs Tapet der Analyse: das Kleinb&#252;rgerInnentum, das auf einfacher Warenproduktion als einer untergeordneter Produktionsweise beruht. Bauern/B&#228;uerinnen w&#228;ren weitere m&#246;gliche KandidatInnen f&#252;r â€žvorkapitalistischeâ€œ Klassen in kapitalistischen Gesellschaften.<a title="anm_55" name="anm_55" href="#anm55"><sup>55</sup></a><br />
Zweitens gehen die drei oben beschriebenen Dimensionen der Kontrolle nicht immer Hand in Hand. Kontrolle &#252;ber Arbeit impliziert nicht automatisch auch Kontrolle &#252;ber die Investitionsfl&#252;sse, und umgekehrt. Aus solchen Verwerfungen ergeben sich jene Positionen, die Erik Olin Wright als <em>widerspr&#252;chliche Klassenpositionen</em> bezeichnet: Diese weisen &#220;berschneidungen mit verschiedenen Klassen auf und sind quasi â€žzwischen ihnenâ€œ angesiedelt. Zwischen den drei â€žHauptklassenâ€œ oder reinen Klassenpositionen in entwickelten kapitalistischen Gesellschaften (Bourgeoisie, Proletariat, Kleinb&#252;rgerInnentum) macht Wright eine Reihe solcher widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen aus.<br />
1. Zwischen Bourgeoisie und Proletariat ist ein ganzes Spektrum von Positionen angesiedelt, die entweder der Bourgeoisie oder dem Proletariat n&#228;her stehen: Top-ManagerInnen stehen der Bourgeoisie am n&#228;chsten, da sie zwar &#252;ber kein &#246;konomisches Eigentum an Produktionsmitteln verf&#252;gen, aber <em>Kontrolle </em>&#252;ber Arbeit und Produktionsmittel innehaben. Funktionen des mittleren Managements, â€žTechnokratInnenâ€œ und Aufsichtsorgane haben ein Minimum an Kontrolle &#252;ber die eigene Arbeit und die von â€žUntergebenenâ€œ, &#252;ben aber kein Kommando &#252;ber den Produktionsprozess aus. Am anderen Ende des Spektrums, nahe der Position des Proletariats, sind VorarbeiterInnen angesiedelt, die zwar keine oder nur eine geringe Kontrolle &#252;ber die Produktionsmittel innehaben, allerdings Kontrolle &#252;ber Arbeit aus&#252;ben, wenn auch nur als Transmissionsriemen f&#252;r Anordnungen â€žvon Obenâ€œ.<a title="anm_56" name="anm_56" href="#anm56"><sup>56</sup></a><br />
2. Zwischen Kleinb&#252;rgerInnentum und Proletariat macht Wright die widerspr&#252;chliche Klassenposition der semiautonomen Lohnarbeit aus. Dies betrifft alle Gesellschaftsgruppen, die zwar lohnabh&#228;ngig sind, die jedoch in ihrer unmittelbareren Arbeitsumgebung eine zumindest minimale Kontrolle &#252;ber ihre Arbeitsbedingungen innehaben, also ein gewisses Ma&#223; an Entscheidungskapazit&#228;t dar&#252;ber, was und wie sie produzieren. Wright vermerkt, dass ein Gro&#223;teil der Angestellten â€“ â€žwhite-collar workersâ€œ â€“ h&#246;chstens eine triviale Form der Kontrolle &#252;ber die eigene Arbeit aus&#252;bt und darum nicht der semi-autonomen Lohnarbeit, sondern dem Proletariat zuzurechnen ist.<a title="anm_57" name="anm_57" href="#anm57"><sup>57</sup></a><br />
3. Zwischen Kleinb&#252;rgerInnentum und Bourgeoisie sind die KleinunternehmerInnen angesiedelt. Diese beuten zwar freie Lohnarbeit aus und verf&#252;gen &#252;ber die Kontrolle &#252;ber Arbeit und Produktionsmittel, leisten jedoch auch durch die eigene Arbeit einen Beitrag zum Mehrprodukt.<br />
Die Liste widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen w&#228;re sicherlich erweiterbar. Relevanter als die Frage, welche Gesellschaftsgruppen wie in Wrights Analyseschema eingeordnet werden k&#246;nnen, ist allerdings die, wie sich der von Wright gew&#228;hlte Fokus auf Funktionen der Kontrolle &#252;ber Arbeit, Produktionsmittel und Investitionen mit anderen Bestimmungen von Klasse, vor allem jenen, die &#252;ber das Ausbeutungsverh&#228;ltnis verlaufen, vereinen l&#228;sst. Erik Olin Wrights Ansatz wurde oft dahingehend kritisiert, dass er die Frage der Ausbeutung zu Gunsten einer Analyse von Kontrollfunktionen und Herrschaft aufgebe.<a title="anm_58" name="anm_58" href="#anm58"><sup>58</sup></a> Ausgehend von BensaÃ¯ds methodischem Vorschlag, die schrittweise Einf&#252;hrung zus&#228;tzlicher Bestimmungen als Prozess zunehmender Konkretion und Komplexit&#228;t zu denken, l&#228;sst sich allerdings nach einer Perspektive suchen, von der aus die Einheit dieser Bestimmungen deutlich wird.</p>
<p><strong>Das Problem der Ausbeutung</strong><br />
Der britische Marxist Alex Callinicos weist mit seinen Anmerkungen zur â€žNeuen Mittelklasseâ€œ in diese Richtung: er &#252;bernimmt Wrights Begriff der widerspr&#252;chlichen Klassenpositionen und setzt diesen zum Konzept der Ausbeutung in Beziehung. Callinicos argumentiert mit Wright, dass auch unproduktive Arbeit vom Kapital ausgebeutet werden kann, sofern Mehrarbeit extrahiert wird, die zwar nicht auf Kapitalseite als Mehrwert aufscheint, aber die Kosten f&#252;r die Realisierung des Mehrwerts f&#252;r das Kapital senkt.<a title="anm_59" name="anm_59" href="#anm59"><sup>59</sup></a> Diese Analyse trifft laut Callinicos aber nicht auf jene widerspr&#252;chlichen Klassenpositionen zu, die f&#252;r das Kapital Funktionen der Kontrolle &#252;ber Arbeit und Produktionsmittel &#252;bernehmen. â€žDas Ausma&#223;, in dem jene, die widerspr&#252;chliche Klassenpositionen einnehmen, ihre Position von der Entscheidungsfreiheit erhalten, die ihnen das Kapital zuspricht, reflektiert sich im gro&#223;en Gef&#228;lle zwischen ihrem Einkommen und dem Einkommen von normalen Angestellten und ArbeiterInnen.â€œ<a title="anm_60" name="anm_60" href="#anm60"><sup>60</sup></a> Das Einkommen von ManagerInnen und Aufsichtsorganen enth&#228;lt ein Element, das weit &#252;ber die Kosten der Reproduktion der Ware Arbeitskraft hinausgeht. Dieses Argument l&#228;sst sich aus Perspektive der gesamtgesellschaftlichen Reproduktion zuspitzen: Das Einkommen, das InhaberInnen von Kontrollfunktionen beziehen, bemisst sich nicht am Wert der Ware Arbeitskraft, sondern an der Ausf&#252;hrung von Funktionen des Gesamtkapitals und speist sich direkt aus Revenuequellen. Das bedeutet, dass bestimmte Segmente der â€žMittelklassenâ€œ nicht ausgebeutet werden. Wie im dritten Band des Kapitals ausgef&#252;hrt, verweisen die Funktionen des Gesamtarbeiters und des Gesamtkapitals auch auf zwei verschiedene Einkommensquellen: W&#228;hrend die ArbeiterInnenklasse auf ein Einkommen durch Lohnarbeit angewiesen ist, speist sich das Einkommen der KapitalistInnen aus den Revenuen der Kapitalakkumulation. Die Widerspr&#252;chlichkeit von Klassenpositionen kann also auch in der Dimension von Einkommensquellen gedacht werden, wenn sich etwa das Einkommen bestimmter zwischen Bourgeoisie und Proletariat angesiedelten Klassenlagen sowohl aus Lohnarbeit, als auch aus Revenuequellen speist.<br />
Auch wenn diese Anmerkungen kursorisch bleiben, so geht aus ihnen doch hervor, dass die unterschiedlichen Elemente einer Bestimmung von Klassenverh&#228;ltnissen â€“ Ausbeutungsverh&#228;ltnis, Lohnarbeitsverh&#228;ltnis, produktive/unproduktive Arbeit, Kontrollfunktionen, Einkommensquellen â€“ nicht voneinander abgespalten und einzeln verabsolutiert werden d&#252;rfen, sondern erst in ihrer Einheit zu einer Bestimmung der Klassenstruktur entwickelter kapitalistischer Gesellschaften beitragen k&#246;nnen. Was in Erik Olin Wrights Analyse fehlt â€“ und hier auch nicht geleistet werden kann â€“ ist eine Auseinandersetzung mit der Rolle der Staatsapparate und eine Ausdehnung der Konzeption widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen auf Staatsangestellte und Reproduktionsarbeit. Dar&#252;ber hinaus wurde oft kritisiert, dass Wrights Ansatz auf die formale und statische Ausarbeitung einer â€žLandkarteâ€œ von Strukturpositionen hinausl&#228;uft. Diese w&#228;re weder in der Lage, die historischen Prozesse, durch die bestimmte Klassenverh&#228;ltnisse geschaffen, aufrechterhalten oder transformiert werden, zu analysieren, noch k&#246;nne sie die konkreten Dynamiken der Klassenformierung erfassen.<a title="anm_61" name="anm_61" href="#anm61"><sup>61</sup></a> Dass die Konzeption widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen dennoch bedeutende Implikationen f&#252;r den Versuch hat, zu einer Einsch&#228;tzung von Klassenformierungsprozessen und der Herstellung strategischer Klassenb&#252;ndnisse zu gelangen, wollen wir im Folgenden zeigen.</p>
<p><strong>Interessen, Erfahrungen, B&#252;ndnisse</strong><br />
Zun&#228;chst k&#246;nnen wir uns mit dem erweiterten Konzept der widerspr&#252;chlichen Klassenpositionen gegen einige problematische Tendenzen in der (marxistischen) Klassentheorie wenden:<br />
1. Die wohl bedeutendste Schlussfolgerung, die sich aus dem Vorkommen solcher widerspr&#252;chlichen Klassenpositionen ziehen l&#228;sst, ist die, dass der Begriff der Mittelklassen im Grunde verfehlt ist: Die Mittelklasse stellt keine eigene Klasse dar, zumindest nicht in dem Sinne, in dem sich Bourgeoisie und Proletariat als Klassen konstituieren. Widerspr&#252;chliche Klassenpositionen weisen darum auch keine zusammenh&#228;ngenden Interessen auf. â€žArbeiterInnen und KapitalistInnen haben jeweils eine ganz bestimmte und koh&#228;rente Menge von Interessen, die aus ihrer Position in den Produktionsverh&#228;ltnissen hervorgehen. Dies ist nicht der Fall f&#252;r die â€šNeuen Mittelklassenâ€˜, gerade deshalb, weil sie widerspr&#252;chliche Klassenpositionen einnehmen, die sie in zwei entgegengesetzte Richtungen ziehen â€“ im Falle von ManagerInnen und Aufsichtsorganen weg von oder hin zu Bourgeoisie oder Proletariat, im Falle von semi-autonomen Angestellten weg von oder hin zum Kleinb&#252;rgerInnentum oder zum Proletariat.â€œ<a title="anm_62" name="anm_62" href="#anm62"><sup>62</sup></a> Damit kann auch gegen Theorien argumentiert werden, die alle Lohnabh&#228;ngigen, ohne jede innere Differenzierung, als Teil der ArbeiterInnenklasse definieren.<br />
2. Umgekehrt haben wir versucht zu zeigen, dass die Theoretisierung der Ausbeutung und das Zusammendenken unterschiedlicher Bestimmungen von Klasse zentral ist, um der Reduktion der ArbeiterInnenklasse auf produktive ArbeiterInnen entgegentreten zu k&#246;nnen.<br />
3. Vom Begriff widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen ausgehend l&#228;sst sich auch Poulantzasâ€™ These einer gemeinsamen Ideologie des Neuen Kleinb&#252;rgerInnentums neu bewerten: Einerseits scheint es unwahrscheinlich, dass sich die im Neuen Kleinb&#252;rgerInnentum undifferenziert zusammengeworfenen Positionen â€“ von prekarisierten semi-autonomen LohnarbeiterInnen bis zu ManagerInnen â€“ gemeinsam als Klasse mit einer distinkten Ideologie formieren. Andererseits steht dem nicht entgegen, dass es ideologische Faktoren und Elemente gibt, welche die Selbstwahrnehmung bestimmter Gesellschaftsgruppen (einschlie&#223;lich bestimmter Fraktionen der ArbeiterInnenklasse) und deren Selbsteinordnung in soziale Hierarchien mitbestimmen; so etwa die Trennung von manueller und kognitiver Arbeit, die Perspektive von Aufstiegsbiographien oder ein individualistischer Leistungsglaube. Diese Faktoren und Elemente erschweren eine gemeinsame Organisierung von ArbeiterInnen und InhaberInnen bestimmter, dem Proletariat nahestehender widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen.<br />
4. Zuletzt stellt sich die Frage, welchen Nutzen der Begriff widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen auf der â€žkonkretestenâ€œ Abstraktionsebene hat, also jener der historischen Konjunktur, auf der die Fragen von Gesellschaftsstruktur und Klassenformierung notwendigerweise ineinander &#252;bergehen. Der Begriff der Erfahrung wird hier zu einem zentralen Element politisch strategischer &#220;berlegungen. Wie zuvor ausgef&#252;hrt, weisen widerspr&#252;chliche Klassenpositionen einerseits Interessen&#252;berschneidungen mit dem Kapital auf, andererseits aber lassen sich politisch Gemeinsamkeiten mit proletarischen Interessen herstellen, wobei die relative N&#228;he zu Positionen dieser beiden Klassen f&#252;r verschiedene widerspr&#252;chliche Positionen unterschiedlich ausf&#228;llt. Es ist freilich nicht ausreichend, bei einer Identifikation partieller Interessenkonvergenzen stehen zu bleiben. Objektive Interessen &#252;bersetzen sich nicht eins zu eins in konkrete politische Projekte. Interessenkonvergenzen lassen sich dort herstellen, wo geteilte Klassenlagen auch &#228;hnliche Erfahrungen bedingen. Dieselben gesellschaftlichen Strukturpositionen erzeugen der Tendenz nach &#228;hnliche Erfahrungen, so etwa jene, keine oder nur minimale Kontrolle &#252;ber den eigenen Arbeitsprozess inne zu haben, die Erfahrung sozialer und &#246;konomischer Unsicherheit, oder die Erfahrung in permanente Konkurrenzverh&#228;ltnisse gesetzt zu sein. Solche Erfahrungen ruhen auf &#228;hnlichen Lebensrealit&#228;ten auf und werden durch die eigene Positioniertheit in gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen geformt. Wie diese Erfahrungen aber erlebt, interpretiert, mit Bedeutung versehen und zu permanenten Haltungen â€“ dem jeweiligen Selbst- und Weltverst&#228;ndnis â€“ verdichtet werden, ist jedoch stets von gesellschaftlich verf&#252;gbaren Deutungsmustern und damit von politisch-ideologischen Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen abh&#228;ngig. Die Erfahrung sozialer Unsicherheit etwa &#252;bersetzt sich darum nicht automatisch in ein emanzipatorisches politisches Projekt. Sie kann umgekehrt auch von rechts aufgegriffen mit z.B. Forderungen nach â€žLeistungsgerechtigkeitâ€œ beantwortet werden. Im Kontext von Prozessen der Klassenformierung ist darum stets die ideologische Verarbeitung dieser Erfahrungen und die Entwicklung politischer Antworten auf dieselben ausschlaggebend.</p>
<p><strong>Conclusio</strong><br />
Wir haben in diesem Artikel argumentiert, dass Erik Olin Wrights Konzept der widerspr&#252;chlichen Klassenpositionen eine &#252;berzeugende Grundlage f&#252;r eine differenzierte marxistische Klassentheorie darstellt. Daf&#252;r sprechen ein theoretisches und ein politisches Argument.<br />
Das theoretische Argument, das wir ausgef&#252;hrt haben, geht von der &#220;berzeugung aus, dass das Problem der Mittelklassen nur im schrittweisen Durchlaufen von verschiedenen Abstraktionsebenen bearbeitet werden kann. Die Konzeption widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen erlaubt es einerseits an der Diagnose festzuhalten, dass der Antagonismus zwischen Bourgeoisie und Proletariat â€“ der auf der h&#246;chsten Abstraktionsebene, n&#228;mlich jener der Analyse der kapitalistischen Produktionsweise sichtbar wird â€“ den f&#252;r die gesamtgesellschaftliche Dynamik zentralen Interessenkonflikt darstellt. Andererseits aber ist sie dazu in der Lage, die Komplexit&#228;t und konkrete Ausdifferenziertheit von Klassenpositionen in kapitalistischen Gesellschaften zu fassen. und ein politisches Argument.<br />
Das theoretische Argument, das wir ausgef&#252;hrt haben, geht von der &#220;berzeugung aus, dass das Problem der Mittelklassen nur im schrittweisen Durchlaufen von verschiedenen Abstraktionsebenen bearbeitet werden kann. Die Konzeption widerspr&#252;chlicher Klassenpositionen erlaubt es einerseits an der Diagnose festzuhalten, dass der Antagonismus zwischen Bourgeoisie und Proletariat â€“ der auf der h&#246;chsten Abstraktionsebene, n&#228;mlich jener der Analyse der kapitalistischen Produktionsweise sichtbar wird â€“ den f&#252;r die gesamtgesellschaftliche Dynamik zentralen Interessenkonflikt darstellt. Andererseits aber ist sie dazu in der Lage, die Komplexit&#228;t und konkrete Ausdifferenziertheit von Klassenpositionen in kapitalistischen Gesellschaften zu fassen.<br />
Das politische Argument basiert auf der Feststellung, dass widerspr&#252;chliche Klassenpositionen auch widerspr&#252;chliche Erfahrungs- und Interessenlagen bedingen.<br />
Es ist demnach eine zentrale politische Aufgabe, in konkreten Projekten, die Interessenkonvergenzen zwischen Proletariat und anderen Klassenpositionen als Grundlage gemeinsamer B&#252;ndnisse herauszustellen. Ein politisches Projekt, das an die gemeinsamen Interessen progressiver Teile der widerspr&#252;chlichen Klassenlagen ankn&#252;pft, muss dabei trotz der Pluralit&#228;t organisierter Positionen von working class politics ausgehen und die Interessen jener, denen die kapitalistische Klassengesellschaft die Kontrolle &#252;ber ihre eigene, lebendige Arbeit nimmt, ins Zentrum stellen.</p>
<p><strong>Anmerkungen:</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Marx, Karl: Das Kapital, Bd. 3, MEW 25, S. 893<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> BensaÃ¯d, Daniel: Marx for Our Times. Adventures and Misadventures of a Critique. London: Verso 2002, S. 97<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Marx, Karl/Engels, Friedrich: Die deutsche Ideologie, MEW 3, S. 30<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Ebd., S. 52<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Marx, Karl: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, MEW 8, S. 111<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Ebd.<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> Marx, Karl/Engels, Friedrich: Das Manifest der kommunistischen Partei, MEW 4, S. 463.<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> Als â€žBonapartismusâ€œ werden, im Anschluss an Marxens Analyse der Diktatur Louis Bonapartes (â€žNapoleon III.â€œ), autorit&#228;re Herrschaftsformen bezeichnet, die sich auf Basis eines Gleichgewichts der gesellschaftlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse durchsetzen. Sie stellen â€žAusnahmeformenâ€œ b&#252;rgerlicher Herrschaft dar, in denen â€ždie Staatsgewalt als scheinbare Vermittlerin momentan eine gewisse Selbst&#228;ndigkeit gegen&#252;ber beiden [k&#228;mpfenden Klassen] erh&#228;ltâ€œ (Engels, Friedrich: Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, MEW 21, S. 167). Vgl. Lichtenberger, Hanna/Duma, Veronika/Boos, Tobias: Hinter dem Faschismus steht&#8230; ?, in: Perspektiven Nr. 12 (2010), 28-37<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> MEW 8, S. 111<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> MEW 25, S. 892<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Wright, Erik Olin: Was bedeutet neo und was hei&#223;t marxistisch in der neomarxistischen Klassenanalyse?. in: Strasser, Hermann/ Goldthorpe, John H. (Hg.): Die Analyse sozialer Ungleichheit. Opladen: VS Verlag 1985, S. 238-266, hier: 240f.<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> BensaÃ¯d: Marx for our Times a.a.O., S. 99<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> Wright, Erik Olin: Classes. London: Verso 1985, S. 9-10<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> BensaÃ¯d: Marx for our Times a.a.O., S. 114<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> Ebd., S. 114f.<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> Wright: Classes a.a.O. S. 10f.<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> BensaÃ¯d: Marx for Our Times, a.a.O. S.97<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> Marx, Karl: Einleitung zur Kritik der politischen &#214;konomie, MEW 13,<br />
S.632<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> MEW 25, S.33<br />
<a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> MEW 13, S. 632<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Althusser, Louis: Marxâ€˜ Denken im Kapital; in: Prokla 50 (1983), S.130-147<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> BensaÃ¯d: Marx for Our Times a.a.O., S.111<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> Marx, Karl: Das Kapital Bd. II, MEW 24, S.37<br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> MEW 23, S. 532<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Revenuequellen sind die Quellen eines jeden regelm&#228;&#223;igen Einkommens, das f&#252;r den Lebensunterhalt benutzt wird. In diesem allgemeinen Sinn ist auch der Lohn, den ArbeiterInnen beziehen, Revenue. KapitalistInnen entnehmen ihre Revenue dem am Markt realisierten Mehrwert. Der Begriff der Revenue wird bei Karl Marx (wie in der klassischen politischen &#214;konomie) aber auch in einer engeren Definition verwendet und mit dem Einkommen der KapitalistInnen gleichgesetzt. Wir &#252;bernehmen in diesem Artikel die Diktion von Marx: wenn von â€žRevenueâ€œ ohne zus&#228;tzlicher Qualifikation die Rede ist, so ist damit das Einkommen aus Mehrwert gemeint.<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> BensaÃ¯d: Marx for Our Times a.a.O., S.108<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> MEW 25, S.207<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> Ebd., S.893<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> BensaÃ¯d: Marx for Our Times a.a.O., S.111<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> Ebd.<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> Wright: Classes a.a.O. S.13<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> BensaÃ¯d: Marx for Our Times a.a.O., S.100<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> Hirsch, Joachim: Materialistische Staatstheorie. Transformationsprozesse des kapitalistischen Staatensystems. Hamburg: VSA-Verlag 2005, S. 133-134<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> Ehrenreich, Barbara/Ehrenreich, John: The Professional Managerial Class, in: Radical America 11 (1977), S. 7-31<br />
<a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> Wright: Was bedeutet&#8230;, a.a.O., S. 245<br />
<a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> Poulantzas, Nicos: Zum marxistischen Klassenbegriff. Berlin: Merve-Verlag 1973, S. 25<br />
<a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> Cox, Robert W.: Soziale Kr&#228;fte, Staaten und Weltordnungen. Jenseits der Theorie Internationaler Beziehungen, in: Opratko, Benjamin/Prausm&#252;ller, Oliver (Hg.): Gramsci global. Neogramscianische Perspektiven in der Internationalen Politischen &#214;konomie. Hamburg: Argument 2011 (i.E.); Cox, Robert W.: Production, Power and World Order. Social Forces in the Making of History. New York: Columbia University Press 1987, S. 359f.<br />
<a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> Wright: Was bedeutet&#8230;, a.a.O., S. 244<br />
<a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> Mallet, Serge: Die neue Arbeiterklasse. Neuwied/Berlin: Luchterhand 1972, S. 16f.<br />
<a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> Opratko, Benjamin: Sei spontan, tr&#228;umâ€™ den Kommunismus!, in: Perspektiven Nr. 3 (2007), S. 10-17<br />
<a title="anm41" name="anm41" href="#anm_41">41</a> Poulantzas: Zum marxistischen Klassenbegriff, a.a.O., S. 7<br />
<a title="anm42" name="anm42" href="#anm_42">42</a> Ebd., S. 23<br />
<a title="anm43" name="anm43" href="#anm_43">43</a> Ebd., S. 24<br />
<a title="anm44" name="anm44" href="#anm_44">44</a> Ebd.<br />
<a title="anm45" name="anm45" href="#anm_45">45</a> Ebd., S. 25<br />
<a title="anm46" name="anm46" href="#anm_46">46</a> Heinrich, Michael: Kritik der politischen &#214;konomie. Eine Einf&#252;hrung. Stuttgart: Schmetterling 2004, S. 121<br />
<a title="anm47" name="anm47" href="#anm_47">47</a> MEW 23, S. 532<br />
<a title="anm48" name="anm48" href="#anm_48">48</a> MEW 25, S. 305<br />
<a title="anm49" name="anm49" href="#anm_49">49</a> MEW 25, S. 311<br />
<a title="anm50" name="anm50" href="#anm_50">50</a> Poulantzas, Nicos: Zum marxistischen Klassenbegriff, a.a.O., S. 17<br />
<a title="anm51" name="anm51" href="#anm_51">51</a> Wright, Erik Olin: Class, Crisis and the State. London: Verso 1979, S.68-70<br />
<a title="anm52" name="anm52" href="#anm_52">52</a> Ebd., S.69-79<br />
<a title="anm53" name="anm53" href="#anm_53">53</a> Ebd., S.73<br />
<a title="anm54" name="anm54" href="#anm_54">54</a> Ebd., S.73<br />
<a title="anm55" name="anm55" href="#anm_55">55</a> Ebd., S.74<br />
<a title="anm56" name="anm56" href="#anm_56">56</a> Ebd., S.75-79<br />
<a title="anm57" name="anm57" href="#anm_57">57</a> Ebd., S.81<br />
<a title="anm58" name="anm58" href="#anm_58">58</a> Vgl. z.B. Meiksins, Peter: A Critique of Wrights Theory of Contradictory Class Locations, in: Critical Sociology, 15(1) (1988), S. 73-82. Erik Olin Wright hat auf diese Kritiken selbst mit einem misslungenen Versuch geantwortet, die Ausbeutung als zentrales Verh&#228;ltnis zwischen Kapital und Arbeit wieder in den Blick zu bekommen. Allerdings fasst Wright den Ausbeutungsbegriff hier spieltheoretisch auf; Ausbeutung besteht ihm zu Folge dann, wenn der Reichtum einer Klasse kausal mit der Armut einer anderen Klasse verbunden ist. Indem Wright den Begriff der Ausbeutung auf Ebene der Distribution statt auf Ebene der Produktion ansiedelt, f&#228;llt er jedoch weit hinter die Marxschen Begrifflichkeiten zur&#252;ck (vgl. das Postskript von Wright in â€žWas bedeutet&#8230;â€œ, a.a.O., 256ff.).<br />
<a title="anm59" name="anm59" href="#anm_59">59</a> Callinicos, Alex: The New Middle Class and Socialist Politics; in: ders./<br />
Harman, Chris: The Changing Working Class. Essays on Class Structure<br />
Today. London: Bookmarks 1987, S. 13-51, hier S.19-20<br />
<a title="anm60" name="anm60" href="#anm_60">60</a> Callinicos: The New Middle Class, a.a.O. S. 33<br />
<a title="anm61" name="anm61" href="#anm_61">61</a> Callinicos: The New Middle Class, a.a.O. S.29<br />
<a title="anm62" name="anm62" href="#anm_62">62</a> Callinicos: The New Middle Class, a.a.O.S.35</p>
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		<title>Uni-Revolten als Klassenk&#228;mpfe?</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Jul 2011 17:13:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Klassentheorie]]></category>
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		<description><![CDATA[Wer k&#228;mpft in den neuen Studierendenbewegungen? Benjamin Opratko fragt ob, und wenn ja wie die weltweiten Revolten an den Universit&#228;ten als â€žKlassenk&#228;mpfeâ€œ verstanden werden k&#246;nnen und diskutiert den Zusammenhang von Hochschulen und Kapitalismus.

Die Proteste, die im Herbst 2009 von der besetzten Akademie der Bildenden K&#252;nste in Wien ihren Ausgang genommen hatten und sich innerhalb weniger Wochen zu einer europaweiten Bewegung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer k&#228;mpft in den neuen Studierendenbewegungen? <em>Benjamin Opratko</em> fragt ob, und wenn ja wie die weltweiten Revolten an den Universit&#228;ten als â€žKlassenk&#228;mpfeâ€œ verstanden werden k&#246;nnen und diskutiert den Zusammenhang von Hochschulen und Kapitalismus.<br />
<span id="more-1953"></span><br />
Die Proteste, die im Herbst 2009 von der besetzten <em>Akademie der Bildenden K&#252;nste</em> in Wien ihren Ausgang genommen hatten und sich innerhalb weniger Wochen zu einer europaweiten Bewegung vervielfachten, waren â€“ zumindest in &#214;sterreich â€“ sicherlich die sichtbarsten und dynamischsten sozialen K&#228;mpfe der letzten Jahre. Retrospektiv l&#228;sst sich die <em>unibrennt</em>-Bewegung auch als Teil eines breiter verstandenen, neuen Kampfzyklusâ€™ einordnen: Dieser k&#252;ndigte sich Anfang 2006 in den massenhaften Protesten gegen den CPE in Frankreich an<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> und fand seinen j&#252;ngsten und wohl nicht letzten H&#246;hepunkt in militanten Aktionen w&#252;tender Studierender in London, die aus Protest gegen angek&#252;ndigte Erh&#246;hungen der Studiengeb&#252;hren das Hauptgeb&#228;ude der Konservativen Partei entglasten.<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> Den K&#228;mpfen, die in &#228;hnlicher Form, rund um &#228;hnliche Themen, in ganz Europa und dar&#252;ber hinaus gef&#252;hrt wurden, ist gemein, dass sie sich rund um die Institution Universit&#228;t organisieren und ma&#223;geblich von Studierenden getragen werden.<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> Der Begriff â€žStudierendenbewegungâ€œ â€“ in der massenmedialen Verarbeitung meist als â€žStudentenbewegungâ€œ â€“ wurde dabei dem historisierenden Zugriff jener entzogen, die gerade noch das Jubil&#228;umsjahr 2008 zum Anlass genommen hatten, wahlweise nostalgisch oder als letzte Abrechnung die â€ž68erâ€œ zu beschw&#246;ren, und neu aufgeladen in das politische Vokabular der Gegenwart eingeschrieben. Auch wenn konkrete, politisch-legislative Erfolge bisher weitgehend ausblieben, m&#252;ssen die positiven Effekte dieser R&#252;ckkehr der Uni-Revolten herausgestrichen werden. Das Br&#252;chigwerden des neoliberalen Alltagsverstands, die Artikulation von politischem â€žGegenfeuerâ€œ (Bourdieu), die Diskussion um bildungspolitische Forderungen, die implizit &#252;ber den Kapitalismus selbst hinausweisen<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> und nicht zuletzt die praktischen Bewegungserfahrungen von Tausenden sind nur einige davon. Sie waren Grund genug f&#252;r viele AktivistInnen der Gruppe, die sich um dieses Magazin organisieren, und noch mehr seiner LeserInnen, sich an diesen Bewegungen aktiv zu beteiligen. Eine erste Runde der Reflexion f&#252;hrte zu Perspektiven Nr. 10, in der wir unsere Diskussionen und Einsch&#228;tzungen zu den â€žK&#228;mpfen um Bildungâ€œ vorstellten. Dabei standen, noch ganz unter dem Eindruck der enormen Dynamik der Proteste, strategische und gegenwartsdiagnostische Gesichtspunkte im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. &#196;hnliches l&#228;sst sich von anderen, seither aus aktivistischen Zusammenh&#228;ngen entstandenen Publikationen sagen â€“ exemplarisch seien die Beitr&#228;ge im Sammelband <em>Uni brennt </em>erw&#228;hnt.<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> Zugleich wurden im Zuge der Bewegung Lernprozesse zum Thema Bildung und Universit&#228;t angesto&#223;en, die sich auf sich auf Debatten und Forschungsergebnisse kritischer WissenschafterInnen beziehen, in denen meist die â€ž&#214;konomisierungâ€œ der Bildung, der mehr oder weniger direkte Zugriff des Kapitals auf Forschung und Lehre und die staatliche Zurichtung der Hochschulen auf die â€žAnforderungen des Arbeitsmarktesâ€œ diskutiert und kritisiert werden.<br />
Dies sind wichtige und fortzuf&#252;hrende Debatten. Die studentischen Proteste der letzten Jahre werfen aber weitere Fragen auf, die dar&#252;ber hinaus reichen, n&#228;mlich: Welcher Art sind diese K&#228;mpfe, und wer sind diejenigen, die sie f&#252;hren? Welche Subjekte wehren sich hier? Diese Themen wurden bereits durch die am Beginn dieses Zyklus stehende Bewegung gegen das franz&#246;sische CPE ganz unmittelbar relevant, ging es hier doch nicht um Studienbedingungen oder Universit&#228;tsreformen, sondern um die Einf&#252;hrung neuer Arbeitsvertr&#228;ge, die den K&#252;ndigungsschutz f&#252;r junge LohnarbeiterInnen de facto aufheben sollten. Die Bewegung wurde zwar ma&#223;geblich von Studierenden getragen und beinhaltete die Besetzung mehrerer Universit&#228;ten, die Studierenden f&#252;hlten sich jedoch â€žals ArbeiterInnen, nicht als Studierende angegriffenâ€œ, wie auf Flugbl&#228;ttern betont wurde.<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a> Im Rahmen der <em>Onda Anomale</em>, der Protestbewegung gegen die Bildungsreformen der Regierung Berlusconi im Herbst 2008, wurde das Thema von italienischen StudentInnen auf andere, und doch &#228;hnliche Weise aufgegriffen, indem sie sich als <em>WissensarbeiterInnen </em>verstanden und organisierten.<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> Und an der besetzten Universit&#228;t in Berkeley, Kalifornien, entstand 2009 das <em>KommuniquÃ© aus einer ausbleibenden Zukunft</em>, in dem die Trennung zwischen Schule, Universit&#228;t und Arbeitsplatz analytisch wie politisch abgelehnt wurde.<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a> Es werden also in den Bewegungen Fragen aufgeworfen, die sich aus der undogmatisch marxistischen Perspektive, die dieses Magazin pr&#228;gt, auch theoretisch aufdr&#228;ngen: Wie verhalten sich diese â€žstudentischenâ€œ, auf die Universit&#228;t bezogenen Proteste zum Konzept des â€žKlassenkampfsâ€œ? Welche Funktionen kommen Hochschulen in einer kapitalistischen Klassengesellschaft zu, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus f&#252;r die Potenziale und Grenzen studentischer K&#228;mpfe? Um einer Antwort n&#228;her zu kommen, werden im Folgenden einige Zug&#228;nge zu dieser Problematik diskutiert, die sich mehr oder weniger direkt auf Marx und die eine oder andere marxistische Tradition berufen, diese aber aus sehr unterschiedlichen Perspektiven betrachten.</p>
<p><strong>Warum Marx f&#252;r Studiengeb&#252;hren war</strong><br />
Marx selbst hatte zu Forderungen nach kostenloser h&#246;herer Bildung eine &#252;beraus deutliche Haltung. In seiner Kritik am â€žGothaer Programmâ€œ der SPD, in dem die deutschen SozialdemokratInnen sich f&#252;r â€žunentgeltliche[n] Unterrichtâ€œ aussprachen, erkl&#228;rte er: â€žWenn in einigen Staaten [...] auch â€šh&#246;hereâ€™ Unterrichtsanstalten â€šunentgeltlichâ€˜ sind, so hei&#223;t das faktisch nur, den h&#246;heren Klassen ihre Erziehungskosten aus dem allgemeinen Steuers&#228;ckel bestreiten.â€œ (MEW 19: 30) Wenn das Kapital also, so Marxens Argument, f&#252;r das eigene Bestehen auf eine Fraktion gut ausgebildeter Techniker, Juristen, Staatsbeamte usw.<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a> angewiesen ist, so hat es die Kosten f&#252;r deren Ausbildung gef&#228;lligst selbst zu &#252;bernehmen. Die ArbeiterInnenklasse hat von einem unentgeltlichen Hochschulstudium nichts zu gewinnen. Diese &#220;berlegung mag auf den ersten Blick paternalistisch und elit&#228;r erscheinen â€“ wird hier nicht unterstellt, ProletarierInnen w&#252;rde das Bed&#252;rfnis oder die F&#228;higkeit f&#252;r h&#246;here Bildung abgehen? Tats&#228;chlich begriff Marx die Universit&#228;ten als das, was sie zu jener Zeit tats&#228;chlich waren: Reproduktionsapparate der herrschenden Klasse, die entsprechend, via Geb&#252;hren, aus den Kapital- und Renteneinkommen derselben finanziert werden sollten. Zwar stieg die Zahl der Studierenden in der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts stark an â€“ 1880 sprachen Kommentatoren in Deutschland gar von einer â€žAkademikerschwemmeâ€œ â€“ dies betraf aber in erster Linie Studien der Medizin und Rechtswissenschaften, in welche die S&#246;hne der an Selbstbewusstsein gewinnenden deutschen Bourgeoisie str&#246;mten.<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> Aus Marxens Perspektive war eine &#214;ffnung der Universit&#228;ten f&#252;r ArbeiterInnen dar&#252;ber hinaus schon allein deshalb wenig erstrebenswert, weil das kritische, demokratische und sozialistische Wissen dort ohnehin keine Rolle spielte. Nat&#252;rlich war f&#252;r Marx und seine MitstreiterInnen die Teilhabe der ArbeiterInnenklasse an Wissen und Bildung nicht nur w&#252;nschenswert, sondern f&#252;r den Aufbau einer schlagkr&#228;ftigen sozialistischen Bewegung auch unabdingbar. Das daf&#252;r notwendige <em>kritische </em>Wissen wurde jedoch an anderen Orten entwickelt und vermittelt, n&#228;mlich in den Schulen, Bildungseinrichtungen und Publikationen der ArbeiterInnenbewegung selbst, eng gebunden an deren Parteien.<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a></p>
<p><strong>Dequalifizierung</strong><br />
Dass die Universit&#228;ten haupts&#228;chlich zur Reproduktion der herrschenden Klasse dienten lag auch daran, dass die Entwicklungsweise des Kapitalismus im 19. und fr&#252;hen 20. Jahrhunderts keinen Bedarf f&#252;r an Hochschulen ausgebildete LohnarbeiterInnen hatte.<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a> Die sich etablierenden Industrien besch&#228;ftigten zum gr&#246;&#223;ten Teil ungelernte ArbeiterInnen bzw., nach der Einf&#252;hrung komplexerer Maschinen, FacharbeiterInnen, die im Betrieb ausgebildet wurden. Hinzu kamen Produktionsst&#228;tten, die zwar dem Kapitalverh&#228;ltnis untergeordnet waren und LohnarbeiterInnen besch&#228;ftigten, in denen der Arbeitsprozess aber weitgehend unver&#228;ndert â€žhandwerklichâ€œ blieb â€“ was Marx als rein â€žformelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapitalâ€œ bezeichnete.<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> Unter den Bedingungen dieser spezifischen Zusammensetzung der ArbeiterInnenklasse, der tendenziellen Trennung von planender Kopf- und ausf&#252;hrender Handarbeit sowie der in Form und Inhalt elit&#228;ren Universit&#228;ten gab es keine gesellschaftliche Impulse f&#252;r eine Ausweitung h&#246;herer Bildung. Mit der Herausbildung der â€žfordistischenâ€œ, auf Flie&#223;bandarbeit und wissenschaftlicher Betriebsf&#252;hrung beruhenden Entwicklungsweise des Kapitalismus ab den 1930er Jahren &#228;nderte sich dies kaum. Die Trennung von Kopf- und Handarbeit wurde vielmehr noch versch&#228;rft. War in der Person des Facharbeiters zumindest noch das Wissen &#252;ber die technischen Abl&#228;ufe des Produktionsprozesses vereint, spaltete das neue Entwicklungsmodell dieses Wissen endg&#252;ltig? von den â€žMassenarbeiterInnenâ€œ der fordistischen Fabrik ab. Das bedeutete freilich nicht, dass f&#252;r den tayloristisch-fordistischen Produktionsprozess der Faktor â€žWissenâ€œ unbedeutend gewesen w&#228;re; im Gegenteil waren f&#252;r diesen gerade die â€žwissenschaftliche Betriebsf&#252;hrungâ€œ, die Einf&#252;hrung neuer, die Produktivit&#228;t der Arbeit enorm steigernder Technologien und die Professionalisierung der Kontrolle &#252;ber die lebendige Arbeit charakteristisch. Dieses neue und umfangreiche Wissen, das in den Produktionsprozess integriert wurde, war aber nicht in den ArbeiterInnen verk&#246;rpert, sondern in den Produktionsmitteln. Marx spekulierte bereits fr&#252;h &#252;ber diesen Prozess, in dem das gesellschaftliche Wissen als â€ž<em>automatisches System der Maschinerie</em>â€œ im Produktionsprozess existiert. In den skizzenhafte Vorarbeiten zu seinem Hauptwerk <em>Das Kapital</em>, die sp&#228;ter als <em>Grundrisse </em>ver&#246;ffentlicht wurden, schreibt er &#252;ber diese Tendenz des Kapitalismus: â€žDie T&#228;tigkeit des Arbeiters, auf eine blo&#223;e Abstraktion der T&#228;tigkeit beschr&#228;nkt, ist nach allen Seiten hin bestimmt und geregelt durch die Bewegung der Maschinerie, nicht umgekehrt. Die Wissenschaft, die die unbelebten Glieder der Maschinerie zwingt, durch ihre Konstruktion zweckgem&#228;&#223; als Automat zu wirken, existiert nicht im Bewu&#223;tsein des Arbeiters, sondern wirkt durch die Maschine als fremde Macht auf ihn, als Macht der Maschine selbst.â€œ<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a> Die Integration von Wissen in fixes Kapital bei gleichzeitiger Reduktion der Bildungsund Qualifikationsanforderungen der lebendigen Arbeit sind, grob vereinfacht gesagt, f&#252;r die fordistische Entwicklungsweise des Kapitalismus charakteristisch. Das â€žModell der Massenproduktionâ€œ war demnach auch verbunden mit der <em>Dequalifizierung </em>der ArbeiterInnen â€ždurch die Zerlegung qualifizierter Arbeit in einfache Verrichtungen und den anschlie&#223;enden Einsatz von spezialisierten, automatischen Maschinen f&#252;r die vereinfachten Arbeitsgangeâ€œ.<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a> Die Marxâ€™sche Charakterisierung der Hochschulen als Reproduktionsorgane der herrschenden Klasse, und die damit verkn&#252;pfte Einsch&#228;tzung der sozialen Stellung jener, die an ihnen studierten, konnte als weithin g&#252;ltig angenommen werden.</p>
<p><strong>Reform und &#214;ffnung der Hochschulen</strong><br />
Dies &#228;nderte sich grundlegend erst, als das fordistische Modell in den 1960er Jahren begann, br&#252;chig zu werden. An dieser Stelle k&#246;nnen weder Ursachen noch Verlauf der globalen â€žKrise des Fordismusâ€œ nachgezeichnet werden; f&#252;r unsere Zwecke sollen blo&#223; drei f&#252;r den Zusammenhang von Universit&#228;t und  Klassenverh&#228;ltnissen relevante Gesichtspunkte genannt werden.<br />
Erstens geriet der Nachkriegsboom, der dem Kapital au&#223;ergew&#246;hnliche Profite und den (m&#228;nnlichen Industrie-)Arbeitern â€“ &#252;ber die korporative Einbindung der Gewerkschaften und die indirekte Beteiligung an den Gewinnen aus Produktivit&#228;tsfortschritten â€“ historisch einmalige Wohlstandssteigerungen brachte, allm&#228;hlich an sein konjunkturelles Ende. Das fordistisch-tayloristische Paradigma der Technologisierung und Optimierung der Arbeitsprozesse n&#228;herte sich seiner Ersch&#246;pfung, was bereits Ende der 1950er Jahre in Diskussionen um eine â€žInnovationskriseâ€œ vorweggenommen wurde. Als Bearbeitung der sich abzeichnenden Krise schlugen die weitsichtigeren unter den organischen Intellektuellen des Kapitals eine Ausweitung und Intensivierung der Investitionen in Forschung und Ausbildung vor, wobei auch und gerade die Hochschulen zum Ziel entsprechender Reformen erkl&#228;rt wurden. Sp&#228;testens ab den 1960er Jahren wurde in ganz Europa und in den USA &#246;ffentlich &#252;ber die Notwendigkeit von Bildungsreformen diskutiert, was in einen â€žtiefgreifenden Perspektivwechsel in der Bildungspolitikâ€œ in Staat und Zivilgesellschaft m&#252;ndete.<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a> Zentraler Bestandteil der Reformen war, bisher unerschlossene â€žBildungsreservenâ€œ anzuzapfen, d.h. bisher von h&#246;herer Bildung <em>de facto</em> ausgeschlossenen Fraktionen der Subalternen/ArbeiterInnenklasse den Besuch von h&#246;heren Schulen und  niversit&#228;ten nicht nur zu erm&#246;glichen, sondern diesen aktiv zu f&#246;rdern. Zweitens traf in den dazu entworfenen staatlichen Programmen, die von der Reform bestehender Hochschulstrukturen &#252;ber die Einf&#252;hrung von Stipendien und Beihilfen bis zu einem â€žGr&#252;ndungsboomâ€œ neuer Universit&#228;tenâ€œ reichten, das Interesse der auf Innovation und Bildungsausweitung setzenden Kapitalfraktionen auf ein sozialdemokratisches Modernisierungsprojekt, das den individuellen â€žAufstieg durch Bildungâ€œ propagierte.<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a> Die zentrale Rolle, die Erziehung und Bildung in der Politik und Ideologie insbesondere der deutschsprachigen Sozialdemokratie spielte, hat eine lange Geschichte.<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a> Insbesondere in den 1970er Jahren wurden zentrale, die Universit&#228;ten &#246;ffnende Hochschulreformen von sozialdemokratisch gef&#252;hrten Regierungen â€“ in &#214;sterreich unter Bundeskanzler Bruno Kreisky und Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg â€“ durchgesetzt, wobei &#252;ber die Intentionen der Innovationsoffensive des Kapitals teilweise hinausgegangen wurde.<br />
Drittens schlie&#223;lich, und nicht weniger entscheidend, war die &#214;ffnung der Universit&#228;ten auch Effekt immer deutlicher ge&#228;u&#223;erter W&#252;nsche von ArbeiterInnen und anderen von Hochschulbildung ausgeschlossenen Subalternen. Der &#246;konomische Aufschwung des unmittelbaren Nachkriegsbooms verbesserte nicht nur die wirtschaftliche Situation vieler â€žArbeiterfamilienâ€œ<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a> dramatisch, sondern w&#228;lzte auch den Alltagsverstand weiter Teile des Proletariats um. Mit dem sozialen Aufstieg und der kulturell repr&#228;sentierten neuen Stellung â€ždes Arbeitersâ€œ als Teil des gemeinsam mit Unternehmern und Staat geschaffenen Wirtschaftswunders wuchsen auch dessen Anspr&#252;che, an Bildung und Kultur teilzuhaben.<br />
Kurz zusammengefasst kann die Transformation der Hochschulen also weder â€žfunktionalistischâ€œ allein aus den Bed&#252;rfnissen und Initiativen des Kapitals, noch â€žpolitizistischâ€œ aus der Strategie der erstarkten Sozialdemokratie erkl&#228;rt werden. Es war gerade das historische Zusammentreffen von innovationsorientierten Kapitalstrategien, sozialdemokratischem Modernisierungsprojekt und dem Integrationsbegehren von Teilen der ArbeiterInnenklasse, die diese spezifische Konjunktur erm&#246;glichte. Ein weiterer wesentlicher Aspekt, der selten benannt wird, ist, dass diese Reformen mit einem enormen finanziellen Aufwand f&#252;r die staatlichen Haushalte verbunden waren; eine Voraussetzung f&#252;r ihre Durchsetzung war entsprechend, dass der â€žallgemeine Steuers&#228;ckelâ€œ, von dem Marx einst gesprochen hatte, gut gef&#252;llt war. Dies war nach den langen Jahren des Wirtschaftswunders der Fall â€“ insofern kann die &#214;ffnung und Ausweitung der Bildungsanstalten als eine historische Episode gesehen werden, die nur vor dem Hintergrund des langen Nachkriegsaufschwungs stattfinden konnte.</p>
<p><strong>P&#228;dagogisierung der Arbeit</strong><br />
In den 1970er Jahren wurde die f&#252;r die fordistische Entwicklungsweise des Kapitalismus typische â€žEntwertungâ€œ der Ware Arbeitskraft in Teilen der Linken unter dem Stichwort der â€žDequalifizierungstheseâ€œ diskutiert. Die Ersetzung von lebendiger Arbeit durch komplexe Maschinen ist schlie&#223;lich, in Marxscher Terminologie, gleichbedeutend mit einer Absenkung des Werts der Ware Arbeitskraft. Dieser bemisst sich an der im gesellschaftlichen Durchschnitt f&#252;r ihre (Re-)Produktion notwendige Arbeitszeit. Besser gebildete und h&#246;her qualifizierte Arbeitskraft ist in diesem Sinne â€žmehr wertâ€œ und muss vom Kapital entsprechend h&#246;her entlohnt werden: â€žJede zus&#228;tzliche Qualifikation erh&#246;ht den Wert der Ware Arbeitskraft und bildet so eine Verwertungsschranke f&#252;r das Kapitalâ€œ.<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> Hinzu kommt, dass die tayloristische Arbeitsorganisation ein effektives Mittel zur Kontrolle der ArbeiterInnen und zur Eind&#228;mmung von Widerstand darstellte, wie der US-amerikanische Betriebsaktivist Harry Braverman in seiner einflussreichen Studie argumentierte.<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a> Aus dieser Perspektive erschien die Dequalifizierung der Arbeit nicht mehr als Spezifikum einer bestimmten Epoche, sondern als der kapitalistischen Produktionsweise inh&#228;rente Tendenz. Die â€žtayloristisch-fordistische Form der Organisation der kapitalistischen Arbeitsprozesseâ€œ wurde, wie Roland Atzm&#252;ller es formuliert, â€žr&#228;umlich und zeitlich verallgemeinert und nicht als historisch konkrete Auspr&#228;gung das kapitalistischen Arbeitsprozesses erkanntâ€œ.<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a> Dies wurde mit der Durchsetzung neuer, â€žpostfordistischerâ€œ Arbeitsverh&#228;ltnisse ab den 1970er Jahren deutlich. Zwar verschwanden die tayloristisch zergliederten, stupiden und von planender Kopfarbeit abgetrennten Arbeitsformen nicht, es traten jedoch zunehmend neue, durch ein anderes Verh&#228;ltnis von Wissen und Arbeit gepr&#228;gte Formen hinzu und â€“ zumindest in den kapitalistischen Zentren â€“ in den Vordergrund. Teile der Belegschaften wurden mit gr&#246;&#223;eren inhaltlichen Kompetenzen betraut, Prozesse der â€žRequalifizierungâ€œ und â€žReprofessionalisierungâ€œ der Arbeit beobachtet; das Kapital setzte neue Management- und Personalf&#252;hrungsstrategien ein, die Projekt- und Gruppenarbeit an Stelle von direkter &#220;berwachung und individualisierter Arbeitsschritte f&#246;rderte; die formalen Anstellungsverh&#228;ltnisse wurden vervielfacht, sogenannte â€žatypischeâ€œ, prek&#228;re Arbeitsverh&#228;ltnisse zur neuen Norm gemacht; und nicht zuletzt wurden an die ArbeiterInnen neue Anforderungen wie Eigenverantwortung und die st&#228;ndige Arbeit am eigenen â€žHumankapitalâ€œ in Form von lebenslangem Lernen und permanenter Weiterbildung herangetragen. Gleichzeitig mit der Ausweitung der Hochschulbildung und der Entstehung der â€žMassenuniversit&#228;tâ€œ in den 1970er Jahren etabliert sich also, was Roland Atzm&#252;ller die â€žP&#228;dagogisierung der Arbeitsverh&#228;ltnisseâ€œ nennt: â€ž&#220;ber den Fokus auf die Lernf&#228;higkeit der Besch&#228;ftigten und der Organisation der Arbeit als Lernprozess soll [...] nicht einfach die Bereitschaft der Arbeitskr&#228;fte gesichert werden, f&#252;r andere zu arbeiten und sich den damit verbundenen Kontrollinstrumenten der wissenschaftlichen Betriebsf&#252;hrung zu unterwerfen. Vielmehr wollen lernorientierte Managementstrategien die Neugier und Kreativit&#228;t der Besch&#228;ftigten entwickeln, um ihre Bereitschaft und F&#228;higkeit sicherzustellen, sich aktiv an den Innovationsprozessen zu beteiligen und Rationalisierungsprozesse in Eigenregie voranzutreiben.&#8221;<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a> Dieser neuerliche Schub der Verwissenschaftlichung kapitalistischer Produktionsprozesse unterscheidet sich also vom fordistischen Modell unter anderem dadurch, dass er nicht nur auf Produktivit&#228;tssteigerung durch neue, komplexe Maschinerie setzt, sondern die lebendige Arbeit selbst in eine neue Beziehung zu Wissen und Wissenschaft setzt.</p>
<p><strong>Kognitiver Kapitalismus?</strong><br />
Die hier nur grob skizzierte Entwicklung hin zu einem â€žpostfordistischenâ€œ Verh&#228;ltnis von Wissen und Arbeit wurde in den letzten 40 Jahren aus verschiedensten Perspektiven kritisch analysiert. Eine Interpretation, die besonders um die letzte Jahrtausendwende popul&#228;r wurde, soll hier vorgestellt werden, da sie in den Debatten zu den â€žneuen Uni-Revoltenâ€œ, insbesondere in aktivistischen Zusammenh&#228;ngen, wieder deutlich pr&#228;senter ist. Ausgehend von Theorien, die in Italien von sogenannten â€žpost-operaistischenâ€œ AktivistInnen und AutorInnen entwickelt wurden, verstehen sie die postfordistische Entwicklungsweise als â€žkognitiven Kapitalismusâ€œ, der sich vom Fordismus nicht nur durch ver&#228;nderte Organisationsformen des Arbeitsprozesses abhebt, sondern eine grundlegend neue Gesellschaftsformation bildet, die durch die zentrale Bedeutung von Wissen und Wissensarbeit gepr&#228;gt ist. Die prominentesten Vordenker dieser These sind zweifellos Michael Hardt und Toni Negri, deren Mega-Bestseller <em>Empire</em>, der Anfang der 2000er Jahre f&#252;r Aufsehen gesorgt hatte, mit <em>Commonwealth </em>j&#252;ngst seine zweite Fortsetzung erfahren hat.<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a> Sie verwenden den Begriff der â€žimmateriellen Arbeitâ€œ, um diesen historischen Bruch anzuzeigen â€“ dass also im Zentrum des neuen Kapitalismus Arbeit steht, â€ždie so genannte immaterielle Produkte schafft, also etwa Wissen, Information, Kommunikation, Beziehungen oder auch Gef&#252;hlsregungenâ€œ.<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a> Paolo Virno, ein weiterer â€žpost-operaistischerâ€œ Autor, setzt diese These explizit in Beziehung zu Marxâ€™ Bemerkungen in den <em>Grundrissen</em>, die oben vorgestellt wurden. Dort â€“ in dem Abschnitt, der sp&#228;ter als â€žMaschinenfragmentâ€œ bezeichnet wurde â€“ spekuliert Marx ja, dass die Integration von gesellschaftlichem Wissen in die kapitalistische Maschinerie die ArbeiterInnen tendenziell auf blo&#223;e Anh&#228;ngsel der Produktionsmittel reduzieren w&#252;rde. Er geht aber noch einen Schritt weiter. Wenn dies der Fall w&#228;re, so seine &#220;berlegung, bedeute dies, dass das gesellschaftliche, <em>qua </em>Wissenschaft produzierte Wissen selbst â€žzur <em>unmittelbaren Produktivkraft</em> gewordenâ€œ sei.<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a> Hier hakt Virno ein. Seine These ist, dass der Postfordismus â€ž<em>die empirische Umsetzung des â€šFragments &#252;ber Maschinenâ€˜ von Marx</em>â€œ darstelle. â€žDas abstrakte Wissenâ€œ, so Virno, â€ž[...] schickt sich an, nichts weniger als die grundlegende Produktivkraft zu werdenâ€œ.<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a> Dieses gesellschaftliche Wissen, das Marx <em>General Intellect</em> nennt, sei jedoch, anders als von Marx vorhergesehen, nicht im fixen Kapital, also v.a. in den Maschinen, verk&#246;rpert, sondern wird zum â€žAttribut der lebendigen Arbeitâ€œ.<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a> Wenn Arbeitsprozesse nicht vom stumpfen Kommando bestimmt sind, sondern Kooperation, Teamarbeit, Kommunikation und gemeinsames Wissen beinhalten, &#228;ndert sich aus dieser Perspektive der Charakter der Arbeit â€“ und der ArbeiterInnen â€“ selbst grundlegend. Die â€žGesamtheit der lebendigen postfordistischen Arbeitâ€œ â€“ und nicht blo&#223; die formal wissenschaftlich ausgebildeten Klassenfraktionen â€“ sind f&#252;r Virno â€žintellektuelle Arbeitskr&#228;fteâ€œ, sind Massenintellektualit&#228;tâ€œ.<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a><br />
Eine j&#252;ngere Generation von AktivistInnen und TheoretikerInnen hat in den letzten Jahren an diese &#220;berlegungen angeschlossen und sie seither f&#252;r die Interpretation der K&#228;mpfe um die Universit&#228;ten â€“ und f&#252;r Interventionen in dieselben â€“ weiter entwickelt. Dies geschieht aktuell besonders im Rahmen des <em>Edu-factory-</em>Kollektivs, das eine wichtige Rolle in den studentischen K&#228;mpfen in Italien spielt und j&#252;ngst eine internationale Konferenz zu den K&#228;mpfen an den Universit&#228;ten in Paris veranstaltet hat, an der auch zahlreiche AktivistInnen aus &#214;sterreich teilgenommen haben. In ihren Analysen gehen sie ebenfalls davon aus, dass das gesellschaftliche Wissen nunmehr, im kognitiven Kapitalismus, â€žunmittelbar produktivâ€œ sei. Gigi Roggero, einer der bekannteren Autoren der <em>Edu-factory</em>, formuliert fast wortgleich mit Hardt, Negri und Virno: â€žDer <em>General Intellect</em> vergegenst&#228;ndlicht sich [...] nicht mehr im toten Wissen [also in den Maschinen, Anm. B.O.], sondern bildet sich vornehmlich in der sozialen Kooperation und in der Produktion des lebendigen Wissens heraus.â€œ<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a> Die â€žKognitivisierungâ€œ der Arbeit f&#252;hre demnach dazu, dass alle Formen der Arbeit entlang einer â€žkognitiven Arbeitsteilungâ€œ organisiert w&#252;rden, wobei sie einen â€žgemeinsamen Zugâ€œ aufwiesen: â€žden Zweck und das Ziel, Wissen zu produzieren, permanente Innovation hervorzubringen und den technischen Fortschritt in &#246;konomischen Wert umzusetzenâ€œ.<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> Die Hochschulreformen der letzten zehn, 15 Jahre, die auf EU-Ebene ma&#223;geblich durch den <em>Bologna-Prozess</em> angeschoben wurden, m&#252;ssten in diesem Zusammenhang begriffen werden: Es handelt sich um den Versuch, die Universit&#228;ten so umzugestalten, dass sie wie ein Konzern auf den globalen Wissens- und Bildunsm&#228;rkten konkurrieren k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Edu-factory</strong><br />
Aus dieser Diagnose leiten Roggero und die AktivistInnen um das <em>Edu-factory</em>-Kollektiv eine Reihe von Thesen ab, die man so zusammenfassen k&#246;nnte.<br />
<em>Erstens</em>: Die Hierarchisierung und Segmentierung der ArbeiterInnenklasse wird auf globaler Ebene &#252;ber die Bewertung und Einteilung von â€žWissenâ€œ durchgesetzt. â€žâ€šKognitiver Kapitalismusâ€˜ [...] bedeutet auch, dass st&#228;ndig neue, k&#252;nstliche Ma&#223;einheiten geschaffen werden, um das lebendige Wissen auf abstraktes Wissen zu reduzieren (vom Copyright und Patenten bis zur in den Studienpl&#228;nen und Ausbildungsprogrammen festgelegten Bringschuld, den <em>Credits</em>; von der Akkumulation sozialen und humanen Kapitals bis zur â€šreference economyâ€™ f&#252;r ForscherInnen und Studierende).â€œ<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a> Die ArbeiterInnenklasse wird in ein immer feineres, kleinteiligeres Raster segmentiert, dessen Koordination von dem Versuch aufgespannt werden, das Wissen der Arbeitenden zu messen und zu bewerten. Welche Schule besucht wurde, welche Fortbildungsma&#223;nahmen ergriffen oder wie viele ECTSPunkte gesammelt wurden, diese und &#228;hnliche Formen der â€žKognitivisierungâ€œ der Klassenverh&#228;ltnisse stellen aus dieser Perspektive die zentrale Momente, um â€žden Wert der kognitiven Arbeitskraft durch die Stratifizierung von <em>Skills </em>und intellektuelle Qualifikation k&#252;nstlich zu messen und zu regulieren.â€œ<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a><br />
<em>Zweitens</em>: Die zentralen Orte, an denen diese Prozesse der Hierarchisierung und Segmentierung vollzogen werden, sind die Bildungseinrichtungen, und hier besonders die Universit&#228;ten. Die Universit&#228;t, so Roggero, kann â€žin diesem Rahmen als der privilegierte Ort betrachtet werden, um die Produktion des lebendigen Wissens zu untersuchenâ€œ.<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a> Die j&#252;ngsten K&#228;mpfe der Studierenden sind wesentlich K&#228;mpfe, die sich gegen die kognitive Segmentierung ihrer Arbeitskraft richten, in der sie â€ždeklassiertâ€œ werden, d.h. dass der Wert ihres Wissens, und damit ihrer Arbeitskraft, dequalifiziert wird. Denn in den Prozessen der Hierarchisierung z&#228;hlt nicht die Qualit&#228;t der Bildung, des Wissens oder der Qualifikation, die jemand erarbeitet hat, sondern formale Kriterien wie <em>Credit-Point</em>s, das Prestige einer Bildungseinrichtung oder die Akkumulation von unbezahlten Praktika. â€ž<em>DÃ©classement </em>war in den letzten Jahren eines der zentralen Themen der K&#228;mpfe von Studierenden in aller Welt.â€œ<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a><br />
<em>Drittens</em>: In diesem kongnitiven Kapitalismus <em>sind Studierende selbst schon ArbeiterInnen</em>. Das ist die entscheidende Pointe, mit denen das <em>Edu-factory</em>-Kollektiv in die K&#228;mpfe der Studierenden interveniert. Die Positon scheint den AutorInnen so selbstverst&#228;ndlich, dass sie nicht weiter ausgef&#252;hrt wird: Der oder die Studierende ist nicht l&#228;nger eine Arbeitskraft â€žin Ausbildungâ€œ, sondern â€žbereits ArbeiterIn, einE ProduzentIn von Wissenâ€œ.<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a><br />
<em>Viertens</em>: Die diesen Verh&#228;ltnissen entsprechende Strategie f&#252;r erfolgreiche K&#228;mpfe an den Universit&#228;ten muss darauf abzielen, eigene, autonome Formen der Wissensarbeit, der Aneignung, Weiterentwicklung und Vermittlung von Wissen zu schaffen, die sich weit &#252;ber die Grenzen der alten Universit&#228;t hinaus erstrecken. Das Ziel einer solchen Bewegung w&#228;re die Schaffung einer â€žglobalen autonomen Universit&#228;tâ€œ â€“ so auch der Titel des Sammelbands, in dem der bisherige Diskussionsprozess des Kollektivs festgehalten wurde â€“ auf den Ruinen der alten.<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a></p>
<p><strong>Studierende als ArbeiterInnen?</strong><br />
Damit sind wir wieder bei unserer Ausgangsfrage angekommen: Wer revoltiert hier eigentlich in den Uni-Protesten der letzten Jahre? Und wie verhalten sich diese Bewegungen zu dem Konzept der Klassenk&#228;mpfe? Die post-operaistische Antwort des <em>Edu-factory</em>-Kollektivs lautet: Es revoltieren Studierende als ArbeiterInnen gegen die Bewertung, Hierarchisierung und Dequalifizierung ihrer Arbeitskraft. Und diese K&#228;mpfe stellen selbst eine, und vielleicht die fortschrittlichste, Form der Klassenk&#228;mpfe unter den Bedingungen des kognitiven Kapitalismus dar. So naheliegend einige dieser Thesen manchen AktivistInnen scheinen m&#246;gen und so sympathisch die enge Verzahnung, ja Verschmelzung von theoretischer und aktivistischer Arbeit ist, die vom <em>Edufactory</em>-Kollektiv praktiziert wird, so bleibt doch grundlegende Skepsis gegen&#252;ber ihren Positionen angebracht. An dieser Stelle kann keine umfassende Kritik formuliert werden; teilweise l&#228;sst sich das Problematische an den Thesen direkt auf die theoretischen Grundlagen bei Hardt, Negri und Virno zur&#252;ckf&#252;hren (die an anderer Stelle ausf&#252;hrlicher kritisiert wurden).<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a> Einige zentrale Einw&#228;nde wurden in der aktuellen Debatte auch von sympathisierenden KommentatorInnen formuliert, etwa dass Begriffe wie â€žimmaterielleâ€œ oder â€žkognitiveâ€œ Arbeit so weit gefasst sind, dass â€žbeinahe jede Form der Arbeit zu â€škognitiverâ€™ Arbeit wirdâ€œ, was â€žbeliebige Gleichsetzungenâ€œ erzeuge.<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a> Vor allem aber muss die zentrale These, nach der das gesellschaftliche Wissen, wie in Marxâ€™ Maschinenfragment, zur wichtigsten, direkten Produktivkraft geworden ist, grunds&#228;tzlich bezweifelt werden. Niemand kann in Abrede stellen, dass wir es â€“ zumindest im globalen Norden und in den â€žZentren der Peripherieâ€œ â€“ aktuell mit einer hochtechnologisierten und verwissenschaftlichten Produktionsweise zu tun haben, in der Wissen, Kommunikation, Information und Kooperation zu zentralen Momenten der Organisationsform des Arbeitsprozesses geworden sind. Das bedeutet aber noch lange nicht, wie die post-operaistischen Thesen behaupten, dass alle Menschen, die Wissen, Information oder blo&#223; ein Gef&#252;hl erzeugen, auch Wert produzieren, also im Marxâ€™schen Sinne â€žproduktive ArbeiterInnenâ€œ sind. Denn darauf baut das ganze Argument auf: â€žEine Idee oder ein Bild entsteht [â€¦] auch unter der Dusche oder in den Tr&#228;umenâ€œ, so Hardt und Negri â€“ und meinen damit, dass Produktion und die Ausbeutung nicht mehr an Arbeitszeiten gekn&#252;pft sind.<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a> An eben dieser Idee kn&#252;pft das <em>Edu-factory-</em>Kollektiv an, wenn es die Tatsache, dass Studierende Wissen produzieren und somit arbeiten (was zweifellos richtig ist) mit der Behauptung gleichsetzt, dies w&#228;re â€žunmittelbar produktiveâ€œ Arbeit auch aus der Perspektive des Kapitals (was nur unter sehr spezifischen Umst&#228;nden richtig ist, etwa wenn schlecht oder nicht bezahlte Arbeit von Studierenden in kommerzielle Forschungsprojekte o.&#228;. einflie&#223;t, was immer h&#228;ufiger der Fall ist). Dahinter steht die These, dass die zentrale Linie des Klassenkampfs im kognitiven Kapitalismus durch den Widerspruch zwischen dem kollektiv, erarbeiteten Wissen als â€žGemeinsamesâ€œ oder <em>Common </em>und den Versuchen der Einhegung, Vereinnahmung und Verwertung dieses Wissens durch Staat und Kapital gezogen.<a title="anm_41" name="anm_41" href="#anm41"><sup>41</sup></a> An einer Stelle verweisen die <em>Edu-factory-</em>AktivistInnen zur Unterst&#252;tzung der Behauptung, Studierende w&#228;ren selbst schon ArbeiterInnen, auf eine Studie von Marc Bousquet.<a title="anm_42" name="anm_42" href="#anm42"><sup>42</sup></a> Dieser zeigt in <em>How the University Works</em> detailliert und empirisch ges&#228;ttigt, dass so viele Studierende in den USA neben ihrem Studium einer Lohnarbeit nachgehen â€“ teilweise direkt an den Universit&#228;ten bzw. am Campus, teilweise als Niedriglohnkr&#228;fte in umliegenden Dienstleistungsbetrieben â€“ dass eine soziologische Unterteilung in â€žStudierendeâ€œ und â€žArbeiterInnenâ€œ kaum noch m&#246;glich ist.<a title="anm_43" name="anm_43" href="#anm43"><sup>43</sup></a> Dies betrifft in den USA rund zehn Millionen Menschen, die sich zum Gro&#223;teil selbst nicht als ArbeiterInnen einsch&#228;tzen, sondern als â€žStudierende, die arbeitenâ€œ (und entsprechend wenig bereit sind, sich f&#252;r bessere Bezahlung oder Arbeitsbedingungen an ihrem â€žtempor&#228;renâ€œ Arbeitsplatz einzusetzen). Doch was Bousquet hier zeigt, ist gerade das Gegenteil davon, was die <em>Edu-factory</em>-AktivistInnen behaupten. Ja, die allermeisten Studierende sind auch LohnarbeiterInnen (&#252;brigens auch in &#214;sterreich, wo 61 Prozent aller Studierenden erwerbst&#228;tig sind).<a title="anm_44" name="anm_44" href="#anm44"><sup>44</sup></a> Sie sind Studierende und ArbeiterInnen, aber sie sind nicht ArbeiterInnen <em>als </em>Studierende. Tats&#228;chlich ist die widerspr&#252;chliche gesellschaftliche Position von studierenden ArbeiterInnen Grundlage f&#252;r zahlreiche, meist auf subjektiver Ebene bearbeiteter Konflikte. Das reicht von einer fragmentierten Identit&#228;t als ArbeiterInnen, die ihrem eigenen Selbstverst&#228;ndnis nach â€žeigentlichâ€œ StudentInnen sind, bis zur ganz praktischen Arbeits&#252;berlastung zwischen Studium und Abend- bzw. Nachtschicht-Job. Die Verkn&#252;pfung der Klassenposition als ArbeiterIn und jener als StudentIn kann politisch und in K&#228;mpfen hergestellt werden, wie das Ansatzweise in den Protesten gegen den CPE in Frankreich geschehen ist; sie ergibt sich aber nicht automatisch aus der Rolle von Studierenden als WissensarbeiterInnen. Die apodiktischen, das Fehlen theoretischer Stringenz oft hinter einer mit post-operaistischen Codew&#246;rtern durchsetzten Privatsprache versteckenden Formulierungen der <em>Edu-factory</em> sind f&#252;r die theoretische wie praktische Vermittlung von Uni-Revolten und Klassenk&#228;mpfen hier wenig hilfreich.<br />
Dabei spielen in den Uni-Revolten der letzten Jahre Aspekte, die von den Edu-factory-AktivistInnen hervorgehoben werden, eine durchaus nicht zu vernachl&#228;ssigende Rolle. Zweifellos ist es verk&#252;rzt, die neoliberale Transformation der Universit&#228;ten allein als Strategien der Privatisierung oder &#214;konomisierung zu verstehen. Hochschulen werden zwar nach dem Vorbild der Privatunternehmen neu strukturiert, direkt profitabel im Sinne von Gewinn abwerfend k&#246;nnen sie aber kaum gef&#252;hrt werden. Ihre Funktion im Sinne der Strategien des Kapitals besteht eher darin, wie das Edu-factory-Kollektiv betont, neue und feiner abgestufte Hierarchien und Segmentierungen innerhalb der besser ausgebildeten ArbeiterInnenklasse herzustellen. Auf nichts anderes l&#228;uft die Einteilung in Bakkalaureats- und Master-Abschluss, und die Einf&#252;hrung von Credit Points schlie&#223;lich hinaus. Die aktuelle Entwicklungsweise des Kapitalismus ist auf gro&#223;e Zahlen von relativ gut ausgebildeten Arbeitskr&#228;ften angewiesen, und die Universit&#228;ten sind nun mal der Ort, an dem die â€žInwertsetzung der Arbeitskraftâ€œ konzentriert stattfindet.<a title="anm_45" name="anm_45" href="#anm45"><sup>45</sup></a> Zugleich m&#252;ssen die Massen an den Hochschulen in f&#252;r das Kapital verf&#252;g- und verwertbare Form gebracht, m&#252;ssen m&#246;glich punktgenau an die Stellen im Produktionsprozess eingewiesen werden, an denen sie gebraucht werden. Daf&#252;r sind spezialisierte, in vergleichbaren Modulen organisierte und â€žpraxisnaheâ€œ Studieng&#228;nge n&#246;tig, wie sie an den Universit&#228;ten zur Zeit durchgesetzt werden. Und es m&#252;ssen institutionelle Barrieren eingezogen werden, um die Zahl jener, die &#252;ber eine fachliche Basisausbildung hinaus studieren, auf ein n&#252;tzliches Ma&#223; zu reduzieren, was durch Zugangsbeschr&#228;nkungen f&#252;r Masterstudien sichergestellt werden soll. Dass die Regierungen und Universit&#228;tsleitungen dabei auf Widerstand von Studierenden sto&#223;en, liegt nicht unbedingt daran, dass das Bewusstsein um diese Zusammenh&#228;nge unter Studierenden breit geteilt w&#228;re. Aber ein wesentliches Treibmittel f&#252;r den Unmut, der sich in Studierendenprotesten Bahn bricht, ist die konkrete Erfahrung, dass die hehren â€“ letztlich Humboldtâ€™schen â€“ Bildungsideale, die weiterhin an Schulen, Unis und in Familien vermittelt werden (Bildung als Selbstbildung der Pers&#246;nlichkeit, interessegeleitetes Studieren etc.) sich permanent an verschulten Studienpl&#228;nen, &#252;berf&#252;llten H&#246;rs&#228;len und autorit&#228;ren B&#252;rokratien brechen. Ob und wie diese Erfahrungen politisiert werden, l&#228;sst sich aber nicht aus der gemeinsamen Lage als â€žWissensarbeiterInnenâ€œ ableiten, sondern h&#228;ngt von den politischen Kr&#228;fteverh&#228;ltnissen in den Bewegungen ab.</p>
<p><strong>Klassenk&#228;mpfe von oben</strong><br />
Um den Zusammenhang von Studierendenbewegungen und Klassenk&#228;mpfen zu diskutieren, k&#246;nnen aber auch andere, sich ebenfalls auf Marx berufende theoretischer Zug&#228;nge, hilfreiche Hinweise liefern. In der akademischen Debatte der kritischen â€žInternationalen Politischen &#214;konomieâ€œ wird seit vielen Jahren &#252;ber die Transformation des Bildungssystems unter dem Neoliberalismus diskutiert. Dabei wird die Ausgangsthese (post-)operaistischer Theorien, wonach Klassenk&#228;mpfe immer als Revolten â€žvon untenâ€œ ihren Ausgang nehmen und das Kapital zur Reaktion zwingen, abgelehnt. Vielmehr wird die aktive Rolle der verschiedenen Kapitalfraktionen und der mit ihnen organisch verbundenen â€žIntellektuellenâ€œ betont, die ihre Verwertungsinteressen l&#228;ngerfristig durch die Formulierung und Durchsetzung von â€žhegemonialen Projektenâ€œ durchsetzen und absichern. Dabei muss zwar zumindest teilweise auf Interessen und Begehren der beherrschten Klassen kompromisshaft eingegangen werden, letztlich haben wir es aber mit Formen des gesellschaftlichen Klassenkampfs â€žvon obenâ€œ zu tun. Die Durchsetzung des Neoliberalismus als globales politisches Projekt zur Disziplinierung der ArbeiterInnenklasse und zur Erschlie&#223;ung neuer gesellschaftlicher Bereiche f&#252;r die kapitalistische Akkumulation kann unter diesem Gesichtspunkt verstanden werden.<a title="anm_46" name="anm_46" href="#anm46"><sup>46</sup></a> Klassenkampf ist aus dieser Perspektive nichts rein â€ž&#246;konomischesâ€œ, sondern bezeichnet die vielf&#228;ltigen gesellschaftlichen Strategien von Klassenakteuren zur Durchsetzung ihrer Interessen. Der Politikwissenschaftler Kees van der Pijl etwa unterscheidet zwischen drei Ebenen der Klassenauseinandersetzungen. Neben den K&#228;mpfen in Phasen der â€žsogenannten urspr&#252;nglichen Akkumulationâ€œ, in denen es um die Durchsetzung von Lohnarbeit und kapitalistischer Produktion geht, und K&#228;mpfen innerhalb und um die Produktion um Lohnh&#246;he und Arbeitsbedingungen, besteht eine dritte, laut van der Pijl f&#252;r den neoliberalen Kapitalismus besonders virulente Form des Klassenkampfs in Auseinandersetzungen um die <em>Reproduktion </em>der Arbeitskraft selbst.<a title="anm_47" name="anm_47" href="#anm47"><sup>47</sup></a> Damit meint er, dass bislang nicht der kapitalistischen Logik unterworfene gesellschaftliche Bereiche, in denen ArbeiterInnen sich sich im weitesten Sinne regenerieren, als potenzielle Akkumulationsfelder identifiziert werden â€“ von der Familie &#252;ber &#246;ffentliche Dienstleistungen bis hin zur Natur selbst. Zu diesen Prozessen geh&#246;ren auch Konflikte um die Form und Organisation von Schulen und Hochschulen. Die Reformen der letzten Jahre zielen letztlich auch darauf ab, Bildung als &#246;konomischen â€žSektorâ€œ zu etablieren, der als potenziell profitables Anlagefeld f&#252;r das Kapital funktioniert. Daf&#252;r m&#252;ssen Universit&#228;ten â€žunternehmerischâ€œ gef&#252;hrt werden: es werden Konkurrenzmechanismen innerhalb und zwischen den Hochschulen eingef&#252;hrt, der Wettbewerb um â€žDrittmittelâ€œ zur Finanzierung von Forschung und Lehre hergestellt und autorit&#228;re, den Vorst&#228;nden und Aufsichtsr&#228;ten gro&#223;er Konzerne nachempfundene F&#252;hrungsstrukturen implementiert.<a title="anm_48" name="anm_48" href="#anm48"><sup>48</sup></a> Dies auch dann, wenn â€“ wie es bei den gro&#223;en Massenuniversit&#228;ten der Fall ist â€“ die einzelne Institution gar nicht profitabel gef&#252;hrt werden kann. Es geht um die politische Herstellung eines Bildungs-Marktes, in dem dann einzelne Segmente (z.B. globale Elite-Universit&#228;ten, berufsbegleitende Weiterbildung etc.) als rentable Anlagefelder identifiziert werden k&#246;nnen. Wenn wir diese â€žReformenâ€œ als Bestandteile eines Klassenkampfs begreifen, der von oben um die Herstellung neuer M&#246;glichkeiten zur Kapitalakkumulation, d.h. f&#252;r die Unterwerfung weiterer gesellschaftlicher Bereiche unter die Logik von Profit und Konkurrenz, gef&#252;hrt wird, dann erhalten auch die K&#228;mpfe der Studierenden, die sich genau dagegen wehren, eine Dimension des Klassenkampfs â€“ ohne, dass wir die Studierenden deshalb gleich kollektiv zu Bestandteilen der ArbeiterInnenklasse erkl&#228;ren m&#252;ssen. Ob diese â€žDimension des Klassenkampfsâ€œ in den Protesten auch artikuliert wird, h&#228;ngt letztlich von den politischen und ideologischen Auseinandersetzungen in den Bewegungen selbst ab: In diesen geht es darum, welche Kampfformen wir annehmen, was und wen wir zum politischen Gegner oder zum potenziellen Verb&#252;ndeten erkl&#228;ren, und, nicht zuletzt, als was wir uns selbst verstehen und definieren. Denn wenn Studierende sich als Subjekte in einem Klassenkampf verstehen, der nicht nur gegen sie gef&#252;hrt wird, l&#228;sst sich auch die Frage nach gemeinsamen Interessen und darauf aufbauenden Allianzen anders aufwerfen und in der Verbindung verschiedener anti-neoliberaler K&#228;mpfe m&#246;glicherweise etwas politisch Gemeinsames herstellen.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Ein &#220;berblick zu den K&#228;mpfen gegen den CPE findet sich hier: http://www.labournet.de/internationales/fr/cpe.html<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> Eine erste Sammlung von Berichten und Einsch&#228;tzungen zu den Protesten in<br />
Gro&#223;britannien findet sich in Hancox, Dan: Fight Back! A Reader on the Winter of<br />
Protest, London (2011): OpenDemocracy, online: http://www.opendemocracy.net/ourkingdom/ourkingdom/fight-back-reader-on-winter-of-protest<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Vgl. Caffentzis, George: University Struggles at the End of the Edu-Deal, in: Mute<br />
Magazine, 2 (16), S. 72-77<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Probst, Stefan et al.: Utopia?! Alternative Formen der Wissensproduktion und â€“aneignung, in: Perspektiven Nr. 10 (2010), S. 16-21<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Heissenberger, Stefan et al. (Hg.): Uni brennt. Grunds&#228;tzliches â€“ Kritisches â€“ Atmosph&#228;risches, Wien (2010): Turia+Kant.<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Vgl. http://www.prol-position.net/nl/2006/07/cpe-leaflet<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> Benino, Andrea: Die perfekte Welle&#8230;, in: kulturrisse 2/2009, S. 24-27.<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> Research &#038; Destroy: KommuniquÃ© aus einer ausbleibenden Zukunft, in: grundrisse Nr. 32 (2009), S. 22-30.<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> Frauen wurde in Deutschland und &#214;sterreich erst ab Ende des 19. Jahrhunderts die Immatrikulation an Universit&#228;ten erlaubt.<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> Demirovi&#196;‡, Alex: Kritische Gesellschaftstheorie und ihre Bildungsbedingungen, in: Kurswechsel 4/2005, 13-27, hier: 18f.<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Ebd.: 19<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> Die folgenden Ausf&#252;hrungen beziehen sich im Wesentlichen auf die Situation in<br />
Deutschland und &#214;sterreich, bleiben notwendig kursorisch und in mancherlei Hinsicht vereinfachend; die beschriebene Entwicklung kann jedoch, so meine ich, zumindest in der Tendenz auf die Gesellschaften des kapitalistischen Nordwestens ausgeweitet werden.<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> MEW 23: 533<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> MEW 42: 593<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> Sabel, Charles: Struktureller Wandel der Produktion und neue Gewerkschaftsstrategien,in: Prokla Nr. 62 (M&#228;rz 1986), S. 41-60, hier: S. 41.<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> von Osten, Marion: reformpause! Zur Genealogie aktueller Bildungsreformen,<br />
Wien (2009), edition PROLLpositions, S. 11<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> ebd. Obwohl die Konstellation in &#214;sterreich sich von jener Deutschlands etwas<br />
unterschied und eher durch Prozesse der verz&#246;gerten und nachholenden Entwicklung gepr&#228;gt war, lassen sich bereits ab 1963, mit der Einf&#252;hrung eines Studienbeihilfengesetzes, &#228;hnliche Tendenzen erkennen. Vgl. Reithmayer, Thomas: Kritisch studieren an &#214;sterreichs Universit&#228;ten, in: Perspektiven Nr. 8, S. 32-39, hier S. 34.<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a>Vgl. f&#252;r &#214;sterreich Opratko, Benjamin/Probst, Stefan: Sozialismus in einer Stadt, in: Perspektiven Nr. 11, S. 12-19.<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Das fordistische Entwicklungsmodell beruhte ma&#223;geblich auf einem spezifischen<br />
Geschlechter- und Familienregime, das Frauen auf ihre Rolle als unbezahlte und untergeordnete Haushaltsarbeiterinnen reduzierte. Der Mann war als Alleinverdiener zugleich â€žFamilienoberhauptâ€œ, womit das ehemals b&#252;rgerliche Modell der patriarchalen Kleinfamilie universalisiert wurde â€“ auch und gerade in â€žArbeiterfamilienâ€œ. Vgl. Hajek, Katharina/Opratko, Benjamin: Wessen Wirtschaft, welche Krise?, in: Perspektiven Nr. 9, S. 22-31.<br />
<a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> Kapfinger, Emanuel/Sablowski, Thomas: Bildung und Wissenschaft im Kapitalismus, in: Unbedingte Universit&#228;t (Hg.): Was passiert? Stellungnahmen zur Lage der Universit&#228;t, Z&#252;rich (2010): Diogenes, S. 249-275, hier: 256.<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Braverman, Harry: Die Arbeit im modernen Produktionsprozess, Frankfurt/M.<br />
(1977): Campus; an Bravermans Thesen schloss sich eine breite, kontrovers gef&#252;hrte Diskussion unter dem Label der Labor Process Debate an. F&#252;r einen kritischen &#220;berblick vgl. Wood, Stephen: Neue Technologien, Arbeitsorganisation und Qualifikation: die britische Labor-Process-Debatte, in: Prokla Nr. 62 (M&#228;rz 1986), S. 74-104.<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> Atzm&#252;ller, Roland: Qualifikationsanforderung und Berufsbildung im Postfordismus, in: Prokla Nr. 137 (2004), S. 587-605, hier S. 588.<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> Atzm&#252;ller, Roland: Die P&#228;dagogisierung von Arbeitsverh&#228;ltnissen und Staat, in: Perspektiven Nr. 10, 22-28, hier: 24f.<br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> Die Thesen von Hardt und Negri habe ich an anderer Stellen ausf&#252;hrlich kritisert: Opratko, Benjamin: Sei spontan, tr&#228;umâ€™ den Kommunismus, in: Perspektiven Nr. 3, S. 10-17.<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Hardt, Michael/Negri, Antonio: Multitude. Krieg und Demokratie im Empire, Frankfurt/M. (2004): Campus, S. 126.<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> MEW 42: 602, Herv. i. O.<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> Virno, Paolo: Grammatik der Multitude. Mit einem Anhang: Die Engel und der<br />
General Intellect, Wien (2005): Turia+Kant, S. 140, Herv. i. O.<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> Ebd.: 149.<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> Ebd.: 153.<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> Roggero, Gigi: Was das lebendige Wissen vermag, http://eipcp.net/transversal/0809/roggero/de<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> Ebd.<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> De Nicola, Alberto/Roggero, Gigi: Vom Leben in einer Ruine, in: Kulturrisse<br />
2/2008, S. 24-27, hier: 24.<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> The Edu-factory Collective: All Power to Self-Education!, in: dies.: Toward a Global Autonomous University. Cognitive Labor, The Production of Knowledge and Exodus from the Education Factory, New York: Autonomedia, S. 0-15, hier: S. 10.<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> Roggero: Was&#8230;, a.a.O.<br />
<a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> Do, Paolo/Roggero, Gigi: We Wonâ€™t Pay for Your Crisis: Italian Struggles Against Education Reform, in: Mute Magazine (2009), http://www.metamute.org/en/content/we_won_t_pay_for_your_crisis_italian_struggles_against_education_reform<br />
<a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> Do/Roggero: We Wonâ€™t Pay&#8230;, a.a.O.; vgl. Edu-factory Collective: All Power&#8230;, a.a.O.: 10.<br />
<a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> Ashram, Vidya: The Global Autonomous University, in: The Edu-factory Collective, Towards&#8230;, a.a.O., S. 165-170.<br />
<a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> Vgl. Opratko, Benjamin: Sei spontan&#8230;, a.a.O.<br />
<a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> Caffentzis, George/Federici, Silvia: Arbeit im Schatten der Kognitivit&#228;t, in: kulturrisse 2/2009, S. 10-15, hier: S. 13.<br />
<a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> Hardt/Negri: Multitude, S. 130.<br />
<a title="anm41" name="anm41" href="#anm_41">41</a> Gigi Roggero schreibt etwa: â€žProduktivit&#228;t [entsteht] nicht durch den Umstand, ob man f&#252;r seine T&#228;tigkeit bezahlt wird oder nicht, sondern durch die konfliktuale Beziehung zwischen der Produktion des Gemeinsamen und dessen Vereinnahmungâ€œ (Roggero: Was&#8230;, a.a.O.)<br />
<a title="anm42" name="anm42" href="#anm_42">42</a> Edu-factory Collective: All Power&#8230;, a.a.O.: 10 (Fn 9); Bousquet, Marc: How the<br />
University Works. Higher Education and the Low-Wage Nation, New York: New York<br />
University Press<br />
<a title="anm43" name="anm43" href="#anm_43">43</a> Bousquet: How&#8230;, a.a.O., S. 146ff.<br />
<a title="anm44" name="anm44" href="#anm_44">44</a> Unger, Martin et al: Studierenden-Sozialerhebung 2009, Wien: IHS, S. 133ff.<br />
<a title="anm45" name="anm45" href="#anm_45">45</a> Raunig, Gerald: Im Modus der Modulation, in: Unbedingte Universit&#228;ten: Was passiert?, a.a.O., 55-63, hier: 63.<br />
<a title="anm46" name="anm46" href="#anm_46">46</a> Vgl. Harvey, David: Kleine Geschichte des Neoliberalismus, Z&#252;rich (2007): Rotpunkt.<br />
<a title="anm47" name="anm47" href="#anm_47">47</a> Van der Pijl, Kees: Transnational Classes and International Relations, London (1998): Routledge, S. 38ff.<br />
<a title="anm48" name="anm48" href="#anm_48">48</a> Vgl. Demirovi&#196;‡, Alex: Die Transformation der Staatlichkeit von Hochschulen, in: Das Argument Nr. 272 (2007), S. 531-545; Zeuner, Bodo: Die Freie Universit&#228;t Berlin vor dem B&#246;rsegang? Bemerkungen zur &#214;konomisierung der Wissenschaft, in: Prokla Nr. 148 (2007), S. 325-350.</p>
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