<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin fÃ¼r linke Theorie und Praxis &#187; Kindergartenaufstand</title>
	<atom:link href="http://www.perspektiven-online.at/tag/kindergartenaufstand/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.perspektiven-online.at</link>
	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin fÃ¼r linke Theorie und Praxis</description>
	<lastBuildDate>Wed, 01 Feb 2012 08:57:15 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Aufstand ist (k)ein Kinderspiel!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/08/26/aufstand-ist-kein-kinderspiel/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2010/08/26/aufstand-ist-kein-kinderspiel/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 09:18:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr.10]]></category>
		<category><![CDATA[ArbeitskÃ¤mpfe]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Kindergartenaufstand]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale KÃ¤mpfe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=1523</guid>
		<description><![CDATA[<em>Elisabeth Steinklammer</em> und <em>Kristina Botka</em> analysieren mit <em>Barbara Tinhofer</em> und <em>Gloria Fleischmann</em> (alle vom <em>Kollektiv Kindergartenaufstand</em>) die gesellschaftliche Bedeutung der Institution Kindergarten und berichten von der aktuellen Situation der Kindergartenp&#228;dagogInnen in Wien und ihrem Arbeitskampf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Elisabeth Steinklammer</em> und <em>Kristina Botka</em> analysieren mit <em>Barbara Tinhofer</em> und <em>Gloria Fleischmann</em> (alle vom <em>Kollektiv Kindergartenaufstand</em>) die gesellschaftliche Bedeutung der Institution Kindergarten und berichten von der aktuellen Situation der Kindergartenp&#228;dagogInnen in Wien und ihrem Arbeitskampf.<br />
<span id="more-1523"></span><br />
Seit M&#228;rz 2009 haben wir als eine anfangs kleine, doch st&#228;ndig wachsende Gruppe<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> von Kin-dergartenp&#228;dagogInnen und BetreuerInnen durch &#246;ffentlichen Protest, Publikationen und Interviews auf unsere prek&#228;re Arbeitssituation hingewiesen &#8211; nicht zuletzt auch durch die Soli-darisierung mit den BesetzerInnen an den Universit&#228;ten. Wir agieren und politisieren unter dem Namen â€žKollektiv Kindergartenaufstandâ€œ<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a>. Wir setzen uns f&#252;r grundlegende Ver&#228;nde-rungen im Elementarbildungsbereich ein und haben damit einen Arbeitskampf begonnen, der nicht nur die Rahmenbedingungen in &#246;sterreichischen Kinderg&#228;rten ver&#228;ndern will, sondern gleichzeitig das Image der â€žKindergartentanteâ€œ auf den Kopf stellt.</p>
<p><strong>Kindergartenp&#228;dagogik und Hegemonie</strong><br />
Die Kindergartenp&#228;dagogik und die Organisation des Kindergartens in &#214;sterreich muss im Kontext des gesamten Bildungssystems und als Teil eines Staates anerkannt werden, in dem Bildung ein machtvolles Instrument ist. Die oft zitierte â€žGesellschaft von Morgenâ€œ wird hier (aus)gebildet, um je nach Form der Bildung dazu beizutragen, sich entweder in ein System einzuordnen oder selbstbestimmt und kreativ zu handeln. In diesem Sinne ist Bildung immer politisch, da sie entweder dazu beitr&#228;gt, die bestehende gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten, oder Kinder in ihrer Subjektwerdung unterst&#252;tzt, die zu einer Ver&#228;nderung der Verh&#228;ltnisse beitragen kann. Wir beziehen uns hierbei vor allem auf Antonio Gramsci, in dessen Hegemonieverst&#228;ndnis<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> die erzieherische Dimension eine zentrale Rolle spielt. F&#252;r ihn ist â€žjedes Verh&#228;ltnis von â€šHegemonieâ€™ [â€¦] notwendigerweise ein p&#228;dagogisches Verh&#228;ltnis [...]â€œ<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a>, das auch als Umkehrung nachvollziehbar bleibt: Jedes p&#228;dagogische Verh&#228;ltnis ist ein von Hegemonie gepr&#228;gtes Verh&#228;ltnis; die â€žerziehendeâ€œ Person reproduziert hegemoniale Vorstellungen durch erzieherische Ma&#223;nahmen.<br />
Insofern sind die gesellschaftlichen Institutionen der Erziehung und Bildung, zu denen auch der Kindergarten geh&#246;rt, â€žideologisches Terrainâ€œ<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a>, auf welchem sich Individuen ihr Bewusst-sein erarbeiten, sich Weltdeutungen aneignen und diese ausgestaltet werden, bestehende Herr-schaftsstrukturen auch hinterfragt und zur&#252;ckgewiesen werden k&#246;nn(t)en.<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a><br />
Dabei wird ein Verst&#228;ndnis des Menschen deutlich, in dem dieser nur im Kontext des gesell-schaftlichen Ganzen zu analysieren ist. Gramsci fasst den Menschen als einen â€žgeschichtlichen Blockâ€œ.<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> Hier findet Gramscis Verst&#228;ndnis von Pers&#246;nlichkeitsentwicklung ihren Ausdruck: â€žDie Au&#223;enwelt, die allgemeinen Verh&#228;ltnisse zu ver&#228;ndern, hei&#223;t sich selbst zu potenzieren, sich selbst zu entwickeln.â€œ<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a><br />
Damit ist einerseits gemeint, dass das Individuum in der Pers&#246;nlichkeitsentwicklung von den sozialen Umst&#228;nden und deren historischer Gewachsenheit gepr&#228;gt ist, es aber gleichzeitig auf diese aktiv zur&#252;ckwirkt.<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a> Das bedeutet, dass durch die Beteiligung an progressiven Bewegun-gen oder durch das Mitwirken von Kindern an der Entwicklung alternativer Weltanschau-ungskonzepte wiederum ihr Selbst- und Weltverst&#228;ndnis ver&#228;ndert werden kann. Die Forde-rung, Kinder ganzheitlich zu erziehen und eine Pers&#246;nlichkeitsbasis zu f&#246;rdern, die eine indi-viduelle Weiterentwicklung erm&#246;glicht, bedeutet auch eine geschlechterunspezifische, stereo-typenfreie Erziehung. Dazu muss Kindern aber erst einmal die M&#246;glichkeit gegeben werden und P&#228;dagogInnen brauchen eine entsprechende Ausbildung.<br />
Andererseits steckt in dem Zitat ein p&#228;dagogisches Verst&#228;ndnis, dessen Bildungsziel die Ver-wirklichung einer umfassenden und nicht unmittelbar zweckgebundenen Bildung f&#252;r Kinder (der ArbeiterInnenklasse), als erzieherische Selbsterm&#228;chtigung (der revolution&#228;ren Klasse) ist. Der Bildungsprozess soll also die Bedingungen sowie M&#246;glichkeiten der Freiheit und der Entwicklung der Menschen aufzeigen und ein Bewusstsein von menschlichen Entwicklungs- und Lebensperspektiven schaffen.<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> Gramsci vertritt eine P&#228;dagogik vom Standpunkt der Ler-nenden aus. Hierbei sind freiwillige und spontane Lernprozesse, die unmittelbar an kollektive politische Praxis und Erfahrungen der sozialen Bewegungen angebunden sind, essenziell.<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a> Daraus leitet sich f&#252;r die P&#228;dagogInnen eine zentrale Aufgabe ab: die Kinder in ihren sozialen Erfahrungen innerhalb der Gruppe zu beobachten, darauf aufbauend an ihren Erfahrungen anzusetzen und Unterst&#252;tzung bei der selbstst&#228;ndigen Bew&#228;ltigung von sich stellenden Lernaufgaben zu bieten.<br />
Dieses Aufgabenverst&#228;ndnis wird auch in der Ausbildung von Kindergartenp&#228;dagogInnen vermittelt, wo das Spiel als zentrale Lernform von jungen Kindern im Mittelpunkt aller p&#228;da-gogischen und didaktischen &#220;berlegungen steht.<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a> Die Funktion der Kindergartenp&#228;dago-gin/des Kindergartenp&#228;dagogen ist mit Gramsci als die einer freundschaftlichen Anleite-rin/eines freundschaftlichen Anleiters<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> zu sehen. Das Bild der/des â€žErzieherin/Erziehersâ€œ hingegen ist abzulehnen. Zwar gibt es auch nach seiner Vorstellung die Notwendigkeit von erzieherischem Eingreifen, um auf die Entfaltung individueller M&#252;ndigkeit hinzuf&#252;hren.<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a> Die Betonung liegt hierbei jedoch auf der Entfaltung individueller M&#252;ndigkeit im Gegensatz zu einer Erziehung, die um die Anpassung an die bestehenden Verh&#228;ltnisse bem&#252;ht ist.<br />
Dabei ist ein zweiter Aspekt mit Blick auf die Funktion der P&#228;dagogInnen zentral: Mit Gramsci kommt der Intellektuellengruppe der â€žLehrkr&#228;fte vom Volksschulalter bis zu den Universit&#228;tsprofessorenâ€œ<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a> â€“ wobei Kindergartenp&#228;dagogInnen wohl ebenso zu den â€žp&#228;dago-gischen Fachintellektuellenâ€œ<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a> gez&#228;hlt werden k&#246;nnen â€“ eine zentrale Rolle als VermittlerInnen hegemonialer Verh&#228;ltnisse zu.<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a> Daraus ergibt sich eine direkte Verantwortung der P&#228;da-gogInnen, nicht nur f&#252;r die Lernprozesse der Kinder, sondern f&#252;r die Gestaltung der Gesell-schaft an sich. Denn die Rolle und Funktion die einE P&#228;dagogIn im Lernprozess der Kinder einnimmt, das Gesellschaftsverst&#228;ndnis das sie dabei vermittelt und ihr eigenes Handeln im Alltag reproduziert entweder herrschende Verh&#228;ltnisse oder unterst&#252;tzt Kinder dabei, eine Auffassung der Wirklichkeit zu erlangen, die sich aus Erfahrungen und sozialen K&#228;mpfen ihrer Zeit entwickelt. Aus Sicht der P&#228;dagogIn beinhaltet dies nicht zuletzt eine Zur&#252;ckwei-sung hegemonialer Wissens- und Lernpraxen<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a> und die Entwicklung eigener Lernziele.</p>
<p><strong>Der Kindergarten als Schule der Zweigeschlechtlichkeit</strong><a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a><br />
Dieses Verst&#228;ndnis der Bedeutung fr&#252;hkindlicher P&#228;dagogik steht in krassem Widerspruch zum g&#228;ngigen Bild des Kindergartens als Ort der einfachen Versorgung. Oft m&#252;ssen sich P&#228;-dagogInnen Aussagen gefallen lassen, wie â€žSei doch froh, dass du f&#252;rs Spielen bezahlt wirst!â€œ oder â€žWas machst du denn schon? So ein paar Kinder h&#252;ten kann doch nicht so schwer sein!â€œ<br />
Hier kann auf die vorherrschenden Geschlechterverh&#228;ltnisse r&#252;ckgeschlossen werden. Nancy Fraser betont, dass â€žselbstverst&#228;ndlich [â€¦] die Rolle des/der Kinderbetreuers/betreuerin im klassischen Kapitalismus â€“ wie anderswo auch â€“ eine ganz offenkundig weibliche Rolle [ist].â€œ<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> Dies l&#228;sst sich anhand von Statistiken zur Kinderbetreuungssituation in &#214;sterreich schnell belegen: In &#214;sterreich sind Kinder bis zum dritten Lebensjahr haupts&#228;chlich zu Hause und werden dort von der Mutter<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a> betreut. Im Jahr 2006 waren nur 10,8 Prozent der Kinder im Alter unter drei Jahren in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen untergebracht.<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a><br />
Kinderbetreuung erf&#228;hrt im Allgemeinen keine hohe gesellschaftliche Achtung. Belegt wird die gesellschaftliche Geringsch&#228;tzung von Erziehungsarbeit in erster Linie dadurch, dass sie gro&#223;teils unbezahlt verrichtet wird. Werden Kinder au&#223;erh&#228;uslich betreut, ist die Entlohnung f&#252;r die P&#228;dagogInnen stets gering und Kinderbetreuung in &#214;sterreich wird als ein â€žtypischer Frauenberufâ€œ angesehen. Von der Geburt an &#252;ber die ersten Lebensjahre zu Hause und weiter &#252;ber die p&#228;dagogische Betreuung in Kinderkrippen, Kinderg&#228;rten und bis zur Volksschule werden Kinder â€“ von wenigen Ausnahmef&#228;llen abgesehen â€“ von weiblichen Personen betreut. Im Kindergartenjahr 2006/2007 arbeiten in ganz &#214;sterreich 26.014 weibliche und 283 m&#228;nn-liche Personen in den Kinderg&#228;rten â€“ das macht einen Anteil weiblicher Arbeitskr&#228;fte von 98,92% aus.<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a> Aus der oben diskutierten hegemonietheoretischen Sicht auf Bildung bedeutet diese â€žVergeschlechtlichungâ€œ des Kindergartens f&#252;r Kinder, in geschlechtsstereotypen Le-bensrealit&#228;ten aufgezogen zu werden. Die Institution f&#252;gt sich damit in die gesamtgesell-schaftliche Ordnung der Sph&#228;rentrennung von m&#228;nnlich/weiblich ein, da selbst in der au&#223;er-h&#228;uslichen Betreuung von Kindern die Betreuungsarbeit weibliche Arbeit bleibt.<br />
Demgegen&#252;ber w&#252;rde ein Bildungsverst&#228;ndnis, dass der individuellen, selbstbestimmten Freiheit im Lernprozess durch eigenes Handeln und Erkennen Rechnung tr&#228;gt, auch ein Re-flektieren von Verhalten m&#246;glich machen und damit dazu beitragen, die herrschenden Ge-schlechterverh&#228;ltnisse in Frage zu stellen. So k&#246;nnten etwa die eigenen Erfahrungen von M&#228;dchen und Buben jenen der hegemonialen Vorstellungen &#252;ber Geschlechter gegen&#252;berstehen<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a>. Wenn nun eine kritische Verallgemeinerung gef&#246;rdert wird, so k&#246;nnte dies bedeuten, dass Kinder feststellen, dass gesellschaftliche zweigeschlechtliche Sph&#228;renteilung zu hinter-fragen und zu ver&#228;ndern ist. Die daf&#252;r notwendigen Identifikationsm&#246;glichkeiten mit m&#246;glichst vielf&#228;ltigen und unterschiedlichen Frauen- und M&#228;nnerbildern sind in der derzeitigen Situation allerdings nicht gegeben. Dies dr&#252;ckt sich eben auch im gesellschaftlichen Stellenwert dieses â€žFrauenberufsâ€œ aus. Insofern ergibt sich als zentrale Forderung, dass Kleinkinder-erziehung nicht l&#228;nger als vorrangig unbezahlte, folglich wenig wertvolle, privatisierte, nicht als Arbeit angesehene T&#228;tigkeit gesellschaftlich (un-)behandelt bleiben darf, sondern den Status eines gesamtgesellschaftlichen Verantwortungsbereichs erhalten muss.</p>
<p><strong>Neoliberale Bildungsanspr&#252;che</strong><br />
Das gesellschaftlich nach wie vor dominante Verst&#228;ndnis von P&#228;dagogInnen als â€žSpieltantenâ€œ und das Verst&#228;ndnis von Kinderg&#228;rten als blo&#223;e Bewahrungsanstalten ist eng verkn&#252;pft mit einem verschulten Lernbegriff. Soziale Prozesse zu begleiten, Kinder dabei zu unterst&#252;tzen, die eigene Reflexions- und Kritikf&#228;higkeit zu entfalten und sich darin zu &#252;ben, in Alternativen zu denken, sind Arbeitsformen bzw. Lernprozesse, die nicht an Bastelarbeiten oder Arbeits-bl&#228;ttern zu messen sind. Sie haben daher oftmals geringen gesellschaftlichen Stellenwert und werden nicht als â€žgew&#252;nschtesâ€œ Lernen wertgesch&#228;tzt.<br />
Gleichzeitig ist das Bild vom Kindergarten als Verwahrungsanstalt in Ver&#228;nderung begriffen. Dabei gibt es eine widerspr&#252;chliche Entwicklung, die einerseits dazu beitr&#228;gt, dass der Kin-dergarten von immer mehr Menschen (vor allem Eltern) als Bildungseinrichtung anerkannt wird. Andererseits folgt diese Entwicklung den Tendenzen einer &#214;konomisierung von Bil-dung, die auch vor dem Kindergarten nicht halt macht. Der neue Bildungsanspruch, der mit den Erwartungen an den Kindergarten oft einher geht, ist n&#228;mlich eben kein erm&#228;chtigender, sondern entspricht der neoliberalen Vorgabe, dass Kinder m&#246;glichst fr&#252;h â€žVerwertbaresâ€œ ler-nen sollen, um ihr potenzielles Humankapital zu steigern und so Startvorteile gegen&#252;ber den AlterskollegInnen in der weiteren Bildungslaufbahn und dann ultimativ am Arbeitsmarkt zu haben. Das Spiel als wichtigste Lernform junger Kinder wird ersetzt durch Forderungen nach verschultem, messbarem Ausbildungs-Lernen, bei dem sich die Kinder m&#246;glichst fr&#252;h, m&#246;g-lichst viel vorgefertigtes Wissen aneignen. Krassestes Beispiel daf&#252;r sind Englischkurse nach Schema (in den USA ist es eben dann Mandarin) ab dem zweiten Lebensjahr, die von immer mehr Kinderg&#228;rten angeboten werden um â€žam Markt bestehen zu k&#246;nnenâ€œ. Aber auch Schreib&#252;bungen, die Einf&#252;hrung von Stundenpl&#228;nen und Sitztraining sind Teil der neolibera-len Zurichtung. Sie bef&#246;rdert ein Konkurrenzdenken, das nicht die Selbstpotenzierung der Kinder in den Mittelpunkt r&#252;ckt sondern deren bestm&#246;gliche Verwertung in einer neoliberalen Gesellschaftsordnung.<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a><br />
Zwar ist &#252;ber diese Entwicklung der &#214;konomisierung die Bedeutung des Kindergartens ge-sellschaftlich gestiegen, auf der Strecke bleiben bei einer derartigen Ausrichtung aber die freie Pers&#246;nlichkeits- und die emotionale Entwicklung der Kinder. Wir befinden uns also nicht nur in einer Auseinandersetzung um die Arbeits- und Rahmenbedingungen im Kindergarten, son-dern auch &#252;ber dessen inhaltliche, ideologische Ausrichtung, sprich dem Lernverst&#228;ndnis und der Lernkultur.</p>
<p><strong>Kinderg&#228;rten in &#214;sterreich</strong><br />
Die politische Ausgestaltung der Rahmenbedingungen f&#252;r die gesellschaftliche Institution des Kindergartens spielt eine zentrale Rolle f&#252;r die Art der Bildung, die darin stattfinden kann. Auff&#228;lligstes Charakteristikum in diesem Zusammenhang ist, dass es in &#214;sterreich so gut wie keine einheitlichen Rahmenbedingungen gibt. Dies resultiert daraus, dass die gesetzliche Re-gelung von Kinderg&#228;rten, Horten und Kinderkrippen in &#214;sterreich seit 1962 unter die Zust&#228;n-digkeit der Landesregierungen f&#228;llt, weshalb neun verschiedene Landeskindergartengesetze existieren, anstatt eines Bundesrahmengesetzes. Dennoch sind die â€žEckpfeilerâ€œ &#228;hnlich; es gibt kein Bundesland, wo der Beruf tats&#228;chlich gut bezahlt wird oder die Gruppengr&#246;&#223;en stark variieren. Die f&#246;derale Regulierung des Kindergartenwesens hat  auch dazu gef&#252;hrt, dass es trotz einheitlicher Ausbildungs- und Qualifizierungsstrukturen viele unterschiedliche Tr&#228;ge-rInnenorganisationen und damit ArbeitgeberInnen f&#252;r die P&#228;dagogInnen gibt. Das bedeutet in weiterer Folge, dass je nach ArbeitgeberIn auch die gewerkschaftliche Vertretung der P&#228;da-gogInnen variiert. Da es weder ein einheitliches Bundesrahmengesetzt gibt, noch einen Kol-lektivvertrag f&#252;r Kindergartenp&#228;dagogInnen, unterscheiden sich mitunter auch die Arbeitsbe-dingungen. Wir werfen hier einen exemplarischen Blick nach Wien, wo ca. die H&#228;lfte aller P&#228;dagogInnen bei der Gemeinde Wien angestellt ist und daher von der <em>Gewerkschaft der Gemeindebediensteten</em> (GDG) vertreten werden. F&#252;r sie gilt das Gehaltsschema der Gemeinde Wien, das Signalwirkung f&#252;r die anderen ArbeitgeberInnen hat, aber nicht zwingend &#252;bernommen wird. Die andere H&#228;lfte der P&#228;dagogInnen arbeitet bei privaten Tr&#228;gerInnen und wird daher von der <em>Gewerkschaft der Privatangestellten- Druck, Papier, Journalismus</em> (GPA-djp) vertreten. So entsteht das Problem,  dass es kein einheitliches Dienstrecht oder einen ge-meinsamen Kollektivvertrag gibt.<br />
In der Regel ist einE P&#228;dagogIn in Wien alleine f&#252;r die Erziehung und Bildung von 25 Kin-dern in einer Gruppe zust&#228;ndig, wobei grunds&#228;tzlich eine unausgebildete Hilfskraft als Unterst&#252;tzung, meist aber f&#252;r organisatorische T&#228;tigkeiten, zur Verf&#252;gung steht.<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a> Au&#223;erdem stehen P&#228;dagogInnen in Wien zumeist vier von 40 Stunden f&#252;r Vorbereitungen zur Verf&#252;gung. Je nach ArbeitgeberIn m&#252;ssen in dieser Zeit aber auch Elternarbeit, Teamsitzungen und &#228;hnliches stattfinden, wodurch die Zeit f&#252;r tats&#228;chliche Planung und Vorbereitung der Bildungsarbeit, deren verpflichtende schriftliche Reflexion sowie f&#252;r Einzelf&#246;rderung minimal ist und viele P&#228;dagogInnen diese unbezahlt in ihrer Freizeit erledigen, um ihrem eigenen p&#228;dagogischen Anspruch auch nur halbwegs gerecht werden zu k&#246;nnen. Die momentane Arbeitssituation ist f&#252;r immer mehr Kindergartenp&#228;dagogInnen derart belastend<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a>, dass die einzige M&#246;glichkeit, den Beruf so gut wie m&#246;glich auszu&#252;ben darin liegt, von Vollzeit- auf Teilzeitarbeit umzusteigen. Allgemein herrscht in Wien Personalmangel, denn jede dritte Abg&#228;ngerin einer BAKIP<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a>  ergreift ein Studium, weil die Arbeitsbedingungen die sie in den Kinderg&#228;rten er-warten unattraktiv sind. Dadurch wird es in Wiens Kinderg&#228;rten immer schwieriger, die schon aufgrund der bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen schlechte Kindergartenstruktur mit ausreichend qualifiziertem Personal aufrecht zu erhalten, geschweige denn auszubauen. Dies macht es wiederum den P&#228;dagogInnen immer schwieriger, den eigenen Standards, aber auch den Rahmengesetzen gerecht zu werden. Der Personalmangel f&#252;hrt dazu, dass Zeit zur knappen Ressource wird, die ben&#246;tigt wird um auf Kinder individuell einzugehen, Konflikte aufzugreifen und gemeinsam zu l&#246;sen, Kinder zu beobachten und dann darauf abgestimmte Bildungsangebote zu setzen. Es braucht aber auch Zeit eine anregende und herausfordernde Umgebung zu schaffen, in der Kinder vielf&#228;ltige Lernm&#246;glichkeiten vorfinden und sich dem eigenen Tempo entsprechend darin zu Recht finden k&#246;nnen. Ein Beispiel: Die Zeit, bei Strei-tigkeiten auf selbst gew&#228;hlte L&#246;sungsstrategien der Kinder zu setzten (Handlungsalternativen durchdenken, Einf&#252;hlungsverm&#246;gen trainieren etc.) gibt es nicht, statt dessen werden die Kin-der oftmals schnell gema&#223;regelt und so daran gehindert, F&#228;higkeiten zur Konfliktl&#246;sung zu entwickeln. Dies entspricht zumeist aber nicht dem Verst&#228;ndnis der P&#228;dagogInnen von der eigenen Arbeit und dem Stellenwert dieser wichtigen sozialen Lernprozesse.<br />
Statt dem Personalmangel in Wiens Kinderg&#228;rten durch Verbesserung der Arbeitsbedingun-gen Abhilfe zu schaffen, um ausgebildete P&#228;dagogInnen in den Beruf zu locken, wurde einer-seits versucht, das Problem m&#246;glichst von der &#214;ffentlichkeit fern zu halten, was sich in ge-steigertem Arbeitsdruck f&#252;r die P&#228;dagogInnen ausdr&#252;ckt. Andererseits mussten AssistentIn-nen, die in vielen Einrichtungen P&#228;dagogInnen als Unterst&#252;tzung zur Seite gestellt werden, aber selbst &#252;ber keine p&#228;dagogische Ausbildung verf&#252;gen (daher auch weniger verdienen), in den letzten Jahren vermehrt Zeit alleine in der Gruppe verbringen und diese beaufsichtigen. Sie &#252;bernehmen dabei immer mehr Aufgaben von Kindergartenp&#228;dagogInnen, ohne &#252;ber de-ren Qualifizierung zu verf&#252;gen, oder f&#252;r diese Mehrarbeit entsprechend entlohnt zu werden. Die verpflichtete Besetzung der Gruppen von zumindest einer P&#228;dagogIn und einer Assisten-tIn konnte nicht mehr aufrecht erhalten werden.<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a> Bei Kindergartenp&#228;dagogInnen, aber auch bei AssistentInnen mehrt sich nun die &#220;berbelastung, bis hin zum Burnout-Syndrom. F&#252;r die Kinder hei&#223;t dies oft, von Erwachsenen betreut zu werden, die &#252;berarbeitet sind und keine Zeit haben, auf ihre individuellen Bed&#252;rfnisse und F&#228;higkeiten einzugehen. Die  Rahmenbe-dingungen lassen oftmals nicht mehr als ein blo&#223;es Beaufsichtigen und das Verhindern von Verletzungen zu. Ganz abgesehen von dem L&#228;rmpegel, dem Kinder und Erwachsene ausge-setzt sind, wenn am Nachmittag Gruppen zusammen gelegt werden m&#252;ssen, weil nicht gen&#252;-gend Personal vorhanden ist, wodurch in manchen Berichten von bis zu 50 Kindern pro Gruppe die Rede ist.</p>
<p><strong>Schwierige Voraussetzungen f&#252;r Widerstand</strong><br />
Angesichts dieser Situation steigt der Frust unter den P&#228;dagogInnen laufend, und hinter vor-gehaltener Hand fragen sich Viele schon l&#228;nger, â€žwarum denn niemand etwas tutâ€œ und sich das alle gefallen lassen. Einzelpersonen haben zwar immer wieder versucht sich zu wehren, sind mit ihrem individuellen Widerstand aber meist an den betriebsinternen Strukturen und Hierarchien gescheitert. In Wien sind die Besch&#228;ftigten nun mit einer besonders schwierigen Situation konfrontiert, denn es besteht eine enge Verbindung der verschiedenen &#246;ffentlichen wie privaten Tr&#228;gerorganisationen mit politischen Parteien. So gibt es seit Jahren eine SP&#214;-Alleinregierung in der Stadt, wodurch die Zust&#228;ndigkeit f&#252;r die Kinderg&#228;rten der Gemeinde Wien seit langem in H&#228;nden der SP&#214; liegt und die zust&#228;ndigen Stadtr&#228;tInnen ArbeitgeberIn-nenfunktionen wahrnehmen. Im privaten Bereich gibt es drei gro&#223;e ArbeitgeberInnen: Die Erzdi&#246;zese Wien, <em>Kinderfreunde und Kinder in Wien</em> (KIWI). Die Kinderfreunde verorten ihre Herkunft nicht nur in der ArbeiterInnenbewegung und berufen sich in ihrem Leitbild auf sozialdemokratische Werte, sondern sind auch personell eng mit der SP&#214; verbunden.<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a> KIWI entstand aus dem ehemaligen, &#214;VP-nahen <em>Wiener Kinderrettungswerk</em> und ist nach wie vor personell eng mit der &#214;VP verbunden. So hat etwa die aktuelle Gesch&#228;ftsf&#252;hrerin von KIWI auch f&#252;r die &#214;VP einen Sitz im Wiener Gemeinderat.<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> Daneben gibt es nat&#252;rlich noch andere ArbeitgeberInnen, wie selbstorganisierte Elterngruppen und &#228;hnliches, die Mehrheit der P&#228;-dagogInnen arbeitet aber bei einem der vier Tr&#228;gervereine <em>Gemeinde Wien, Erzdi&#246;zese, Kinderfreunde</em> und KIWI.<br />
Damit ist jede Auseinandersetzung in und um Kindergarten in mehrfacher Weise (partei-) politisch. So n&#252;tzte etwa die FP&#214; die Kritik an der Situation der Wiener Kinderg&#228;rten f&#252;r ihre rassistische Propaganda gegen die SP&#214; im Rahmen des Gemeinderatswahlkampfes 2010.<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a><br />
Hinzu kommt, dass innerhalb der &#246;sterreichischen Gewerkschaften Parteifraktionen eine gro&#223;e Bedeutung einnehmen. Oftmals gibt es enge personelle Verbindungen zwischen Gewerk-schaftsfunktion&#228;rInnen und Parteien. So sitzt der derzeitige Vorsitzende der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten zugleich f&#252;r die SP&#214; im Wiener Gemeinderat.<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a> Dass es dabei zu Interessenskonflikten zwischen den verschiedenen Funktionen kommen muss, liegt nahe. Neben den Gewerkschaften gibt es noch die Berufsgruppe der Kindergarten- und Hortp&#228;dagogInnen, die sich als Interessensvertretung sieht. Allerdings steht auch ArbeitgeberInnen die Mitgliedschaft offen und im Vorstand sitzen diese mittlerweile zahlreich vertreten â€“ Interessenskonflikte sind also auch hier absehbar.<br />
Bisher gab es daher keine einheitliche Vertretung bzw. einen Rahmen, innerhalb dessen sich alle P&#228;dagogInnen organisieren konnten. Dies f&#252;hrte zu einer Vereinzelung der P&#228;dagogInnen in den Kinderg&#228;rten. Zwischen letzteren gibt es kaum Kommunikation, was Tr&#228;gerorganisati-onen insofern zugute kommt, als hier Konkurrenz zu anderen Einrichtungen aufgebaut wird bzw. die P&#228;dagogInnen verunsichert und gegeneinander ausgespielt werden (â€ždenen geht es ja noch schlechter als unsâ€¦â€œ).<br />
Obwohl zurzeit eine prinzipielle â€žMarktmachtâ€œ<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a> der P&#228;dagogInnen gegeben ist, da sie eine Qualifizierung besitzen, die dringend nachgefragt wird, konnte diese bisher nicht als Macht-potential aktiviert werden â€“ auch weil durch die Vereinzelung die kollektive Macht von den Betroffenen nur schwer wahrgenommen werden kann.</p>
<p><strong>Well behaved women rarely make history!</strong><br />
Im Jahr 2009 kam Bewegung in die &#246;ffentliche Debatte um Kinderg&#228;rten, als die Bundesre-gierung die Einf&#252;hrung des Gratiskindergartens &#252;berlegte. Die Aussicht auf die nun bevorste-hende noch h&#246;here Belastung durch die totalen Gruppenauff&#252;llungen brachte in den Kinder-g&#228;rten das Fass zum &#252;berlaufen. Viele P&#228;dagogInnen bef&#252;rchteten, dass diese, von ihnen unter gesellschaftspolitischen und feministischen Gesichtspunkten an sich positiv gesehenen Ma&#223;nahme, zu einer Versch&#228;rfung der bereits untragbar gewordenen Situation f&#252;hren w&#252;rde, wenn nicht zeitgleich eine umfassende Verbesserung der Rahmenbedingungen erfolgt. Auf-grund  des Personalmangels in Wien war dies jedoch kaum zu erwarten.<br />
Bereits im Fr&#252;hling 2009 hatte eine anfangs kleine Gruppe von P&#228;dagogInnen, die nicht mehr bereit war, die untragbaren Arbeitsbedingungen hinzunehmen, begonnen, sich zu treffen um Strategien f&#252;r eine Verbesserung im Kindergartenbereich zu diskutieren. Die Streiks der Er-zieherInnen in Deutschland in den vergangen Jahren â€“ und die Erfolge im Sommer 2009 â€“ dienten als Vorbild. Kaum eine P&#228;dagogin/ein P&#228;dagoge hat den Arbeitskampf der KollegIn-nen im Nachbarland nicht gespannt verfolgt.<br />
So wurde  das <em>Kollektiv Kindergartenaufstand</em> gegr&#252;ndet. Nachdem am 28. M&#228;rz die von sehr vielen Organisationen getragenen Proteste unter dem Titel <em>Wir zahlen nicht f&#252;r eure Krise</em><a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a>  bevorstanden, wurde f&#252;r die Demonstration in Wien ein Kindergarten-Block geplant.<br />
Auch die Debatte um das Missverh&#228;ltnis von milliardenschweren Rettungspaketen f&#252;r die Banken und gleichzeitiger Unterbezahlung im Sozialbereich trug dazu bei, dass innerhalb von etwa zwei Wochen ein Block mit etwa 70 Leuten f&#252;r den <em>Kindergartenaufstand </em>mobilisiert werden konnte. Auf der Demonstration wurden E-Mail-Adressen gesammelt, Kontakte ge-kn&#252;pft, Erfahrungen ausgetauscht und neue MitstreiterInnen gefunden. Am Beginn standen dabei vor allem zwei Aspekte im Mittelpunkt der Bem&#252;hungen: die &#214;ffentlichkeit auf die untragbare Situation aufmerksam zu machen und der Zersplitterung etwas entgegenzusetzen. In diesem Sinne wurde nach den positiven Erfahrungen der Demonstration vom 28. M&#228;rz ein Wienweites Vernetzungstreffen geplant. Denn, so waren sich alle im Kollektiv einig, â€žnur wenn wir uns alle vernetzen, als Betroffene gemeinsam auftreten und uns auch in manchen Punkten, die uns vielleicht nicht so stark betreffen, mit anderen solidarisieren anstatt nichts zu unternehmen, k&#246;nnen wir etwas ver&#228;ndern.â€œ<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a><br />
An diesem ersten Vernetzungstreffen der P&#228;dagogInnen und BetreuerInnen nahmen an die 70 Arbeitende aus verschiedensten Kinderg&#228;rten Wiens, und auch einige aus Nieder&#246;sterreich teil, um in angeregten Diskussionen festzustellen, dass die Rahmenbedingungen der Arbeit &#252;berall gleich schlecht sind und gleichzeitig in der Auseinandersetzung den ersten Schritt aus der Vereinzelung heraus zu machen. Dabei wurde klar, dass die meisten sich keine Hoffnun-gen auf eine baldige Verbesserung machten, weil weder kollektive gewerkschaftliche Vertre-tung noch andere k&#228;mpferische Strukturen im Kindergartenbereich bestanden. Zahlreiche Kindergartenp&#228;dagogInnen stellten zum ersten Mal fest, dass es doch sehr viel Unmut nicht nur im eigenen Betrieb, sondern fl&#228;chendeckend gibt, und andererseits die Gruppe derer, die Handlungsbedarf und -willen hat, gr&#246;&#223;er ist, als gedacht. Das â€žErgebnisâ€œ des ersten gro&#223;en Vernetzungstreffens war neben der gemeinsamen Erstellung von Forderungen (wie Reduzie-rung der Kinderanzahl pro Gruppe, Erh&#246;hung der Vorbereitungszeit und des Personalschl&#252;s-sels, h&#246;here Geh&#228;lter, ein Kollektivvertrag und damit eine einheitliche gewerkschaftliche Ver-tretung und ein Bundesrahmengesetzt), eine â€žFlashmobgruppeâ€œ, eine â€žElterninfogruppeâ€œ so-wie viele neue Kontakte und Ideen. Auf den folgenden regelm&#228;&#223;igen Vernetzungstreffen besprachen P&#228;dagogInnen, von denen viele vorher noch nie politisch aktiv waren, das weitere gemeinsame Vorgehen, die strategischen Positionierungen, verfassten politische Texte und planten erste Aktionen.<br />
Es gab innerhalb der ersten Monate eine st&#228;ndige Mailflut von begeisterten KollegInnen zu bew&#228;ltigen, die sich engagieren wollten, M&#252;tter und V&#228;ter schrieben Solidarisierungen und die Interviewanfragen von diversen aufmerksam gewordenen Medien zeigten, dass hier ein heikles Thema in der &#246;sterreichischen Politik angegriffen wurde â€“ und das im â€žroten Wienâ€œ!<br />
Im Juni gab es im Museumsquartier den ersten â€žFlashmobâ€œ, an dem sich etwa 200 Menschen beteiligten und der bereits in vielen Medien publik gemacht wurde. Wie bei den Treffen zu-vor, stand auch bei dieser Aktion die Vernetzung der Basis und der Betroffenen sowie die St&#228;rkung nach Innen im Vordergrund. Der Vereinzelung wurde durch solche Aktionen ein eindrucksvolles Bild der Solidarit&#228;t entgegengesetzt. Das hat viele P&#228;dagogInnen ermutigt, weiter f&#252;r eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu k&#228;mpfen. Aufgrund der engen Ver-kn&#252;pfung von ArbeitgeberInnen und politischen Parteien, aber auch durch die gesellschafts-politische Bedeutung von Kinderg&#228;rten, richteten sich die Proteste und Aktionen vor allem an die &#214;ffentlichkeit, die Bundes- und Landesregierung und vorerst weniger gegen die Arbeitge-berInnen im Einzelnen. Dennoch folgten auf die Proteste auch Auflagen von ArbeitgeberIn-nenseite, nicht mit der Presse zu sprechen und das Kollektiv wurde von besorgten KollegIn-nen kontaktiert, welche sich aufgrund der Reaktionen des Arbeitgebers/der Arbeitgeberin nur â€žanonymisiertâ€œ an Aktionen beteiligen wollten. Selbst die Angstmache von Oben konnte die Wut, die durch die nun neu erfahrene St&#228;rke in Engagement umschlug, nicht mehr unterdr&#252;-cken. Die AktivistInnen wurden mehr und wurden offensiver. LeiterInnen solidarisierten sich, Lehrende an BAKIPs verteilten Informationen an ihre Sch&#252;lerInnen&#8230;<br />
An den zwei Demonstrationen, die vom Kindergartenaufstand teils initiiert, teils im Rahmen des B&#252;ndnis â€žSOS Kindergarten â€“ Aktion Aufschreiâ€œ<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a> mitgetragen wurden, haben in den letzten Monaten insgesamt etwa 6000 P&#228;dagogInnen, BetreuerInnen, KindergartenleiterInnen, Eltern und Solidarische teilgenommen. Auch die Vernetzung mit anderen Protesten â€“ wie mit der <em>Uni brennt-</em>Bewegung â€“ war ein wichtiger Schritt in Richtung einer breiten Bildungsbe-wegung: kaum ein Bericht &#252;ber die Unibesetzung kam ohne eine Nennung der Proteste im Kindergartenbereich aus. Gleich am ersten Tag der Studierendenproteste entschloss sich das Kollektiv, sich zu solidarisieren. So wurde klargemacht, dass das Bildungssystem in &#214;ster-reich bereits an der Wurzel fault.<br />
Abseits der &#246;ffentlichen Aktionen des Kollektivs wurde am Aufbau von l&#228;ngerfristigen Struk-turen gearbeitet. Der Anspruch des Kollektivs war es, keine internen Hierarchien aufzubauen und daher auch auf SprecherInnen, VertreterInnen ect. zu verzichten. Stattdessen wurde nach M&#246;glichkeiten gesucht, auf breiter Basis Entscheidungen zu treffen und trotzdem handlungs-f&#228;hig zu bleiben. Die P&#228;dagogInnen organisierten sich den Anforderungen entsprechend in Arbeitsgruppen. Diese kollektive Organisationsform sorgte bei den anderen AkteurInnen in diesem Feld (wie der Berufsgruppe oder manchen Gewerkschaftsteilen sowie VertreterInnen der Presse) f&#252;r gro&#223;e Unruhe. F&#252;r die P&#228;dagogInnen des Kollektivs stand aber im Vordergrund, dass alle selbst ExpertInnen ihres Arbeitslebens sind und dementsprechend jedeR f&#252;r ihre/seine Anliegen sprechen kann. So gab es auch im Kollektiv immer wieder strategische Debatten: Wie sollte mit politischen Parteien umgegangen werden? Wer ist Zielgruppe f&#252;r welche Art von Protest? Wie sollte im eigenen Betrieb mit der politischen Aktivit&#228;t umgegangen werden? Und nicht zuletzt: Was haben wir von den GewerkschaftsvertreterInnen zu erwarten?</p>
<p><strong>Kindergartenaufstand und gewerkschaftliche Reaktionen</strong><br />
Durch den regen Zuspruch der Basis wurde die Kontaktaufnahme zu den anderen AkteurInnen im Kindergartenbereich wichtiger. Dies betraf vor allem einzelne, in den verschiedenen Gewerkschaften t&#228;tige Menschen und Gruppen, wie KIV<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a>, die innerhalb der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GDG) arbeitet, oder work@social<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a> der GPA-djp. Dort wurde unsere Initiative freudig aufgenommen und bei gemeinsamen Diskussionen auf den Vernet-zungstreffen des Kollektivs eine Zusammenarbeit vor allem f&#252;r eine erste gro&#223;e Demonstration im Herbst 2009 in Aussicht gestellt.<br />
Andererseits, und f&#252;r KennerInnen der &#246;sterreichischen Gewerkschaftslandschaft vielleicht wenig &#252;berraschend, mussten die im <em>Kindergartenaufstand </em>organisierten P&#228;dagogInnen erfahren, dass die dominierenden Gruppen innerhalb der &#246;sterreichischen Gewerkschaften wenig vom selbst organisierten â€žwildenâ€œ Aktionismus der Basis halten<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a> und entgegen den Erwartungen vieler engagierten P&#228;dagogInnen/BetreuerInnen, die teilweise schon jahrelang Gewerkschaftsmitglieder waren, wurde auch bis zuletzt nicht von der Gewerkschaft auf die AktivistInnen zugegangen oder aktive Unterst&#252;tzung im vermeintlichen gemeinsamen Kampf angeboten.<br />
Zugleich gelang es den dominanten Teilen der Gewerkschaften nicht, die Basisorganisierung der P&#228;dagogInnen zu ignorieren. Dazu beigetragen haben etwa die oben genannten Gewerkschaftsgruppen, aber auch Einzelpersonen, die mit unerm&#252;dlichen Engagement und Courage innerhalb der Gewerkschaftshierarchien f&#252;r die Zusammenarbeit mit der Basis k&#228;mpften.<br />
Obwohl bisher nicht viel Ver&#228;nderung in der Kommunikation zueinander bewirkt werden konnte, wurde im Herbst 2009 offensichtlich, wie sehr die Basis Druck auf die Gewerkschaft ausge&#252;bt hat: Nach anfangs z&#246;gerlichen Unterst&#252;tzungsbeteuerungen von Seiten der Gewerkschaft, &#252;bernahm schlie&#223;lich sogar die GPA-djp unsere Forderungen und sicherte uns Unterst&#252;tzung f&#252;r eine gro&#223;e Demonstration zu. Und sp&#228;testens bei der zweiten gro&#223;en Demonstration sah sich auch die GDG gezwungen, die Proteste der P&#228;dagogInnen in den Medien zu unterst&#252;tzen. Diese Unterst&#252;tzung hat sich aber nicht in einer tats&#228;chlichen Zusammenarbeit ausgewirkt. Dass aber gewerkschaftliche Unterst&#252;tzung in Arbeitsk&#228;mpfen wichtig ist, davon sind auch die AktivistInnen des Kindergartenaufstands &#252;berzeugt und kann nicht zuletzt durch die Erfahrungen bei den Streiks der ErzieherInnen in Deutschland belegt werden.<a title="anm_41" name="anm_41" href="#anm41"><sup>41</sup></a></p>
<p><strong>Wie weiter?</strong><br />
Kurz vor dem Jahreswechsel gab der GdG-Vorsitzender Meidlinger<a title="anm_42" name="anm_42" href="#anm42"><sup>42</sup></a> bekannt, eine Lohnerh&#246;hung und mehr Vorbereitungszeit f&#252;r alle P&#228;dagogInnen der Gemeinde Wien verhandelt zu haben. Die Verhandlungsergebnisse der GdG streifen nur einen kleinen Teil der vielen Forde-rungen des Kollektivs, aber sie sind ein Anfang. Sie zeigen vor allem, dass die AktivistInnen damit Recht behalten, den schlechten Zustand des Kindergartens nicht mehr mitzutragen, sondern sich zu wehren.<br />
Die Ergebnisse der Gehaltsverhandlungen der GdG, die mit J&#228;nner 2010 in Kraft treten, setzen nun die privaten ArbeitgeberInnen unter Druck, vergleichbare Verbesserungen mit der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) auszuverhandeln. Doch insgesamt &#228;ndert dies wenig an den Arbeitsbedingungen &#246;sterreichweit.</p>
<p><strong>Heute ist nicht alle Tageâ€¦</strong><br />
Ein dreiviertel Jahr Aktivit&#228;t des <em>Kollektivs Kindergartenaufstand</em> hat nicht nur die &#246;sterrei-chische Gewerkschaftslandschaft wie oben beschrieben durcheinander gewirbelt. Wir haben viel &#252;ber politische Organisierung gelernt. Die Zusammenarbeit mit verschiedensten Organisationen hat zur Bildung eines Netzwerks innerhalb des Sozialarbeitsbereiches gef&#252;hrt. Diskussionen &#252;ber den Umgang mit Parteien<a title="anm_43" name="anm_43" href="#anm43"><sup>43</sup></a> und Gewerkschaften, Besch&#228;ftigung mit Arbeits-k&#228;mpfen von KollegInnen in anderen L&#228;ndern sowie die Auseinandersetzung mit deren gewerkschaftlicher Vertretung fanden statt, und nicht zuletzt wurde die eigene Sicht auf den ausge&#252;bten Beruf st&#228;ndig reflektiert. Die Aktivit&#228;ten haben sich schon nach den ersten Monaten f&#252;r alle Beteiligten als riesengro&#223;er Pool von Lernm&#246;glichkeiten erwiesen. Das ist â€“ neben den real erk&#228;mpften Verbesserungen â€“ schon ein echter Sieg.<br />
Ein gro&#223;es Ziel haben wir auf jeden Fall schon erreicht, n&#228;mlich, das Image der lieben, stets freundlichen und alles hinnehmenden Kinderg&#228;rtnerin anzugreifen. Bilder von k&#228;mpferischen P&#228;dagogInnen/BetreuerInnen wurden ver&#246;ffentlicht, und durch die gef&#252;hrten K&#228;mpfe hat sich das Selbstbild ver&#228;ndert.<a title="anm_44" name="anm_44" href="#anm44"><sup>44</sup></a> Die Ver&#228;nderung des Blicks auf einen Frauenberuf ist in Gange und damit wurde auch eine neue Identifikationsm&#246;glichkeit f&#252;r die M&#228;dchen und Buben in den Kinderg&#228;rten geschaffen.<br />
Klar ist aber auch, dass mit einer Lohnerh&#246;hung oder einer Verkleinerung der Gruppengr&#246;&#223;en um einige Kinder nicht das Ideal einer Elementarbildungseinrichtung erreicht sein wird, auch wenn dadurch ein Arbeitskampf gewonnen w&#228;re. Die Anspr&#252;che an die Institution Kindergarten im heutigen neoliberalen Bildungsverst&#228;ndnis, demzufolge die Entwicklung der Kleinkinder bereits als M&#246;glichkeit gesehen wird, sie f&#252;r den Markt konform zu trainieren, werden damit nicht von alleine aufgel&#246;st.<br />
Nur Kinder, die nicht alle Antworten schon wissen m&#252;ssen, bevor sie sich Fragen stellen, werden selbst neugierig und entwickeln Interesse an ihrer Welt. Kinder, f&#252;r deren Gedanken und ihr Weltbild Platz, Zeit und Interesse da ist, lernen, sich in die Gesellschaft einzubringen und sich die Welt selbst anzueignen.</p>
<p><em>Kontaktadresse</em>: <a href="kindergartenaufstand@gmx.at">kindergartenaufstand@gmx.at</a></p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Derzeit z&#228;hlen etwas &#252;ber 200 in diesem Bereich in Wien t&#228;tige P&#228;dagogInnen und BetreuerInnen zum Kollek-tiv. </p>
<p><a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> www.kindergartenaufstand.at</p>
<p><a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> â€žAls Hegemonie bezeichnet Gramsci einen Herrschaftstyp, â€žâ€¦der im Wesentlichen auf der F&#228;higkeit basiert, eigene Interessen als gesellschaftliche Allgemeininteressen zu definieren und durchzusetzen.â€œ Brand/ Scherer 2003:3. </p>
<p><a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Gramsci, Antonio: Gef&#228;ngnishefte. Kritische Gesamtausgabe, Band 6, Philosophie der Praxis, Herausgegeben von Haug, Wolfgang Fritz unter Mitwirkung von Klaus Bochmann, Peter Jehle, Gerhard Kuck. Hamburg/Berlin 1994, S. 1335.</p>
<p><a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Vgl. Ebd, S. 1264.</p>
<p><a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Vgl. Merkens, Andreas 2004 (Hg.): Antonio Gramsci. Erziehung und Bildung. Gramsci-Reader. Hamburg 2004, S. 29.</p>
<p><a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> Gramsci 1994, a.a.O.,S. 1341.</p>
<p><a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> Ebd, S. 1341f.</p>
<p><a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> Vgl. Merkens 2004, a.a.O., S. 31.</p>
<p><a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> Vgl. Gramsci, Antonio: Gef&#228;ngnishefte. Kritische Gesamtausgabe, Band 2, Herausgegeben von Haug, Wolfgang Fritz, Hamburg, Berlin 1991, S. 32. </p>
<p><a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Vgl Ebd., S. 22.</p>
<p><a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> Insofern besteht auch ein Widerspruch zwischen dem vermittelten Wissen in der Ausbildung und den Rah-menbedingungen, die im Arbeitsalltag vorgefunden werden und die eine solche Bildung erschweren.</p>
<p><a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> Gramsci, Antonio: Gef&#228;ngnishefte. Kritische Gesamtausgabe, Band 7, Herausgegeben von Klaus Bochmann, Wolfgang Fritz Haug, Peter Jehle, unter Mitwirkung von Ruedi Graf, Gerhard Kuck, Hamburg/Berlin 1996, S. 1519.</p>
<p><a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> Vgl. Merkens 2004, a.a.O., S. 43.</p>
<p><a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> Gramsci, Antonio: Gef&#228;ngnishefte. Kritische Gesamtausgabe, Band 8, Herausgegeben von Klaus Bochmann, Wolfgang Fritz Haug, Peter Jehle, unter Mitwirkung von Ruedi Graf, Gerhard Kuck, Hamburg/Berlin 1998, S. 1980.</p>
<p><a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> Merkens 2004, a.a.O., S. 39.</p>
<p><a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> Vgl. Ebd., S. 7.</p>
<p><a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> Vgl. Ebd, S. 34.</p>
<p><a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Vgl. Botka, Kristina: Staat und Geschlechterverh&#228;ltnisse. Eine theoriegeleitete Untersuchung des &#246;sterreichischen Kindergartens. Univ. Wien, 2009. Unver&#246;ffentlichte Diplomarbeit.</p>
<p><a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> Fraser, Nancy: Widerspenstige Praktiken. Macht, Diskurs, Geschlecht. Frankfurt am Main 1994, S. 192.</p>
<p><a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Siehe dazu Statsitik Austria 2006: Kinderbetreuungsgeldbezieherinnen und -bezieher nach Erwerbsstatus und Geschlecht 2006. Siehe: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/soziales/sozialleistungen_auf_bundesebene/familienleistungen/020121.html, abgerufen am 13. 03. 2008: Die Betreuungsperson w&#228;hrend des Tages ist hier, gemessen am Bezug des Kinderbetreuungsgeldes, in rund 98% der F&#228;lle die Mutter, wenn das Kind bis zu zwei Jahre alt ist. Sp&#228;ter steigt der Anteil an Betreuung durch V&#228;ter geringf&#252;gig. Im Jahr 2006 Jahr waren 98,8% der Kinderbetreuungsgeldbe-ziehenden bei Kindern im ersten Lebensjahr die M&#252;tter, bei Kindern im zweiten Lebensjahr waren es zu 97,9% die M&#252;tter. Der V&#228;teranteil unter den Karenzgeldbeziehenden war somit bei bis zu Einj&#228;hrigen 1,2% und bei bis zu Zweij&#228;hrigen 2,1%. Bei den Kindern zwischen zwei und drei Jahren waren im Beobachtungszeitraum 90,6% der Betreuungsgeldbeziehenden die M&#252;tter und 9,4% die V&#228;ter. </p>
<p><a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> Vgl. Statistik Austria 2007: Kinderbetreuungsquoten nach Altersgruppen 1995 bis 2006. Siehe:<br />
http://www.statistik.at/web_de/static/kinderbetreuungsquoten_nach_altersgruppen_1995_bis_2006_021659.pdf abgerufen am 07.04.2008</p>
<p><a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> Siehe dazu Ebd., S. 71ff. Zahlen zu anderen Kinderbetreuungseinrichtungen finden sich im Bericht ebenso. </p>
<p><a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> Wenn M&#228;dchen etwa gut im Bauen sind und Jungen gerne Verkleiden spielen oder &#196;hnliches. </p>
<p><a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Es gibt durchwegs positive Erfahrungen damit, Kindern in der entsprechenden â€žsensiblen Phaseâ€œ ihrer Ent-wicklung die M&#246;glichkeit des Spracherwerbs zus&#228;tzlich zur Erstsprache anzubieten, etwa durch zweisprachig gef&#252;hrte Gruppen. Dies widerspricht aber der Idee vom verschulten Lernen abpr&#252;fbarer Inhalte. </p>
<p><a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> Passend daher der Spruch auf einem Schild bei den Demonstrationen: â€ž1:25 â€“ wie viel individuelle F&#246;rderung bleibt da f&#252;r ein Kind?â€œ</p>
<p><a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> Diese Belastung ist sowohl psychisch als auch physisch. Zahlreiche P&#228;dagogInnen klagen &#252;ber k&#246;rperliche Beschwerden, es gibt in &#214;sterreich allerdings keine Erhebung zu den tats&#228;chlichen k&#246;rperlichen Auswirkungen der Arbeitsbedingungen. Von manchen Betriebsratsgruppen wird nun eine solche Erhebung angedacht.</p>
<p><a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> BAKIP: Bundesanstalt f&#252;r Kindergartenp&#228;dagogik. Die Ausbildung zum/r Kindergartenp&#228;dagogIn dauert f&#252;nf Jahre und schlie&#223;t mit der Matura ab. Sie z&#228;hlt in &#214;sterreich, wie die Ausbildung an einer HTL, zur Schulform der berufsbildenden h&#246;heren Schule, der BHS.</p>
<p><a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> In anderen L&#228;ndern w&#252;rde eine solche Situation zu immensen Protesten von Seiten der Eltern f&#252;hren, siehe D&#228;-nemark: Wenn in D&#228;nemark Eltern auf die Strasse gehen , Kinderg&#228;rten blockieren, KindergartenleiterInnen den Schl&#252;ssel zum Kindertagesheim abgeben, um auf die verh&#228;renden Einsparungsma&#223;nahmen aufmerksam zu machen, die sich im Kindergartenwesen in D&#228;nemark abzeichnen â€“ es wird eine von drei P&#228;dagogInnen pro 15 k&#246;pfiger Kindergruppe eingespart â€“ dann zeigt das, dass Verantwortlichkeit dem eigenen Arbeitsanspruch und dem F&#246;rderbedarf der Kinder gegen&#252;ber also keine Utopie, sondern Alltag ist. Siehe http://www.berlingske.dk/koebenhavn/det-er-svaert-faa-oeje-paa-boernenes-koebenhavn oder </p>
<p>http://www.facebook.com/pages/Kobenhavns-Foraeldreorganisation/134122139911?ref=mf</p>
<p><a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> Vgl.: http://kinderfreunde.at/index.php?action=Lesen&#038;Article_ID=2265 am 03.01.2010</p>
<p><a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> Vgl: http://klub.wien.oevp.at/10021/ , http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20000310_OTS0084 und http://www.kinderinwien.at/team.php?cat=GF alle am 03.01.2010</p>
<p><a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> Eine Reaktion/Distanzierung des Kollektiv Kindergartenaufstands findet sich unter http://kindergartenaufstand.at/index.php?option=com_content&#038;view=category&#038;layout=blog&#038;id=6&#038;Itemid=7</p>
<p><a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> Vgl.: http://www.wien.spoe.at/christian-meidlinger am 03.01.2010</p>
<p><a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> F&#252;r eine ausf&#252;hrliche Diskussion von Machtpotentialen der ArbeitnehmerInnen siehe Brinkmann, Ulrich et. al. (Hg.): Strategic Unionism: Aus der Krise zur Erneuerung. Umrisse eines Forschungsprogramms, Wiesbaden 2008; sowie Silver, Beverly J.: Forces of labor. Arbeiterbewegung und Globalisierung seit 1870, Berlin/Hamburg 2005; Wright, Eric Olin: Working class power. Capitalised class interests and class compromize, in: American Journal of Sociology, 105 (4), 957-1002. 2000; Becksteiner, Mario/Boos, Tobias/ Pire, Ako (2009): Doppelkrise der Gewerkschaft,  in: Perspektiven Nr. 8, http://www.perspektiven-online.at/?p=483 am 22.10.2009.</p>
<p><a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> http://www.28maerz.at/</p>
<p><a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> Kollektiv Kindergartenaufstand: Flyer zum Vernetzungstreffen am 28.05.2009</p>
<p><a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> F&#252;r weitere Informationen zu den Demo und den B&#252;ndnispartnern siehe http://kindergartenaufstand.at/index.php?option=com_content&#038;view=category&#038;layout=blog&#038;id=8&#038;Itemid=9</p>
<p><a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> KIV: Konsequente Interessensvertretung, http://kivblog.blogspot.com/</p>
<p><a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> www.gpa-djp.at/social</p>
<p><a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> â€žDie Demonstration des Kollektivs bezeichnete der Chef der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, Christian Meidlinger (Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter, FSG), gegen&#252;ber der Tageszeitung &#214;sterreich als â€žnicht von uns gedecktâ€œ. F&#252;r ihn ist die Vorgehensweise des Kollektivs â€žfalschâ€œ. Meidlinger klingt ver&#228;rgert, wenn er &#252;ber den Kindergartenaufstand spricht. â€žUns &#252;ber die Medien auszurichten, dass sie jetzt streiken, ist nicht sinnvollâ€œ, sagt er. Auch wenn die Kinderg&#228;rtnerinnen bislang freilich nur demonstriert und nicht gestreikt haben. Die Gewerkschaft bem&#252;he sich sehr wohl, Verbesserungen zu erreichen, aber â€žmit Verhandlungen, nicht mit Streiksâ€œ. Siehe http://www.datum.at/0909/stories/auf-zum-letzten-gefecht/</p>
<p><a title="anm41" name="anm41" href="#anm_41">41</a> http://www.focus.de/panorama/vermischtes/kita-streik-massenhafte-kita-streiks-in-sechs-bundeslaendern_aid_410336.html</p>
<p><a title="anm42" name="anm42" href="#anm_42">42</a> http://www.gdg.at/servlet/ContentServer?pagename=C01/Page/Index&#038;n=C01_0.a&#038;cid=1260990022818 am 31.12.09</p>
<p><a title="anm43" name="anm43" href="#anm_43">43</a> Siehe Kommentar zur FP&#214;-Kindergartenmisere: http://www.kindergartenaufstand.at/index.php?option=com_content&#038;view=category&#038;layout=blog&#038;id=6&#038;Itemid=7</p>
<p><a title="anm44" name="anm44" href="#anm_44">44</a> â€žDie Au&#223;enwelt, die allgemeinen Verh&#228;ltnisse zu ver&#228;ndern, hei&#223;t sich selbst zu potenzieren, sich selbst zu entwickeln.â€œ Gramsci 1994, a.a.O., S. 1341f.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2010/08/26/aufstand-ist-kein-kinderspiel/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Perspektiven Nr. 10 (Winter 2010) erschienen!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/perspektiven-nr-10-fruehling-2010-erschienen/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/perspektiven-nr-10-fruehling-2010-erschienen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 15:09:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsproteste]]></category>
		<category><![CDATA[Eliten]]></category>
		<category><![CDATA[Kindergartenaufstand]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>
		<category><![CDATA[UniversitÃ¤t]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=755</guid>
		<description><![CDATA[Schwerpunkt: K&#228;mpfe um Bildung

Die neue Ausgabe von Perspektiven ist da!

Im Schwerpunkt:
 Maria Asenbaum, Katharina Hajek, Michael Botka und Ako Pire sammeln Erfahrungen und Reflexionen der unibrennt-AktivistInnen &#8211; Stipe Curkovic &#252;ber neue Formen der Demokratie in den besetzten Universit&#228;ten Kroatiens &#8211; Stefan Probst, Franziska M&#252;ller-Uri, Julia Hofmann und Isabella Schlehaider zum Begriff der freien Bildung als â€žregulative Utopieâ€œ &#8211; Roland Atzm&#252;ller [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Schwerpunkt: K&#228;mpfe um Bildung</h3>
<p style="text-align: center;"><a></a></p>
<p><a><strong>Die neue Ausgabe von Perspektiven ist da!</strong></a></p>
<p><strong><a href="http://www.perspektiven-online.at/?cat=53"><img class="alignleft size-medium wp-image-756" title="coverp10" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2010/02/coverp10-222x300.jpg" alt="coverp10" width="222" height="300" /></a></strong></p>
<p>Im Schwerpunkt:</p>
<p><a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=750" target="_self"> Maria Asenbaum, Katharina Hajek, Michael Botka und Ako Pire sammeln Erfahrungen und Reflexionen der unibrennt-AktivistInnen</a> &#8211; Stipe Curkovic &#252;ber neue Formen der Demokratie in den besetzten Universit&#228;ten Kroatiens &#8211; <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=783">Stefan Probst, Franziska M&#252;ller-Uri, Julia Hofmann und Isabella Schlehaider zum Begriff der freien Bildung als â€žregulative Utopieâ€œ</a> &#8211; Roland Atzm&#252;ller &#252;ber die P&#228;dagogisierung von Arbeitsverh&#228;ltnissen und die Neoliberalisierung der Bildung &#8211; Michael Hartmann im Interview zu Bildung und Elitenreproduktion in Europa &#8211; Elisabeth Steinklammer, Kristina Botka, Barbara Tinhofer und Gloria Fleischmann &#252;ber das Kollektiv Kindergartenaufstand</p>
<p>Au&#223;erhalb des Schwerkpunkts:</p>
<p>Andreas Fink zur erfolgreichen Besetzung der INNSE-Fabrik in Mailand &#8211; Die Goldenen Zitronen im Interview &#252;ber politische Popmusik und die bayrische R&#228;terepublik &#8211; Philipp Probst &#252;ber Chris Harmans letztes Buch &#8211; Rezensionen und Rosinenpicken</p>
<p>Hier gibt es das <a href="http://www.perspektiven-online.at/?p=747" target="_self">Editorial </a>zu lesen.  Bestellt Perspektiven Nr. 10 <a href="mailto:kontakt@perspektiven-online.at">hier</a>, kauft sie <a href="http://www.perspektiven-online.at/?page_id=7">da</a> oder g&#246;nnt euch gleich ein <a href="http://www.perspektiven-online.at/?page_id=8" target="_self">Abo</a>!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/perspektiven-nr-10-fruehling-2010-erschienen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Editorial</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/editorial-8/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/editorial-8/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Feb 2010 14:44:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr.10]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Bildungsproteste]]></category>
		<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Eliten]]></category>
		<category><![CDATA[Kindergartenaufstand]]></category>
		<category><![CDATA[unibrennt]]></category>
		<category><![CDATA[UniversitÃ¤t]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=747</guid>
		<description><![CDATA[Ihr haltet in H&#228;nden, man glaubt es kaum, Perspektiven Nr. 10, in Worten: Zehn. Als wir im Fr&#252;hling 2006 die â€žNullnummerâ€œ ver&#246;ffentlichten, hatte das Magazin 48 Seiten, einen Schwerpunkt (â€žEurop&#228;ische Unionâ€œ), den wir verga&#223;en, auf das Cover zu schreiben, und ein ambitioniertes Editorial, das erkl&#228;rte, dass wir einen Beitrag leisten wollen, um â€žeine lebendige Opposition und echte politische Alternativen zu entwickeln.â€œ Knapp vier Jahre sp&#228;ter z&#228;hlt Perspektiven Nr. 10 72 Seiten, tr&#228;gt seinen hochaktuellen Themenschwerpunkt stolz auf der golden glitzernden Titelseite â€“ und hat an Ambition nichts verloren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">Ihr haltet in H&#228;nden, man glaubt es kaum, <em>Perspektiven </em>Nr. 10, in Worten: Zehn. Als wir im Fr&#252;hling 2006 die â€žNullnummerâ€œ ver&#246;ffentlichten, hatte das Magazin 48 Seiten, einen Schwerpunkt (â€žEurop&#228;ische Unionâ€œ), den wir verga&#223;en, auf das Cover zu schreiben, und ein ambitioniertes Editorial, das erkl&#228;rte, dass wir einen Beitrag leisten wollen, um â€žeine lebendige Opposition und echte politische Alternativen zu entwickeln.â€œ Knapp vier Jahre sp&#228;ter z&#228;hlt <em>Perspektiven </em>Nr. 10 72 Seiten, tr&#228;gt seinen hochaktuellen Themenschwerpunkt stolz auf der golden glitzernden Titelseite â€“ und hat an Ambition nichts verloren. <span id="more-747"></span> F&#252;r letzteres ist vor allem die Tatsache verantwortlich, dass wir seit Herbst 2009 Teil einer Bewegung sind, die wir zwar lange erhofft, aber alles andere als erwartet hatten. Die bildungspolitischen Proteste, die rund um die Besetzung des Wiener Audimax unter dem Schlachtruf â€žUni brenntâ€œ entfacht wurden, waren in den letzten Monaten unser zentrales Bet&#228;tigungsfeld, und werden es wohl auch auf absehbare Zeit bleiben. Mit ihnen hat sich ein neuer politischer Resonanzraum f&#252;r die Linke in &#214;sterreich ge&#246;ffnet, in dem solidarische Auseinandersetzungen um eine bessere und gerechtere Bildungspolitik gef&#252;hrt werden. Sie erm&#246;glichen aber auch, ausgehend von den K&#228;mpfen um Bildung, weiterf&#252;hrende politische Debatten anzusto&#223;en: &#252;ber M&#246;glichkeiten autonomer, demokratischer Lehr- und Lernprozesse, &#252;ber den Zusammenhang von prekarisierten Arbeitsverh&#228;ltnissen und dem marktkonformen Umbau der Hochschulen, oder &#252;ber Grenzen von und Alternativen zu b&#252;rgerlicher Demokratie. Diese Fragen werden entscheidend sein f&#252;r jene langfristige Perspektive, die wir â€“ wie zur Zeit unserer Gr&#252;ndung vor vier Jahren â€“ als weiterhin zentral erachten: den Aufbau einer neuen, breit aufgestellten und gesellschaftlich relevanten Linken.</p>
<p class="MsoNormal">Dies waren die &#220;berlegungen, die uns bei der Zusammenstellung des vorliegenden Heftschwerpunkts geleitet haben. Er wurde gestaltet und geschrieben von AktivistInnen der Bewegung, um die K&#228;mpfe um Bildung in ihrer Breite und Dynamik darzustellen sowie sie in grundlegende politische Debatten einzubetten.</p>
<p class="MsoNormal">Der erste Artikel von <em>Maria Asenbaum</em>, <em>Katharina Hajek</em>, <em>Michael Botka</em> und <em>Ako Pire</em> basiert auf einer Vielzahl von Interviews, die sie w&#228;hrend der Audimax-Besetzung mit verschiedenen AktivistInnen gef&#252;hrt haben. In der Zusammenf&#252;hrung der unterschiedlichen Selbstverst&#228;ndnisse, strategischen Einsch&#228;tzungen und vor allem der vielf&#228;ltigen Erfahrungen, machen sie die inspirierende Dynamik der Besetzung nachvollziehbar, ohne die Widerspr&#252;che und Konflikte in der Bewegung zu unterschlagen. <em>Stipe &#196;†urkovi&#196;‡</em> aus Zagreb berichtet &#252;ber die im deutschsprachigen Raum wenig beachtete Bewegung f&#252;r freie Bildung, die im Jahr 2009 Kroatien erfasste. Er stellt dabei den Begriff der Demokratie ins Zentrum seiner Darstellung: jene b&#252;rgerliche Demokratie, die sich in einge&#252;bten Ritualen und Sonntagsreden ersch&#246;pft, aber auch die Formen direkter und partizipativer Demokratie, die in den besetzen Universit&#228;ten entstanden sind. Die von Protestierenden allerortens aufgestellte Forderung nach â€žfreier und selbstbestimmter Bildungâ€œ nehmen <em>Stefan Probst</em>, <em>Franziska M&#252;ller-Uri</em>, <em>Julia Hofmann</em> und <em>Isabella Schlehaider</em> zum Anlass, dar&#252;ber nachzudenken, wie demokratisches Lernen und Lehren aussehen k&#246;nnte. Sie entwickeln eine Vorstellung von Bildung als â€žProzess gegenseitiger Bef&#228;higungâ€œ, die als â€žregulative Utopieâ€œ funktionieren k&#246;nnte. Die Kritik an der â€ž&#214;konomisierungâ€œ der Bildung wird von <em>Roland Atzm&#252;ller</em> analytisch unterf&#252;ttert, indem er zeigt, wie im postfordistischen Staat insbesondere Hochschulen entsprechend den Anforderungen der neoliberalen Arbeitsverh&#228;ltnisse restrukturiert werden. Den Soziologen <em>Michael Hartmann</em> befragten wir nach seinen Forschungsergebnissen zur Rolle von Bildungsinstitutionen f&#252;r die (Re-)Produktion der europ&#228;ischen Eliten. Und schlie&#223;lich verkn&#252;pfen<em> Elisabeth Steinklammer</em>, <em>Kristina Botka</em>, <em>Barbara Tinhofer</em> und <em>Gloria Fleischmann</em> vom <em>Kollektiv Kindergartenaufstand</em> einen Bericht &#252;ber ihre Organisierungs- und Kampferfahrungen als Kindergartenp&#228;dagoginnen mit einer kritischen Analyse der Bildungsinstitution Kindergarten als Ort der Hegemonieproduktion.</p>
<p class="MsoNormal">Auch au&#223;erhalb des Schwerpunkts geht es k&#228;mpferisch zu, in <em>Andreas Finks</em> Analyse der erfolgreichen Besetzung der Mail&#228;nder INNSE-Fabrik durch deren Belegschaft. Und <em>Daniel Fuchs</em> und <em>Benjamin Opratko</em> unterhielten sich mit <em>Schorsch Kamerun</em> und <em>Ted Gaier</em> von den grandiosen <em>Goldenen Zitronen</em> und landeten dabei unerwartet bei der bayrischen R&#228;terepublik.</p>
<p class="MsoNormal">Die Rezensionsabteilung wird diesmal von <em>Philipp Probst</em> er&#246;ffnet, der &#8220;Zombie Capitalism&#8221;, das letzte Buch von <em>Chris Harman</em>, bespricht. Der marxistische Historiker, Berufsrevolution&#228;r im besten Sinne des Wortes, ist im November v&#246;llig unerwartet an einem Herzinfarkt verstorbenen.</p>
<p class="MsoNormal">Wir w&#252;nschen euch jedenfalls anregende Lekt&#252;re; im besten Falle soll sie motivieren, euch in die Vorbereitung zu den Protesten gegen die Feierlichkeiten zum zehnj&#228;hrigen Jubil&#228;um des Bologna-Prozess einzuklinken. N&#228;here Infos dazu gibt es auf Seite 21 und unter <a href="http://www.bolognaburns.org" target="_blank">www.bolognaburns.org</a>.</p>
<p class="MsoNormal">In diesem Sinne: lasst tausend Unis brennen!</p>
<p class="MsoNormal">Eure Perspektiven-Redaktion</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2010/02/10/editorial-8/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

