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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Israel</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Die Rolle internationaler AktivistInnen im Nahostkonflikt</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 15:40:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Naher und Mittlerer Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Bewegungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir empfehlen den Vortrag und die Diskussion mit den ISM-AktivistInnen Bridget Chappell (Canberra/Austrialien) und Ryan Olander (Minnesota/USA)

Seit bald 10 Jahren gibt es f&#252;r internationale AktivistInnen durch das International Solidarity Movement die M&#246;glichkeit, sich am zivilen, gewaltfreien Widerstand von pal&#228;stinensischen Gemeinden in den besetzten Gebieten zu beteiligen. Gemeinsam mit israelischen Solidarit&#228;tsaktivistInnen sind die AktivistInnen des ISM ein wichtiger Teil des gemeinsamen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir empfehlen den Vortrag und die Diskussion mit den ISM-AktivistInnen Bridget Chappell (Canberra/Austrialien) und Ryan Olander (Minnesota/USA)<br />
<span id="more-1467"></span><br />
Seit bald 10 Jahren gibt es f&#252;r internationale AktivistInnen durch das International Solidarity Movement die M&#246;glichkeit, sich am zivilen, gewaltfreien Widerstand von pal&#228;stinensischen Gemeinden in den besetzten Gebieten zu beteiligen. Gemeinsam mit israelischen Solidarit&#228;tsaktivistInnen sind die AktivistInnen des ISM ein wichtiger Teil des gemeinsamen Widerstands gegen die israelische Besatzung und schaffen zugleich Alternativen zu den altbekannten Fronten des Konflikts.</p>
<p>Die beiden ISM-AktivistInnen Bridget Chappell (Canberra/Australien) und Ryan Olander (Minnesota/USA) werden von ihren Erfahrungen als internationale AktivistInnen berichten und Perspektiven des gemeinsamen pal&#228;stinensisch-israelisch-internationalen Widerstands diskutieren.</p>
<p>Montag, 26.Juli 2010<br />
19:00 Uhr<br />
Amerlinghaus, Stiftg. 8, 1070 Wien<br />
mitveranstaltet von grundrisse: zeitschrift f&#252;r linke theorie &amp; debatte</p>
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		<title>„Das sind die Verdammten dieser Erde!“</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Feb 2009 11:08:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 7]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Naher und Mittlerer Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Ramin Taghian</em> und <em>Benjamin Opratko</em> sprachen mit dem Historiker <em>Roger Heacock</em> &#252;ber Israels j&#252;ngsten Krieg gegen Gaza, die Rolle der Hamas und die politischen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in den pal&#228;stinensischen Gebieten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ramin Taghian</em> und <em>Benjamin Opratko</em> sprachen mit dem Historiker <em>Roger Heacock</em> &#252;ber Israels j&#252;ngsten Krieg gegen Gaza, die Rolle der Hamas und die politischen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in den pal&#228;stinensischen Gebieten.<br />
<span id="more-284"></span><br />
<em>Wir haben in den letzten Wochen im Gazastreifen die gr&#246;&#223;ten Angriffe auf die Pal&#228;stinenserInnen seit 1967 gesehen. Warum hat sich die israelische Regierung Ihrer Meinung nach gerade jetzt daf&#252;r entschieden? Und weshalb in dieser Heftigkeit, mit einer so massiven milit&#228;rische Operation?</em></p>
<p>Da w&#252;rde ich die klassischen Antworten geben: erstens ist es eine Art Rache f&#252;r den misslungenen Angriff auf den Libanon 2006. Die israelische Regierung will beweisen, dass sie trotzdem noch die M&#246;glichkeit hat, sich durchzusetzen. Zweitens stehen in Israel Wahlen an, und deshalb muss die Regierung sagen k&#246;nnen, wir haben es wirklich geschafft, wir haben uns durchgesetzt – obwohl das, angesichts der gro&#223;en Zerst&#246;rungen, gar nicht so sehr der Fall ist. Und drittens hat es, glaube ich, mit dem Ende der Bush-Regierung zu tun. Sie haben ja gesehen dass die Israelis praktisch zwei Minuten vor dem Machtwechsel in Washington abgezogen sind. Insgesamt glaube ich, dass die Israelis jede Form von pal&#228;stinensischem Widerstand, sei er traditionell nationalistisch oder islamistisch, zerst&#246;ren wollen.</p>
<p><em>Von Seiten Israels werden die Angriffe auch von einer gro&#223;en medialen Kampagne begleitet, um die Hamas f&#252;r die K&#228;mpfe verantwortlich zu machen. Welche Rolle spielen etwa die von Hamas-K&#228;mpfern abgeschossenen Qassam-Raketen tats&#228;chlich?</em></p>
<p>Sagen wir, der Widerstand insgesamt spielt eine Rolle. Im Westjordanland hat die israelische Regierung eine Beh&#246;rde (die von der Fatah kontrollierte Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde, Anm. d. Red.), die f&#252;r sie Polizei-Aufgaben durchf&#252;hrt. Aber die Hamas-Regierung, die nur noch in Gaza t&#228;tig ist, tut das nicht. Das ist der wesentliche Punkt, denke ich. Es ist eine einfache Sache: Wenn man Kolonien hat, will man keinen Widerstand sehen. Ob der Widerstand mit Qassam-Raketen oder anderen Mitteln geleistet wird, ist eigentlich egal. Andererseits, wenn es keine Qassam-Raketen gegeben h&#228;tte, h&#228;tte Israel es vielleicht nicht f&#252;r notwendig befunden, so heftig milit&#228;risch durchzugreifen – sie h&#228;tten einfach die Hunger-Blockade aufrecht gehalten. Aber wir wissen auch, dass es einen Waffenstillstand gegeben hat und dass dieser von der israelischen Seite gebrochen wurde, als Anfang Oktober sechs Menschen vom israelischen Milit&#228;r get&#246;tet wurden. Insofern kann man sich denken, dass die Qassam-Raketen auch ein guter Vorwand f&#252;r Israel waren.</p>
<p><em>Ein zentrales Argument der israelischen Seite ist, dass man den Pal&#228;stinenserInnen gro&#223;e Zugest&#228;ndnisse gemacht h&#228;tte, indem die israelische Armee aus dem Gazastreifen abgezogen ist und die Siedlungen ger&#228;umt wurden. Was hatte es ihrer Meinung nach mit dem Abzug im Sommer 2005 auf sich?</em></p>
<p>Wo sind die Siedlungen denn ger&#228;umt? Sie wurden aus dem Gazastreifen abgezogen, nur um sie sofort in die West Bank zu transferieren, wo es zur Gr&#252;ndung vieler neuer Siedlungen kam. F&#252;r die Israelis war das Westjordanland immer das wichtigste, dort liegt das Zentrum der Siedlungs- und Kolonisationspolitik. Der Gazastreifen war sozusagen ein Nebenschauplatz. Sie kontrollieren noch immer die Luft und das Meer, die Grenzen, die Ein- und Ausreise von Menschen und den G&#252;terverkehr. Deswegen haben die Israelis sich dort nur aus einer komplizierten Lage befreit, denn es war schwierig, dort zu bleiben: Es gab ja einen Widerstand, der bis zum Abzug 2005 ziemlich effektiv war.</p>
<p><em>Aber meist wird der Abzug ja als Zugest&#228;ndnis gewertet.</em></p>
<p>Ja, nat&#252;rlich. Aber die israelischen Regierungen haben immer davon gesprochen, dass sie Gaza loswerden wollen. Yitzhak Rabin hat einmal gesagt: „Meinetwegen k&#246;nnte Gaza im Meer versinken”. Denn sie haben es mit eineinhalb Millionen Menschen zu tun, von denen 1,2 Millionen Fl&#252;chtlinge sind. Das sind die „Verdammten dieser Erde”, und die wollen sie loswerden. Sie h&#228;tten gerne, dass die &#196;gypter das &#252;bernehmen, aber ich glaube nicht, dass das funktionieren kann. Denn die &#228;gyptischen, ebenso wie die jordanischen, die saudischen und andere Herrscher f&#252;rchten sich vor dieser “pal&#228;stinensischen Revolution“, die ihre Regimes zu st&#252;rzen droht.</p>
<p><em>Die Hamas wird meist als terroristische Organisation dargestellt, die vor allem durch religi&#246;sen Eifer und Antisemitismus motiviert ist; israelische Medien haben vom Gazastreifen als „Hamastan“ gesprochen. Welche Aspekte fallen in dieser Betrachtung der Hamas Ihrer Meinung nach aus dem Bild?</em></p>
<p>Nun, man muss die historischen Ereignisse analysieren und was seit der Gr&#252;ndung der Hamas im Jahre 1987, Anfang 1988 passiert ist. Sie standen damals in Konkurrenz mit der Fatah, mit dem Islamischen Djihad und anderen und hoben sich von diesen durch ihren Pietismus ab. Hamas ist ein Ableger der Muslimbruderschaft, und die Muslimbr&#252;der in Pal&#228;stina vor 20 Jahren waren pietistisch eingestellt: Die Familien m&#252;ssten sich &#228;ndern, mehr beten und sich als gute Muslime verhalten. Bis im Dezember 1987 die Intifada ausbrach, hatten sie die Entwicklungen v&#246;llig verschlafen. Dann jedoch haben sie sofort den „milit&#228;rischen Fl&#252;gel“ gegr&#252;ndet. Auf diese Zeit trifft zu, was sie sagen, damals war die Bewegung sehr radikal. Doch in den letzten f&#252;nf Jahren, seit dem Tod Arafats – und eigentlich schon seit 2000 – hat sich die Lage rasch ge&#228;ndert. Das kann an den Texten der Hamas abgelesen werden. Man muss diese Texte lesen, wie man &#252;berhaupt jede politische Bewegung anthropologisch studieren muss. Es gen&#252;gt auch nicht, zu sagen: die &#214;VP ist christlich, also kann man die Bibel lesen, um zu verstehen, wie die &#214;VP funktioniert. Man kann auch nicht das Kommunistische Manifest lesen, um zu verstehen, was die SP&#214; will. &#196;hnlich verh&#228;lt es sich mit der Hamas. Und wenn man ihre aufeinander folgenden Wahlprogramme bei den Lokalwahlen 2005 und den Parlamentswahlen 2006 liest und analysiert, dann sieht man, dass sich sehr viel ge&#228;ndert hat. Die Hamas ist jetzt ein Teil des nationalen Konsenses, der besagt, dass es Frieden geben wird, wenn die israelische Besatzung von 1967 aufgehoben wird. In den Jahren 2005, 2006 hat die Hamas nicht von der Zerst&#246;rung Israels gesprochen oder antisemitisch agitiert. Eine generelle Antwort ist also: Man kann eine politische Bewegung nicht allein aufgrund ihrer Urspr&#252;nge beurteilen. Nat&#252;rlich gibt es eine Beziehung zu den Wurzeln, aber man muss sie, auch im Fall der Hamas, in ein Verh&#228;ltnis zu den Ver&#228;nderungen und ihrer Politik <em>on the ground</em> setzen.</p>
<p><em>Oft wird die Hamas-Charta als Nachweis f&#252;r den antisemitischen Charakter der Bewegung herangezogen. Welche Rolle spielt diese Charta heute f&#252;r die Hamas? Hat sie realpolitische Bedeutung?</em></p>
<p>Ich denke, sie spielt kaum eine Rolle mehr. Was eine Rolle spielt, ist diese Realit&#228;t, dass die Hamas die H&#228;lfte der Menschen in Pal&#228;stina repr&#228;sentiert, &#252;brigens genauso wie die Islamisten im &#252;brigen Nahen Osten die H&#228;lfte der Bev&#246;lkerungen repr&#228;sentieren, und das muss man akzeptieren. Es gibt ja Modelle f&#252;r solche Konstellationen, ich w&#252;rde insbesondere das t&#252;rkische Modell nennen. Und wir werden sehen, was im Libanon passiert, wo es im Juni Wahlen geben wird. Ich w&#252;rde wetten, dass es auch hier zu einem neuen Modell des Zusammenlebens zwischen religi&#246;sen und s&#228;kularen Kr&#228;ften kommen wird. Obwohl das nat&#252;rlich auch davon abh&#228;ngt, wer sich in diesen Prozess einmischen wird. Aber ich habe wirklich den Eindruck – obwohl ich Pr&#228;sident Obama nicht verherrlichen will – dass die neue amerikanische Regierung bereit ist, etwas neues auszuprobieren, die Realit&#228;ten in Betracht zu ziehen und sie nicht mit Gewalt ver&#228;ndern zu wollen.</p>
<p><em>In der Geschichte der pal&#228;stinensischen Nationalbewegung war eine gro&#223;e Z&#228;sur die Intifada 1987, zu der Sie selbst ja viel gearbeitet haben.<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a> Die Entwicklung von der ersten zur zweiten Intifada 2000 war offenbar gepr&#228;gt von einer politischen Verschiebung hin zum politischen Islam und einer strategischen Verschiebung hin zum milit&#228;rischen Widerstand. Kann man die aktuelle Situation als Kontinuit&#228;t und Vertiefung dieses Prozesses sehen? Und warum ist dieser Prozess eigentlich so einseitig verlaufen – auch auf Kosten von anderen Widerstandsformen, die in der ersten Intifada noch eine gr&#246;&#223;ere Rolle gespielt haben?</em></p>
<p>Ich bin vielleicht nicht zu hundert Prozent mit Ihnen einverstanden, denn es hat im J&#228;nner 2006 doch Wahlen gegeben. Die Hamas wollte regieren, in einer gro&#223;en Koalition mit der Fatah, die sich jedoch geweigert hat, weil sie hoffte – und noch immer hofft – dass sie die Mehrheit wieder zur&#252;ckgewinnen kann. Auch andere Gruppen haben sich geweigert, mit der Hamas zusammenzuarbeiten, da hatte die Hamas mehr oder weniger keine andere Wahl. Es gibt Leute, die sagen, sie h&#228;tte nur ihre Sitze im Parlament behalten, aber andere regieren lassen sollen. Doch das funktioniert in diesen neuen Demokratien nicht sehr gut, denn der Pr&#228;sident kann das Parlament per Dekret von einem Tag auf den anderen aufl&#246;sen: Ausnahmezustand! Sie war also in einer schwierigen Lage.</p>
<p>Ich behaupte ja, die erste Intifada war die „Intifada der Steine”; die zweite war sehr gewaltsam; und die dritte Intifada, das waren die Parlamentswahlen 2006. Man wird sehen, welche Form die vierte annimmt. Ich habe damit Ihre Frage nicht beantwortet, aber ich m&#246;chte andeuten, dass es eine andere Interpretation gibt: Dass die Israelis immer wieder die Pal&#228;stinenser dazu zwingen, sich zu wehren. Nach der ersten Intifada, in der Phase von 1994 bis 1999, h&#228;tten die Pal&#228;stinenser einem Staat bekommen sollen, aber es ist nichts passiert, nur weitere Kolonisierungen. Also waren sie auf eine Weise gezwungen, sich wieder zu wehren, obwohl es nat&#252;rlich nicht unvermeidlich war, dass sie Selbstmordattentate durchf&#252;hrten. Ich selbst war damals in Ramallah und wir wurden bombardiert, von F-16 und Apache-Hubschraubern. Ich meine, was ist die richtige Antwort darauf?</p>
<p><em>Was ist eigentich mit der pal&#228;stinensischen Linken passiert?</em></p>
<p>(Lacht) Tot! Sie wurde kooptiert!</p>
<p><em>Sprechen sie von der traditionellen Linken, wie der PFLP?</em></p>
<p>Ja, und jetzt gerade sagt die PFLP, nachdem sie zu allem eingewilligt haben, was andere Organisationen von ihnen verlangt haben, dass sie den Waffenstillstand nicht akzeptiert. Damit wollen sie zeigen, dass sie noch da sind, aber das ist ein Mythos. Diese so genannten linken Bewegungen existieren nicht mehr als kritische Bewegungen – obwohl sie noch vorhanden sind, die PFLP bekommt drei, vier, f&#252;nf Prozent der Stimmen, was nicht unbedeutend ist.</p>
<p><em>Was ist mit anderen kritischen Str&#246;mungen passiert, wie jener rund um Mustafa Barghouti? Er hat schlie&#223;lich bei den Pr&#228;sidentschaftswahlen 2005 noch fast zwanzig Prozent erhalten, und jetzt h&#246;rt man kaum mehr von ihm.</em></p>
<p>Nach den Pr&#228;sidentschaftswahlen und den zwanzig Prozent f&#252;r Mustafa Barghouti hat es eine starke Polarisierung zwischen Hamas und Fatah gegeben. Und viele Leute, die vorher f&#252;r Mustafa gestimmt haben, haben bei den Parlamentswahlen Hamas gew&#228;hlt, obwohl sie keine Hamas-Anh&#228;nger waren. Aber sie wollten die Fatah abw&#228;hlen. Mustafa Barghouti selbst ist eine echte Oppositionsfigur, aber was er repr&#228;sentiert ist eine andere Frage. Seine Bewegung, die Nationalinitiative, ist winzig. Aber er hat sich auch nie kaufen lassen.</p>
<p><em>Gibt es solche Figuren auch noch am linken Fl&#252;gel der Fatah? Ich denke etwa an Hanan Ashrawi, die sich w&#228;hrend des Konflikts wieder &#246;fters zu Wort gemeldet hat.</em></p>
<p>Hanan Ashrawi ist kritisch, aber nicht sehr kritisch, denn sie hasst die Hamas und sie wird es zwar niemals sagen , aber ihr ist es recht, wenn sich die Lage f&#252;r die Hamas verschlimmert. Aber Marwan Barghouti, der in Israel im Gef&#228;ngnis sitzt, ist ein populistischer, eher links gerichteter Fatah-F&#252;hrer, in den man noch immer Hoffnungen setzen muss. Man wird sehen was passiert, wenn sie ihn raus lassen.</p>
<p><em>Wie wirkt sich der aktuelle Konflikt auf die politische Situation in anderen L&#228;ndern des Nahen Ostens aus? In &#196;gypten etwa richten sich die Proteste einerseits gegen Israel, aber gleichzeitig auch gegen die eigene Regierung…</em></p>
<p>Der Konflikt ist f&#252;r diese diktatorischen, korrupten, alten, m&#252;den Regimes explosiv. Wenn sich die Hamas durchsetzen k&#246;nnte, w&#228;re es vielleicht das Ende f&#252;r sie – zumindest f&#252;rchten sie sich davor.</p>
<p><em>Was w&#252;rde das bedeuten, wenn es zu einem politischen Wechsel oder einem Bruch in &#196;gypten kommen w&#252;rde?</em></p>
<p>Also erst einmal w&#228;re es etwas ganz Gutes nicht nur f&#252;r die Pal&#228;stinenser, sondern vor allem f&#252;r die &#196;gypter! Aber das wird die Regierung niemals zulassen. Bis jetzt haben sie die Lage ziemlich fest im Griff.</p>
<p><em>Was sind Ihrer Meinung nach die mittelfristigen Konsequenzen dieses Krieges? Wer wird profitieren?</em></p>
<p>Die ehrliche Antwort ist nat&#252;rlich: Man wei&#223; es noch nicht. Aber alle sind sich einig, dass Abu Mazen (Pr&#228;sident Mahmud Abbas, Anm. d. Red.) und die Autonomiebeh&#246;rde diskreditiert sind. Zur Hamas gibt es unterschiedliche Meinungen. Israel will es der Hamas unm&#246;glich machen, ihre Infrastruktur wieder aufzubauen – wir werden sehen, was das bedeutet. Ich glaube, dass es unm&#246;glich sein wird, die Hamas im Gazastreifen auszuschalten. Das ist einmal mehr eine Fehleinsch&#228;tzung der Israelis. Die Hamas wird also weiterhin existieren, und sie beh&#228;lt einige Tr&#252;mpfe in der Hand. Sie dr&#228;ngt nun auf die Bildung einer neuen Einheitsregierung, die die Pal&#228;stinenser ohnehin immer gewollt haben und die auch f&#252;r drei Monate existiert hatte. Das k&#246;nnte der n&#228;chste Schritt auf lokaler Ebene sein. Regional und global, glaube ich, dass wir auf Obama und seine Schritte warten m&#252;ssen. Was er sicher verstanden hat, ist, dass er sich auf die eine oder andere Weise damit besch&#228;ftigen muss. Nicht wie Clinton, der wegen seines Skandals bis zum Ende seiner Amtszeit warten musste, und nicht wie Bush, der gar nichts gemacht hat. So habe ich auch interpretiert, was Obama in seiner Rede zur Amtseinf&#252;hrung gesagt hat, als er sich zur muslimischen Welt gewandt hat. Aber ich bin immer ein Optimist, und dann stellt sich immer heraus, dass das utopisch war.</p>
<p><em>Sie kritisieren in Ihrer Arbeit als Historiker oft sehr scharf die Staatszentriertheit der Geschichtswissenschaft. Welche Bedeutung hat die Staatszentriertheit f&#252;r den pal&#228;stinensisch-israelischen Konflikt bzw. f&#252;r die pal&#228;stinensische Bewegung? Welche Handlungsnotwendigkeiten ergeben sich daraus f&#252;r eine L&#246;sung eines solchen nationalen Konflikts?</em></p>
<p>Das ist eine sehr gute Frage, auf die ich keine echte Antwort habe. Ich dr&#228;nge darauf, postnational zu denken und zu agieren. Aber das bedeutet nicht, dass man die Kolonisierung ruhig weiter gehen lassen darf. Man muss sich gegen die Kolonisierung und die Besatzung wehren. Im Namen eines pal&#228;stinensischen Staates? Das wei&#223; ich nicht. Ich habe den Eindruck, dass, wenn es einmal zu einem Abkommen kommen sollte, dieses zun&#228;chst in dieser staatlichen Form unterschrieben werden m&#252;sste, und dann k&#246;nnte es zu einer gr&#246;&#223;eren Integrierung in der Region kommen. Aber Israel m&#252;sste sich dazu v&#246;llig &#228;ndern, von innen heraus, und das ist bis jetzt nicht in Sicht.</p>
<p><em>Danke f&#252;r das Interview!</em></p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> Nassar, Jamal R./Heacock, Roger (Hg.): Intifada. Palestine at the<br />
Crossroads, Westport: Greenwood 1990</p>
<p><em>Roger Heacock</em> ist Professor f&#252;r Geschichte an der Universit&#228;t Birzeit in Ramallah, Westjordanland, und hatte im Wintersemester 2008/09 eine Gastprofessur an der Universit&#228;t Wien inne.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Von W&#246;lfen, Pelzen und abwesenden „root causes“</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2009/02/07/von-woelfen-pelzen-und-abwesenden-root-causes/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Feb 2009 11:07:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 7]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Naher und Mittlerer Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Bunzl, John und Senfft, Alexandra (Hg.): Zwischen Antisemitismus und Islamophobie. Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost, Hamburg: VSAVerlag 2008, 255 Seiten, € 19,80]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Bunzl, John und Senfft, Alexandra (Hg.): Zwischen Antisemitismus und Islamophobie. Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost, Hamburg: VSAVerlag 2008, 255 Seiten, € 19,80<br />
<span id="more-288"></span><br />
Die Zusammenh&#228;nge und Verwicklungen der beiden Ph&#228;nomene Antisemitsimus und Islamophobie unter Ber&#252;cksichtigung ihrer Verschiedenheit und ihrer unterschiedlichen Ursachen zu beleuchten ist das Ziel des Sammelbandes. Damit aber nicht genug, fokussieren die darin versammelten Beitr&#228;ge – wie der Untertitel bereits verr&#228;t – sowohl auf europ&#228;ische Verh&#228;ltnisse als auch auf jene im Nahen Osten. Nicht gerade wenig also haben sich die HerausgeberInnen vorgenommen, und tats&#228;chlich bietet das Buch vielschichtige Einblicke in zwei der wohl brisantesten und umstrittensten politischen Thematiken der Gegenwart. Dass im Rahmen eines Sammelbandes keine allumfassende Behandlung der „Vorurteile und Projektionen“ zu erwarten ist, wird dabei niemanden verwundern. Positiv f&#228;llt die differenzierte und von identit&#228;tspolitischen Mustern weitgehend freie Auseinandersetzung auf, ist doch dergleichen – selbst unter sich als emanzipatorisch verstehenden Gruppierungen – gegenw&#228;rtig nicht selbstverst&#228;ndlich auf der Tagesordnung.</p>
<p>Der Band geht zur&#252;ck auf eine im Mai 2005 an der Hebrew University in Jerusalem abgehaltene wissenschaftliche Tagung. Dies mag mit ein Grund sein, warum Stimmen aus sozialen Bewegungen nicht zu h&#246;ren und die Problematisierung von Antisemitismus bzw. Islamophobie innerhalb gesellschaftskritischer politischer Initiativen und Bewegungen nur am Rande thematisiert werden. Dies schm&#228;lert zwar nicht den Erkenntnisgewinn, der aus den Beitr&#228;gen des Buches gezogen werden kann, verengt allerdings den Blick auf die Ph&#228;nomene. Sichtbar wird dies beispielsweise, wenn politische AkteurInnen sich weitgehend auf Parteien und EU-Institutionen beschr&#228;nken (wie im Beitrag von Elisabeth K&#252;bler). Auff&#228;llig ist auch, dass – im Gegensatz zum Antisemitismus – ein scharf umrissener Begriff von Islamophobie fehlt. Letztere wird – und dem ist prinzipiell auch zuzustimmen – prim&#228;r vor dem Hintergrund des Kolonialismus verhandelt. Ein etwas genauer auf die Geschichte der Kulturalisierung bzw. das Religi&#246;s-Werden des kolonialistischen und rassistischen Imagin&#228;ren einzugehen, h&#228;tte allerdings nicht geschadet. Daniel Bar-Tals Text „Das Bild der Araber in der israelisch-j&#252;dischen Gesellschaft“ ist zumindest ein Schritt in diese Richtung.</p>
<p>Der Sammelband gliedert sich in zwei Teile: Im ersten werden die europ&#228;ischen Erscheinungsarten von Antisemitismus bzw. Islamophobie behandelt, im zweiten Teil ihre Ausformung in Nahost. Anstatt s&#228;mtliche in „Zwischen Antisemitismus und Islamophobie“ versammelten Beitr&#228;ge kurz zu referieren, m&#246;chte ich lediglich auf einige ausgew&#228;hlte Texte etwas ausf&#252;hrlicher eingehen. Dies soll jedoch die Bedeutung der unerw&#228;hnten Artikel nicht schm&#228;lern, bieten doch auch diese spannende Einsichten in verschiedene Aspekte der Thematik. Zun&#228;chst m&#246;chte ich auf den„europ&#228;ischen Teil“ eingehen.</p>
<p>Brian Klugs Text „Die Sicht auf Israel als ‚Jude der Welt‘“ analysiert scharfsichtig die Strategien, mit der proisraelische Intellektuelle, JournalistInnenen und PolitikerInnen jede Kritik an der Politik des Staates Israel in Antisemitismus umdeuten. Ohne den Antisemitismus als solchen harmlos zu reden, zeigt Klug die Strategien und Muster der Verallgemeinerung auf, mit denen einerseits alle J&#252;dinnen und Juden mit Israel identifiziert werden und die andererseits die Ausgeliefertheit und Machtlosigkeit des milit&#228;risch &#252;berlegenen Staates des Nahen Ostens beschw&#246;ren. Dabei wird nicht nur der Unterschied zwischen (Israel-kritischer) Politik und antisemitischer Projektion, sondern auch jener zwischen europ&#228;ischen und arabischen Antizionismus und Antisemitismus unterschlagen. „Antizionismus“, so Klug, „kann eine Maske f&#252;r Antisemitismus sein“ (83), muss es aber nicht. Bei dieser Unterscheidung geht es jedoch ums Ganze, sonst w&#228;re die Metapher der Maske ebenso sinnlos wie die Figur des „Wolf[s] in einem Wolfspelz“ (ebd.). Zwei „einfache“ Fragen Brian Klugs treffen den Nagel auf den Kopf: „Warum kehren so viele gebildete, intelligente und informierte Menschen […] rationalen Argumenten den R&#252;cken, wenn es um Israel und den israelisch-pal&#228;stinensischen Konflikt geht? Was geschieht mit ihrer F&#228;higkeit zur Kritik?“</p>
<p>&#196;u&#223;erst instruktiv ist auch Paul A. Silversteins Beitrag „Der Zusammenhang von Antisemitismus und Islamophobie in Frankreich“, bietet dieser doch nicht weniger als einen Schnelldurchgang durch die Geschichte des franz&#246;sischen Kolonialismus, dessen postkoloniale Variante sowie den Widerstand dagegen. Der „Krieg gegen den Terror“ begann in Frankreich schon lange vor 9/11 und ist mit der Reduktion von maghrebinischen Zuwanderern und Franz&#246;sInnen aus den ehemaligen Kolonien auf ihre (vermeintliche) Identit&#228;t als Muslime eng verkn&#252;pft. Diese Anrufung zeitigt jedoch auch bei den Angerufenen selbst Wirkung und so sehen viele franz&#246;sischer MaghrebinerInnen „die amerikanische Besetzung von Afghanistan oder des Irak oder auch die Zweite Intifada [auch als] ein Abbild des Kampfes, den sie in ihrem t&#228;glichen Leben f&#252;hren.“ (109) Die fr&#252;he Integration von J&#252;dinnen und Juden in die franz&#246;sische Gesellschaft passt vom Standpunkt der diskriminierten „Beurs“ vortrefflich in das Bild vom „Anderen“. Dies wirkt als Triebkraft f&#252;r antisemitsiche Ideologie. Wenn aber der hegemoniale Diskurs antisemitsiche Aussagen und Angriffe prim&#228;r als „islamistisch“ beschreibt, so wirkt dies doppelt: Zum einen werden rassistische und antisemitische &#220;bergriffe durch „wei&#223;e“ Franz&#246;sInnen aus dem Blickfeld ger&#252;ckt, zum anderen wird vom kolonialen Erbe und dessen antiislamischen Implikationen abgelenkt. Das „der Islam“ als einheitliches Gebilde nicht existiert, zeigt wiederum der – leider etwas zu kurz geratene – Epilog aufs allersch&#246;nste: Hier wird auf die symapthisierenden Beziehungen zwischen moslemischen BerberInnen und Juden bzw. J&#252;dinnen hingewiesen, und so ist Silverstein voll und ganz zuzustimmen, wenn er schreibt: „Unsere Analyse von Antisemitismus und Islamophobie in der heutigen Welt muss diese Orte betrachten, an denen unsere Kategorien der Betrachtung versagen.“ (116)</p>
<p>Im Folgenden m&#246;chte ich auf drei Texte aus dem Nahost-Teil des Buches eingehen. Sowohl Omar Kamils Beitrag „Die arabischen Intellektuellen und der Holocaust“ als auch jener von Michael Rothberg, „Der Holocaust, Kolonialfantasien und der Israel-Pal&#228;stina-Konflikt“, beschreiben das sich wechselseitig beeinflussende Verh&#228;ltnis zwischen der Erinnerung an den Kolonialismus und jener an den Holocaust. Die Auseinandersetzungen arabischer Intellektueller mit dem Holocaust sind nach wie vor beeintr&#228;chtigt bzw. verzerrt durch die Konstruktion einer Konkurrenz des Leidens der AraberInnen im Verh&#228;ltnis zum j&#252;dischen Leiden im Holocaust (vgl. 162). Dies f&#252;hre zu einer Beschr&#228;nkung in der Wahrnehmung historischer Tatsachen: Die Verortung der Ursachen sowohl des Holocausts als auch des Kolonialismus in Europa ist ein wesentlicher Aspekt bei der Erforschung beider. Die ungebrochene Einschreibung der Geschichte Israels in jene des Kolonialismus – ohne R&#252;cksicht auf die Verbindung seiner Gr&#252;ndung mit der Erfahrung des Holocaust – f&#252;hrt jedoch noch immer zu „Wahrnehmungsdefizigen“ unter arabischen Intellektuellen – und dies trotz der verst&#228;rkten Auseinandersetzung arabischer Intellektueller mit dem Holocaust, durch deren Geschichte Kamils Beitrag uns f&#252;hrt.</p>
<p>Michael Rothbergs Beitrag hingegen verweist auf die Verkn&#252;pfung kolonialer Fantasien mit der Erinnerung an den Holocaust in Israel. Er fokussiert – gleichsam als Gegenst&#252;ck zum Text von Kamil –auf „die Existenz apokalyptischer Kolonialfantasien neben der Holocausterinnerung eine enge und beunruhigende Verbindung zwischen europ&#228;ischen und israelischen Subjekten und Landschaften beweist.“ (181) Nach einem an Foucault orientierten Exkurs zur Diskussion um Vergleichbarkeit bzw. Einzigartigkeit des Holocaust in verschiedenen Diskursen wendet sich der Text konkreten Beispielen zu. Hier zeigt sich auch wie nahe der argumentative R&#252;ckgriff auf den Holocaust bei dessen Verharmlosung liegen kann, beispielsweise wenn er f&#252;r wildeste Kolonialfantasien in den Dienst genommen wird: Benni Morris, der ja vor nicht allzulanger Zeit auch in Wien bei einer vorgeblich progressiven Veranstaltung Atombombenabw&#252;rfe auf den Iran empfahl, will in einem Interview mit der israelischen Zeitung Ha´aretz die wilden Tiere (=PalestinenserInnen!) in einen K&#228;fig sperren und rechtfertigt mithin die ethnische S&#228;uberung von 1948. (186 f.) In einem anderen Interview gibt er sich apokalyptischen Fantasien &#252;ber den Ablauf des „zweiten Holocaust“ hin, im Zuge dessen die iranischen Mullahs unter „einem Portrait des st&#228;hlern dreinblickeneden Ajatollah Khomeinei“ die atomare Vernichtung der israelischen Bev&#246;lkerung befehlen werden (189). Unter Bezugnahme auf psychoanalytische Ans&#228;tze betrachtet Rothberg die Verbindungen von Erinnerungen, Fantasien und Identifikationen als Einschreibung europ&#228;ischer kolonialistischer Diskurse in die gegenw&#228;rtige Nahost-Politik: „Statt das Verbrechen des Genozids als Teil einer langen Geschichte von Eroberung und Gewalt gegen andere Nationen, Ethnien und Rassen zu verstehen, werden die Vertreter des Kolonialismus mit den Opfern des Holocausts verglichen und als potenzielle Opfer eines ‚zweiten Holocaust‘ dargestellt.“ (191) So wird letztlich durch den Vergleich eine „‚verletzliche‘ europ&#228;ische“ Position eingenommen“ (ebd.), „(d)er Wettkampf der Erinnerungen entfesselt einen Exzess“. (193) Einen argumentativen Exzess, m&#246;chte ich hinzuf&#252;gen, der in diesen Tagen seine milit&#228;rische Entsprechung im Krieg gegen die Bev&#246;lkerung des Gazastreifens gefunden hat.</p>
<p>Herbert C. Kelmans Reflexionen &#252;ber „Antisemitismus und Zionismus in der Debatte der Pal&#228;stinafrage“ beschliessen den Band. Im R&#252;ckgriff auf die Beitr&#228;ge von John Bunzl und Brian Klug lotet Kelman die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus aus. Ohne auf die – von Kelman auch mit Nachdruck betriebene – Kritik an der Politik Israels zu verzichten gelte es, das Verschwimmen der Grenze hin zum Antisemitismus zu verhindern, wenn zum Beispiel in der UN-Resolution von 1975 Zionismus einfach mit Rassismus gleichgesetzt und somit unter anderem auch die verschiedenen Auspr&#228;gungen des Zionismus unter den Tisch gekehrt werden. Kelman verweist hier auf progressive Zionisten wie Martin Buber oder linkszionischtische Friedensbewegungen.</p>
<p>Wie ich zu zeigen versucht habe, spricht gerade die thematische Breite des Sammelbandes f&#252;r seine Lekt&#252;re. Aber fehlt da nicht was? Sind sowohl Europa als auch der Nahe Osten nicht Klassengesellschaften? Sollten in einem Buch, zu dem – zumindest fr&#252;her – marxistische WissenschaftlerInnen ma&#223;geblich beigetragen haben, Klassenk&#228;mpfe, gesellschaftliche Arbeitsteilung (sowohl zwischen Hand- und Kopfarbeit als auch zwischen den Geschlechtern) zumindest EINE Rolle in der Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Islamophobie spielen? So wichtig die Beforschung kultureller Projektionen, postkoloniale Repr&#228;sentationskritik und die Auseinandersetzung mit politischen (Herrschafts)Institutionen auch ist, wer die sozio&#246;konomischen Bedingungen in ihrer Umk&#228;mpftheit au&#223;er Acht l&#228;sst, l&#246;st das im Vorwort gegebene Verprechen „der Debatte eine solide Grundlage hinzu[zuf&#252;gen]“ (12) nur bedingt ein – zumal sich auch in den hier nicht besprochenen Beitr&#228;gen keiner ernsthaft „die soziale Frage“ stellt. Von einer Auseinandersetzung mit der Hegemonie islamistischer Diskurse infolge des Bedeutungsverlustes des Marxismus im arabischen Raum beispielsweise h&#228;tten die in den diskutierten Texten verhandelten Themen mit Sicherheit profitiert.</p>
<p>Es mag an der Verfasstheit des akademischen Diskurses liegen, aber das, was Mitherausgeber John Bunzl beinahe versch&#228;mt ganz ans Ende seines Beitrages verbannt hat, sollte in k&#252;nftigen kritischen Analysen des Themas wohl am Anfang stehen: Eine Auseinandersetzung mit den „verdammten ‚root causes‘“ (141). Die abschlie&#223;ende Fu&#223;note (!) kl&#228;rt auf: „Gemeint sind regionale und soziale Formen von Ungleichheit und Unterdr&#252;ckung, vor allem aber die koloniale und repressive Politik Israels gegen&#252;ber den Pal&#228;stinensern sowie die Rolle der USA dabei.“ (ebd.) In &#228;lteren Publikationen Bunzls sind diese „root causes“ &#252;brigens durchaus auffindbar. Trotz oder vielmehr wegen dieses doch nicht unwesentlichen Problems ist das Buch zu empfehlen, als Nachweis, dass die Verh&#228;ltnisse so klar und eindeutig nicht sind, wie uns viele glauben machen wollen – und als Mahnung f&#252;r die kritische Wissenschaft: Niemals den Klassenkampf vergessen!</p>
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		<title>Gaza &#8211; Herausforderung f&#252;r die Linke</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jan 2009 11:38:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benni</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Israel]]></category>
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		<category><![CDATA[Naher und Mittlerer Osten]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Operation „gegossenes Blei“, die von der israelischen Armee seit dem 27. Dezember 2008 im Gaza-Streifen durchgef&#252;hrt wird, ist der umfangreichste und blutigste Angriff auf die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Maybe our thinking is very simple, and we&#8217;re lacking the nuances and annotations that are always so necessary in analyses, but to the Zapatistas it looks like there&#8217;s a professional army murdering a defenseless population.” <a href="http://www.kabobfest.com/2009/01/of-sowing-and-harvests-subcomandante.html" target="_blank">(Subcomandante Marcos, 12. Jan. 2009)</a></em></p>
<p>Die Operation „gegossenes Blei“, die von der israelischen Armee seit dem 27. Dezember 2008 im Gaza-Streifen durchgef&#252;hrt wird, ist der umfangreichste und blutigste Angriff auf die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967. Die genauen Zahlen der Toten und Verwundeten m&#252;ssen und k&#246;nnen hier nicht wiedergegeben werden: erstens, weil unabh&#228;ngige Berichterstattung aus Gaza unm&#246;glich gemacht wird (die israelische Armee l&#228;sst keine internationalen JournalistInnen nach Gaza); und zweitens, weil die Angriffe immer noch andauern und uns t&#228;glich neue Meldungen erreichen, die die Opferzahlen erh&#246;hen. Was diese Attacken so t&#246;dlich macht, ist die Tatsache, dass die israelische Regierung offenbar entschlossen ist, ihre ganze milit&#228;rische &#220;bermacht einzusetzen, um keinen Zweifel daran zu lassen, wer in der Region das Sagen hat. Die <a href="http://www.newstatesman.com/middle-east/2009/01/israel-targets-gaza-hamas" target="_blank">Zerst&#246;rung der zivilen Infrastruktur Gazas</a>, die Bomben auf <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7814054.stm" target="_blank">Schulen</a>, <a href="http://www.guardian.co.uk/world/2009/jan/04/mosque-blast-gaza" target="_blank">Moscheen</a>, <a href="http://electronicintifada.net/v2/article10174.shtml" target="_blank">Rettungsw&#228;gen</a> und eine <a href="http://electronicintifada.net/v2/article10069.shtml" target="_blank">Universit&#228;t</a>, ja selbst Angriffe auf <a href="http://www.maannews.net/en/index.php?opr=ShowDetails&amp;ID=34746" target="_blank">UN-Hilfskonvois</a> werden zumindest in Kauf genommen, wenn nicht bewusst als Einsch&#252;chterungsma&#223;nahmen eingesetzt. AdressatInnen dieser Demonstration der St&#228;rke sind in erster Linie die Bev&#246;lkerung Gazas und ihre politischen Repr&#228;sentantInnen; in zweiter Linie die Pal&#228;stinenserInnen im Westjordanland, denen eindrucksvoll gezeigt wird, dass Widerstand gegen die Besatzungsmacht nicht geduldet wird; und schlie&#223;lich die Feinde Israels in Syrien, im Libanon und im Iran, die nach der ruhmlosen Performance der Israel Defense Forces gegen die Hizbollah 2006 daran erinnert werden sollen, &#252;ber welche milit&#228;rische Schlagkraft Israel weiterhin verf&#252;gt. Den Preis daf&#252;r zahlen die Menschen im Gazastreifen mit ihren Leben.</p>
<p><span id="more-248"></span></p>
<p>Der Krieg gegen Gaza wird aber nicht nur mit SoldatInnen, Panzern, Kampfbombern, und Kriegsschiffen gef&#252;hrt, sondern auch &#252;ber die Medien. Es braucht schon eine gewaltige Propaganda-Anstrengung, um die Welt&#246;ffentlichkeit davon zu &#252;berzeugen, dass Israel hier einen gerechten „Krieg gegen den Terror“ f&#252;hrt, in der Halbwahrheiten, aus dem Zusammenhang gerissene Fakten und plumpe L&#252;gen zu einer dicken diskursiven Nebelwand aufget&#252;rmt werden. Wenn wir hier also nur auf die offensichtlichsten Mythen rund um den Krieg gegen Gaza aufmerksam machen, dann nicht um uns auf ein infantiles „aber die anderen haben angefangen“-Spiel einzulassen, sondern weil diese Argumente erst die Unterst&#252;tzung und Rechtfertigung der Massaker erm&#246;glichen und das kurzfristig wichtigste Ziel jeder linken Intervention– ein sofortiger Waffenstillstand und die &#214;ffnung der Blockade Gazas – nur durch steigenden internationaler Druck durch eine &#214;ffentlichkeit, die sich nicht von Kriegsl&#252;gen blenden l&#228;sst, erreicht werden kann.</p>
<p>Die israelische Regierung behauptet, sie habe den Pal&#228;stinenserInnen gro&#223;e Zugest&#228;ndnisse gemacht, als sie 2005 das Milit&#228;r aus dem Gazastreifen abzog und die illegalen Siedlungen aufl&#246;ste. Die Bev&#246;lkerung von Gaza habe sich daraufhin jedoch als undankbar erwiesen, Israel weiterhin als Feind betrachtet und zu allem &#220;berdruss schlie&#223;lich auch noch die Hamas in die Regierung gew&#228;hlt. Tats&#228;chlich jedoch war die R&#228;umung des Gazastreifens durch Israel stets eine <a href="http://www.merip.org/mero/mero021608.html" target="_blank">Farce</a>, ein taktisches Man&#246;ver, um die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung weiterhin kontrollieren zu k&#246;nnen, ohne sich dem zerm&#252;rbenden Besatzungsalltag in dem winzigen, extrem dicht besiedelten K&#252;stenstreifen aussetzen zu m&#252;ssen. So wurde schon 2005, zwei Jahre bevor die Hamas-Regierung an die Macht kam, der Gazastreifen zum gr&#246;&#223;ten Freiluftgef&#228;ngnis der Welt gemacht: durch Ausgangssperren, Zerst&#246;rung von Infrastruktur, die &#220;berwachung des Luftraums und gezielte T&#246;tungen oder Verhaftungen pal&#228;stinensischer PolitikerInnen und AktivistInnen. Im Zeitraum von 2005 bis 2007, also zwischen der R&#228;umung der Siedlungen und der Wahl von Hamas, wurden <a href="http://www.guardian.co.uk/world/2009/jan/07/gaza-israel-palestine" target="_blank">1.290 Pal&#228;stinenserInnen</a> im Gazastreifen von der israelischen Armee get&#246;tet, davon 222 Kinder. Ein Grund f&#252;r den Wahlsieg der Hamas im Jahr 2006 war schlie&#223;lich auch – neben der offensichtlichen Korruption der alten Fatah-Elite – dass sie sich angesichts der anhaltenden Unterdr&#252;ckung der Pal&#228;stinenserInnen durch den israelischen Staat als konsequente Kraft des Widerstands pr&#228;sentieren konnte. Ab 2007 wurde die Situation weiter eskaliert, als Israel (mit Unterst&#252;tzung der USA und der EU) die Grenzen zum Gazastreifen komplett dicht machte und ein Embargo verh&#228;ngte. Dies war nicht etwa eine Reaktion auf Guerillaangriffe oder Selbstmordattentate, sondern die Antwort auf das nicht genehme Wahlergebnis in den pal&#228;stinensischen Gebieten. Seither sind 1,5 Millionen Menschen auf 360 km2 (davon ein Gro&#223;teil W&#252;ste) eingeschlossen, Elektrizit&#228;t gibt es nur wenige Stunden am Tag, Lebensmittel sind stets knapp und im Sommer 2008 stand die <a href="http://www.haaretz.com/hasen/spages/1006282.html" target="_blank">Arbeitslosenrate</a> bei 45 Prozent. Es ist auch ein Mythos, dass die Hamas in den Monaten vor dem Angriff nicht auf die Bem&#252;hungen Israels um ein Waffenstillstandsabkommen eingegangen w&#228;re. Tats&#228;chlich gab es eine Waffenruhe, die im Juli in Kraft trat und dazu f&#252;hrte, dass von Juli bis Oktober die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen durch die Hamas praktisch <a href="http://electronicintifada.net/v2/article10123.shtml" target="_blank">eingestellt</a> wurden. Doch die Blockade Gazas wurde trotzdem nicht gelockert, und schlie&#223;lich war es <a href="http://www.huffingtonpost.com/nancy-kanwisher/reigniting-violence-how-d_b_155611.html" target="_blank">Israel, nicht die Hamas</a>, die den Waffenstillstand im November 2008 brach, woraufhin Hamas die Raketenangriffe wieder aufnahm.</p>
<p>Diese Klarstellungen bedeuten nicht, dass die Strategie der Hamas, sich auf den milit&#228;rischen Widerstand zu konzentrieren und Raketen ziellos auf israelische ZivilistInnen zu schie&#223;en, unterst&#252;tzenswert ist. Aber sie zeigen, dass dieser Konflikt kein Krieg ist, in dem sich zwei mehr oder weniger gleich starke Kr&#228;fte bek&#228;mpfen, die beide die gleiche Schuld an der aussichtslosen Lage trifft und zu dem man sich wenn &#252;berhaupt aus einer Position der Neutralit&#228;t und &#196;quidistanz &#228;u&#223;ern darf. Nein, dies ist ein Massaker, ver&#252;bt durch eine Besatzungsmacht an einer seit &#252;ber sechzig Jahren unterdr&#252;ckten Bev&#246;lkerung. Ein gerechter Friede – und nur ein solcher kann von Dauer sein – hat die &#214;ffnung der Grenzen zu Gaza und den Abzug Israels aus den 1967 besetzten Gebieten zur Bedingung und kann letztlich wohl nur in einem gemeinsamen, s&#228;kularen Staat verwirklicht werden, der all seinen B&#252;rgerInnen unbesehen von Herkunft und Religion gleiche Rechte zugesteht. Wie der Weg dorthin verlaufen wird, kann niemand vorhersagen. Dass dieser Krieg aber wenig dazu beitragen wird, sondern vielmehr der unvers&#246;hnlichen Rechten in beiden Lagern noch mehr Unterst&#252;tzerInnen in die H&#228;nde treibt, liegt aber auf der Hand.</p>
<p>Angesichts dieser Situation halten wir die Reaktion weiter Teile der &#246;sterreichischen Linken f&#252;r besch&#228;mend. W&#228;hrend noch im Jahr 2003 die Proteste gegen den Irak-Krieg eine breite Bewegung auf die Stra&#223;e brachten, fallen heute sozialdemokratische, gr&#252;ne oder gewerkschaftliche Kr&#228;fte ebenso wie gro&#223;e Teile der radikalen Linken durch Abwesenheit auf den Demonstrationen gegen Israels Krieg auf. Dies ist nicht zuletzt Ergebnis eines ideologischen Stellungskriegs, den eine kleine, aber effektive Gruppe ehemaliger Linker seit einigen Jahren f&#252;hrt, um jede Kritik an Israels Politik als antisemitisch zu denunzieren und die Kriegstrommel f&#252;r die USA und Israel zu r&#252;hren. Selbst wenn der Gro&#223;teil der Linken den kruden Ausf&#252;hrungen der „Antideutschen“ in &#214;sterreich nicht folgt, so haben deren Kampagnen doch zu einer nachhaltigen Verunsicherung gef&#252;hrt. Das heikle Thema Pal&#228;stina wird so aus den Debatten auf der Linken verdr&#228;ngt, ziehen sich doch immer mehr Gruppen und Einzelpersonen auf eine scheinbar neutrale Position zur&#252;ck („beide Seiten sind doch reaktion&#228;r“), wenn sie nicht &#252;berhaupt auf eine Meinung zu verzichten glauben k&#246;nnen. Im Ergebnis waren die beiden gro&#223;en Demonstration in Wien gegen die israelische Aggression zwar erfreulich gro&#223; und insbesondere f&#252;r Menschen mit muslimischem und migrantischem Hintergrund ein Anziehungspunkt; zugleich muss jedoch festgestellt werden, dass der Charakter der Demonstrationen in Bild und Ton stark von den Kr&#228;ften des politischen Islam gepr&#228;gt war. Die Effekte dieser Situation k&#246;nnen in mehrerer Hinsicht verheerend sein. Erstens wird den Menschen in Pal&#228;stina vermittelt, dass die Einzigen, auf die sie sich in Sachen internationaler Solidarit&#228;t verlassen k&#246;nnen, ihre &#8220;Glaubensbr&#252;der und -schwestern&#8221; sind, wodurch der Konflikt noch st&#228;rker als einer zwischen Religionen oder Kulturen wahrgenommen wird. Zweitens k&#246;nnen vereinzelt auf den Demos vorhandene antisemitische bzw. den Nationalsozialismus verharmlosende Schilder oder Spr&#252;che nur schwer kollektiv konfrontiert oder zumindest marginalisiert werden. Und schlie&#223;lich verbaut sich die Linke die Chance darauf, mit genau jenen migrantischen Jugendlichen in Kontakt zu kommen, die es f&#252;r eine emanzipatorische Perspektive zu gewinnen gilt. In Deutschland, wo die Situation &#228;hnlich ist, bringt der <a href="http://www.antifa.de/cms/content/view/985/" target="_blank">Attac-Aktivist Pedram Shayar</a> das Dilemma auf den Punkt: „W&#228;hrend in Athen und Malm&#246; die linksradikalen und die Arab-Kids gemeinsam k&#228;mpfen und auf Barrikaden Freundschaften schlie&#223;en, verspielt die Linke hier das Terrain der migrantischen Milieus f&#252;r Jahre, vielleicht f&#252;r eine ganze Generation“. Auch hier in &#214;sterreich steht die Linke vor der Herausforderung, jenseits von falscher Neutralit&#228;t auf der einen und unkritischer „antiimperialistischer“ Solidarit&#228;t mit islamistischen Bewegungen auf der anderen Seite eine internationalistische Position auf Seiten der Unterdr&#252;ckten und Rebellierenden zu finden.</p>
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		<title>Israels permanenter Krieg</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Sep 2007 06:20:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Israels Krieg gegen den Libanon war nur ein Ausschnitt des Konflikts, der seit 60 Jahren den Nahen Osten in Blut ertr&#228;nkt. <em>Benjamin Opratko</em> analysiert die Strategien hinter Israels Rhetorik der „Selbstverteidigung“ und verfolgt die Frontlinien dieses permanenten Kriegs.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Israels Krieg gegen den Libanon war nur ein Ausschnitt des Konflikts, der seit 60 Jahren den Nahen Osten in Blut ertr&#228;nkt. <em>Benjamin Opratko</em> analysiert die Strategien hinter Israels Rhetorik der „Selbstverteidigung“ und verfolgt die Frontlinien dieses permanenten Kriegs.<br />
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In der deutschen Ausgabe seines Standardwerks zum Nahost-Konflikts schreibt Noam Chomsky, er stehe oft vor dem Problem, Titel oder Thema f&#252;r seine Vortr&#228;ge schon Jahre vorher benennen zu m&#252;ssen. „Eins kann man, wie ich gemerkt habe, mit Sicherheit immer angeben: ‚Die gegenw&#228;rtige Krise im Nahen Osten.’ Wie sich diese Krise entwickeln wird, l&#228;sst sich nicht genau sagen, aber dass es sie geben wird, unterliegt keinem Zweifel“.<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a> So zynisch diese Feststellung scheinen mag, so brutal wurde uns ihre Richtigkeit in den letzten Monaten vor Augen gef&#252;hrt. Mit dem Angriff auf den Libanon, der mehr als Tausend tote LibanesInnen – der gr&#246;&#223;te Teil davon ZivilistInnen – forderte und das halbe Land in Schutt und Asche legte, ist der seit bald sechzig Jahren ungel&#246;ste Konflikt zwischen Israel und den AraberInnen wieder ins politische Rampenlicht ger&#252;ckt. Doch w&#228;hrend sich im weltweiten Medienzirkus in einer un&#252;berschaubaren Zahl an Kommentaren, Reportagen, Leitartikeln, Talkshows, Interviews und Diskussionsforen jedeR sich berufen F&#252;hlende &#252;ber den j&#252;ngsten „Selbstverteidigungsakt“ Israels und seine Folgen auslassen durfte, traten die Stimmen jener, deren Ged&#228;chtnis weiter als bis zur Entf&#252;hrung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah zur&#252;ck reichte, in den Hintergrund. Dass alles darauf hinweist, dass der Krieg gegen den Libanon kein spontaner Akt der Selbstverteidigung angesichts der Entf&#252;hrungen, sondern vielmehr eine lange vorbereitete Kampagne war, wird kaum erw&#228;hnt. Das weit verbreitet Bild, das Israels Operationen auf mehr oder wenige spontane Reaktionen auf &#252;berall lauernde, gar „existenzbedrohende“ &#228;u&#223;ere Gefahren reduziert, tut dabei nicht nur dem strategischen und politischen Geschick der M&#228;chtigen in Israel Unrecht, sondern verhindert auch eine halbwegs angemessene Analyse des gesamten Konflikts.</p>
<h3>Das Ende eines Mythos</h3>
<p>Wie auch immer sich die Situation im Libanon weiter entwickelt, so kann doch nun, da zumindest vorl&#228;ufig die Waffen schweigen, ein erstes Res&#252;mee des israelischen Kriegs gegen den Libanon gezogen werden. Die wichtigste Erkenntnis ist: Israel hat den Krieg verloren. Nach einem Monat israelischer Angriffe gelang es zwar, den Libanon „um 20 Jahre zur&#252;ck zu bomben“, wie es der Chef der Luftwaffe und oberste milit&#228;rische Verantwortliche, Dan Halutz, formulierte. Das eigentliche Ziel der israelischen Armee war jedoch, die Hisbollah zu vernichten – und das ist ordentlich schief gegangen. Die Zustimmung zur Waffenruhe und der R&#252;ckzug der israelischen Truppen aus weiten Teilen Libanons wurde Israel von der &#228;u&#223;erst effektiv und erfolgreich k&#228;mpfenden Hisbollah aufgezwungen. Die libanesische Guerilla hat gegen die am besten ausger&#252;stete und ausgebildete Armee der Region gewonnen. Das war nur m&#246;glich, weil die Hisbollah massenhafte Unterst&#252;tzung aus der libanesischen Bev&#246;lkerung erhalten hat, &#252;ber alle konfessionellen Grenzen hinweg – eine bemerkenswerte Leistung in einem Land, das vor nicht allzu langer Zeit noch vom B&#252;rgerkrieg zerrissen war. Was die Rhetorik der Kriegstreiber in Israel und anderswo gerne verschweigt, ist, dass Hisbollah keineswegs eine terroristische Organisation nach dem Vorbild Al-Qaidas ist. Sie entstand als Reaktion auf den israelischen Krieg von 1982 und die folgende Besetzung des Libanon durch israelische Truppen. In den Jahren nach 1982 entwickelte sich die Hisbollah von einer kleinen schiitischen Guerillatruppe mit St&#252;tzpunkten im S&#252;den Libanons, den armen Vororten Beiruts und dem Bekaa-Tal, zur wichtigsten politischen, sozialen und milit&#228;rischen Kraft im Libanon. Als karitative Organisation betreibt sie auch f&#252;r verarmte Menschen leistbare Schulen, Kinderg&#228;rten, Kranken- und Waisenh&#228;user. Ihre Verankerung in der libanesischen Gesellschaft zeigt auch, dass Hisbollah und Verb&#252;ndete das gr&#246;&#223;te einzelne Kontingent im libanesischen Parlament stellen.</p>
<p class="MsoNormal">Das Ergebnis des israelischen Kriegs ist ein Desaster f&#252;r die israelische Regierung. Die Hisbollah ist politisch st&#228;rker als je zuvor – mehr noch als im Jahr 2000, als die israelische Armee sich wegen des anhaltenden Widerstands der Hisbollah aus dem gr&#246;&#223;ten Teil der seit 1982 besetzten Gebiete im S&#252;d-Libanon zur&#252;ckzog, wird die Organisation als Befreierin des Libanon gefeiert. Die Niederlage ist aber nicht nur von regional-strategischer Bedeutung – sie zerst&#246;rt auch den seit 1948 existierenden Mythos von der Unbesiegbarkeit Israels. Seit dessen Gr&#252;ndung hat die IDF jede Auseinandersetzung mit ihren arabischen Feinden gewonnen. Besonders der Krieg von 1967 hat der israelischen Armee diesen Nimbus verliehen. Er hei&#223;t aus gutem Grund Sechs-Tage-Krieg, nach nicht einmal einer Woche waren die Armeen des &#228;gyptischen Pr&#228;sidenten Gamal Abdel Nasser vernichtend geschlagen.</p>
<p class="MsoNormal">Die Konstante der israelischen Strategie war stets die mili-<br />
t&#228;rische Abschreckung. Seitdem der israelische Staat auf den Ruinen pal&#228;stinensischer D&#246;rfer und St&#228;dte aufgebaut wurde, setzten dessen verschiedene Regierungen, ob von der Arbeiterpartei oder dem rechten Likud-Block gef&#252;hrt, auf milit&#228;rische Dominanz, um sich gegen die Anspr&#252;che der vertriebenen Bev&#246;lkerung und ihrer arabischen Verb&#252;ndeten durchzusetzen. Der Preis, den Israel daf&#252;r zahlen musste, war eine Existenz als Handlanger imperialistischer Gro&#223;m&#228;chte. In den ersten Jahren war es Gro&#223;britannien, dessen Wohlwollen die Etablierung des Staates Israel erst erm&#246;glicht hatte<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a>, dann Frankreich, das Israel als Verb&#252;ndeten gegen die Befreiungsbewegungen in den eigenen Kolonien nutzen wollte. Ab den 1960er Jahren entstand dann die bis heute andauernde „Special Relationship“ zwischen Israel und den sich als wichtigste imperiale Macht etablierenden USA. Im Juni 1966 erkl&#228;rte ein Sprecher des israelischen Au&#223;enministers: „Die Vereinigten Staaten sind zu der Auffassung gelangt […], dass sie sich auf regionale M&#228;chte und auf das Abschreckungspotential einer freundlichen Macht st&#252;tzen m&#252;ssen, um Amerikas direkte Beteiligung abzufangen. Israel ist der Meinung, dass es diesen Anforderungen entspricht“.<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a> Seitdem entwickelte sich aus dem „besonderen Verh&#228;ltnis“ zwischen Israel und den USA ein strategisches B&#252;ndnis. Die israelische Strategie der milit&#228;rischen Abschreckung wurde und wird durch massive milit&#228;rische und finanzielle Unterst&#252;tzung der USA erm&#246;glicht. Im Jahr 2005 verkauften oder verschenkten die USA Waffen im Wert von rund 5,4 Milliarden US-Dollar an Israel – rund ein Drittel der gesamten US-Auslandshilfe.<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a> Das Wissen um einen sicheren Verb&#252;ndeten im Nahen und Mittleren Osten ist der US-Politik dieser Aufwand wert.<br />
Trotz dieser enormen milit&#228;rischen &#220;bermacht und obwohl die israelische Armee nicht z&#246;gerte, ihr gesamtes Arsenal an konventionellen Waffen gegen den Libanon einzusetzen (einschlie&#223;lich der international verbotenen Cluster-Bomben), konnte der Krieg nicht gewonnen werden. Der ganzen Welt (und besonders der arabischen) wurde vor Augen gef&#252;hrt, dass Israel sich nicht mehr auf eine scheinbar allm&#228;chtige Armee verlassen kann, um seine Interessen in der Region durchzusetzen. Dass die Strategie der milit&#228;rischen Abschreckung in eine Sackgasse gef&#252;hrt hat, ist die tats&#228;chliche Z&#228;sur des Sommer 2006.</p>
<h3>Krieg an drei Fronten</h3>
<p>Die israelische Politik l&#228;sst sich jedoch nicht allein auf die au&#223;enpolitische Dimension der milit&#228;rischen Abschreckung reduzieren. Um vergangene und aktuelle Strategien des israelischen Staates verstehen zu k&#246;nnen muss ein entscheidender historischer Aspekt in Betracht gezogen werden: Als kolonialer SiedlerInnenstaat durch die Vertreibung gro&#223;er Teile der einheimischen Bev&#246;lkerung 1948 gegr&#252;ndet<a href="#anm5" title="anm_5" name="anm_5"><sup>5</sup></a>, hatte Israel stets ein allen anderen Interessen &#252;bergeordnetes Ziel. Entsprechend dem politischen Programm des Zionismus soll der Staat in einer spezifischen Form aufrecht erhalten werden, in der Juden/J&#252;dinnen die Bev&#246;lkerungsmehrheit stellen, exklusive Privilegien genie&#223;en und der vertriebenen (arabischen) Bev&#246;lkerung historisches Recht verwehrt wird. Aus dieser Pr&#228;misse ergibt sich f&#252;r Israel ein permanenter Krieg, der an drei Fronten gef&#252;hrt werden musste und bis heute gef&#252;hrt wird.<br />
Die erste Front ist jene, die der j&#252;ngste Libanonkrieges ins Rampenleicht gestellt hat: Hier geht es um die Kriege gegen umliegende arabische Staaten, die – sei es auf Grund des Drucks aus der eigenen Bev&#246;lkerung, sei es um den Zorn unzufriedener Untertanen abzulenken – die pal&#228;stinensische Bewegung unterst&#252;tzen. Eine weitere Front verl&#228;uft quer durch den israelischen Staat selbst und betrifft die arabische Minderheit, die innerhalb der Grenzen Israels lebt; die dritte Front schlie&#223;lich betrifft die 1967 besetzten Gebiete im Westjordanland und im Gaza-Streifen.</p>
<h3>B&#252;rgerInnen dritter Klasse</h3>
<p>Als die zionistischen SiedlerInnen 1948 den Staat Israel gr&#252;ndeten, wurden nicht alle Pal&#228;stinenserInnen in die Flucht getrieben. Rund 150.000 von ihnen blieben innerhalb der „Gr&#252;nen Linie“, die den neuen Staat nach dem Krieg von 1948/49 begrenzte. Diese „1948-Pal&#228;stinenserInnen“ und ihre Nachkommen z&#228;hlen heute rund eine Million oder 17 Prozent der israelischen Bev&#246;lkerung. Die Pr&#228;senz dieser gro&#223;en arabischen Minderheit stellte die israelischen Eliten vor das Problem, wie der Staat mit ihr umgehen sollte. Einerseits verstand man sich als demokratischer Staat, der jedem/r B&#252;rgerIn volle Gleichheit unabh&#228;ngig von ethnischer oder religi&#246;ser Zugeh&#246;rigkeit zugestehen sollte. Gleichzeitig war Israel jedoch nicht nur ein Staat von Juden/J&#252;dinnen, sondern ein exklusiv j&#252;discher Staat, der die seit Beginn des 20. Jahrhunderts durchgef&#252;hrte Kolonisierung Pal&#228;stinas konsolidieren und ausbauen sollte. Die praktische L&#246;sung dieses Widerspruchs bedeutete, dass die meisten der 1948-Pal&#228;stinenserInnen zwar die israelische Staatsb&#252;rgerschaft erhielten, ihnen durch eine Reihe politischer Ma&#223;nahmen jedoch viele Rechte, die diese Staatsb&#252;rgerschaft f&#252;r Juden/J&#252;dinnen garantiert, verwehrt wurden.<br />
Der erste und grundlegende Unterschied, den der israelische Staat zwischen j&#252;dischen und nicht-j&#252;dischen B&#252;rgerInnen macht, dr&#252;ckt sich im sogenannten „R&#252;ckkehrrecht“ aus. Dieses Gesetz besagt, dass Israel der Staat aller J&#252;dinnen und Juden weltweit ist; wenn ein Jude/eine J&#252;din israelischen Boden betritt, wird er/sie automatisch israelischeR Staatsb&#252;rgerIn. Jenen Menschen, die durch die Staatsgr&#252;ndung 1948/49 fl&#252;chten mussten, wird dieses Recht jedoch verweigert. Die Definition Israels als exklusiv j&#252;discher Staat ist in den Gr&#252;ndungsdokumenten festgeschrieben. Endg&#252;ltig formalisiert wurde diese Entscheidung mit einem Zusatz zum Wahlgesetz 1985, in dem Parteien und KandidatInnen von Wahlen ausgeschlossen werden, wenn sie „die Existenz des Staates Israel als den Staat des j&#252;dischen Volkes“ nicht anerkennen.</p>
<p>Bis 1966 wurden israelische Pal&#228;stinenserInnen durch eine separate Milit&#228;radministration „verwaltet“ – offiziell, um das „Sicherheitsrisiko“, das die pal&#228;stinensische Bev&#246;l-<br />
kerung angeblich darstellte, zu minimieren. Tats&#228;chlich hatte die Milit&#228;radministration jedoch zwei andere Haupt-ziele.<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a> Erstens sollte der Zugang arabischer Menschen zu Arbeitspl&#228;tzen verhindert oder reduziert werden. Schon vor der Staatsgr&#252;ndung war die „Eroberung durch Arbeit“ – d.h. die Vertreibung und Ausgrenzung arabischer Arbeitskr&#228;fte – ein zentrales Element der kolonialen Strategie des Zionismus. Das zweite Ziel war, den Transfer von Land, das noch in pal&#228;stinensischen H&#228;nden verblieben war, zu staatlichen oder halb-staatlichen Organisationen zu sichern. Vor allem die Eroberung des Landes blieb auch nach der Aufhebung der Milit&#228;rverwaltung eine zentrale Aufgabe des Staates. Bis heute wurden etwa zwei Drittel des Landes, das nach 1948 noch in Besitz von Pal&#228;stinenserInnen mit israelischer Staatsb&#252;rgerschaft war, zu Gunsten des israelischen Staates enteignet. Waren vor der Staatsgr&#252;ndung 7 bis 8 Prozent des Landes in j&#252;dischem Besitz, so kontrolliert oder besitzt der israelische Staat heute 93 Prozent des Landes innerhalb der „Gr&#252;nen Linie“.<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> Das offensichtlichste Beispiel f&#252;r die bis heute andauernde rechtliche Diskriminierung ist, dass Pal&#228;stinenserInnen mit israelischer Staatsb&#252;rgerschaft in rund 80 Prozent des Staatsgebiets kein Land kaufen oder pachten d&#252;rfen. Die Landfrage ist dabei nur eine von vielen Dimensionen dieser Politik der Ausgrenzung. Arabische Gemeinden bekommen deutlich geringere staatliche Budgets, im seit 1953 getrennten Schulsystem sind pal&#228;stinensische Schulen weit schlechter ausgestattet, und eine Reihe von Sozialleistungen werden Pal&#228;stinenserInnen mit israelischer<br />
Staatsb&#252;rgerschaft vorenthalten.<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a> Das Ergebnis ist, dass in allen sozio-&#246;konomischen Parametern wie Haushaltseinkommen, Ausbildungsstatus, beruflicher Status, Alphabetisierung oder Kindersterblichkeit Pal&#228;stinenserInnen deutlich schlechter gestellt sind als ihre j&#252;dischen Mitb&#252;rgerInnen.</p>
<p>Der israelische Soziologe Oren Yiftachel bezeichnet diese Form des Staates als „Ethnokratie“ – eine Staatsform, die zwar formal demokratisch organisiert ist, einen signifikanten Teil der B&#252;rgerInnen jedoch systematisch von Rechten ausschlie&#223;t und diskriminiert.<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a> Die Strategie der systematischen Unterdr&#252;ckung und Ausgrenzung der arabischen Bev&#246;lkerung in der so genannten „einzigen Demokratie im Nahen Osten“ wurde seit der Staatsgr&#252;ndung in verschiedenen Varianten und in unterschiedlicher Intensit&#228;t angewendet. In den letzten Jahren wurde etwa unter dem Schlagwort der „demographischen Zeitbombe“ auf die „Gefahr“ hingewiesen, dass die hohen Geburtenraten von Pal&#228;stinenserInnen mit israelischer Staatsb&#252;rgerschaft die j&#252;dische<br />
Mehrheit in Israel bedrohen w&#252;rden. Eine der Reaktionen der Regierung war, die Familienzusammenf&#252;hrung von Pal&#228;stinenserInnen in Israel zu verbieten, die bis dahin enge Verwandte aus den besetzten Gebieten zu sich holen konn-ten.<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a> Dass diese und &#228;hnliche diskriminierende Ma&#223;nahmen den grundlegenden Widerspruch der „Ethnokratie“ Israels nicht l&#246;sen k&#246;nnen, scheint offensichtlich. Doch Israels Krieg an der „stillen Front“ des permanenten Kriegs gegen die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung dauert weiter an.</p>
<h3>Das Post-67-Dilemma</h3>
<p>Als Israel nach dem vernichtenden Sieg gegen die arabischen Armeen im Juni 1967 auch den in arabischen H&#228;nden verbliebenen Rest des historischen Pal&#228;stinas besetzte, trat das Dilemma der „Ethnokratie“ in einem neuen, noch gr&#246;&#223;eren Ma&#223;stab zu Tage. Die IDF hatte innerhalb von sechs Tagen das Westjordanland und den Gaza-Streifen, die bis dahin von Jordanien bzw. &#196;gypten verwaltet worden waren, unter israelische Kontrolle gebracht – und damit fast eine Million Pal&#228;stinenserInnen<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a>. Eine vollst&#228;ndige Annexion der besetzten Gebiete, und damit die Erreichung des lange propagierten Ziels eines „Gro&#223;-Israel“ vom Mittelmeer bis zum Jordan, war dadurch kaum m&#246;glich. Eine „ethnische S&#228;uberung“, wie sie von manchen Politikern der Rechten gefordert wurde, stie&#223; auf Ablehnung. H&#228;tte man der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung, wie es 1948 praktiziert wurde, die israelische Staatsb&#252;rgerschaft verliehen, w&#228;re die j&#252;dische Mehrheit im Staat Israel in Gefahr gewesen.<br />
In den strategischen Debatten, die auf den gewonnenen Krieg folgten, setzte sich zun&#228;chst ein Plan durch, der vom stellvertretenden Ministerpr&#228;sidenten Ygal Allon vorgestellt wurde. Allon, ein Veteran der regierenden Arbeiterpartei und prominenter General, erkl&#228;rte angesichts des „Post-67-Dilemmas“: „Wenn es notwendig ist, zwischen einem de facto binationalem Staat mit gr&#246;&#223;erem Territorium und einem j&#252;dischen Staat mit kleinerem Territorium zu entscheiden, pl&#228;diere ich f&#252;r die zweite Variante, vorausgesetzt, er hat Grenzen, die verteidigt werden k&#246;nnen“.<a href="#anm12" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a> Das bedeutete freilich nicht, ganz auf die Besiedelung der besetzten Gebiete zu verzichten. Im Gegenteil sollte dies geplant und konzentriert passieren, um die politischen Pr&#228;missen des Zionismus nicht zu gef&#228;hrden. Durch die strategische Besiedelung eines Streifens entlang des Jordantals sollte eine Grenze geschaffen werden, die, gemeinsam mit der Annexion Ost-Jerusalems und seiner &#246;stlichen Vororte, das pal&#228;stinensische Gebiet in zwei H&#228;lften teilen w&#252;rde. Gleichzeitig sollte auf die Besiedelung jener Gebiete, die dicht von Pal&#228;stinenserInnen bev&#246;lkert sind, verzichtet werden. Diese Teile des Westjordanlands k&#246;nnten etwa an Jordanien zur&#252;ckgegeben werden. Die Vorteile dieser Strategie lagen auf der Hand, meinte Allon: „Diese defensive Anordnung k&#246;nnte einer modernen Armee standhalten. Sie ist dazu geeignet, das Land zu sch&#252;tzen, nicht nur vor seinen direkten Nachbarn, sondern auch vor der gesamten Region im Osten (…). Sie schafft auch ein Hinterland, das Jerusalem und seine Umgebung vor den Gefahren des Guerillakriegs sch&#252;tzen, und gibt uns die M&#246;glichkeit der Besiedelungen in halbverlassenen Gebieten. Ich f&#252;ge hinzu, dass die Territorien, die wir zur&#252;ckgeben, demilitarisiert sein werden, und dass dadurch, dass wir uns an der Flanke der Bev&#246;lkerung des Westjordanlands aufstellen, wir in jedem Fall ihr offensives Potential neutralisieren“.<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a> Es war eine pragmatische Strategie, die ideologisch motivierte Gro&#223;-Israel-Phantasien hintan stellte, aber trotzdem die weitere Kolonisierung Pal&#228;stinas zulie&#223; und die Pal&#228;stinenserInnen in leicht kontrollierbaren Enklaven einschloss.</p>
<p>Dass dieser Plan nie in vollem Umfang umgesetzt und schlie&#223;lich g&#228;nzlich aufgegeben wurde, h&#228;ngt ma&#223;geblich mit politischen Umbr&#252;chen in Israel zusammen. Anfang der 1970er Jahre verlor der Block um die Arbeiterpartei, der seit Beginn des 20. Jahrhunderts die hegemoniale Kraft im Yishuv (der Gemeinschaft der zionistischen SiedlerInnen in Pal&#228;stina) und sp&#228;ter in Israel war, zunehmend an Einfluss. Die Ideologie der traditionellen Eliten, durch niemanden klarer verk&#246;rpert als den israelischen &#220;bervater David Ben Gurion, war f&#252;r die neue, in Israel geborene Generation nicht mehr attraktiv. Diese ideologische und politische Leerstelle wurde vom Lager der Nationalreligi&#246;sen besetzt, die einen radikalen religi&#246;sen Messianismus mit kompromisslosen anti-arabischen Positionen der zionistischen Rechten verbanden. Besonders f&#252;r die von den Eliten des „Arbei-terzionismus“ stets verachteten „Mizrahim“ (Juden/J&#252;dinnen aus arabischen oder muslimischen L&#228;ndern) waren die Nationalreligi&#246;sen ein Anlaufpunkt. Mit der Gr&#252;ndung des „Gush Emunim“ („Block der Getreuen“) 1974 und der &#220;bernahme der Regierung durch den rechten Likud-Block 1977 wurden alle strategischen Beschr&#228;nkungen hinsichtlich der Besiedelung in den besetzten Gebieten hinf&#228;llig. Die radikale SiedlerInnenbewegung, f&#252;r die ganz „Erez Israel“ von AraberInnen „befreit“ werden muss, konnte seither erfolgreich ein Netz von Siedlungen aufbauen, das sich durch das gesamte Westjordanland erstreckt. Der Likud versuchte zudem seit Beginn der 1980er Jahre, weitere j&#252;dische Israelis zur Besiedelung der besetzten Gebiete zu bewegen, indem unterprivilegierten Familien massive finanzielle Anreize versprochen wurden. Der unter Menachem Begin 1981 vorgestellte „Einhunderttausend-Plan“ war der erste konzertierte Versuch, die demographischen Verh&#228;ltnisse in den besetzten Gebieten zu Gunsten der Juden/J&#252;dinnen zu verschieben. Indem „hochwertige H&#228;user mit Land zu niedrigen Preisen“ garantiert wurden, sollte die j&#252;dische Bev&#246;lkerung im Westjordanland verf&#252;nffacht werden.<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a> Die Kombination der Besiedelungsstrategien – „Sicherheitspuffer“ entlang des Jordantals, Ausnutzen und Anheizen von religi&#246;sem Fanatismus, finanzielle Anreize – wurde seither von allen<br />
Regierungen, ob von Likud oder der Arbeiterpartei gef&#252;hrt, mit unterschiedlicher Gewichtung durchgef&#252;hrt. Sie hat es Israel erm&#246;glicht, die Kontrolle &#252;ber 42 Prozent des gesamten Westjordanlands zu erhalten.<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a><o></o></p>
<h3>„Friedensprozess“ und R&#252;ckzug</h3>
<p>Nachdem die pal&#228;stinensische Wut &#252;ber die unertr&#228;glichen Lebensbedingungen in den besetzten Gebieten sich in den Aufst&#228;nden von 1987, der Intifada, entladen hatte, wurde auch einigen israelischen Strategen klar, dass der Status Quo nicht mehr ohne weiteres aufrechterhalten werden konnte. Die gegenseitige Anerkennung von Israel und PLO und erste zaghafte Friedensbem&#252;hungen im Rahmen der Madrider Konferenz 1991 lie&#223;en viele vermuten, dass die israelische F&#252;hrung tats&#228;chlich die Kolonisierung Pal&#228;stinas gegen Frieden eintauschen k&#246;nnte. Als dann der israelische Ministerpr&#228;sident Yitzhak Rabin und Yassir Arafat H&#228;nde sch&#252;ttelnd auf dem Rasen vor dem Wei&#223;en Haus standen, schienen sich diese Hoffnungen zu erf&#252;llen. Heute, 13 Jahre nach dem Osloer Abkommen, ist all das in weite Ferne ger&#252;ckt. W&#228;hrend Israels Regierung sich offiziell zum so genannten Friedensprozess bekannte, setzte sie ihre Strategie der Besiedelung unvermindert fort. Zwischen 1993, als die „Grundsatzerkl&#228;rung“ des Friedensabkommens unterzeichnet wurde, und dem Ausbruch der zweiten Intifada 2000, stieg die Zahl der SiedlerInnen in den besetzten pal&#228;stinensischen Gebieten von 116.400 auf 195.000 an. Das Ziel war offensichtlich, Fakten zu schaffen, die auch ein Abkommen mit der PLO nicht mehr r&#252;ckg&#228;ngig machen konnten.<br />
Dementsprechend gestaltete sich das „Interimsabkommen“ von 1995, das aus dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen einen pal&#228;stinensischen „Fleckerlteppich“ machte. Die neu gegr&#252;ndete Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde (PA) kontrollierte danach ganze 3,5 Prozent der Territorien („Zone A“), weitere 420 Kleinst&#228;dte und D&#246;rfer durften zwar von der PA zivil verwaltet werden, die &#252;bergreifende Verantwortung und Sicherheit verblieb jedoch bei Israel („Zone B“). Im restlichen Teil des Westjordanlands – die 73 Prozent des Landes umfassende „Zone C“ – blieb alles, wie es war.<a href="#anm16" title="anm_16" name="anm_16"><sup>16</sup></a> Alle wirklich kritischen Punkte – die j&#252;dischen Siedlungen, der Status Jerusalems, das Schicksal der pal&#228;stinensischen Fl&#252;chtlinge – wurden auf sp&#228;tere Verhandlungen verschoben, die nie stattfanden. Dass auf dieser Basis – die seither die Grundlage aller „Friedenspl&#228;ne“, nicht zuletzt George W. Bushs „Roadmap“, war – keine friedliche L&#246;sung zustande kommen konnte, verwundert nicht. Der israelische Politikwissenschafter Ilan Pappé brachte es auf den Punkt: „Eine Heimat nach dem Konflikt kann nicht auf der Grundlage geschaffen werden, dass die gemeinsame vorgestellte Heimat auf die denkbar unfairste Art geteilt wird: 78 Prozent ein j&#252;discher Staat und 22 Prozent eine Art pal&#228;stinensisches Protektorat. Dies ist als L&#246;sung noch weniger denkbar, wenn das Angebot auf der internationalen Agenda sogar die 22 Prozent weiter aufteilt“.<a href="#anm17" title="anm_17" name="anm_17"><sup>17</sup></a> Der Aufschrei der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung, die sich dagegen wehrten, wie ihre F&#252;hrung sich von Israel &#252;ber den (Verhandlungs-)Tisch ziehen lie&#223;, war die zweite Intifada von 2000.</p>
<p>Profitieren konnte von dieser Situation die israelische Rechte. Ariel Sharon, der 1983 wegen seiner Beteiligung am Massaker von Sabra und Shatila als Verteidigungsminister zur&#252;cktreten hatte m&#252;ssen, wurde als Vorsitzender des Likud 2001 Regierungschef. Anfangs noch ein Verfechter der klassischen radikal-rechten, kompromisslosen Positionen der Siedlerbewegung, setzte er 2003 einen entscheidenden strategischen Schwenk in der israelischen F&#252;hrung durch. Seine Entscheidung, die israelische Armee aus dem Gaza-Streifen abzuziehen und die dortigen Siedlungen aufzul&#246;sen, &#252;berraschte nicht nur die israelischen Eliten, sondern BeobachterInnen in aller Welt. Seither ist sein Werdegang vom „Falken“ zur „Friedenstaube“ Teil der internationalen Nahost-Folklore. Als er zu Beginn dieses Jahres ins Koma fiel, lie&#223;en die politischen Nachrufe vermuten, der von uns Scheidende w&#228;re als historische Pers&#246;nlichkeit zwischen Mutter Teresa und Mahatma Gandhi anzusiedeln. Tats&#228;chlich k&#246;nnte dieses Urteil &#252;ber ihn und seinen Nachfolger und langj&#228;hrigen Vertrauten, Ehud Olmert, falscher nicht sein. Eine genauerer Blick zeigt, dass Sharon und die Politik, f&#252;r die er in seinen letzten Jahren gestanden hat, sowohl einen Bruch, als auch eine Kontinuit&#228;t israelischer Strategien bedeutet. Tats&#228;chlich hat sich Sharon von der kompromisslosen Strategie der radikalen Rechten verabschiedet, die erbittert um jeden Quadratzentimeter heilige W&#252;ste k&#228;mpft. Der hochdekorierte General hat erkannt, dass das von Allon formulierte Dilemma noch immer nicht gel&#246;st ist. Es musste eine Balance gefunden werden zwischen einem territorial m&#246;glichst gro&#223;en Staat Israel, der gleichzeitig seinen exklusiv j&#252;dischen Charakter beh&#228;lt. Der Gaza-Streifen war ein kleiner Preis, der f&#252;r diese Balance zu zahlen war: Von insgesamt 241.000 SiedlerInnen in den besetzten Gebieten lebten bis zum Abzug 2004 ganze 8.195 oder 3,5 Prozent im Gaza-Streifen.<a href="#anm18" title="anm_18" name="anm_18"><sup>18</sup></a> Was die israelische Regierung daf&#252;r erh&#228;lt, ist trotz des R&#252;ckzugs maximale Kontrolle &#252;ber das Territorium bei gleichzeitig minimaler Verantwortung f&#252;r dessen nicht-j&#252;dische Bev&#246;lkerung. Der Autor Darryl Li beschreibt den Gaza-Streifen nach dem Abzug als „Laboratorium“ f&#252;r israelische Kontrolltechniken. Durch Ausgangssperren, Zerst&#246;rung von Infrastruktur, die &#220;berwachung des Luftraums und gezielte T&#246;tungen oder Verhaftungen pal&#228;stinensischer PolitikerInnen und AktivistInnen<sup>19</sup> wird der Gazastreifen zum gr&#246;&#223;ten Freiluftgef&#228;ngnis der Welt gemacht. Die Massenunterst&#252;tzung f&#252;r die Hamas und ihre milit&#228;rischen Operationen in Gaza erkl&#228;rt sich nicht zuletzt aus der verheerenden humanit&#228;ren Lage in Israels “Laboratorium”.<br />
Gleichzeitig wurde die Siedlungst&#228;tigkeit im Westjordanland verst&#228;rkt, so dass die gesamte Zahl der SiedlerInnen sich seit dem „R&#252;ckzug“ aus dem Gazastreifen sogar noch erh&#246;ht hat. Die Strategie &#228;hnelt dem Allon-Plan von 1967: Durch die gezielte F&#246;rderung von Siedlungen in strategisch wichtigen Gebieten und die Aufgabe kleinerer, unwichtiger Stellungen wird versucht, das pal&#228;stinensische Land in kleine Fragmente aufzuteilen. Pal&#228;stinensische Bantustans sind die Folge, die komplett von israelischer Infrastruktur abh&#228;ngig sind. Die von Sharon in Auftrag gegebene und t&#228;glich weiter gebaute Mauer, die sich quer durch pal&#228;stinensisches Gebiet zieht und mehrere gro&#223;e Siedlungsbl&#246;cke de facto an Israel annektiert, ist ein wichtiges Element dieser Strategie. Die Kolonialisierung Pal&#228;stinas setzt sich damit weiter fort.</p>
<h3>Einfach, aber schwer</h3>
<p>Die Aussicht auf einen gerechten Frieden ist heute d&#252;ster. Was die Analyse der Strategien Israels in seinem permanen-ten Kriegs zeigt, ist dass alle drei Fronten dieses Konflikts untrennbar miteinander verwoben sind. Solange Israel an der obersten Maxime der zionistischen Bewegung festh&#228;lt – der Aufrechterhaltung einer exklusiv j&#252;dischen „Ethnokratie“ – sind Bem&#252;hungen zu einem dauerhaften Frieden wohl zum Scheitern verurteilt. Dass die pal&#228;stinensische Bev&#246;lkerung einem faulen Kompromiss nicht leicht zustimmen wird, hat sie mit der Wahl der Hamas, die sich als kompromisslose Alternative zur korrupten und opportunistischen Fatah-Elite dargestellt hat, einmal mehr gezeigt. Eine L&#246;sung des Konflikts ist das, was Brecht einst &#252;ber den Kommunismus gedichtet hat: Das Einfache, das schwer zu machen ist. Das hei&#223;t in diesem Falle, ein gemeinsamer, demokratischer Staat all seiner B&#252;rgerInnen, der sich von seiner kolonialistischen Vergangenheit und Gegenwart lossagt und sich nicht mehr als Kettenhund der USA missbrauchen l&#228;sst. Solange dieser – heute wohl noch in weiter Ferne liegende – Weg nicht gemeinsam beschritten wird, muss bef&#252;rchtet werden, dass Noam Chomskys Spruch seine G&#252;ltigkeit behalten und der Angriff auf den Libanon im Sommer 2006 nicht der letzte israelische Angriffskrieg bleiben wird.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> Chomsky, Noam 2002: Offene Wunde Nahost. Israel, die Pal&#228;stinenser und die US-Politik, Hamburg: Europa Verlag. p11.<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> Gro&#223;britannien war nach dem Ersten Weltkrieg Mandatsmacht in Pal&#228;stina und unterst&#252;tzte das zionistische Projekt der Kolonisierung Pal&#228;stinas seit der ber&#252;hmten „Balfour-Erkl&#228;rung“ von 1917.<br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> zit. nach Aruri, Naseer H. 2003: Dishonest Broker. The U.S. Role in Israel and Palestine, Cambridge: South End Press. p19.<br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a> Berrigan, Frida/Hartung, William D. (2006) Who’s arming Israel?, in: Foreign Policy In Focus, 26. Juli 2006, http://www.fpif.org/fpiftxt/3387<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a> Die ausf&#252;hrlichste Aufarbeitung der Vertreibung und teilweise Ermordung der Pal&#228;stinenserInnen im „Unabh&#228;ngigkeitskrieg“ liegt mit Benny Morris’ Standardwerk „The Birth of the Palestinian Refugee Problem“ vor, das auf in den 1980er Jahren erstmals zug&#228;nglichem, reichhaltigen Archivmaterial beruht (Morris, Benny 2004: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited, Cambridge: Cambridge University Press).<br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a> Shafir, Gershon, Yoav Peled 2002: Being Israeli. The Dynamics of Multiple Citizenship, Cambridge: Cambridge University Press. p112.<br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a> Yiftachel, Oren 1999: „Ethnocracy“: The Politics of Judaizing Israel/Palestine, in: Constellations, Volume 6, 3/1999, pp364-391, http://www.geog.bgu.ac.il/members/yiftachel/new_papers_eng/Constellations-print.htm<o></o></p>
<p><a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a> Shafir/Peled: a.a.O. pp110–136. Dies meist dadurch, dass Pal&#228;stinenserInnen der Zugang zum israelischen Milit&#228;r verwehrt ist. Viele Sozialleistungen sind jedoch an die Ableistung des Wehrdienstes, der f&#252;r alle j&#252;dischen Israelis (M&#228;nner wie Frauen) verpflichtend ist, gekn&#252;pft (ebd. p126).<br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a> Yiftachel, Oren 1998: Democracy or Ethnocracy: Territory and Settler Politics in Israel/Palestine, in: Middle East Report, Nr 207, 2/1998, http://www.merip.org/mer/mer207/yift.htm<o></o><br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a> Peled, Yoav 2006: Zionist Realities. Debating Israel-Palestine, in: New Left Review, II/38: pp21-36.<br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a> Laut der ersten israelischen Z&#228;hlung vom Dezember 1967 waren es 604.494 Pal&#228;stinenserInnen im Westjordanland und 380.800 im Gaza-Streifen (http://www.palestinecenter.org/cpap/stats/dist_pop_67.html).<o></o><br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a> zit. nach Achcar, Gilbert 2004: Eastern Cauldron. Islam, Afghanistan, Palestine and Iraq in a Marxist Mirror, London: Pluto Press. p211.<br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a> zit. nach ebd. p212.<br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a> Shafir/Peled: a.a.O. p172f.<br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a> B’Tselem, Israeli Information Center for Human Rights in the Occupid Territories 2006: Land Expropriation and Settlements, http://www.btselem.org/English/Settlements/<br />
<a href="#anm_16" title="anm16" name="anm16">16</a> Watzal, Ludwig 2001: Bilanz und Kritik des Osloer „Friedensprozesses“, in: Edlinger, Fritz (Hg.): Befreiungskampf in Pal&#228;stina. Von der Madrid-Konferenz zur Al-Aqsa-Intifada, Wien: Promedia, pp29-44. p 31.<br />
<a href="#anm_17" title="anm17" name="anm17">17</a> Pappé, Ilan 2003: “The Post-Territorial Dimensions of a Future Homeland in Israel and Palestine”, in: Comparative Studies of South Asia, Africa and the Middle East, Volume 23, 1&amp;2/2003: pp224 – 233. p232.<br />
<a href="#anm_18" title="anm18" name="anm18">18</a> B’Tselem a.a.O.<br />
<a href="#anm_19" title="anm19" name="anm19">19</a> Li, Darry 2006: “The Gaza Strip as Laboratory. Notes in the Wake of Disengagement”, in: Journal of Palestine Studies, XXXV/2, Winter 2006: pp38-55.</p>
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		<title>Zionismus als Sackgasse</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 22:20:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rezension: John Rose: Mythen des Zionismus. Stolpersteine auf dem Weg zum Frieden, Z&#252;rich: Rotpunkt Verlag 2006, 24,70 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: John Rose: Mythen des Zionismus. Stolpersteine auf dem Weg zum Frieden, Z&#252;rich: Rotpunkt Verlag 2006, 24,70 €<br />
<span id="more-78"></span><br />
Was ist Zionismus? Der britische Autor John Rose, Soziologe am Southwark College und der London Metropolitan University, n&#228;hert sich dieser Frage aus kritischer Perspektive und zeigt, dass der Erfolg des zionistischen Projekts – die Errichtung und Verteidigung eines exklusiv-j&#252;dischen Nationalstaates in Pal&#228;stina – ma&#223;geblich damit zusammenh&#228;ngt, dass der Zionismus seine eigene Geschichte geschrieben hat. Es ist ein bestimmtes, mehr als zweitausend Jahre abdeckendes historisches Narrativ, gepaart mit zur Selbstverst&#228;ndlichkeit erhobenen politischen &#220;berzeugungen, das den Zionismus zusammenh&#228;lt. Die tragenden S&#228;ulen dieses Narrativs entlarvt Rose in diesem nun auch auf deutsch vorliegendem Buch als Mythen, „weit verbreitete aber falsche Vorstellungen“. Schritt f&#252;r Schritt, Kapitel f&#252;r Kapitel werden die wichtigsten „Mythen des Zionismus“ vorgestellt und dekonstruiert: vom angeblich biblisch gesicherten Anrecht der Juden und J&#252;dinnen auf pal&#228;stinensisches Land („Die Bibel ist unser Mandat“ ) &#252;ber die Legende vom „unbesiedelten Pal&#228;stina“ („Ein Land ohne Volk f&#252;r ein Volk ohne Land!“ ) bis zum Mythos des israelischen „Davids“, der sich gegen einen &#252;berm&#228;chtigen arabischen „Goliath“ zu Wehr setzen m&#252;sse. <o></o></p>
<p class="MsoNormal">Erg&#228;nzt wird die Dekonstruktion historischer Mythen durch einen Einblick in eine andere, aus dem zionistischen Kanon ausgeblendete j&#252;dische Geschichte: Die Geschichte jener historischer Phasen, in denen das Zusammenleben von Menschen j&#252;discher und arabischer Herkunft von politisch-&#246;konomischer Kooperation und kultureller Symbiose gepr&#228;gt waren. Dem gef&#228;hrlichen Argument einer „nat&#252;rlichen“ Feindschaft von Judentum und Islam, einem ewigen „Kampf der Kulturen“ wird so der Wind aus den Segeln genommen. <o></o></p>
<p class="MsoNormal">Das Buch ber&#252;hrt hochsensible Fragen, etwa nach der Rolle des Holocaust in der Legitimationsstrategie zur Gr&#252;ndung Israels oder den Zusammenh&#228;ngen von US-amerikanischer und israelischer Machtpolitik. Es ist Rose hoch anzurechnen, dass er gerade hier sauber argumentiert und keine Klischees bem&#252;ht werden, die aus einer politischen Kritik des Zionismus antisemitische Propaganda machen k&#246;nnte. „Mythen des Zionismus“ ist vielmehr Teil einer Reihe j&#252;discher Publikationen, die seit den 1990ern Israel und seine Staatsideologie hinterfragen: Wissenschafter wie Ilan Pappe, Avi Shlaim oder Baruch Kimmerling etwa haben eine historische, soziologische und politische Debatte in Israel angesto&#223;en, der das Label „Post-Zionismus“ umgeh&#228;ngt wurde und in der das Verm&#228;chtnis des Zionismus als Hindernis f&#252;r einen gerechten Frieden im Nahen Osten identifiziert wird. John Rose vertieft dieses Argument und portraitiert pr&#228;gnant das politische Projekt des Zionismus als historische Sackgasse.<o></o></p>
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