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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Islamophobie</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Vorsicht: Etikettenschwindel!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2009/01/28/gegen-islam-symposium/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Jan 2009 16:02:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>clemens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Islamophobie]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[
 
Gegen das hetzerische &#8220;Islam-Symposium&#8221;!
Am 28. uns 29. J&#228;nner findet an der Universit&#228;t Wien ein „Islam-Symposium“ unter dem Titel „Kritik der Gesellschaft – Kritik des Islam. Der politische Islam als Herausforderung f&#252;r Europa und Israel“ statt, veranstaltet von der in Wien ans&#228;ssigen Gruppe „Café Critique“ und der Studienvertretung Politikwissenschaft.
„Café Critique“ konnte sich seit einigen Jahren, insbesondere an der Uni Wien, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--><br />
<span style="font-size: medium; font-family: Georgia;"> </span></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Gegen das hetzerische &#8220;Islam-Symposium&#8221;!</strong></p>
<p>Am 28. uns 29. J&#228;nner findet an der Universit&#228;t Wien ein „Islam-Symposium“ unter dem Titel „Kritik der Gesellschaft – Kritik des Islam. Der politische Islam als Herausforderung f&#252;r Europa und Israel“ statt, veranstaltet von der in Wien ans&#228;ssigen Gruppe „Café Critique“ und der Studienvertretung Politikwissenschaft.</p>
<p class="MsoNormal">„Café Critique“ konnte sich seit einigen Jahren, insbesondere an der Uni Wien, als politische, ideologische und publizistische Speerspitze der so genannten „Antideutschen“ etablieren. Der Kampf gegen „den Islam“ und die bedingungslose, unkritische Unterst&#252;tzung (je)der israelischen Regierung (auch gegen die israelische Linke und Friedensbewegung) sind die politischen Eckpfeiler dieser Str&#246;mung. Dies beinhaltete die Unterst&#252;tzung des Kriegs gegen den Irak 2003 sowie aktuell die Forderung nach einem milit&#228;rischen Angriff auf den Iran. Auf einer von „Café Critique“ im Sommer 2008 mitveranstalteten Konferenz, die ironischerweise den Titel „Stop the Bomb!“ trug, forderte der israelische Historiker Benny Morris gar einen Atombombenabwurf auf den Iran.</p>
<p class="MsoNormal">Das „Islam-Symposium“ gibt nun vor, emanzipatorische Religionskritik zu formulieren. Stattdessen wird, wie sich aus der Beschreibung der Vortr&#228;ge sowie der Zusammensetzung der Vortragenden ablesen l&#228;sst, ein einheitliches und einseitiges Bild „des Islam“ als r&#252;ckst&#228;ndiger, barbarischer, faschistischer und antisemitischer Block propagiert. Alle Widerspr&#252;che und Differenzierungen werden in dieser Sicht eingeebnet, kritische Diskussion und emanzipatorische, antirassistische Politik torpediert. Dabei werden offen (kultur-)rassistische Positionen vertreten und Musliminnen und Muslime unter Generalverdacht gestellt. Nicht zuletzt wird dadurch den anti-muslimischen RassistInnen und DemagogInnen der politischen Rechten &#214;sterreichs in die H&#228;nde gespielt.</p>
<p class="MsoNormal">Dieses „Islam-Symposium“ ist ein weiterer Versuch von „Café Critique“, sich (mit Unterst&#252;tzung der Studienvertretung Politikwissenschaft) als wichtiger Teil des linken, kritischen Spektrums in Wien und insbesondere an der Universit&#228;t zu pr&#228;sentieren. Tats&#228;chlich handelt es sich bei den VeranstalterInnen um eine Clique von BellizistInnen, die jede Kritik an US-amerikanischen oder israelischen Kriegen als antiamerikanisch oder antisemitisch denunziert und die Welt in Gut und B&#246;se aufteilt: hier USA, Israel und das „neue Europa“, da „der Islam“ und alle die sich diesem manich&#228;ischem Weltbild nicht anschlie&#223;en wollen. Soziale Bewegungen, Klassenk&#228;mpfe oder Geschlechterverh&#228;ltnisse k&#246;nnen in diesem Bild keine Rolle spielen.</p>
<p class="MsoNormal">Aus diesen Gr&#252;nden protestieren wir gegen dieses „Islam-Symposium“ und halten fest, dass dessen VeranstalterInnen sich l&#228;ngst au&#223;erhalb jedes kritischen und emanzipatorischen Zusammenhangs positioniert haben.</p>
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		<title>Editorial</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2008/02/22/editorial-2/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Feb 2008 22:56:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rastapeace</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 4]]></category>
		<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Islamophobie]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[In diesem Heft geht es nicht um den Islam. Islamophobie ist das Thema, der gegenw&#228;rtig aus allen politischen Winkeln, von rechtsextrem bis linksliberal, von christlich-konservativ bis „kommunistisch“ t&#246;nende Rassismus gegen „die Moslems“, zuweilen gar im Dienste der „Aufkl&#228;rung“ und zum Zwecke der Befreiung derer, gegen die gehetzt wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In diesem Heft geht es nicht um den Islam. Islamophobie ist das Thema, der gegenw&#228;rtig aus allen politischen Winkeln, von rechtsextrem bis linksliberal, von christlich-konservativ bis „kommunistisch“ t&#246;nende Rassismus gegen „die Moslems“, zuweilen gar im Dienste der „Aufkl&#228;rung“ und zum Zwecke der Befreiung derer, gegen die gehetzt wird.</p>
<p><span id="more-58"></span><span lang="DE"> Aber nicht „der Islam“. Den gibt es n&#228;mlich nicht, und unsere Aufgabe als Linke sehen wir auch nicht darin, uns in die m&#228;&#223;ig interessanten theologischen Debatten um Koranauslegung oder Mohammeds Liebesbeziehungen einzubringen. Wer das tut, hat n&#228;mlich schon verloren. Statt also jenen auf den Leim zu gehen, die behaupten, „der Islam“ w&#228;re das Problem und uns auf das rutschige Terrain zu begeben, auf dem „guter Moslem – b&#246;ser Moslem“ gespielt wird, besch&#228;ftigen wir uns mit denen, die die Leimrute ausgelegt haben. </span><em>Maria Asenbaum</em><span lang="DE"> und </span><em>Felix Wiegand</em><span lang="DE"> zeichnen nach, was Neorassismus, KulturkriegerInnen und die sogenannte Islamkritik verbindet und wie Teile der Linken innerhalb weniger Jahre das ABC des Antirassismus verlernt zu haben scheinen. Davor und zum Einstieg gibt es ein Interview mit </span><em>Kamile Batur</em><span lang="DE"> und </span><em>Baruch Wolski</em><span lang="DE"> vom </span>Kulturverein Kanafani<span lang="DE">, die &#252;ber ihre Eindr&#252;cke vom Aufschwung der Islamophobie und ihre Arbeit dagegen erz&#228;hlen. </span><em>Neil Davidson</em><span lang="DE">, renommierter Historiker der b&#252;rgerlichen Revolutionen, hat uns dankenswerterweise seinen Beitrag zu „Aufkl&#228;rung und Antikapitalismus“ zur Verf&#252;gung gestellt, in dem er die Mythen, die von den selbst ernannten VerteidigerInnen der Aufkl&#228;rung in Stellung gebracht werden, vernichtet. Und ja, wir d&#252;rfen die Aufkl&#228;rung gut finden – wir sollen sogar!<o></o></span></p>
<p>Au&#223;erhalb des Schwerpunkts, aber nicht so weit vom Thema weg, ist <em>Ramin Taghians</em><span lang="DE"> Artikel zur ArbeiterInnenbewegung in &#196;gypten, die es nicht nur mit einem repressiven Staatsapparat, sondern auch mit einer oppositionellen, islamistischen Massenorganisation – der Muslimbruderschaft – zu tun hat.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">Von diesen zwei Problemen hatte eine andere ArbeiterInnenbewegung nur das erste – und das vor nun &#252;ber 90 Jahren. Nachdem wir uns dem Jubil&#228;um der russischen Revolution 2007 dezent entzogen haben, startet </span><em>Stefan Probst</em><span lang="DE"> mit seinem Aufsatz eine Reihe zur Auseinandersetzung mit dem politischen Erbe der Oktoberrevolution. Er erz&#228;hlt dabei nicht nur eine kurze Geschichte von 1917, sondern beleuchtet die Herausforderungen einer „strategischen Geschichte“ f&#252;r die linke Historiographie.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">Ein Interview mit </span><em>Ulrich Brand</em><span lang="DE"> zu dem von ihm mitherausgegebenen „ABC der Alternativen“, Rezensionen zur Aktualit&#228;t Antonio Gramscis, Benno Teschkes „Mythos 1648“ und Unruhen in China sowie eine Besprechung des hoch gelobten Films „4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage“ machen auch diese Ausgabe zu einer, wie wir finden, runden Sache.<o></o></span></p>
<p>Zum Abschluss Werbung: die Homepage <em>www.perspektiven-online.at</em><span lang="DE"> ist nun wirklich einen Besuch wert – nicht zuletzt, um den „Abo“-Button anzuklicken und Perspektiven zum Sonderpreis frei Haus geliefert zu bekommen. Wer will das nicht?<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="MsoNormal"><em>Eure Redaktion</em></p>
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		<title>&#8220;Islam als Projektionsfl&#228;che&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Feb 2008 22:56:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>rastapeace</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 4]]></category>
		<category><![CDATA[Islamophobie]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Philipp Probst sprach mit Kamile Batur und Baruch Wolski vom Kulturverein Kanafani &#252;ber Islamophobie, Rassismus und die Konstruktion europ&#228;ischer Identit&#228;ten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Philipp Probst</span></em><span lang="DE"> sprach mit <em>Kamile Batur</em> und <em>Baruch Wolski</em> vom <em>Kulturverein Kanafani</em> &#252;ber Islamophobie, Rassismus und die Konstruktion europ&#228;ischer Identit&#228;ten.</span></p>
<p><span id="more-57"></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p><em>Was sind eure Erfahrungen mit Islamophobie? In welcher Form seid ihr Rassismus ausgesetzt, was gibt es f&#252;r Alltagserfahrungen?</em></p>
<p>Baruch Wolski: Es gibt ganz unterschiedliche Erfahrungen. Es gibt AktivistInnen vom Kulturverein Kanafani, die kaum damit konfrontiert worden sind und dann gibt’s welche, die sehr stark damit konfrontiert worden sind, durch P&#246;beleien etc. Vor allem Frauen mit Kopftuch trifft das besonders, weil die einfach sichtbar sind.<br />
Kamile Batur: Es gibt auch F&#228;lle, die jedeN von uns betreffen. Aber wenn man Kopftuch tr&#228;gt, dann wird man schon zur Zielperson gemacht, &#252;berall, auf der Stra&#223;e, usw. Oft merkt man es vorher gar nicht. Leute, die aus der Mittelschicht kommen, die eigentlich ganz ordentlich ausschauen, machen irgendwas, und zwar so, dass die Anderen das nicht merken, nur du merkst das. Wenn du das dann schluckst, ist alles in Ordnung, weil sie ja auch erwarten, dass du als Frau mit Kopftuch immer sch&#252;chtern bist, dass du nicht reagieren kannst. Wenn du einmal reagierst, dann laufen sie schnell weg, dann k&#246;nnen sie nicht mehr weiter machen. (lacht) Ich bin nicht so oft betroffen, aber es gibt schon F&#228;lle, in denen es auch zu k&#246;rperlichen &#220;bergriffen gekommen ist.<br />
B.: Es gibt etwas, das man zum Teil nur schwer in einer Statistik, wie sie zum Beispiel Zara <a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a> erstellt, fassen kann. Es gibt einfach Nuancen, Untert&#246;ne im Umgang miteinander. Ahmed beispielsweise, dessen Eltern Freunde von uns sind, ist f&#252;nf Jahre alt. Wir fahren mit ihm und unserem Kind in den Zoo. In dem U-Bahnwagon sitzt eine alte Frau und f&#228;ngt an mit den Kindern zu sprechen, ganz lieb eigentlich und sehr freundlich. Aber irgendetwas sp&#252;rt man da. Und dann sagt sie: „Ja aber der ist nicht euer Kind“, weil er dunkler ist. Und wir sagen: „Kind von Freunden“ und sie „Achso, jaja,… na, als Kinder sind sie schon sehr lieb alle“. Das kann man jetzt nicht gro&#223;artig als &#220;bergriff werten und manchmal ist es, wie es r&#252;berkommt, sogar noch diffiziler als in diesem Beispiel. Es sind diese unterschwellige Sachen, die an einem nagen und statistisch auch nicht so gut erfassbar sind.<br />
K.: F&#252;r mich ist nicht so sehr der Rassismus im Alltag das Problem. Ich kenne auch viele nette Leute, die fast schon &#252;bernett sind. Ich finde der institutionelle Rassismus ist viel schlimmer und hat gr&#246;&#223;eren Einfluss, gerade auch auf unser allt&#228;gliches Leben.<o></o></p>
<p><em>Wie wirkt sich dieser institutionelle Rassismus aus?</em></p>
<p>B.: Das bezieht sich ja nicht nur auf Islamophobie, jedeR hat Probleme mit Fremdenrecht usw.<br />
K.: Ich bin, zum Beispiel, seit &#252;ber f&#252;nf Jahren mit einem &#246;sterreichischen Staatsb&#252;rger verheiratet, trotzdem bekomme ich bis heute nur ein einj&#228;hriges Visum. <o></o></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Auch auf der Uni. Oft sind die Menschen an den Inskriptionsstellen f&#252;r ausl&#228;ndische Studierende furchtbar, insbesondere auch zu den t&#252;rkischen Studierenden.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">Was auch zum institutionellen Rassismus, vielleicht nicht direkt, dazugeh&#246;rt, ist, was als mediales Bild vermittelt wird.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Das geh&#246;rt auch zum institutionellen Rassismus. Staatliche Stellen, Medien und auch zivile Stellen sind ein Teil davon.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><em>Ihr habt das mediale Bild angesprochen. Islamophobie ist ja ein Ph&#228;nomen, das sich in den letzten Jahren immer mehr versch&#228;rft hat, j&#252;ngster H&#246;hepunkt waren die Aussagen im FP&#214;-Wahlkampf in Graz. Was glaubt ihr waren die Ereignisse, die das noch versch&#228;rft, noch einen zus&#228;tzlichen Aufschwung gegeben haben?</em></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Solche Ereignisse find ich nicht so schlimm. Jeden Tag sehe ich irgendetwas in den Printmedien oder im Fernsehen, was nicht so klar rassistisch ist, aber diese Propaganda irgendwie versch&#228;rft. F&#228;lle wie in Graz machen den Rassismus nur sichtbar und wir k&#246;nnen dann offen &#252;ber Rassismus sprechen. Aber wie die Medien das machen, da darfst du nicht so offen &#252;ber Rassismus sprechen – da wirkt das viel versteckter.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B: Als Islamkritik, oder demokratischer Diskurs. Ich meine, alles was Susanne Winter gesagt hat, das ist ja nicht original von ihr. Das mit dem Tsunami, das hat Henryk Broder schon einmal gesagt und „Mohammed ist ein Perverser“ kam von Ayaan Hirsi Ali. Das hat niemals dieses Echo ausgel&#246;st, weil es damals einfach Teil des demokratischen Diskurses war und von „KritikerInnen“ gekommen ist. Wenn Susanne Winter das sagt, ist die ganze Republik entr&#252;stet. Wobei auch diese Entr&#252;stung wieder ein Problem ist. Wenn gesagt wird, „um Gottes willen, die bringt die &#214;sterreicher in eine gef&#228;hrliche Sicherheitslage“ ist das ja auch kein antirassistisches Statement, sondern eher eine Fortf&#252;hrung dieser Klischees und Panikmache.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><em>Islamophobie wird oft mit einer Wertediskussion verbunden, in der es dann um „&#246;sterreichische Werte“ oder „europ&#228;ische Werte“ geht. Wie steht ihr dieser Wertediskussion gegen&#252;ber?</em></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Ehrlich gesagt in anderen L&#228;ndern, in Holland, D&#228;nemark, England oder auch Deutschland ist das irgendwie noch schlimmer als in &#214;sterreich. Was sollen diese Werte sein? Was ist die Leitkultur von Wien? Das sind so abstrakte, in der Luft schwebende Begriffe. Bis jetzt haben Leute immer zusammen gelebt, es gibt keine „reine“ Kultur in Europa, sondern immer gemischte Kulturen in Europa und in &#214;sterreich. Die Immigration ist doch nichts Neues in &#214;sterreich und hat eine mehr als zweihundertj&#228;hrige Geschichte. Trotzdem wird immer noch davon gesprochen, als g&#228;be es eine homogene Kultur, ein homogenes Wertesystem, und nur die Muslime w&#228;ren das nicht „anpassungsf&#228;hige“ Element. Ich bin mir immer noch nicht sicher, was diese reine, homogene Leitkultur von &#214;sterreich oder von Europa sein soll. <o></o></span></p>
<p>B.: Ich glaube, die sind sich auch nicht sicher. Deshalb nimmt man auch den Islam als Projektionsfl&#228;che, um das zu definieren. Es ist Ausdruck einer Identit&#228;tskrise und gleichzeitig auch der Versuch, eine europ&#228;ische Identit&#228;t zu schaffen, zu konstruieren. FreundInnen von KanakAttak<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a> waren bei uns f&#252;r einen Workshop zu Besuch und haben gemeint, dass das einzig verbindende Element in allen europ&#228;ischen L&#228;ndern derzeit eigentlich die Islamophobie ist. Es gibt keine gemeinsame Sicherheitspolitik usw., man einigt sich eigentlich auf gar nichts, aber man versucht zumindest eine europ&#228;ische Identit&#228;t zu konstruieren. Das funktioniert eigentlich fabelhaft. Und es funktioniert auch deshalb, weil die Linke in einer Krise oder kaputt ist. Die neuen sozialen Bewegungen sind alle nicht mehr neu, sondern eher alt. Dann kannst du im Falter lesen, der ja auch so ein &#220;berbleibsel ist, wir d&#252;rften uns unsere christlichen Werte nicht von der FP&#214; verteidigen lassen, wie Armin Thurnherr schreibt. Was hat er mit christlichen Werten zu tun? (lacht). Ein anderes Beispiel: Wir waren bei einer halb-internen Wertediskussion bei den Gr&#252;nen eingeladen, bei der sie dann sagen: „Wir haben schon europ&#228;ische Werte, und die soll man auch m&#246;glichst unterschreiben. Das ist dann die europ&#228;ische Menschenrechtserkl&#228;rung“. Interessant, alles was von der Linken &#252;brig geblieben ist, ist die europ&#228;ische Menschenrechtserkl&#228;rung, die man ja auch durchaus von links kritisieren k&#246;nnte. Das ist das Bedr&#252;ckende, dass sich das &#252;berall durchzieht und nicht nur bei der Rechten bleibt. Dass man damit seine eigene Identit&#228;t konstruiert. Pl&#246;tzlich sind alle ganz frauenbewegt. Ich war bei einer Gemeinderatssitzung der FP&#214;, wo die Burschenschaftler sitzen und &#252;ber Frauenrechte reden, im Bezug auf den Islam. Es ist ein Ph&#228;nomen! (lacht)<o></o></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Es ist wirklich interessant, dass alle so mitspielen. Auch FeministInnen, wenn auch nicht alle, und viele marginalisierte Gruppen. Das ist das gro&#223;e Problem mit der Islamophobie, dass es nicht nur ein Problem der Rechten, sondern auch der Linken ist. <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p><em>Das Thema Integration spielt in diesem Zusammenhang ja eine gro&#223;e Rolle.</em></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Ja, pl&#246;tzlich werden nicht mehr „die Ausl&#228;nder“ sondern „die Muslime“ integriert. Besonders auff&#228;llig war das bei dem Integrationsbericht unter Liese Prokop, in dem es eigentlich um Muslime gegangen ist. Es wurden einfach die Kategorien ausgetauscht.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Mit dem Begriff Integration haben wir nat&#252;rlich auch unsere Probleme.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Aber nicht nur wir, weil wir eine theoretische Kritik daran haben, sondern auch die MigrantInnen selbst.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Integration ist ja nicht einfach der Begriff zwischen Multikulturalismus und Assimilation. Es ist einfach eine Reformulierung von Assimilation. Wir haben uns viele Studien angesehen, und es wird nie genau definiert, was diese Werte sind, worin die Leute integriert werden sollen. Was immer klar wird ist, dass die Religion, in dem Fall der Islam, ein Hindernis f&#252;r Integration darstellt. <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Das ist die Pr&#228;misse.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Da sieht man schon warum diese Studien gemacht werden.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Das verstehen auch alle! Die Gastarbeiter aus Anatolien verstehen ganz genau, wie das gemeint ist. Wenn man „Integration“ sagt, wissen sie: das hei&#223;t eigentlich, wir sollen uns assimilieren, anpassen, unauff&#228;llig werden. Das wird durchaus so richtig verstanden. <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p><em>Ihr habt vorher angesprochen, dass sich Islamophobie nicht nur auf rechte oder konservative Kreise beschr&#228;nkt, sondern sich auch in linke und liberale Kreise ausbreitet. Warum ist das so? Warum hat das so eine Massenwirkung?</em></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Sie glauben alle an die europ&#228;ische Identit&#228;t.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Ich glaub es kommt von verschiedenen Richtungen. Zum Beispiel die 68er: in &#214;sterreich gab es zwar keine 68er, aber es gab da irrsinnig viele Leute aus dem B&#252;rgertum und Kleinb&#252;rgertum, die offen waren f&#252;r das, was damals passiert ist. Jetzt ist das alles irgendwie zusammengebrochen und fast nichts ist &#252;brig geblieben – gerade auch nach 1989. Und nun rennen die Leute wieder zu Mama und Papa, zu dem, was f&#252;r sie sicher ist, ins b&#252;rgerliche Elternhaus (lacht), wo dann gesagt wird „jaja, unsere christliche Werte“ und „wir Europ&#228;er“.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">Es kommt immer aus zerbrochenen Geschichten. Wenn du dir die Antideutschen anschaust, die kommen aus einer radikalen Linken die zusammengebrochen ist, aus einer autonomen Bewegung, die sich zerstreut hatte. Die tragen das ganz stark, weil sie meinen, dass sie jetzt Teil eines Kulturkampfes zwischen Israel und dem Islam w&#228;ren, und da m&#252;sse man dann mit Begeisterung dabei sein. Die Islamophobie hat ganz verschiedene Gr&#252;nde. Aber es kommt immer aus einer eigenen Krise. Insofern kn&#252;pft das auch an einen alten Orientalismus an, wie ihn Edward Said beschrieben hat, und wie er in der Konstituierung Europas wichtig war. Das Andere erkl&#228;rt einen selbst. Die Linke ist in einer schweren Krise und das ist ein Ausdruck davon.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: In der Orientalismusdebatte gibt es immer einen Islam, der einheitlich ist, wie Europa mit seiner Leitkultur, ein einheitliches Bild „des Islams“. Aber auch die, die das kritisieren, die versuchen aus dem Kulturkampf auszubrechen, laufen meiner Meinung nach in einer Falle, weil sie sagen, dass es eigentlich gar keinen Islam gibt. Das sind zwei unterschiedliche Ecken und wir stehen in keiner der beiden. Es gibt unterschiedlich praktizierte Islambilder aber trotzdem kann man von einem gemeinsamen Kern im Islam reden. Es gibt schon ein islamisches Weltbild mit einem gemeinsamen Kern, aber es ist nicht einheitlich, nicht homogen.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">Vielleicht soll man einfach davon weggehen und dar&#252;ber reden, wie wir zusammenleben k&#246;nnen. Wir, also der Kulturverein Kanafani, sind vielleicht so ein Beispiel, wie man zusammen leben und arbeiten kann.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><em>Wie sch&#228;tzt ihr die Reaktion der radikalen Linke zum Thema Islamophobie ein?</em></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Ich glaube, in Wien hat der Israel/Pal&#228;stinakonflikt alles &#252;berschattet – obwohl das in den letzten Jahren etwas aufgebrochen ist. Aber trotzdem gibt es diese Angst. Du bist anti-religi&#246;s und willst nichts verteidigen. Bezeichnend war die Demo, unterst&#252;tzt von &#214;H, Uni-Linken, EKH usw., ausgel&#246;st durch die Demonstration der Faschos gegen die „Moschee“ im zwanzigsten Bezirk. Das war eigentlich das Thema. Sie haben es aber nicht geschafft „Islamophobie“ in den Aufruf zu schreiben. Sie haben dann die Formulierung, unter Sexismus, Rassismus, und alles was es so gibt, gefunden: „auch Menschen, die als Muslime wahrgenommen werden“. Wenn man b&#246;se ist, kann man da auch sagen, „bei echten Muslime is eh wurscht, oder was?“. Das ist ein Ausdruck davon, dass man nicht wei&#223;, wie man damit umgehen kann, dass es ein gro&#223;es Unbehagen gibt.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">Zum Teil spiegeln sich auch Konflikte wider, die von ganz woanders kommen. Die meisten muslimischen Leute in &#214;sterreich sind t&#252;rkischer Herkunft. In der T&#252;rkei gibt es einen Kampf zwischen alter kemalistischer Elite und Leuten aus der Peripherie, die vielleicht AKP w&#228;hlen, und einer neuen Generation, die jetzt an die Uni str&#246;mt, oder schon da ist, und den alten Eliten die Posten streitig macht. Das selbe hast du im Mikrokosmos Wien auch. Die s&#228;kularen Linken aus der T&#252;rkei, die vor drei&#223;ig, vierzig Jahren mit guter Ausbildung gekommen sind und heute Verwaltungsbeamte im Wiener Rathaus oder Integrationsexperten sind,<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: … also schon integriert sind (lacht)<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B: … die haben riesigen Stress, dass jetzt eine Generation von muslimischen Leuten kommt, die auch gut ausgebildet ist, deren Eltern und Gro&#223;eltern aber aus Anatolien kommen und Bauern waren, nicht aus der Stadt und aus Istanbul, und die jetzt auch ihre Stimme erhebt. <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">Pl&#246;tzlich sagt dann diese &#228;ltere Generation: „Wir sind die Bastion gegen den ‚Islamismus’ und die Linken, wir Linken m&#252;ssten doch den Islamismus bek&#228;mpfen.“ Da geht’s dann eigentlich um ganz banale Sachen, um einen Konflikt in der T&#252;rkei, der auch hier sichtbar wird. <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Zu Symposien oder Veranstaltungen zum Thema Kopftuch, Islam, oder EU-Beitritt der T&#252;rkei werden zum Beispiel immer unbedingt Leute t&#252;rkische Herkunft eingeladen. Der Mann oder die Frau vertritt dann sehr oft eine eigenartige Sichtweise, und ich frag mich immer, warum, wenn es um die Kopftuchfrage geht, nie eine Frau mit Kopftuch gefunden wird, um dort zu sprechen. Gibt es die nicht? Das ist auch eine institutionalisierte Praxis von Rassismus.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Dass immer die anderen &#252;ber einen, &#252;ber Muslime reden.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><em>Wie schaut eure anti-rassistische Arbeit konkret, als Kulturverein Kanafani, aus?</em></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Wir sind eher im studentischen Umfeld aktiv und machen Veranstaltungen auf der Universit&#228;t. Islamfeindlichkeit ist nat&#252;rlich ein Schwerpunkt, auch auf Grund der Herkunft unserer AktivistInnen. Medienarbeit ist uns sehr wichtig. Wir bringen ein Magazin<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup> </a> heraus und versuchen, in den akademischen Diskurs zu intervenieren.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Das Problem ist, dass MigrantInnen oft gar nicht in diesen Diskurs hineinkommen. Dabei spielen wir schon eine Rolle, dadurch, dass wir diesen Diskurs auch irgendwie lenken k&#246;nnen. „Islamophobie“ war zum Beispiel vor ein paar Jahren, als wir unsere Islamophobie-Reihe ver&#246;ffentlichten, noch gar kein Thema. Es wurde nie gesagt, dass es so ein Problem gibt. Es muss erst sichtbar gemacht werden, daf&#252;r muss viel gearbeitet werden.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">Deshalb haben wir eine Vortragsreihe gemacht und Texte im „der.wisch“ ver&#246;ffentlicht.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Als wir mit dem Thema Islamophobie angefangen haben, hat noch keiner davon gesprochen.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Es wurde gesagt: „Was hat Islamfeindlichkeit mit Rassismus zu tun? Rassismus kommt doch von Rasse?“ <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Dazu kommt, dass in &#214;sterreich der antirassistische Diskurs extrem unterentwickelt ist, im Vergleich zum angels&#228;chsischen Raum oder selbst zu Deutschland. Zum Beispiel hei&#223;t das &#214;H-Ausl&#228;nderInnen Referat noch immer Ausl&#228;nderInnenreferat. Ich wei&#223; nicht, wie viele Diskussionen &#252;ber Begrifflichkeiten es gab. Auch, dass es eigentlich nur eine Serviceeinrichtung ist und keine antirassistische Arbeit macht, geh&#246;rt dazu. Es gibt kaum ein Bewusstsein daf&#252;r. Auch die meisten Studierenden haben gesagt: „Rassismus hat etwas mit Rasse zu tun. Wenn’s keine Rasse gibt, kann es auch keinen Rassismus geben.“ Das ist ein Niveau, unglaublich, da waren die Leute vor drei&#223;ig, vierzig Jahren weiter. Das ist nochmal eine &#246;sterreichische Spezialit&#228;t.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">Damals als die doppelten Studiengeb&#252;hren f&#252;r ausl&#228;ndische Studierende gekommen sind, wollten wir einen Bettelzug machen.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Da gab es auch Probleme. Die &#214;H war nicht wirklich solidarisch mit den ausl&#228;ndischen Studierenden. Das Problem f&#252;r die &#214;H war, dass Frauen mit Kopftuch so zahlreich auf der Demonstration erscheinen werden.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Es hie&#223; zuerst, sie unterst&#252;tzen die Demonstration ausl&#228;ndischer Studierender und derer, die haupts&#228;chlich davon betroffen sind, also t&#252;rkischer Studierender. Aber es sollen nicht viele Frauen mit Kopftuch kommen. Da haben wir gesagt, dass die aber die Betroffenen sind, worauf sie gesagt haben, dass das schlecht w&#228;re, weil sie die Demo dann nicht mehr unterst&#252;tzen k&#246;nnten. <o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><em>Wie geht man damit um?</em></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Man hat es dann ohne Unterst&#252;tzung der &#214;H gemacht, die Demo war halt kleiner. Sch&#246;n war in diesem Zusammenhang, dass sich die t&#252;rkischen linken Gruppen, auch die radikalen linken Gruppen solidarisiert haben. Da war das keine Frage, ob mit Kopftuch oder nicht. Das hat auch die Vorgeschichte, dass sie sich in der T&#252;rkei teilweise auch schon solidarisiert haben gegen das Kopfuchverbot. Von der &#214;H gab es halt keine Unterst&#252;tzung. Sie haben dann vorgeschlagen, es solle doch eine Arbeitsgruppe zum Thema doppelte Studiengeb&#252;hren geben (lacht).<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><em>Wie steht ihr zur „Kopftuchdebatte“?</em></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Wir machen eigentlich nicht viel dazu. F&#252;r mich ist die Frage des Kopftuchs nicht nur eine Frage von Frauenrechten, sondern es ist auch ein Instrument f&#252;r die Islamfeindlichkeit. Deswegen muss man allgemein Islamfeindlichkeit, Islamophobie bek&#228;mpfen. Zwei Behauptungen werden ja aufgestellt. Die eine ist, dass Frauen im Islam unterdr&#252;ckt werden und das Kopftuch das Symbol daf&#252;r ist. Die andere ist, dass es ein Bild f&#252;r Islamismus ist, f&#252;r ein die europ&#228;ische Identit&#228;t gef&#228;hrdendes Element. Wir reden immer &#252;ber diese Konstrukte. Man muss Islamophobie allgemein bek&#228;mpfen.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">B.: Wir haben das Kopftuch als Kopftuch nie thematisiert und es war auch vereinsintern nie ein Thema. Was sollen wir auch sagen? Wir sind nicht unterdr&#252;ckt?<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE">K.: Ich bin auch eine moderne Frau! (lacht) Um mit Islamophobie umzugehen, muss ich offen legen, was sie mit der ganzen europ&#228;ischen Identit&#228;t meinen. Es gibt Frauen in K&#246;ln, die legen Reinterpretationen des Islam aus theologischer Sicht vor, besch&#228;ftigen sich mit Koranversen etc. Die machen das auch gut, aber das ist kein politisches Instrument f&#252;r uns. Es geht uns nicht darum, ob die Lage der Frauen im Islam richtig ist. Es geht uns darum, wie die europ&#228;ische Identit&#228;t konstruiert wird und wie man damit umgeht. Das wird nie enden. Jetzt ist es gerade der Islam, dann wird es wieder etwas anderes sein.<o></o></span></p>
<p class="Fliesstext"><span lang="DE"><o> </o></span></p>
<p class="Fliesstext"><em>Danke f&#252;r das Interview!</em></p>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> „Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit“: <a href="http://www.zara.or.at" target="_blank">www.zara.or.at</a><o></o><br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> <a href="http://www.kanak-attak.de" target="_blank">www.kanak-attak.de</a><o></o><br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> Das Magazin hei&#223;t „der.wisch“: <a href="http://www.kanafani.at/index_derwisch.html" target="_blank">www.kanafani.at/index_derwisch.html</a><o></o></p>
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		<title>Islamophobie und die Kulturen des Rassismus</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Feb 2008 22:54:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 4]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Islamophobe Argumente ziehen sich seit einigen Jahren durch das gesamte politische Spektrum. Wiewohl sich die unterschiedlichen ProtagonistInnen der Debatte aus unterschiedlichsten Positionen zu Wort melden, scheinen sie doch in dieselbe Kerbe zu schlagen. <em>Maria Asenbaum</em> und <em>Felix Wiegand</em> &#252;ber die Zusammenh&#228;nge von Neorassismus, „Kampf der Kulturen“ und „Islamkritik“.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Islamophobe Argumente ziehen sich seit einigen Jahren durch das gesamte politische Spektrum. Wiewohl sich die unterschiedlichen ProtagonistInnen der Debatte aus unterschiedlichsten Positionen zu Wort melden, scheinen sie doch in dieselbe Kerbe zu schlagen. <em>Maria Asenbaum</em> und <em>Felix Wiegand</em> &#252;ber die Zusammenh&#228;nge von Neorassismus, „Kampf der Kulturen“ und „Islamkritik“.<br />
<span id="more-63"></span><br />
Mit den j&#252;ngsten Verbalattacken der Grazer FP&#214;-Kandidatin Susanne Winter hat die islamfeindliche Hetze in &#214;sterreich einen vorl&#228;ufigen H&#246;hepunkt erreicht. Die Reaktionen waren zwar gro&#223;teils ablehnend bis emp&#246;rt, doch stets mit einen „aber“ verbunden. Zusammengefasst: „Emp&#246;rend, aber der islamistische Terrorismus ist schon eine echte Bedrohung“, „Emp&#246;rend, aber die Integration von MuslimInnen ist tats&#228;chlich ein Problem“, „Emp&#246;rend, aber der Islam ist eben eine r&#252;ckschrittliche, gewaltverherrlichende Religion“. So „emp&#246;rt“ sich auch Standard-Gastkommentator Christian Zeitz – &#252;ber die Emp&#246;rung: „Es ist ein Akt intellektueller Redlichkeit, die Quellen, auf die sich die Muslime selbst berufen, zitieren und die Ausbreitungsgeschichte des Islam referieren zu d&#252;rfen. Und es ist ein Akt der Selbstbehauptung des mitteleurop&#228;ischen Erfolgsmodells, von den Vertretern der Muslime den Nachweis der Anpassung ihrer Lehre an die Wertebasis unserer Gemeinschaft einzufordern. Dies als ‚Ausgrenzung’ und ‚menschenverachtenden Rassismus’ zu definieren ist ein inakzeptables Totschlagsargument. Denn ‚die Wahrheit ist den Menschen zumutbar’ (Karl Popper).“<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a></p>
<h3>Rassismus ohne Rassen</h3>
<p>Wenn wir hier demgegen&#252;ber auf der Notwendigkeit beharren, von „Ausgrenzung“ und „menschenverachtendem Rassimus“ zu sprechen, sollte zun&#228;chst klar sein, wor&#252;ber wir nicht sprechen: &#252;ber die Vorstellung, die menschliche Gattung best&#252;nde aus unterschiedlichen biologischen „Rassen“, denen von Natur aus ein unterschiedliches Ma&#223; an Zivilisiertheit, Intelligenz, Arbeitseifer usw. zuk&#228;me und die sich anhand &#228;u&#223;erer Merkmale wie Hautfarbe oder Sch&#228;delform erkennen lie&#223;en. Die Argumente eines solchen – wissenschaftlich unhaltbaren – <em>biologischen</em><span> Rassismus sind nach 1945, aber auch aufgrund der Dekolonialisierung sowie der Abschaffung der „Rassen“-Segregation in den USA und in S&#252;dafrika im &#246;ffentlichen Mainstream moralisch derart diskreditiert, dass insbesondere im deutschsprachigen Raum die Verwendung des Wortes „Rasse“ weitgehend tabu ist. Nicht umsonst wird zwischen einzelnen Bev&#246;lkerungsgruppen gegenw&#228;rtig – zumindest im offiziellen Sprachgebrauch – anhand ethnischer, kultureller oder religi&#246;ser Differenzen, nicht anhand von Hautfarbe oder Sch&#228;delform unterschieden. Doch ist Rassismus deshalb verschwunden? Nein, er hat lediglich seine Form ver&#228;ndert und funktioniert als „Rassismus ohne Rassen“, meinten in den 1980er Jahre vor allem franz&#246;sische und britische (Sozial-)WissenschafterInnen und PhilosophInnen und er&#246;ffneten damit einen neuartigen Blick auf einige der wirkungsm&#228;chtigsten ideologischen Prozesse gegenw&#228;rtiger Gesellschaften. Die zentrale Einsicht von TheoretikerInnen wie Pierre-André Taguieff, Ettiene Balibar, Robert Miles oder Stuart Hall besteht dabei – &#252;ber alle Unterschiede in einzelnen Positionen hinweg – in der Erkenntnis, dass eine bestimmte Form der Unterteilung der Menschheit in verschiedene Gruppen und der Identifikation dieser Gruppen mit bestimmten Charakteristika nicht notwendigerweise an die Idee einer Existenz biologischer „Rassen“ gebunden sein muss, um rassistisch zu sein. Stattdessen kann, so die These, rassistische Klassifikation auch auf der Annahme unver&#228;nderlicher kultureller Differenz beruhen. </p>
<h3>Diskurs der Differenz</h3>
<p>Doch was genau kennzeichnet ein solches kulturalistisches, d. h. das Kulturelle betonende Denken als „neorassistisch“, ab wann ist es also gerechtfertigt, von „kulturellem“ oder „differenzialistischem“ </span><em>Rassismus</em><span> zu sprechen? Einen ersten Anhaltspunkt bietet zun&#228;chst eine allgemeine Bestimmung von Rassismus: dieser beruht nach Robert Miles<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a> auf einem ideologischen Prozess der Grenzziehung zwischen verschiedenen, als miteinander unvereinbar gedachten Gruppen, sowie auf der Vorstellung, die Zugeh&#246;rigkeit eines Menschen zu einer dieser Gruppen lie&#223;e sich anhand (zumeist) &#228;u&#223;erlicher und (vermeintlich) angeborener Merkmale erkennen und w&#228;re zwingend mit bestimmten (kulturellen und/oder biologischen) Eigenschaften verbunden. Die Zuordnung dieser Eigenschaften erfolgt im rassistischen „Diskurs der Differenz“<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a> in Form von einander entgegengesetzten Stereotypen und dient der Konstruktion von Identit&#228;t: so wie die der anderen Gruppe zugesprochenen (negativen) Eigenschaften ihr Spiegelbild in jenen (positiven) der eigenen Gruppe haben (irrational vs. rational, naturverhaftet vs. aufgekl&#228;rt, primitiv vs. kultiviert usw.), findet das „Andere“ als Objekt des Rassismus seinen Gegensatz im eigenen „Wir“. F&#252;r Stuart Hall ist „[d]ieses System der Spaltung der Welt in ihre bin&#228;ren Gegens&#228;tze (…) das fundamentale Charakteristikum des Rassismus, wo immer man ihn findet“.<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a> Im Zuge dieses „Diskurses der Differenz“ werden demnach sowohl das „Wir“ (<em>die</em></span><span> Wei&#223;en, </span><em>die</em><span> &#214;sterreicher, </span><em>der</em><span> Okzident) als auch das „Andere“ (</span><em>die</em><span> Schwarzen, </span><em>die</em><span> Ausl&#228;nder, </span><em>der</em><span> Orient) als geschlossen und v&#246;llig homogen – gleichsam als monolithischer Block – konstruiert. Die unz&#228;hligen Differenzen, die sich innerhalb dieser Gruppen und der einzelnen Individuen entlang von Kategorien wie Geschlecht, Klasse, sexuelle Orientierung, Alter usw. usf. auftun, m&#252;ssen daher notwendigerweise zugunsten einer vermeintlich allumfassenden gemeinsamen Identit&#228;t unter den Tisch fallen. Da diese Identit&#228;t wie auch die mit ihr verkn&#252;pften Eigenschaften dabei als unver&#228;nderlich und quasi-angeboren und nicht als Ergebnis eines historisch-sozialen Prozesses dargestellt werden, erscheinen beide letztlich auch dort als nat&#252;rliche Tatsache, wo grade nicht biologistisch, sondern kulturell argumentiert wird: „</span><em>Kultur [kann] durchaus als eine solche Natur fungieren</em><span>, insbesondere als eine Art, Individuen und Gruppen </span><em>a priori</em><span> in eine Ursprungsgeschichte, eine Genealogie einzuschlie&#223;en, in ein unver&#228;nderliches und unverr&#252;ckbares Bestimmt-Sein durch den Ursprung“.<a href="#anm5" title="anm_5" name="anm_5"><sup>5</sup></a> Dass der neorassistische Diskurs in seinem Effekt – der Festschreibung von Kultur als angeborener Tatsache – dem biologischen Rassismus hier sehr stark &#228;hnelt, ist ein Indiz daf&#252;r, dass beide Ph&#228;nomene realiter nicht unbedingt einen Gegensatz, sondern lediglich die „,zwei Logiken‘ des Rassismus“<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a> bilden: so wie in der Vergangenheit der vermeintliche Unterschied zwischen verschiedenen biologischen „Rassen“ seine Begr&#252;ndung zugleich immer auch in sozialen und kulturellen Differenzen fand, werden heute umgekehrt kulturell bestimmten Gruppen spezifische physische Merkmale und sexuelle Eigenheiten zugeschrieben oder es wird unterstellt, enge famili&#228;re Bindungen und Heiratsregeln dienten der biologischen und zugleich kulturellen Reproduktion solcher Gruppen.<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> Die Analyse derartiger Verbindungen von Essentialismus, Naturalisierung und biologistischer Zuschreibung – d. h. die Frage, wie Rassismus ideologisch funktioniert – w&#228;re indes weniger dr&#228;ngend, ginge dieser bekannterma&#223;en nicht &#252;ber eine blo&#223;e Identit&#228;tskonstruktion weit hinaus. Insofern der rassistische Diskurs immer auf eine Form der (praktischen) Marginalisierung abzielt, erhalten die vermeintlich nat&#252;rlichen und daher unver&#228;nderlichen Unterschiede n&#228;mlich eine besondere Bedeutung: sie werden als Rechtfertigung daf&#252;r benutzt, der als „anders“ definierten Gruppe (und nur ihr) auch tats&#228;chlich gewisse Rechte (bis hin zum Recht auf Leben) oder den Zugang zu bestimmten Ressourcen zu verweigern.<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a> Da Rassismus derartige „Ausschlie&#223;ungspraxen“<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a> begr&#252;ndet, ist er demnach zwingend immer auch ein Herrschaftsprozess und als solcher an gesellschaftliche Macht- und Dominanzverh&#228;ltnisse gebunden. Offenkundig wird dies besonders dort, wo rassistisches Denken sich aus der Machtposition der Mehrheit heraus gegen Minderheiten richtet bzw. in Form von institutionellem Rassismus oder gar einer zur Staatsdoktrin erhobenen Ideologie wirkungsm&#228;chtig wird. </p>
<h3><span>Rassismus und b&#252;rgerliche Herrschaft</span></h3>
<p>Zus&#228;tzlich zu diesem unmittelbar auf die Opfer gerichteten Effekt steht Rassismus jedoch auch noch anderweitig in engem Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung von Macht- und Herrschaftsverh&#228;ltnissen. Denn in dem Ma&#223;e, in dem er dazu beitr&#228;gt, untergeordnete Gruppen und Klassen zu spalten – z.B. in „wei&#223;e“ und „schwarze“ ArbeiterInnen oder „westliche“ und „islamische“ Frauen – und eine Solidarisierung oder angemessene Repr&#228;sentation gemeinsamer Interessen so zu verhindern<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a>, wirkt das durch den rassistischen Diskurs erzeugt Konstrukt einer einheitlichen und gemeinsamen Identit&#228;t (s.o.) umgekehrt als ideologischer Kitt im Inneren einer Gesellschaft: insofern es Identifikation erm&#246;glicht und auch gesamtgesellschaftlich nicht privilegierten Gruppen und Schichten Zugeh&#246;rigkeit und (materielle) Vorteile verspricht, ist es n&#228;mlich zugleich „Bestandteil der Gewinnung von Konsensus und der Konsolidierung einer sozialen Gruppe in Entgegensetzung zu einer anderen, ihr untergeordneten Gruppe“.<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a> Falsch w&#228;re es freilich, Rassismus auf diese Funktion der Erhaltung b&#252;rgerlicher Herrschaft zu reduzieren und seine Wirkungsm&#228;chtigkeit – gerade in der ArbeiterInnenklasse – in weiterer Folge mit einer gezielten Vermittlung „falschen Bewusstseins“ durch die Herrschenden erkl&#228;ren zu wollen. Vielmehr gilt es zu verstehen, dass rassistische Ideologien in „praktisch ad&#228;quater“ Art und Weise an Elemente des Alltagsverstands ankn&#252;pfen und eine M&#246;glichkeit darstellen, wie Menschen ausgehend von ihren Erfahrungen die (kapitalistisch verfasste) Welt und ihr Verh&#228;ltnis zu dieser beobachten und verstehen k&#246;nnen.<a href="#anm12" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a> Um in dieser Form als „Sinngebungsinstanz“ zu fungieren und den Menschen ein vermeintliches Wissen &#252;ber gesellschaftliche Zusammenh&#228;nge zu vermitteln, bed&#252;rfen rassistische Ideologeme jedoch zuvor einer Art Rationalisierung, d. h. einer theoretischen Ausarbeitung auch und gerade durch Intellektuelle und den akademisch-wissenschaftlichen Betrieb.<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a></p>
<h3>Intellektualisierte Rechte</h3>
<p>Angesichts der Notwendigkeit einer solchen theoretischen Ausarbeitung scheint im Bezug auf das Aufkommen und die Verbreitung kulturrassistischer Argumente zun&#228;chst ein Blick auf die Diskursman&#246;ver der so genannten „Neuen Rechten“ angebracht. Diese „intellektualisierte Rechte“, wie sie sich selbst bezeichnet, die sich besonders seit den 1980er Jahre in Frankreich und Deutschland ausbreitet<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a>, grenzt sich bewusst von r&#252;ckw&#228;rtsgewandten Ideen ab, verzichtet auf plumpe Rassismen und benutzt eine konsensf&#228;hige Diktion um rassistische Ideen zu transportieren. Chefideologe Alain De Benoist bezieht sich in diesem Zusammenhang auf den gramscianischen (aus der marxistischen Tradition stammenden) Begriff der kulturellen Hegemonie und Pierre Krebs macht es zum erkl&#228;rten Ziel, „den Kampf um Europa theoretisch vorzubereiten“.<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a> Dementsprechend wird auf den Begriff der „Rasse“ verzichtet und der Begriff der „Kultur“ ins Zentrum gestellt. Die Mehrdeutigkeit dieses Begriffs ist dabei besonders vorteilhaft, Konnotationen bleiben unausgesprochen, f&#252;r Insider sei die Bedeutung ohnehin klar.<a href="#anm16" title="anm_16" name="anm_16"><sup>16</sup></a> So analysieren Fischer und Gestettner: „Sie sagen Kultur und meinen Rasse … Sie verwenden zur Bezeichnung von Althergebrachten und Ewiggestrigen eine neutralisierte Sprache …“.<a href="#anm17" title="anm_17" name="anm_17"><sup>17</sup></a> Vor allem in ihrer Kritik am Multikulturalismus und in dem von ihnen propagierten Gegenmodell des Ethnopluralismus wird die synonyme Verwendung des Kulturbegriffs mit dem der „Rasse“ deutlich. Aufgegriffen werden dabei vor allem jene Argumente aus der Multikulturalismusdebatte, die das Recht auf kulturelle Differenz<a href="#anm18" title="anm_18" name="anm_18"><sup>18</sup></a> betonen. Hier ergeben sich scheinbare Kontinuit&#228;ten aus der Aufwertung des Kulturbegriffs auf Seiten linker Intellektueller der 70er und 80er Jahre. Dieser Retrosionseffekt<a href="#anm19" title="anm_19" name="anm_19"><sup>19</sup></a> nimmt nicht nur der anti-rassistischen Kritik den Wind aus den Segeln, er hilft auch, „ethnische Konflikte“ in „nat&#252;rliche Abwehrreaktionen“ auf unnat&#252;rlich gesellschaftliche Experimente umzudeuten. Vorangestellt wird hier das „humanistische“ Argument, dass jede/m seine/ihre Kultur zugestanden werden m&#252;sse, eine multikulturelle Vermischung aber eine Gef&#228;hrdung der Kultur jedes/er Einzelnen darstelle. Angestrebt wird eine „heterogene Welt homogener V&#246;lker“<a href="#anm20" title="anm_20" name="anm_20"><sup>20</sup></a></p>
<h3>Rechtspopulismus<o></o></h3>
<p>Wie das praktisch umgesetzt werden soll, bleibt zwar unausgesprochen, doch kann auf diesem Weg das alte Feindbild „Ausl&#228;nder“ nicht mehr nur f&#252;r Arbeitslosigkeit und soziale Verschlechterung, sondern auch f&#252;r die Bedrohung der kulturellen Identit&#228;t verantwortlich gemacht werden.<br />
So beschrieben z. B. im Parteiprogramm der NPD:„Die V&#246;lker sind die Tr&#228;ger der Kulturen. V&#246;lker unterscheiden sich durch Sprache, Herkunft, geschichtliche Erfahrung, Religion, Wertvorstellungen und ihr Bewusstsein. Ihrer kulturellen Eigenart werden sich die V&#246;lker besonders dann und dort bewusst, wenn diese gef&#228;hrdet ist. Die Erhaltung der V&#246;lker dient der Erhaltung der Kultur. Blo&#223;e Gesellschaften bilden keine Kultur, sondern h&#246;chstens eine Zivilisation, deren h&#246;chster Wert materiell ist. „Multikulturelle“ Gesellschaften sind in Wirklichkeit kulturlose Gesellschaften. Die Vielfalt der V&#246;lker muss erhalten bleiben.“<sup>21</sup> Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, kulturhomogene R&#228;ume zu schaffen (ergo Deutschland den Deutschen). Au&#223;erdem wird Kultur als etwas nat&#252;rlich Gewachsenes dargestellt. Die &#220;berschneidung von kultureller und genetischer Kategorisierung zeigt sich beispielsweise in den familienpolitischen Konzepten rechter Parteien. Um die <em>kulturelle</em></span><span> Identit&#228;t zu wahren, soll das „Kindergeld als <em>volks</em>politische Ma&#223;nahme“ nur an deutsche M&#252;tter ausbezahlt werden.<br />
In Verbindung mit einer „das Boot ist voll“-Angstmache war die populistische Umsetzung der strategischen &#220;berlegungen der Neuen Rechten vor allem in den 1990er Jahren in Europa &#252;beraus erfolgreich. Zum einen konnte der &#228;u&#223;ere Anschein der Unbedenklichkeit und Seriosit&#228;t rechter, kulturrassistischer Theoriebildung die Diskursfiguren von rechts au&#223;en weit in die Mitte der Gesellschaft r&#252;cken lassen. Zugleich schufen wirtschaftliche Umstrukturierung (Neoliberalismus, Prekarisierung) und der damit verbundene Vertrauensverlust in die Sozialdemokratische Parteien den Raum f&#252;r den Aufschwung rechtspopulistischer Parteien. Der Siegeszug von Parteien wie der FP&#214;, Front National, Lega Nord, Forza Italia usw. ging mit einen Rechtruck im gesamten politischen Spektrum einher, in dessen Folge sich auch die konservativen Parteien, die teilweise ihre Zusammenarbeit mit den RassistInnen zu rechtfertigen hatten, gen&#246;tigt f&#252;hlten, die „Ausl&#228;nderproblematik“ aufzugreifen und den Tonfall ihrer „Partner“ vom rechten Rand nachzuahmen.<a href="#anm22" title="anm_22" name="anm_22"><sup>22</sup></a></p>
<h3>Zivilisationsparadigma</h3>
<p>Wie sehr diese Verschiebung des politischen Klimas nach rechts kulturrassistische Stereotype auch im politischen Mainstream und im b&#252;rgerlich-liberalen Lager salonf&#228;hig werden lie&#223;, zeigt nicht zuletzt der bis heute anhaltende Erfolg jener publizistischen Zeitdiagnosen und Zukunftsszenarien, die in verschiedenen Zusammenh&#228;ngen eine Bedrohung „des Westens“ bzw. der westlichen „Wertegemeinschaft“ postulieren. Interessanterweise beruhen die meisten dieser Bedrohungsszenarien und Kriegsprognosen seit den 1990er Jahren trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen doch auf einer Reihe gemeinsamer Annahmen, deren theoretisch-akademische Ausarbeitung als „Zivilisationsparadigma“<a href="#anm23" title="anm_23" name="anm_23"><sup>23</sup></a> sich zum gro&#223;en Teil im Werk Samuel Huntingtons findet<a href="#anm24" title="anm_24" name="anm_24"><sup>24</sup></a>. Dieser US-amerikanische Politikwissenschaftler und Pr&#228;sidentenberater entwarf in seinem 1993 in </span><em>Foreign Affairs</em> erschienen Aufsatz „The Clash of Civilizations?“<a href="#anm25" title="anm_25" name="anm_25"><sup>25</sup></a> – entgegen dem Fragezeichen im Titel – das in den letzten 15 Jahren &#252;beraus einflussreiche Szenario eines „Kampfes der Kulturen“ (so auch der deutsche Titel des gleichnamigen Buches).<br />
Huntingtons Theorie nach w&#252;rden Konflikte im 21. Jahrhundert nicht mehr in erster Linie auf &#246;konomischen oder ideologischen Ursachen beruhen, sondern entst&#252;nden aufgrund des kulturell bedingten Aufeinanderprallens sozialer Gro&#223;r&#228;ume, so genannter Zivilisationen. Letztere lie&#223;en sich durch „objektive Eigenschaften“ wie Sprache, Geschichte, Br&#228;uche, Institutionen, Familienstrukturen, Bewusstsein oder auch Blutsbande als einander fremd gegen&#252;berstehende, im Inneren homogene und weitgehend unver&#228;nderliche „kulturelle Entit&#228;ten“ bestimmen und verf&#252;gten als „eine Art Mega-Lebewesen“<a href="#anm26" title="anm_26" name="anm_26"><sup>26</sup></a> &#252;ber eine je spezifische langfristige Entwicklungsdynamik von Aufstieg und Fall, von Entstehung, Wachstum und Untergang<a href="#anm27" title="anm_27" name="anm_27"><sup>27</sup></a>. Wenn bereits diese allgemeinen, zugleich kulturalistischen und biologistischen Annahmen „… auf die Aufhebung menschlicher Geschichte, auf ihren Ersatz durch Natur, und damit auf den Kulturrassismus als Basis der Argumentation [verweisen]“<a href="#anm28" title="anm_28" name="anm_28"><sup>28</sup></a>, so tr&#228;gt Huntingtons Beschreibung der einzelnen Zivilisationen und ihres Verh&#228;ltnisses zueinander erst recht offen rassistische Z&#252;ge.<br />
Denn w&#228;hrend er die „westliche“ Zivilisation in erster Linie durch angeblich gemeinsame „Werte und Ideen“ wie “individualism, liberalism, constitutionalism, human rights, equality, liberty, the rule of law, democracy, free markets (sic!), the seperation of church and state” definiert<a href="#anm29" title="anm_29" name="anm_29"><sup>29</sup></a>, spricht er diese den restlichen sechs bis sieben Zivilisationen, d. h. namentlich der Konfuzianischen, Japanischen, Islamischen, Hinduistischen, Slawisch-Orthodoxen, Lateinamerikanischen sowie, m&#246;glicherweise, der Afrikanischen (Huntington ist sich der Existenz einer solchen nicht sicher) ab. Stattdessen sieht er sie vor allem religi&#246;s bestimmt.<a href="#anm30" title="anm_30" name="anm_30"><sup>30</sup></a> Aufgrund derartig gro&#223;er kulturell-religi&#246;ser Unterschiede m&#252;sse es, so Huntington weiter, notwendigerweise zu einem Konflikt “The West versus the Rest”<a href="#anm31" title="anm_31" name="anm_31"><sup>31</sup></a> kommen, in dem sich als Bedrohung f&#252;r die westliche Vormachtstellung insbesondere die “Confucian-Islamic Connection” herausstellen w&#252;rde<a href="#anm32" title="anm_32" name="anm_32"><sup>32</sup></a>. Dieses (anhand gegenseitiger Waffenlieferungen vermeintlich nachgewiesene) Fantasiekonstrukt scheint bei genauerer Betrachtung indes lediglich aus der „Islamischen Zivilisation“ zu bestehen, unterstellt Huntington dieser doch, wie keine zweite zu Krieg und Gewalt zu neigen: “Islam has bloody borders”<a href="#anm33" title="anm_33" name="anm_33"><sup>33</sup></a>. Dass hier und bei der Mehrheit der EpigonInnen Huntingtons gerade „der Islam“ – der infolge der Identifizierung von Kultur und Religion die ganze „Zivilisation“ repr&#228;sentiert – als Feindbild herhalten muss, ist aus zweierlei Gr&#252;nden wenig &#252;berraschend. <o></o></p>
<h3>Feindbild Islam</h3>
<p>Zum einen greift Huntington mit seinen rassistischen Stereotypen auf eine Vielzahl jener Inhalte, Symbole und Bedeutungen zur&#252;ck, die nach Edward Said als Elemente des „Orientalismus-Diskurses“, d. h. eines Diskurses „des Westens“ &#252;ber „den Orient“, eine jahrhundertealte Geschichte haben<a href="#anm34" title="anm_34" name="anm_34"><sup>34</sup></a>. Den im Zusammenhang mit Huntington wichtigste Bestandteil bildet jene zumindest implizit rassistische Konstruktion und (Re-)Produktion des „Orients“, in der dieser essentialistisch als homogene und unver&#228;nderliche Einheit aufgefasst und mit bestimmten negativen Eigenschaften (irrational, r&#252;ckst&#228;ndig, unterentwickelt etc.) belegt wird. Diese Eigenschaften unterscheiden sich dabei negativ-spiegelbildlich von jenen des „Westens“ und lassen diesen daher als positives Gegenst&#252;ck oder Norm erscheinen<a href="#anm35" title="anm_35" name="anm_35"><sup>35</sup></a>. Angesichts der Argumentation Huntingtons liegt es auf der Hand, in seinen Thesen eine pseudo-wissenschaftliche Form dieses Diskurses zu sehen und seine publizistischen Erfolge in den 1990er Jahren demnach zumindest teilweise auf die gro&#223;en Verbreitung derartiger Ideologeme &#252;ber „den Orient“ respektive „den Islam“ zur&#252;ckzuf&#252;hren.<br />
Zum zweiten kommt dem „Feindbild Islam“ bei Huntington und anderen die spezifische Funktion zu, anstelle der UdSSR oder des Kommunismus im Inneren der „westlichen“ Gesellschaften als ideologischer Kitt zu wirken und „Legitimationsreserven“<a href="#anm36" title="anm_36" name="anm_36"><sup>36</sup></a> f&#252;r eine aggressiv-imperialistische Au&#223;enpolitik bereitzustellen. Dies wird dort &#252;berdeutlich, wo Huntington – ganz Pr&#228;sidentenberater – vorschl&#228;gt, die angebliche Gefahr eines “decline of Western power” und, damit einhergehend, eines “retreat“ bzw. einer “erosion of Western culture”<a href="#anm37" title="anm_37" name="anm_37"><sup>37</sup></a> durch die R&#252;ckbesinnung auf die eigene zivilisatorisch-kulturelle Einheit sowie durch konkrete politische, strategische und milit&#228;rische Ma&#223;nahmen zu bek&#228;mpfen.<a href="#anm38" title="anm_38" name="anm_38"><sup>38</sup></a> Auch wenn derartige L&#246;sungsvorschl&#228;ge Huntingtons sicherlich nicht eins-zu-eins Eingang in konkrete europ&#228;ische oder US-amerikanische Politiken finden<a href="#anm39" title="anm_39" name="anm_39"><sup>39</sup></a>, so bilden seine Thesen doch „einen Vorrat von Erkl&#228;rungen legitimen staatlichen Handelns, die hervorgeholt werden k&#246;nnen – und dann, da bekannt, einleuchten –, wenn spezifische Konflikte erkl&#228;rt, gegebenenfalls ,friedensschaffende und friedenssichernde‘ Eins&#228;tze des Milit&#228;rs begr&#252;ndet werden sollen“<a href="#anm40" title="anm_40" name="anm_40"><sup>40</sup></a>. Gerade in seiner Fokussierung auf die “Confucian-Islamic Connection” stellt Huntington demnach das ideologische Repertoire zur Verf&#252;gung, das die seit Anfang der 1990er Jahre bestehende milit&#228;rstrategische Orientierung der US-Regierung und ihrer Verb&#252;ndeten auf den arabischen und zentral-asiatischen Raum als notwendig und gerechtfertigt erscheinen l&#228;sst.<br />
Der Wandel rassistischer Rhetorik und die Denkmuster zur Erkl&#228;rung der neuen Weltordnung erm&#246;glichten es, dass die Anschl&#228;ge vom 11. September 2001 die Welt keineswegs ins Chaos st&#252;rzten. Ganz im Gegenteil, alles schien pl&#246;tzlich klar. George W. Bush erkl&#228;rt den „Feinden der freien Welt“ den Krieg (womit zwischen den Zeilen immer der Islam gemeint ist) und fordert jede einzelne Nation auf sich zu entscheiden: „Either you are with us, or you are with the terrorists”. Mit dem Angriff auf Afghanistan stiegen die USA und ihre Koalition der Willigen milit&#228;risch in den Kampf der Kulturen ein, den es scheinbar schon immer gegeben hatte. B&#252;rgerliche Medien und konservative Politiker halten pl&#246;tzlich B&#252;rger- und Frauenrechte hoch und erkl&#228;ren die Notwendigkeit, diese mit Gewalt in den Nahen und Mittleren Osten zu bringen. Beim Angriff auf Afghanistan geht es um mehr als Rache: „Dieser Krieg ist Teil eines viel gr&#246;&#223;eren Spektrums eines viel weiteren Konflikts zwischen einem gesetzten, kreativen, produktiven Westen und einem r&#228;uberischen, zerst&#246;rerischen Orient“.<a href="#anm41" title="anm_41" name="anm_41"><sup>41</sup></a><br />
In der europ&#228;ischen Debatte werden diese Argumente nat&#252;rlich nicht eins zu eins &#252;bernommen. Zum Verst&#228;ndnis islamophober Hetze im europ&#228;ischen Raum gilt es hier eher an die oben beschriebenen Entwicklungen (Aufschwung der Rechten, Verschiebung auf kulturelle Stereotype) anzukn&#252;pfen und genauer zu untersuchen, mit welchen Motiven das politische Klima angereichert und versch&#228;rft wurde.</p>
<h3>Europ&#228;ischer Sicherheitsdiskurs</h3>
<p>Zun&#228;chst muss festgehalten werden, dass der „Krieg gegen den Terror“ in Europa andere Priorit&#228;ten hat. Die Achse des B&#246;sen, der West-against-the-rest-Konflikt bestimmen zwar das globale Setting, doch das Hauptproblem sind die hier lebenden Muslime, die „Schl&#228;fer“, die „Feinde in unserer Mitte“. Dieses Feindbild wird dabei nicht nur rhetorisch bedient, die rassistische Implikation neuer Anti-Terror und „Fremden“-Gesetzte – h&#228;ufig in einem Atemzug genannt – ist dabei unschwer zu erkennen. Unmittelbar nach dem 11. September 2001 setzte die EU neue Rahmenbedingungen f&#252;r die Terrorismusbek&#228;mpfung. Terroristische Taten werden hier als Vergehen definiert, die „mit der Absicht begangen werden, Personen einzusch&#252;chtern und die politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Strukturen eines Landes in bedeutendem Ma&#223;e zu &#228;ndern oder zu zerst&#246;ren“, dabei wird deren „aktive und passive Unterst&#252;tzung“ geahndet.<a href="#anm42" title="anm_42" name="anm_42"><sup>42</sup></a> Diese Vorgabe der Europ&#228;ischen Kommission wurde von vielen Mitgliedsstaaten f&#252;r Asylrechtsversch&#228;rfungen und &#252;berwachungsstaatliche Ma&#223;nahmen von unglaublicher Tragweite genutzt. Auf die Ma&#223;nahmen kann hier nicht einzeln eingegangen werden, entscheidend ist der Effekt der produziert wird. So vergleicht die Kriminologin Janne Flyghed die &#246;ffentliche Meinung zum Terror der IRA oder der ETA, der eher als ein peripheres Ph&#228;nomen gedeutet wurde, mit der Allgegenwart, der unmittelbaren Bedrohung, die vom Terror durch den Islamismus ausgeht: „Wiederholte Bezugnahme auf gewisse spektakul&#228;re Ereignisse produzieren ein falsches Bewusstsein der bevorstehenden Gefahr“, damit verbunden ist „die Wahrnehmung einer unspezifischen, diffusen aber dennoch sehr ernsten Bedrohung. Was genau bedroht ist, ist auch schwer zu definieren, es umfasst Konzepte wie das der ‚nationalen Sicherheit’, der ‚Sicherheit des Landes’ oder der ‚&#246;ffentlichen Ordnung und Sicherheit’, Konzepte deren Inhalt und Anwendung je nach politischer Situation variieren.“<a href="#anm43" title="anm_43" name="anm_43"><sup>43</sup></a> Zu dem Klima von Angst, Misstrauen und Vorurteilen tr&#228;gt auch die Erweiterung des Kompetenzbereichs von Polizei und Geheimdiensten bei. So wurden in D&#228;nemark und Norwegen ausl&#228;ndische Studierende als Risikogruppe definiert und ein Prozess des „religious profiling“ eingeleitet. Dabei sind Universit&#228;ten verpflichtet, mit den Geheimdiensten zu kooperieren<a href="#anm44" title="anm_44" name="anm_44"><sup>44</sup></a>. Regelm&#228;&#223;ige Razzien in Moscheen in Deutschland<a href="#anm45" title="anm_45" name="anm_45"><sup>45</sup></a> oder die „Stop-and-Search“-Praxis in Gro&#223;britannien sind in diesem Kontext als Disziplinarma&#223;nahmen bzw. strukturell rassistische Praxen zu verstehen, da es so gut wie nie zum Nachweis terroristischer Aktivit&#228;ten kommt. So wurden in Gro&#223;britannien von den 71.000 durchsuchten Personen im Zeitraum von 2002-2003 nur 1,8% verhaftet und der Gro&#223;teil davon nicht im Zusammenhang mit Terrorverdacht.<a href="#anm46" title="anm_46" name="anm_46"><sup>46</sup></a> Sp&#228;testens seit den Anschl&#228;gen in London und den Aufst&#228;nden in den franz&#246;sischen Banlieus gelten vor allem muslimische MigrantInnen der zweiten-, dritten Generation als tickende Zeitbomben. Die gr&#246;&#223;te Gefahr gehe demnach von der islamischen Subkultur, wie sie in unseren „Kellern und Garagen“ (Nicolas Sarkozy)<a href="#anm47" title="anm_47" name="anm_47"><sup>47</sup></a> praktiziert wird, aus. Dabei werde nicht nur unser Leib und Leben bedroht, es geht um unsere Wertegemeinschaft, den europ&#228;ischen Lebensstil und die jeweils nationale Identit&#228;t.</p>
<h3>Wertedebatte und Leitkultur</h3>
<p>Nicht ganz umsonst verhallte unl&#228;ngst Michael K&#246;hlmeiers Appell im Club 2<a href="#anm48" title="anm_48" name="anm_48"><sup>48</sup></a>, doch einen „europ&#228;ische Traum“ als Gegenst&#252;ck zum amerikanischen zu formulieren, fast ungeh&#246;rt in seiner „Intellektuellenrunde“. Zu unterschiedlich sei die Geschichte der einzelnen Staaten und ihre jeweiligen Kulturen. Wenn &#252;berhaupt, seien es noch am ehesten die Ideale der Aufkl&#228;rung, die Europa zusammenhielten<a href="#anm49" title="anm_49" name="anm_49"><sup>49</sup></a>. Die Anstrengungen, eine gemeinsame Identit&#228;t zu schaffen, scheinen immer wieder zu scheitern – so beispielsweise in den Debatten um Hymne und Fahne im EU-Reformvertrag. Aber so schwierig es zu sein scheint, zu definieren was Europa ist, so klar liegt auf der Hand, was es nicht ist und wogegen es sich sch&#252;tzen muss: R&#252;ckst&#228;ndigkeit, Irrationalit&#228;t und all jene Dunkelheit, die aus dem Orient kommt. In Bezug auf die jeweiligen nationalen Identit&#228;ten scheint der Fall weniger kompliziert. Hier sind es eher gewisse Altlasten, die wenn schon nicht abgeworfen, dann wenigstens umgedeutet werden m&#252;ssen. Dies kann anhand der deutschen Leitkulturdebatte gezeigt werden werden. Der Autor Hartwig Pautz sieht die Wurzeln der Leitkulturdebatte in neo-rassistischen Argumenten sowohl formuliert durch die Neue Rechte als auch durch Samuel Huntington und seine Anh&#228;ngerInnen.<a href="#anm50" title="anm_50" name="anm_50"><sup>50</sup></a> Der Leitkulturbegriff als Ma&#223;stab f&#252;r die Integration von MigrantInnen an die deutsche Kultur wurde 1998 von Bassam Tibi gepr&#228;gt.<a href="#anm51" title="anm_51" name="anm_51"><sup>51</sup></a> Friedrich Merz (CDU) brachte den Begriff dann auf die politische Agenda und verkn&#252;pft ihn mit dem Ideal der europ&#228;ischen Integration. Nachdem die CDU die Debatte vor allem im Feld der Einwanderungspolitik ansiedelte und nicht mit „Law and Order“ Assoziationen sparte, wurde der Begriff von linker Seite teilweise kritisiert. Allerdings sahen sich alle KritikerInnen gen&#246;tigt, trotzdem ihre Liebe zu Deutschland zu betonen (Gabi Zimmer, PDS) oder sich zumindest positiv auf den „Verfassungspatriotismus“ zu beziehen (Renate K&#252;nast, Die Gr&#252;nen). Der Begriff der Leitkultur verschwand zeitweise wieder aus den offiziellen CDU-Papieren. Was er impliziert, und zwar genau in dem Feld, in dem er urspr&#252;nglich angesiedelt war, ist aber nachhaltig gelungen: eine Umdeutung des Integrations- in einen Assimilationsbegriff, ohne dass dies ausgesprochen werden muss. Die praktischen Konsequenzen dieser Leitkultur-Metapher sind in erster Linie die in vielen L&#228;ndern eingef&#252;hrten Integrationsvertr&#228;ge, in Deutschland Einb&#252;rgerungstests. Von den ImmigrantInnen wird gefordert, nicht nur Sprache und Gesetzte zu beherrschen, sondern die Werte und Normen der Nation aktiv zu bef&#252;rworten und zu leben. Oder, wie es der CDU-Politiker J&#246;rg Sch&#246;nbohm etwas weniger politisch korrekt ausdr&#252;ckt: „Immigranten m&#252;ssen die Kultur anstreben, die sich seit Otto dem Gro&#223;en entwickelt hat, mit ganzem Herzen und nicht nur wegen der pers&#246;nlichen Vorteile der Immigration.“<a href="#anm52" title="anm_52" name="anm_52"><sup>52</sup></a> Auch in diesem Zusammenhang gab es in den letzten Jahren eine Verschiebung der Problemstellung vom allgemeinen „Ausl&#228;nderproblem“ zum Problem „der Muslime“. So ver&#246;ffentlichte das baden-w&#252;rtenbergische Innenministerium die Einsch&#228;tzung, man m&#252;sse „<em>Zweifeln, ob bei Muslimen generell davon auszugehen sei, dass ihr Bekenntnis bei der Einb&#252;rgerung auch ihrer tats&#228;chlichen inneren Einstellung entspreche</em><span>“.<a href="#anm53" title="anm_53" name="anm_53"><sup>53</sup></a> Damit werden Menschen muslimischer Religion pauschal als potentielle L&#252;gnerInnen abstraft.<a href="#anm54" title="anm_54" name="anm_54"><sup>54</sup></a></p>
<h3>Abrechnung mit Multi-Kulti</h3>
<p>Mit Blick auf die mediale Resonanz dieser Werte- und Leitkultur-Debatte sowie auf das weitgehende Fehlen linker Interventionen l&#228;sst sich ein weiterer Faktor f&#252;r den Erfolg islamophober Diskursmuster im deutschsprachigen Raum ausmachen: die Verschiebung des politischen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses zugunsten einer neuen Form des Konservativismus. So gelang es VertreterInnen religi&#246;ser, neo- oder rechtskonservativer und rechtsfeministischer Positionen in den letzten Jahren, eine gewisse ideologische Deutungshoheit zu erlangen und sich auch in jenen b&#252;rgerlichen Medien Geh&#246;r zu verschaffen, in denen noch in den 1990er Jahren vorwiegend linksliberale Positionen vertreten wurden. Der Wunsch, mit solchen Positionen und ihren ProtagonistInnen, d. h. vor allem „den 1968ern“ abzurechnen, ist neben einer christlich-religi&#246;s gepr&#228;gten Abwehrhaltung sicherlich einer der Hauptgr&#252;nde daf&#252;r, dass neokonservative Str&#246;mungen das Thema „Islam“ derart stark besetzen. Denn wenngleich diese Abrechnung – die im Kern auf eine grunds&#228;tzliche Delegitimierung emanzipatorischen Denkens und Handelns zielt – bereits seit Jahren im vollen Gange ist, so erh&#228;lt sie seit den Anschl&#228;gen von 9/11, dem Mord an dem Regisseur Theo van Gogh oder den „Gewaltexzessen ausl&#228;ndischer Gewaltt&#228;ter“ eine neue Sto&#223;richtung; sie wird zur Suche nach den gesellschaftlich Schuldigen f&#252;r die vermeintliche Misere: wer sonst als „die Linken“ und ihre „Multikulti-L&#252;ge“ (F</span><em>ocus</em><span>-Cover) kommen da in Frage, h&#228;tte deren „verhuschte Fremdenfreundlichkeit“ und „falsche Toleranz“<a href="#anm56" title="anm_56" name="anm_56"><sup>56</sup></a> doch zu einer Gesellschaft gef&#252;hrt, die, wie </span><em>Spiegel</em><span>-Autor Henryk M. Broder mit seinem Bestseller „Hurra, wir kapitulieren“ warnt, einer angeblichen Unterwanderung durch islamistischen Str&#246;mungen v&#246;llig wehrlos gegen&#252;berst&#252;nde.<br />
Die strategische Ausrichtung einer solchen Argumentation, die zun&#228;chst Multikulturalismus vereinfachend mit Kulturrelativismus<a href="#anm57" title="anm_57" name="anm_57"><sup>57</sup></a> gleichsetzt, um diesen dann f&#252;r eine „falsche Toleranz“ gegen&#252;ber der „Tsunami-Welle des islamischen Fundamentalismus“<a href="#anm58" title="anm_58" name="anm_58"><sup>58</sup></a> verantwortlich zu machen, liegt auf der Hand: durch die gezielte Diskeditierung von AntirassistInnen als naive, weltfremde und letztlich gef&#228;hrliche „Gutmenschen“ wird versucht, Widerstand gegen rassistische (Einwanderungs- und Sicherheits-)Politik zu delegitimieren und so das Entstehen breiter (zivil-)gesellschaftlicher Allianzen zu verhindern (Lichterketten, Bewegung gegen Schwarz-Blau usw.). Gleichzeitig soll der Eindruck entstehen, dass umgekehrt f&#252;r eine „wirkliche Integration“<a href="#anm59" title="anm_59" name="anm_59"><sup>59</sup></a> der MuslimInnen deren Assimilation an eine „deutsche“, „&#246;sterreichische“ oder „europ&#228;isch-westliche“ „Leitkultur“ der einzig gangbare Weg w&#228;re. Dass im Zuge einer derartigen, auf vermeintliche Gefahrenabwehr fokussierten Argumentation die positive Bezugnahme auf Volk und Nation rund um den Begriff „Leitkultur“ wieder salonf&#228;hig wird, passt insofern ins Bild, als insbesondere in Deutschland zuletzt Geschichtsrevisionismus und die Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen auch fernab des rechten Randes fr&#246;hliche Urst&#228;nd’ feierten<a href="#anm60" title="anm_60" name="anm_60"><sup>60</sup></a>. Dass auch die Debatte um Islamismus davon nicht verschont bleibt, zeigen etwa Henryk Broder, der das gegenw&#228;rtige Verhalten Europas mit der Appeasement-Politik gegen&#252;ber Hitler vergleicht oder Alice Schwarzer, die islamistische „Mordbrigarden“ f&#252;r „gef&#228;hrlicher als die Nazis“<a href="#anm61" title="anm_61" name="anm_61"><sup>61</sup></a> h&#228;lt.</p>
<p>Das zentrale Ziel einer solchen Argumentation liegt indes wohl weniger in der Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen als vielmehr im Versuch, durch die Konstruktion eines m&#246;glichst bedrohlichen Feindbildes in der Bev&#246;lkerung jene &#196;ngste zu sch&#252;ren, die f&#252;r die Durchsetzung der eigenen politischen Projekte notwendig sind. Neben bereits genannten innen- und sicherheitspolitischen Ma&#223;nahmen geht es im Zusammenhang mit dem Islam dabei – ganz im Sinne des Vordenkers Samuel Huntington – um die Legitimierung eines „Kampfs der Kulturen“ auf globaler Ebene und also um die Beteiligung am US-amerikanisch gef&#252;hrten „Krieg gegen den Terror“. Mit dessen VerfechterInnen in Think-Tanks in den USA verbindet VertreterInnen neo- und rechtskonservativer Positionen hierzulande ohnehin mehr als nur die Fokussierung auf den Iran als n&#228;chstem Angriffsziel: hier wie dort m&#252;ssen f&#252;r neoimperialistische Politik ausgerechnet jene „westlichen“, zugleich jedoch „universellen“ „Werte“ –</span><span>  </span>Freiheit, Demokratie und Menschenrechte – als Begr&#252;ndung herhalten, die in Folge des „Kriegs gegen den Terror“ weltweit mit F&#252;&#223;en getreten werden und gegen deren Verwirklichung in Europa und den USA selbst sich grade konservative Kreise seit Jahrhunderten (erfolgreich) verwehren. </p>
<h3>Frauenrechte und rechte Frauen</h3>
<p>Die Paradoxie einer solchen Argumentation wird dabei nirgendwo deutlicher als in der Debatte um Frauenrechte und weibliche Emanzipation. Denn wo einerseits Kirchenvertreter und konservative Parteien im Fahrwasser des „Eva-Prinzips“ publikumswirksam „f&#252;r eine neue Weiblichkeit“, mithin also f&#252;r die R&#252;ckkehr zu der von „der 68er-Bewegung“ vermeintlich abgeschafften Wertsch&#228;tzung f&#252;r Kinder, Familie und den gewaltt&#228;tigen Ehemann geworben wird, mutiert andererseits alles und jedeR – selbst noch die reaktion&#228;rsten VerfechterInnen von Heim-und-Herd – zu gl&#252;henden RadikalfeministInnen, wenn es um „den Islam“ geht. Diesem wird dabei unterstellt, im Hinblick auf Geschlechterverh&#228;ltnisse „kulturell“ r&#252;ckst&#228;ndig und vormodern zu sein und eine Form patriarchaler Unterdr&#252;ckung zu (re-)produzieren, &#252;ber die der fortschrittliche, durch die Emanzipation der Frauen gepr&#228;gte und daher &#252;berlegene „Westen“ l&#228;ngst hinaus w&#228;re. Derartig offenkundig kulturrassistisch wird indes nicht allein von jenen argumentiert, die – wie rechtskonservative Kreise – Frauenrechte und Sexismus <em>ausschlie&#223;lich</em><span> mit dem Ziel aufgreifen, versch&#228;rfte Repressionsma&#223;nahmen gegen MigrantInnen oder eine interventionistische Au&#223;enpolitik zu rechtfertigen. Vielmehr wird eine ganz &#228;hnliche Position auch von einem gegenw&#228;rtig &#252;beraus popul&#228;ren rechten Feminismus vertreten. Nicht zuf&#228;llig war es Alice Schwarzer und ihrer Zeitschrift </span><em>Emma</em><span> vorbehalten, in dieser Hinsicht eine fragw&#252;rdige VorreiterInnenrolle zu spielen: so prangerte </span><em>Emma</em><span> bereits 1993 in einem Dossier mit dem Titel „islamischer Fundamentalismus“ die Frauenunterdr&#252;ckung in so genannten islamischen L&#228;ndern auf eine Art und Weise an, die von verschiedener Seite als (kultur-)rassistisch ausgewiesen wurde.<a href="#anm62" title="anm_62" name="anm_62"><sup>62</sup></a> Dass es Schwarzer und KonsortInnen insbesondere in Folge von 9/11 und dem Mord an Theo van Gogh dennoch gelang, zu gefragten ExpertInnen in Sachen „islamischer Fundamentalismus und Frauen“ zu werden, sagt viel aus &#252;ber ein politisches Klima, in dem z. B. die Fokussierung auf das Kopftuch als Symbol f&#252;r die Unterdr&#252;ckung „der muslimischen Frau“ und also f&#252;r die Gewaltt&#228;tigkeit „des Islam“ l&#228;ngst zum ideologischen Allgemeingut geworden ist. Ohne an dieser Stelle auf die Einzelheiten der sogenannten Kopftuchdebatte(n) eingehen zu k&#246;nnen, sei auf eine inzwischen mehrheitsf&#228;hige Position verwiesen, die zun&#228;chst Sexismus als gesellschaftlichen Hauptwiderspruch setzt und Unterdr&#252;ckungsverh&#228;ltnisse entlang anderer Kategorien (z. B. „Kultur“, Nationalit&#228;t) bewusst ignoriert, um dann ausschlie&#223;lich „den Islam“ in den Blick zu nehmen und das Ablegen des Kopftuches, d.h. die Abkehr vom Islam, zur Grundvoraussetzung von Emanzipation zu erkl&#228;ren.<a href="#anm63" title="anm_63" name="anm_63"><sup>63</sup></a> Im Zuge einer solchen Argumentation wird kopftuchtragenden Frauen nicht nur der Status als Subjekt ihrer eigenen Befreiung abgesprochen und die Komplexit&#228;t der Auseinandersetzungen und Differenzen innerhalb islamisch gepr&#228;gter Regionen und Communities zu Gunsten des Bildes eines homogenen „Islam“ ignoriert, sondern auch „der Westen“ als quasi-paradiesischer Ort der (weiblichen) Emanzipation konstruiert. Dies tr&#228;gt schlie&#223;lich auch dazu bei, die in europ&#228;ischen L&#228;ndern nach wie vor und angesichts des (neo-)konservativen Backlash mehr denn je existierenden patriarchalen Unterdr&#252;ckungsverh&#228;ltnisse zu &#252;berdecken.</p>
<h3>Islamophobie und die Linke</h3>
<p>Angesichts solcher Implikationen taucht freilich die Frage auf, warum auch Personen, die sich selbst als liberal oder links verstehen und in Bezug auf eine Vielzahl gesellschaftlicher Fragestellungen progressive und emanzipatorische Positionen vertreten, der unkritischen Verabsolutierung eines wei&#223;en, mitteleurop&#228;ischen Frauenbildes in den Debatten um „den Islam“ nicht nur widerstandslos begegnen, sondern sie im Gegenteil selbst noch bef&#246;rdern. Als Paradebeispiel hierf&#252;r kann jener offene Brief gelten, in dem 2003 in Deutschland im Zuge der Kopftuchdebatte rund hundert FeministInnen und AntirassistInnen, unter ihnen Halina Bendkowski, Viola Roggenkamp, Seyran Ates und Frigga Haug, unverbl&#252;mt forderten, solche MigrantInnen, die aus „L&#228;ndern kommen, in denen M&#228;nner gegen&#252;ber Frauen rechtlich privilegiert sind“, dann sofort auszuweisen, wenn sie das Gleichheitsgebot des Grundgesetzes nicht explizit unterschreiben w&#252;rden. Auch wenn Frigga Haug diese Forderung, die letztlich auf eine rassistische Sondergesetzgebung hinauslaufen w&#252;rde, sp&#228;ter lediglich als „Provokation“ verstanden wissen wollte<a href="#anm64" title="anm_64" name="anm_64"><sup>64</sup></a>, so zeigt sich an diesem Fall die Gefahr, die von einem gegen&#252;ber dem eigenen (privilegierten) Standpunkt unkritischen, die bestehenden politischen und ideologischen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse ignorierenden Universalismus gegenw&#228;rtig auch dann ausgeht, wenn an seinem emanzipatorischen Impetus kein Zweifel bestehen k&#246;nnte: nicht nur werden reaktion&#228;ren Kr&#228;ften aus politisch vermeintlich unbedenklicher Ecke Steilvorlagen f&#252;r die weitere Verbreitung islamophober Stereotype geliefert, es werden diese auch dort hoff&#228;hig gemacht, wo sich im Grunde antirassistischer Widerstand formulieren sollte. </p>
<h3>Kolonialer Gestus</h3>
<p>Die Seltenheit solidarischer Auseinandersetzung zum Thema Islamophobie sowie die damit einhergehende Unf&#228;higkeit, effektive antirassistische Positionen zu entwickeln, ist nicht zuletzt Ausdruck einer allgemeinen Krise der Linken. Der unkritische R&#252;ckgriff auf die „Werte der Aufkl&#228;rung“ als letzter Zufluchtsort einer desillusionierten Linken muss auch als Ergebnis zahlloser Niederlagen der letzten Jahrzehnte begriffen werden. So ist die Position, als R&#228;cherIn der Marginalisierten, der unterdr&#252;ckten Frauen und diskriminierten Homosexuellen aufzutreten, in ihrer kulturalisierten Umdeutung oft recht bequem, da sich dadurch eine Konfrontation mit den scheinbar &#252;berm&#228;chtigen Verh&#228;ltnissen, die tats&#228;chlich diese Ausschlussmechanismen produzieren, er&#252;brigt. Stattdessen wirft man sich in die Pose der RetterIn der Menschenrechte, um gemeinsam mit den Herrschenden religi&#246;s oder kulturell definierte Gruppen zum Hauptfeind zu erkl&#228;ren. Bei aller emanzipatorischer Motivation werden damit nicht nur die systematischen Effekte der Islamophobie erzeugt, sondern auch, durch die Subsumtion aller gesellschaftlichen Konflikte unter eine rassistische Dichotomisierung, reale Macht-, Unterdr&#252;ckungs- und Ausbeutungsverh&#228;ltnisse hegemonial stabilisiert. Der spezifisch „linken“ Auspr&#228;gung dieser islamophoben Praxis kommt dabei besondere Bedeutung zu. Diese hat einerseits die kritische Debatte zum Begriff der Kultur, wie sie in den 1980er und 1990er Jahren gef&#252;hrt wurde, rezipiert und wei&#223; scheinbar um deren nicht-angeborenen, nicht-statischen und hybriden Charakter Bescheid. Gleichzeitig fordert sie jedoch, etwa in der „Integrationsdebatte“, MuslimInnen ultimativ zur Konvertierung zu einer – letztlich doch gar nicht so hybriden – westlichen oder europ&#228;ischen „Wertegemeinschaft“ auf. Nicht so sehr die kulturrassistischen Positionen der „Neuen Rechten“, die der Trennung unvereinbarer Kulturkreise das Wort reden, stehen hier im Mittelpunkt, sondern der koloniale Gestus des aufgekl&#228;rten Europ&#228;ers: Alle Barbaren haben die Chance auf und Pflicht zu s&#228;kularer Erleuchtung. Ist das nicht das alte wie das neue an diesem Rassismus?</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> </span><em>Der Standard</em> vom 18. J&#228;nner 2008<o></o><br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> Miles, Robert: Bedeutungskonstitution und der Begriff des Rassismus, in: <em>Das Argument</em> 175 (1989), S. 353-367; Miles, Robert: Die Idee der „Rasse“ und Theorien &#252;ber Rassismus: &#220;berlegungen zur britischen Diskussion, in: Bielefeld, Ulrich (Hg.): Das Eigene und das Fremde. Neuer Rassismus in der alten Welt? Neuausgabe. Hamburg 1998, S. 189-218<o></o><br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> Hall, Stuart: Rasse – Klasse – Ideologie, in: <em>Das Argument</em> 122 (1980), S. 507-511<br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a> Hall, Stuart: Rassismus als ideologischer Diskurs, in: R&#228;thzel, Nora (Hg.): Theorien &#252;ber Rassismus, Hamburg 2000, S. 7-16, hier S. 14<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a> Balibar, Etienne: Gibt es einen ,neuen Rassismus‘?, in: <em>Das Argument</em> 175 (1989), S. 369-380, hier S. 374<br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a> Hall, Stuart: „Die Frage des Multikulturalismus“, in: ders.: Ausgew&#228;hlte Schriften 4. Ideologie, Identit&#228;t, Repr&#228;sentation, Hamburg 2004, S. 188-227, hier S. 205<br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a> Vgl. ebd. S. 204f.<o></o><br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a> Vgl. Miles: Die Idee der „Rasse“ und Theorien &#252;ber Rassismus, a.a.O., S. 211f.<br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a> Vgl. Hall: Rassismus als ideologischer Diskurs, a.a.O.<br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a> Vgl. Hall: Rasse – Klasse – Ideologie, a.a.O., S. 508f.<br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a> Hall: Rassismus als ideologischer Diskurs, a.a.O., S. 14<o></o><br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a> Vgl. Miles: Bedeutungskonstitution und der Begriff des Rassismus, a.a.O., S. 360f.; Hall: Rassismus als ideologischer Diskurs, a.a.O., S. 10f.<br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a> Vgl. Balibar: Gibt es einen ,neuen Rassismus‘?, a.a.O., S. 370<o></o><br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a> Als Neue Rechte (vorher „Junge Rechte“) bezeichneten sich erstmals die j&#252;ngeren Rechtsradikalen in der 1964 gegr&#252;ndeten NPD, um sich von den erfolglosen „alten Rechten“ abzugrenzen.<o></o><br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a> www.thule-seminar.org<br />
<a href="#anm_16" title="anm16" name="anm16">16</a> Flatz, Christian/G&#228;rtner, Reinhold: Kultur statt ‘Rasse’. Analyse einer Bedeutungsverschiebung, in: Flatz, Christian u.a. (Hg.): Rassismus im virtuellen Raum, Hamburg 1998, S. 219-239, hier S.219<br />
<a href="#anm_17" title="anm17" name="anm17">17</a> Fischer, Gero/Gstettner, Peter (Hg.): Am K&#228;rntner Wesen k&#246;nnte diese Republik genesen. An den rechten Rand Europas: J&#246;rg Haiders „Erneuerungspolitik“, Klagenfurt/Celovec 1990.<br />
<a href="#anm_18" title="anm18" name="anm18">18</a> Vgl. Taguieff, Pierre-Andre: La Force du préjugé. Essai sur le racisme et ses doubles, Paris 1988. Deutsche Ausgabe: Die Macht des Vorurteils. Der Rassismus und sein Double, Hamburg 2000<o></o><br />
<a href="#anm_19" title="anm19" name="anm1">19</a> Ebd.<o></o><br />
<a href="#anm_20" title="anm20" name="anm201">20</a> Vgl. Krebs, Pierre (Hg.): Mut zur Identit&#228;t – Alternativen zum Prinzip der Gleichheit, T&#252;bingen 1988<br />
<a href="#anm_21" title="anm21" name="anm21">21</a> NPD-Parteiprogramm, 8. Aufl. 2004, Berlin. http://partei.npd.de/medien/pdf/Parteiprogramm.pdf<br />
<a href="#anm_22" title="anm22" name="anm22">22</a> Vgl. Demirovic, Alex (Hg.): Konjunkturen des Rassismus, M&#252;nster 2002<o></o><br />
<a href="#anm_23" title="anm23" name="anm23">23</a> Çaglar, Gazi: Der Mythos vom Krieg der Zivilisationen. Der Westen gegen den Rest der Welt. Eine Replik auf Samuel Huntingtons ,Kampf der Kulturen‘. &#220;berarb. und erg. Auflage, M&#252;nster 2002, S. 10<o></o><br />
<a href="#anm_24" title="anm24" name="anm24">24</a> Vgl. ebd., S. 13ff.<o></o><br />
<a href="#anm_25" title="anm25" name="anm25">25</a> Huntington, Samuel P.: “The Clash of Civilizations?”, in: <em>Foreign Affairs</em> 72:3 (1993), S. 22-49<br />
<a href="#anm_26" title="anm26" name="anm26">26</a> Çaglar: Der Mythos vom Krieg der Zivilisationen, a.a.O.<br />
<a href="#anm_27" title="anm27" name="anm27">27</a> Vgl. Huntington: The Clash of Civilizations?, a.a.O., S. 23<o></o><br />
<a href="#anm_28" title="anm28" name="anm28">28</a> Geiger, Klaus F.: Vorsicht: Kultur. Stichworte zu kommunizierenden Debatten, in: <em>Das Argument</em> 224 (1998), S. 81-90<br />
<a href="#anm_29" title="anm29" name="anm29">29</a> Huntington: The Clash of Civilizations?, a.a.O., S. 40<o></o><br />
<a href="#anm_30" title="anm30" name="anm30">30</a> Ebd., S. 25, 40<br />
<a href="#anm_31" title="anm31" name="anm31">31</a> Ebd., S. 39<br />
<a href="#anm_32" title="anm32" name="anm32">32</a> Ebd., S. 45<br />
<a href="#anm_33" title="anm33" name="anm33">33</a> Ebd., S. 35<o></o><br />
<a href="#anm_34" title="anm34" name="anm34">34</a> Said, Edward W.: Orientalism, New York 1978. Deutsche, allerdings ungenaue &#220;bersetzung: Orientalismus, Frankfurt a. M. 1981<br />
<a href="#anm_35" title="anm35" name="anm35">35</a> Vgl. ebd., S. 48-50<br />
<a href="#anm_36" title="anm36" name="anm36">36</a> Geiger: Vorsicht: Kultur, a.a.O., S. 82<o></o><br />
<a href="#anm_37" title="anm37" name="anm37">37</a> Huntington, Samuel P.: “If not Civilization, What? Paradigms of the Post-Cold War World”, in: <em> Foreign Affairs</em> 72:5 (1993), S. 186-194, hier S. 192f.<br />
<a href="#anm_38" title="anm38" name="anm38">38</a> Vgl. Huntington: Clash of Civilizations?, a.a.O., S. 48f.<br />
<a href="#anm_39" title="anm39" name="anm39">39</a> Huntington war freilich Mitglied jener Kommission, die bereits 1987 dem damaligen US-Pr&#228;sidenten Ronald Reagan riet, sich vom Kommunismus als Hauptfeind zu l&#246;sen und sich st&#228;rker milit&#228;risch in regionalen und internen Konflikten auf anderen Kontinenten und den L&#228;ndern der „dritten Welt“ zu engagieren (vgl. Çaglar, a.a.O., S. 39, Anm. 70).<br />
<a href="#anm_40" title="anm40" name="anm40">40</a> Geiger: Vorsicht: Kultur, a.a.O., S. 82<o></o><br />
<a href="#anm_41" title="anm41" name="anm41">41</a> Keegan, John, <em>The Daily Telegraph</em>, 8. Oktober 2001<br />
<a href="#anm_42" title="anm42" name="anm42">42</a> Fekete, Liz: Racism: the hidden cost of September 11, London, IRR, 2002<br />
<a href="#anm_43" title="anm43" name="anm43">43</a> Flyghed, Janne: ‘Normalising the exceptional: the case of political violence’, in: <em>Policing and Society</em> 13:1 (2002)<o></o><br />
<a href="#anm_44" title="anm44" name="anm44">44</a> <em>Copenhagen Post</em> (25. September 2003); <em>Aftenposten</em> (30. J&#228;nner 2004), nach Feteke, a.a.O.<br />
<a href="#anm_45" title="anm45" name="anm45">45</a> <em>Junge Welt</em>, 4. J&#228;nner 2003<br />
<a href="#anm_46" title="anm46" name="anm46">46</a> <em>Statewatch Bulletin</em> 13:6 (2003)<br />
<a href="#anm_47" title="anm47" name="anm47">47</a> Zitiert im <em>Economist</em>, 25. Oktober 2003<br />
<a href="#anm_48" title="anm48" name="anm48">48</a> Club 2 am 6. Februar 2008 „Hassliebe USA-Europa?“<o></o><br />
<a href="#anm_49" title="anm49" name="anm49">49</a> Zur Debatte um die Aufkl&#228;rung vgl. den Artikel von Neil Davidson in dieser Ausgabe.<br />
<a href="#anm_50" title="anm50" name="anm50">50</a> Pautz, Hartwig: Die deutsche Leitkultur. Eine Identit&#228;tsdebatte: Neue Rechte, Neorassismus und Normalisierungsbem&#252;hungen, Stuttgart 2005<br />
<a href="#anm_51" title="anm51" name="anm51">51</a> Tibi, Bassam: Europa ohne Identit&#228;t. Die Krise der multikulturellen Gesellschaft, M&#252;nchen 1998<o></o><br />
<a href="#anm_52" title="anm52" name="anm52">52</a> <em>Junge Freiheit</em>, 19. M&#228;rz 1997<br />
<a href="#anm_53" title="anm53" name="anm53">53</a> Aus der Pressemitteilung des baden-w&#252;rttembergischen Innenministeriums vom 14. Dezember 2005<o></o><br />
<a href="#anm_54" title="anm54" name="anm54">54</a> Al-Radwany, Marwa: Vortrag „Feindbild Islam – der neue Rassismus“ auf der „Marx is muss“-Konferenz in Berlin, November 2007<o></o><br />
<a href="#anm_55" title="anm55" name="anm55">55</a> <em>Focus</em> 10.04.2006<br />
<a href="#anm_56" title="anm56" name="anm56">56</a> Alice Schwarzer, zitiert nach Marx, Daniela: Vom ,feministischen Schreckgespenst‘ zur gefragten Expertin – Alice Schwarzers Islamismuskritik als Eintrittskarte in die Welt der Mainstream-Medien, in: J&#228;ger, Margarete/Link, J&#252;rgen (Hg.): Macht – Religion – Politik. Zur Renaissance religi&#246;ser Praktiken und Mentalit&#228;ten, M&#252;nster 2006, S. 209-230, hier S. 218<br />
<a href="#anm_57" title="anm57" name="anm57">57</a> Der Kulturrelativismus betont den Pluralismus der Kulturen und postuliert, dass Kulturen nicht verglichen oder aus dem Blickwinkel einer anderen Kultur bewertet werden k&#246;nnen.<br />
<a href="#anm_58" title="anm58" name="anm58">58</a> Broder, Henryk in: <em>Spiegel</em> 29. Dezember 2007; vgl. Aussagen von Susanne Winter zur FP&#214;-Neujahrskonferenz<br />
<a href="#anm_59" title="anm59" name="anm59">59</a> Alice Schwarzer, zitiert nach Marx: Vom ,feministischen Schreckgespenst‘ zur gefragten Expertin, a.a.O.<br />
<a href="#anm_60" title="anm60" name="anm60">60</a> So wird heftig f&#252;r eine „neue Lust am Nationalstolz“ – so der Titel einer Diskussion bei Beckman – geworben, der Abschied von dem durch „Linke und politisch Korrekte“ aufgezwungen „Schuldkomplex“ gefordert und schlie&#223;lich die Einsicht vertreten, Hitler sei lediglich „ein Freak-Unfall der Deutschen“ (<em>Spiegel</em>-Kulturchef Matthias Mattusek) gewesen.<br />
<a href="#anm_61" title="anm61" name="anm61">61</a> Ebd., S. 213<br />
<a href="#anm_62" title="anm62" name="anm62">62</a> Vgl. Marx, Daniela: Krieg f&#252;r Frauen(rechte)? ,Pseudo-feministische‘ Kollateralsch&#228;den, in: Forum Wissenschaft 1 (2002), S. 34-37. Online: http://www.bdwi.de/forum/archiv/archiv/441976.html<o></o><br />
<a href="#anm_63" title="anm63" name="anm63">63</a> Vgl. ebd.<o></o><br />
<a href="#anm_64" title="anm64" name="anm64">64</a> Zur Debatte um diesen offenen Brief siehe u. a. http://www.iz3w.org/iz3w/Ausgaben/276/LP_s07.html, http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&amp;dig=2004/01/17/a0173<o></o></p>
<p class="MsoNormal"><o> </o></p>
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