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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Irak</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Catastrofuck!</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Aug 2010 09:09:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Rezension: In the Loop, Spielfilm, GB, USA, 109 Minuten, Regie: Armando Iannucci, Kamera: Jamie Carney.

Alastair Campbell findet den Film nicht besonders lustig. Am ehesten noch dann, wenn er weniger direkt die Politik der Regierung des United Kingdom aufs Korn nimmt und sich stattdessen mehr auf das Absurde des Zwischenmenschlichen bezieht. Alastair Campbell findet, dass dieser Film jungen Menschen Politik madig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: In the Loop, Spielfilm, GB, USA, 109 Minuten, Regie: Armando Iannucci, Kamera: Jamie Carney.<br />
<span id="more-1537"></span><br />
Alastair Campbell findet den Film nicht besonders lustig. Am ehesten noch dann, wenn er weniger direkt die Politik der Regierung des United Kingdom aufs Korn nimmt und sich stattdessen mehr auf das Absurde des Zwischenmenschlichen bezieht. Alastair Campbell findet, dass dieser Film jungen Menschen Politik madig machen und ihnen so jegliches Interesse daran verg&#228;llen k&#246;nnte – und setzt so stillschweigend Parteipolitik mit jeglicher Form von Politik gleich. Alastair Campbell ist auch nicht besonders davon &#252;berzeugt, dass in diesem Film die Geschehnisse rund um das Kabinett Tony Blairs, die schlussendlich zum Irak-Krieg f&#252;hrten, besonders treffend oder auch nur ansatzweise realistisch wiedergegeben wurden.<br />
Das alles ist nur wenig verwunderlich, schlie&#223;lich war Alistair Campbell eine zentrale Figur von New Labour in der &#196;ra Blair gewesen – zuerst als dessen Wahlkampfmanager, dann als Pressesprecher und quasi inoffizieller Vizekanzler.  Als solcher war er auch in eines der gr&#246;&#223;eren Politikdesaster der letzten Jahre verwickelt, spielte er doch eine zentrale Rolle bei der Verfassung des September Dossier der britischen Regierung &#252;ber Iraks Potential zur Herstellung und zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen – Campbell lie&#223; den Bericht auf Linie mit den USA trimmen und Zweifel an der Existenz dieser Waffen aus dem Bericht verschwinden. Das Dossier war so einerseits einer der Ecksteine der argumentativen Aufbereitung des bevorstehenden Irakkrieges und f&#252;hrte andererseits zu einem der gr&#246;&#223;ten Polit-Skandale der britischen Nachkriegsgeschichte: David Kelly war Experte f&#252;r Biowaffen, der Informationen &#252;ber die Ver&#228;nderungen des Berichts geliefert hatte und schlussendlich aufgrund massiven Drucks durch die Blair-Regierung als BBC-Informant genannt wurde. Zwei Tage nachdem er vor dem britischen Parlament dazu vernommen worden war, wurde er mit offenen Pulsadern in einem Waldst&#252;ck aufgefunden.<br />
Armando Ianuccis Satire In the Loop endet jedoch mit der Ver&#228;nderung des Berichts und dessen Pr&#228;sentation bei einer UN-Konferenz, auf der weitere Ma&#223;nahmen gegen einen ungenannten Staat im Nahen Osten beschlossen werden sollen. Das Setting f&#252;r diesen Film &#252;bernimmt Ianucci, umtriebiger Satiriker und Drehbuchautor in der britischen Medienlandschaft, weitgehend von der BBC-Satire-Serie The Thick of it, die um einen unf&#228;higen Kabinettsminister sowie einen zynischen Pressesprecher und Sekret&#228;r des Ministerpr&#228;sidenten kreist. In the Loop als Spin-Off von The Thick of it greift diese Konstellation auf: Malcolm Tucker, ein Berserker von einem Pressesprecher, der in seinen furiosen Fluchorgien selbst einen Fuhrknecht besch&#228;men k&#246;nnte (Alastair Campbell stand f&#252;r ihn Modell) muss sich st&#228;ndig mit den verbalen Fauxpas des „Minister of International Development“, Simon Foster herumschlagen.<br />
So beginnt das Chaos denn auch, als Foster zum Abschluss eines Interviews auf die Frage, ob denn ein Krieg im Nahen Osten bevorstehen w&#252;rde, diesen mehr versehent- als willentlich als „unforeseeable“ deklariert. Beim Versuch, sich von diesem Statement wieder zu distanzieren und seine absolute Meinungslosigkeit zu diesem Thema zum Ausdruck zu bringen, entschl&#252;pft Foster dieses sprachliche Kleinod: „Look, all sorts of things that actually are very likely, are also unforseeable. For the plane in the fog, the mountain is unforeseeable, but it is then suddenly very real and inevitable. The mountain in the metaphor is a completely hypothetical mountain that could represent anything. […] To walk the road of peace, sometimes we need to be ready to climb the mountain of conflict.&#8221;<br />
Aufgrund seiner flexiblen Meinung wird er nun zum Spielball zweier amerikanischer Regierungsbeamten: Linton Barwick,  US Assistant Secretary for Policy, der den Krieg vorbereitet und Karen Clarke, US Assistant Secretary for Diplomacy, die diesen verhindern will. Zum Verh&#228;ngnis wird ihm allerdings nicht nur seine Inkompetenz, die Parteilinie in Interviews wiederzugeben, sondern auch die losen Steine seiner Gartenmauer, die immer weiter Richtung Nachbarsgarten abrutscht und in den Medien allm&#228;hlich zum Gespr&#228;chsthema Nummer eins avanciert. Und fehlt einmal der erste Stein in der Mauer ist der Durchbruch – oder in diesem Fall das Desaster –  nahe, sodass sogar noch der eigene R&#252;cktritt zur Katastrophe ger&#228;t.<br />
<em>In the loop</em> ist eine unheimlich rasante Satire voller gro&#223;artiger Einzeiler und <em>inventive swearing</em> („Catastrofuck!“). F&#252;r Tempo sorgen dabei einerseits die staccatoartigen Dialoge und zahlreichen Settings, wie auch die sehr umtriebige Kameraf&#252;hrung, die das Agieren der ProtagonistInnen weniger glamour&#246;s, sondern eher dokumentarisch portraitiert. Was vielleicht so besonders gef&#228;llt an <em>In the Loop</em> ist die Diskrepanz in der Sprachverwendung der MeinungsprofessionalistInnen in dieser Satire: einerseits derb und schmutzig, aber auch eindeutig, wenn inoffiziell, dagegen weichgesp&#252;lt, inhaltsleer und manipulativ nach au&#223;en. Iannuccis Satire funktioniert sogar so gut, dass man sich manchmal w&#252;nscht, sie w&#228;re etwas weiter von der ihr zugrunde liegenden Realit&#228;t entfernt, um befreiter lachen zu k&#246;nnen. Denn jede gute Satire ist immer auch schmerzhaft, wenn sie den Aberwitz der Realit&#228;t im Spiegel des Humors zeigt, so auch<em> In the Loop.</em> </p>
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		<title>Besatzung und B&#252;rgerkrieg im Irak</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 22:55:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im gewaltigen Chaos des Irak scheint sich das Horrorszenario eines B&#252;rgerkriegs immer deutlicher abzuzeichnen. Bilder von brennenden schiitischen Moscheen und gemeuchelten sunnitischen Bauernfamilien werden von den Besatzungsm&#228;chten benutzt, um einen R&#252;ckzug in die fernste Zukunft zu verlegen – man habe schlie&#223;lich einen B&#252;rgerkrieg zu verhindern. Die Autorin <em>Haifa Zangana</em> und der Sozialwissenschafter <em>Sami Ramadani</em>, beide Fl&#252;chtlinge des Regimes Saddam Husseins und vertraut mit den j&#252;ngsten Ereignissen in ihrer Heimat, beantworten Fragen zu religi&#246;ser Gewalt und der M&#246;glichkeit eines B&#252;rgerkriegs im Irak.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im gewaltigen Chaos des Irak scheint sich das Horrorszenario eines B&#252;rgerkriegs immer deutlicher abzuzeichnen. Bilder von brennenden schiitischen Moscheen und gemeuchelten sunnitischen Bauernfamilien werden von den Besatzungsm&#228;chten benutzt, um einen R&#252;ckzug in die fernste Zukunft zu verlegen – man habe schlie&#223;lich einen B&#252;rgerkrieg zu verhindern. Die Autorin <em>Haifa Zangana</em> und der Sozialwissenschafter <em>Sami Ramadani</em>, beide Fl&#252;chtlinge des Regimes Saddam Husseins und vertraut mit den j&#252;ngsten Ereignissen in ihrer Heimat, beantworten Fragen zu religi&#246;ser Gewalt und der M&#246;glichkeit eines B&#252;rgerkriegs im Irak.<br />
<span id="more-72"></span></p>
<p><em>Ich w&#252;rde gerne mit der Frage der Gewalt zwischen schiitischen und sunnitischen MuslimInnen beginnen. Wie seht ihr dieses Problem?</em></p>
<p>Haifa Zangana: Diese Identifikation von Menschen, je nachdem ob sie SunnitInnen oder SchiitInnen sind, ist etwas, das es zu Beginn der 1980er Jahre nicht gegeben hat. Es existierte nicht in der Gesellschaft, nicht im Journalismus, nicht in der Geschichtsschreibung oder in der Literatur. Es w&#228;re sehr schwierig, ein Fachbuch zu finden, das sich mit IrakerInnen besch&#228;ftigt, indem es sie in religi&#246;se „Sekten“ einteilt.</p>
<p><em>Oft treffen wir auf die Vorstellung, dass fr&#252;her SunnitInnen die Regierung dominierten. W&#252;rdet ihr sagen, dass das ein falsches Bild ist?</em></p>
<p>HZ: Ich denke, es ist v&#246;llig k&#252;nstlich; wenn wir das auf Gro&#223;britannien &#252;bertragen und nach dem Hintergrund einzelner Personen forschen w&#252;rden – ist er Protestant, Katholik, Anglikaner – w&#252;rden wir auf bestimmte Muster der Machtverteilung sto&#223;en, die bequem von einem selektiven Prozess aufgegriffen werden k&#246;nnten.<br />
Wenn man sich 52 Spielkarten ansieht, auf denen die Ba’ath-F&#252;hrer abgebildet sind, die von den USA gleich nach dem Fall von Bagdad gesucht wurden, findet man heraus, dass 38 dieser 52 F&#252;hrer Schiiten sind. Also, wer hat den Irak beherrscht? Ich denke, dass diese Idee komplett an den Haaren herbei gezogen ist, sie wurde bewusst produziert und kann auf die Zeit zu Beginn der 1980er zur&#252;ck gef&#252;hrt werden, der Zeit des Iran-Irak-Kriegs</p>
<p>Sami Ramadani: Auf kommunaler Ebene, auf der Stra&#223;e, gibt es keine scharfen Trennungen zwischen den Menschen. Die Leute gehen nicht los und t&#246;ten andere, weil sie auf der falschen Seite der religi&#246;sen oder gar nationalen Teilung stehen. Die Kriege gegen die kurdische Bev&#246;lkerung, zum Beispiel, waren keine kommunalen Kriege, in denen hunderttausende AraberInnen die KurdInnen bek&#228;mpft haben, sondern der Akt eines repressiven Staats, der einen chauvinistischen Krieg gegen das kurdische Volk f&#252;hrte; es war der Staat gegen das Volk. Fortschrittliche AraberInnen aus dem S&#252;den flohen damals nach Kurdistan, das ein sicheres Gebiet war, um den Kampf gegen das Regime zu f&#252;hren. Am H&#246;hepunkt der Kriege etwa flohen tausende Soldaten zu den kurdischen Kr&#228;ften.<br />
Saddams Regime hatte nat&#252;rlich relig&#246;s-sektiererische Dimensionen, besonders nach dem Aufstand von 1991, dessen Zentrum sich im S&#252;den befand, und nachdem der Gro&#223;teil des S&#252;dens schiitisch ist, schien die Kampagne (des irakischen Regimes gegen die Aufst&#228;ndischen, A.d.&#220;.) sich gegen die Shia zu richten. Irak ist keine Apartheid-Gesellschaft und war auch nie eine. Saddams Regime beruhte auf sozialen Schichten und Sicherheitskr&#228;ften verschiedener religi&#246;ser und nationaler Zugeh&#246;rigkeit. Saddams Regime h&#228;tte den S&#252;den oder Kurdistan nicht beherrschen k&#246;nnen, ohne dass Menschen aus dem S&#252;den und aus Kurdistan mitgemacht h&#228;tten. Es gab also eine soziale Basis – eine schmale soziale Basis nat&#252;rlich – die dieses Modell unterst&#252;tzt hat, aber es war eine soziale Basis, die sich aus allen Konfessionen, Religionen und Nationalit&#228;ten zusammengesetzt hat.<br />
Die Stadt Falluja ist ein gutes Beispiel. Sie war eine starke Bastion der Anti-Saddam-Bewegung, denn im Jahr 1996 gab es einen Putschversuch, den Saddam auf Leute in Falluja zur&#252;ckf&#252;hrte, und 1998 befahl er den Imamen der Moscheen in Falluja, ihn zu verherrlichen und f&#252;r ihn zu beten. Sie weigerten sich, und er begann die EinwohnerInnen Fallujas zu bestrafen. Und bis heute ist Ba’ath in Falluja sehr schwach – das ist der Grund daf&#252;r, dass der Widerstand dort vor allem von religi&#246;sen Kr&#228;ften angef&#252;hrt wird. Der wichtige Punkt ist, dass Saddam jede Quelle der Opposition zerschlagen hat, ohne R&#252;cksicht auf Sekten, Religion oder Nationalit&#228;t.</p>
<p><em>Denkt ihr, dass die Besatzungsm&#228;chte versucht haben, religi&#246;s-sektiererische Spaltungen zu produzieren, und wenn ja, wie haben sie das getan?</em></p>
<p>SR: Allgemein gesprochen haben sie das bereits vor der Besatzung gef&#246;rdert, indem sie mit irakischen Oppositionskr&#228;ften bei Vor-Kriegs-Konferenzen in London und anderswo immer st&#228;rker auf Basis von „wer ist Kurde“, „wer ist Araber“, „wer ist Schiit“, „wer ist Sunnit“, „wer ist Turkmene“, „wer ist Christ“ und so weiter umgegangen sind. Und sie haben bewusst versucht, das zu f&#246;rdern – das war recht offensichtlich. Nach der Besatzung haben sie das weitergef&#252;hrt, in noch gr&#246;&#223;erem Ausma&#223;. Jede Institution, bei deren Aufbau sie ihre Hand im Spiel hatten, musste nach religi&#246;s-sektiererischen Kriterien aufgeteilt werden. Sogar die Armeeeinheiten h&#228;tten auf dieser Basis entstehen sollen. Paul Bremer’s Irakischer Regierungsrat<a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> ist ein gutes Beispiel daf&#252;r, wie sie IrakerInnen spalten wollten.<br />
Eine so genannte „Balance“ zwischen den verschiedenen Communities beinhaltet im Prinzip sehr strenge religi&#246;se und ethnische Spaltungen, bis hinab zu Treffen und Komitees auf den niedrigsten Ebenen. All das ist den Jahrhunderte alten Traditionen des Landes v&#246;llig fremd.</p>
<p>HZ: Der „Hohe Rat f&#252;r die Islamische Revolution im Irak“, SCIRI, repr&#228;sentiert zum Beispiel eine bestimmte Klasse von SchiitInnen. Muqtada al-Sadr repr&#228;sentiert eine andere Klasse – die &#196;rmsten der Armen. SCIRI steht mehr oder weniger f&#252;r die Mittelklasse und die Menschen, die die heiligen St&#228;tten &#252;berwachen. Ich sehe es mehr als einen Klassenkampf als etwas anderes, schlie&#223;lich ist es eine Religion, der Islam. Es gibt kaum Unterschiede, was die Schriften betrifft – was wichtig ist, ist wer was kontrolliert. Es handelt sich um politische Parteien, die diese oder jene religi&#246;se Gruppe benutzen. Diese auf religi&#246;sem Sektierertum basierenden Parteien sind etwas Neues.<br />
Wenn man ihre ganzen Programme liest, sind sie letztlich alle gleich, sie k&#252;mmern sich sehr um das irakische Volk, nationale Einigkeit, sind gegen religi&#246;ses Sektierertum und so weiter. Leute aus dem Irak erz&#228;hlen uns, dass das Innenministerium in drei Stockwerke unterteilt ist – jedes Stockwerk geh&#246;rt einer politischen Partei, und sie sprechen nicht miteinander. Vor kurzem wurde entdeckt, dass 167 IrakerInnen im Geb&#228;ude des Ministeriums gefangen gehalten wurden, und jede politische Partei beschuldigt die andere, weil sie nicht einmal wissen, wer verhaftet und wer foltert. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Verhaftungen und die Milizen, sondern auch die Vergabe von Arbeitspl&#228;tzen. Um etwa einen Job im Verteidigungsministerium zu bekommen, oder im Sozialministerium, oder in irgend einem anderen Ministerium, musst du den Kriterien des Ministers entsprechen – je nachdem, welche Partei er repr&#228;sentiert. Wenn er in der PUK (Patriotische Union Kurdistans) ist, musst du auch PUK-Mitglied sein, sonst kannst du es vergessen. Mit deinen Qualifikationen hat das nichts zu tun.</p>
<p>SR: Es existiert ein gewisser Grad an Toleranz in der irakischen Gesellschaft, der das Existieren verschiedener religi&#246;ser Gruppen, Religionen und Nationalit&#228;ten erlaubte. Das hat sich sozial in gemischten Familien und gemischten Nachbarschaften ausgedr&#252;ckt. So leben etwa mehr KurdInnen in Bagdad als in irgendeiner Stadt in Kurdistan. Es gibt schiitische Communities &#252;berall im Irak. Ein Viertel der Bev&#246;lkerung Basras ist sunnitisch. Das sind Zeichen f&#252;r die allgemeine Durchmischung in dem Land, die nun aktiv aufgebrochen wird.</p>
<p><em>In den Medien hei&#223;t es oft, dass viele SchiitInnen die Besatzung unterst&#252;tzen und viele SunnitInnen sie ablehnen.</em></p>
<p>SR: Ich w&#252;rde nicht sagen, dass der Gro&#223;teil der schiitischen Community die Regierung unterst&#252;tzt. Ich denke, es gibt offensichtlich schiitische Massenorganisationen wie SCIRI oder die Da’wah-Partei, die Teil der Regierung sind, und die in den s&#252;dlichen St&#228;dten und in Teilen Bagdads stark sind. Aber sie repr&#228;sentieren – meiner Einsch&#228;tzung nach – keinesfalls die Mehrheit der Menschen in diesen Gebieten. Die Sadr-Bewegung, die stark gegen die Regierung und gegen die Besatzung auftritt, ist zum Beispiel sehr beliebt. Muqtada al-Sadr spielt eine sehr komplexe Rolle – w&#228;hrend er einerseits eine sehr feindliche Haltung gegen&#252;ber der Besatzung und der Politik der Regierung einnimmt, l&#228;sst er seine Unterst&#252;tzer andererseits f&#252;r die Wahlen kandidieren. Doch seine j&#252;ngste Entscheidung, einige seiner Unterst&#252;tzer der offiziellen Liste der „Irakischen Nationalen Koalition“ beitreten zu lassen, hat unter seinen Leuten gro&#223;e Diskussionen ausgel&#246;st – manche sind komplett dagegen, manche sagen „Wenn wir uns schon den Wahlen stellen, sollten wir es allein machen, oder uns zumindest mit anderen Anti-Besatzungs-Kr&#228;ften verbinden, die auch an den Wahlen teilnehmen k&#246;nnten“.</p>
<p><em>Versuchen die Besatzungskr&#228;fte, das Land in mehrere Teile aufzubrechen?</em></p>
<p>SR: Ich denke nicht, dass sie gekommen sind, um das Land in einen B&#252;rgerkrieg zu st&#252;rzen. Sie sind gekommen, um den Irak und sein Erd&#246;l auszubeuten und um das Land in eine strategische Basis im globalen Kontext zu verwandeln. Doch wegen des Ausma&#223;es an Opposition gegen ihre Anwesenheit und dem raschen Aufschwung des bewaffneten Widerstands im ganzen Irak (mit Ausnahme Kurdistans) wurde aus der Politik, Menschen entlang religi&#246;s-sektiererischer und ethnischer Grenzen zu trennen, ein Schema, um Unfrieden und Gewalt zwischen den Communities zu schaffen. Das ist die einzige M&#246;glichkeit einer Kolonialmacht – oder jeder anderen Macht – die eine andere Gesellschaft beherrscht, um mit dieser Situation zu Recht zu kommen, und zwar ganz spontan. Wenn du einen Feind hast, versuchst du ihn zu spalten, und die IrakerInnen haben &#252;berw&#228;ltigend bewiesen, dass sie – in unterschiedlichem Ausma&#223; – gegen die Besatzung sind. Die Reaktion der BesatzerInnen war, Differenzen auszunutzen, und Organisationen, die religi&#246;s-sektiererische  Gewalt predigen und aus&#252;ben, zu ignorieren oder gar aufzustacheln.</p>
<p>HZ: Wenn du eineN IrakerIn auf der Stra&#223;e fragst: „Willst du von Schiiten oder Sunniten regiert werden?“, wird die Antwort kommen: „Der Teufel kann uns regieren, solange er erstens ein Iraker ist, uns zweitens Sicherheit bringt, und drittens erm&#246;glicht, dass wir ein mehr oder weniger normales Leben f&#252;hren k&#246;nnen – alles andere ist uns egal“. Sogar als Talabani zum Pr&#228;sidenten ernannt wurde, h&#246;rte ich keineN IrakerIn sagen; „Dieser Talabani ist Kurde, deswegen wollen wir ihn nicht“. Sie k&#246;nnen dir eine lange Liste an Gr&#252;nden geben, warum sie Talabani hassen: Er ist korrupt; er ist verantwortlich f&#252;r den Tod vieler KurdInnen&#8230; Es geht also um Wirtschaft und Politik.</p>
<p><em>Das ist ein ganz anderes Bild als jenes, das wir von den Medien pr&#228;sentiert bekommen. Die allgemeine Sicht ist, dass der Irak geteilt ist in die KurdInnen im Norden, den SunnitInnen im „sunnitischen Dreieck“ und den SchiitInnen im S&#252;den. Ist das ein falsches Bild?</em></p>
<p>SR: Absolut. Aber dieses Bild hat sich leider stark festgesetzt, weil es so oft wiederholt wurde, dass es nun als selbstverst&#228;ndlich gilt. Die Macht der modernen Medien geht so weit, dass dieser Mythos in den K&#246;pfen der Menschen au&#223;erhalb des Irak zur Realit&#228;t wird. Im Irak selbst hat es Einfluss in intellektuellen Kreisen und unter bestimmten politischen Organisationen. Aber bei Menschen von der Stra&#223;e und in den Communities hat es sich noch nicht durchgesetzt.</p>
<p><em>Aber mit den Milizen und bewaffneten Banden hat es doch etwas auf sich?<br />
</em><br />
HZ: Es gibt tats&#228;chlich Milizen – jene von Ahmed Chalabi ist etwa noch sehr stark. Es gibt die Badr-Brigaden der SCIRI, die ber&#252;chtigt sind – und von denen wir wissen, dass sie im Iran aufgebaut wurden und mit der Partei selbst in den Irak kamen, ohne Verwurzelung in der irakischen Gesellschaft. Dann gibt es die Peshmerga (kurdische Milizen), die von den Besatzungsm&#228;chten in Najaf und Falluja benutzt wurden.<br />
Wenn wir von politischen Parteien sprechen, existiert es tats&#228;chlich. Aber wenn wir von den Menschen sprechen, ist das Gegenteil wahr. Als zum Beispiel hunderte Menschen auf der Jisr al-Imma-Br&#252;cke in Bagdad zu Tode getrampelt wurden, kamen alle Menschen, um ihnen zu helfen. W&#228;hrend der Belagerung Fallujas spendeten Menschen aus den verschiedensten Teilen des Irak Blut und Lebensmittel. Es gibt also eine feste Einigkeit, und ich denke, dass sie das Herz des Irak darstellt. Aber wie lange wird diese Einigkeit &#252;berleben, wenn sie t&#228;glich von PolitikerInnen und den Medien angegriffen wird – innerhalb wie au&#223;erhalb des Irak?</p>
<p>SR: Nat&#252;rlich ist es wichtig, die Vergangenheit zu betrachten, obwohl es keinen logischen Grund gibt, dass die historische Kontinuit&#228;t nicht auch durch die j&#252;ngsten Ereignisse gebrochen werden k&#246;nnte. Es gibt eine echte Gefahr, und je l&#228;nger die Besatzung andauert, desto gegens&#228;tzlicher werden die Spaltungen werden. Die Besatzung ist nicht mehr ein externer Faktor in der irakischen Gesellschaft. Sie befindet sich in der irakischen Gesellschaft. Sie baut Armeetruppen und Sicherheitskr&#228;fte auf; sie kolonisiert den Staat; sie arbeitet mit recht gut organisierten politischen Kr&#228;ften zusammen; sie hat ihre Tentakel in alle Organisationen der Gesellschaft ausgebreitet; sie hat tausende ausl&#228;ndische S&#246;ldnerInnen und zehntausende von „geheimen“ Privatarmeen, die das Land &#252;berziehen.<br />
Ich denke, man m&#252;sste den Slogan von der Gefahr des B&#252;rgerkriegs im Irak umdrehen und sagen, dass je l&#228;nger die Besatzung andauert, desto wahrscheinlicher ist es, dass dieser Konflikt ausbrechen wird. Je schneller sie sich zur&#252;ckziehen,  desto wahrscheinlicher ist es, dass der Irak sich wieder in Richtung des relativ starken Zusammenhalts entwickeln wird, der zwischen den verschiedenen Communities existiert hat. Deine Politik war im Irak immer wichtiger als deine Religion oder deine Nationalit&#228;t.</p>
<p><em>Das Interview wurde von </em><em>Anne Ashford</em> f&#252;r das International Socialism Journal gef&#252;hrt. Das ganze Interview ist auf Englisch abrufbar unter:</p>
<p>http://www.isj.org.uk/index.php4?id=159&amp;issue=109.</p>
<p>Anmerkungen<br />
<a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> Eine von den Besatzungsm&#228;chten eingerichtete und besetzte „Regierung“, die bis zu den Wahlen im Amt war.</p>
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		<title>Wie der Vietnamkrieg gestoppt wurde</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 22:15:57 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Rezension: Jonathan Neale: Der amerikanische Krieg. Vietnam 1960-1975. K&#246;ln: Atlantik/Neuer ISP Verlag 2004. 17,30 €]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Jonathan Neale: Der amerikanische Krieg. Vietnam 1960-1975. K&#246;ln: Atlantik/Neuer ISP Verlag 2004. 17,30 €<br />
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In Der amerikanische Krieg schildert der Marxist Jonathan Neale eindrucksvoll, wie die Supermacht USA einen Krieg gegen eine milit&#228;risch unterlegene Guerillaarmee gleich an zwei Fronten verloren hat: in Vietnam und in den USA.<br />
Doch es handelt sich um weit mehr als nur um einen geschichtlichen Abriss &#252;ber einen l&#228;ngst vergangenen Krieg. Die St&#228;rke dieses Buches liegt darin, dass Neale einerseits den Konflikt, in dem sich die USA sowohl innen- als auch au&#223;enpolitisch befand, mit einer bestechenden Klarheit beschreibt und analysiert. Andererseits – und das macht dieses Buch so einmalig und beeindruckend – l&#228;sst er auf lebendige und authentische Weise die Betroffenen des Krieges zu Wort kommen: Die vietnamesischen Widerstandsk&#228;mpferInnen, die amerikanischen Soldaten in Vietnam, deren sich &#228;ngstigenden M&#252;tter und die AntikriegsaktivistInnen in den USA.<br />
Die Niederlage der US-Regierung resultierte aus drei Elementen: Der erbitterte vietnamesische Widerstand, die Protestbewegung in den USA und letztlich die Auflehnung und Verweigerung der Soldaten innerhalb der US-Armee selbst. Die Bilder der Tet-Offensive, in der vietnamesische Guerillak&#228;mpferInnen die US-Botschaft in Saigon st&#252;rmten und f&#252;r einige Stunden besetzt hielten, gingen um den gesamten Globus. Zus&#228;tzlich sah sich die US-Regierung konfrontiert mit einem Protest nie gekannten Ausma&#223;es, die auch die B&#252;rgerInnenrechtsbewegung der Schwarzen und die Eltern der Soldaten miteinschloss.<br />
Neben dem vietnamesischen Widerstand und dem Protest in den USA lag der Grund f&#252;r das Scheitern der USA v.a. auch am Widerstand innerhalb der US-Armee selbst. Neale schreibt: „Die GIs in Vietnam kamen aus der Arbeiterklasse, und ihr Auftrag lautete, eine Revolte armer Bauern zu zerschlagen. Sie wussten es. Sie waren in einen grausamen Krieg geschickt worden und wurden ermuntert, zu t&#246;ten und Leichen zu z&#228;hlen. Der Widerspruch, in dem sie gefangen waren, die Qual und die Konfusion, auf der falschen Seite zu stehen, trieb viele zur Grausamkeit. Dieselben Kr&#228;fte jedoch konnten die M&#228;nner zur selben Zeit zur Revolte gegen den Krieg treiben – und sie revoltierten auch.“ Zun&#228;chst begannen einige Soldaten Antikriegstreffen zu organisieren. Was als kleinere Versammlungen von Einzelnen begann, weitete sich rasch aus. GIs traten organisiert auf, verweigerten Befehle und schossen sogar auf Offiziere.<br />
Heute wird h&#228;ufig von einer „Vietnamisierung“ des Irakkriegs gesprochen. Tats&#228;chlich finden sich im Irakkonflikt die drei tragenden Elemente, die den USA ihrem unpopul&#228;r gef&#252;hrten Krieg und der jetzigen Besatzung zum Verh&#228;ngnis werden k&#246;nnten: Der Widerstand der IrakerInnen, eine weltweite Antikriegsbewegung und zunehmender Unmut in der Armee.<br />
Deshalb ist das Buch so wertvoll; nicht nur weil es packend geschrieben ist, auch weil sich aus den Protesten der Bewegung von damals viele relevante Lehren f&#252;r heute ziehen lassen.</p>
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