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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Internet</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Aufruhr im Netz</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Sep 2007 02:30:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 1]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>
		<category><![CDATA[Naher und Mittlerer Osten]]></category>
		<category><![CDATA[StudentInnenbewegung]]></category>

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		<description><![CDATA[Rezension: Nasrin Alavi: Wir sind der Iran. Aufstand gegen die Mullahs - die junge persische Weblog-Szene. K&#246;ln: Kiepenheuer &#38; Wirtsch 2005.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rezension: Nasrin Alavi: Wir sind der Iran. Aufstand gegen die Mullahs &#8211; die junge persische Weblog-Szene. K&#246;ln: Kiepenheuer &amp; Wirtsch 2005.<br />
<span id="more-93"></span><br />
Der Iran ist in der internationalen Medienlandschaft ein viel behandeltes Land. Der Atomkonflikt, Attacken gegen Israel, diktatorische Mullahs und Bilder von schwarz umh&#252;llten Frauen pr&#228;gen das Iranbild vieler Menschen im Westen. Nasrin Alavi zeigt in ihrem Buch &#252;ber die iranische Weblogszene einen anderen Iran.<br />
Das Internet hat sich aufgrund einer repressiven Pressezensur in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Medien f&#252;r freie Meinungs&#228;u&#223;erung und Protest gegen die Mullah-Diktatur entwickelt. Es gibt ca. 64.000 iranische Weglogs. Farsi (die offizielle iranische Landessprache) ist somit die vierth&#228;ufigste Sprache, in der Internettageb&#252;cher geschrieben werden. Die meist jungen Web-AutorInnen sprechen „mit viel Witz, Poesie und Zorn &#252;ber ihre Konflikte mit dem Gesetz, die Situation der Frauen, diskutieren &#252;ber Repression und Widerstand, Religion und Medien, &#252;ber Musik und Partys, erz&#228;hlen von der Liebe und der Trauer &#252;ber verschwundene [politische] Helden.“<br />
Durch viele Zitate aus Weblogs zeichnet Alavi ein dynamisches Bild der iranischen Gesellschaft im Wandel. Im Zentrum stehen dabei die W&#252;nsche, Hoffnungen und &#196;ngste junger IranerInnen die im allt&#228;glichen Widerspruch zur offiziellen politischen und ideologischen Realit&#228;t der Islamischen Republik leben. Die Br&#252;chigkeit der Herrschaft der Mullahs kommt in diesem Spannungsfeld zum Vorschein. Oppositionelle Geistliche, JournalistInnen, politische AktivistInnen formulieren durch ihre Weblogs Kritik am Regime. Viele von ihnen werden in Alavis Buch vorgestellt und ihre Kommentare sowie Huldigungen an ber&#252;hmte Oppositionelle abgedruckt.</p>
<p>Die Tradition des Widerstandes ist ein wichtiger Bestandteil der Diskussionen in den Weblogs und eine Anleitung f&#252;r den Widerstand heute. So ist z.B. die Rolle der USA in der Unterdr&#252;ckung der iranischen Bev&#246;lkerung noch lange nicht vergessen, ebenso wie die Erfahrungen fr&#252;herer demokratischer Bewegungen und K&#228;mpfe, die Menschen immer noch inspirieren. Zum Todestag des demokratisch gew&#228;hlten Nationalisten Mohammad Mossadegh, der durch einen Putsch des Shahs und der CIA gest&#252;rzt wurde, erschienen zum Beispiel Weblogs, die an ihn erinnern:</p>
<p>5. M&#228;rz 2003<br />
Heute ist der Todestag des einflussreichsten demokratischen Staatsoberhaupts der iranischen neueren Geschichte… Heute behauptet Amerika, es wolle dem gesamten Planeten die Demokratie bringen. Die &#196;ra Mossadegh beweist, dass solche Behauptungen nur eine einzige gro&#223;e L&#252;ge sind. In ehrenvollem Andenken an Dr. Mossadegh, einen Mann, der sein Volk nie verriet…</p>
<p>http://www.shabah.org</p>
<p>Ebenso ist die Erinnerung an die ungerechte Herrschaft des Shahs vor der Revolution 1979 als auch an die Revolution selbst nicht verblasst:</p>
<p>15. Februar 2004<br />
Die islamische Herrschaft hat so viel Elend &#252;ber uns gebracht, dass die F&#252;rsprecher der Monarchie unsere gegenw&#228;rtige schlimme Lage schon als Argument heranziehen, wenn sie die Schahzeit als eine &#196;ra der Zivilisation bezeichnen… Doch das Ged&#228;chtnis unseres Volkes ist nicht so schlecht, dass es jenen Sumpf vergessen h&#228;tte oder auch die Tatsache, dass die Islamische Revolution aus jenem Sumpf heraus erwachsen ist.<br />
In unserem Land sind alle Arten repressiver Herrschaft ausprobiert worden&#8230; Doch diesmal wollen alle vorrangig Demokratie und Freiheit. Die Iranische Revolution lebt, sie ist ewig und geht immer weiter&#8230; Lang lebe die Iranische Revolution!</p>
<p>http://siprisk.blogspot.com</p>
<p>Dass die IranerInnen nicht sehns&#252;chtig auf die US-Panzer in Teherans Stra&#223;en warten um die Diktatur zu st&#252;rzen, zeigt sich in der abneigenden Haltung vieler Blogger gegen&#252;ber der aggressiven Politik der USA im Atomstreit:</p>
<p>1. Februar 2005<br />
Ich hasse Krieg. Ich hasse die Soldaten, die uns befreien sollen und unseren Boden, unser Heim, Jung und Alt unter ihren Stiefeln zertrampeln. Glaubt mir, ich liebe die Freiheit. Aber ich glaube, dass man sich selbst befreien muss. Niemand sonst kann das tun.</p>
<p>http://shargi.blogspot.com</p>
<p>W&#228;hrend der StudentInnenunruhen spielte die Kommunikation &#252;ber das Internet eine wichtige Rolle. Informationen und Erlebnisse konnten auf diesem Weg schnell und relativ ungef&#228;hrlich ausgetauscht werden. Dies ist ein Erlebnisbericht eines Webloggers &#252;ber die StudentInnenunruhen im Juni 2003:</p>
<p>13. Juni 2003<br />
Viele Leute, viele „B&#228;rte“ [Slang Ausdruck f&#252;r die Basiji Milizen], viele Motorr&#228;der…<br />
Und wo war ich? 17. Stra&#223;e, Amir Abad, vor den Wohnheimen der Jungs!<br />
W&#228;hrend der Revolution war bestimmt alles viel einfacher. Wenigstens konnte man einem Soldaten eine Blume in den Gewehrlauf stecken. Aber wie um alles in der Welt soll man eine Blume an einem elektrischen Schlagstock befestigen? Drei&#223;ig Minuten sp&#228;ter… Kurdistan Allee! Stellt euch eine Rotte Neandertaler vor, die euch jagen wie eine Herde Esel mit Chilischoten im Arsch!<br />
Drei&#223;ig Minuten sp&#228;ter, Amir Abad Highway! Tausende feiern eine Party und hupen!<br />
Zwei Uhr nachts: Kurdistan Allee… Stellt euch 40 oder 50 „B&#228;rte“ auf Motorr&#228;dern vor. Jetzt sind auch die speziellen Sicherheitstruppen im Einsatz. Das merkt man an ihrem ranzigen Gestank, der die Luft verpestet!<br />
Stellt euch folgendes vor: Die Basiji schlagen Leute zu Brei… Stellt euch vor: den Kn&#252;ppel mit dem der Basiji auf die Leute einschl&#228;gt… Stellt euch vor: Ein Polizeibeamter haut einem Basiji eine runter und wird von ihm verflucht… Stellt euch vor: Eine Gro&#223;mutter sucht nach ihrem Enkel, der von ihr getrennt wurde… Stellt euch vor: Die Basiji skandieren: „Oberster F&#252;hrer, wir sind bereit, wir sind bereit!“… Stellt euch vor: Ein Junge und ein M&#228;dchen lernen sich besser kennen… Den Gestank von Tr&#228;nengas…. abgeh&#246;rte Handys&#8230;<br />
Stellt euch vor, wie die Tore der Universit&#228;t von der Menge eingerissen werden, und wie die Basiji fluchen&#8230;</p>
<p>Nasrin Alavis Buch tr&#228;gt dazu bei, die komplexen Vorg&#228;nge im Iran besser zu verstehen. Sie behandelt Ausschnitte der iranischen Gesellschaft, Geschichte und Politik und f&#252;gt zu diesen Themen Berichte und Kommentare aus der Bloggerszene hinzu. Dadurch werden Diskussionen und Standpunkte der IranerInnen aus erster Hand erfahrbar.<br />
Eine Kritik, die trotz der gro&#223;teils interessanten Lekt&#252;re nicht fehlen darf: Die in der Bloggerszene vertretenen Meinungen d&#252;rfen nicht 1:1 auf die gesamte Gesellschaft &#252;bertragen werden. Schlie&#223;lich hat nur eine bestimmte Gesellschaftsschicht Zugang zum Internet als Kommunikationsplattform. Der Gro&#223;teil der iranischen Armen und ArbeiterInnen kann in dem Sinn nicht gleichwertig zu Wort kommen. Im Internet haben die verschiedensten Meinungen Platz und so muss dieses Medium sowie auch die Inhalte der im Buch geschilderten Weblogs nat&#252;rlich mit Vorsicht genossen werden. Gerade deshalb ist dieses Buch ein Zeugnis f&#252;r die Vielfalt der im Iran pr&#228;senten Meinungen und Ideen und bricht ein statisches und konservatives Iran-Image auf, w&#228;hrend gleichzeitig eine gnadenlose Abrechnung mit dem Iranischen Regime gemacht wird.</p>
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