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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Haiti</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Von der Flut zum Beben</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Nov 2010 09:12:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 12]]></category>
		<category><![CDATA[Haiti]]></category>
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		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weltbank]]></category>

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		<description><![CDATA[Neun Monate nach dem verheerenden Erdbeben hat die Welt Haiti fast schon wieder
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Neun Monate nach dem verheerenden Erdbeben hat die Welt Haiti fast schon wieder<br />
vergessen. Wie <em>Peter Hallward</em> im Nachwort zu seinem Buch <em>Damming the Flood: Haiti, Aristide and the Politics of Containment</em> zeigt, ist die Situation trotz – oder gerade wegen – der internationalen Hilfe nach wie vor katastrophal: Im Schatten des Bebens erreicht die Konterrevolution gegen die armen Massen eine neue Qualit&#228;t.<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a><br />
<span id="more-1675"></span><br />
Am Dienstag, den 12. Januar 2010 um kurz nach 17 Uhr wurden die Hauptstadt Haitis und seine Umgebung vom schwersten jemals in den Americas gemessenen Erdbeben verw&#252;stet. Das Ausma&#223; der Zerst&#246;rung war gewaltig. Den exaktesten verf&#252;gbaren Sch&#228;tzungen zufolge fielen dem Beben etwa 250.000 Menschen zum Opfer, mehr als 300.000 erlitten schwerste Verletzungen. Ungef&#228;hr 200.000 Geb&#228;ude wurden zerst&#246;rt, darunter etwa 70% der Schulen der Stadt. An die 1,5 Millionen Menschen leben mehr als ein halbes Jahr nach der Katastrophe weiter in provisorischen Lagern mit wenig oder gar keiner grundlegenden Versorgung, ohne Arbeitsm&#246;glichkeiten und ohne Hoffnung auf eine sp&#252;rbare Besserung in der n&#228;heren Zukunft.<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a><br />
Zwar hat das Erdbeben selbst in Haiti keine vergleichbaren Vorg&#228;nger, jedoch sind weder die Umst&#228;nde, die seine Wirkung vergr&#246;&#223;erten, noch die Reaktionen, die auf die Katastrophe folgten, neu oder einzigartig. Vielmehr sind beide ein wesentlicher Bestandteil jenes fundamentalen Konfliktes, der die Geschichte Haitis in den letzten 30 Jahren strukturierte: Der Konflikt zwischen pep la („das Volk“, „die Armen“) und den Mitgliedern der privilegierten Elite sowie den sie unterst&#252;tzenden Streitkr&#228;ften und ihren internationalen Verb&#252;ndeten. Waren die 1980er Jahre noch von einer beispiellosen popularen Mobilisierung gekennzeichnet, welche sich zur Lavalas-Bewegung [kreolisch: lodernde Flut] entwickelte, die Diktatur &#252;berwand und eine Perspektive f&#252;r einen bescheidenen, aber doch revolution&#228;ren sozialen Wandel aufzeigte, so l&#228;sst sich die Phase, die mit dem Milit&#228;rputsch von September 1991 begann, wohl am besten als eine der ausgedehntesten und intensivsten Konterrevolution weltweit beschreiben. In den letzten 20 Jahren haben die m&#228;chtigsten politischen und &#246;konomischen Interessensgruppen in und um Haiti eine systematische Kampagne gef&#252;hrt, um die populare Bewegung zu ersticken und sie ihrer wichtigsten Waffen, Ressourcen und Anf&#252;hrern zu berauben. Die Reaktionen auf das Erdbeben im Januar haben diesen Ma&#223;nahmen eine v&#246;llig neue Qualit&#228;t verliehen.</p>
<p><strong>Konterrevolution&#228;re Ma&#223;nahmen</strong><br />
Bislang war die fortgesetzte Konterrevolution in einem schmerzlichen Ausma&#223; erfolgreich. Selten wurden „Teile und Herrsche“-Taktiken mit derart skrupelloser Effizienz angewendet wie in Haiti zwischen 2000 und 2010. Einige wenige privilegierte Familien sind deshalb reicher und m&#228;chtiger als jemals zuvor; wenn Anfang 2011 der Wiederaufbau ernsthaft beginnt, werden sie nur noch reicher werden. Im Gegensatz dazu werden mehr als eine Millionen Obdach- und Mittellose die Jahre des Wiederaufbaus voraussichtlich in der H&#246;lle der Lager verbringen, w&#228;hrend ausl&#228;ndische TechnokratInnen, multinationale Beamten und NGO-BeraterInnen &#252;ber die Zukunft ihrer St&#228;dte entscheiden. Die Mehrheit ihrer verelendeten Landsleute wird weiterhin dazu gezwungen sein, die h&#246;chsten Ausbeutungsraten der Hemisph&#228;re hinzunehmen, wohl wissend, dass ohne grundlegende Ver&#228;nderungen ihre Kinder und Kindeskinder dasselbe Schicksal erwartet. In der momentanen Situation, in der die Reste der Lavalas-Bewegung desorganisierter und gespaltener sind als je zuvor und sich das Land im eisernen Griff der ausl&#228;ndischen „Stabilisierungstruppen“ befindet, hat die Mehrheit der haitianischen Bev&#246;lkerung wenig oder gar keine politische Macht. Zur Zeit der Verfassung dieses Textes, im Sommer 2010, sieht es so aus, als w&#228;re die Perspektive einer grundlegenden Demokratisierung Haitis in weite Ferne ger&#252;ckt.<br />
Unter diesen unhaltbaren Umst&#228;nden kann nichts anderes als eine massive populare Remobilisierung, die m&#228;chtiger, disziplinierter, geeinter und entschlossener als jemals zuvor agiert – in anderen Worten, nicht anderes als die Erneuerung wirklich revolution&#228;ren Drucks –, die Aussicht auf relevante Ver&#228;nderungen f&#252;r die Mehrheit der haitianischen Bev&#246;lkerung bieten. Nat&#252;rlich ist es gerade diese Perspektive, die jene Kr&#228;fte um jeden Preis verhindern wollen, die f&#252;r die j&#252;ngste politische Entwicklung des Landes und den bisherigen Wiederaufbau nach dem Beben verantwortlich sind. Nur wenige Tage nach dem Trauma des 12. Januar war bereits klar, dass die von der USA und den UN gef&#252;hrte Hilfsoperation den drei Hauptstrategien der Konterrevolution angepasst sein w&#252;rde, welche die j&#252;ngste Geschichte der Insel bestimmt haben: a) W&#252;rde die Beto-nung auf „Sicherheit“ und „Stabilit&#228;t“ liegen und versucht werden, diese mit milit&#228;rischen und quasi-milit&#228;rischen Mitteln zu erreichen. b) W&#252;rde man Haitis eigene F&#252;hrer und seine Regierung kaltstellen und sowohl die Bed&#252;rfnisse als auch die F&#228;higkeiten der Bev&#246;lkerungsmehrheit ignorieren. c) W&#252;rden weiterhin Mittel angewendet werden, welche den Graben zwischen den privilegierten Wenigen und den von ihnen ausgebeuteten verarmten Massen vertiefen. Selbst ein blo&#223; kursorischer R&#252;ckblick auf die ersten sechs Monate des Wiederaufbaus im Jahr 2010 sollte ausreichen, um zu zeigen, dass wir es mit einer Intensivierung jener Ma&#223;nahmen zu tun haben, welche schon in den letzten 20 Jahren die Macht und Autonomie der haitianischen Bev&#246;lkerung untergraben haben.</p>
<p><strong>„Sicherheit“ und „Stabilit&#228;t“</strong><br />
Die grundlegende politische Frage in Haiti ist von der kolonialen &#252;ber die post-koloniale bis hin zur neo-kolonialen Zeit weitgehend gleich geblieben: Wie kann eine winzige und instabile herrschende Klasse ihr Eigentum und ihre Privilegien angesichts der Armut und des Hasses der Massen sichern? In Haiti verdankt die Elite ihre Privilegien der Exklusion, Ausbeutung und Gewalt; und nur ein quasi-Gewaltmonopol kann diese aufrechterhalten. Dieses Monopol wurde w&#228;hrend der Duvalier<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a>-Diktatur bis Mitte der 1980er Jahre gro&#223;z&#252;gig und, in geringerem Ausma&#223;, auch w&#228;hrend der folgenden Milit&#228;rdiktatur (1986–90) gew&#228;hrt. Aber die Lavalas-Mobilisierung gef&#228;hrdete dieses Monopol und mit ihm auch die Privilegien. Was in Haiti geschah, seit Jean-Bertrand Aristide<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> 1990 zum ersten Mal gew&#228;hlt wurde, sollte in erster Linie als die progressive Verdeutlichung dieser grundlegenden Alternativen verstanden werden: Demokratie oder Armee. Die demokratische Mobilisierung, die in den 1980er Jahren in Opposition zu Diktatur und neoliberaler „Anpassung“ aufkam, war stark genug, die im Land gegen sie aufgestellten milit&#228;rischen Kr&#228;fte zu &#252;berwinden und sogar zu beseitigen. Es gelang ihr, zun&#228;chst Duvalier und seine Macoutes<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> hinwegzufegen (1986), und anschlie&#223;end die direkte Milit&#228;rherrschaft zu &#252;berwinden (1990). Viel von der Dynamik dieser Mobilisierung &#252;berlebte den m&#246;rderischen Putsch von 1991 und Aristide war schlussendlich 1995 unter gro&#223;en Opfern in der Lage, die Armee aufzul&#246;sen. Als Aristide dann 2000 mit &#252;berw&#228;ltigender Mehrheit f&#252;r eine zweite Legislaturperiode gew&#228;hlt wurde, er&#246;ffnete der haushohe Sieg seiner Fanmi Lavalas-Partei zum ersten Mail in der haitianischen Geschichte die Perspektive auf einen grundlegenden politischen Wandel – und dies in einem Kontext, in dem es kein au&#223;erpolitisches Mittel – keine Armee – mehr gab, um einen solchen zu unterdr&#252;cken.<br />
Um eine solche Entwicklung zu verhindern, bestand die zentrale Strategie von Haitis kleiner herrschenden Klasse im gesamten letzten Jahrzehnt darin, politische Fragen entlang der Themen „Sicherheit“ und „Stabilit&#228;t“ – f&#252;r die Reichen, ihr Eigentum und ihre Investitionen – neu zu definieren. Eine rein zahlenm&#228;&#223;ige Menge kann wohl eine Wahl gewinnen oder eine populare Bewegung am Leben erhalten, aber wie jede/r wei&#223;, kann mit „Unsicherheit“ nur eine Armee umgehen. Der bis an die Z&#228;hne bewaffnete „Freund“ Haitis, die USA, wei&#223; das besser als jede/r andere.</p>
<p><strong>Der Putsch von 2004</strong><br />
Vor diesem Hintergrund bleibt das bedeutendste Ereignis der j&#252;ngsten haitianischen Politik die Intervention zur Wiederherstellung der langfristigem „Sicherheit“ durch die endg&#252;ltige Eliminierung der Lavalas-Bewegung: Der Putsch im Jahr 2004. War die Aufl&#246;sung der Armee, die Aristides erste Regierung abgesetzt hatte, seine popul&#228;rste Amtshandlung, so bestand die wichtigste „Errungenschaft“ des Putsches 2004 darin, die politische Kontrolle de facto wieder an das Milit&#228;r zur&#252;ckzugeben. Da dieses im Land selbst nicht mehr existierte, bevollm&#228;chtigte der Putsch von 2004 eine ausl&#228;ndische Armee: erst eine US-amerikanisch-franz&#246;sisch-kanadische Eingreiftruppe, dann eine UN-Friedenstruppe. Wie vorauszusehen war, wurde Aristides Fanmi Lavalas – die Partei, die in den letzten Wahlen vor der Besetzung einen Erdrutschsieg errungen hatte – in allen darauffolgenden Wahlen von der Teilnahme ausgeschlossen (2006, 2009 und 2010). Ihre F&#252;hrungspers&#246;nlichkeiten wurden entweder isoliert oder eingesperrt, und ihr Hauptsprachrohr Aristide fristet seit 2004 sein Dasein als unfreiwilliger Exilant auf der anderen Seite der Welt. Wenn Haitis internationale AufpasserInnen dieses Muster der Exklusion aufrecht erhalten k&#246;nnen, wird die Entwicklung der haitianische Demokratie endg&#252;ltig wieder entlang jener imperialen Erwartungen verlaufen, denen die HaitianerInnen vor 20 Jahren durch die Wahl der „falschen“ Person und des „falschen“ politischen Programms einfach einen Strich durch die Rechnung machten.<br />
2004 und danach bestand die einzige M&#246;glichkeit, diese W&#228;hlerInnen zur Akzeptanz des Putsches und seiner Konsequenzen – die explizite und systematische Re-Etablierung der imperialen und Eliten-Herrschaft &#252;ber ihr Land – zu bringen, in der Aus&#252;bung von Zwang. Seit dem Putsch stand Haiti durchg&#228;ngig unter ausl&#228;ndischer Milit&#228;rbesatzung. Von 2004 bis 2010 patrollierten Jahr f&#252;r Jahr tausende ausl&#228;ndische Soldaten durch das Land und n&#246;tigten die Bev&#246;lkerung, das Ende der Lavalas-&#196;ra zu akzeptieren. W&#228;hrend dieser Jahre haben die UN-Beh&#246;rden, die f&#252;r diese au&#223;ergew&#246;hnliche „Stabilisierungs-Mission“ zust&#228;ndig sind, in einem f&#252;r UN-Eins&#228;tze beispiellosen Ausma&#223; auf gewaltsame Ma&#223;nahmen zur&#252;ckgegriffen. Unterst&#252;tzt wurden sie dabei von tausenden wiederbewaffneten und -ausgebildeten haitianischen PolizistInnen sowie von tausenden privaten Sicherheitsleuten, die angestellt worden sind sind, um die reichen Familien, deren Gesch&#228;fte sowie die ausl&#228;ndische Unternehmen und NGOs zu bewachen. Die zahlreichen Demonstrationen gegen die Besatzung, die in den letzten Jahren in den Stra&#223;en von Port-au-Prince stattfanden, hatten nur einen geringen oder gar keinen politischen Effekt.<br />
Vor einem Jahr w&#228;re der Gedanke, dass wohl nur ein Erdbeben diesen bewaffneten W&#252;rgegriff w&#252;rde lockern k&#246;nnen, noch verzeihlich gewesen.</p>
<p><strong>Das Beben</strong><br />
Zweifellos z&#228;hlte die Staatsmacht zum ersten, was am Nachmittag des 12. Januar ins Wanken geriet. Neben 27 der 28 Geb&#228;uden der Bundesregierung st&#252;rzte das UN-Hauptquartier in sich zusammen. Etwa ein F&#252;nftel der Regierungsbediensteten starben. Wenn eine Revolution der L&#228;hmung der staatlichen Kapazit&#228;ten zur Unterdr&#252;ckung popularen Protestes bedarf, kann man wie Kim Ives davon ausgehen, dass „das Beben die halbe Revolution verwirklicht hatte, indem es buchst&#228;blich den haitianischen Staat zerst&#246;rte.“ &#220;brig blieben einerseits die popularen Kr&#228;fte und andererseits die Elite, und beide brachten ihre Alternativen in Stellung, um die L&#252;cke zu f&#252;llen.<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a> Unverz&#252;glich begann die US-Botschaft mit der Evakuierung ihres Personals und einiger Protegés. F&#252;r einen kurzen Moment hatten die haitianische Elite und ihre internationalen BewacherInnen wohl die Apokalypse vor Augen: Die Erwartung massenhaften Ungehorsams bei gleichzeitiger Abwesenheit ausreichender milit&#228;rischer Zwangsmittel. Das Ergebnis war eine beinahe sofortige milit&#228;rische Antwort von einer Gr&#246;&#223;enordnung, wie sie von einer „zivilen“ Mission zuvor noch kaum vollzogen wurde.<br />
Unmittelbar nach der Katastrophe versuchten nur wenige, der &#220;bertragung der effektiven Kontrolle &#252;ber die Hilfsmission auf das „&#252;ber unvergleichliche logistische F&#228;higkeiten verf&#252;gende“ US-Milit&#228;r zu widersprechen. Wie gew&#246;hnlich wurde die haitianische Regierung angewiesen, sich f&#252;r jede Art von „Hilfe“ dankbar zu zeigen. Sobald die US-Luftwaffe am 13. Januar die Kontrolle &#252;ber den haitianischen Luftraum &#252;bernahm, wurden milit&#228;rischen gegen&#252;ber humanit&#228;ren Fl&#252;gen explizit Priorit&#228;t einger&#228;umt. Obwohl die meisten Berichte aus Port-au-Prince die Geduld und Solidarit&#228;t auf den Stra&#223;en hervorhoben, machten die US-Kommandeure die &#196;ngste vor &#246;ffentlicher Unruhe und Unsicherheit zu ihrer wichtigsten Sorge. Die oberste Priorit&#228;t lag in der Vermeidung dessen, was ein Sprecher der US-Luftwaffe einen weiteren „Somalia Einsatz“<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> nannte, also wohl einer Situation, in der eine gedem&#252;tigte US-Armee neuerlich Gefahr l&#228;uft, die milit&#228;rische Kontrolle &#252;ber eine „humanit&#228;re“ Mission zu verlieren. Gerade die Entschlossenheit der US-Kommandeure, diesem Risiko durch die Privilegierung von Waffen und SoldatInnen gegen&#252;ber &#196;rztInnen und Nahrung zuvorzukommen, war es, die zum vereinzelten Ausbrechen jener Unruhen f&#252;hrte, die eigentlich verhindert werden sollten. Um gen&#252;gend SoldatInnen und Ausr&#252;stung „vor Ort“ zu haben, wurde Flugzeug um Flugzeug voll mit Hilfsg&#252;tern aus Port-au-Prince weggeleitet.</p>
<p><strong>Waffen statt Nahrung</strong><br />
W&#228;hrend die US-Kommandeure damit besch&#228;ftigt waren, die Sicherheit durch das Aufstellen einer 14.000 Marines starken Truppe zu sichern, begannen Wasser und Nahrung in einigen weniger sicheren Teilen von Port-au-Prince knapp zu werden. Am Samstag, den 17. Januar fasste der Al Jazeera-Korrespondent Sebastian Walker zusammen, was viele seiner KollegInnen bereits die ganze Woche berichteten: „Die meisten HaitianerInnen haben bisher kaum humanit&#228;re Hilfe gesehen. Was sie stattdessen gesehen haben, sind eine ganze Menge Waffen. Sch&#252;tzenpanzer befahren die Stra&#223;en […]“ und „innerhalb der gut bewachten Zone [beim Flughafen] haben die USA die Kontrolle &#252;bernommen. Es erinnert eher an die Green Zone in Bagdad als an ein Zentrum f&#252;r die Verteilung von Hilfsg&#252;tern.“<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a><br />
Die Entscheidung der USA, am Flughafen milit&#228;rische gegen&#252;ber humanit&#228;ren Transporten zu privilegieren, besiegelte das Schicksal von Tausenden von Menschen, die unter dem Schutt von Port-au-Prince und Léogane begraben worden waren. In L&#228;ndern &#252;berall auf der Welt waren Bergungsteams innerhalb der ersten zw&#246;lf Stunden nach der Katastrophe in der Lage, nach Haiti aufzubrechen. Nur eine handvoll schaffte die Ankunft ohne fatale Versp&#228;tung – haupts&#228;chlich Teams, die es geschafft hatten, Haiti vor der &#220;bernahme des Flughafens durch die US-Streitkr&#228;fte zu erreichen. Einige der folgenden Teams mit ihrem schweren Ger&#228;t wurden davon abgehalten, in Haiti zu landen. USAID<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a> erkl&#228;rte am 19. Januar, dass im Laufe der ersten Woche nach dem Ungl&#252;ck 70 Menschen von internationalen Such- und Rettungsteams gerettet wurden.<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> Der Gro&#223;teil dieser Menschen wurde an ganz bestimmten Pl&#228;tzen und unter ganz bestimmten Umst&#228;nden gerettet. Die Washington Post vom 18. Januar bemerkte etwa, dass „die ,Such- und Rettungsmissionen‘ haupts&#228;chlich auf Geb&#228;ude von internationalen Hilfskr&#228;ften, wie das zerst&#246;rte UN-Geb&#228;ude, und gro&#223;e Hotels mit internationaler Klientel konzentriert wurden.“<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a> So wurden kaum Hilfskr&#228;fte in den Gebieten zugeteilt, in denen es m&#246;glicherweise die h&#246;chsten Opferzahlen gab. Diese Logik war es, die immer mehr Menschen in und um die Krankenh&#228;user von Port-au-Prince zum Tode verurteilte. Wie Any Goodman von Democracy Now in einem Interview mit einem Arzt vor Ort erfuhr, war „die Frage der Sicherheit, die Ger&#252;chte &#252;ber die Sicherheit sowie der Rassismus hinter der Idee von Sicherheit eines der gr&#246;&#223;ten Hindernisse, um Hilfe vor Ort zu bekommen“<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a>.</p>
<p><strong>Rassistische Bilder</strong><br />
Es schien, dass in Haiti nach dem Erdbeben alles und jedeR, der/die nicht in einer Sicherheitszone war, nicht wert war, gerettet zu werden. Bei den gelegentlichen Vorst&#246;&#223;en au&#223;erhalb dieser Zonen fanden westliche JournalistInnen gleichzeitig unz&#228;hlige Gr&#252;nde, sich wieder zur&#252;ckzuziehen. Schreckliche Geschichten von Pl&#252;nderungen und Gangs begannen bald „SicherheitsexpertInnen“ wie dem in London ans&#228;ssigen Stuart Page<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> eine Aura von augenscheinlicher Autorit&#228;t zu verleihen, als er dem gutgl&#228;ubigen BBC-„Sicherheitskorrespondenten“ Frank Gardner erkl&#228;rte, dass „all die Fortschritte in der Sicherheit, die Haiti in den letzten paar Jahren gemacht hatte, sich umkehren k&#246;nnten. […] Kriminelle Gangs, insgesamt ca. 3000, nutzen die aktuelle humanit&#228;re Krise in vollem Ma&#223; aus.“<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a> Viele HaitianerInnen und in Haiti ans&#228;ssige KorrespondentInnen waren emp&#246;rt &#252;ber solch groteske Fehleinsch&#228;tzungen. Am 17. Januar versuchte beispielsweise der Direktor des Ciné Institute, David Belle, der internationalen Verzerrung etwas entgegnen zu setzen: „Mir wurde gesagt, dass der Gro&#223;teil der US-Medien-Berichterstattung Haiti als Pulverfass kurz vor der Explosion darstellt. Mir wurde gesagt, dass es in den Meldungen der gro&#223;en Medien um Pl&#252;nderung, Gewalt und Chaos geht. Nichts k&#246;nnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Ich bin seit meiner Ankunft t&#228;glich durch die gesamte Stadt gereist. Das Ausma&#223; der Zerst&#246;rung ist absolut atemberaubend [, aber] NICHT EINMAL wurden wir Zeugen eines Akts der Aggression oder Gewalt […]. Eine kaputte Stadt mit zwei Millionen EinwohnerInnen wartet auf Hilfe, Medizin, Nahrung und Wasser. Die meisten haben nichts dergleichen erhalten. Haiti kann auf seine &#220;berlebenden stolz sein. Ihre W&#252;rde und ihr Anstand angesichts dieser Trag&#246;die sind atemberaubend.“<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a> JedeR konnte allerdings sehen, dass W&#252;rde und Anstand in den Augen der Herrschenden keinen Ersatz f&#252;r Sicherheit darstellen. Keine Anzahl an Waffen wird je ausreichen, die wenigen zu beruhigen, deren Reichtum sie von jenen Menschen abgrenzt, die sie ausbeuten.<br />
Soweit es die Menschen selbst betraf, war „Sicherheit nicht das Thema“, erkl&#228;rte Kim Ives kurz nach dem Erdbeben. „In ganz Haiti organisierte sich die Bev&#246;lkerung selbst in Volkskomitees, um aufzur&#228;umen, die Leichen aus dem Schutt zu befreien, Fl&#252;chtlingscamps zu errichten und das &#220;berleben dieser Fl&#252;chtlingscamps zu gew&#228;hrleisten. Die haitianische Bev&#246;lkerung ist eigenst&#228;ndig und war eigenst&#228;ndig f&#252;r viele Jahre.“ W&#228;hrend die Menschen, die das Wenige, was sie besa&#223;en, verloren hatten, ihr Bestes taten, um die Lage zu bew&#228;ltigen, waren es die zur „Wiederherstellung der Ordnung“ geschickten Soldaten, die provozierten, indem sie die Menschen als potentielle K&#228;mpfer behandelten. „Genau so reagierten sie nach Katrina. Die Opfer sind es, die gef&#252;rchtet werden.“<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a><br />
Um dabei zu helfen, die Menschen dort zu halten, wo sie hingeh&#246;rten, unternahm w&#228;hrenddessen das US Department of Homeland Security „beispiellose“ Notma&#223;nahmen, um das Heimland in den ersten Wochen nach dem Beben zu sch&#252;tzen. W&#228;hrend Senegals Pr&#228;sident Abdoulaye Wade „allen Haitianern [sic]“, die in ihr Ursprungsland zur&#252;ckkehren wollen, die freiwillige Heimkehr“ anbot, best&#228;tigten amerikanische Beh&#246;rden, dass die lang existierenden (und vollkommen illegalen) Richtlinien im Umgang mit haitianischen Fl&#252;chtlingen und Asylsuchenden weiter gelten w&#252;rden – automatisches Abfangen und R&#252;ckf&#252;hrung, ganz unabh&#228;ngig von den Umst&#228;nden.<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a> Um ganz sicher zu gehen, flog die US-Luftwaffe mit einer Frachtmaschine samt Lautsprechersystem f&#252;nf Stunden pro Tag &#252;ber gro&#223;e Teile des Landes und &#252;bertrug eine Nachricht vom Botschafter Haitis in Washington: „St&#252;rmen Sie nicht die Boote, um das Land zu verlassen. Wenn Sie glauben die USA zu erreichen und Ihnen alle T&#252;ren offen stehen, ist das nicht der Fall. Die US-K&#252;stenwache wird Sie noch am Wasser abfangen und dorthin zur&#252;ckschicken, woher Sie kamen.“<br />
Mit atemberaubendem Zynismus ernannte US-Pr&#228;sident Obama seinen Vorg&#228;nger George Bush (dessen Regierung f&#252;r den Coup von 2004 in Haiti verantwortlich war und<br />
dessen „Hilfema&#223;nahmen nach dem Hurrikan Katrina 2005 in eine ethnische Vertreibung vieler schwarzer EinwohnerInnen New Orleans m&#252;ndete.“<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a>), Bill Clinton dabei zu helfen, der US Spendenkampagne f&#252;r Hilfsma&#223;nahmen vorzustehen. Als der amerikanische Botschafter in Haiti im Februar Washington einen Besuch abstattete, zeigte er sich zufrieden mit der bisherigen Arbeit. „Ich glaube, dass dies etwas ist, worauf die Menschen in der Zukunft als Vorbild zur&#252;ckblicken werden, daf&#252;r wie wir uns als SpenderInnen vor Ort erweisen und auf das Erdbeben reagieren konnten.“<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a></p>
<p><strong>Ausl&#228;ndischer Wiederaufbau und der haitianische Staat</strong><br />
W&#228;hrend tausende Leichen im Schutt von Port-au-Prince zur&#252;ckgelassen wurden, wandte sich die internationale Aufmerksamkeit bald den gro&#223;angelegten Wiederaufbaupl&#228;nen zu. Scheinbar waren sich alle einig: Oberste Priorit&#228;t h&#228;tten Ma&#223;nahmen, welche die normalen Bev&#246;lkerung dazu bem&#228;chtigen sollten, etwas Kontrolle &#252;ber ihr Leben sowie den Zugang zu Bildung, ein Einkommen, einen Wohnort, eine Zukunft f&#252;r sich und ihre Familien (wieder) zu erlangen. International durchgesetzte neoliberale Regelungen, die f&#252;r Jahrzehnte den agrarischen Raum zerst&#246;rten und den Staatssektor zu einer handlungsunf&#228;higen Fassade deklassierten, m&#252;ssten fallen gelassen oder zur&#252;ckgenommen werden. Es br&#228;uchte systematische Investitionen in essentielle, &#246;ffentliche Dienstleistungen in allen Teilen des Landes. Eine wirkliche haitianische Souver&#228;nit&#228;t, sowohl &#246;konomisch als auch politisch, m&#252;sste wiederhergestellt werden.<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> Der tats&#228;chliche Wiederaufbauprozess passte sich allerdings genau den alten Tendenzen an, die Haiti in den letzten Jahrzehnten so verwundbar f&#252;r nat&#252;rliche, &#246;konomische und politische Katastrophen gemacht hatten. Die Mehrheit der haitianischen Bev&#246;lkerung war vollst&#228;ndig von jeglicher Partizipation in der Planung und Ausf&#252;hrung der Instandsetzungsarbeiten ausgeschlossen.<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a> Es wurden keine entscheidenden Ma&#223;nahmen gesetzt, um die lokale Landwirtschaft anzukurbeln oder die Dezentralisierung von Menschen, Ressourcen und Investitionen zu f&#246;rdern. Einer der markantesten Bestandteile der Hilfsbem&#252;hungen war die Entscheidung der „internationalen Gemeinschaft“, &#252;ber ihre eigenen Beh&#246;rden und NGOs und nicht &#252;ber den haitianischen Staat oder dessen Basisorganisationen zu arbeiten. F&#252;r jeden Dollar US-Hilfe, den Haiti in den ersten Wochen nach dem Desaster erhielt, bekam die Regierung daher nur einen einzigen Penny.<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a> Sechs Monate sp&#228;ter, bemerkte Paul Farmer, gingen von den 1,8 Milliarden Dollar, die als Erdbebenhilfe nach Haiti geschickt wurden, „bis jetzt weniger als 2,9 % an die Regierung.“<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a><br />
Der untergeordnete Status der haitianischen Bev&#246;lkerung und der Regierung wurde bei der Vorbereitung zur entscheidenden internationalen Geberkonferenz in New York Ende M&#228;rz 2010 kristallklar. Von den [zugesagten] 5,3 Milliarden belief sich die direkte Unterst&#252;tzung f&#252;r die Regierung nur auf 350 Millionen Dollar (6,6% der Gesamtsumme). Dar&#252;ber hinaus wurde eine, vorwiegend ausl&#228;ndisch besetzte, K&#246;rperschaft eingerichtet, die &#252;ber die Zuteilung der versprochenen Gelder entscheiden sollte, die Interim Haiti Recovery Commission (IHRC). Dieser Kommission sitzen Haitis Premierminister Jean-Max Belleviere und der fr&#252;here US-Pr&#228;sident Bill Clinton vor.<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a> Ohne Zweifel ist ein gewisses Ma&#223; zentralisierter Koordination der Investitionen besser, als die hemmende Fragmentierung, die bis dahin in der Haitianischen „Republik von NGOs“ vorherrschte. Die Tatsache, dass HaitianerInnen in dieser Kommission jedoch als eine Art Juniorpartner dienen – eine Position, die keine der Geberl&#228;nder f&#252;r sich in Betracht ziehen w&#252;rde – kann trotzdem nicht verborgen werden. In den Wochen nach der UN-Konferenz hielten die gr&#246;&#223;ten SpenderInnen ihre erste Auszahlung der versprochenen Milliarden solange zur&#252;ck, bis die dem&#252;tige haitianische Regierung bereit war, ihre unterw&#252;rfige Rolle formal anzuerkennen.</p>
<p><strong>Politische und soziale Folgen der Privatisierung</strong><br />
Einer der Hauptgr&#252;nde, warum die haitianische Regierung nicht in der Lage ist, &#252;ber diese Bedingungen zu verhandeln, ist, dass ihr in den letzten Jahren die direkte Kontrolle &#252;ber die meisten Ressourcen des Landes sowie die F&#228;higkeit, die Wirtschaft zu kontrollieren, entzogen wurde. Das Transportwesen, das Bauwesen, die Bildung, die Energieversorgung, das Gesundheitswesen, die Landwirtschaft und das Bankenwesen – praktisch alle wichtigen Bereiche der Wirtschaft wurden an haitianische Unternehmen und Gesch&#228;ftsleute verkauft. 1997, als Préval schon im Amt war, wurden alle staatseigenen Betriebe, welche die beiden Hauptexportg&#252;ter, Mehl und Zement, herstellten, privatisiert. Staatspr&#228;sident René Préval k&#252;ndigte im selben Jahr an, er werde Haitis wertvollsten staatseigenen Betrieb, die nationale Telefongesellschaft (Téléco), privatisieren. Bis Mitte 2007 war bereits die H&#228;lfte der MitarbeiterInnen, knapp 2.800 Personen, gek&#252;ndigt. Téléco war bis zu seiner Privatisierung eine der verl&#228;sslichsten &#246;ffentlichen Einnahmequellen. Vier Monate nach dem Erdbeben, im Mai 2010, hat die haitianische Regierung die Mehrheit an der Firma endg&#252;ltig an eine Tochtergesellschaft der vietnamischen Armee verkauft, und zwar f&#252;r blo&#223; 59 Millionen US-Dollar.<br />
Laut Patrick Elie ist Haiti mittlerweile, das „Land mit den meisten Privatisierungen der Welt. Fast alles, was privatisiert werden kann, wurde privatisiert und der einzige Grund, warum Gef&#228;ngnisse noch nicht privatisiert sind, ist, dass es sich noch nicht ausgezahlt hat, sie zu privatisieren.“<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a> Folge dieser Privatisierungen ist, dass die haitianische Regierung einige ihrer essentiellsten Handlungsoptionen verloren hat: die F&#228;higkeit Arbeitspl&#228;tze zu schaffen, sich das Land und die Ressourcen, die sie ben&#246;tigt, anzueignen sowie wichtige Baumaterialen und andere G&#252;ter zu produzieren. 2009 kamen bereits 65% der Einnahmen des haitianischen Budgets aus externen Quellen.<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a> Nicht einmal im J&#228;nner 2010 wurden Schritte gesetzt, um den dominanten Privatisierungsprozess zu mildern oder abzuwenden. Auch die dringenden, aktuellen Probleme sind nicht ausreichend, um von dem „Entwicklungsmodell“ abzuweichen, das Haiti nun schon seit Jahrzehnten erfolglos verfolgt: die Orientierung der haitianischen Wirtschaft an den Interessen von Sweatshop-InhaberInnen und internationalen KonsumentInnen, die Privilegierung exportorientierter Landwirtschaft sowie die F&#246;rderung von Jobs mit niedriger Bezahlung und Tourismus.<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a><br />
Die g&#228;ngigen, landwirtschaftlichen Regulierungen dr&#228;ngten immer mehr Kleinb&#228;uerInnen aus dem Sektor und f&#252;hrten in den letzten Jahren zu einer massiven Bev&#246;lkerungszunahme in Port-au-Prince. Da in den ersten Wochen nach dem Erdbeben die finanzielle Hilfe weitgehend ausblieb, versuchten viele von ihnen wieder in ihre D&#246;rfer, oder das, was von ihnen &#252;brig war, zur&#252;ckzukehren. Mit ein wenig Unterst&#252;tzung w&#228;ren sie auch dort geblieben. Aber, wie immer, erhielten die haitianischen B&#228;uerInnen wenig bis keine Unterst&#252;tzung. Nur knapp 23 Millionen US-Dollar des Hilfegesuchs an die UN waren f&#252;r die Landwirtschaft kalkuliert. Ende Februar gab die UN zu, dass nicht einmal dieses Geld angekommen sei. „Am Land“, argumentierte Reed Lindsay im M&#228;rz 2010, „gibt es keine Hinweise auf humanit&#228;re Hilfe, am wenigsten f&#252;r die Landwirtschaft.“<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a> „Mit keinen Jobaussichten, keinerlei Hilfe, keiner Aussicht auf landwirtschaftliche Entwicklung, h&#228;lt die Menschen nichts am Land“, best&#228;tigt auch Mark Schuller. „Der Gro&#223;teil dieser R&#252;ckwanderung aufs Land konnte nicht gehalten werden und Port-au-Prince ist wieder zum Zentrum f&#252;r Jobsuchende geworden.“<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a></p>
<p><strong>Die ProfiteurInnen der Katastrophe…</strong><br />
Sofort nach dem Erdbeben war klar, dass sich die wohlhabende Bev&#246;lkerung Haitis den L&#246;wenanteil an der internationalen Hilfe sichern w&#252;rde.<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a> Zur selben Zeit hatten auch in den USA m&#228;chtige Think-Tanks und LobbyistInnen, wie die Heritage Foundation, das American Enterprise Institute oder die RAND Cooperation, erkannt, dass „dieses Desaster eine Chance bietet, die versp&#228;teten Reformen zu versch&#228;rfen.“ Dies inkludiere „das Aufbrechen oder zumindest die Reorganisation des staatlich kontrollierten Telefonmonopols. Das gleiche gilt f&#252;r das Bildungsministerium, die Elektrowirtschaft, das Gesundheitsministerium sowie die Gerichte.“<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> Einige der m&#228;chtigsten Gesch&#228;ftsleute Haitis haben sich daher bereits mit multinationalen Logistik- und Wiederaufbaufirmen zusammengetan, um so den gr&#246;&#223;ten Vorteil aus den Einnahmen der Entwicklungsgelder zu ziehen. Die Vorbe Group, das gr&#246;&#223;te Bau und Logistikunternehmen in Haiti, tat sich zum Beispiel mit der in Alabama ans&#228;ssigen Wiederaufbaufirma DRC zusammen, der nach Katrina unter anderem Vertr&#228;ge im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar zugesprochen wurden.<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a><br />
Neben den ausl&#228;ndischen InvestorInnen haben bis jetzt vorwiegend aus dem Ausland finanzierte NGOs von dem Ungl&#252;ck Haitis profitiert. „Die ganzen Millionen, die gerade nach Haiti kommen, flie&#223;en in die H&#228;nde der NGOs“<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a>, beklagte Préval Anfang M&#228;rz. Nach einer Sch&#228;tzung einer erfahrenen Sozialarbeiterin kommen „von dem ganzen gesendeten Geld nur 10% vor Ort an. Der Rest wird f&#252;r ausl&#228;ndische ExpertInnen, Hotels, Autovermietung und Hotelkonferenzen ausgegeben.“<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a> Wie jedeR, der/die Port-au-Prince besucht, sicher best&#228;tigen wird, gibt es hier eine „gro&#223;e Kluft zwischen den Menschen von der UN und den NGOs und den Menschen, denen sie helfen wollen.“<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a> Ausl&#228;ndische Besch&#228;ftigte der NGOs „dem&#252;tigen und diskriminieren weiterhin arme, haitianische Personen“, bedauert der haitianische Journalist Wadner Pierre, „weil sie annehmen, dass diese allesamt gef&#228;hrliche, gewaltt&#228;tige, dumme oder primitive Menschen sind […].“<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a><br />
Ausl&#228;ndische InvestorInnen und NGOs tendieren dazu, ausl&#228;ndischen Schutz anzufordern, um ihre Sicherheit zu garantieren. Bald nach dem Abzug der ersten ausl&#228;ndischen Truppen begannen daher private, milit&#228;rische Sicherheitsunternehmen wie Triple Canopy (die den Xe/Blackwater-Sicherheitsvertrag im Irak 2009 &#252;bernahmen) und Overseas Security &#038; Strategic Information ihre Dienste in Haiti zu bewerben.<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a> Wie ein Bericht von Al Jazeera zeigt, sehen diese Firmen „neue Ungl&#252;cksgebiete als emerging markets“<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a> an. Ihre ‚humanit&#228;ren‘ Gegenst&#252;cke in der UN und in USAID bem&#252;hten sich nach Kr&#228;ften, diese aufstrebenden M&#228;rkte zu f&#246;rdern. Der f&#252;r „humanit&#228;re Angelegenheiten“ verantwortliche UN-Beamte John Holmes best&#228;tigte, dass „das beste Zeichen einer kommenden Erholung in Haiti ein Aufschwung in privaten Investitionen sein w&#252;rde.“<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a> Laut Reginald Boulos, dem Pr&#228;sident der Handelskammer von Haiti, beinhaltet eine Agenda f&#252;r einen solchen Wandel eine Reduktion der Regierungsintervention und Korruption. Was sie allerdings auf keinen Fall beinhaltet, ist eine signifikante Verbesserung in der Bezahlung und den Lebensbedingungen der haitianischen ArbeiterInnen. Boulos war 2009 einer der prominentesten Gegner der Kampagne zur Erh&#246;hung des erb&#228;rmlichen Mindestlohns auf ein &#196;quivalent von 5 US-Dollar pro Tag.</p>
<p><strong>…und deren Verlierer</strong><br />
Es gibt zurzeit rund 25.000 TextilarbeiterInnen in Haiti,  die T-Shirts und Jeans f&#252;r Marken wie Gildan, Hanes, Gapund New Balance produzieren.<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a> Firmen, wie etwa Gap, die bereits rund 4.000 haitianische ArbeiterInnen anstellen, planen ihre eigene ‚made-in-Haiti‘-Bekleidungslinie und Grupo M, eine gro&#223;e Auftragsfirma, Unternehmungen Arbeiten f&#252;r Levis und Banana Republic beinhalten, plant die Gr&#246;&#223;e ihrer Anlagen in Ouanaminthe zu verdoppeln.<a title="anm_41" name="anm_41" href="#anm41"><sup>41</sup></a> Die von den USA angesto&#223;ene Wiederaufbaustrategie f&#252;r Haiti st&#252;tzt sich auf eine Gesetzgebung (die Haiti Hemispheric Opportunity through Partnership Encouragement Act oder HOPE), die &#252;ber einen begrenzten Zeitraum eine Zollbefreiung f&#252;r in Haiti hergestellte Kleidung verspricht. Clinton und die UN hoffen, dass in den kommenden Jahren eine neue Periode der HOPE-Richtlinien dabei hilft, zehntausend neue Niedriglohnjobs zu schaffen. Diese Strategie ist die gleiche wie vor fast 40 Jahren. Damals wie heute versprachen die InvestorInnen, dass die Schaffung von schlecht bezahlten Jobs irgendwie zu mehr und besser bezahlten Jobs f&#252;hren und Haiti aus der Armut befreien w&#252;rde.<br />
Dieses Versprechen wird getr&#252;bt, da sich dieselben InvestorInnen und ihre ApologetInnen konsequent gegen bescheidene Lohnerh&#246;hungen der haitianischen ArbeiterInnen wehrten. Diese werden heute derma&#223;en ausgebeutet, dass ein Vollzeitjob nicht mehr f&#252;r das Notwendigste ausreicht. Fr&#252;here Investitionsperioden f&#252;hrten meist zu einer Verringerung der Reall&#246;hne und des Einkommens der Bev&#246;lkerung. Ohne das von besser bezahlten haitianischen ArbeiterInnen (oft gefangen in den h&#246;chst ausbeutenden Sektoren Nordamerikas und der Karibik) an ihrer Familien nach Hause geschickte Geld w&#252;rde die haitianische Wirtschaft heute &#252;ber Nacht kollabieren. Dieselben InvestorInnen und ihre BeraterInnen sind offen genug zuzugeben, dass der wichtigste „komparative Vorteil“ Haitis die Tatsache ist und bleibt, dass die Menschen so arm und verzweifelt sind. Dass sie bereit sind f&#252;r nicht mehr als ein 20stel des Geldes zu arbeiten, das sie f&#252;r eine vergleichbare Anstellung in den USA erhalten w&#252;rden.<a title="anm_42" name="anm_42" href="#anm42"><sup>42</sup></a> Der UN-Gesandte Bill Clinton wird daher, angesichts seiner Verpflichtung gegen&#252;ber dieser altbekannten Agenda weder Ver&#228;nderung noch Hoffnung bringen, bemerkt Richard Morse. „Clinton, gemeinsam mit der USAID, der Weltbank, der Inter-American Development Bank und den Vereinten Nationen, bringen mehr desselben nach Haiti: mehr f&#252;r die Wenigen und weniger f&#252;r die Vielen.“<a title="anm_43" name="anm_43" href="#anm43"><sup>43</sup></a><br />
F&#252;r den Gro&#223;teil der Bev&#246;lkerung Haitis hat die Aufrechterhaltung eines profitablen “Gesch&#228;ftsklimas” einen verheerenden Preis: die Verwandlung von Armut in Elend, den R&#252;ckgang der lokalen Nahrungsmittelproduktion, und den Verlust jeglicher Kapazit&#228;ten der Regierung, auf Ver&#228;nderungen der globalen Nahrungsmittelpreise und -angebote zu reagieren. Im Fr&#252;hling 2008 stiegen die globalen Nahrungsmittelpreise und viele HaitianerInnen hungerten. Im April desselben Jahres nahm ihre Wut politische Formen an. Hunderttausende protestierten, und der Druck zwang Prévals Premierminister Jaques Edouard Alexis zur&#252;ckzutreten.<a title="anm_44" name="anm_44" href="#anm44"><sup>44</sup></a> Aber genau wie 2008 und in vorhergehenden Jahren, auch 2010 die Reaktion darin, die Abh&#228;ngigkeit von einer der Hauptursachen des Problems zu erh&#246;hen, statt zu reduzieren: die Abh&#228;ngigkeit von internationalen Nahrungsmittelhilfsleistungen. W&#228;hrenddessen ist der Gro&#223;teil der von den Erdbeben betroffenen Bev&#246;lkerung dazu gezwungen, darauf zu warten, dass die humanit&#228;ren Investoren &#252;ber den Verlauf ihrer weiteren Ausbeutung entscheiden. Es ist wahrscheinlich, dass sie sich damit Zeit lassen werden. Bis Mitte des Sommers hatten erst f&#252;nf L&#228;nder (Venezuela, Brasilien, Norwegen, Estland und Australien) zum Haiti Reconstruction Fund der UN beigetragen, und weniger als 10% der 5,3 Milliarden Dollar, die im M&#228;rz versprochen worden waren, sind tats&#228;chlich ausgezahlt worden. Bis jetzt haben die Regierungen Frankreichs und der USA so gut wie gar nichts von den versprochenen Millionen gezahlt.</p>
<p><strong>Spenden, die nicht ankommen</strong><br />
Im Gegensatz dazu haben US-B&#252;rgerInnen auf Haitis Notlage mit au&#223;ergew&#246;hnlicher Gro&#223;z&#252;gigkeit reagiert und 1,3 Milliarden Dollar f&#252;r Direkthilfe gespendet. Ungl&#252;cklicherweise haben die Hilfsorganisationen dann beschlossen, einen gro&#223;en Teil dieses Geldes f&#252;r sich selbst oder f&#252;r eine unbestimmte Zukunft zur&#252;ckzuhalten. ABC News best&#228;tigte, dass von den insgesamt 1,138 Milliarden Dollar, die an Spendengeldern an die 23 gr&#246;&#223;ten Hilfsorganisationen gingen, „mindestens 62,7%, also 714,3 Millionen Dollar f&#252;r zuk&#252;nftige Hilfsleistungen an Haiti reserviert oder gar nicht zugeteilt wurden.“ Der mangelhafte Zugang zu F&#246;rderungen &#252;bersetzt sich in einen Mangel an erkennbaren Verbesserungen vor Ort. Den gesamten Fr&#252;hling 2010 hindurch dokumentierten Pressenachrichten die Ungl&#228;ubigkeit von Einheimischen und BeobachterInnen aus dem Ausland, die dabei zusehen mussten, wie die Wiederaufbauversuche mit unwahrscheinlicher Selbstgef&#228;lligkeit und Inkompetenz durchgef&#252;hrt wurden.<a title="anm_45" name="anm_45" href="#anm45"><sup>45</sup></a><br />
Unglaublich, dass im Sp&#228;tsommer 2010 erst 2% des Schutts von den Stra&#223;en Port-au-Prince entfernt sind.<a title="anm_46" name="anm_46" href="#anm46"><sup>46</sup></a> Unglaublich, dass 98% der 1,5 Millionen obdachlos gewordenen Menschen weiterhin in v&#246;llig unangemessen Zeltlagern leben, abwechselnd von der tropischen Sonne gebraten und von sturzfluthaftem Regen &#252;berschwemmt. Die meisten dieser Menschen haben immer noch keine wasserdichten Zelte, geschweige denn ein vor&#252;bergehendes Obdach, das den Orkanwinden widerstehen k&#246;nnte, die Haiti in vielen Sommern und oft mit verheerenden Auswirkungen heimsuchen.<a title="anm_47" name="anm_47" href="#anm47"><sup>47</sup></a> Die Zahlen von Vergewaltigungen und Gewalt an Frauen sind rapide in die H&#246;he geschossen. In den meisten Lagern haben die BewohnerInnen keinen Zugang zu irgendeiner Form von Rechtsschutz, oder auch nur die M&#246;glichkeit, mit den ausl&#228;ndischen Truppen zu kommunizieren, die weiterhin durch ihre Stadt patrouillieren.<a title="anm_48" name="anm_48" href="#anm48"><sup>48</sup></a> Tausende der unwillentlichen BewohnerInnen dieser Zeltlager werden von vermeintlichen GrundbesitzerInnen vertrieben oder mit der Vertreibung bedroht und gezwungen, sich in noch prek&#228;rere und entlegenere Gebiete zur&#252;ckzuziehen.</p>
<p><strong>Klassen- statt geologischer Bruchlinien</strong><br />
Wie Kim Ives best&#228;tigt, enth&#252;llen die Ereignisse nach dem 12. Januar in dieser, wie in vielen anderen Hinsichten, dass „die wichtigste Bruchlinie in Haiti keine geologische ist, sondern eine der Klassen. Eine kleine Hand voll reicher Familien besitzen gro&#223;e Gebiete des Landes um Port-au-Prince, die ideal geeignet w&#228;ren, um die tausenden Heimatlosen anzusiedeln. Die Familien kontrollieren jedoch auch Haitis Regierung und haben dar&#252;ber hinaus bedeutenden Einfluss auf die neu formierte IHRC. […] Die IHCR hat f&#252;r die n&#228;chsten 18 Monate durch ein ,Notstandsgesetz‘ die Befugnis, Land, das sie f&#252;r passend befindet, f&#252;r den Wiederaufbau zu beschlagnahmen […], aber die Elite-Familien […], geben ihr eigenes, wohlsituiertes Land nicht frei, so dass es Haitis Heimatlosen zu Gute k&#228;me. In Konsequenz wurde nur ein einziges gro&#223;es Lager f&#252;r die Fl&#252;chtlinge gebaut: Corail-Cesselesse liegt 10 Meilen n&#246;rdlich der Hauptstadt auf einem verlassenen Streifen W&#252;stenland zwischen Titayen und Morne Cabrit – zwei desolate Zonen, in denen Todesschwadronen w&#228;hrend des Anti-Aristide Putsches ihre Opfer entsorgten.“<a title="anm_49" name="anm_49" href="#anm49"><sup>49</sup></a><br />
Dieses „Vorbildlager“ bei Corail-Cesselesse bleibt bis jetzt das Vorzeigeexemplar der Wiederaufbaubem&#252;hungen; ein wichtiger Stopp auf der Reiseroute eines/r jeden JournalistIn, der/die das Land besucht. Corails Zelte sind in symmetrischen Reihen angelegt, und es br&#252;stet sich mit Toilettenanlagen, Duschen und einem kleinen Krankenhaus. Aber sonst gibt es nichts: Es gibt keine zu Fu&#223; erreichbaren M&#228;rkte, Gesch&#228;fte oder Schulen, und es gibt keine Arbeit. „Es gibt wirklich nichts zu tun“, erz&#228;hlte der Bewohner Mark Schuller. „Du kannst nicht in deinem Zelt bleiben, wegen der Hitze. Du kannst nicht hinausgehen, wegen dem Staub. Und du kannst das Lager nicht verlassen, weil es nichts zu tun gibt.“<a title="anm_50" name="anm_50" href="#anm50"><sup>50</sup></a> Corail ist kaum mehr als ein Auffanglager und dabei ein ganz sch&#246;n instabiles: Die meisten Zelte brachen bei einem Sturm in der Nacht vom 12. Juli zusammen, sechs Menschen wurden verletzt. Zuf&#228;lligerweise liegt das Lager auch noch auf einem St&#252;ck Land, das im Besitz des Unternehmens Nabatec ist. Dieses wird davon betr&#228;chtlich profitieren: Sowohl vom Entsch&#228;digungsprogramm der Regierung, als auch von dem Industriepark, der in der neuen Nachbarschaft geplant ist.<br />
W&#228;hrenddessen haben die meisten Fl&#252;chtlinge keine andere Wahl, als weiterhin auf den erstbesten Flecken Land, die sie finden, ihre Zelte aufzuschlagen – ein Lager ist zum Beispiel auf dem zwei Meter breiten Zementstreifen angesiedelt, der die Route de Carrefour trennt. Gegen Ende Juli r&#228;umte die UN ein, dass von den ben&#246;tigten 125.000 dauerhaften Unterk&#252;nften nur 6.000 gebaut worden waren. Am H&#246;hepunkt der Misere gab Edmond Mulet, Leiter der UN Mission zu, dass „wir den Sinn f&#252;r die Dringlichkeit der Situation verloren haben.“<a title="anm_51" name="anm_51" href="#anm51"><sup>51</sup></a></p>
<p><strong>Widerstand von unten</strong><br />
Wie zu erwarten, haben die Leute, die direkt von der Katastrophe betroffen sind, diesen Sinn nicht verloren. Das vielleicht Bemerkenswerteste in der gesamten Periode nach dem Erdbeben ist die au&#223;ergew&#246;hnliche Ausdauer und Disziplin der hunderttausenden Menschen, die zwar ihre Verwandten, ihr Zuhause und ihr Eigentum verloren, aber vom ersten Tag an begonnen haben, sich in neuen Gemeinschaften zu organisieren. Sie haben ihre Ressourcen vereint, die Verteilung von Nahrung und Wasser organisiert und informelle Strukturen geschaffen. Die Zeltlager sind ein Produkt der Verzweiflung, aber die r&#228;umlichen Konzentration von Menschen in ungekanntem Ausma&#223; schafft auch beispiellose M&#246;glichkeiten f&#252;r Selbstorganisation und Versammlungen. Ein paar Wochen nach dem Erdbeben beobachtete Camille Chalmers, dass „die Leute in den Lagern viel &#252;ber Solidarit&#228;t, Br&#252;derlichkeit [sic!] und gegenseitige Hilfe [sprechen].“<a title="anm_52" name="anm_52" href="#anm52"><sup>52</sup></a> Im Angesicht gr&#246;&#223;ter Verwundbarkeit haben die BewohnerInnen der Lager sogar begonnen politischen Druck aufzubauen: „Die B&#252;rgerInnen ziehen regelm&#228;&#223;ig auf die Stra&#223;e“, schrieb Beverly Bell im Juli. „Sie fordern Unterk&#252;nfte f&#252;r die Obdachlosen, gute Bildung, und die Unterst&#252;tzung nationaler Landwirtschaft. Vor kurzem haben sie gegen Gewalt von Seiten der UN-Sicherheitsmission protestiert, gegen die Nichtauszahlung der L&#246;hne von Staatsangestellten und LehrerInnen, und gegen die Einf&#252;hrung des giftigen Mosanto Saatguts. Grassroot-Organisationen treffen sich immer noch regelm&#228;&#223;ig, um Strategien f&#252;r einen politischen Wandel zu entwickeln, wie sie es in der Geschichte Haitis immer getan haben. […] Sie entwickeln Initiativen f&#252;r Wohnrechte und Schutzma&#223;nahmen gegen Vergewaltigung f&#252;r die [Fl&#252;chtlinge] in den Lagern. Manche planen Informationskampagnen f&#252;r Sweatshop-ArbeiterInnen, andere Programme um die Jugend zu politisieren.“<a title="anm_53" name="anm_53" href="#anm53"><sup>53</sup></a><br />
Ebenso wie bei den vorhergehenden Wahlen 2000 und 1990 bleibt auch im Wahljahr 2010 der wichtigste politische Gegensatz, derjenige zwischen (a) den KritikerInnen, die lediglich eine effizientere Anwendung derWiederaufbauressourcen und „vern&#252;nftige“ Formen der Kooperation mit den Besatzungstruppen und Hilfsorganisationen fordern und (b) den AktivistInnen, die an einem Wiederaufleben der Mobilisierung von unten arbeiten und f&#252;r einen grunds&#228;tzlichen politischen Wandel als einziges Mittel zur Wiedererlangung nationaler Souver&#228;nit&#228;t und zur Etablierung sozialer Gerechtigkeit eintreten, bestehen. SprecherInnen der NGOs, der UN, der USA und anderer „Freunde“ Haitis schimpfen &#252;ber lokale Ineffizienz und Korruption, lassen aber die politischen Fragen au&#223;en vor. Die einzige Rolle, die f&#252;r die Bev&#246;lkerung Haitis verbleibt ist, die der ehrw&#252;rdigen Nutznie&#223;erInnen einerseits, und &#228;rgerlichen „Hemmnisses der Reform“ andererseits. Der humanit&#228;re Leiter der UN interessiert sich in erster Linie f&#252;r die „m&#246;glichen Konsequenzen, die gro&#223;e Demonstrationen an sensiblen Orten f&#252;r die Politik, als auch f&#252;r die Sicherheit“<a title="anm_54" name="anm_54" href="#anm54"><sup>54</sup></a> haben k&#246;nnten. Stabilit&#228;t, also F&#252;gsamkeit, bleibt die oberste Priorit&#228;t.<br />
Im Gegensatz dazu konzentrieren sich die AktivistInnen auf die Mechanismen der Exklusion, die den Gro&#223;teil der Bev&#246;lkerung Haitis an den &#228;u&#223;ersten Rand der Politik gedr&#228;ngt haben. „Was hier passiert, ist eine Art Zusammenwachsen der Fanmi Lavalas-Basisorganisationen mit ehemaligen PPN-Mitgliedern.“<a title="anm_55" name="anm_55" href="#anm55"><sup>55</sup></a> beobachtet Kim Ives. „Das ist ohne die Zustimmung und vielleicht teils zum Verdruss der F&#252;hrungen der beiden Parteien passiert. Es gab eine Anziehungskraft auf der Ebene der Basis, und ich habe den Eindruck, dass das Zentrum des anti-imperialistischen Widerstands gegen Prévals Pl&#228;ne und seine Mannschaft aus diesem Schmelztiegel kommt. Hier entsteht eine progressive und revolution&#228;re politische F&#252;hrung f&#252;r die &#196;ra nach dem Erdbeben.“<a title="anm_56" name="anm_56" href="#anm56"><sup>56</sup></a></p>
<p><strong>Die Probleme der Lavalas-Bewegung</strong><br />
Leider ist die wichtigste, legale Institution der Lavalas-Bewegung, die Fanmi Lavalas-Partei (FL) in sich gespalten und vom politischen Prozess exkludiert. 2004 wurden Aristide und viele seine MinisterInnen dazu gezwungen, das Land zu verlassen, sein Premierminister Yvon Neptune und ein Dutzend anderer, hochrangiger Parteimitglieder der FL wurden verhaftet. Im Vorfeld der Pr&#228;sidentschaftswahlen 2006 wurde der Kandidat der FL, Gérard Jean-Juste, aufgrund erfundener Anklagepunkten verhaftet und sein Antreten bei den Wahlen verhindert. Im August 2007, „verschwand“ der ber&#252;hmteste Menschenrechtsaktivist Lovinsky Pierre-Antoine (er wird mittlerweile f&#252;r tot gehalten), kurz nachdem er bekr&#228;ftigt hatte, dass er sich als Kandidat der FL f&#252;r den Senat aufstellen lassen wolle. Prévals Wahlkommission (CEP) hat bis zu den Wahlen im April 2009 die Blockaden gegen die FL-KandidatInnen weitergef&#252;hrt.<a title="anm_57" name="anm_57" href="#anm57"><sup>57</sup></a><br />
Als Reaktion auf diese Ausgrenzung organisierten die FLAktivistInnen einen Wahlboykott. Nur eine kleine Minderheit der Wahlberechtigten ging anschlie&#223;end w&#228;hlen – 11%, wenn man den offiziellen Zahlen glaubt, weniger als die H&#228;lfte davon, Oppositionellen und den meisten WahlbeobachterInnen zufolge.<a title="anm_58" name="anm_58" href="#anm58"><sup>58</sup></a> In der &#214;ffentlichkeit haben die USA und die UN die Entscheidung der CEP verurteilt und die Inklusion aller politischen Parteien gefordert. Als die CEP von ihrer Ausgrenzungspolitik aber nicht abkommen wollte, gingen sowohl die USA als auch der Rest der „internationalen Gemeinschaft“ leise von ihrem Wunsch nach freien und inklusiven Wahlen ab und stimmten stattdessen zu, den Gro&#223;teil der Wahlkosten zu bezahlen. Im November 2009 hat die CEP die FL (und zahlreiche andere Parteien) wieder einmal von der Registrierung zu den Parlamentswahlen, die eigentlich f&#252;r Februar 2010 geplant waren, ausgeschlossen. [Bei den nun f&#252;r November 2010 anberaumten Wahlen werden daher] das Haitianische Parlament sowie der Pr&#228;sident wiederum ohne die Einbindung der meisten politischen Organisationen des Landes gew&#228;hlt. Ohne Zweifel werden auch diese Wahlen wieder den Zustimmungsstempel der internationalen Gemeinschaft bekommen. Die F&#252;hrungsriege der FL hat die ganze Situation durch parteiinterne Post-Aristide-K&#228;mpfe verschlimmert. 2008 wurden die Rivalit&#228;ten so stark, dass aus der Partei mehr oder weniger zwei unabh&#228;ngige Organisationen entstanden. Die Schikane durch die Regierung gekoppelt mit der fehlenden Einheit der Partei hat der Massenbewegung jegliche M&#246;glichkeit entzogen, das zu verwenden, was Samba Boukman 2006 als ihre „gr&#246;&#223;te Waffe“ bezeichnete – die F&#228;higkeit die Wahlen zu gewinnen.<br />
Es scheint daher, als ob die Pr&#228;sidentschaftswahlen im November 2010 keinerlei Aussicht auf signifikanten Wandel mit sich bringen. Die zwei Anti-Lavalas-Coups haben dazu beigetragen, dass jegliche Hoffnung, genuin sozialer Wandel sei in Haiti &#252;ber „formale“ demokratische Mittel m&#246;glich, eliminiert ist. „In allen Camps, die ich besucht habe“, schreibt Isabelle Doucet „gibt es kein Interesse an den Wahlen, geschweige denn Enthusiasmus &#252;ber einen Kandidaten.“ Das progressive Wochenmagazin Haiti Liberté verwirft die Wahlen schon jetzt als blo&#223;e „Scharade“, zurechtgebastelt von den ausl&#228;ndischen „Freunde von Haiti“, deren klares Ziel es ist, die Besetzung zu legitimieren.</p>
<p><strong>Neokolonales Protektorat oder Massenaufstand?</strong><br />
Die Lavalas-Bewegung ist heute weniger eine Organisation als eine Idee oder eine Erinnerung. Dieses Fehlen einer ad&#228;quaten Organisation und F&#252;hrung l&#228;sst die sich wieder erneuernde Massenmobilisation anf&#228;llig werden f&#252;r jegliche Formen opportunistischer Manipulation. Einige MediatorInnen zufolge sind daher viele der Personen, die an Demonstrationen f&#252;r oder gegen die Regierung teilnehmen, bezahlt. „Niemand protestiert ohne Geld in diesem Land“, erz&#228;hlte einer der MediatorInnen im Juli. „Die reichen Leute halten uns im Elend, damit wir machen, was sie wollen.“<a title="anm_59" name="anm_59" href="#anm59"><sup>59</sup></a><br />
Die wichtigste politische Frage, die sich in Haiti daher heute stellt, ist diejenige der Richtung, der Priorit&#228;ten und der Integrit&#228;t der beginnenden Protestbewegung. Einhergehend mit vielen seiner Verb&#252;ndeten ist sich Yves Pierre-Louis „sehr bewusst &#252;ber die Gefahren, die sich dadurch ergeben, dass fr&#252;heren PutschistInnen erlaubt wird, Teil dieser Allianz und Demonstrationen zu sein.“ Bei den Wahlen im November 2010 wird dementsprechend, wie bei den letzten vier Pr&#228;sidentschaftswahlen in Haiti, alles davon abh&#228;ngen, ob die Einheit und das Bewusstsein stark genug sind, damit sich diejenigen Kr&#228;fte durchsetzen, die sich den Wahlen entgegenstellen. Das Erdbeben hat die Entscheidung &#252;ber die politische Entwicklung Haitis weiter versch&#228;rft und forciert: Entweder die Erneuerung der Massenmobilisation, die Ziele wie Gleichheit und Gerechtigkeit verfolgt oder eine langandauernde Best&#228;tigung des derzeitigen Status der Insel als neokoloniales Protektorat.</p>
<p><em>Peter Hallward</em> ist Professor f&#252;r moderne europ&#228;ische Philosophie an der Kingston Universit&#228;t in London und Autor des Buches: Damming the Flood. Haiti, Aristide and the Politics of Containment, Verso: London 2010 [2007].</p>
<p>&#220;bersetzung: <em>Julia Hofmann, Katherina Kinzel, Ako Pire</em> und <em>Philipp Probst</em>.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Dies ist eine &#252;bersetzte, gek&#252;rzte und redaktionell bearbeitete Version des Nachworts zum 2010 in der zweiten Auflage erschienen Buch von Peter Hallward: Damming the Flood: Haiti, Aristide and the Politics of Containment, Verso: London 2010 [2007].<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> vgl. The Guardian, 10.07.2010, unter: http://www.guardian.co.uk/world/2010/jul/10/haiti-earthquake-aid-survivors; zwei der n&#252;tzlichsten Quellen f&#252;r gesicherte Informationen &#252;ber Haiti nach dem Beben sind die Seiten vom Haiti Relief and Reconstruction Watch (http://www.cepr.net/index.php/relief-and-reconstruction-watch) und dem Canada Haiti Action Network (http://canadahaitiaction.ca/).<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Anm. d. &#220;bers.: Die 1957 von François „Papa Doc“ Duvalier (1907–1957) errichtete und ab 1971 von seinem Sohn Jean-Claude „Baby-Doc“ Duvalier (1951*) fortgef&#252;hrte Diktatur gilt als eine der brutalsten Milit&#228;rherrschaften der Welt. Sie wurde 1986 durch Massenproteste zu Fall gebracht.<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Anm. d. &#220;bers.: Jean-Bertrand Aristide gilt als wichtigster Anf&#252;hrer der Lavalas-Bewegung. Er war von 1990 bis 1991, von 1994 bis 1996 sowie zum letzten Mal von 2001 bis 2004 Staatspr&#228;sident Haitis und lebt heute im Exil in S&#252;dafrika.<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Anm. d. &#220;bers.: Die Tontons Macoutes waren eine Miliz bzw. Geheimpolizei, die w&#228;hrend und nach der Duvalier-Diktator Angst und Schrecken verbreitete.<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Ives, Kim: How the Earthquake has Affected Haiti‘s National Democratic Revolution and International Geopolitics, Rede gehalten an der Universit&#228;t von Aberdeen, 12.03.2010<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> zitiert nach BBC Radio 4, Zehn-Uhr-Nachrichten, 16.01.2010<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> Al Jazeera, 17.01.2010, unter: http://www.youtube.com/watch?v=0F5TwEK24sA<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> Anm. d. &#220;bers.: Die USAID (United States Agency for International Development) ist eine wichtige Beh&#246;rde der US-Entwicklungszusammenarbeit und agiert als verl&#228;ngerter Arm des US-Imperialismus.<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> USAID unter: http://www.usaid.gov/helphaiti/index.html<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Washington Post, 18.01.2010, unter: http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/01/17/AR2010011702941.html<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> Democracy Now!, 20.01.2010, unter: http://www.democracynow.org/2010/1/20/devastated_port_au_prince_hospital_struggles<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> Stuart Page ist Pr&#228;sident der Page Group, vgl. http://www.pagegroupltd.com/aboutus.html<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> BBC Radio 4, Sechs-Uhr-Nachrichten, 18.01.2010<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> David Belle, Ciné Institute, 17.01.2010, vgl. http://www.cineinstitute.com/news/recovery-and-reportage<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> Democracy Now!, 21.01.2010, unter: http://www.democracynow.org/2010/1/20/journalist_kim_ives_on_how_decades<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> Telegraph, 19.01.2010, unter: http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/centralamericaandthecaribbean/haiti/7030237/Haiti-earthquake-US-ships-blockade-coast-to-thwart-exodus-to-America.html; BBC News, 17.01.2010, unter: http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/8463921.stm<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> New Statesman, 28.02.2010, unter: http://www.newstatesman.com/international-politics/2010/02/haiti-pilger-obama-venezuela<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> zitiert nach The Nation, 11.03.2010, unter: http://www.thenation.com/article/haitis-excluded <a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> vgl. z.B. Huffington Post, 05.04.2010 unter: http://www.huffingtonpost.com/mark-schuller/haitis-resurrection-promo_b_525104.html; The Root, 09.02.2010, unter: http://www.theroot.com/views/toward-new-haitian-state?page=0,0<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> vgl. Haiti Action, 03.05.2010, unter: http://www.haitiaction.net/News/AFD/5_3_10/5_3_10.html<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> vgl. AP, 27.01.2010, unter: http://www.cbsnews.com/stories/2010/01/27/world/main6146903.shtml<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> Partners in Health, 27.07.2010, unter: http://www.pih.org/news/entry/focus-on-haiti-the-road-to-recovery-a-six-month-review/#farmer<br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> Vgl. Nacla, 31.03.2010, unter: https://nacla.org/node/6547<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Haiti Liberté, 25.08.2010, unter: http://canadahaitiaction.ca/content/drama-haitis-internally-displaced<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> vgl. MR Zine, 02.02.2010, unter: http://mrzine.monthlyreview.org/2010/boychuk020210.html<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> vgl. Socialist Worker, 08.02.2010, unter: http://socialistworker.org/2010/02/08/shock-doctrine-for-haiti<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> The Nation, 11.03.2010, unter: http://www.thenation.com/issue/march-29-2010<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> Huffington Post, 21.07.2010, unter: http://www.huffingtonpost.com/mark-schuller/rained-out-opportunities_b_653672.html<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> vgl. Washington Post, 18.01.2010: http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2010/01/17/AR2010011702941.html<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> The New York Times, 17.01.2010, unter: http://www.rand.org/commentary/2010/01/17/NYT.html; The Indypendent, 29.01.2010, unter: http://www.indypendent.org/2010/01/29/plan-for-new-haiti/<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> vgl. Miami Herald, 09.03.2010, unter: http://www.miamiherald.com/2010/02/08/1470013/us-firms-want-part-in-haiti-cleanup.html<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> Miami Herald, 09.03.2010, unter: http://www.miamiherald.com/2010/03/09/1521511/groups-jockey-for-role-in-haiti.html<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> The Nation, 11.03.2010, unter: http://www.thenation.com/issue/march-29-2010<br />
<a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> Al Jazeera English, 12.07.2010, unter: http://english.aljazeera.net/programmes/faultlines/2010/07/20107614463473317.html<br />
<a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> The Dominion, 24.06.2010, unter: http://www.dominionpaper.ca/weblogs/wadner_pierre/3518<br />
<a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> vgl. Miami Herald, 10.03.2010, unter: http://www.miamiher a ld. com/2010/03/10/1521400/ha i t i &#8211; summi t -unde r -wa y.html#ixzz0xM0gbm00<br />
<a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> Al Jazeera, 10.03.2010, unter: http://www.youtube.com/watch?v=kkNCdy0GXyc&#038;feature=player_embedded<br />
<a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> AP, 21.02.2010, unter: http://www.canadaeast.com/article/961385<br />
<a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> Socialist Worker, 08.02.2010, unter: http://socialistworker.org/2010/02/08/shock-doctrine-for-haiti<br />
<a title="anm41" name="anm41" href="#anm_41">41</a> Time, 03.05.2010, unter: http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,1983898,00.html#ixzz109rriZpq<br />
<a title="anm42" name="anm42" href="#anm_42">42</a> „Aufgrund seiner Armut und dem relativ unregulierten Arbeitsmarkt“, schreibt Paul Collier, „hat Haiti Arbeitskosten, die vollkommen konkurrenzf&#228;hig mit denjenigen in China sind. Arbeit ist nicht nur billig, sondern auch von guter Qualit&#228;t. Da die Bekleidungsindustrie fr&#252;her viel gr&#246;&#223;er war als heutzutage, gibt es einen gro&#223;en Pool an erfahrenen ArbeiterInnen“ (vgl. Collier, Paul: Haiti. From Natural Catastrophe to Economic Security. A Report for the Secretary-General of the United Nations, Oxford 2009, unter: http://www.focal.ca/pdf/haiticollier.pdf ).<br />
<a title="anm43" name="anm43" href="#anm_43">43</a> Huffington Post, 28.03.2010, unter: http://www.huffingtonpost.com/richard-morse/haiti-stuck-in-a-trap_b_516164.html<br />
<a title="anm44" name="anm44" href="#anm_44">44</a> vgl. Nacla, 25.04.2008, unter: http://upsidedownworld.org/main/haitiarchives-51/1248-anti-hunger-protests-rock-haiti; IPS, 04.02.2008, unter: http://ipsnews.net/news.asp?idnews=41454<br />
<a title="anm45" name="anm45" href="#anm_45">45</a> Christian Science Monitor, 20.04.2010, unter: http://www.csmonitor.com/World/Americas/2010/0420/Haiti-relief-Anger-confusion-as-authorities-relocate-homeless<br />
<a title="anm46" name="anm46" href="#anm_46">46</a> AP, 11.09.2010, unter: http://www.huffingtonpost.com/2010/09/11/haiti-earthquake-just-2-p_n_713338.html<br />
<a title="anm47" name="anm47" href="#anm_47">47</a> The Misoulian, 06.06.2010, unter: http://missoulian.com/news/stateand-regional/article_53238992-71ed-11df-b3ab-001cc4c002e0.html<br />
<a title="anm48" name="anm48" href="#anm_48">48</a> IJDH, 20.07.2010, unter: http://ijdh.org/archives/13361<br />
<a title="anm49" name="anm49" href="#anm_49">49</a> Democracy Now!, 13.07.2010, unter: http://www.democracynow.org/2010/7/13/sean_penn_on_haiti_six_months<br />
<a title="anm50" name="anm50" href="#anm_50">50</a> Huffington Post, 21.07.2010, unter: http://www.huffingtonpost.com/mark-schuller/rained-out-opportunities_b_653672.html<br />
<a title="anm51" name="anm51" href="#anm_51">51</a> AL Jazeera, 12.07.2010, unter: http://english.aljazeera.net/programmes/faultlines/2010/07/20107614463473317.html<br />
<a title="anm52" name="anm52" href="#anm_52">52</a> Al Jazeera, 12.02.2010, unter: http://english.aljazeera.net/programmes/faultlines/2010/02/201021113542380300.html<br />
<a title="anm53" name="anm53" href="#anm_53">53</a> The Wip, 12.07.2010, unter: http://thewip.net/talk/2010/07/weve_lost_the_battle_but_we_ha.html<br />
<a title="anm54" name="anm54" href="#anm_54">54</a> The Nation, 30.03.2010, unter: http://www.thenation.com/article/haitis-excluded?page=full<br />
<a title="anm55" name="anm55" href="#anm_55">55</a> Anm. d. &#220;bers.: Die PPN (Parti Populaire Nationale) ist eine linksgerichtete Volkspartei in Haiti.<br />
<a title="anm56" name="anm56" href="#anm_56">56</a> Al Jazeera, 12.02.2010, unter: http://english.aljazeera.net/programmes/faultlines/2010/02/201021113542380300.html<br />
<a title="anm57" name="anm57" href="#anm_57">57</a> IPS,17.04.2009, unter: http://ipsnews.net/news.asp?idnews=46537; Miami Herald, 08.09.2010, unter: http://www.miamiherald.com/2010/09/08/1813042/unfair-and-undemocratic.html<br />
<a title="anm58" name="anm58" href="#anm_58">58</a> Haiti Analysis, 30.06.2009, unter: http://www.haitianalysis.com/2009/6/30/empty-streets-empty-boxes-haitians-reject-manipulated-election<br />
<a title="anm59" name="anm59" href="#anm_59">59</a> Al Jazeera, 12.02.2010, unter: http://english.aljazeera.net/programmes/<br />
faultlines/2010/02/201021113542380300.html</p>
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