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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Deutschland</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Alternativen zur Alternativlosigkeit, Die neue Linke in Deutschland</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Nov 2007 15:50:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 2]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Universität]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>

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		<description><![CDATA[Anfang des Jahres fand in Frankfurt ein Studierendenkongress zur Gr&#252;ndung des bundesweiten Hochschulverbands der Neuen Linken in Deutschland statt. Das Hochschulnetzwerk soll den Kampf gegen Studiengeb&#252;hren und den neoliberalen Umbau der Universit&#228;ten unterst&#252;tzen und dabei in Anbindung an die neue Linkspartei stehen. Das Projekt Linkspartei, ein Zusammenschluss der PDS und WASG, stellt seit den letzten Bundestagswahlen eine linke Alternative zur Dritten-Weg-Sozialdemokratie dar. Wie das Projekt entstanden ist, welche neuen Herausforderungen seit der Wahl hinzugekommen sind und wie der Prozess der Verankerung auf den Universit&#228;ten voran geht, brachte <em>David Sagner</em> in Erfahrung, der <em>Klaus Henning</em>, Mitorganisator des Kongresses, Mitglied der WASG und aktiv bei Linksruck, am Rande der Veranstaltung f&#252;r Perspektiven interviewt hat.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anfang des Jahres fand in Frankfurt ein Studierendenkongress zur Gr&#252;ndung des bundesweiten Hochschulverbands der Neuen Linken in Deutschland statt. Das Hochschulnetzwerk soll den Kampf gegen Studiengeb&#252;hren und den neoliberalen Umbau der Universit&#228;ten unterst&#252;tzen und dabei in Anbindung an die neue Linkspartei stehen. Das Projekt Linkspartei, ein Zusammenschluss der PDS und WASG, stellt seit den letzten Bundestagswahlen eine linke Alternative zur Dritten-Weg-Sozialdemokratie dar. Wie das Projekt entstanden ist, welche neuen Herausforderungen seit der Wahl hinzugekommen sind und wie der Prozess der Verankerung auf den Universit&#228;ten voran geht, brachte <em>David Sagner</em> in Erfahrung, der <em>Klaus Henning</em>, Mitorganisator des Kongresses, Mitglied der WASG und aktiv bei Linksruck, am Rande der Veranstaltung f&#252;r Perspektiven interviewt hat.</p>
<p><span id="more-36"></span></p>
<p><em>Perspektiven: Wann war der Moment, als Mitglieder der SPD gesagt haben „Das ist nicht mehr unsere Partei“, vor allem auch langj&#228;hrige Mitglieder, die nach drei&#223;ig oder mehr Jahren mit ihrer politischen Heimat gebrochen haben?</em></p>
<p>Klaus Henning: Der Bruch in den unteren Ebenen der Gewerkschaftsb&#252;rokratie hat mit der Ank&#252;ndigung und dann der Durchf&#252;hrung der Hartz-IV-Reformen begonnen. Diese Ma&#223;nahme betrifft die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe und deren Ersetzung durch eine F&#252;rsorgeleistung oder Sozialhilfe und hat damit Massen von arbeitslosen Menschen in die Armut gest&#252;rzt. Alle Statistiken verweisen darauf, dass die Hartz-IV-Reformen zu einer Verelendung gef&#252;hrt haben, zu Massenverelendung. Hinzu kommt, dass die Sozialdemokratie das durchgesetzt hat und nicht, wie man vielleicht erwartet, konservative Parteien wie beispielsweise in Gro&#223;britannien. Das hei&#223;t, dass die Sozialdemokratie in Deutschland den gr&#246;&#223;ten Angriff auf den Sozialstaat seit dem Faschismus gefahren hat. Die Sozialdemokratie hat damit die Wegsprengung des Sozialstaates &#252;bernommen. Und weil der Angriff so scharf war, waren die Reaktionen auch so klar: Entscheidende Teile der unteren Gewerkschaftsb&#252;rokratie sagten „Das k&#246;nnen wir nicht mehr mittragen“. Sie haben damit gedroht, dass sie auch den Weg gehen w&#252;rden eine eigene Partei zu gr&#252;nden, wenn die Hartz-IV-Reformen nicht zur&#252;ckgenommen werden. Aber am Anfang war das alles nur auf der Ebene der Drohung, mit der Illusion und der Hoffnung, die SPD wieder nach links zu ziehen. Das waren Leute wie zum Beispiel Thomas H&#228;ndel oder Klaus Ernst, heute der Vorsitzende der WASG [Wahlalternative f&#252;r Arbeit und soziale Gerechtigkeit], die langj&#228;hrige SPD-Mitglieder und Gewerkschaftsfunktion&#228;re waren. Sie versandten im M&#228;rz 2004 einen Aufruf per E-Mail zur Gr&#252;ndung der Initiative „Arbeit und Soziale Gerechtigkeit.“ Das Problem war, es kam zu keiner Kurs&#228;nderung der Sozialdemokratie, sondern eher zu einer Versch&#228;rfung. Thomas H&#228;ndel, Klaus Ernst und andere mit ihnen wurden ohne Anh&#246;rung aus der SPD ausgeschlossen. So hat dann eigentlich der Druck der Ereignisse dazu gef&#252;hrt, dass sich diese Leute selbst radikalisiert haben. Das f&#252;hrte dazu, dass aus der Drohung, einen neuen Wahlverein zu gr&#252;nden, Realit&#228;t werden musste.</p>
<p><em>Welche Konsequenzen haben die Mitglieder der SPD, die unzufrieden waren, gezogen? Kann man sagen, dass eine Mehrheit der unzufriedenen Mitglieder diesen Schritt mitgegangen ist? Oder gab es anfangs noch andere Konsequenzen in der SPD-Basis?</em></p>
<p>Die erste Reaktion war nat&#252;rlich oft, sich absolut aus der Politik zur&#252;ckzuziehen. Die SPD hat seit Jahren kontinuierlichen Mitgliederschwund erlebt, hat zehntausende Mitglieder verloren und allein schon die Ank&#252;ndigung der Hartz-IV-Reformen hat diesen Prozess noch mal extrem beschleunigt. Die erste Reaktion war, &#252;berhaupt nichts mehr zu machen und auch nicht mehr zur Wahl zu gehen. Ein einschneidendes Ereignis war die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005, ein Bundesland im Westen Deutschlands, das immer sozialdemokratisch gepr&#228;gt war durch das ArbeiterInnenmilieu im Ruhrgebiet. Dort hat die SPD im Mai 2005 bei den Landtagswahlen so massiv an Stimmen verloren, dass die CDU – obwohl die auch Stimmen verloren hat, weil sie auch als eine Sozialabbau-Partei gesehen wurde – trotzdem gegen&#252;ber der SPD haushoch gewonnen hat, mit einer absoluten Mehrheit. Passivit&#228;t war die erste Reaktion der sozialdemokratischen W&#228;hlerInnenschaft.<br />
Wichtig ist, dass es davor schon Demonstrationen von Arbeitslosen gegen die Hartz-IV-Reformen gegeben hat und die hatten ihren Schwerpunkt in Ostdeutschland. Im Sommer 2004 war der H&#246;hepunkt der Demonstrationen, haupts&#228;chlich getragen von Arbeitslosenverb&#228;nden, die in Ankn&#252;pfung an die Montagsdemonstrationen 1989 in der DDR die Proteste ebenfalls „Montagsdemos“ genannt haben. Es ist zu einer spontanen Massenbewegung in Ostdeutschland gekommen, mit bis zu 200.000 TeilnehmerInnen. Das Problem war, dass die Gewerkschaften diese Proteste nicht aktiv mitgetragen haben. So ist die Bewegung dann auch im Sand verlaufen und konnte keine Kraft entwickeln. Das hat man sehr gut daran gesehen, dass die Bewegung ihren Schwerpunkt im Osten hatte, aber in den industriellen Zentren im Westen nichts gelaufen ist. Hier in Frankfurt zum Beispiel gab es zwar Solidarisierungsversuche von linken Gruppen, aber da waren maximal tausend Leute auf der Stra&#223;e. Es gab keine aktive Unterst&#252;tzung seitens der Gewerkschaften und das lag daran, dass diese nat&#252;rlich immer noch unter dem Einfluss der Sozialdemokratie standen und stehen. Es gibt da einen guten Film, „Die neue Wut“<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a>. Da wird der DGB-Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, zitiert, der das auch so sagt: „W&#228;re das gleiche [Hartz-IV-Reformen] unter einer CDU-gef&#252;hrten Koalition gelaufen, w&#228;ren die Proteste anders gewesen…Wenn wir mit der Macht, mit der wir den 3. April [2004] organisiert haben [eine halbe Million Menschen folgte dem Aufruf der Gewerkschaften und protestierte gegen Sozialabbau], die Montagsdemonstrationen begleitet h&#228;tten, dann w&#252;rden wir jetzt in einem anderen Land leben. Ob wir gewonnen h&#228;tten, das wage ich nach wie vor zu bezweifeln. Aber das h&#228;tte eine andere soziale Dimension gehabt…“</p>
<p><em>Welche Kr&#228;fte und AkteurInnen waren an der Entstehung der Wahlalternative f&#252;r Arbeit und soziale Gerechtigkeit, WASG, beteiligt? Das hei&#223;t, haben auch andere Kr&#228;fte au&#223;erhalb der Sozialdemokratie die Wahlalternative mit aufgebaut?</em></p>
<p>Na klar, die Bewegungen auf der Stra&#223;e, stellen den politischen Rahmen. Eine wichtige Quelle waren die Montagsdemonstrationen, die haupts&#228;chlich von Arbeitslosen getragen wurden. Aber die dynamischste Kraft bzw. die Kraft, die sich dann auch am weitesten radikalisiert hat, waren vor allem die gewerkschaftlich orientierten Kr&#228;fte aus S&#252;ddeutschland, vor allem der Gewerkschaft IG Metall, dort vor allem der gewerkschaftliche Mittelbau. Es gab sicher noch andere Kr&#228;fte. Nur, diese Bewegung h&#228;tte niemals so eine Dynamik entfalten und auch in die SPD hinein wirken k&#246;nnen, wenn die GewerkschafterInnen nicht mit dabei gewesen w&#228;ren. Das war entscheidend. Und dann gab es nat&#252;rlich auch linke Kr&#228;fte, die das Projekt von Anfang an mit unterst&#252;tzt haben, wie zum Beispiel Linksruck. Wir sind schon mit Schildern „F&#252;r eine neue Linkspartei“ aufgetreten, als die M&#246;glichkeit einer Wahlalternative noch in der Hartz-IV-Bewegung diskutiert wurde. Das war vor allem wichtig, als die PDS mit aufgesprungen ist und sich auch den Namen „Linkspartei“ gegeben hat. F&#252;r uns war es ganz praktisch, weil wir so Plakate und Schilder weiterhin verwenden konnten…(lacht). Die PDS ist eine aus der SED [ehem. Staatspartei der DDR] hervorgegangene Partei, die allerdings, gerade hier im Westen, nie die Funktion einer Alternative zur Sozialdemokratie &#252;bernehmen konnte. Ich denke, es ist auch ganz wichtig, darauf hinzuweisen, dass die GewerkschafterInnen, von denen ich vorhin gesprochen habe, sich bewusst entschieden haben, sich nicht nur der Linkspartei anzuschlie&#223;en, sondern gesagt haben, wir brauchen ein neues Parteiprojekt „WASG“. Dann kam die Ank&#252;ndigung nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen 2005, dass es vorgezogene Bundestagswahlen geben sollte, weil die Schr&#246;der-Regierung in der Krise war. Das f&#252;hrte zum Prozess der Vereinigung. Dieser Prozess wurde uns praktisch von der Regierung aufgezwungen. Oskar Lafontaine k&#252;ndigte an, die WASG im Falle eines gemeinsamen Antritts mit der PDS zu den vorgezogenen Bundestagswahlen zu unterst&#252;tzen. Zur Wahl mussten sich nun unterschiedliche linke Kr&#228;fte zusammenfinden. Die „WASG“ musste sich mit der „Linkspartei“ zusammentun und unter diesem Druck ist dann das Wahlprojekt entstanden. Das erfolgreiche Abschneiden bei den Bundestagswahlen hat dann auch dazu gef&#252;hrt, dass das ganze Projekt mehr Aufwind bekommen hat.</p>
<p><em>Die WASG gibt es mittlerweile schon zwei Jahre. Wie hat die Wahlalternative, abgesehen davon, dass es eine w&#228;hlbare Alternative gibt, die politische Landschaft in Deutschland ver&#228;ndert?</em></p>
<p>Das Entscheidende ist, dass das Projekt mit dem Verst&#228;ndnis initiiert wurde, wirklich etwas ver&#228;ndern zu wollen. Es geht nicht nur darum, eine parlamentarische Partei zu gr&#252;nden, das oberste Ziel ist es, die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse zu ver&#228;ndern. Es wird auch immer wieder betont, dass das nicht alleine &#252;ber das Parlament erfolgen kann. Dass eine enge Verbindung mit sozialen Bewegungen, vor allem mit gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen angestrebt werden muss, wird immer klarer. Ich glaube, der gr&#246;&#223;te Verdienst dieser Formierung ist, dass sie eine Wirkung auf die Klassenk&#228;mpfe hat. In den letzten Streikbewegungen wurde das sehr deutlich. Die Streiks im &#246;ffentlichen Dienst in Baden-W&#252;rttemberg letztes Jahr haben einen sehr radikalen Charakter angenommen. Die Wahlalternative hat eine entscheidende Rolle in diesen Auseinandersetzungen gespielt. Bernd Riexinger von der WASG war Streikf&#252;hrer in Stuttgart, der wichtigsten industriellen Region im S&#252;den Deutschlands. Er hat dort, in seiner Funktion als Gewerkschaftssekret&#228;r, die Streiks im &#246;ffentlichen Dienst gef&#252;hrt und gleichzeitig, in seiner Funktion als Vertreter der Wahlalternative, politisch in diese Auseinandersetzung interveniert. Die Politisierung dieser Streikbewegung ist viel weiter gegangen als bisher in vergleichbaren Situationen. In den letzten Jahren wurden Streiks immer wieder fr&#252;hzeitig abgew&#252;rgt, ehe die Auswirkungen voll zum Tragen gekommen sind.<br />
Die politische Landschaft ver&#228;nderte sich auch durch den Wahlerfolg bei den Bundestagswahlen 2005 [die Linkspartei erhielt 8,7% der Stimmen], mit dem dieses Projekt nat&#252;rlich an Anziehungskraft gewonnen hat. Es war dann in den Medien pr&#228;sent. Die jetzigen Entwicklungen finden aber eher versteckt statt. Betrachtet man genau was in den letzten zwei Jahren passiert ist, so kann eine langsame Erodierung des Einflusses der Sozialdemokratie in den Gewerkschaften ausgemacht werden. Der Mittelbau in den Gewerkschaften orientiert sich zunehmend an der Neue Linken und wartet jetzt darauf, dass sich die Linkspartei und die Wahlalternative zusammenschlie&#223;en. Wir sind jetzt im Parteienfusionsprozess und es ist entscheidend, dass wir das schaffen und zusammen wachsen. Es gibt nat&#252;rlich auch Probleme in diesem Prozess. Es gab einen wichtigen Kampf gegen Sektierertum; also den Versuch jener Kr&#228;fte, die sich lieber eine klar sozialistische und damit kleinere Organisation w&#252;nschen, das Projekt Neue Linke zum Scheitern zu bringen. Nat&#252;rlich hat die Neue Linke einen widerspr&#252;chlichen Charakter und ist nicht per se sozialistisch oder antikapitalistisch, sondern es wirken verschiedene Kr&#228;fte mit. Um gegen die Gewaltt&#228;tigkeit der Angriffe auch vorgehen zu k&#246;nnen, ist dieses breite B&#252;ndnis n&#246;tig. Das war ein wichtiger Kampf, den wir gef&#252;hrt haben. Nur so konnte und nur so kann die Neue Linke die Funktion erf&#252;llen, die wir brauchen, n&#228;mlich den sozialdemokratischen Einfluss in den Gewerkschaften zur&#252;ckzudr&#228;ngen. Ganz wichtig dabei war der Gewerkschaftstag letztes Jahr. Dort wurde der SPD-Bundesminister f&#252;r Arbeit und Soziales, Franz M&#252;ntefering, ausgepfiffen und Oskar Lafontaine, der dort die Neue Linke vorgestellt hat, bekam <em>standing ovations</em>. Ich denke, das war ein wichtiges Signal.</p>
<p><em>Die gro&#223;e Herausforderung ist jetzt der Fusionsprozess. Gibt es dar&#252;ber hinaus noch andere politische Herausforderungen f&#252;r die WASG, die zu gr&#246;&#223;eren Diskussionen innerhalb der Wahlalternative f&#252;hren?</em></p>
<p>Dieser Fusionsprozess hat nat&#252;rlich viele Facetten, es gibt viele inhaltliche Diskussionen. Was soll die Neue Linke f&#252;r ein Programm haben, wie soll sie ausgerichtet sein? Die wichtigste Frage ist f&#252;r mich nicht, wie das Programm aussieht, ob es ein knallhart sozialistisches Programm ist, sondern, welche Praxis die Neue Linke entwickelt. Ich denke, die gr&#246;&#223;te Herausforderung ist diese Vereinigung jetzt zustande zu bringen und darin f&#252;r eine aktivistische, klassenk&#228;mpferische Ausrichtung zu streiten. Danach wird jedoch die wichtigste Frage sein: welche Politik macht die Neue Linke?<br />
So stehen wir jetzt hier in Hessen vor einer Herausforderung: der Positionierung zu den Landtagswahlen 2008. Wir sind konfrontiert mit der Koch-Regierung [Roland Koch, CDU], eine konservative Regierung, die die absolute Mehrheit hat, hier mit absolut undemokratischen Mitteln regiert, Studiengeb&#252;hren eingef&#252;hrt hat usw. Die SPD versucht jetzt, eine Art Lagerwahlkampf zu starten, zwischen dem konservativen Koch und einer linken Form der SPD. Eigentlich haben wir jetzt eine Situation, in der die SPD in der Opposition ist und einen linken Wahlkampf macht und die Linke muss versuchen, eine nicht ausgrenzende Position dazu zu finden um eine Bewegung daraus zu machen die auch die linken Teile der Sozialdemokratie erfasst. Wir wollen das jetzt &#252;ber die Verfassungsklage gegen die Studiengeb&#252;hren, die wir mit den SozialdemokratInnen zusammen einbringen in die Wege leiten. Nat&#252;rlich sollte man keine Illusionen haben. Aber die Linke muss sich positionieren und sich auf die Seite der Linken in der SPD stellen. Ansonsten w&#252;rde sich die Neue Linke aus der politischen Landschaft rauskatapultieren und keinen Einfluss mehr auf den Prozess nehmen k&#246;nnen.<br />
Gleichzeitig sitzt die PDS im Osten Deutschlands in den L&#228;nderparlamenten. Dort ist die gro&#223;e Frage die Regierungsbeteiligung um jeden Preis. Die stellt sich ganz extrem am Beispiel von Berlin, wo die Linkspartei in der Regierung sitzt und dort Sparma&#223;nahmen mit tr&#228;gt. Das prominenteste Beispiel sind die Laden&#246;ffnungszeiten. Das Gesetz, das den Ladenschluss regelte, wurde dort als erstes gekippt und durch ein extrem frauenfeindliches und extrem arbeiternehmerInnenfeindliches Gesetz ersetzt. Das ist eine scharfe Auseinandersetzung, die nat&#252;rlich auch die Gefahr in sich birgt, dass dieses Projekt der Vereinigung der Neuen Linken scheitert.</p>
<p><em>Wir sind hier auf dem Hochschulkongress der Neuen Linken. Vielleicht kannst du noch dar&#252;ber erz&#228;hlen, welche Rolle die Linke auf den Hochschulen spielt und auf die Idee des Hochschulverbandes eingehen, wie und warum der Verband entstehen soll?</em></p>
<p>Das ist eigentlich die spannendste Frage. Studierende spielen eine ganz entscheidende Rolle in den Auseinandersetzungen. Die StudentInnen haben, einfach weil sie mehr politischen Freiraum haben als ArbeiterInnen, die M&#246;glichkeit in Aktion zu treten. Und auch schneller in Aktion zu treten. Es ist kein Wunder, dass in Frankreich dieser gro&#223;e Massenaufstand gegen das CPE [Flexibilisierung des K&#252;ndigungsschutzes f&#252;r junge ArbeitnehmerInnen] ma&#223;geblich von den Studierenden ausging, als Stra&#223;enprotest. Ich glaube, dass StudentInnen die Rolle eines Z&#252;ndfunkens gesellschaftlicher Auseinandersetzungen spielen k&#246;nnen, und dass sie diese Funktion auch immer mehr bekommen, weil der Charakter des heutigen Studierendendaseins immer st&#228;rker an das Arbeitsleben und damit an gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen angebunden ist. Siebzig Prozent der Studierenden m&#252;ssen neben dem Studium arbeiten um studieren zu k&#246;nnen, immer mehr StudentInnen aus ArbeiterInnenfamilien kommen an die Unis und die aktuelle Hochschulreform treibt das noch voran. Mit der Einf&#252;hrung von Bachelor- und Master-Studien wird zwar das Ziel verfolgt die Hochschulbildung zu entqualifizieren, aber es werden auch mehr Leute an die Unis geholt. Da gibt es mehr Potential. Die Neue Linke muss die Hochschulen ernst nehmen und braucht deshalb einen Hochschulverband, der in den politischen Auseinandersetzungen an Einfluss gewinnt. Wir hatten hier in Hessen eine starke StudentInnenbewegung gegen Studiengeb&#252;hren, die uns vor die Aufgabe stellt, einen handlungsf&#228;higen Verband zu gr&#252;nden, der sich auch in die Auseinandersetzungen einmischen kann. Die f&#246;derale Struktur des Bildungswesens in Deutschland ist ein gro&#223;es Problem. Studiengeb&#252;hren werden nur landesweit eingef&#252;hrt und daher nur auf Landesebene bek&#228;mpft. Die Proteste sind kaum vernetzt. Da ist es eine entscheidende Frage, wie eine bundesweite Perspektive geschaffen werden kann. Deswegen ist so ein Bundesverband wichtig. Die andere Frage ist eine politische Frage. Innerhalb der StudentInnenbewegung werden vor allem zwei Standpunkte vertreten. Einerseits gibt es Illusionen in sozialdemokratischen Reformismus, die Hoffnung durch Wahlen die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse zu ver&#228;ndern und Studiengeb&#252;hren zu verhindern. Das ist die Position, die am st&#228;rksten vertreten ist. Andererseits haben einige Studierenden diese Illusion nicht mehr. Sie lehnen dagegen Parteien grunds&#228;tzlich ab und haben grunds&#228;tzlich die Hoffnung verloren, Mehrheiten f&#252;r eine anti-neoliberale Politik zu gewinnen. Sie stehen dem Parteiprojekt der Neuen Linken skeptisch gegen&#252;berstehen und setzen lieber auf radikale Aktionen. Wir haben das gestern in dem Film gesehen [„Kick it like Frankreich“<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a>]. Das sind nicht nur langj&#228;hrige AktivistInnen der autonomen Szene, sondern auch neue Leute, die eher eine Art voluntaristisches Herangehen haben und sagen, wir m&#252;ssen erst mal das Uni-Pr&#228;sidium oder das Wissenschaftsministerium besetzen, wenn auch nur mit f&#252;nf Leuten und wir rei&#223;en dadurch die Massen hinterher. Das hat aber nicht geklappt, das zeigt die Bewegung auch praktisch. Die Bewegung in Hessen hat sich nicht durch solche Aktionen einer Minderheit ausgeweitet, sondern es muss ein Weg gefunden werden, wie die Mehrheiten erreicht werden k&#246;nnen. Und das ist die Chance mit so einem Hochschulverband der Linken, der auch angebunden ist an das Parteiprojekt der Neuen Linken, die wiederum in Gewerkschaften und in die sozialen Bewegungen einwirkt. Das kann die Studierendenbewegung st&#228;rken, um da mehr Muskeln und mehr Einfluss &#252;ber die Universit&#228;t hinaus zu entwickeln.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a>„neueWUT – Vereinzelte Proteste oder neue soziale Bewegungen“, Dokumentarfilm von Martin Ke&#223;ler, 90 Min. Mehr Infos und Bestell-M&#246;glichkeit auf http://www.neuewut.de/neuewut/index.html<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a>„Kick it like Frankreich: Der Aufstand der Studenten“, ebenfalls von Martin Ke&#223;ler, Infos http://www.neuewut.de/kickit/index.html</p>
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