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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Darwin</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Marx, Engels… und Darwin?</title>
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		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2010/01/11/marx-engels-und-darwin/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 12:22:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 9]]></category>
		<category><![CDATA[Darwin]]></category>
		<category><![CDATA[Marxistische Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Naturverhältnisse]]></category>

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		<description><![CDATA[Darwins Bedeutung f&#252;r die Entwicklung der modernen Naturwissenschaften steht au&#223;er Frage. Aufgrund der sozialdarwinistischen Interpretation seiner Werke wird er jedoch in linken Zusammenh&#228;ngen oft kritisch be&#228;ugt. <em>Ian Angus</em> wagt anl&#228;sslich des diesj&#228;hrigen Darwin-Jubil&#228;ums eine Wiederann&#228;herung an seine materialistische Naturgeschichte und widmet sich den (politischen) Auseinandersetzungen in den Wissenschaften seiner Zeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Darwins Bedeutung f&#252;r die Entwicklung der modernen Naturwissenschaften steht au&#223;er Frage. Aufgrund der sozialdarwinistischen Interpretation seiner Werke wird er jedoch in linken Zusammenh&#228;ngen oft kritisch be&#228;ugt. <em>Ian Angus</em> wagt anl&#228;sslich des diesj&#228;hrigen Darwin-Jubil&#228;ums eine Wiederann&#228;herung an seine materialistische Naturgeschichte und widmet sich den (politischen) Auseinandersetzungen in den Wissenschaften seiner Zeit.<br />
<span id="more-656"></span><br />
2009 ist in zweifacher Hinsicht ein Jubil&#228;um f&#252;r Charles Darwin: Am 12. Februar w&#252;rde er seinen zweihundertster Geburtstag feiern und am 24. November j&#228;hrt sich die Ver&#246;ffentlichung seines Hauptwerks, eines Buchs, das bis zum heutigen Tag kontrovers diskutiert wird. Obwohl Darwins politische Ansichten wenig radikal waren, bef&#246;rderten seine Erkenntnisse die Durchsetzung materialistischer Wissenschaften, die als Grundlage eines sozialistischen Weltverst&#228;ndnisses begriffen werden k&#246;nnen und trugen damit zur Entwicklung marxistischer Theorien bei.</p>
<p><strong>„Die Grundlage f&#252;r unsere Ansicht“</strong><br />
Die erste Auflage von <em>&#220;ber die Entstehung der Arten</em> (<em>On the Origin of Species</em>) bestand aus nur 1.250 Exemplaren und war bereits am ersten Tag ausverkauft. Eines dieser Exemplare erwarb Friedrich Engels, der damals in Manchester lebte. Drei Tage sp&#228;ter schrieb er in einem Brief an Karl Marx: „&#220;brigens ist der Darwin, den ich jetzt gerade lese, ganz famos. Die Teleologie war nach einer Seite hin noch nicht kaputt gemacht, das ist jetzt geschehn. Dazu ist bisher noch nie ein so gro&#223;artiger Versuch gemacht worden, historische Entwicklung in der Natur nachzuweisen, und am wenigsten mit solchem Gl&#252;ck.“<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a><br />
Marx las <em>&#220;ber die Entstehung der Arten</em> ein Jahr sp&#228;ter und war genauso enthusiastisch. Er nannte es, „das Buch, das die naturhistorische Grundlage f&#252;r unsere Ansicht enth&#228;lt.“<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> In einem Brief an den deutschen Sozialisten Ferdinand Lassalle schrieb er: „Sehr bedeutend ist Darwins Schrift und passt mir als naturwissenschaftliche Unterlage des geschichtlichen Klassenkampfes…Trotz allem Mangelhaften ist hier zuerst der ‚Teleologie‘ in der Naturwissenschaft nicht nur der Todessto&#223; gegeben, sondern der rationelle Sinn derselben empirisch auseinandergelegt.“<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a><br />
Marx legte 1862 gro&#223;en Wert darauf, einen &#246;ffentlichen Vortrag &#252;ber Evolution von Thomas Huxley, einem engen Mitarbeiter Darwins, zu besuchen und forderte seine politischen Mitstreiter auf, ihn zu begleiten. Wilhelm Liebknecht, ein Freund und Genosse, der Marx’ Familie oft in London besuchte, erinnerte sich sp&#228;ter: „[A]ls Darwin die Konsequenzen seiner Forschung zog und sie der &#214;ffentlichkeit vorlegte, da war bei uns monatelang von nichts anderem die Rede als von Darwin und der umw&#228;lzenden Gewalt seiner wissenschaftlichen Eroberungen”.<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a><br />
Obwohl Marx und Engels verschiedene Aspekte seiner „plumpen englischen Methode“ (MEW 29, 524) kritisierten, zeigten sie lebenslang h&#246;chsten Respekt f&#252;r Darwins wissenschaftliche Arbeit.<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> Im <em>Kapital</em> beschrieb Marx <em>&#220;ber die Entstehung der Arten</em> als „epochemachendes Werk“.<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a> 1872 sandte Marx Darwin eine Kapital-Ausgabe, unterschrieben „von einem aufrichtigen Verehrer, Karl Marx“.<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a><br />
Schlie&#223;lich verglich Engels die Werke in Marx‘ Grabrede 1883: „Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte“.<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a></p>
<p><strong>Im Lichte Darwins sonnen</strong><br />
Einst als gef&#228;hrlicher Atheist verdammt, ist Charles Darwin heute nicht nur Gegenstand gro&#223;er Verehrung, sondern auch Gegenstand einer akademischen und kommerziellen „Darwin-Industrie“ mit unz&#228;hligen neuen B&#252;chern und Artikeln &#252;ber jeden m&#246;glichen Aspekt seines Lebens und Werks.<br />
Nachdem sich Marx und Engels nicht dieser Popularit&#228;t erfreuen, ist es nicht verwunderlich, dass einige ProtagonistInnen der Darwin-Industrie vehement gegen eine Verbindung zwischen Darwinismus und Marxismus argumentieren. Marx und Engels, so das Argument, versuchten sich ungerechtfertigterweise im Lichte Darwins zu sonnen. So etwa:<br />
Allan Megill argumentiert, dass „Marx und Engels sich zu Propagandazwecken auf Darwin beriefen“. Aber jeder Eindruck, dass Darwinsche Evolution und Marxismus &#228;hnlich seien, sei „vollkommen falsch.“<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a><br />
Naomi Beck behauptet, dass „Darwin’s Theorie“ f&#252;r Marx und Engels „nur als Vorwand fungierte und in Wirklichkeit nicht mit ihren Ansichten verbunden war.“ Engels Vergleich zwischen Marx und Darwin war ein opportunistischer Versuch, „Marx’ unabh&#228;ngigen wissenschaftlichen Status als ebenb&#252;rtig zu Darwin zu etablieren.“<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a><br />
D.A. Stack sieht Engels Bemerkungen an Marx’ Grab als Teil einer „provinziellen, propagandistischen Kampagne […] sich im Lichte Darwins zu sonnen[…]Der Begriff darwinistisch wurde als Ehrentitel gebraucht, nichts weiter.“ Engels versuchte eifrig, „Marxismus im Schein des Darwinismus gl&#228;nzen zu lassen.“<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a><br />
Hier ist schwer festzustellen, was schlimmer ist: der Zynismus, Engels zu unterstellen, er h&#228;tte das Begr&#228;bnis seines lebenslangen Freundes als Anlass genommen, einen l&#228;ppischen politischen Vorteil herauszuschlagen, oder die Ignoranz, die diese AutorInnen den revolution&#228;ren Implikationen des Darwinismus und der Bedeutung der Naturwissenschaften f&#252;r marxistische Theorie gegen&#252;ber an den Tag legen.<br />
JedeR, der/die sich ernsthaft mit den Arbeiten von Marx, Engels und Darwin auseinandersetzt, kann erkennen, dass auch wenn er/sie letzerem nicht vorbehaltlos zustimmt, Marx aus dessen Theorien wichtige Einsichten gewinnt und in ehrlicher Bewunderung &#252;ber sein Hauptwerk schrieb, sie enthalte „die naturhistorische Grundlage f&#252;r unsere Ansicht“. Um den diesbez&#252;glichen Marx´schen Ansatz zu verstehen, ist eine kontextualisierte Besch&#228;ftigung mit Darwins Schriften n&#246;tig, die den radikalen Bruch mit den dominanten Ideen seiner Zeit verdeutlicht.</p>
<p><strong>Ein unwahrscheinlicher Revolution&#228;r</strong><br />
Dass Charles Robert Darwin als Revoltion&#228;r in die Geschichte eingehen sollte, war gelinde gesagt unwahrscheinlich. Sein Vater war ein bekannter Physiker und reicher Investor; sein Gro&#223;vater war Josiah Wedgwood, Gr&#252;nder einer der gr&#246;&#223;ten Manufakturen Europas. Er hatte also keine finanziellen Sorgen in seinem Leben zu erwarten. 1825 schickte ihn sein Vater zum Medizinstudium an die Universit&#228;t Edinburgh, aber Darwin war mehr daran interessiert die Natur zu studieren, ein Fach, das an keiner englischen Universit&#228;t gelehrt wurde. Nach zwei Jahren verlie&#223; er die Universit&#228;t Edinburgh und wechselte nach Cambridge, um anglikanischer Priester zu werden – ein respektabler Beruf, der ausreichend Freizeit lie&#223; um K&#228;fer zu sammeln, V&#246;gel auszustopfen oder nach Fossilien zu suchen. (Das klingt ungew&#246;hnlicher, als es damals war. Die meisten Naturforscher der damaligen Zeit, die an Oxford oder Cambridge lehrten, waren anglikanische Priester. Der Klerus studierte die Natur nicht als Selbstzweck sondern als Beitrag zur „Naturtheologie“ – dem Verst&#228;ndnis Gottes durch das Studium seines Werkes.)<br />
Darwin scheint ein kompetenter Theologiestudent gewesen zu sein, aber besonders beeindruckte er die Lehrenden der Wissenschaften. Nach seinem Abschluss 1831 nahm ihn ein Professor auf eine dreiw&#246;chige geologische Expedition in den Norden von Wales mit. Sp&#228;ter empfahl ihn sein Botanikprofessor Robert Fitzroy, einem Kapit&#228;n der Royal Navy, der auf der Suche nach einem ehrenwerten Wissenschaftler, <em>a gentleman naturalist</em>, als unbezahlte Begleitung f&#252;r eine Erkundungsreise nach S&#252;damerika und den S&#252;dpazifik war.<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a><br />
So fing alles an. Am 27.Dezember 1831 bestieg Charles Darwin das britische Erkundungsschiff <em>HMS Beagle</em>. Er reiste viel komfortabler als die Besatzung: a&#223; mit dem Kapit&#228;n, wurde von einem Diener begleitet und hatte ausreichend Geldmittel (von seinem Vater), um an Land komfortabel zu wohnen. Trotzdem war es keine Erholungsreise; er f&#252;hrte aufwendige und detaillierte geologische Studien durch, schrieb tausende Seiten wissenschaftlicher Beobachtungen und sammelte fossile und lebende Exemplare von mehr als 1.500 Arten.</p>
<p><strong>Ketzerei</strong><br />
Als er England verlie&#223; scheint Darwin ein konventioneller Christ gewesen zu sein, einer Meinung mit der „gro&#223;en Mehrzahl der Naturforscher,[die] glaubten, die Arten seien unver&#228;nderlich und jede einzelne sei f&#252;r sich erschaffen worden.“<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> Deisten und fundamental Bibeltreue waren sich einig, dass die Arten durch das g&#246;ttliche Gesetz bestimmt waren. Hunde m&#246;gen sich in ihrer Erscheinung unterscheiden, aber Hunde verwandeln sich nicht in Schweine oder geb&#228;ren Katzen.<br />
Nach f&#252;nf Jahren wissenschaftlicher Forschung auf der <em>Beagle</em> und zwei weiteren Studienjahren daheim kam Darwin zu der ketzerischen Schlussfolgerung: Die Arten sind nicht unver&#228;nderlich. Alle Tiere stammen von gemeinsamen Vorfahren ab und unterschiedliche Arten sind Ergebnis von graduellen Ver&#228;nderungen &#252;ber Millionen von Jahren. Gott hatte damit nichts zu tun.<br />
Es ist heute schwer nachvollziehbar, wie erschreckend diese Idee f&#252;r die Mittel- und Oberklasse zu Darwins Zeiten gewesen sein muss. Religion war nicht nur das „Opium des Volkes“ – es gab den Reichen auch eine moralische Rechtfertigung f&#252;r ihr privilegiertes Leben in einer Welt des fortw&#228;hrenden Wandels und der grassierender Ungleichheit.<br />
Eine der beliebtesten Hymnen des viktorianischen Zeitalters dr&#252;ckt die Verbindung zwischen Gott dem Erschaffer allen Lebens und Gott, dem Bewahrer von gesellschaftlicher Ordnung und Stabilit&#228;t klar aus:<br />
<em>All things bright and beautiful,<br />
All creatures great and small,<br />
All things wise and wonderful,<br />
The Lord God made them all.<br />
Each little flower that opens,<br />
Each little bird that sings,<br />
He made their glowing colors,<br />
He made their tiny wings.<br />
The rich man in his castle,<br />
The poor man at his gate,<br />
God made them, high or lowly,<br />
And order’d their estate.</em></p>
<p><em>All things bright and beautiful</em> wurde 1848 ver&#246;ffentlicht, kurz nachdem eine Hungersnot mehr als eine Million Menschen in Irland hingerafft hatte und w&#228;hrend eine Welle revolution&#228;rer Aufst&#228;nde Europa erfasste. Angesichts solcher sozialen Krisen lehrten Hymnen wie diese und dazugeh&#246;rige Gebete den Reichen wie den Armen, dass der Status Quo vorherbestimmt ist. JedeR, der/die Gottes Wort anzweifelte, bedrohte daher die zerbrechliche gesellschaftliche Ordnung.</p>
<p><strong>Das „Geheimnis aller Geheimnisse“</strong><br />
Nichtsdestotrotz wussten die meisten gebildete Menschen, so auch Darwin, bereits in den 1830er Jahren, dass die Sch&#246;pfungsgeschichte nicht wortw&#246;rtlich stimmte. Die Expansion des Kapitalismus im 18. Jahrhundert hatte zur Ausweitung von Bergbauund Kanalbauten gef&#252;hrt; diese Arbeiten legten geologische Schichten und alte Fossilien frei, die bewiesen, dass die Erde mehrere Millionen Jahre alt war – nicht die sechstausend Jahre, die ihr die Bibel zugestand. Dar&#252;ber hinaus zeigten fossilen Funde, dass heute unbekannte Tiere fr&#252;her verbreitet waren, w&#228;hrend heute lebende Tiere erst relativ sp&#228;t auftauchten. Dies widersprach der Behauptung der gleichzeitigen g&#246;ttlichen Erschaffung aller Arten. Gleichzeitig bef&#246;rderte der Imperialismus weltweite Expeditionen und die Entdeckung einer Pflanzen- und Tierwelt, vielf&#228;ltiger als sie sich irgendeinE Europ&#228;erIn je vorgestellt h&#228;tte – viel mehr als in Eden gelebt oder auf Noahs Arche Platz finden h&#228;tten k&#246;nnen. In den 1830ern stimmten Wissenschaftler &#252;berein, dass es nur zwei m&#246;gliche Erkl&#228;rungen f&#252;r die gesammelten Funde g&#228;be. Der einflussreiche Cambridge Professor William Whewell fasst die M&#246;glichkeiten zusammen:<br />
Entweder m&#252;ssen wir die Doktrin der Umwandlung der Arten akzeptieren und annehmen, dass die Arten einer geologischen Epoche in die einer anderen Epoche durch die lange, kontinuierliche Wirkung nat&#252;rlicher Ursachen umgewandelt wurden; oder wir glauben an sukzessive Sch&#246;pfungs- und Extinktionshandlungen, au&#223;erhalb des gew&#246;hnlichen Gangs der Natur; Handlungen, die wir daher richtigerweise als Wunder bezeichnen k&#246;nnen.<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a><br />
Whewell, wie jeder andere respektierte Wissenschaftler dieser Zeit, zweifelte nicht an der Antwort: Tiere wie Pflanzen m&#246;gen in Reaktion auf externe Umst&#228;nde variieren, aber „die &#228;u&#223;erste Grenze der Variation ist meist in kurzer Zeit erreicht: D.h., Arten haben eine reale Existenz in der Natur, und eine Ver&#228;nderung von einer in die andere existiert nicht.“<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a><br />
Wenn die Arten sich nicht mit der Zeit ver&#228;ndern k&#246;nnen, k&#246;nnen die Fossilberichte nur durch Wunder erkl&#228;rt werden. Aber wie hat Gott das gemacht? Wie sieht der Prozess der g&#246;ttlichen Sch&#246;pfung auf Erden eigentlich aus? „Der Austausch ausgestorbener zu anderen Arten“ war, so schrieb der Astronom John Herschell, „das Geheimnis aller Geheimnisse.“<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a><br />
W&#228;hrend einige Wissenschaftler und Theologen darauf bestanden, dass Gott pers&#246;nlich jedes Mal, wenn eine neu Spezies ben&#246;tigt wurde, eingreifen muss, waren andere &#252;berzeugt, dass der Sch&#246;pfer das Universum so konzipiert hat, dass neue Arten durch „sekund&#228;re Ursachen“, wie z.B. nat&#252;rliche Umst&#228;nde, erschaffen werden, wann immer sie gebraucht w&#252;rden.<br />
Besonders bemerkenswert ist heute die Tatsache, dass „von Gott geschaffen“ nicht nur eine akzeptable Antwort auf schwierige Fragen darstellte, sondern dass dieser Ansatz als Standard wissenschaftlicher Methode angesehen war. Selbst Wissenschaftler, die glaubten die Natur k&#246;nne vollst&#228;ndig durch nat&#252;rliche Gesetze erkl&#228;rt werden, glaubten daran, dass Gott diese Gesetze einsetzte, um den Fortlauf der Sch&#246;pfung nach seinem Willen sicherzustellen.</p>
<p><strong>Evolution vor Darwin</strong><br />
Dass es das wissenschaftliche Establishment f&#252;r notwendig befand, die „Umwandlung von Arten“ heftig zu bestreiten, zeigt dass nicht alle damit &#252;bereinstimmten, dass sich Arten nicht ver&#228;ndern k&#246;nnen.<br />
Ein nennenswertes Beispiel ist Charles Darwins Gro&#223;vater Erasmus Darwin. Er beschrieb sowohl in seinem Buch „Zo&#246;nomia“ 1794 als auch 1803 in dem buchlangen Gedicht ‚The Temple of Nature‘ etwas &#196;hnliches wie Evolution. Seine Vorstellung von Evolutions scheinen keinen Einfluss auf irgendjemand gehabt zu haben – Charles Darwin f&#252;hrt dies sp&#228;ter auf „[ein] &#220;berma&#223; an Spekulation im Verh&#228;ltnis zu den gegebenen Fakten“ zur&#252;ck.<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a> Andere stellten &#228;hnliche Spekulationen an, doch vor Darwin schlugen nur zwei Autoren ausgearbeitete Theorien zum Artenwandel &#252;ber die Zeit vor: Jean-Baptiste Lamarck und Robert Chambers.<br />
Lamarck wurde in den 1790ern zum Vorstand des Instituts f&#252;r Wirbellosenforschung des <em>Muséum National d’Histoire Naturelle</em> in Paris ernannt, als Frankreichs revolution&#228;re Regierung die wissenschaftlichen Institutionen des Landes umorganisierte. Im fr&#252;hen 19.Jahrhundert argumentierte er, dass heute lebende Tiere Nachfahren von weniger komplexen Vorfahren seien.<br />
Anders als Darwin ging Lamarck nicht von gemeinsamen Vorfahren aus. Er entwickelte ein komplexes Modell, in dem jeder Organismustyp einen eigenen evolution&#228;ren Prozess durchmachte. Die Natur erschaffe andauernd und spontan neue evolution&#228;re Linien, angefangen mit einzelligen Tieren, die einen inh&#228;renten Trieb besitzen, &#252;ber die Zeit komplexer oder perfekter zu werden. Schlussendlich erreichen sie, wenn der Aufstieg nicht unterbrochen wird, die Spitze der Perfektion als menschliche Wesen.<br />
Aber der Aufstieg wird oft von Umweltver&#228;nderung en unterbrochen, auf welche die Spezies reagieren m&#252;ssen. Giraffen entwickeln lange H&#228;lse, um hohe Bl&#228;tter zu erreichen, w&#228;hrend Fische, die in H&#246;hlen leben, blind werden, weil sie ihre Augen nicht benutzen. Diese Ver&#228;nderungen werden an die Nachfahren weitergegeben. Laut Lamarck stellt dies einen sekund&#228;ren Prozess dar, aber der Begriff „Lamarckismus“ wurde seitdem mit „Vererbung erworbener Eigenschaften“ gleichgesetzt.<br />
Die Ansicht Lamarcks erhielt in Frankreich wenig Unterst&#252;tzung von anderen WissenschaftlerInnen. In England entstand eine kleine aber bedeutende lamarckistische Untergrund-Str&#246;mung, getragen von radikalen DemokratInnen, SozialistInnen und S&#228;kularen zwischen 1820 und 1850. Viele nutzten lamarckistische Argumente, um den undemokratischen englischen Staat und die anglikanische Kirche zu kritisieren.<br />
Versatzst&#252;cke von Lamarcks Evolutionstheorie – die ein Modell eines r&#252;cksichtslosen, „von unten“ angetriebenen Aufstiegs lieferten – tauchten in der Presse auf. Lamarcks Ansicht, dass sich Tiere aus eigener Anstrengung in etwas H&#246;heres verwandeln und diese Errungenschaften weitergeben k&#246;nnen – alles ohne g&#246;ttliche Hilfe – gefiel den aufst&#228;ndischen ArbeiterInnenklassen. Seine Ideen wurden in illegalen Boulevardbl&#228;ttern verbreitet, wo sie mit Forderungen nach Demokratie und Angriffen auf den Klerus vermischt wurden.<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a><br />
Viel einflussreicher auf die breite &#246;ffentliche Meinung in England war das Erscheinen des Buchs <em>Vestiges of the Natural History of Creation, das 1844 von Robert Chambers, einem Zeitschriftenherausgeber und Amateurgeologen aus Edinburgh</em>, anonym ver&#246;ffentlicht wurde. Er f&#252;hrte die gesamte Geschichte des Universums auf ein von Gott bestimmtes „Gesetz der Entwicklung“ zur&#252;ck, das Sterne, Planeten und schlie&#223;lich das Leben hervorbrachte. Nachdem das erste Leben auf Erden spontan auftauchte, stiegen Tiere und Pflanzen die Lebensleiter hinauf. „Es gefiel der Vorsehung, es so zu arrangieren, dass eine Art eine andere gebar, bis die zweith&#246;chste den Mensch gebar, der die allerh&#246;chste ist“.<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a><br />
Chambers meinte „geb&#228;ren“ w&#246;rtlich. Aufbauend auf der Theorie, dass Embryos Stadien durchlaufen, die &#228;hnlich den adulten Stadien primitiverer Tiere sind, schloss er, dass, sobald es Zeit f&#252;r eine neue Art war, weibliche Tiere ihre Schwangerschaftszeit verl&#228;ngern konnten. Dadurch k&#228;me der Nachwuchs als neue Spezies auf einer h&#246;heren Stufe zur Welt.<br />
Im Allgemeinen vom wissenschaftlichen Establishment verurteilt und heute fast vergessen, war <em>Vestiges</em> dennoch ein sensationeller Bestseller. Vor <em>&#220;ber die Entstehung der Arten</em> war Vestiges das einzige Buch zur Evolution, das wohl die meisten BritInnen gelesen hatten.<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a></p>
<p><strong>Essentialismus und Teleologie</strong><br />
Wie gezeigt werden konnte, provozierten die wissenschaftlichen Entdeckungen des sp&#228;ten achtzehnten und fr&#252;hen neunzehnten Jahrhunderts weitl&#228;ufige Spekulationen &#252;ber Herschells „Geheimnis aller Geheimnisse.“ Viele WissenschaftlerInnen und Laien pr&#228;sentierten ihre Ansichten dar&#252;ber, wie das augenscheinliche Aussterben und Auftauchen neuer Arten erkl&#228;rt oder wegerkl&#228;rt werden konnte. W&#228;hrend sich die Erkl&#228;rungsmodelle unterschieden, fu&#223;ten sie doch alle auf einer gemeinsamen Ideologie: das Zwillingskonzept von Essentialismus und Teleologie.<br />
<em>Essentialismus</em> basiert auf dem ersten Gesetz der formalen Logik (Identit&#228;tssatz): ein Ding ist immer gleich seiner selbst, A ist immer A. Das ist eine n&#252;tzliche, ja oftmals notwendige Annahme, aber sie vernachl&#228;ssigt die tats&#228;chliche Ver&#228;nderung – dass &#252;ber die Zeit alle Dinge verfallen, sich umformen oder zusammenfallen, so dass A sich in etwas ver&#228;ndert, das nicht mehr A ist. In der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts nahmen EssentialistInnen an, dass die Definition oder Idee einer Spezies wichtiger, sogar realer ist, als der spezifische Organismus, den wir tats&#228;chlich untersuchen k&#246;nnen. Eine Spezies ist ein konstanter, unver&#228;nderlicher Typ – die in der Natur beobachteten Variationen sind zuf&#228;llig und verg&#228;nglich.<br />
Wie erw&#228;hnt glaubte William Whewell fest daran, dass „Spezies eine wahre Existenz in der Natur besitzen, und ein &#220;bergang von einer in die andere nicht existiert.“ Charles Lyell, ein f&#252;hrende Geologe seiner Zeit, widmete einige Kapitel seines wichtigsten Buchs <em>Principles of Geology</em> einer Kritik an Lamarcks Ideen des Artenwandels. Wie Stephan Jay Gould zeigt, basiert Lyells Argument nicht auf einer tats&#228;chlichen<br />
Untersuchung der Natur, sondern auf seiner essentialistischen Philosophie: „Lyells Gegenargument zu einem Modell der Evolution als unmerklichem &#220;bergang zwischen Arten basiert auf der Betrachtungsweise von Spezies als Entit&#228;ten, nicht Tendenzen; Dingen, nicht beliebigen Elementen eines flie&#223;enden &#220;bergangs. Arten tauchen zu bestimmten Zeiten in bestimmten Regionen auf. Sie sind, wenn man so will, Elemente mit einem spezifischen Ursprung, haben w&#228;hrend der gesamten Dauer ihrer Existenz einen unver&#228;nderlichen Charakter und schlie&#223;lich einen definierten Moment ihrer Ausl&#246;schung.“<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a><br />
Es ist offensichtlich, dass diejenigen, die Evolution ablehnten, essentialistische Ansichten hatten. Aber auch Modelle wie das von Chambers, in dem ein Organismus einer Art eine andere Art auf die Welt bringt, waren ebenso essentialistisch. In ihrer Sicht von Evolution ver&#228;nderten sich Arten nicht, sondern eine nat&#252;rliche Art wurde vollst&#228;ndig durch eine neue ersetzt.<br />
<em>Teleologie</em> ist der Glaube, dass alle Dinge f&#252;r ein bestimmtes Endergebnis gestaltet oder inh&#228;rent darauf ausgerichtet sind. V&#246;geln wurden Fl&#252;gel gegeben, damit sie fliegen k&#246;nnen, Giraffen hatten lange H&#228;lse, um hohe Bl&#228;tter erreichen zu k&#246;nnen und die Erde wurde als Ort erschaffen, an dem Menschen leben k&#246;nnen. Die Idee, dass die Erde und alle Lebewesen von Gott geplant wurden, um seine g&#246;ttlichen Ziele zu erreichen, war allgemein von den f&#252;hrenden Philosophen und Wissenschaftlern des 19. Jahrhunderts akzeptiert. Anerkannte Denker behaupteten, dass Kohlevorkommen in England niedergelegt wurden, um sp&#228;ter von der Industrie verwendet werden zu k&#246;nnen oder dass die Tatsache, dass der Lebenszyklus der meisten Pflanzen der Dauer einer Sonnenumkreisung gleicht, ganz offensichtlich auf einen g&#246;ttlichen Plan hinweist. Selbst Lamarck, der Gott nicht in seine Theorien integrierte, behauptete, dass es eine geheimnisvolle Kraft gab, die alle Organismen zu h&#246;herer Perfektion trieb, bis sie die Perfektion des Menschen erreichten.</p>
<p><strong>Nat&#252;rliche Selektion</strong><br />
In <em>&#220;ber die Entstehung der Arten</em> argumentierte Darwin, dass drei Faktoren bei der Entstehung neuer Arten zusammenwirken: Populationsdruck, Variation und Vererbung, und nat&#252;rliche Selektion.</p>
<p>Populationsdruck: Alle Organismen tendieren dazu, mehr Nachkommen zu zeugen als in der lokalen Umwelt &#252;berleben k&#246;nnen. Viele Individuen sind nicht in der Lage, zu &#252;berleben oder sich fortzupflanzen.<br />
Variation und Vererbung: Es gibt viele Variationen zwischen den Mitgliedern einer bestimmten Population: keine zwei Individuen sind exakt gleich. Die meisten dieser Variationen sind vererblich – d.h. sie werden an die Nachkommen der jeweiligen Individuen weitergegeben. W&#228;hrend viele dieser Variationen nicht entscheidend sind (z.B. Augenfarbe), werden manche die &#220;berlebens- und Reproduktionschancen eines Individuums erh&#246;hen oder vermindern.<br />
Nat&#252;rliche Selektion: Individuen mit vorteilhaften Merkmalsvariationen tendieren dazu, mehr Nachkommen als der Durchschnitt zu haben; diejenigen mit unvorteilhaften Variationen tendieren zu weniger Nachkommen. Im Ergebnis werden unvorteilhafte Variationen &#252;ber lange Zeitperioden dazu tendieren, sich zu verringern, w&#228;hrend vorteilhafte Variationen h&#228;ufiger werden.<br />
Diese Thesen implizieren eine vollkommen andere Erkl&#228;rung der langen Giraffenh&#228;lse. Im Gegensatz zu Lamarck ging Darwin davon aus, dass die Vorfahren von Giraffen unterschiedlich lange H&#228;lse hatten. Diejenigen mit l&#228;ngeren<br />
H&#228;lsen konnten mehr Bl&#228;tter erreichen als diejenigen mit k&#252;rzeren. Besser gen&#228;hrt wurden sie st&#228;rker, tendierten dazu, l&#228;nger zu leben und hatten mehr Nachkommen – &#252;ber die Zeit nahm die durchschnittliche Halsl&#228;nge in der gesamten Population zu. Anders als Lamarck und Chambers spekulierte Darwin nicht einfach. Seine „Theorie einer Abstammung mit Modifikationen durch Ab&#228;nderung und nat&#252;rliche Zuchtwahl“<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a> wurde in Jahren sorgf&#228;ltiger Studien und  Experimente entwickelt und verfeinert. In seinem Haus iml&#228;ndlichen Kent s&#252;dlich von London untersuchte er unterschiedlichste Arten von Tieren, z&#252;chtete Tauben und experimentierte mit Pflanzenkeimen und Samenverbreitung. Dar&#252;ber hinaus diskutierte er mit und lernte von Menschen mit Praxiswissen – Wildh&#252;tern, Taubenbesitzern, Schaf- und Viehz&#252;chtern, G&#228;rtnern und Zoow&#228;rtern.<br />
Diese materialistischen Methoden brachten ihn zu einer durchwegs materialistischen Theorie – zu einer Zeit, als Materialismus in respektablen Kreisen nicht einfach unbeliebt war, sondern als subversiv und politisch gef&#228;hrlich betrachtet wurde. Als er zwischen 1838 und 1848 erstmals seine Ideen ausarbeitete, wurde England von einer ungekannten Welle von Massenaktionen, politischen Protesten und Streiks erfasste. Radikale Ideen – <em>materialistische, atheistische Ideen</em> – wurden von vielen innerhalb der ArbeiterInnenklasse diskutiert und das Bevorstehen eines revolution&#228;ren Wandels wurde erwartet (oder gef&#252;rchtet). Darwin war selbst nie aktiv in Politik involviert. Er war aber aus der privilegierten, reichen Mittelklasse und diese Klasse war unter Beschuss. Wie John Bellamy Foster schreibt: „Darwin glaubte fest an die b&#252;rgerliche Ordnung. Seine Wissenschaft war revolution&#228;r, aber Darwin als Mensch war es nicht.“<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a><br />
Darwin wollte nicht mit den Radikalen identifiziert und m&#246;glicherweise von seinen wissenschaftlichen Kollegen ge&#228;chtet werden; deshalb schrieb er 1844 eine 270-seitige Darstellung seiner Theorie, f&#252;gte einen Brief hinzu in dem er seine Frau bat, sie zu ver&#246;ffentlichen, falls er sterben sollte, und erz&#228;hlte ansonsten niemandem davon. Zwischen 1844 und 1854 verfasste er statttdessen Reiseberichte, wissenschaftliche B&#252;cher &#252;ber Korallenriffs und Vulkaninseln und einen ausf&#252;hrlichen vierb&#228;ndigen Bericht &#252;ber Rankenfu&#223;krebse. Erst Mitte der 1850er, als seine wissenschaftliche Reputation gesichert war und die gesellschaftlichen Unruhen der 1840er vorbei zu sein schienen, widmete er sich wieder dem Thema, f&#252;r das er heute bekannt ist.<br />
Selbst zu diesem Zeitpunkt h&#228;tte er die Ver&#246;ffentlichung wahrscheinlich noch weiter verschoben, h&#228;tte ihm nicht ein junger Naturalist namens Alfred Russel Wallace ein Essay mit &#228;hnlichen Ideen wie den seinen geschickt. Auf Druck von Freunden legte Darwin das „gro&#223;e Buch &#252;ber die Arten“ zur Seite, an dem er arbeitete, und bereitete vor, was er ein Abstract nannte. <em>&#220;ber die Entstehung der Arten durch nat&#252;rliche Zuchtwahl oder Die Erhaltung der beg&#252;nstigten Rassen im Kampfe ums Dasein</em> erschien im November 1859.</p>
<p><strong>Gegen die Wissenschaften seiner Zeit</strong><br />
Darwin w&#228;lzte die fundamentalen Konzepte der Wissenschaften des 19.Jahrhunderts um. Er verwarf den Essentialismus: „Ich [halte] die Bezeichnung ‚Art’ f&#252;r willk&#252;rlich, gewisserma&#223;en aus Bequemlichkeit auf eine Reihe von Individualit&#228;ten angewendet, die einander sehr &#228;hnlich sind.“<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a><br />
Eine Art ist kein Ding und Ver&#228;nderung bedeutet nicht die Umwandlung oder den Austausch dieses Dings. Eine Art ist eine Population realer, konkreter Individuen. Variationen sind keine Ausnahmen oder Abweichungen von der Essenz einer Art – Variation ist die konkrete Realit&#228;t der Natur. „Die Wahrheit ist immer konkret“, w&#252;rde einE MarxistIn sagen. Arten sind nicht fixe, unver&#228;nderliche Dinge: sie haben eine reale Geschichte und k&#246;nnen nur richtig verstanden werden, wenn untersucht wird wie sie sich in der Zeit ver&#228;ndern.<br />
Und er &#252;berwand die Teleologie: „Weit davon entfernt zu glauben, dass Katzen existieren, um gut M&#228;use zu fangen,“ schreibt Darwin seinem Kollegen Thomas Huxley, „nimmt Darwinismus an, dass Katzen existieren, weil sie M&#228;use gut fangen k&#246;nnen – M&#228;usefangen ist nicht das Ziel, sondern die Bedingung ihrer Existenz.“<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a><br />
Lebendige Organismen haben sich ver&#228;ndert und ver&#228;ndern sich weiter als Ergebnis nat&#252;rlicher Prozesse, die kein Ziel und keinen Grund haben. Eine Giraffe ist in keinem Sinn „weiter entwickelt“ oder „perfekter“ als ihre kleineren Vorfahren – sie ist einfach besser an ihre Umgebung angepasst. Als Darwin 1882 starb, galt Evolution von den meisten WissenschaftlerInnen als akzeptiert – aber es dauert um vieles l&#228;nger bis der materialistischer Kern Darwins Arbeit anerkannt war: dass Variation und nat&#252;rliche Selektion die Prozesse sind, die Artenwandel antreiben. Selbst unter Darwins engsten Mitstreitern und Unterst&#252;tzern gab es viele, die sich an die essentialistische Idee klammerten, dass Arten durch pl&#246;tzliches Ersetzen entstehen, oder an die teleologische Idee, dass evolution&#228;re Prozesse geleitet oder vorherbestimmt sind durch Gott.</p>
<p><strong>Evolution und Marxismus</strong><br />
Darwin tat f&#252;r das Verst&#228;ndnis von Natur, was Marx und Engels f&#252;r menschliche Gesellschaften taten – er &#252;berwand Teleologie und Essentialismus und etablierte eine materialistische Grundlage f&#252;r ein Verst&#228;ndnis davon, wie Organismen sich &#252;ber die Zeit ver&#228;ndern. Genau das war gemeint, als Marx <em>&#220;ber die Entstehung der Arten</em> als „die Grundlage“ bezeichnete.<br />
Marx war 1844, w&#228;hrend Darwin im Geheimen seine erste vollst&#228;ndige Darstellung der nat&#252;rlichen Selektion schrieb, in Paris und entwickelte seine Kritik am zeitgen&#246;ssischen politischen und philosophischen Denken. Ein Jahr sp&#228;ter schrieben Marx und Engels <em>Die deutsche Ideologie</em>, den ersten ausgereiften Teil dessen was sp&#228;ter als historischer Materialismus bekannt wurde. Urspr&#252;nglich beinhaltete es folgende Passage:<br />
<em>Wir kennen nur eine einzige Wissenschaft, die Wissenschaft der Geschichte. Die Geschichte kann von zwei Seiten aus betrachtet, in die Geschichte der Natur und die Geschichte der Menschen aufgeteilt werden. Beide Seiten sind indes nicht zu trennen; solange Menschen existieren, bedingen sich Geschichte der Natur und Geschichte der Menschen gegenseitig.<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a></em><br />
Sie entschieden sich den Absatz aus der endg&#252;ltigen Version zu streichen, um kein Thema anzuschneiden, das sie aus Zeitgr&#252;nden weder sorgf&#228;ltig untersuchen noch ordentlich diskutieren konnten. Diese Passagen zeigen aber, warum Marx und Engels so begeistert von Darwins Arbeit waren. F&#252;nfzehn Jahre vor dem Erscheinen von <em>&#220;ber die Entstehung der Arten</em> waren sie zuversichtlich, dass Natur mit denselben nicht-teleologischen und nicht-essentialistischen, d. h. historischen, materialistischen Prinzipien erkl&#228;rt werden k&#246;nne, die ihrer eigenen Analyse menschlicher Gesellschaft zugrunde liegen. Indem es eine sorgf&#228;ltig recherchierte und aussagekr&#228;ftige Best&#228;tigung dieser Annahme lieferte, erg&#228;nzte Darwins Buch den historischen Materialismus. Dies war die materialistische Erkl&#228;rung des historischen Charakters der Natur, von deren Notwendigkeit sie &#252;berzeugt waren. Engels schreibt in Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, dass es: „in der Natur, in letzter Instanz, dialektisch und nicht metaphysisch hergeht,… sie sich nicht im ewigen Einerlei eines stets wiederholten Kreises bewegt, sondern eine wirkliche Geschichte durchmacht. Hier ist vor allen Darwin zu nennen, der der metaphysischen Naturauffassung den gewaltigsten Sto&#223; versetzt hat durch seinen Nachweis, da&#223; die ganze heutige organische Natur, Pflanzen und Tiere und damit auch der Mensch, das Produkt eines durch Millionen Jahre fortgesetzten Entwicklungsprozesses ist.“<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a></p>
<p><strong>Natur und Gesellschaft</strong><br />
Ein Schl&#252;sselelement von D.A. Stacks Behauptung, Engels versuche sich „im Lichte Darwins zu sonnen“, ohne sich dabei wirklich dem Darwinismus verpflichtet zu f&#252;hlen, war die Aussage, dass Engels keinen „sinnvollen oder erfolgreichen Versuch unternommen hatte, marxistische Politik und darwinistische Wissenschaft zu vereinen“<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a><br />
Wenn wir, wie Stack dies zu tun scheint, eine sehr enge Definition von Politik akzeptieren, dann ist diese Anschuldigung vollkommen richtig. Engels hat es nicht einfach nur nicht geschafft, ein marxistisches Programm auf der Grundlage Darwins Wissenschaft vorzuschlagen – er hat so ein Programm sogar ausdr&#252;cklich abgelehnt.<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a><br />
Eine solche Konzeption wurde z. B. vom englischen libert&#228;ren Philosophen Herbert Spencer vorgeschlagen. Er ging von der Idee aus, dass die Theorie der nat&#252;rlichen Selektion eine angemessene Grundlage f&#252;r das Verst&#228;ndnis und zur Regulierung menschlicher Gesellschaften sei und pr&#228;gte die Phrase „survival of the fittest“. Er argumentierte, dass nat&#252;rliche Selektion schlussendlich zu einer perfekten Gesellschaft f&#252;hren w&#252;rde, aber nur wenn sie frei walten und die „unfitten“ Individuen eliminieren k&#246;nne. Deshalb war er gegen &#246;ffentliche Bildung, verpflichtende Impfprogramme, &#246;ffentliche Bibliotheken, Gesetze zu Sicherheit am Arbeitsplatz und selbst gegen Spenden f&#252;r die „unw&#252;rdigen Armen.“<br />
Solche Ansichten, die sp&#228;ter „Sozialdarwinismus“ genannt wurden, wurden freudig von den VerteidigerInnen des reinen Kapitalismus aufgenommen. So formulierte John D. Rockefeller in einer Sonntagsschule in New York City: „Das Wachstum von gro&#223;en Unternehmen entspricht nur dem &#220;berleben des St&#228;rkeren… Die ‚American Beauty Rose’ kann ihre ganze Pracht und den Duft, der ihre Betrachter erfreut, nur dann hervorbringen, wenn die fr&#252;hen Knospen um sie herum geopfert werden. Das ist keine b&#246;se Absicht der Unternehmen. Das ist das Gesetz der Natur und das Gesetz Gottes.<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a><br />
Engels Kritik an Versuchen, biologische Gesetze auf Gesellschaften anzuwenden war vernichtend. In einem Brief an den Sozialisten Pyotr Lavrov von 1875,zeigte er, dass „b&#252;rgerliche Darwinisten“ – eine politische Str&#246;mung in Deutschland, die behaupteten Darwins Ansichten anzuwenden – zuerst das politische Konzept des „&#220;berleben des St&#228;rkeren“ auf die Natur anwandten und dann den Prozess einfach umdrehten: „Die ganze Darwinsche Lehre vom Kampf ums &#220;berleben ist einfach die &#220;bertragung der Hobbesschen Lehre vom bellum omnium contra omnes und der b&#252;rgerlich-&#246;konomischen Theorie der Konkurrenz, nebst der Malthusschen Bev&#246;lkerungstheorie in die belebte Natur. Hat man dieses Kunstst&#252;ck fertiggebracht…so r&#252;ck&#252;bertr&#228;gt man dieselbe Theorie aus der organischen Natur wieder in die Geschichte und behauptet nun, man habe ihre G&#252;ltigkeit nachgewiesen. Die Dummheit dieser Vorgehensweise ist offensichtlich und es brauchen keine Worte daf&#252;r verschwendet werden.“<br />
Diese politischen Darwinisten sind nach Engels erstens schlechte &#214;konomen und zweitens schlechte Naturwissenschafter und Philosophen.<br />
Marx und Engels hatten 1845 in der <em>Deutschen Ideologie</em> argumentiert, dass die F&#228;higkeit, die notwendigen Lebensmittel zu produzieren, Menschen von Tieren unterscheidet: „Man kann die Menschen durch das Bewusstsein, durch die Religion, durch was man sonst will, von den Tieren unterscheiden. Sie selbst fangen an, sich von den Tieren zu unterscheiden, sobald sie anfangen, ihre Lebensmittel zu produzieren, ein Schritt, der durch ihre k&#246;rperliche Organisation bedingt ist. Indem die Menschen ihre Lebensmittel produzieren, produzieren sie indirekt ihr materielles Leben selbst.“<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a><br />
Engels wiederholte und erweiterte dieses Argument in den sp&#228;ten 1870ern in seinem nicht vollendeten Werk <em>Dialektik der Natur</em>: „Akzeptieren wir die Phrase: Kampf ums Dasein, f&#252;r einen Moment, for argument’s sake |zwecks Analyse des Beweises|. Das Tier bringt’s h&#246;chstens zum Sammeln, der Mensch produziert, er stellt Lebensmittel im weitesten Sinn des Worts dar, die die Natur ohne ihn nicht produziert h&#228;tte. Damit jede &#220;bertragung von Lebensgesetzen der tierischen Gesellschaften so ohne weiteres auf menschliche unm&#246;glich gemacht.“<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a><br />
Engels best&#228;rkte ein grundlegendes Element der marxistischen Sicht der Natur – dass unterschiedliche Formen und Komplexit&#228;ten von Materie unterschiedlichen wissenschaftlichen Gesetzm&#228;&#223;igkeiten unterliegen. Die Gesetze, die die Bewegung von Atomen und Molek&#252;len steuern, sind nicht dieselben Gesetze, die die Bewegung von Billardkugeln leiten. Und die Bewegungen von Galaxien, wenn man neuesten Entdeckungen in Astrophysik Glauben schenkt (z.B. die hypothetische Existenz von schwarzer Materie und schwarzer Energie) folgen wiederum ganz anderen Gesetzen.<br />
Die Gesetze, denen anorganische Materie folgt, bestimmen auch lebende Materie – aber sie sind verst&#228;rkt und in vielerlei Hinsicht ersetzt durch biologische Gesetzm&#228;&#223;igkeiten, die nicht auf Newtonsche Physik reduziert oder davon deduziert werden k&#246;nnen. Menschen sind ebenso physische und biologische Objekte, Gegenstand derselben physikalischen und biologischen Gesetze wie andere Tiere, aber wir sind zugleich soziale Wesen, die ihre eigenen Existenzmittel produzieren. Unsere Leben und unsere Geschichte kann also nicht hinreichend durch Physik und Biologie erkl&#228;rt werden.<br />
Wie Engels schrieb: „Schon die Auffassung der Geschichte als einer Reihe von Klassenk&#228;mpfen [ist] viel inhaltsvoller und tiefer als die blo&#223;e Reduktion auf schwach verschiedne Phasen ums Dasein.“<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a></p>
<p><strong>Darwins Errungenschaften</strong><br />
Die Durchsetzung des Materialismus in den Wissenschaften ist eine der gr&#246;&#223;ten Errungenschaften der Menschheit. Allein aus diesem Grund – seinem Z&#246;gern, seinen Aufsch&#252;ben und seinen bourgeoisen Vorurteilen zum Trotz – verdient es Charles Darwin von jedem/jeder, der/die das Ende von Aberglaube und Ignoranz in allen Aspekten des Lebens bef&#252;rwortet, in Erinnerung zu bleiben und geachtet zu werden. Darwin war kein politischer Radikaler: abgesehen von seiner lebenslangen Ablehnung der Sklaverei und seinem Engagement in den politischen Angelegenheiten seiner kleinen Heimatstadt, scheint er wenig Interesse an politischer Aktivit&#228;t oder Theorie gehabt zu haben. Trotzdem hat er, wie der Evolutionsbiologe Ernst Mayr schrieb, „in seinen wissenschaftlichen Arbeiten St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck die grundlegenden philosophischen Konzepte seiner Zeit zerst&#246;rt und durch revolution&#228;r neue Konzepte ersetzt.“<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a><br />
Dadurch hat Darwin unbeabsichtigt zur Entwicklung der revolution&#228;rsten sozialen Theorien beigetragen und sie gest&#228;rkt: die Ideen, die heute als Marxismus bekannt sind. Es ist offensichtlich m&#246;glich, wie Paul Heyer bemerkt, ein Darwinist in der Biologie zu sein und den Marxismus abzulehnen. Es ist aber umgekehrt nicht m&#246;glich ein konsistenter Marxist zu sein und Darwins Theorie abzulehnen. Der Grund ist klar. Zentral f&#252;r Marx’ Ansichten war die Annahme, dass Natur und Geschichte zusammen eine Totalit&#228;t bilden. Da der Mensch Teil der Natur und weiterhin auf sie angewiesen ist und sie umwandelt, ist Geschichte als Wissenschaft unvollst&#228;ndig, bis diese Grundlage vollst&#228;ndig verstanden ist. Niemand hat so viel zu diesem Verst&#228;ndnis beigetragen wie Darwin.<br />
Die Idee, dass die Natur eine Geschichte besitzt, dass Arten auf Grund nat&#252;rlicher Prozesse auftauchen, sich ver&#228;ndern und wieder verschwinden ist genauso revolution&#228;r und wichtig f&#252;r sozialistisches Denken, wie die Ansicht, dass Kapitalismus nicht in alle Ewigkeit besteht, sondern zu einer bestimmten Zeit auftauchte und eines Tages wieder verschwinden wird.</p>
<p><em>Ian Angus</em> ist Betreiber des Internet-Blogs <em>Climate and Capitalism</em> und Gr&#252;ndungsmitglied des <em>Ecosocialist International Network</em>. Teile dieses Artikels wurden zuvor in <em>Socialist Voice</em> und <em>Socialist Resistance</em> ver&#246;ffentlicht. Der ganze Artikel ist im englischen Original in <em>International Socialist Review</em> 65, May-June 2009 erschienen.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> MEW 29, S. 524<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> MEW 30, S. 131<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> MEW 30, S. 578.<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Liebknecht, Wilhelm: Reminiscences of Marx, in: Marx and Engels through the eyes of their contemporaries, Moskau 1978, S.106<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Mit einer Ausnahme: 1866 schrieb Marx an Engels, dass ein Buch von Pierre Tremaux &#252;ber Evolution einen „entscheidenden Vorteil gegen&#252;ber Darwin“ besitze. Engels, der wissenschaftliche Entwicklungen genauer verfolgte, antwortete, dass Tremauxs Buch „absolut wertlos“ sei und Schlussfolgerungen zog, die „vollkommen falsch oder unglaublich einseitig und &#252;bertrieben waren.“ Marx lie&#223; das Thema fallen.<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> MEW 23, S. 361<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> Foster, John Bellamy: Marx’s ecology, New York 2000, S. 207. Darwin antwortete mit einer h&#246;flichen Dankeskarte, las das Buch aber nicht.<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> MEW 19, S. 335<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> Megill, Allan: Karl Marx: The Burden of Reason. Lanham MD 2002, S. 54<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> Beck, Naomi: The Origin and Political Thought; in: Ruse, Michael und Richards, Robert J. (Hg.): The Cambridge Companion to the Origin of Species. Cambridge 2000, S. 313, 310<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Stack, D. A.: The First Darwinian Left: Radical and Socialist Responses to Darwin, 1859–1914, In: History of Political Thought 21:4 (2000), S. 683–4. Stack wiederholt die meisten seiner Kommentare Wort f&#252;r Wort in: ders.: The First Darwinian Left: Socialism and Darwinism, 1859–1914. Cheltenham 2003, S. 4<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> Die starren Klassenhierarchien auf Marineschiffen bedeutete, dass der Kapit&#228;n nicht mit anderen Offizieren oder der Crew verkehren konnte. Die Marine erlaubte es aber angemessene Passagiere auf eigene Kosten mitzunehmen. Vgl. Gould, Stephan J.: Ever since Darwin, New York 1992, S. 28-33<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> Darwin, Charles: Geschichtlicher &#220;berblick &#252;ber die Entwicklung der Ansichten von der Entstehung der Arten, in: Die Entstehung der Arten durch nat&#252;rliche Zuchtwahl, Hamburg 2004, S. 11<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> Whewell, William: History of the Inductive Sciences, Vol. 2, London 1837, S. 563–65<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> Ebd.<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> Herschells Brief an Charles Lyell wurde 1837 ver&#246;ffentlicht in: Babbage, Charles: The Ninth Bridgewater Treatise, London 1838, S. 225–36. Darwin zitiert ihn im ersten Abschnitt von On the Origin of Species.<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> Darwin, Charles: Autobiography. http://www.stephenjaygould.org/library/darwin_autobiography.html.<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> Desmond, Adrian: The Politics of Evolution: Morphology, Medicine and Reform in Radical London, Chicago 1989, S. 4<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Chambers, Robert: Vestiges of the Natural History of Creation and Other Evolutionary Writings, Chicago 1994 [1844], S. 234<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Secord, James A.: Victorian Sensation: The Extraordinary Publication, Reception, and Secret Authorship of Vestiges of the Natural History of Creation,<br />
Chicago 2000, S. 526.<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Gould, Stephen Jay: Time’s Arrow, Time’s Cycle: Myth and Metaphor in the Discovery of Geological Time, Cambridge 1987, S. 146–47<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> Darwin, a.a.O. S. 638. Darwin verwendete das Wort „Evolution“ an keiner Stelle in Die Entstehung. Zu diesem Zeitpunkt implizierte das Wort die Entwicklung von Eigenschaften, die bereits im Organismus pr&#228;sent waren – die Evolution eines Embryos zum Beispiel. Das Konzept war Darwins Theorie fremd.<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> Foster, a.a.O, S. 179<br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> Darwin, a.a.O., S. 89<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Huxley, Thomas: Criticisms of On the Origin Of Species (1864), in: ders.: Lay Sermons, Addresses and Reviews, London 1888, S. 303<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> MEW 3, S. 18<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> MEW 19, S. 205<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> Stack, a.a.O., S. 684<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> Stack diskutiert das in seinem Essay. Eine Tatsache, die seine zynischen Bemerkungen bez&#252;glich Engels Worten am Grab von Marx schwer verst&#228;ndlich<br />
machen.<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> Zit. in: Hofstadter, Richard: Social Darwinism in American Thought, Boston 1993 (1944), S. 45.<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> MEW 3, S. 21<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> MEW 20, 565<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> Ebd., S. 566<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> Mayr, Ernst: One Long Argument: Charles Darwin and the Genesis of Modern Evolutionary Thought, Cambridge, MA 1991, S. 50</p>
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