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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Black Power</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Reggae: Roots of Resistance</title>
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		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2007/09/29/reggae-roots-of-resistance/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 Sep 2007 05:42:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 1]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Black Power]]></category>
		<category><![CDATA[Homophobie]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Soziale Kämpfe]]></category>

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		<description><![CDATA[Reggae ist heute ein fixer Bestandteil jugendlicher Subkultur und au&#223;erdem identit&#228;tsstiftendes Moment der „black community“. <em>Philipp Probst</em> beschreibt die historische Entwicklung des Reggae im Spannungsfeld von Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung, „love and peace“ und homophoben und sexistischen Tendenzen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Reggae ist heute ein fixer Bestandteil jugendlicher Subkultur und au&#223;erdem identit&#228;tsstiftendes Moment der „black community“. <em>Philipp Probst</em> beschreibt die historische Entwicklung des Reggae im Spannungsfeld von Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung, „love and peace“ und homophoben und sexistischen Tendenzen.<br />
<span id="more-90"></span><br />
Die Geschichte des Reggae ist stark mit der Geschichte Jamaikas verbunden, einer Geschichte von Sklaverei und Kolonialherrschaft, von Rassismus und Unterdr&#252;ckung, von wirtschaftlicher Abh&#228;ngigkeit und Ausbeutung. Reggae ist das Produkt „der Erfahrungen von AfrikanerInnen in der Karibik… Der Geist und Inhalt des Jazz und Blues in Afro-amerika, und des Reggae in<span>  </span>Jamaika zeigen dieselbe Botschaft – eine Reaktion auf die Unterdr&#252;ckung und Ausbeutung in der Neuen Welt“.<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a></p>
<h3>„Do you remember the days of slavery“</h3>
<p>„I would rather die pon your gallows than live in slavery“ Sam Sharpe 1832</p>
<p>&#220;ber 15 Millionen AfrikanerInnen wurden w&#228;hrend der Sklaverei von Afrika in die „neue Welt“ verschleppt, w&#228;hrend zus&#228;tzlich noch mal dieselbe Zahl bei der SklavInnenjagd und der &#220;berfahrt gestorben sein d&#252;rften. Etwa eine Million SklavInnen wurden nach Jamaika deportiert, von denen am Ende der Sklaverei nur ca. 323.000 &#252;berlebt hatten. F&#252;r Europa legte der Handel mit SklavInnen als billigen Arbeitskr&#228;ften den Grundstock f&#252;r die Entwicklung des aufstrebenden Kapitalismus.<br />
Die Erinnerung an die Erfahrungen der Sklaverei brachten Bob Marley und die Wailers in dem Song „Catch a fire“ zum Ausdruck:</p>
<p class="MsoNormal"><o :p> </o></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">“Slave driver, the table is turning,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">catch a fire so you can get burn…<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Everytime I hear the crack of the whip<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">My blood runs cold,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">I remember on the slave ship<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">How they brutalised my very soul.<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">They say that we are free<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">The only thing that change is poverty”<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a><o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal">Um den Widerstand der Versklavten zu brechen, die Erinnerungen an das freie Leben in Afrika auszul&#246;schen, setzten die Plantagenbesitzer und die herrschende Klasse jedes Mittel ein. Gleich bei der &#220;berfahrt wurden die SklavInnen, die aus verschiedenen Teilen Afrikas kamen, so aufgeteilt, dass auf Grund von Sprachbarrieren schwer Kommunikation zustande kommen konnte und erschwerte somit einheitliche Aufst&#228;nde der SklavInnen. Afrikanische Riten wurden weitgehend verboten und das „drum-law“ verhinderte, dass sich jamaikanischen SklavInnen versammelten und trommelten.<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a> Doch die versklavten AfrikanerInnen fanden kreative Wege des Widerstands. Von Sabotageakten, „langsamen Arbeiten“ bis zum Vergiften des SklavInnenhalters durch den versklavten Koch reichten die Widerstandsformen. Durch das Nach&#228;ffen der wei&#223;en Herrscher konnte gemeinsam Frust und Aggression abgebaut werden. Sowohl Unzufriedenheit mit der derzeitigen Situation als auch Erfahrungen von Aufst&#228;nden flossen in Gesang, Tanz, Musik, Spottgedichten und Geschichten ein. Der kulturelle Widerstand, der sich in langsamer Art und Weise entwickelte, st&#228;rkte die Solidarit&#228;t untereinander und den Willen zur Rebellion &#8211; und explodierte in SklavInnenaufst&#228;nden. Es kam in der Zeit der Sklaverei zu mehr als vier hundert Aufst&#228;nden, und zu gr&#246;&#223;eren Zusammenst&#246;&#223;en 1729-31, 1760, 1831. Zwei der wichtigsten Widerstandsk&#228;mpfe, deren Erinnerung und Erfahrungen sich heute noch in Reggaetexten wiederfinden, waren die Aufst&#228;nde der Maroons und der Aufstand 1865 unter Paul Bogle.</p>
<p>Die Maroons waren eine Gruppe von SklavInnen, die von den Spaniern zur&#252;ckgelassen wurden, nachdem Jamaika von den Briten 1655 erobert wurde. Sie warteten nicht auf die neuen Eroberer, sondern zogen sich in die jamaikanischen H&#252;gel zur&#252;ck und gr&#252;ndeten freie Gemeinschaften. Da die Maroons entflohene SklavInnen in ihre Gemeinschaft aufnahmen, kamen sie mit der britischen Kolonialherrschaft in Konflikt. Jahrelang wurde brutal gegen die Maroons vorgegangen, doch spezialisiert auf Guerillataktiken leisteten die Maroons Widerstand. In der Nacht attackierten die sie die Plantagen, um Nahrung und anderes zu erhalten, w&#228;hrend sie sich am Tag zur&#252;ckzogen. Die Lebensweise der Maroons war gepr&#228;gt von Arbeitsteilung und gemeinschaftlichem Zusammenleben. Gr&#246;&#223;ere SklavInnenaufst&#228;nde 1673 und 1685 lie&#223; die Zahl der Maroons weiter anwachsen. 1731 begann der erste „Maroon Krieg“. Die britische Armee konnte die Maroonk&#228;mpferInnen nicht besiegen und musste einen Friedensvertrag abschlie&#223;en. Den Maroons wurden einige Zugest&#228;ndnisse gemacht, z.B. bekamen sie f&#252;nf gr&#246;&#223;ere St&#228;dte, jedoch war es der letzte Punkt des Vertrags, der den Widerstand der Maroons in Folge schw&#228;chen w&#252;rde. Sie mussten sich bereit erkl&#228;ren, keine weiteren entflohenen SklavInnen mehr aufzunehmen. Damit verloren sie die Unterst&#252;tzung der schwarzen Bev&#246;lkerung und konnten fast<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a> g&#228;nzlich zur&#252;ckgedr&#228;ngt werden. Trotzdem wurden sie wegen ihrer Lebensweise und ihrem Kampf gegen die Kolonialherren zum Vorbild f&#252;r die Rastafari, die sp&#228;ter eine wichtige Kraft in Jamaika und f&#252;r die Entwicklung des Reggae werden sollten.</p>
<p>Im Jahre 1834 wurde die Sklaverei nach einem gro&#223;en SklavInnenaufstand 1831 offiziell abgeschafft. Doch die SklavInnen wurden nur formal frei. Den ehemaligen Sklavenhaltern und Plantagenbesitzern wurde von der britischen Kolonialmacht 20 Millionen an Entsch&#228;digung gezahlt, w&#228;hrend den ehemaligen SklavInnen jeder Landbesitz verwehrt wurde und sie vier weitere Jahre f&#252;r ihre ehemaligen Herren arbeiten mussten. Ohne Land und Job konnten sie sich nur entscheiden zu verhungern oder weiter f&#252;r die ehemaligen Besitzer zu arbeiten. Das bedeutete einen direkten &#220;bergang von Sklavenarbeit zu Lohnarbeit. 1860 war die Situation der schwarzen Bev&#246;lkerungsschicht kaum besser als zu Zeiten der Sklaverei. Sie trugen die Hauptlast der Steuern, waren durch hohe Entgelte praktisch von Wahlen ausgeschlossen, die L&#246;hne wurden gek&#252;rzt, es gab Hunger und Krankheit.<br />
Diese desolaten Zust&#228;nde f&#252;hrten 1865 zur Morant Bay Rebellion unter Paul Bogle. Bogle war baptistischer Priester und Anf&#252;hrer der freien Dorfgemeinschaft Stony Gut, deren Land von der baptistischen Kirche gekauft und den freien SklavInnen zur Verf&#252;gung gestellt wurde.<br />
Nach einem kleinen Aufstand sollten die Anf&#252;hrer festgenommen werden. Doch die BewohnerInnen von Stony Gut waren vorbereitet und verjagten die Polizei. Das Gerichtsgeb&#228;ude, das Symbol der Unterdr&#252;ckung, wurde zerst&#246;rt. Tausende schlossen sich Bogle an und zogen durch die umliegenden D&#246;rfer, begleitet von Trommeln und dem Slogan „Cleave to black“. Drei Tage war ein Gebiet von etwa 30 Meilen rund um Morant Bay unter Kontrolle der schwarzen Bev&#246;lkerung, bevor die britische Armee mit &#228;u&#223;erster Brutalit&#228;t gegen die Aufst&#228;ndischen und alle, die mit ihnen sympathisierten, vorging. Bogles Kampf, die Morant Bay Rebellion und der Leitspruch „Cleave to black“ legten den Grundstein f&#252;r die Entwicklung des „Black Nationalism“ in der jamaikanischen Gesellschaft.</p>
<h3>Marcus Garvey – „Africa for the Africans at home and abroad”</h3>
<p>Obwohl die Sklaverei abgeschafft war, existierte sie f&#252;r viele in einer „kultivierteren“ Form weiter. So forderte Bob Marley in seinem Redemption Song: <o :p></o></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB"><o :p> </o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">„Emancipate yourselves from mental slavery<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">None but ourselves can free our minds&#8230;”<sup>5</sup><o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB"><o :p> </o></span></p>
<p>Die Welt wurde bombardiert mit Bildern der wei&#223;en &#220;berlegenheit. Pseudowissenschaftliche und biblische Rechtfertigungen sowie Filme wie Tarzan, der Tiere und Schwarze gleicherma&#223;en z&#228;hmte, zeigten das Bild des „kultivierten“ Wei&#223;en gegen&#252;ber der/dem „zu kultivierenden“ Schwarzen. Die Ideen des Rassismus, die sich w&#228;hrend der Sklaverei gebildet hatten, wurden von den Kolonialm&#228;chten weltweit als Rechtfertigung f&#252;r ihre Herrschaft eingesetzt.<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a> Schwarzen wurden Grundrechte wie Versammlungsrecht, Wahlrecht, Recht auf Gewerkschaftsorganisierung verweigert. Das Bewusstsein der schwarzen Bev&#246;lkerung, der ArbeiterInnen, kleinen B&#228;uerInnen und Arbeitslosen, war gepr&#228;gt von rassistischer Unterdr&#252;ckung und der &#246;konomischen Ausbeutung. Dadurch wurde die Suche nach einer Identit&#228;t in der afrikanischen Vergangenheit gen&#228;hrt. Es ist vor diesem Hintergrund der generellen Verunglimpfung von schwarzer Kultur und Verweigerung von B&#252;rgerInnenrechten, dass Ideen des Pan-Afrikanismus an Bedeutung gewannen. Die „United Negro Improvement Association“ unter der F&#252;hrung von Marcus Garvey wurde zur gr&#246;&#223;ten pan-afrikanischen Organisation und hatte gro&#223;en Einfluss auf den „Black Nationalism“ in den US, auf Malcolm X und die Black Panthers. Garvey predigte schwarzes Selbstbewusstsein und Identifikation mit der afrikanischen Heimat. Nach Ansicht Garveys sollten alle Schwarzen die L&#228;nder des westlichen Systems, das er in Anlehnung an die Bibel Babylon nannte, verlassen und in das gelobte Land Zion zur&#252;ckkehren. Ziel Garveys war die Repatriation, die Zur&#252;ckf&#252;hrung aller Schwarzen in die Heimat Afrika, aus der sie, so wie die biblischen Israeliten, verschleppt wurden, genauer gesagt in das einzige nie kolonialisierte Land Afrikas, &#196;thiopien. </p>
<h3>Rastafari</h3>
<p>Aus den verschiedenen Einfl&#252;ssen, der Erinnerung an den Widerstand und die kommunale Lebensweise der Maroons, dem sich verbreitenden Panafrikanismus von Garvey und dem Glauben an &#196;thiopien als dem gelobten Land entwickelten sich die Rastafari. Als 1930 in &#196;thiopien Ras Tafari zum K&#246;nig Haile Selassie I gekr&#246;nt wurde, sahen viele darin die Erf&#252;llung der Prophezeiung, dass in Afrika der K&#246;nig der K&#246;nige (Ras of Ras) gekr&#246;nt werden w&#252;rde. In der l&#228;ndlichen Bev&#246;lkerung f&#252;hrte die Kr&#246;nung eines afrikanischen K&#246;nigs, der sich auf die Bibel berufen konnte und ein direkter Nachfahre von K&#246;nig Salomon sei, zu einem neuen Glauben, der den wei&#223;en K&#246;nig und den wei&#223;en Gott mit einem schwarzen K&#246;nig und Gott ersetzte. Die eigentlich religi&#246;se Bewegung wurde mit dem Angriff des faschistischen Italien auf &#196;thiopien 1936 politisiert. Der antifaschistische Widerstandskampf des &#228;thiopischen Volks wurde zur Inspiration f&#252;r Schwarze weltweit. Vor allem die unter der kolonialen Herrschaft leidenden Schwarzen der Karibik und Jamaikas identifizierten sich mit dem antikolonialen Kampf. Der Mythos des Haile Selassie als schwarzem Gott und die spirituellen, politischen, und kulturellen Verbindungen zwischen Afrika und den jamaikanischen ArbeiterInnen wurden gest&#228;rkt.</p>
<p>Die Ideologie der Rastafari war immer verwoben mit einer Kritik an der sozialen Ordnung und deshalb sind auch die Symbole der Rastafari eng mit Symbolen des Widerstands verkn&#252;pft. Die Symbole der Flagge (Rot f&#252;r das Blutvergie&#223;en der Sufferers seit den Tagen der Sklaverei, Gold f&#252;r den Reichtum der den Sufferers gestohlen wurde und gr&#252;n f&#252;r das gelobte Land in Afrika), der L&#246;we, die Trommel, die Dreadlocks, und die eigene Sprache reflektieren eine Art von Widerstand. So entstanden die Dreadlocks als sich die Rastas mit den K&#228;mpferInnen der Land and Freedom Army (Mau Mau) in Kenia<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> identifizierten, die ihre Haare nat&#252;rlich wachsen lie&#223;en und sie in „locks“ trugen.</p>
<p>Der bewaffnete Widerstand des &#228;thiopischen Volks st&#228;rkte den Willen der Schwarzen in der Karibik, sich gegen den Kolonialismus aufzulehnen und f&#252;hrte zu gewaltsamen Aufst&#228;nden in der ganzen Region, 1935 in St.Vincent und Guayana, sp&#228;ter in Trinidad und Antigua und schlie&#223;lich 1938 in Jamaika. An der Situation von Schwarzen in Jamaika hatte sich nach der formalen Abschaffung der Sklaverei nicht viel ge&#228;ndert, so wurde der Masse der Menschen hundert Jahre sp&#228;ter noch immer derselbe Lohn, ein Shilling pro Tag, f&#252;rs Zuckerrohr schneiden bezahlt. Die verarmten Menschen, die „sufferers“, nahmen diese Ausbeutung nicht mehr l&#228;nger hin. 1938 kam es zu Massenstreiks. Hafenarbeiter und Arbeitslose solidarisierten sich und &#252;bernahmen f&#252;r eine kurze Zeit die Stadt Kingston. Die Aufst&#228;nde ebbten erst ab, als es zu Verbesserungen bei den L&#246;hnen und Legalisierung der Gewerkschaften kam.</p>
<p>Die Konzentration auf die Losung „Zur&#252;ck nach Afrika“ hinderte die Rastafari daran, eine zentrale Rolle in den lokalen Aufst&#228;nden einzunehmen. Obwohl ihre Ideen unter den „sufferers“ Zustimmung erhielten, blieben sie zun&#228;chst ein kleiner religi&#246;ser Kult. Rastafari war durch ihren Widerstand gegen Ausbeutung Schwarzer eine Inspiration, doch die religi&#246;sen Aspekte der Rastafari, die Mystifizierung Haile Selassie und die Hoffnung auf Erl&#246;sung in &#196;thiopien unter einem schwarzen K&#246;nig und die Verlagerung des Kampfs um Befreiung nach Afrika schnitt sie von den in Jamaika k&#228;mpfenden „sufferers“ ab. Erst die gr&#246;&#223;ten Vertreibungen in Jamaika seit der Sklaverei f&#252;hrten dazu, dass die Rastafari in den F&#252;nfzigern regen Zulauf hatten und an Einfluss gewannen. Zwischen 1942 und 1970 wurden 560.000 l&#228;ndliche Menschen von Bauxitfirmen von ihrem Land vertrieben und flohen in die St&#228;dte, wo sie in Barackenst&#228;dten, den Shantytowns, vergeblich nach Jobs suchten. Die Vertreibungen lie&#223;en den Ruf nach R&#252;ckkehr in die Heimat Afrika lauter werden und gaben dem Garveyismus und den Rastafari Aufschwung. Diese nutzten das Medium des Rasta Songs, des Reggae, um ihre Botschaft zu verbreiten und pr&#228;gten damit die musikalische und kulturelle Landschaft Jamaikas.</p>
<h3>Sound of Resistance – „Do the Reggay“</h3>
<p>Die Entwicklung der jamaikanischen Musik – des Reggae wie auch seiner Vorg&#228;nger Ska und Rocksteady &#8211; war immer stark von den sozio&#246;konomischen Rahmenbedingungen beeinflusst. </p>
<p>Der jamaikanische Ska entstand in den Shantytowns. Die Hoffnung der jamaikanischen verarmten Bev&#246;lkerung, dass die politische Unabh&#228;ngigkeit, die Jamaika 1962 erlangte, einen radikalen Wechsel bringen w&#252;rde, spiegelte sich in dem tanzbaren Upbeat-Rhythmus des Ska wider. Weil die verarmte Bev&#246;lkerung sich keine Platten oder Plattenspieler leisten konnte, und die Radiostationen nur wei&#223;en Rock ‘n’ Roll von Elvis Presley u.a. spielten, bildeten sich die Sound Systems. DJs bauten Anlagen auf den Stra&#223;en auf und begannen jamaikanische Musik zu spielen. Die Soundsystems wurden zu Stra&#223;enfesten der ArbeiterInnenklasse und armen Bev&#246;lkerungsschicht und f&#252;llten die Stra&#223;en Jamaikas mit Tanz und Musik. Rico Rodriguez, einer der besten Posaunisten des fr&#252;hen Ska: „People who don’t suffer like us can’t perform that sound – it’s a sufferers sound; it’s a ghetto sound we play out of the instruments, real suffering ghetto sound. It is happy, yes, for it’s relief!”<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a> Das Toasting, der rhythmische Sprechgesang &#252;ber Musik, wurde zur Ausdrucksform vieler Jugendlichen und beeinflusste die sp&#228;tere Rapszene in den USA.<o :p></o></p>
<p>Doch die Euphorie &#252;ber die Unabg&#228;ngigkeit hielt nicht lang. Massenarbeitslosigkeit und Armut pr&#228;gten das Leben in den Shantytowns und die Unabh&#228;ngigkeit brachte nicht die erhofften Verbesserungen. US und kanadische Unternehmen hatten die schw&#228;cheren britischen ersetzt und beuteten die gro&#223;en Bauxitressourcen des Landes aus. Der Ganja und Waffenhandel wuchs und die Shantytowns wurden mit wachsender Polizeibrutalit&#228;t, Korruption und den um den Ganjahandel k&#228;mpfenden Gangs konfrontiert. Die wachsende Polizeigewalt wird in Linton Kwesi Johnson’s „Sonny’s Lettah“ beschrieben:<br />
:”&#8230; out jump tree policemen/ de whole a dem carryin baton/ dem walk straight up to me and Jim/ one adem hold on to Jim/ &#8230; Jim tell him fi leggo a him/ for him nah do nottin/ &#8230; Dem thump him in him belly and it turn to jelly&#8230;”<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a><o :p></o></p>
<p>In diesem Milieu entwickelte sich die Subkultur der Rude Boys. Die arbeitslosen Jugendlichen suchten auf der Stra&#223;e nach Selbst- und Anerkennung und sahen in Gangs und Kriminalit&#228;t den einzigen Ausweg. Desmond Dekker beschrieb in seinen Hits „007 (Shantytown)“ und „Israelites“ die Lebensumst&#228;nde der Rude Boys in den Baracken.<br />
„Them a loot, them a shoot, them a wail, at shantytown, the rude boy deh poh probation, Then rude boy a bomb up the town“ (007 Shantytown)<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a><o :p></o><br />
und<br />
„Get up in the morning, slaving for bread, sir, so that every mouth can be fed. Poor me the Israelites” (Israelites)<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a></p>
<p>Die Musik wurde langsamer, die Texte politischer und verarbeiteten die Erfahrungen der Rude Boys. Der Rocksteady war geboren. Das Leben in den Shantytowns pr&#228;gte immer mehr Individualismus und Konkurrenzdenken. Die Wailers machte in ihrem Song „Man to Man“ darauf aufmerksam:</p>
<p>“Man to trust is so unjust,<o :p></o></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">You don’t know who to trust<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Your worse enemy may be your best friend,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Your best friend may be your worse enemy,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Some will sit and drink with you<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Then behind dem soo soo pon you<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Only your best friend know your secret<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">And only he can reveal it<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Who the cap fits, let him wear it”<a href="#anm1" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a><o :p></o></span></p>
<p>Das Erstarken der Rastafari in dieser Zeit h&#228;ngt stark mit der wirtschaftlichen Situation Jamaikas zusammen. Die neokolonialistischen Strukturen f&#252;hrten dazu, dass der Gro&#223;teil des Reichtums ins Ausland floss, die Bauxitindustrie in die Krise schlitterte und die Arbeitslosenrate 1972 auf 23 Prozent anstieg. Die arbeitslosen Jugendlichen konnten sich immer mehr mit den Rastas identifizieren, die aus dem Konkurrenzkampf und dem Individualismus ausbrechen wollten, die die ganze kapitalistische Gesellschaft durchzogen.<br />
Der wachsende Einfluss der Rastafari machte sich in der Musik bemerkbar. Die Musik wurde nochmals verlangsamt und mehr Wert auf die Texte und die Basslinie gelegt. So wie Chuck D (Public Enemy) Hip-Hop als “ghetto CNN” bezeichnete, wurde Reggae zu der Informationsquelle der Menschen aus den Shantytowns: „If you listen to Reggae music, you don’t need to buy the paper. Reggae music tells you everything wha’ happen in Jamaica” (Roy Cousins). Polizeigewalt, Hunger, Kritik an lokalen Regierung, Erinnerungen an die Sklavenzeit, wurden &#252;ber den Reggae angesprochen. Ein Hauptthema blieb der Angriff auf das westliche System, auf Babylon:</p>
<p class="MsoNormal"><o :p> </o></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">“</span><st1 :city></st1><st1 :place><span lang="EN-GB">Babylon</span></st1><span lang="EN-GB"> system is the vampire<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Suckin’ the children day by day<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Me say: de Babylon system is the vampire, falling empire,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Suckin’ the blood of the sufferers<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Building church and university<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Deceiving the people continually<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Me say them graduatin’ thieves and murderers;<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Look out now: they suckin’ the blood of the sufferers”<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a><o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal">(Bob Marley &#8211; Babylon system)<o :p></o></p>
<p>Die Black Power und B&#252;rgerInnenrechtsbewegung der 60er, das Aufkommen der antikapitalistischen 68er-Bewegung, die kubanische Revolution und die Antivietnamkriegsbewegung beeinflussten den Reggae und umgekehrt. Reggaek&#252;nstlerInnen wie Bob Marley und die Wailers lie&#223;en vermehrt Themen aus aktuellen K&#228;mpfen in Afrika in ihre Texte einflie&#223;en und nutzten Reggae als Mittel zur Motivation und Inspiration f&#252;r AktivistInnen weltweit. W&#228;hrend der Unabh&#228;ngigkeitsfeier in Simbabwe gab Bob Marley ein Konzert f&#252;r Zehntausende, die seinen Ruf nach Freiheit aufnahmen. „So Africa unite unite unite. You’re so right let’s do it” Bob Marley’s Unterst&#252;tzung f&#252;r die afrikanischen Befreiungsbewegungen wurde auch in seinem Lied „War“, dessen Worte aus einer Rede Haile Selassies stammen, deutlich: “Until the philosophy which hold one race superior and another inferior is finally and permanently discredited and abandoned; Until there are no longer first class and second class citizens of any nation;(…); And until the ignoble and unhappy regimes that hold our brothers in Angola, in Mozambique, and in South Africa in sub-human bondage have been toppled and destroyed; Everywhere is war, me say war”<br />
Auch au&#223;erhalb Afrikas wurde Reggae zur Musik des Widerstands. Chinesische StudentInnen sangen „Get Up Stand Up“ von den Wailers w&#228;hrend den Tienanmen Square Demonstrationen 1989. Jimmy Cliff’s „Vietnam“ war ein eindringlicher Protest gegen den Vietnamkrieg und verband Reggae mit der antiimperialistischen Bewegung. In Gro&#223;britannien wurde Ska von jugendlichen wei&#223;en ArbeiterInnen aufgenommen. Schwarze ArbeiterInnen in Europa, die selbst st&#228;ndig die Erfahrung von Rassismus, Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung machten, identifizierten sich mit Reggaetexten. </p>
<h3>„I don’t wanna be involved in politricks“</h3>
<p>Doch nachdem die Black Power Bewegung in den USA zu Ende gegangen war, die Hoffnungen in die in den 70ern regierende sozialdemokratische Partei, PNP, entt&#228;uscht wurden, die wirtschaftliche Lage Jamaikas unter dem Druck der Weltbank<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a> immer katastrophaler und Haile Selassie I wegen seiner r&#252;cksichtslosen Herrschaft durch die Revolution 1974 gest&#252;rzt wurde, waren viele aus den verarmten Schichten desillusioniert und wollten nichts mehr mit Politik zu tun haben. Die Texte des neuen Reggaegenres Dancehall spiegelten immer noch die harschen Bedingungen der Ghettos wider. Im Gegensatz zu dem Reggae der 60er und 70er zeigten sie aber kaum die Hoffnung auf Verbesserung und den Willen zum Widerstand. Sie waren dominiert von der sogenannten „slackness“, von Gewalt, sexuellen Bildern, Drogen und Kriminalit&#228;t und die negativen Komponenten der Rastafari- und Reggaekultur kamen vermehrt zum Vorschein. „Dancehall-Musik ist heute selten mehr als einfacher Eskapismus und im schlimmsten Fall spiegelt sie die reaktion&#228;re Ideologie wider, die die jamaikanische Gesellschaft erstickt.“<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a><br />
Rastafari als Religion unterliegt immer verschiedenen Interpretationen und zeigt die Widerspr&#252;chlichkeit religi&#246;ser Bewegungen. W&#228;hrend einerseits Widerstand und starke Militanz Teil der Rastakultur sind und der Glaube ein wichtiger Faktor in der Entwicklung des Selbstbewusstseins der schwarzen Bev&#246;lkerung war, wurden auch reaktion&#228;re oder die Passivit&#228;t f&#246;rdernde Aspekte aufgenommen. Die Befreiung des unter der schwarzen Bev&#246;lkerung weit verbreiteten christlichen Glaubens von einem wei&#223;en Gott, war ein wichtiger Schritt f&#252;r die Emanzipation der Schwarzen von der wei&#223;en Vorherrschaft. Doch brachte die Verkn&#252;pfung mit dem Christentum auch deren reaktion&#228;re Ansichten mit sich. Sowohl Homophobie als auch Diskriminierung von Frauen wird von vielen Rastafari, durch Bezug auf die Bibel, gerechtfertigt. Diese Inhalte flossen in den Reggae ein und sind bis heute ein Bestandteil der Musik und Kultur. So rufen Reggaes&#228;nger wie TOK oder Capelton in ihren Texten dazu auf, gewaltt&#228;tig gegen Homosexuelle vorzugehen. Frauen werden bei den Rastafari h&#228;ufig nur &#252;ber den Mann definiert und mit „Rastaman’s woman“ angesprochen. Sie gelten w&#228;hrend ihrer Periode als unrein und ihnen ist verboten, an vielen Ritualen der Rastas teilzunehmen oder obere R&#228;nge in den Gemeinden zu erhalten. Diese Diskriminierungen sind Teil eines gr&#246;&#223;eren Problems der Unterdr&#252;ckung von Frauen und Homosexuellen in der jamaikanischen Gesellschaft. Homosexualit&#228;t ist seit der Kolonialzeit per Gesetz verboten. Die Arbeitslosenrate von Frauen ist doppelt so hoch wie die von M&#228;nnern und Frauen werden als Hausfrau und Mutter in die Familienstrukturen gedr&#228;ngt. Viele Dancehallartists spiegeln in ihren Texten diese Diskriminierungen wider und reproduzieren sie aktiv.<br />
Die Widerspr&#252;chlichkeit der Reggaekultur, zwischen reaktion&#228;rer Ideologie und Kampf gegen Unterdr&#252;ckung, wird bei Artists wie Buju Banton deutlich. W&#228;hrend Buju Banton in seinem Lied „Boom Bye Bye“ davon singt, homosexuelle M&#228;nner umzubringen, ist sein Song „Murderer“ ein Aufruf, die Gewalt in den Stra&#223;en zu beenden.</p>
<p>Im Reggae dr&#252;cken Artists Ideen und Vorstellungen aus, die von emanzipatorisch &#252;ber„love and peace“ bis zu reaktion&#228;r reichen. Wichtig ist zu betonen, dass es auch im heutigen Reggae K&#252;nstlerInnen gibt, die sich den diskriminierenden Tendenzen entgegenstellen, wie beispielweise Rita Marley, Judy Mowatt oder Sister Caroll .</p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">„Why treat us inhuman<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">just because we’re only woman?<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Don’t treat us inhuman<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Just because we’re only woman<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">We’re not weak; We are strong<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">We’ve held back; Far too long…”<a href="#anm16" title="anm_16" name="anm_16"><sup>16</sup></a><o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal">(Judy Mowatt &#8211; Only Woman)<o :p></o></p>
<p>Die Entpolitisierung des Reggae nach den Siebziger Jahren wurde noch verst&#228;rkt durch die gr&#246;&#223;ere werdende Kommerzialisierung. W&#228;hrend K&#252;nstler, wie die Wailers, trotz weltweiter Vermarktung nichts an den politischen Inhalten in ihren Texten ge&#228;ndert hatten, zeigte sich in nachfolgenden Jahren ein Wandel in den Lyrics. Die gro&#223;e Popularit&#228;t des Reggae &#246;ffnete einen neuen Markt und das Bild des sonnigen Urlaubsparadieses Jamaika und des „sunshine“ Reggae wurde verkauft. Die Kommerzialisierung bewirkte ein Abkoppeln von Teilen der Reggaekultur von ihren politischen Wurzeln und den realen Lebensumst&#228;nden in Jamaika. Reggaek&#252;nstlern, wie Shaggy oder Sean Paul, wurden weltber&#252;hmt ohne den widerst&#228;ndischen Charakter der Texte von Bob Marley oder auch nur einen Bezug auf die sozialen Probleme Jamaikas.<br />
Trotz aller Widerspr&#252;che bleibt Reggae f&#252;r viele ein Mittel des Widerstands und ein Weg, um auf die Zust&#228;nde in den jamaikanischen Ghettos aufmerksam zu machen. So singt Damian Marley im 2005 erschienenen „Welcome to jamrock“:</p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">„Welcome to Jamrock, poor<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">people dead at random<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Political violence can be done<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Old men to pickney, so wave<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">one hand if you with me<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">To see the sufferation sicken me”<a href="#anm17" title="anm_17" name="anm_17"><sup>17</sup></a><o :p></o></span></p>
<p>Reggae ist nicht nur Sprachrohr der verarmten Bev&#246;lkerung Jamaikas, sondern auch Inspiration f&#252;r AktivistInnen, die weltweit gegen Rassismus, Krieg und Ausbeutung k&#228;mpfen.<br />
Mit den Worten von Linton Kwesi Johnson: </p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">„Now tell mi something, mista govahment man…how long yu really feel yu coulda keep wi andah heel..? <o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Now tell mi something, mista police spokesman…how long yu really tink we woodah tek you batn lick..?<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Now tell mi something, mista ritewing man … how long yu really feel we woodah grovel an squeal..?<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">It is noh mistri, <o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">we mekin histri, <o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">it is noh mistri,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">we winnin victri”<a href="#anm18" title="anm_18" name="anm_18"><sup>18</sup></a><o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB"><o :p> </o></span></p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> Patrick Hylton, in: Horace Campbell: Rasta and Resistance. From Marcus Garvey to Walter Rodney. Africa World Press 1987.<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> „Sklaventreiber, das Blatt wendet sich, fang Feuer um zu brennen…Jedesmal wenn ich den Schlag der Peitsche h&#246;r, gefriert mir das Blut in den Adern, ich erinnere mich, wie sie meine Seele folterten am Sklavenschiff. Sie sagen wir sind frei, doch das einzige das sich &#228;nderte ist die Armut.“<o :p></o><br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> Durch die unterschiedlichen Sprachen war das Trommeln ein wichtiger Teil in der Kommunikation und der Bildung einer Gemeinschaft unter den SklavInnen.<o :p></o><br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a> Kleine Maroon-Gemeinden existieren bis heute, haben aber wenig Einfluss auf das gesellschaftliche Leben in Jamaika<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a> “Befreie dich von der geistigen Sklaverei; Nur wir selbst k&#246;nnen unser Denken befreien.“<o :p></o><br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a> Horace Campbell: Rasta and Resistance.<o :p></o><br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a> Die „Mau Mau“ k&#228;mpften gegen die britische Kolonialherrschaft in Kenia <o :p></o><br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a> „Menschen die nicht leiden k&#246;nnen diese Musik nicht spielen. Es ist die Musik der sufferers. es ist Ghettosound, den wir mit unseren Instr. spielen, echter leidender Ghettosound; Er ist unbeschwert, ja, weil er befreit!“<o :p></o><br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a> “…drei Polizisten springen hervor, alle tragen sie Kn&#252;ppel, kommen direkt auf mich und Jim zu, einer von ihnen h&#228;lt Jim fest, Jim sagt sie sollen ihn gehen lassen, er hat nichts gemacht,…sie schlagen ihn in den Bauch und er wird zu Brei…“<br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a> „Sie pl&#252;ndern, sie schie&#223;en, sie klagen, in Shantytown, der „rude boy“ auf Bew&#228;hrung l&#228;sst die Stadt hochgehen.“<o :p></o><br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a> „Steh auf in der Fr&#252;h, schufte f&#252;r Brot, damit jeder satt wird. Wir arme Israeliten.“<o :p></o><br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a> „Jmd. trauen ist ungerechtfertigt, wei&#223;t nicht wem du vertrauen kannst, dein schlimmster Feind k&#246;nnte dein bester Freund, dein bester Freund dein schlimmster Feind sein. Manche sitzen und trinken mit dir und &#252;berfallen dich dann von hinten; nur dein bester Freund wei&#223; dein Geheimnis und nur er kann es verraten.<o :p></o><br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a> „Das Babylonsystem ist der Vampir, saugt die Kinder aus, Tag f&#252;r Tag. Das Babylonsystem ist der Vampir, fallendes Imperium, saugt das Blut der sufferers, baut Kirchen und Universit&#228;ten, um uns zu t&#228;uschen, bilden Diebe und M&#246;rder aus. Pass auf: Sie saugen das Blut der sufferers.“<o :p></o><br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a> Jamaika musste mehrere Kredite aufnehmen. Die Auswirkungen sind in dem Film Life and Debt zu sehen.<o :p></o><br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a> Brian Richardson, Bob Marley: Roots Revolutionary, aus Socialist Review, J&#228;nner 2005<o :p></o><br />
<a href="#anm_16" title="anm16" name="anm16">16</a> „Warum behandelt ihr uns unmenschlich, nur weil wir Frauen sind? Behandelt uns nicht unmenschlich nur weil wir Frauen sind. Wir sind nicht schwach, wir sind stark; Wir haben uns viel zu lang zur&#252;ckgehalten…“<br />
<a href="#anm_17" title="anm17" name="anm17">17</a> „Willkommen zum Jamrock, arme Menschen sterben durch Willk&#252;r, politische Gewalt, deshalb Alte und Junge, erhebt eure H&#228;nde wenn ihr mit mir seid und euch das Leid krank macht“<o :p></o><br />
<a href="#anm_18" title="anm18" name="anm18">18</a> „Sag mir Minister…wie lang hast du geglaubt, kannst du uns unterdr&#252;cken? sag mir Polizeisprecher…wie lang hast du gedacht, nehmen wir deinen Schlagstock hin? Sag mir Rechtsradikaler, wie lang hast du geglaubt werden wir kriechen und schreien? Es ist kein Geheimnis, wir machen Geschichte, es ist kein Geheimnis wir werden siegen.“</p>
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