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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Black Feminism</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Das Geschlecht kommt selten allein</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 15:18:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>stefan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 6]]></category>
		<category><![CDATA[Black Feminism]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlech]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Katharina Hajek</em> und <em>Katherina Kinzel</em> setzen sich mit Positionen und Politiken Schwarzer Frauen seit den 1970er Jahren auseinander. Von den Forderungen und Themen des <em>Black Feminism</em> zum Begriff der Intersektionalit&#228;t und zur&#252;ck.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Katharina Hajek</em> und <em>Katherina Kinzel</em> setzen sich mit Positionen und Politiken Schwarzer Frauen seit den 1970er Jahren auseinander. Von den Forderungen und Themen des <em>Black Feminism</em> zum Begriff der Intersektionalit&#228;t und zur&#252;ck.<br />
<span id="more-149"></span></p>
<p><em>“We can’t so easily separate our experiences by categories of gender, or race, or class, i.e.,<br />
‘I remember it well: on Saturday, June 3, I was experiencing class oppression, but by Tuesday, June 6, I was caught up in race oppression, then all day Friday, June 9, I was in the middle of gender oppression. What a week!’”</em><a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a></p>
<p>Was hei&#223;t eigentlich <em>Feminismus</em>? Folgt man Judith Butler, so ist diese Frage zun&#228;chst mit einem kurzen Satz zu beantworten: „Frauen im Namen des Feminismus sichtbar zu machen und sie als kollektiv historische und handlungsf&#228;hige Subjekte zu artikulieren“.<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a> Gut. Und was bedeutet dann <em>Black Feminism</em>? Diese Frage ist schon wesentlich schwieriger zu beantworten, wirft sie doch eine Reihe weiterer Fragen bez&#252;glich des Subjektes und der Strategien von Feminismus auf. Es kommt nicht von ungef&#228;hr, dass viele politische Aktivistinnen und Theoretikerinnen, die heute unter dem Schlagwort <em>Black Feminism</em> gehandelt werden, lange Zeit nur unter Vorbehalten das F-Wort in den Mund nahmen. Ruft man sich die Titel einiger zentraler Werke des <em>Black Feminism</em> ins Ged&#228;chtnis – <em>Women Race Class</em>, <em>All the Women Are White, All the Blacks Are male, but Some of Us Are Brave</em>, oder <em>Ain’t I a Woman?</em> – so f&#228;llt bereits auf, dass Schwarze Feministinnen<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> die Situation sowie die K&#228;mpfe Schwarzer Frauen<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a> nicht nur unter dem Gesichtspunkt geschlechtsspezifischer Herrschaft thematisierten. Die Kategorien Race<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a>, Klasse und/oder sexuelle Orientierung gingen ebenso in ihre Analysen und ihr Verst&#228;ndnis von Emanzipation ein. Schlie&#223;lich, h&#228;lt man sich an Butler, stellt sich die Frage nach der Sichtbarkeit Schwarzer Frauen. Bleibt doch entgegen dem Mainstream der US-amerikanischen Geschichtsschreibung festzuhalten, dass „der Widerstand Schwarzer Frauen gegen geschlechtliche Unterdr&#252;ckung seit der Ankunft versklavter AfrikanerInnen auf dem Nordamerikanischen Kontinent einen konstanten Faktor darstellte, auch wenn er nicht von Beginn an als feministisch bezeichnet wurde.“<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a></p>
<h3>„Ain‘t I a Woman?“</h3>
<p>Ein Gro&#223;teil der Literatur des <em>Black Feminism</em> setzte sich intensiv mit der Rolle Schwarzer Frauen w&#228;hrend der Sklaverei auseinander, unter anderem um mit dem weit verbreiteten Mythos von der umsorgenden, gutm&#252;tigen <em>black mammy</em>, die ein zufriedenes Dasein als Kinderm&#228;dchen im Haus ihres Wei&#223;en Arbeitgebers f&#252;hrte, aufzur&#228;umen. Die Mehrzahl der Sklavinnen im US-Amerika der Zeit vor dem B&#252;rgerkrieg arbeitete unter unmenschlichen Bedingungen auf dem Feld und unterlag ebenso der Repression und physischen Gewalt seitens der Aufseher, wie ihre m&#228;nnlichen Kollegen. Somit kamen Schwarze Frauen nicht in den zweifelhaften Genuss als <em>zu sch&#252;tzendes Subjekt</em> und <em>sorgende Mutter</em> zu gelten. Die Rede der freigelassenen Sklavin Sojourner Truth, die sie 1851 bei der <em>Ohio Womens Rights Convention</em> hielt, wurde zentraler Referenzpunkt des <em>Black Feminism</em>: Truth konfrontierte hier b&#252;rgerliche Weiblichkeitsstereotype mit ihren eigenen Erfahrungen als versklavte Frau und entbl&#246;&#223;te damit nicht nur das damalige hegemoniale Frauenbild als ideologisch, sondern stellte auch die implizit rassistischen Annahmen Wei&#223;er Feministinnen in Frage: „Seht mich an und seht meine Arme. Ich habe gepfl&#252;ckt, gepflanzt und die Ernte eingefahren. Und kein Mann konnte mich &#252;bertreffen. Und bin ich etwa keine Frau? Ich konnte genau so viel arbeiten und so viel essen wie ein Mann – wenn ich &#252;berhaupt etwas bekommen habe – und ich konnte die Peitsche ertragen. Und bin ich etwa keine Frau?“<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a><br />
Waren Schwarze Frauen in diesem Sinne auf pervertierte Weise <em>gleichberechtigt</em> mit m&#228;nnlichen Sklaven, so nahm die Repression doch geschlechtsspezifische Formen an. „Es ist wichtig, sich zu vergegenw&#228;rtigen, dass die Strafen, die Frauen auferlegt wurden, die Strafen, unter denen ihre M&#228;nner leiden mussten, in ihrer Intensit&#228;t weit &#252;bertrafen; denn Frauen wurden nicht nur ausgepeitscht und misshandelt, sie wurden auch <em>vergewaltigt</em>.“<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a> Vergewaltigung von Schwarzen Frauen stellte bis ins 20. Jahrhundert eines der effektivsten Mittel zur Kontrolle und Beherrschung der <em>black community</em> in den USA dar. Dass Schwarze Frauen sich aber nicht passiv ihrem Schicksal f&#252;gten, sondern eine zentrale Rolle im organisierten Widerstand gegen die Sklaverei, etwa bei <em>Marronage</em><a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a> spielten, wurde vom Gro&#223;teil der Geschichtsschreibung zur Sklaverei unterschlagen und erst von Autorinnen des Schwarzen Feminismus wieder hervorgekehrt.<br />
Neben dem aktiven Widerstand der SklavInnen selbst, begann sich ab den 1830er und 1840er Jahren eine b&#252;rgerlich-liberale Anti-Sklavereibewegung herauszubilden, die von Beginn an stark von Wei&#223;en Frauen mitgetragen wurde: die <em>Abolitionists</em>. Bez&#252;glich des &#246;ffentlichen Redens und ihres politischen Engagements stie&#223;en diese Frauen jedoch sehr bald auf Widerstand seitens ihrer m&#228;nnlichen Mitstreiter, passte die Figur der &#246;ffentlich debattierenden Frau doch so gar nicht zum vorherrschenden Rollenklischee der h&#228;uslichen Mutter. „Indem sie sich in der Bewegung der Abolitionists engagierten, lernten Wei&#223;e Frauen viel &#252;ber die Unterdr&#252;ckung des Menschen durch den Menschen – in diesem Prozess lernten sie aber auch viel &#252;ber ihre eigene Unterordnung. Indem sie ihr Recht, der Sklaverei entgegenzutreten, durchsetzten, protestierten sie auch – manchmal offen, manchmal implizit – gegen ihren Ausschluss aus der politischen &#214;ffentlichkeit.“<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a> Der Kampf f&#252;r die Abschaffung der Sklaverei war somit von Anfang an inh&#228;rent mit dem Kampf von Frauen um Teilhabe am &#246;ffentlichen und politischen Leben verbunden. Angela Davis geht in ihrer Analyse soweit, die <em>World Anti-Slavery Convention</em> von 1840 als Geburtsstunde der US-amerikanischen Frauenbewegung anzusetzen.<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a><br />
Nach dem B&#252;rgerkrieg 1865 &#228;nderte sich nicht viel an der Situation der Schwarzen Bev&#246;lkerung in den USA. War die Sklaverei <em>de jure</em> abgeschafft, bestand sie in Form einer <em>de facto</em> Leibeigenschaft und nahezu unver&#228;nderten Arbeitsbedingungen fort.<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a> Anfang des 19. Jahrhundert fand mit der Urbanisierung schlie&#223;lich eine Verschiebung der vornehmlichen T&#228;tigkeitsfelder Schwarzer Frauen hin zu <em>domestic work</em> statt: diese arbeiteten nun vermehrt als Angestellte in Wei&#223;en Haushalten, was mit extensiven Arbeitszeiten (72 Stunden-Woche), Hausarrest und Isolation, sowie h&#228;ufigen Vorf&#228;llen von sexueller Bel&#228;stigung seitens der Arbeitgeber verbunden war: Schwarze Hausangestellte blieben den degradierenden Praxen ihrer ArbeitgeberInnen also unmittelbar ausgesetzt.<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> Diese Muster gesellschaftlicher Segregation, rassistischer und sexistischer Ausbeutungsverh&#228;ltnisse waren kennzeichnend f&#252;r die Situation von Schwarzen Frauen in den USA bis kurz vor dem 2. Weltkrieg. „Sogar noch in den 1940er Jahren gab es in New York und anderen gro&#223;en St&#228;dten Stra&#223;enm&#228;rkte – moderne Versionen von Sklavenm&#228;rkten – an denen Wei&#223;e Frauen aus den Massen der Arbeit suchenden Schwarzen Frauen ausw&#228;hlen konnten.“<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a></p>
<h3>„Kick ass and take names!“<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a></h3>
<p>Schon die Analyse der Situation Schwarzer Frauen unter der Sklaverei zeigt, dass diese stets durch multiple Herrschafts-, Unterdr&#252;ckungs- und Ausbeutungsverh&#228;ltnisse gekennzeichnet war. Das Zusammenwirken von &#246;konomischer Ausbeutung, sexistischer Unterdr&#252;ckung und ‚Rassensegregation’ bestimmte nicht nur deren Lebensverh&#228;ltnisse sondern auch die Formen, die Schwarzer, weiblicher Widerstand und emanzipativer Kampf annahmen.<br />
Eine Konjunktur erlebten die K&#228;mpfe Schwarzer Frauen im Zuge der sozio-politischen Ver&#228;nderungen in den 1960er Jahren als sich neue politische Handlungsr&#228;ume auftaten, die ein Erstarken sozialer Bewegungen erm&#246;glichten. Im Zeitraum von 1968 bis zum konservativen <em>backlash</em> der Reagan &#196;ra waren zahlreiche politische Gruppierungen, die sich rund um die Interessen und Identit&#228;ten Schwarzer Frauen formierten, aktiv: Es wurden Organisationen gegr&#252;ndet – etwa die <em>Third World Womens Alliance</em> (TWWA), das <em>Combahee River Collective</em>, die <em>Black Women Organized for Action</em> (BWOA) oder die <em>National Black Feminist Organization</em> (NBFO) –, die erstmals unter dem Banner <em>Black Feminism</em> agierten. Diese standen in einem engen politischen aber auch personellen Verh&#228;ltnis zum <em>Civil Rights Movement</em> und dem <em>Black Nationalist Movement</em>, rekrutierten sich doch die Aktivistinnen des <em>Black Feminism</em> haupts&#228;chlich aus diesen und hatten sich dort Organisationsf&#228;higkeiten und Mobilisierungsstrategien angeeignet. Was ihre politische Positionierung, ihre Forderungen und strategischen Konzepte betraf, variierten die <em>Black Feminist Organizations</em> jedoch erheblich. Zwischen den explizit marxistischen Inhalten des <em>Combahee River Collective</em> und den liberalen Konzepten des BWOA gab es eine breite Spannweite politischer Positionen. Die Frage, was die „Befreiung“ von Schwarzen Frauen &#252;berhaupt bedeutete und welche Strategien sie erforderlich machte, unterlag – auch innerhalb der einzelnen Organisationen – einem st&#228;ndigen Aushandlungsprozess.<br />
Gemein war den Organisationen des <em>Black Feminism</em> jedoch, dass sie mit ihren Forderungen an die Tradition Schwarzen weiblichen Widerstands ankn&#252;pften und das intellektuelle Erbe Schwarzer US-amerikanischer Frauen aufgriffen: Erstmals nahmen sie die Kategorie Geschlecht explizit als integralen Bestandteil ihrer Identit&#228;t sowie von politischen Strategien in Anspruch.<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a> Dass die Positionierung als <em>Feministinnen</em> keine Selbstverst&#228;ndlichkeit darstellte, sondern Ergebnis heftiger politischer Auseinandersetzungen war und einen m&#252;hsamen Prozess von Identit&#228;tskonstruktion und Interessensartikulation voraussetze, zeigt das widerspr&#252;chliche Verh&#228;ltnis Schwarzer Frauen zur wei&#223;en Frauenbewegung in den USA. Dieses war schon alleine aufgrund der gr&#246;&#223;tenteils impliziten, zum Teil auch explizit rassistischen Positionen vieler Organisationen und Protagonistinnen der b&#252;rgerlich-feministischen Bewegung spannungsgeladen. Umgekehrt waren auch Schwarze Frauen skeptisch gegen&#252;ber (Wei&#223;en) feministischen Bewegungen und Forderungen. So wurden diese angesichts der h&#246;chst prek&#228;ren Lebensrealit&#228;t der Schwarzen Bev&#246;lkerung in den USA vielfach als ‚&#252;berfl&#252;ssig’ oder als ‚luxuri&#246;ses Hobby reicher Hausfrauen’ angesehen.<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a> Zugespitzt formuliert hatten Schwarze [Frauen] oftmals schlicht akutere Probleme: grassierende Armut, Arbeitslosigkeit, rassistische &#220;bergriffe und massive Repression durch die staatlichen Gewaltapparate. Schlie&#223;lich gab es auch Vorbehalte vieler Aktivisten und Aktivistinnen des <em>Civil Rights</em> und <em>Black Nationalist Movement</em>, die bef&#252;rchteten, dass die ‚Abwanderung’ von Mitgliedern in deklariert feministische Gruppen die Bewegung schw&#228;chen und die Ziele derselben ‚verraten’ w&#252;rde. In diesem Kontext stellte die affirmative Aneignung des Begriffs <em>Feminismus</em> von Schwarzen Frauen eine Herausforderung f&#252;r alle politischen Bewegungen der Zeit dar.<br />
Aber die Selbstpositionierung von Organisationen des <em>Black Feminism</em> als <em>deklariert feministisch</em> stellte auch eine Antwort auf die sexistischen Positionen und patriarchalen Organisationsstrukturen des <em>Civil Rights Movement</em> dar. So sprachen sich einige der Wortf&#252;hrer dieser Bewegung offen f&#252;r die Etablierung des m&#228;nnlichen Familienern&#228;hrermodells in der <em>black community</em> aus, obschon viele Schwarze Frauen bereits wichtige Positionen innerhalb derselben einnahmen. „Die Literatur der Black Nationalists setzt das Gro&#223;ziehen von Kindern und ‚nation building’ als Aufgabe der ‚wahrlich revolution&#228;ren Schwarzen Frau’ an.“<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a><br />
In diesem Kontext sahen sich viele Schwarze Frauen vor dem Hintergrund ihrer spezifischen Positionierung, die durch multiple Unterdr&#252;ckungsverh&#228;ltnisse gekennzeichnet war (und ist), zunehmend vor die unm&#246;gliche Wahl gestellt, entweder als ‚Frau’ oder als ‚Schwarze’ zu k&#228;mpfen. Margret Sloan von der NBFO beschreibt diese Situation zugespitzt als „… eine Frechheit. Es ist unmenschlich und grausam von einer Women of Colour zu erwarten, dass sie sich zergliedert und in der Mitte teilt. Es ist als w&#252;rde man sagen: Teil’ dich und k&#252;mmer’ dich separat um jedes Thema.“<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a> Aus dieser politischen Konstellation ergab sich f&#252;r <em>Schwarze Feministinnen</em> die Notwenigkeit, ein eigenst&#228;ndiges Projekt zu formulieren, das &#252;ber die Reflexion auf die spezifische soziale, politische und &#246;konomische Situation Schwarzer Frauen eine Kontextualisierung und Politisierung der eigenen Erfahrung bef&#246;rdern sollte.</p>
<h3>Emanzipatorisch f&#252;r wen?</h3>
<p>Die Arbeit am eigenen Selbstverst&#228;ndnis machte es f&#252;r Schwarze Feministinnen notwendig, sich nicht nur von den Organisationsstrukturen, sondern auch von den politischen Zielvorstellungen der Wei&#223;en Frauenbewegungen und den m&#228;nnlich dominierten Schwarzen Befreiungsbewegungen der 1960er und 1970er Jahre abzugrenzen. Denn Schwarze Frauen, ihre Erfahrungen und Interessen wurden in diesen Bewegungen nicht nur marginalisiert, auch schienen deren Konzepte zur Charakterisierung von rassistischer bzw. geschlechtsspezifischer Unterdr&#252;ckung, wie auch ihre Befreiungsnarrative, f&#252;r emanzipatorische Bestrebungen, die auf eine substantielle Ver&#228;nderung der Lebenssituation Schwarzer Frauen abstellten, unbrauchbar.<br />
So l&#228;sst sich etwa zeigen, dass der <em>b&#252;rgerlich-liberale Feminismus</em> auf einer Verallgemeinerung der Lebenserfahrungen einer spezifischen Gesellschaftsgruppe – Wei&#223;en, relativ gebildeten Frauen der „Mittelschicht“ – basiert und sich dessen Konzepte als klassenspezifisch und inh&#228;rent „Wei&#223;“ dechiffrieren lassen. Die „Befreiung der Frau“ reduzierte er tendenziell auf Chancengleichheit am Arbeitsmarkt und verbesserte Karrierem&#246;glichkeiten. Doch das (klein)b&#252;rgerliche Familienern&#228;hrermodell, gegen welches diese Form des <em>Feminismus</em> anarbeitet, hat nie der Lebensrealit&#228;t der Schwarzen Bev&#246;lkerung in den USA entsprochen. „Es ist eitle Tr&#228;umerei sich Schwarze Frauen einfach als Hausfrauen vorzustellen, die sich um die Kinder und den Haushalt k&#252;mmern, wie im Wei&#223;en Mittelschichts-Modell. Die meisten Schwarzen Frauen m&#252;ssen arbeiten gehen, um Wohnung, Essen und Kleidung f&#252;r ihre Familien sicherzustellen. Schwarze Frauen machen einen betr&#228;chtlichen Prozentsatz der Schwarzen Arbeitskraft aus, sowohl in den &#228;rmsten Familien, als auch in der so genannten ‚Mittelschichts“-Familie.”<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> Daher m&#252;ssen auch die Grundannahmen des liberalen Feminismus hinsichtlich der Trennung von bezahlter Lohnarbeit und unbezahlter Haus- bzw. Reproduktionsarbeit, sowie dem Auseinandertreten von &#214;ffentlichkeit und Privatsph&#228;re, kritisch befragt werden. Dass Arbeitsverh&#228;ltnisse und Klassenstrukturen in den USA &#252;ber die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung hinausgehend stets rassistisch pr&#228;formiert waren,<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a> bedeutet, dass feministische Forderungen, die den Eintritt von Frauen in den Arbeitsmarkt reklamieren, f&#252;r Schwarze Frauen eher anti-emanzipatorische Effekte haben, wenn sie deren spezifische sozio-&#246;konomische Situation ignorieren. So f&#252;hren etwa Bestrebungen, die auf eine F&#246;rderung der Erwerbst&#228;tigkeit Wei&#223;er Frauen abzielen, wenn sie nicht zugleich breitere gesellschaftliche Transformationsprozesse anstreben, tendenziell dazu, dass Reproduktionsarbeit als niedrig bezahlte Lohnarbeit an Schwarze Frauen (und Migrantinnen) abgetreten wird. So proklamierte Audre Lorde 1979 auf einer internationalen Konferenz zum 30-j&#228;hrigen Jubil&#228;um von Simone de Beauvoirs <em>Das Andere Geschlecht</em>: „Da sich wei&#223;e feministische Theoretikerinnen nicht mit den Differenzen zwischen Frauen befassen, k&#252;mmern sie sich auch nicht um die Tatsache, dass die Frauen, die ihre H&#228;user putzen und ihre Kinder h&#252;ten, w&#228;hrend sie selbst Konferenzen &#252;ber feministische Theorie besuchen, gr&#246;&#223;tenteils arme und farbige Frauen sind. Was ist die Theorie hinter rassistischem Feminismus?“<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a> Das <em>Combahee River Collective</em> betont die Notwendigkeit, ein Verst&#228;ndnis von Klassenverh&#228;ltnissen zu entwickeln, das die spezifische Klassenposition Schwarzer Frauen zu fassen vermag: „Wir m&#252;ssen die reale Klassensituation von Menschen herausstreichen, die nicht einfach race-lose und geschlechtslose ArbeiterInnen sind, sondern f&#252;r welche rassistische und geschlechtliche Unterdr&#252;ckung ausschlaggebende Faktoren in ihrem Arbeitsleben darstellen.“<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a><br />
Auch die – sicherlich wichtige – Forderung nach dem vermehrten Auftreten von Frauen im &#246;ffentlichen Leben greift zu kurz, wenn es um eine Bestimmung jener politischen R&#228;ume geht, in denen es f&#252;r Schwarze Frauen m&#246;glich war und ist, ein emanzipatorisches Selbstverst&#228;ndnis zu entwickeln. Patricia Hill Collins argumentiert, dass die Unterdr&#252;ckung des Wissens Schwarzer Frauen diese dazu n&#246;tigte, alternative und autonome Formen der Tradierung und Beurteilung von Wissen herauszubilden. Die ‚Privatsph&#228;re’, gesch&#252;tzte Bereiche, in denen Schwarze Frauen frei sprechen konnten, haben die Vermittlung widerst&#228;ndigen oder schlicht das &#220;berleben gew&#228;hrleistenden Wissens erm&#246;glicht<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a>, was auch bedeutet, dass diesen eine andere politische Bedeutung beizumessen ist, als im <em>liberalen Feminismus</em> &#252;blich: „Die zentrale Stellung, die Schwarze Frauen in Familie, Kirche und anderen <em>community organisations</em> einnehmen, erlauben es uns, mit j&#252;ngeren, weniger erfahrenen Schwestern unser Wissen dar&#252;ber zu teilen, was es braucht um eine selbstbestimmte Frau zu sein.“<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a><br />
Wenn bestimmte <em>b&#252;rgerlich-feministische</em> Positionen sich als eindimensional erweisen, ist deren Anspruch, ‚alle‘ Frauen zu repr&#228;sentieren, grunds&#228;tzlich in Frage gestellt. bell hooks<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a> zeigt, dass die Hypostasierung eines universalen, gemeinsamen Leids ‚aller’ Frauen implizit auch die westliche, patriarchale Vorstellung reproduziert, die Lebensrealit&#228;t von Frauen werde alleinig durch deren Geschlecht bestimmt. Damit wird es unm&#246;glich, zu thematisieren, wie bestimmte Faktoren – Race, Klassenzugeh&#246;rigkeit und sexuelle Orientierung – auch die Art und Weise ver&#228;ndern, in der Sexismus das Leben der Betroffenen bestimmt. Die Auswirkungen geschlechtsspezifischer Herrschaft sind schon alleine aufgrund von Differenzen in den materiellen Lebensverh&#228;ltnissen von Frauen keineswegs homogen. Dar&#252;ber hinaus aber f&#252;hrten die Familienstrukturen und das Arrangement der Geschlechterverh&#228;ltnisse in den <em>black communities</em> in ihrer Nichtentsprechung zu hegemonialen Geschlechternormen zu einer <em>ideologischen</em> ‚Entfeminisierung’ Schwarzer Frauen. Was schon Sojourner Truth in ihrer Rede enth&#252;llte, n&#228;mlich, dass Schwarzen Frauen aufgrund ihrer sozialen und &#246;konomischen Position die Erf&#252;llung klassischer Weiblichkeitsvorstellungen verwehrt blieb, wurde diesen als deviante Natur angelastet: „Eine enge Definition von ‚Frausein’ hat nie die Lebensrealit&#228;t Schwarzer Frauen, Frauen ethnischer Minderheiten, oder Frauen der ArbeiterInnenklasse in den USA widergespiegelt. Stattdessen wurden diese Frauen, die ‚angemessenen‘ Geschlechterrollen oft nicht entsprechen konnten, als inad&#228;quat dargestellt und sie f&#252;hlten sich auch so.”<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a> Frances Beal argumentiert, dass umgekehrt rassistische Unterdr&#252;ckung von Schwarzen M&#228;nnern oftmals als symbolische Entmannung erlebt wurde, was diese dazu motivierte ihre ‚M&#228;nnlichkeit‘ &#252;ber sexistische Diskriminierung ‚wiederherzustellen‘.<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a> Obwohl Beals psychologistische Argumentationsweise problematisch ist, spricht sie damit etwas an, das von vielen Schwarzen Feministinnen thematisiert wurde: Das Ethos der Schwarzen Befreiungsbewegungen, „das Schwarze Befreiung zu oft mit einer falsch definierten M&#228;nnlichkeit gleichsetzte“,<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a> blieb in seinen Vorstellungen von Geschlechterrollen einem hierarchischen Modell verpflichtet. In einer Rhetorik ‚rassischer Authentizit&#228;t‘, wurde ‚Schwarzsein‘ als ideologische Position mit frauenfeindlichen und homophoben Einstellungen enggef&#252;hrt, sodass etwa Feministinnen und Homosexuelle als ‚nicht-Schwarz‘ kodiert wurden.<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a> Cheryl Clarke analysiert die sexistischen und homophoben Aussagen wichtiger Wortf&#252;hrer der Schwarzen Befreiungsbewegungen und weist auf eine Paradoxie in deren politischer Agenda hin: Diese h&#228;tten zwar eine Abkehr von ‚Wei&#223;en Werten‘ propagiert, zugleich aber an der Wei&#223;en, puritanischen und offen heterosexistischen Vorstellung, dass Sexualit&#228;t alleinig der Fortpflanzung diene, festgehalten.<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Unterordnung ‚der Frau‘ und das Modell der Kleinfamilie mit ihrem m&#228;nnlichen ‚Ern&#228;hrer‘ wurden so naturalisiert.<br />
Im Bezug auf die Einsch&#228;tzung von Herrschaftsverh&#228;ltnissen hatten die Schwarzen Befreiungsbewegungen und der Wei&#223;e, liberale Feminismus also komplement&#228;re ‚blinde Flecken‘: Erstere affirmierten in ihrem antirassistischen Kampf stereotype Geschlechternormen. Zweiterer verabs&#228;umte es, auf die rassisierte Dimension des Kampfes gegen eben diese Geschlechternormen zu reflektieren. hooks stellt heraus, dass beide Bewegungen Emanzipation und Befreiung als ‚Gleichheit‘ mit privilegierten Gesellschaftsgruppen konzipierten und damit das Ziel der Abschaffung von Herrschaftsverh&#228;ltnissen und der Herstellung wirklicher Gerechtigkeit notwendig verfehlten: „So lange diese beiden Gruppen Befreiung als Erreichen von sozialer Gleichstellung mit Wei&#223;en M&#228;nnern der herrschenden Klassen definieren, haben sie ein pers&#246;nliches Interesse daran, dass andere weiterhin ausgebeutet und unterdr&#252;ckt werden.“<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a><br />
Die Reflexion auf die eigenen Lebensverh&#228;ltnisse brachte f&#252;r <em>Schwarze Feministinnen</em> die Einsicht, dass die immer bestehende Gefahr, dass sich emanzipatorische Bestrebungen in reaktion&#228;re Kr&#228;fte verwandeln, nur gebannt werden kann, wenn die Tatsache der &#220;berschneidung und &#220;berlagerung von Herrschaftsverh&#228;ltnissen in der politischen Praxis verarbeitet wird.</p>
<h3>Strategischer Essentialismus</h3>
<p>Dass <em>Schwarze Feministinnen</em> mit der Herausforderung konfrontiert waren, an mehren Fronten gleichzeitig k&#228;mpfen zu m&#252;ssen, der <em>Black Feminism</em> zugleich aber keineswegs eine homogene, politisch geeinte Bewegung darstellte, bedingte eine gewisse Ambivalenz ihrer Strategie: Die Suchbewegung nach einer positiven, selbstdefinierten Identit&#228;t und einem gemeinsamen politischen Standpunkt ging zugleich mit einer dekonstruktivistischen, bestimmte Identit&#228;tsvorstellungen in Frage stellenden Argumentationsweise einher. <em>Schwarzen Feministinnen</em> musste es zun&#228;chst darum gehen, hegemoniale Bilder Schwarzer Weiblichkeit in Frage zu stellen. Stereotypen, wie jenes der gutm&#252;tigen, sich in ihre subalterne Rolle einf&#252;genden <em>black mammy</em>, das der &#252;berm&#228;chtigen Matriarchin<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a> oder auch der Mythos vom unstillbaren sexuellen Appetit Schwarzer Frauen, welcher seine makabere Entsprechung in Vergewaltigungsraten findet, wurden als Herrschaft legitimierende „Kontrollierende Bilder“<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a> erkannt und kritisiert. Im Kontext des Schwarzen Befreiungskampfes sahen sie sich dar&#252;ber hinaus in die schwierige Lage versetzt, mit dem Projekt Schwarzer Emanzipation solidarisch zu sein und im selben Atemzug gegen sexistische und homophobe Positionen innerhalb desselben ank&#228;mpfen zu m&#252;ssen.<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a> Die Frage, was es bedeuten k&#246;nnte, Schwarze Frau und Feministin zu sein, war also keineswegs entschieden.<br />
Daher ging es den Vertreterinnen des <em>Black Feminism</em> stets auch darum, eine selbstbestimmte Identit&#228;t und ein politisches Selbstverst&#228;ndnis als Basis f&#252;r die gemeinsamen emanzipatorischen K&#228;mpfe <em>Schwarzer Feministinnen</em> herauszubilden. Radikale Politik m&#252;sse aus der eigenen Identit&#228;t folgen, so das <em>Combahee River Collective</em>: „Uns wird bewusst, dass die einzigen Menschen, die sich genug f&#252;r uns interessieren, um sich kompromisslos f&#252;r unsere Befreiung einzusetzen, wir selbst sind. Unsere Strategien entspringen einer gesunden Liebe f&#252;r uns selbst, unsere Schwestern und unsere Gemeinschaft, die uns hilft, unseren Kampf und unsere Arbeit fortzuf&#252;hren. Die Konzentration auf unsere Unterdr&#252;ckung ist im Konzept der Identit&#228;tspolitik verk&#246;rpert.”<a title="anm_36" name="anm_36" href="#anm36"><sup>36</sup></a><br />
Die Standpunkttheorie Patricia Hill Collins stellt einen Versuch dar, die Grundlagen des Selbstverst&#228;ndnisses <em>Schwarzer Feministinnen</em> theoretisch zu fassen: Gegen Konzepte, die dieses an ‚Schwarzsein‘ oder ‚Weiblichkeit‘ als biologische Kategorien binden,<a title="anm_37" name="anm_37" href="#anm37"><sup>37</sup></a> argumentiert sie, dass die gemeinsame Basis f&#252;r die Herausbildung eines Schwarzen, feministischen (Selbst-)Bewusstseins in den Lebenserfahrungen Schwarzer Frauen zu suchen sei: Die soziale Position Afroamerikanischer Frauen in den USA setze diese bestimmten geteilten Erfahrungsmustern aus: „Die geteilten Erfahrungen von Schwarzen Frauen im Bereich der Lohnarbeit und des Privatlebens, sowie unsere Teilnahme an vielen Formen der Afrikanisch-Amerikanischen Kultur, hat zur Folge, dass Schwarze Frauen in den USA in einer anderen Welt leben, als Menschen, die nicht Schwarz und weiblich sind.”<a title="anm_38" name="anm_38" href="#anm38"><sup>38</sup></a> Die spezifischen Erfahrungen, die aus den Lebensverh&#228;ltnissen Schwarzer Frauen als einer unterdr&#252;ckten Gesellschaftsgruppe erwachsen, seien dazu angetan, die Entwicklung eines distinkten Selbst- und Weltverst&#228;ndnisses zu stimulieren. Ein solcher Schwarzer, feministischer Standpunkt kristallisiere sich um zentrale Themen, welche die gemeinsame Vergangenheit und das allt&#228;gliche Leben Schwarzer Frauen betreffen – Collins nennt Vergewaltigung, Sklaverei, Familie, Mutterschaft und Arbeitsverh&#228;ltnisse als ‚Kernthemen’ des inhomogenen Wissensk&#246;rpers des <em>Black Feminist Thought</em>.<br />
Damit ist auch die Kontinuit&#228;t von allt&#228;glichem (&#220;berlebens-)Kampf und politischem Kampf, welche f&#252;r viele Schwarze Feministinnen programmatisch war, angesprochen. „Wir sehen unsere Wurzeln in der historischen Realit&#228;t des allt&#228;glichen Kampfes Afroamerikanischer Frauen um Leben und Tod, um &#220;berleben und Befreiung”,<a title="anm_39" name="anm_39" href="#anm39"><sup>39</sup></a> schreibt etwa das <em>Combahee River Collective</em>.<br />
Eine solche Form Schwarzer, feministischer Identit&#228;tspolitik l&#228;sst sich mit dem von  Gayatri Chakravorty Spivak gepr&#228;gten Begriff des ‚strategischen Essentialismus‘ fassen: Gegen&#252;ber klassisch essentialistischen Positionen wird Identit&#228;t dabei nicht &#252;ber den Rekurs auf ein gemeinsames, unver&#228;nderliches, etwa durch Race- oder Geschlechterzugeh&#246;rigkeit verb&#252;rgtes Wesen hergestellt und dadurch naturalisiert. Vielmehr stellt Identit&#228;t hier eine Art k&#252;nstlichen Selbstbewusstseins dar, das von subalternen Gesellschaftsgruppen in explizit politischem Interesse ausgebildet wird. In seiner strategischen Ausrichtung zielt dieses Bewusstsein auf eine Ver&#228;nderung eben jener Umst&#228;nde ab, welche die Formierung der betreffenden Gesellschaftsgruppe &#252;berhaupt bedingen.<a title="anm_40" name="anm_40" href="#anm40"><sup>40</sup></a> In diesem Zusammenhang kann die Identit&#228;tspolitik des <em>Black Feminism</em> als strategische Orientierung um gemeinsame Lebenserfahrungen gelesen werden, die darauf aus ist, eben jene Realit&#228;t, welche diese Erfahrungen hervorbringt, zu ver&#228;ndern.<br />
Collins selbst hebt die strategische Dimension des Rekurses auf gemeinsame Erfahrungen im Rahmen einer Problematisierung von Repr&#228;sentationsverh&#228;ltnissen hervor. Sie stellt fest, dass sich ein gemeinsamer Standpunkt nicht automatisch, gleichsam als Reflexion der gelebten Wirklichkeit herstellt, &#228;hnliche Lebenserfahrungen also kein homogenes (politisches) Subjekt konstituieren. Nicht nur, da Erfahrungen bis zu einem gewissen Grad verschieden sind, auch da die Verarbeitungsformen, Einsch&#228;tzungen und Reaktionen auf die gemeinsamen Erfahrungen verschieden ausfallen, sei die Arbeit Schwarzer, weiblicher Intellektueller f&#252;r die Etablierung eines emanzipatorischen Standpunkts unerl&#228;sslich.<a title="anm_41" name="anm_41" href="#anm41"><sup>41</sup></a> Collins betont, dass die gelingende Formulierung eines solchen Standpunkts durch Schwarze feministische Intellektuelle davon abh&#228;ngt, dass diese in einem dialogischen Verh&#228;ltnis zur <em>community</em> Afro-Amerikanischer Frauen stehen. Dabei operiert sie mit einem gramscianischen<a title="anm_42" name="anm_42" href="#anm42"><sup>42</sup></a> Intellektuellen-Begriff, der auch Blues-S&#228;ngerinnen, Literatinnen, politische Aktivistinnen etc. umfasst, welche zur Herausbildung eines kritischen, widerst&#228;ndigen Selbstbewusstseins Schwarzer Frauen beitragen. Historisch waren diese in soziale Netzwerke, welche die Tradierung von oppositionellem Wissen erm&#246;glichten, eingebunden. Dass eine organische Verbindung bestehen bleibe, h&#228;nge von der F&#228;higkeit von Intellektuellen ab, auf ihre eigene soziale Position zu reflektieren und eine Kontinuit&#228;t zwischen dem Alltagsbewusstsein eines Gro&#223;teils der US-amerikanischen Schwarzen Frauen und den eigenen spezialisierten Wissensformen herzustellen.<a title="anm_43" name="anm_43" href="#anm43"><sup>43</sup></a></p>
<h3>Intersektionalit&#228;t</h3>
<p>Ob diese Verbindung heute noch gegeben ist, scheint allerdings fraglich. Als ausschlaggebend f&#252;r die Transformation der Projekte des <em>Black Feminism</em> beziehungsweise das Abflauen des <em>Black Feminist Movement</em> lassen sich verschiedene, externe und interne Faktoren anf&#252;hren. Als offensichtlichstes Beispiel f&#252;r erstere z&#228;hlt ohne Zweifel die massive Repression durch staatliche Gewaltapparate, insbesondere des FBI, welches im Rahmen des <em>Counter Intelligence Program</em> (COINTELPRO) in Zusammenarbeit mit der lokalen Polizei bis 1971 nicht nur die Arbeit des <em>Civil Rights Movement</em> – und in seinem ‚Windschatten‘ auch jene von Organisationen des <em>Black Feminism</em> – erheblich erschwerte sondern auch zahlreiche Mitglieder ermordete.<a title="anm_44" name="anm_44" href="#anm44"><sup>44</sup></a> Als weiterer Faktor, wenngleich qualitativ nicht mit ersterem vergleichbar, kann die Tatsache gelten, dass einige zentrale Forderungen der <em>Black Feminists</em>, wie auch des <em>Civil Rights Movement</em> schlichtweg erf&#252;llt wurden: Mit der Abschaffung der rassisierten Gesetzgebung und der Durchsetzung des <em>Civil Rights Act</em> kam es – auch – zu einer staatlichen Einhegung und partiellen Befriedung der Bewegungen. Obwohl die einschl&#228;gigen Positionen de facto auf einen radikalen gesellschaftspolitischen Wandel abzielten, fokussierten „die vordergr&#252;ndigen K&#228;mpfe auf eine Transformation der Gesetzgebung. Zu dieser Zeit war es sehr wichtig, die legalen Barrieren niederzurei&#223;en, die Gesetze zu &#228;ndern und den [prek&#228;ren] juristischen Status der People of Color anzufechten.“<a title="anm_45" name="anm_45" href="#anm45"><sup>45</sup></a> Zu den externen Faktoren trat der Mangel an personellen und finanziellen Ressourcen sowie einer hohen Rate an &#220;berlastung und <em>burnout</em> unter den Aktivistinnen hinzu – mussten doch die meisten von ihnen – im Gegensatz zu vielen privilegierten Wei&#223;en Frauen – <em>nebenbei</em> noch einer Lohnarbeit nachgehen, um sich das Studium zu finanzieren oder das Familieneinkommen zu sichern. Das Abflauen der politischen Bewegungen bedeutete jedoch nicht, dass ihren analytischen Einsichten keine Aufmerksamkeit mehr zukommen sollte. Die von <em>Schwarzen Feministinnen</em> unternommene Anstrengung, die spezifische sozio&#246;konomische Situation von Schwarzen Frauen in den USA zu fassen und ihre Feststellung, dass diese nicht durch eindimensionale Erkl&#228;rungsans&#228;tze bestimmt werden kann, trat im akademischen Bereich eine Diskussion &#252;ber multiple Formen von Unterdr&#252;ckung und Herrschaft los. Da die intellektuelle Arbeit sich nun aber nicht auf konkrete K&#228;mpfe und Strategien beziehen konnte, verschob sich die Debatte auf eine andere terminologische und auch politische Ebene.<br />
Der Begriff der <em>matrix of domination</em>, von Patricia Hill Collins erstmals verwendet, wurde als Gegenentwurf zu einem additiven Modell von Herrschaftsverh&#228;ltnissen ins Spiel gebracht: Denn dieses vermag die konkreten Lebensrealit&#228;ten vieler Bev&#246;lkerungsgruppen, unter anderem Schwarzer Frauen, nur unter dem Gesichtspunkt von separaten, scheinbar exklusiven ‚Achsen der Unterdr&#252;ckung’ zu fassen. Damit werden Herrschaftsverh&#228;ltnisse, die entlang der Kategorien Race, Klasse, Geschlecht und sexuelle Orientierung arbeiten, als einander &#228;u&#223;erliche, isolierte Faktoren vorausgesetzt, die erst nachtr&#228;glich zueinander hinzutreten. „In solchen Analyseschemata kann man nur entweder Wei&#223; oder Schwarz sein – Menschen mit uneindeutigen Identit&#228;ten m&#252;ssen sich so also die Frage gefallen lassen: ‚was bist du eigentlich’? Diese Betonung auf Quantifizierbarkeit und Dichotomien hat auch die Vorstellung zur Folge, ‚Entweder/Oder’-Kategorien in eine Hierarchie bringen zu m&#252;ssen. So eine Analyse geht davon aus, dass die eine Seite automatisch privilegiert ist, w&#228;hrend die andere unterdr&#252;ckt ist.“<a title="anm_46" name="anm_46" href="#anm46"><sup>46</sup></a> Demgegen&#252;ber sollte das Ineinandergreifen und die Wechselwirkung von Machtstrukturen thematisierbar werden. Was <em>Schwarze Feministinnen</em> durch den Fokus auf ihre eigene Unterdr&#252;ckung herauskehrten wurde damit erstmals zum Entwurf f&#252;r sozialwissenschaftliche Theoriebildung: Die &#220;berschneidung, &#220;berlappung sowie die gegenseitige Aufhebung/Verst&#228;rkung von Herrschaftsverh&#228;ltnissen erzeugt eine spezifische Qualit&#228;t, der man mit eindimensionalen Schemata, die isolierte Faktoren im Sinne eines ‚Entweder-Oder’ unterstellen, nicht gerecht werden kann. Vielmehr erfordert dies integrative Analysemethoden. Mit dem Begriff der ‚Intersektionalit&#228;t’, den die US-amerikanische Juristin und Feministin Kimberlé Crenshaw in den 1980er Jahren pr&#228;gte, fand diese Thematik auch in internationale akademische Debatten Eingang. Ausgehend von einer kritischen Untersuchung der Antidiskriminierungsgesetzgebung der USA vertritt sie die These, dass die Analyse der spezifischen gesellschaftlichen Positionen und Unterdr&#252;ckungserfahrungen von Schwarzen Frauen durch die exklusiven Begriffe von Sexismus <em>oder</em> Rassismus nicht zu fassen ist. Sie zeigt, dass die Konzepte von Diskriminierung im rechtlichen Bereich, aber auch in den politischen Programmen der meisten sozialen Bewegungen auf Basis von juristischen und politischen ‚Reinformen‘ bestimmt werden. Dadurch werden implizit die ‚reinen‘ Diskriminierungserfahrungen von <em>entweder</em> Wei&#223;en Frauen <em>oder</em> Schwarzen M&#228;nnern als paradigmatische F&#228;lle von Diskriminierung angesetzt. Dies hat zur Folge, dass die Situation Schwarzer Frauen entweder &#252;berhaupt nicht als qualitativ eigenst&#228;ndig erkannt wird, sodass Schwarze Frauen nur dann als ‚sch&#252;tzenswert‘ angesehen werden und damit verbundene Rechtsanspr&#252;che geltend machen k&#246;nnen, wenn sich ihre Erfahrungen mit denjenigen Wei&#223;er Frauen oder Schwarzer M&#228;nner decken. Dar&#252;ber hinausgehende, aus der Besonderheit ihrer sozialen Position resultierende Erfahrungen, fallen unter den Tisch. Oder aber sie werden als eine Gruppe mit so spezifischen Interessen wahrgenommen, dass sich ihre Erfahrungen nicht mehr mit den Konzepten rassistischer oder sexistischer Diskriminierung erfassen lassen. Da Schwarzen Frauen damit abgesprochen wird, ‚als Frauen‘ oder ‚als Schwarze‘ (politisch) agieren zu k&#246;nnen, wirkt dies isolierend und entpolitisierend auf sie zur&#252;ck.<a title="anm_47" name="anm_47" href="#anm47"><sup>47</sup></a><br />
Dass Crenshaw ihre &#220;berlegungen auf den rechtlichen Bereich zuschneidet, erkl&#228;rt sich unter anderem daraus, dass dem Kampf um rechtliche Gleichstellung in anti-rassistischen Bestrebungen stets eine wichtige Rolle zukam. Dar&#252;ber hinaus wird in der US-amerikanischen Rechtsfindung <em>case law</em> angewandt, was bedeutet, dass zumeist nicht auf kodifiziertes Recht sondern auf Pr&#228;zedenzf&#228;lle zur&#252;ckgegriffen wird. Zu Gunsten der Interessen Schwarzer Frauen entschiedene F&#228;lle k&#246;nnen also Antidiskriminierungsstrategien beeinflussen. Problematisch wird es jedoch, wenn sich K&#228;mpfe auf diesen Bereich beschr&#228;nken. So verweist etwa Angela Davis auf die widerspr&#252;chlichen Konsequenzen, welche die – obschon nicht zu gering zu sch&#228;tzenden – Errungenschaften des <em>Civil Rights Movement</em> und der <em>Black Feminists</em> im Bereich des US-amerikanischen Rechtssprechung nach sich zogen: „Haben wir so hart gearbeitet, um den Einzug eines Schwarzen Konservativen in den Obersten Gerichtshof<a title="anm_48" name="anm_48" href="#anm48"><sup>48</sup></a> zu erm&#246;glichen, der gegen <em>affirmative action</em> und die Rechte von Frauen eintritt? … Ich denke, das dringendste Thema heutzutage ist, … dar&#252;ber nachzudenken, inwieweit sich anti-rassistische und feministische Bewegungen noch darauf beschr&#228;nken k&#246;nnen, blo&#223; auf die Abschaffung von rassistischer [und sexistischer] Gesetzgebung hinzuarbeiten. Eine andere Auffassung von ‚Politik‘ und politischen Strategien w&#228;re n&#246;tig.“<a title="anm_49" name="anm_49" href="#anm49"><sup>49</sup></a> Denn der juristische Begriff der <em>Diskriminierung</em> verweist lediglich auf – scheinbar – individuelle Eigenschaften, und so kann im besten Fall <em>Gleichberechtigung</em> erreicht werden. Strukturelle, gesamtgesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse hingegen lassen sich weder in einer auf Diskriminierung zugeschnittenen Terminologie fassen, noch durch verbesserte Antidiskriminierungsgesetze aus der Welt schaffen. Analog dazu laufen auch politische Strategien und K&#228;mpfe, die auf blo&#223;e <em>Chancengleichheit</em> abzielen, Gefahr, „die Rede von ‚Unterdr&#252;ckung‘ zunehmend [zu &#252;berlagern] oder gar … durch die pluralisierende Rede von ‚Differenzen‘ [zu ersetzen].“<a title="anm_50" name="anm_50" href="#anm50"><sup>50</sup></a>. Somit haben sie keine M&#246;glichkeit mehr, soziale Machtstrukturen grunds&#228;tzlich in Frage zu stellen, geschweige denn, ihnen entgegenzutreten. Als eindr&#252;ckliches Beispiel hierf&#252;r mag der Begriff des ‚Diversity Management‘ genannt werden, der zum einschl&#228;gigen Vokabular neoliberaler Managementkonzepte avancierte und die ‚Heterogenit&#228;t‘ der MitarbeiterInnen als ‚Humanressource‘ der Verwertungslogik unterwirft.<br />
Eine der zentralsten Einsichten des <em>Black Feminism</em> bleibt jedoch, dass <em>Befreiung</em> nicht im Zuge von <em>Gleichberechtigung</em> mit Wei&#223;en M&#228;nnern zu erreichen ist, womit der Fokus auf individuelle Rechte gelegt w&#252;rde, sondern inh&#228;rent mit der Erreichung sozialer Gerechtigkeit und der &#220;berwindung gesellschaftlicher Herrschaftsstrukturen verbunden ist.<br />
Die Intersektionalit&#228;tsdebatte hat sich mittlerweile weiter bewegt und ist &#252;ber ihre urspr&#252;ngliche Formulierung durch Crenshaw weit hinausgegangen. Eine R&#252;ckbindung der Frage nach der &#220;berschneidung von Herrschaftsverh&#228;ltnissen an die Konzepte, &#220;berlegungen und auch Forderungen des <em>Black Feminism</em> ist jedoch f&#252;r eine Re-Politisierung des Konzeptes ‚Intersektionalit&#228;t‘ unerl&#228;sslich. Das w&#252;rde es auch m&#246;glich machen, die akademische Debatte um Herrschaft wieder in einen engeren Zusammenhang zu gegenw&#228;rtigen anti-rassistischen, insbesondere migrantischen K&#228;mpfen zu stellen. Dies setzt jedoch voraus, dass die Lebensverh&#228;ltnisse und Erfahrungen beherrschter Gesellschaftsgruppen nicht lediglich das Objekt sozialwissenschaftlicher Analysen abgeben, sondern dass sich – wie es im <em>Black Feminism</em> der Fall war – theoretische Arbeit an den durch die allt&#228;glichen und politischen K&#228;mpfe dieser Gruppen vorgegebenen Fragen orientiert, um diese so als historisch handlungsf&#228;hige Subjekte sichtbar zu machen.</p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Langston, Donna (1988): Tired of Playing Monopoly? In: Andersen, Margaret/Collins, Patricia Hill (Hg.): Race, Class and Gender. An Anthology. 2. Ausgabe. Belmont et al: Wadsworth 2006, S. 118-127 , hier S.119<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> zitiert nach St&#246;tzer, Sabine (2004): InDifferenzen. Feministische Theorien in der antirassistischen Kritik. Hamburg: Argument, S.18<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Auch M&#228;nner wie W.E.B. Du Bois und Frederick Douglass setzten sich aktiv f&#252;r die Rechte schwarzer Frauen ein, vgl. Davis, Angela Y. (1983): Women, Race &amp; Class. New York: Vintage, S.87ff. Dass wir in diesem Artikel ‚Schwarze Feministinnen’ dennoch mit kleinem ‚i’ schreiben, erkl&#228;rt sich daraus, dass wir uns ausschlie&#223;lich auf Autorinnen beziehen.<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Die Begriffe ‚Schwarz’ und ‚Wei&#223;’ werden in diesem Artikel in einem politischen Sinn gebraucht, also stets mit Formen rassistischer Unterdr&#252;ckung und Diskriminierung in Zusammenhang gebracht. Sie beziehen sich nur insofern auf ph&#228;notypische Merkmale, als die Konstruktion von gesellschaftlichen Gruppen im Rahmen rassistischer Herrschaftsverh&#228;ltnisse auf diesen aufbaut. Die Begriffe werden im Folgenden von uns gro&#223; geschrieben, um ihre politische Bedeutung zu betonen.<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> Wir behalten den englischen Terminus ‚Race’ bei, da dieser aufgrund historischer Entwicklung im englischen eine andere Bedeutung hat, als das im Deutschen nur in spezifischen Kontexten angemessene Wort ‚Rasse’. Es ist uns dabei wichtig, hervorzuheben, dass Race nichts gegebenes, sondern ein Produkt von Rassismen ist. Ebenso ziehen wir den englischen Begriff ‚Women/People of Colour’ der &#220;bersetzung ‚Farbige’ vor.<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Springer, Kimberly (2005): Living For The Revolution. Black Feminist Organizations 1968-1980. Durham et al: Duke University Press, S.19.<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> zitiert nach Davis, Angela Y.(1983): Women Race &amp; Class a.a.o. S.61<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> Davis, Angela Y.(1983): Women Race &amp; Class a.a.o. S.23<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> Marronage ist die organisierte kollektive Flucht schwarzer SklavInnen von den Plantagen.<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> Davis, Angela Y.(1983): Women Race &amp; Class a.a.o. S.39<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Davis, Angela Y.(1983): Women Race &amp; Class a.a.o. S.46<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> In der US-amerikanischen Volksz&#228;hlung von 1890 wurde erhoben, dass 69,5 % der Schwarzen Bev&#246;lkerung im Alter von &#252;ber 10 Jahren im Bereich agrarischer Produktion oder als Haushaltskr&#228;fte besch&#228;ftigt waren, also T&#228;tigkeiten verrichteten, die mit den – damals – inhumansten Arbeitsbedingungen und dem geringsten gesellschaftlichen Ansehen einhergingen. vgl. Women Race &amp; Class a.a.o. S. 87f<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> vgl. Collins, Patricia Hill (2000): Black Feminist Thought: Knowledge, Consciousness And The Politics of Empowerment. 2. &#252;berarb. Auflage. New York: Routledge, S.59.<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> Davis, Angela Y.(1983): Women Race &amp; Class a.a.o. S.95<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> “Kick ass and take names!” war ein von Florynce Kennedy, einem der Gr&#252;ndungsmitglieder der National Black Feminist Organisations (NBFO) ausgegebenes Motto, das viele Schwarze wie Wei&#223;e Feministinnen inspirierte, vgl. Springer, Kimberly: Living For The Revolution a.a.o S.33f<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> Springer, Kimberly: Living For The Revolution a.a.o S.2ff<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> So spricht etwa bell hooks davon, dass der wei&#223;e Feminismus lediglich auf die Probleme von „leisure-class white housewives“ zugeschnitten sei, vgl. hooks, bell: (2000): Black Women: Shaping Feminist Theory. In: James, Joy/Sharpley-Whiting, Tracey Denean: The Black Feminist Reader. Malden: Blackwell. S.131-145, hier S.132. Eine wichtige Relativierung dieser Vorbehalte stellt jedoch eine oft zitierte Studie aus den 1970ern im Auftrag eines gro&#223;en Tabakkonzerns dar, die ergab, dass sich &#252;berdurchschnittlich mehr Schwarze Frauen im Vergleich zu Wei&#223;en mit den grunds&#228;tzlichen Zielen der feministischen Bewegung solidarisch erkl&#228;rten.<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> Springer, Kimberly: Living For The Revolution a.a.o S.26<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> zitiert nach Springer, Kimberly: Living For The Revolution a.a.o S. 31.<br />
<a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> Beal, Frances M. (1969): Double Jeopardy: To Be Black And Female. In: Morgan, Robin (Hg.): Sisterhood is Powerful. An Anthology of Writings from The Women’s Liberation Movement. New York: Vintage Books 1970. S. 382-396, hier S.384. Siehe auch: <a href="http://www.hartford-hwp.com/archives/45a/196.html">http://www.hartford-hwp.com/archives/45a/196.html</a><br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> vgl. hooks, bell (2000): Black Women: Shaping Feminist Theory. a.a.o. S.133,<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> zitiert nach: Alice Ludvig (2001): Kritik des Black Feminism an feministischer Theoriebildung. In: SWS-Rundschau 1, S.38-52, hier S. 40.<br />
bell hooks argumentiert &#228;hnlich, wenn sie &#252;ber Betty Friedan, eine amerikanische Feministin, die in ihrem 1963 erschienenen Bestseller The Feminine Mystique die Beschr&#228;nkung von Frauen auf ein unerf&#252;llendes Hausfrauendasein anprangert, schreibt: “Sie hat nicht die Frage behandelt, wer sich um die Kinder und den Haushalt k&#252;mmern w&#252;rde, wenn mehr Frauen wie sie selbst von ihrer Hausarbeit befreit w&#252;rden und gleichen Zugang zu den Berufen wei&#223;er M&#228;nner bekommen w&#252;rden. (…) Sie hat den LeserInnen nicht erkl&#228;rt, ob es erf&#252;llender ist, statt einer Hausfrau ein Dienstm&#228;dchen, eine Babysitterin, eine Fabriksarbeiterin, eine B&#252;roangestellte oder eine Prostituierte zu sein.” hooks: Black Women Shaping Feminist Theory a.a.o. S.132<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> The Combahee River Collective (1977): “A Black Feminist Statement.” In:  Hull, Gloria T./Scott, Patricia Bell/ Smith, Barabara (Hg.): All The Women Are White, All the Blacks Are Men, But Some of Us Are brave. Old Westbury/New York: The Feminist Press 1982. S.13-22, hier S.17. Siehe auch: <a href="http://circuitous.org/scraps/combahee.html">http://circuitous.org/scraps/combahee.html</a><br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> Collins gelten informelle, private Beziehungen zwischen Schwarzen Frauen, insbesondere die Mutter-Tochter Beziehung, aber auch Schwarze Kirchen und andere community organisations als solche gesch&#252;tzten R&#228;ume, vgl. Collins: Black Feminist Thought a.a.o. S.100ff<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> Collins: Black Feminist Thought a.a.o. S.260<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> bell hooks besteht darauf, dass ihr Namen klein geschrieben wird, da sie ihr Werk in den Vordergrund stellen will, nicht ihre Autorschaft.<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> Higginbotham, Elisabeth (1982): “Two Representative Issues in Contemporary Sociological Work on Black Women.” In:  Hull, Gloria T./Scott, Patricia Bell/ Smith, Barabara (Hg.): All The Women Are White, All the Blacks Are Men, But Some of Us Are brave. Old Westbury/New York: The Feminist Press. S.93-97, hier S.95<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> vgl. Beal: Double Jeopardy a.a.o. S.386ff<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> Collins: Black Feminist Thought a.a.o. S.7<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> vgl. Smith, Valerie (1998): Not Just Race, Not Just Gender. Black Feminist Readings. London/ New York: Routledge. S.69ff<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> vgl. Clarke, Cheryl (1983): “The Failure to Transform: Homophobia in The Black Community.” In: Smith, Barbara: Home Girls. A Black Feminist Anthology. 2. Auflage. New Brunswick/New Jersey: Rutgers University Press 2000. S.190-201, hier S.192<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> hooks, bell: Black Women Shaping Feminist Theory a.a.o. S.144<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> Als Beispiel daf&#252;r, wie solche Bilder auch in den akademischen Diskurs Eingang gefunden haben, lie&#223;e sich etwa die vom United States Department of Labor in Auftrag gegebene, 1965 ver&#246;ffentlichte Studie des U.S. amerikanischen Soziologen Moynihan The Negro Family: A case for national action  anf&#252;hren. Moynihan behauptete, dass der Grund f&#252;r die „Pathologie“ der Schwarzen Bev&#246;lkerung in deren Familienverh&#228;ltnissen zu suchen sei, genauer darin, dass diese martriarchal strukturiert seien. vgl.: The Moynihan Report (1965), <a href="http://www.blackpast.org/?q=primary/moynihan-report-1965#chapter4">http://www.blackpast.org/?q=primary/moynihan-report-1965#chapter4</a><br />
Auch Aktivisten des Civil Rights Movement schienen gegen&#252;ber dem Stereotyp der Schwarzen Matriarchin nicht immun gewesen zu sein. So verlautbarte etwa Andrew Young, seines Zeichens Pr&#228;sident der Southern Christian Leadership Conference (SCLC) und damit einer der wichtigsten Organisationen im Civil Rights Movment sowie enger Vertrauter von Martin Luther King, dass M&#228;nner „eine harte Aufgabe mit der Beherrschung Schwarzer Frauen in der SCLC hatten … Das ist ein Allgemeinplatz, aber ein Unterdr&#252;ckungssystem tendiert dazu, schwache M&#228;nner und starke Frauen zu produzieren.“ zitiert nach Springer, Kimberly: Living For The Revolution a.a.o. S. 23<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> vgl. Collins: Black Feminist Thought a.a.o. S.69ff<br />
<a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> So stellt Combahee River Collective fest, dass Black Feminism keine seperatistische Bewegung sein kann: „Unsere gesellschaftliche Positionierung als Schwarze Frauen macht es notwendig, dass wir auch mit Schwarzen M&#228;nnern solidarisch sind, w&#228;hrend Wei&#223;e Frauen mit Wei&#223;en M&#228;nnern nicht solidarisch sein m&#252;ssen, au&#223;er sie sind es als rassistische Unterdr&#252;ckerInnen. Wir dagegen k&#228;mpfen gemeinsam mit Schwarzen M&#228;nnern gegen Rassismus, gleichzeitig jedoch k&#228;mpfen wir auch gegen sie &#252;ber Sexismus.” The Combahee River Collective: A Black Feminist Statement a.a.o. S.16<br />
<a title="anm36" name="anm36" href="#anm_36">36</a> The Combahee River Collective: A Black Feminist Statement a.a.o. S.16<br />
<a title="anm37" name="anm37" href="#anm_37">37</a> vgl. Collins, Patricia Hill (1990): “Defining Black Feminist Thought.” In: Dies.: Black Feminist Thought: Knowledge, Consciousness And The Politics of Empowerment. 1.Auflage. New York: Routledge. S.19-40, hier S.20ff. Siehe auch: <a href="http://www.feministezine.com/feminist/modern/Defining-Black-Feminist-Thought.html">http://www.feministezine.com/feminist/modern/Defining-Black-Feminist-Thought.html</a><br />
<a title="anm38" name="anm38" href="#anm_38">38</a> Collins: Black Feminist Thought a.a.o. S.23<br />
<a title="anm39" name="anm39" href="#anm_39">39</a> The Combahee River Collective: A Black Feminist Statement a.a.o. S.13f<br />
<a title="anm40" name="anm40" href="#anm_40">40</a> vgl. Spivak, Gayatri Chakravorty (1985): “Subaltern Studies. Deconstructing Historiography.” In: Landry, Donna/MacLean, Gerald (Hg.): The Spivak Reader. New York: Routledge 1996. S.204-235, hier S.214f.<br />
Spivak erarbeitet diese Problematik unter Bezug auf die Arbeiten der Subaltern Studies, einer Gruppe von HistorikerInnen, welche die Geschichte Indiens unter der Kolonialherrschaft revidierten und als ‚Geschichte von unten’ zu rekonstruieren suchten. Deren Versuch, die Bewusstseinsformen der Subalternen zu dokumentieren, liest sie als „strategischen Gebrauch eines positivistischen Essentialismus in einem offensichtlichen politischen Interesse“ (ebd. S.214) und stellt diese Strategie in Analogie zu Marx Reflexionen &#252;ber die politische Funktion des Klassenbewusstseins. Sp&#228;ter distanziert sie sich vom Begriff des ‚strategischen Essentialismus’, da dieser meist als Rechtfertigung f&#252;r Identit&#228;tsdenken und essentialistische Positionen herangezogen werde, wobei das strategische Element verloren ginge. vgl. Milevska, Suzana (2003): “Resistance That Cannot be Recognised as Such. Interview with Gayatri Chakravorty Spivak.” In: Identities. Journal for Politics, Gender and Culture Vol. II No. 2. Winter 2003. S.27-45, insbesondere S.30f<br />
<a title="anm41" name="anm41" href="#anm_41">41</a> vgl. Collins: Black Feminist Thought a.a.o. S.33<br />
<a title="anm42" name="anm42" href="#anm_42">42</a> Antonio Gramsci bestimmt die Kategorie der Intellektuellen nicht in erster Linie &#252;ber die Verrichtung von Kopfarbeit, sondern &#252;ber ihre Funktion als Organisatoren gesellschaftlicher Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse. Er stellt fest, dass Intellektuelle eine politisch-moralische F&#252;hrungsfunktion &#252;bernehmen, insofern sie an der Ausarbeitung des Selbst- und Weltverst&#228;ndnis bestimmter Gesellschaftsgruppen beteiligt sind. vgl. Gramsci, Antonio (1932ff): Gef&#228;ngnishefte. Kritische Gesamtausgabe. Bd. 7. Hg. von Bochmann, Klaus/Haug, Wolfgang Fritz/Jehle, Peter. Hamburg/Berlin: Argument-Verlag 1999. S.1497-1505/S.1559-1562.<br />
<a title="anm43" name="anm43" href="#anm_43">43</a> vgl. Collins: Black Feminist Thought a.a.o. S.33ff<br />
<a title="anm44" name="anm44" href="#anm_44">44</a> vgl. Springer, Kimberly: Living For The Revolution a.a.o S.27 und Davis, Angela (2006): Reflections on Race, Class, and Gender in the USA. In: Joy James (Hg.): The Angela Y. Davis Reader. Oxford (u.a.): Blackwell, S. 309<br />
<a title="anm45" name="anm45" href="#anm_45">45</a> Davis: Reflections on Race, Class, and Gender a.a.o. S.310<br />
<a title="anm46" name="anm46" href="#anm_46">46</a> vgl. Collins, Patricia Hiss (1990): Black Feminist Thought in the Matrix of Domination In: Dies. (1990): Black Feminist Thought: Knowledge, Consciousness, and the Politics of Empowerment. Boston: Unwin Hyman, S. 221-238. &#252;ber: <a href="http://www.hartford-hwp.com/archives/45a/252.html">http://www.hartford-hwp.com/archives/45a/252.html</a><br />
<a title="anm47" name="anm47" href="#anm_47">47</a> vgl. Crenshaw, Kimberlé: Demarginalizing The Intersection of Race And Sex. A Black Feminist Critque of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics. In: James, Joy/Sharpley-Whiting, Tracey Denean: The Black Feminist Reader a.a.o (S.208-238)<br />
<a title="anm48" name="anm48" href="#anm_48">48</a> Hiermit spricht Davis die 1991 erfolgte Berufung des rechts-konservativen Clarance Thomas an den Obersten Gerichtshof der USA an. Diese war Gegenstand heftiger Debatten, vor allem in feministischen Kontexten, da der Berufung schwere Vorw&#252;rfe der sexuellen Bel&#228;stigung seitens seiner ehemaligen Mitarbeiterin Anita Hill voraus gingen.<br />
<a title="anm49" name="anm49" href="#anm_49">49</a> Davis: Reflections on Race, Class, and Gender a.a.o. S.307f<br />
<a title="anm50" name="anm50" href="#anm_50">50</a> Knapp, Gudrun-Axeli (1995): „Intersectionality“ – ein neues Paradigma feministischer Theorie? Zur transatlantischen Reise von „Race, Class, Gender“. In: Feministische Studien, Jg. 23, H. 1, S.69</p>
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