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	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; Afrika</title>
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	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
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		<title>Revolutionen aus dem Off</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 17:09:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 9]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
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		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Entkolonialisierung und die damit verbundene Dezentrierung des Westens hinterlie&#223; auch im Kino der damaligen „Dritte-Welt-L&#228;nder“ ihre Spuren. Nikolaus Perneczky zeichnet ein vielf&#228;ltiges Bild des „Dritten Kinos“, seiner politischen &#196;sthetik und seiner Produktionsbedingungen von den 1960er Jahren bis heute.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Entkolonialisierung und die damit verbundene Dezentrierung des Westens hinterlie&#223; auch im Kino der damaligen „Dritte-Welt-L&#228;nder“ ihre Spuren. <em>Nikolaus Perneczky</em> zeichnet ein vielf&#228;ltiges Bild des „Dritten Kinos“, seiner politischen &#196;sthetik und seiner Produktionsbedingungen von den 1960er Jahren bis heute.<br />
<span id="more-661"></span><br />
In den langen 60er Jahren<a title="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a> des 20. Jahrhunderts unterlag das Verh&#228;ltnis des euroamerikanischen Raums zur damaligen Dritten Welt einem fundamentalen Wandel. Die Emanzipation der ehemaligen Kolonien machte sich in geopolitischen Umw&#228;lzungen ungekannten Ausma&#223;es bemerkbar. Anstatt sich mit der formalen Unabh&#228;ngigkeit abspeisen zu lassen, dr&#228;ngten die dabei entstandenen neuen Nationalstaaten auch auf wirtschaftliche und kulturelle Autonomie. Vor diesem Hintergrund fiel es den europ&#228;ischen Gesellschaften mit einem Mal schwer, sich weiterhin als Ausgangs- und Mittelpunkt des Weltgef&#252;ges zu begreifen. In einer radikalen Wendung beschreibt Jean-Paul Sartre diese Entwicklung als regelrechte Umkehrung der herrschenden Verh&#228;ltnisse. In seinem Vorwort zur franz&#246;sischen Erstausgabe von Frantz Fanons <em>Die Verdammten dieser Erde</em> von 1961 schreibt er, &#252;brigens ohne jede Wehleidigkeit: „Das ist das Ende: Europa ist an allen Ecken leck. Was ist denn geschehen? Ganz einfach dies: bisher waren wir die Subjekte der Geschichte, jetzt sind wir ihre Objekte. Das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis hat sich umgekehrt, die Dekolonisation hat begonnen.“<a title="anm_2" name="anm_2" href="#anm2"><sup>2</sup></a><br />
Wie sich in dieser Bemerkung Sartres schon andeutet, stie&#223; die Krise des eurozentrischen Weltbilds nicht nur jenen &#252;bel auf, deren Funktion oder Profit am Fortbestehen kolonialistischer Regime hing. Auch die europ&#228;ische und US-amerikanische Linke musste sich in der neuen Situation erst zurechtfinden. Schon vorher hatten sich Zweifel geregt, ob das zu bescheidenem Wohlstand gelangte westliche Proletariat nicht l&#228;ngst der Konsumgesellschaft assimiliert worden w&#228;re. Herbert Marcuse, Vordenker und Einfl&#252;sterer der sp&#228;ter so genannten „Neuen Linken“, vertrat gar die Ansicht, der Antagonismus zwischen B&#252;rgertum und Arbeiterklasse habe – wenigstens in Europa – seine Dringlichkeit und mithin die Funktion eines geschichtlichen Movens eingeb&#252;&#223;t: „Die kapitalistische Entwicklung hat jedoch die Struktur und Funktion dieser beiden Klassen derart ver&#228;ndert, da&#223; sie nicht mehr die Tr&#228;ger historischer Umgestaltung zu sein scheinen.“<a title="anm_3" name="anm_3" href="#anm3"><sup>3</sup></a> Nicht nur Sartre und Marcuse folgerten aus dieser Diagnose, dass Widerstand nur noch von den Ausgeschlossenen und Marginalisierten zu erwarten w&#228;re. Weite Teile der Linken schlossen sich dieser Einsch&#228;tzung an und investierten fortan hoch fliegende Hoffnungen in die Revolten und Revolutionen der Dritten Welt, aber auch in die radikalisierten Minderheiten in den Metropolen.<a title="anm_4" name="anm_4" href="#anm4"><sup>4</sup></a><br />
Die Unabh&#228;ngigkeit der neuen afrikanischen Nationalstaaten auf dem Territorium des ehemaligen Franz&#246;sisch- Westafrika (1958), die kubanische Revolution (1959), der Befreiungskampf der AlgerierInnen (1954-1962), die chinesische „Gro&#223;e Proletarische Kulturrevolution“ (1966-1969), die Tet-Offensive des Vietcong (1968) – gleichg&#252;ltig, wie diese Ereignisse heute bewertet werden m&#246;gen, f&#252;hrten sie der zeitgen&#246;ssischen metropolitanen Linken mit Nachdruck vor Augen, dass die M&#246;glichkeit der Revolution sich vom Zentrum an die Peripherie verlagert hatte. Dies warf die Frage auf, ob die dabei erprobten Strategien auf europ&#228;ische Verh&#228;ltnisse umgelegt, die M&#246;glichkeit der Revolution importiert werden k&#246;nnte.<a title="anm_5" name="anm_5" href="#anm5"><sup>5</sup></a> Ernesto „Che“ Guevaras Theorien der Guerilla und des „foco“<a title="anm_6" name="anm_6" href="#anm6"><sup>6</sup></a> (Fokus) boten sich als Legitimation voluntaristischer Vorst&#246;&#223;e gegen das staatliche Gewaltmonopol an.<a title="anm_7" name="anm_7" href="#anm7"><sup>7</sup></a> Aber auch diejenigen, welche die Frage nach der &#220;bertragbarkeit revolution&#228;rer Praxis negativ beschieden, blieben von den Entwicklungen in Lateinamerika, Afrika und Asien nicht unbeeindruckt. So war der Befreiungskrieg in Algerien ein entscheidendes Ereignis in der politischen Sozialisation zahlreicher sp&#228;terer AktivistInnen des Pariser Mai 1968<a title="anm_8" name="anm_8" href="#anm8"><sup>8</sup></a>, und insbesondere Vietnam wurde als Symbol f&#252;r die Br&#252;chigkeit westlicher Herrschaftsanspr&#252;che zur zentralen Bezugsgr&#246;&#223;e der europ&#228;ischen Linken.<a title="anm_9" name="anm_9" href="#anm9"><sup>9</sup></a><br />
Dass der Ort dieser sehr verschiedenen Befreiungsk&#228;mpfe oft als „Dritte Welt“ angegeben und derart vereinheitlicht wurde, ist nur teilweise der europ&#228;ischen Blindheit f&#252;r lokale Besonderheiten anzulasten. Als „Trikont“ bezeichneten ihn die ProponentInnen dieser Bewegungen n&#228;mlich immer wieder selbst, in der Absicht, ihre oft weit gestreuten politischen Anliegen zu b&#252;ndeln und den Kampf daf&#252;r zu internationalisieren. Schlie&#223;lich war ihrem Gegner – der als neokolonialistisch verurteilten Politik der so genannten entwickelten L&#228;nder, vormalige Kolonien in wirtschaftlicher Abh&#228;ngigkeit zu halten – auf lokaler Ebene schwierig beizukommen.<br />
Der Aufstieg des Trikont und die Dezentrierung des Westens im Gefolge der einsetzenden Dekolonisation in den langen 1960er Jahren gilt unter HistorikerInnen, zumal in der neueren globalgeschichtlichen Forschung<a title="anm_10" name="anm_10" href="#anm10"><sup>10</sup></a>, als geschichtlicher Wendepunkt mit weit reichenden politischen, sozialen und kulturellen Folgen. Dass die beschriebene Zeitenwende auch in der Geschichte des Films ihre Spuren hinterlassen hat, ist der kanonischen Filmgeschichtsschreibung dagegen meist nur eine Randnotiz wert und deshalb au&#223;erhalb filmwissenschaftlicher Seminare und cinephiler Monatsschriften wenig bekannt. Diesem Missstand soll im Folgenden abgeholfen werden. Das Aufbegehren der damaligen Dritten Welt wurde von einer kinematografischen Revolution begleitet und mitgestaltet. Ihr Name: „El tercer cine“, das Dritte Kino.</p>
<p><strong>F&#252;r ein Drittes Kino</strong><br />
1969 unternahmen die argentinischen Filmemacher Fernando E. Solanas und Octavio Getino den Versuch, das Medium des Films f&#252;r den antikolonialen Kampf in Dienst zu nehmen und forderten ein eigenst&#228;ndiges Kino der Dritten Welt. Jenseits von Hollywood sollte es verortet sein, aber auch jenseits des mit der europ&#228;ischen Linken assoziierten „Autorenfilms“, selbst wenn sie strategischen Allianzen mit den politisch radikalsten unter dessen Vertretern nicht grunds&#228;tzlich abgeneigt waren. Das Manifest, worin diese Forderungen laut wurden, tr&#228;gt den Titel Hacia un tercer cine<a title="anm_11" name="anm_11" href="#anm11"><sup>11</sup></a>, f&#252;r ein Drittes Kino. F&#252;r ein Kino, das in enger Verschr&#228;nkung mit den sozialen Bewegungen in Lateinamerika, Afrika und Asien gegen die Herrschaft des Neokolonialismus und f&#252;r eine Internationale der Peripherie – die „Trikontinentale“, wie sie auf der legend&#228;ren antiimperialistischen Konferenz von Havanna im Jahr 1966 getauft wurde – k&#228;mpfen sollte. Solanas und Getinos Manifest er&#246;ffnet mit einer Anklage der westlichen Filmindustrien, unter deren Einfluss die Bezeichnung „Film“ zu einem Synonym f&#252;r Spektakel und Unterhaltung verkommen sei. Im schlimmsten Fall stehe das Kino der Vereinigten Staaten und Europas, als kaum verhohlene Interessensvertretung der Studiomagnaten, f&#252;r eine ahistorische Mystifizierung der herrschenden Zust&#228;nde, im besten Fall gebe es ein mut- und auswegloses Zeugnis von sozialer Ungerechtigkeit und der Zersetzung b&#252;rgerlicher Werte. Vieles von dem, was Solanas und Getino den westlichen Kinematografien ankreiden, klingt wie eine Popularisierung von Guy Debords Thesen zur „Gesellschaft des Spektakels“<a title="anm_12" name="anm_12" href="#anm12"><sup>12</sup></a> in seinem gleichnamigen Buch, das zwei Jahre vor ihrem Manifest ver&#246;ffentlicht worden war: Als fetischisiertes Spektakel, das sich verselbstst&#228;ndigt und an die Stelle lebendiger Erfahrung gesetzt h&#228;tte, behinderten das Hollywoodkino und seine Nachahmer die Bewusstwerdung der verblendeten Massen. Vor dem Hintergrund dieser Diagnose wird die Aufgabe, die sich f&#252;r trikontinentale FilmemacherInnen stellt, als zweischneidige beschrieben. Neben der Erfindung emanzipatorischer Bildpraxen steht die Zerst&#246;rung jener Bilder auf der Agenda, die sich die kapitalistischen Unterhaltungsfabriken von der Dritten Welt gemacht haben und immer noch machen.<br />
Die Kritik der Autoren richtet sich aber auch gegen all jene, die der M&#246;glichkeit eines revolution&#228;ren Kinos wenig Chancen einr&#228;umen, bevor nicht s&#228;mtliche Produktionsmittel, auch jene zur Herstellung von Filmen, im Gefolge eines revolution&#228;ren Umsturzes enteignet und vergesellschaftet worden sind. Obwohl dieser Einwand auf solidem marxistischem Boden stand, verwerfen ihn Solanas und Getino mit der Begr&#252;ndung, er erkl&#228;re die eingeschliffenen Produktions-, Distributions- und Vorf&#252;hrbedingungen Hollywoods zum Vorbild. Diese seien, genauso wie die Filme selbst, zur G&#228;nze auf die Interessen der US-amerikanischen Bourgeoisie abgestellt, weswegen f&#252;r alle diese Bereiche neue Formen gefunden werden m&#252;ssten.<br />
Wie ist das zu verstehen? Die Vorstellung, dass Filme aus Hollywood inhaltlich oder ihrer Form nach einer bestimmten Ideologie zuarbeiten, ist recht gel&#228;ufig. Solanas und Getino scheinen jedoch etwas anderes, oder genauer: <em>mehr als das</em> im Sinn zu haben: „Die Machtergreifung einer mechanistischen Vorstellung von Kino, wonach abgeschlossene Strukturen, die auf der Leinwand geboren werden und sterben, bei standardisierter L&#228;nge in einem gro&#223;en Lichtspieltheater abgespult werden, f&#252;hrte zur Absorption von Formen des b&#252;rgerlichen Weltbilds, die in der Tradition der Kunst des 19. Jahrhunderts wurzeln: Der Mensch gilt ausschlie&#223;lich als passives und konsumierendes Objekt. Anstatt Geschichte zu erkennen und zu verstehen, kann er sie nur auffassen, kontemplieren, durchlaufen, erdulden.“ Um gegen die der Film- <em>und </em>Kinotechnik innewohnenden b&#252;rgerlichen Anschauungsformen etwas auszurichten, m&#252;ssten folglich nicht nur andere Filme entworfen werden, sondern auch eine andere, st&#228;rker involvierende und aktivierende Einrahmung ihrer Pr&#228;sentation.<br />
&#196;hnliches gelte f&#252;r den angrenzenden Bereich der Distribution. Die Versuche europ&#228;ischer AutorenfilmerInnen, am Rand der kommerziellen Filmindustrien ein Auskommen zu finden und sich zumindest teilweise auf deren Verleihstrukturen einzulassen, w&#228;ren in eine Sackgasse gem&#252;ndet. Von diesem Modell m&#252;ssten sich die VertreterInnen eines Dritten Kinos daher emanzipieren, um in enger Zusammenarbeit mit ihrem Publikum eigenst&#228;ndige, noch im Falle staatlicher Repression tragf&#228;hige Netzwerke aufzubauen. Dies kam oft dem Weg in den Untergrund gleich.</p>
<p><strong>Die Guerilla als Arbeitsweise</strong><br />
Erm&#246;glicht wurde die Emanzipation von den bestehenden, vertikal integrierten<a title="anm_13" name="anm_13" href="#anm13"><sup>13</sup></a> Filmindustrien von einem Innovationssprung in der Filmkamera- und Projektortechnik. Der technologische Fortschritt hatte immer kleinere, einfacher handhabbare und zudem g&#252;nstigere Bild- und Tonaufnahmeger&#228;te hervorgebracht, wodurch der Umgang mit Film eine ungekannte Demokratisierung – oder, wie es im zeitgen&#246;ssischen Jargon hie&#223;: „Entmystifizierung“<a title="anm_14" name="anm_14" href="#anm14"><sup>14</sup></a> – erfuhr.<br />
Solanas und Getino versprechen sich von dieser Umw&#228;lzung der Produktionsmittel zudem eine neue Arbeitsweise, deren Sto&#223;richtung sich in der Empfehlung andeutet, die „Kamera als Gewehr“<a title="anm_15" name="anm_15" href="#anm15"><sup>15</sup></a> einzusetzen. Anhand dieser Metapher wollen sie die Praxis des Dritten Kinos an die Kampfstrategie der Guerilla anschlie&#223;en: „Die Kamera ist der unersch&#246;pfliche Enteigner von Bild-Waffen, der Projektor ein Gesch&#252;tz, das 24 Bilder in der Sekunde feuert.“<a title="anm_16" name="anm_16" href="#anm16"><sup>16</sup></a> Mit dieser kruden Analogie ist im Wesentlichen eine bestimmte Arbeitsweise im Kollektiv angesprochen, worin jedes Mitglied mit der Gesamtheit des verwendeten Equipments und allen Funktionen hinreichend vertraut und mithin austauschbar ist; worin planerische Detailversessenheit, Disziplin und ein rasches Arbeitstempo vorherrschen; worin alle Beteiligten sich bereit erkl&#228;ren, auf Komfort, alte Gewohnheiten und „dieses ganze Klima der Normalit&#228;t, wohinter sich der allt&#228;gliche Kriegszustand verbirgt“<a title="anm_17" name="anm_17" href="#anm17"><sup>17</sup></a>, Verzicht zu leisten.<br />
Das Projekt des Dritten Kinos ist also von Anbeginn als ein ganzheitliches angelegt: Nicht nur die Filme selbst, sondern auch die angrenzenden Bereiche der Produktion, Distribution und Vorf&#252;hrung sollten revolutioniert werden.</p>
<p><strong>Die Dekolonisation der Kultur</strong><br />
Trotz des recht martialischen Gleichnisses von Film und Gewehr lassen Solanas und Getino darin, wie sie das Verh&#228;ltnis von (Film-)Kunst zu Politik bestimmen, einigen Freiraum. Die Polarit&#228;t der beiden sei von der herrschenden Klasse als universell gesetzt und m&#252;sse, zugunsten der Einheit von Politik und Kunst, in Richtung einer „&#220;berblendung des &#196;sthetischen mit dem Leben der Gesellschaft“<a title="anm_18" name="anm_18" href="#anm18"><sup>18</sup></a> &#220;berwunden werden. Eine wahre Kunst des Volkes ersch&#246;pfe sich nie im &#228;sthetischen Gehalt ihrer Erzeugnisse, sondern sei immer auch eine Kunst f&#252;r das Volk, in seinem politischen Interesse. Gleichzeitig warnen die Autoren des Manifests vor einer allzu pragmatischen Kunstauffassung. Direkte Agitation und Intervention in politische Auseinandersetzungen h&#228;tten ebenso ihren Platz wie solche Ans&#228;tze, die, ungleich weniger handlungsorientiert, auf die Bildung politischen Bewusstseins zielen. Im Anschluss an Fanons Analyse des Verh&#228;ltnisses von Kolonisatoren und Kolonisierten, die von Marx’ Fr&#252;hschriften und Freuds Psychoanalyse informiert ist, brechen Solanas und Getino die Zielsetzung des Dritten Kinos immer wieder auf die Ebene des Individuums herunter. Hier geht es um die Erlangung einer befreiten, unentfremdeten Pers&#246;nlichkeit, die zugleich an der kollektiven Subjektivit&#228;t des Volkes Anteil hat. Wer so denkt, wird geneigt sein, der „Dekolonisation der Kultur“<a title="anm_19" name="anm_19" href="#anm19"><sup>19</sup></a> einen ebenso hohen Stellenwert einzur&#228;umen wie etwa dem Streben nach politischer oder wirtschaftlicher Unabh&#228;ngigkeit.<br />
F&#252;r den Kampf gegen das wirtschaftsliberale, vom Milit&#228;r eingesetzte Regime in ihrem Heimatland Argentinien, das sich bis zu den Unruhen in Cordoba 1969 im Amt halten konnte, konstatieren die Autoren sogar eine Vorrangstellung des Kulturellen, insofern die Abh&#228;ngigkeit vom neokolonialen Hegemon USA in diesem Fall nicht prim&#228;r mit Hilfe polizeilicher und/oder milit&#228;rischer Gewalt aufrecht erhalten werde, sondern zur Konsolidierung des Status quo auf die tatkr&#228;ftige Unterst&#252;tzung der einheimischen Intelligenzija – in Schulen, Universit&#228;ten und Redaktionsr&#228;umen – baue. Dem Kino als derjenigen Kunstform, die im Weltma&#223;stab die gr&#246;&#223;ten Zuschauermassen auf sich zu konzentrieren vermochte, musste bei dieser strategischen Schwerpunktsetzung eine herausragende Rolle zufallen.</p>
<p><strong>&#196;sthetische Offenheit</strong><br />
Was die Grundlegung eines Formenkanons und also die textuelle Ebene der Filme selbst betrifft, h&#228;lt sich Solanas und Getinos Manifest auff&#228;llig bedeckt – solange die Filme nur das unklare Kriterium der „Militanz“ erf&#252;llen: „Filmische Pamphlete, didaktische Filme, Reportagen, Essayfilme, Filme, die Zeugnis ablegen – alle militanten Formen des Ausdrucks sind zul&#228;ssig, und es w&#228;re absurd, ihnen gemeinsame &#228;sthetische Arbeitsnormen zugrunde legen zu wollen.“<a title="anm_20" name="anm_20" href="#anm20"><sup>20</sup></a> An einer Stelle gehen die Autoren so weit, sogar bestimmte Auspr&#228;gungen des Experimentalfilms in ihre Definition aufzunehmen. Nur soviel lassen sie durchblicken: Wer sich in der Hoffnung, beim einfachen Volk auf gr&#246;&#223;eres Verst&#228;ndnis zu sto&#223;en, auf narrative oder formale Vereinfachung einl&#228;sst, gilt ihnen als Populist. Worauf es vielmehr ankomme, sei die Sache, in deren Dienst sich ein Film stellt. Wenn diese nur an die Erfahrung und Lebenswelt der ZuschauerInnen ankn&#252;pft, m&#252;sse sich niemand sorgen, unverstanden zu bleiben.<br />
Ein weiterer Ansto&#223; f&#252;r den Widerwillen der Autoren, sich in formal&#228;sthetischer Hinsicht festzulegen, sind die gro&#223;en Unterschiede zwischen den einzelnen L&#228;ndern und Regionen des Trikont: „Die Differenzen zwischen den Befreiungsk&#228;mpfen verunm&#246;glichen die Festschreibung universeller Normen.“<a title="anm_21" name="anm_21" href="#anm21"><sup>21</sup></a><br />
In einem deutlichen Spannungsverh&#228;ltnis zu diesem Bekenntnis zu lokaler Spezifik steht Solanas und Getinos Hoffnung, das Dritte Kino m&#246;ge zur Internationalisierung der trikontinentalen Unabh&#228;ngigkeitsbewegungen beitragen: Als technisch reproduzierbares Medium, das ob seiner Visualit&#228;t, die Bildungsh&#252;rde der Schrift und sprachliche Barrieren im Allgemeinen zu &#252;berwinden vermag, sollte dem Film die Aufgabe zukommen, der von westlicher Seite vorangetriebenen „Balkanisierung“<a title="anm_22" name="anm_22" href="#anm22"><sup>22</sup></a> ein f&#252;r allemal abzuhelfen.<br />
Das Problematische am Begriff des Dritten Kinos liegt in diesem Spannungsverh&#228;ltnis zwischen lokaler Spezifik und Internationalisierung. So vereint das Dritte Kino eine Vielzahl heterogener Praktiken unter seinem konzeptuellen Deckmantel. Solanas und Getino sind sich der Problematik durchaus bewusst. Ihre Antwort: Das „Dritte Kino“ ist ein Kampfbegriff, den es n&#246;tigenfalls der schlechten Wirklichkeit entgegenzustellen gilt: „Unsere Zeit ist eine Zeit [...] der prozessualen Werke – unfertige, unordentliche, gewaltt&#228;tige Werke, angefertigt mit der Kamera in der einen Hand und mit einem Stein in der anderen. Solche Werke lassen sich nicht am Ma&#223; der tradierten theoretischen und kritischen Kanons messen. Die Idee unserer Filmtheorie und unserer Filmkritik wird durch die enthemmende Praxis des Experiments zum Leben erweckt werden.“<a title="anm_23" name="anm_23" href="#anm23"><sup>23</sup></a></p>
<p><strong>Schauen, Sprechen, Handeln</strong><br />
Wurde die Bezeichnung des Dritten Kinos zun&#228;chst vornehmlich als Etikett f&#252;r den Aufbruch diverser lateinamerikanischer Nationalkinematografien gebraucht, hat sie sich in den 60 Jahren seit der Ver&#246;ffentlichung des Manifests <em>Hacia un tercer cine</em> zum ausfransenden Sammelbegriff r&#228;umlich und zeitlich weit auseinander liegender Film- und Kinokulturen gemausert. Dennoch l&#228;sst sich ihr gemeinsamer Nenner zumindest n&#228;herungsweise angeben: Gemeint sind politische Kinematografien aus Lateinamerika, Afrika und Asien w&#228;hrend der langen 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, wobei „politisch“ nicht mehr aber auch nicht weniger hei&#223;t, als dass die angesprochenen Filme und ihre AutorInnen bzw. AutorInnenkollektive in einem engen, irgendwo zwischen Dialog und Gleichmarsch angesiedelten Zusammenhang mit den sozialen Bewegungen in den L&#228;ndern der Dritten Welt standen. Soweit jedenfalls die hier vorgeschlagene Minimaldefinition, die unter TheoretikerInnen des Dritten Kinos jedoch keineswegs unwidersprochen bleibt.<a title="anm_24" name="anm_24" href="#anm24"><sup>24</sup></a><br />
Nachdem das Dritte Kino versuchsweise definiert und die ihm anhaftenden Probleme zur Sprache gebracht worden sind, ist es nun an der Zeit f&#252;r einen Streifzug durchs Dickicht seiner mannigfaltigen Auspr&#228;gungen – ausgehend von jenen Filmen, die sich in der Zwischenzeit zu einer Art Kanon verdichtet haben, zu den R&#228;nder dieses Kanons und dar&#252;ber hinaus, in die Gegenwart des Weltkinos, das sich zwar in den seltensten F&#228;llen ausdr&#252;cklich auf das Dritte Kino beruft, aber dennoch &#252;ber vielf&#228;ltige Verbindungslinien mit ihm in Beziehung steht.<br />
Im Eingang steht ein Film, der den Forderungen von Solanas und Getino eigentlich auf ganzer Linie entsprechen sollte, haben sie doch selbst Regie gef&#252;hrt. Ihr episch angelegter Dokumentarfilm <em>La hora de los hornos</em><em> (Die Stunde der Hoch&#246;fen</em>, 1968) gilt als klassischer Ort eines agitatorischen Kinos, das sein Publikum direkt anspricht und zu politischer Aktion dr&#228;ngt. In Pesaro uraufgef&#252;hrt, in Argentinien dagegen bis zur Abdankung des vom Milit&#228;r eingesetzten Pr&#228;sidenten Alejandro Lanusse nur im Untergrund gezeigt, entwirft das in fast dreij&#228;hriger Arbeit entstandene Erstlingswerk der Gruppe <em>Cine liberación</em> eine politische Geschichte Argentiniens seit der Unabh&#228;ngigkeit. Der erste Teil skizziert eine Anatomie des Neokolonialismus und seiner gewaltsamen Ausdrucksformen im lateinamerikanischen Alltag, der zweite rekonstruiert anhand einer Montage aus vorgefundenem Material und eigens gedrehten Interviews mit VertreterInnen der Gewerkschaft, ArbeiterInnen und StudentInnen das Fortwirken kolonialer Strukturen bis zum Sturz Pérons 1955. Zuletzt findet der Film eine klare Antwort, wie der zunehmenden politischen Eskalation zu begegnen sei: Mit bewaffnetem Widerstand und Solidarit&#228;t unter den V&#246;lkern der Dritten Welt. &#220;berraschender als die Botschaft ist die Art ihrer &#220;bermittlung. Diese kann, ganz ohne &#220;bertreibung, als regelrechte Selbstaufhebung des Films beschrieben werden: Zwischen den einzelnen Segmenten werden als Diskussionsansto&#223; Passagen aus Fanon, Guevara, Amílcar Cabral u.a. eingeblendet. Jedes Kapitel endet mit einem Fragenkatalog, in der Pause zwischen zwei Kapiteln soll der Projektor heruntergefahren und das Saallicht eingeschaltet werden, um das Publikum aus dem Modus der Betrachtung in jenen der angeregten Debatte zu &#252;berf&#252;hren. Doch damit nicht genug. Bevor sich der Vorhang zum letzten Mal senkt, tritt eine unumwundene Aufforderung an die Stelle der zur Reflexion anhaltenden Zitattafeln: Schaut nicht l&#228;nger zu, verlasst sofort den Saal und werdet endlich zu Sprechenden, zu Handelnden!<br />
Es liegt nahe, <em>La hora de los hornos</em> als idealtypische Verwirklichung von Solanas und Getinos Projekt eines Dritten Kinos aufzufassen. Was diese intuitive Lesart aber &#252;bersieht, ist die ausdr&#252;ckliche Offenheit des Manifests: Der agitatorische Ansatz mochte den argentinischen Verh&#228;ltnissen angemessen sein, Anspr&#252;che auf universelle G&#252;ltigkeit hatten seine Macher jedoch nicht im Sinn. So findet sich im Einzugsgebiet des Dritten Kinos eine F&#252;lle von Filmen, die ihren politischen Anspruch nicht am Revers tragen; in denen sich das Politische nicht direkt, sondern &#252;ber Umwege vermittelt. Die Spannbreite des Dritten Kinos reicht von Agitprop zu zur&#252;ckhaltender Beobachtung und reflexiver Selbstkritik, von dokumentarischen Formen zu generischen Spielfilmen, von &#196;sthetiken der Kargheit und des Mangels zu &#252;berschw&#228;nglicher Experimentierfreude, vom Streben nach kultureller Eigenst&#228;ndigkeit zur ironischen Anverwandlung westlicher Einfl&#252;sse.<br />
Im Lateinamerika der langen 1960er Jahre finden sich jene Filme, die dem Ansatz von Solanas und Getino am n&#228;chsten stehen. Aus Platzgr&#252;nden, und weil das Dritte Kino aus Argentinien, Brasilien, Kuba u.a. wesentlich &#246;fter Gegenstand gelehrter Betrachtung und der Vermittlungsarbeit an europ&#228;ischen Kinematheken ist als jenes aus Afrika und Asien, sei an dieser Stelle nur ein weiterer lateinamerikanischer Regisseur erw&#228;hnt: Der Bolivianer Jorge Sanjinés, der gemeinsam mit dem von ihm begr&#252;ndeten Ukamau-Filmkollektiv an einem Kino „junto al pueblo“, mit dem Volk<a title="anm_25" name="anm_25" href="#anm25"><sup>25</sup></a> arbeitete. Alle Arbeitsschritte – von der Abfassung des Drehbuchs bis zur Vorf&#252;hrung in Wanderkinos – erfolgten in enger Kooperation mit der indigenen Landbev&#246;lkerung im bolivianisch-peruanischen Grenzland, als deren Werkzeug Sanjinés sich und seine MitstreiterInnen sah. Das Resultat ihrer Bem&#252;hungen sind einige der am konsequentesten antiindividualistischen Filme seit Sergej Eisenstein, darunter <em>El enemigo principal (Der Hauptfeind)</em> von 1973. Darin setzt sich eine indigene Dorfgemeinschaft gegen ihren brutalen Grundherren zur Wehr, der sie in einem der Leibeigenschaft &#228;hnlichen Zustand h&#228;lt. Erst die Ankunft einer Gruppe von Guerilleros, die den LandarbeiterInnen erkl&#228;ren, was es mit dem antiimperialistischen Kampf auf sich hat, schafft die n&#246;tigen Organisationsstrukturen f&#252;r den bewaffneten Widerstand und die Verurteilung des Gro&#223;grundbesitzers durch ein Guerillatribunal am Ende des Films.<br />
Die Dorfgemeinschaft tritt fast immer als Kollektiv ins Bild und handelt auch als solches. Sobald sich Einzelne aus der Gruppe l&#246;sen, schw&#228;cht das die Sto&#223;kraft ihrer Aktion, etwa zu Beginn des Films, als sie ihren Ausbeuter der Justiz &#252;berantworten will. Der korrupte Dorfrichter, der mit dem Gro&#223;grundbesitzer unter einer Decke steckt, weist die Indios an, VertreterInnen aus ihrer Mitte zu ernennen, um in einem Gerichtsverfahren f&#252;r ihre Br&#252;der und Schwestern zu sprechen. Zun&#228;chst verweigert sich die Dorfgemeinschaft dieser Stellvertretungslogik. Die erste Begegnung mit dem Richter wird zur Veranschaulichung des prinzipiellen Unvernehmens zwischen b&#252;rgerlichem Individuum und quasi-proletarischem Kollektiv: W&#228;hrend die Menge auf akustischer Ebene in ein Durcheinander unverst&#228;ndlicher Stimmen zerf&#228;llt, verbinden sich die Stimmen im Bild der vereint gestikulierenden Indios zum organischen Ausdruck der Vielen.</p>
<p><strong>Filme aus Zigarettenstummeln</strong><br />
Auch im postkolonialen Afrika finden sich Filme und FilmemacherInnen, die mit der Utopie des Dritten Kinos in Verbindung stehen. Zum Beispiel der senegalesische Film Borom Sarret von 1962, der Ousmane Sembènes Ruf als Vater des afrikanischen Kinos begr&#252;ndete und seither oft als Ma&#223;stab herbeizitiert wird, an dem sich andere afrikanische Filme der 1960er und 70er Jahre zu messen h&#228;tten. Daf&#252;r gibt es gute Gr&#252;nde: <em>Borom Sarret</em> ist, da sind sich die ChronistInnen einig<a title="anm_26" name="anm_26" href="#anm26"><sup>26</sup></a>, in einem bestimmten Sinn der erste afrikanische Film aller Zeiten. Soll hei&#223;en: Der erste von einem schwarzen afrikanischen Regisseur auf afrikanischem Boden realisierte Film in der Geschichte des Mediums.<br />
Sembènes unangefochtener Status als Gr&#252;ndervater r&#252;hrt nicht nur daher, dass es sich bei <em>Borom Sarret</em> um eine Pionierleistung handelte, sondern hat auch und vor allem damit zu tun, dass sein erster Film eine Erz&#228;hlweise vorgab, die f&#252;r viele afrikanische FilmemacherInnen in seiner Nachfolge verbindlich werden sollte: Sozialer Realismus, gepaart mit dem dramaturgischen Muster des Stationendramas, worin es einen (meist m&#228;nnlichen) Protagonisten von einer episodischen Begegnung zur n&#228;chsten verschl&#228;gt. Die Personen, die er auf dieser Reise trifft, erscheinen zwar zun&#228;chst oft „wie aus dem Leben gegriffen“, geben sich in Momenten forcierter Zeichenhaftigkeit jedoch zugleich als allegorische Kippfiguren der postkolonialen Gesellschaft zu erkennen. Im Fall von <em>Borom Sarret</em> ist der Held ein etwas grantiger, aber im Grunde sympathischer Kutscher, der auf seinen Fuhren durch Dakar den unterschiedlichen Gesichtern der Stadt begegnet. Als er sich dem Verbot widersetzt, mit dem Karren die Grenze zum Verwaltungsdistrikt zu &#252;berqueren, wird er von einem Polizisten angehalten und sein Gef&#228;hrt konfisziert. Der Auftritt und das Gebaren des Polizisten ergeben sich l&#252;ckenlos aus der realistisch grundierten Handlungslogik. Bis zu dem Punkt, da er als Individuum in den Hintergrund tritt, w&#228;hrend sein extrem untersichtig gefilmter Stiefel zu einem &#252;berdeutlichen Symbol f&#252;r die Kontinuit&#228;t der Gewalt – von der kolonialen in die postkoloniale &#196;ra – anw&#228;chst.<br />
Sembène konnte bereits einigen Erfolg als Romancier verbuchen, bevor er sich dem Film als neuem Ausdrucksmedium zuwandte. Er selbst erkl&#228;rte diesen folgenreichen Schritt mit dem weit verbreiteten Analphabetismus seiner Landsleute: „Ich denke, dass das Kino kulturell bedeutsamer ist, und f&#252;r uns Afrikaner von absoluter Notwendigkeit. Denn es gibt <em>eine </em>Sache, die man den afrikanischen Massen nicht wegnehmen kann, und das ist, etwas gesehen zu haben.“<a title="anm_27" name="anm_27" href="#anm27"><sup>27</sup></a> Dass Sehen f&#252;r Sembène eine andere Form von Evidenz schafft als Lesen, macht ein Ausspruch deutlich, den er dem Kutscher von <em>Borom Sarret</em> in den Mund legt. Dieser sagt, mit Blick auf die nationale Bourgeoisie des postkolonialen Senegal: „Ils savent lire, et ils savent mentir“, sie k&#246;nnen lesen und sie k&#246;nnen l&#252;gen.<br />
Was l&#228;ngst nicht bedeutet, dass Bilder nicht auch l&#252;gen k&#246;nnten. Im Gegenteil begegnete Sembène auch dem Kino stets mit gro&#223;er Skepsis. Hatte es sich nicht in der ersten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts zum Komplizen kolonialer Herrschaft gemacht und – was f&#252;r ihn noch schwerer wog – die m&#252;ndlichen Erz&#228;hlkulturen seiner Vorfahren &#252;berdeckt und so den Zugang zur eigenen Geschichte versperrt? So k&#228;mpfte Sembène Zeit seines Lebens gegen die Beherrschung des afrikanischen Filmverleihs durch US-amerikanische und europ&#228;ische Distributoren, die den Markt mit B-Filmen &#252;berschwemmten. Auch sein Pl&#228;doyer f&#252;r die <em>mégotage</em>, eine Produktionsweise, die aus Knappheit die Tugend kultureller Eigenst&#228;ndigkeit macht, ist vor diesem Hintergrund zu verstehen; <em>mégotage</em>, weil die meisten afrikanischen FilmemacherInnen darauf angewiesen waren, mit den &#252;brig gebliebenen <em>mégots</em>, den Zigarettenstummeln ausl&#228;ndischer Produktionen, zu arbeiten.<br />
Djibril Diop Mambétys<em> Badou Boy</em> von 1970 kn&#252;pft augenscheinlich an die von Sembène begr&#252;ndete Traditionslinie eines allegorisch zugespitzten und wom&#246;glich didaktischen, sozialen Realismus an. Aber er verpasst dieser Steilvorlage<br />
eine entscheidende Wendung ins Anarchische: Aus dem Kutscher wird ein kleiner Junge, aus der Kutsche ein Bus, aus dem zielvollen Ernst des Brotberufs der Spa&#223; einer wilden, ungerichteten Verfolgungsjagd. Wie in <em>Borom Sarret</em> tritt auch hier ein Polizist als Repr&#228;sentant der Obrigkeit auf, die dem Helden aus einfachen Verh&#228;ltnissen das Leben schwer macht; mit dem entscheidenden Unterschied, dass der gewitzte Badou Boy seinem Verfolger immer um eine Nasenl&#228;nge voraus ist.<br />
Auf der Folie der &#252;berlieferten Geschichte des fr&#252;hen afrikanischen Kinos, die sich an der Leitfigur Sembène orientiert, erscheint <em>Badou Boy</em> zwar als ein Ausrei&#223;er, jedoch als einer, der immerhin am Figurenrepertoire und am dramaturgischen Strickmuster des kanonischen Korpus teilhat. Eine ganze Reihe von Kleinoden des fr&#252;hen afrikanischen Kinos, die erst k&#252;rzlich wieder in Archiven aufgetaucht sind<a title="anm_28" name="anm_28" href="#anm28"><sup>28</sup></a>, versperren sich noch st&#228;rker gegen die herk&#246;mmlichen Zuordnungen und r&#252;cken auch <em>Badou Boy</em> in ein anderes Licht.<br />
Zum Beispiel Safi Fayes <em>Kaddu Beykatt</em> (<em>Lettre Paysanne</em>, 1975). Absto&#223;ungspunkt ist der viel kritisierte ethnografische Film europ&#228;ischer Machart, mit seinem sezierenden, Stereotypen festschreibenden „Insektenforscherblick“.<a title="anm_29" name="anm_29" href="#anm29"><sup>29</sup></a> Aber die Regisseurin Safi Faye verwirft diese filmische Gattung nicht einfach, sondern versucht sich an einer behutsamen Umkehrung des ethnografischen Paradigmas, die darauf abhebt, die Dargestellten an ihrer Darstellung zu beteiligen.<br />
Safi Faye nahm Anfang der 1970er Jahre das Studium der Ethnologie an der Pariser Sorbonne auf, um 1975 mit einer Kamera und einem Team von drei Assistenten in ihr Heimatdorf Fad’jal im S&#252;den Senegals zur&#252;ckzukehren. Wie viele afrikanische Produktionen jener Zeit erhielt das Filmprojekt finanzielle Unterst&#252;tzung vom franz&#246;sischen Ministère de la Coopération, das aus dem fr&#252;heren Kolonialministerium hervorgegangen war.<br />
Schon die Dreharbeiten zu<em> Kaddu Beykat</em> waren von Fayes zentralem Anliegen bestimmt, den ethnografischen Zugriff auf den afrikanischen Kontinent einer Revision zu unterziehen. So stand am Anfang zwar das Rudiment einer Geschichte – der junge Landarbeiter Ngor kann wegen der schlechten Ernte den Brautpreis f&#252;r seine Angebetete Columba nicht entrichten und versucht sein Gl&#252;ck in Dakar –, oft gab Faye aber wenig mehr als ein vages Thema vor und &#252;berlie&#223; den Ablauf der Szene den DarstellerInnen. In der resultierenden Zur&#252;ckhaltung vertr&#228;gt sich <em>Kaddu Beykatt</em> so gar nicht mit jener Vorstellung des fr&#252;hen afrikanischen Kinos, das in Ousmane Sembène ihren zentralen Bezugspunkt findet. Der Sch&#228;rfe der Kritik tut diese Zur&#252;ckhaltung indes keinen Abbruch: Als Ursache f&#252;r die l&#228;ndliche Notlage identifiziert der Film die Fortsetzung kolonialer Politik nach Erlangung der Unabh&#228;ngigkeit unter Pr&#228;sident Léopold Sédar Senghor; eine Politik, die den Bauern anstelle nachhaltiger Selbstversorgung den monokulturellen Anbau von Cash Crops nahe legte.</p>
<p><strong>Afrikanische Cowboys</strong><br />
Der Filmhistoriker Manthia Diawara hat einmal gesch&#228;tzt, dass 80 Prozent der afrikanischen Filmproduktion aus den ehemaligen franz&#246;sischen Kolonien stammten.<a title="anm_30" name="anm_30" href="#anm30"><sup>30</sup></a> Das ist heute, im Zeitalter einer boomenden nigerianischen Videofilmindustrie mit Ausl&#228;ufern in anderen westafrikanischen Staaten sicher nicht mehr zutreffend. F&#252;r die 1960er und 70er Jahre aber m&#252;sste man die zahlenm&#228;&#223;ige &#220;berlegenheit des frankophonen Filmschaffens wahrscheinlich noch h&#246;her ansetzen. Das hat mehrere Gr&#252;nde, der wichtigste Faktor war aber wahrscheinlich das weit bis in die postkoloniale &#196;ra hinein reichende Bestreben des offiziellen Frankreich, seine Kolonien nicht nur &#246;konomisch, sondern auch kulturell an sich zu binden. Das nahm seinen Ausgang auf der Schulbank – in den Schulb&#252;chern war die Rede von „Nos ancêtres les gauloises“, von <em>unseren </em>gallischen Vorfahren – und setzte sich bis in die Kinos&#228;le fort. Noch zur Stummfilmzeit machten sich die franz&#246;sischen Kolonisatoren Gedanken, wie Filme f&#252;r ein afrikanisches Publikum auszusehen h&#228;tten, begr&#252;ndeten staatlich gelenkte Produktionsfirmen und f&#246;rderten den Distributionssektor.<br />
Auf diese Weise war es Frankreich nicht nur m&#246;glich, die Filmproduktion seiner afrikanischen Kolonien inhaltlich auf Linie zu bringen, sondern auch den Aufstieg von AfrikanerInnen in verantwortliche Positionen systematisch zu behindern. Auf der legalen Grundlage des 1934 verabschiedeten Décret Laval, wonach jedeR, der/die auf dem Territorium des damaligen Franz&#246;sisch-Westafrika ein kinematografisches Bild oder eine Tonaufnahme herstellen wollte, eine schriftliche Anfrage an den Generalgouverneur der jeweiligen Kolonie richten musste, war es ein Leichtes, diese Vorhaben durchzusetzen. Ein prominentes Opfer des Décret Laval war der Filmemacher Paulin Vieyra aus Benin. W&#228;re ihm 1955 nicht die Drehgenehmigung in Senegal verwehrt worden, dann g&#228;lte heute er und nicht Ousmane Sembène als Gr&#252;ndervater des afrikanischen Kinos. Stattdessen verlegte Vieyra seine Arbeit nach Paris und drehte einen Film &#252;ber die afrikanische Diaspora an der Seine. <em>Afrique-sur-Seine</em> ist ein Dokument &#252;ber das Afrika der Ausgewanderten und Ausgesto&#223;enen, das trotz widriger Produktionsbedingungen ein weitaus optimistischeres Bild zeichnet als &#252;ber zehn Jahre – und etliche Migrationswellen – sp&#228;ter Med Hondos verzweifelnder <em>Soleil Ô</em> (1969).<br />
Der in Mauretanien geborene Hondo gelangte &#252;ber den Umweg des Theaters zum Film. &#196;hnlich Sembène dachte er dem reproduzierbaren Medium das Potenzial zu, sein Publikum und mithin die gesellschaftliche Relevanz seines k&#252;nstlerischen Schaffens zu vervielf&#228;ltigen. Als afrikanischer Migrant im Paris der 1960er Jahre machte Hondo jene Erfahrungen, die in seinem ersten Langfilm <em>Soleil Ô</em> zu einem schmerzvollen, aber befreienden Ausdruck dr&#228;ngen: Der Rassismus im Kleinen wie im (strukturellen) Gro&#223;en, der den Alltag der afrikanischen Diaspora im Herzen der „Grande Nation“ bestimmte – bedingt und begleitet von &#246;konomischer und kultureller Marginalisierung –, wird am Fallbeispiel eines jungen Afrikaners veranschaulicht. Sein Leidensweg f&#252;hrt ihn durch ein Paris, wie es selten zu sehen ist. W&#228;hrend zeitgen&#246;ssische franz&#246;sische Kommentatoren den Film ob seiner &#252;bersch&#228;umenden Experimentierfreudigkeit in die N&#228;he des Avantgardefilms r&#252;ckten, verortet ihn Hondo selbst in der afrikanischen Tradition abschweifenden, mehrschichtigen Erz&#228;hlens. In der Bezugnahme auf eine als genuin afrikanisch verstandene Tradition spricht sich Hondos erkl&#228;rtes Ziel aus, mit seinen Filmen ein Gegenwicht zu dem, wie er es selbst nennt, „euroamerikanischen Kino“<a title="anm_31" name="anm_31" href="#anm31"><sup>31</sup></a> zu schaffen. Nur wenn AfrikanerInnen aller L&#228;nder die Produktionsmittel zur Gestaltung filmischer Bilder selbst in die Hand bek&#228;men, war der Leser von Karl Marx, Frantz Fanon und Aimé Césaire &#252;berzeugt, kann die Befreiung auch vom ideellen Erbe des Kolonialismus gelingen.<br />
Mit der formalen Unabh&#228;ngigkeit der franz&#246;sischen Kolonien wurden der Décret Laval und die kolonialistische<br />
Kulturpolitik, f&#252;r die er einstand, zwar obsolet. Ihre Nachwirkungen waren trotzdem zu sp&#252;ren. Weil AfrikanerInnen der Zugang zu hoch qualifizierten T&#228;tigkeiten wie Kameraf&#252;hrung, Tonaufnahme oder Schnitt versperrt gewesen war, herrschte nun ein eklatanter Mangel an Fachkr&#228;ften.<br />
Einige wenige gab es aber doch, und dieser Umstand verdankt sich unter anderem der pers&#246;nlichen Initiative des franz&#246;sischen Ethnografen Jean Rouch. Der hatte – entgegen den Gepflogenheiten – mit der hierarchischen Zuordnung von Sehen und Angesehenwerden gebrochen und einige seiner DarstellerInnen im Gebrauch einer tragbaren 16mm-Kamera angewiesen. Egal, was man von Rouch als Regisseur ethnografischer Filme halten mag<a title="anm_32" name="anm_32" href="#anm32"><sup>32</sup></a>, kommt ihm allemal das Verdienst zu, etlichen Pionieren des afrikanischen Kinos den Weg geebnet zu haben.<br />
Unter seinen Sch&#252;lerInnen befand sich auch der nigerianische Filmemacher Moustapha Alassane, dessen Erstlingswerk <em>Le retour d’un aventurier</em> (1966) sich fast allen Ordnungsschemata widersetzt, die der kanonischen Geschichte des fr&#252;hen afrikanischen Kinos zu Gebote stehen. Der Film handelt, wie so viele westafrikanische Filme dieser Zeit, von einem, der auszieht, das Gl&#252;ck zu suchen; als Boy in den Metropolen Afrikas, als Stra&#223;enfeger in Paris oder als Soldat im Indochinakrieg. Meist kehren diese jungen M&#228;nner, selten auch Frauen, mit leeren H&#228;nden in ihre Heimatd&#246;rfer zur&#252;ck. Nicht so in <em>Le retour d’un aventurier</em>. Der R&#252;ckkehrer hat von seiner Reise in die Vereinigten Staaten einen Koffer voller Stetson-H&#252;te, kniehoher Lederstiefel und anderer Western-Versatzst&#252;cke mitgebracht und verteilt sie unter seinen Freunden, die sich mit gro&#223;er Spielfreude Namen wie Jimmy und John und den dazu geh&#246;rigen Habitus aneignen. Bald schon geraten die frisch gebackenen Cowboys mit ihren losen Sitten aber in Konflikt mit der gewachsenen Dorfgemeinschaft. W&#228;hrend die Grenzen zwischen Rollenspiel und Ernst verschwimmen, werden die Widerspr&#252;che zwischen nigerischer Tradition und westlichen Einfl&#252;ssen immer handgreiflicher, ihr Ausdruck immer gewaltt&#228;tiger. Die wirtschaftliche &#214;ffnung und Modernisierung nach Erlangung der Unabh&#228;ngigkeit bereitete dem Einzug des USamerikanischen Genrekinos den Boden, das gemeinsam mit indischen Produktionen &#252;ber Jahrzehnte die sporadischen Kinolandschaften Westafrikas dominieren sollte. Da liegt es nur nahe, dass Alassane den Konflikt zwischen nigerischer Tradition und westlicher Moderne auf der Folie des Western entwickelt. Obwohl die jugendlichen Cowboys nur Unheil anrichten, ist der Film weit davon entfernt, antimoderner Reflex zu sein. Allerorten macht sich eine tiefe Ambivalenz gegen&#252;ber der Modernisierung bemerkbar, und w&#228;hrend die Handlung gegen Ende einen moralisierenden Tonfall anstimmt, widerspricht ihr die Tonspur ganz entschieden, indem sie nigerische und US-amerikanische Musiktraditionen (Country) aufs Vers&#246;hnlichste harmonisiert.<br />
Vor dem Hintergrund der Filme von Faye, Hondo und Alassane ergeben sich ganz neue M&#246;glichkeiten der filmgeschichtlichen Kontextualisierung. Mambéty <em>Badou Boy</em>, der vorhin noch als eigenwillige Variation auf Sèmbenes <em>Borom Sarret</em> vorgestellt wurde, wird nun als Repr&#228;sentant einer versch&#252;tteten, noch zu entdeckenden Tradition des afrikanischen Kinos beschreibbar; einer Tradition, die das Streben nach kultureller Autonomie durch eine – wenngleich vorsichtige und oft reibungsvolle – Aneignung westlicher Einfl&#252;sse ersetzt.</p>
<p><strong>Internationalismus vs. Globalisierung</strong><br />
Mit dem explizit revolution&#228;ren und internationalistischen Gestus ihres Manifests rannten Solanas und Getino in Lateinamerika offene T&#252;ren ein. In den neuen Nationalstaaten auf dem Territorium des ehemaligen Franz&#246;sisch-Westafrika stie&#223;en manche ihrer Forderungen – nach der Freilegung eigener kultureller Formen oder nach der Etablierung eines subsistenten Distributionssektors – auf fruchtbaren Boden. Andere dagegen verhallten ungeh&#246;rt: Weitaus zaghafter als sein lateinamerikanisches Gegenst&#252;ck unternahm das fr&#252;he afrikanische Kino den Versuch, die Probleme der nachkolonialen &#196;ra in einen L&#228;ndergrenzen oder sogar Kontinente &#252;bergreifenden Bezugsrahmen zu setzen. Auch in Asien entpuppte sich die Utopie des Dritten Kinos als nur bedingt anschlussf&#228;hig. Zwei kontr&#228;re Positionen aus den Philippinen der 1970er Jahren sollen dies veranschaulichen.<br />
Nachdem Ferdinand Marcos seine urspr&#252;nglich demokratisch legitimierte Pr&#228;sidentschaft 1972 in eine Milit&#228;rdiktatur umgewandelt hatte, war an ein im engeren Sinne radikales Filmschaffen – f&#252;r das ohnehin keine Infrastruktur zur Verf&#252;gung gestanden h&#228;tte – nicht zu denken. Diejenigen Regisseure, die dennoch den Versuch unternahmen, politische Filme zu drehen, mussten sich auf dem Gebiet des popul&#228;ren Kinos und seiner von Solanas und Getino kritisierten, an Holly- und Bollywood orientierten melodramatischen Form bewegen. Lino Brocka, der vielleicht bedeutendste philippinische Regisseur, betrachtete es als die Aufgabe jedes K&#252;nstlers, Stellung zu aktuellen sozialen und politischen Auseinandersetzungen zu beziehen. So beteiligte er sich in den 1980er Jahren mit der von ihm gegr&#252;ndeten Organisation Concerned Artists of the Philippines (CAP) an den b&#252;rgerlichen Protesten gegen den Diktator Ferdinand Marcos. Brockas Filme sind gepr&#228;gt von der Spannung zwischen diesem intervenierenden Gestus einerseits und den Zw&#228;ngen des Genrekinos, in welchem er Zeit seiner Karriere arbeitete, andererseits.<br />
Kein anderer Film Brockas macht diese Spannung so produktiv wie <em>Insiang </em>(1976), ein Melodram, angesiedelt in den &#252;berbev&#246;lkerten Slums von Manila. Hier, wo das Zusammenleben auf Zwang beruht, erstickt jeder Versuch, die soziale Zerrissenheit zu &#252;berwinden, im Keim, verl&#228;uft jede noch so minimale Geste der Solidarit&#228;t ins Nichts. Der Passionsweg der jungen Insiang f&#252;hrt sie von einer Erniedrigung zur n&#228;chsten, die sich, nach Art des klassischen Melodrams, s&#228;mtlich auf ihrem ebenm&#228;&#223;ig sch&#246;nen Gesicht abzeichnen. Am Ende des Films steht eine emanzipatorische Abweichung von der generischen Gussform: Wenn die leidende Oberfl&#228;che ihres Gesichts sich verh&#228;rtet und mit der Welt abgeschlossen hat, wird sich ihr grausamer Zorn nach au&#223;en wenden und gegen ihre Peiniger richten.<br />
Noch weiter von der herk&#246;mmlichen Auffassung des Dritten Kinos entfernt sich Kidlat Tahimiks <em>Mababangong bangungot</em><em> (Der parf&#252;mierte Albtraum)</em>. Schon 1977 bearbeitet er eine geopolitische Konstellation, die sich in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch in ihrer Keimform befand, inzwischen aber aus politischen und auch sonstigen Gegenwartsdiagnosen nicht mehr wegzudenken ist: die Globalisierung. Der Regisseur Kidlat Tahimik hei&#223;t mit b&#252;rgerlichem Name Eric de Guia und arbeitete als Wirtschaftswissenschaftler in den Vereinigten Staaten und Frankreich,bevor er es sich anders &#252;berlegte und mit <em>Mababangong bangungot</em> gleichsam im Alleingang das unabh&#228;ngige philippinische Kino begr&#252;ndete. Tahimik spielt oder parodiert sich selbst, als Bewohner eines kleinen Dorfes, der mit Leib und Seele dem westlichen Fortschrittsglauben verfallen ist. Er ist der Vorsitzende des lokalen Wernher-von-Braun-Fanclubs, lauscht begeistert den Selbstbeweihr&#228;ucherungen der Vereinigten Staaten auf ihrem Auslandssender „Voice of America“ und ist besessen vom Br&#252;ckenbauen, das ihm als Metapher f&#252;r die zunehmende Verbundenheit seines Dorfes mit dem Rest des Globus gilt. Bis Kidlat sich eines Tages auf eine Bildungsreise durch Europa begibt, und dort zu seiner Ern&#252;chterung feststellen muss, dass der technologische Fortschritt wo er hinblickt menschliche Verlierer hervorgebracht hat.<br />
Tahimiks hybride Montage rauschhafter Bilder und T&#246;ne, die mit minimalem Budget auf 8mm gedreht wurde, bricht mit allem, wof&#252;r die philippinische Filmindustrie bis heute steht. Deren standardisierten Melodramen setzt Tahimik seinen eigenen Entwurf von Kino als einem gleichzeitig pers&#246;nlichen und hoch politischen Medium entgegen. Auf den ersten Blick steht der Film damit dem Kanon des Dritten Kinos wieder sehr nahe. Freilich scheint sich in Tahimiks &#196;sthetik, in der das Lokale ohne (vor allem nationalstaatliche) Vermittlungsinstanzen mit dem Globalen konfrontiert wird, ein grunds&#228;tzlich anderer Politikbegriff zu verbergen als in den &#252;brigen Filmen des Dritten Kinos, die selten ganz ohne Kategorien wie „Nation“ oder „Volk“ auskommen. <em>Mababangong bangungot</em> partizipiert dabei weniger an der postkolonialen Internationalisierungsrhetorik, als dass er seinen eigenen problematischen Adressierungsmodus reflektiert: Ein Film wie dieser kann nicht mehr in mobilisierender Absicht zu einer auch nur halbwegs koh&#228;rent gedachten &#214;ffentlichkeit sprechen. Stattdessen richtet er sich an jeden und niemand und im Zweifelsfall vor allem an westliche Filmfestivals.</p>
<p><strong>Das Erbe des Dritten Kinos?</strong><br />
Wer die hier vorgestellten Filme, von Solanas und Getinos <em>La hora de los hornos</em> bis zu Tahimiks <em>Mababangong </em>bangungot, ungeachtet ihrer gro&#223;en Unterschiede unter ein und demselben Banner versammelt, nimmt sich zwar die M&#246;glichkeit, den Begriff des Dritten Kinos zur pr&#228;zisen Bestimmung einer politischen &#196;sthetik zu gebrauchen, kann ihn daf&#252;r aber als reichen Fundus an Formen und Ideen zu einer politischen Bildpraxis im umfassenden Wortsinn auffassen. Nicht nur die Form der Bilder selbst steht dann auf dem Spiel, sondern auch wie sie gemacht, verteilt und gezeigt werden.<br />
Aus diesem Fundus sch&#246;pfen auch die heutigen Kinematografien aus den L&#228;ndern der ehemaligen Dritten Welt, auch wenn sie in den allerwenigsten F&#228;llen ausdr&#252;cklich beanspruchen, das Projekt des Dritten Kinos zu beerben oder weiterzuf&#252;hren.<br />
Auch wenn der ins Okkulte gewendete Antikapitalismus nigerianischer Videofilme nur noch wenig mit der aufgekl&#228;rten Gesellschaftskritik bei Ousmane Sembène und anderen VertreterInnen des fr&#252;hen afrikanischen Kinos zu tun hat, machte der Aufstieg „Nollywoods“ zumindest Sembènes Traum von einem wirtschaftlich autonomen Filmschaffen <em>von </em>AfrikanerInnen <em>f&#252;r </em>AfrikanerInnen wahr. Mit einer Einschr&#228;nkung jedoch: Die Kehrseite dieser &#246;konomischen Unabh&#228;ngigkeit ist nicht anderes als die Abh&#228;ngigkeit von der &#214;konomie: Der erste veritable Blockbuster aus diesem Produktionszusammenhang ist Chris Obi Rapus<em> Living in Bondage</em> (Nigeria, 1992). Nur wenige Wochen nach ihrer Ver&#246;ffentlichung „straight to video“ hatte sich die moralische Erz&#228;hlung um einen jungen Igbo, der seine Frau opfert, um an Wohlstand und einen Nissan Pathfinder zu gelangen, &#252;ber 500 000 mal verkauft. Von diesem Erfolg angespornt, investierten findige Gesch&#228;ftleute in &#228;hnlich geartete Filmprojekte und legten so den &#246;konomischen wie generischen Grundstein zur nigerianischen Videofilmindustrie, die seither zum zweitgr&#246;&#223;ten Arbeitgeber des Landes avancierte.<a title="anm_33" name="anm_33" href="#anm33"><sup>33</sup></a><br />
Ein anderes Beispiel, das in mehrerlei Hinsicht auf das Dritte Kino bezogen werden kann, ist das von der Volksrepublik China sowie der Europ&#228;ischen Union bezuschusste und vom Dokumentarfilmregisseur Wu Wenguang koordinierte Mammutprojekt <em>Chinese Villagers Documentary Project</em>, das in den letzten Jahren auf kleinen Festivals und im Internet<a title="anm_34" name="anm_34" href="#anm34"><sup>34</sup></a> Furore gemacht hat. Zehn DorfbewohnerInnen aus allen Teilen Chinas, &#252;ber deren Auswahl eine offene Ausschreibung entschied, wurden mit digitalen Videokameras ausgestattet. Bestand ihre Zielsetzung urspr&#252;nglich darin, die basisdemokratische Direktwahl der Dorfverwaltung zu dokumentieren, hat sich das Projekt inzwischen zu einem umfassenden Selbstportr&#228;t im Format der Langzeitbeobachtung ausgewachsen: Die nebenberuflichen FilmemacherInnen, die alle auch einem oft landwirtschaftlichen Brotberuf nachgehen, wollten einfach nicht mehr davon lassen, die Bedingungen ihres Lebens mit Hilfe der digitalen Aufzeichnung zu verdoppeln und so zu thematisieren.<a title="anm_35" name="anm_35" href="#anm35"><sup>35</sup></a><br />
Wenn das Dritte Kino nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Gegenwart und Zukunft haben sollte, so wird sich diese wahrscheinlich nicht mehr auf Celluloid, sondern im entgrenzten Reich des digitalen Laufbilds abspielen.</p>
<p><em>Mit Dank an Lukas Foerster</em></p>
<p><em>Nikolaus Perneczky</em> ist einer der KuratorInnen der Filmreihe <em>Revolutionen aus dem Off. Eine Retrospektive des Dritten Kinos im Aufbruch</em>, die vom 18. April bis zum 27. Mai 2009 im <em>Zeughauskino Berlin</em> gezeigt wurde.</p>
<p><strong>Anmerkungen</strong><br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Zur geopolitischen Periodisierung der 1960er Jahre vgl. Kastner, Jens und David Mayer: Zur Einf&#252;hrung; In: Kastner, Jens und David Mayer, Weltwende 1968? Ein Jahr aus globalgeschichtlicher Perspektive, Wien 2008, S. 11.<br />
<a title="anm2" name="anm2" href="#anm_2">2</a> Sartre, Jean-Paul: Vorwort [1961]; In: Fanon, Frantz: Die Verdammten dieser Erde, Frankfurt am Main 1981, S. 24.<br />
<a title="anm3" name="anm3" href="#anm_3">3</a> Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, Frankfurt am Main 1989 [1964] (= Ders.: Schriften, Bd. 7), S. 15.<br />
<a title="anm4" name="anm4" href="#anm_4">4</a> Tats&#228;chlich wurde das Aufbegehren etwa der konservativen Nation of Islam oder der linksradikalen Black Panther Party for  Self-Defense immer wieder zu den Befreiungsk&#228;mpfen auf dem afrikanischen Kontinent in<br />
Beziehung gesetzt, und im Umkehrschluss die rassistische Unterdr&#252;ckung in den USA als quasi kolonialistische gebrandmarkt. Vgl. dazu Scharenberg, Albert: „Die  B&#252;rgerrechtsbewegung in den USA“; In: Kastner/Mayer, a.a.O., S. 159-171, und als Zeitzeugnis Pasolini, Pier Paolo: B&#252;rgerkrieg [1966]; In: Ders.: Ketzererfahrungen, M&#252;nchen/Wien 1979, S. 179-186.<br />
<a title="anm5" name="anm5" href="#anm_5">5</a> vgl. van der Linden, Marcel: 1968: Das R&#228;tsel der Gleichzeitigkeit; In: Kastner/Mayer, a.a.O., S. 30.<br />
<a title="anm6" name="anm6" href="#anm_6">6</a> Der Fokustheorie zufolge ist es die Aufgabe einer bewaffneten Gruppe entschlossener Revolution&#228;rInnen, die Revolution in die Landbev&#246;lkerung „hineinzutragen“.<br />
<a title="anm7" name="anm7" href="#anm_7">7</a> vgl. Hecken, Thomas: 1968. Von Texten und Theorien aus einer Zeit euphorischer Kritik, Bielefeld 2008, S. 55f.<br />
<a title="anm8" name="anm8" href="#anm_8">8</a> vgl. Kalter, Christoph: ’Le monde va de l’avant. Et vous êtes en marge’. Dekolonisierung, Dezentrierung des Westens und Entdeckung der ‚Dritten Welt’ in der radikalen Linken in Frankreich in den 1960er Jahren; In: Archiv f&#252;r Sozialgeschichte, Bd. 48, Bonn, 2008, S. 99-132.<br />
<a title="anm9" name="anm9" href="#anm_9">9</a> Hecken, a.a.O., S. 52.<br />
<a title="anm10" name="anm10" href="#anm_10">10</a> z.B. Kastner/Mayer, a.a.O.<br />
<a title="anm11" name="anm11" href="#anm_11">11</a> Solanas, Fernando E. und Octavio Getino: Towards a Third Cinema [1969]; In: Nichols, Bill (Hg.): Movies and Methods. An Anthology, Berkeley/Los Angeles/London, 1976, S. 44-64.<br />
<a title="anm12" name="anm12" href="#anm_12">12</a> Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels, Berlin, 1996 [1967].<br />
<a title="anm13" name="anm13" href="#anm_13">13</a> Als vertikal integriert wird jene Unternehmensstruktur bezeichnet, bei der ein Filmstudio die Sektoren der Produktion, Distribution und Vorf&#252;hrung unter seinem Dach vereint.<br />
<a title="anm14" name="anm14" href="#anm_14">14</a> Solanas/Getino, a.a.O., S. 53f.<br />
<a title="anm15" name="anm15" href="#anm_15">15</a> Ibid., S. 57.<br />
<a title="anm16" name="anm16" href="#anm_16">16</a> Ibid., S. 58.<br />
<a title="anm17" name="anm17" href="#anm_17">17</a> Ibid.<br />
<a title="anm18" name="anm18" href="#anm_18">18</a> Ibid., S. 50; Kursivsetzung im Original.<br />
<a title="anm19" name="anm19" href="#anm_19">19</a> Ibid., S. 47.<br />
<a title="anm20" name="anm20" href="#anm_20">20</a> Ibid., S. 55f.<br />
<a title="anm21" name="anm21" href="#anm_21">21</a> Ibid., S. 56.<br />
<a title="anm22" name="anm22" href="#anm_22">22</a> Ibid., S. 55.<br />
<a title="anm23" name="anm23" href="#anm_23">23</a> Ibid., S. 57.<br />
<a title="anm24" name="anm24" href="#anm_24">24</a> vgl. Pines, Jim und Paul Willemen (Hg.): Questions of Third Cinema, London, 1989; darin finden sich Versuche zu einer Ausweitung des Begriffs ebenso wie solche, denen an der Grundlegung eines &#228;sthetischen Kanons gelegen ist; vgl. auch Guneratne, Anthony und Wimal Dissanayake (Hg.): Rethinking Third Cinema, New York, 2003.<br />
<a title="anm25" name="anm25" href="#anm_25">25</a> vgl. Sanjinés, Jorge und die Ukamau Gruppe (Hg.): Theory and Practice of a Cinema with the People, New York, 1989 [1979].<br />
<a title="anm26" name="anm26" href="#anm_26">26</a> vgl. Gutberlet, Marie-Hélène: Auf Reisen. Afrikanisches Kino, Frankfurt am Main/Basel, 2004, S. 106; vgl. auch Ukadike, Nwachukwu Frank: Black African Cinema. Berkeley, 1994; sowie Murphy, David und Patrick<br />
Williams: Postcolonial African cinema. Ten directors, Manchester/New York, 2007, S. 50.<br />
<a title="anm27" name="anm27" href="#anm_27">27</a> vgl. http://revolutionenausdemoff.de/, unter dem Men&#252;punkt „Material“ findet sich jenes Interview mit Sembène, aus dem das Zitat entnommen ist.<br />
<a title="anm28" name="anm28" href="#anm_28">28</a> vgl. Bisschoff, Lizelle und David Murphy: Africa’s Lost Classics. Introduction; In: Screen 48:4, Oxford, 2007.<br />
<a title="anm29" name="anm29" href="#anm_29">29</a> Diese Metapher pr&#228;gte Ousmane Sembène als Vorwurf an den franz&#246;sichen Ethnografen Jean Roch, in deutscher &#220;bersetzung wiederabgerduckt als Rouch, Jean und Ousmane Sembène: „Du schaust uns an, als w&#228;ren wir Insekten.“ Eine historische Gegen&#252;berstellung zwischen Jean Rouch und<br />
Ousmane Sembène im Jahr 1965; In: Gutberlet, Marie-Hélène und Hans-Peter Metzler (Hg.): Afrikanisches Kino, Bad Honeff, 1997, S. 29-32.<br />
<a title="anm30" name="anm30" href="#anm_30">30</a> vgl. Diawara, Manthia: African Cinema. Politics and Culture, Bloomington, 1992.<br />
<a title="anm31" name="anm31" href="#anm_31">31</a> vgl. Murphy/Williams, a.a.O., S.<br />
<a title="anm32" name="anm32" href="#anm_32">32</a> vgl. Fu&#223;note 30<br />
<a title="anm33" name="anm33" href="#anm_33">33</a> vgl. http://www.guardian.co.uk/film/2007/jul/31/observerfilmmagazine.observerfilmmagazine5.<br />
<a title="anm34" name="anm34" href="#anm_34">34</a> Auf der Website des China Independent Documentary Archive (http://www.cidfa.com) sind s&#228;mtliche Filme des Village Documentary Project verf&#252;gbar.<br />
<a title="anm35" name="anm35" href="#anm_35">35</a> vgl. Foerster, Lukas: Village Voice; In: Cargo, Nr. 3, Berlin, Herbst<br />
2009, S. 49-52.</p>
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		<title>Reggae: Roots of Resistance</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Sep 2007 05:42:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 1]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
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		<description><![CDATA[Reggae ist heute ein fixer Bestandteil jugendlicher Subkultur und au&#223;erdem identit&#228;tsstiftendes Moment der „black community“. <em>Philipp Probst</em> beschreibt die historische Entwicklung des Reggae im Spannungsfeld von Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung, „love and peace“ und homophoben und sexistischen Tendenzen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Reggae ist heute ein fixer Bestandteil jugendlicher Subkultur und au&#223;erdem identit&#228;tsstiftendes Moment der „black community“. <em>Philipp Probst</em> beschreibt die historische Entwicklung des Reggae im Spannungsfeld von Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung, „love and peace“ und homophoben und sexistischen Tendenzen.<br />
<span id="more-90"></span><br />
Die Geschichte des Reggae ist stark mit der Geschichte Jamaikas verbunden, einer Geschichte von Sklaverei und Kolonialherrschaft, von Rassismus und Unterdr&#252;ckung, von wirtschaftlicher Abh&#228;ngigkeit und Ausbeutung. Reggae ist das Produkt „der Erfahrungen von AfrikanerInnen in der Karibik… Der Geist und Inhalt des Jazz und Blues in Afro-amerika, und des Reggae in<span>  </span>Jamaika zeigen dieselbe Botschaft – eine Reaktion auf die Unterdr&#252;ckung und Ausbeutung in der Neuen Welt“.<a href="#anm1" title="anm_1" name="anm_1"><sup>1</sup></a></p>
<h3>„Do you remember the days of slavery“</h3>
<p>„I would rather die pon your gallows than live in slavery“ Sam Sharpe 1832</p>
<p>&#220;ber 15 Millionen AfrikanerInnen wurden w&#228;hrend der Sklaverei von Afrika in die „neue Welt“ verschleppt, w&#228;hrend zus&#228;tzlich noch mal dieselbe Zahl bei der SklavInnenjagd und der &#220;berfahrt gestorben sein d&#252;rften. Etwa eine Million SklavInnen wurden nach Jamaika deportiert, von denen am Ende der Sklaverei nur ca. 323.000 &#252;berlebt hatten. F&#252;r Europa legte der Handel mit SklavInnen als billigen Arbeitskr&#228;ften den Grundstock f&#252;r die Entwicklung des aufstrebenden Kapitalismus.<br />
Die Erinnerung an die Erfahrungen der Sklaverei brachten Bob Marley und die Wailers in dem Song „Catch a fire“ zum Ausdruck:</p>
<p class="MsoNormal"><o :p> </o></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">“Slave driver, the table is turning,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">catch a fire so you can get burn…<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Everytime I hear the crack of the whip<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">My blood runs cold,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">I remember on the slave ship<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">How they brutalised my very soul.<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">They say that we are free<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">The only thing that change is poverty”<a href="#anm2" title="anm_2" name="anm_2"><sup>2</sup></a><o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal">Um den Widerstand der Versklavten zu brechen, die Erinnerungen an das freie Leben in Afrika auszul&#246;schen, setzten die Plantagenbesitzer und die herrschende Klasse jedes Mittel ein. Gleich bei der &#220;berfahrt wurden die SklavInnen, die aus verschiedenen Teilen Afrikas kamen, so aufgeteilt, dass auf Grund von Sprachbarrieren schwer Kommunikation zustande kommen konnte und erschwerte somit einheitliche Aufst&#228;nde der SklavInnen. Afrikanische Riten wurden weitgehend verboten und das „drum-law“ verhinderte, dass sich jamaikanischen SklavInnen versammelten und trommelten.<a href="#anm3" title="anm_3" name="anm_3"><sup>3</sup></a> Doch die versklavten AfrikanerInnen fanden kreative Wege des Widerstands. Von Sabotageakten, „langsamen Arbeiten“ bis zum Vergiften des SklavInnenhalters durch den versklavten Koch reichten die Widerstandsformen. Durch das Nach&#228;ffen der wei&#223;en Herrscher konnte gemeinsam Frust und Aggression abgebaut werden. Sowohl Unzufriedenheit mit der derzeitigen Situation als auch Erfahrungen von Aufst&#228;nden flossen in Gesang, Tanz, Musik, Spottgedichten und Geschichten ein. Der kulturelle Widerstand, der sich in langsamer Art und Weise entwickelte, st&#228;rkte die Solidarit&#228;t untereinander und den Willen zur Rebellion &#8211; und explodierte in SklavInnenaufst&#228;nden. Es kam in der Zeit der Sklaverei zu mehr als vier hundert Aufst&#228;nden, und zu gr&#246;&#223;eren Zusammenst&#246;&#223;en 1729-31, 1760, 1831. Zwei der wichtigsten Widerstandsk&#228;mpfe, deren Erinnerung und Erfahrungen sich heute noch in Reggaetexten wiederfinden, waren die Aufst&#228;nde der Maroons und der Aufstand 1865 unter Paul Bogle.</p>
<p>Die Maroons waren eine Gruppe von SklavInnen, die von den Spaniern zur&#252;ckgelassen wurden, nachdem Jamaika von den Briten 1655 erobert wurde. Sie warteten nicht auf die neuen Eroberer, sondern zogen sich in die jamaikanischen H&#252;gel zur&#252;ck und gr&#252;ndeten freie Gemeinschaften. Da die Maroons entflohene SklavInnen in ihre Gemeinschaft aufnahmen, kamen sie mit der britischen Kolonialherrschaft in Konflikt. Jahrelang wurde brutal gegen die Maroons vorgegangen, doch spezialisiert auf Guerillataktiken leisteten die Maroons Widerstand. In der Nacht attackierten die sie die Plantagen, um Nahrung und anderes zu erhalten, w&#228;hrend sie sich am Tag zur&#252;ckzogen. Die Lebensweise der Maroons war gepr&#228;gt von Arbeitsteilung und gemeinschaftlichem Zusammenleben. Gr&#246;&#223;ere SklavInnenaufst&#228;nde 1673 und 1685 lie&#223; die Zahl der Maroons weiter anwachsen. 1731 begann der erste „Maroon Krieg“. Die britische Armee konnte die Maroonk&#228;mpferInnen nicht besiegen und musste einen Friedensvertrag abschlie&#223;en. Den Maroons wurden einige Zugest&#228;ndnisse gemacht, z.B. bekamen sie f&#252;nf gr&#246;&#223;ere St&#228;dte, jedoch war es der letzte Punkt des Vertrags, der den Widerstand der Maroons in Folge schw&#228;chen w&#252;rde. Sie mussten sich bereit erkl&#228;ren, keine weiteren entflohenen SklavInnen mehr aufzunehmen. Damit verloren sie die Unterst&#252;tzung der schwarzen Bev&#246;lkerung und konnten fast<a href="#anm4" title="anm_4" name="anm_4"><sup>4</sup></a> g&#228;nzlich zur&#252;ckgedr&#228;ngt werden. Trotzdem wurden sie wegen ihrer Lebensweise und ihrem Kampf gegen die Kolonialherren zum Vorbild f&#252;r die Rastafari, die sp&#228;ter eine wichtige Kraft in Jamaika und f&#252;r die Entwicklung des Reggae werden sollten.</p>
<p>Im Jahre 1834 wurde die Sklaverei nach einem gro&#223;en SklavInnenaufstand 1831 offiziell abgeschafft. Doch die SklavInnen wurden nur formal frei. Den ehemaligen Sklavenhaltern und Plantagenbesitzern wurde von der britischen Kolonialmacht 20 Millionen an Entsch&#228;digung gezahlt, w&#228;hrend den ehemaligen SklavInnen jeder Landbesitz verwehrt wurde und sie vier weitere Jahre f&#252;r ihre ehemaligen Herren arbeiten mussten. Ohne Land und Job konnten sie sich nur entscheiden zu verhungern oder weiter f&#252;r die ehemaligen Besitzer zu arbeiten. Das bedeutete einen direkten &#220;bergang von Sklavenarbeit zu Lohnarbeit. 1860 war die Situation der schwarzen Bev&#246;lkerungsschicht kaum besser als zu Zeiten der Sklaverei. Sie trugen die Hauptlast der Steuern, waren durch hohe Entgelte praktisch von Wahlen ausgeschlossen, die L&#246;hne wurden gek&#252;rzt, es gab Hunger und Krankheit.<br />
Diese desolaten Zust&#228;nde f&#252;hrten 1865 zur Morant Bay Rebellion unter Paul Bogle. Bogle war baptistischer Priester und Anf&#252;hrer der freien Dorfgemeinschaft Stony Gut, deren Land von der baptistischen Kirche gekauft und den freien SklavInnen zur Verf&#252;gung gestellt wurde.<br />
Nach einem kleinen Aufstand sollten die Anf&#252;hrer festgenommen werden. Doch die BewohnerInnen von Stony Gut waren vorbereitet und verjagten die Polizei. Das Gerichtsgeb&#228;ude, das Symbol der Unterdr&#252;ckung, wurde zerst&#246;rt. Tausende schlossen sich Bogle an und zogen durch die umliegenden D&#246;rfer, begleitet von Trommeln und dem Slogan „Cleave to black“. Drei Tage war ein Gebiet von etwa 30 Meilen rund um Morant Bay unter Kontrolle der schwarzen Bev&#246;lkerung, bevor die britische Armee mit &#228;u&#223;erster Brutalit&#228;t gegen die Aufst&#228;ndischen und alle, die mit ihnen sympathisierten, vorging. Bogles Kampf, die Morant Bay Rebellion und der Leitspruch „Cleave to black“ legten den Grundstein f&#252;r die Entwicklung des „Black Nationalism“ in der jamaikanischen Gesellschaft.</p>
<h3>Marcus Garvey – „Africa for the Africans at home and abroad”</h3>
<p>Obwohl die Sklaverei abgeschafft war, existierte sie f&#252;r viele in einer „kultivierteren“ Form weiter. So forderte Bob Marley in seinem Redemption Song: <o :p></o></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB"><o :p> </o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">„Emancipate yourselves from mental slavery<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">None but ourselves can free our minds&#8230;”<sup>5</sup><o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB"><o :p> </o></span></p>
<p>Die Welt wurde bombardiert mit Bildern der wei&#223;en &#220;berlegenheit. Pseudowissenschaftliche und biblische Rechtfertigungen sowie Filme wie Tarzan, der Tiere und Schwarze gleicherma&#223;en z&#228;hmte, zeigten das Bild des „kultivierten“ Wei&#223;en gegen&#252;ber der/dem „zu kultivierenden“ Schwarzen. Die Ideen des Rassismus, die sich w&#228;hrend der Sklaverei gebildet hatten, wurden von den Kolonialm&#228;chten weltweit als Rechtfertigung f&#252;r ihre Herrschaft eingesetzt.<a href="#anm6" title="anm_6" name="anm_6"><sup>6</sup></a> Schwarzen wurden Grundrechte wie Versammlungsrecht, Wahlrecht, Recht auf Gewerkschaftsorganisierung verweigert. Das Bewusstsein der schwarzen Bev&#246;lkerung, der ArbeiterInnen, kleinen B&#228;uerInnen und Arbeitslosen, war gepr&#228;gt von rassistischer Unterdr&#252;ckung und der &#246;konomischen Ausbeutung. Dadurch wurde die Suche nach einer Identit&#228;t in der afrikanischen Vergangenheit gen&#228;hrt. Es ist vor diesem Hintergrund der generellen Verunglimpfung von schwarzer Kultur und Verweigerung von B&#252;rgerInnenrechten, dass Ideen des Pan-Afrikanismus an Bedeutung gewannen. Die „United Negro Improvement Association“ unter der F&#252;hrung von Marcus Garvey wurde zur gr&#246;&#223;ten pan-afrikanischen Organisation und hatte gro&#223;en Einfluss auf den „Black Nationalism“ in den US, auf Malcolm X und die Black Panthers. Garvey predigte schwarzes Selbstbewusstsein und Identifikation mit der afrikanischen Heimat. Nach Ansicht Garveys sollten alle Schwarzen die L&#228;nder des westlichen Systems, das er in Anlehnung an die Bibel Babylon nannte, verlassen und in das gelobte Land Zion zur&#252;ckkehren. Ziel Garveys war die Repatriation, die Zur&#252;ckf&#252;hrung aller Schwarzen in die Heimat Afrika, aus der sie, so wie die biblischen Israeliten, verschleppt wurden, genauer gesagt in das einzige nie kolonialisierte Land Afrikas, &#196;thiopien. </p>
<h3>Rastafari</h3>
<p>Aus den verschiedenen Einfl&#252;ssen, der Erinnerung an den Widerstand und die kommunale Lebensweise der Maroons, dem sich verbreitenden Panafrikanismus von Garvey und dem Glauben an &#196;thiopien als dem gelobten Land entwickelten sich die Rastafari. Als 1930 in &#196;thiopien Ras Tafari zum K&#246;nig Haile Selassie I gekr&#246;nt wurde, sahen viele darin die Erf&#252;llung der Prophezeiung, dass in Afrika der K&#246;nig der K&#246;nige (Ras of Ras) gekr&#246;nt werden w&#252;rde. In der l&#228;ndlichen Bev&#246;lkerung f&#252;hrte die Kr&#246;nung eines afrikanischen K&#246;nigs, der sich auf die Bibel berufen konnte und ein direkter Nachfahre von K&#246;nig Salomon sei, zu einem neuen Glauben, der den wei&#223;en K&#246;nig und den wei&#223;en Gott mit einem schwarzen K&#246;nig und Gott ersetzte. Die eigentlich religi&#246;se Bewegung wurde mit dem Angriff des faschistischen Italien auf &#196;thiopien 1936 politisiert. Der antifaschistische Widerstandskampf des &#228;thiopischen Volks wurde zur Inspiration f&#252;r Schwarze weltweit. Vor allem die unter der kolonialen Herrschaft leidenden Schwarzen der Karibik und Jamaikas identifizierten sich mit dem antikolonialen Kampf. Der Mythos des Haile Selassie als schwarzem Gott und die spirituellen, politischen, und kulturellen Verbindungen zwischen Afrika und den jamaikanischen ArbeiterInnen wurden gest&#228;rkt.</p>
<p>Die Ideologie der Rastafari war immer verwoben mit einer Kritik an der sozialen Ordnung und deshalb sind auch die Symbole der Rastafari eng mit Symbolen des Widerstands verkn&#252;pft. Die Symbole der Flagge (Rot f&#252;r das Blutvergie&#223;en der Sufferers seit den Tagen der Sklaverei, Gold f&#252;r den Reichtum der den Sufferers gestohlen wurde und gr&#252;n f&#252;r das gelobte Land in Afrika), der L&#246;we, die Trommel, die Dreadlocks, und die eigene Sprache reflektieren eine Art von Widerstand. So entstanden die Dreadlocks als sich die Rastas mit den K&#228;mpferInnen der Land and Freedom Army (Mau Mau) in Kenia<a href="#anm7" title="anm_7" name="anm_7"><sup>7</sup></a> identifizierten, die ihre Haare nat&#252;rlich wachsen lie&#223;en und sie in „locks“ trugen.</p>
<p>Der bewaffnete Widerstand des &#228;thiopischen Volks st&#228;rkte den Willen der Schwarzen in der Karibik, sich gegen den Kolonialismus aufzulehnen und f&#252;hrte zu gewaltsamen Aufst&#228;nden in der ganzen Region, 1935 in St.Vincent und Guayana, sp&#228;ter in Trinidad und Antigua und schlie&#223;lich 1938 in Jamaika. An der Situation von Schwarzen in Jamaika hatte sich nach der formalen Abschaffung der Sklaverei nicht viel ge&#228;ndert, so wurde der Masse der Menschen hundert Jahre sp&#228;ter noch immer derselbe Lohn, ein Shilling pro Tag, f&#252;rs Zuckerrohr schneiden bezahlt. Die verarmten Menschen, die „sufferers“, nahmen diese Ausbeutung nicht mehr l&#228;nger hin. 1938 kam es zu Massenstreiks. Hafenarbeiter und Arbeitslose solidarisierten sich und &#252;bernahmen f&#252;r eine kurze Zeit die Stadt Kingston. Die Aufst&#228;nde ebbten erst ab, als es zu Verbesserungen bei den L&#246;hnen und Legalisierung der Gewerkschaften kam.</p>
<p>Die Konzentration auf die Losung „Zur&#252;ck nach Afrika“ hinderte die Rastafari daran, eine zentrale Rolle in den lokalen Aufst&#228;nden einzunehmen. Obwohl ihre Ideen unter den „sufferers“ Zustimmung erhielten, blieben sie zun&#228;chst ein kleiner religi&#246;ser Kult. Rastafari war durch ihren Widerstand gegen Ausbeutung Schwarzer eine Inspiration, doch die religi&#246;sen Aspekte der Rastafari, die Mystifizierung Haile Selassie und die Hoffnung auf Erl&#246;sung in &#196;thiopien unter einem schwarzen K&#246;nig und die Verlagerung des Kampfs um Befreiung nach Afrika schnitt sie von den in Jamaika k&#228;mpfenden „sufferers“ ab. Erst die gr&#246;&#223;ten Vertreibungen in Jamaika seit der Sklaverei f&#252;hrten dazu, dass die Rastafari in den F&#252;nfzigern regen Zulauf hatten und an Einfluss gewannen. Zwischen 1942 und 1970 wurden 560.000 l&#228;ndliche Menschen von Bauxitfirmen von ihrem Land vertrieben und flohen in die St&#228;dte, wo sie in Barackenst&#228;dten, den Shantytowns, vergeblich nach Jobs suchten. Die Vertreibungen lie&#223;en den Ruf nach R&#252;ckkehr in die Heimat Afrika lauter werden und gaben dem Garveyismus und den Rastafari Aufschwung. Diese nutzten das Medium des Rasta Songs, des Reggae, um ihre Botschaft zu verbreiten und pr&#228;gten damit die musikalische und kulturelle Landschaft Jamaikas.</p>
<h3>Sound of Resistance – „Do the Reggay“</h3>
<p>Die Entwicklung der jamaikanischen Musik – des Reggae wie auch seiner Vorg&#228;nger Ska und Rocksteady &#8211; war immer stark von den sozio&#246;konomischen Rahmenbedingungen beeinflusst. </p>
<p>Der jamaikanische Ska entstand in den Shantytowns. Die Hoffnung der jamaikanischen verarmten Bev&#246;lkerung, dass die politische Unabh&#228;ngigkeit, die Jamaika 1962 erlangte, einen radikalen Wechsel bringen w&#252;rde, spiegelte sich in dem tanzbaren Upbeat-Rhythmus des Ska wider. Weil die verarmte Bev&#246;lkerung sich keine Platten oder Plattenspieler leisten konnte, und die Radiostationen nur wei&#223;en Rock ‘n’ Roll von Elvis Presley u.a. spielten, bildeten sich die Sound Systems. DJs bauten Anlagen auf den Stra&#223;en auf und begannen jamaikanische Musik zu spielen. Die Soundsystems wurden zu Stra&#223;enfesten der ArbeiterInnenklasse und armen Bev&#246;lkerungsschicht und f&#252;llten die Stra&#223;en Jamaikas mit Tanz und Musik. Rico Rodriguez, einer der besten Posaunisten des fr&#252;hen Ska: „People who don’t suffer like us can’t perform that sound – it’s a sufferers sound; it’s a ghetto sound we play out of the instruments, real suffering ghetto sound. It is happy, yes, for it’s relief!”<a href="#anm8" title="anm_8" name="anm_8"><sup>8</sup></a> Das Toasting, der rhythmische Sprechgesang &#252;ber Musik, wurde zur Ausdrucksform vieler Jugendlichen und beeinflusste die sp&#228;tere Rapszene in den USA.<o :p></o></p>
<p>Doch die Euphorie &#252;ber die Unabg&#228;ngigkeit hielt nicht lang. Massenarbeitslosigkeit und Armut pr&#228;gten das Leben in den Shantytowns und die Unabh&#228;ngigkeit brachte nicht die erhofften Verbesserungen. US und kanadische Unternehmen hatten die schw&#228;cheren britischen ersetzt und beuteten die gro&#223;en Bauxitressourcen des Landes aus. Der Ganja und Waffenhandel wuchs und die Shantytowns wurden mit wachsender Polizeibrutalit&#228;t, Korruption und den um den Ganjahandel k&#228;mpfenden Gangs konfrontiert. Die wachsende Polizeigewalt wird in Linton Kwesi Johnson’s „Sonny’s Lettah“ beschrieben:<br />
:”&#8230; out jump tree policemen/ de whole a dem carryin baton/ dem walk straight up to me and Jim/ one adem hold on to Jim/ &#8230; Jim tell him fi leggo a him/ for him nah do nottin/ &#8230; Dem thump him in him belly and it turn to jelly&#8230;”<a href="#anm9" title="anm_9" name="anm_9"><sup>9</sup></a><o :p></o></p>
<p>In diesem Milieu entwickelte sich die Subkultur der Rude Boys. Die arbeitslosen Jugendlichen suchten auf der Stra&#223;e nach Selbst- und Anerkennung und sahen in Gangs und Kriminalit&#228;t den einzigen Ausweg. Desmond Dekker beschrieb in seinen Hits „007 (Shantytown)“ und „Israelites“ die Lebensumst&#228;nde der Rude Boys in den Baracken.<br />
„Them a loot, them a shoot, them a wail, at shantytown, the rude boy deh poh probation, Then rude boy a bomb up the town“ (007 Shantytown)<a href="#anm10" title="anm_10" name="anm_10"><sup>10</sup></a><o :p></o><br />
und<br />
„Get up in the morning, slaving for bread, sir, so that every mouth can be fed. Poor me the Israelites” (Israelites)<a href="#anm11" title="anm_11" name="anm_11"><sup>11</sup></a></p>
<p>Die Musik wurde langsamer, die Texte politischer und verarbeiteten die Erfahrungen der Rude Boys. Der Rocksteady war geboren. Das Leben in den Shantytowns pr&#228;gte immer mehr Individualismus und Konkurrenzdenken. Die Wailers machte in ihrem Song „Man to Man“ darauf aufmerksam:</p>
<p>“Man to trust is so unjust,<o :p></o></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">You don’t know who to trust<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Your worse enemy may be your best friend,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Your best friend may be your worse enemy,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Some will sit and drink with you<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Then behind dem soo soo pon you<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Only your best friend know your secret<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">And only he can reveal it<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Who the cap fits, let him wear it”<a href="#anm1" title="anm_12" name="anm_12"><sup>12</sup></a><o :p></o></span></p>
<p>Das Erstarken der Rastafari in dieser Zeit h&#228;ngt stark mit der wirtschaftlichen Situation Jamaikas zusammen. Die neokolonialistischen Strukturen f&#252;hrten dazu, dass der Gro&#223;teil des Reichtums ins Ausland floss, die Bauxitindustrie in die Krise schlitterte und die Arbeitslosenrate 1972 auf 23 Prozent anstieg. Die arbeitslosen Jugendlichen konnten sich immer mehr mit den Rastas identifizieren, die aus dem Konkurrenzkampf und dem Individualismus ausbrechen wollten, die die ganze kapitalistische Gesellschaft durchzogen.<br />
Der wachsende Einfluss der Rastafari machte sich in der Musik bemerkbar. Die Musik wurde nochmals verlangsamt und mehr Wert auf die Texte und die Basslinie gelegt. So wie Chuck D (Public Enemy) Hip-Hop als “ghetto CNN” bezeichnete, wurde Reggae zu der Informationsquelle der Menschen aus den Shantytowns: „If you listen to Reggae music, you don’t need to buy the paper. Reggae music tells you everything wha’ happen in Jamaica” (Roy Cousins). Polizeigewalt, Hunger, Kritik an lokalen Regierung, Erinnerungen an die Sklavenzeit, wurden &#252;ber den Reggae angesprochen. Ein Hauptthema blieb der Angriff auf das westliche System, auf Babylon:</p>
<p class="MsoNormal"><o :p> </o></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">“</span><st1 :city></st1><st1 :place><span lang="EN-GB">Babylon</span></st1><span lang="EN-GB"> system is the vampire<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Suckin’ the children day by day<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Me say: de Babylon system is the vampire, falling empire,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Suckin’ the blood of the sufferers<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Building church and university<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Deceiving the people continually<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Me say them graduatin’ thieves and murderers;<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Look out now: they suckin’ the blood of the sufferers”<a href="#anm13" title="anm_13" name="anm_13"><sup>13</sup></a><o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal">(Bob Marley &#8211; Babylon system)<o :p></o></p>
<p>Die Black Power und B&#252;rgerInnenrechtsbewegung der 60er, das Aufkommen der antikapitalistischen 68er-Bewegung, die kubanische Revolution und die Antivietnamkriegsbewegung beeinflussten den Reggae und umgekehrt. Reggaek&#252;nstlerInnen wie Bob Marley und die Wailers lie&#223;en vermehrt Themen aus aktuellen K&#228;mpfen in Afrika in ihre Texte einflie&#223;en und nutzten Reggae als Mittel zur Motivation und Inspiration f&#252;r AktivistInnen weltweit. W&#228;hrend der Unabh&#228;ngigkeitsfeier in Simbabwe gab Bob Marley ein Konzert f&#252;r Zehntausende, die seinen Ruf nach Freiheit aufnahmen. „So Africa unite unite unite. You’re so right let’s do it” Bob Marley’s Unterst&#252;tzung f&#252;r die afrikanischen Befreiungsbewegungen wurde auch in seinem Lied „War“, dessen Worte aus einer Rede Haile Selassies stammen, deutlich: “Until the philosophy which hold one race superior and another inferior is finally and permanently discredited and abandoned; Until there are no longer first class and second class citizens of any nation;(…); And until the ignoble and unhappy regimes that hold our brothers in Angola, in Mozambique, and in South Africa in sub-human bondage have been toppled and destroyed; Everywhere is war, me say war”<br />
Auch au&#223;erhalb Afrikas wurde Reggae zur Musik des Widerstands. Chinesische StudentInnen sangen „Get Up Stand Up“ von den Wailers w&#228;hrend den Tienanmen Square Demonstrationen 1989. Jimmy Cliff’s „Vietnam“ war ein eindringlicher Protest gegen den Vietnamkrieg und verband Reggae mit der antiimperialistischen Bewegung. In Gro&#223;britannien wurde Ska von jugendlichen wei&#223;en ArbeiterInnen aufgenommen. Schwarze ArbeiterInnen in Europa, die selbst st&#228;ndig die Erfahrung von Rassismus, Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung machten, identifizierten sich mit Reggaetexten. </p>
<h3>„I don’t wanna be involved in politricks“</h3>
<p>Doch nachdem die Black Power Bewegung in den USA zu Ende gegangen war, die Hoffnungen in die in den 70ern regierende sozialdemokratische Partei, PNP, entt&#228;uscht wurden, die wirtschaftliche Lage Jamaikas unter dem Druck der Weltbank<a href="#anm14" title="anm_14" name="anm_14"><sup>14</sup></a> immer katastrophaler und Haile Selassie I wegen seiner r&#252;cksichtslosen Herrschaft durch die Revolution 1974 gest&#252;rzt wurde, waren viele aus den verarmten Schichten desillusioniert und wollten nichts mehr mit Politik zu tun haben. Die Texte des neuen Reggaegenres Dancehall spiegelten immer noch die harschen Bedingungen der Ghettos wider. Im Gegensatz zu dem Reggae der 60er und 70er zeigten sie aber kaum die Hoffnung auf Verbesserung und den Willen zum Widerstand. Sie waren dominiert von der sogenannten „slackness“, von Gewalt, sexuellen Bildern, Drogen und Kriminalit&#228;t und die negativen Komponenten der Rastafari- und Reggaekultur kamen vermehrt zum Vorschein. „Dancehall-Musik ist heute selten mehr als einfacher Eskapismus und im schlimmsten Fall spiegelt sie die reaktion&#228;re Ideologie wider, die die jamaikanische Gesellschaft erstickt.“<a href="#anm15" title="anm_15" name="anm_15"><sup>15</sup></a><br />
Rastafari als Religion unterliegt immer verschiedenen Interpretationen und zeigt die Widerspr&#252;chlichkeit religi&#246;ser Bewegungen. W&#228;hrend einerseits Widerstand und starke Militanz Teil der Rastakultur sind und der Glaube ein wichtiger Faktor in der Entwicklung des Selbstbewusstseins der schwarzen Bev&#246;lkerung war, wurden auch reaktion&#228;re oder die Passivit&#228;t f&#246;rdernde Aspekte aufgenommen. Die Befreiung des unter der schwarzen Bev&#246;lkerung weit verbreiteten christlichen Glaubens von einem wei&#223;en Gott, war ein wichtiger Schritt f&#252;r die Emanzipation der Schwarzen von der wei&#223;en Vorherrschaft. Doch brachte die Verkn&#252;pfung mit dem Christentum auch deren reaktion&#228;re Ansichten mit sich. Sowohl Homophobie als auch Diskriminierung von Frauen wird von vielen Rastafari, durch Bezug auf die Bibel, gerechtfertigt. Diese Inhalte flossen in den Reggae ein und sind bis heute ein Bestandteil der Musik und Kultur. So rufen Reggaes&#228;nger wie TOK oder Capelton in ihren Texten dazu auf, gewaltt&#228;tig gegen Homosexuelle vorzugehen. Frauen werden bei den Rastafari h&#228;ufig nur &#252;ber den Mann definiert und mit „Rastaman’s woman“ angesprochen. Sie gelten w&#228;hrend ihrer Periode als unrein und ihnen ist verboten, an vielen Ritualen der Rastas teilzunehmen oder obere R&#228;nge in den Gemeinden zu erhalten. Diese Diskriminierungen sind Teil eines gr&#246;&#223;eren Problems der Unterdr&#252;ckung von Frauen und Homosexuellen in der jamaikanischen Gesellschaft. Homosexualit&#228;t ist seit der Kolonialzeit per Gesetz verboten. Die Arbeitslosenrate von Frauen ist doppelt so hoch wie die von M&#228;nnern und Frauen werden als Hausfrau und Mutter in die Familienstrukturen gedr&#228;ngt. Viele Dancehallartists spiegeln in ihren Texten diese Diskriminierungen wider und reproduzieren sie aktiv.<br />
Die Widerspr&#252;chlichkeit der Reggaekultur, zwischen reaktion&#228;rer Ideologie und Kampf gegen Unterdr&#252;ckung, wird bei Artists wie Buju Banton deutlich. W&#228;hrend Buju Banton in seinem Lied „Boom Bye Bye“ davon singt, homosexuelle M&#228;nner umzubringen, ist sein Song „Murderer“ ein Aufruf, die Gewalt in den Stra&#223;en zu beenden.</p>
<p>Im Reggae dr&#252;cken Artists Ideen und Vorstellungen aus, die von emanzipatorisch &#252;ber„love and peace“ bis zu reaktion&#228;r reichen. Wichtig ist zu betonen, dass es auch im heutigen Reggae K&#252;nstlerInnen gibt, die sich den diskriminierenden Tendenzen entgegenstellen, wie beispielweise Rita Marley, Judy Mowatt oder Sister Caroll .</p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">„Why treat us inhuman<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">just because we’re only woman?<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Don’t treat us inhuman<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Just because we’re only woman<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">We’re not weak; We are strong<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">We’ve held back; Far too long…”<a href="#anm16" title="anm_16" name="anm_16"><sup>16</sup></a><o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal">(Judy Mowatt &#8211; Only Woman)<o :p></o></p>
<p>Die Entpolitisierung des Reggae nach den Siebziger Jahren wurde noch verst&#228;rkt durch die gr&#246;&#223;ere werdende Kommerzialisierung. W&#228;hrend K&#252;nstler, wie die Wailers, trotz weltweiter Vermarktung nichts an den politischen Inhalten in ihren Texten ge&#228;ndert hatten, zeigte sich in nachfolgenden Jahren ein Wandel in den Lyrics. Die gro&#223;e Popularit&#228;t des Reggae &#246;ffnete einen neuen Markt und das Bild des sonnigen Urlaubsparadieses Jamaika und des „sunshine“ Reggae wurde verkauft. Die Kommerzialisierung bewirkte ein Abkoppeln von Teilen der Reggaekultur von ihren politischen Wurzeln und den realen Lebensumst&#228;nden in Jamaika. Reggaek&#252;nstlern, wie Shaggy oder Sean Paul, wurden weltber&#252;hmt ohne den widerst&#228;ndischen Charakter der Texte von Bob Marley oder auch nur einen Bezug auf die sozialen Probleme Jamaikas.<br />
Trotz aller Widerspr&#252;che bleibt Reggae f&#252;r viele ein Mittel des Widerstands und ein Weg, um auf die Zust&#228;nde in den jamaikanischen Ghettos aufmerksam zu machen. So singt Damian Marley im 2005 erschienenen „Welcome to jamrock“:</p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">„Welcome to Jamrock, poor<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">people dead at random<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Political violence can be done<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Old men to pickney, so wave<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">one hand if you with me<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">To see the sufferation sicken me”<a href="#anm17" title="anm_17" name="anm_17"><sup>17</sup></a><o :p></o></span></p>
<p>Reggae ist nicht nur Sprachrohr der verarmten Bev&#246;lkerung Jamaikas, sondern auch Inspiration f&#252;r AktivistInnen, die weltweit gegen Rassismus, Krieg und Ausbeutung k&#228;mpfen.<br />
Mit den Worten von Linton Kwesi Johnson: </p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">„Now tell mi something, mista govahment man…how long yu really feel yu coulda keep wi andah heel..? <o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Now tell mi something, mista police spokesman…how long yu really tink we woodah tek you batn lick..?<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">Now tell mi something, mista ritewing man … how long yu really feel we woodah grovel an squeal..?<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">It is noh mistri, <o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">we mekin histri, <o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">it is noh mistri,<o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB">we winnin victri”<a href="#anm18" title="anm_18" name="anm_18"><sup>18</sup></a><o :p></o></span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-GB"><o :p> </o></span></p>
<h3>Anmerkungen</h3>
<p><a href="#anm_1" title="anm1" name="anm1">1</a> Patrick Hylton, in: Horace Campbell: Rasta and Resistance. From Marcus Garvey to Walter Rodney. Africa World Press 1987.<br />
<a href="#anm_2" title="anm2" name="anm2">2</a> „Sklaventreiber, das Blatt wendet sich, fang Feuer um zu brennen…Jedesmal wenn ich den Schlag der Peitsche h&#246;r, gefriert mir das Blut in den Adern, ich erinnere mich, wie sie meine Seele folterten am Sklavenschiff. Sie sagen wir sind frei, doch das einzige das sich &#228;nderte ist die Armut.“<o :p></o><br />
<a href="#anm_3" title="anm3" name="anm3">3</a> Durch die unterschiedlichen Sprachen war das Trommeln ein wichtiger Teil in der Kommunikation und der Bildung einer Gemeinschaft unter den SklavInnen.<o :p></o><br />
<a href="#anm_4" title="anm4" name="anm4">4</a> Kleine Maroon-Gemeinden existieren bis heute, haben aber wenig Einfluss auf das gesellschaftliche Leben in Jamaika<br />
<a href="#anm_5" title="anm5" name="anm5">5</a> “Befreie dich von der geistigen Sklaverei; Nur wir selbst k&#246;nnen unser Denken befreien.“<o :p></o><br />
<a href="#anm_6" title="anm6" name="anm6">6</a> Horace Campbell: Rasta and Resistance.<o :p></o><br />
<a href="#anm_7" title="anm7" name="anm7">7</a> Die „Mau Mau“ k&#228;mpften gegen die britische Kolonialherrschaft in Kenia <o :p></o><br />
<a href="#anm_8" title="anm8" name="anm8">8</a> „Menschen die nicht leiden k&#246;nnen diese Musik nicht spielen. Es ist die Musik der sufferers. es ist Ghettosound, den wir mit unseren Instr. spielen, echter leidender Ghettosound; Er ist unbeschwert, ja, weil er befreit!“<o :p></o><br />
<a href="#anm_9" title="anm9" name="anm9">9</a> “…drei Polizisten springen hervor, alle tragen sie Kn&#252;ppel, kommen direkt auf mich und Jim zu, einer von ihnen h&#228;lt Jim fest, Jim sagt sie sollen ihn gehen lassen, er hat nichts gemacht,…sie schlagen ihn in den Bauch und er wird zu Brei…“<br />
<a href="#anm_10" title="anm10" name="anm10">10</a> „Sie pl&#252;ndern, sie schie&#223;en, sie klagen, in Shantytown, der „rude boy“ auf Bew&#228;hrung l&#228;sst die Stadt hochgehen.“<o :p></o><br />
<a href="#anm_11" title="anm11" name="anm11">11</a> „Steh auf in der Fr&#252;h, schufte f&#252;r Brot, damit jeder satt wird. Wir arme Israeliten.“<o :p></o><br />
<a href="#anm_12" title="anm12" name="anm12">12</a> „Jmd. trauen ist ungerechtfertigt, wei&#223;t nicht wem du vertrauen kannst, dein schlimmster Feind k&#246;nnte dein bester Freund, dein bester Freund dein schlimmster Feind sein. Manche sitzen und trinken mit dir und &#252;berfallen dich dann von hinten; nur dein bester Freund wei&#223; dein Geheimnis und nur er kann es verraten.<o :p></o><br />
<a href="#anm_13" title="anm13" name="anm13">13</a> „Das Babylonsystem ist der Vampir, saugt die Kinder aus, Tag f&#252;r Tag. Das Babylonsystem ist der Vampir, fallendes Imperium, saugt das Blut der sufferers, baut Kirchen und Universit&#228;ten, um uns zu t&#228;uschen, bilden Diebe und M&#246;rder aus. Pass auf: Sie saugen das Blut der sufferers.“<o :p></o><br />
<a href="#anm_14" title="anm14" name="anm14">14</a> Jamaika musste mehrere Kredite aufnehmen. Die Auswirkungen sind in dem Film Life and Debt zu sehen.<o :p></o><br />
<a href="#anm_15" title="anm15" name="anm15">15</a> Brian Richardson, Bob Marley: Roots Revolutionary, aus Socialist Review, J&#228;nner 2005<o :p></o><br />
<a href="#anm_16" title="anm16" name="anm16">16</a> „Warum behandelt ihr uns unmenschlich, nur weil wir Frauen sind? Behandelt uns nicht unmenschlich nur weil wir Frauen sind. Wir sind nicht schwach, wir sind stark; Wir haben uns viel zu lang zur&#252;ckgehalten…“<br />
<a href="#anm_17" title="anm17" name="anm17">17</a> „Willkommen zum Jamrock, arme Menschen sterben durch Willk&#252;r, politische Gewalt, deshalb Alte und Junge, erhebt eure H&#228;nde wenn ihr mit mir seid und euch das Leid krank macht“<o :p></o><br />
<a href="#anm_18" title="anm18" name="anm18">18</a> „Sag mir Minister…wie lang hast du geglaubt, kannst du uns unterdr&#252;cken? sag mir Polizeisprecher…wie lang hast du gedacht, nehmen wir deinen Schlagstock hin? Sag mir Rechtsradikaler, wie lang hast du geglaubt werden wir kriechen und schreien? Es ist kein Geheimnis, wir machen Geschichte, es ist kein Geheimnis wir werden siegen.“</p>
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