<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis &#187; 8. März</title>
	<atom:link href="http://www.perspektiven-online.at/tag/8-maerz/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.perspektiven-online.at</link>
	<description>PERSPEKTIVEN : Magazin für linke Theorie und Praxis</description>
	<lastBuildDate>Mon, 10 Mar 2014 08:48:09 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Feuer und Flamme dem Patriarchat!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2011/03/11/feuer-und-flamme-dem-patriarchat-2/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2011/03/11/feuer-und-flamme-dem-patriarchat-2/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Mar 2011 10:45:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews]]></category>
		<category><![CDATA[Perspektiven Nr. 13]]></category>
		<category><![CDATA[8. März]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterverhältnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Internationaler Frauentag]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=1838</guid>
		<description><![CDATA[Am 19. M&#228;rz ist das 100-j&#228;hrige Jubil&#228;um des Internationalen Frauentags. 1911 fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r die Rechte von Frauen statt, an der 20.000 Menschen teilnahmen. Anl&#228;sslich des Jubil&#228;ums wird dieses Jahr im Rahmen eines B&#252;ndnisses zu einer breiten Demo mobilisiert, die an eine lange Tradition internationaler Frauenk&#228;mpfe ankn&#252;pft. Wir haben Feministinnen aus drei unterschiedlichen Kontexten gebeten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 19. M&#228;rz ist das 100-j&#228;hrige Jubil&#228;um des <em>Internationalen Frauentags</em>. 1911 fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r die Rechte von Frauen statt, an der 20.000 Menschen teilnahmen. Anl&#228;sslich des Jubil&#228;ums wird dieses Jahr im Rahmen eines B&#252;ndnisses zu einer breiten Demo mobilisiert, die an eine lange Tradition internationaler Frauenk&#228;mpfe ankn&#252;pft. Wir haben Feministinnen aus drei unterschiedlichen Kontexten gebeten, per Mail zum Internationalen Frauentag, den damit verkn&#252;pften Forderungen und Zielen, den Herausforderungen feministischer B&#252;ndnisarbeit und den Perspektiven &#252;ber dieses Datum hinaus, Stellung zu nehmen.<br />
<span id="more-1838"></span></p>
<p><img alt="" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/03/Moik4.jpg" title="feuerundflamme" class="aligncenter" width="300" height="400" /><br />
<strong>Ihr kommt alle aus unterschiedlichen politischen Kontexten. Welche  Bedeutung hat dieser Tag f&#252;r euch und in der Kontinuit&#228;t welcher K&#228;mpfe und Bewegungen seht ihr euch?</strong></p>
<p><em>Birge</em>: Nun ja, ich sehe das nicht so, dass wir aus so unterschiedlichen feministischen Zusammenh&#228;ngen kommen. Ich habe vor ca. 30 Jahren im autonomen Fl&#252;gel der zweiten Frauenbewegung (FB) begonnen und bin der Tradition nach wie vor verbunden – bei aller Ver&#228;nderung des Fl&#252;gels selbst und bei allem, wie frau sich selbst so entwickelt bzw. gepr&#228;gt wird, oder wie die gesellschaftlichen Umst&#228;nde alle sozialen Bewegungen entweder vereinnahmt oder aufgel&#246;st haben. Das ist allgemein ein gro&#223;es Problem. Allerdings habe ich die Binnenerodierung innerhalb der FBen durch die sogenannten postfeministischen Str&#246;mungen als besonders schmerzlich empfunden. An der politischen Bedeutung des Internationalen Frauentags m&#246;chte ich festhalten; dieser scheint ja auch in vielen Frauenorganisationen wichtig zu sein – auch wenn es mir manchmal analog zu den Weihnachtschristen vorkommt: Einmal im Jahr gibt es eine Gedenkminute und sonst passiert nicht viel; zumindest in den Wohlstandsgegenden unsrer Welt – wobei &#214;sterreich da im Unterschied zu anderen westlichen L&#228;ndern eh noch eine recht lebendige Frauenszenerie hat –, denn wie ich geh&#246;rt habe, wird in bestimmten Teilen Afrikas z.B. der Frauentag in einem Ausma&#223; und einer Form begangen, die hier gar nicht vorstellbar ist.</p>
<p><em>Autonome Feministinnen und Lesben aus dem autonomen FrauenLesbenM&#228;dchenZentrum (FZ)</em><a titel="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a>: Anl&#228;sslich des 100. Jahrestages des <em>Internationalen Frauentages</em> gedenken wir respektvoll allen Frauen, die sich den Grenzen ihres Zeitalters, den sexistischen, rassistischen und sozialen Kategorisierungen nicht unterworfen haben und f&#252;r die Freiheit der Frauen und Menschheit gro&#223;en Widerstand geleistet haben. Unsere Verbundenheit mit diesen Frauen hei&#223;t f&#252;r uns, uns auf ihren Widerstand zu beziehen, ihnen Bedeutung beizumessen und diese K&#228;mpfe zu noch gr&#246;&#223;eren Erfolgen zu f&#252;hren. Am 8. M&#228;rz 2011 wird es eine FrauenLesben-Demonstration zum Internationalen Frauenkampftag geben; nicht weil es „in den letzten Jahren immer schon so war“, sondern weil uns die Selbstorganisierung von FrauenLesben grunds&#228;tzlich wichtig ist und weil wir wollen, dass am 8.3. feministische Aktionen regional – mit internationaler Verbundenheit – stattfinden. Denn Feminismus und Frauenbefreiung sind international. </p>
<p><em>Anna, Flora, Marlen, Neva</em>: Als Sozialistinnen sehen wir uns auch und gerade am  Frauenkampftag in der Tradition proletarischer und sozialistischer Frauenbewegungen und deren K&#228;mpfen um die Rechte der Arbeiterinnen und einer gleichberechtigten Position innerhalb linker sozialistischer Bewegungen. Weil gerade die Forderung nach gelebter Gleichstellung in sozialistischen Kontexten wohl immer wieder neu ertrotzt werden muss, ist auch f&#252;r uns das Angehen gegen das Konzept von Haupt- und Nebenwiderspruch in der Linken ein wichtiges Kampffeld. Da hei&#223;t es auch immer in der eigenen Organisation aufr&#228;umen. Keinesfalls nur am Frauenkampftag, denn das hie&#223;e seine urspr&#252;ngliche Bedeutung als Mahnmal und besonderer Solidarit&#228;tsmoment in ein n&#252;tzliches Alibi umzuwandeln, sich als linke Organisation nicht das ganze Jahr mit Frauenpolitik auseinandersetzen zu m&#252;ssen. Wird er aber als das gesehen was er ist, als M&#246;glichkeit der Solidarisierung und der Zusammenf&#252;hrung von K&#228;mpfen, kann es der Frauenkampftag ganz sch&#246;n in sich haben. Innerhalb der SJ wird eben das anhand der Vernetzung verschiedener Frauen aus dem SP Vorfeld versucht, Aktionen in allen SJ-Bezirken sollen feministische Kampfthemen nach au&#223;en tragen. Auch das vor einigen Jahren erk&#228;mpfte Feministische Seminar nur f&#252;r Frauen erm&#246;glicht einen k&#228;mpferischen Raum f&#252;r Diskussion, Solidarisierung und Empowerment. Und den brauchen wir, denn: das Vorankommen feministischer K&#228;mpfe ist immer auch ein Gradmesser f&#252;r unser generelles Vorankommen als Linke, f&#252;r den Fortschritt der Bewegung. </p>
<p><strong>Was waren historisch gesehen die zentralen Forderungen? Gab es einen Wandel innerhalb dieser Forderungen? Und welche sind f&#252;r euch heute noch zentral?</strong></p>
<p><em>B</em>: Am 19. M&#228;rz 1911 gingen rund 20.000 Frauen – und M&#228;nner – auf die Wiener Ringstra&#223;en, um f&#252;r Frauenrechte zu k&#228;mpfen. Ihre Anliegen waren das allgemeine Frauenwahlrecht, gleicher Lohn f&#252;r gleiche Arbeit, der 8-Stunden-Tag, die Senkung der Lebensmittelpreise, die Einf&#252;hrung einer Sozialversicherung, die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und Frieden. Die K&#228;mpfe der FB begannen rund um das Abtreibungsrecht und im Kontext der 68er-Bewegung. Es ging um das Selbstbestimmungsrecht und weibliche Freiheit und Unabh&#228;ngigkeit von den M&#228;nnern (politisch und privat). Damit verbunden war immer auch eine fundamentale Gesellschafts- als Herrschaftskritik und die Internationalit&#228;t, also die Politisierung der Ausbeutung von Frauen (ihren K&#246;rpern usw.) weltweit.</p>
<p><em>FZ</em>: Vor beinahe 100 Jahren, am 19. M&#228;rz 1911, fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r Frauenrechte statt. Damals wie heute gilt: Um die Selbstorganisierung von Frauen und Frauenbewegungsgeschichte zu begreifen ist es auch notwendig, die gesellschaftlichen Kontexte zu betrachten. 1911 waren in &#214;sterreich Frauen vom allgemeinen Wahlrecht ausgeschlossen und es war Frauen verboten, Mitglied in politischen Vereinen zu werden oder politische Frauenvereine zu gr&#252;nden. Frauen erk&#228;mpften sich die M&#246;glichkeit, sich politisch zu organisieren und ihren Stimmen Geh&#246;r zu verschaffen.<br />
2011 leben wir in einer (patriarchalen) Gesellschaft, die von Gleichberechtigung spricht und in der Frauen – immer noch und immer wieder – von &#246;konomischer und politischer Benachteiligung und von sexistischer Gewalt betroffen sind. Wir erleben eine Versch&#228;rfung patriarchaler Zust&#228;nde, mit einem Erstarken der M&#228;nnerrechtsbewegung und Abtreibungsgegner, dem „geduldeten“ Selbstverst&#228;ndnis, dass Frauen geringer entlohnt werden, und Verh&#228;ltnissen, in denen Frauen – scheinbar selbstbestimmt – allerorts pornografisch vermarktet werden. Hierarchische Geschlechterverh&#228;ltnisse und soziale Geschlechterrollen werden mit Wissenschaften und Religionen erneut biologisch/“nat&#252;rlich“ oder „gottgewollt“ begr&#252;ndet, oder „Gender“ liberal umgedeutet und als „individuelle Wahl“ begriffen. Erk&#228;mpfte Frauenorte, feministische Strukturen, solidarische Unterst&#252;tzung oder Frauenveranstaltungen werden mit so genannter Gleichstellungspolitik angegriffen und als „Diskriminierung von M&#228;nnern“ definiert. Auf den Unis sind z.B. Frauenlehrveranstaltungen offiziell nicht mehr durchsetzbar; etliche Frauenberatungsstellen wurden mittels Subventionsvorgaben dazu gezwungen, zu Familienberatungsstellen zu werden. Als „Fortschritt“ gilt die Beteiligung von einzelnen Frauen im Management und im Milit&#228;r. Es wird uns vorgegaukelt, dass „Frauen alle M&#246;glichkeiten haben“. Wenn`s eine nicht schafft oder sich nicht an den Herrschaftsverh&#228;ltnissen beteiligen will, ist sie „selber schuld“. Sie wird darin maximal individuell betreut oder „gecoacht“, um wieder zu „funktionieren“. Und dann gibt‘s noch die theoretische Diskussion der „Dekonstruktion der Geschlechter“, woraus einige folgern, dass es Frauen nicht gibt bzw. nicht mehr geben soll. Parallel dazu entwickelt sich immer mehr ein rassistisches Selbstverst&#228;ndnis, in dem – pl&#246;tzlich auch <em>mann </em>– medial &#252;ber die Unterdr&#252;ckung von Frauen in „anderen L&#228;ndern“ spricht, die gleichzeitig als „r&#252;ckst&#228;ndig“ betrachtet werden. Die Individualisierung und Vermarktung der Frauen im kapitalistischen Patriarchat wird hingegen als „entwickelte Emanzipation“ gesehen. </p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Die Forderungen der ersten Frauenbewegung nach Frauenwahlrecht und Partizipation am b&#252;rgerlichen Staat stie&#223;en ja selbst innerhalb der Sozialdemokratie auf einigen Widerstand. Viktor Adler bringt den Standpunkt der Partei in dieser Frage auf den Punkt: „Es hat niemals eine Sozialdemokratie gegeben, die nicht das Frauenwahlrecht als eine ebenso notwendige Sache angesehen h&#228;tte wie das der M&#228;nner. (&#8230;) Aber es fragt sich, ob die politische Lage reif ist, um einen Feldzug f&#252;r das Frauenwahlrecht zu unternehmen. Und da sage ich ihnen rundweg, in L&#228;ndern wie &#214;sterreich, Belgien usw., wo das M&#228;nnerwahlrecht noch nicht einmal erk&#228;mpft ist, wo wir alle Kr&#228;fte auf diesen Punkt konzentrieren m&#252;ssen, w&#228;re es eine politische Torheit, diesen Kampf abzulenken auf einen Punkt, der voraussichtlich erst sp&#228;ter zu erreichen sein wird. Von diesem Standpunkt der politischen Taktik muss ich sagen: Wir m&#252;ssen bei jeder Gelegenheit erkl&#228;ren, dass wir f&#252;r das Frauenwahlrecht sind, dass wir auch den ersten Schritt auf diesem Gebiet machen wollen, aber dass der letzte Schritt erst dann gemacht werden kann, wenn der erste Schritt gemacht ist, und der ist: die Erk&#228;mpfung des Wahlrechtes f&#252;r die M&#228;nner.“<br />
Die sozialistischen Frauen lie&#223;en sich diesen Verweis ihrer Rechte auf den zweiten Platz aber nicht gefallen und blieben hart. Parallel ging es immer auch um Arbeitsk&#228;mpfe, die proletarische Frauen in den Betrieben und auf der Stra&#223;e ausfochten. In der zweiten Frauenbewegung &#228;nderte sich der Schwerpunkt feministischer K&#228;mpfe, andere Forderungen wurden zentral. Neben der konstanten Forderung nach v&#246;lliger rechtlicher Gleichstellung wurde auch in den Privatbereich vorgedrungen. „Das Private ist politisch“ geh&#246;rt zu den wichtigsten Slogans der Zweiten Frauenbewegung. Aus diesen alten und immer wieder neu zu erk&#228;mpfenden Forderungen und neuen Themengebieten wie <em>queer theory</em> und <em>postcolonial feminism</em> ergibt sich ein breites Feld antisexistischer K&#228;mpfe, die es auch innerhalb der Organisation immer wieder neu durchzuringen gilt.</p>
<p><strong>Welche Bedeutung kommt eurer Meinung nach dem Frauenkampftag – sowohl international als auch in Bezug auf &#214;sterreich – heute noch zu?</strong></p>
<p><em>B</em>: Es ist frappierend, genauer gesagt entw&#252;rdigend, wie einige der Forderungen, die seit hundert Jahren bestehen, immer noch nicht eingel&#246;st sind oder bis zur Unkenntlichkeit amalgamiert wurden. Deshalb hei&#223;t der Slogan der Plattform f&#252;r den 19. M&#228;rz ja auch: <em>AUS! Aktion Umsetzung. Sofort!</em></p>
<p><em>A, F, M, N</em>: In &#214;sterreich reiht sich der Frauentag f&#252;r viele zwischen Valentins- und Muttertag als deren logische Erg&#228;nzung ein und ist ein Anlass, Frauen Blumen und Pralinen zu schenken. Wenn frau Gl&#252;ck hat, &#252;bernimmt der Haberer auch mal den Abwasch. Auch in der SP&#214; hat der Frauenkampftag seine urspr&#252;ngliche Bedeutung weitgehend verloren. Stattdessen werden Blumen verteilt und Kaffeekr&#228;nzchen abgehalten. Durch das Einwirken von einzelnen Frauen gibt es in manchen Bezirken den Versuch, den feministischen Anspruch dieses Tages wieder mit Leben zu erf&#252;llen. Trotz alledem d&#252;rfen wir jedoch nicht vergessen, dass der Tag uns die M&#246;glichkeit gibt und ein Anlass ist, um auf patriarchale Verh&#228;ltnisse hinzuweisen und dagegen auf die Stra&#223;e zu gehen. </p>
<p><strong>Das diesj&#228;hrige B&#252;ndnis ist politisch ziemlich breit angelegt. Die verschiedenen Gruppierungen und Einzelpersonen, die dieses B&#252;ndnis mittragen, wurden aufgefordert ihre spezifischen Forderungen aufzustellen. Einige von euch sind bei diesem B&#252;ndnis dabei, andere nicht. Warum?</strong></p>
<p><em>B</em>: F&#252;r die Frauenrechte-Demo wurden und werden alle Frauen, Frauengruppen- und organisationen gebeten, ihre Forderungen zu sammeln. Ziel ist es, die Vielzahl der M&#228;ngel &#246;ffentlich zu machen, und nicht eine &#220;berinstanz, die meint, sagen zu k&#246;nnen was wirklich wichtig w&#228;re, zu installieren. Sicher, vieles wird &#228;hnlich sein, einiges auch widerspr&#252;chlich, denn keine Einzelne kann wissen, was die andere sich w&#252;nscht, oder w&#252;nschen muss. Als Mitbegr&#252;nderin der Plattform kann ich nur sagen, dass ich die Idee der Ankn&#252;pfungsf&#228;higkeit f&#252;r viele unterschiedliche Positionen durch das Erinnern an die Frauenk&#228;mpfe von vor hundert Jahren und die W&#252;rdigung der Frauen von damals eine gute Idee finde. </p>
<p><em>FZ</em>: Bei den ersten Vorbereitungstreffen im Sommer und Herbst 2010 haben wir uns als Autonome Feministinnen an der Vorbereitung zur Frauendemonstration am 19.3.2011 beteiligt. Wir fanden und finden die Idee wichtig, weil der 8. M&#228;rz als Internationaler Frauenkampftag Teil unserer Frauenbewegungsgeschichte ist. Warum sind wir letztendlich aus der Vorbereitung ausgestiegen? Einer der Konflikte in der Vorbereitung zur Demonstration am 19.3. war f&#252;r uns, dass ein Gro&#223;teil des Vorbereitungsplenums das „breite B&#252;ndnis“ nur in der Beteiligung von der SP&#214;, den Gewerkschaften und etablierten Fraueneinrichtungen sah und sieht und nicht in der Basisarbeit in den eigenen Strukturen, Stadtteilen und Arbeitszusammenh&#228;ngen. Es wurde argumentiert, dass wir nur dann viele werden k&#246;nnen, wenn sich die SP-, Gewerkschaftsfrauen und der Frauenring beteiligen. Wir sehen in der Beteiligung dieser Organisationen jedoch nicht die Garantie, dass 20.000 Frauen auf die Stra&#223;e gehen. Wir sehen darin mehr ein Anbiedern an die institutionalisierte Macht. Die &#214;VP-, SP&#214;-, Gr&#252;ne- und Gewerkschaftsfunktion&#228;rinnen tragen die herrschende Politik mit, die sich gegen die meisten Frauen richtet und staatlichen Rassismus, &#220;berwachung, Militarisierung und neoliberale Politik etabliert. Aber wir wissen, es gibt auch Widerstand in deren eigenen Reihen. Wir wollten die „Funktion&#228;rinnen“ der SP, Gewerkschaften und Gr&#252;nen nicht ausladen, aber ihnen auch nicht extra nachlaufen. Wir erwarten eher, dass sie sich aus eigenem Interesse beteiligen und z.B. die Frauen an der „Basis“ in den Stadtteilen und Betrieben &#252;ber die Vorbereitungen informieren, damit diese sich einbringen k&#246;nnen (nicht nur f&#252;r Wahlen!). Die Kraft von autonomen Frauenstrukturen wird sich darin zeigen, ob es eine Demonstration wird, wo Frauen f&#252;r sich und f&#252;r eine notwendige gesellschaftliche Ver&#228;nderung auf die Stra&#223;e gehen, oder ob es &#246;ffentlich eine Demo von SP, Gewerkschaften und „prominenten“ Frauen wird, denen wir dann zuh&#246;ren und zuapplaudieren „d&#252;rfen“. Dieses Zusammenkommen ist kein „Event“ und keine inszenierte „Show-B&#252;hne“, es ist ein Zusammenkommen mit Entschiedenheit, Begehren und Leidenschaft f&#252;r Frauenbefreiung! Dann kann sich Zusammenarbeit, mit allen Konflikten und Unterschieden zu einer gemeinsamen Kraft entwickeln &#8211; f&#252;r eine starke feministische Bewegung „von unten“.</p>
<p><strong>Was kann und soll dieser Tag leisten? Was erwartet ihr euch davon? Was sind m&#246;gliche Probleme?</strong></p>
<p><em>B</em>: Der 19.3 soll einfach demonstrieren, dass die Welt, so wie sie sich f&#252;r Frauen darstellt, ein Ding der Unm&#246;glichkeit ist – auch wenn immer so getan wird, als sei eh alles in Butter, die Frauenbefreiung ein alter Hut, Gleichheit kein Problem usw. Eine Riesendemo ist ein Signal – nicht mehr aber auch nicht weniger. Es gibt vehemente W&#252;nsche, dass es bei diesem Signal nicht bleiben soll, sondern die politische Arbeit danach gemeinsam weitergehen m&#246;ge. Ein Hauptproblem ist, dass sehr oft die Gleichen sich ehrenamtlich engagieren und bis zum Umfallen hackeln – w&#228;hrend die Vielen in vornehmer Distanz auf den Zuschauerinnenr&#228;ngen verharren oder sich in Kritik zur&#252;ckziehen, was auch nicht gerade hilfreich ist.</p>
<p><em>FZ</em>: Wir wollen eine gro&#223;e Frauendemonstration mit vielen Frauen. Darin waren wir uns alle einig. Doch wie und mit welchen dies erreicht wird, da gab es unterschiedliche Ansichten. Wir sahen die Demo als M&#246;glichkeit und Chance f&#252;r ein breiteres Frauenb&#252;ndnis und die Realisierbarkeit einer gr&#246;&#223;eren Frauendemonstration. Warum? Weil der Anlass, &#8220;100 Jahre Frauentag&#8221; f&#252;r unterschiedliche Feministinnen – Lesben, autonome FrauenLesbenGruppen, Frauenorganisationen, Migrantinnenprojekte, Fraueneinrichtungen, Frauen aus antirassistischen, antifaschistischen und linken Gruppen und Bewegungen und aus Parteien – ein Anlass sein k&#246;nnte, auf die Stra&#223;e zu gehen. Die Spaltung – autonome FrauenLesben gehen auf die Stra&#223;e, Frauenprojekte und -einrichtungen bem&#252;hen sich um (hart erk&#228;mpfte) Subventionen und die Parteifrauen und etablierte Frauenorganisationen feiern – wenn &#252;berhaupt – in ihren Hallen – ist ja in den letzten zehn, f&#252;nfzehn Jahren immer wieder praktiziert worden. Es ist die immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit und in B&#252;ndnissen, welche als „Partnerinnen“ politisch wahrgenommen werden. B&#252;ndnisse und Zusammenarbeit sind eine Frage der eigenen St&#228;rke aber auch der gegenseitigen Anerkennung und Sichtbarkeit. Selbstorganisierte/Autonome Strukturen „scheuen“ B&#252;ndnisse mit Institutionen und Parteien oft, weil sie bef&#252;rchten, vereinnahmt zu werden. Erfahrungen daf&#252;r gibt es zuhauf. Etablierte Strukturen und Einrichtungen hingegen ignorieren oft autonome, selbstorganisierte Organisationsstrukturen oder ben&#252;tzen sie als so genannte Basis oder als Aktivistinnen, die bei Aktionen den „Kopf hinhalten“, von denen man sich dann aber „in Ruhe und in Sicherheit“ distanzieren kann. Mit „Chaotinnen“, „Autonomen“, „militanten Emanzen“ oder „Kampflesben“ will man nichts zu tun haben, wenn der Freund oder einE NachbarIn &#252;ber „die“ schimpfen, wenn die Medien hetzen, wenn Demos verboten werden, wenn aktiver Widerstand mit Terrorismus-Vorwurf oder als „Mafia“ verfolgt wird. </p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Ein sehr breites B&#252;ndnis birgt die Gefahr, inhaltslos zu werden. Frausein alleine hei&#223;t nicht, dass wir alle dieselben politischen Interessen haben. Gerade am Beispiel von Maria Rauch-Kallat (Club <em>alpha</em>, &#214;VP-Frauen), die auch Teil des B&#252;ndnisses ist, wird deutlich, dass wir nicht nur andere, sondern widerspr&#252;chliche Forderungen vertreten. So wurden in ihrer Amtszeit bspw. die Finanzierung autonomer Frauenh&#228;user gek&#252;rzt und andere reaktion&#228;re Ma&#223;nahmen getroffen.<br />
Eine gro&#223;e feministische Frauendemo kann jedoch auch Debatten „von unten“ ansto&#223;en. Feministische Interventionen finden heute scheinbar nur in Form von staatlicher Frauenpolitik und universit&#228;ren Debatten statt. Unser Ziel muss es aber sein, feministische Standpunkte auf die Stra&#223;e und ins Bewusstsein aller Menschen zu tragen und die ewige Leier von der „eh schon erreichten Gleichberechtigung“ endlich abdrehen.</p>
<p><strong>Eine Diskussion, die jedes Jahr intensiv gef&#252;hrt wird, ist, ob die Demo eine reine Frauendemo sein soll oder nicht. Dieses Jahr ist die Demo am 19. M&#228;rz gemischt. Wie steht ihr zu dieser Frage?</strong></p>
<p><em>B</em>: Bin absolut daf&#252;r, dass die j&#228;hrlichen internationalen Frauentage auch solche bleiben. Es d&#252;rfen aber auch gerne andere linke usw. Gruppen jedes Jahr eine Demo f&#252;r mehr Geschlechtergerechtigkeit organisieren. Das w&#228;re super. F&#252;r mich ist der 19.3. 2011 in vieler Hinsicht die Ausnahme von der Regel und nicht identisch mit dem 8. M&#228;rz.</p>
<p><em>FZ</em>: Die Auseinandersetzung „warum eine Frauendemonstration“ und „es gibt auch solidarische M&#228;nner“, gibt es &#252;ber die Jahre immer wieder in den Vorbereitungen. Das Problem w&#228;ren nicht die „solidarischen M&#228;nner“. M&#246;glichkeiten f&#252;r Solidarit&#228;t g&#228;be es auch so genug: das Klo putzen, die W&#228;sche waschen, den Haushalt mitorganisieren statt „mal mitzuhelfen“, mit Buben antisexistische Gespr&#228;che f&#252;hren, antipatriarchale M&#228;nnergruppen bilden, solidarische Aktionen in der Stadt machen, Arbeitskolleginnen in ihrem Kampf um gleiche L&#246;hne unterst&#252;tzen, die eigenen Privilegien hinterfragen, u.s.w. Das Problem sind eher diejenigen, die dann unbedingt bei einer Frauendemonstration mitgehen wollen oder sich mit Feministinnen „schm&#252;cken“, aber patriarchale Strukturen nicht in Frage stellen wollen. Jene, die sich &#246;ffentlich als „Feminist“ pr&#228;sentieren und „privat“ Frauen oder M&#228;dchen als Sexobjekte behandeln und sich bekochen lassen.<br />
Die Vorstellung von einigen, dass M&#228;nner aus „Solidarit&#228;t“ die Technik auf der Demo machen k&#246;nnten, sehen wir als Unterst&#252;tzung der patriarchalen Arbeitsteilung, die Frauen aus bestimmten wirtschaftlichen Bereichen ausgrenzt. Mit der Frauenbewegung haben sich Frauen und M&#228;dchen und immer schon viele Lesben, mit viel Kraft und trotz zahlreichen Konfrontationen mit dem sexistischen Alltag bei Ausbildungen und Arbeiten, u.a. technische und handwerkliche Bereiche angeeignet, die uns (immer noch) vorenthalten werden und an denen wir immer wieder strukturell gehindert werden. Und es gibt sie: die Elektrikerinnen, Mechatronikerinnen, Tischlerinnen, Schlosserinnen, DJanes, Licht- und Tontechnikerinnen… Bei einer Demonstration „anl&#228;sslich 100 Jahre Frauentag“ und „f&#252;r Frauenrechte“ m&#252;ssten Frauen und Lesben gefragt werden, die Technik zu machen!<br />
Manchmal wird die politische Auseinandersetzung um die Selbstorganisierung von Frauen auf eine Ebene von so genannter „sexueller Differenz“ reduziert. Lesben „m&#246;gen keine M&#228;nner“, (heterosexuelle) Frauen wollen auch mit „ihrem Freund“ demonstrieren k&#246;nnen.<br />
Lesbische Existenz l&#228;sst sich nicht auf eine „sexuelle Differenz“ reduzieren, sondern ist ein wichtiger Ausdruck und eine Lebendigkeit von (notwendiger) Frauenkollektivit&#228;t und Frauenbezogenheit, worin sich Frauen als „vollwertige“ und gleichwertige Subjekte begegnen. Dies bedeutet Mut und Widerstand in einem patriarchalen System. Diese Frauenbezogenheit und die autonome Selbstorganisierung von Frauen ist eine wichtige Kraft f&#252;r die Frauenbefreiung – f&#252;r alle Frauen! </p>
<p><strong>In der Diskussion im Vorbereitungsplenum wurde gesagt, dass sich die SP&#214; und die Gewerkschaften nicht beteiligen wollen, wenn M&#228;nner nicht mitgehen „d&#252;rfen“. Die offene Auseinandersetzung dar&#252;ber wurde nicht gef&#252;hrt. Einigen war das Mitmachen von etablierten (Frauen-)Organisationen einfach wichtiger als die Kraft und St&#228;rke einer Frauendemonstration. Bei der letztendlichen Abstimmung im Vorbereitungsplenum waren zehn Frauen f&#252;r eine gemischte Demo, sechs f&#252;r eine Frauendemonstration und einige haben sich der Stimme enthalt. Nach der Abstimmung sind Autonome Feministinnen vom FZ aus der Vorbereitung rausgegangen. </strong></p>
<p><em>A, F, M, N</em>: In einer sexistischen Gesellschaft brauchen Frauen eigene Freir&#228;ume, einerseits als Schutz- und R&#252;ckzugsort, andererseits als Raum der politischen Organisierung. Frauenfreir&#228;ume sind auch ein unverzichtbares Mittel, um feministische K&#228;mpfe in gemischten Organisationen zu erm&#246;glichen.<br />
Solange auf der Demo ein klar antisexistischer Konsens herrscht, sehen wir es als unproblematisch, wenn M&#228;nner mitgehen und sich solidarisieren, solange sie dabei eine untergeordnete Rolle spielen. Es muss den Frauen vorbehalten sein, die Demo zu organisieren, Entscheidungen zu treffen, und Forderungen zu entwickeln.</p>
<p><strong>Was sollte eurer Meinung nach der politische impact der Demo sein? </strong></p>
<p><em>B</em>: Wie gesagt, wichtig ist das Signal, die Langfristigkeit von feministischen B&#252;ndnissen ohne Grabenk&#228;mpfe, die je nach Situation, Inhalt und Kontext punktuelle sein k&#246;nnen. Ich find es schwierig, alles aufzuz&#228;hlen. Es kann ja der Plattformwebsite entnommen werden, was die verschiedenen Frauen unter feministischer Politik verstehen. Es hat sich ja schon bis ins deutsche Feuilleton herumgesprochen, dass die Situation der Frauen in &#214;sterreich im europ&#228;ischen Vergleich ganz schlecht ist. Ganz allgemein w&#252;rde ich sagen: gegen die zunehmende Feminisierung der Armut – f&#252;r mehr feministisches Bewusstsein. Es fehlt an explizit feministischer Bildung. </p>
<p><em>FZ</em>: Die Demonstration am 19.3. wird jetzt eine „Demonstration f&#252;r Frauenrechte“ sein. Grunds&#228;tzlich sind zus&#228;tzliche gemischte Demonstrationen gegen Sexismus und Patriarchat und f&#252;r Frauenrechte wichtig. Viel zu wenig wird bei Veranstaltungen, Aktionen und Demonstration gegen Sexismus Stellung bezogen. Wir kennen keine Aktion oder Demo, wo auch M&#228;nner gegen Vergewaltigungen oder Frauenmorde &#246;ffentlich Aktionen gesetzt haben. Zu sagen, „Ich schlage mein Frau nicht“, ist dabei eher zynisch, denn das sehen wir als minimalste Selbstverst&#228;ndlichkeit! Es br&#228;uchte den Mut, auch gegen das patriarchale System und gegen das patriarchale-m&#228;nnliche Selbstverst&#228;ndnis aufzutreten, bei sich selbst und gegen&#252;ber anderen M&#228;nnern.<br />
Wir verstehen eine Frauendemonstration als einen wichtigen Bestandteil einer Selbstorganisierung von Frauen. Dieses Bewusstsein von Selbstorganisierung ist f&#252;r jede Einzelne und f&#252;r Frauen gemeinsam ein k&#228;mpferischer Bruch mit dem patriarchalen System und seinen Lebensbedingungen, ein Bruch mit m&#228;nnlicher Dominanz und m&#228;nnlicher Vorherrschaft – auch in seinem neuen neoliberalen Gewand von so genannter Partnerschaft und <em>Gender Mainstreaming</em>, die eine „weibliche“ Erg&#228;nzung zum „(m&#228;nnlichen) Mensch“ als „Herr“ postuliert.</p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Eine Demo alleine kann nicht das erreichen, was in der Gesellschaft und im Kampf gegen das Patriarchat erreicht werden muss. Um eine gesellschaftliche Ver&#228;nderung herbeizuf&#252;hren, bed&#252;rfte es einer breiten Bewegung. Eine Bewegung, die feministisch und zugleich auch dezidiert links und sozialistisch ist und die Forderungen auf der Stra&#223;e durchk&#228;mpft. Frauenpolitische und feministische Forderungen m&#252;ssen in die Gesellschaft getragen werden und eine m&#246;glichst breite Debatte ausl&#246;sen.<br />
Es ist notwendig, sich auch bzw. vor allem mit migrantischen Frauen zu vernetzen und mit ihnen gemeinsam K&#228;mpfe zu f&#252;hren. Die feministische Bewegung muss &#252;ber ihre eigene Wei&#223;heit reflektieren und Wei&#223;e Frauenb&#252;ndnisse &#252;berdenken. Wir finden es wichtig, sich &#252;ber die eigene Klassenposition sowie &#252;ber rassistische Diskriminierungsmuster bewusst zu werden und diese auch in den eigenen Reihen zu bek&#228;mpfen. Ein breites antikapitalistisches feministisches B&#252;ndnis kann kein Wei&#223;es b&#252;rgerliches Frauenb&#252;ndnis sein!<br />
Zu guter Letzt ist eine Programmatik von N&#246;ten, die Geschlecht als Herrschaftsinstrument angreift und das System radikal in Frage stellt. Wir brauchen eine  breite antikapitalistische Frauenbewegung! </p>
<p><strong>In Zeiten von versch&#228;rften globalen Klassengegens&#228;tzen und immer repressiver werdenden Migrationsregimen stellt sich vermehrt die Frage nach einem gemeinsamen Kampf von Frauen aus unterschiedlichen sozialen und regionalen Kontexten. Muss nicht ein feministischer Kampf daher Fragen von Rassismus, Nationalismus und Klasse miteinbeziehen?</strong></p>
<p><em>B</em>: Diese Frage stellt sich realpolitisch tats&#228;chlich vermehrt. Jedoch waren den feministischen K&#228;mpfen, so wie ich sie kenne, immer schon die K&#228;mpfe gegen Rassismus, Nationalismus und Klassenherrschaft eingeschrieben. Auch wenn heute oft so getan wird, als w&#228;re das nicht so. Man m&#252;sste da nur mal die Flugbl&#228;tter zum 8. M&#228;rz der letzten 30 Jahre durchlesen.</p>
<p><em>Anna, Flora, Marlen, Neva</em>: Ja fix. Und ob! </p>
<p><strong>Was k&#246;nnten/sollten Ziele/Strategien jenseits dieses symbolischen Tages sein, um die Frauenbewegung/feministische Themen zu st&#228;rken und in der Gesellschaft st&#228;rker zu verankern?</strong></p>
<p><em>B</em>: Diese Frage l&#228;sst sich beim besten Willen nicht so beantworten. Es gibt keine Patentrezepte, jede Kollektivit&#228;t muss das selber tun und sich erarbeiten. Es gibt ja auch hunderte B&#252;cher dazu. Ganz grunds&#228;tzlich fehlt m.E. eine gr&#246;&#223;ere Bewegung, mehr Auseinandersetzung unter denjenigen, denen das &#252;berhaupt ein Anliegen ist, und &#252;berhaupt mangelt es an feministischer Bewusstseinsbildung. Und ganz &#252;berhaupt geht es um eine im weiten Sinne linke und feministische Repolitisierung der Gesellschaft und es fehlen (uns) Theorien und Praxen alternativer Politik- und &#214;konomieformen.</p>
<p><em>FZ</em>: Es braucht eine breite und radikale feministische Bewegung die diese Herrschaftsverh&#228;ltnisse auf den Kopf stellt und zerlegt!</p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Es muss um die Organisierung von Frauen gehen und deren Vernetzung &#252;ber Organisationsgrenzen hinweg. Das Ziel muss sein, das Patriarchat zu st&#252;rzen und die Gesellschaft umzukrempeln. Das geht nur, wenn B&#252;ndnisarbeit effektiv gestaltet wird. Innerhalb aller gemischten Organisationen m&#252;ssen feministische K&#228;mpfe gef&#252;hrt, Frauenfreir&#228;ume geschaffen und Frauen gest&#228;rkt bzw. gegenseitig best&#228;rkt werden. Es muss bei den feministischen K&#228;mpfen &#252;ber die Organisationsgrenzen hinweg eine Orientierung auf die Subalternen geben und es m&#252;ssen strategisch gemeinsame Forderungen aufgestellt werden. Die feministische Bewegung muss sich weg von dem Wei&#223;en und ausschlie&#223;enden b&#252;rgerlichen Feminismus bewegen.<br />
Feuer und Flamme dem Patriarchat, Kampf dem Sexismus in Arbeit, Alltag, Staat! </p>
<p><em>Birge Krondorfer</em> ist Philosophin, Lehrbeauftragte an den Universit&#228;ten Klagenfurt und Innsbruck und t&#228;tig im feministischen Bildungs- und Kulturverein Frauenhetz, den sie auch mit gegr&#252;ndet hat. </p>
<p>Das <em>FrauenM&#228;dchenLesbenZentrum</em> versteht sich als Teil der autonomen FrauenLesbenBewegung. Als solche bietet es einen Raum f&#252;r die feministische Auseinandersetzung mit weiblichen Lebensbedingungen und der Reflexion und Entwicklung widerst&#228;ndiger Praxis gegen Sexismus und sexistische Herrschaftsverh&#228;ltnisse. Die FZ-Bar befindet sich im <em>Wiener Werkst&#228;tten- und Kulturhaus WUK </em>in Wien.</p>
<p><em>Anna Svec, Flora Alvarado-Dupuy, Marlen Stahrm&#252;ller</em> und<em> Neva L&#246;w</em> sind langj&#228;hrige Aktivistinnen in der Sozialistischen Jugend Wien und Teil der Marxistischen Initiative Marxist*in. </p>
<p>Das Interview f&#252;hrten <em>Veronika Duma, Julia Hofmann</em> und <em>Fanny M&#252;ller-Uri</em>.</p>
<p>Anmerkung<br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Dieses Interview wurde aus einer Stellungnahme von autonomen Feministinnen und Lesben aus dem FZ zusammengestellt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2011/03/11/feuer-und-flamme-dem-patriarchat-2/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Feuer und Flamme dem Patriarchat!</title>
		<link>http://www.perspektiven-online.at/2011/03/03/feuer-und-flamme-dem-patriarchat/</link>
		<comments>http://www.perspektiven-online.at/2011/03/03/feuer-und-flamme-dem-patriarchat/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 03 Mar 2011 11:12:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[8. März]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Internationaler Frauentag]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.perspektiven-online.at/?p=1810</guid>
		<description><![CDATA[Am 19. M&#228;rz ist das 100-j&#228;hrige Jubil&#228;um des Internationalen Frauentags. 1911 fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r die Rechte von Frauen statt, an der 20.000 Menschen teilnahmen. Anl&#228;sslich des Jubil&#228;ums wird dieses Jahr im Rahmen eines B&#252;ndnisses zu einer breiten Demo mobilisiert, die an eine lange Tradition internationaler Frauenk&#228;mpfe ankn&#252;pft. Wir haben Feministinnen aus drei unterschiedlichen Kontexten gebeten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 19. M&#228;rz ist das 100-j&#228;hrige Jubil&#228;um des <em>Internationalen Frauentags</em>. 1911 fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r die Rechte von Frauen statt, an der 20.000 Menschen teilnahmen. Anl&#228;sslich des Jubil&#228;ums wird dieses Jahr im Rahmen eines B&#252;ndnisses zu einer breiten Demo mobilisiert, die an eine lange Tradition internationaler Frauenk&#228;mpfe ankn&#252;pft. Wir haben Feministinnen aus drei unterschiedlichen Kontexten gebeten, per Mail zum Internationalen Frauentag, den damit verkn&#252;pften Forderungen und Zielen, den Herausforderungen feministischer B&#252;ndnisarbeit und den Perspektiven &#252;ber dieses Datum hinaus, Stellung zu nehmen.<br />
<span id="more-1810"></span></p>
<p><img alt="" src="http://www.perspektiven-online.at/wp-content/uploads/2011/03/Moik4.jpg" title="feuerundflamme" class="aligncenter" width="300" height="400" /><br />
<strong>Ihr kommt alle aus unterschiedlichen politischen Kontexten. Welche  Bedeutung hat dieser Tag f&#252;r euch und in der Kontinuit&#228;t welcher K&#228;mpfe und Bewegungen seht ihr euch?</strong></p>
<p><em>Birge</em>: Nun ja, ich sehe das nicht so, dass wir aus so unterschiedlichen feministischen Zusammenh&#228;ngen kommen. Ich habe vor ca. 30 Jahren im autonomen Fl&#252;gel der zweiten Frauenbewegung (FB) begonnen und bin der Tradition nach wie vor verbunden – bei aller Ver&#228;nderung des Fl&#252;gels selbst und bei allem, wie frau sich selbst so entwickelt bzw. gepr&#228;gt wird, oder wie die gesellschaftlichen Umst&#228;nde alle sozialen Bewegungen entweder vereinnahmt oder aufgel&#246;st haben. Das ist allgemein ein gro&#223;es Problem. Allerdings habe ich die Binnenerodierung innerhalb der FBen durch die sogenannten postfeministischen Str&#246;mungen als besonders schmerzlich empfunden. An der politischen Bedeutung des Internationalen Frauentags m&#246;chte ich festhalten; dieser scheint ja auch in vielen Frauenorganisationen wichtig zu sein – auch wenn es mir manchmal analog zu den Weihnachtschristen vorkommt: Einmal im Jahr gibt es eine Gedenkminute und sonst passiert nicht viel; zumindest in den Wohlstandsgegenden unsrer Welt – wobei &#214;sterreich da im Unterschied zu anderen westlichen L&#228;ndern eh noch eine recht lebendige Frauenszenerie hat –, denn wie ich geh&#246;rt habe, wird in bestimmten Teilen Afrikas z.B. der Frauentag in einem Ausma&#223; und einer Form begangen, die hier gar nicht vorstellbar ist.</p>
<p><em>Autonome Feministinnen und Lesben aus dem autonomen FrauenLesbenM&#228;dchenZentrum (FZ)</em><a titel="anm_1" name="anm_1" href="#anm1"><sup>1</sup></a>: Anl&#228;sslich des 100. Jahrestages des <em>Internationalen Frauentages</em> gedenken wir respektvoll allen Frauen, die sich den Grenzen ihres Zeitalters, den sexistischen, rassistischen und sozialen Kategorisierungen nicht unterworfen haben und f&#252;r die Freiheit der Frauen und Menschheit gro&#223;en Widerstand geleistet haben. Unsere Verbundenheit mit diesen Frauen hei&#223;t f&#252;r uns, uns auf ihren Widerstand zu beziehen, ihnen Bedeutung beizumessen und diese K&#228;mpfe zu noch gr&#246;&#223;eren Erfolgen zu f&#252;hren. Am 8. M&#228;rz 2011 wird es eine FrauenLesben-Demonstration zum Internationalen Frauenkampftag geben; nicht weil es „in den letzten Jahren immer schon so war“, sondern weil uns die Selbstorganisierung von FrauenLesben grunds&#228;tzlich wichtig ist und weil wir wollen, dass am 8.3. feministische Aktionen regional – mit internationaler Verbundenheit – stattfinden. Denn Feminismus und Frauenbefreiung sind international. </p>
<p><em>Anna, Flora, Marlen, Neva</em>: Als Sozialistinnen sehen wir uns auch und gerade am  Frauenkampftag in der Tradition proletarischer und sozialistischer Frauenbewegungen und deren K&#228;mpfen um die Rechte der Arbeiterinnen und einer gleichberechtigten Position innerhalb linker sozialistischer Bewegungen. Weil gerade die Forderung nach gelebter Gleichstellung in sozialistischen Kontexten wohl immer wieder neu ertrotzt werden muss, ist auch f&#252;r uns das Angehen gegen das Konzept von Haupt- und Nebenwiderspruch in der Linken ein wichtiges Kampffeld. Da hei&#223;t es auch immer in der eigenen Organisation aufr&#228;umen. Keinesfalls nur am Frauenkampftag, denn das hie&#223;e seine urspr&#252;ngliche Bedeutung als Mahnmal und besonderer Solidarit&#228;tsmoment in ein n&#252;tzliches Alibi umzuwandeln, sich als linke Organisation nicht das ganze Jahr mit Frauenpolitik auseinandersetzen zu m&#252;ssen. Wird er aber als das gesehen was er ist, als M&#246;glichkeit der Solidarisierung und der Zusammenf&#252;hrung von K&#228;mpfen, kann es der Frauenkampftag ganz sch&#246;n in sich haben. Innerhalb der SJ wird eben das anhand der Vernetzung verschiedener Frauen aus dem SP Vorfeld versucht, Aktionen in allen SJ-Bezirken sollen feministische Kampfthemen nach au&#223;en tragen. Auch das vor einigen Jahren erk&#228;mpfte Feministische Seminar nur f&#252;r Frauen erm&#246;glicht einen k&#228;mpferischen Raum f&#252;r Diskussion, Solidarisierung und Empowerment. Und den brauchen wir, denn: das Vorankommen feministischer K&#228;mpfe ist immer auch ein Gradmesser f&#252;r unser generelles Vorankommen als Linke, f&#252;r den Fortschritt der Bewegung. </p>
<p><strong>Was waren historisch gesehen die zentralen Forderungen? Gab es einen Wandel innerhalb dieser Forderungen? Und welche sind f&#252;r euch heute noch zentral?</strong></p>
<p><em>B</em>: Am 19. M&#228;rz 1911 gingen rund 20.000 Frauen – und M&#228;nner – auf die Wiener Ringstra&#223;en, um f&#252;r Frauenrechte zu k&#228;mpfen. Ihre Anliegen waren das allgemeine Frauenwahlrecht, gleicher Lohn f&#252;r gleiche Arbeit, der 8-Stunden-Tag, die Senkung der Lebensmittelpreise, die Einf&#252;hrung einer Sozialversicherung, die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und Frieden. Die K&#228;mpfe der FB begannen rund um das Abtreibungsrecht und im Kontext der 68er-Bewegung. Es ging um das Selbstbestimmungsrecht und weibliche Freiheit und Unabh&#228;ngigkeit von den M&#228;nnern (politisch und privat). Damit verbunden war immer auch eine fundamentale Gesellschafts- als Herrschaftskritik und die Internationalit&#228;t, also die Politisierung der Ausbeutung von Frauen (ihren K&#246;rpern usw.) weltweit.</p>
<p><em>FZ</em>: Vor beinahe 100 Jahren, am 19. M&#228;rz 1911, fand in Wien die erste gro&#223;e Demonstration f&#252;r Frauenrechte statt. Damals wie heute gilt: Um die Selbstorganisierung von Frauen und Frauenbewegungsgeschichte zu begreifen ist es auch notwendig, die gesellschaftlichen Kontexte zu betrachten. 1911 waren in &#214;sterreich Frauen vom allgemeinen Wahlrecht ausgeschlossen und es war Frauen verboten, Mitglied in politischen Vereinen zu werden oder politische Frauenvereine zu gr&#252;nden. Frauen erk&#228;mpften sich die M&#246;glichkeit, sich politisch zu organisieren und ihren Stimmen Geh&#246;r zu verschaffen.<br />
2011 leben wir in einer (patriarchalen) Gesellschaft, die von Gleichberechtigung spricht und in der Frauen – immer noch und immer wieder – von &#246;konomischer und politischer Benachteiligung und von sexistischer Gewalt betroffen sind. Wir erleben eine Versch&#228;rfung patriarchaler Zust&#228;nde, mit einem Erstarken der M&#228;nnerrechtsbewegung und Abtreibungsgegner, dem „geduldeten“ Selbstverst&#228;ndnis, dass Frauen geringer entlohnt werden, und Verh&#228;ltnissen, in denen Frauen – scheinbar selbstbestimmt – allerorts pornografisch vermarktet werden. Hierarchische Geschlechterverh&#228;ltnisse und soziale Geschlechterrollen werden mit Wissenschaften und Religionen erneut biologisch/“nat&#252;rlich“ oder „gottgewollt“ begr&#252;ndet, oder „Gender“ liberal umgedeutet und als „individuelle Wahl“ begriffen. Erk&#228;mpfte Frauenorte, feministische Strukturen, solidarische Unterst&#252;tzung oder Frauenveranstaltungen werden mit so genannter Gleichstellungspolitik angegriffen und als „Diskriminierung von M&#228;nnern“ definiert. Auf den Unis sind z.B. Frauenlehrveranstaltungen offiziell nicht mehr durchsetzbar; etliche Frauenberatungsstellen wurden mittels Subventionsvorgaben dazu gezwungen, zu Familienberatungsstellen zu werden. Als „Fortschritt“ gilt die Beteiligung von einzelnen Frauen im Management und im Milit&#228;r. Es wird uns vorgegaukelt, dass „Frauen alle M&#246;glichkeiten haben“. Wenn`s eine nicht schafft oder sich nicht an den Herrschaftsverh&#228;ltnissen beteiligen will, ist sie „selber schuld“. Sie wird darin maximal individuell betreut oder „gecoacht“, um wieder zu „funktionieren“. Und dann gibt‘s noch die theoretische Diskussion der „Dekonstruktion der Geschlechter“, woraus einige folgern, dass es Frauen nicht gibt bzw. nicht mehr geben soll. Parallel dazu entwickelt sich immer mehr ein rassistisches Selbstverst&#228;ndnis, in dem – pl&#246;tzlich auch <em>mann </em>– medial &#252;ber die Unterdr&#252;ckung von Frauen in „anderen L&#228;ndern“ spricht, die gleichzeitig als „r&#252;ckst&#228;ndig“ betrachtet werden. Die Individualisierung und Vermarktung der Frauen im kapitalistischen Patriarchat wird hingegen als „entwickelte Emanzipation“ gesehen. </p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Die Forderungen der ersten Frauenbewegung nach Frauenwahlrecht und Partizipation am b&#252;rgerlichen Staat stie&#223;en ja selbst innerhalb der Sozialdemokratie auf einigen Widerstand. Viktor Adler bringt den Standpunkt der Partei in dieser Frage auf den Punkt: „Es hat niemals eine Sozialdemokratie gegeben, die nicht das Frauenwahlrecht als eine ebenso notwendige Sache angesehen h&#228;tte wie das der M&#228;nner. (&#8230;) Aber es fragt sich, ob die politische Lage reif ist, um einen Feldzug f&#252;r das Frauenwahlrecht zu unternehmen. Und da sage ich ihnen rundweg, in L&#228;ndern wie &#214;sterreich, Belgien usw., wo das M&#228;nnerwahlrecht noch nicht einmal erk&#228;mpft ist, wo wir alle Kr&#228;fte auf diesen Punkt konzentrieren m&#252;ssen, w&#228;re es eine politische Torheit, diesen Kampf abzulenken auf einen Punkt, der voraussichtlich erst sp&#228;ter zu erreichen sein wird. Von diesem Standpunkt der politischen Taktik muss ich sagen: Wir m&#252;ssen bei jeder Gelegenheit erkl&#228;ren, dass wir f&#252;r das Frauenwahlrecht sind, dass wir auch den ersten Schritt auf diesem Gebiet machen wollen, aber dass der letzte Schritt erst dann gemacht werden kann, wenn der erste Schritt gemacht ist, und der ist: die Erk&#228;mpfung des Wahlrechtes f&#252;r die M&#228;nner.“<br />
Die sozialistischen Frauen lie&#223;en sich diesen Verweis ihrer Rechte auf den zweiten Platz aber nicht gefallen und blieben hart. Parallel ging es immer auch um Arbeitsk&#228;mpfe, die proletarische Frauen in den Betrieben und auf der Stra&#223;e ausfochten. In der zweiten Frauenbewegung &#228;nderte sich der Schwerpunkt feministischer K&#228;mpfe, andere Forderungen wurden zentral. Neben der konstanten Forderung nach v&#246;lliger rechtlicher Gleichstellung wurde auch in den Privatbereich vorgedrungen. „Das Private ist politisch“ geh&#246;rt zu den wichtigsten Slogans der Zweiten Frauenbewegung. Aus diesen alten und immer wieder neu zu erk&#228;mpfenden Forderungen und neuen Themengebieten wie <em>queer theory</em> und <em>postcolonial feminism</em> ergibt sich ein breites Feld antisexistischer K&#228;mpfe, die es auch innerhalb der Organisation immer wieder neu durchzuringen gilt.</p>
<p><strong>Welche Bedeutung kommt eurer Meinung nach dem Frauenkampftag – sowohl international als auch in Bezug auf &#214;sterreich – heute noch zu?</strong></p>
<p><em>B</em>: Es ist frappierend, genauer gesagt entw&#252;rdigend, wie einige der Forderungen, die seit hundert Jahren bestehen, immer noch nicht eingel&#246;st sind oder bis zur Unkenntlichkeit amalgamiert wurden. Deshalb hei&#223;t der Slogan der Plattform f&#252;r den 19. M&#228;rz ja auch: <em>AUS! Aktion Umsetzung. Sofort!</em></p>
<p><em>A, F, M, N</em>: In &#214;sterreich reiht sich der Frauentag f&#252;r viele zwischen Valentins- und Muttertag als deren logische Erg&#228;nzung ein und ist ein Anlass, Frauen Blumen und Pralinen zu schenken. Wenn frau Gl&#252;ck hat, &#252;bernimmt der Haberer auch mal den Abwasch. Auch in der SP&#214; hat der Frauenkampftag seine urspr&#252;ngliche Bedeutung weitgehend verloren. Stattdessen werden Blumen verteilt und Kaffeekr&#228;nzchen abgehalten. Durch das Einwirken von einzelnen Frauen gibt es in manchen Bezirken den Versuch, den feministischen Anspruch dieses Tages wieder mit Leben zu erf&#252;llen. Trotz alledem d&#252;rfen wir jedoch nicht vergessen, dass der Tag uns die M&#246;glichkeit gibt und ein Anlass ist, um auf patriarchale Verh&#228;ltnisse hinzuweisen und dagegen auf die Stra&#223;e zu gehen. </p>
<p><strong>Das diesj&#228;hrige B&#252;ndnis ist politisch ziemlich breit angelegt. Die verschiedenen Gruppierungen und Einzelpersonen, die dieses B&#252;ndnis mittragen, wurden aufgefordert ihre spezifischen Forderungen aufzustellen. Einige von euch sind bei diesem B&#252;ndnis dabei, andere nicht. Warum?</strong></p>
<p><em>B</em>: F&#252;r die Frauenrechte-Demo wurden und werden alle Frauen, Frauengruppen- und organisationen gebeten, ihre Forderungen zu sammeln. Ziel ist es, die Vielzahl der M&#228;ngel &#246;ffentlich zu machen, und nicht eine &#220;berinstanz, die meint, sagen zu k&#246;nnen was wirklich wichtig w&#228;re, zu installieren. Sicher, vieles wird &#228;hnlich sein, einiges auch widerspr&#252;chlich, denn keine Einzelne kann wissen, was die andere sich w&#252;nscht, oder w&#252;nschen muss. Als Mitbegr&#252;nderin der Plattform kann ich nur sagen, dass ich die Idee der Ankn&#252;pfungsf&#228;higkeit f&#252;r viele unterschiedliche Positionen durch das Erinnern an die Frauenk&#228;mpfe von vor hundert Jahren und die W&#252;rdigung der Frauen von damals eine gute Idee finde. </p>
<p><em>FZ</em>: Bei den ersten Vorbereitungstreffen im Sommer und Herbst 2010 haben wir uns als Autonome Feministinnen an der Vorbereitung zur Frauendemonstration am 19.3.2011 beteiligt. Wir fanden und finden die Idee wichtig, weil der 8. M&#228;rz als Internationaler Frauenkampftag Teil unserer Frauenbewegungsgeschichte ist. Warum sind wir letztendlich aus der Vorbereitung ausgestiegen? Einer der Konflikte in der Vorbereitung zur Demonstration am 19.3. war f&#252;r uns, dass ein Gro&#223;teil des Vorbereitungsplenums das „breite B&#252;ndnis“ nur in der Beteiligung von der SP&#214;, den Gewerkschaften und etablierten Fraueneinrichtungen sah und sieht und nicht in der Basisarbeit in den eigenen Strukturen, Stadtteilen und Arbeitszusammenh&#228;ngen. Es wurde argumentiert, dass wir nur dann viele werden k&#246;nnen, wenn sich die SP-, Gewerkschaftsfrauen und der Frauenring beteiligen. Wir sehen in der Beteiligung dieser Organisationen jedoch nicht die Garantie, dass 20.000 Frauen auf die Stra&#223;e gehen. Wir sehen darin mehr ein Anbiedern an die institutionalisierte Macht. Die &#214;VP-, SP&#214;-, Gr&#252;ne- und Gewerkschaftsfunktion&#228;rinnen tragen die herrschende Politik mit, die sich gegen die meisten Frauen richtet und staatlichen Rassismus, &#220;berwachung, Militarisierung und neoliberale Politik etabliert. Aber wir wissen, es gibt auch Widerstand in deren eigenen Reihen. Wir wollten die „Funktion&#228;rinnen“ der SP, Gewerkschaften und Gr&#252;nen nicht ausladen, aber ihnen auch nicht extra nachlaufen. Wir erwarten eher, dass sie sich aus eigenem Interesse beteiligen und z.B. die Frauen an der „Basis“ in den Stadtteilen und Betrieben &#252;ber die Vorbereitungen informieren, damit diese sich einbringen k&#246;nnen (nicht nur f&#252;r Wahlen!). Die Kraft von autonomen Frauenstrukturen wird sich darin zeigen, ob es eine Demonstration wird, wo Frauen f&#252;r sich und f&#252;r eine notwendige gesellschaftliche Ver&#228;nderung auf die Stra&#223;e gehen, oder ob es &#246;ffentlich eine Demo von SP, Gewerkschaften und „prominenten“ Frauen wird, denen wir dann zuh&#246;ren und zuapplaudieren „d&#252;rfen“. Dieses Zusammenkommen ist kein „Event“ und keine inszenierte „Show-B&#252;hne“, es ist ein Zusammenkommen mit Entschiedenheit, Begehren und Leidenschaft f&#252;r Frauenbefreiung! Dann kann sich Zusammenarbeit, mit allen Konflikten und Unterschieden zu einer gemeinsamen Kraft entwickeln &#8211; f&#252;r eine starke feministische Bewegung „von unten“.</p>
<p><strong>Was kann und soll dieser Tag leisten? Was erwartet ihr euch davon? Was sind m&#246;gliche Probleme?</strong></p>
<p><em>B</em>: Der 19.3 soll einfach demonstrieren, dass die Welt, so wie sie sich f&#252;r Frauen darstellt, ein Ding der Unm&#246;glichkeit ist – auch wenn immer so getan wird, als sei eh alles in Butter, die Frauenbefreiung ein alter Hut, Gleichheit kein Problem usw. Eine Riesendemo ist ein Signal – nicht mehr aber auch nicht weniger. Es gibt vehemente W&#252;nsche, dass es bei diesem Signal nicht bleiben soll, sondern die politische Arbeit danach gemeinsam weitergehen m&#246;ge. Ein Hauptproblem ist, dass sehr oft die Gleichen sich ehrenamtlich engagieren und bis zum Umfallen hackeln – w&#228;hrend die Vielen in vornehmer Distanz auf den Zuschauerinnenr&#228;ngen verharren oder sich in Kritik zur&#252;ckziehen, was auch nicht gerade hilfreich ist.</p>
<p><em>FZ</em>: Wir wollen eine gro&#223;e Frauendemonstration mit vielen Frauen. Darin waren wir uns alle einig. Doch wie und mit welchen dies erreicht wird, da gab es unterschiedliche Ansichten. Wir sahen die Demo als M&#246;glichkeit und Chance f&#252;r ein breiteres Frauenb&#252;ndnis und die Realisierbarkeit einer gr&#246;&#223;eren Frauendemonstration. Warum? Weil der Anlass, &#8220;100 Jahre Frauentag&#8221; f&#252;r unterschiedliche Feministinnen – Lesben, autonome FrauenLesbenGruppen, Frauenorganisationen, Migrantinnenprojekte, Fraueneinrichtungen, Frauen aus antirassistischen, antifaschistischen und linken Gruppen und Bewegungen und aus Parteien – ein Anlass sein k&#246;nnte, auf die Stra&#223;e zu gehen. Die Spaltung – autonome FrauenLesben gehen auf die Stra&#223;e, Frauenprojekte und -einrichtungen bem&#252;hen sich um (hart erk&#228;mpfte) Subventionen und die Parteifrauen und etablierte Frauenorganisationen feiern – wenn &#252;berhaupt – in ihren Hallen – ist ja in den letzten zehn, f&#252;nfzehn Jahren immer wieder praktiziert worden. Es ist die immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit und in B&#252;ndnissen, welche als „Partnerinnen“ politisch wahrgenommen werden. B&#252;ndnisse und Zusammenarbeit sind eine Frage der eigenen St&#228;rke aber auch der gegenseitigen Anerkennung und Sichtbarkeit. Selbstorganisierte/Autonome Strukturen „scheuen“ B&#252;ndnisse mit Institutionen und Parteien oft, weil sie bef&#252;rchten, vereinnahmt zu werden. Erfahrungen daf&#252;r gibt es zuhauf. Etablierte Strukturen und Einrichtungen hingegen ignorieren oft autonome, selbstorganisierte Organisationsstrukturen oder ben&#252;tzen sie als so genannte Basis oder als Aktivistinnen, die bei Aktionen den „Kopf hinhalten“, von denen man sich dann aber „in Ruhe und in Sicherheit“ distanzieren kann. Mit „Chaotinnen“, „Autonomen“, „militanten Emanzen“ oder „Kampflesben“ will man nichts zu tun haben, wenn der Freund oder einE NachbarIn &#252;ber „die“ schimpfen, wenn die Medien hetzen, wenn Demos verboten werden, wenn aktiver Widerstand mit Terrorismus-Vorwurf oder als „Mafia“ verfolgt wird. </p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Ein sehr breites B&#252;ndnis birgt die Gefahr, inhaltslos zu werden. Frausein alleine hei&#223;t nicht, dass wir alle dieselben politischen Interessen haben. Gerade am Beispiel von Maria Rauch-Kallat (Club <em>alpha</em>, &#214;VP-Frauen), die auch Teil des B&#252;ndnisses ist, wird deutlich, dass wir nicht nur andere, sondern widerspr&#252;chliche Forderungen vertreten. So wurden in ihrer Amtszeit bspw. die Finanzierung autonomer Frauenh&#228;user gek&#252;rzt und andere reaktion&#228;re Ma&#223;nahmen getroffen.<br />
Eine gro&#223;e feministische Frauendemo kann jedoch auch Debatten „von unten“ ansto&#223;en. Feministische Interventionen finden heute scheinbar nur in Form von staatlicher Frauenpolitik und universit&#228;ren Debatten statt. Unser Ziel muss es aber sein, feministische Standpunkte auf die Stra&#223;e und ins Bewusstsein aller Menschen zu tragen und die ewige Leier von der „eh schon erreichten Gleichberechtigung“ endlich abdrehen.</p>
<p><strong>Eine Diskussion, die jedes Jahr intensiv gef&#252;hrt wird, ist, ob die Demo eine reine Frauendemo sein soll oder nicht. Dieses Jahr ist die Demo am 19. M&#228;rz gemischt. Wie steht ihr zu dieser Frage?</strong></p>
<p><em>B</em>: Bin absolut daf&#252;r, dass die j&#228;hrlichen internationalen Frauentage auch solche bleiben. Es d&#252;rfen aber auch gerne andere linke usw. Gruppen jedes Jahr eine Demo f&#252;r mehr Geschlechtergerechtigkeit organisieren. Das w&#228;re super. F&#252;r mich ist der 19.3. 2011 in vieler Hinsicht die Ausnahme von der Regel und nicht identisch mit dem 8. M&#228;rz.</p>
<p><em>FZ</em>: Die Auseinandersetzung „warum eine Frauendemonstration“ und „es gibt auch solidarische M&#228;nner“, gibt es &#252;ber die Jahre immer wieder in den Vorbereitungen. Das Problem w&#228;ren nicht die „solidarischen M&#228;nner“. M&#246;glichkeiten f&#252;r Solidarit&#228;t g&#228;be es auch so genug: das Klo putzen, die W&#228;sche waschen, den Haushalt mitorganisieren statt „mal mitzuhelfen“, mit Buben antisexistische Gespr&#228;che f&#252;hren, antipatriarchale M&#228;nnergruppen bilden, solidarische Aktionen in der Stadt machen, Arbeitskolleginnen in ihrem Kampf um gleiche L&#246;hne unterst&#252;tzen, die eigenen Privilegien hinterfragen, u.s.w. Das Problem sind eher diejenigen, die dann unbedingt bei einer Frauendemonstration mitgehen wollen oder sich mit Feministinnen „schm&#252;cken“, aber patriarchale Strukturen nicht in Frage stellen wollen. Jene, die sich &#246;ffentlich als „Feminist“ pr&#228;sentieren und „privat“ Frauen oder M&#228;dchen als Sexobjekte behandeln und sich bekochen lassen.<br />
Die Vorstellung von einigen, dass M&#228;nner aus „Solidarit&#228;t“ die Technik auf der Demo machen k&#246;nnten, sehen wir als Unterst&#252;tzung der patriarchalen Arbeitsteilung, die Frauen aus bestimmten wirtschaftlichen Bereichen ausgrenzt. Mit der Frauenbewegung haben sich Frauen und M&#228;dchen und immer schon viele Lesben, mit viel Kraft und trotz zahlreichen Konfrontationen mit dem sexistischen Alltag bei Ausbildungen und Arbeiten, u.a. technische und handwerkliche Bereiche angeeignet, die uns (immer noch) vorenthalten werden und an denen wir immer wieder strukturell gehindert werden. Und es gibt sie: die Elektrikerinnen, Mechatronikerinnen, Tischlerinnen, Schlosserinnen, DJanes, Licht- und Tontechnikerinnen… Bei einer Demonstration „anl&#228;sslich 100 Jahre Frauentag“ und „f&#252;r Frauenrechte“ m&#252;ssten Frauen und Lesben gefragt werden, die Technik zu machen!<br />
Manchmal wird die politische Auseinandersetzung um die Selbstorganisierung von Frauen auf eine Ebene von so genannter „sexueller Differenz“ reduziert. Lesben „m&#246;gen keine M&#228;nner“, (heterosexuelle) Frauen wollen auch mit „ihrem Freund“ demonstrieren k&#246;nnen.<br />
Lesbische Existenz l&#228;sst sich nicht auf eine „sexuelle Differenz“ reduzieren, sondern ist ein wichtiger Ausdruck und eine Lebendigkeit von (notwendiger) Frauenkollektivit&#228;t und Frauenbezogenheit, worin sich Frauen als „vollwertige“ und gleichwertige Subjekte begegnen. Dies bedeutet Mut und Widerstand in einem patriarchalen System. Diese Frauenbezogenheit und die autonome Selbstorganisierung von Frauen ist eine wichtige Kraft f&#252;r die Frauenbefreiung – f&#252;r alle Frauen! </p>
<p><strong>In der Diskussion im Vorbereitungsplenum wurde gesagt, dass sich die SP&#214; und die Gewerkschaften nicht beteiligen wollen, wenn M&#228;nner nicht mitgehen „d&#252;rfen“. Die offene Auseinandersetzung dar&#252;ber wurde nicht gef&#252;hrt. Einigen war das Mitmachen von etablierten (Frauen-)Organisationen einfach wichtiger als die Kraft und St&#228;rke einer Frauendemonstration. Bei der letztendlichen Abstimmung im Vorbereitungsplenum waren zehn Frauen f&#252;r eine gemischte Demo, sechs f&#252;r eine Frauendemonstration und einige haben sich der Stimme enthalt. Nach der Abstimmung sind Autonome Feministinnen vom FZ aus der Vorbereitung rausgegangen. </strong></p>
<p><em>A, F, M, N</em>: In einer sexistischen Gesellschaft brauchen Frauen eigene Freir&#228;ume, einerseits als Schutz- und R&#252;ckzugsort, andererseits als Raum der politischen Organisierung. Frauenfreir&#228;ume sind auch ein unverzichtbares Mittel, um feministische K&#228;mpfe in gemischten Organisationen zu erm&#246;glichen.<br />
Solange auf der Demo ein klar antisexistischer Konsens herrscht, sehen wir es als unproblematisch, wenn M&#228;nner mitgehen und sich solidarisieren, solange sie dabei eine untergeordnete Rolle spielen. Es muss den Frauen vorbehalten sein, die Demo zu organisieren, Entscheidungen zu treffen, und Forderungen zu entwickeln.</p>
<p><strong>Was sollte eurer Meinung nach der politische impact der Demo sein? </strong></p>
<p><em>B</em>: Wie gesagt, wichtig ist das Signal, die Langfristigkeit von feministischen B&#252;ndnissen ohne Grabenk&#228;mpfe, die je nach Situation, Inhalt und Kontext punktuelle sein k&#246;nnen. Ich find es schwierig, alles aufzuz&#228;hlen. Es kann ja der Plattformwebsite entnommen werden, was die verschiedenen Frauen unter feministischer Politik verstehen. Es hat sich ja schon bis ins deutsche Feuilleton herumgesprochen, dass die Situation der Frauen in &#214;sterreich im europ&#228;ischen Vergleich ganz schlecht ist. Ganz allgemein w&#252;rde ich sagen: gegen die zunehmende Feminisierung der Armut – f&#252;r mehr feministisches Bewusstsein. Es fehlt an explizit feministischer Bildung. </p>
<p><em>FZ</em>: Die Demonstration am 19.3. wird jetzt eine „Demonstration f&#252;r Frauenrechte“ sein. Grunds&#228;tzlich sind zus&#228;tzliche gemischte Demonstrationen gegen Sexismus und Patriarchat und f&#252;r Frauenrechte wichtig. Viel zu wenig wird bei Veranstaltungen, Aktionen und Demonstration gegen Sexismus Stellung bezogen. Wir kennen keine Aktion oder Demo, wo auch M&#228;nner gegen Vergewaltigungen oder Frauenmorde &#246;ffentlich Aktionen gesetzt haben. Zu sagen, „Ich schlage mein Frau nicht“, ist dabei eher zynisch, denn das sehen wir als minimalste Selbstverst&#228;ndlichkeit! Es br&#228;uchte den Mut, auch gegen das patriarchale System und gegen das patriarchale-m&#228;nnliche Selbstverst&#228;ndnis aufzutreten, bei sich selbst und gegen&#252;ber anderen M&#228;nnern.<br />
Wir verstehen eine Frauendemonstration als einen wichtigen Bestandteil einer Selbstorganisierung von Frauen. Dieses Bewusstsein von Selbstorganisierung ist f&#252;r jede Einzelne und f&#252;r Frauen gemeinsam ein k&#228;mpferischer Bruch mit dem patriarchalen System und seinen Lebensbedingungen, ein Bruch mit m&#228;nnlicher Dominanz und m&#228;nnlicher Vorherrschaft – auch in seinem neuen neoliberalen Gewand von so genannter Partnerschaft und <em>Gender Mainstreaming</em>, die eine „weibliche“ Erg&#228;nzung zum „(m&#228;nnlichen) Mensch“ als „Herr“ postuliert.</p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Eine Demo alleine kann nicht das erreichen, was in der Gesellschaft und im Kampf gegen das Patriarchat erreicht werden muss. Um eine gesellschaftliche Ver&#228;nderung herbeizuf&#252;hren, bed&#252;rfte es einer breiten Bewegung. Eine Bewegung, die feministisch und zugleich auch dezidiert links und sozialistisch ist und die Forderungen auf der Stra&#223;e durchk&#228;mpft. Frauenpolitische und feministische Forderungen m&#252;ssen in die Gesellschaft getragen werden und eine m&#246;glichst breite Debatte ausl&#246;sen.<br />
Es ist notwendig, sich auch bzw. vor allem mit migrantischen Frauen zu vernetzen und mit ihnen gemeinsam K&#228;mpfe zu f&#252;hren. Die feministische Bewegung muss &#252;ber ihre eigene Wei&#223;heit reflektieren und Wei&#223;e Frauenb&#252;ndnisse &#252;berdenken. Wir finden es wichtig, sich &#252;ber die eigene Klassenposition sowie &#252;ber rassistische Diskriminierungsmuster bewusst zu werden und diese auch in den eigenen Reihen zu bek&#228;mpfen. Ein breites antikapitalistisches feministisches B&#252;ndnis kann kein Wei&#223;es b&#252;rgerliches Frauenb&#252;ndnis sein!<br />
Zu guter Letzt ist eine Programmatik von N&#246;ten, die Geschlecht als Herrschaftsinstrument angreift und das System radikal in Frage stellt. Wir brauchen eine  breite antikapitalistische Frauenbewegung! </p>
<p><strong>In Zeiten von versch&#228;rften globalen Klassengegens&#228;tzen und immer repressiver werdenden Migrationsregimen stellt sich vermehrt die Frage nach einem gemeinsamen Kampf von Frauen aus unterschiedlichen sozialen und regionalen Kontexten. Muss nicht ein feministischer Kampf daher Fragen von Rassismus, Nationalismus und Klasse miteinbeziehen?</strong></p>
<p><em>B</em>: Diese Frage stellt sich realpolitisch tats&#228;chlich vermehrt. Jedoch waren den feministischen K&#228;mpfen, so wie ich sie kenne, immer schon die K&#228;mpfe gegen Rassismus, Nationalismus und Klassenherrschaft eingeschrieben. Auch wenn heute oft so getan wird, als w&#228;re das nicht so. Man m&#252;sste da nur mal die Flugbl&#228;tter zum 8. M&#228;rz der letzten 30 Jahre durchlesen.</p>
<p><em>Anna, Flora, Marlen, Neva</em>: Ja fix. Und ob! </p>
<p><strong>Was k&#246;nnten/sollten Ziele/Strategien jenseits dieses symbolischen Tages sein, um die Frauenbewegung/feministische Themen zu st&#228;rken und in der Gesellschaft st&#228;rker zu verankern?</strong></p>
<p><em>B</em>: Diese Frage l&#228;sst sich beim besten Willen nicht so beantworten. Es gibt keine Patentrezepte, jede Kollektivit&#228;t muss das selber tun und sich erarbeiten. Es gibt ja auch hunderte B&#252;cher dazu. Ganz grunds&#228;tzlich fehlt m.E. eine gr&#246;&#223;ere Bewegung, mehr Auseinandersetzung unter denjenigen, denen das &#252;berhaupt ein Anliegen ist, und &#252;berhaupt mangelt es an feministischer Bewusstseinsbildung. Und ganz &#252;berhaupt geht es um eine im weiten Sinne linke und feministische Repolitisierung der Gesellschaft und es fehlen (uns) Theorien und Praxen alternativer Politik- und &#214;konomieformen.</p>
<p><em>FZ</em>: Es braucht eine breite und radikale feministische Bewegung die diese Herrschaftsverh&#228;ltnisse auf den Kopf stellt und zerlegt!</p>
<p><em>A, F, M, N</em>: Es muss um die Organisierung von Frauen gehen und deren Vernetzung &#252;ber Organisationsgrenzen hinweg. Das Ziel muss sein, das Patriarchat zu st&#252;rzen und die Gesellschaft umzukrempeln. Das geht nur, wenn B&#252;ndnisarbeit effektiv gestaltet wird. Innerhalb aller gemischten Organisationen m&#252;ssen feministische K&#228;mpfe gef&#252;hrt, Frauenfreir&#228;ume geschaffen und Frauen gest&#228;rkt bzw. gegenseitig best&#228;rkt werden. Es muss bei den feministischen K&#228;mpfen &#252;ber die Organisationsgrenzen hinweg eine Orientierung auf die Subalternen geben und es m&#252;ssen strategisch gemeinsame Forderungen aufgestellt werden. Die feministische Bewegung muss sich weg von dem Wei&#223;en und ausschlie&#223;enden b&#252;rgerlichen Feminismus bewegen.<br />
Feuer und Flamme dem Patriarchat, Kampf dem Sexismus in Arbeit, Alltag, Staat! </p>
<p><em>Birge Krondorfer</em> ist Philosophin, Lehrbeauftragte an den Universit&#228;ten Klagenfurt und Innsbruck und t&#228;tig im feministischen Bildungs- und Kulturverein Frauenhetz, den sie auch mit gegr&#252;ndet hat. </p>
<p>Das <em>FrauenM&#228;dchenLesbenZentrum</em> versteht sich als Teil der autonomen FrauenLesbenBewegung. Als solche bietet es einen Raum f&#252;r die feministische Auseinandersetzung mit weiblichen Lebensbedingungen und der Reflexion und Entwicklung widerst&#228;ndiger Praxis gegen Sexismus und sexistische Herrschaftsverh&#228;ltnisse. Die FZ-Bar befindet sich im <em>Wiener Werkst&#228;tten- und Kulturhaus WUK </em>in Wien.</p>
<p><em>Anna Svec, Flora Alvarado-Dupuy, Marlen Stahrm&#252;ller</em> und<em> Neva L&#246;w</em> sind langj&#228;hrige Aktivistinnen in der Sozialistischen Jugend Wien und Teil der Marxistischen Initiative Marxist*in. </p>
<p>Das Interview f&#252;hrten <em>Veronika Duma, Julia Hofmann</em> und <em>Fanny M&#252;ller-Uri</em>.</p>
<p>Anmerkung<br />
<a title="anm1" name="anm1" href="#anm_1">1</a> Dieses Interview wurde aus einer Stellungnahme von autonomen Feministinnen und Lesben aus dem FZ zusammengestellt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.perspektiven-online.at/2011/03/03/feuer-und-flamme-dem-patriarchat/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
